Teach Me - Jessica Peterson - E-Book
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Teach Me E-Book

Jessica Peterson

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Beschreibung

Greer Monroe kennt Brooks Huntley, den besten Freund ihres Bruders, schon fast ihr ganzes Leben. Damals war sie acht, heute ist sie dreiundzwanzig, erfolgreiche Bäckerin, und bringt ihm jeden Morgen seinen heißgeliebten Muffin ins Büro. Brooks, mittlerweile ein gefragter Analyst bei Atlas & Teton, ist elf Jahre älter, verboten attraktiv … und für sie absolut tabu.

Für ihn war Greer immer nur die kleine Schwester seines besten Freundes. Bis er ihr eines Abends aus der Patsche hilft. Kurz darauf überrascht er sie mit einem Angebot, das sie nicht ablehnen kann: ein gemeinsames Wochenende in einem Luxusresort. Seine einzige Bedingung? Ihr Bruder darf nie etwas davon erfahren ...

Was als harmlose Auszeit beginnt, wird schnell zu einem Spiel mit dem Feuer, und zu der Erkenntnis, dass es manchmal keine Tabus gibt, wenn das Herz längst entschieden hat.


Age-Gap Romance trifft auf Brother’s-Best-Friend – mit Forbidden Tension, Funkenflug und süßer Versuchung.

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Seitenzahl: 419

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Greer Monroe kennt Brooks Huntley, den besten Freund ihres Bruders, schon fast ihr ganzes Leben. Damals war sie acht, heute ist sie dreiundzwanzig, erfolgreiche Bäckerin, und bringt ihm jeden Morgen seinen heißgeliebten Muffin ins Büro. Brooks, mittlerweile ein gefragter Analyst bei Atlas & Teton, ist elf Jahre älter, verboten attraktiv … und für sie absolut tabu.

Für ihn war Greer immer nur die kleine Schwester seines besten Freundes. Bis er ihr eines Abends aus der Patsche hilft. Kurz darauf überrascht er sie mit einem Angebot, das sie nicht ablehnen kann: ein gemeinsames Wochenende in einem Luxusresort. Seine einzige Bedingung? Ihr Bruder darf nie etwas davon erfahren ...

Was als harmlose Auszeit beginnt, wird schnell zu einem Spiel mit dem Feuer, und zu der Erkenntnis, dass es manchmal keine Tabus gibt, wenn das Herz längst entschieden hat.

Age-Gap Romance trifft auf Brother’s-Best-Friend – mit Forbidden Tension, Funkenflug und süßer Versuchung.

Über Jessica Peterson

Jessica Peterson schreibt Romane, die voller Leidenschaft, Humor und Herz sind. IWenn sie nicht gerade an ihren Geschichten arbeitet, findet man sie oft in den besten Restaurants des Südens, wo sie mit ihrem Ehemann Ben an der Bar sitzt. Außerdem genießt sie es, Bücher mit ihrerTochter Gracie zu lesen oder sich mit ihrem 70-Pfund schweren Schoßhund Martha gemütlich einzukuscheln.

Als wahres Carolina-Girl träumt Jessica davon, ihre Zeit zwischen Charleston und Asheville aufzuteilen. Momentan lebt sie jedoch in Charlotte, North Carolina.

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Jessica Peterson

Teach Me

Aus dem Amerikanischen von Cécile Lecaux

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

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Wall Street Bathroom

1. KAPITEL — GREER

2. KAPITEL — BROOKS

3. KAPITEL — GREER

4. KAPITEL — BROOKS

5. KAPITEL — GREER

6. KAPITEL — BROOKS

7. KAPITEL — GREER

8. KAPITEL — BROOKS

9. KAPITEL — GREER

10. KAPITEL — BROOKS

11. KAPITEL — GREER

12. KAPITEL — BROOKS

13. KAPITEL — GREER

14. KAPITEL — BROOKS

15. KAPITEL — GREER

16. KAPITEL — BROOKS

17. KAPITEL — BROOKS

18. KAPITEL — BROOKS

19. KAPITEL — GREER

20. KAPITEL — GREER

21. KAPITEL — BROOKS

22. KAPITEL — GREER

23. KAPITEL — BROOKS

24. KAPITEL — BROOKS

25. KAPITEL — GREER

26. KAPITEL — GREER

27. KAPITEL — BROOKS

28. KAPITEL — GREER

29. KAPITEL — BROOKS

30. KAPITEL — GREER

31. KAPITEL — BROOKS

32. KAPITEL — BROOKS

EPILOG — GREER

Impressum

Wall Street Bathroom

@WSBathroom

Gesprächsfetzen, aufgeschnappt in Toiletten an der Wall Street. Schickt mir eure Fundstücke an:

[email protected]

New York, New York

475 folgen 4M gefolgt

@WSBathroom 5/9

Wenn ihr dachtet, der Klatsch über Theo Morgan und Nora Frasier wäre heiß gewesen, macht euch auf etwas gefasst *händereib*

@WSBathroom 5/9

Ich habe gehört, dass ein gewisses Mathematik-Genie nicht nur in der Theorie ein Überflieger ist, sondern auch im Bett.

@WSBathroom 5/9

Spaß beiseite … ich habe aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass dieses Genie nicht nur überdurchschnittlich klug ist, sondern auch ein Ausnahme-Lover.

@WSBathroom 5/9

Und gut bestückt ist er auch, wobei das nur dann von Interesse ist, wenn man auch etwas damit anzufangen weiß. Und das ist bei ihm der Fall *seufz*

@WSBathroom 5/9

Hoffen wir, dass unser erotischer Einstein nicht vom Weg abkommt. Sein Arbeitgeber, Atlas & Teton, macht gerade stürmische Zeiten durch. Weitere Verluste, ein sinkender Aktienkurs und das Ausscheiden mehrerer wichtiger Führungskräfte in den letzten Monaten stellen die Zukunft der Investmentbank infrage.

@WSBathroom 5/9

Wenn unser Genie mal Druck ablassen will, kann er gerne mal bei mir vorbeischauen. Ich habe eine Schwäche für gut bestückte Investmentbanker.

1. KAPITEL

GREER

»Du willst mir also damit sagen, dass es für eine Entschuldigung zu spät ist.«

Ich stehe auf der anderen Seite der Tür, die das Hinterzimmer des Drury Lane von Theke und Kasse trennt, fahre aber trotzdem zusammen bei dem metallischen Klappern, das durch die Bäckerei hallt.

»Fick dich, Dustin.«

»Hannah, lass mich dir doch …«

»Ich glaube dir kein Wort mehr. Ich habe dich gesehen! Mit ihr! Wieder!«

Ein Knall. Ich lasse beinahe das Tablet mit den Triple-Chocolate-Muffins fallen, das ich gerade versuche, in die Kühltheke zu stellen. Ich werfe einen Blick durch das Bullauge in der Tür und sehe, wie Dustin die tätowierten Hände hebt. »Ich habe dir doch gesagt, dass sie nur eine Freundin ist. Aber wenn du mir nicht zuhören willst, hat es wohl keinen Sinn mehr. Ich hoffe, dir ist klar, dass du mir das Herz brichst, Hannah.«

»Und ich hoffe, du brichst dir deinen syphilisverseuchten Schwanz in der syphilisverseuchten Schlampe.« Hannah schluchzt. »Glaubst du, mir würde es nicht das Herz brechen?«

Ich stelle das Tablett in die Kühltheke und puste mir den Pony aus den Augen. Dann werfe ich einen Blick auf die Uhr und knirsche mit den Zähnen, als ich sehe, dass es schon nach sechs ist. Ich muss in die Bank.

Pronto.

Das Drury Lane befindet sich im selben Gebäude wie Atlas & Teton und ich fahre jeden Tag mit einem Rollwagen nach oben. Die Bank ist unser größter Kunde. Meine Stammkunden – um diese Zeit die regulären Trader und ein paar Großkopferte aus der Chefetage – erwarten mich, und insbesondere meinen Wagen, um Punkt sechs Uhr fünfzehn.

Mein Magen zieht sich zusammen, als ich mir vorstelle, wie enttäuscht Brooks Huntley sein wird, wenn er auf seinen Eiskaffee und sein Muffin warten muss. Vor allem diese Woche. Um diese Jahreszeit hat der beste Freund meines Bruders es immer besonders schwer. Ich möchte für ihn da sein, sei es auch nur, weil er für mich da ist – wortwörtlich. Er ist immer der Erste in der Schlange.

Aber ohne Muffins, Frühstücks-Sandwiches und Kaffee kann ich nicht rauffahren. Und der Wagen an der Tür ist leer.

Ich schließe die Augen und hole tief Luft. Es gehört zu Dustins und Hannahs Aufgaben, morgens den Verkaufswagen zu bestücken. Aber meine Angestellten, die mit zwanzig sehr jung geheiratet haben, steuern mit einundzwanzig bereits auf eine hässliche Scheidung zu. Anfangs waren sie wirklich hervorragende Mitarbeiter. Immer pünktlich, immer fleißig. Aber mit der Beziehungskrise hat auch ihr Arbeitseinsatz rapide nachgelassen. Die Bäckerei boomt, nicht zuletzt dank der sozialen Medien und Mundpropaganda, und ich kann mir keine Fehler leisten, jetzt, da ich endlich in der Lage bin, mir selbst ein (bescheidenes) Gehalt zu zahlen.

Ich drücke mit der Schulter die Tür zur Backstube auf, und sofort schlägt mir der buttrige Duft frisch gebackener Muffins entgegen.

»Alles klar bei euch?«, frage ich freundlich und schicke ein Stoßgebet zum Himmel, dass nicht einer oder beide alles hinschmeißen und kündigen. Den langwierigen Prozess, geeignetes Personal zu finden, kann ich gerade so wenig brauchen wie ein Loch im Kopf.

Hannah schnieft. »Geht schon.«

»Verdammt, ich habe den Wagen vergessen«, stöhnt Dustin, als er sieht, wie ich nach dem Tablett mit den in Frischhaltefolie eingewickelten, hausgemachten herzhaften Muffins greife. Der Belag aus Ei, Wurst und Chili-Käse gehört zu den Favoriten der Banker.

Ich schüttele den Kopf, als er Anstalten macht, mir zu helfen. »Ich mache das schon. Behaltet ihr nur die Öfen im Auge.«

Erst kurz vor halb haste ich mit ratternden Rädern über den Bürgersteig zum Haupteingang des Gebäudes.

Warum muss dieser Tag schon so stressig anfangen?

Ich stelle einen Drury-Lane-Karton auf den Tisch des Wachmanns am Empfang und schenke ihm ein gehetztes Lächeln. »Guten Morgen!«

»Ihre Blaubeer-Muffins sind Gift für meine Figur, aber so lecker, dass man ihnen einfach nicht widerstehen kann«, seufzt Pete und öffnet mir per Knopfdruck die Milchglastür zum Fahrstuhl von Atlas & Teton.

»Sorry, not sorry«, rufe ich ihm über die Schulter zu.

Ich drücke mit dem Ellbogen den Fahrstuhlknopf, rücke mein Haarband zurecht und wische mir mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn.

Dann prüfe ich noch einmal, ob ich auch an alles gedacht habe.

Kaffee, Tassen, Deckel, Eis: check.

Vier Dutzend vegetarische Muffins mit Ei für die Low-Carb-Fraktion von der Forex-Abteilung: check. Ich bereite sie mit Hüttenkäse zu, das macht sie besonders leicht und fluffig.

Vier Dutzend englische Frühstücksmuffins: check.

Sechs Dutzend Muffins der beliebtesten Sorte: check. Die Blaubeer-Streusel-Muffins gehen immer gut, ebenso wie unsere Frühlings-Variante mit Rhabarber und Buttermilch.

Der absolute Renner sind aber die Triple-Chocolate-Muffins. Hierfür verwende ich einen samtigen Teig aus Milchschokolade mit einem Schuss Espresso; ein Rezept, an dem ich das ganze erste College-Jahr getüftelt habe, bis ich endlich zufrieden war. Oben drauf sind Tropfen aus Edelbitterschokolade und eine Espressobohne mit einem Überzug aus weißer Schokolade.

Das ist auch Brooks’ Favorit. Er ist eine von Fitness besessene Maschine mit nur sieben Prozent Körperfett, hat aber eine Schwäche für Süßes, die ich nur zu gerne befriedige, weil … nun ja, weil ich möglicherweise ein ganz kleines bisschen in ihn verschossen bin.

Oder auch mehr als ein bisschen, wenn ich ehrlich bin. Und das seit fünfzehn Jahren! Ich war schon mit acht in Brooks verknallt, als mein Bruder George, der elf Jahre älter ist als ich, uns beim ersten Eltern-Wochenende auf der Duke miteinander bekannt gemacht hat. Die beiden haben sich ein Zimmer geteilt und waren zusammen in der Rudermannschaft. Inzwischen arbeiten sie beide für dieselbe Investmentbanking-Gruppe bei A&T.

Nicht, dass ich auch nur den Hauch einer Chance hätte, bei Brooks zu landen. Erstens würde mein Bruder ihn umbringen, wenn er etwas mit mir anfinge, und zweitens spielt Brooks in einer völlig anderen Liga. Er ist unglaublich attraktiv. Erfolgreich. Reich. Ich habe über die Jahre immer wieder beobachtet, wie er jede Frau abgeschleppt hat, die er haben wollte, und diese Frauen waren alle aus dem gleichen Holz geschnitzt wie er: elegant, schön, kultiviert. Und ungefähr in seinem Alter.

Niemals würde er sich für eine schüchterne, dreiundzwanzigjährige Bäckerin interessieren, die dazu auch noch Jungfrau ist – und chronisch pleite. Bis vor Kurzem habe ich jeden Cent Gewinn wieder in den Laden investiert oder an meine Investoren zurückgezahlt – meine Eltern und meinen Bruder.

Es war ein großer Durchbruch für mich, aber auch eine große Verantwortung, als ich im vergangenen Jahr den Vertrag mit A&T an Land gezogen habe, die Mitarbeiter im »Börsensaal« mit Frühstück versorgen zu dürfen. Ich habe mich verpflichtet, zweimal wöchentlich zwischen 6:15 und 9:15 die Energieversorgung der Verkäufer und Trader zu gewährleisten.

Das heißt, dass ich an diesen Tagen schon um vier Uhr früh in der Bäckerei bin. Als Hannah und Dustin bei mir angefangen haben, waren sie auch um diese Zeit schon da, aber inzwischen kommen sie erst gegen fünf oder halb sechs.

Ich sollte mit ihnen darüber reden, aber irgendwie tun sie mir leid, so dass ich ihnen keinen zusätzlichen Stress machen möchte.

Ich glaube, die beiden schlafen ohnehin kaum noch und können die Extra-Stunde gut brauchen. Wenn sich die Wogen geglättet haben, werde ich mich aber einmal mit ihnen zusammensetzen und ein paar Dinge ansprechen.

Bis dahin muss ich mich eben noch etwas mehr ins Zeug legen.

Der Fahrstuhl pingt. Ein junger Mann trabt hinter mir an und hält die Tür auf. Er trägt Chinos und ein weißes Hemd. Das sandfarbene Haar ist ordentlich gescheitelt und zur Seite gekämmt. Breite Schultern, mittelgroß und etwa in meinem Alter.

Süß.

»Nach Ihnen«, sagt er höflich.

»Danke.« Ich schiebe den schweren Wagen in den Fahrstuhl und hoffe, dass meine Levi’s nicht allzu eng aussieht. Ich habe in letzter Zeit aus Stress zu viele Kohlenhydrate gegessen, so dass inzwischen alle Hosen enger sitzen als sie sollten. Vor allem diese Jeans, die noch aus dem dicken, unelastischen Stoff ist, was sie besonders unbequem macht.

Ich bedaure, dass die Mode der Neunzigerjahre gerade ihr Comeback feiert.

Der Typ betritt nach mir die Kabine, und die Türen gleiten hinter uns zu. Eine unangenehme Stille breitete sich aus. Ich möchte sterben.

Und ich möchte Sex.

Falsch: Ich möchte Spaß. Davon hatte ich seit dem Collegeabschluss extrem wenig, da ich gleich im Anschluss das Drury Lane eröffnet habe.

Obwohl ich wahnsinnig viel zu tun habe – wofür ich natürlich dankbar bin – habe ich das Gefühl, zu kurz zu kommen, und bin frustriert. Und ich fühle mich einsam.

Habe ich schon erwähnt, dass ich schüchtern bin? Ich wäre nicht einmal dann in der Lage, einen Typen anzusprechen, wenn mein Leben davon abhinge. Ich schiebe das darauf, dass ich kaum zum Duschen komme, geschweige denn zum Flirten. Aber inzwischen bin ich schon so lange Single, dass man es beinahe als tragisch bezeichnen kann. Ich muss mir etwas einfallen lassen, und sei es auch nur, um meinem Vibrator eine Pause zu gönnen.

Mein Mitfahrer betrachtet die mit Folie bedeckten Tabletts auf meinem Wagen. »Das sieht alles sehr verlockend aus. Machen Sie die selbst?«

Cool bleiben cool bleiben cool bleiben.

Ich lächle. »Ja. Mir gehört die Muffin-Bäckerei im Erdgeschoss. Das Drury Lane.« Ich zeige auf mein T-Shirt, und er richtet den Blick auf meine Brust.

»Ah! Der Muffin Man. Verstehe. Clever. Wobei … Sie sind dann das Muffin Girl.«

»Genau. Ich bin eine Frau. Offensichtlich. Also das Muffin Girl.« Was für ein dämliches Gestammel.

»Und ein hübsches dazu.«

Mein Gesicht glüht. »Äh … danke? Ich meine, ich bin gerade ziemlich gestresst und verschwitzt und …«

Der Typ steckt die Hände in die Hosentaschen. Er flirtet mit mir, aber ich bin zu ungeschickt und steif und vermassele es mal wieder.

»Ich habe damals viel Shrek geschaut«, starte ich noch einen Versuch.

»Shrek?«

»Ja. Drury Lane und der Muffin Man? In dem Film gab es doch den sprechenden Lebkuchenmann. Der mit den drei blinden Mäusen? Wie auch immer. Lord Farquaad foltert ihn, um Informationen über Shrek und Fiona aus ihm herauszubekommen, und er fragt ihn, ob er den Muffin Man kennt …«

»Ich stehe nicht so auf Kinderfilme.«

Ich sterbe innerlich tausend Tode, lächle aber tapfer weiter. »Ja. Nein. Ich meine, ja, das verstehe ich. Ist auch schon länger her, dass ich den Film …« Ich atme tief durch. »Ist eine Ewigkeit her. Keine Zeit. Aber ich höre während der Arbeit eine Menge Podcasts.«

»Aha. Okay.«

»Vorwiegend True Crime. Am liebsten Geschichten über Morde.«

»Hmmm.«

Hiernach kehrt wieder Stille ein, noch drückender als zuvor. Er klimpert mit Kleingeld in der Hosentasche und starrt zu Boden. Als der Fahrstuhl wieder pingt, blickt er auf, sichtlich erleichtert, dass die Fahrt vorbei ist.

Am liebsten Geschichten über Morde? Wer zum Teufel sagt so etwas? Vor allem zu einem Fremden?

Er hält mir wieder die Tür auf, und wie vorhin bedanke ich mich artig. Dann betritt er vor mir den großen Saal von Atlas & Teton, in dem die Börsentrader sitzen und den Wertpapierhandel für die Kunden abwickeln.

Ich bleibe einen Moment stehen und tue so, als müsste ich meinen Schuh binden, während ich tatsächlich nur auf den Teppichboden starre und wünschte, der Boden würde sich auftun und mich verschlucken.

Um mich herum klingeln Telefone. Ein Mann lacht. Eine Frau in hübschen, bestimmt sündhaft teuren Schuhen mit spitzen Absätzen, die den Teppich malträtieren, hastet an mir vorbei.

Meine Augen brennen. Ich bin fix und fertig. Ich stelle mal wieder meine Entscheidung infrage, mich im vergangenen Jahr, mit nur zweiundzwanzig Jahren, selbstständig gemacht zu haben. Die meisten meiner alten Klassenkameraden sind Banker geworden oder haben Jura studiert. Mich hat damals keins von beidem gereizt, aber vielleicht waren die anderen schlauer als ich.

Ich blinzle mehrmals und schaue dann hoch, während ich versuche, die nötige Kraft zu mobilisieren, um mich aufzurichten.

Aber anstatt an der Decke landet mein Blick auf einem Mann zu meiner Linken. Da ich noch in der Hocke bin, kann ich ihn unauffällig mustern und mein Interesse ist sofort geweckt. Vielleicht will ich mich aber auch nur von meinen düsteren Gedanken ablenken.

Der Mann trägt blitzblanke, elegante braune Oxford-Schuhe. Er hat lange Beine, die in frisch gebügelten Hosen stecken – keine lässigen Chinos, wie sie mein Bruder zur Arbeit trägt. Die Hose sitzt tief auf den Hüften, und in der rechten vorderen Tasche zeichnen sich die Umrisse seines Handys ab. Das strahlendweiße Hemd verschwindet hinter einem schicken braunen Gürtel. Darüber ein gut gebauter Oberkörper mit flachem Bauch und breiter Brust. Die Hemdsärmel sind bis zu den Ellbogen aufgerollt. Die Unterarme sind beeindruckend muskulös und sehnig.

Dieser Mann ist nicht süß.

Er ist brandheiß.

So heiß, dass ich darüber das Brennen in meinen Augen und sogar die Verlegenheit vergesse, die mir die Kehle zuschnürt.

So heiß, dass mich der Anblick auf die Füße zieht, während ich den Blick über seinen kräftigen Hals und die dunkelblonden Bartstoppeln gleiten lasse, die fast, aber nicht ganz, als Bart durchgehen. Und diese Lippen … Volle, vertraute Lippen. Dazu das Grübchen im Kinn …

Oh.

O Mann.

Brooks.

Natürlich ist es Brooks. Sogar auf dem Handelsparkett mit Hunderten von Leuten findet mein hungriger, sehnsüchtiger Blick ihn immer zuerst.

Mein Traummann steht an einem Drucker, das Gesicht einer Frau zugewandt, die neben ihm steht. Ich kann nicht hören, was sie sagen, aber an der Körperhaltung der Frau erkenne ich sofort, dass sie auf ihn steht.

Er stützt sich mit der Hand auf dem Tisch neben sich ab und dreht sich so, dass er jetzt der viel kleineren, zierlichen Frau zugewandt ist. Die Bewegung ist subtil, aber die Frau beißt sich auf die Unterlippe, weil sie sich seines Interesses offensichtlich bewusst ist. Er sagt etwas, und sie lacht. Nicht zu laut und nicht zu viel. Ein angemessenes Lachen, nur ansatzweise flirtig.

Der Drucker spuckt in rascher Folge und viel zu schnell die Ausdrucke raus, die mit einem Mal durch die Luft fliegen. Brooks richtet sich auf und fängt ein paar Blätter auf, bevor sie der Frau ins Gesicht wehen. Sie lacht wieder, diesmal ist es schon eindeutiger ein Flirten, und mir entgeht nicht, dass Brooks’ Ellbogen ihren Bauch streift, als er sich bückt, um die übrigen Blätter einzusammeln. Er richtet sich wieder auf, klopft die Blätter zu einem ordentlichen Stapel zurecht und überreicht sie ihr. Dann flüstert er ihr etwas ins Ohr und rückt sofort von ihr ab.

Ihr Lächeln wird breiter. Ihre Wangen sind gerötet, und ihre Augen glänzen. Sie wirft einen raschen Blick in die Runde und hält ihm dann ein Blatt hin. Er nimmt den Bleistift, der hinter seinem Ohr klemmt, und schreibt etwas auf.

Seine Telefonnummer.

Ich verspüre einen Anflug von Eifersucht.

Nicht nur, weil Brooks diese Frau heute Abend abschleppen wird, sondern weil er so gut darin ist, anzubandeln.

So selbstsicher.

Brooks wirkt auf den ersten Blick etwas grimmig. Verschlossen. Tatsächlich ist er eher introvertiert. Aber wenn sich eine Gelegenheit zu Sex bietet, verlässt er sein Schneckenhaus.

Ich frage mich, wie gut er im Bett tatsächlich ist. Es gehört schon etwas dazu, noch vor sieben Uhr früh an einem Donnerstag eine Frau aufzureißen. Ob so viel Selbstsicherheit daher rührt, dass er von seinen eigenen Qualitäten als Liebhaber überzeugt ist?

Ich wette, er ist gut im Bett. Brooks ist kein Blender.

Die Frau winkt ihm noch einmal zu, bevor sie an ihren Schreibtisch zurückkehrt. Brooks wendet sich wieder dem Drucker zu, und dabei fällt sein Blick auf mich.

Ich verspüre sofort ein Kribbeln im Bauch. Sein Mund lächelt nicht, wohl aber seine Augen.

Er nimmt ein paar Seiten aus dem Drucker und klopft sie mit der kurzen Seite auf dem Rand zu einem ordentlichen Stapel. Dann wendet er sich mir zu, groß und unwiderstehlich, und die Schmetterlinge in meinem Bauch geraten in Aufruhr. Neue Energie schießt durch meinen Körper.

Der Mann bringt es tatsächlich fertig, mich zumindest für den Moment meine Erschöpfung vergessen zu lassen.

»Na, du«, sagt er und schlendert auf mich zu.

Ich versuche, den Hüftschwung zu ignorieren, seinen langsamen, wiegenden Gang.

Ich gebe mir wirklich Mühe.

Aber wie immer scheitere ich.

»Hallo, Brooks«, antworte ich eine Spur zu enthusiastisch. Bevor ich mich zum zweiten Mal an diesem Morgen vor einem Mann lächerlich machen kann, entferne ich die Frischhaltefolie an einer Ecke des Tabletts, nehme ein Triple-Chocolate-Muffin heraus und reiche es ihm. »Ich habe mich verspätet …«

»Um siebzehn Minuten.« Seine Mundwinkel zucken, als er mir wieder in die Augen sieht. »Aber wer zählt schon die Minuten, die das Frühstück zu spät kommt?«

Ich verdrehe die Augen, vor allem, um der Intensität seines Blicks zu entgehen. »Du bist furchtbar penibel.«

»Stimmt. Vor allem, wenn ich auf Schokoladenentzug bin.« Sorgfältig entfernt er das Papierförmchen von dem Muffin, beißt dann ein Riesenstück ab und seufzt.

»Besser?«, frage ich, und mir wird ganz warm ums Herz vor Freude, dass ihm mein Muffin so gut schmeckt.

»Ja.«

Er klemmt sich die Blätter aus dem Kopierer unter den Arm, schnappt sich mit der freien Hand den Wagen und schiebt ihn zu meinem gewohnten Platz in einer Ecke.

»Hey, lass meine Muffins in Ruhe«, rufe ich und trabe los, um mit seinen großen Schritten mitzuhalten. Ich bin selbst nicht klein, aber Brooks ist eins neunzig groß. Mindestens.

»Nein.«

»Wie bitte?«

»Nö mit ö.« Er beißt noch einmal von seinem Muffin ab, ohne sich um die herabrieselnden Krümel zu scheren. »Meine Güte, Greer, was ist in den Muffins drin?«

»Liebe.«

»Und Drogen?«

Ich lache. Dieser Kerl schafft es offenbar, jede Frau zum Lachen zu bringen. »Das ist die magische Zutat. Darf ich jetzt bitte meinen Wagen zurückhaben?«

Er ignoriert mich und inhaliert den Rest seines Muffins in den vierzig Sekunden, die es dauert, bis wir meinen Stammplatz erreicht haben. Als er den Wagen parallel zu einem Hochtisch aufgestellt hat – an exakt derselben Stelle, an der ich ihn immer parke – leckt er sich die restliche Schokolade von den Fingern ab. Mit einem Mal legt sich ein leerer Ausdruck über sein Gesicht und seine Züge verdüstern sich.

Mir wird schwer ums Herz. Ich weiß, dass er an seine Schwester denkt. Sie ist vor einigen Jahren um diese Zeit herum gestorben, und offenbar hat er ihren Tod immer noch nicht verwunden.

Sekunden später sind die Finger sauber und seine Züge glätten sich wieder. Ich frage mich nicht zum ersten Mal, wie er es geschafft hat, den Tod seiner Zwillingsschwester halbwegs zu verwinden. Der Arme vermisst sie immer noch schmerzlich, auch wenn er sie in meiner Gegenwart noch nie erwähnt hat. George hat mich grob darüber aufgeklärt, aber ich wollte Brooks schon immer persönlich nach Lizzie fragen. Was sie für ein Mensch war, was er am meisten vermisst, seit sie nicht mehr da ist.

Bisher war aber nie der richtige Moment oder Ort. Brooks und ich gehen ja nicht zusammen aus, so dass sich kaum eine Gelegenheit ergibt, Persönliches zu besprechen.

Es sind immer andere Leute dabei, wie mein Bruder oder Freunde der beiden.

Immerhin kann ich Anteilnahme zeigen.

»Alles okay?«, frage ich.

»Ja«, brummt er.

»Klingt aber nicht so.«

»Das war nur … zu gut.«

Ich halte ihm einen zweiten Muffin hin. »Magst du noch einen?«

»Gern«, antwortet er und schüttelt gleichzeitig den Kopf. »Aber ich esse nichts Süßes.«

»Das hast du doch gerade.«

»Ausnahmsweise. Bei dir kann ich es mir nicht verkneifen, mal zu naschen.«

»Schäm dich, Brooks«, bemerkt Theo Morgan, der Ehemann meiner Freundin Nora und Leiter des High-Grade-Tradings, von seinem Platz an einem Schreibtisch in der Nähe.

»Du solltest dich für deine schmutzige Fantasie schämen«, kontert Brooks und nimmt sich eine Serviette von meinem Wagen, um sich die Hände abzuwischen.

Ich gebe Eiswürfel in einen Becher, füllen ihn mit Kaffee auf und gebe einen Schuss Milch und einen großzügigen Löffel Zucker dazu.

»Genau so, wie du ihn magst«, sage ich zu Brooks.

Er trinkt einen Schluck und seufzt wieder genüsslich. »Großartig. Danke.«

Ich spüre ein Ziehen in den Brustwarzen. »Jederzeit gerne.«

Ohne den Becher abzusetzen, fischt er seine Geldklammer aus der Gesäßtasche und reicht mir einen Fünfziger.

»Damit bin ich mein ganzes Wechselgeld los«, sage ich und werfe einen Blick über seine Schulter auf die Schlange, die sich hinter ihm gebildet hat.

Er steckt die Geldklammer wieder ein. Der gestärkte Hemdenstoff spannt über seiner Brust und an den Schultern. »Nicht, wenn du mir keins raus gibst.«

»Ich weiß, dass mein Muffin gut geschmeckt hat, aber so gut nun auch wieder nicht.«

»Um Himmels willen, könnt ihr das mal sein lassen?«, stöhnt Theo.

»Ich habe es nicht kleiner«, entgegnet Brooks.

Ich halte ihm den Fünfziger hin. »Dann zahl ein anderes Mal.«

Aber er lächelt nur, hebt die freie Hand und entfernt sich von mir. »Für die Drogen. Die waren bestimmt teuer.«

»Drogen?« Der Kopf meines Bruders erscheint über den Rand der Abtrennung zu seinem Arbeitsplatz. »Wo?«

»Dir auch einen guten Morgen«, sage ich, bevor ich mich wieder an Brooks wende. »Dann nimm dir wenigstens noch ein Sandwich mit oder sonst etwas.«

Er lässt sich ein paar Meter entfernt auf seinen Bürostuhl fallen. »Zieh dir nicht meinen Hass zu, Greer.«

»Du liebst mich. Und meine Muffins.«

»Meine Hosen aber nicht.«

»Wer braucht schon Hosen?«

»Ich zufällig.«

Mein Bruder lacht spöttisch. »Nicht am Wochenende. Zumindest nicht in den Nächten.«

Sofort ploppt ein Bild vor meinem geistigen Auge auf: Brooks ohne Hose. Und ohne Hemd. Er trägt nur enge Boxershorts, die nicht viel der Fantasie überlassen. Er hat eine leichte, dunkelblonde Brustbehaarung, die sich nach unten hin zu einem Streifen vom Nabel bis zum Schambein verjüngt. Jetzt fällt mir auch auf, dass sich unter dem seidigen Stoff der Boxershorts eine beachtliche Erektion abzeichnet.

Ich blinzle. Brennende Röte überzieht meinen Hals und mein Gesicht.

Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich mir Brooks Huntley nicht öfter nackt vorstelle. Höchste Zeit, dass ich endlich ein Privatleben entwickle. Oder mir ein neues Fantasieobjekt suche; eins, das weniger unerreichbar ist.

Aber ich habe eine Schlange wartender Kunden, meine To-do-Liste ist zum Heulen lang, und ich bin immer noch Jungfrau.

Ich muss mir definitiv jemand Neuen für meine feuchten Träume suchen.

Aber die Bilder sind hartnäckig. Jetzt beugt er sich grinsend über mich und küsst mich auf den Hals.

Ich blinzle wieder. Ich muss Dampf ablassen.

Ich brauche nur ein paar Biere, um lockerer zu werden, dann klappt es auch mit der Anmache und ich habe endlich Sex. Ich habe mir sagen lassen, das wäre extrem entspannend.

Lange habe ich mich für jemanden aufgespart, der mir etwas bedeutet, aber auf dem College waren die meisten Typen nur auf eine schnelle Nummer aus und nicht auf eine Beziehung. Ich war mit ein paar Jungs aus und manchmal gab es sogar ein zweites oder drittes Date, aber ich habe mich einfach nie wohl genug gefühlt, um mit einem Typen, der mir im Grunde nichts bedeutet, bis zum Ende zu gehen.

Und dann habe ich gleich nach dem College die Bäckerei eröffnet und hatte keine Zeit mehr, um auszugehen. Nachdem ich inzwischen Jahre auf meinen Mr. Right gewartet habe, bin ich darüber weg. Ich meine, was, wenn er sich nie blicken lässt? Soll ich für den Rest meines Lebens Jungfrau bleiben?

Ich sage öfter, dass es ein Weilchen her ist, dass ich Sex hatte, aber niemand ahnt, dass dieses Weilchen die ganzen dreiundzwanzig Jahre meines bisherigen Lebens umfasst.

Ich nehme mir vor, meiner Mitbewohnerin Keira zu texten, wenn ich wieder in der Bäckerei bin, hole tief Luft und setze ein Lächeln für meinen nächsten Kunden auf.

Egal wie, ich werde heute Nacht Sex haben.

Aber erst muss ich mich um Brooks kümmern. Und das ernsthaft. Dieser traurige Ausdruck auf seinem Gesicht, den er so offensichtlich verdrängt hat, geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Auf dem Weg nach draußen fällt mir auf, dass er nicht an seinem Platz ist. Ich wickle ein paar Muffins mit Ei in eine Serviette und lege sie neben seine Tastatur. Das Protein wird helfen, wenn die Unterzuckerung kommt, die nach der Schokoladenbombe unweigerlich früher oder später eintritt.

@WSBathroom 5/10

Es gibt richtig heiße News: Überflieger Brooks Huntley von Atlas & Teton wurde dabei beobachtet, wie er den Muffin der Inhaberin der Drury-Lane-Bäckerei, die in den Sozialen Medien gerade viral geht, förmlich inhaliert hat (Zweideutigkeit beabsichtigt).

@WSBathroom 5/10

Es wird noch besser: Die besagte Bäckerin ist die Schwester von George Fieldstone. Vögelt Brooks die kleine Schwester seines bestens Freundes oder nicht? Nichts Genaues weiß man nicht. Was würde George wohl davon halten? #brötchenimofen

@WSBathroom 5/10

Schickt uns alle unanständigen Zweideutigkeiten, die euch zum Thema Backen einfallen. Je schmutziger, desto besser #Sahnespritzbeutel

2.KAPITEL

BROOKS

»Gottverdammt. Zur Hölle mit ihr.«

Theo, mein erst kürzlich beförderter Boss, mit dem ich seinerzeit an der Duke zusammen gerudert bin, dreht sich mit seinem Bürostuhl zu mir um. »Aha, er ist auch mal wieder am Platz.«

»Was soll das heißen?«, fahre ich ihn an und mein Herz setzt einen Schlag aus, als ich die zwei Muffins mit Ei auf meinem Schreibtisch sehe.

»Als du vorhin …« Er wirft einen Blick auf die Uhr »… vor etwa zwei Stunden, um genau zu sein, mit Greer Fieldstone geplaudert hast, warst du noch höflich und nett, und jetzt verfluchst du die arme Frau? Was hat sie denn getan?«

Ich denke schon wieder an die Schwester meines besten Freundes. Die süße, sexy Schwester, die leider volle elf Jahre jünger ist als ich.

»Greer gegenüber hat er sich tadellos benommen«, bemerkt Nicky, unser Partner und der Jüngste im Team. »Ich habe sogar mitbekommen, wie er ihr ein Kompliment gemacht hat.«

»Halt die Klappe.« Ich lasse mich auf meinen Stuhl fallen und hämmere meine Mitarbeiter-ID und das Passwort in die Tastatur. Der Duft der Muffins steigt mir in die Nase – Speck und Cheddar –, und prompt knurrt mein Magen.

Ich habe gerade ein langes, aber produktives Meeting mit Nora Frasier, Head of High-Grade Sales & Trading, hinter mir. Zufällig ist sie auch Theos Ehefrau und die beiden erwarten in ein paar Monaten ihr erstes Kind.

Bevor sie in die Elternzeit geht, möchte sie das Leadership-Programm fertig ausarbeiten, an dem wir schon eine ganze Weile herumdoktern und im Rahmen dessen Mitarbeiter, die Minderheiten angehören, bei A&T mehr gefördert werden sollen. Sie hat mich ganz am Anfang des Prozesses mit der Logistik betraut. Das ist eine wichtige Maßnahme, und ich bin stolz, dabei zu sein.

Weniger Spaß machen mir die vielen Meetings. Ich bin hinterher jedes Mal auf hundertachtzig. Und heute bin ich außerdem noch am Verhungern. Aber Greer hat vorgesorgt.

Sie hat an mich gedacht.

Wieder macht mein Herz einen Sprung, woraufhin ich nur umso heftiger auf die Tastatur einhämmere.

»Ich nehme die Muffins gerne, wenn du sie nicht willst.« Theo greift danach. »Sehen köstlich a…«

»Wag es ja nicht«, warne ich ihn.

Grinsend hebt er in einer beschwichtigenden Geste die Hände. »Würde mir nicht im Traum einfallen.«

»Ich dachte, du hättest ihr Muffin schon verputzt«, meint Nicky. »Warum hat sie dir noch welche dagelassen?«

Theo grinst anzüglich. »Weil er offensichtlich nicht genug davon bekommen kann.«

George stöhnt. »Wie oft muss ich euch noch bitten, keine Witze über die Muffins meiner Schwester zu machen? Insbesondere im Zusammenhang mit Brooks. Lasst es einfach sein, okay?«

»Ernsthaft, hört auf damit«, bekräftige ich seine Worte, wobei ich vor allem mich selbst meine und nicht nur die albernen Kollegen.

»Tut mir leid«, sagt Theo, aber seine Mundwinkel zucken verräterisch.

Ich checke meine E-Mails und verschlinge dabei einen der herzhaften Muffins. Sie schmecken unfassbar gut. Fluffig. Käsig. Befriedigend.

Ich könnte Greer den Hals umdrehen, weil sie so süß ist zu jemandem, der so bitter ist wie ich.

Andererseits hätte ich sie dafür umarmen können, dass sie so lieb war, nachdem mich die Trauer beim Essen des Muffins mal wieder einmal aus dem Nichts angesprungen hat.

Gott sei Dank habe ich es nicht getan.

Ich müsste blind sein, um nicht zu registrieren, dass Greer zu einer wunderschönen jungen Frau gereift ist. Und klug ist sie auch. Dazu hat sie einen großartigen Sinn für Humor.

Aber ich kenne sie, seit sie acht war. Außerdem ist sie Georges kleine Schwester. Es ist seltsam, etwas anderes für sie zu empfinden als brüderliche Zuneigung.

Es ist falsch.

Trotzdem. Seit sie vor anderthalb Jahren zum ersten Mal in ihrem niedlichen Drury-Lane-T-Shirt mit ihrem Wagen bei uns in der Bank aufgetaucht ist, wird mir immer, wenn ich sie sehe, die Hose im Schritt zu eng.

Ich gebe jedes Mal mein Bestes, um zu ignorieren, welche Gefühle sie in mir weckt. Ich fühle mich zu vielen Frauen hingezogen und sage mir immer wieder, dass es sich um eine natürliche, rein körperliche Reaktion handelt.

Nichts Neues.

Neu war allerdings, dass sich heute Morgen, als ich mit Greer geplaudert habe, plötzlich eine verräterische Hitze in meinem ganzen Körper ausgebreitet hat. Greer hat mich nicht nur gefragt, wie es mir geht, sondern sie hat ehrliches Interesse an meiner Antwort bekundet.

Der Ausdruck in ihren Augen, als sie nachgehakt hat … Da war echtes Mitgefühl, aber auch … Verlangen? Neugier?

Eifer. Interesse.

Eine gefährliche Kombination.

Der Pedant in mir macht mich bis zu einem gewissen Grad zum Kontrollfreak, womit ich im Bett ziemlich dominant bin.

Ob es Greer gefallen würde, wenn ich sie im Bett dominieren würde?

Ich schiebe den gefährlichen Gedanken beiseite und versuche wieder, mich auf meinen Posteingang zu konzentrieren. Eine Nachricht von meinem Dad erregt meine Aufmerksamkeit. Er möchte heute Abend mit mir etwas trinken gehen. Es ist so typisch für James Brookfield Huntley, den Geschäftsführer der Investmentbank Atlas & Teton, sich per E-Mail mit seinem eigenen Sohn auf ein Bier zu verabreden.

Was soll’s. Besser als nichts. Vielleicht möchte er ja endlich reden … über alles.

Bullshit. Warum sollte er aus heiterem Himmel das Gespräch suchen? Oder Anteilnahme zeigen, so wie Greer vorhin.

Ich antworte knapp, dass ich dabei bin. Auszugehen wird mir guttun. Vielleicht kann ich ja heute Abend in der Bar eine Frau aufreißen, die mich von Greer Fieldstone ablenkt, an die ich die ganze Zeit denken muss.

Als wollte das Universum mir ein Zeichen geben, begegne ich durch einen Spalt zwischen den Trennwänden unserer Arbeitsplätze Georges Blick.

Meine Brust zieht sich angesichts seines Stirnrunzelns zusammen. Wir stehen uns sehr nah. Wir sind seit nunmehr fünfzehn Jahren befreundet. Ob er meine Gedanken lesen kann?

Weiß er, dass ich an seine Schwester denke?

Mein Puls hämmert in meinen Ohren. Ich darf ihn nicht verlieren. Nicht nach allem, was wir durchgemacht haben.

Aber dann blinzelt er und richtet den Blick wieder auf seinen Monitor, und ich atme erleichtert auf.

Zurück an die Arbeit.

Später an diesem Abend betrete ich pünktlich das Connolly’s auf der Fifth. Dad ist noch nicht da, also setze ich mich allein an die Bar und bestelle ein Guinness.

Trotz der schicken Nachbarschaft hat das Connolly’s etwas Spelunkenhaftes. Genau deshalb habe ich es ausgesucht. Dad wird sich hier nicht länger aufhalten wollen als nötig. Der Geruch nach schalem Bier und Schweiß hüllt mich ein, während ich versuche, mir einen anzutrinken. Ich habe so eine Ahnung, dass das bevorstehende Gespräch unangenehm werden wird.

Das sind sie immer.

Ein Song von U2 ertönt, und ich werfe Mikey, dem Barmann, einen Blick zu. Er verdreht die Augen. »Scheiß-Bono.«

»Witzig, wie sehr ihr ihn alle hasst.«

»Das Großmaul hält sich für den lieben Gott.« Er spricht mit breitem irischem Akzent, obwohl er schon vor fünf Jahren von Irland nach Charlotte ausgewandert ist. »Tatsächlich erinnert er mich an dich.«

»Weil ich reich und gutaussehend bin?«, frage ich schmunzelnd.

»Weil du Eier aus Stahl hast.« Er blickt auf die Frau am Ende der Bar, die immer wieder zu mir herübersieht. Ich proste ihr mit meinem Bier zu. Sie prostet lächelnd zurück. »Du kriegst auch eine Nonne ins Bett, oder?«

»Klar.« Ich senke den Blick, als mein Handy, das ich auf dem Tresen abgelegt habe, vibriert. »Und ich hätte keinerlei Skrupel. Ihr nächstes Getränk geht auf mich, okay?«

Ich greife nach dem Handy und sehe, dass ich eine Nachricht von einer unbekannten Nummer mit der lokalen Vorwahl erhalten habe.

+1 (704) 893-1549

Hey, Kristin Malone hier. Hat Spaß gemacht unser kleiner Plausch heute Morgen am Drucker ;-) Steht dein Angebot noch, heute Abend etwas trinken zu gehen? Ich habe gerade eine Flasche Wein aufgemacht, falls du Lust hast, vorbeizukommen.

Es ist immer von Vorteil, wenn man mehrere Optionen hat. Erst recht, nachdem ich den ganzen Tag an Greer denken musste, obwohl die Hölle los war.

Ich muss etwas unternehmen, um diese Gefühle auszulöschen, sonst drehe ich noch durch. Es kann nicht sein, dass ich in sie verknallt bin. Es darf nicht sein. Es ist nur …

Ich weiß auch nicht. Vielleicht sexuelle Frustration? Einsamkeit?

Ich tippe gerade eine Antwort, als eine schwere Hand sich auf meine Schulter legt. Als ich den Kopf hebe, blicke ich in das lächelnde Gesicht meines Vaters. Er trägt noch Anzug und Krawatte, als käme er geradewegs von einer Vorstandssitzung.

So wie ich ihn kenne, stimmt das vermutlich sogar.

»Mein Sohn.« Er drückt meine Schulter.

Ich muss mir verkneifen, die Augen zu verdrehen. Stattdessen stehe ich auf und reiche ihm die Hand, die er flüchtig schüttelt. »Dad. Wie geht’s?«

»Gut.« Er knöpft das Sakko auf und setzt sich auf den Barhocker neben meinem. »Schön, dass es geklappt hat. Ist lange her.«

Mom und ich telefonieren ein oder zweimal die Woche, vorwiegend Smalltalk, aber es ist Monate her, dass ich mich das letzte Mal mit meinem Vater unterhalten habe. Und unser letztes gutes Gespräch liegt sogar Jahre zurück.

Ein richtig tiefgründiges Gespräch hatten wir noch nie.

Ich kippe den Rest meines Guinness herunter und bestelle mir noch eins. »Stimmt. Und, wie läuft es so im Eckbüro?«

»Besser als beim Trading.«

Ich lächle etwas gequält. »Du kommst wie immer ohne Umschweife auf den Punkt.«

»Wozu lange um den heißen Brei herumreden?«

Du hättest wenigstens fragen können, wie es mir geht, jetzt, da ihr Geburtstag bevorsteht, so wie Greer es getan hat.

Aber darüber reden wir nicht.

»Es war allgemein ein schwieriges Trading-Jahr«, sage ich stattdessen. »In Anbetracht der extremen Kursschwankungen finde ich, dass wir unsere Sache recht gut gemacht haben. Die Abteilungsleitung ist auf Zack – Theo und Nora lagen mit ihren Prognosen fast immer richtig.«

»Du hattest den richtigen Riecher«, korrigiert mich Dad und bestellt bei Mikey einen Gin Tonic. »Deine Modelle haben jede Kursschwankung vorhergesehen. Dein Instinkt ist beinahe unheimlich.«

Als Quant-Analyst entwickle ich computergestützte Trading-Modelle, mit denen die Bank viel Geld verdient. Der Mathe-Nerd, der ich schon immer war, liebt den Job. Ich benutze so cooles Zeugs wie Spieltheorie und Differenzialgleichungen, um die Trading-Algorithmen zu programmieren, die Atlas & Teton Millionen – und ich meine viele Millionen – Dollar eingebracht haben.

Ich bin teils Programmierer, teils Ökonom, teils Zocker. Und ich bin in allen drei Disziplin ein Genie. Oder zumindest ziemlich gut.

Mein Job ist das Einzige, was mich in den letzten zehn Jahren vor dem Absturz bewahrt hat. Das und das Rudern.

Und Sex.

»Du brauchst mir nicht zu sagen, dass ich gut bin.« Ich weiß nicht, worauf er hinaus will, aber etwas an Dads Tonfall bereitet mir Unbehagen.

»Du bist mehr als gut, Brooks. Du bist genial. Und es ist an der Zeit, dass du dafür die gebührende Anerkennung bekommst.«

Aha. Jetzt kommt es. Die alte Du-musst-dich-noch-mehr-ins-Zeug-legen-Leier.

Ich bin ehrgeizig. Als Sohn dieses Mannes hatte ich auch gar keine andere Wahl. Aber sogar mein Arbeitseifer verblasst neben seinem. Was echt krank ist.

Ich drehe den Kopf zur Seite. Damit Dad nicht sehen kann, wie ich mit den Augen rolle. Eine Gruppe junger Frauen strömt von draußen herein. Ich erkenne Nora mit ihrem dicken Babybauch sofort, und noch eine zweite Frau, die in der High-Yield-Abteilung arbeitet – Keira heißt sie, glaube ich.

Mir sackt der Magen in die Kniekehlen, als Greer als Letzte die Bar betritt. Ihr bin ich bisher noch nie in einer Bar begegnet.

Ich verspüre ein Kribbeln im Bauch, als ich sehe, was sie anhat. Sie hat das T-Shirt und die Hose vom Morgen gegen Skinny-Jeans und ein knappes, bauchfreies Top getauscht, das mehr wie ein Bustier aussieht als wie ein Top.

Ich runzle die Stirn. Friert sie in der Aufmachung nicht? Es ist erst Anfang Mai und definitiv noch frisch, vor allem abends.

Den dunklen Pony hat sie sich in die Stirn gekämmt, und die Spitzen reichen ihr bis zu den langen Wimpern, unter denen sie nun einen schüchternen Blick auf einen Tisch zu ihrer Rechten wirft, an dem nur Typen sitzen.

Einer von ihnen checkt sie aus. Sein Blick gleitet über ihren Hintern und ihre Brüste. Gefühle, die ich nicht gleich einordnen kann, steigen in mir auf.

Meine Hand schließt sich fester um mein Bierglas.

Ich kann es dem Kerl nicht verdenken. Greer ist …

Nein. Ich will das Wort nicht einmal denken.

Unsere Blicke treffen sich. Sie lächelt. Es ist ein echtes Lächeln, das auch ihre Augen erreicht. Mir schnürt sich die Kehle zu, und das Atmen fällt mir plötzlich schwer.

Anders als bei meinem Dad ist ihr die Freude über die Begegnung anzusehen.

Es fühlt sich gut an. Das habe ich vermisst.

Wie geht’s?, formt sie mit den Lippen und winkt.

Ich recke den Daumen in die Luft. Bestens.

Sie ist zu gut darin, Interesse an mir und meinem Befinden zu bekunden.

Zu süß.

Nora winkt ebenfalls; die andere Hand liegt beschützend auf ihrem Bauch. Ich flehe sie wortlos an, mich zu erlösen. Von diesen Gefühlen. Von meinem Dad. Aber als sie uns beide zusammen sieht, wendet sie sich den Frauen zu.

»Und weil du so gut bist«, sagt Dad gerade, »möchte ich sicherstellen, dass deine Karriere, dein Leben, sich in die richtige Richtung entwickelt. Ich bin auf ein paar Twitter-Nachrichten aufmerksam geworden, die diesbezüglich Anlass zur Sorge geben«, fährt er fort.

Blinzelnd wende ich mich ihm wieder zu und sehe, dass er sein Handy in der Hand hält. »Tweets?«

»Genau. Das Wall-Street-Bathroom-Konto. Dort ist explizit von dir die Rede.«

Ich habe einen Twitteraccount, um den ich mich aber nicht weiter kümmere. Doch Theo hat mir von den letzten Tweets über mein Sexleben erzählt. »Na und?«

Dad schnaubt. »Na und? In den Tweets wird öffentlich deine schmutzige Wäsche gewaschen.«

Ich winke ab. »Der Mist interessiert mich nicht. Wenn die Leute nichts Besseres zu tun haben, als sich das Maul über mich zu zerreißen, ist das ihr Problem. Niemand interessiert sich dafür.«

Gott sei Dank gilt das auch für Porgeous (den Spitznamen hat man ihm auf dem College verpasst. Erst hieß er Gorgeous George, aber nachdem wir alle im Theaterkurs Porgy and Bess aufgeführt haben, wurde daraus Porgeous).

Er hatte schmunzelnd gescherzt, dass er mich kastrieren würde, sollte ich mich je an seiner Schwester vergreifen. Ich brauchte ihm gar nicht erst zu versichern, dass er sich dahingehend keine Gedanken machen müsse. Greer ist aus verschiedenen Gründen für mich tabu, und der Umstand, dass sie die kleine Schwester meines besten Freundes ist, steht noch nicht einmal ganz oben auf der Liste.

Es macht mir nur Spaß, ihr ein Lächeln zu entlocken und mich ein klein wenig um sie zu kümmern. Das ist sozusagen meine Art, Karmapunkte zu sammeln.

Auch wenn mir bewusst ist, dass ich eine Schuld mit mir herumtrage, die ich niemals werde kompensieren können.

»Mich schon.« Er mustert mich aus großen Augen mit seinem Laserblick. »Und die Bank auch. Unser Ruf ist bereits angekratzt. Wir bewegen uns auf dünnem Eis …«

»Ich bin ein erwachsener Mann und habe ein Recht auf ein Privatleben.«

»Selbstverständlich hast du das. Genau darüber wollte ich mit dir sprechen. Erstens ruinierst du deinen Ruf mit diesen ganzen … Affären. Und überhaupt … wer ist dieses Muffin Girl aus den Tweets?«

Wenigstens besitzt er den Anstand, verlegen dreinzuschauen. Trotzdem schließen sich meine Finger noch fester um das Glas. Mein Blick fällt auf Greers nackte Schultern und Rücken. Die Schulterblätter zeichnen sich unter der Haut ab.

»Wer immer sie ist, das gehört sich nicht für jemanden, der es in der Finanzwelt zu etwas bringen will.«

Da bin ich anderer Meinung. »Das geht dich nichts an.«

Einer der Typen von dem Tisch geht auf Greer zu und legt ihr eine Hand auf die Schulter. Sein Haarschnitt und das übersteigerte Selbstbewusstsein verraten mir auf den ersten Blick, dass er ein Vollidiot ist. Das Blut rauscht in meinen Ohren, als ich beobachte, wie sie auf etwas, das er sagt, nickt. Sie gehen ans andere Ende der Bar. Er bestellt ihr einen Shot. Tequila.

Es gibt für einen Mann nur einen Grund, einer fremden Frau einen Tequila zu spendieren.

Ich sehe rot, als sie mit ihm anstößt, den Kurzen hinunterkippt und sich dann die Hand vor den Mund hält, um ihre Grimasse mit einem Lachen zu überspielen.

Sie ist so süß. Zum Anbeißen.

Genau das, was Clowns wie diesen Kerl auf den Plan ruft.

Sei vorsichtig, flehe ich insgeheim.

Meine Gefühle verwirren mich mehr denn je. Ist das Eifersucht? Oder Beschützerinstinkt? Beides? Was immer es ist, es ist neu, und die zunehmende Intensität verblüfft mich.

Wenn es Eifersucht ist, steht mir das nicht zu. Ich habe selbst vorhin erst einer fremden Frau einen Drink ausgegeben. Ich bekomme Textnachrichten von anderen Frauen. Wenn ich in der Gegend herumschlafen kann, warum sollte Greer es dann nicht auch dürfen?

»Sohn? Hörst du mir überhaupt zu? Du musst das ernst nehmen.«

Meine Gedanken wirbeln wild durcheinander, aber ich muss mir in Erinnerung rufen, dass Greer zwar jung ist, aber trotzdem eine erwachsene Frau. Jedenfalls älter und klüger, als es Lizzie war. Greer ist bodenständig. Sie hat ihr Leben im Griff. Ich kenne sie als vernünftigen Menschen. Sie war auf der Chapel Hill und hat ihren Abschluss mit Auszeichnung gemacht.

Und gleich danach hat sie ihr eigenes Geschäft eröffnet.

Vielleicht will sie ja mit dem Kerl ins Bett. Oder sie möchte wie jede andere Dreiundzwanzigjährige an diesem Donnerstagabend einfach nur Spaß haben. Die meisten Gäste in der gut besuchten Bar sind in ihrem Alter.

Was immer sie tut, es steht mir nicht zu, mich einzumischen. Das sagt zumindest meine Therapeutin.

Ich reiße den Blick von Greer los und versuche, mich auf meinen Vater zu konzentrieren. »Ja. Und ich nehme es ernst.«

»Gut. Angesichts der internen Umstrukturierungen in der Bank ergeben sich viele Möglichkeiten für aufstrebende Talente wie dich. Denk darüber nach, Sohn. Wenn du es geschickt anstellst, kannst du noch viel weiter aufsteigen als ich. Aber nur, wenn deine Vorgesetzten – Männer wie ich - dich respektieren.«

»Und Frauen. Wie Nora.«

Dad lacht spöttisch. »Und Frauen. Was ich zu sagen versuche, ist, dass die Leute Anführer wollen, zu denen sie aufschauen können. Männer, die wissen, was sie wollen …«

»Oder Frauen.«

»Könntest du das bitte lassen?«

Ich trinke einen kräftigen Schluck von meinem Bier. »Was du mir sagen willst, ist also, dass ich aufhören soll, herumzuvögeln und stattdessen etwas Ernstes anfangen soll, damit ich die Karriereleiter hinaufsteigen und eines Tages die Bank leiten und möglicherweise vor dem Untergang retten kann.«

Dad lächelt. »So in der Art, ja.«

»Glaubst du denn, dass ich das auch will?«

»Ich weiß, dass du deine Arbeit liebst. Und dass du stolz bist auf das, was du tust. Und ich weiß, dass du in einer Führungsposition noch viel mehr für deine Mitarbeiter tun kannst. Es ist kein Geheimnis, dass die Bank … sich in einer schwierigen Phase befindet. Wir brauchen jetzt Leute wie dich, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen.« Er beugt sich zu mir vor und senkt die Stimme. »Ich weiß, dass Lizzie sich wünschen würde, dass du eine Frau findest und eine Familie gründest.«

Noch ein großer Schluck, wenn auch nur, um meine rechte Hand zu beschäftigen. Nicht, dass ich Dad noch eine reinhaue. Nicht in der Öffentlichkeit.

Er hat nicht unrecht, was die Arbeit betrifft. Ich liebe, was ich tue. Es gefällt mir, dass mein Verstand am Ende des Tages völlig ausgelaugt ist. Ich mag meine Kollegen, auch wenn die mich für einen Griesgram halten. Ich verdiene gerne viel Geld. Und ich gebe gerne Geld für schöne Dinge aus.

Vor allem aber gefällt mir, dass die Arbeit mich beschäftigt und ablenkt. Viel arbeiten ist gut. Es hält mich davon ab, zu viel nachzudenken.

»Nur aus Neugier.« Ich stelle mein Glas auf dem Tresen ab. »Hast du für die Rolle als meine zukünftige Frau jemand Bestimmtes?«

»Jedenfalls nicht das Muffin Girl, so viel steht mal fest.«

Ich blicke über seine Schulter. Der Typ mit der schicken Frisur legt ein ziemliches Tempo vor: Jetzt liegt seine Hand schon auf Greers unterem Rücken. Sie trinken noch einen Shot, nur dass ich diesmal Greer dabei ertappe, wie sie das meiste davon diskret auf den Boden schüttet.

Braves Mädchen.

Ernsthaft, was ist los mit mir? Warum kann ich nicht aufhören, sie zu beobachten? Und warum würde ich den Kerl, der sie anbaggert, am liebsten erwürgen?

Jetzt streichelt er mit dem Daumen die nackte Haut oberhalb ihres Hosenbunds. Sie ist tough – das muss man sein, wenn man sich selbstständig macht –, trotzdem wirkt sie irgendwie verletzlich.

Zart. Weich.

Gott, meine Gedanken verselbstständigen sich wieder. Ich kippe den Rest meines Biers herunter. Vielleicht bin ich gerade jetzt so besessen von Greer, weil der Jahrestag bevorsteht und ich öfter als sonst an meine Schwester denke.

Darüber nachdenke, was ich heute alles anders machen würde.

Ich würde Lizzie beschützen. Ich würde ihr zur Seite stehen. Ihr ein Freund sein. Vielleicht versuche ich ja, meine Fehler von damals wiedergutzumachen, indem ich Greer ein Freund bin.

Vielleicht sollte ich diesen seltsamen, deprimierenden Eifersuchtsscheiß auch einfach ad acta legen.

Leider bleibt das reines Wunschdenken. Ich kann einfach nicht aufhören, zu ihr zu schauen.

Aber ich muss meine Gefühle und Fantasien in andere Bahnen lenken, bevor sie außer Kontrolle geraten.

Und das wiederum heißt, dass ich mich auf das konzentrieren sollte, was Dad von sich gibt.

Er hat recht. Auch wenn ich ihn, gelinde gesagt, nicht besonders leiden kann, hatte er bisher immer recht, was wichtige Entscheidungen anging.

Er hat mich dazu ermutigt, mit dem Rudern anzufangen, und das war letztlich meine Eintrittskarte zu dem College meiner Träume, und diesem Studium verdanke ich wiederum meinen Traumjob.