Was ist mit Erna los? - Friederike von Buchner - E-Book

Was ist mit Erna los? E-Book

Friederike von Buchner

0,0

Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. »Herrgottsakrament!«, fluchte Erna, Doktor Martin Englers Sprechstundenhilfe. »Reg dich nicht so auf! Ich helfe dir«, versuchte ein Patient sie zu trösten. »Lass die Finger davon! Ich erledige das selbst. Du machst nur noch mehr durcheinander«, zischte Erna ärgerlich. »Setz dich hin! Du bist gleich dran.« »Mei, Erna, bist du heute geladen. Ich muss mich nicht so anfauchen lassen, nur weil ich dir helfen wollte«, erwiderte der Mann. Vor dem Tresen kniete sich Erna auf den Fußboden und las die Patientenkarten auf, die sie mit einer schwungvollen Bewegung von der Ablage auf den Boden gestoßen hatte. Katja kam dazu. Sie hatte in der Küche etwas gehört. »Warte, ich helfe dir!«, sagte Katja. »Danke, es geht schon.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 127

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Toni der Hüttenwirt Extra – 5 –

Was ist mit Erna los?

Ihre Freunde sorgen sich um sie

Friederike von Buchner

»Herrgottsakrament!«, fluchte Erna, Doktor Martin Englers Sprechstundenhilfe.

»Reg dich nicht so auf! Ich helfe dir«, versuchte ein Patient sie zu trösten.

»Lass die Finger davon! Ich erledige das selbst. Du machst nur noch mehr durcheinander«, zischte Erna ärgerlich. »Setz dich hin! Du bist gleich dran.«

»Mei, Erna, bist du heute geladen. Ich muss mich nicht so anfauchen lassen, nur weil ich dir helfen wollte«, erwiderte der Mann.

Vor dem Tresen kniete sich Erna auf den Fußboden und las die Patientenkarten auf, die sie mit einer schwungvollen Bewegung von der Ablage auf den Boden gestoßen hatte.

Katja kam dazu. Sie hatte in der Küche etwas gehört.

»Warte, ich helfe dir!«, sagte Katja.

»Danke, es geht schon. Kümmere du dich um deine Sachen, ich kümmere mich um meine Sachen«, fauchte Erna.

Katja blickte sich ratlos um. Die Patienten zuckten mit den Schultern und rollten schweigend die Augen.

»Die Erna ist heute Morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden«, sagte Erwin. »Sie lässt sich nicht helfen.«

»Halte dein Mundwerk, Erwin!«, schimpfte Erna sofort.

Schnell raffte sie die Karteikarten zusammen und stand auf. Sie ging hinter den Tresen und sortierte sie. Katja stand noch einen Augenblick dabei, dann drehte sie sich um und ging in die Küche.

Walli saß am Küchentisch und schälte Kartoffeln.

Katja seufzte. Walli grinste.

»Erna hat heute schlechte Laune, wie? Ich habe alles gehört.«

Katja schenkte sich eine Tasse Kaffee ein.

»Magst du auch eine Tasse, Walli?«

»Gern! Ich bin mit den Kartoffeln gleich fertig.«

Walli schälte die letzte dicke Kartoffel und legte sie in die Schüssel mit Wasser, die sie zur Seite stellte. Katja raffte die Kartoffelschalen zusammen und gab sie in einen Eimer mit Deckel. Jeden zweiten Tag holte ein Nebenerwerbslandwirt die Küchenabfälle ab, die er auf seinem Hof verarbeitete oder verfütterte.

Sie setzten sich an den Tisch und tranken Kaffee.

»Walli, ich mache mir allmählich Gedanken um Erna. Es ist jetzt schon einige Tage her, dass sie die Blumenvase umgeworfen hat. Die Schnittwunde an ihrer Hand ist gut verheilt. Doch sie kommt mir so verdreht vor. Sie ist launisch. Außerdem … oft steht sie in der Praxis und starrt vor sich hin. Irgendwie wirkt sie geistesabwesend. Vielleicht ist sie doch mit dem Kopf irgendwo angestoßen und hat eine Gehirnerschütterung? Martin sagt, organisch könne er nichts feststellen. Sie benimmt sich nur seltsam, höchst seltsam, muss ich sagen. So kenne ich sie nicht. Sicher hast du auch schon bemerkt, wie unberechenbar sie reagiert. Eben, als ihr die Karteikarten auf den Boden gefallen sind, war das wieder so eine Situation. Mei, das kann doch mal passieren.«

»Ich stimme dir zu«, sagte Walli, »Erna pflegt im Augenblick ihre Launen. Das wird sich wieder geben. Jeder hat mal schlechte Phasen, Katja.«

»Das lasse ich nicht gelten. Erna hat eine Vertrauensstelle in der Praxis. Schließlich geht es um die Gesundheit, vielleicht sogar um das Leben von Patienten. Erna macht Fehler.«

»Was für Fehler?«, fragte Walli erstaunt.

Katja schwieg. Walli sah ihr an, dass sie sich überlegte, ob und was sie sagen sollte.

Katja stand auf und schloss die Tür. Nachdem sie sich wieder gesetzt hatte, sagte sie leise:

»Erna hat Rezepte verwechselt.«

»Wie meinst du das?«

»Nun, sie hat Patienten Rezepte ausgehändigt, die nicht für sie bestimmt waren. Das ist nicht nur einmal passiert. Zum Glück gehen alle Patienten zum gleichen Apotheker in Kirchwalden. Er kennt die Patienten mit Namen. Als er die Medikamentenliste durchsah, wunderte er sich. Es fiel ihm auf, dass ein falscher Name auf dem Rezept stand. Der Apotheker kennt fast alle Krankengeschichten. Das passt nicht zusammen, dachte er.«

Katja trank einen Schluck Kaffee.

»Er rief hier an. Erna war nicht da. Sie war pünktlich heimgegangen. Martin war auf Hausbesuch. So war ich am Telefon. Ich zog die Karteikarte heraus und konnte es klären. Es war bei drei Patienten passiert. Zum Glück sind alle Stammkunden der gleichen Apotheke. Ich habe alles geregelt.«

Die alte Walli schüttelte den Kopf.

»Das hört sich gar nicht gut an, Katja.«

»Das stimmt.«

»Und was sagt Martin dazu?«, fragte Walli.

Katja seufzte leise. »Ich muss dir gestehen, dass ich ihm nichts davon erzählt habe.«

»Sollte er das nicht wissen?«

»Sicher sollte er es wissen, aber ich dachte, ich muss nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen.«

»Öl ins Feuer gießen?«

»Ja, Walli. Martin hat bei mir geklagt, dass Erna in den letzten Tagen viele Fehler macht. Sie ist vergesslich. Wenn Martin sie um etwas bittet, fragt sie oft nach, so als hätte sie es nicht verstanden. Er hat sie ein paar Mal gebeten, Spritzen aufzuziehen, und sie griff im Medikamentenschrank daneben. Dazu kommt, dass sie Medikamente falsch eingeordnet hat.«

»Katja, das hört sich erschreckend an.«

»Das ist erschreckend.«

»Und was will Martin dagegen tun?«

Katja zuckte mit den Schultern. »Du hast es ja miterlebt, Walli. Nachdem Erna sich die Hand verletzt hatte, hat Martin sie gründlich untersucht, da sie ja auch über Schwindel geklagt hatte. Aber alle Blutwerte waren im Normalbereich. Sie waren sogar sehr gut. So gesehen ist Erna gesund.«

»Aber?«

»Aber irgendetwas stimmt nicht mir ihr. Martin zerbricht sich den Kopf. Unter uns, Martin vermutet, Erna könnte etwas haben, das ihre Wahrnehmung beeinträchtigt, etwas, das vom Kopf herkommt. Du verstehst?«

»Wenn du Kopf sagst, meinst du Hirn. Richtig?«

Katja sah Walli ernst an.

»Das ist Martins Verdacht.«

Walli überlegte, was sie sagen sollte. Dann sagte sie:

»Nun, es muss doch nicht gleich krankhaft sein, Katja. Weißt du, heute wird viel übertrieben. Okay, ich bin kein Doktor. Aber sobald heute nur jemand mal eine Kleinigkeit vergisst, einen Namen oder sich an etwas nicht mehr sofort erinnert, heißt es gleich, er habe Alzheimer. Ich rege mich darüber oft auf. Sicher gibt es das. Aber heute wird viel Theater um etwas gemacht, wozu man früher sagte, jemand wird alt oder verkalkt. Das nahm man so hin. Heute muss alles behandelt werden, auch wenn nix mehr zu behandeln ist. Damit will ich nix gegen Martin sagen.«

»Das weiß ich doch, Walli.«

»Dann ist es ja gut. Außerdem wird heute alles überbewertet. Dazu kommt, dass die Menschen viel mehr Stress haben. Sie kommen nicht mehr zur Ruhe. Da muss man sich nicht wundern, wenn das Hirn mal schlappmacht. Das passiert auch, wenn man zu fett gegessen hat.«

Katja musste lachen.

»Mei, Walli, du bist mir eine Nummer! Doch der Vergleich gefällt mir. Martin wird Tränen lachen, wenn ich ihm davon erzähle. Aber in gewisser Weise liegst du gar nicht so falsch.«

Katja trank einen Schluck Kaffee.

»Aber Erna hat keinen Stress. Sie führt ein ruhiges, beschauliches Leben. Außerdem arbeitet sie nur hier am Computer. Zu Hause hat sie keinen. Sie interessiert sich nicht für das Internet. Also, das fällt schon mal weg. Wovon sollte sie gestresst sein?«

Walli atmete tief durch.

»Es ist mühsam zu spekulieren, Katja. Doch ich mache mir oft so meine Gedanken. Ganz allgemein, meine ich das. Hat nicht jeder Mensch seine Geheimnisse? Ich denke, jeder bewahrt in seinem Inneren etwas, worüber er mit niemandem spricht.«

»Das mag sein, Walli. Okay, es können Erinnerungen sein, liebe und schlimme. Aber jeder hat doch einen Menschen, der ihm nahesteht. Bevor diese Geheimnisse dazu führen, dass man krank wird, sollte man sich jemandem anvertrauen. Und wenn man mit seinem Partner oder seinen Kindern nicht darüber sprechen will, kann man sich einem Geistlichen oder einem Seelsorger anvertrauen. Ich finde, darüber zu sprechen ist immer gut. Klar kann es passieren, dass es Kritik hagelt. Doch in der Auseinandersetzung kann eine Lösung liegen. Ich bleibe dabei, Reden ist besser als Schweigen. Macht man etwas mit sich selbst aus, dann dreht man sich oft im Kreis. Man grübelt endlos und findet nicht heraus.«

Walli nickte.

»Reden ist nicht jedem Menschen möglich. Jeder will doch perfekt sein. Es kann sein, dass man eine Entscheidung getroffen hat, die unumkehrbar ist. Doch die Entscheidung war falsch. Sie kann ein Leben lang belasten. Das heißt nicht, dass sie ständig im Vordergrund steht und im Verborgenen den Alltag bestimmt. Aber es wird Situationen geben, in denen sich die Person erinnert. Das kann dann belastend sein.«

Katja holte für sich und Walli ein Stück Kuchen. Sie aßen.

»Zurück zu Erna, meinst du, es liegt ihr etwas auf der Seele?«

»Das ist gut möglich, Katja. Und deshalb hat Erna ihre Gedanken nicht beieinander. Sie war unachtsam, als sie an die Blumenvase stieß. Vielleicht hatte sie über etwas nachgegrübelt. Sie wollte nicht zugeben, dass sie mit ihren Gedanken ganz woanders war, also schummelte sie und sagte, ihr sie schwindelig geworden.«

Katja sah sie fragend an. Walli wich ihrem Blick aus.

»Walli, du weißt etwas. Gib es zu! Wenn Erna einen Kummer hat, dann müssen wir für sie da sein.«

»Wir sind für sie da. Es liegt an Erna, ob sie reden will oder nicht.«

»Damit gibst du zu, dass Erna Kummer hat.«

»Katja, ich habe nichts zugegeben. Ich kenne Erna schon immer, das heißt vom Sehen. Richtig kenne ich sie erst, als sie beim alten Doktor anfing. Später hat Martin die Praxis übernommen. Das ist schon viele Jahre her.«

»Und du hast deine Beobachtungen gemacht?«

»Genau! Jedenfalls soweit das aus der Ferne möglich ist. Damals war die Praxis noch drüben. Aber auch durch Nachbarn hört man vieles. Und ich denke, es gib einige Sachen, die der Erna nachgehen könnten. Dazu kommt, dass sie jetzt in einem Alter ist, in dem ihr aufgeht, dass sie wahrscheinlich vergeblich auf Zweisamkeit hofft. Ich hatte meinen Mann. Wir führten eine glückliche Ehe. Du hast Martin. Aber Erna hat niemanden. Da kann es schon sein, dass ihr die Leere in ihrem Leben bewusst wird.«

»Midlife-Crisis sagt man dazu«, bemerkte Katja.

»Genau«, stimmte ihr Walli zu.

Katja überlegte.

»Es ist schade. Erna wäre eine gute Ehefrau und Mutter. Sie ist ein mütterlicher Typ. Sie ist immer noch sehr jugendlich, obwohl sie Mitte vierzig ist. Sie hat eine gute Figur und sieht mindestens zehn Jahre jünger aus. Walli, du weißt doch alles. Gibt es einen Grund, dass sie alleine ist?«

Walli lachte.

»Katja, Erna war ein fesches Madl, und sie kann immer noch als fesch gelten. Aber wenn die Liebe nicht kommt oder nicht passt, dann kann man nichts machen.«

»Willst du damit sagen, dass du vermutest, Erna war einmal unglücklich verliebt?«

Walli zuckte mit den Schultern.

»Katja, Erna hat sich mir nie anvertraut. Sie ist kein Mensch, der ihr Herz offen auf der Zunge trägt. Sie ist niemand, der klagt und jammert. Sie geht ganz in ihrer Arbeit auf. Was sollte sie auch sonst tun? Sie hat niemanden. Menschen, die alleine leben, geraten irgendwann in eine Lebenskrise. Ich habe das oft erlebt. Ihnen wird plötzlich bewusst, wie einsam sie sind. Dazu kommt die Angst vor dem Alter.«

»Das klingt einleuchtend, Walli. Ich halte viel von deiner Menschenkenntnis. Wenn ich alles, was du gesagt hast, auf Erna übertrage, dann steckt sie in einer schweren Krise. Dann ist es einleuchtend, dass sie Fehler macht. Was kann man tun? Kann man ihr helfen? Meinst du, es würde helfen, wenn Martin sie anspricht?«

Walli dachte nach, während sie ihr Stück Kuchen zu Ende aß. Dann schüttelte sie den Kopf.

»Ich denke, es wäre der falsche Weg, wenn Martin sie direkt ansprechen würde. Vielleicht hat sie sich in einigen Tagen wieder gefangen. Sollte Erna sich von sich aus Martin anvertrauen, ist es etwas anderes.«

»Das stimmt. Aber Martin macht sich große Sorgen. Außerdem hat er die Verantwortung für Erna. Er muss Sorge tragen, dass keine Fehler geschehen.«

»Das stimmt. Wir müssen mehr auf sie achten in den nächsten Tagen. Vielleicht fängt sie sich wieder. Sollte es so weitergehen, sehe ich ein, dass etwas geschehen muss, Katja.«

»Du hast recht. Wir reden heute Abend bei der Brotzeit noch einmal darüber, Walli.«

»Das ist eine gute Idee.«

Die Tür ging auf, und Martin kam herein.

»Nanu, warum habt ihr die Tür zugemacht? Sie steht doch sonst immer offen. Habt ihr Geheimnisse?«

Katja lachte.

»Vielleicht, haben wir die. Es standen Patienten im Flur. Walli und ich wollten uns unterhalten. Es muss nicht jeder jedes Wort hören, das wir reden.«

»Das stimmt. Aber jetzt ist es leer. Die meisten wollten nur ein Rezept. Doch da sind mir seltsame Geschichten erzählt worden. Leider habe ich jetzt keine Zeit, es euch zu berichten. Ich muss zu einem Hausbesuch nach Marktwasen, ein Unfall im Haushalt. Gebrochen scheint nichts zu sein. Es ist wahrscheinlich nur eine Verstauchung oder eine böse Prellung. Kannst du ein Auge auf Erna haben, Katja?«

»Sicher, Martin! Ist sie wieder so komisch?«

»Oh ja! Entweder träumt sie vor sich hin, oder sie ist geistig weggetreten. Ich habe noch nicht entschieden, wie ich es beurteilen soll. Jedenfalls hat sie sich verändert oder verhält sich sehr anders seit ihrem kleinen Unfall«, sagte Martin mit gedämpfter Stimme. »Jetzt muss ich aber los. Wir reden heute Abend darüber. Pfüat di!«

Er gab Katja einen Kuss und eilte davon.

Walli und Katja sahen sich an. Sie verstanden sich auch ohne Worte. Katja stand auf und ging hinüber in die Praxis.

*

»Guten Morgen! Hast du gut geschlafen?«, fragte Wendy, als Jenny hereinkam.

»Oh ja, Wendy, ich habe sehr gut geschlafen. Vielen Dank für deine Gastfreundschaft!«

»Setz dich! Ich habe schon gefrühstückt. Was möchtest du essen?«

Jenny zuckte mit den Schultern.

»Keine Ahnung! Was isst man auf einer Alm zum Frühstück?«

Wendy lachte.

»Wir wäre es mit Eiern und Speck? Dazu selbstgebackenes Brot. Die Butter mache ich selbst.«

»Backst du auch das Brot?«

»Nein, das überlasse ich Anna, sie kann das besser als ich. Sie backt jeden zweiten Tag Brot auf der Berghütte. Dabei backt sie für mich ein kleines Brot mit. Willst du Kaffee?«

»Gern!«

»Setz dich schon mal hin!«

Jenny setzte sich an den Tisch.

»Das dort ist doch ein Hundenapf. Hast du einen Hund? Du hast ihn hoffentlich nicht in einen Zwinger gesperrt.«

»Ja, ich habe eine Hündin. Nein, sie wird nie eingesperrt.«

Während Wendy die Eier mit Speck briet, erzählte sie Jenny von ihrer Neufundländerhündin Bella und ihrem Sohn Benno, der auf der Berghütte bei Toni und Anna sein Quartier hatte.

»Das ist ja toll. Und sie können ein Wägelchen ziehen und Packtaschen tragen, und sie finden den Weg ganz alleine nach oben auf die Berghütte? Wirklich? Mei, ist das krass!«

Wendy lachte laut über Jennys Ausdrucksweise.

»Du wirst Bella kennen lernen und Benno auch. Ich werde dich später hinauf zur Berghütte bringen.«

Jennys Gesicht verfinsterte sich etwas.

»Was hast du?«

»Kann ich nicht bei dir bleiben? Mit dir verstehe ich mich gut. Du hast gleich verstanden, dass ich einfach abgehauen bin, um Erna zu suchen.«

»Du musst vor Toni und Anna keine Angst haben. Sie werden dich auch verstehen. Aber du kannst auch gern hierbleiben. Ich finde es schön, wenn ich Gesellschaft habe.«

»Super! Wendy, du bist ein richtiger Schatz!«

Wendy lächelte.

Sie stellte Jenny die kleine Eisenpfanne hin und ermunterte sie, direkt aus der Pfanne zu essen.

»Das macht man so, jedenfalls aß man früher so in den Bergen. Es schmeckt anders, weil es länger warm bleibt. Wenn mehrere Leute am Tisch saßen, kam eine große Eisenpfanne in die Mitte.«

»Wow, schmeckt super«, murmelte Jenny mit vollem Mund.