The Deniables - Stefan Cernohuby - E-Book

The Deniables E-Book

Stefan Cernohuby

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Beschreibung

Der Cyborg Terminus, bekannt für Muskeln, eindrucksvolle Posen und markige One-Liner, hat nach der Auslöschung seines Teams eine neue Mission: Er sucht seine gestohlene Vergangenheit. Doch die Deniables, egal ob tot, untot, wiedergeboren oder einfach nur gut verschüttet, kehren mit dem richtigen Soundtrack zurück. Und das ist gut so, denn Terminus steht ein weitertes Aufeinandertreffen mit seinem Erzfeind bevor. Dem Antagonisten mit dem eindrucksvollsten Schurkennamen der Literaturgeschichte. Es wird rasant, denn Helden wie Schurken fliegen immer mit Maximalgeschwindigkeit und lassen sich von Logik ebenso wenig aufhalten wie von Verkehrszeichen.

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Seitenzahl: 353

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Impressum
Vorwort
The Deniables – Söldner, deren Existenz man (getrost) bestreiten kann
The Deniables – Gestohlene Vergangenheit
Prolog
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Epilog
Danksagung

Impressum

The Deniables – Gestohlene Vergangenheit

ISBN 978-3-945230-86-2

1. Auflage, Allmersbach im Tal 2025

Cover: Eheeinhorns Ideenreich

Satz und Layout: Tanja & Marc Hamacher

Lektorat: Tanja & Marc Hamacher

Druck: Winterwork, Borsdorf

© 2025, Leseratten Verlag, Allmersbach im Tal

www. leserattenverlag.de

Der Leseratten Verlag ist Fördermitglied beim

PAN Phantastik-Autoren*innen-Netzwerk e.V.

Weitere Infos unter:

www.wir-erschaffen-welten.net

Stefan Cernohuby

Vorwort

Es war einmal eine Anthologie.

Eine Anthologie, die unter besonderen Vorzeichen stand.

»Macht es blutig«, hieß es in der Ausschreibung. Gesucht wurden Mixed-Genre-Geschichten: Horror mit Fantasy oder Horror mit Science-Fiction. Gleich wie, es sollte in jeder Geschichte Blut fließen – ob nur ein Tröpfchen, oder eine ganze Badewanne voll. Die Geschichten sollten die Leser:innen zum Kopfschütteln, Schmunzeln und Haareraufen bringen.

Blutige Welten eben.

Man wollte also gewissermaßen eine Geschichte von mir, in der ich jegliche sonst übliche Zurückhaltung über Bord werfe und einfach schreibe, was mir Spaß macht.

War das ein mächtig großer Fehler!?

Nein. Tatsächlich nicht. Als die Geschichte mit dem Titel The Deniables – Söldner, deren Existenz man (getrost) bestreiten kann fertig geschrieben war, hatte ich erst einmal nur einen Gedanken: Das nimmt der Verlag nie!

Hat er aber doch. Und obwohl der Inhalt sehr viele Anspielungen beinhaltete und die Grenze des guten Geschmacks ziemlich ausreizte, kam die Geschichte gut an.

Dabei wäre es vermutlich auch geblieben, wäre ich nicht 2023 am Towel Day, also zu Ehren von Douglas Adams, dem Schöpfer von The Hitchhikers Guide to the Galaxy, zu einer Lesung ins Schloss Schönbrunn in Wien geladen worden.

Ja, genau. Jenes Schloss Schönbrunn, das für Sisi, den ältesten Tiergarten der Welt und eine ganze Menge Touristen steht.

Dort entschied ich mich, zur Feier des Tages, aus The Deniables zu lesen. Einer Geschichte, die ich noch niemals öffentlich vorgetragen hatte. Ich las zwei Stellen und hatte nicht nur das Publikum und die Lacher auf meiner Seite, ich machte nach der Lesung auch mehrere neue Bekanntschaften und war alle meine Exemplare von Blutige Welten los.

Da reifte der Gedanke in mir, dass die Geschichte vielleicht nicht völlig zu Ende erzählt war. Gerade aufgrund der Art und Weise, wie ich sie geschrieben hatte.

Also begann ich damit, den Charakteren eine zweite Chance zu geben. Ich packte sie in eine Leseprobe und teaserte damit den gleichen Verleger an, der schon The Deniables ein Zuhause gegeben hatte. Und als er dann ein Exposé wollte, hatte ich passenderweise eines bei der Hand. Mit einer noch gewagteren Prämisse!

Diesen Roman habt ihr nun vor euch.

Der Vollständigkeit halber startet das Buch mit einer überarbeiteten Version der ursprünglichen Kurzgeschichte. Danach folgt der Roman Gestohlene Vergangenheit, der direkt nach den Ereignissen der Kurzgeschichte startet.

Viel Spaß beim Lesen!

Stefan Cernohuby

The Deniables – Söldner, deren Existenz man (getrost) bestreiten kann

Das Schiff war viel zu schnell, als es in die äußere Atmosphäre des Zwergplaneten eindrang. Selbstverständlich war es das – die Anweisung hatte gelautet: Verfolgung mit Höchstgeschwindigkeit.

»Sir, bei diesem Tempo wird sich die Außenhülle der Phantom Predator gefährlich stark erhitzen.« Deathstar – die Scharfschützin aus dem Outer Rim, lautlos und unsichtbar, wenn sie es wollte, aber dennoch groß gewachsen, schwarzhaarig, schwarzäugig und Erotik versprühend wie eine Sprinkleranlage – war gleichzeitig auch die Pilotin ihres Schiffes. Und mitunter sogar so etwas wie die Stimme der Vernunft.

»Wuird die Außenhüll’n soo haaß, dos i mei Zigarrn dran onzünden konn?«, fragte Terminus. Terminus – der muskulöse Cyborg, Waffenexperte, Nahkampf-Experte, Tötungsexperte, Experte dafür, perfekte Posen einzunehmen und unbestrittener Anführer dieser Truppe – warf seine definierten Muskeln in Positur, zückte seine Fat Lady und blicke Deathstar erwartungsvoll an.

»So heiß auch wieder nicht, Sir«, entgegnete die Pilotin.

»Dann loss mi in Ruah.«

»Sir. Bitte schalten Sie ihren Universaltranslator wieder ein. Sonst muss ich Sie von meinem Pad synchronisieren lassen.«

Terminus hob die Hand an seine Schläfe und meinte dann mit völlig veränderter Stimme: »Ich hasse Synchronisation.«

»Und ich hasse Erdbeeren«, erklärte Echsen-Man mit grimmiger Stimme. Der Echsenmensch vom Planeten Ultra Minor war von Kopf bis Fuß mit grünlichen Schuppen bedeckt, mit einem peitschenden Schwanz, Fangzähnen und Giftdrüsen versehen und nicht zuletzt mit einem furchterregenden Namen ausgestattet. Echsen-Man kam mit Maschinen besser zurecht als mit Menschen oder irgendwelchen anderen Lebewesen. Selbst Pflanzen waren ihm zuwider. Insbesondere Erdbeeren.

»Ich habe den Orbit ausgiebig gescannt«, warf Dark Shadow ein. Der dunkelhäutige Scout, der für sich in Anspruch nahm, direkt von den amerikanischen Ureinwohnern des Planeten Erde abzustammen und dementsprechend unter anderem auch deren Fähigkeiten im Anschleichen zu besitzen, schüttelte den Kopf. »Ein Angriff von Erdbeeren ist extrem unwahrscheinlich.« Da er ein herausragender Scout war, war er auch für die Sensoren des Schiffs verantwortlich.

»Zum Glück«, erwiderte Echsen-Man. »Hinterhältige Biester. Tun so, als wären sie Beeren, sind aber in Wirklichkeit Nüsse. Und ich bin allergisch auf Nüsse.«

»Mund halten«, warf Deathstar ein. »Boss, sollten wir nicht noch mal zusammenfassen, warum wir eigentlich hier sind? Damit allen klar ist, womit wir es zu tun haben und warum wir das beträchtliche Risiko eingehen, bei dieser wahnwitzigen Geschwindigkeit in der Atmosphäre auseinanderzubrechen?« Deathstar war aufgrund ihres eher logischen Vorgehens auch die Analytikerin des Teams.

»Jo, mei«, begann Terminus, besann sich dann aber und aktivierte seinen Translator. Ein Wechsel, der für ihn typisch war. »Wir sind auf der Suche nach einem flüchtigen Verbrecher der Kategorie Omega.«

Das Schiff bebte und knirschte. Das unterbrach Terminus bei seinem Vortrag und wurde von Echsen-Man – dem Mann mit der schnellsten Zunge in drei Galaxien – sofort genutzt.

»Nur, um das zu illustrieren, Kategorie Alpha ist jemand, der einem Carnivoren sein Steak wegnimmt, Kategorie Theta bedeutet Gelegenheitsmörder, das macht Kategorie Omega …«

»Zu am ned so leiwanden Buam«, ergriff Terminus, der es nicht mochte, wenn man ihn unterbrach, wieder das Wort. »Ich mag es übrigens nicht, wenn man mich unterbricht.«

»Entschuldigung, Sir, ist mir so herausgeflutscht.« Echsen-Mans Zunge war tatsächlich sehr glitschig. Und giftig.

»Ausnahmsweise. Um die so eloquent eingebrachte Aufzählung unseres schuppigen Freundes fortzusetzen: Bei einem Verbrecher der Kategorie Omega löst man die Asche des Delinquenten nach der Hinrichtung auch noch in Säure auf.«

»Schuppiger Freund«, knurrte Echsen-Man leise. »Ich bin doch kein Freund!«

Niemand beachtete ihn.

»Können wir eine kleine Zusammenfassung seiner Taten haben? Nur aus persönlichem Interesse.« Dark Shadow ließ keine Gelegenheit aus, sich Schreckenstaten aufzählen zu lassen. Idealerweise von weißen Superverbrechern, um ihnen insbesondere die Geisteshaltung vorzuwerfen, die in der Unterdrückung seiner Vorfahren geendet hatte.

»Ich nenne hier einfach einige Beispiele: Raub, Schmuggel, Mord, Verkauf gepanschter Medikamente, Anwendung von Giftgas, der Bau schmutziger Bomben, Genexperimente an lebenden Wesen, Kannibalismus und Steuerbetrug.« Er sah sich kurz um. »Und wir wissen, aufgrund welchen Vergehens wir hinter ihm her sind.«

»Steuerbetrug!«, riefen die anderen drei wie aus einem Mund.

»Korrekt«, entgegnete Terminus und rieb sich sein Cyberauge. »Sonst noch Fragen?«

»Nein. Ist nur ein typischer Routineauftrag«, wiegelte Echsen-Man ab.

»Ich habe noch eine Frage«, warf Dark Shadow ein. »Sollten wir nicht langsam innerhalb der Atmosphäre sein? Das Gerüttel geht mir auf die Nerven.«

Terminus blickte zu Deathstar. Sie rollte mit den Augen.

»Natürlich, natürlich. Schon gut. Ich habe das aus dramatischen Gründen etwas hinausgezögert.«

Schlagartig hörte das Hin und Her auf und das Schiff glitt, leicht glühend und eine Rauchfahne hinter sich herziehend, tiefer in den fremden Himmel hinein.

Victor Hannibal Vlad Thanos Gruber-Harkonnen lachte. Es war ein Lachen, wie es nur das absolut Böse zustande bringen konnte. Er lachte, obwohl ihn niemand hören konnte, denn alle an Bord seiner gestohlenen Weltraum-Jacht waren tot oder demontiert. Die Androidin hatte er in der Müllpresse genüsslich langsam geplättet und die Prinzessin hatte er mit ihrem eigenen Haarföhn zu Tode gegrillt. Die Nieren hatten herrlich geschmeckt.

Er lachte auch ohne Publikum gerne. Übung machte den Meister.

Kurz warf er einen Blick auf seinen Abtaster. Ein Schiff mit Söldnern war ihm auf den Fersen. Söldner!

Er lachte wieder, einfach, weil es sich richtig anfühlte.

Wenn alle Stricke rissen und sie seine Basis lebend erreichten, gegen alle Wahrscheinlichkeit den Verteidigungsparameter überwanden und bis zu ihm vordrangen, konnte er ihnen immer noch Geld anbieten.

Aber das Beste war, sie hatten keine Ahnung, was sie auf diesem kleinen Planeten erwartete.

Er stemmte die Hände in die Hüften und lachte erneut.

»Sir, wir haben keine Ahnung, was uns auf diesem kleinen Planeten erwartet«, meinte Deathstar skeptisch.

»Worum ned? Und wer locht do so deppat?«

»Wie bitte, Sir?«

»Warum wissen wir nichts? Was macht unser Mann an den Sensoren?«

»Dschungelplanet. Viele Lebewesen, größtenteils vierbeinig. Luftanalyse steht noch aus.« Dark Shadow hatte wie immer Antworten.

»Wie sieht es mit Erdbeeren aus?«, wollte Echsen-Man wissen. »Irgendwelche Vorkommen am Boden?«

»Nein, dafür ist das Klima zu heiß. Ich würde einzelne Palmen nicht ausschließen, aber Erdbeeren gibt es bestimmt keine.«

»Palmen sind kein Problem«, entgegnete Echsen-Man mit fester Stimme. »Nicht einmal die mit Bananen.«

»Sir, mit Ihrer Erlaubnis suche ich eine Lichtung und bringe das Schiff runter.«

»Eh kloar«, entgegnete Terminus und Deathstar beschloss das einfach als Zustimmung zu werten. Schneidig und präzise wie ein Projektil aus ihrem Scharfschützengewehr brachte sie das Schiff ins Ziel – auf den Boden.

»Langsam«, rief Dark Shadow seinem Kommandanten zu, der sich bereits in der Luftschleuse befand. »Wir wissen noch nicht, ob die Luft atembar ist.« Doch da hatte Terminus bereits die äußere Schleusentür geöffnet und trat ins Freie. Für alle gut sichtbar riss er ein Streichholz an und entzündete seine Zigarre.

»Wenn er rauchen kann, können wir auch atmen«, kommentierte Echsen-Man zungenfertig. »Steigen wir aus.«

Die Mannschaft rüstete sich aus und verließ nebeneinander das Schiff. Zum Glück war die Tür der Luftschleuse genau zu diesem Zweck breit genug konzipiert. Dafür und für den immer mitgeführten Schwebepanzer.

»Sir, sollen wir den Schwebepanzer aktivieren?«, fragte Deathstar, die die Antwort im Grunde schon kannte.

»Nein, das wäre unsportlich«, erwiderte Terminus. Wie immer. »Aber ich will euch eines sagen. Das hier ist kein normaler Gegner. Er hat einen total dämlichen Namen und nennt sich Victor Hannibal Vlad Thanos Gruber-Harkonnen. Ich jage den Kerl schon seit langer Zeit und er ist so etwas wie mein Erzfeind, meine Nemesis. Ist das für alle verständlich und okay?«

Alle nickten. Bis auf Dark Shadow.

Der hatte sich mittlerweile bereits hingekniet und etwas Boden verkostet.

»Daran werde ich mich nie gewöhnen«, murmelte Deathstar, deren scharfer Blick über den Waldrand strich, wie ein Wasserwerfer über eine Gruppe Demonstranten. »Was schmeckst du?«

»Viele verschiedene einheimische Lebensformen. Einige sind Kriechtiere.«

»Wen nennst du hier Kriechtier, du haarloser Affe?«, brauste Echsen-Man auf.

»Ein erstaunlich hoher Schwefelanteil in den Ausscheidungen«, fuhr Dark Shadow ungerührt fort. »Die Viecher scheinen ein hitziges Gemüt zu haben.«

»Des werma glei sehn«, meinte Terminus. »Da kummt ans von denen.«

Auch wenn niemand die Worte verstanden hatte, drehten sich doch alle in die Richtung, in die Terminus zeigte. Dort stand eine Kreatur, etwa halb so groß wie ein Mensch, quietschgelb, mit lächerlich kurzen Armen, Stummelflügeln und einem ziemlich großen Maul. Nun setzte sie sich langsam in Bewegung.

»Wie niedlich«, rief Echsen-Man aus, der auch Experte für Reptiloide war. »Offenbar handelt es sich um eine parallele Evolution zu meinem Planeten. Er sieht aus, wie ein Carnivorus Ignis Conspuentibus.«

»A wos?«, fragte Terminus.

Doch bevor jemand antworten konnte, holte die Kreatur tief Luft und hüllte den Anführer der Truppe in Flammen.

»Eine feuerspeiende Echse, Sir«, erklärte Echsen-Man, nachdem die Flammen erloschen waren.

»Ah so«, meinte Terminus und spuckte seine Zigarre aus, die nur noch ein geschwärzter Klumpen in seinem Mund war. Ohne lang zu fackeln, trat er an die Echse heran, die sichtlich ein anderes Ergebnis ihres Angriffs erwartet hatte, und riss ihr den Kopf ab. »So mocht ma des bei uns mit deppaten Hendln.«

»Sir, sind Sie verletzt?«, erkundigte sich Dark Shadow, der auch so etwas wie der Mediziner der Truppe war. »Oder verbrannt?«

»Nein«, entgegnete Terminus, diesmal mit aktiviertem Translator. »Ich habe keine Zeit zum Brennen.«

»Das ist aber schon ein etwas klischeehafter Spruch, Sir«, merkte Deathstar an, die auch so etwas wie die sprachliche Kritikerin im Team war.

»Ich habe auch keine Zeit für Kritik«, erwiderte Terminus.

»Das macht es natürlich viel besser«, murmelte Dark Shadow, während er eine weitere Bodenprobe in den Mund nahm. »Oh, das ist interessant.«

»Was genau?«, wollte Echsen-Man wissen, der gerade eine riesige Blüte einer Art Palme in Augenschein nahm.

»Offenbar wurden einige der hier verstorbenen tierischen Lebensformen von Pflanzen verdaut. Spannend!«

»Wie meinst …«, konnte Echsen-Man noch sagen, dann stülpte sich die riesige Blüte der Palme über ihn, warf ihn hoch und verschluckte ihn. Anschließend ließ sie einen lauten Rülpser ertönen.

»So vü zu Klischees«, meinte Terminus. Und diesmal verstanden ihn alle.

»Was machen wir jetzt?«, fragte Dark Shadow. »Sollten wir ihm nicht helfen?«

»Mir mochn nix. Wort amoi.«

Sekunden später ertönte ein Kreischen aus dem Inneren der Pflanze und diese begann sich zu schütteln. Dann brach die Rinde auf und ein ernsthaft erboster Echsen-Man kämpfte sich ins Freie.

»Ich bin nicht nur giftig, ich bin auch richtig angepisst!«, rief Echsen-Man der bebenden Pflanze zu.

»So genau wollte ich das jetzt auch nicht wissen«, murmelte Deathstar und vermied es, den Blick auf seine Beinpartie zu richten, doch Echsen-Man ignorierte den Einwurf.

»Dafür, dass du mich fressen wolltest, werde ich mich jetzt revanchieren.« Er fuhr seine Klauen aus und riss ein rundes Stück aus dem Inneren der Pflanze heraus, was diese mit einem qualvollen Kreischen quittierte.

»Siehst du das? Nein, vermutlich nicht. Aber egal!« Genüsslich zerfetzte Echsen-Man das Stück Pflanze und schluckte es hinunter.

»Nein!«, rief Dark Shadow und kam zu spät, seinen Gefährten davon abzuhalten.

»Warum nein?«, fragten Echsen-Man, Deathstar und Terminus wie aus einem Mund, nur dass Terminus »Warum ned?« fragte.

»Weil das Nüsse sind.«

Dark Shadow war auch im Nebenfach Experte für Botanik.

Es war gruselig anzusehen, wie die Farbe von Echsen-Mans Haut von sattem giftgrün auf violett wechselte. Er wand sich in Krämpfen und stöhnte leise.

»Ich hätte es wissen müssen. Gleich vorher.«

»Warum?«, fragte Deathstar, die ihren Kollegen beschäftigt hielt, während ihn Dark Shadow untersuchte.

»Weil die Blüte von innen wie die einer Erdbeere ausgesehen hat. Ich wusste, dass mich diese Biester irgendwann unter die Erde bringen.«

»Erdbeeren und unter die Erde. Was für ein mieses Wortspiel. Unser Medizinmann wird dich schon wieder auf die Beine bringen!«

Doch Dark Shadow schüttelte den Kopf. So langsam, dass Terminus ihn verständnislos ansah. Daraufhin schüttelte er den Kopf schneller und jetzt war allen das Dilemma klar.

»Versprecht mir eines«, stöhnte Echsen-Man.

»Alles!«, meinte Dark Shadow.

»Alles? Also auch, dass ihr die Begräbnisriten meines Volks berücksichtigt, mein Fleisch esst, und aus meinen Knochen eine Skulptur errichtet?«

»Fast alles«, konkretisierte Terminus.

»Dachte ich mir«, stöhnte Echsen-Man. »Das mit der Skulptur war übrigens ein Witz.«

»Jetzt kumm. Du krepierst grod.«

»Versprecht mir, dass ihr den Auftrag ohne mich zu Ende bringt. Schickt einen Teil des Geldes meiner Familie. Ich hab’ 42 Kinder zu ernähren. Und vergesst bitte eines nicht …« Seine Stimme wurde leiser.

»Was?«

»Vergesst auf keinen Fall, dass ihr einen coolen Spruch für mich sagen müsst, wenn ihr den Mann mit dem langen Namen umnietet.« Dann zitterte Echsen-Man noch einmal und lag still. Seine Zunge hing aus dem zahnbewehrten Maul. Da sie sehr lang war, hing sie bis auf den Boden.

»Irgendwie war er schon ein Würstchen«, meinte Dark Shadow, nachdem sie den Leichnam von Echsen-Man begraben hatten.

»Er ist keine zehn Minuten tot. Jetzt hör gefälligst auf, ihn schlechtzumachen.« Deathstar sah Dark Shadow böse an.

»Aber ernsthaft. Er war die gefährlichste Kreatur im ganzen Quadranten. Stark, schnell, giftig, sarkastisch. Nichts konnte ihn aufhalten. Aber er hatte eine kleine Schwäche, die ihm das Leben gekostet hat. Weil er zu übereifrig war.«

»Du bist so sensibel wie ein Monolith. Das ist nicht weniger unpraktisch als eine unbegründete Angst vor Höhen und Höhlen.«

Dark Shadow zögerte einen Augenblick. Dann meinte er: »Höhen und Höhlen sind aber durchaus gefährliche Orte. Es gibt gute Gründe, warum man vor ihnen Angst haben könnte. Und woher weißt du das eigentlich?«

»Als Analystin des Teams bin ich auch für die Persönlichkeitsprofile zuständig«, entgegnete Deathstar.

»Jetzt hoit’s de Pappn!«, rief Terminus und aktivierte dann seinen Translator. »Das Signal des Flüchtigen kommt aus der Richtung. Irgendwo hinter dem Canyon- und Höhlensystem dort vorne.«

»Mir wäre wohler, wenn wir das Gebiet umgehen«, meinte Dark Shadow, ungewohnt kleinlaut. »Das sieht gefährlich aus.«

»Na, sicha ned«, entgegnete Terminus. »Das ist genau das, womit der Flüchtige rechnen würde. Niemand wäre so wahnsinnig und würde durch dieses Labyrinth aus Abgründen und tektonisch instabilen Höhlen klettern. Damit können wir ihn überraschen, auf dem falschen Fuß erwischen und möglicherweise sogar mit heruntergelassenen Hosen!«

»Wollen wir das, Sir?«, fragte Deathstar, die nicht unbedingt ein großer Fan von Ausscheidungsprodukten war.

»Vielleicht haut’s eahm dann eh söba auf die Gosch’n«, entgegnete Terminus ungerührt.

»Söldner!«, kicherte Victor Hannibal Vlad Thanos Gruber-Harkonnen. Es war gar nicht so einfach, ein Wort zu kichern. Auch ein gutes Kichern wollte gekonnt sein und musste immer wieder geübt werden.

Söldner waren so berechenbar.

Sie glaubten zu wissen, womit er nicht rechnete, was ihm in die Karten spielte, weil er genau wusste, was sie glaubten, womit er nicht rechnete. Das hatte ihm schon einiges an Kosten erspart, was seine Rückzugsorte anging.

Erfreut registrierte er, dass die Anzeige der fremden Lebenszeichen auf dem Planeten um eines gesunken war. Tja. Flora und Fauna waren gleichermaßen tödlich. Er hatte lange damit verbracht, das Ökosystem so zu modellieren, dass es alles Fremde ausmerzte und nur ihn verschonte. Ansonsten blieb es in einer Art Gleichgewicht des Schreckens. Nur eines hatte er nicht geschafft. Eine Lebensform hatte er nicht unter seine Kontrolle zwingen können.

Die dominante einheimische Spezies.

Er konnte ein kurzes Schaudern nicht unterdrücken und schüttete zwecks Kompensation etwas mehr Endorphin aus. Wenn alle Stricke rissen, hatte er immer noch seine Monofilament-Falle und seine Geheimwaffe.

Und Geld.

Dark Shadow schwitzte Blut und Wasser. Man sah allerdings den Unterschied nicht, was der Dunkelheit der Höhle und seiner ebenso dunklen Hautfarbe geschuldet war.

Er erinnerte sich immer wieder daran, was ihm sein Onkel auf der Erde gesagt hatte. Man musste sich seinen Ängsten stellen, um sie zu überwinden. Je mehr Zeit man ihnen gab, Kontrolle über einen zu übernehmen, umso schwieriger wurde es.

Sein Onkel hatte panische Angst vor Bären gehabt. Und als er es dann endlich über sich gebracht hatte, sich dieser Angst zu stellen, war der Bär bereits so groß gewesen, dass er seinen Onkel getötet und gefressen hatte.

Das ergab Sinn. Zehn Jahre früher wäre der Bär um einiges kleiner und kaum eine Gefahr gewesen. Insofern war es besser, wenn er sich den Höhen und Höhlen jetzt aussetzte, bevor Erosion und Zeit sie noch gefährlicher werden ließen. Obwohl das vermutlich eher erst in Jahrhunderten passieren würde.

»Kannst du bitte mal die Klappe halten? Ich habe selten so eine blöde Geschichte gehört!« Deathstar klang durchaus genervt.

»Habe ich gerade laut gedacht?«

»Laut ist gar kein Ausdruck.«

»Gusch!«, wies Terminus an, der gerade an einer Hand über einer Klippe hing. An seiner menschlichen Hand, die nun sein gesamtes nicht unbeträchtliches Gewicht tragen musste. Das ließ seine Muskeln unnatürlich hervortreten und er wirkte wie die (halb) fleischgewordene Inkarnation eines Kletterers.

Dark Shadow und Deathstar hielten den Atem am.

Terminus spannte seine Muskeln noch stärker an und zog sich über die Felsnase.

»Aber Sir, auf der anderen Seite hätte es die Möglichkeit eines leichten Aufstiegs gegeben. Warum …?«

»Kliffhänger«, erwiderte Terminus. »Ich wollte zeigen, dass ich da auch besser gewesen wäre.«

»Ich habe keine Ahnung, wovon Sie sprechen, Boss«, meinte Dark Shadow verwirrt.

Doch Terminus klopfte ihm nur auf die Schulter und meinte nur: »Wurscht!«

Der letzte Teil des Aufstiegs aus der Höhle war tückisch. Aber Dark Shadow war ein Meister des Spurenlesens. So konnte er die Defizite, die durch seine Angst entstanden, ausgleichen. Zweimal warnte er Terminus und Deathstar vor einem bröckelnden Sims, von dem sie in den sicheren Tod gestürzt wären. Nur ein letzter steiler Aufstieg stand ihnen noch bevor, danach konnten sie gewissermaßen gemütlich zum Versteck des Verbrechers spazieren.

Nachdem er die Route ausgespäht hatte – jeder Stein wirkte trittfest – ließ er die anderen beiden vorausklettern. Erst danach begann er selbst den Aufstieg und vermied es, noch einmal nach unten zu sehen. Und nach oben. Nur geradeaus, den Blick auf den Stein fixiert.

»Ups«, kam es von oben, was Dark Shadow ignorierte.

Erst als ein lauter werdendes Grollen ertönte, löste er seinen Blick vom Felsen und sah zur Kante hinauf.

Ein dunkler Schatten fiel auf Dark Shadow.

»Echt jetzt?«, fragte er. »Wem ist das denn eingefallen?«

Dann riss ihn die Lawine in die Tiefe.

»Da muss ihm nicht unbedingt viel passiert sein«, meinte Terminus, der den Absturz von Dark Shadow mit halb-eiserner Miene verfolgt hatte.

Kurz darauf stürzte ein Gutteil des Höhlensystems in sich zusammen.

Terminus erhob sich. »Okay, hab mich wohl geirrt. Gehen wir.«

Deathstar warf einen traurigen Blick auf den Steinhaufen. Das Ganze hatte einen Vorteil: In diesem Fall mussten sie sich nicht um das Begräbnis kümmern.

Es waren nur wenige Meter, dann erreichten Terminus und Deathstar den höchsten Punkt des Hanges. Danach war es wirklich ein sanfter Abgang, bis zu einer gewaltigen, schwarzen und hässlichen Festung. Doch plötzlich, mitten während des Abstiegs, hielt Deathstar an. Sie hatte ein verdammt mieses Gefühl bei der Sache.

»Sir. Da unten wartet etwas auf uns und das ist kein Mann. Wir werden alle sterben!«

»A Dirndl?«, fragte Terminus überrascht. »Ich meine, auch eine Frau muss uns nicht zwangsläufig beide töten. Wir können es schaffen. Oder zumindest einer von uns.«

»Glauben Sie wirklich, dass wir diesen Baron erledigen?«

»Der ist kein Baron.«

»Was dann? Graf Vladimir?«

»Auch nicht. Das ist nur ein Künstlername. So wie Sylvester.«

»So heißt doch niemand wirklich, oder?«

»Nein. Niemand von Bedeutung.«

Vom Gespräch abgelenkt, reagierte Deathstar eine Zehntelsekunde zu langsam, als sie im Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Sie versuchte noch, sich zur Seite zu werfen, aber in diesem Moment wurde sie gleichzeitig von einem Horn aufgespießt, während messerscharfe Zähne ihre Kehle aufschlitzten und ihr Blut tranken.

Die anatomisch unmögliche Körperhaltung, um das parallel zu tun, war nicht so amüsant, wie sie sein sollte. Das hatte vermutlich mit ihrem Todesschmerz zu tun.

Mit letzter Kraft zog sie ihr Messer aus dem Stiefel und rammte es dorthin, wo das Wesen sein musste – aber eben unsichtbar war.

Das Wesen kreischte auf und rotes Blut besprenkelte Deathstars viel zu weiße Hand.

Sie fixierte nochmals Terminus und meinte. »Wenn es blutet, kannst du es auch töten.«

Dann fiel sie wie eine leer getrunkene Bierdose mitten im Wald zu Boden.

»Naaaaaaaaaaaaaaaaaa, du Oasch!«, brüllte Terminus und tat das einzig Richtige. Er griff in die Innentasche seines Mantels, zog eine Packung Mehl – am liebsten aß er Apfelstrudel nach dem Rezept seiner Mama und während anderen einen Flachmann besaßen, trug er immer ein Kilo Mehl für den Ernstfall bei sich – hervor und schleuderte diese auf die Kreatur. Sie zerriss und der Großteil ihres Inhaltes ergoss sich auf die Umgebung. Nun waren Umrisse zu sehen und Terminus stürzte sich auf die Kreatur. Seine mechanische Hand packte das Wesen am Hals und hielt es fest, während er den Rest der Packung ergriff und über den Kopf streute.

Pferdekörper. Ein Horn, lange Fangzähne und offenbar sechs Beine wurden sichtbar.

Terminus zuckte unwillkürlich zurück, als das Wesen erfolglos nach ihm schnappte.

Der Cyborg nahm die Zigarre aus der anderen Hand und drückte sie auf der Stirn der Kreatur aus, bevor er meinte: »Du bist aber ein hässlicher … Tarnkappen-Vampir-Einhorn … Ficker. Weißt du eigentlich, wie scheiße das klingt?« Er verstärkte den mechanischen Griff und hörte ein trockenes Knacken. »So scheiße, dass man nicht mal einen guten Spruch dazu bringen kann.«

»Terminus. Du bist es!«, ertönte plötzlich eine donnernde Stimme von den Zinnen der Burg.

Der Cyborg blickte nach oben. Und erblickte einen alten Bekannten. »Ja, Victor!«

»Doktor!«

»Victor Doktor?«

»Nein, Doktor Victor Hannibal Vlad Thanos Gruber-Harkonnen.«

»Aber kein Baron, oder?«

»Nicht unbedingt. Auch kein Graf. Aber du kannst mich gerne so nennen, wenn du willst.«

»Das ist seltsam.«

»Doktor Seltsam? Klingt auch nicht schlecht.«

»Du liebst deine Bomben, oder?«

»Was?«

»Was?«

»Genug!«, donnerte Doktor Victor Vlad Thanos Gruber-Harkonnen, nicht bekannt als Doktor Seltsam. »Ich werde mich jetzt in meine Festung zurückziehen und die hier werden dich töten!«

Drei Kreaturen, die vierarmigen Kängurus mit Velociraptorklauen ähnelten, sprangen von der Mauer.

»Die drei können mich nicht aufhalten«, rief Terminus zurück.

»Wenn du das sagst«, meinte Victor und so weiter, der auch gerne Kreaturen aus Leichen zusammenstückelte, und schnippte mit den Fingern.

Fünf weitere Kreaturen tauchten auf.

Terminus seufzte. Wann würde er endlich lernen, seine Klappe zu halten?

Vlad Thanos und so weiter, der auch gerne Menschen und andere Wesen pfählte, eilte in seine große Halle und ergriff das Energieschwert, das er dort über den Kamin gehängt hatte.

Es stimmte. Auch die acht würden Terminus nicht aufhalten können. Der Cyborg und er waren Erzfeinde, seit der Universität, als er in diesen seltsamen Strudel oder Abgrund geblickt hatte und Terminus bei dem missglückten Anschlag auf den Kaiser der Galaxis zu einer halben Maschine geworden war. Eine sehr seltsame Verkettung von Ereignissen, aber so stand es nun mal geschrieben – nein, so war es gewesen!

Gerade rechtzeitig wandte er sich um, als Terminus bereits – mit dem violetten Blut der Kängururaptoren beschmiert – den Raum betrat. Die Monofilament-Falle hatte er zerstückelt.

»Ich bin sauer!«, rief er aus.

»Natürlich bist du das!«, erwiderte seine Nemesis mit tiefer Stimme, ruinierte die Stimmung dann aber mit einem halb-unterdrückten Kichern.

Terminus griff unter seinen Mantel und zog ein gewaltiges Katana hervor.

»Hattori Hanzō?«

»Natürlich nicht«, erwiderte Terminus. »Vibroklinge!«

Sie kreuzten die Klingen. Funken stoben, obwohl das angesichts einer Vibroklinge und einer Energiewaffe überhaupt keinen Sinn ergab.

»Sollen wir den Turm hinauf? Ich habe ihn so gebaut, dass er bei einem Schwertkampf stimmungsvoll einstürzt.«

Terminus und der nicht Doktor Seltsam genannte Bösewicht tauschten einige blitzschnelle Schläge aus.

»Nein, danke. Hast du nichts Besseres im Angebot?«

»Natürlich! Was hältst du von einem Haibecken mit „Lasern“?«

Irgendwie gelang es seinem Gegner tatsächlich, mitten im Schwertkampf Anführungszeichen zu versinnbildlichen.

»Ned schlecht, Oida!«, rief er aus, um dann hinzuzufügen. »Trotzdem ist hier das Ende der Fahnenstange. Der Anfang und das Ende. Der Nullpunkt. Ground Zero.«

»Das sagst du jedes Mal. Jedes einzelne Mal!«

Frustriert schleuderte Hannibal Vlad und so weiter, der gelegentlich auch Menschenfleisch aß, sein Schwert von sich.

»Na schönen Dank auch«, beschwerte sich das Schwert und flog davon.

»Ich weiß, dass du nie zufrieden bist. Deshalb habe ich heute etwas Besonderes für dich vorbereitet. Hier!« Mit einem Salto rückwärts sprang Gruber-Harkonnen, der Angst davor hatte, vor hohen Türmen zu fallen und zu viel zuzunehmen – aus der Kombination dieser Gründe hatte er immer Suspensoren in seinen Anzug integriert – auf die Mauer seiner Burg.

Terminus wirbelte herum. Hinter ihm öffnete sich quietschend ein Tor. Am Quietschen gab es rein gar nichts auszusetzen, der Ton war perfekt modelliert. Nicht aber die Kreatur dahinter.

»Wos host du gmocht? Was hast du getaaaaaan?«, schrie Terminus voller Terror, was irgendwie passend war, obwohl sein Name nicht von diesem Begriff abgeleitet worden war.

Eine halb-unsichtbare, halb flammende Kreatur trat auf ihn zu. Es war eines der Tarnkappen-Vampir-Einhornwesen, aber offenbar gekreuzt mit einem … brennenden Stier?

»Du bist ernsthaft verrückt!«, rief Terminus, der sich überlegte, was er mit dem Wesen anstellen sollte.

»Bin ich nicht«, meinte Thanos Gruber-Harkonnen und so weiter, der generell auch gerne große, mit Edelsteinen verzierte Panzerhandschuhe trug – nur eben jetzt gerade nicht – und nuckelte an seinem Daumen.

In diesem Augenblick bewegte sich Terminus wie eine blitzschnelle Maschine (die er ja auch zur Hälfte war) und schleuderte das Hybridwesen mit einem gewaltigen Rotationsimpuls in Richtung seines Erzfeindes, der sich aber rechtzeitig duckte.

»Ha, so wirst du mich nie besiegen!«, rief dieser aus und bog seinen Rücken durch, damit er richtig lachen konnte. Das tat er auch, bis er plötzlich von hinten getroffen wurde und im Burghof zu liegen kam. Er blickte auf seine Brust, aus der ein Horn ragte.

Vlad Hannibal, und so weiter, gerade frisch gepfählt, spürte, wie etwas an seiner Kehle zu saugen begann. Es fühlte sich feurig an.

»Das ist unmöglich«, rief er. »Selbst wenn du im Boomerang-Klub warst, kann man ein Einhorn nicht so schleudern, dass es wieder zurückkommt.«

Blaues Blut lief zwischen seinen Fingern hindurch.

»Sei froh, dass ich dich nicht mit der Spitze meines Raumschiffs durchbohrt habe, Möchtegern-Imperator!«, entgegnete Terminus, klopfte sich den Staub ab und zündete sich eine Zigarre an. »Irgendwelche letzten Worte? So was wie Ich komme wieder? Oder etwas auf Spanisch?«

»Sehr witzig«, stöhnte sein Gegenüber.

»Wie soll ich dich denn überhaupt nennen, jetzt wo es mit dir zu Ende geht?«

»Oh, ich habe so viele Namen«, keuchte der Mann mit so vielen Namen. »Aber wie wäre es, wenn du mich Implantatus Teleportus nennst?«

»Das ist ja ein wirklich depperter Name«, meinte Terminus.

Dann sah Terminus auf. »Was? Nein! Du schummelst!«

»Weltraum-Pirat!«, rief der andere aus, bevor er sich in einzelne Partikel auflöste und mutmaßlich auf seinem Fluchtraumschiff, das irgendwo in unmittelbarer Umgebung lauerte, wieder zusammensetzte. Das Tarnkappen-Vampir-Einhorn-Feuerstier-Hybridwesen brach tot zusammen. Kein Wunder, sogar das Blut dieses Verbrechers war tödlich.

Der Mann mit den vielen Namen war ein wahrer Teufel. Und der größte Trick, den er immer wieder brachte, war, das Universum glauben zu lassen, es gäbe ihn nicht mehr – bis er wieder mal einen Planeten zerstörte oder irgendetwas Wertvolles stahl. Oder eben Steuerbetrug beging.

Terminus seufzte. Jetzt ging alles von vorne los. Er musste eine neue Crew finden, und diese für das große Finale aufzubauen.

All das, um endlich seine Nemesis zu bezwingen.

Er gab sich einen Ruck.

Zumindest wusste er genau, wo er hinmusste.

The Deniables – Gestohlene Vergangenheit

Prolog

Es waren 42, die sich durch den tödlichen Hindernisparcours kämpften. Fallgruben mit angespitzten Pfählen, Selbstschussanlagen, extraterrestrische Bestien, Giftschlangen und Skorpione waren mit dabei. Obwohl giftige Tiere nicht das Problem waren, denn keines der Wesen war so giftig wie die Kreaturen selbst. Sie alle meisterten die Herausforderungen und dann … geschah etwas. Eines der Wesen stürzte, wie vom Schlag getroffen. Die Wucht der Erinnerungen eines ganzen Lebens hatten es zu Boden gezwungen. Inklusive der Unvermeidbarkeit und der Unsinnigkeit seines Todes auf einem kleinen, unbedeutenden Planeten, irgendwo dort draußen. Nun wusste er wieder, wer er war und hatte wieder seinen alten Namen: Echsen-Man.

»Warum ich?«, knurrte die vergehende Ursprungspersönlichkeit verzweifelt, während die anderen jubelten. Denn sie waren endlich von dem Zwang befreit, miteinander zu wetteifern, bis nur noch eine – mutmaßlich die beste Echse – übrig blieb und für die Reinkarnation ihres Erzeugers herhalten musste.

»Ha, es hat dich getroffen.«

»Na viel Spaß!«

»Mach’s gut, Papa!«

Gelächter erklang, während sie das Gelände verließen und sich auf die Suche nach ihrem eigenen Glück machten. Echsen-Man richtete den Blick gen Himmel. Letzterer war regnerisch und stank nach Schwefel. Er würde den anderen irgendwann zeigen, was es bedeutete, ihn – ihren Vater – auszulachen. Aber zuerst … würde er seinen neuen Körper auf Allergien untersuchen lassen.

Eine zweiköpfige Ratte schnüffelte an einem glitzernden Stein, der beim Zusammenbruch des Höhlensystems zum Vorschein gekommen war. Trotz des Funkelns und der potenziell radioaktiven Strahlung, die wohl auch der Grund für die Mutation der Ratte war, war der Stein jedoch genauso wenig essbar wie der Rest des Gerölls. Der erste Kopf schnaubte entrüstet, der zweite keckerte enttäuscht. Dann erstarrten beide, als Bewegung in den Untergrund kam und sich etwas nach oben wühlte. Was immer es war, es stank nach Ozon. Als die Ratte feststellte, dass das Objekt weit größer war als sie, ergriff sie panisch die Flucht.

»Endlich«, sagte Dark Shadow, als er sich vollständig befreit hatte. Unter zig Tonnen von Geröll zu liegen, war keine Freude gewesen, aber für einen echten Nachkommen amerikanischer Ureinwohner des Planeten Erde eher eine Unbequemlichkeit als eine tödliche Bedrohung. Na ja, zumindest nachdem er rechtzeitig seinen Körperschirm auf höchste Stufe gestellt hatte. Dennoch hatte es mehrere Tage gedauert, sich zu befreien – was zugegeben anstrengend gewesen war. Er streckte sich und schüttelte sowohl die Steifheit seiner Knochen ab, als auch die Folgen der Taten archetypischer weißer Superverbrecher. Zuerst würde er herausfinden, ob von seinen Kameraden noch jemand überlebt hatte. Dann würde er ein Statement für alle setzen, die in der Galaxie manipuliert und unterdrückt wurden.

Er blickte auf den riesigen Haufen Geröll und schätzte dessen Gewicht. Hunderte Tonnen hatten auf ihm gelastet.

Viel mehr Unterdrückung war kaum möglich.

Generell war es besser, am Leben als tot zu sein. Deathstar keuchte auf und griff nach dem tiefen Loch in ihrer Brust. Haut spannte sich über die Stelle, an der sie die tödliche Wunde erwartete.

Dann schnellte ihre Hand hoch an ihre Kehle, die sie ziemlich zerfetzt in Erinnerung hatte. Auch diese war heil. Aber kalt. Ziemlich kalt.

»Nein!«, stieß Deathstar nach einem kurzen Atemzug hervor und stellte kurz darauf fest, dass sie eigentlich gar nicht atmen musste. »Scheiße«, fügte sie hinzu, als ihr bewusst wurde, was das bedeutete. Dieses Tarnkappen-Vampir-Einhorn hatte sie durchbohrt. Und gebissen. Aber auch getötet?

Als sie sich aufsetzte, nahm Deathstar eine Bewegung neben sich wahr. Einer der Känguru-Velociraptoren des Superverbrechers stand da und schnupperte neugierig. Bevor sie realisierte, was sie da tat, hatte sie dessen Hals gepackt und ihre Fangzähne hineingeschlagen.

Fangzähne?

Heißes Blut strömte durch ihren Mund und verlieh ihr eine Vitalität, die sie bisher noch nie gefühlt hatte.

Die Velociraptor-Kreatur zitterte noch einmal und fiel dann zu Boden, wie eine leere Pfandflasche in Übergröße. Deathstar wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab. Dann hörte sie eine Stimme.

»Okay, jetzt hast du dir deinen Namen wirklich verdient.«

Sie wandte sich um und sah Dark Shadow. Anscheinend besaß er wirklich das Talent seiner irdischen Vorfahren, was das Anschleichen anging. »Du hast überlebt?«, fragte sie, obwohl das augenscheinlich war.

»Du doch auch«, entgegnete er. »Oder so etwas Ähnliches.«

»Ja, eher das.« Dark Shadow wandte sich um und sah auf die Überreste der Festung ihres Ziels. »Ich gehe stark davon aus, dass wir zu spät kommen.«

Deathstar blickte auf ihr Chronometer. »Tage zu spät, ja. Nehmen wir mal die Festung in Augenschein. Was ein Superverbrecher ist, der etwas auf sich hält, hat sicher mehr als eine Fluchtmöglichkeit.«

Der Scout nickte und knurrte dabei nur ein Wort: »Privilegien!«

1

Terminus seufzte. Es machte ihm einfach keinen Spaß.

Die Zunge von Kratus schnellte an seinem Gesicht vorbei, schnappte sich eine der Exofliegen, seine bevorzugte Nahrung, und verschluckte sie geräuschvoll.

Das war Kratus, der Frog-Man. Also wirklich.

»Moch des ned no amoi, Oida«, sagte Terminus. »Ned vor’m Gsicht!« Freundlich. Doch die Antwort enttäuschte ihn.

»Je ne comprends pas, mon capitaine.«

Er seufzte erneut. Der Frosch sprach nur Französisch. Er hatte keinen Übersetzer. Und er war nicht einmal giftig.

»Das Ziel ist in Reichweite, Sir«, sagte Ted, der Killerroboter. »Ich bestätige maschinelles Leben auf dem Raumschiff.« Das war wichtig für ihn. Denn Ted war ein Killerroboter, der nur Roboter killte. Keine Roboter, kein Kill. Auch wenn Roboter streng genommen nicht am Leben waren und es deshalb eigentlich auch keine Kills waren. Aber das war vermutlich Haarspalterei.

»Also ich finde das diskriminierend«, brachte sich Lisa-Maria ein. »Ich finde, du solltest Lebewesen mit genauso viel Freude töten wie Maschinen. Schließlich sind sie an allem schuld. Auch am Bau der Maschinen.«

»Irrelevant«, erwiderte der Roboter. »Das widerspricht meiner Programmierung.«

»Je suis três désolé«, murmelte der Frog-Man namens Kratus. Warum auch immer.

»Mochts ihr jetzt eigentlich des, wos i eich sog?«, fragte Terminus und wirkte dabei sehr bedrohlich.

»Quoi?«, fragte Frog-Man.

»Eingabeparameter nicht verstanden, bitte wiederholen«, erwiderte Ted.

»Ich liebe Ihre blumige Sprache, Sir. Sie kritisiert alle gleichermaßen«, freute sich Lisa-Maria Jackson, die laut ihrer Biografie aus zwei sehr alten Musikerfamilien stammte. Sie war eine große Befürworterin der Gleichbehandlung und wollte alle Kreaturen im Universum gleich behandelt wissen. Als sie irgendwann festgestellt hatte, dass ihre Musik dafür nicht ausreichte (und mitunter sogar kontraproduktiv wirkte), hatte sie beschlossen, es mit Waffen zu versuchen. Plus Musik.

Spoiler, es funktionierte nicht. Und trotzdem war sie in Terminus’ Team.

Man fand einfach keine guten Hilfskräfte mehr, nicht einmal im Weltall.

»Das Ziel leitet eine Notlandung auf einem kleinen Asteroiden ein«, berichtete Ted. »Roboter und Lebewesen verlassen das Schiff.«

»Dann ohwe! Gemma!«

Kratus blickte ihn verständnislos an. »Que dois-je faire?«

Terminus erschauerte, aktivierte aber seinen Translator nicht. »Faites atterrir ce foutu vaisseau spatial!« Er spuckte die Worte geradezu aus. Ja, er sprach Französisch. Das hatte er schon in der Schule nicht leiden können. Aber der Frosch weigerte sich, eine zivilisierte Sprache zu sprechen, so was wie Marsianisch, Englisch oder zumindest Steirisch.

»Immédiatement, patron!«, bestätigte Frog-Man und landete das Schiff so sanft, als würde es in einem riesigen Haufen Federn plumpsen. Man konnte beinahe die fluffigen einzelnen Exemplare davonstieben sehen. Ekelhaft.

Sie traten nach draußen. Dort standen ihre Gegner und erwarteten sie bereits.

Terminus hätte am liebsten den Kopf in die Hände gelegt und geweint. Doch einerseits ging das wegen seines Cyberauges nicht und zum anderen war er zu müde.

Sie standen vor zwei schwer bewaffneten Kreaturen.

»Des is jetzt aber ned woa!«, rief Terminus aus. Er konnte es nicht glauben.

»Wahrscheinlichkeitsanalyse gestartet«, meinte Ted. »Bitte warten.« Und er schaltete sich ab.

Es waren zwei ungeschlachte Gestalten, die an Absurdität kaum zu überbieten waren. Eine schien ein Bär zu sein, der sich offensichtlich aus Pappkarton eine Rüstung gebaut hatte, um wie ein Killerroboter zu wirken. Der andere war ein Killerroboter in einem Teddybärenkostüm. Mutmaßlich, um Roboter wie Ted zu verwirren – und das definitiv erfolgreich.

Nun schaltete Terminus zum ersten Mal freiwillig seinen Translator ein.

»Was bekommen wir noch mal dafür bezahlt, die beiden zu töten?«, fragte er.

»Zwanzigtausend Credits für jeden. Was ich sehr gut finde, weil Roboter und Bär gleichgestellt und gleichbehandelt werden. Dazu fällt mir ein Liedtext ein. Gleichbehandlung ist gar nicht schwer, becauseIt doesn’t matter if you are robot or bear. Yuhhhhhoooooh!« Den letzten Satz sang Lisa-Maria.

Terminus wusste darauf nichts zu sagen.

»Attaque?«, fragte Frog-Man.

»Oui«, sagte Terminus, aber ohne Begeisterung.

Blitzschnell sprang der Frosch in die Luft, gut zehn Meter hoch. Er zog zwei gewaltige Klingen und holte im Sprung aus.

Nur um von zwei Energieblitzen komplett zerfetzt zu werden. Blutig-grünliche Fetzen regneten zu Boden. Irgendwo im Hinterkopf zuckte ein Witz mit einem Ventilator durch Terminus’ Hirn, aber er brachte nicht die Konzentration auf, ihn festzuhalten.

»So ein Anfänger«, sagte der als Teddybär verkleidete Roboter.

»Kommt mit einem Messer zu einer Blitzerei«, bestätigte der als Roboter verkleidete Bär.

»Analyse abgeschossen«, kam es nun von Ted. »Wahrscheinlichkeit der Situation liegt bei 1,354 Prozent. Sehr unwahrscheinlich, aber nicht völlig.«

»Dann schiiaß!«, forderte ihn Terminus auf.

Ted musterte die beiden. »Identität der Ziele uneindeutig«, stellte er fest. »Unklar, wer das organische Ziel ist und wer der Roboter.«

Während er noch scannte, nahmen ihn die Teddys auf Korn und Ted implodierte mit einem großen, blauen Lichtblitz.

»Oidaaaa!«, stöhne Terminus.

»Keine Sorge, Sir, ich kümmere mich darum«, rief Lisa-Maria fröhlich. Sie warf eine Granate.

Der Wurfgegenstand blieb direkt vor den beiden Teddys liegen und ergoss dann strahlendes grünes Licht über sie.

Terminus schloss kurz die Augen und als er sie wieder öffnete, sah er nur noch eine Gestalt. Mit zwei Waffen.

»Wos woa des fir a Granaden?«, fragte er.

»Eine Merge-Granate«, erwiderte Lisa-Maria. »Sie führt zusammen, was immer zusammengeführt werden wollte. Oder nie zusammengeführt werden sollte. Ist doch egal!«

So stand dort nun eine Kreatur, die halb aus einem als Teddybär verkleideten Roboter und einem halb als Roboter verkleideten Bären bestand.

»Des is a Witz, oder?«, fragte Terminus, als er mit ansah, wie die Collage Lisa-Maria aufs Korn nahm.

»Nein, Sir«, waren ihre letzten Worte. »Sie töten mich gemeinsam.«

Die Waffen blitzen auf.

Dann war Stille.

Und dann waren da nur noch zwei Wesen auf der Oberfläche des winzigen Asteroiden.

Eine seltsame Kreatur, die aus Metall, Fleisch, Verzweiflung und Wut bestand und am liebsten den ganzen kleinen Asteroiden oder wahlweise andere Welten brennen gesehen hätte. Und das frisch vereinigte Wesen, das vermutlich keine Ahnung hatte, was es mit seiner neu gewonnenen Identität anfangen sollte.

Terminus beschloss, es von seinem Dilemma zu erlösen.

Geschickt rollte er sich unter zwei Energieblitzen hindurch, die sich einen Sekundenbruchteil später genau dort kreuzten, wo sich noch sein Oberkörper befunden hatte. Wenn er eines von klassischen Raumschiffkapitänen gelernt hatte, war es das schnelle Abrollen. Idealerweise hinter einen Felsen.

Dieser hielt den nächsten Schuss ab, begann aber bereits, erste Risse zu zeigen.

»Warum willst du uns töten? Wir könnten doch sicher Freunde werden«, ertönte eine seltsame, beinahe zweistimmige Stimme. »Wir beide sind halb organisch und halb Technologie. Du bist genau wie wir. Wie ich.« Die Kreatur stockte. Offenbar weil sie nun zum ersten Mal realisiert hatte, dass sie nun eine komplett neue Entität war.

»Mir hom genau gor nix gemeinsam!«, rief Terminus auf und ergriff den Felsen, hinter dem er sich verschanzt hatte. Die Muskeln seines organischen Arms traten hervor, während der Cyberarm protestierend knirschte, aber dennoch seine Arbeit verrichtete.

Mit einer Mischung aus metallischem Kreischen und einem dumpfen, entsetzlich feuchten Schlag prallte der mehrere Hundert Kilogramm schwere Stein gegen das Hybridwesen, das einen Schrei ausstieß, der klang, als würde jemand mit Nägeln über eine Schultafel kratzen. Also nicht unbedingt sehr harmonisch.

»Warum?«, fragte das Wesen zweistimmig, als Terminus über ihm aufragte, bereit, ihm mit Frog-Mans Schwertern, die er gerade aufgelesen hatte, endgültig den Garaus zu machen.

»Weil ich einen Job angenommen habe. Und der war, euch beide aufzuhalten. Tot oder lebendig, lieber lebendig.«

Er sah dem Wesen in seine Augen. Also in einen Sensor und in ein Bärenauge.

»Man kriegt aber nicht immer alles, was man will.«

2