The Ocean Wind's Desire - Roberta Altmann - E-Book
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The Ocean Wind's Desire E-Book

Roberta Altmann

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Beschreibung

1705 Piratencaptain David Callahan liebt den Reichtum und er liebt das Spiel. Das Meer in den Adern und mehr in seinem dunklen Herzen verborgen, als die Navy zugeben mag, spielt er mit seinen Gegnern und genießt es, seinen Ruf immer weiter in das Gewand eines Monsters zu kleiden. Sein durchtriebener Instinkt sagt ihm, wann ein Risiko zu hoch ist und wann er gewinnen wird. Doch eines Tages spielt ihm seine Gier einen Streich. Nicht mehr länger sein Untertan verführt sie ihn zu einem Fehler, der ihn beinahe den Kragen kostet. Er gewinnt den Kampf, aber die ganze Schlacht scheint für ihn aussichtslos, als er einen Gefangenen nimmt, der zu wichtig für die Krone ist, und ihm auf einmal die gefährlichsten Männer der Navy in die Quere kommen.

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Judith L. Bestgen & Roberta Altmann

The Ocean Wind’s Desire

Above All Else I

 

Historischer Fantasy-Roman

Impressum

 

 

 

 

 

 

© 2021, Das Bambusblatt

2. Auflage, September 2021 Roberta Altmann & Judith Laura Bestgen Scheelenstr. 34 31134 Hildesheim Covergestaltung: Dorothee Altmann (altmanns-art)

Lektorat & Korrektorat: Roberta Altmann & Judith L. Bestgen Coverfoto: Segelfrachtschiff Tres Hombres, fotografiert von Pierre Fromentin

 

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Buch enthält Inhaltswarnungen / Content Notes

auf der letzten Seite gegenüber der Deckel-Innenseite.

Vorwort

 

 

»Above All Else« ist die Erste unserer gemeinsamen Reihen, die wir veröffentlichen und somit mit euch allen teilen. Nicht nur sind uns David und Gabriel sehr ans Herz gewachsen, sie bedeuten uns dadurch auch unheimlich viel.

 

Das hier ist nur der erste Band »The Ocean Wind’s Desire« als eBook. Mit #DavidUndGabriel machen wir uns auf eine lange Reise. Wir können versprechen, es wird immer abenteuerlich, leidenschaftlich und magisch (stets unterstützt von der dazugehörigen Spotify Playlist „#DavidUndGabriel“).

 

Diese Geschichte liegt uns sehr am Herzen, aber das hier ist nicht nur für uns, es ist auch für euch und unsere beiden Seefahrer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gewidmet all jenen, denen gute Piratengeschichten genauso fehlen wie uns.

 

 

 

 

 

Prolog

 

 

David Callahan seufzte. Er musste zugeben, er war nicht sonderlich angetan von dem Plan des anderen Captains. Es war ein gefährliches Unterfangen. Langsam schüttelte er den Kopf.

Niemand achtete auf ihn.

Lacroix hieb seinen Humpen auf den Tisch und lachte laut auf. »Verrückter Hund!«

David hätte ihm zugestimmt, doch er war sich sicher, der Mann meinte es positiver, als er selbst es täte. Seine Augen funkelten verräterisch und David sah die Gier darin.

Erneut stieß er die Luft aus und dieses Mal hatte er die Aufmerksamkeit der Anwesenden.

»Natürlich«, spottete der Vierte im Bunde, »Callahan hat wieder was auszusetzen, was?«

David musterte den Mann, ohne sich von dessen Alter beeindrucken zu lassen. Er war selbst nicht mehr der Jüngste, wenn man nach Piratenmaßstäben urteilte, und er ließ sich von dem anderen ungern als Bursche abstempeln und wie jemand behandeln, der noch nicht wusste, was er tat.

»Ich habe durchaus Bedenken, Captain Hadley, aye.«

»Was kann da schon schiefgehen?« Lacroix lachte abermals in einem für ihn untypischen Anflug von Euphorie auf. »Wir haben eine Flotte, sie nur ein Kriegsschiff.«

»Davon können wir nicht sicher ausgehen. Und auch das Handelsschiff wird bewaffnet sein und die Männer vermutlich gut ausgebildet, der Wert ist zu hoch, als dass die Engländer einfach so ein solches Risiko eingingen.«

»Selbst zwei Kriegsschiffe …«

David maß Lacroix. »Bevor Ihr Pläne schmiedet, solltet Ihr weniger trinken.«

Ein schiefes Grinsen war die Antwort. Lacroix war ein fähiger Seemann, das hatte er oft genug unter Beweis gestellt, doch er ließ sich auch zu leicht verlocken. So war es schon immer gewesen und nun, da er sein eigenes Kommando führte, war das keinen Deut besser geworden.

»Stellt Euch den Reichtum vor.« Die Schwärmerei stammte von Waylon Colins, dem Mann, der den Plan erst auf den Tisch gebracht hatte.

David warf Lacroix einen misstrauischen Blick zu. So viel überschwängliche Begeisterung war er von seinem ehemaligen Bootsmann nicht gewohnt. Als sei er ein Kind, konnte er es kaum erwarten, seine vorlaute Klappe aufzureißen. »Aye! Nicht nur das Gold. All die funkelnden Edelsteine! Und den Ruhm.«

David verdrehte die Augen.

»O bitte, Callahan! Ihr könnt mir nicht weismachen, dass Ihr daran nicht interessiert seid.«

»Nun, Callahan«, brummte Hadley, »ich denke, Euer ehemaliger Bootsmann kennt Euch gut genug.«

David war drauf und dran, aufzustehen und die Taverne zu verlassen. Leider hatten Lacroix’ Worte wirklich sein Interesse an dieser Prise geweckt und das konnte er nicht leugnen. Es mochte verschiedene Gründe geben, warum er Pirat geworden war, doch Ruhm und Reichtum waren mit Sicherheit zwei davon.

»Ich halte es für zu riskant.« Nachdenklich blickte er auf die Karte der Bahamas, die Colins vor ihnen ausgebreitet und auf der er die Route des Schatzschiffes mit einem Faden markiert hatte. Die Prise ließ ihn nicht los.

»Ah«, machte Lacroix und David sah aus dem Augenwinkel, wie er sich auf dem Stuhl zurücklehnte, ehe er einen kräftigen Schluck aus seinem Humpen nahm.

David tat es ihm gleich. Ein wenig Rum beflügelte vielleicht seine Überlegungen.

»Sie ist nur ein kleines Schatzschiff«, gab Colins nicht auf. »Nicht die spanische Schatzflotte.«

»Aye, und dennoch reich beladen und demnach gut bewacht.« Vermutlich bekämen sie es wirklich nur mit einem Begleitschiff zu tun. Davids Erfahrung hatte ihn gelehrt, besser von zweien auszugehen.

»Was glaubt Ihr, wie groß das Kriegsschiff sein wird?«

»Wenn sie mit Schätzen und nicht nur Handelswaren beladen ist, werden wir es nicht mit einer einfachen Brigg zu tun haben, die mit zwölf Neunpfündern ausgestattet ist.«

»Aber doch nicht etwa eine Fregatte?«

David schüttelte den Kopf. Andererseits … »Wir sollten von einer ausgehen.«

Er hätte mehr Informationen bevorzugt, nur blieb ihnen die Zeit nicht. Verdammt, dachte er wirklich schon so darüber nach, als hätte er diesem Plan zugestimmt?

Er musste sich wohl eingestehen, dass ihn die Schätze mehr lockten, als er zugeben wollte. Und Lacroix hatte das genauestens gewusst, als er sie erwähnte.

»Also schön«, murrte er. »Wenn wir in zwei Tagen bei Sonnenaufgang in See stechen, könnten wir sie hier abfangen.« Er tippte mit dem Finger auf eine nahegelegene Insel, die ihnen gute Deckung bieten würde. Von Nassau aus würden sie keine Woche dorthin benötigen.

»Ha!« Ein weiteres Mal landete Lacroix’ Humpen schwungvoll auf dem Tisch. »Wusst’ ich’s doch! Den alten Callahan hat bisher noch jeder Schatz voller Edelsteine gelockt.« Er lachte rau.

David ignorierte diesen Kommentar. Er enthielt zu viel Wahrheit, als dass er sich dazu äußern wollte. Stattdessen konzentrierte er sich wieder auf den Plan. Bei Bondye, mit einem schwer bewaffneten Kriegsschiff könnten sie es nicht aufnehmen. »Unser Vorteil ist nicht unsere Feuerkraft, sondern die Anzahl unserer Schiffe. Captain Hadley mit seiner Brigg und ihren Zwölfpfünderkanonen sollte sich das Schatzschiff vornehmen. Wir anderen kümmern uns um das Begleitschiff.«

»Eine Schonerbrigg und zwei Schoner gegen ein Kriegsschiff der Navy«, verfiel Lacroix in seine übliche Laune.

David nickte. »Unsere Schiffe sind schnell genug, um sie in die Mangel und von drei Seiten unter Beschuss zu nehmen. Sie können sich nur auf einer wehren.«

»Damit opfern wir unter Umständen eines unserer Schiffe.«

»Nun«, David lehnte sich zurück und verschränkte die Arme locker vor der Brust, »meine Idee war diese Prise nicht.«

»Wir müssen nur schnell genug sein.« Ehe sich die Debatte ausweiten konnte, mischte sich Colins ein.

»Aye.« David deutete wieder auf die Karte. »Wir setzen Späher an Land und verstecken uns hinter der Landzunge. Das Kriegsschiff wird sich wohl nicht in unmittelbarer Nähe befinden, wir müssen also nur das abfangen und zusehen, dass uns das Schatzschiff dabei nicht entwischt. Die werden einem Kampf aus dem Weg gehen.«

Zu seiner Linken erklang ein Schnauben. »Wer hat Euch eigentlich zum Anführer dieser Sache gemacht?«

David unterdrückte einen Fluch. Hadley hatte ihn von Anfang an nicht respektiert, dabei hatte er sich oft genug bewiesen. »Wenn Ihr einen besseren Vorschlag habt, nur zu.«

Das schien dem alten Piraten den Wind aus den Segeln zu nehmen, denn er klappte seinen Mund wieder zu und begnügte sich damit, ihm düstere Blicke zuzuwerfen. Die konnte David getrost ignorieren. Er wusste, dass er besser war als Hadley. Dieser verfluchte Hund wollte das nur nicht akzeptieren.

»Mir ist einerlei, von wem der Plan stammt«, warf Lacroix dazwischen, obwohl David nicht glaubte, dass er es tat, um ihn zu unterstützen. »Solange er funktioniert. Und für mich klingt er sinnvoll.« Vielleicht hatte er auch nur die Schnauze voll von einem alternden Mann, der ihm sagen wollte, was er als Pirat von Nassau zu tun und zu lassen hatte.

»Aye«, fügte Colins an. Damit war Hadley überstimmt.

David nahm einen Schluck von seinem Rum. »Dann schlage ich vor, jeder hier anwesende Captain bereitet morgen sein Schiff vor. Wir können es uns nicht leisten, zu lange zu warten. Und dass wir am Abend die letzten Details besprechen.«

Alle drei kamen überein. Hadley hatte keine andere Möglichkeit mehr, wenn er etwas von dem Schatz sein Eigen nennen wollte. Obwohl es David ein Dorn im Auge war, dass Hadley sie begleiten würde, konnte er die Erleichterung darüber vor sich selbst nicht verbergen. Vielleicht hätten sie es auch zu dritt geschafft, doch die Journey war nun mal das Größte ihrer vier Schiffe und damit am stärksten bewaffnet.

Er trank seinen Humpen leer und erhob sich. Wenn alles reibungslos vonstattengehen sollte, musste er noch heute Abend mit seinem Quartiermeister sprechen. Möglicher Unmut in der Mannschaft ließ sich im Keim ersticken, wenn die Crew von der Prise erfuhr. Sollte der Plan sich als fehlerfrei erweisen, würden sie reichlich dafür entlohnt. Es gab noch eine Menge zu erledigen, da er das Auslaufen der Ocean Trail erst für einige Tage später angesetzt hatte. Noch dazu hatte er keine Lust, sich nach dieser Diskussion für den Rest des Abends mit Lacroix, Hadley und Colins in der Taverne herumzuärgern.

 

~*~

 

Die Segel der Ocean Trail entrollten sich mit einem mächtigen Rauschen und beinahe augenblicklich nahm die kleine Schonerbrigg an Fahrt auf. Hadleys Journey, die im Gegensatz dazu an beiden Masten rahgetakelt war, hatte deutlich größere Probleme, bei diesen Windverhältnissen aus der Bucht zu kommen.

David beobachtete die Bemühungen der anderen Crew amüsiert, während die Ocean durch die sanften Wellen glitt. Es war nicht immer von Vorteil, das größte Schiff zu haben, doch Hadley würde nicht umrüsten und wieder auf einen kleineren Segler zurückgreifen. Das ließ sein Stolz nicht zu. So war es für die Ocean kein Problem, die Journey zu überholen, die aufgrund ihres Tiefgangs nicht bis in die seichten Gewässer der Bucht hatte vordringen können.

David schüttelte den Kopf. Eine verdammte Brigg eignete sich kaum für die Karibik. Er traute Lacroix in seinem angeberischen Leichtsinn zu, sich das größte Schiff anzueignen, aber von Hadley hätte er mehr Verstand erwartet.

Nun, er würde sich nicht beschweren. Bei dem, was sie vorhatten, konnte die Journey nur hilfreich sein. Sie hatten ihren Plan am Abend noch überarbeitet. Sie konnten nicht wissen, welches ihrer Zielschiffe ihrem Versteck hinter der Insel am nächsten wäre, doch welches auch immer es war, Hadley würde als Erster auf den Feind treffen. So konnten sie die Langsamkeit der Brigg ausgleichen, sollte der Wind aus der falschen Richtung kommen.

Aktuell hatten die Schoner von Lacroix und Colins die besten Karten. Sie hatten als Letzte Segel gesetzt, doch kaum, dass die Ocean die Bucht verlassen hatte, wurde sie bereits von den beiden kleineren Schiffen eingeholt.

Vor ihnen lag eine Reise von gut fünf Tagen, bis sie ihr Ziel erreicht hätten. Die Zeit war zwangsmäßig äußerst knapp bemessen. Colins hatte die Informationen über das Schatzschiff zu spät erhalten. Vorbereitung brauchte Zeit.

»Captain, wir haben den Kurs aufgenommen und liegen gut im Wind«, erklärte Barnton, sein Steuermann, neben ihm. Er hatte seine Hand locker um einen Griff des Ruders gelegt und sah ihn an.

David nickte, ehe er einen Blick in die Takelage warf. Er hatte nichts auszusetzen. Seine Männer erledigten ihre Arbeit in einer Perfektion, dass es selbst ihn, der es doch gewohnt sein sollte, immer wieder erstaunte. Und da er somit keine Befehle für sie hatte, reckte er die Nase in den Wind und genoss die frische Brise.

Es mochte einige Tage hin sein, doch die Aussicht auf eine Prise voller Edelsteine ließ ihn grinsen. Der Großteil ihrer Beute bestand aus Zucker, Rum und Stoffen und all das mussten sie in Nassau umschlagen. Die Geschäftsleute dort und die Händler, die es an die Kolonien verteilten, verlangten ihren Teil vom Kuchen. Ein richtiger Schatz jedoch … der war ihrer. Und bei einem ganzen Schatzschiff störte es ihn kaum, ihn mit drei anderen Crews teilen zu müssen. Für jeden Mann fiele genug ab, damit diese Fahrt sich gelohnt hätte.

Nun mussten sie nur noch auf guten Wind und wenig Gegenwehr vertrauen. Wie auch auf ihr Können, die Beute zu erlegen.

 

~*~

 

David hatte sich gerade im Sand niedergelassen, als ein aufgeregter Ruf erklang und dabei kaum das Kreischen der Möwen übertönte. Er hallte über die Hügel der Insel zu ihnen hinunter an den Strand, noch zu weit entfernt, um die Worte zu verstehen. Aber es gab keinen Zweifel daran, was der Mann ihnen sagen wollte. Segel in Sicht.

»Das wurde ja auch mal Zeit!«, schimpfte Lacroix einige Meter neben ihm. Beinahe zwei Tage hatten sie hier verbracht und gewartet. Sie hatten guten Wind gehabt und ihre Prise sich offenbar verspätet.

David selbst brauchte nicht viel sagen. Der Wachposten kam brüllend und gestikulierend den Hügel hinab. Die Männer um ihn her setzten sich in Bewegung und das galt nicht nur für seine Mannschaft. Er hörte, wie Hadley seine Crew zusammenrief. An ihnen lag es nun, als Erstes auf See zu kommen und die Beute abzufangen.

»Mr. Anderson.« David richtete sich an seinen Quartiermeister, als dieser herbeigeeilt kam. »Ich nehme an, die Ocean ist zum Auslaufen und Kämpfen bereit?«

»Aye, Sir, natürlich. Der Großteil der Mannschaft hält sich stets auf dem Schiff auf und sorgt dafür, dass alles in bester Vorbereitung ist.«

»Sehr gut, schickt den Bootsmann mit den Übrigen bereits an Deck. Und am besten geht Ihr auch schon. Ich kümmere mich um den Rest hier.«

»Aye, Captain!« Anderson hastete davon, obwohl ihnen noch Zeit blieb. Das schätzte David an ihm. Der Mann ging kein Risiko ein.

Um ihn herum rafften die Piraten die Gegenstände zusammen, die sie an den Strand mitgebracht hatten, und schleppten sie zu den Beibooten.

Viele riefen aufgeregt durcheinander, freuten sich schon jetzt auf die Beute, waren vielleicht auch nervös wegen des bevorstehenden Kampfes. Noch wusste niemand von ihnen, um wie viele Schiffe es sich handelte. Dennoch gingen sie alle gewissenhaft ihren Aufgaben nach, als der Wachposten endlich bei David ankam.

»Sir!« Er schnappte nach Luft. Vor lauter Aufregung hatte er seinen Atem nicht gespart. »Segel in Sicht, Sir! Zwei Schiffe sind bisher zu sehen. Sie sind schon um die Insel einige Meilen entfernt herum.«

»So nah?«

Lacroix trat neben ihn. »Dann waren Colins’ Informationen falsch.«

»Aye, entweder das oder sie haben ihre Route geändert.«

»Das eine Schiff, Sir, es sieht recht mitgenommen aus. Es scheint das Kriegsschiff zu sein.«

»Ha!« Lacroix schien seinen Übermut zurückzugewinnen, denn er schlug David eine Hand auf die Schulter.

Deswegen hatten sie sich verspätet und deswegen nahmen sie den Weg an den Inseln entlang. Es war riskant, doch nötig, um diesen Schutz ebenso zu nutzen, wie die Piraten es täten, die ihnen auflauerten.

David rieb sich, einen Entschluss fassend, über die Stirn. Allein durch Herumstehen kämen sie nicht weiter.

»Kommt mit«, wandte er sich an Lacroix und der Pirat folgte ihm ohne ein Wort, als David sich auf den Weg die hohen Dünen hinauf begab. Der Wachposten gehörte nicht zu seiner Mannschaft und David wollte sich die beiden Schiffe selbst ansehen.

Bis die Prise an dieser Insel, geschweige denn der Landzunge, war, hätten sie reichlich Zeit.

Als sie auf dem Hügel ankamen, brauchte David das Fernrohr nur für einen noch genaueren Blick auf ihr Ziel. Das erste Schiff segelte unbeschädigt vorneweg und wäre somit schneller bei ihnen. Das Hintere …

»Sie ist tatsächlich deutlich beschädigt. Sie muss in einen Kampf verwickelt gewesen sein, vor nicht allzu langer Zeit.«

»Eine Fregatte«, kam es von Lacroix. »Das Navyschiff.«

»Aye.« Es war zum Verzweifeln, wie oft sich seine Befürchtungen bestätigten.

David ließ das Fernrohr sinken und sah Lacroix an. Der Mann hatte die Brauen zusammengezogen und musterte die Schiffe, die sich in der Ferne um die Insel herum schoben. In Momenten wie diesen erkannte man Lacroix besser als in den Optimistischen.

»Damit ist sie machbar, wenn wir sie von drei Seiten angreifen. Wir könnten schnell genug sein, sodass sie selbst keine Breitseite abfeuern kann.« David bemühte sich um einen ebenso leisen Tonfall wie sein Freund.

»Glaubt Ihr, ein drittes Schiff lauert hinter der Insel?«

»Nein. Eine Fregatte sollte reichen als Begleitung. Es sei denn, unsere Informationen sind gänzlich falsch und dieses Schatzschiff hat mehr geladen, als wir erwarten.«

»Aber wie wahrscheinlich ist das, aye? Solch falsche Informationen zu streuen, um sie zu einer angeblich leichteren Beute zu machen.«

David hoffte, dass er recht hatte. Nur ein Idiot hätte sein Schiff Rich Man’s Tail genannt und damit alle Seeräuber in der Karibik angelockt, wäre das Schiff so reich beladen. »Wir sollten zum Strand zurückgehen und uns auf den Kampf vorbereiten.«

Lacroix neigte den Kopf und ging voraus. Festen Schrittes, ohne jede Hast. Er hatte viel gelernt. Er wollte einen ruhigen und entschlossenen Eindruck vermitteln, um seine Mannschaft nicht in Aufruhr zu versetzen. Vermutlich da sein Platz als Captain in ihrer Hierarchie noch nicht allzu sehr gefestigt war.

Als David die Ocean betrat, hatten die Männer alles vorbereitet. Anderson empfing ihn am Schanzkleid. »Wir sind bereit, Segel zu setzen.«

»Zunächst ist die Journey dran«, erinnerte David, bevor er sich auf den Weg zum Achterdeck machte. Von dort wandte er sich an die Crew und schöpfte Atem.

»Männer, die wertvolle Prise kommt direkt auf uns zu. Es läuft wie geplant. Das Schatzschiff segelt voraus und die Journey wird es abfangen. In der Zwischenzeit werden wir uns gemeinsam mit der Adventure und der Queen’s Heart das Schiff der Navy vornehmen. Eine Fregatte.« Stimmengewirr wurde laut und David schnitt ihnen das Wort ab. »Aye, eine Fregatte, doch eine beschädigte.«

Noch während er sprach, nahm er im Augenwinkel wahr, wie die Journey Segel setzte, und sein Blick wanderte dorthin. Das war also der Anfang. Es würde nicht lange dauern, bis die Beute ihren Jäger entdeckt hatte. Wahrscheinlich würde sie versuchen, abzudrehen und zu ihrem Begleitschiff zurückzugelangen, und dann kämen die kleineren und leichter beladenen Schiffe der Piraten ins Spiel, die deutlich wendiger und schneller waren. Der Wind stand günstig für sie.

David schwieg, bis die Journey sich um den Ausläufer der Landzunge gekämpft hatte. Auf der Ocean Trail war gespannte Ruhe eingekehrt, jeder erwartete seinen Befehl. Und David wusste, dass er sich auf seine Männer verlassen konnte.

»Segel setzen!«

Kapitel I

 

 

Es war, wie David vermutet hatte. Das Schatzschiff vollführte eine Wende, sobald die Mannschaft die Journey entdeckt hatte. Die Männer auf dem englischen Schiff waren schlau genug, zu wissen, dass es nur ein Pirat, Spanier oder Franzose sein konnte, der so plötzlich hinter der Landzunge auftauchte. Ihr Manöver fand zu spät statt. Für die Wende mussten sie ihren Bug in den Wind drehen und das nahm ihnen jenen aus den Segeln. Zeit genug für die Journey, sich ihrer Beute zu nähern.

Und als ihr die drei kleineren Schiffe folgten, begannen die Segel auf dem Schatzschiff im Wind zu flattern und es beinahe zum Stillstand zu bringen. War sie zuvor doch beschädigt worden und er hatte es auf die Entfernung nur übersehen?

Das Kriegsschiff, das ihren Begleitschutz mimte, befand sich wie zu erwarten in einiger Distanz. Mit seiner Takelage hatte es keine Möglichkeit, zu Hilfe zu kommen. Die Journey erreichte das Schatzschiff, lange bevor die Fregatte nah genug wäre, eine Salve Kanonenschüsse abzufeuern.

Hadley unterdessen setzte dem Beuteschiff einen Warnschuss neben den Rumpf. Eine letzte Gelegenheit, die Flagge zu streichen.

David war sich sicher, nicht der Einzige zu sein, der die Szene angespannt beobachtete. Am Fahnenmast des Engländers wehten stolz die heimatlichen Farben und trotz der Überzahl der Piraten schienen die Männer nicht gewillt, die Schätze kampflos aufzugeben.

David schüttelte den Kopf über so viel Leichtsinn. Es war bekannt, dass viele Kommandanten harte Strafen zu erwarten hatten, wenn sie die Fracht verloren. Sich aber einem Kampf mit Piraten zu stellen, der noch dazu meistens äußerst blutig verlief, wäre in seinen Augen keine sinnvolle Alternative.

Auch Hadley sah wohl ein, dass die Engländer nicht mehr kapitulieren würden. Sobald die Journey längsseits lag, feuerte sie eine Breitseite auf das Prisenschiff ab. Unter dem Donnern waren die Alarmglocken kaum zu vernehmen.

David grub die Zähne in die Unterlippe. Das war ihr Schatz, auf den sie feuerten. Es beruhigte ihn, dass Hadley ein erfahrener Pirat war, doch eine gewisse Sorge blieb. Nur ein Funke musste sich verirren und das Pulvermagazin in Brand stecken. Alleine deswegen hätte er es lieber gesehen, wenn sie die Flagge strichen. Es gab in einem Kampf schlicht zu viele Risiken, die sie die Prise kosten konnten.

Ihm blieb nicht viel Zeit, sich weiter auf das Gefecht zu konzentrieren. Die Fregatte mühte sich näher und die drei Schiffe lagen so gut im Wind, dass sie ihr regelrecht entgegen rauschten.

Das Kriegsschiff hielt auf sie zu, in der korrekten Annahme, die Piraten würden sich aufteilen.

Ihr Plan war gut abgesprochen und sie waren ihn ein Dutzend Mal durchgegangen.

Lacroix hielt sich mit seiner Adventure auf der Backbordseite der Fregatte, während David und Colins auf ihre Steuerbordseite drehten. Die Ocean war schneller als der kleine Schoner, der sie begleitete, und würde deshalb versuchen, hinter das Heck der Fregatte zu kommen. Dort war diese am verwundbarsten. Wenn sie ihr an dieser Stelle eine Breitseite verpassen könnten, zerfetzte das mit Glück ihr halbes Geschützdeck.

David lächelte bei dem Gedanken. Seine größte Sorge lag darin, dass sie gar nicht erst an ihrer Steuerbordseite vorbeikämen. Die Fregatte würde sich auf diese beiden Schiffe konzentrieren müssen.

Ein unerfahrener Mann würde von einem einfachen Sieg ausgehen. Er würde glauben, bereits gewonnen zu haben. Wie sollte eine beschädigte Fregatte gegen drei Schiffe bestehen, wenn diese sich aufteilten? Sie konnte nur auf einer Seite feuern.

Aber David wusste es besser.

Alles konnte schiefgehen. Die Männer der Royal Navy waren dazu ausgebildet, mit Situationen wie dieser umzugehen. Sie wussten, was die Piraten vorhatten, daran bestand kein Zweifel.

Seine Finger gruben sich in das Holz der Reling, die Achterdeck vom Hauptdeck trennte. Nur einige Schritte hinter ihm stand Mr. Barnton am Ruder und steuerte die Ocean mit ruhiger Hand an die Seite der Fregatte. In ihren möglichen Untergang.

Weit hinter ihnen erklangen das Donnern der Kanonen und das Geschrei der Mannschaften, als das Gefecht zwischen der Journey und dem Schatzschiff entbrannte. David musste das Verlangen unterdrücken, sich umzublicken. Er musste sich konzentrieren.

Unruhig hob er den Blick, um den Wind und die Stellung der Segel zu überprüfen, ehe er wie schon ein halbes Dutzend Male zuvor durch das Fernrohr sah. Von ihrer jetzigen Position aus erkannte er mehr. Achtzehn schwarze Stückpforten, die den weißen Streifen des Geschützdecks zierten. Und die wohl kaum als Tarnung oder aus ästhetischen Gründen aufgemalt waren, wie es bei den Schiffen der Marine oft der Fall war. David bezweifelte, dass dem letzten Kampf viele Kanonen zum Opfer gefallen waren. Und sicherlich mussten sie mit einem anderen Kaliber als den Neunpfündern rechnen, die von der Ocean und den Schonern genutzt wurden.

Auf ihrer anderen Seite näherte sich die Adventure, legte sich längsseits zu der Fregatte und feuerte.

Die Kugeln schlugen im Schanzkleid ein, zerrissen es und schossen über das Deck. Schreie ertönten vom Kriegsschiff.

David suchte das Achterdeck ab und fand den Captain mit seinem Ersten Offizier. Beide waren nicht mehr die Jüngsten, mochten in seinem Alter sein. Und damit erfahren. Verbissen beobachteten sie den Schaden, den die Breitseite der Adventure angerichtet hatte, doch sie machten keine Anstalten, das Feuer zu erwidern. So wie er vermutet hatte. Sie warteten.

Verdammt.

»Captain?«, erklang Barntons Stimme hinter ihm. »Sollen wir anluven?«

David ließ das Fernrohr sinken und musterte die Fregatte. Sie waren nahe genug. Er nickte. »Aye.«

Seine Kanoniere waren bereit und es juckte ihm in den Fingern, ihnen den Befehl zum Feuern zu geben, sobald sie längs lagen. Nähme nur das Nachladen nicht so viel Zeit in Anspruch. Wenige Sekunden konnten in einem solchen Gefecht entscheidend sein. Diesen Teil musste Colins mit seiner Queen übernehmen.

Davids Anspannung wuchs, als die Ocean anluvte, und die Mannschaft wurde immer leiser, bis kein Wort mehr zu vernehmen war. Er maß den Captain und seinen Ersten Offizier. Beide hatten die Aufmerksamkeit der Ocean und der Queen zugewandt. Die Ocean würde als Erstes in ihre Schusslinie geraten und der Erste Offizier verfolgte jede Bewegung an Deck genauestens. David schluckte. Der Mann stand dort in seiner Navy-Uniform, die Hände auf dem Rücken verschränkt, und hielt den Blick unverwandt auf ihn und seine Schonerbrigg gerichtet.

»Hisst die Flagge!«, gab David den Befehl. Hadley und Lacroix hatten das längst getan, die Engländer wussten also, dass sie es mit Piraten zu tun hatten. Nur ging es ihm nicht darum, sie würden seine Flagge erkennen und er wollte ihre Reaktion sehen.

Er ließ den Ersten Offizier keine Sekunde aus den Augen, während seine Männer dem Befehl nachkamen. Der Engländer folgte dem schwarzen Stoff mit dem Blick und als dieser sich komplett entrollte und die Sicht auf das Symbol freigab, schob der Mann die Brauen zusammen.

Stolz überkam David, doch das Gefühl verschwand ebenso schnell, wie es in ihm aufgestiegen war. Er ließ das Fernrohr sinken und trat an die Steuerbordreling. Sie lagen nun beinahe auf gleicher Höhe mit der Fregatte, deren Stückpforten sich öffneten und den Blick auf ihre achtzehn Geschütze freigaben. Nur Sekunden blieben ihnen.

Aus dem Augenwinkel sah er, wie seine Männer hinter dem Schanzkleid Schutz suchten.

Das Manöver war äußerst riskant. Sie hätten einen Bogen um das Kriegsschiff segeln können, doch dann wären sie gegen den Wind an höchstwahrscheinlich nicht mehr zur rechten Zeit an ihr Heck gekommen. Ihm war bewusst, was er aufs Spiel setzte. Er konnte nur auf sein Glück hoffen.

Für einen Moment war alles still.

---ENDE DER LESEPROBE---