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Die Dunkelheit der Liebe: Wenn das Chaos zur Bestimmung wird
Die Devil's Sons halten fester zusammen als je zuvor, doch das Leben stellt sie auf die Probe. Immer neue Hindernisse tauchen auf, als wären sie Teil eines größeren Plans.
Für Avalone sind die Devil's Sons ihr Halt, doch Clarke gibt ihrem Herzen den wahren Grund zum Schlagen. Liebe kann Glück bringen – aber auch Zerstörung.
Unglück kommt selten allein ... Avalone glaubt, dass sie alle für das Chaos bestimmt sind. Sie kämpfen Seite an Seite, selbst wenn der Sturm tobt.
Zumindest dachte Avalone das …
Einmal Devil, immer Devil – egal, welches Opfer es fordert.
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Seitenzahl: 647
Veröffentlichungsjahr: 2025
Zum Buch
Die Devil's Sons halten fester zusammen als je zuvor, doch das Leben stellt sie auf die Probe. Immer neue Hindernisse tauchen auf, als wären sie Teil eines größeren Plans.
Für Avalone sind die Devil's Sons ihr Halt, doch Clarke gibt ihrem Herzen den wahren Grund zum Schlagen. Liebe kann Glück bringen – aber auch Zerstörung.
Unglück kommt selten allein … Avalone glaubt, dass sie alle für das Chaos bestimmt sind. Sie kämpfen Seite an Seite, selbst wenn der Sturm tobt.
Zumindest dachte Avalone das …
Einmal Devil, immer Devil – egal, welches Opfer es fordert.
Zur Autorin
Chloé Wallerand lebt im Südosten Frankreichs. Seit dem Erscheinen der Harry-Potter-Romane liest sie leidenschaftlich gern. Sie war schon immer eine Träumerin, die mit vierzehn Jahren mit dem Schreiben begann. Einige Jahre später wagte sie das Abenteuer Wattpad, wo sie mit ihrer Dark Romance »The Devil's Sons«, die bisher bereits über 7,5 Millionen Leserinnen und Leser erreichte, einen wahren Hype auslöste. Sie liebt es sich in die stürmischen Beziehungen ihrer Figuren fallen zu lassen, fantastische Welten zu erschaffen und sich in diese zu flüchten. Was ihr am wichtigsten ist? Die Hoffnung. Denn selbst in der Dunkelheit braucht es nur einen Funken, um die Finsternis zu durchbrechen.
Chloé Wallerand
The Devil’s Sons 3
MITDIRINDIENACHT
ROMAN
Aus dem Französischen von Barbara Röhl
reverie
Die Originalausgabe erschien 2023 unter dem Titel The Devil’s Sons – Tome 3 bei Plumes du Web, Montech.
© 2023 Chloé Wallerand
Deutsche Erstausgabe
© 2025 für die deutschsprachige Erstausgabe reverie in der
Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH
Valentinskamp 24 · 20354 Hamburg
Covergestaltung von bürosüd, München
Coverabbildung von R_Tee, robin.ph / Shutterstock
E-Book-Produktion von GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN 978-3-7457-0469-3
www.harpercollins.de
Jegliche nicht autorisierte Verwendung dieser Publikation zum Training generativer Technologien der künstlichen Intelligenz (KI) ist ausdrücklich verboten. Die Rechte der Urheberinnen und des Verlags bleiben davon unberührt.
Liebe Leser:innen, dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte. Deshalb findet sich am Romanende eine Themenübersicht, die demzufolge Spoiler enthalten kann.
Wir wünschen euch das bestmögliche Erlebnis beim Lesen der Geschichte.
Euer Team von reverie
Für alle, die lieben und geliebt werden wollen …
Die meisten Menschen, die ein kompliziertes Leben führen, wünschen sich nur eins: ein einfaches Leben. Ich habe geglaubt, zu ihnen zu gehören, aber neue Prüfungen, die ich bestehen musste, haben mich daran erinnert, welch intensive Gefühle daraus entstehen. Sie treiben uns in die Enge und bringen uns dazu, das Beste und das Schlechteste unserer selbst zu geben; zwei untrennbare Seiten derselben Medaille in diesem Universum. Doch nach reiflicher Überlegung und langer Selbsterforschung finde ich, dass man die Mitte suchen sollte. Ich will nicht für das Chaos leben, aber das Chaos wartet auf uns wie ein alter Freund. Ich spüre seine Gegenwart wie die Warnung vor einer unmittelbaren Gefahr. Gern würde ich ihm den Mittelfinger zeigen und ihm die Tür vor der Nase zuschlagen, doch der Schlüssel zu einem glücklichen Leben ist es, sich anzupassen und seine Umstände zu akzeptieren – trotz Komplikationen. Für diesen Weg habe ich mich entschlossen, von Anfang an.
Wie hatte es bloß so weit kommen können? Vor nicht einmal zehn Minuten hatte ich noch inmitten der Party getanzt. Ich hatte Tuckers letzten Abend in Ann Arbor gefeiert. Dann hatten mich Rauchbomben vertrieben, sodass ich mich in einen abgeschlossenen Raum – mein Zimmer – zurückgezogen hatte, und jetzt sehe ich auf ein Handy hinunter. Nicht der Gegenstand selbst verstört mich, sondern das Foto, das zutage kommt, als der Bildschirm aufleuchtet.
Das kleine Mädchen, das kaum vier Jahre alt sein kann, lächelt in der schützenden Umarmung ihres Dads in die Kamera. Ihr Blick ist unschuldig; das Leben hat ihr noch keinen Schmerz zugefügt. Sie glaubt wahrscheinlich noch an den Weihnachtsmann und träumt davon, mit ihrem entzückenden Schmollmund die Welt zu erobern. Freddie Tomson ist auf dem Bild jünger und wirkt ebenfalls glücklich. Ob er damals schon ahnte, dass er drogensüchtig werden und wegen dieser Schweinerei Leben auslöschen würde? Hat er sich vorgestellt, dass er zehn Jahre im Gefängnis sitzen und dann von Clarke Taylor aus Rache umgebracht werden würde?
»Du hast ihn getötet«, murmle ich.
»Nein!«
Sein etwas kleinlauter Widerspruch reißt mich aus der Betrachtung der beiden in der Zeit erstarrten Menschen. Als ich den Devil’s Son anschaue, wünsche ich mir so sehr, kein Schuldbewusstsein in seiner Miene zu lesen. Lieber wäre ich blind und würde mich in Illusionen wiegen, wenn ich nur weiter hoffen könnte. Doch selbst ein Blinder würde die Reue spüren, die er ausstrahlt. Ein Reflex, hervorgerufen von einem Verteidigungsmechanismus, lässt mich angesichts von Clarkes misstrauischem Blick einen Schritt zurückfahren.
Als wäre ich hier die Mörderin!
»Warum hast du dann sein Handy?«
Er hüllt sich in Schweigen. Sein Gesicht ist vollkommen ausdruckslos, und er verzieht keine Miene. Er ist unerschütterlich. Nur die geballten Fäuste an seinen Seiten und seine Augen, die schwarz geworden sind, verraten, dass in seinem Inneren ein Sturm tobt.
Sein Schweigen lastet auf mir, drückt mir die Brust zusammen und raubt mir die Luft zum Atmen. Mir ist ganz schwindlig davon.
»Du hast ihn umgebracht, Clarke!«
»Habe ich nicht!«
Unser lauter Streit hallt von den Wänden meines Zimmers wider. Die Luft knistert elektrisch und könnte sich jederzeit entladen.
Ich zittere vor schlecht beherrschter Verzweiflung, doch ich sage nichts und warte auf seine Antwort auf meine Frage von eben: Warum hat er dieses verdammte Handy? Aber Clarke gibt mir immer noch keine. Er weigert sich, mir seine Seite der Dinge zu schildern, obwohl ich ihm absolut glauben würde, wenn er mir nur alles erklären würde.
In einem Anflug von Wut werfe ich das Handy quer durchs Zimmer und flüchte durch die Glastür nach draußen. Die Eiseskälte kühlt mir wenigstens die glühenden Wangen, doch meine Muskeln ziehen sich nur noch stärker zusammen, bis es wehtut.
Schnellen Schritts gehe ich über den Kiesweg. Ich muss mich von dem Devil entfernen, um Ordnung in meine Gedanken zu bringen, und wenn ich dabei mein Herz und meinen Schmerz betäuben könnte, hätte ich nichts dagegen.
Dieses Gefühl, verraten worden zu sein, das ich nur zu gut kenne, ergreift mich und stürzt mich in Verzweiflung.
Heißt es nicht, dass man durch jeden Schlag, den man einsteckt, härter wird? Warum empfinde ich dann einen so heftigen Schmerz, obwohl ich schon so oft enttäuscht worden bin?
Wahrscheinlich bloß so ein verbreitetes Ammenmärchen. Wir werden nicht widerstandsfähiger, sondern lernen aus unseren Fehlern, um die nächsten Schläge abwehren zu können, weil sonst der Schock brutal ist. Immer noch und immer wieder.
Andererseits, hätte ich das nicht voraussehen können? Schließlich hatte ich Clarke versichert, ich würde bei ihm bleiben, auch wenn er diesen Kerl umbringt. Dass ich es akzeptieren würde. Ich würde Wort halten. Womit ich nicht fertigwerde, ist seine Lüge. Eigentlich sollten wir das hinter uns haben und unter allen Umständen aufrichtig zueinander sein; er hatte es mir versprochen. Wieder einmal tritt er mein Vertrauen mit Füßen. Wenn er heute immer noch dazu in der Lage ist, wer weiß, was die Devils …
Ich schüttle den Kopf. Wegen des Fehlers eines Einzigen darf ich nicht mein Vertrauen zu allen in Zweifel ziehen.
Allmächtige Götter, er hat einen Menschen getötet!
»Man könnte meinen, dass du eine kleine Stärkung brauchst.«
Ich fahre zusammen und sehe eine Studentin, die im Dunkeln allein auf der Vortreppe sitzt. Gedämpft dringen die Gesänge von der Party zu uns, und die Ruhe hier im Norden des Anwesens beruhigt meinen aufgewühlten Geist. Ich schließe die Augen, nur um einen Moment lang diese Auszeit zu genießen.
»Zweiunddreißig Dollar pro Dosis. Ich kann’s dir auf Kredit geben.«
Sie wedelt mit einem Tütchen voll neongelber Pillen vor sich herum, die ich in der Vergangenheit schon ausprobiert habe.
»Charlie?«, frage ich und kneife die Augen zusammen.
Die Blondine lächelt mir zu. Allerdings, das ist das Mädchen aus der Dusche, das mir seine Freundschaft angetragen hatte. Später hat man mir erzählt, sie hätte sich eine Zeit lang an Clarke herangemacht. War sie mir gegenüber ehrlich, oder wollte sie mir aus Eigeninteresse näherkommen?
»Ein guter Verkäufer verpfeift seine Kunden nie. Du kannst mir vertrauen.«
Die Anziehung der Dämonin ist unbestreitbar, und ich spüre den immer stärkeren Drang, sie zu mir zu nehmen, um die neuesten Ereignisse zu vergessen.
»Du dealst?«
»Nein, nur zu meinem eigenen Gebrauch. Ich fand es ganz lustig, bei dem Spiel mitzumachen.«
Ich ziehe die Augenbrauen hoch; erstaunt darüber, dass sie Drogen nimmt.
»Ich kann nicht, ich …«
»Du hast eine Herzschwäche, das wissen alle. Aber was einen nicht umbringt, macht einen stärker. Also, willst du?«
Eins ist sicher, sie gewinnt keinen Preis für die beste Freundin des Jahres. Doch mir fällt ihr leerer Blick auf. Sie wirkt völlig neben der Spur, und ich fürchte, was immer sie eingenommen hat, versetzt sie in einen jämmerlichen, ja besorgniserregenden Zustand.
Ich setze mich neben sie und lehne ihren Vorschlag ab. Meine Versprechen halte ich nämlich.
»Geht’s dir auch gut? Brauchst du ein Glas Wasser? Wenn du willst, bringe ich dich zurück zum Campus.«
Lange Sekunden gibt sie mir keine Antwort. Sie wirkt abwesend. Ich achte auf jeden ihrer Atemzüge, bis mir aufgeht, dass ihr Unbehagen nicht körperlicher Art ist. Schließlich wendet sie mir das Gesicht zu und lächelt, was mich sicherlich beruhigen soll.
»Ich mache mir Sorgen um meinen Vater. Als Polizeichef leitet er eine Mordermittlung, die enorm gefährlich ist.«
Mir wird komplett die Luft aus der Lunge gepresst, als hätte ich einen Magenschwinger abbekommen. Ich höre nichts mehr von der Party, die auf der anderen Seite der gepanzerten Tür auf dem Höhepunkt ist, sondern nur noch mein schmerzliches Herzklopfen, das in meinen Ohren dröhnt, während eine unsichtbare Faust mir die Kehle zudrückt. Mir wird schwindlig, und ich lehne mich an eine Marmorsäule.
»Wann war denn dieser Mord?«, frage ich fast unhörbar.
»Ich glaube, an dem Wochenende vom 16. auf den 17. November.«
Bei ihren Worten fliegt das dünne Fädchen Hoffnung, das ich noch hatte, in die Weiten des Himmels davon, wo es für mich unerreichbar ist. Damit ist die Möglichkeit, dass es eine beruhigende Erklärung für Clarkes Schweigen gibt, auf null geschrumpft. Er hat einen Mann getötet. Er hat mir in die Augen gesehen und mich angelogen; er hat uns alle angelogen. Ausgerechnet er, der immer die Verantwortung für all seine Handlungen übernimmt …
Ich begreife das nicht … Warum? In meinem Kopf überschlagen sich jede Menge Empfindungen: Schmerz, Wut, Enttäuschung und letzten Endes Angst und Liebe. Die beiden Letzteren sind die stärksten und lassen mich die Ruhe bewahren, sodass ich Charlie Fragen stellen kann.
»Wieso haben wir dann nicht in den Nachrichten davon gehört?«
»Die Polizei möchte den Schuldigen schnappen, bevor die Sache sich herumspricht, um nicht von der Presse behindert zu werden.«
»Hat dein Vater denn eine Spur?«
»Wenn, dann hat er mir nichts davon gesagt«, seufzt sie. »Aber er macht sich Sorgen. Er hat meinen Bruder und mich gebeten, nach der Uni immer direkt nach Hause zu kommen. Ich musste mich aus dem Haus schleichen, um herzukommen.«
Wenn der Polizeichef Angst um seine Familie hat, wird Clarke noch nicht verdächtigt, aber lange wird das nicht dauern. Schließlich hat er das Handy. Er wird bald der Hauptverdächtige sein. Erstaunlich, dass er bis jetzt noch nicht verhört worden ist; es sei denn, Freddie Tomson hätte wirklich viele Feinde gehabt …
»Das macht mir Gänsehaut …«, murmle ich. »Und hier draußen im Dunkeln herumzustehen, hilft dabei auch nicht. Sollen wir nicht wieder hineingehen?«
Angst oder Beklemmung brauche ich nicht vorzutäuschen; meine emotionalen Stromkreise sind geradezu damit getränkt. Sie quellen mir praktisch aus allen Poren.
Charlie lehnt ab und erklärt mir, sie werde später hineingehen. Daher stehe ich allein auf, gehe ums Haus herum wie eine lebende Leiche und zum Swimmingpool.
Liebe Götter, wenn Clarke ehrlich gewesen wäre, hätte ich mich die ganze Nacht durch die Wälder geschlagen, um die Leiche verschwinden zu lassen. Wir hätten uns darauf vorbereiten können, dass die Polizei ihn einkassiert, und dank Carters Intelligenz wäre sein Stellvertreter von jedem Verdacht freigesprochen worden, ganz gleich, was man ihm vorgeworfen hätte. Doch jetzt sind wir überrumpelt worden.
»Wer hat Lust auf ein Bad um Mitternacht?«, brüllt Tucker.
Das fröhliche Geschrei holt mich in die Realität zurück, und ich mache einen Satz, um nicht von der Menge niedergetrampelt zu werden. Dutzende Partygäste durchqueren das geöffnete Panoramafenster und stürzen sich in den Pool.
Schließlich hat meine Welt aufgehört, sich zu drehen, nicht ihre.
Als ich zu der Sitzecke im Garten gehe, bin ich mir kaum bewusst, dass ich mich bewege, vielleicht nicht einmal meiner eigenen Existenz. Ich schnappe mir ein Handtuch. Das Wasser ist geheizt, doch die Luft ist eiskalt. Sobald Tucker herauskommt, muss er sich abtrocknen, sonst erkältet er sich noch.
Er ist von einigen Footballspielern umgeben, ein paar davon splitternackt, sowie von Studentinnen in BHs oder oben ohne, und erzählt von seinen Heldentaten bei der Gang. Besonders klug ist das nicht, doch er drückt sich relativ vage aus. Alle hängen mit beinahe religiöser Inbrunst an seinen Lippen. Zu meiner eigenen Überraschung lächle ich, als er sich vor Gelächter ausschüttet, und beschließe, ihm seinen letzten Abend nicht mit dieser Mordgeschichte zu verderben. Er soll mit leichtem Herzen fortgehen, nicht dass er ansonsten seine leibliche Familie im Stich lässt, um uns zu helfen, seinen Kollegen aus dieser Lage zu befreien.
Ich schlurfe zu den Sofas und lasse mich zwischen den Devil’s Sons hineinsinken, die mich wie immer herzlich aufnehmen. Clarkes Blick wirkt zunächst unergründlich, doch meine harte Miene scheint ihn zu verunsichern. Ich sehe weg, weil ich fürchte, in Tränen auszubrechen, und lausche mit halbem Ohr der Diskussion, die sich Sean und Set liefern.
Als ein Wassertropfen auf mich fällt und an meiner Wange herunterläuft, sehe ich zum Himmel auf und entdecke Tucker, der mich mit seiner riesigen Gestalt überragt. Er mustert mich hinterlistig, und plötzlich umschlingt er mich mit seinen mächtigen, von hervortretenden Venen überzogenen Armen.
»Wahh, du bist ja klitschnass!«
Er beugt sich über mich, schiebt eine Hand unter meinen Knien durch und will mich hochheben. Ich stoße ihn energisch zurück und betrachte ihn mit strenger Miene.
»Versuch bloß nicht, mich in den Pool zu werfen! Wenn auch nur mein großer Zeh die Wasseroberfläche streift, wird meine Rache keine Grenzen kennen. Ich werde dafür sorgen, dass du das bitter genug bereust, um nie wieder einen Fuß nach Ann Arbor setzen zu wollen.«
Er gibt mich frei, ohne meine Geduld auf die Probe zu stellen – was, wie ich zugeben muss, erstaunlich für ihn ist –, und hebt als Friedenszeichen beide Arme. »Dein Blick macht mir höllische Angst.«
Obwohl die Last von Clarkes Verrat mir immer noch die Brust zusammendrückt, belustigt mich die ängstliche Miene des Devils mit dem überdimensionierten Ego.
Ein Lächeln breitet sich über meine Lippen, während ich ihm das Handtuch reiche. »Hier, damit du dich nicht erkältest.«
»Was soll ich bloß ohne dich machen?«
»Das frage ich mich auch.«
Tucker springt über das Sofa und setzt sich, das Handtuch über die Schultern gelegt, neben mich. Ich glaube, er erzählt mir etwas; keine Ahnung. Meine Aufmerksamkeit fokussiert sich auf Clarke, der wahrscheinlich wieder in den Salon gegangen wäre, wenn diese Studentin in Unterwäsche ihn nicht aufgehalten hätte. Sie versperrt ihm den Weg und reibt dann ihre festen, prallen Brüste an seinem Oberkörper. Der zweite Mann der Gang erstarrt, und meine Muskeln spannen sich ebenfalls an.
»Die Beziehung bekommt dir nicht, schöner Junge. Du bist ein Mann von freier Seele und freiem Geist«, säuselt sie aufreizend.
Eifersucht läuft durch meinen Körper und stachelt meine Wut an. Einen besseren Treibstoff gibt es nicht.
»Weißt du, was ich brauche, hier und jetzt?«, gibt mein Freund ihr mit ausdrucksloser Stimme zurück.
Das Pin-up-Girl, das zu oberflächlich ist, um seinen verächtlichen Unterton wahrzunehmen, klimpert mit den Wimpern und schmiegt sich noch enger an ihn. Clarke flüstert ihr etwas ins Ohr, zuckersüße und boshafte Worte, und ich kann in aller Ruhe zusehen, wie das feingeschnittene Gesicht seiner Gesprächspartnerin seinen arroganten Ausdruck verliert. Er schiebt sie mit der Schulter beiseite und geht weiter. Die Studentin verzieht die Miene und versucht, ihn einzuholen.
»Wenn du ihm nachläufst«, rufe ich ihr zu, »bist du nicht mehr und nicht weniger als eine Stalkerin.«
Sie dreht sich zu mir um und mustert mich von Kopf bis Fuß, wobei sie mich mit ihrem verächtlichen Blick zu vernichten versucht. »Er hat schon mit mir geschlafen, bevor du dich überhaupt auf den Weg nach Ann Arbor gemacht hast.«
»Seine Vergangenheit ist mir egal, ich bin seine Gegenwart. Und wenn du noch einmal das Vergnügen eines Orgasmus haben willst, lass ihn in Ruhe. Bei solchen Partys ist schnell ein Unfall passiert, insbesondere, wenn ein Pool frei zugänglich ist und der Alkohol in Strömen fließt. Was für eine Tragödie, wenn dabei jemand ertrinken würde …«
Meine kaum verhüllte Drohung trifft ins Schwarze. Das Mädchen knirscht mit den Zähnen, zögert kurz und tritt dann den Rückzug an.
»Verdammt, du wirst Carter jeden Tag ähnlicher!«, ruft Tucker aus. »Das ist besorgniserregend.«
Ich setze so etwas wie ein Lächeln auf und hülle mich dann nachdenklich in Schweigen.
Mit den flachen Händen stütze ich mich auf die Arbeitsplatte in der Küche, lasse den Kopf hängen und schließe die Augen. Ich kann mich einfach nicht entspannen, und dazu kommt das schlechte Gewissen, weil ich das Zusammensein mit Tucker und unsere letzten gemeinsamen Stunden nicht so genießen kann, wie ich sollte. Meine Güte, ich sollte an seiner Seite sein und schallend lachen. Ich sollte ihn umarmen und ihm erklären, wie sehr ich ihn liebe …
Ich bin Clarke böse, weil er mir jede Leichtigkeit genommen hat.
»Geht’s dir gut?«
Ich reiße die Augen auf und sehe Ange, der am Türrahmen lehnt.
»Ja.«
»Du bist eine schlechte Lügnerin. Du gibst dir nicht mal Mühe.«
Ich kann nicht anders, als leise zu lächeln. Dieser Mann ist ein Schwachkopf, weil er in der Vergangenheit die Devil’s Sons verraten hat, doch er hat sich meine Achtung verdient, da er mich unterstützt hat, als das Leben sich gegen mich verschworen hatte. Ich bin froh darüber, dass er heute Abend meine Einladung angenommen hat.
»Tut mir schrecklich leid, dass Henzo es geschafft hat, dich zu schnappen.« Sein Bedauern drückt ihn sichtlich nieder, und er erwidert mein Lächeln nicht.
»Du hast dich doch schon entschuldigt. Und ich versichere dir ein weiteres Mal, dass dich keine Schuld trifft. Du hast viel für mich getan; mehr als ich von dir erwartet hätte.«
»Ich habe dir die Dämonin verschafft, daran ist nichts Bewunderungswürdiges …« Bedauern steht auf seinen verzerrten Zügen, nachdem er jetzt weiß, dass die Droge mir überhaupt nicht geholfen hat.
»Du hast mir mehr gegeben als die Droge. Deine Gesellschaft war mir viel wert; du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel.«
Die Küchentür, die bis jetzt halb offen war, knallt gegen die Wand und bebt in ihren Angeln. Jesse steht da, imponierend und gefährlich, und durchbohrt Ange mit einem mörderischen Blick. Jesse, der sonst immer zutiefst gelangweilt wirkt, strahlt einen so puren Zorn aus, dass die Nervenenden in meiner Haut es wahrnehmen und ich Gänsehaut bekomme.
»Du hast fünf Minuten, um die Villa zu verlassen, sonst gebe ich Clarke Bescheid. Und du solltest schnell laufen, denn du hast gerade dein Todesurteil unterschrieben. Dieses Mal wird kein Friedensvertrag zwischen unseren Gangs dir die Haut retten.«
Mit leichenblassem Gesicht wirft der Demon’s Dad mir einen Blick zu, der nicht deutlicher sein könnte. Er befindet sich unter Feinden, und ihm ist klar, dass ich seine einzige Verbündete und damit seine einzige Überlebenschance bin. Ich analysiere die Lage, obwohl meine Nerven zum Zerreißen angespannt sind.
Jesse wird den Mann, den er als meinen Dealer betrachtet, niemals umbringen, obwohl er sich nichts mehr wünscht als das. Wir haben eine schweigende Übereinkunft, dass diese Ehre Clarke zusteht, ganz gleich, was passiert. Außerdem wirkt sich die Feier zu unseren Gunsten aus. Er wird das Risiko nicht eingehen, Carters Stellvertreter zu alarmieren, weil er fürchtet, dieser könne Ange vor Hunderten von Augenzeugen erledigen.
Ich bedeute dem Demon’s Dad, dass er sich verdrücken soll.
»Keine Sorge, ich regle das.«
Es überrascht mich immer wieder, dass er mir vertraut. Er legt sein Leben in meine Hände und verlässt die Küche widerstandslos. Nachdem meine erste Hypothese sich bestätigt hat, trete ich um die zentrale Kücheninsel herum und mache die Tür hinter ihm zu, um mich ungestört mit Jesse unterhalten zu können und damit nicht so viele Töpfe zerschlagen werden. Ange soll nicht für meine Fehler bezahlen, das habe ich ihm versprochen.
Ich atme tief ein und biete dem Devil’s Son die Stirn. »Clarke weiß Bescheid.«
»Wenn Clarke Bescheid wüsste, wäre dieser Schwachkopf schon tot!«
Okay. Ein wütender Jesse ist wirklich, wirklich furchteinflößend.
Ich schließe die Augen und lasse ihn toben. Ich bin nicht daran gewöhnt, ihn zornig zu sehen, und schon gar nicht daran, dass sich die Wut gegen mich richtet.
»Über die Dämonin weiß er Bescheid, aber über Ange nicht.«
»Na, dann erfährt er es eben jetzt!«, attackiert er mich scharf.
Ich verhindere seinen Rückzug und stelle mich ihm in den Weg. Mein Herz klopft zum Zerspringen. Mein Selbstbewusstsein hat mich verlassen, und jetzt befürchte ich das Schlimmste.
»Du hast ja nicht die geringste Ahnung, was Ange für mich getan hat.«
»Er hat dich in Gefahr gebracht!«
»Er hat mir eine Chance verschafft, die Begegnung mit Henzo zu überleben!«
Jesse runzelt die Stirn und wirkt angesichts dieses Gedankensprungs ein wenig desorientiert. Er weiß, dass diese Sache nicht mehr aktuell ist, doch er kann die Verbindung zwischen meinem Stimmungsumschwung und der damaligen Situation ziehen.
»Du weißt, was Grauen ist, Jesse. Deine eigene Mutter hat es dir eingejagt. Doch dann sind die Devil’s Sons in dein Leben getreten, und du hast nie wieder vor jemandem gezittert.«
In ihm tut sich ein Abgrund auf, denn ich erinnere ihn an eine Zeit, die er am liebsten vergessen würde, aber nicht auslöschen kann, weil sie ihn zu dem Mann gemacht hat, der er heute ist.
»Ein vor Zorn blinder Kerl hatte geschworen, mich zu erledigen. Ich hatte Angst, ich war vollkommen außer mir! Wenn es dunkel wurde, hat mich das kleinste Geräusch erschreckt. Ich konnte kein Auge zutun. Stattdessen habe ich mir wieder und wieder vorgestellt, wie Henzo mich umbringt. Ich hatte die Devil’s Sons in dem Moment verloren, in dem ich sie am meisten gebraucht hätte. Daher habe ich Ange angefleht. Ich habe nicht lockergelassen und seine Emotionen manipuliert. Er konnte nicht ablehnen, das hätte ich nicht akzeptiert. Also hat er jeden Abend, nachdem er seine Pflichten erledigt hatte, unter meinem Zimmerfenster Wache gehalten. Die Security-Leute unterstanden dem Gesetz, doch Ange war bereit, es meinetwegen zu brechen: Er hätte Henzo umgebracht, wenn er ihn gesehen hätte; dazu war er da, er hat mich beschützt!«
Je mehr ich rede, umso mehr verfliegt Jesses Zorn und weicht dem schlechten Gewissen. Er hat sich geschworen, nie zuzulassen, dass einer der Menschen, die ihm nahestehen, diese Angst empfindet, die er selbst so gut gekannt hat. Er trägt die Last dieses Misserfolgs, und nichts, was ich sagen könnte, würde ihn erleichtern.
Er wendet den Blick ab. »Du bist mir viel zu wichtig«, schließt er, »um solche Dummheiten hinzunehmen, also wenn ich in Zukunft erfahre, dass du wieder Drogen genommen hast …« Er reibt sich übers Gesicht, in dem sich Niedergeschlagenheit und Verdruss malen. »Dann ist es vielleicht besser, wenn du nicht weißt, was auf dich zukommt.«
»Tut mir schrecklich leid«, flüstere ich.
Meine Entschuldigung besänftigt ihn kaum. Er versucht, um mich herumzutreten, um zur Tür zu gelangen, doch ich weigere mich, ihn in diesem Zustand gehen zu lassen. Ich warte auf ihn und schenke ihm eine Umarmung.
Er erwidert sie nicht. Liebe Götter, wie ich das hasse! Die Menschen, die man liebt, zu täuschen, ist schlimmer als alles andere. Ich habe seine Hoffnungen nicht erfüllt. Er hat an mich geglaubt, und ich habe versagt …
»Es tut mir schrecklich leid«, wiederhole ich.
Er schlingt die Arme um mich – endlich – und holt tief Luft. »Schon gut«, versichert er mir.
Er drückt mir einen gefühlvollen Kuss auf den Scheitel und umarmt mich ein wenig fester. Einen Augenblick später ist er verschwunden, als hätte der Zusammenstoß nie stattgefunden.
Ich fühle mich von einer beruhigenden Stimmung umfangen, die mir Jesses wortloses Versprechen vermittelt: Er wird diese Sache geheim halten. Doch glücklich macht mich das nicht. Seine Traurigkeit hat sich meiner Erinnerung eingeprägt, und seitdem ist mein Herz schwer.
Ich greife zu meinem Handy und schicke Ange eine Nachricht, um ihn zu beruhigen. Alles ist geregelt.
Alles, bis auf den Mord, den Clarke begangen hat.
Möge die Macht der Yggdrasil uns zu Hilfe kommen …
Überwältigt von den Folgen seiner Tat stürze ich aus der Küche und klettere über das Sofa, das den Zugang zum Flur blockiert. Nachdem ich Carters Zimmer aufgeschlossen habe, lasse ich den Blick durch den Raum schweifen und entdecke rasch das Objekt meiner Begierde: eine hölzerne Truhe, in die ein Vegvisir eingeschnitzt ist.
Ich stürze mich darauf und finde das Material, das für den Blót 1 notwendig ist. Ich durchwühle sie, nehme, was ich brauche. Ich will nicht zu viel mitschleppen, doch ich stecke das Wichtigste ein und bete darum, dass die Götter es mir nicht übel nehmen.
Auf der Kommode breite ich eine Decke aus, in die Runen 2 eingewoben sind, und stelle die Tyr 3 -Statuette aus massivem Gold in die Mitte. Dem Mythos entsprechend fehlt ihm eine Hand. Ich stelle zwei Kerzenhalter rechts und links der Gottheit auf und die Opferschale zu ihren Füßen. Dann zünde ich die Kerzen und auch Räucherwerk an. Danach entwende ich eine Flasche Apfelsaft aus Carters Privatbar und fülle damit ein Trinkhorn. Schließlich knie ich vor dem Altar nieder und atme tief durch, um meinen unregelmäßigen Herzschlag zu beruhigen.
Ich konzentriere mich auf Tyr, den Gott der Gerechtigkeit, stelle mir vor, wie er vor einer Versammlung sein Urteil spricht. Vor meinem inneren Auge sehe ich, wie er seinen Arm den Zähnen des Wolfs Fenrir opfert, damit die Götter diesen in Ketten legen können. Male mir aus, wie er in der Ragnarök gegen Garm, den Hund aus Helheim, kämpft. Nun, da meine Gedanken ihm gelten, beginne ich ein stilles Ritual, bei dem ich abwechselnd aus dem Horn trinke und einige Tropfen des Getränks in die Opferschale gebe, wobei ich zu dem Gott bete, uns zu Hilfe zu kommen und ein wohlwollendes Urteil über Clarke zu sprechen.
»Was in aller Welt treibst du da?«
Ich fahre zusammen und kippe ungeschickt mein Gefäß über den Altar aus. Ein Kerzenhalter fällt um und zerschellt auf dem Boden, der Weihrauch verlischt, und die Flüssigkeit tränkt die Decke. Der Anblick dieses beschmutzten heiligen Raums lässt mich fast die Nerven verlieren. Meine Augen brennen, und ich halte mühsam die Tränen zurück.
»Was soll dieser Mist? Betest du für …«
»Ja, natürlich!« Ich renne die paar Meter, die mich von Clarke trennen, und schlage mit den Fäusten auf seine Brust. Verzweifelt trommle ich auf ihn ein, zweimal, dreimal. Obwohl ich ihm nicht wehtue, tut mir das unglaublich gut! Mit jedem Schlag, den ich ihm versetze, lässt der Druck nach, und ein zufriedenes Gefühl läuft durch meinen Körper.
Seine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, doch meine ist schon erschöpft. Als er meine Handgelenke festhält, sodass ich mich nicht mehr rühren kann, zapple ich heftig und schreie ihm Worte entgegen, die mir genauso unverständlich sind wie ihm.
»Avalone«, knurrt er.
»Du hast deine Zukunft zerstört, du hast diesen Altar zerstört und mein Vertrauen verspielt!«
»Du glaubst doch nicht …«
Keine Ahnung, wie ich es fertigbringe, mich von ihm loszumachen. Ich werfe ihm einen vernichtenden Blick zu. »Ich will nichts hören, dazu ist es zu spät! Jemand hat mir bestätigt, dass du die Tat begangen hast. Keine Sorge, die Polizei hat dich nicht im Verdacht, noch nicht.«
Wenn er mich vorher noch nicht angeschaut hätte, als hätte ich den Verstand verloren, dann jetzt. »Ich habe Freddie Tomson nicht umgebracht.«
»Lüg mich nicht an!«
»Ich lüge dich nicht an, Avalone!«
Ein spöttisches Lachen lässt meine Schultern erbeben. »Bring mir wenigstens den Respekt entgegen, dich nicht offen über mich lustig zu machen.«
»Wie kann ich dir das bloß begreiflich machen?«
Allmächtige Götter, ich hatte ganz vergessen, wie geschickt er andere manipulieren kann!
Ich verschränke die Arme vor der Brust und versuche vergeblich, mich wieder zu beherrschen. Meine Stimme klingt vor Wut verzerrt, als ich meine Worte mit zusammengebissenen Zähnen hervorstoße. »Du bist der schlimmste Mistkerl von allen. Charlies Vater, der Polizeichef, hat die Leiche gefunden. Sie sind dir auf der Spur, Clarke.«
»Ich verstehe kein Wort.«
»Charlie hat mir gerade erklärt, dass ihr lieber Papa einen Mord untersucht, der am Wochenende des 16. November begangen wurde!«
Ihm ist es vollkommen egal, was ich ihm erzähle. Langsam, unentschlossen kommt er auf mich zu. Sein Blick verheißt mir Liebe oder Hass, je nachdem, welchen Weg ich einschlage. »Ich sage dir das jetzt zum letzten Mal, Avalone. Ich habe diesen Mann nicht umgebracht. Den Mord, an dem die Polizei arbeitet, habe ich nicht begangen. Was das Handy angeht, das in meinem Besitz ist, nun ja … ich habe Freddie Tomson durch die Mangel gedreht. Dann habe ich ihm das Handy abgenommen, damit er die Rettung nicht anrufen konnte, und ihn praktisch bewusstlos liegen lassen. Ich wollte, dass er leidet und sich genauso ohnmächtig fühlt, wie ich es damals war.«
Seine Worte treffen auf meine falschen Überzeugungen und zerschmettern sie, bis davon nichts mehr übrig ist. Doch ich beschließe, weiter auf der Hut zu sein. Vorsichtshalber. Ich trage noch die Narben, die diese Lügen hinterlassen haben.
»Clarke, wenn ich herausfinde, dass …«
»Ich sage dir die Wahrheit, Avalone.«
Ich öffne den Mund und klappe ihn sofort wieder zu.
Obwohl dieses Zusammentreffen ein unglaublicher Zufall ist, glaube ich ihm. Ein Schweigen kann man auf tausend Arten deuten, doch eine Erklärung lässt keinen Platz für Zweifel. Jedenfalls nicht, wenn sie von diesem Mann kommt.
Ein leises Lachen bricht aus mir heraus; die Art von nervösem Auflachen, das die angestaute Spannung löst.
»Wenn du zugegeben hättest, ihn verprügelt zu haben, Clarke, hätte ich das verstanden. Eigentlich hatte ich nichts anderes von dir erwartet. Warum hast du dich in Schweigen gehüllt, als ich dich wegen des Handys fragte?«
»Avalone, ich habe ihn nicht einfach verprügelt. Ich habe ihm die Finger einzeln gebrochen, dann die Handgelenke und anschließend die Arme. Dann habe ich mit seinen Beinen weitergemacht. Ich habe ihn gefoltert, und dann habe ich ihn in einer Gasse hinter einer Bar liegen gelassen, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, den Notruf zu wählen.«
Allmächtiger Odin …
Ich schlage die Hände vor den Mund und setze mich zittrig aufs Bett. Clarke wendet sich ab, sicherlich weil er sich kategorisch weigert, den Abscheu in meinen grünen Augen zu sehen. Doch es ist ein anderes Gefühl, das mir aus allen Poren dringt.
»Und wenn er dich angezeigt hätte? Du hättest wegen schwerer Körperverletzung hinter Gittern landen können, für drei lange Jahre!«
Meine Reaktion verblüfft ihn. Er wirft mir einen argwöhnischen Blick zu und muss feststellen, dass ich mich nicht von ihm abgestoßen fühle. Ich habe nur schreckliche Angst, ihn zu verlieren.
Zur Antwort flammt ein Funke in seinen Augen auf. Ein Funke, der sein Begehren verrät, mich hier und jetzt zu lieben oder mich zu heiraten.
»Das wird nicht passieren, Avalone. Wenn Carter es nicht geschafft hat, uns zu trennen, dann bringt das niemand fertig. Nicht mal die Justiz.«
Er zieht mich in seine Arme, sodass mein Unbehagen sofort verfliegt. Ich klammere mich an ihn und kann zum ersten Mal, seit dieses verfluchte Handy geklingelt hat, durchatmen. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich erleichtert fühlen könnte, nachdem ich erfuhr, dass Clarke einen Menschen gefoltert hat. Ich hätte es ahnen können. Er ließ ihn am Leben, aber er hatte nicht vor, ihn so leicht davonkommen zu lassen.
»Tut mir schrecklich leid, dass ich geglaubt habe …«
»Durch mein Schweigen habe ich dir jeden Grund gegeben, mich des Mordes zu verdächtigen.«
Ich schüttle den Kopf und mache mich von ihm los. Keine Ahnung, warum ich seine Aufrichtigkeit infrage gestellt habe. Wieder einmal bin ich diejenige, die es an Vertrauen in das, was wir uns aufgebaut haben, fehlen lässt. Bei Clarke und den Devil’s Sons habe ich das Glück kennengelernt und jetzt Angst, alles zu verlieren. Diese elende Furcht behindert mich oft in meiner Urteilsfähigkeit. Ich bin es mir schuldig, sie beherrschen zu lernen, denn sonst laufe ich Gefahr, mich unglücklich zu machen.
»Nein, natürlich nicht. Ich kenne dich; wenn du ihn umgebracht hättest, hättest du auch die Verantwortung übernommen. Entschuldige.«
Ein bezauberndes Lächeln lässt seine Züge weicher wirken und erweckt sofort meine Sinne. »Weißt du, wie du dafür sorgen kannst, dass ich dir verzeihe?«, fragt er kaum hörbar.
Er lässt die Finger unter meine Lederjacke gleiten und streift sie mir von den Schultern. Meine Jacke fällt mit einem Rascheln zu Boden, das sinnlich wirkt. Erotisch. Ich kann nur noch an mein aufsteigendes Begehren denken.
»Ich glaube, ich habe da so eine Vorstellung«, flüstere ich. »Aber nicht hier.«
Ich ziehe ihn aus dem Zimmer, und während ich kurz stehen bleibe, um die Tür hinter uns zu verriegeln, streicht Clarke mit den Lippen über meinen Nacken. Eine köstliche Wärme durchläuft meine Gliedmaßen und sammelt sich in meinem Unterleib. Ich zerfließe mitten im Flur.
Mit übermenschlicher Anstrengung entziehe ich mich seinem Mund und dränge ihn in das erstbeste Gästezimmer.
Ich gehe sicher, dass wir nicht gestört werden, dann drehe ich mich zu ihm um und tue schüchtern. Die Spannung ist unerträglich, dennoch nehme ich mir die Zeit, den Umstand zu genießen, dass Clarke sich keine Zurückhaltung auferlegt. Seine Brust hebt und senkt sich schnell; er verfolgt jede meiner Bewegungen aufmerksam, während ich den Knopf an meinem kurzen Overall löse. Das Kleidungsstück rutscht an meinen Armen hinunter und fällt zu meinen Füßen zusammen. Fast vollkommen nackt biete ich mich Clarke und seinem Begehren dar.
Als sein Blick auf meinen BH fällt, öffnet er die Lippen. Die feine schwarze Spitze meiner Unterwäsche verbirgt weder meine Haut noch meine Brustwarzen, und der Devil sieht sich daran satt. Je länger er mich betrachtet, umso schwerer geht sein Atem. Sein zärtlicher Blick huscht zwischen meine Brüste, gleitet über meinen Bauch und verhält auf meinem String und meinen Strapsen. Er holt tief Luft und mustert meine von Strümpfen geformten Beine und dann meine hohen Absätze. Schließlich tritt er zurück und bewundert mit vor Begierde angespannten Muskeln das Gesamtbild.
»Du bist …«
Ich fühle mich selbstbewusster und weiblicher denn je, trete auf ihn zu und streiche mit den Fingern über seinen Oberkörper. Unter meiner Handfläche schlägt sein Herz schnell, und ich genieße die Macht, die ich über ihn habe.
»Ich bin … was?«, frage ich.
»Der Teufel.«
Ein Lächeln breitet sich über meine Lippen. Ich bin die Herrin der Lage und zwinge ihn, rückwärts zu gehen, bis er mit den Beinen gegen das Bett stößt. Er fällt auf die Matratze und zieht mich mit.
»Wenn ich diese Sache mit der Zunge mache, die du so besonders magst, verzeihst du mir dann?«, hauche ich ihm ins Ohr.
»Sobald ich meine Bedürfnisse erfüllt habe, gehört mein Körper dir. Du quälst mich schon seit Stunden, jetzt kann ich nicht mehr.«
Er schlingt einen Arm um meine Taille und dreht uns um. Wie benommen liege ich unter ihm und habe keine Zeit, wieder zu mir zu kommen: Mit unersättlichen Lippen erobert er meinen Körper. Sein Mund streicht über meinen Hals, macht sich über meine Brust her, umspielt meine Narbe und wagt sich dann auf meinen Bauch vor. Mit den Händen liebkost er meine Haut und knetet sie. Clarke ist überall zugleich, verschlingt mich. Ungeahnt heftige Schauer überlaufen mich überall und entlocken mir entzückte Seufzer. Dann zieht er mich bis an den Rand der Matratze und kniet vor meinen Beinen nieder, die ich für ihn öffne. Da begreife ich, dass sein Bedürfnis, das er stillen muss, darin besteht, auf meins zu reagieren. Er wünscht sich nur, dass ich seinen Namen stöhne.
Er ergreift einen meiner Fußknöchel und drückt einen federleichten Kuss darauf. Ich muss wie ausgehungert sein, denn ich spüre seine Berührung verwirrend intensiv. Er stellt meinen Fuß auf den Bettrahmen, damit ich offen vor ihm liege, und senkt die Zähne in das zarte Fleisch meines Oberschenkels. So etwas wie ein elektrischer Schlag zuckt bis ins Zentrum meines Begehrens, und dann stockt mir der Atem, als er durch den Stoff meines Slips hindurch spielerisch über meine intimste Stelle streicht. Ich bäume mich auf, um die Berührung zu verstärken, doch Clarke hat seinerseits beschlossen, mich zu quälen: Er bricht seine Berührung ab.
Ich stütze mich auf die Ellbogen und stöhne frustriert. »Mach weiter!«
Mein gebieterischer Ton lässt seinen Blick aufglühen. Er zerreißt meinen String und enthüllt den empfindsamsten Teil meines Körpers. Er befeuchtet sich die Lippen so lüstern, dass es schon an Gier grenzt, und dringt dann mit dem Zeigefinger in mich ein. Ich ziehe scharf die Luft ein und blinzle. Mein Hirn ist von Lust umwölkt. Clarke steckt einen zweiten Finger in mich hinein.
»Ich liebe es, wenn du eifersüchtig bist.«
Ich denke an die Studentin, die sich vorhin an ihm gerieben hat, und Zorn mischt sich in meine Wollust.
Dann hat er unser Gespräch mit angehört.
»Sie hatte kein Recht … Du bist m…«
Eine Hitzewelle durchläuft mich, und ich kann nicht mehr zusammenhängend denken. Widerstandslos gebe ich die Idee auf, einen Satz zu formulieren; jetzt will ich mich nur noch dem Genuss hingeben. Doch Clarke entzieht mir erneut seine Berührung. Ich werfe ihm einen finsteren Blick zu, auf den er mit einem provokanten Lächeln reagiert.
»Ich bin … was?«
»Der Teufel!«
Sein Lachen hallt in mir wider und schürt mein Begehren. Und dann lässt er jede Zurückhaltung fallen: Mit festem Griff drückt er meine Schenkel auseinander und unterzieht mich der wunderbarsten Folter. Seine Zunge berührt meine intimste Stelle, entreißt mir einen Lustschrei und bringt mich zum Orgasmus.
Bei allen Göttern, tut das gut!
Nachdem wir uns eine Stunde lang verdrückt hatten, verlassen wir leise zankend das Gästezimmer. Clarke zieht mich wegen meines zerwühlten Haars auf, das ich nicht zähmen konnte, und ich mache ihn darauf aufmerksam, dass sein Hosenschlitz offen ist.
Allerdings werden wir niemandem etwas vormachen. Wir riechen unverkennbar nach Sex, und unsere Kleidung sitzt schief, aber das macht uns nichts aus.
Wir bahnen uns einen Weg durch die Menge und erreichen das hintere Ende des Salons, wo ein Typ heftig gegen mich prallt. Der Schreck über den Zusammenstoß entlockt mir eine Grimasse und bringt mich beinahe aus dem Gleichgewicht.
Clarke legt schützend einen Arm um meine Taille und zieht mich an sich. »Das hast du mit Absicht gemacht«, knurrt er.
Sein Zorn richtet sich auf eine Studentin, die sich nicht weit entfernt von uns postiert hat. Ich erkenne die Stalkerin wieder, die ich zu ertränken gedroht habe, und mir wird klar, was passiert ist: Sie hat ihren betrunkenen Freund absichtlich gestoßen, damit er mit voller Wucht gegen mich knallt. Und da Menschen mit krankhafter Neugier ausgestattet sind und mit einer gewissen Aufregung reagieren, wenn sie Zeuge einer Auseinandersetzung werden, ist die Musik verstummt, und alle anwesenden Partygäste beobachten die Szene mit angehaltenem Atem.
»Ach, schon gut!«, ruft die Anstifterin der Versammlung zu. »Ist nur die Schlampe der Devil’s Sons!«
Tuckers Rede früher am Abend, in der er mich in den Himmel gelobt hat, hat offensichtlich einige Zuhörer gleichgültig gelassen.
Ich stecke die Beleidigung ein, ohne mir anmerken zu lassen, dass sie mich verletzt. Clarkes gefährliche Ausstrahlung dagegen breitet sich durch den ganzen Raum aus. Ich drücke seine Hand und appelliere an seine Selbstbeherrschung.
»Die Schlampe der Devil’s Sons setzt dich hiermit vor die Tür«, erkläre ich dieser unerträglichen Frau.
»Bloß, weil du Mitglied in einer Gang bist, kannst du noch lange nicht …«
»Ich versuche, meine Stellung nicht auszunutzen, um irgendwelche Autorität auszuüben«, schneide ich ihr das Wort ab. »Ich will keinen Respekt, weil ich zu den Devil’s Sons gehöre, sondern als eigenständige Person! Du hast kein Recht, mich für das zu verletzen und zu demütigen, was ich durch Aufrichtigkeit, Wohlwollen und Liebe erreicht habe!«
Dieses Mal ist es zu viel. Ich werde mir diese grundlose Bosheit, diese leisen abfälligen Bemerkungen nicht mehr gefallen lassen. Damit ist Schluss.
Mir kocht das Blut, als ich den Zuschauern die Stirn biete. »Ich will nicht, dass mich alle gut leiden können, das ist mir vollkommen egal! Aber der oder die Nächste, die mich beleidigt, bekommt es mit mir zu tun. Ich habe vielleicht nicht die Kraft der Devil’s Sons, aber ich verfüge über die gleichen Möglichkeiten wie sie und werde nicht zögern, sie einzusetzen. Wenn ihr mich fürchten müsst, um mich zu achten, dann soll es eben so sein. Von jetzt an werde ich gegen jeden vorgehen, der mich persönlich angreift. Erweist mir den Respekt, den jedes menschliche Wesen verdient, oder ich zwinge euch in die Knie!«
Schwer atmend lasse ich den Blick über die Menge schweifen. Niemand wagt zu sprechen; die Zeit scheint stillzustehen. Ich konzentriere mich wieder auf die Person, die mich angegriffen hat, denn ich bin entschlossen, aufs Ganze zu gehen, damit die Botschaft auch bei allen ankommt. Ohne sie aus den Augen zu lassen, greife ich hinter Clarkes Rücken und nehme seine Waffe an mich. In diesem Moment denke ich nicht über ihr Gewicht nach oder darüber, ob sie geladen ist. Ich sehe nur dieses Weibsbild vor mir, spüre nur ihre Anwesenheit, als ich den Lauf auf sie richte.
»Ich habe dir schon gesagt, dass ein Unfall schnell passiert. Zuerst dachte ich an Ertrinken, aber vielleicht ist Russisch Roulette 4 eine ebenso gute Ausrede … Ein sinnloses Spiel unter dummen Studenten.«
Ich warte darauf, dass die Angst Besitz von ihr ergreift. Die ersten Auswirkungen sind sofort zu sehen: Mein Opfer beginnt mit frustrierter Miene zu zittern. Sie weicht einen Schritt zurück und stößt gegen ihre Freunde. Dann gerät sie in Panik und sucht nach einem Fluchtweg.
Ich lasse die Pistole sinken.
»Du kannst dich beruhigen, das waren nur leere Drohungen. Trotzdem rate ich dir, vorsichtig zu sein. Man weiß nie, wozu Menschen fähig sind, wenn man sie bis aufs Blut reizt. Und jetzt verschwinde von hier!«
Die Menge weicht auseinander, um ihr einen Weg zum Ausgang freizumachen, und zaghaft erheben sich einige feindselige Rufe. Bald erliegen die Partygäste dem Gruppendruck und bringen lautstark ihre Missbilligung zum Ausdruck.
Wenn ich mir noch nicht sicher gewesen wäre, bei allen Studenten verhasst zu sein, dann wäre das spätestens jetzt beschlossene Sache.
»Sie schreien nicht gegen dich«, flüstert Clarke mir ins Ohr, »sondern gegen sie.«
Als mir klar wird, dass er recht hat, richte ich mich auf. Ihre Beleidigungen gehen nicht gegen mich.
»Du hast dir aller Respekt erworben«, fährt der Devil’s Son mit stolzer Stimme fort. »Jetzt fürchten sie dich.«
Plötzlich spüre ich das Gewicht der Waffe in meiner Hand und gebe sie hastig ihrem Besitzer zurück. Die Extreme, die ich heute Abend erlebt habe, widern mich an. Mein Verhalten ist lächerlich, genau wie das der anderen. Sie fallen über dieses Mädchen her, doch sie hassen nicht sie. Sie hassen mich. Wie Clarke gesagt hat, mache ich ihnen Angst, und aus diesem Grund wollen sie mich beschwichtigen. Sie fühlen sich verpflichtet, so zu handeln, und deswegen verfluchen sie mich.
»Mache ich dir auch ein wenig Angst?«, stichle ich, um mich zu entspannen.
»Ja, aber das ist nichts Neues.« Das sagt er zutiefst ernst, was mich wenigstens amüsiert. Er verschlingt die Finger mit meinen und zieht mich hinaus, zu unseren Freunden. Jetzt bemerke ich ihre fassungslosen Mienen. Tucker, dieser Schwachkopf, setzt sogar ein Knie auf die Erde, bis sein überdimensionales Ego ihn wieder zur Ordnung ruft.
»Das war wundervoll«, flüstert Sean beeindruckt.
Ich verziehe das Gesicht; nicht wegen seiner Bemerkung, sondern weil ich eine Person kommen sehe, deren Existenz ich ganz vergessen hatte.
Nora.
»Lieber Gott, Avalone, ich suche schon seit Stunden nach dir!«, meint sie vorwurfsvoll. »Außerdem lässt der Empfang durch die Bürger von Ann Arbor zu wünschen übrig, wenn du meine Meinung hören willst …«
Als sie feststellt, dass ich in Begleitung der Gang bin, verkneift sie sich weitere Kritik, die ihr offensichtlich auf der Zunge liegt, und legt eine gewisse Leutseligkeit an den Tag. »Ich bin Nora, Avalones beste Freundin«, erklärt sie an die Allgemeinheit gerichtet; genauer gesagt an die, die noch nicht die Ehre hatten, ihr zu begegnen.
»Beste Freundin?«, ruft Lola, die vor Eifersucht außer sich ist.
Ich seufze und übernehme die Vorstellung. »Lola, das ist Nora, meine ehemalige beste Freundin. Nora, das ist Lola, meine beste Freundin.«
Während dem Gast aus meiner Vergangenheit die Kinnlade herunterklappt, lächelt die Verkörperung meiner Gegenwart stolz und wirft sich in die Brust. Meine Mitbewohnerin könnte genauso gut vor der Nase ihrer vermeintlichen Rivalin herumstolzieren, das würde niemanden überraschen.
»Komm wieder runter«, spricht ihr Bruder sie an. »Du bist nur die beste Freundin. Wir dagegen sind ihre Familie.«
Mehr braucht es nicht, damit die kleine Brünette sich aufregt und sofort in die Luft geht. Nach all den Jahren, die sich die beiden jetzt schon zanken, hat sie ihre Lektion immer noch nicht gelernt. Set ist wie ein Matador, der ein rotes Tuch schwenkt und den Stier – Lola – unablässig zum Angriff reizt. Den Göttern sei Dank ist dabei noch niemand zu Tode gekommen. Es ist nur geschwisterliche Provokation. Eine merkwürdige, aber starke Form von Liebe.
»Du gehörst vielleicht zu ihrer Familie, aber glaubst du wirklich, sie würde dich vorziehen?«, gibt sie zurück.
Ihr Bruderherz will etwas antworten, doch kein Wort kommt über seine Lippen. Er sieht mich an und zieht fragend eine Augenbraue hoch, was ihm alle anderen Devil’s Sons nachtun.
So ein Mist …
»Damit das klar ist«, schaltet sich Ty ein. »Ich habe sie als Häufchen Elend aufgelesen und quer durch die Staaten begleitet, nachdem ihr sie alle verraten hattet! Ich habe ihr die Lust am Leben zurückgegeben, und wir haben uns sogar gemeinsam tätowieren lassen. Ich will ja nicht angeben, aber ich glaube, ich bin ihr bester Freund.«
Proteste kommen auf, und bald findet vor meinen Augen eine ganze Debatte statt. Jeder bringt seine Argumente vor, und Ty wickelt sie alle um den Finger und amüsiert sich über sie. Schließlich, nachdem jedes Gangmitglied zu Wort gekommen ist, wenden sie sich mir zu und verlangen, dass ich ein Urteil fälle.
Ich lasse einen halb belustigten, halb zärtlichen Blick über sie schweifen und finde dann die einzigen Worte, die das, was sie im Herzen tragen, zum Ausdruck bringen.
»Wir sind eine Familie. Im Herzen sind wir alle eins.«
Manche blähen den Brustkorb auf, andere lächeln. Genau, wie ich es erwartet hatte, erreicht diese Formel alle. Wir sprechen dieselbe Sprache; die der Liebe und Loyalität. Manche Menschen auf der Welt können die beiden Vorstellungen voneinander trennen, doch wir nicht. Die Jungs sind loyal geworden, bevor sie geliebt haben, während ich zu lieben gelernt habe, bevor ich ihnen meine Loyalität geschenkt habe. Aber letztendlich kommt es nicht darauf an, wie man dazu gelangt ist – das Endergebnis ist dasselbe. Was wir füreinander empfinden, ist so stark, dass nichts uns je wieder von der Gang trennen kann.
Ein erstes Schniefen bleibt unbemerkt, doch ein zweites lenkt unsere Aufmerksamkeit auf sich.
»Tucker …?«
Der Angesprochene wischt sich die feuchten Augenwinkel.
»Verdammt, Alter, heulst du etwa?«, fragt Set empört.
Es hagelt Spott und gutmütige Scherze.
»Sie hat recht, Jungs. Ich habe die schönsten Jahre meines Lebens an eurer Seite verbracht, und mich heute von euch zu verabschieden … das fällt mir wahnsinnig schwer! Hier ist schließlich mein Zuhause. Meine Stadt, mein Haus, meine Familie. Hier ist mein Platz, und ich schwöre feierlich, dass ich zurückkomme. Behaltet den Horizont im Auge, denn eines schönen Tages kehre ich über die Straßen von Ann Arbor zu euch zurück.«
Meine Tränen fließen in Strömen, und ich bin nicht die Einzige in einem so beklagenswerten Zustand. Justin weint um den Fortgang seines besten Freundes. Das Gleiche gilt für Sean, der sich allerdings zurückhält. Ty, Lola und Set haben feuchte Augen.
Clarke, dem bewusst ist, dass sein Bruder leidet, beugt sich zu ihm hinüber. »Deine Stadt, dein Haus, deine Familie«, erklärt er nachdrücklich. »So wird es immer sein. Dass du fortgehst, bedeutet kein Ende. Du wirst jeden Tag hier sein, in unseren Herzen. Und wir werden jeden Tag dort sein.« Er zeigt auf Tuckers Brust. »In deinem Herzen. Die Entfernung bedeutet praktisch nichts, denn wie Avalone es so schön ausgedrückt hat, sind wir eins.«
Wir sind alle wie vom Donner gerührt über seine Rede. Es ist allgemein bekannt, dass er von Natur aus schweigsam ist; da ist es verblüffend, wenn er sich so wortreich ausdrückt.
Gerührt holt der Devil mit dem überdimensionierten Ego tief Luft. »Danke, Kumpel. Du weißt schon, dass ich dich liebe, oder?«
»Halt die Klappe und verlang nicht zu viel von mir.«
Jetzt weicht Gelächter den Tränen. Der ernste, verbitterte Clarke ist wieder da, und um die Wahrheit zu sagen, erleichtert mich das. Mit ihm weiß ich umzugehen; ich kann den Ausdruck seiner schwarzen Augen und die Geheimnisse deuten, die darin verborgen sind; ich komme mit seinem feindseligen Verhalten zurecht. Doch wenn er sich von einer neuen Seite zeigt, werden meine Gewissheiten erschüttert.
Tucker trocknet sich die Wangen und sieht dann jeden Einzelnen von uns eindringlich und ernst an. »Ihr müsst mir auch versprechen, dass ihr überlebt; genau so, wie ihr seid. Versprecht mir, aufeinander aufzupassen und gemeinsam alle Hindernisse zu überwinden.«
»Versprochen!«, erklären wir im Chor, mit lauter Stimme und vereint.
Zufrieden richtet er sich auf und schenkt uns das strahlendste Lächeln der Welt. »Auf geht’s! Darauf trinken wir! Hey, Alter, bring uns eine Flasche …«
Lola stößt einen durchdringenden Schrei aus, als sie ihre Lieblingsmusik hört, fleht mich an, mit ihr auf die Tanzfläche zu gehen, und verspricht mir dafür ihre rechte Niere – daran werde ich sie auf jeden Fall in ein paar Jahren erinnern. Sie zieht mich hinter sich her in die Villa. Die Gäste weichen zurück und lassen uns großzügig viel Platz zum Tanzen.
Ich würde es nie laut zugeben, aber ich liebe diese neue Macht, die ich als Mitglied der Devil’s Sons habe, wenn ich schon keine über mein eigenes Herz habe.
Die Party geht bis zum Morgengrauen weiter. Inzwischen weist Tucker die Annäherungsversuche der Studentinnen ab und behauptet, er wolle seine letzten Stunden in Ann Arbor mit seiner Familie verbringen. Zum Beweis hat er mich in den Pool gestoßen und Lola fast ertränkt. Die Jungs sind uns zu Hilfe geeilt, und ein freundschaftlicher Kampf ist ausgebrochen. Tucker hat versucht, zusammen mit Justin die Hebefigur aus Dirty Dancing nachzuahmen, und zu meiner großen Überraschung hat es keinen Unfall gegeben. Sie haben es nicht nur geschafft, diese ikonische Tanzfigur aus dem Film nachzustellen, sie haben es sogar sehr elegant getan. Der Ehrengast hat uns dann mitten im Salon zum größten Entzücken der Frauen einen Striptease geboten. Sean musste sogar einschreiten, bevor er noch seine Boxershorts fallen ließ. Schließlich wurden im Garten Bierpong-Partien organisiert. Tucker und ich haben alle Runden gewonnen, bis er zu betrunken war, um auf die Becher unserer Gegner zu zielen.
Zu seiner Verteidigung muss gesagt werden, dass er alle Becher austrinken musste, die von Rechts wegen ich hätte leeren müssen.
Es ist fast fünf Uhr morgens, als ich sehe, wie Clarke auf mich zukommt. Unterwegs bleibt er stehen und hebt einen Fuß, um festzustellen, was er unter seiner Schuhsohle zerdrückt hat. Wie hypnotisiert starrt er die neongelbe, zu Krümeln zerquetschte Pille an und richtet dann einen finsteren Blick auf mich.
»Die gehört mir nicht, das schwöre ich bei Draupnir 5 !«
»Leute!«, ruft Tucker uns zu. »Dieser starke, schöne Mann muss sich aufs Ohr legen. Soll ich alle rausschmeißen, oder feiert ihr noch weiter?«
»Wirf sie raus«, gibt Clarke in düsterer Stimmung zurück.
Unser Freund dreht sich zu unseren Gästen um und legt die Hände um den Mund.
»Okay, ihr Haufen Säääuuuufer!«, brüllt er. »Die Party ist vorbei, verzieht euch von hier!« Obwohl er lallt, weil er so alkoholisiert ist, dringt sein Befehl an alle Ohren. Die Musik, die eben noch ohrenbetäubend war, verstummt ohne weitere Vorrede, und langsam räumen die Studenten die Villa. Doch alle entfernen sich lächelnd. Sie sind zufrieden.
»Ich habe zwei schöne Männer mit Beschlag belegt, wenn auch ein wenig zu alt für meinen Geschmack«, erklärt mir Lola. »Sie bringen mich zum Campus zurück.«
Ty zieht eine verärgerte Miene und tätschelt mit seiner Pranke den Kopf meiner Mitbewohnerin. Sein Alter ist für ihn ein wunder Punkt, und durch den Alkohol, den er konsumiert hat, schmerzt ihn diese Erkenntnis noch stärker.
Gott sei Dank können sich die beiden darauf verlassen, dass Alec fährt. Er hat nur früh am Abend ein einziges Bier getrunken.
Ich umarme meine Freunde voller Zuneigung und danke ihnen für ihr Kommen. Clarke grüßt sie mit einem leichten Nicken. Er grübelt immer noch über die Sache mit der Droge nach, was mich ein wenig erstaunt. Eigentlich ist er niemand, der Fehler aus der Vergangenheit, die keine großen Auswirkungen hatten, wieder aufwärmt.
Wir sehen zu, wie die letzten Studenten durch die Tür gehen, dann dreht er sich auf dem Absatz um.
»Ich übernehme es, die Security zu bitten, noch eine Runde zu drehen«, erklärt er mir über die Schulter, »um sicherzugehen, dass niemand in der Umgebung zurückbleibt.«
Der Boss wird von unseren Ausschweifungen erfahren, falls das noch nicht passiert ist. Wenn sein zweiter Mann jetzt ohne Erlaubnis in sein Büro geht, wird das auch nichts ändern. Sobald die Sonne aufgeht, wird man in der ganzen Stadt nur von der großen Party reden, die bei Carter Brown stattgefunden hat.
Doch so lange weigere ich mich, an die Strafe zu denken, die mein Patenonkel über uns verhängen wird. Das wird schon schlimm genug, ohne dass ich mir deswegen noch zusätzlich den Kopf zerbreche.
Set, Jesse und ich inspizieren die Villa, um eventuelle Nachzügler hinauszuwerfen, falls welche da sind. Merkwürdigerweise treffen wir auf keine widerspenstigen oder sturzbetrunkenen Studenten. Nur die Gang bewegt sich zwischen diesen Mauern.
Sie wissen genau, dass man sich nicht zu lange in der Höhle des Löwen aufhalten darf. Niemals.
Vor Müdigkeit habe ich ganz schwere Augen, daher überlasse ich es den Jungs, Tucker ins Bett zu stecken, und gehe in mein Zimmer.
Alles ist so ruhig, dass es beinahe befremdlich wirkt.
Ich schließe die Tür hinter mir und treffe Clarke dabei an, wie er am Fenster steht und zum Himmel aufsieht. Seine Haltung verrät mir, dass er nicht in der Defensive ist, aber etwas treibt ihn trotzdem um.
»Das ist alles Vergangenheit«, flüstere ich.
»Ich weiß, und ich habe deine Beweggründe verstanden … Herrje, du …« Er führt eine Hand an sein Gesicht und reibt sich nervös das Kinn.
Ich trete zu ihm und bringe ihn dazu, sich umzudrehen, sodass er mich ansieht. »Sag mir, was du empfindest.«
Er öffnet den Mund, doch das Schweigen zieht sich in die Länge. Es fällt ihm immer noch genauso schwer, sich auszudrücken; seine Gefühle zu teilen.
Ich ermuntere ihn, indem ich die Finger mit seinen verflechte.
»Vorher kam mir das irreal vor«, beginnt er. »Weil ich … weil ich das Böse nicht mit eigenen Augen sah, existierte es nicht. Dein Lächeln war so strahlend, dass es das Dunkel und seine Untaten verdrängte. Und dann hast du es verloren, und einige Tage lang konnte ich deine Schwächen sehen. Seitdem ist es mir zur zweiten Natur geworden, um dein Leben zu fürchten. Ich bin mir bewusst, dass es vollkommen legitim ist, sich Sorgen um seine Partnerin zu machen, aber Tatsache ist, dass das weit über einfache Sorge hinausgeht. Ich kann mich nicht mehr darauf verlassen, Avalone! Das ist die reine Folter!«
Seine Worte, die ich nicht verstehe, und seine niedergeschlagene Miene erwecken mein Misstrauen. Ich mustere ihn stirnrunzelnd und schaffe einen Sicherheitsabstand zwischen uns, den mein Selbstschutz mir eingibt.
»Wovon redest du, Clarke?«
Er seufzt, und seine Schultern sacken nach vorn. »Ich rede von deiner Krankheit, Avalone. Von deinem Herzen. Ich kann ihm nicht vertrauen. Niemals. Keinen Augenblick. Es ist wunderschön, und ich liebe es … aber es ist auch mein größter Feind.«
Vor Verblüffung sauge ich scharf die Luft ein, gefolgt von einem unangenehmen Druckgefühl in der Brust. Das Organ, das darin schlägt, dieses Ding, das mich eines Tages dem Mann, den ich liebe, entreißen wird, schmerzt. Und als ich in die grünen Augen des Devil’s Sons sehe, begreife ich, dass es seinem Herzen, obwohl es gesund ist, genauso ergeht.
»Clarke, ich …«
»Ich muss an die frische Luft.«
»Kommst du wieder?«, frage ich. Es klingt flehend.
Er bleibt im Türrahmen stehen und sieht mich verblüfft an. »Was? Avalone, ich … Natürlich, es geht nicht um … Ich gehe bloß frische Luft schnappen, okay?«
Erleichtert nicke ich und stelle meinen eigenen Standpunkt klar, bevor ich noch den Rest meines Selbstbewusstseins verliere. »Ich bin Avalone Arinson. Ich bin entschlossen, ich bin eigensinnig und wohlwollend, und ich kann sowohl entzückend als auch abstoßend sein. Wenn ich glaube, allein zu sein, tanze ich, wie es mir gefällt, ich verbrenne mir immer noch die Zunge an heißen Getränken und hege eine bedingungslose Liebe zu zwölf Zentimeter hohen Absätzen und zu Lehrbüchern. Ja, ich habe eine Krankheit. Aber ich bin nicht diese Krankheit. Sie definiert nicht, wer ich bin. Ich habe vor zu leben, weil ich noch viel erreichen will, und wenn ich Geschichte machen kann, hätte ich nichts dagegen!«
Ich entziehe mich seinem Blick und schließe mich hastig im Bad ein. Einen Moment lang fühlte ich mich in meinen Erinnerungen zurückversetzt, in jene Zeit, als Nora und meine Freunde sich von mir abgewandt hatten. Einen Moment lang hatte ich den Eindruck, Clarke werde vor Angst, dass ich ihn bei meinem Sturz mitreißen könnte, ihren Spuren folgen.
Nein. Er würde mich nicht im Stich lassen …
Er hat seine Fehler, doch ein Feigling ist er nicht.
Ich gehe duschen und lasse zu, dass das Wasser meine Gedanken wegschwemmt. Die Vergangenheit ist vorüber. Heute bin ich Teil einer liebenden, loyalen Familie, die aus wunderbaren Persönlichkeiten besteht. Sie werden nicht zulassen, dass ich mich meinem Schicksal allein stelle.
Entspannt, obwohl ich immer noch dieses Gewicht auf der Brust spüre, gehe ich wieder ins große Zimmer und schlüpfe unter die Decken. Ich drücke den Lichtschalter über meinem Kopf, doch ich versuche, nicht zu schlafen. Solange der Mann, den ich liebe, nicht wieder bei mir ist, wird mir das nicht gelingen.
Es dauert nicht lange, bis Clarke zurückkommt. Die Tür öffnet sich, und in dem Licht, das aus dem Flur einfällt, erblicke ich seinen nackten Oberkörper, über den noch ein paar Wassertropfen laufen.
Er schließt sie hinter sich, sodass es im Zimmer wieder dunkel wird, und dann senkt sich die Matratze unter seinem Gewicht. Ich zähle lautlos bis vier, und dann schlingt der Devil’s Son einen Arm um meine Taille und zieht mich an sich. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass mir kalt war, bis ich seine Körperwärme wieder spüre. Ich glaube, ich brauche sie inzwischen wie Luft zum Atmen.
Er streicht mit den Lippen über meine nackte Schulter und drückt einen Kuss darauf. »Ich wollte dich nicht kränken.«
»Du hast ja recht, Clarke. Mein Herz wird mit jedem Tag schwächer, das ist ja gerade das Problem bei einer Herzinsuffizienz. Ich bitte dich nur, mich nicht so anzuschauen, als wäre eins meiner lebenswichtigen Organe eine tickende Zeitbombe, okay? Nicht auch noch du, bitte …«
Er umarmt mich ein wenig fester, als wolle er mich vor meinen eigenen Schwächen beschützen. »Man sagt, dass der Geist auch einen Einfluss auf die Krankheit hat. Deiner ist stark genug für mehrere Leben. Ihm vertraue ich, und darauf werde ich all meine Hoffnungen setzen.«
Gerührt drehe ich mich auf den Rücken und lächle ihm zu. Diese Art von Lächeln, in dem das Glück leuchtet und das keine Tragödie auslöschen kann. »Ich bin glücklich, Clarke. Was kommt, ist nicht so wichtig, ich werde nichts bereuen.«
Er zuckt zusammen, und obwohl es fast dunkel ist, sehe ich, wie er mich durchdringend und düster mustert. »Ich verbiete dir, einfach davon auszugehen, dass du bald sterben wirst.«
Er akzeptiert es immer noch nicht, obwohl das mein Schicksal ist. Eines Tages wird er begreifen, und ich hoffe, dass auch er nichts von dem, was wir miteinander geteilt haben, bereuen wird.
»Es wäre wirklich unhöflich von dir, mich auf dem Weg zurückzulassen«, murmelt er.
Ich breche in lautes Gelächter aus, in dem sich Belustigung und Verblüffung mischen. Clarke ist eigentlich niemand, der über den Tod scherzt, das hasst er, und doch klang das gerade so spontan!
»Mist, du kannst ja komisch sein, wenn du willst!«
