Was ist mit Wolfis Kollegin los? - Friederike von Buchner - E-Book

Was ist mit Wolfis Kollegin los? E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Das Gespräch mit seiner Kollegin Christine Danzer hatte Wolfi sehr aufgewühlt. Wütend hatte er die Polizeistation verlassen. Er hatte nur gesagt, dass er Überstunden abfeiern würde. Dann war er panikartig davon gestürzt. Nun ärgerte er sich über sein Verhalten. Es war nicht gut gewesen, sich mit Chris zu streiten. Ihm hatte es an Gelassenheit gemangelt. Es wäre besser gewesen, Ruhe zu bewahren und ihre Anschuldigungen ins Lächerliche zu ziehen. Doch die Idee, einfach laut zu lachen und damit Chris Vermutungen zu entkräften, kam ihm erst jetzt, auf dem Weg in seine Wohnung. Irminger zog die Uniform aus und nahm eine Dusche. Aber die Aufregung ließ nicht nach. Sein Herz klopfte so stark, dass er jeden Pulsschlag hörte. Es hämmerte in seinen Schläfen. Sein Hals war trocken. Er fühlte sich elend. Wolfi zog sich Wandersachen an. Das Festnetztelefon läutete. Das Display zeigte Chris Danzers private Handynummer an. Wolfi nahm nicht ab. Sein privates Handy hatte er ausgeschaltet und sein Diensthandy ebenfalls.

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Toni der Hüttenwirt Extra – 6 –

Was ist mit Wolfis Kollegin los?

Ist Chris etwa eifersüchtig …

Friederike von Buchner

Das Gespräch mit seiner Kollegin Christine Danzer hatte Wolfi sehr aufgewühlt. Wütend hatte er die Polizeistation verlassen. Er hatte nur gesagt, dass er Überstunden abfeiern würde. Dann war er panikartig davon gestürzt.

Nun ärgerte er sich über sein Verhalten. Es war nicht gut gewesen, sich mit Chris zu streiten. Ihm hatte es an Gelassenheit gemangelt. Es wäre besser gewesen, Ruhe zu bewahren und ihre Anschuldigungen ins Lächerliche zu ziehen. Doch die Idee, einfach laut zu lachen und damit Chris Vermutungen zu entkräften, kam ihm erst jetzt, auf dem Weg in seine Wohnung.

Irminger zog die Uniform aus und nahm eine Dusche. Aber die Aufregung ließ nicht nach. Sein Herz klopfte so stark, dass er jeden Pulsschlag hörte. Es hämmerte in seinen Schläfen. Sein Hals war trocken. Er fühlte sich elend.

Wolfi zog sich Wandersachen an.

Das Festnetztelefon läutete. Das Display zeigte Chris Danzers private Handynummer an. Wolfi nahm nicht ab. Sein privates Handy hatte er ausgeschaltet und sein Diensthandy ebenfalls. Er legte beide in die Schublade der Anrichte, im Wohnzimmer, zusammen mit seinem Dienstausweis.

Dann verließ er die Wohnung. Er schwang sich auf sein Mountainbike. Er hatte den Drang nach Bewegung. Er radelte zur Praxis von Doktor Martin Engler.

Dort stellte er sein auffälliges Rad hinten unter dem Carport ab, so dass es vor neugierigen Blicken geschützt war. Niemand sollte wissen, dass er die Englers besuchte.

Wolfi ging außen herum, durch den Garten, und klopfte an den Rahmen der offenstehenden Hintertür zur Küche.

Katja Engler drehte sich um. »Mei, Wolfi, grüß Gott!«, rief sie. »Was bin ich erschrocken! Warum kommst' hinten herein?«

»Grüß Gott, Katja, weil ich nicht gesehen werden will«, antwortete er. »Ich muss dringend mit Martin reden. Aber nicht drüben in der Praxis. Ich will vermeiden, dass mich jemand sieht. Ich bin nicht da, verstehst du? Kannst du bitte die Fenster und die Tür zumachen?«

»Ist etwas passiert?«, fragte Katja. Sie schaute ihn neugierig an, mit einer Prise Besorgnis.

»Ja, das kann man wohl sagen«, seufzte Wolfi Irminger. »Chris ist dabei, mir auf die Schliche zu kommen. Wir haben uns vorhin auf der Polizeistation angebrüllt.«

»Wegen Moni?«, fragte Katja.

»Natürlich wegen Moni, sonst gibt es keinen Grund.«

Das Wohnzimmer der Englers ging von der Küche ab und lag im rückwärtigen Teil des Hauses, zum Garten hin.

Katja hielt Wolfi die Wohnzimmertür auf. »Gehe hier hinein! Ich schicke Martin gleich zu dir. Magst du einen Kaffee?«

»Nein, danke, mein Herz rast ohnehin schon. Ich habe den Eindruck, dass mir gleich der Schädel platzt. Ich habe eine kalte Dusche genommen, aber das hat nicht geholfen. Ich fühle mich gar nicht gut.«

Katja fühlte Wolfis Puls. Sie schüttelte den Kopf. »So schnell kann man kaum zählen«, sagte sie entsetzt. »Nimm Platz, Martin wird sich sofort um dich kümmern.«

Wolfi nickte dankbar. Er sank in einen Sessel.

Katja schloss die Tür. Sie griff nach ihrem Handy und eilte in den Garten. Sie rannte zur Gartenlaube am Ende des großen Grundstücks. Von dort aus rief sie ihren Mann an.

Martin wunderte sich, als er Katjas Nummer auf dem Display las. Er stand hinter dem Schreibtisch in seinem Sprechzimmer.

»Entschuldigung, ein dringender Anruf!«, sagte er zu dem Patienten. Dann ging er nach nebenan in das Behandlungszimmer und schloss die Tür. »Katja, was gibt es?«, fragte er. »Warum rufst du mich auf dem Handy an?«

»Martin, Wolfi hat Ärger mit Chris.«

»Wegen Moni?«, fragte Martin sofort.

»Du sagst es! Wolfi sucht Schutz bei uns. Er ist durch den Garten gekommen und will nicht gesehen werden. Ich bin jetzt im Garten, damit ich vor Lauschern sicher bin. Wolfi wartet im Wohnzimmer. Martin, ihm geht es gesundheitlich schlecht. Er hat einen ganz schnellen Puls. Ich kam mit dem Zählen überhaupt nicht mehr mit. Kannst du nach ihm sehen? Am besten gehst du hinten raus, durch die Hintertür, bei der Krankenstation und dann durch den Garten. Und vergiss deine Arzttasche nicht!«

»Mei, das hört sich nicht gut an. Ich bin gleich da. Ich verabschiede nur noch den einen Patienten. Er war der Letzte in der Sprechstunde.«

»Dann schicke Erna in die Pause«, schlug Katja vor. »Wenn sie fort ist, komme ich mit Wolfi rüber in die Praxis.«

»Gute Idee«, sagte Martin und legte auf.

Katja eilte zurück in die Küche. Es dauerte nur zwei Minuten, dann verabschiedete sich Erna Schulz, Martins langjährige Sprechstundenhilfe, in die verspätete Mittagspause. Sie schwang sich auf ihr Fahrrad und fuhr davon.

Martin kam in die Küche und öffnete die Wohnzimmertür. »Grüß Gott, Wolfi! Die Luft ist rein. Du siehst wirklich elend aus. Komm mit rüber ins Behandlungszimmer!«

Augenblicke später untersuchte Doktor Martin Engler den Freund gründlich. Er schaute ihn ernst an. »Du zeigst akute Schocksymptome, Wolfi. Dein Puls und dein Blutdruck sind jenseits von Gut und Böse. Lege dich auf die Behandlungsliege! Ich hänge dir eine Kurzinfusion an. Dann geht es dir in einigen Minuten besser. Eine Kurzinfusion wirkt schneller als eine Tablette.«

»Mir ist alles recht, Martin. Ich fühle mich wirklich elend.«

Martin staute das Blut in Wolfis linkem Arm, legte einen Zugang und schloss die Infusion an. Während die klare Flüssigkeit in die Vene lief, tastete er nach dem Puls. »Es schlägt sofort an. Fühlst du dich schon besser?«

»Ja, das Herzrasen lässt nach«, antwortete Wolfi.

»Gut so!« Martin Engler zog einen Stuhl heran und setzte sich zu Wolfi. »So, nun erzähle mal! Was ist passiert?«

Wolfi seufzte. »Chris unterstellt mir, dass ich Moni decke.«

»Wie kommt sie darauf? Sie kann doch nichts wissen«, staunte Martin.

»Davon war ich auch ausgegangen. Aber ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht, wie man sagt. Mir sind zwei Leute in die Quere gekommen. Zuerst ist mein Kollege Mario vorbeigekommen. Er dachte, er trifft mich auf der Polizeistation an. Doch ich war in der Mittagspause. So haben wir uns verfehlt. Er hat mit Chris geplaudert und eine Anspielung darauf gemacht, dass ich ihn gebeten hatte, eine Autonummer zu recherchieren. Er ließ durchblicken, dass mir die Fahrerin aufgefallen sei, milde ausgedrückt. Chris ist nicht dumm. Sie hat ihre Schlüsse gezogen.« Wolfi atmete tief durch. »Mario verbringt oft seine freien Tage in Waldkogel. Er ist ein begeisterter Bergliebhaber. Er hat sich im Hotel ›Zum Ochsen‹ einquartiert. Dort wäre er am Abend erreichbar. Ich werde ein ernstes Wort mit ihm reden. Das kannst du mir glauben.«

»Dann hat er also getratscht?«

»Genau! Er hat es sicher nicht böse gemeint. Aber er hat dazu beigetragen, dass ich jetzt in Teufels Küche stecke. Doch das ist nicht alles. Ein Unglück kommt selten allein, Martin. Kaum war Mario gegangen, tauchte Monis Exfreund auf, dieser Arnold Lehmann. Er hatte bei der Polizei in Kirchwalden sein angeblich von Moni gestohlenes Auto abgeholt. Jetzt war er auf der Suche nach Moni. Er hatte erfahren, dass Pfarrer Zandler das Auto gemeldet hatte, das ›Am Bruchweg‹ im Graben stand. Arnold Lehmann sprach dann im Pfarrhaus vor, blitzte aber ab. Er dachte wohl, er käme über Pfarrer Zandler an seine Ex-Freundin heran.«

Die Kurzinfusion war durchgelaufen. Martin entfernte den Zugang. »Drücke eine Weile auf den Einstich, sonst bekommst du eine hässliche blaue Stelle«, sagte er.

Wolfi drückte den Wattepad fest drauf und richtete sich auf.

»Wie fühlst du dich jetzt?«, fragte Martin.

»Besser, viel besser, jedenfalls körperlich. Danke, Martin!«

»Nichts zu danken, Wolfi. Erzähle weiter!«

Wolfi seufzte. »Nachdem Lehmann nicht mit Pfarrer Zandler hatte sprechen können, kam er in die Polizeistation. Er beschwerte sich bei Chris über die Arbeit der Polizei. Chris hatte nun genügend Informationen, um sich ein Bild machen zu können. Als ich aus der Mittagspause zurückkam, ging sie gleich auf mich los. Sie trieb mich in die Enge, sodass ich schließlich zugab, dass ich Mario angerufen und ihm die Autonummer durchgegeben hatte. Ich hätte ein Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit gesehen. Eigentlich hätte ich vorgehabt, eine Anzeige zu machen, schließlich sei die Hauptstraße von Waldkogel keine Rennstrecke, aber dann hätte ich mir gesagt, es sei mein freies Wochenende und ich sei nicht nur Polizist, sondern auch Privatmensch. Also wäre ich wandern gegangen.«

»Das war doch eine plausible Erklärung«, sagte Martin.

Wolfi schüttelte den Kopf. »Chris hat sie mir nicht abgenommen.«

»Warum nicht?«

»Mario hatte ihr erzählt, ich hätte mich in eine Autofahrerin verliebt. Deshalb hätte ich ihn gebeten, die Autonummer herauszufinden. Außerdem hatte Arnold Lehmann Chris ein Foto von Moni gezeigt. Dieses Foto ist in der Fahndungskartei. Verstehst du jetzt?«

»Mei, das klingt alles nicht gut, Wolfi.«

»Das ist nicht nur nicht gut, Martin, es ist genau das eingetreten, wovor ich mich gefürchtet habe.«

»Dann kannst du nur hoffen, dass Chris die Sache nicht weiterverfolgt.«

»So, wie sie sich verhalten hat, sieht es nicht danach aus, ganz und gar nicht.«

»Aber ihr versteht euch doch so gut, dachte ich?«, sagte Martin verwundert.

»Pah, das dachte ich auch. Aber das war einmal. Chris sprach es zwar nicht direkt aus, aber sie denkt, dass ich Moni verstecke und eine Straftat decke.«

»Und wie hast du reagiert?«, fragte Martin.

»Ehrlich gesagt, habe ich die Nerven verloren. Sie hat mich immer mehr in die Enge getrieben. Deshalb feiere ich jetzt alle Überstunden ab. Vielleicht beruhigt sie sich wieder?«

Doktor Martin Engler nahm Wolfi den Tupfer ab und klebte ein kleines Pflaster auf die Einstichstelle. Er fühlte noch einmal den Puls. »Die Frequenz ist wieder im Normalbereich. Du bist – an sich – gesund, Wolfi. Du hattest dich nur sehr aufgeregt und dein Körper hat zu viel Adrenalin ins Blut geschüttet. Deshalb waren dein Puls und der Blutdruck so in die Höhe geschossen. Bewahre die Ruhe, rate ich dir.«

»Pah, das ist leichter gesagt, als getan«, stieß Wolfi bitter hervor.

Martin stand auf. »Komm, wir gehen rüber zu Katja! Sie wird beunruhigt sein.«

Katja schaute prüfend Wolfi an, als er hereinkam. »Du siehst schon viel besser aus. Da ich mir dachte, Kaffee ist im Augenblick nicht so zuträglich, habe ich Schokolade gemacht. Setz dich!«

»Gute Idee, Katja«, stimmte Martin seiner Frau zu.

Auf dem Tisch standen schon Becher. Katja schenkte ein und sie setzten sich.

Die alte Walli kam herein, sie hatte Coco dabei. Die kleine Boxerhündin sprang sofort auf die Eckbank und kuschelte sich an Martin. Er streichelte sie. Walli grinste. Sie ahnte, dass Martin nicht mehr lange seinen Vorsatz aufrechterhalten würde, keinen Hund mehr zu wollen. Die kleine Coco hatte schon längst Martins Herz erobert, wenn er es auch nicht zugeben wollte.

Martin gab Walli eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse.

»Ich bin sehr enttäuscht von Chris«, seufzte Wolfi. »Sie ist scharf auf mich losgegangen und hat mich mit Verdächtigungen, Vorwürfen und indirekten Drohungen bombardiert. Dabei hatten wir uns immer so gut verstanden.« Er trank einen Schluck Schokolade.

Walli schüttelte den Kopf.

»Vielleicht beruhigt sich Chris wieder?«, sagte Katja.

»Katja, so hat sich das ganz und gar nicht angehört, das kannst du mir glauben«, stieß Wolfi bitter hervor. »Ich habe Chris immer geschätzt, wegen ihrer Freundlichkeit und ihrem großen Herzen. Bei aller Professionalität hat sie stets die Menschlichkeit nie missen lassen. Aber heute wurde sie zur Furie. Sie hätte doch anders mit mir reden können. Wäre es umgekehrt, hätte sie sich verliebt, hätte ich anders gehandelt. Das schwöre ich. Wäre sie in der gleichen Lage wie ich, hätte ich mich gefragt, wie ich ihr helfen könnte. Man ist doch auch Mensch, Freund, nicht nur Polizist.«

»So einfach ist das nicht, Wolfi«, sagte Walli. »Jeder Mensch hat Emotionen, gegen die die Vernunft nicht ankommt. Darüber solltest du einmal nachdenken.«

»Wie meinst du das?«, fragte Wolfi erstaunt.

Walli schmunzelte. Sie holte sich einen Becher und nahm sich Schokolade. »Wolfi, überlege einmal, ob es sein könnte, dass Chris in dir mehr sieht als einen Kollegen, mit dem sie sich gut versteht und mit dem sie gut zusammenarbeitet?«

»Ich weiß nicht, wie du das meinst.«

»Wolfi, sei nicht so fantasielos.«

»Ich weiß wirklich nicht, auf was du hinaus willst?«

»Ich habe Lebenserfahrung«, sagte Walli. »Ich nehme an, Chris ist heimlich in dich verliebt.«

»Du meinst, Chris hat aus Eifersucht so gehandelt?«, fragte Katja.

»Das ist für mich die einzige Erklärung. Frauen, Madln, die eifersüchtig sind, die sind unberechenbar. Sie können zur Furie werden. Wenn sie den Burschen nicht bekommen, dann soll auch keine andere ihn bekommen.«

»Es ist doch noch gar nicht sicher, ob aus Wolfi und Moni ein Paar wird«, gab Martin zu bedenken.

»Mei, Martin, was bist du naiv«, grinste Walli. »Klar steht das noch alles in den Sternen. Aber ein eifersüchtiges Frauenzimmer kennt keine Grenzen. Sie will sich rächen und will dem Burschen etwas antun, ihn bestrafen.«

Es war ganz still in der großen Wohnküche. Nur das Ticken der Wanduhr war zu hören.

Katja und Martin schauten sich an.

»Nun, das könne eine mögliche Erklärung sein, Wolfi«, sagte Martin nachdenklich. »Jeder in Waldkogel weiß, wie gut ihr zusammenarbeitet und wie harmonisch eure Kollegialität ist. Nicht wenige Waldkogeler haben schon damals gedacht, dass aus euch ein Paar werden könnte, als Chris hierher kam.«

»Ja, wir haben gut zusammengearbeitet. Ja, wir haben uns sehr gut verstanden. Aber das ist Schnee von gestern«, zischte Wolfi. »Chris und ich, wir kennen das Gerede. Wir haben immer darüber gelacht. Wir sind Kollegen, nicht mehr. Und ich habe nie bemerkt, dass Chris ein Auge auf mich geworfen haben könnte.«

»Das hat nichts zu sagen, Wolfi«, kommentierte Walli. »Wie es im Herzen eines Menschen aussieht, ist ein Geheimnis. Für mich steht fest, dass Chris sich heimlich Hoffnungen gemacht hat.«

»Ich habe ihr niemals Anlass dazu geben, Walli«, verteidigt sich Wolfi. »Dass ich sie bei den Hüttenabenden auf der Berghütte zum Tanz aufgefordert habe, kann mir niemand so auslegen. Chris war immer nur eine nette Kollegin für mich.«

Martin rieb sich das Kinn. »Wolfi, ich neige dazu, Walli recht zu geben. Chris muss eifersüchtig sein. Wer heimlich verliebt ist, reagiert bei dem geringsten Verdacht über. Selbst wenn nichts an einer Sache dran ist, glauben sie es nicht. Ihre Fantasie geht mit ihnen durch. Sie steigern sich in etwas hinein. Und wenn Mario angedeutet hat, dass du dich verliebt hast, dann ist das Nahrung für ihre Eifersucht. Chris weiß, dass sie gegen Liebe nicht ankommt. Bisher hegte sie eine heimliche Hoffnung. Die sieht sie jetzt dahinschwinden. Das ruft negative Emotionen hervor und sie schließt über das Ziel hinaus. Statt ruhig mit dir zu sprechen, greift sie dich an«, sagte Martin.

Wolfi nickte dem Freund zu. »Gut möglich! Was soll ich tun?«

»Auf jeden Fall sollst du dich nicht einschüchtern lassen. Darf ich ehrlich sein?«

»Sicher, Martin.«

»Gut, dann will ich dir etwas sagen. Es ist nicht geschickt von dir, jetzt deine Überstunden abzufeiern. Damit überlässt du Chris das Feld. Sie könnte es als Schuldeingeständnis werten. Denk mal darüber nach! Wäre es nicht besser, wenn du dich durchbeißt? Mache Dienst und tue so, als wenn nichts gewesen wäre.«

Katja und Walli nickten zustimmend.

Martin sprach weiter: »Kehre einfach alles unter den Teppich! Außerdem hast du so die Kontrolle, was Chris unternimmt, jedenfalls weitgehend. Sollte sie etwas gegen dich planen, dann warnst du sie, sie würde sich lächerlich machen mit ihren Verdächtigungen. Auch wenn es dich noch so viel Kraft kostet, zeige dich nicht davon betroffen. Gib ihr zu verstehen, dass sie auf dem Holzweg sei. Meide jede Verteidigungsstrategie! Tu so, als hättest du ein reines Gewissen und es gäbe nichts zu verbergen. Strahle Sicherheit aus! Das wird sie verunsichern.«