Royal Rogue - Jessica Peterson - E-Book
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Royal Rogue E-Book

Jessica Peterson

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Beschreibung

Jane Thorne kämpft darum, ihr Leben nach einer schlimmen Scheidung wieder in den Griff zu bekommen. Inmitten des Chaos trifft sie auf Charlie, einen Mann, der sie endlich als das sieht, was sie ist: eine normale Person und nicht nur eine Royal. Doch das Glück könnte trügerisch sein ...

Als Hochstapler Charlie von Janes Scheidung in den Klatschblättern liest, wittert er seine Chance auf einen letzten großen Coup: ein wertvolles Warhol-Gemälde zu stehlen. Dieser Plan könnte ihn und seinen Bruder endlich von ihren drückenden Schulden befreien. Als er Jane näher kennenlernt, wird ihm jedoch schnell klar, dass sie ganz anders ist, als er angenommen hatte.

Wird Charlie den Mut finden, seine dunkle Vergangenheit hinter sich zu lassen?

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Seitenzahl: 400

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Cover for EPUB

Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Jane Thorne kämpft darum, ihr Leben nach einer schlimmen Scheidung wieder in den Griff zu bekommen. Inmitten des Chaos trifft sie auf Charlie, einen Mann, der sie endlich als das sieht, was sie ist: eine normale Person und nicht nur eine Royal. Doch das Glück könnte trügerisch sein ...

Als Hochstapler Charlie von Janes Scheidung in den Klatschblättern liest, wittert er seine Chance auf einen letzten großen Coup: ein wertvolles Warhol-Gemälde zu stehlen. Dieser Plan könnte ihn und seinen Bruder endlich von ihren drückenden Schulden befreien. Als er Jane näher kennenlernt, wird ihm jedoch schnell klar, dass sie ganz anders ist, als er angenommen hatte.

Wird Charlie den Mut finden, seine dunkle Vergangenheit hinter sich zu lassen?

Über Jessica Peterson

Jessica Peterson schreibt Romane, die voller Leidenschaft, Humor und Herz sind. IWenn sie nicht gerade an ihren Geschichten arbeitet, findet man sie oft in den besten Restaurants des Südens, wo sie mit ihrem Ehemann Ben an der Bar sitzt. Außerdem genießt sie es, Bücher mit ihrerTochter Gracie zu lesen oder sich mit ihrem 70-Pfund schweren Schoßhund Martha gemütlich einzukuscheln.

Als wahres Carolina-Girl träumt Jessica davon, ihre Zeit zwischen Charleston und Asheville aufzuteilen. Momentan lebt sie jedoch in Charlotte, North Carolina.

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Jessica Peterson

Royal Rogue

Aus dem Englischen von Beate Brookes

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

Newsletter

Widmung

Erstes Kapitel — CHARLIE

Zweites Kapitel — JANE

Drittes Kapitel — JANE

Viertes Kapitel — CHARLIE

Fünftes Kapitel — JANE

Sechstes Kapitel — CHARLIE

Siebtes Kapitel — JANE

Achtes Kapitel — JANE

Neuntes Kapitel — CHARLIE

Zehntes Kapitel — CHARLIE

Elftes Kapitel — CHARLIE

Zwölftes Kapitel — JANE

Dreizehntes Kapitel — CHARLIE

Vierzehntes Kapitel — JANE

Fünfzehntes Kapitel — CHARLIE

Sechzehntes Kapitel — CHARLIE

Siebzehntes Kapitel — CHARLIE

Achtzehntes Kapitel — JANE

Neunzehntes Kapitel — CHARLIE

Zwanzigstes Kapitel — JANE

Einundzwanzigstes Kapitel — CHARLIE

Zweiundzwanzigstes Kapitel — JANE

Dreiundzwanzigstes Kapitel — JANE

Vierundzwanzigstes Kapitel — JANE

Fünfundzwanzigstes Kapitel — JANE

Sechsundzwanzigstes Kapitel — CHARLIE

Siebenundzwanzigstes Kapitel — JANE

Achtundzwanzigstes Kapitel — CHARLIE

Neunundzwanzigstes Kapitel — JANE

Dreißigstes Kapitel — CHARLIE

Einunddreißigstes Kapitel — JANE

Zweiunddreißigstes Kapitel — CHARLIE

EPILOG — Jane

DANKSAGUNG

Impressum

Lust auf more?

Für die City Girls.

Ihr seid die ab-so-lut Besten.

Danke für all das Lachen, die Liebe und Unterstützung.

Erstes Kapitel

CHARLIE

Dir soll es einmal besser gehen als mir, Charlie. Du sollst die Welt zu einem schöneren Ort machen.

Die Worte meiner Mom schossen mir durch den Kopf, als ich den Blick über die Menschenmenge im Club gleiten ließ. Normalerweise konnte ich solche Gedanken beiseiteschieben, sie zumindest beim Arbeiten verdrängen. Doch heute Abend klebten sie wie Leim an mir, und sie schienen sich in Endlosschleife zu wiederholen.

Dieser Coup war eine verdammt heikle Angelegenheit. Dass ich abgelenkt war, machte es nicht besser.

»Charles«, gurrte Veronica und umfasste mein Kinn mit der Hand. »Du schenkst mir zu wenig Aufmerksamkeit. Du weißt, wie sehr ich es hasse, wenn du mit den Gedanken nicht bei mir bist.«

Ich setzte ein Lächeln auf. Veronica Rockingham, Lady Bushby – japp, dieser Titel war echt –, war meine neueste Zielperson. Erst vor Kurzem hatte sie für Schlagzeilen gesorgt, weil ihr gesamtes Personal wegen Drogenbesitzes im Gefängnis gelandet war. Den Gerüchten zufolge hatte sie ihr Kokain im Personalflügel versteckt, um einer Verhaftung zu entgehen.

Nachdem ich sie jetzt schon ein paar Wochen »datete«, konnte ich aus erster Hand sagen, dass diese Klatschgeschichte der Wahrheit entsprach. Ich hatte sie so häufig beim Schnupfen erlebt, ich war überrascht, dass sie überhaupt noch eine Nasenscheidewand besaß.

Jimmy, mein Boss – Gefängniswärter trifft’s wohl eher –, war sehr vorsichtig, was die Auswahl unserer Zielpersonen anging. Wir nahmen nur Leute aus, die es sich leisten konnten. Und es verdienten. Veronica verdiente es eindeutig, übers Ohr gehauen zu werden.

»Tut mir leid, Darling«, sagte ich in meinem geschliffensten Akzent. Ich war Meister im Nachahmen der britischen Oberschicht geworden. »Du weißt, ich habe nur Augen für dich.«

Veronicas Blick huschte zu meinem Mund, dann drückte sie einmal fest mit der Hand zu, bevor sie mein Kinn endlich losließ.

»So ist’s brav.« Sie spähte kurz zum Tisch und schnippte mit den Fingern Georgie zu, der an diesem Abend in die Rolle eines gehetzten Kellners geschlüpft war. »Du! Bring mir noch einen Wodka. Und auch einen für Charles hier.« Sie sah zu mir. »Wenn ich dich betrunken genug mache, bist du vielleicht endlich gefügig.«

Ich biss mir auf die Zunge. Es gibt doch nichts Schöneres als die beiläufige Erwähnung von Vergewaltigung, dachte ich voller Sarkasmus.

In Jimmys Bande war ich der Romeo – derjenige, der unsere Opfer verführte. Doch ich hielt mich an strikte Regeln. Die wichtigste: Niemals mit den Frauen schlafen. Natürlich bereitete ich ihnen eine schöne Zeit. Ich führte sie stilvoll zum Dinner aus. Datete sie, wie ich es mit jeder anderen Frau auch tun würde. Doch weiter als bis zu einem Kuss ließ ich es nie kommen.

Zum Glück war das auch gar nicht nötig, denn ich wollte es unter gar keinen Umständen. Die Frauen, die wir ausnahmen, waren allesamt wie Veronica. Wunderschön, aber so eingebildet und herzlos, dass jegliche Anziehungskraft, die sie womöglich auf mich hätten ausüben können, schon im Keim erstickt wurde. Außerdem stammten sie aus einer völlig anderen Welt als ich. Kein einziges Mal hatten wir auch nur die kleinste Gemeinsamkeit gehabt, trotz meiner Bemühungen, etwas, irgendetwas zu finden, über das sich ein echtes Gespräch führen ließ.

Der Club war gerammelt voll. Musik hämmerte aus den Lautsprechern, elektronischer House, der mir schrecklich auf die Nerven ging. Doch Veronica liebte ihn, und das war alles, was zählte. Wir saßen am besten Tisch im Haus, etwas versteckt in einer Ecke. Verstohlen blickte ich zur verborgenen Tür an der gegenüberliegenden Wand, die einen winzigen Spalt geöffnet war. Dahinter lauerte mein Bruder Owen, spähte unauffällig heraus und wartete auf mein Signal.

Entschieden schüttelte ich den Kopf. Noch nicht.

Ich legte den Arm auf die Rückenlehne des Sofas, woraufhin sich Veronica sofort an meinen Oberkörper schmiegte.

»Mir ist langweilig«, jammerte sie.

Perfekt.

»Normalerweise weißt du doch, wie du für Zerstreuung sorgen kannst«, sagte ich mit einem Nicken zu ihrer Clutch auf dem niedrigen Tischchen vor uns.

Mit dem Zeigefinger kratzte Veronica über meine Brust. »Wirst du mir diesmal Gesellschaft leisten?«

»Allergie«, sagte ich mit wehmütiger Miene. »Du weißt, ich würde liebend gern mitmachen, Darling. Ich will nur nichts verschwenden.«

»Aber zu Hause habe ich noch mehr. Viel mehr.«

Das war die größte Untertreibung, die ich jemals gehört hatte.

Ich drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe. »Du zuerst.«

»Du bist so spießig«, schnaubte sie verächtlich und verdrehte die Augen, bevor sie sich nach vorne beugte und sich ihre Clutch schnappte. Sie fischte ein kleines Plastikbeutelchen heraus und machte sich mithilfe ihrer Kreditkarte daran, fein säuberliche Lines aus weißem Pulver zu formen.

Ich hob den Kopf und nickte Owen zu.

Sechzig Sekunden später stürmte er durch die Tür, einen Pulk Polizisten im Schlepptau. Die Lichter gingen schlagartig an, die Musik brach ab.

»Polizei!«, rief Owen. »Alle raus hier!«

Veronica, die mit einem eingerollten Hundert-Pfund-Schein in der Hand über den Tisch gebeugt saß, sprang auf.

»Verdammt! Charlie, wir müssen verschwinden!«, blaffte sie mich an.

Doch es war zu spät. Owen baute sich bereits vor uns auf und zeigte mit einer erschreckend echt aussehenden Waffe auf Veronica. Hinter ihm rannten die Gäste in einem gleichförmigen, sich hastig drängelnden Strom ins Freie, bis sich die Tanzfläche schließlich ganz geleert hatte.

Ich spähte auf meine Uhr. Diesen Teil hatten wir Dutzende Male geprobt. Es dauerte keine zwei Minuten, bis abgesehen von uns niemand mehr im Club war.

In der Zwischenzeit spielte Owen – in der Uniform eines Police Constable, mit Bobbyhelm und Dienstmarke – mit Veronica.

»Hände hoch!«, sagte er.

»Das gehört mir nicht, wirklich, ich schwöre«, erwiderte Veronica und warf mir den Geldschein in den Schoß, bevor sie folgsam die Hände in die Luft streckte. »Es gehört ihm. Er hat mich …«

»Sparen Sie sich Ihre rührselige Geschichte für den Richter auf. Wir haben alles auf Video.« Owen nickte zu dem roten Punkt, der von der Decke blinkte.

Veronica schluckte. »Wissen Sie denn nicht, wer mein Vater ist? Er wird Sie vernichten. Er wird Sie alle vernichten!« Ihre Stimme schraubte sich eine Oktave höher. Sie war auf frischer Tat ertappt worden, und das wusste sie.

Ich verkniff mir ein Grinsen und blickte über Owens Schulter. Der Club war inzwischen menschenleer.

Erneut nickte ich ihm kaum merklich zu.

»Nun ja«, sagte er zu Veronica. »Wir könnten das alles hier natürlich auch anderweitig klären.«

Veronica sah ihm fest in die Augen. Diese Frau war komplett abgebrüht.

»Wie?«

Owen senkte die Waffe. »Alles, was wir bräuchten, wären ein paar Zahlen.«

»Zahlen?«

»Zahlen«, wiederholte er. »Auf einem Scheck, um genau zu sein.«

Einen kurzen Moment starrte Veronica ihn hocherhobenen Hauptes an, auch wenn eine leichte Röte ihre Wangen emporkroch.

»Okay«, fauchte sie kurz angebunden. »Meine Clutch, bitte.«

***

Ich befeuchtete meinen Daumen und zählte eine Handvoll Banknoten ab.

»Hier«, sagte ich und reichte sie Liam, dem letzten unserer Fake-Polizisten. »Danke für deine Hilfe.«

»Du weißt, wie gern ich für dich arbeite, Charlie«, erwiderte Liam. »Ruf mich jederzeit an, ja? Ich wollte immer schon Batman spielen.«

»Batman«, wiederholte ich. »Ja. Alles klar. Aber müsste ich dann nicht das Bat-Signal benutzen?«

Liam lachte. »Du hast meine Nummer«, sagte er, bevor er aus der Tür verschwand.

Gerade wollte ich ihm hinterher, als mir jemand auf die Schulter klopfte. Es war Georgie. Er hatte seine Kellnerkleidung ausgezogen, trug jetzt Jogginghose und Jacke. Er sah müde aus.

»Hey«, sagte er und zeigte mit dem Daumen über die Schulter. »Jimmy will dich sehen.«

Mein Magen zog sich zusammen. Dass Jimmy mich sehen wollte, war kein gutes Zeichen, immerhin schuldeten mein Bruder und ich ihm mehr als einhunderttausend Pfund.

»Okay«, sagte ich. »Aber … bei dir alles okay?«

»Cara glaubt, sie ist schwanger.« Schnaubend schüttelte er den Kopf.

»Schon wieder?«

»Schon wieder.«

Ich hob eine Augenbraue. »Ihr zwei habt den Dreh echt raus, was?«

»Ach, halt die Klappe«, sagte Georgie.

Ich fischte den größten Geldschein aus dem Bündel in meiner Hand und drückte ihn Georgie an die Brust. »Hier. Kauf Cara Blumen und führ sie groß aus. Das sind gute Neuigkeiten, ihr solltet das feiern gehen.«

»Ist das ein Vorschuss auf meinen Anteil?«

»Nein, ist von meinem.« Owen und ich würden es wahrscheinlich sowieso nie schaffen, jemals unsere Schulden bei Jimmy zu begleichen. Zumindest nicht bei dem Tempo, das wir an den Tag legten. »Betrachte es als verfrühtes Geschenk zur Geburt.«

Er klopfte mir auf die Schulter. »Du bist echt schwer in Ordnung, Charlie. Danke.«

Bevor ich in Jimmys Büro eilte, fuhr ich mir mit der Hand durchs Haar.

Ich dachte an Mom. Als ich achtzehn gewesen war, war sie mit Owen und mir von South Carolina in ihre Heimat London zurückgezogen. Mein Vater hatte sich schon viele Jahre vorher aus dem Staub gemacht. »Augen auf bei der Partnerwahl«, hatte sie mir mit einem reumütigen Lachen geraten. »Dann wirst du es besser haben als ich.«

Mom war von Beruf Köchin gewesen, aber vor allem ihre Sandwiches waren legendär. Allein bei der Erinnerung an ihr gegrilltes Reuben-Sandwich mit Chicken salad lief mir das Wasser im Mund zusammen. Und natürlich hatte sie ihre Leidenschaft an Owen und mich weitergegeben.

Immer schon hatte sie von einem eigenen kleinen Deli geträumt. Ein Traum, den sie realisierte, als sie hier in Soho einen winzigen Laden zur Miete fand. Vor knapp acht Jahren eröffnete sie The Sandwich Shop, und Owen und ich waren ihre ersten Angestellten.

Kurz darauf war bei ihr Krebs diagnostiziert worden. Drei Jahre später starb sie und vererbte Owen und mir das Deli. Wir liebten es, Sandwiches zu machen, hatten aber nicht den blassesten Schimmer vom Geschäftlichen; um den ganzen Kram hatte Mom sich immer allein gekümmert. Weshalb es auch nicht lang dauerte, bis wir mit der Miete und den Zahlungen an unsere Lieferanten im Rückstand waren. Ich beantragte bei allen möglichen Banken Geschäftskredite, doch jede einzelne erteilte uns eine Abfuhr.

Dann war Owen eines Tages mit einem Briefumschlag voller Bargeld im Laden aufgetaucht. Zehntausend Pfund.

»Hab ich von so einem Typen«, erklärte er, ohne mir in die Augen zu sehen.

Als sich herausstellte, dass dieser »Typ« Jimmy Hanson war, ein hiesiger Kredithai und Trickbetrüger, hätte ich Owen fast eine reingehauen. Der Wucherzins auf das Darlehen war astronomisch hoch. Keine zwei Wochen später verlangte Jimmy zwanzigtausend Pfund.

Natürlich hatten wir nicht die allerkleinste Chance, ihm das Geld zurückzuzahlen. Die Zinsen auf den Kredit wuchsen immer schneller, und schon bald schuldeten wir Jimmy einen sechsstelligen Betrag.

Jeden Monat gaben wir ihm einen festgelegten Geldbetrag aus den Einnahmen aus dem Deli. Doch das reichte bei Weitem nicht, um unser Darlehen zu begleichen. Und so bekamen wir von Jimmy die »Einladung«, bei seinen Betrugsmaschen mitzuspielen, um die Differenz wettzumachen. Ich versuchte immer, Owen die kleineren »Rollen« zu geben, während ich die größeren übernahm. Man hätte es auf meinen Großen-Bruder-Komplex schieben können, aber zum einen war ich der bessere Schauspieler von uns beiden und zum anderen blieb Owen so mehr Zeit, den Laden zu schmeißen. Er hatte einfach mehr Talent in der Küche. Allerdings waren auch meine Sandwich-Künste nicht von der Hand zu weisen.

Fünf Jahre später arbeiteten wir den sechsstelligen Betrag immer noch ab, einen Coup nach dem anderen, nur um das Deli irgendwie am Laufen zu halten. Wenn wir in dem Tempo weitermachten, würden wir Jimmy niemals loswerden.

Wir würden niemals wieder frei sein.

Mom würde sich im Grab umdrehen, wüsste sie, was Owen und ich taten. Weshalb ich es vorzog, einfach nie darüber nachzudenken. Es war zu deprimierend.

Überrascht stellte ich fest, dass Jimmy in der Nähe seiner Bürotür stand. Normalerweise saß er hinter dem Schreibtisch und hämmerte auf seinen uralten Koloss von einem Taschenrechner ein. Heute stand er auf der anderen Seite, lehnte am Schreibtisch, die Beine überkreuzt, und kaute auf seiner Unterlippe rum, eine braune Aktenmappe unter dem Arm.

Bei meinem Anblick hellte sich seine Mie ne auf.

»Charlie! Tolle Arbeit! Einfach brillant. Was für eine glückliche Fügung des Schicksals, dass unsere Wege sich gekreuzt haben, nicht wahr? Ich weiß, eigentlich wolltest du dir nie die Hände schmutzig machen. Aber du bist verdammt noch mal ein Naturtalent! Wirklich brillant.«

Ich blieb in der Tür stehen und schob eine Hand in die Hosentasche. »Du wolltest mich sprechen?«

Er hielt mir die Aktenmappe hin. »Das hier ist was Großes.«

Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich holte tief Luft, um meinen Puls unter Kontrolle zu bekommen. Diesen Gedanken hatte ich mir niemals erlaubt – dass es einen Job geben könnte, mit dem Owen und ich endlich unsere gesamten Schulden abbezahlen würden. Denn diesen Job gab es nicht. Zumindest nicht in Jimmys Welt der Verbrechen.

»Bin ganz Ohr«, sagte ich und unterdrückte ein Gähnen. Den ganzen Tag über hatte ich im Deli gearbeitet, war dann direkt zur Vorbereitung in den Club gekommen. Ich war so müde, dass meine Augen brannten. Ich brauchte dringend eine Mütze Schlaf. Schon bei Morgengrauen würden Owen und ich wieder aufstehen, um im Sandwich Shop die frühmorgendliche Meute zu bedienen.

»Was würdest du sagen, wenn ich dir erzähle, dass wir die größten Wichser von allen ausnehmen könnten?«

Meine Stirn legte sich in Falten. »Die größten Wichser? Meinst du die Kardashians? Im Grunde bewundere ich ihr Geschäftsmod…«

»Nein! Nicht die Kardashians. Ich rede von der königlichen Familie.«

Mein Herz setzte erneut aus. Diesmal länger.

Jimmy hasste »die Snobs« – seine Bezeichnung für sämtliche hochnäsigen reichen Leute. Doch die königliche Familie verabscheute er, und zwar mit der sengenden Kraft von tausend brennenden Sonnen.

Dafür hatte er auch allen Grund. Jimmy war der uneheliche Sohn von Prinz Alexander, dem verstorbenen Ehemann der Königin von England. Das Resultat einer Affäre des Prinzen mit Jimmys Mutter in den 1950er Jahren. Alexander war damals schon seit Jahren mit der Königin verheiratet gewesen.

Die königliche Familie hatte keine Mühen gescheut, die Sache unter den Teppich zu kehren. Laut Jimmy hatte der Prinz ihn und seine Mutter, die damals zweiundzwanzig Jahre alt gewesen war, nach der Geburt links liegen gelassen. Alexander hatte keinen Kontakt gewollt, ihn nie besucht, nie auch nur Jimmys Existenz eingeräumt. Alles, was Jimmy jemals von ihm bekommen hatte, war eine finanzielle Unterstützung von jährlich ein paar hundert Pfund.

Diese Geschichte hatte ich schon unzählige Male gehört. Der Prinz hatte Jimmy und seine Mutter im Stich gelassen. Die beiden waren nur knapp über die Runden gekommen, während Alexander weiterhin in prachtvollen Palästen lebte und mit Privatjets umherreiste. Reiche Menschen, solche wie unsere Freundin Veronica, zu bestehlen, war Jimmys Art, sich an der Familie zu rächen, die ihn verleugnet hatte.

Natürlich entschuldigte das nicht, was er tat, doch selbst ohne Vater aufgewachsen, konnte ich zumindest seine Wut gut nachvollziehen.

»Worum geht’s?«, fragte ich.

»In aller Kürze? Prinzessin Jane verführen. Es in den Primrose Palace schaffen. Den Warhol aus ihrem Schlafzimmer stehlen.«

Diesmal schien mein Herz vollends den Geist aufzugeben. Ich schluckte schwer und räusperte mich.

»Wie viel ist er wert?«, fragte ich. »Der Warhol?«

»Ich hab bereits einen Käufer an der Hand.« Jimmy kannte jeden verfluchten Kriminellen in ganz London. Kein Wunder, dass jemand darunter war, der sich auf lächerlich teure, gestohlene Kunstwerke spezialisiert hatte. »Er hat uns fünf Millionen geboten.«

Im Ernst, bei der Summe wurde mir kurz schwarz vor Augen. Sie hallte in meinem Kopf wider.

Fünf Millionen Pfund. Selbst geteilt durch viele Köpfe – selbst nachdem Jimmy sich den Löwenanteil gekrallt hatte –, würde immer noch ein Arsch voll Geld für Owen und mich übrig bleiben.

Ich hatte schon unzählige Leute bestohlen. Die Erbinnen und gelangweilten Töchter von Schiffsreedern verführt, okay. Aber nie war es um so viel Geld gegangen. Nicht annähernd. Fünf Millionen Pfund – scheiße, das war mehr als genug, um unsere Schulden zu begleichen!

Mehr als genug, um uns unsere verdammte Freiheit zu erkaufen.

Jimmy grinste mir zu, die blauen Augen leicht zusammengekniffen.

»Wie ich sehe, rattert es da oben«, sagte er. »Um deine Frage zu beantworten – ja. Dein Anteil würde euer ausstehendes Darlehen begleichen. Keine weiteren Zahlungen. Keine weiteren krummen Dinger.«

Ich atmete tief durch die Nase ein. Ein Atemzug, der leicht zitterte.

»Keine weiteren krummen Dinger«, platzte es aus mir heraus. »Habe ich dein Wort?«

Jimmy streckte den Arm aus. »Du hast mein Wort.«

Wir besiegelten die Sache mit einem festen Handschlag. Ich war nicht sicher, ob ich ihm tatsächlich glauben konnte. Doch hatte ich eine Wahl? Ich war geliefert.

»Wie viel Zeit haben wir, uns vorzubereiten?«, fragte ich.

»Der Zeitplan ist eng. Wir planen mit Juni – also vier Wochen.« Jimmy drückte sich vom Schreibtisch weg und verschränkte die Arme vor der Brust. »Meine Quelle hat mir verraten, dass die Königin einige der begehrtesten Junggesellen der Welt in ihre Loge beim Pferderennen in Ascot geladen hat. Sie will Jane mit einem von ihnen verkuppeln. Die alte Margaret möchte wohl sichergehen, dass ihre Enkelin diesmal jemand Standesgemäßeren heiratet.«

Janes Ehe mit irgendeinem Finanzfuzzi aus London war vor zwei Jahren krachend in die Brüche gegangen. Ein gefundenes Fressen für die Presse. Damals war Janes Gesicht auf allen Titelseiten gewesen. Bei den Schlagzeilen war es immer um ihr ausschweifendes Partyleben gegangen. Das Geld, das sie auf ihren Reisen nach Vegas und Ibiza verprasste.

»Und du kannst mich in diese Loge bringen?«, fragte ich.

Jimmy nickte. »Ist schon alles arrangiert.«

»Vier Wochen.« Ich schlug die Aktenmappe auf und überflog den Inhalt. »Damit lässt sich arbeiten.«

Vor mir lag eine Einladung für The Royal Enclosure in Ascot, dem bekanntesten Pferderennen in ganz England. Die Visitenkarte eines Schneiders in der Savile Row. Pläne von Primrose Palace, eine Kopie des Warhols – ein neonblaues und gelbes Porträt von Grace Kelly, wie passend! – und mehrere Dossiers über sämtliche Mitglieder der königlichen Familie. Jane, ihre drei Brüder, ihre Schwägerinnen.

Ich fragte Jimmy nicht, woher er das ganze vertrauliche Zeug hatte. Ganz ehrlich, ich wollte es lieber nicht wissen. Jimmy war ein mächtiger Mann. Ein zwielichtiger Typ. Zu viele Fragen würden mich nur in Schwierigkeiten bringen.

Das hier würde verdammt nochmal mein letzter Coup werden. Bei dem Gedanken wurde mir schwindelig vor Erleichterung. Nach fünf Jahren und unzähligen Jobs bot sich Owen und mir ein Weg in die Freiheit.

Endlich. Jimmy würde die Waffe senken, die er uns seit so langer Zeit an den Kopf hielt.

Zumindest war das meine Hoffnung.

»Ich spiele also einen Arschloch-Milliardär«, sagte ich und hielt die Eintrittskarte zur königlichen Loge in Ascot hoch.

Jimmy nickte. »Wenn man nach Janes Ex geht, steht sie auf kleine Wichser. Also ist ein Arschloch-Milliardär genau das Richtige. Ein Kinderspiel für dich, Romeo.«

Ich schloss die Mappe. »Ich trommle eine Crew zusammen und fange gleich morgen mit den Vorbereitungen an.«

Ich wusste nicht viel über Jane. Doch sie klang wie eine weitere Veronica. Eine weitere eingebildete Treuhandfonds-Göre, die nichts in der Birne hatte.

Also alles wie immer. Nichts, was ich nicht in den Griff bekomen würde.

Zumal unsere Freiheit auf dem Spiel stand.

Zweites Kapitel

JANE

Es war das zweite Jahr in Folge, dass ich allein am Royal Ascot teilnahm.

Single.

Neben meinem jüngeren Bruder Jack in der Kutsche. Die zwei übrig gebliebenen Thorne-Geschwister, versteckt in der allerletzten Droschke der Reihe. Die glamouröseren Kutschen ganz vorne waren für unsere Großmutter, die Königin, reserviert, dann kamen natürlich Kit und Emily (seit letztem Jahr verheiratet) und Robert und Aly (seit letztem Monat verheiratet). Wer fehlte, waren meine Eltern. Seit ihrem Tod waren inzwischen mehr als fünfzehn Jahre vergangen, aber ich spürte ihre Abwesenheit immer noch mit jeder Faser meines Körpers.

Letztes Jahr zu dieser Zeit war ich am Boden zerstört gewesen, nach ganz hinten verbannt worden zu sein. Eine weitere Erinnerung daran, wie sehr ich alles vermasselt hatte. Welch eine Versagerin ich war. Als Ehefrau. Als Mensch. Ich hatte gerade die Trennung von Michael, meinem Ex-Mann, bekanntgegeben, die Wunden von unserem Zerwürfnis waren noch ganz frisch gewesen.

Doch jetzt – jetzt war mir das gleich. Verrückt, welchen Unterschied ein Jahr machen kann. Endlich lernte ich wieder, auf meinen eigenen zwei Beinen zu stehen. Single zu sein, hatte etwas Befreiendes. Michaels Stimme spukte endlich nicht mehr in meinem Kopf herum. Benimm dich wie eine richtige Prinzessin. Ehre deine Herkunft. Lustig, für ihn hatte »die Herkunft ehren« nicht mehr bedeutet, als mein Geld aus dem Fenster zu werfen und von anderen Menschen zu verlangen, dass sie sich vor ihm verbeugten oder einen Knicks machten.

Wie es die Tradition wollte, fuhren wir eine Runde in unseren Kutschen um die Pferderennbahn. Es war ein herrlicher Tag. Sonnig und perfekt warm. Die Zuschauer waren uns sichtlich geneigter als je zuvor – zwei königliche Hochzeiten in so kurzer Zeit hatten ein wahres Wunder bewirkt.

Jack schnalzte gegen die armlange Feder an meinem Hut. Ich knuffte ihn – natürlich ganz diskret – ins Bein. Sein schallendes Gelächter ließ eine Gruppe Frauen in der Nähe pfeifen.

Galant tippte er sich an den Hut. »Ladys.« Und dann zu einem bewundernden Grüppchen Männer: »Gentlemen.«

Mein Bruder hatte sich vor ein paar Monaten als homosexuell geoutet. In Anbetracht dessen, dass er das erste Mitglied der königlichen Familie war, das dies öffentlich bekanntgab, war es eine große Sache gewesen. Die Königin hatte positiv reagiert, genau wie das übrige Land. Ich hätte nicht stolzer auf meinen Bruder sein können. Oder neidischer wegen der ganzen heißen Typen, die ihn anhimmelten.

Als die Parade zu Ende ging, half Jack mir aus der Kutsche, und wir bahnten uns einen Weg zur Rolltreppe, die zur königlichen Loge führte. Ich empfand es immer als Erleichterung, diesen Teil des Tages hinter mich gebracht zu haben. Die Loge öffnete sich zu einem Balkon, so dass die Menschen uns immer noch sehen konnten, doch wir saßen nicht mehr völlig auf dem Präsentierteller. Unsere Pflicht war getan.

Jetzt durften wir wetten.

Mein Herz vollführte einen kleinen Hüpfer der Aufregung, als ich den Korridor hinabeilte, der zu unserer Loge führte. Die Königin war eine kleine Zockerin, jedes Jahr half Kit ihr, einen Wettpool für die Familie aufzustellen. Es würde die berühmten Ascot’schen Hummersandwiches zum Mittagessen und als Getränk Pimm’s Cups geben, während wir beim Pferderennen unser Geld verloren.

Der beste Teil? Unsere Familie verbrachte einen ganzen Tag zusammen – minus Baby Josie, Kits und Ems sechzehn Monate alter Tochter. Die Königin lud zwar immer eine Handvoll Gäste ein, die uns Gesellschaft leisteten, doch abgesehen davon waren es nur wir, die zusammen tranken und aßen und auf Vollblutpferde setzten.

Sobald wir die Loge erreichten, drehte Jack sich zu mir um. Sein Lächeln war verschwunden, er sah besorgt aus.

Merkwürdig. Jack machte sich normalerweise nie wegen irgendetwas Sorgen.

»Es tut mir leid«, platzte es aus ihm heraus.

Ich blinzelte. »Was?«

»Ich musste es ihnen schwören. Wirklich, ich wollte es dir ja sagen, aber …« Ein dünner Schweißfilm hatte sich auf seiner Oberlippe gebildet. »Großmutter hat uns alle zur Geheimhaltung verpflichtet. Wir wussten, du würdest niemals zustimmen, wenn du von der Sache Wind bekämst.«

»Jack«, sagte ich und senkte die Stimme in gespieltem Ernst. »Lässt du mich etwa umbringen?«

»Schlimmer.« Er verzog das Gesicht. »Wir verkuppeln dich. Nun ja, im Grunde nur die Königin. Es war ihre Idee.«

Ich starrte ihn an. Das musste ein Witz sein, oder? Ein wirklich schlechter, wirklich dummer Scherz. Meine Großmutter – und meine gesamte Familie – wussten, dass ich absolut kein Interesse an Liebesdingen hatte. Die vergangenen zwei Jahre hatte ich damit verbracht, mich irgendwie aus diesem tiefen Loch zu ziehen. Zwei Jahre. Endlich war ich wieder auf einem guten Weg. Einem Weg, den ich allein gehen wollte.

»Mach dich nicht lächerlich«, sagte ich, und meine Faust landete mitten auf seiner breiten Brust.

Eigentlich erwartete ich, dass Jack süffisant lächeln und mir versichern würde, er habe nur gescherzt.

Stattdessen wand er sich schuldbewusst.

»Sie hat uns um Hilfe gebeten. Und du weißt, wenn die Königin etwas von dir will, wird kein Nein als Antwort geduldet«, erklärte er. »Ich genieße ihre finanziellen Zuwendungen zu sehr, Jane. Immerhin fallen sie höchst großzügig aus.«

Mein Herz hüpfte wieder. Aber diesmal nicht vor Aufregung.

Jack machte keine Witze.

Mieser Verräter!

Mit zusammengekniffenen Augen spähte ich durch die Tür in die Loge. Dort drängten sich Leute, allesamt in Zylinder und Cutaway – dem »Morning Dress«, der aufgrund der strengen Kleiderordnung des Royal Ascot erwartet wurde –, und standen mit Cocktails in der Hand herum.

Ausnahmslos Männer.

Ich drehte mich zu Jack zurück. »Was zum Teufel hast du getan?«, zischte ich.

Doch bevor er mir antworten konnte, hörte ich die Stimme meiner Großmutter.

»Ah, da ist sie ja! Jane, bitte gesell dich doch zu uns. Wir haben Gäste, die ich dir gerne vorstellen würde.«

Mit geschürzten Lippen starrte ich Jack an.

Er sah aus, als wollte er am liebsten sterben.

Gut so. Genau das verdiente er, immerhin hatte er ihr dabei geholfen, diesen kleinen Überraschungsangriff zu planen.

Ich hasse dich, formte ich mit dem Mund.

Dann trat ich um meinen Bruder herum, während der Saum meines Kleids um meine Beine raschelte, und setzte ein gespieltes Lächeln auf.

Als die blauen Augen der Königin meinen begegnete, lag kein Zögern in ihnen. Offensichtlich plagten sie keinerlei Gewissensbisse, mich mit diesen Fremden verkuppeln zu wollen. Warum auch? Seit mehr als sechzig Jahren saß sie auf dem Thron. Sie hatte den Zweiten Weltkrieg, den Eisernen Vorhang und selbst ein Nickelback-Konzert ertragen, Diktatoren eingeschüchtert und elf US-Präsidenten bezirzt.

Sie würde auch mit mir fertig werden, keine Frage. Doch was genau hatte sie vor? Dates? Liebe? Eine Ehe?

Nein, nein, verdammt nochmal, nein!

»Es wäre mir eine Freude, deine Gäste kennenzulernen«, sagte ich durch zusammengebissene Zähne.

Mit einer Handbewegung wies sie mich an, die Loge zu betreten. Ich bewegte mich so vorsichtig, als würde ich über ein Minenfeld gehen, denn mir war völlig bewusst, dass schon ein falscher Schritt mich in Stücke reißen könnte – oder in die Arme eines dieser Arschlöcher treiben, die sich hier versammelt hatten.

Der Lärm der Menschenmenge draußen wurde durch die Loge geweht. Doch abgesehen davon war es totenstill. Sämtliche Augen waren auf mich gerichtet. Meine Kopfhaut juckte. Es mussten zwanzig – nein, mehr als das, dreißig – Männer sein, deren Perlmuttknöpfe an ihren pastellfarbenen Westen mir zublinkten.

Einige Herren lächelten mich an. Peinlich berührt. Schüchtern. Andere maßen mich mit abschätzenden Blicken von oben bis unten, als wäre ich eines der Pferde beim Rennen.

Mein Gesicht glühte.

Ich sah weg.

Direkt in das blauste Paar Augen, das ich jemals gesehen hatte. Ein Blau, das mich tief in meiner Brust berührte und mein Herz einmal herumdrehte. Diese Augen waren leuchtend und ehrlich und ebenso überrascht, entdeckt worden zu sein, wie ich es war.

Die Augen gehörten zu einem attraktiven Mann, dem ich nie zuvor begegnet war. Er hatte dickes, ordentlich gescheiteltes, dunkles Haar und einen Bart, der, wäre er auch nur einen Hauch kürzer gewesen, als Dreitagebart hätte durchgehen können. Vielleicht lag es an diesem Bart, aber da war etwas, das meine Aufmerksamkeit bannte. Seine Lippen waren …

Ich blinzelte. Hör auf, seine Lippen anzustarren!

Er war nicht auffallend groß noch breitschultrig, aber wohlproportioniert, auf eine echte Hollywood-Art – zu perfekt, um wahr zu sein. Der Kerl gehörte auf die Leinwand. Oder ein Plakat. Durchtrainierte Brust und Schultern und Arme. Ein angenehmes Gesicht. Und diese Augen.

Er stand etwas abseits. Allein. Ein volles Glas Champagner in der Hand. Die andere Hand ruhte auf seinem Sakko, als könnte er die Tasche nicht finden, nach der er suchte.

Cutaways haben außen keine Taschen. Hatte er zuvor noch nie einen getragen?

»Du siehst zauberhaft aus«, murmelte die Königin mir ins Ohr und brach damit den Bann.

Blinzelnd blickte ich weg.

Wahrscheinlich war das gut so. Ich wollte keinen Mann so anstarren, wie ich ihn gerade angestarrt hatte. Die Chancen standen nicht schlecht, dass er kein bisschen anders war als die Typen, die ich in der Vergangenheit kennengelernt – und geheiratet – hatte.

Kerle, die auf der Prinzessin standen, nicht auf den Menschen dahinter.

»Warum tust du das?«, fragte ich im Flüsterton, als Ihre Majestät mich sanft, aber entschlossen zum einen Ende des lockeren Halbkreises führte, den die Männer gebildet hatten.

Die Königin drehte kaum merklich den Kopf. Nur so weit, dass ich das unbeirrbare Glitzern in ihren Augen sah.

»Ohne dir zu nahe treten zu wollen, liebste Jane, muss ich doch anmerken, dass du nicht gerade den besten Männergeschmack an den Tag legst«, erwiderte sie. »Ebenso wenig wie ich. Du und ich … wir sind uns insofern ähnlich, dass wir auf die Falschen hereinfallen.«

Meine Wut schwand. In diesem Punkt hatte die Königin nicht ganz unrecht. Es war ein gut gehütetes Geheimnis, dass mein verstorbener Großvater, Prinz Alexander, im Laufe ihrer gesamten Ehe fremdgegangen war. Wiederholt. Eine seiner Geliebten hatte er sogar geschwängert. Ich wusste zwar nicht, was mit dem Baby passiert war, aber ich wusste, dass meine Großmutter, die unerschütterlichste Frau auf Erden, fast daran zerbrochen wäre.

Kein Geheimnis war hingegen, dass Michael, mein Ex, ein Vollidiot war. Es war ihm geschickt gelungen, mir weiszumachen, er würde mich um meinetwillen lieben. Doch sobald der Ehering an meinem Finger steckte – und der großzügige Ehevertrag unterzeichnet war –, hatte er sein wahres Gesicht gezeigt. Ich sollte mich ihm zuliebe in einen völlig anderen Menschen verwandeln als der, den er geheiratet hatte. Ich hatte es versucht – und war gescheitert.

Die Königin blieb stehen. Und sah mir fest in die Augen. »Jane, ich will dir nur ersparen, was ich durchgemacht habe.«

»Glaubst du wirklich, diese eitlen Gecken wären auch nur im Entferntesten besser als die Ärsche, mit denen wir zusammen waren?«

»Ja. Diese eitlen Gecken sind gute Männer. Männer, die dich womöglich glücklich machen könnten. Ich habe jeden Einzelnen von ihnen auf Herz und Nieren überprüfen lassen. Wenn dir keiner von ihnen gefällt, na schön. Aber gib ihnen eine Chance.« Mit dem Ellbogen stieß sie mir liebevoll in die Seite. »Du willst doch wohl einer sterbenden Frau nicht ihren letzten Wunsch versagen, oder?«

Ich verdrehte die Augen. »Du liegst nicht im Sterben.«

»Es wäre durchaus möglich.« Sie zuckte mit den Schultern. »Ich bin dreiundneunzig.«

»Hör auf, so etwas zu sagen. Wir wissen alle, dass du mindestens hundertzwanzig wirst.«

Ihre Lippen zuckten. »Lass mir bitte meinen Willen. Nur heute.«

»Nur heute«, wiederholte ich. »Versprochen?«

»Du hast mein Wort.«

Ich sah sie an. Und seufzte. Das hier war das Letzte, was ich wollte. Doch die Königin hatte mich während meiner Scheidung verteidigt – vor allen Angriffen beschützt. Sie hatte unzählige Gefallen eingefordert. Ich stand in ihrer Schuld.

Außerdem musste ich ja keinen dieser eitlen Gecken mit nach Hause nehmen, nur gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Sie begrüßen, ein paar Hände schütteln, Interesse heucheln, wenn sie von ihren Portfolios erzählten oder mit Anekdoten von ihren Reisen mit bekannten Persönlichkeiten nach St. Bart’s angaben. Es wäre kein Spaß. Aber meine Großmutter würde es glücklich machen.

Resigniert ließ ich die Schultern sinken und trat vor, um den ersten eitlen Gecken willkommen zu heißen.

Während ich die ganze Zeit über die blauen Augen von der anderen Seite des Raums auf mir spürte.

Drittes Kapitel

JANE

Es dauerte nicht lang, bis meine Stimmung kippte. Und als es passierte, erreichte sie schnell ihren Tiefpunkt.

Ich war mit genügend Vollidioten zusammen gewesen – einem insbesondere –, um einen zu erkennen, wenn er vor mir stand. Und diese eitlen Gecken waren allesamt Idioten.

Sie schwadronierten darüber, wohin sie überall mit ihren Privatjets flogen. Ihre Blicke glitten einmal zu oft zu dem pflaumengroßen Saphir am Kragen der Königin. Jeder von ihnen war zu sehr damit beschäftigt, mich zu beeindrucken, und gleichzeitig zu beindruckt von der Loge und dem Saphir und dem ganzen Pomp, um auch nur ansatzweise authentisch rüberzukommen.

Sehnsüchtig spähte ich zum Balkon und fragte mich verwundert, ob die Menschen dort unten mich auffangen würden, wenn ich loslaufen und mich hinunterstürzen würde.

In der scheinbar endlosen Reihe an Männern gab es nur einen einzigen Lichtblick. Mit Mühe rang ich ein Schmetterlingsflattern nieder, während ich mich Mr Blaue-Hollywood-Augen näherte. Sein leichtes Unbehagen in seinem Cutaway war das einzig Ehrliche in diesem Raum. Wie ein Magnet wurde ich davon angezogen. Wie ein Schiff auf einen Leuchtturm zusteuert, dem einzigen Licht in einer ansonsten dunklen Nacht.

Als ich schließlich mit der Königin an meiner Seite vor ihm stand, war ich schier atemlos vor Aufregung. In meinen High Heels war ich fast so groß wie er und nah genug, um die dunklen Stoppeln an seinem Hals auszumachen. Und den herben Geruch von Whiskey zu riechen (wo hatte er den nur her?), gemischt mit einem Hauch sinnlichem Aftershave, der ihn umgab.

Es war töricht von mir, vollkommen leichtsinnig, mich der Hoffnung hinzugeben, er könnte echt sein. Anders.

»Guten Tag«, sagte ich und hielt ihm die Hand hin. »Ich bin Jane. Es ist mir eine Freude, Sie kennenzulernen.«

Seine Blick huschte unruhig hin und her. Einmal, zweimal. Als würde er eine Entscheidung treffen. Als wäre er nervös. Das war irgendwie süß.

Doch dann, als wäre sein Unbehagen niemals da gewesen, verpuffte es und wurde durch ein süffisantes Grinsen ersetzt. Eine Kälte, die das berauschende Blau seiner Augen trübte.

»Charles Redford.« Er nahm meine Hand. Doch anstatt sie zu schütteln, brachte er sie an seine Lippen. »Und die Freude ist ganz meinerseits, Eure Königliche Hoheit.«

Mein Herz war mit dem letzten Buchstaben von Charles im freien Fall nach unten gesackt. Und es sauste noch weiter hinab, als seine Lippen sanft meine Knöchel streiften, wie die eines ruchlosen Mr Darcy in einem billigen Jane-Austen-Romanabklatsch.

Sein Verhalten passte nicht zu der Aufrichtigkeit, die ich vorhin in seinen Augen gesehen hatte. Seinem echten Interesse. Jetzt heuchelte er dieses Interesse nur vor. Spielte seine Rolle. Aus irgendeinem Grund nahm ich das persönlich, wie einen Verrat.

Es tat weh.

Hastig riss ich die Hand zurück.

»Und woher kommen Sie, Mr Redford?«, fragte die Königin.

»Ich bin heute Morgen aus Zürich hergeflogen.« Würg. »Auch wenn ich San Francisco mein Zuhause nenne. Dort ist der Sitz meiner Firma. Nun ja. Einer meiner Firmen. Mir gehören mehrere.«

Auf einmal wurde mir schwindlig. Mit diesem Mann wollte ich nicht zusammen sein. Ich wollte mit keinem Mann zusammen sein. Punkt. Warum tat es dann so sonderbar weh? Sein Verrat hockte wie ein Elefant auf meiner Brust.

Vielleicht war ich aber auch einfach nur deprimiert, dass meine Annahmen über diese eitlen Gecken sich ausnahmslos bestätigt hatten. Mir war nicht bewusst gewesen, wie sehr ich widerlegt werden wollte. Und zwar von dem Mann mit den Lippen eines Hollywoodstars.

Würde irgendjemand jemals an meinem Titel vorbeisehen und den Menschen dahinter erkennen? Kit hatte diesen Jemand gefunden. Ebenso Rob. Doch ich befürchtete allmählich, dass es mir niemals gelänge.

Was in Ordnung war. Das Alleinsein störte mich nicht. Doch der Gedanke, niemals einen Freund zu finden, der mich mehr mochte als meinen Titel …

»Und was arbeiten Sie?«, fragte meine Großmutter.

Charles’ Augen bohrten sich in meine. Sie funkelten hell, als würde er gleich einen perfekt getimten K.-o.-Schlag landen.

»Unter anderem bin ich der CEO von Redford Real Estate. Wir bauen Geschäftsgebäude in der Bay Area. Erst kürzlich haben wir unseren dritten Wolkenkratzer fertiggestellt. Vielleicht haben Sie ja von ihm gehört – dem Redford Tower? Er ist der höchste in der ganzen Stadt.«

Wahrscheinlich bedeutet das, dass du den kleinsten Penis hast.

Ich musste von hier weg. Sofort. Bevor ich ihm den Champagner aus der Hand riss und ihn in sein selbstgefälliges Gesicht kippte.

»Es tut mir leid«, sagte ich und machte einen Schritt zurück. »Ich muss an die frische Luft.«

Da blitzte ein Zögern in Charles’ Augen auf. Ein Zögern, das aufrichtig war und überhaupt nicht zu seiner aufgeblasenen Prahlerei passte.

Die Königin sah mich mit zusammengekniffenen Augen an. »Ist dir nicht gut?«

»Ich muss nur … langer Morgen … die Schuhe drücken …« Ein letztes Mal blickte ich zu Charles. »Guten Tag, Mr Redford.«

Dann drehte ich mich auf dem Absatz um und stürzte aus dem Raum, ohne das anschwellende Gemurmel zu beachten, das mir hinterherschwappte.

Ich brauchte einen richtigen Drink. Eine Zigarette. Irgendetwas, um diesen Schmerz in meiner Brust zu lindern. Unten neben der Bar gab es einen kleinen Balkon – eine ausgewiesene Raucherecke. Dort könnte ich mich verstecken, bis die Rennen vorbei waren.

Ich hastete zum Aufzug.

***

Charlie

Ich beobachtete, wie Jane aus der Loge floh, als stünde sie in Flammen.

Was zum Teufel bedeutete das?

Ich hatte angenommen, die Prinzessin würde auf Kerle wie Charles Redford stehen. Immerhin hatte sie einen geheiratet, oder?

Doch ganz offensichtlich verabscheute sie Charles. Dieser Ausdruck in ihrem Gesicht, als ich die erforderliche Arschkriecherei und das angeberische Auftrumpfen mit meinem angeblichen Reichtum hinter mich gebracht hatte – es war, als hätte ich ihr eine Ohrfeige verpasst.

Ich verstand es einfach nicht. Aber wenn ich das Ding hier durchziehen wollte, musste ich dahinterkommen.

Stirnrunzelnd spähte die Königin zu der Tür, aus der Jane eben geflohen war. Sie wirkte ebenso verwirrt wie ich.

»Du meine Güte, das tut mir schrecklich leid, Mr Redford.« Sie schaute mir fest in die Augen. »Wenn Sie mich kurz entschuldigen würden, ich sollte lieber nach ihr sehen.«

»Die Rennen werden gleich beginnen«, erwiderte ich, während meine Gedanken sich überschlugen. Vielleicht konnte ich die Situation noch retten. Alles, was ich brauchte, war ein zweiter Versuch. »Unter keinen Umständen sollten Sie sie versäumen. Ich werde Ihrer Hoheit eine Erfrischung bringen.«

Der Blick der Königin glitt über mein Gesicht. »Das würde Ihnen nichts ausmachen?«

»Kein bisschen«, erklärte ich mit meinem charmantesten Lächeln.

Es funktionierte.

Mit einem Kopfnicken rückte die Königin zum nächsten Gast in der Reihe auf.

Ich eilte auf kürzestem Weg zur Tür, wobei ich mir hastig ein weiteres Glas Champagner von einem der Kellner schnappte.

Mir entging nicht, dass niemand sonst in der Loge sich anbot, Jane nachzugehen, dem angeblichen Hauptgewinn des Tages.

Idioten.

Als ich die Tür fast erreicht hatte, fiel mein Blick auf Prinz John – die Öffentlichkeit nannte ihn Jack –, der etwas abseits stand und mich genau beobachtete.

»Eure Hoheit«, sagte ich und neigte leicht den Kopf.

Er sah mich einfach nur an. Mit zusammengekniffenen Augen. Ansonsten war sein Gesicht ausdruckslos.

Um Janes Vertrauen zu gewinnen, müsste ich auch das Vertrauen ihrer Familie gewinnen. Doch dafür hatte ich im Moment keine Zeit. Jack würde ich mir für später aufheben.

Ich verließ die Loge und fand mich in einem langen Korridor wieder. Tags zuvor hatte ich mir den Grundriss der Royal Enclosure genaustens eingeprägt. Jane hatte gesagt, sie bräuchte frische Luft.

Der Balkon.

Eine Etage tiefer gab es einen großen Balkon. Eine Art Raucherecke.

Laut dem Dossier zu ihr – und einiger Paparazzifotos, auf die ich im Internet gestoßen war – war Jane Gelegenheitsraucherin.

Ich bog in das nächstgelegene Treppenhaus ab und eilte, den Champagner hochhaltend, um keinen Tropfen zu verschütten, die Stufen hinab.

Viertes Kapitel

CHARLIE

Ich fand Jane in der hintersten Ecke des Balkons, halb versteckt hinter einem Stehtisch, die Ellbogen auf die Brüstung gestützt, eine Zigarette zwischen ihren schmalen Fingern. Träge Rauchfäden stiegen von der glühenden Zigarettenspitze in die Luft. Meine Augen glitten über den femininen Schwung ihrer Waden. Nichts als weiche Haut und harte Muskeln.

Unter ihrem Kleid konnte ich nur schemenhaft den Umriss ihrer Knie und Oberschenkel und ihres Hinterns ausmachen. Ihr Körper war fest. Schön. Ablenkend schön.

Ich blinzelte. Und konzentrierte mich wieder auf die vor mir liegende Aufgabe.

Jane mochte Charles nicht, den Arschloch-Milliardär. Ich musste den Grund herausbekommen. Vielleicht war sie mit einem Arschloch zu viel zusammen gewesen?

Oder sie wollte einfach etwas anderes.

Wenn es etwas gab, das ich ihr im Gegensatz zu den Vollpfosten oben geben konnte, dann Whiskey. Und vielleicht – nur vielleicht – eine echte Unterhaltung. Wenn ich das Glück hatte, etwas zu finden, das wir gemein hatten.

Es war ein großes Wenn.

Mein wahres Ich konnte ich ihr nicht anbieten. Zumindest den Großteil davon. Es war ein Wagnis, das ich niemals zuvor eingegangen war. Doch ich hatte keine Wahl.

Mir lief die Zeit davon.

Meine Schritte kratzten über den glatten Beton. Janes braune Augen glitten zu meinen. Und wurden eiskalt.

Dann blickte sie zur Seite und aschte ab.

»Geht es Ihnen gut?«, begann ich. »Sie hätten nicht schneller von da oben verschwinden können.«

Ich stellte den Champagner auf den Stehtisch neben ihrer Clutch ab. Die Prinzessin sah mich nicht an. Alles an ihr – ihre Körpersprache, ihre angespannte Kieferpartie – schrie: Lass mich verdammt nochmal in Ruhe!

»Freundlich von Ihnen, mir ein Glas zu bringen«, sagte sie, wobei sie weiterhin wegsah, stattdessen einen Zug von ihrer Zigarette nahm. »Aber ich mag keinen Champagner. Viel zu süß.«

Okay, das war ein Novum – eine wohlhabende Frau wie sie, die teuren Schampus ablehnte.

»Der ist nicht für Sie«, erklärte ich. »Die sind beide für mich. Ich trinke zweihändig. Der einzige Weg, diesen Nachmittag durchzustehen.«

Ihr Blick traf meinen, und sie verengte die Augen zu Schlitzen.

»Sie mögen keine Pferderennen?«, fragte sie.

Ich sah sie an. Genauso gut könnte ich ihr die Wahrheit sagen. Immerhin hatte ich nichts – alles – zu verlieren.

»Pferderennen sind in Ordnung. Es sind die Menschen, die ich nicht ertrage.«

»Die Menschen? Menschen wie ich, meinen Sie?« Jane drehte sich zu mir und lehnte sich mit der Hüfte gegen die Brüstung. Ihr Blick wanderte meinen Cutaway hinauf. »Oder Menschen wie Sie?« Ein weiterer Zug an ihrer Zigarette.

»Menschen wie Charles Redford. Also ja.« Ich sah sie an. Bisher reagierte sie gut auf meine Ehrlichkeit. Ich entschied, alles auf eine Karte zu setzen. »Können wir noch mal von vorne anfangen?«

Sie spähte zu mir. Verunsichert, was ich meinte. Verunsichert, ob sie mir meinen Sinneswandel abkaufen sollte.

Ich hielt ihr die Hand hin. »Ich bin Charlie.«

Sie nahm sie nicht entgegen.

»Hören Sie«, fuhr ich fort. »Dort oben war ich ein überheblicher Arsch, das tut mir leid. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Aber Sie müssen wissen, dass ich nicht wirklich so bin.«

Jane hob eine Augenbraue. »Sie sind also nicht der Kerl mit dem längsten … Wolkenkratzer in der Bay Area?«

Ich blinzelte. Hatte Prinzessin Jane – die Frau, die für die Kameras immer ein höfliches, leicht gelangweiltes, leicht arrogantes Lächeln aufsetzte – gerade einen anzüglichen Witz gerissen? Einem engen Freund gegenüber vielleicht, aber doch bestimmt keinem Wildfremden?

In all den Jahren der Betrügereien war mir so etwas nie untergekommen. Kein einziges Mal.

Ich war so überrumpelt, dass ich laut auflachte.

»Nun«, erwiderte ich. »Mein Wolkenkratzer ist ganz passabel. Aber ich habe noch mehr zu bieten.«

Ihre Lippen kräuselten sich. »Und das wäre?«

Ich zog die ausgestreckte Hand zurück und holte einen Flachmann aus der Jackentasche.

»Zum Beispiel Whiskey«, sagte ich. »Sie meinten, Champagner wäre Ihnen zu süß, also …«

Ihre Augen funkelten. Mein Herz hämmerte schneller. Volltreffer!

Da hatte ich wohl eine Gemeinsamkeit gefunden. Ein weiteres Novum in was … weniger als einer Minute?

Wer zum Teufel war diese Frau?

»Woher wissen Sie, dass ich Whiskey mag?«, fragte sie.

»Das wusste ich nicht. Aber ich mag ihn, und ich dachte, es wäre womöglich eine gute Idee, heute einen Schluck parat zu haben.« Ich hielt ihr den Flachmann hin. »Ladies first.«

Einen langen Moment sah sie den Flachmann an. Dann blickte sie zu mir.

Nach einem kurzen Zögern drückte sie ihre Zigarette in einem Kristallaschenbecher aus. Sie nahm den Flachmann entgegen, darauf achtend, dass unsere Finger sich nicht berührten.

»Danke«, sagte sie.

Dann genehmigte sie sich einen großen Schluck. Einen durstigen, der kein bisschen von Höflichkeit zeugte. Danach hielt sie sich den Handrücken an die Lippen. Ihre Schultern sanken ein wenig nach unten. Sie sah erleichtert aus. Vielleicht sogar entspannt, und das zum ersten Mal, seit ich sie von der anderen Seite der Loge aus beobachtet hatte.

Ihre Augen bohrten sich in meine. »Jameson.«

»Ja«, sagte ich langsam, ohne ganz zu verstehen, was zum Teufel hier gerade vor sich ging. Jameson war ein guter Whiskey. Doch er war nicht mondän. Für mich hochpreisig, das schon. Aber für eine Prinzessin? Wahrscheinlich billige Plörre. »Ist mein Lieblingswhiskey.«

»Auch einer meiner liebsten.« Sie hielt den Flachmann hoch. »Darf ich? Noch einmal?«

»Nur zu«, sagte ich mit einem raschen Nicken. Die Prinzessin nahm einen weiteren unhöflichen Riesenschluck. Allmählich fragte ich mich, was der Grund war, dass sie so trank.

Über meine Gründe dache ich nie nach. Niemals.

Irgendwo hinten in meinem Kopf schrillte eine Alarmglocke.

Doch ich ignorierte sie. Ich hatte keine andere Wahl. Meine Freiheit stand auf dem Spiel. Meine und die meines Bruders.

»Ich nehme an, diese Episode von Die königliche Bachelorette war nicht Ihre Idee?«, sagte ich und sah sie aus den Augenwinkeln an.

Jane schluckte, dann schnaubte sie verächtlich. »Natürlich nicht. Selbst wenn ich auf der Suche wäre – was ich nicht bin –, würde ich mir definitiv keinen von den Typen dort oben aussuchen.«

Warum nicht?

»Ich bin auch einer dieser Typen.«

»Ich weiß.« Sie sah mir fest in die Augen. »Aber mit diesem Whiskey haben Sie sich auf meiner Abschussliste hochgearbeitet.«

»Ich bin auf Ihrer Abschussliste?« Ich versuchte, die Hände in die Taschen zu stecken, doch zum hundertsten Mal an diesem Tag musste ich feststellen, dass diese bescheuerte Pinguinjacke gar keine Taschen hatte. »Mist.«

Ihr Blick wanderte an mir herab, bevor sie mir den Flachmann zurückgab. »Ich möchte eigentlich ein offener Mensch sein …«

»… aber wenn man zu offen ist, ist man halt auch nicht ganz dicht?«