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Elma Tompson erwacht aus der Kryostase. Sie hat weder Erinnerungen daran, wo sie ist, noch an ihr Leben vor dem Schlaf. Die Einrichtung, in der ihr Kryosarg steht, ist heruntergekommen und verlassen. Verwirrt durchstreift sie die leeren Gänge, bis es zu einem Einsturz kommt, der sie in die Tiefe reißt. Als sie ihr Bewusstsein wiedererlangt, hat sich die Umgebung radikal verändert. Sie sieht in einen wolkenlosen Himmel und spürt Wasser ihre Beine umstreifen. Über sie beugt sich ein Mann. Er stellt sich als Rainold Bless vor, hat sie aus dem kühlen Nass gezogen und wiederbelebt. Seiner Erzählung zufolge, teilt er Elmas Schicksal. Für die unfreiwilligen Gefährten beginnt die Suche nach Antworten. Denn die fremde Umwelt hat noch mehr Überraschungen parat, als eine endlos scheinende Sandwüste mit einer Sonne, die nie den Horizont berührt. The Lost - Ein Survival Science-Fiction Abenteuer
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Alica Sullivan
Das Buch:
Elma Tompson erwacht aus der Kryostase. Sie hat weder Erinnerungen daran, wo sie ist, noch an ihr Leben vor dem Schlaf.
Die Einrichtung, in der ihr Kryosarg steht, ist heruntergekommen und verlassen. Verwirrt durchstreift sie die leeren Gänge, bis es zu einem Einsturz kommt, der sie in die Tiefe reißt.
Als sie ihr Bewusstsein wiedererlangt, hat sich die Umgebung radikal verändert. Sie sieht in einen wolkenlosen Himmel und spürt Wasser ihre Beine umstreifen. Über sie beugt sich ein Mann. Er stellt sich als Rainold Bless vor, hat sie aus dem kühlen Nass gezogen und wiederbelebt. Seiner Erzählung zufolge, teilt er Elmas Schicksal.
Für die unfreiwilligen Gefährten beginnt die Suche nach Antworten. Denn die fremde Umwelt hat noch mehr Überraschungen parrat, als eine endlos scheinende Sandwüste mit einer Sonne, die nie den Horizont berührt.
The Lost - Ein survival Science-Fiction Abenteuer
Der Autor:
Alica Sullivan ist ein Literatur-, Musik- und Lyrikprojekt. In den Büchern von Alica findet der Leser intensive Gefühle und facettenreiche Charaktere. Hin und wieder ist auch Liebe im Spiel!
The Lost Band 1
Survival – Kurzroman
1. Edition, 2024
© 2024 Alica Sullivan &
Chaos Books Publishing
Pommernring 6a
23569 Lübeck
www.matthiaslange-autor.de
www.chaosbooks.de
ISBN: 978-3-911624-10-7
ISBN(E-Book): 978-3-759256-42-3
Cover: Matthias Lange
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 – Erwachen 9
Kapitel 2 – Die Oase 29
Kapitel 3 – Überlebenskunst 47
Kapitel 4 – Die Höhle 57
Kapitel 5 – Der Wartende 67
Kapitel 6 – Die Wüstensphäre 87
Kapitel 7 – Aufkommende Nervosität 101
Kapitel 8 – Auf dem Weg 115
Kapitel 9 – Weiße Wut 127
Kapitel 10 – 1. Erinnerung 149
Kapitel 11 – In Ketten 157
Kapitel 12 – Die Architektin 171
Kapitel 13 – Die Arena 183
Kapitel 14 – Das Ende 207
Es war ein gleichbleibender Ton, den sie als Erstes hörte. Ein schrilles Signal, welches zwischen ihren Ohren widerhallte und Schmerzen bereitete. Wenn sich der Ton aufbäumte, dann kam es ihr wie ein Schlag vor, der von innen gegen ihre Schädelwände donnerte.
Ihre Lider zuckten. Bewegten sich auf und ab, unfähig, sich zu öffnen. Etwas hatte sie verklebt. Dann – ein Licht, was durch den schmalen Spalt zwischen ihren Wimpern hindurchdrang. Es war rot und gewann an Intensität, bis es wieder erlosch.
Sie blinzelte mehrmals, bis sie endlich die Augen öffnen konnte. Unfähig, die Umgebung, die sie umgab, gänzlich zu erfassen, versuchte sie sich zu bewegen, doch scheiterte. Ihre Hände und Füße waren fixiert. Aber selbst wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, so hätte sie kaum Bewegungsspielraum gehabt.
Der Raum, oder besser gesagt, das Behältnis, in dem sie sich befand, war kaum größer als sie selbst. Nur ein kleines rechteckiges Fenster vor ihrem Gesicht erlaubte den Blick nach draußen in eine trübe, kaum sichtbare Umgebung.
Mit Armen und Beinen zerrte sie an ihrer Fixierung, ohne Erfolg. Sie senkte den Kopf, um an sich hinabzusehen. Ihr Blick fiel zwischen ihren Brüsten hindurch auf ihre Füße. Keine Kleidung, stellte sie fest. Um ihren Bauch war so etwas wie ein Riemen geschnallt. Das Gleiche galt für Arme und Beine.
Ehe sie weiter über ihre Situation nachdenken konnte, ertönte ein Zischen. Die Front des Behältnisses schwenkte langsam auf. Kälte strich ihre Haut entlang und die feinen Härchen stellten sich auf. Ein Schauer glitt ihre Beine empor, fuhr über Becken, Bauch und Brüste. Sie fühlte, wie es an ihren Brustwarzen zog, die sich aufstellten, der Kälte entgegen reckten.
»Strahlungsleck! Evakuierung erforderlich. Notfallprotokoll eingeleitet. Kryokammern eins bis zehn werden geöffnet – unbekannter Fehler ist aufgetreten. Strukturelle Integrität gefährdet.«
Das war die Stimme einer Frau!
Sie blinzelte erneut und sah nach draußen in die vom roten Licht beleuchtete Umgebung. Rauch behinderte die Sicht, oder war es Nebel? Das war schwer zu unterscheiden. Ihr Sichtfeld war getrübt und in ihren Gliedern manifestierte sich eine zunehmende Schwäche. Selbst das Bewegen ihrer Finger strengte sie über alle Maße an, vom Drehen des Kopfes ganz zu schweigen.
Ein Surren drang in ihre Ohren. Im Augenwinkel bemerkte sie eine Bewegung. Aus der Seitenwand ihres geöffneten Gefängnisses löste sich eine Art mechanischer Arm. Er war klein und filigran. An seiner Spitze befand sich eine lange Nadel.
Jede Bewegung dieses Apparates verursachte ein erneutes Surren. Der Arm richtete die Nadel auf ihren Brustkorb aus und verharrte einige Sekunden. Dann stieß er mit Schwung zu und durchbohrte ihre Brust.
Ihr Herz machte den Anschein zu explodieren. Arme, Beine, ja ihr gesamter Körper sprühte auf einmal vor Energie. Ein Keuchen entstieg ihrem Mund. Sie atmete schneller und ihre Lider wurden in einem Anfall von Panik aufgerissen. Die Fixiergurte lösten sich und ihr Körper kippte nach vorn.
Den Schmerz des Aufpralls bemerkte sie gar nicht. Ihre Haut glühte auf einmal. Jegliche Kälte war verschwunden. Ein paar Atemzüge blieb sie auf dem Boden liegen. Dann erst wagte sie, ihre Arme zu bewegen, um sich hochzustemmen. Es gelang ihr leichter als erwartet.
Mit einem Stöhnen erhob sie sich. Der anfängliche Energieschub, den die Nadel ausgelöst hatte, ebbte ab. Sie fühlte sich wach, jedoch nicht so elend wie noch vor einigen Sekunden.
Die Umgebung war schwer zu erkennen. Der Boden bestand aus einem Metallgitter. Wände und Decke waren aus einem Guss. An einigen Stellen waren Fugen zu sehen und Nieten. Das Metall war angelaufen und auf ihm hatten sich raue Flecke gebildet. Das Licht ließ keine weiteren Schlüsse zu. Es leuchtete immer noch in einem gleichbleibenden Intervall und legte die Umgebung in einen roten Schleier. Die einzigen Lichtquellen waren rechteckige Flächen, die neben den Apparaten angebracht waren. Aus dem hinter ihr war sie entsteigen.
Das waren Bildschirme, erkannte sie. Das Display war staubig und nachdem sie die Oberfläche mit ihren Fingern abgewischt hatte, leuchtete es noch kräftiger. Die Abbildung war gestört und flackerte immer wieder, doch sie konnte die Schriftzeichen lesen:
Name: Elma Tompson
Geschlecht: Weiblich
Alter: 28
Version: 3b – FEHLER FFF######FE
#######################
Funktionsbereich: Sicherheit
Achtung: maximale Zeit in Kryostase überschritten um [FEHLER: OUT OF RANGE]. Synaptische Degeneration eminent – partielle Stimulation synaptischer Bahnen initiiert – Fehler: Gedächtnisengramme zeigen substanzielle Fragmentierung.
#DATEN UNVOLLSTÄNDIG – Sicherheitsverstoß – Protokoll unvollständig
#Daten konnten nicht abgerufen werden. Grund: Kein Zugriff auf Personaldatenbank möglich! Physischer Schaden vermutet.
!ACHTUNG! – Strahlungsleck vorhanden! Notfallabschaltung der Kryokammern eingeleitet. Jegliches Personal wird aufgefordert, den Bereich umgehend zu verlassen!
Elma Tompson – das war ihr Name. Er hatte etwas Vertrautes, empfand sie. An mehr erinnerte sie sich nicht. Weder, warum sie hier war, oder um was es sich bei dem Hier überhaupt handelte.
Verwirrt sah Elma sich weiter um. Das Metall der Wände war im hinteren Teil des Raumes verbogen und Felsbrocken waren auf die Kryokammern gestürzt. Vereinzelt sprühten Funken und zeugten von der letzten verbliebenen Lebensenergie der Zellen. Die Kammer neben der, aus der Elma gekommen war, wies einen deutlichen Schaden im Sichtfenster auf. Das Gestein hatte die Scheibe durchschlagen. Als sich die Frau näherte und einen Blick riskierte, sah sie einen Körper. Die Insassin war tot. Ihr Kopf war zur Seite gedrückt worden und Blut lief ihr über das Gesicht, verklebte ihre schwarzen Haare. Sie war nackt, wie auch Elma. Ihre Augen starrten aufgerissen ins Leere. Der Einbruch musste gerade erst geschehen sein, schlussfolgerte sie.
Mit ihrer rechten Hand nahm sie eine Strähne ihres Haares und musterte es kurz – ebenfalls schwarz. Sie wandte den Blick ab und sah sich weiter um.
Hinter ihr befand sich ein Schott. Der Ausgang aus diesem Raum war also zum Glück nicht von Felstrümmern versperrt, wenn es denn der Ausgang war.
Das Metallgitter des Bodens klapperte unter ihren nackten Füßen. Mit unsicheren Schritten näherte sich Elma der Tür. Kurz schweifte ihr Blick über das Metall, bis er auf der Konsole links von ihr hängenblieb. Auf ihr leuchtete ein Knopf in Weiß, schwach, aber dennoch deutlich zu erkennen. Instinktiv legte sie ihren Finger auf das Leuchten. Ein Ton erklang und durch die Tür ging ein Ruck. Sie öffnete sich ein Stück, fuhr nach oben und blieb schlussendlich stecken. Kurz darauf schloss sie sich wieder, um sich erneut zu heben.
Ein Kratzen von Metall erklang und Elma biss die Zähne aufeinander. Das Material kreischte förmlich wie vor Schmerzen, als es erneut auf einen Widerstand stieß. Diesmal quälte sich die Tür weiter, auch wenn sie immer langsamer nach oben fuhr. Schließlich blieb sie stecken und das Licht auf der Anzeige, die Elma betätigt hatte, glich sich dem der Umgebung an, rot.
Die Frau wartete einen Moment, um sicherzugehen, dass sich das Schott nicht wieder unverhofft schloss, durchschritt es dann hastig.
Der Raum, in den der Durchgang führte, war ebenfalls aus Metall. Decke und Wände waren intakt. Mittig verlief ein weiß leuchtender Streifen an der Decke entlang, der die Umgebung in trübes Licht tauchte. Staub wirbelte auf und Elma hielt sich die Hand vor Nase und Mund. Ein Husten konnte sie dennoch nicht unterdrücken.
Das Abteil schien lediglich ein länglicher Durchgang zu sein. Auf der anderen Seite erkannte man eine weitere Tür.
Elma setzte ihren Weg fort und blieb neben etwas, was auf dem Boden lag, stehen.
Von Staub bedeckt, lag dort eine Person. Der Kopf lehnte an der Metallwand. Sie musste schon ewig hier liegen, denn die Staubschicht, die sich auf dem Körper gesammelt hatte, war einige Zentimeter dick.
Ihrer Größe nach, überragte sie Elma um mehr als zwei Köpfe. Das Individuum war weiblich, was man aufgrund der hautengen Bekleidung erkennen konnte. Elma bückte sich und entfernte vorsichtig den Staub von dem Leichnam. In ihrer Nase kribbelte es und wenig später ergab sie sich dem Drang zu Niesen.
Das Material am Körper der Leiche war spröde geworden und zerbrach knisternd unter den Berührungen. Auf gewisse Weise beruhigte das die Frau, denn Kleidung von einer Toten zu fleddern, widerstrebte ihr.
Obwohl der Leichnam nach Elmas Schätzung schon eine Ewigkeit hier lag, erkannte sie keine Anzeichen der Verwesung. Das Gesicht der Frau war kreidebleich. Ihre Augen starrten wie pechschwarzes Obsidian ins Leere.
Elma Tompson fragte sich, ob sie hier wirklich einen Menschen vor sich sah. Für einen Moment imaginierte sie das Bild von sich selbst vor ihrem geistigen Auge. Sie wusste, wie Männer und Frauen aussahen. Bei der Vorstellung ihres eigenen Körpers kam sie jedoch an eine unsichtbare Grenze. Sie hatte weder ein Bild ihres eigenen Gesichtes noch ihres Körpers.
Langsam erhob sich die Frau und sah an sich herab. Sie drückte ihre Brust beiseite, fuhr mit der Hand ihren Bauch hinab und wandte sich dann ihrem Hinterteil zu. Weder der Leberfleck seitlich ihres rechten Knies, noch andere körperliche Merkmale kamen ihr bekannt vor.
Der Bildschirm neben der Kryokammer kam ihr in den Sinn und damit die darauf abgebildeten Informationen. Ihr Gedächtnisverlust musste damit zusammenhängen, fügte sie die Teile zusammen.
Die Tür auf der gegenüberliegenden Seite hatte keine Probleme, sich zu öffnen. Dennoch gab das Metall ein widerliches Schaben von sich, welches Elma die Nackenhaare zu berge steigen ließ.
Vor ihr lag ein Gang, deren Ende sie trotz des Lichtes nicht sehen konnte. Der weiße Streifen an der Decke flackerte an einigen Stellen. In Teilbereichen war er erloschen und Finsternis legte sich auf diese Abschnitte.
Elma schritt bedächtig weiter. Wasser tropfte von der Decke und es roch muffig. An den Metallwänden hatte die Flüssigkeit einen schmierigen Film gebildet, der das Material angriff und verfärbte.
Ein Schild säumte den Weg: ›Kryoeinheit 145b‹
Daneben stand eine halb so breite Tür, wie die, die sie durchquert hatte, offen. Mit zusammengekniffenen Augen starrte die nackte Frau in die Dunkelheit. Wasser plätscherte. Auf Augenhöhe hing ein weiteres Schild im offenen Durchgang. Es war braun verfärbt und der Rost lief die darunterliegenden Fliesen herab. Die Inschrift war nicht mehr lesbar.
Weiter hinten flackerte ein Licht. Elma fragte sich, ob sie es wagen sollte, in die Dunkelheit zu treten. Die Aussicht, den scheinbar endlosen Hauptgang weiterzugehen, bestärkte sie bei ihrer Entscheidung.
Der Gestank von Moder und abgestandenen Wasser wurde hier stärker. Das Metallgitter des Bodens verwandelte sich in einen schmierigen Untergrund. Ekel kam in ihr auf und sie ertappte sich dabei, schneller zu gehen. Sie glitschte ab und hätte fast das Gleichgewicht verloren.
Ein paar Meter weiter gelangte sie an einen zweiten offenen Durchgang. Hier flackerte das Licht und bot zumindest zeitweise den Blick auf die Einrichtung preis. Es handelte sich um eine Dusche. Im vorderen Bereich standen die verrosteten Metallgerippe von Sitzbänken. An den Wänden befanden sich Spinde, die zum Teil offenstanden, oder denen gänzlich die Türen fehlten. Überall hatte sich eine bräunliche Substanz abgesetzt und bildete ein Geflecht, welches Spinnenweben glich.
Elma ging weiter und suchte in den Spinden nach etwas Brauchbarem. Die Kleidungsstücke und andere Utensilien waren alle bis zur Unkenntlichkeit verrottet. Die Frau wagte es nicht, die braune Substanz zu berühren, obwohl sie bereits mit den Füßen in ihr stand. Angewidert wandte sie sich ab.
Der Untergrund schmatzte mit jedem Schritt, den Elma tat und sich einem Waschbecken näherte. Über einer schmalen Ablage aus sprödem Keramik hing ein verdreckter Spiegel. Nach einem Zögern hob Elma die Hand und wischte über die Fläche. Verkrusteter Staub rieselte herab, gab jedoch den Blick auf eine angelaufene Spiegelfläche frei.
Die Frau, die sie im flackernden Licht anblickte, kam ihr bekannt vor. Sie drehte den Kopf in unterschiedliche Richtungen und musterte sich. Dunkle, braune Augen und schwarzes Haar, welches ihr über den Schultern lag.
Eine Erinnerung blitzte vor ihren Augen auf. Sie saß auf einem Bett und blickte ebenfalls in einen Spiegel. Nur war dieser viel größer. Eine Schrankwand schlussfolgerte sie. Sie trug Kleidung. Es war etwas Förmliches, vielleicht eine Uniform. Auf ihren Schultern prangten Rangabzeichen, doch sie verstand ihre Bedeutung nicht.
Möglicherweise würden ihre Erinnerungen zurückkehren. Es brauchte vermutlich Zeit.
Ein Geräusch ließ die schwarzhaarige Frau zusammenfahren. Es kam aus einer der Duschen, doch dort war nichts. Bei näherem Hinhören stellte es sich als Glucksen heraus. Das mussten die alten Wasserleitungen sein.
Sie drehte sich wieder um, woraufhin erneut das Geräusch ertönte, nur diesmal wesentlich lauter.
Unter ihren Füßen ging ein Schlag durch den Boden. Elma verlor den Halt und stürzte, konnte sich gerade noch mit den Händen abfangen.
Panisch sah sie sich über die Schulter. Das Geräusch wurde lauter und nahm immer mehr die Gestalt eines bedrohlichen Knackens an. Wie das Nachgeben von Metall schlussfolgerte die Frau.
Mit einem Mal sackte der Untergrund ein. Fliesen splitterten und Elma schlitterte auf dem schmierigen Boden in Richtung des Senkloches, welches sich an ihren Füßen auftat.
Verzweifelt suchte sie mit den Händen Halt, bekam jedoch nichts Brauchbares zu fassen. Ein ohrenbetörendes Donnern war zu hören und die schwarzhaarige Frau fiel hinab in die Tiefe.
Eiseskälte umschloss ihren Körper und sie japste nach Luft. In ihre Lungen geriet Flüssigkeit, welche sie zum Husten brachte. Sie strampelte, wurde um ihre eigene Achse gedreht und rutschte weiter auf einer schmierigen Oberfläche entlang.
Ein letztes Mal rang sie nach Luft. Ihre Lungen füllten sich und kalte Schwärze hüllte sie ein.
In ihren Ohren rauschte das Wasser. Sie wusste nicht, wo sie war, traute sich nicht, die Augen zu öffnen. Ihre Lunge brannte wie Feuer. Der Drang einzuatmen war fast übermächtig. Bald schon würde sie sich dem hingeben und sterben, dachte sie ruhig.
Die Panik war bereits weit entfernt und Ruhe kehrte in ihren Geist ein. Sie schwebte. Und sie wurde eins mit ihrer Umwelt. Die Grenzen ihres Körpers dehnten sich aus. Sie hatte das Gefühl, in alle Richtungen zu zerfließen.
Dann hörte sie etwas Neues. Etwas, was sich durch das Wasser bewegte. Sie konnte Worte ausmachen, verstand sie jedoch nicht. Daraufhin öffnete sie die Augen.
Verschwommene Farben huschten durch Elmas Gesichtsfeld. Sie brauchte einen Augenblick, um zu verstehen, was sie sah. Es war Licht. Funkelndes Licht, welches durch die Wasseroberfläche zu ihr durchdrang. Sie hatte das schon einmal gesehen. Irgendwann in ihrem Leben. Dann legte sich ein Schatten über sie und etwas oder jemand packte sie unter die Achseln.
»Atmen, du musst atmen!«, erklang eine männliche Stimme.
Ihr Brustkorb fühlte sich an, als ob ein tonnenschwerer Stein auf ihm lag. Dann legte sich etwas Warmes auf ihre Lippen und mit einmal presste sich Luft durch ihren Hals und füllte ihre Lunge.
Elma hustete und drehte instinktiv den Kopf zur Seite. Wasser füllte erneut ihren Mund, doch diesmal stieg es aus ihrem Inneren empor und sie spuckte es aus.
»Gut, sehr gut. Ganz ruhig atmen.«
Der Schatten legte sich wieder in ihr Sichtfeld und verdeckte das gleißende Licht, welches sie selbst bei geschlossenen Lidern blendete.
Einen Moment lang blinzelte Elma, bis sich ihre Augen der Helligkeit angepasst hatten. Vor ihr erschien erst eine Silhouette, dann schälten sich mehr und mehr Konturen aus der schwarzen Masse.
Sie blickte in das Gesicht eines Mannes. Seine Augen wanderten hektisch umher und er atmete schwer. Als er ihren Blick bemerkte, entwich die Luft aus seinen Lungen und er ließ sich neben ihr nieder.
Mit einem Stöhnen richtete sich die schwarzhaarige Frau auf. Die Oberfläche an ihrem Rücken war warm. Die Finger ihrer Hände gruben sich in sie hinein und bald schon ordnete sie der Empfindung Sand zu. Feiner, warmer Sand. Sie hörte Wasser plätschern, es berührte ihre Fußsohlen.
Sie befand sich an einem Strand. Das dachte sie erst, den diese Annahme stellte sich als falsch heraus. Das Wasser an ihren Füßen war nicht breit genug. Möglicherweise handelte es sich um einen Fluss, denn sie konnte das andere Ufer erkennen und eine Reihe von Felsformationen, die sich nicht unweit des kühlen Nass erhoben.
Der feine Sand war bis auf die Stellen, wo der Felsen durch den Untergrund brach, allgegenwärtig. Palmen und Fahne säumten den Flusslauf, dessen Ufer vereinzelt mit Gräsern bewachsen war.
»Kannst du aufstehen?«, fragte ihr Retter.
Elma nickte und stemmte sich unsicher auf die Beine. Der Mann griff ihren Arm, um ihr zu helfen, doch die schwarzhaarige Frau wich zurück. Sie presste die Arme vor die Brust und musterte ihr Gegenüber mit einer Mischung aus Angst und Neugier.
Der Kerl war gut einen Kopf größer als sie. Seine dunkelblonden Haare trug er kurzgeschnitten und sie bildeten einen überraschend ordentlichen Seitenscheitel. Sein Gesicht war kantig und auf seinen Wangen prangten Bartstoppeln. In seinen Augen funkelte das Licht der Sonne, wobei sie seinen Blick als wohlwollend einschätzte.
Mit den Händen auf Höhe seiner Schultern erhoben, verharrte er vor ihr und schien abzuwarten, wie Elma reagierte.
»Wähh ... wähh ehhh«, stotterte sie. Es war für sie unmöglich, die Worte die sie sagen wollte zu artikulieren.
»Was?«, fragte der Mann und senkte langsam die Arme.
»Wähh ... lhh« Panik stieg in Elma auf. Sie fasste sich an den Hals, prüfte ihre Kehle auf Unversehrtheit. Doch da war nichts, keine Wunde oder anderweitige Beeinträchtigung.
»Bleib ruhig! Das ist wahrscheinlich eine Nachwirkung des Kryoschlafs.«
Elma zog die Brauen tiefer und starrte den Mann fragend an. Dieser drehte sich um und wies mit dem Daumen auf seinen Rücken.
Entlang seiner Wirbelsäule befanden sich so etwas wie schwarze Nieten. An seinem Nacken war eine größer und bei genauerer Betrachtung schien man dort etwas hineinstecken zu können.
»Kryoschlaf. Du hast ebenfalls solche Verbindungsports auf dem Rücken. Deine Haut, um die Öffnungen ist noch gerötet, weshalb ich darauf schließe, dass du gerade erst aufgewacht bist.«
Elma hob die Hand und berührte ihren Nacken. Da war tatsächlich eine Öffnung. Sie steckte einen Finger hinein und stieß kurz darauf auf einen Widerstand.
»Keine Angst, die Verbindungen sind jetzt verschlossen. Ansonsten wäre das auch fatal, wenn Wasser in dein Rückenmark laufen würde, oder?«
»Ehh! Mhh!«, machte Elma. Eigentlich wollte sie fragen, woher er das so genau wusste. Aufgrund ihres mangelnden Wortschatzes, deutete sie auf ihren Rücken, zeigte auf ihr Gegenüber und tippte daraufhin an ihre Schläfe.
»Woher ich das weiß?« Der Mann schien einen Augenblick überlegen zu müssen. »Das kann ich dir ehrlich gesagt gar nicht beantworten. Mein Gedächtnis weißt große Lücken auf. Deins offensichtlich auch, oder?«
Elma nickte.
»In Ordnung. Mein Name ist Rainold. Rainold Bless. Kennst du deinen?«
Die schwarzhaarige Frau nickte und kniete sich in den Sand. Mit der Handfläche wischte sie die Oberfläche glatt und schrieb ›Elma Tompson‹ auf den Boden.
»Elma, zum Glück war ich zur Stelle und habe dich aus dem Wasser gefischt. Wo kommst du her? Kannst du nicht schwimmen?«, fragte Rainold.
Seine Gesprächspartnerin überlegte, wie sie es erklären sollte, zuckte dann nur mit den Achseln.
»Wie lange bist du schon wach? Bei mir sind es jetzt gut vierzehn Tage.«
Sie hielt einen Finger in die Höhe.
»Ein Tag?«
Elma schüttelte den Kopf und deutete mit dem Zeigefinger eine Uhrendrehung an.
»Eine Stunde?«, platzte es aus Rainold heraus. Er sah sichtlich überrascht aus. »Dann kann deine Kryoeinrichtung nicht weit sein. Gab es dort noch andere Gerätschaften? Irgendetwas, was uns Aufschluss darüber geben könnte, wo wir sind?«
›Nein‹, zeichnete Elma in den Sand. ›Felseinsturz – Boden eingebrochen – Wasser – fast ertrunken‹
»Verstehe. Das Wasser ist tief. Ich konnte nie bis zum Grund tauchen. Es muss eine Verbindung zu deiner Kryokammer haben, durch die du hierher gespült wurdest.«
Elma sah sich weiter um. Die Sonne brannte auf ihrer Haut und es war wenigstens warm, wenn nicht schon heiß. Erfrieren würde sie ohne Kleidung nicht.
Der Himmel war weiß mit einem leichten Blaustich. Wolken gab es keine. In alle Richtungen wurde ihr Blick von Felserhebungen behindert.
»Wenn du dich fragst, wo wir sind, dann habe ich keine Antworten. Ich bin einen Tagesmarsch entfernt von hier erwacht. Hinter diesen Felsen erstreckt sich ein weitläufiges Sandmeer. Ich wäre fast verdurstet, bis ich auf diese Oase getroffen bin. Hier habe ich mich erst einmal niedergelassen. Mein Lager ist gleich da vorn.« Er deutete auf eine Stelle, nicht unweit vom Wasser entfernt.
Elma erhob sich nach seinen Worten und ihr Gesprächspartner setzte sich in Bewegung. Mit der Hand forderte er sie auf, ihm zu folgen.
Der Mann war nicht sonderlich muskulös, schlank gebaut und trug einen Lendenschurz aus Blättern geflochten. Sein Hinterteil war unbedeckt bis auf die feine Kordel aus Pflanzenfasern zwischen seinen Backen.
»Ähh«, machte die Frau auf sich aufmerksam.
Rainold sah sich über die Schulter.
Daraufhin ließ sie ihre Hand vor Brust und Schambereich kreisen.
»Du willst was zum Anziehen? Dann viel Glück. Ich habe etliche Versuche gebraucht, um mir das hier«, er zeigte mit beiden Händen auf seinen Unterleib, »zu flechten. Ich kann dir helfen, wenn du mich im Gegenzug beim Sammeln der Pflanzen unterstützt.«
Elma nickte übertrieben heftig und auf Rainolds Gesicht entstand ein Lächeln. Er mustere seine Begleitung ungeniert, ließ seinen Blick auf ihre Brüste und weiter nach unten gleiten.
Die dunkelhaarige Frau verschränkte die Arme und funkelte ihren Begleiter an.
Unter dem Schutz zweier Palmen befand sich Rainolds Lager. Ein morscher Stamm diente als Sitzbank. Nahe der Bäume erkannte Elma eine Art Loch im Boden, dass mit Blättern ausgelegt war.
»Das ist meine Schlafmulde. Die Blätter eines Baumes, der hier in der Umgebung wächst, sind sehr robust. Ich habe die ersten Nächte gefroren, bis ich feststellte, dass der Sand die Wärme zu halten scheint. Daraufhin habe ich eine Mulde gegraben, sie mit ein paar kräftigen Ästen stabilisiert und mit den Blättern ausgekleidet. Danach muss der Sand nur wieder aufgeschüttet werden.«
Elma hob die Brauen in die Höhe. Eine effektive Lösung, die ihr wahrscheinlich nach einiger Zeit ebenso gekommen wäre.
Der Mann deutete auf ein Geflecht aus Ästen. »Ich baue mir gerade einen Tornister, mit dem ich Proviant transportieren kann. Aber jetzt verwenden wir die Blätter erst einmal für deinen Lendenschurz.«
Vor dem Holzstamm lagen Werkzeuge. Elma identifizierte ein Steinmesser, ein paar Holzsplitter und einen Speer. Sie deutete auf die Waffen und ging in die Hocke.
›Gefahr?‹
»Wegen dem Speer und dem Messer? Die dienen eher meinem Sicherheitsbedürfnis. Ich habe in der näheren Umgebung weder Menschen, Tiere oder gar Insekten gesehen. Bis auf die Pflanzen scheinen wir die einzigen Lebewesen im näheren Umkreis zu sein.«
›Was essen?‹, schrieb Elma.
»Hier«, sagte Rainold und reichte seiner Begleitung eine Frucht.
Diese war Elma unbekannt. Womöglich konnte sie sich aber auch nur nicht an sie erinnern.
Ihr Begleiter griff den Gedanken auf. »Ich habe keine Ahnung, was das ist. Aber sie schmeckt süß. Ich habe es irgendwann gewagt sie zu essen, auch, wenn die Gefahr bestand, mich zu vergiften. Aber da ich noch lebe, scheint sie genießbar zu sein. Von dem Baum stammen übrigens auch die Blätter.«
Die Frucht hatte eine olivgrüne Färbung und ging an einigen Stellen ins Gelbe über. Das Fleisch ließ sich mit den Fingern eindrücken.
Zögerlich roch Elma an dem austretenden Saft. Ein süßlicher Duft umschmeichelte ihre Nasenlöcher. Ihr lief das Wasser im Munde zusammen und sie überkam der Drang, in das Fleisch zu beißen.
»Beim ersten Mal hat sie eine durchschlagende Wirkung, wenn du verstehst. Ich denke, dass liegt daran, dass unsere Verdauung erst einmal wieder in Fahrt kommen muss. Also nach der Zeit in der Kryokammer.«
Aus ihrer Magengegend vernahm Elma ein Grummeln. Sie nahm einen Bissen und hätte schwören können, sie hatte noch nie etwas Besseres im Leben gegessen. Erst jetzt bemerkte sie das volle Ausmaß ihres Hungers. Hastig schlang sie die Frucht herunter, ohne ausreichend zu kauen. Ihr Lohn war, dass sie sich verschluckte.
»Hey, hey, ganz ruhig! Ich habe noch mehr und in der Nähe wachsen die Dinger wie Sand am Mehr.«
Elma hielt inne und kaute erstmal ausgiebig. Dann setzte sie sich auf den Holzstamm.
›Kein Feuer?‹, zeichnete sie in den Sand.
Der Mann schüttelte den Kopf. »Mir ist es nicht gelungen, eines zu entfachen. Vielleicht hast du mehr Glück.« Er grinste schief und der Frau entging sein Blick zwischen ihre Beine nicht.
Sie schluckte das Stück Fruchtfleisch herunter und beugte sich vor. ›Was machen wir jetzt? Hilfe finden?‹
»Mein Plan war, mir diesen Tornister zu bauen, damit ich einige Früchte tragen kann. Ich habe jedoch noch kein Behältnis gefunden, in dem ich Wasser transportieren könnte. Ohne Wasser ist es zu gefährlich durch das Sandmeer zu wandern. Wer weiß, wann man wieder auf eine Oase stößt.«
›Wir jetzt zwei. Suchen gemeinsam.‹
Ihr Gegenüber nickte. »Gut. Dann lass uns dir erstmal etwas Kleidung herstellen. Dann sehen wir weiter.«
›Ich dich ablenken?‹, schrieb Elma und hob herausfordernd eine Braue.
Ihr Begleiter presste die Lippen aufeinander und drehte den Kopf. »Es ist einsam hier draußen und es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich mich nicht über deine Gesellschaft freuen würde. Denke aber nicht, das liegt nur daran, weil du eine Frau bist.«
Elma stopfte sich das letzte Stück ihrer Frucht in den Mund und erhob sich. Ihr Begleiter reichte ihr daraufhin den Speer und nahm sich selbst das Steinmesser. »Man weiß nie.«
