The Queen's Warriors - Larissa Pitrolo - E-Book

The Queen's Warriors E-Book

Larissa Pitrolo

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Beschreibung

Nie war der Kampf Gut gegen Böse elementarer! Jessica, Hexe, unzufrieden mit Job und Beziehung, möchte eine Superheldin sein. Die sehen immerhin jederzeit spitze aus, selbst bei Regen und Sturm! Was passiert aber, wenn der Wunsch plötzlich in Erfüllung ginge? Völlig unerwartet trifft Jessica auf DAS magische Wesen überhaupt - die Königin von Licht und Magie! Als ob der Kampf gegen ein Tote kontrollierendes Wesen nicht genug wäre, muss die neue Heldin in spe Priesterinnen fremder Planten rekrutieren, Elementträger finden, Teenager trainieren und Nörgeleien einer Eidechse ertragen. Pardon, Bartagame! Zu allem Überfluss, erscheint eine mysteriöse Fremde, die der Königin erschreckend ähnlich sieht. Welche Wahl hat Jessica, wenn ihre Mutter bestimmt, sie solle keine Memme sein?! Genau! Gar keine! Also, Kriegerinnen, macht euch bereit!

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Seitenzahl: 455

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Für Mama, ohne die ich nicht existieren würde.

Für Tom, meinen Meister.

Für alle Träumer, denn ich bin selbst einer.

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1 : Jessica, Hexe und Auserwählte wider Willen

Kapitel 2 : Chuck, the No Duck

Kapitel 3 : Yelina - Priesterin des Windes

Kapitel 4 : Shanti - Priesterin des Waldes

Kapitel 5 : Nica - Priesterin der Flammen

Kapitel 6 : Elementträger

Kapitel 7 : Maelle - Luft

Kapitel 8 : Hanna - Erde

Kapitel 9 : Lara - Wasser

Kapitel 10 : Maris - Priesterin des Meeres

Kapitel 11 : Lien - Feuer

Kapitel 12 : Zusammenkunft der Kriegerinnen, die Bürde junger Mädchen

Kapitel 13 : Training

Kapitel 14 : Verräter

Kapitel 15 : Erster Angriff

Kapitel 16 : Arianna - Königstochter

Kapitel 17 : Freundinnen

Kapitel 18 : Kriegerinnen, macht euch bereit!

Kapitel 19 : Pura - Verteidigung

Kapitel 20 : Pulse Magia - Unterstützung

Kapitel 21 : Ecliso - Zerstörung

Kapitel 22 : Ultia Empia - Königin der Toten

Kapitel 23 : Friedhof der nicht kuschligen Tiere - wenn die Toten auferstehen

Kapitel 24 : Starke Gedanken

Kapitel 25 : Irgendwann sterben alle, ich sterbe für Euch!

Kapitel 26 : Schwarz

Kapitel 27 : Morgen - Beginn eines neuen Tages

Epilog

Begriffserläuterungen und Steckbriefe

Danksagung

Prolog

„Zieht einst großes Unheil über die magische Welt,

erhebt sich das Böse und die Reiche fallen,

da erstrahlt aus der Dunkelheit ein Licht,

der Königin Kind wird geboren, um den Kampf zu bestreiten .

Siegt das Kind, gleicht‘s einem Opfer,

das Universum dauert an, doch das Kind muss sterben.“

Magie existiert. Hervorgebracht durch die schönen Träumen der Menschen. Jeder Traum entfachte, schon seit Anbeginn der Zeit, einen Funken Magie.

Mit den Jahrtausenden, in denen die Menschen auf der Erde weilten und ihre Anzahl stetig wuchs, vervielfachte sich auch die Zahl der magischen Teilchen. Zunächst schwebten sie einzeln im Weltall umher, immer im Umkreis der Erde. Bis sich eines mit dem anderen verband. Diese erste Verbindung, löste eine Kettenreaktion aus.

So entstand vor 3518 Jahren, als sich alle Magie des Universums bündelte, die Königin.

Die Königin wurde als Wesen der Reinheit und Magie geboren.

Einsam und zunächst verwirrt über ihren erwachten Zustand, brauchte die Königin einen Ort zum Bleiben. In der Erde fand sie diesen jedoch nicht. Die Bewohner dieses Planten waren nicht bereit für ein Wesen wie sie.

So erschuf die Königin, aus Asteroiden im All, einen Ort, auf dem sie hausen konnte.

Dieser Ort, genannt Lume, ist seither das Königreich von Licht und Magie.

Die Königin thront dort in ihrem Weißen Palast.

Wo immer aber Licht scheint, gibt es auch Schatten. In diesem verbirgt sich Dunkelheit.

Mit fortschreitender Zeit, waren die Träume und Wünsche der Menschen nicht mehr ausschließlich gut. Manchmal bargen sie schlechte Absichten.

Um das Gleichgewicht der Kräfte zu erhalten, muss es neben Gutem auch Böses geben.

Doch immer wieder manifestierten sich böse, magische Kräfte. Sie sind heute bekannt als Dämonen. Die Dämonen versuchten fortwährend, das magische Gleichgewicht zu stören und die Oberhand über das Kräfteverhältnis zu gewinnen.

Die Königin bekämpfte die dunklen Mächte eine Zeit lang selbst.

Doch sie wusste, sollte sie vernichtet werden, würde alle gute Magie mit ihr vergehen, das Böse ohne Gegenwehr im Universum existieren, vielleicht sogar die Erde verschlingen und alle Menschen verderben. Die Menschen würden sich gegenseitig mit Hass begegnen ausrotten.

Aus diesem Grund, erschuf die Königin ihre ersten Krieger. Es waren Menschen von der Erde, mit einem außergewöhnlichen Glauben an das Übernatürliche, zudem reinen Herzens, von ihr ausgestattet, mit großer Stärke und Kräften, das Böse zu besiegen.

Wie ursprünglich die Königin, benötigten auch ihre Krieger eine Zuflucht.

Auf der Erde konnten sie nicht bleiben.

Somit erschuf die Königin drei Welten.

Pulse Magia, Planet pulsierender Magie.

Pura, Planet immer währender Reinheit.

Ecliso, Planet ewiger Finsternis.

Diese Drei bildeten das Tribunal, ein kosmisches Dreieck, welches das Gleichgewicht der Mächte aufrechterhalten und dem Universum Frieden geben sollte. Lume lag in dessen Mittelpunkt.

Im Laufe der Jahrhunderte, entstammten dem Kreislauf von Gut und Böse, verschiedene Arten magischer Geschöpfe.

Lichtelfen, magische Kreaturen, die auf Magie des Lichtes zurückgriffen, lebten auf Pura. Ihre Hauptaufgabe wurde es, verletzte Krieger zu heilen. Auf Ecliso verbannt, führten Dämonen und Magier, die ihre Magie aus Dunkelheit beschworen und für das Schlechte einsetzten, schon jeher den Kampf ums Überleben. Schattenelfen beobachteten und bewachten diese Kreaturen, löschten sie gegebenenfalls aus. Nicht selten, wagten einige den Versuch, von Ecliso zu fliehen.

Magier, welche ihre Magie überwiegend aus der Natur bezogen, bewohnten das blühende Pulse Magia, eine größere, mit Magie überschwemmte Version der Erde.

*

Die Königin besuchte ab und an die reifende Erde. Sie mochte die Menschen, Normalsterbliche ohne besondere Kräfte.

Eines Tages traf sie auf einen Mann. Normalerweise, zeigte die Königin sich den Menschen nicht. Alleine ihr außergewöhnliches Aussehen, ihre schillernde, makellose Gestalt, machte sie zu einer Fremden in dieser Welt. Doch der Mann, mit seinen langen weißblonden Haaren, den tiefblauen Augen und dem wie aus Stein gemeißelten Körper, lies sie aus Neugier für einen Moment ihre Vorsicht vernachlässigen. Aus der einen, sehr ungeplanten Begegnung, wurden weitere.

Schließlich war die Königin auch nur Frau.

Dank seiner guten Seele und seinem aufrichtigen Herzen, konnte sie den Mann schließlich in ihr Königreich Lume einladen.

Er wurde ihr König.

Der König gab ihr einen Namen, unter dem sie bald bekannt sein sollte, Celestia.

Diesen Namen wählte er, da die Königin seiner Meinung nach ein Geschenk des Himmels für ihr war.

Dies begab sich im Jahre 1494 - Erdenzeit - in Bari, Königreich Neapel, Italien.

Seitdem hegt Königin Celestia eine Freunde an der italienischen Sprache.

Später, als das Böse das erste Mal tatsächlich Überhand gewann und das Gleichgewicht zerstörte, die Krieger selbst nichts ausrichten konnten, wurde die Königin schwanger. Keine neun Monate später, wie bei menschlichen Frauen, gebar sie ihr Kind schon wenige Augenblicke danach. Das Kind wuchs schneller, wie gewöhnliche Kinder. Sobald das Dunkle auf dem Höhepunkt ihrer Macht schien, kämpfte das als junge Frau herangereifte Kind der Königin. Ein Wesen solcher magischer Energie und Güte, hatte zuvor keiner gesehen.

Es siegte. Und zwar, jedes einzelne Mal, wenn sich in der Geschichte das Böse erhob. Doch immer, starb es nach dem Kampf.

Für das Gleichgewicht, durfte weder das große Böse, noch das große Gute alleine existieren.

Und so, schenkten der König und die Königin ihrem Kind immer wieder aufs Neue Leben, nur um es kurze Zeit später sterben zu sehen.

Dieser Kreislauf wiederholte sich in 524 Jahren, sechs mal.

Beim letzten Erwachen des Kindes, geschah es dann. Das Kind vertrieb das Böse, besiegte dieses aber nicht vollständig. Dennoch starb es.

Warum, über jenes schweigen Königin und König bis heute still.

Im Hintergrund der drei magischen Planeten, lauert das Grauen nunmehr, wartend auf den richtigen Augenblick.

Ohne das Kind, die Trumpfkarte der guten Mächte, entstanden aus Liebe zwischen König und Königin, ist das gesamte, magische Universum in Bedrängnis.

Die Krieger halten sich bereit. Dennoch bleibt abzuwarten, wie groß die Gefahr ist und ob die Krieger alleine eine Chance haben.

*

Wir schreiben das Jahr 3518 des magischen Universums, bzw. Jahr 2018 Erdenzeit.

Die Königin blickte von einem ihrer Balkone des Weißen Palastes gen Himmel, zu den drei Planeten des Tribunals. So viele Lebewesen, so viele unschuldige Seelen.

Falls die Stärke ihrer Krieger nicht genügte, wären sie alle verloren.

Einen letzten Ausweg gab es noch. Möglicherweise.

Doch nie zuvor, musste Königin Celestia ihn nutzen, oder gar in Erwägung ziehen...

Krieger der Königin

Kapitel 1

Jessica, Hexe und Auserwählte wider Willen

Sie hatte Harry Potter in Ihrer Kindheit geliebt! Jessica stand in der örtlichen Bücherei, vor einem Regal, mit Bücher aus der Rubrik „Fantasy“. Sie erinnerte sich daran, wie ihre Mum, als sie noch klein war, Jessi die ersten Teile von Harry Potter vorlas. Sie genoß damals jeden dieser Vorlese- Abende. Den Orden des Phönix und alle weiteren Nachfolger, finanzierte sie sich als Jugendliche von ihrem Taschengeld dann selbst.

Jessica musste schmunzeln. Sie fand es außerordentlich charmant, wie die Hexen und Zauberer in der Hogwarts Welt beschrieben wurden. Nicht zuletzt deshalb, weil sie selbst eine waschechte Hexe mit Zauberkräften war.

Leider bestand ihr Leben nicht aus spannenden Abenteuern, lustigen Freunden und High Definition Special Effekts.

Seufzend lies Jessica den Blick zur anderen Seite des Raumes schweifen. Heutzutage verkauften Buchgeschäfte doch tatsächlich alles! Auf runden Tischen, welche anscheinend wahllos zwischen den nach Themen geordneten Bücherregalen standen, türmte sich allerhand Krimskrams. Haushaltswaren, lustige Dekor Figuren, Zubehör für Schule und sogar Stoffe zum Schneidern. Verschiedene Duftkerzen befanden sich gerade im Angebot. In der hintersten Ecke des Raumes, lockte sogar eine DVD Abteilung. „Wer kauft sich denn heute bitte noch DVDs?“, dachte sich Jessica. „Moderne Menschen streamen mittlerweile alles online!“

Jessis Augen blieben an einer rosafarbener DVD Box haften. Sailor Moon? Ernsthaft? Wenn Sie Harry Potter schon liebte, dann vergötterte sie Sailor Moon!

Wie einige reale, nicht aus Büchern stammende Hexen, zog Jessica ihre Kraft zum Teil aus der Energie des Mondes. Weit hergeholt, war ihre Lieblingsserie aus Kindertagen also nicht. Mondlicht strahlt energetische Wellen aus, die Hexen und Zauberer gerne für Zauber nutzen. Menschen können diese in der Regel nicht sehen. Die Schöpferin musste also eine gute Intuition gehabt haben, als sie Sailor Moon kreierte.

Menschen, unfähig im Lesen von Auren oder Energiewellen, bemerkten auch die drei magischen Planeten im Weltall nicht. Sie waren einfach unsichtbar für Normalsterbliche. Eine Zauberin, wie Jessica, erkannte sie allerdings deutlich am Himmel, selbst ohne Teleskop.

Ihr Freund Alejandro fand Sterne anschauen immer sehr romantisch. Er wusste nicht, dass Jessica weniger die Sterne beachtete, vielmehr die drei riesigen Klötze am Himmel. Mit ihrer Größe, überdeckten sie alles andere.

Während sie in Gedanken versunken durch die Gänge schlenderte, fiel draußen mittlerweile Regen. Früher an diesem gewöhnlich warmen Junitag, schien die Sonne. Sobald Jessica Feierabend machte, zogen sich Wolken auf ihrem Nachhauseweg zusammen und es begann zu stürmen. Daher suchte sie vorerst auch Zuflucht in der Bücherei. Ewigkeiten konnte sie hier nicht verbringen, schließlich versprach sie ihren Eltern zum Abendessen vorbei zu kommen.

Jessica bezahlte den ersten Band Harry Potter und der Stein der Weisen, sowie die erste Staffel Sailor Moon. Ihre Mum hatte es nicht so mit dem Aufbewahren ihrer Kindersachen. Scheinbar war Jessi nun einer der Menschen geworden, die noch DVDs anschauten.

Mit der zusätzlich gekauften, viel zu teueren Plastiktüte (12 Cent!!) in der Hand, wagte sich Jessica wieder hinaus in den Sturm.

Zunächst dachte sie daran, wie es für Manhattan üblich ist, ein Taxi zu rufen. Sie entschied spontan, den Weg zu Fuß durch den Park zu nehmen. Nicht nur die kürzere Strecke bewegten sie zu dieser Entscheidung, vielmehr kostete die Rush Hour eine Menge Zeit und sie war sowieso spät dran.

„Verflixt und zugenäht! Warum können Hexen nicht wirklich auf Besen fliegen?!“, fluchte Jessica, als sie in eine Pfütze stolperte. Die neuen Schuhe, dazu Sandalen, ruiniert und ihre Füße durchnässt! Prima! So stellte Jessi sich ihren Feierabend vor!

Ein Schirm nutzte bei diesem Wind nichts, daher lies ihn Jessica in ihrer Tasche. Sie rannte, so gut sie mit nassen Füßen in ihren ungeschickten Sandalen rennen konnte, über die Straße zum Park. Zumindest die Bäume würden ihr einen kleinen Schutz vor dem Regen geben.

*

Darum beneidete Jessica die Superhelden in Büchern, Comics, Filmen und Serien. Sie mussten nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht durch ein Sauwetter stampfen. Die Frauen und Männer in den Geschichten, sahen immer toll aus, die Frisur lag optimal und das Make- Up saß perfekt. Jessica fühlte sich nicht nur schwer, als ob sie einen nassen Sack trug, ihre Haare zerzausten jede Minute mehr. Sie war definitiv kein schöner Anblick. Gut, dass ihr Freund sie nicht sah!

Die von Natur aus schönen und betagten Magier von Pulse Magia, würden wahrscheinlich eine bessere Figur abgeben als Jessi. Dabei stammten Hexen und Zauberer der Erde von jenen Magiern ab. Einige Geschichtsbücher besagten, dass die Königin von Licht und Magie ihren König auf der Erde kennenlernte. Anscheinend begegnete sich das Königspaar in Italien. Daher, so die Gerüchte, stehen moderne Zaubersprüche teilweise in italienischer Sprache geschrieben. Mutter der romanischen Sprachen, Latein, galt als Basis der ersten Zaubersprüche. Irgendwann löste Italienisch das Latein ab.

Während der Jahrhunderte, kamen Magier, hauptsächlich Männer, von Pulse Magia zu Besuch auf die Erde. Wie Zufall, Schicksal und die Natur wollte, vermischte sich irgendwann das Magier- mit Menschenblut. Aus Verbindungen zwischen Magier und Nichtmagier, entstanden Kinder mit geringen magischen Kräften. Diese Abkömmlinge wussten zwar keine Magie aus der Natur zu nutzen, wie ihre Eltern von Pulse Magia, im Laufe der Zeit, lernten sie ihre Gabe aber anderweitig einzusetzen. Aus den Mischlingen entstanden die heutigen Zauberer und Hexen, die durch ihre vererbte magische Kraft wider- bzw. übernatürliche Zauber wirkten. Sie erschufen die Zauberei.

Das angeeignete Wissen, verewigten die Alten in Büchern. Diese Zauberbücher, gaben vorherige Generationen an nachfolgende Generationen weiter. Vor ungefähr 350 Jahren, bildeten einige mächtige Zauberer den Magischen Rat. 200 Jahre von heute zurück, schufen weitere Zauberer die ersten Zauberschulen. Hexenmeister lehrten, neben verbreiteten Fächern wie Mathematik, Sprachen, Geografie und weiteren, ein speziell für magische Kinder notwendiges Repertoire. Darunter fanden sich Kurse wie Zaubertränke brauen, Zauber wirken, die Geschichte des magischen Universums entdecken, oder Flüche abwehren. Allerdings fand der Unterricht nicht auf einem beeindruckenden Schloss, mit verzauberten Gängen, statt. Vielmehr galt das Motto, je schlichter und unauffälliger, desto besser. Jessicas Schule, war ein durchschnittlich großes, hässlich braunes Gebäude, mit abfallendem Putz, einem kargen Sportplatz und einem kleinen Kiosk. Völlig unscheinbar eben. Jedes Zauberer- und Hexenkind bekam mit dem siebten Lebensjahr eine Einladung der Zauberschule vor Ort. Eltern hatten immer die Wahl, ob sie ihre Kinder auf die Zauber- oder eine gewöhnliche Menschenschule schickten.

Zauberschulen waren global verteilt. Mittlerweile, fand man eine in jeder Stadt. Durch vorher erteilte Einladungen, würde vermieden, dass sich menschliche Kinder ohne Zauberkräfte in die Klassen verirrten.

Nach ihrem Schulabschluss, mit 18 Jahren, absolvierte Jessica eine dreijährige Ausbildung im Magischen Rat. In dieser Hinsicht, unterschieden sich Zauberwesen von Normalsterbliche nicht. Schulabschluss, Ausbildung, möglicherweise Studium und Arbeit, sind für alles Rassen unverzichtbare Lebensabschnitte.

Der Magische Rat besaß Büros in ziemlich jeder großen Stadt und Vertreter sämtlicher Nationen. Hauptaufgabe des Rates bestand in der Wahrung der Existenz von Hexen und Zauberern, sowie Dämonen und anderen übernatürlichen Wesen. Sprich, er passte auf, dass Nichtmagische keine Kenntnis über die Zauberwelt erlangten.

Das New Yorker Büro in Manhattan, befand sich in einem großen Gebäudekomplex. Mehrere Unternehmen mieteten dort Räume, daher entstand eine gelungene Tarnung. Außen völlig verglast, innen mit modernen Geräten ausgestattet und durch einen Wall abgeschirmt, damit Unbefugte nicht eindringen konnten, geizte der Rat nicht mit finanziellen Investitionen.

Durch interdimensionale Portale, welche alle magischen Planeten, sowie die Erde, miteinander verbanden, strömten einige Kreaturen von Ecliso auf die Erde. Ecliso, so lernte Jessica im Unterricht, blühte und lebte nicht wie die anderen Planeten. Im Gegenteil, über Ecliso erstreckten sich kilometerweit staubtrockene Ebenen, rußschwarze Gebirge, vertrocknete Seen und verdorrte Wälder. Heruntergekommene Städte, ungenießbares Essen und Kriminalität in jeder Ecke, ergänzten das Bild.

Kein Wunder, dass Bewohner dieses toten Planeten die Flucht ergriffen.

Die erste Abteilung des Magischen Rats, prüfte die neu angekommenen Flüchtlinge auf ihre Absichten. Sobald geklärt wurde, ob die Geschöpfe auf der Erde Asyl erhielten, kam Jessicas Abteilung, die zweite, ins Spiel. Jessis Job bestand im Wesentlichen darin, den positiv befundenen Magiern oder Dämonen eine Aufenthaltserlaubnis auf Zeit auszustellen und sie über ihre Probezeit zu begleiten. Integrierten die Fremden sich, durften sie auf der Erde bleiben und sich mit Hilfe der dritten Abteilung des Rats eine eigene Identität schaffen. Tanzten sie aber aus dem Ruder und hielten sich nicht an die Vorschriften, wurden sie wieder verbannt. Ohne Rückfahrschein.

Ihre Arbeit lastete Jessica nicht aus. Im Gegenteil, meist unterforderte sie die junge Hexe. Oft dachte sie darüber nach, wie sie sich Superheldin schlagen würde. Sie könnte Abenteuer erleben, Bösewichte besiegen, Unschuldige retten und das alles noch mit jederzeit perfekt gestylten Haaren! Stattdessen hockte sie acht Stunden in einem staubigen Büro, prüfte Flüchtige, um nach Feierabend ihre Zauberkräfte zweckentfremdet für Hausarbeit und kochen zu nutzen. Der einzige Lichtblick, ihr Freund Alejandro, kümmerte sich in letzter Zeit immer weniger um sie und machte viel häufiger Überstunden. Jessica sah ihn kaum noch. Aufgrund der magischen Gesetze und Regeln, wusste er nichts von ihren Hexenmächten. Obwohl sie immer wieder in Versuchung stand, ihm die Wahrheit zu gestehen. Jessica glaubte, dies bringe wieder Würze in die Beziehung. Aber, Gesetz ist eben Gesetz.

*

Arbeit, Beziehung hin oder her, ihre einzige Sorge war nur noch nach Hause zu kommen. Der Regen fiel so dicht, dass Jessica kaum noch sehen konnte. Sie hatte ein mieses Gefühl. Solch Wetterumschwung kündigte ein schlechtes Omen an.

„Nur noch ein paar Meter!“, feuerte Jessica sich selbst an. Gerade, als sie einen Gang zulegte, donnerte es. Blitze fingen an durch die Wolken zu bersten. Grollender Donner dröhnte Jessica ins Ohr. Vermutlich tobte das Gewitter direkt über ihr.

Die nächsten Minuten verliefen wie in Trance. Ein Blitz schlug vor Jessica in den Boden ein, die junge Hexe geriet ins Straucheln. Der zweite Blitz, lies sie vollends hinfallen.

Jessica fluchte : „So ein verdammter Mist! Erst die neuen Jimmy Choos ruiniert, dann auf den Hintern gefallen und meine Einkäufe sind auch durchnässt! Aua, verflucht! Die blauen Flecken will ich später gar nicht sehen!“ Hektisch sammelte sie ihr Hab und Gut zusammen, als sie aufhorchte. Den Regen, sie hörte den Regen nicht mehr. Jessica schaute vom Boden auf. Sie traute ihren Augen kaum. Regentropfen schwebten unbewegt in der Luft, als ob sie angehalten wurden. Nicht nur die Tropen, auch alles andere um sie herum stand still. Vor ihrem Gesicht hing eine Fliege mitten im Weg, wie an unsichtbaren Ketten. Ein komplett surreales Bild „Was zur Hölle geht hier vor?!“

Plötzlich brach ein weiterer Blitz durch den Himmel. Jessica sah ihn deutlich auf sich zukommen. Ihr dämmerte es, dass die Blitze keine normalen waren, sondern aus reinem Licht bestanden. Die Energie des Einschlags, träfe er sie, würde Jessica vernichten.

Bevor der Lichtblitz traf, machte Jessi eine Rolle vorwärts. Ihre Turnlehrerin von der fünften Klasse wäre stolz auf sie gewesen. Okay, jetzt war tatsächlich alles an Jessica nass und schmutzig. Und sie war richtig sauer. Wer immer verantwortlich für das Chaos war, würde von ihr eine ordentliche Tracht Prügel bekommen.

Dazu kam es nur nicht. Jessicas Wut löste sich in Rauch auf, als sie sah, wer mit dem letzten Blitz erschien.

*

Solch eine schöne Frau, hatte Jessica noch nie gesehen. Nicht einmal in Filmen, oder Comics. Diese vor ihr stehende, elfengleiche Gestalt, war die Anmut in Person. Ihre Haltung zeugte von Eleganz und Würde, ihre schillernd weißen Haare, fielen der Frau wie wallende Seide über die Schultern, ihre Augen strahlten in einem türkis, wie es nicht mal das schönste Meerwasser spiegelte. „Äh, hi?“, mehr brachte Jessica nicht aus ihrem Mund heraus. Zunächst bekam sie keine Reaktion. Die Schönheit schaute sie nur an, ihr Blick aufmerksam und prüfend. Nach einer peinlichen Weile, wurde Jessi bewusst, dass sie immer noch mit ihrem Allerwertesten auf dem nassen Boden saß. Gerade als sie sich bewegen wollte, brach die Fremde das Schweigen. Mit leiser, doch klarer Stimme, sagte sie : „Dich habe ich auserwählt.“

Zunächst sehr verwirrt über diesen Satz, wusste Jessica keine geeignetere Antwort, als : „Was?“

Ihre Gesprächspartnerin gegenüber wiederholte : „Ich sagte, dich habe ich auserwählt.“

Ja, klar. Jessi blickte um sich. Vielleicht befand sich noch jemand hinter ihr? Wahrscheinlich meinte die Dame nicht sie. Oder bekam Jessi einen Auftritt in der Versteckten Kamera? Das schien plausibel! „Du weißt nicht, wer ich bin“, das war keine Frage, sondern eine folgerichtige Feststellung der schönen Frau. Jessica schien aber wohl doch angesprochen zu sein. „Mhm, nein?“ Das wiederum war eine Frage.

Eine Augenbraue hebend, vermutet die Fremde : „Ihr Erdenkinder lernt in eurer, wie nennt sich das - Schule? - offensichtlich nichts über mich?“

„OH FUCK! Das ist nicht möglich!“, shit, das hatte Jessica jetzt hoffentlich nur gedacht und nicht ausgesprochen! „Du, du, ähääähhh, IHR, Ihr seid die, die Königin?“, Jessica verschluckte sich an ihren eigenen Worten. Die Frau brauchte nicht zu antworten, ihre Miene verriet die Antwort. Vor Jessica, gewöhnlicher Hexe, ohne besondere Eigenschaften, mit durchschnittlichem Aussehen und noch durchschnittlicheren Fähigkeiten, stand leibhaftig die Königin von Licht und Magie!

*

„Nun, nachdem diese Unwesentlichkeit geklärt ist, kann ich zu meinem Anliegen kommen.“

Jessica, nicht in der Lage aufzustehen, starrte die Königin mit offenem Mund an. „Ihr meint mich, eure Majestät?“, quetschte sie mit Mühe heraus.

„Siehst du hier noch jemanden?“ Sie schüttelte den Kopf.

Die Königin fuhr fort : „Gut, dann hör mir zu, ich wiederhole mich nämlich nicht. Eine dunkle Macht bedroht die magischen Reiche. Eine Hexe. Genauer gesagt, eine Nekromantin.“

Nekromantin?! Das ist eine Magier-, Dämonen Kreuzung, wie Jessica wusste. Diese Kreaturen beschworen und kontrollierten Tote. Verachtet von allen anderen Spezies, hatten Nekromanten Freude daran, ihre Magie aus der absoluten Finsternis zu ziehen.

Das Problem waren damals nicht die Magier, die sich mit Menschen paarten. Dämonen fielen ebenfalls in diese Welt ein. Ecliso Dämonen sind scheußliche Kreaturen. Sie haben nichts menschliches an sich. Ihr Aussehen ist völlig abstrakt. Lange, dünne Arme, rote Haut durchzogen mit blauen Adern, scharfe Klauen, lange und spitze Zähne. Der Gedanke, dass sich Menschen mit diesen Kreaturen einließen, gefror Jessica das Blut in den Adern. Abkömmlinge aus Ecliso Dämon und Mensch, Erden- Dämonen, wirkten optisch wie Menschenmänner oder Menschenfrauen, ausgestattet mit dämonischen Fähigkeiten.

„Ich fürchte“, erzählte die Königin weiter „die Stärke meiner Krieger genügt nicht, um diese Gestalt zu bezwingen.“

„Haha, ja klar!“, dachte Jessica „Deshalb kommst du zu mir. Ich bezwinge das Miststück für dich, weil deine ultra super mächtigen, muskelbepackten, zum Kampf ausgebildeten Krieger nicht ausreichen! Nebenbei rette ich das Universum. Zwischen Frühstück und Mittagessen!“

Jetzt war Jessica sicher, dass die Königin einen Witz auf ihre Kosten machte. Nur, warum sah die Königin nicht so aus, als ob sie scherzte?

Jessi hatte mittlerweile Mühe aufmerksam zuzuhören, als die Königin weiter meinte : „Die Nekromantin sammelt Kräfte. Sie ist vorsichtig. Unüberlegt wird sie nicht angreifen. Die Chance auf eine Niederlage ist aktuell noch zu groß. Meine Krieger versuchen herauszufinden, wer sie ist, wo sie sich aufhält und aus welcher Quelle sie Macht bezieht. Noch wissen wir zu wenig. Wieviel und ob wir überhaupt etwas herausfinden, ist fraglich. Ich habe ihren Schatten gesehen und ihre Aura gespürt. Abwarten kann ich nicht. Die Gefahr ist zu groß.“

„Ohm, meine Königin“, unterbrach Jessica, jetzt mit deutlich festerer Stimme, was ihr wiederum einen strengen Blick der Herrscherin einbrachte „entschuldigt, dass ich Euch so unverschämt ins Wort falle“, noch ein weiterer, Gänsehaut verursachender Blick: „aber ich verstehe nicht, was ihr von mir wollt. Ich...“, Jessica konnte ihren Satz nicht beenden, die Königin brachte sie mit einer Geste zum Schweigen. Ihre Augen waren hart, ihr ganzer Körper angespannt.

Die Königin schien vor der bestehenden Bedrohung zu beben. Nach einer Pause, blickte die überwältigende Frau Jessica tief in die Augen und in ihre Seele. „Ich möchte“, erklärte die Königin bestimmt „dass du meine Elementkrieger findest und für den Kampf vorbereitest!“

*

Die Zeit stand still. Mit ihr auch alles andere. Jessica hörte nur ihren eigenen Atem. Sie drohte gleich, einen Herzanfall zu erleiden.

„Wieso ich?“, war alles, was sie fragen konnte. Ein kleines Lächeln deutete sich auf dem Gesicht der Königin an. „Du bist eine sehr begabte Hexe, Dein Potential ist noch lange nicht erreicht. Welche Mächte in dir stecken, erahnst du kaum im Ansatz. Außerdem verfügst du über einen unerschütterlichen Glauben an das Gute. Dein Herz ist rein, genau wie deine Seele.“

„Aber meine Königin!“, Jessica verzweifelte langsam „Ich bin nichts besonderes. Ich habe keine Ahnung, was Elementkrieger sind, noch wo ich sie finde, geschweige denn, wie ich sie vorbereiten soll! Ihr habt die falsche Hexe.“

„Bezweifelst du etwa meine Entscheidung?“ Tiefes Donnerrollen. Die Lautstärke koppelte sich wohl an der Königin Laune. Nicht mehr so leise und freundlich, dafür umso deutlicher neigte sich die Königin zu Jessica und sprach : „Aus den genannten Gründen, wählte ich dich. Du findest die Krieger. Ich stelle dir jemanden zur Verfügung, der dich den Weg begleitet. Von dir Hexe, hängt eine Menge ab. An meinem Entschluss, kann nicht mehr gerüttelt werden!“

Viel zu eingeschüchtert und kurz vor dem Herzinfarkt, sagte Jessica kein Wort mehr. Wie oft träumte sie davon, als Superheldin Böses zu bekämpfen? Doch jetzt, wo sie scheinbar unerwartet die Gelegenheit bekam, wollte Jessi nur noch im Erdboden versinken.

Die Königin bemerkte ihre Furcht. Deutlich milder, wandte sie sich ein letztes Mal an ihre Erwählte: „In den nächsten Tagen erhältst du weitere Instruktionen und bekommst Hilfe an die Seite gestellt. Erdenhexe, ich habe größtes Vertrauen in dich. Du wirst mich, da bin ich sicher, nicht enttäuschen. Lebe wohl, Jessica Adams.“

Mit diesen Worten entschwand die Königin, nicht weniger eindrucksvoll als bei ihrer Ankunft, mit einem großen Feuerwerk gleißender Blitze. Der Regen fiel wieder. Die Fliege machte sich davon. Jessica lag immer noch auf der Erde. Sie blinzelte. „Das ist nicht wirklich passiert!“, hoffte sie im Stillen. Gar kein Druck, nein! Auf ihr lag kein Druck, nur die Erwartung das verdammte, magische Universum mit den drei riesigen Klötzen am Himmel zu retten! Wenn sie sich doch nie so etwas gewünscht hätte! Kindisch und naiv, kamen Jessi ihre Träume vor. Wie gerne würde sie sich mit Alejandro die Sterne anschauen. Nur die Sterne! Ohne die anderen Klumpen am Horizont zu sehen!

Müde, durcheinander und frierend, raffte Jessica sich endlich auf.

Morgen ist ein neuer Tag. Vielleicht vergeht das Erlebte und sie träumte tatsächlich nur.

Ja, morgen ist ein neuer Tag! Da sieht die Welt anders aus.

Jessica kramte ihr Handy hervor. Ihren Eltern schrieb sie eine Nachricht, dass es ihr nicht gut ginge und sie sich lieber zuhause hinlege.

Hunger hatte die Auserwählte in spe sicherlich keinen mehr.

Kapitel 2

Chuck, the No Duck

Die nächsten Tage passierte genau gar nichts.

Am Morgen nach der Begegnung, erwachte Jessica in ihrem Bett munter und erfrischt.

Es gab keine Spuren oder Hinweise auf ein vermeintliches Treffen mit der Königin von Licht und Magie, außer eine verblasste Erinnerung. Diese könnte genauso gut ein Traum gewesen sein. Darüber war Jessica mit jeder verstrichenen Stunde sicherer.

Ihr Leben verlief mit der täglichen Routine, ohne besondere Vorkommnisse, einfach weiter.

Eine unspektakuläre Arbeitswoche neigte sich gen Ende. Freitagabends holte Jessica das Diner bei ihren Eltern nach. Die Absage am Montag, schob sie auf eine leichte Depression, ausgelöst durch ihre, sie nicht auslastende Arbeit und Beziehungsflaute. Für ihre Mutter, galt die Ausrede einer depressiven Phase nicht. Noch nie. Knapp zwei Stunden, in denen Jessica appetitlos Hühnchen mit Bohnen hinunterwürgte, erklärte ihre Mutter Corinna, jeder solle dankbar für Arbeit und das von Gott gegebene Leben sein. Heutzutage seien Jobs nicht selbstverständlich. Ihr Vater Thomas brachte sich in das Gespräch ein, indem seine Ehefrau in ihren Ansichten bestärkte. Für Jessicas Beziehungsprobleme, hatten ihre Eltern genauso wenig Verständnis. Kein Wunder, die Ehe von Corinna und Thomas hielt bereits über 20 Jahre!

Mehr ein Besuch bei Psychologen, als ein entspanntes Essen im Familienkreis, entschied Jessi, die jammernde Memme hinter sich zu lassen.

Ihr Wecker klingelte am Samstag nicht. Jessica schlief ausnahmsweise aus. Nach dem gestrigen Fiasko, sei ihr ein bisschen Entspannung schließlich gegönnt.

Als sie die Augen aufschlug und den neben dem Bett stehenden Nachttisch nach einem Taschentuch mit ihrer Hand absuchte, ertastete sie ein kleines, quadratisches Kästchen. Jessi nahm es vom Tisch und betrachtete es. Ein Schmuckkästchen? Freudig erregt, setze sie sich im Bett auf. „Du kannst ja nur von Alejandro stammen!“, murmelte Jessica dem Behälter zu. „Soll ich dich gleich öffnen, oder bis nach dem Frühstück warten? Ach was! Geduld war nie meine Stärke!“ Die junge Hexe öffnete aufgeregt das kleine Ding. Erstaunt brachte sie nur ein „Oh wow!“ hervor. Völlig unerwartet, kam eine kleine, silberne Kette zum Vorschein. Ein runder Anhänger ergänzte die Halskette. Jessica studierte den Schmuck eingehend. Das war kein gewöhnlicher Modeschmuck, sondern ein echter Mondstein! Wie von Hummeln gestochen, hüpfte Jessica auf einmal motiviert, von ihrer weichen Matratze. Im Badezimmer sprang sie unter die Dusche, kämmte sich die Haare und trug Wimperntusche auf. Prüfend betrachtete die junge Frau ihr Spiegelbild. „Okay, ganz so schlimm siehst du gar nicht aus“, meinte Jessica zufrieden. Sie hatte eine helle Haut, um die jeder Asiate sie beneiden würde, die hellblonden Haare fielen glatt und ordentlich über ihre Schulter, hellblaue Augen zierten ein zartes Gesicht. Jessica legte die Kette an. Unglaublich schön sah der gräuliche Mondstein aus, als ob er tatsächlich Mondlicht im Innern einfasste.

Geschwind zog sich Jessica an, Jeans, weißes T- Shirt.

Obwohl Alejandro und sie erst gegen Mittag verabredet waren, wollte sie ihn als Dankeschön überraschend zum Frühstück einladen.

Jessica wohnte in der 83 Street, Upper West Side, Alejandro in der 76 Street, Upper East Side. Ihre Uhr zeigte 09:30 Uhr morgens. Erwischte sie gleich ein Taxi, sollte sie rechtzeitig bei ihm sein, bevor er frühstückte. Alejandro arbeitetet meistens bis tief in die Nacht. Daher schlief er am Wochenende gerne aus.

Mittlerweile trocken und gesäubert, schlüpfte Jessica in ihre zu den Jeans passenden, hellblauen Jimmy Choo Sandalen und spurtete aus ihrem Apartment.

Glücklicherweise hielt ein Taxi keine fünf Minuten später.

Während der Fahrt, streichelte Jessica ihren Mondstein. Dabei erinnerte sie, wie ihr Freund und sie sich kennenlernten. Seine Eltern kamen von Spanien nach Amerika, in der Hoffnung, den amerikanischen Traum leben zu können. Sie wohnten in Napa und bewirtschafteten ein Weingut. Manchmal feierten sie Feste zusammen, ansonsten sah Jessica die beiden kaum. Letztes mal an Thanksgiving, überlegte sie. Ihr Sohn, noch in Spanien geboren, wuchs in den USA auf. Nach der High School, fing er bei einer Baufirma an zu arbeiten, welche alte Gebäude saniert. Früher, sozusagen Mädchen für alles, schaffte es Alejandro bis zum stellvertretenden Bauleiter. Seine anspruchsvolle Beschäftigung nannte er immer als Grund, wenn er sie mal wieder vertröstete.

Ihr Freund und sie lernten sich kennen, als die 18 Jahre alte Jessica ihre Lehre beim Magischen Rat absolvierte. Ihr Ausbilder nahm sie auf eine Hausbesichtigung mit. Gedanklich war die angebotene Wohnung als Bleibe für frisch angekommene Flüchtlinge von Ecliso gedacht. Alejandros Firma sanierte das Mehrfamilienhaus, in welchem sich das Apartment befand. Er begegnete Jessi das erste Mal im Treppenhaus. Während ihr Mentor mit dem Makler verhandelte, tauschten die beiden jungen Erwachsenen Telefonnummern aus.

Fünf Jahre lag das Ereignis zurück. Er, drei Jahre älter als Jessica, immer noch ihre erste und einzige große Liebe, nannte sie, seit sie zusammenkamen, Corazon. Wie sein Herz, fühlte sie sich glücklicherweise wieder, nachdem er ihr die Halskette schenkte. Vermutlich schlich er sich mit seinem Schlüssel für ihr Zuhause nachts ins Schlafzimmer und deponierte den Schmuck auf dem Nachtschrank.

Aufgeregt nahm Jessi zwei Treppenstufen auf einmal. Wie Alejandro, hatte auch sie einen Schlüssel zu seiner Wohnung. Gleich überraschte sie ihn, beide hätten einen wunderbaren Tag zusammen, die Flaute verging.

Glaubte Jessica zumindest.

Leise schloss sie die Tür auf. Falls er noch schliefe, wollte sie ihn nich erschrecken, sondern sanft wecken. Nachdem sie eintrat, hörte sie Geräusche aus seinem Schlafzimmer. Verdutz hielt Jessica einen Moment inne. Ganz klar, Stöhnen! „Das ist jetzt nicht wahr?“, befürchtete Jessi „Bitte, lass es anders sein, als ich denke!“

Bei der Zimmertür angekommen, drang das Gestöhne laut und deutlich in Jessicas Ohr. Ihr Herz setzte für einen Moment aus, dann stiegen bereits Tränen in ihre Augen. Bereitwillig schluckte Jessica den Kloß in ihrem Hals, rüstete sich geistig, riss die Türe auf und schritt ins Schlafzimmer.

Eindeutiger konnte die Situation wirklich nicht sein. Entsetzt musste Jessica feststellen, dass eine splitternackte, fremde Frau auf ihrem Freund Rodeo spielte. Er seinerseits genoss die kreisenden Hüftbewegungen seiner Reiterin offensichtlich. Die weitere Person im Raum, bemerkten die Beiden im Rausch ihrer Ekstase nicht.

Jessica blieben zwei Möglichkeiten. Erstens, verschwinden, heulen, ihren Kummer in Schokolade und Rotwein ertränken. Sie entschied sich für Zweitens.

„Cade giù!“, wisperte Jessica leise. Trotz geringer Lautstärke, entfaltete, kaum ausgesprochen, der Zauberspruch seine Wirkung. Die Reiterin flog in hohem Bogen von ihrem Ross hinunter. Bei anschließend ausgestoßenen Flüchen, kam sie scheinbar sehr unsanft auf dem Boden auf.

„Geschieht ihr Recht“, dachte Jessica. Mit der nicht mehr vollbusigen Rothaarigen auf seinen Lenden, blickte Alejandro direkt ins wutentbrannte Gesicht seiner betrogenen Freundin.

„Corazon!“, presste er aufgelöst raus. Rothaar blickte ebenfalls überrascht vom Teppich auf.

„Wer ist das, Amado?, fragte das Miststück doch tatsächlich Jessis Freund. Bevor Alejandro überhaupt antworten konnte, brüllte Jessica : „Amado? Geliebter? Dein Ernst? Wie lange fickst du diese Silikon Schlampe denn schon?!“ In der Regel, legte Jessica Wert auf eine gepflegte Sprache. Beim Anblick ihres Kerls, dessen olivfarbene Haut schweißbedeckt durch den Sex mit einer anderen glänzte, vergaß sie ihre gute Kinderstube. Alejandro stolperte aus dem Bett, seine schwarzen, langen Haare klebten an Gesicht und Hals. „Corazon, das ist nicht so...“ - „... wie es aussieht?“, beendete Jessica seinen Satz. „Hey, meine Brüste sind echt! Alles Natur“, mischte sich die Vollbusige aberwitzig ein. „Wenn das dein einziges Problem ist, du Schlampe, nimm deine beiden natürlich chirurgischen Totschläger und verschwinde!“ - „Du nennst mich Schlampe und willst mich rauswerfen? Frag doch mal deinen Freund, wer gehen und wer bleiben soll, vor allem in wem er lieber drinsteckt!“

Das war's. Schicht im Schacht. Jessica erkannte aus den Augenwinkeln, wie Alejandro eine beschwichtigende Geste machte. Jessi sah rot. „Ich sagte Schlampe, RAUS HIER! HAU AB!“ Entfacht durch ihren Zorn, drang Zauberkraft an die Oberfläche und prickelte auf ihrer Haut. Durch die Rage, lies Jessi die Energie unbewusst frei. Eine Welle an Magie explodierte aus Jessicas Körper, sprengte Fenster, Tür, Kleiderschrank und sämtliche Regale des Zimmers. Deckung suchend, kauerten ihr Freund und die fremde Frau auf dem Fußboden. Entsetzt fragte Alejandro die noch immer am gleichen Platz stehende Jessica : „Was war das?“ - „Sei froh, dass du die Antwort nicht kennst. Und bete, dass du sie nie erfährst.“

Auf dem Absatz umkehrend, flüchtete Jessica aus der Liebeshöhle. „Corazon!“, rief ihr Alejandro hinterher. Jessi blieb einen Moment stehen. Noch immer den Rücken zukehrend, sagte sie : „Deine Kette bekommst du zurück. Kannst sie dann deiner Amante mit Naturtitten schenken!“ Beim Wort Naturtitten, hob Jessica eine Augenbraue. Diese Geste, in welcher eine Spur Zauberkraft steckte, führte zum Aufspringen der Eingangstüre. Alejandro und seine Amante zuckten zusammen. „Corazon, welche Kette meinst du?“, wimmerte er, beide Arme zum Schutz vor dem Gesicht verschränkt.

„Welche Kette?“, dachte Jessica „Er weiß von keiner Kette? Von wem habe ich sie dann?“

Noch einmal umdrehend, sprach Jessi mit bedrohlicher Stimme : „Ich will dich nie wieder sehen. Wag es nicht, noch einmal meine Nähe zu suchen!“

Damit verschwand die Betrogene aus der Wohnung des Betrügers und lies ihn mit der nackten Frau und dem völlig zerstörten Schlafzimmer zurück.

*

Auf dem Heimweg, nachdem Wut und Adrenalin erlosch, liefen die Tränen. Jessica wollte sich trotz der frühen Uhrzeit betrinken und mit Schokolade vollstopfen.

Scheinbar war ihr auch das nicht gegönnt.

Jessi, zu Fuß unterwegs, bemerkte unter den vielen Menschen, die am Samstag durch die Straßen schlenderten, ein Pärchen. Die Frau, jung, hübsch, gut gekleidet, bemerkte nicht, dass ihr Begleiter offensichtlich ein Dämon war. Seine Aura strahlte dunkel und wirkte böse. Alle Alarmglocken schrillten bei der Hexe, ihre Nackenhaare standen. Sie sollte den Rat kontaktieren. Die vierte Abteilung bestand aus Zauberern, die Polizei ähnliche Funktionen ausübten. Doch, was sagte Jessica ihnen? Noch passierte nichts. Dämon und Frau spazierten verliebt die Madison Ave entlang.

Zögerlich folgte die Hexe dem Pärchen. Klasse, jetzt benahm sie sich schon wie eine Stalkerin!

Ihr Handy für den Notfall bereithaltend, beobachtete Jessica jede Bewegung des dunklen Wesens. Sie wusste aus Büchern und Schulunterricht, dass manche dämonische Arten, die Lebenskraft von Menschen raubten. Anschließend, weiteten diese Kreaturen ihre eigene Kraft und Lebensspanne aus. Turtelnd flüsterte der Dämon seiner menschlichen Begleiterin etwas ins Ohr. Diese lächelte und streichelte zärtlich mit ihrer Hand über sein Gesicht. Jessica kam gleich das Kotzen. Generell schon widerlich, passte ihr die Szene heute mal gar nicht! Kichernd verschwand das Paar in einer Gasse. Der schmale Weg, verwinkelte sich mit weiteren und endete schließlich in einem kleinen Hinterhof. Jessica blieb hinter der Mauer, außer Sichtweite stehen. Sie lugte um die Ecke und sah beide knutschend, die Frau gegen die Mauer des Hofes gelehnt. Vielleicht täuschten sie ihre Sinne und der Kerl beabsichtige nichts Böses. In einen Porno platzte sie vorhin bereits, noch ein weiterer, musste wirklich nicht sein. Gerade als Jessi ihr Handy einpacken und davongehen wollte, riss der Dämon sich von der Frau los, die immer noch an der Hofwand stand. Seine vorher normal menschlichen Augen färbten sich schwarz, Klauen ersetzten Hände, seine Aura bebte förmlich. „Also doch!“ In dieser Sekunde blieb keine Zeit mehr, den Rat anzurufen, Jessica musste handeln. Sie sprang aus ihrem Versteck, bevor er über seine menschliche Nahrung herfallen und Leben rauben konnte. Ihre Bewegung spürend, wandte der Dämon sein Gesicht.

„Uh! Wenn das Mädel vorher gewusst hätte, was für ein hässliches Teil du bist, hätte sie sich die Zunge von dir bestimmt nicht in den Hals stecken lassen!“, sprach Jessica mit fester Stimme. Selbstbewusstsein, die halbe Miete, in einem Augenblick wie diesem. Das Biest lächelte : „Nun“ zischte es „wenn ich mit der da fertig bin, stecke ich als Zugabe Dir die Zunge in den Rachen. Und vielleicht noch was anderes!“

Pfui Teufel! Er bewegte sich fix wie ein Windhund auf Jessica zu. Kein nachdenken oder zögern! „Circolo della strega!“, rief Jessica und beschwor einen Hexenzirkel. Der runde Zirkel, umfasste sie und den Dämon. In seinem Kreis, konnte Jessica ihre Zauber wirken. „Protego“, ergänzte sie. Kurz bevor sie das Ding mit der Monsterfratze ansprang, errichtete Jessi einen Schutzwall. Dieser hielt den Dämon nicht nur auf, sondern warf ihn ordentlich zurück. Wütend griff er erneut an, nur um noch einmal zurückgeschleudert zu werden. „Du Fotze!“, zischte Fratzengesicht. Dämonen drückten sich immer so vulgär aus! „Ok Jessica, denk nach! Welcher Zauber hält ihn auf?“

Dämonenabschaum durchschaute ihre Gedanken. Mit einem Lächeln, welches Jessica das Blut in den Adern gefror, drehte sich der Dämon zur Menschenfrau, die starr vor Angst in der Ecke des Innenhofs kauerte. „Mag sein, dass ich dich im Moment nicht zerfetzen kann, Hexe. Die da, aber schon!“ Geschmeidig sprang er mit einem Satz auf die Sterbliche. „Nein!“ , brüllten Jessica und die Frau gleichzeitig. Ohne weitere Gedanken über die Folgen, löste Jessi ihren Schutz und verlagerte den Wall auf die Frau. Das Monster wartete nur darauf. Kalkuliert kehrte er um. Nicht mehr für eine nächste Reaktion in der Lage, taumelte Jessi rückwärts. Sie versuchte dem Angriff auszuweichen und duckte sich. Aber der Dämon vermutete ihre Absicht. Mit seinen Klauen, riss er Jessica das T- Shirt auf, jagte seine Zähne in ihre Schulter. Sie hörte die Menschenfrau schreien. Selbst, nicht imstande einen Ton abzugeben, sackte die sie auf den Boden.

„Was für eine armselige Hexe bist du nur? Eine tolle Superheldin! Niemals würde die Königin ein Schwächling wie dich erwählen! Nicht einen geringen Erdendämon kannst du besiegen! Kein Wunder, dass Alejandro Natursilikontitte bevorzugt!“ Während Blut ihren Körper hinunterlief und der Dämon zum nächsten Angriff zielte, kamen Jessica die Worte ihrer Mutter aus ihrer Kindheit in den Kopf. „Mein liebster Schatz, bedenke immer, jedes Lebewesen bestimmt sein Schicksal selbst, indem es sich durch seine Gedanken positiv oder negativ beeinflussen lässt. Danach verläuft sein Leben entsprechend!“

Damit, hatte ihre Mutter recht. So lange Jessica noch stehen konnte, würde sie alles in ihrer Macht stehende tun, zumindest diese eine Unschuldige beschützen!

„Circolo della strega“, krächzte sie. „Oh! Die Hexe wehrt sich! Süß!“ - „Fahr zur Hölle!“ - „Süße, was glaubst du, wo ich herkomme?!“ Der Dämon packte erneut zu. Seine Klauen fuhren über Jessicas Oberschenkel. Ihre linke Schulter blutete stark. Durch Verletzungen an den Beinen, knickte Jessica wieder ein. „Jetzt Miststück, reiße ich dir den Kopf ab!“

„Nicht aufgeben! Steh auf!“ Jessica mobilisierte ihre verbliebenen Kräfte. Leider standen ihr keine mehr zur Verfügung. Sie blickte zu der Menschenfrau.

„Verdammt steh auf! Sie ist sonst verloren!“ Krallen fuhren auf sie herab, Jessicas Blut pulsierte. „STEH AUF!“

*

Magie schloss durch ihre Adern. Jessica stieß mit der flachen Hand ihren Angreifer zurück. Begleitet durch eine Schwall magischer Energie, flog er rückwärts. Selbst erstaunt, benötigte Jessi einen Moment zum Sammeln. Dabei bemerkte sie, dass ihr Mondstein vibrierte. Er leuchtete hell. Wärme durchströmte Jessicas Körper. „Welch angenehmes Gefühl!“, dachte sie. Diese Impulse kannte die Hexe, erlebte sie bereits mehrere Male. „Mondlicht!“ Tatsächlich! Ihr Stein beinhaltete Mondlicht! „Wie ist das möglich?“ - „Hey, Hexe“, der Dämon stand wieder, erholt von seinem Schock „kein Plan, was du da fabriziert hast. Aber das war deine letzte Gelegenheit! Nun fresse ich dich!“

Jessica hörte ihn nicht, nahm seine Worte nicht war. Die einzigen, welche in ihr Ohr drangen, entstammten einer anderen Person. „Ich habe dich auserwählt“, erinnerte sie sich.

Fest entschlossen, blickte Jessica ihrem Feind ins Gesicht. Wie eine Schlange, renkte der seinen Kiefer aus. „Oh Mann“, etwas ekelhafteres hatte sie bisher nie gesehen. Die Sterbliche wohl auch nicht, denn sie übergab sich, völlig grün im Gesicht, an der Mauer. „Ok, Jessica“, mahnte jene „konzentrier dich und lass dich nicht von seinem perversen Trick beeinflussen. Ooooh!“ Beim Ausrenken blieb es nicht. Spitze, scharfe Zähne schossen aus seinem übergroßen Maul, die Augen des Monsters, nicht mehr sichtbar. Kein Wunder, der Mund erreichte die Größe eines Fußballs. „Heilige Scheisse!“, entfuhr es Jessica. Sie blickte zur Frau, diese war in Schockstarre weggetreten. Gut, mischte sie sich immerhin nicht ein, oder stand im Weg.

Ihre Hand auf den Mondstein legend, sprach Jessica „Luna, mi senti! Mond erhöre mich!“ Selbst in einem Moment wie diesen, lächelte die Hexe und dachte an ihre Lieblings- Kinderserie. Ihr Anhänger gab Mondlicht ab. Die energetischen Wellen nahm Jessica dankbar auf. Zauberkraft floss durch ihre Adern, mehr und mehr. Sie stöhnte : „Wahnsinn!“

Ihre Haut glühte, alle ihre Nerven spannten. Dies geschah im Bruchteil eines Moments, im nächsten, schritt der Dämon bereits auf sie zu. Naja, eigentlich bewegte sich das Maul auf sie zu, aber das war letztendlich nur eine Kleinigkeit.

Im Gegensatz zum letzten Angriff, erkannte Jessica, durch ihre geschärften Sinne, jeden Schritt ihres Gegenübers, seine Bewegungen deutete sie klar und deutlich.

Bereit beschwor die Hexe ihren Zirkel : „Circoli delle Strege!“ Nicht einen, Jessica rief gleich mehrere herauf. Viele, runde Kreise verschlangen ineinander, vergleichbar eines exotischen Mandalas. „Proteggerla!“, Jessica deutete mit ihrem linken Zeigefinger auf die Sterbliche, ein Schutzzauber erschien. „Muro invisibilie“, mit der rechten Hand malte Jessica einen unsichtbaren Bogen in die Luft und erzeugte einen durchsichtigen Wall, ähnlich dem des Magischen Rats, damit kein anderer Mensch zufällig in das Geschehnis geriet. Mittlerweile bei der Hexe angekommen, roch Jessica den fauligen Atem des Dämons. Ganz deutlich sah sie, wie das Böse zum letzen Biss ansetzte. Ruhig im Innern, hob Jessi ihren rechten Zeigefinger, deutete genau in den Rachen des Monster und sprach : „Alle guten Hexen, gebt mir Kraft. Königin, gestehe mir Macht, Mondlicht leih mir Energie, helft mir das Böse zu bekriegen und für das Gute zu siegen! Sancto!“

Der Mondstein erstrahlte, sendete Energie durch ihren Körper, unfassbare Macht durchfuhr ihre Venen, entlud sich an der Spitze ihres Fingers und fuhr in den Schlund des Monsters. Vor Schmerz, schrie der Dämon auf. Rückwärts taumelnd, rieb er sich mit seinen Klauen Gesicht und Hals. Seine Haut, durchscheinen rot, heiß vom Zauber in seinem Innern, schmolz. Röchelnd kauerte er auf dem Boden. Mit einem letzten Todesschrei, verendete der Dämon, die Asche seiner Gestalt verwehte mit dem Wind.

*

Jessica blickte zur Menschenfrau, die immer noch reglos an der Mauer, neben ihrem Erbrochen lehnte. Leider verfügten Hexen nicht über die Fähigkeit der Gedächtnismanipulation.

Doch immerhin, konnte Jessi der Frau, die letzten Minuten vergesslich machen.

Neben sie kniend, legte Jessica ihr die Hand auf die Stirn. Schockiert und nicht imstande für eine Reaktion, lies die Frau folgendes geschehen. „Dimentica“, flüsterte ihr Jessica zu. „Vergiss, was du hier gesehen hast und lebe dein Leben weiter. Du sollst ein glückliches und erfülltes Dasein haben! Nun, schlaf. Dormi!“

Nachdem der Zauber wirkte, schlenderte Jessica aus der Gasse, rief unterwegs den Notruf und meldete, eine junge Dame sei in einem Innenhof zusammengebrochen und brauche Hilfe.

Regen fiel. Erschöpft fing Jessi an zu lachen : „Wir sind doch in keinen Scheiß Film! Warum regnet es jedes Mal!“ Super, ihre Jimmy Choos standen unter Wasser. Déjà-vu!

„Die Fakten. Augenscheinlich, bin ich auserwählt, mit ner magischen Halskette, welche vermutlich von der Königin stammt und meine Kräfte verstärkt. Mein Freund betrügt mich, meine Sandalen vertragen keine Feuchtigkeit, einen Dämon hab ich vernichtet, laufe durch die Stadt, überall klebt Blut an meinen Klamotten, ich sehe aus wie eine Mörderin, was ich theoretisch bin und alles vor meiner ersten Mahlzeit!“ Klasse, ein Selbstgespräch führte sie auch.

„Nächster Schritt : Kaffee!“ Nachdem sie im Coffee Shop um die Ecke ihres Apartments einen großen Latte Macchiato bestellte, mit blutigen Kleidern, was wiederum für eine entsetzte Stimmung im Café sorgte, kam sie durchnässt Zuhause an. Ein Kaffeevollautomat stand zwar in ihrer Küche, doch den Latte von Starbucks gönnen, wollte sie sich nach diesem Vormittag einfach.

Erschöpft, sank Jessica auf ihre Couch. Am Schönsten war es doch Zuhause. Ihre Wohnung maß bloß 55 Quadratmeter und bestand aus Schlaf- und Wohnzimmer, Bad, Einbauküche. Bei den Preisen in Manhattan und weil finanziell nicht machbar, bewohnte ein Geringverdienerin eben kein größeres Apartment.

„Eine Dusche wäre jetzt eine optimale Idee.“ Sie trank einen Schluck des heißen Kaffees, als : „Einen Dämon besiegt und schon liegt die Alte halbtot auf der Couch!“

*

Den Kaffee spuckte Jessi vor Schreck wieder aus. „Wer hat das gesagt?“, fuhr sie den imaginären Eindringling an. Antwort, irgendwo her : „Dachte, die Königin kündigte mich an?“

„Die angebliche Unterstützung?“ Mit ihren Augen durchforstete Jessi den Raum. Keiner da. „Hier bin ich.“ Woher kam das? „An der Wand hinter deiner Couch.“

Der Atem blieb Jessica stocken. Hinter ihr, über ihrer schönen, grauen Couch, klebte eine... „EIDECHSE!“, schrie Jessi das Teil an.

„Brüll hier nicht rum, ich habe feine Ohren! Außerdem, Bartagame, nicht Eidechse!“, erwiderte das fette, grün-gelbe Ding. Als wäre es das Normalste auf der Welt, plauderte die Bartagame weiter : „Chuck, freut mich Hexe. Auch, wenn ich über deine Kondition entsetzt bin.“ - „Chuck?“ - „Ja, sag ich doch. Bist du neben halbtot noch schwerhörig?“

Jessica prustete los. Eine übergroße Echse mit dem Namen Chuck! Das war zu viel! Verwirrt über den Lachanfall, kletterte Chuck die Wand nach unten. Auf dem Boden angekommen, stand er auf zwei Beinen! „Jetzt guck mich nicht so beeindruckt an, ich weiß, dass ich toll bin!“ An Selbstbewusstsein mangelte es ihm jedenfalls nicht!

Nachdem sie anfängliches Unbehagen überwand, redete Jessica den ungebetenen Gast an : „Du bist wohl meine Hilfe.“ - „Eher deine Rettung.“ - Diese Unterhaltung war sowas von schräg! „Wieso schickt mir die Königin eine Eidechse?“, fragte Jessica eher sich selbst, als ihren Besucher. Genervt dementierte dieser : „Bartagame! Da gibt’s Unterschiede!“ Jessica verdrehte die Augen. Um ihn zu ärgern, stellte sie die gleiche Frage erneut : „Wieso schickt mir die Königin als Unterstützung und Wegweiser ein Reptil?“ Das Wort Reptil betonte sie provozierend. „Hexe, noch kann ich dich leiden“, warf das kleine Tierchen zurück und verschränkte dabei seine Arme? Konnte die Szene seltsamer werden? Dramatisch stolzierte die Agame in Jessis Wohnung umher.„Ihre Majestät erschuf mich persönlich. Ob du es glaubst oder nicht, ich verfüge über großes Wissen und Kampferfahrung“ - „Und ich bin Batman“, entfuhr Jessica sarkastisch. Bevor die Bartagame nachhaken konnte, fragte Jessi beschwichtigend : „Nun, Chuck, Feuer frei, wie geht’s weiter?“ Nach einer mit Dramaturgie untermalten Pause, erklärte Chuck :

„Wir brechen nach Pura auf.“

*

„Pura?“ - „Du hörst richtig Schätzchen, Pura!“

„Warum ausgerechnet Pura?“, dachte Jessica. Kein Erdling betrat je einen der drei magischen Planten. Völlig normal, beehrten Magier, Dämonen und allerhand Kreaturen die Erde mit ihrer Präsenz. Andersherum nicht toleriert, durften Erdbewohner keines der Reiche des sogenannten Tribunals besuchen.

Jessica sank zurück auf ihre Couch. Chuck beobachtete sie mit seinen Glubschaugen. „Hör mal, Chuck, für mich ist alles Neuland. Vor ein paar Tagen erst erfuhr ich, Auserwählte zu sein. Heute stellte ich fest, dass mein langjähriger Freund mich betrügt. Zu allem Überfluss, wollte mir ein Dämon den Kopf abreisen. Er biss mich in die Schulter und...“, Jessica stockte. Eben erst fiel ihr auf, dass ihre Bisswunde an der Schulter und die Schürfwunden an den Oberschenkeln nicht mehr bluteten. Untersuchend fuhr sie mit Ihren Fingern über die offensichtlich geschlossenen, verwundeten Stellen. „Wie ist das möglich?“, keuchte sie.

„Anscheinend begreifst du wirklich nicht, Hexe“, mahnte Chuck „Du bist eine Kriegerin der Königin. Deine Kampfverletzungen heilen deutlich schneller.“

Keinen Ton brachte Jessica heraus. „So fühlt sich also ein Superheld!“

Doof aus der Wäsche schauend, fragte Jessi : „Bin ich unsterblich?“ - „Nein! Niemand ist unsterblich! Sagen wir, du lebst länger.“ - „Bleibt meine Jugend erhalten?“ Dies sollte eigentlich ein Scherz sein. Chuck, völlig ernst, erklärte : „Hast du jemals eine Oma kämpfen sehen? Solange du Kriegerin bist, auf jeden Fall!“ Verblüffend! „Habe ich den Mondstein von der Königin?“

Augen rollend, erwiderte der Ärmchen verschreckende Chuck : „Wer hat dich denn rekrutiert? Natürlich! Ok Mäuschen, du sollst nicht dumm sterben. Ich fang von vorne an.“ - „Nenn mich noch einmal Mäuschen und du stirbst, Reptil!“ Anscheinend glaubte er ihr, seitdem betitelte Chuck sie nie wieder auf diese Art.

Er räusperte sich : „Zumindest habe ich deine Aufmerksamkeit.“ - „Du bist eine auf zwei Beinen stehende, sprechende Echse, Bartagam, wie auch immer! Auch ohne Kosenamen, hättest du die!“, frotzelte Jessica genervt. Chuck kletterte auf Jessis Couchtisch. Super, den durfte sie später desinfizieren! In voller Statur mit seinen 50 cm und leidenschaftlichem Ausdruck, erstattete Chuck Bericht.

„Um sicherzugehen, dass wir das uns bedrohende Böse, in Form der Nekromantin, schlagen, dürfen wir uns nicht ausschließlich auf die Garde der Königin verlassen. Zusätzliche Schlagkraft ist notwenig. Vor Jahrhunderten entwickelte unsere Königin einen Notfallplan für einen Augenblick wie diesen. Er sieht vor, die Macht der vier Elemente an ausgewählte Geschöpfe zu verleihen.“ - „Aber, es gibt unzählige Magier, welche Elementarmagie nutzen“, wandte Jessica ein. Chuck erklärte : „Wir reden von den Quintessenzen der einzelnen Elemente. Ist dir die Tragweite bewusst? Besitzt ein Wesen das VOLLE Potential des jeweiligen Elements, beschwört es eine Macht, die du dir nicht ansatzweise vorstellen kannst!“ - „Warum griff die Königin nie auf diese Macht zurück?“ - „Gute Frage. Dazu musst du begreifen, dass die vier Elemente keiner Seite angehören. Ausschlaggebend für den Frieden des Universums, der magischen Welt, ist eine Balance zwischen Gut und Böse, Licht und Dunkelheit. Keiner der Mächte, darf die Waage auf einer Seite erschweren und das Gleichgewicht beeinflussen. Die Elemente wurden von Gott geschaffen, die Magie entstammt den Träumen der Menschen. Durch Geburt der Königin, entstand Elementarmagie - also Magie aus den ursprünglichsten, natürlichen Existenzen. Keine andere Magie ist vergleichbar. Daher unverzichtbar, blieben die vier existenziellsten Elemente neutral. Immer der Nutzer entscheidet, ob sie für Gutes oder Böses eingesetzt werden. Die Quintessenzen jedes Elements, schloss die Königin in Edelsteine, analog wie du einen hast. Dein Edelstein erfasst Mondlicht. Du bekamst ihn, da du Energie aus dem Licht des Mondes beziehst und für Zauber nutzt.

Zurück zu den Elementsteinen. Nie sollten einzelne Geschöpfe die vollen, elementaren Kräfte nutzen, lediglich eine Bruchteil davon. Geringe Elementarmagie, die du vorhin ansprachst. Wird das ganze Potential einem Einzelnen übertragen und schließt derjenige sich der falschen Seite an, könnten die vorher neutralen Elemente im schlimmsten Fall böse werden.“

Unvorstellbar grauenhaft! Jessica dachte an das Worst Case Szenario. Feuer könnte alle Welten niederbrennen, Wasser sämtliche Städte überfluten, Hurrikans ganze Wälder abreißen, Erdbeben Städte im Boden versenken. Nicht nur flächenweise, sondern allumfassend!

„Ach du Scheiße!“, entfuhr es ihr. Chuck blieb ungerührt. „Scheiße ist noch untertrieben, aber scheinbar erkennst du den Ernst der Lage. Jedenfalls ist das der Grund, warum die Königin nie Elementkrieger erschuf und in den Kampf schickte. Bisher war es nicht nötig.“ - „Diese Nekromantin muss ja eine furchtbare Aura haben!“ -„Das ist das Problem. Die Königin kann die Gefahr nicht einhundertprozentig einschätzen. Offensichtlich ist die Bedrohung aber groß genug, dass die Königin zum Einsatz des Notfallplans gezwungen wird.“

Jessi stand auf. Lust auf Kaffee, verging ihr. Zögerlich schritt sie zum Wohnzimmerfenster. Draußen färbten dichte Wolken den Himmel grau, kein Sonnenstrahl fiel durch die Wolkendecke. Seufzend, dreht sie sich zu Chuck, der immer noch ihren Couchtisch einnahm. „Weißt du Echse, schade, dass du keine Ente bist“. Verblüfft, aufgrund des Themenwechsel angesichts dieser Situation, hakte er nach : „Versteh ich nicht, der Witz zog wohl an mir vorüber. Wie meinst du das?“ - „Naja, wärst du ne Ente, könnte ich dich Chuck the Duck nennen.“

Bevor Chuck einen Schlaganfall erlitt, wechselte Jessica zurück zum eigentlichen Gesprächsthema : „Also Chuck, no Duck“, dabei grinste Jessica „Wie werden die Elementkrieger erwählt, wo finde ich sie, was hat Pura damit zu tun?“

„Mhm“, fasste sich Chuck, the no Duck „Die Steine, vertraute die Königin unterschiedlichen Spezies, verschiedener Welten an. Seit Generationen bilden die Obersten dieser Rassen Priester aus, welche die Essenzen bewachen. Er beschützt sie nicht nur, seine Magie ist auch an den Stein gebunden. Sprich, die Krieger werden erst durch die Priester erweckt. Ohne Hohepriester, keine Elementkrieger.“

Sicher! Warum einfach, wenn es kompliziert ginge! Langsam platzte Jessica der Kopf.

„Dann gehe ich richtig in der Annahme, dass der erste Priester mitsamt Stein auf Pura hockt“, murmelte Jessi, während sie ihre Schläfen rieb.

Chuck, the no Duck, blickte sie verschwörerisch an. „Korrekt, Hexe! Auf nach Lichthallen!“

*

„Das wird ein Spaß!“, dachte Jessica ironisch. Obwohl die Bartagame auf einen zeitigen Aufbruch drängte (niemand wusste, wie viel Zeit dem Universum bleibt, bis das Böse erscheint, bla bla bla), bestand Jessi auf eine Dusche und Essen. Das Wort Essen überzeugte die Echse und so teilte Jessica mit Chuck, the no Duck, einen Teller Spaghetti mit fertiger Soße aus dem Supermarkt.

Frisch umgezogen, vorbereitet auf jede Wetterlage (Jeans, Stiefeletten, T- Shirt und Pulli), sauber und gesättigt, schloss Jessica ihre Wohnung ab. Chuck machte es sich auf ihren rechten, unverletzten Schulterseite bequem. Wie sonst, sollte sie das Vieh bis zum interdimensionalen Tor bringen. Besser, man hielt sie auf der Straße für eine durchgeknallte Irre mit Bartagam über der viel zu warm für diese Jahreszeit eingepackte Schulter (in ihre Handtasche passte und wollte er jedenfalls nicht, das entspräche Tierquälerei), als für eine Reisende zwischen den Welten.

„Äh, Hexe, wohin genau läufts du?“ - „Ich rufe ein Taxi, das fährt uns zum Grand Central Terminal. Wir steigen bei der Brooklyn Bridge aus. Das Tor befindet sich unterhalb der Brücke. Nur müssen wir überlegen, wie wir es öffnen. Iiiiiihhhhh“, schrie Jessica, als Chuck mit seiner Reptilienzunge ihr Ohr leckte. „Was soll das?“, frage sie angewidert. „Frag mich, ich sage dir, dass wir kein umständliches Tor benutzen, sondern den Schlüssel vom Wächter des kosmischen Raumes zur direkten Passage.“ - „Im Ernst?“ Den Wächter des Raumes rief der Rat bei verirrten oder nicht kontrollierbaren Flüchtlingen. Er begleitete die Ausreißer auf ihre Heimatplaneten, in der Regel Ecliso, zurück. Schell durch die Dimensionen sprang er mit Hilfe seiner Raumschlüssel.