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Wenn das wahre Leben besser ist als jedes Drehbuch ...
Die unbekannte Drehbuchautorin Emma Wheeler liebt romantische Filmkomödien - so sehr, dass sie sich wie keine andere in diesem Genre auskennt und genau weiß, nach welchen Regeln eine gute Rom-Com funktioniert. Als sie nun ein Drehbuch für den berühmten Drehbuchautor Charlie Yates umschreiben soll, kann sie sich diese Chance nicht entgehen lassen. Aber Charlie will mit niemandem zusammenarbeiten. Schlimmer noch: Seine romantische Komödie ist so schrecklich, dass sie die Apokalypse auslösen könnte. Doch Emma wird Charlie davon überzeugen, dass Liebesgeschichten wichtig sind und richtig gut sein können - selbst wenn sie ihn dafür besinnungslos küssen muss. Aber was, wenn die Geschichte, die beide schreiben, jede von Emmas Regeln bricht ... und wahr wird?
Die neue Enemies-to-Lovers-Romance von New-York-Times-Bestsellerautorin Katherine Center
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Seitenzahl: 482
Veröffentlichungsjahr: 2025
Wenn das wahre Leben besser ist als jedes Drehbuch …
Die unbekannte Drehbuchautorin Emma Wheeler liebt romantische Filmkomödien - so sehr, dass sie sich wie keine andere in diesem Genre auskennt und genau weiß, nach welchen Regeln eine gute Rom-Com funktioniert. Als sie nun ein Drehbuch für den berühmten Drehbuchautor Charlie Yates umschreiben soll, kann sie sich diese Chance nicht entgehen lassen. Aber Charlie will mit niemandem zusammenarbeiten. Schlimmer noch: Seine romantische Komödie ist so schrecklich, dass sie die Apokalypse auslösen könnte. Doch Emma wird Charlie davon überzeugen, dass Liebesgeschichten wichtig sind und richtig gut sein können - selbst wenn sie ihn dafür besinnungslos küssen muss. Aber was, wenn die Geschichte, die beide schreiben, jede von Emmas Regeln bricht … und wahr wird?
Die neue Enemies-to-Lovers-Romance von New-York-Times-Bestsellerautorin Katherine Center
Katherine Center ist NEW-YORK-TIMES-Bestsellerautorin und wird auch »die Königin der Wohlfühllektüre« genannt. Sie schreibt bittersüße Geschichten darüber, wie wir wieder aufstehen, wenn uns das Leben auch mal zu Boden wirft. Die NETFLIX-Verfilmung ihres Romans KÜSSEN UND ANDERE LEBENSWICHTIGE DINGE hat es gerade in 81 Ländern in die Top Ten geschafft. Sie lebt mit ihrem Mann, den gemeinsamen Kindern und ihrem Hund in Houston, Texas.
Titel der amerikanischen Originalausgabe:»The Rom-Commers«
Für die Originalausgabe:Copyright © 2024 by Katherine CenterPublished by arrangement with St. Martin’s Publishing Group. All rights reserved.
Dieses Werk wurde im Auftrag von St. Martin’s Publishing Groupdurch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover, vermittelt.
Für die deutschsprachige Ausgabe:Copyright © 2025 byBastei Lübbe AG, Schanzenstraße 6 – 20, 51063 Köln, Deutschland
Vervielfältigungen dieses Werkes für das Text- und Data-Mining bleiben vorbehalten.Die Verwendung des Werkes oder Teilen davon zum Training künstlicher Intelligenz-Technologien oder -Systeme ist untersagt.
Textredaktion: Angela Kuepper, München
Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München
Umschlagmotiv: Katie Smith
eBook-Erstellung: hanseatenSatz-bremen, Bremen
ISBN 978-3-7517-8423-8
luebbe.de
lesejury.de
Für meinen Dad Bill Pannill,der Worte genauso sehr liebt wie ich.Vielleicht noch mehr.
Logan Scott rief an, als ich gerade das Abendessen zubereitete, und fast wäre ich nicht rangegangen, weil mein Dad und ich zu ABBAs Greatest Hits mitsangen. Es gibt nicht viele Leute, für die ich ABBA unterbrechen würde – aber nun ja, Logan Scott war einer davon.
Logan war mein verflossener Highschool-Freund, den immer noch Schuldgefühle wegen der Art und Weise plagten, wie wir Schluss gemacht hatten, und er bewältigte diese Schuldgefühle, indem er mir Jobangebote schickte.
Nicht die schlechteste Art und Weise, damit umzugehen.
Es war die Buße, die er für sein unbeschadetes Leben tun musste.
Obwohl niemand ein wirklich unbeschadetes Leben hat, schätze ich.
Sein weniger beschadetes Leben, vielleicht.
Er war ein Manager. In Hollywood. Für Drehbuchautoren. Ein sehr glamouröser Job.
Technisch gesehen war er mein Manager – obwohl ich ihm noch nie Geld eingebracht hatte. Ich war so etwas wie sein Pro-bono-Fall.
Das sei okay, betonte er immer wieder. Irgendwann würde ich mich schon bezahlt machen.
Ich hatte bei zwei verschiedenen Drehbuch-Wettbewerben einen Platz belegt, weil Logan darauf bestanden hatte, dass ich daran teilnähme. Er hatte mir die Tür geöffnet, freiberuflich für die Variety zu arbeiten. Und all die Filmrezensionen, für die man mir den Mindestlohn zahlte? Hatte ich ihm zu verdanken.
Er schickte mir einfach immer wieder Arbeit.
Ich sagte ihm, dass er aufhören solle, sich schuldig zu fühlen. Es ging mir gut. Aber ich meinte es nicht wirklich ernst. Nicht, wenn seine Schuldgefühle weiterhin meine Rechnungen bezahlten.
Ein paar davon immerhin.
Jedenfalls, an diesem speziellen Abend hatte Logan ein Mordsangebot für mich.
»Emma«, sagte er. »Du musst dich hinsetzen.«
»Ich wende gerade Pfannkuchen fürs Abendessen«, erklärte ich. Meine Schwester Sylvie kam vom College nach Hause, also machte ich ihre Lieblingsspeise für sie.
»Du wirst sie definitiv alle fallen lassen, wenn du das hier hörst«, sagte Logan, als stellte er sich gerade vor, wie ich mit Pfannkuchen jonglierte.
Ich deckte den halb fertigen Stapel mit Folie ab, machte die Musik aus und bedeutete meinem Dad mit einem gereckten Finger »Eine Minute« quer durch den Raum.
Mein Dad nickte und zeigte mir herzhaft einen Daumen hoch, wie um zu sagen: Tu, was immer du tun musst.
»Ich bin bereit«, sagte ich zu Logan.
»Sitzt du auch wirklich?«
»Nein.«
»Ich scherze nicht. Du musst dich hinsetzen.«
Ich ging zu unserem Ess-Schrägstrich-Frühstückstisch und setzte mich an meinen bereits gedeckten Platz. »Okay«, sagte ich. »Ich sitze wirklich.«
»Ich habe einen Job für dich …«, sagte Logan dann und machte eine Kunstpause.
»Ich nehme ihn«, sagte ich.
»Um das Drehbuch für einen Spielfilm zu schreiben …«, fuhr er fort, indem er den Moment ausdehnte.
»Ist gebongt«, sagte ich und meinte: Rede weiter.
Und dann kam er zu seinem großen Finale: »Mit Charlie Yates.«
Logan hatte mir gesagt, dass ich mich hinsetzen solle – aber beim Klang dieses Namens stand ich auf.
Dann erstarrte ich. Runzelte die Stirn. Wartete. War das ein Scherz?
»Hallo?«, rief Logan schließlich. »Bist du noch …«
»Es tut mir leid«, sagte ich kopfschüttelnd. »Ich dachte, ich hätte gehört, wie du ›Charlie Yates‹ sagst.«
»Ich sagte tatsächlich Charlie Yates.«
Ich setzte mich wieder. »Charlie Yates?«, wiederholte ich, als gäbe es da Raum für Verwirrung.
Ich konnte spüren, wie Logan nickte. »Ja.«
Aber ich brauchte weitere Bestätigung. »Charlie Yates, der Die Zerstörer geschrieben hat? Charlie Yates, der Autor von Der letzte Revolverheld und Rauchende Pistolen und Vierzig Meilen zur Hölle? Der Drehbuchautor der Drehbuchautoren, die lebende Legende, der Grund, warum das halbe Land den Spruch ›Fröhliche Weihnachten, Cowboy‹ sagt – der Charlie Yates?«
»Mm-hmm«, antwortete Logan, den Moment genießend. »Genau der.«
Ich trank einen Schluck von dem Eiswasser in meinem Glas …
»Er hat eine Rom-Com geschrieben«, sagte Logan.
… und spuckte ihn hustend wieder aus.
Logan wartete, während ich mich erholte.
»Charlie Yates hat eine Rom-Com geschrieben?« Jetzt war ich argwöhnisch. Einen Western? Sicher. Einen Horrorfilm? Absolut. Ein dystopisches Weltallabenteuer, in dem die Roboter alle Menschen auffraßen? Jederzeit. Aber eine Rom-Com?
Unmöglich.
»Hat er nicht«, beantwortete ich meine eigene Frage.
»Hat er doch.«
»Ist sie … gut?«, fragte ich und schüttelte sogleich den Kopf, um die Frage zu widerrufen.
Natürlich war sie gut.
Ich hatte jeden Film gesehen, den Charlie Yates je geschrieben hatte, und ich hatte jedes einzelne seiner Drehbücher gelesen – verfilmt oder unverfilmt –, das ich in die Finger bekommen konnte, aus dem Internet ausgedruckt und liebevoll mit Messingklammern zusammengeheftet, bevor ich sie alphabetisch auf einem eigenen Regal in meinem Bücherschrank eingeordnet hatte. Und ich hatte sie nicht einfach nur gelesen. Ich hatte sie markiert und unterstrichen. Mit Anmerkungen versehen. Mit Post-its und Ausrufezeichen übersät. Keine Frage, dass es gut war. Charlie Yates konnte kein schlechtes Drehbuch schreiben, selbst wenn man damit drohte, ihm all seine Auszeichnungen wegzunehmen.
»Es ist fürchterlich«, sagte Logan daraufhin.
»Was?« Das konnte nicht sein.
»Es ist so fürchterlich, dass schon allein die Bezeichnung ›fürchterlich‹ eine Beleidigung für das Wort ist.«
Ich ließ das auf mich wirken. »Du hast es gelesen?«, fragte ich.
»Meine Augen werden nie wieder dieselben sein, aber ja – ich habe einen ganzen Entwurf gelesen.«
»Du hast einen Entwurf gelesen?«, fragte ich. »Wie?«
Wie konnte mein Ex-Freund aus der Highschool einfach so die privaten ersten Entwürfe des beliebtesten Drehbuchautor-Superstars der Welt lesen?
Logan machte eine kurze Pause und sagte dann: »Also, ich habe auf den richtigen Moment gewartet, dir das zu erzählen, aber … Ich bin tatsächlich sein Manager.«
»Was!« Ich stand auf. Erneut.
»Ich habe damit gewartet, es dir zu erzählen, weil ich wusste, dass du ausflippen würdest.«
»Ich flippe nicht aus«, erwiderte ich, aber in Wahrheit gackerte ich jetzt im Kreis um den Esstisch herum wie ein kopfloses Huhn. Ich wusste, dass Logan ein paar hochkarätige Leute repräsentierte. Aber nicht so hochkarätig.
»Schon allein an der Art und Weise, wie du atmest«, sagte Logan, »merke ich, dass du ausflippst.«
»Wie atme ich denn?«, wollte ich wissen.
»Wie ein Charlie-Yates-Superfan, der gerade völlig durchdreht.«
Na schön. Damit hatte er nicht unrecht.
Ich holte einen tiefen, beruhigenden Atemzug und ging dann zu unserer Wohnungstür, trat hinaus und spazierte bewusst den Außenkorridor unserer dritten Etage entlang. Ruhig. Wie ein nicht ausflippender Mensch.
Ich versuchte es noch mal. »Du willst mir allen Ernstes erzählen, dass du Charlie Yates’ Manager bist?«
»Ja.«
»Charlie Yates?«, fragte ich, als meinte er womöglich einen anderen Charlie. Dann: »Charlie Yates?«, als meinte er womöglich einen anderen Yates.
»Ja zu beidem.«
Ich war baff. »Wie lange geht das schon?«
»Etwa drei Jahre.«
»Drei Jahre?!«, kreischte ich. Dann, gedämpfter: »Hast du gerade ›drei Jahre‹ gesagt? Du arbeitest seit drei Jahren mit meinem Lieblingsdrehbuchautor zusammen und hast nie daran gedacht, das mir gegenüber zu erwähnen?«
»Es war nicht so, dass ich nicht daran gedacht hätte«, sagte Logan langsam, wobei er versuchte, uns mit seiner Stimme auf ruhigeres Territorium zu lotsen. »Ich hatte entschieden, auf den richtigen Moment zu warten.«
Ich dachte an all die Freude, nur eine einzige Stufe vom verdammten Charlie Yates getrennt zu sein – Freude, die mir drei Jahre lang entgangen war. Dann sagte ich vorwurfsvoll: »Du ›hattest entschieden zu warten‹?«
»Ja. Denn wie du bereits weißt, ist Timing alles.«
Nun ja. Da lag er nicht falsch.
Ich war am Ende unseres Korridors angekommen. Ich lehnte mich über das Geländer und schaute hinunter auf die abendlichen Lichter über dem Parkplatz und die Autoscheinwerfer auf dem Freeway dahinter und die funkelnden Lichter der Innenstadt in der Ferne. Ich kannte jemanden, der Charlie Yates kannte. Alles hatte einen neuen Glanz.
»Na gut«, sagte ich schließlich.
»Ich erzähle es dir jetzt«, sagte Logan, »weil ich, wie ich schon sagte, einen Job für dich habe.«
Der Anfang des Gesprächs kam jäh zu mir zurück. »Richtig. Du hast einen Job für mich …«
»Ein Drehbuch zu schreiben …«, sagte Logan.
»Mit Charlie Yates«, beendete ich den Satz mit vor Ehrfurcht glühender Stimme.
»Aber umschreiben«, sagte Logan. »Als Ghostwriter. Ich brauche dich, damit du dieses Ding hinbiegst – und zwar heftig.«
»Es muss komplett umgeschrieben werden?«
»Du fängst praktisch bei Null an«, antwortete Logan. »Er hat ein Handschlag-Abkommen mit einem Produzenten von United Pictures, dass, wenn er diese Rom-Com schreibt, sie dieses Gangster-Ding produzieren, das er geschrieben hat und das schon eine Weile rumliegt.«
War es seltsam, dass ein Drehbuchautor von Charlie Yates’ Kaliber ein nicht produziertes Drehbuch herumliegen hatte? Überhaupt nicht. Genau genommen sahen die meisten Drehbücher der meisten Drehbuchautoren nie das Tageslicht. Man kann in Hollywood ordentlich davon leben und gutes Geld damit verdienen, Drehbücher zu schreiben, die nie verfilmt werden. Aber das war nicht das, was Charlie Yates zu einer solchen Legende gemacht hatte. Überhaupt irgendetwas produziert zu bekommen, war schon eine Leistung. Charlie hingegen verkaufte Drehbuch um Drehbuch – die zu Filmen wurden, die Preise gewannen, die Klassiker wurden und die dann Jahr für Jahr wortwörtlich von Leuten zitiert wurden.
»Ich liebe dieses Gangster-Ding«, sagte ich. Ich hatte eine Raubkopie davon im Internet gefunden und einen ganzen Post-it-Block dafür aufgebraucht, es zu bewundern.
Und dabei mochte ich Gangsterfilme nicht mal.
Ich mochte auch keine Filme über Drogenbosse. Oder Filme über Gefängnismassaker. Oder über Killer-Clowns. Oder Filme über Rettung auf hoher See, wo alle von Haien gefressen wurden.
Außer Charlie Yates schrieb sie.
So gut war er. Ich liebte alles, was er machte, obwohl das einzige Genre, das ich selbst wirklich mochte … die romantische Komödie war.
Was das einzige Genre war, das er nicht schrieb.
Bis jetzt, anscheinend.
So gut er war. Er zwang mich, ihn zu lieben – entgegen meiner ganzen Persönlichkeit.
»Er liebt dieses Mafia-Ding auch«, sagte Logan. »Er hat viele, viele Monate in Chicago für die Recherche verbracht und die ganze Zeit über eine Taschenuhr getragen. Und er ist fest entschlossen, es verfilmt zu bekommen, besonders jetzt, wo er wieder aus seiner«, Logan zögerte, bevor er zu Ende sprach, »Auszeit zurück ist. Aber daraus wird nichts, bis er diese Rom-Com macht. Und wie ich schon erwähnt habe …«
»Ist sie fürchterlich.«
»Wir werden ein besseres Wort für ›fürchterlich‹ brauchen.«
Ich gab dem Ganzen eine Sekunde, um es sacken zu lassen.
»Hier kommst du ins Spiel«, sagte Logan, bereit, zu den Einzelheiten überzugehen. »Es wird die Mutter aller Umschreibungen brauchen. Ohne namentliche Erwähnung, natürlich …«
»Natürlich.«
»Aber für gutes Geld.«
»Wie viel Geld?«
»Mehr, als dir technisch gesehen zusteht, wenn es nach der Writers Guild geht.«
Da war es. Es gab Level, wie viel man verdienen konnte, je nachdem, wie viel Erfolg man gehabt hatte. Und da ich – und ich sage das mit großem Mitgefühl für mich selbst – fast keinen Erfolg gehabt hatte, war mein Level nicht hoch.
Egal. Wen kümmerte es?
Das hier war Charlie Heilige Scheiße Yates.
»Schick es mir«, sagte ich. Da gab es nichts weiter zu diskutieren. Würde ich ungenannt Charlie Yates’ unbegreiflicherweise fürchterliches Drehbuch umschreiben? Natürlich würde ich das. Ich würde es für umsonst machen. Verdammt, ich würde ihn dafür bezahlen. Ich hatte im Geiste bereits einen neuen Ordner in meinem Schreibprogramm Final Draft angelegt und als CHARLIE F@$%INGYATES abgespeichert.
»Die Sache hat allerdings einen Haken«, sagte Logan als Nächstes.
»Und der wäre?«
»Du musst nach L. A. kommen.«
Jetzt fing ich wieder an, den Korridor auf und ab zu marschieren. »Nach L. A. kommen?«, echote ich, als wäre das etwas, das niemand jemals tat.
»Nicht für immer«, sagte Logan. »Nur für die Zeit, die das Umschreiben dauert.«
Wie lange dauerte es überhaupt, ein Drehbuch umzuschreiben? Ich hatte noch nie für jemand anderes ein Drehbuch umgeschrieben.
Logan las meine Gedanken. »Sechs Wochen«, verkündete er. »Möglicherweise länger. Das muss eine persönliche Angelegenheit sein.«
»Aber …«, setzte ich an, mit so vielen Einwänden in meinem Kopf, dass es schwer war, sich zu entscheiden. »Was ist mit Zoom? Was mit FaceTime? Was mit Slack? Google Meet? Verdammt – sogar Skype! Es gibt eine Million virtueller Möglichkeiten.«
»Er ist altmodisch«, sagte Logan.
»Das ist keine Entschuldigung.«
»Und er hat ein gewaltiges Ego.«
»Er verdient dieses Ego«, erwiderte ich, die Seiten wechselnd. »Er hat es sich erarbeitet.«
»Der Punkt ist, er ist Charlie Yates. Er bekommt es so, wie er es haben will. Und er wird niemals einfach virtuelle Korrekturen von einer unveröffentlichten Autorin aus dem Internet akzeptieren.«
»Wenn du es so ausdrückst, klinge ich nicht sehr beeindruckend.«
»Ich weiß.«
»Also muss ich da hinkommen und – was?«
»Ihn umwerben.«
»Ihn umwerben?«
»Natürlich nicht im traditionellen Sinn umwerben.«
»Ich kann nicht nach L. A. gehen, Logan«, sagte ich. »Ich kann nirgendwohin gehen. Hast du meinen Dad vergessen?«
Aber Logan ließ sich nicht abschrecken. »Was ist mit Sylvie?«, fragte er.
Verdammt. Damit hatte er mich. »Was soll mit ihr sein?«
»Hat sie nicht gerade ihren Abschluss gemacht?«
»Hat sie, aber …«
»War das nicht immer der Plan? Sylvie durchs College zu bringen und sie dann an die Reihe kommen zu lassen?«
»Das war der Plan«, antworte ich, wobei ich mich innerlich dagegen stemmte, wie recht Logan hatte. »Aber sie hat eine sehr prestigeträchtige Praktikumsstelle für den Sommer bei International Medical Aid bekommen …«
»Blödsinn!«, schrie Logan.
»Hast du mich gerade mit ›Blödsinn‹ angeschrien?«
»Jetzt ist sie an der Reihe«, sagte Logan, nun wütend auf mich. »Du hast zehn Jahre lang alles getan …«
»Nicht ganz zehn Jahre«, korrigierte ich.
»… und der Plan war die ganze Zeit, dass sie nach dem College nach Texas zurückkommt und übernimmt.«
»Ja, aber das war, bevor …«
»Ruf sie an«, verlangte Logan. »Ruf sie sofort an und sag ihr, dass sie nach Hause kommen soll. So eine Gelegenheit wie die hier wirst du nie wieder bekommen. Das ist die Chance deines Lebens.«
»Ich brauche sie nicht anzurufen. Sie ist gerade auf dem Weg vom Flughafen hierher. Hast du die Pancakes vergessen?«
»Perfektes Timing«, meinte Logan. »Sag es ihr beim Abendessen.«
Aber ich lehnte mich einfach nur vor und legte die Stirn auf den Metallhandlauf, während unten ein Müllwagen vorbeirumpelte. »Ich will nicht.«
»Sei fair zu dir selbst, Emma«, drängte Logan schmeichelnd.
Warum redeten wir überhaupt darüber? Ich hatte Dinge zu erledigen und keine Zeit für Albernheiten. »Ich werde Sylvies Träume nicht zerstören, Logan. Das steht heute nicht auf meiner To-do-Liste.«
»Aber was ist mit dir?«, fragte Logan. »Was ist mit deinen Träumen?«
Daraufhin richtete ich mich auf. »Meine Träume«, erwiderte ich, »wurden schon vor langer Zeit zerstört.«
Ich sagte es Sylvie nicht beim Abendessen.
Es war nicht nur das erste Abendessen, das wir seit Monaten miteinander hatten, seit sie letzten Januar zurück aufs College gegangen war – es war ihre Abschlussparty. Ein Abschluss, den mein Dad und ich natürlich verpasst hatten, da er nicht reisen konnte – und wenn er nicht reisen konnte, dann konnte ich es auch nicht.
Das hier war nicht einfach nur ein Abendessen. Es war eine Feier. Meine wundervolle, brillante kleine Schwester hatte summa cum laude und als Phi Beta Kappa, also als Mitglied der Vereinigung herausragender Akademiker und Akademikerinnen, das äußerst malerische Carleton College abgeschlossen – das, falls ihr es nicht wusstet, das Harvard des Mittleren Westens ist – und war nun, neben vielen anderen Dingen, der lebende Beweis, dass unsere Familie endlich erfolgreich all ihre Tragödien überwunden hatte. Offiziell.
Wir feierten, verdammt.
Ich hatte einen Kuchen in Form eines Doktorhuts gebacken und Wunderkerzen hineingesteckt. Ich hatte unsere Kochnische mit goldenen Luftschlangen geschmückt und Konfetti auf dem Tisch verstreut. Ich hatte kleine Menükarten ausgedruckt und wie Diplome zusammengerollt.
Ich würde das alles nicht ruinieren, indem ich nach L. A. ging.
Man musste Freude maximal nutzen, wenn sie ins Leben flatterte. Man musste sie ehren. Und auskosten. Und nicht zu Tode trampeln, indem man andere an all das erinnerte, was man verloren hatte.
Sylvie sah aus wie die Verkörperung von Jugend und Schönheit und Hoffnung, als sie in einem abgeschnittenen T-Shirt und mit wehenden, märchenhaft glatten blonden Haaren ankam – und fünfhundert Reisetaschen mit schmutziger Wäsche anschleppte. Und ich schlang mit aufrichtiger Freude die Arme um ihren Hals und hüpfte und quietschte und küsste ihre Wangen. Mein Dad kam mit seinem Rollator zu uns an die Tür, und wir sangen »Alles Gute zum Abschluss« auf die Melodie von »Happy Birthday to You«, wobei mein Dad mit einer Rumbakugel einhändig die Percussion dazu lieferte. Und dann aßen wir stapelweise Pfannkuchen und Würstchen und sprühten Sprühsahne über alles.
Wir saßen in unserer kleinen Essecke und plauderten drauflos und neckten einander und genossen jede Sekunde davon, wieder vereint zu sein, und das so sehr, dass ich mich in einem winzigen Winkel meines Gehirns beinahe verbittert deswegen fühlte, dass Logan Scott aus heiterem Himmel mit dieser verrückten Charlie-Yates-Nachricht angerufen und alles kompliziert gemacht hatte.
Ausgerechnet heute.
Je länger der Abend fortschritt und je mehr wir herumsaßen und uns unterhielten und Root Beer Floats zum Nachtisch tranken, desto mehr verblasste die Erinnerung an dieses Telefonat. Ich hatte zunehmend das friedliche Gefühl, dass die Krise vorbei war – dass ich keine schweren Entscheidungen mehr treffen musste und dass das Leben so vorhersehbar und normal und vage unbefriedigend weitergehen würde wie immer.
Ich wollte einfach nur glücklich sein – schlicht und einfach unkompliziert glücklich – für einen Abend. War das zu viel verlangt?
Anscheinend.
Timing ist wirklich alles, schätze ich.
***
Ihr fragt euch vielleicht, warum mein fünfundfünfzig Jahre alter Dad einen Rollator benutzen musste, um meine Schwester an der Tür zu begrüßen. Oder warum wir nicht zu ihrer Abschlussfeier gehen konnten. Oder warum das Percussioninstrument seiner Wahl eine einzelne Maraca war.
Ich werde euch dieselbe leicht fröhliche, absolut grob vereinfachte Antwort geben, die wir stets jedem geben: Vor knapp zehn Jahren hatte mein Vater »einen Camping-Unfall«.
Wenn ich nach Einzelheiten gefragt werde, füge ich Folgendes hinzu: Er wurde beim Klettern in Yosemite von einem unerwarteten Steinschlag am Kopf getroffen und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, wodurch er eine halbseitige Lähmung davontrug, ein Leiden namens Hemiplegie, und außerdem an einem Innenohrproblem namens Morbus Menière leidet, das seinen Gleichgewichtssinn hochgradig durcheinandergebracht hat.
Das ist die Kurzfassung.
Ich lasse hier einiges aus. Genau genommen lasse ich den schlimmsten Teil aus.
Aber das genügt fürs Erste.
Deswegen konnte mein Dad nicht allein gelassen werden. Deswegen bewegte er sich durch die Welt, als wäre er neunzig. Deswegen sorgte ich mich rund um die Uhr um ihn. Und deswegen stand die Aufgabe, mit Charlie Yates in Los Angeles ein Drehbuch zu schreiben, absolut, total, völlig außer Frage.
Ich würde mich nicht vor meiner Verantwortung drücken.
Ich würde meinen Dad nicht im Stich lassen.
Und ich würde auf gar keinen Fall die Möglichkeiten meiner kleinen Schwester in den Hintergrund drängen, indem ich ihr den Krankenpflegedienst in diesem Fünfundfünfzig-Quadratmeter-Apartment übertrug.
Das würde ich nicht. Und ich konnte es nicht …
Bis ich das Drehbuch las.
***
Die E-Mail von Logan mit dem Betreff »Entschuldigung im Voraus« trudelte in mein Postfach, als Sylvie es sich gerade mit Netflix und ihren Kopfhörern auf dem oberen Stockbett bequem machte. Wir hatten längst Pyjamas an, die Lichter waren aus, und ich starrte den Anhang eine gute Minute lang an, bevor ich endlich nachgab und ihn anklickte.
Eine Stunde später machte ich es offiziell:
Fürchterlich.
Wir würden wirklich ein fürchterlicheres Wort für »fürchterlich« brauchen.
Zunächst einmal war es – zumindest in der Theorie – eine modernisierte Neuerzählung des geliebten Rom-Com-Klassikers Es geschah in einer Nacht. Geschrieben von einer Person, die den Film eindeutig nie gesehen hatte.
Wenn ihr ihn selbst noch nicht kennt, tut euch bitte einen Gefallen: Lasst alles liegen und stehen, was ihr gerade macht, und schaut ihn euch an. Dieser Film ist neunzig Jahre alt, und er sprüht immer noch vor Leben und Dynamik und Charme. Ein vom Pech verfolgter Zeitungsreporter versucht einer durchgebrannten High-Society-Schönheit dabei zu helfen, mit dem Bus nach New York zu reisen, in der Hoffnung, ihre Exklusiv-Story zu bekommen – und verliebt sich stattdessen unsterblich in sie. Clark Gable ist atemberaubend sexy, Claudette Colbert ist frech und umwerfend schön, und die romantische Spannung? Einfach zum Niederknien. Das ist die Roadtrip-Rom-Com, die Tausende Roadtrip-Rom-Coms ins Leben gerufen hat – und sie eroberte die Oscars im Sturm und gewann in jeder der großen fünf Kategorien, einschließlich für das beste Drehbuch. Sie ist ein Titan des Genres. Sie ist praktisch heilig.
Und Charlie Yates, mein geliebter Charlie Yates, mein Goldstandard, mein Autor, an dem alle anderen Autoren gemessen werden, mein absolut unerreichter Drehbuch-Held …
Er hatte sie verstümmelt.
Er hatte sie besudelt.
Er hatte sie entweiht.
Dieses Ding, das er fabriziert hatte – »geschrieben« will ich nicht einmal sagen … Es hatte keinen Funken, keine Struktur, kein Geplänkel, keine Freude – und keine Szenen, die dem Originalfilm auch nur ansatzweise ähnelten. Der Titel war derselbe, und die Namen der Charaktere waren dieselben. Aber das war’s. Hatte er das im Schlaf geschrieben? War er gerade mitten in einer Zahnbehandlung gewesen? Wie konnte jemand, der so gut und so meisterhaft schrieb – jemand, der einen dazu bringen konnte, Serienkillern die Daumen zu drücken und an Geister zu glauben und menschenfressende Roboter aufrichtig gern zu haben –, etwas hernehmen, das bereits funktioniert hatte, und das seit neunzig Jahren, und dessen bezaubernde Seele durch den Fleischwolf drehen?
Clark Gable und Claudette Colbert mussten sich im Himmel die Augen ausweinen.
Er hatte ihre Figuren zu einem Line-Dancing-Wettbewerb gehen lassen.
Einem Line-Dancing-Wettbewerb!
Irgendetwas ging hier vor. Hatte Charlie Yates einen Schlaganfall? Hatte ein Chatbot heimlich das echte Drehbuch als Scherz umgeschrieben? Wurde Charlie Yates irgendwo gefangen gehalten und mit vorgehaltener Waffe gezwungen, eine derart schlechte Story zu schreiben, dass sie seine Karriere beenden könnte?
Aber »karrierebeendend schlecht« erfasste es nicht mal.
Dieses Ding war apokalyptisch.
Und das war es. Irgendwie war das der entscheidende Wendepunkt für mich.
Das echte Leben durfte enttäuschend sein. Verdammt, das echte Leben war garantiert enttäuschend. Allein mit meinem kranken Vater in einem kleinen Apartment zu wohnen? Am Community College Englischkurse für Erstsemester zu unterrichten, damit wir eine Krankenversicherung haben konnten? Meine eigenen Träume zu verleugnen, damit meine verwöhnte, aber liebenswerte kleine Schwester ihre Träume ohne Anstrengung leben konnte? Alles schön und gut. Es war mir nicht vergönnt, die Regeln für die Realität zu bestimmen.
Aber Geschichten sollten es besser haben.
Ich würde nicht zulassen, dass Charlie Yates diesen Film, seine Karriere, das Genre der romantischen Komödie als Ganzes und unser aller Leben mit dieser himmelschreienden Vollkatastrophe von einem Drehbuch ruinierte.
Da zog ich eine Grenze.
Niemand würde Es geschah in einer Nacht entehren. Nicht mit mir.
Ich traf eigentlich nicht einmal eine Entscheidung. Hörte einfach auf zu lesen, klappte den Laptop zu, schwang mich aufs obere Stockbett und starrte Sylvie an, bis sie ihre Kopfhörer abnahm und fragte: »Was ist?«
»Ich habe gerade das Drehbuch einer romantischen Komödie gelesen«, sagte ich, »das die menschliche Zivilisation, wie wir sie kennen, vernichten wird.«
Eine halbe Stunde später kannte sie die ganze Geschichte: Logans Anruf, Charlie Yates’ Situation, meine lebensverändernde Gelegenheit. Und bevor ich überhaupt wusste, was sie tat, tippte sie eine E-Mail, um von ihrem Sommerpraktikum zurückzutreten – wegen eines »familiären Notfalls«.
»Du kannst dein Praktikum nicht sausen lassen!«, sagte ich, als mir bewusst wurde, was sie tat.
»Klar kann ich das«, erwiderte sie.
»Es ist schon in einer Woche! Du hast verbindlich zugesagt.«
»Die werden jemanden von der Warteliste nehmen.«
»Aber …« Ich schüttelte den Kopf. »Aber es ist sehr prestigeträchtig.«
Sylvie zuckte mit den Schultern. »Ich werde es nächstes Jahr machen.«
»Was, wenn sie dich nächstes Jahr nicht nehmen?«
»Dann werde ich woandershin gehen.«
Ich schüttelte den Kopf – inbrünstig. Mir wurde bewusst, dass ich mit der Sache angefangen hatte. Ich war diejenige, die die Stockbettleiter hochgeklettert war und ihr alles erzählt hatte. Sie war schließlich eine Seele von Mensch. Ich hätte vorhersehen können, dass sie versuchen würde, das Problem zu lösen.
Aber jetzt, wo es passierte, konnte ich es nicht ertragen.
Was dachte sie sich überhaupt dabei, ihr Praktikum aufzugeben?
Hatte ich sie zu sehr behütet? Hatte sie es zu leicht gehabt? Wusste sie denn nicht, wie schrecklich die Welt dort draußen war?
»Ich glaube, du verstehst nicht, was für eine große Sache so eine Chance ist«, sagte ich. »Du darfst das nicht für selbstverständlich halten. Die Welt ist schrecklich. Gelegenheiten, um glänzen zu können, fallen nicht einfach so vom Himmel.«
»Du hörst dir selbst zu, oder?«, erwiderte Sylvie. »Dito – dasselbe könnte ich zu dir sagen. Weißt du, was für eine große Sache Charlie Yates ist? Wir haben ihn in meinem Filmtheoriekurs durchgenommen.«
»Aber du bist …« Mir wollte keine Begründung einfallen. »Du bist jung.«
»Du bist auch jung.«
»Du bist voller Potenzial.«
»Du bist auch voller Potenzial.«
»Aber du bist – einfach …« Ich zuckte mit den Schultern. »Du bist Sylvie. Du bist meine Sylvie.«
»Und du bist meine Emma.«
Ich schüttelte den Kopf, als hätte dieses Argument kein Gewicht. »Ich kann dir deine Chance nicht wegnehmen.«
»Und ich kann dir deine Chance nicht wegnehmen.«
»Aber du hast zu deiner Chance schon Ja gesagt.«
»Aber deine Chance ist größer als meine.«
Je mehr wir argumentierten, desto mehr musste ich mich für eine Seite entscheiden. Und natürlich war diese Seite immer die von Sylvie. Sie war wirklich meine Sylvie. Ich hatte sie praktisch großgezogen. Wenn es »ich oder Sylvie« hieß, wählte ich Sylvie – jedes Mal. Das war selbstverständlich. Ich wusste nicht, wie ich sonst ihre Schwester-Schrägstrich-Ersatzmutter hätte sein können.
Aber Sylvie gab nicht auf. »Schätze, wir werden eine Münze werfen müssen.«
»Ich werde keine Münze werfen, Sylvie.«
Argh. Ich hatte ein Monster geschaffen. Früher hatte ich all unsere Diskussionen gewonnen – doch jetzt war sie groß genug, um mich zu schlagen.
»Weißt du was?«, sagte ich. »Lass uns morgen darüber reden.«
»Zu spät«, sagte Sylvie dann, mit schelmischer und trotziger Miene. »Ich habe gerade auf Senden geklickt.«
»Du hast was?«
Sie zuckte mit den Schultern, als hätte sie gewonnen. »Ich habe sie abgeschickt.«
»Wir waren noch nicht fertig mit Reden!«
»Ich war fertig«, erwiderte Sylvie. »Du gehst nach L. A.«
»Schreib ihnen noch mal!«, sagte ich und griff nach ihrem Laptop. »Erklär ihnen, dass es ein Versehen war!«
Aber Sylvie drückte den Laptop an ihre Brust. »Niemals!«
Wir fingen gerade an, uns darum zu rangeln, als die Stimme unseres Dads durch die Wand drang. »Mädchen!«, rief er. »Hört auf zu streiten!«
Sylvie und ich erstarrten und sahen einander an, als wollten wir sagen: Jetzt hast du Dad aufgeweckt.
Dann erklang seine Stimme erneut, tiefer diesmal – volltönend und entschieden, wie die Stimme Gottes. »Wir werden morgen früh darüber diskutieren wie vernünftige Leute«, sagte er in einem Tonfall, der es endgültig machte. »Danach werden wir darüber abstimmen. Und dann« – er machte eine Pause, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen – »werden wir Emma nach L. A. schicken.«
Eine Woche später saß ich in einem Flugzeug.
Ich hätte mir mühelos einen Monat Zeit nehmen können, um meine Sachen zu packen, die Medikamente meines Dads zu organisieren, die Vorratsregale zu beschriften, tägliche To-do-Listen farblich zu markieren und jede Oberfläche mit Post-its als Gedächtnisstützen zu überziehen.
Meinen Dad zu pflegen, war keine Kunst – es war eine Wissenschaft, und es war ganz sicher nichts für Anfänger. Sylvie war ein kluges Mädchen, klar, aber sie war nie dahingehend geschult worden, und ich fühlte mich wie eine Astronautin, die die Schlüssel für das Space Shuttle an einen Schimpansen übergab.
»Er muss jeden einzelnen Tag mindestens eins Komma zwei Liter Wasser trinken«, sagte ich Sylvie, während ich Wasserflaschen im Schrank mit Filzstift markierte. »Und er wird nicht dran denken, also musst du ihm folgen und ihn damit nerven.«
»Muss ich ihn wirklich damit nerven?«, fragte Sylvie wie jemand, der noch nie irgendwelche Pflegearbeit geleistet hatte.
»Wenn du ihn nicht damit nervst, wird er nicht genug Wasser trinken, und dann steigt der Natriumwert in seinem Körper, Flüssigkeit sammelt sich in seinem Innenohr, er verliert sein Gleichgewicht, schlägt sich den Kopf auf und landet für die ganze Nacht in der Notaufnahme.«
»Ah«, sagte Sylvie. »Ihn nerven. Verstanden.«
»Eine farblich codierte Tabelle zu führen, hilft«, sagte ich, während ich eines der Küchenschränkchen öffnete, um ihr zu zeigen, wo die letzten drei Monate dokumentiert waren. »Die blauen Kästchen sind für Wasser. Gelb ist für Multivitamine. Rot, Lila, Orange und Grün sind alle für Medikamente. Und die Einhornsticker sind für Natrium.«
»Dad kommt mir nicht so vor, als würde er sich von Einhornstickern motivieren lassen.«
»Die sind nicht für ihn. Die sind für mich.«
Sylvie beäugte die Tabelle. »Und wie funktioniert das mit diesem Natrium?«
War es möglich, dass sie das nicht wusste? Hatte ich sie wirklich so sehr abgeschirmt? »Milligramm Natrium« war während der letzten zehn Jahre das Organisationsprinzip meines Lebens gewesen. »Wir müssen Dads Natriumaufnahme unter tausend Milligramm pro Tag halten«, erklärte ich. »Was nicht leicht ist. Eine einzige Scheibe Aufschnitt hat zweihundert.«
»Aber wie soll ich das überhaupt nachverfolgen?«
Ich holte meinen zerfledderten, mit Eselsohren übersäten Natrium-Ratgeber hervor. »Du lernst es auswendig. Wie ein Champion.« Stolz tippte ich auf das Buch. »Lern es. Leb es. Ich kann dir ganz genau sagen, wie viel Natrium in jedem Nahrungsmittel steckt, das du mir nennst.«
Unsicher blickte Sylvie auf das Buch.
»Im Ernst«, sagte ich, »das stimmt wirklich. Frag mich.«
»Erdbeeren?«, fragte Sylvie.
»Zwei Milligramm pro Tasse.«
»Weißer Reis«, versuchte sie als Nächstes.
»Neun Milligramm pro Tasse.«
»Pommes frites!«
»Achtundsechzig Milligramm für eine kleine Tüte.«
Sylvie nickte zustimmend.
»Na los, versuch, mich dranzukriegen«, forderte ich sie auf. »Ich kann das den ganzen Tag machen. Trüffel. Ananassaft. Rote Bete. Meeresfrüchte.«
»Klingt, als würdest du dich wirklich auskennen.«
Ich nickte. »Du sagst es. Ich werde dich fertigmachen.«
Bei dieser Besessenheit von Natrium ging es natürlich darum, den Morbus Ménière im Griff zu behalten.
Niemand weiß genau, was ihn verursacht. Aber man weiß, dass es eine Störung im Innenohr ist, die das Gleichgewicht beeinträchtigt. Bei meinem Dad hatte es eindeutig als Folge seiner Hirnverletzung angefangen, und er hatte einen besonders schlimmen Fall, der sich mit der Zeit nicht wieder gegeben hatte. Er wäre auch so schon unsicher auf den Beinen gewesen, wegen der halbseitigen Lähmung auf seiner linken Seite, aber der Morbus Ménière machte es noch hundertmal schlimmer.
Zusätzlich zu der Unsicherheit hatte er noch Sturzattacken, bei denen er das Gefühl hatte, als wäre er urplötzlich zu Boden geschubst worden. Oder manchmal sogar, als würde der Raum selbst auf einen Schlag auf den Kopf gedreht. Und niemand sah es je kommen – am allerwenigsten er. Völlig ohne Vorwarnung. Er könnte beim Abendessen sitzen und einfach vom Stuhl fallen.
Deswegen hatten wir überall Teppiche, Gummimatten auf dem Küchenfußboden und Schaumstoffpolster an scharfkantigen Ecken. Deswegen fuhr er nicht mehr Auto und nahm auch keine Treppen, wenn er es verhindern konnte. Deswegen waren wir mit etlichen Krankenpflegern und -pflegerinnen in der nächstgelegenen Notaufnahme per Du.
Deswegen traute ich es Sylvie nicht zu, das Ruder zu übernehmen.
Ich war mir nicht sicher, ob ich ihr zutraute, das alles sechs Tage lang zu managen – geschweige denn sechs Wochen.
Und deswegen konnte ich jetzt im Flugzeug nicht schlafen.
Was tat ich hier? Das war doch Irrsinn. Ich konnte meinen Dad nicht einfach bei einer Zweiundzwanzigjährigen lassen. Sogar eine College-Absolventin mit einem Phi-Beta-Kappa-Schlüssel brauchte mehr als eine einzige Woche, um sich darauf vorzubereiten. Unsere verwitwete Nachbarin von nebenan, Mrs. Otsuka, hatte eingewilligt, ein Auge auf sie zu haben, nachdem sie mich in der Waschküche in Tränen hatte ausbrechen sehen, aber das würde wohl kaum ausreichen. Fortzugehen – tatsächlich meine Sachen zu packen und in meinen ersten Flieger irgendwohin seit fast einem Jahrzehnt zu steigen – fühlte sich so erstaunlich unvernünftig an, dass ich gar nicht glauben konnte, es tatsächlich geschehen zu lassen.
Während ich in diesem Flugzeug saß, eingezwängt auf einem Mittelsitz in der letzten Reihe, immer wieder das Rauschen der Toilettenspülung in den Ohren, merkte ich, dass ich zitterte.
Also wirklich zitterte. Heftig.
Nicht nur meine Hände, wie etwa an einem kalten Tag, wenn man seine Handschuhe vergessen hatte. Mein ganzer Körper. Durch und durch. Und mein Herz trommelte einfach wie eine Kesselpauke – so heftig, dass ich, als ich nach unten schaute, den Stoff meines Shirts vibrieren sehen konnte.
War es Angst?
Hatte ich Angst vorm Fliegen? Angst, meinen Dad zu verlassen? Angst davor, mein enges kleines Leben zu verändern?
Sicher. Ja. Alles Obengenannte.
Aber vor allem: Ich würde ihn vermissen.
Mein Dad war nicht einfach nur ein Dad. Er war mein Lieblingsmensch.
Er war jedermanns Lieblingsmensch.
Er war eine wahre Freude.
Manchmal verursacht ein Schädel-Hirn-Trauma Persönlichkeitsveränderungen, man hört viel über Wut und Depressionen nach solchen Gehirnverletzungen, was verständlich ist. Aber wenn es ihn verändert hatte – wobei, ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt medizinisch möglich ist –, dann hatte es ihn noch liebenswürdiger gemacht.
Mein Dad war immer der Dad, den jeder wollte. Wenn es einen Laden gäbe, der Dads verkauft, dann wäre er ein Bestseller. Er würde reihenweise in den Regalen stehen, ganz weit vorne. Er war immer warmherzig und ermutigend und einfühlsam und albern – sogar schon vor dem Unfall.
Aber jetzt, in der Folge von alledem, war er etwas sogar noch Erstaunlicheres.
Er war fröhlich.
Er hatte bei diesem Steinschlag alles verloren – und einen Weg gefunden, weiterzumachen. Und nicht nur das. Er hat einen Weg gefunden, zu lachen. Und alberne kleine Liedchen zu singen. Und die Augen zu schließen und sein Gesicht in die Sonne zu halten.
Und er hatte mich dazu gebracht, all diese Dinge ebenfalls zu tun.
Wie hatte er das geschafft? Wie hatte er es geschafft, an einem persönlichen Grand Canyon aus Leid zu stehen und … Dankbarkeit zu empfinden?
Und wie würde ich da draußen in der herzlosen Welt ohne ihn zurechtkommen?
Wer war ich überhaupt, so ganz auf mich allein gestellt?
Vor dem Steinschlag war mein Dad Cellist gewesen.
Nach dem Steinschlag hatte er sich jedes Instrument beigebracht, das man mit einer Hand spielen kann – Mundharmonika, Kastagnetten, Tamburin, Tin Whistle und Posaune. Er hatte auch einhändig häkeln gelernt und töpfern auf einer Töpferscheibe und Perlarbeiten. »Ihr sucht die Farben aus«, sagte er, »und ich mache die Magie.« Er wurde so gut im Basteln von Perlenhalsketten, dass er einen Schmuckshop bei Etsy eröffnete.
Was tatsächlich eine ganze Menge Geld zu unserem monatlichen Budget beitrug.
Ich würde ihn wirklich vermissen, will ich damit sagen. Und ich ertappte mich bei der Frage, als wir in ein paar Turbulenzen gerieten und ich mich panisch an der Armlehne festklammerte, ob es vielleicht besser war, wenn Träume nie versuchten, Realität zu werden.
Man sollte nie seine Helden treffen. Heißt es nicht so?
Oh Gott. Das ist so was von wahr.
Logan holte mich vom LAX in seinem BMW-SUV ab, dessen Kennzeichen Kill n it lautete. Was sich sehr L.-A.-mäßig anfühlte.
Wobei offenbar niemand je irgendwen vom LAX abholte.
Ich weiß das, weil es das Erste war, das Logan zu mir sagte, als ich ins Auto stieg. »Ich hoffe, du bist dankbar«, meinte er.
Er hatte auf mich warten müssen, weil mein riesiger Koffer auf dem Transportband der Gepäckausgabe hängen geblieben war und mein Handgepäcktrolley ein kaputtes Rad hatte, das über den Boden schleifte und quietschte, als würde es um Gnade flehen, und mich zusätzlich langsamer machte. Und außerdem, weil ich so lange in der Flughafentoilette gestanden hatte, um zu versuchen, mein lockiges rotes Haar zu etwas, ähm, weniger Lockigem und Rotem zu bändigen, dass ich die Zeit aus den Augen verloren hatte.
Ich hasste mein Haar nicht oder so. Es war nur … viel.
Es war das Erste – und Letzte –, was anderen an mir auffiel. Wie meine Freundin Maria einmal über lockiges Haar sagte: »Du hast es nicht unter Kontrolle. Es hat dich unter Kontrolle.«
Am Ende begnügte ich mich mit genau dem, was ich jeden Tag mit meinem Haar machte: Ich band es zu einem hohen Pferdeschwanz, der wie ein Pompon aussah, und ließ es gut sein. Die andere Option war, es offen zu tragen – sodass es mir wie Lava aus dem Kopf strömte. Aber ich musste auf den armen Charlie Yates Rücksicht nehmen. Das wäre ein ziemlich überwältigender erster Eindruck. Visuell gesehen.
Ich wollte den armen Mann nicht erschrecken.
Nur fürs Protokoll, ich zerbrach mir auch über mein Outfit den Kopf – Jeans, Converse Low Tops und eine kleine gemusterte Bluse mit U-Boot-Ausschnitt. War das zu lässig? Zu niedlich? Nicht tough genug? Sollte ich vielleicht einen dunkelgrauen Hosenanzug und eine Aviator-Sonnenbrille tragen? Wie kleidete man sich überhaupt für ein Treffen mit dem besten Drehbuchautor auf dem Planeten?
Logan dagegen wusste genau, wie man sich kleidet – er trug einen maßgeschneiderten Anzug, der so perfekt steif gebügelt war, dass ich beinahe Angst hatte, ihn zu umarmen. Es war das erste Mal seit acht Jahren, dass ich ihn irgendwo anders als beim gelegentlichen FaceTimen sah, aber er war immer noch derselbe.
»Du hast dich überhaupt nicht verändert«, sagte ich, während wir die Sicherheitsgurte anlegten.
»Machst du Witze? Ich bin viel cooler.« Und dann musterte er mich von Kopf bis Fuß. »Du bist diejenige, die sich nicht verändert hat.«
Dann trug ich eben dieselben Creolen, die ich auch bei meiner Highschool-Abschlussfeier getragen hatte, na und? Sie waren aus Sterlingsilber.
Ich dachte, dass wir vielleicht kurz für ein Mittagessen anhalten würden oder für Kaffee, aber Logan fuhr direkt zu Charlie Yates’ Haus in den Hollywood Hills – kein Anhalten erlaubt.
Schätze, es war so weit.
»Hoffe, du warst am Flughafen pinkeln«, sagte Logan in einem Tonfall, der ausdrückte: kein Zurück mehr.
»Wie ein Rennpferd«, sagte ich in einem Tonfall, der hoffentlich ausdrückte: Packen wir’s an.
Ja, Logan und ich waren in der Highschool ein Paar – aber davor waren wir Freunde gewesen. Sein sehr flotter Vater – Amerikaner, schwarz und aus Atlanta – hatte seine elegante Mutter – Britin, weiß und TV-Produzentin – bei der Arbeit als Kriegskorrespondent in Übersee kennengelernt. Logan war größtenteils in London aufgewachsen, bis sein Dad einen Job als Nachrichtensprecher in Houston bekommen hatte und er als der Neue an meiner Highschool aufgetaucht war.
Wir freundeten uns an, weil wir die einzigen zwei Schüler in unserer Englischklasse waren, die dachten, dass es bei Robert Frosts Gedicht »After Apple-Picking« um Sex gehen musste.
Außerdem – obwohl er groß war und ich nicht, und obwohl er einen vornehmen britischen Akzent hatte und ich einfach nur wie ein gewöhnlicher amerikanischer Teenager klang, und obwohl seine Haut einen warmen Beigeton hatte und meine so blass und sommersprossig war, dass ein Typ in meinem Fotografiekurs mich ständig prüfend ansah und meinte, er wünschte sich, mehr Kontrast hinzufügen zu können, hatten wir genau die gleiche grün-braune Augenfarbe.
Ganz genau die gleiche.
Also fingen wir an, den Leuten zu erzählen, wir wären Zwillinge.
»Keine eineiigen Zwillinge, natürlich«, sagten wir dann.
Dieses Spiel machte so viel Spaß, und wir wurden so gut darin, dass einige Leute uns glaubten. Wenn sie auf unsere offensichtlichen genetischen Unterschiede hinwiesen, sagte ich immer: »Genetik ist kompliziert. Ist halt so.« Und dann fügte Logan hinzu: »Die Augen lügen nicht.«
Falls ein Genie bemerkte, dass einer von uns redete wie die britische Königsfamilie und einer nicht, zuckte ich immer zusammen wie unter einer grausamen Erinnerung und sagte: »Wir wurden als Babys in einer tragischen Doppeltes-Lottchen-Geschichte voneinander getrennt.« Und dann lehnte sich Logan stets vor und sagte: »Bitte erinnert sie nicht weiter daran.«
Unsere Spezialität war, in Restaurants doppelte Gratis-Geburtstagsdesserts zu bekommen.
Logans Familie zog nach der Highschool fort, als sein Dad einen Job als Nachrichtensprecher bei den nationalen Abendnachrichten bekam – ganz recht: Logans Dad ist Malcolm Scott. Logan machte seinen Abschluss an der Stanford und schaffte dann einen nahtlosen Übergang zu einer unglaublich erfolgreichen Karriere.
Er hätte nicht mit mir in Kontakt bleiben müssen, will ich damit sagen. Mit mir, die ich zu Hause festsaß und keinen nahtlosen Übergang zu einem unglaublich erfolgreichen Irgendwas schaffte.
Aber er tat es.
Und jetzt, wo ich ihn seit dem Abend, bevor er aufs College gegangen war, nicht mehr persönlich gesehen hatte – dem Abend, als er mit mir Schluss gemacht hatte, weil, und ich zitiere, »… wir beide etwas Freiheit brauchen« –, fühlte ich mich plötzlich nervös.
Er hatte seitdem ein ganzes Leben gelebt – insbesondere hatte er am College sein Coming-out gehabt und mich angerufen, um stolz zu verkünden, dass ich das letzte Mädchen gewesen sei, das er je daten würde.
»Ich fühle mich geehrt«, hatte ich gesagt.
»Nicht wahr? Genau so ist es. Keine Frau wird dich je ersetzen.«
Ich war mir nicht ganz sicher, wie Logans Leben inzwischen aussah, aber ich nahm an, dass es voller toller Partys und tollem Essen und toller Leute war. Also war ich höchst überrascht, als ein entschieden nicht so toller Typ namens T. J. anrief, bevor wir das Flughafengelände überhaupt verlassen hatten.
»Lo! Gan!« Die Stimme dieses T.-J.-Typen dröhnte so laut über die Freisprechanlage, dass sie das Wageninnere zu erschüttern schien. »Was geht ab? Hast du die Kleine schon abgeholt?«
»Ich habe sie hier.«
»Sag ihr nicht, dass sie eine Karrierekillerin ist«, sagte T. J.
Stirnrunzelnd sah ich Logan an.
»T. J.«, sagte Logan, »du bist auf Lautsprecher.«
»Ach ja?« Eine Pause. »Schon okay. Ich steh dazu. Das Letzte, was der große Charlie Yates jetzt gerade machen sollte, ist, sich sein ganzes Testosteron absaugen zu lassen und mit den Mädels Frauenfilme zu schreiben.«
Logan drückte auf den Knöpfen seines Armaturenbretts herum und sagte: »Weißt du was? Ich ruf dich zurück.«
Aber bevor er die Verbindung beenden konnte, fügte T. J. noch hinzu: »Und übrigens, dieser Job hätte an jemanden gehen sollen, von dem tatsächlich schon mal was produziert wurde.«
»Schlechter Empfang!«, sagte Logan, während er auf Beenden drückte.
Dann folgte ein langes Schweigen, während die Fugen im Beton rhythmisch unter den Reifen ratterten.
Schließlich sagte ich: »Das fühlte sich ein bisschen feindselig an.«
»Er sollte nicht mal von dir wissen. Aber meine Assistentin hat eine Schwäche für ihn.«
»Ein Drehbuchautor, nehme ich an?«
Logan nickte. »Er ist der Autor und Regisseur von Beer Tower. Und Beer Tower II: Die Abrechnung.«
Ich hatte von keinem dieser Filme je gehört.
»Die waren ein Riesenerfolg auf YouTube«, sagte Logan.
»Waren sie … gut?«
»Gott, nein!«, antwortete Logan. »Aber er hat künstlich jede Menge horizontale Integration geschaffen. Schon allein das Sponsoring von Solo Cups hat ihn in die schwarzen Zahlen gebracht.«
»Wie kommt’s, dass ich von dem Film noch nie gehört habe?«
»Du bist nicht gerade das Zielpublikum.«
»Wollte er den Charlie-Yates-Job für sich selbst?«, fragte ich.
»Kann man es ihm verübeln?«
»Er wirkte einfach irgendwie arschig.«
»Er ist es nicht gewohnt, etwas nicht zu bekommen.«
»Warum war das gleich wieder?«, fragte ich.
»Weil er Hollywood-Adel in dritter Generation ist. Und er hat irrsinnig gute Beziehungen. Und Beer Tower hat zehn Millionen Dollar eingespielt – bevor Beer Tower II zwanzig geschafft hat.«
»Und er ruft dich zufällig einfach so an?«
»Er ist halt einer von diesen Leuten, die überall sind.«
Logan tat cool, aber das war ein seltsames Willkommen in L. A. Ich hatte kaum den Flughafen verlassen und hatte bereits einen Feind.
Eine weitere kleine Pause folgte, bevor Logan sagte: »Du wirst ihn nie zu sehen kriegen. Charlie kann den Kerl nicht ausstehen. Er ist eine totale Macho-Hohlbirne.«
»Aber er ist dein Klient?«
»Er ist alles, was mit der Welt nicht stimmt«, erwiderte Logan. »Aber ja. Er ist mein Klient.«
***
Ein ziemlich holpriger Start.
Aber hier war das größere, wichtigere Gesamtbild: Ich hatte einen Job bei Charlie Yates – ob es Macho-Hohlbirne T. J. gefiel oder nicht –, und ich war gerade absolut und unbestreitbar auf dem Weg zu Charlie Yates’ Haus.
Ich hatte Charlie Yates vorher nie als jemanden mit einem Haus betrachtet. Ich hatte angenommen, dass er einfach auf einer Art ätherischer Drehbuchgott-Ebene lebte.
»Es ist nicht direkt ein Haus«, sagte Logan. »Eher eine Villa. Der Außenbereich war Kulisse in einem Nancy-Meyers-Film.«
Warum machte es das Furcht einflößender?
»Vielleicht sollten wir vorher im Hotel vorbeischauen«, sagte ich.
»Welches Hotel?«
»Wohne ich nicht in einem Hotel?«
»Kannst du es dir leisten, sechs Wochen in einem Hotel zu wohnen?«
Wow. Ich hatte das eindeutig nicht durchdacht. »Wohne ich dann bei dir?«
Darauf brach Logan in Gelächter aus und erklärte, dass sein Mann Nico aus dem Gästezimmer ihres Multimillionen-Dollar-Häuschens in Santa Monica heraus sein eigenes Mikro-Imperium aus Strickkränzchen mit Star-Klatsch namens Knit & Bitch führte … und jeden verfügbaren Platz in ihrem Haus mit Wolle aufgefüllt hatte.
Wohl nicht.
»Wo werde ich dann wohnen?«
Logan zuckte mit den Schultern. »Bei Charlie.«
Wie im Reflex fragte ich: »Charlie wer?«
»Yates«, sagte Logan, wie in: Na logisch.
Bei Charlie Yates? Ich schüttelte den Kopf. »Entschuldige. Moment mal. Ich werde mit Charlie Yates zusammenwohnen?«
»Bei ihm«, korrigierte Logan, als wäre das etwas anderes.
»Das ist viel näher, als mir lieb ist«, sagte ich.
»Du wirst ihn überhaupt nie zu Gesicht kriegen«, sagte Logan. »Er hat ungefähr fünf Gästezimmer.« Er warf einen kurzen Blick herüber auf mein erschüttertes Gesicht. »Es ist praktisch ein Hotel.«
Wie hatte mir diese wesentliche Information entgehen können? War ich so geblendet von der Aussicht gewesen, nach Hollywood zu gehen, dass ich nicht mehr klar hatte denken können?
»Welche anderen Details hast du noch nicht erwähnt?«, fragte ich, während Logan mit uns durch den Verkehr sauste, als wären die anderen Autos Slalomstangen.
»Lass dich einfach darauf ein«, sagte Logan. »Details werden überbewertet.«
Wurden sie das?
Logan schaute rüber. »Du siehst ein bisschen grün aus«, sagte er.
»Ich bin aus der Übung, was Abenteuer angeht«, antwortete ich. »Und du bist ein furchtbar schlechter Fahrer.«
»Ein furchtbar schlechter Fahrer zu sein, ist eine Machtdemonstration«, erwiderte Logan. Dann, von seiner Machtposition aus, fügte er hinzu: »Soll ich dir einen Rat geben?«
»Eigentlich nicht.«
»Schlaf nicht mit Charlie.«
»Schlaf nicht mit Charlie?!«, kreischte ich, als wäre mir der Gedanke nie in den Sinn gekommen.
»Ich weiß, dass du für ihn als Autor schwärmst«, sagte Logan. »Aber belass es dabei.«
»Bist du verrückt?«
»Du hast ein Foto von ihm an deiner Pinnwand.«
»Ich habe auch ein Foto von Kurt Vonnegut an meiner Pinnwand.«
»Wegen Vonnegut mache ich mir keine Sorgen.«
»Ja. Weil er tot ist.«
»Weil du nicht bei ihm einziehst.«
»Na, und wessen Schuld ist das?«
»Ich bin sehr für eure berufliche Partnerschaft«, stellte Logan klar. »Aber ich bin sehr gegen irgendetwas darüber hinaus.«
»Warum führen wir diese Unterhaltung überhaupt?«
»Du bist einsam. Er ist einsam. Das ist wie eine Brutstätte für Unzucht.«
»Du bist derjenige, der das Ganze arrangiert hat. Ich wäre absolut zufrieden damit, buchstäblich überall anders zu wohnen.«
»Im Haus wirst du besser schreiben können«, sagte Logan.
Ich bedachte ihn mit einem Blick. »Solange ich nicht Unzucht treibe«, fügte ich hinzu.
»Genau!«
Mir war immer noch ein wenig reiseübel von den Turbulenzen, die wir während der Landung gehabt hatten – und Logans NASCAR-inspirierte Fahrweise war dabei keine große Hilfe. Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen – oder gestern, was das betraf –, und ich hatte in der Nacht zuvor nicht gut geschlafen. In meinem Brustkorb wummerte immer noch mein Herz in einem viel zu holprigen Rhythmus. Unnötig zu erwähnen, dass diese kleine vertrauliche Unterhaltung über Unzucht dabei nicht hilfreich war.
Logan ergriff das Wort. »Alles, was ich sagen will, ist: Denk nicht mal darüber nach.«
»Ich habe nicht darüber nachgedacht – bis du mich dazu gebracht hast, darüber nachzudenken. Jetzt denke ich darüber nach.«
»Hör auf, dich zu beschweren«, sagte Logan. »Ich will dir doch nur helfen.«
»Du machst mich fertig.«
»Es ist besser, wenn du vorbereitet bist«, sagte Logan.
»Vielleicht solltest du jetzt aufhören zu reden.«
Aber Logan machte weiter. »Er ist furchtbar, was Beziehungen angeht! Warum, denkst du, hat seine Frau ihn verlassen?«
Da war ich überfragt. »Warum?«
»Weil er für diese Mafia-Geschichte so intensiv in seine Recherche in Chicago eingetaucht ist, dass er sie in drei Monaten nicht ein einziges Mal angerufen hat.«
Ich verspürte den Impuls, ihn zu verteidigen. Er hatte gearbeitet! Aber dann sagte ich: »Okay, ja. Das ist eine lange Zeit.«
Logan nickte, als würden wir uns endlich verstehen. »Lass dich von diesen Cordhosen nicht ablenken. Du bist hier, um reinzugehen, deine tragisch überfällige glänzende Karriere anzukurbeln und so schnell wie möglich wieder zu verschwinden.«
Ja, Charlie Yates’ Haus war ein Herrenhaus-Schrägstrich-Villa-Schrägstrich-Anwesen im Stil des alten Hollywoods in einer serpentinenartigen Straße voller Villen gleich hinter dem Sunset Boulevard. Natürlich lebt er in einem Traumhaus, dachte ich, als wir davor anhielten und Logan die Handbremse zog. Er lebte den Traum. Und so sah der Traum aus.
Nachdem wir geparkt hatten, trödelte ich: Ich trug frischen Lippenstift auf, strich meinen Pompon glatt und holte einen kleinen Spiegel heraus, um nachzusehen – ein weiteres Mal –, ob ich Pfeffer zwischen den Zähnen hatte. Obwohl ich heute gar keinen Pfeffer gegessen hatte. Soweit ich wusste.
Ich hatte all diese Dinge bereits auf der Flughafentoilette gemacht, aber verdammt, ich machte sie noch mal.
Ich würde gleich vor Charlie Yates stehen.
Ich würde gleich in Kontakt mit echter Größe kommen.
Es würde mich nicht völlig überraschen, einen Thron in seinem Wohnzimmer vorzufinden.
Ich hatte jedes Video von ihm im Internet angesehen – die meisten auf Bühnen bei Drehbuch-Festivals vor bewunderndem Publikum – und seine Bemerkungen über Struktur, Charakterbögen und wie man verhinderte, dass die schwammige Mitte durchhing, praktisch auswendig gelernt. Ich hatte sein Gesicht gesehen. Ich kannte seine Stimme. Ich wusste, dass er fünfunddreißig war, Sternzeichen Zwillinge, einen leichten Entengang und eine unerschütterliche Vorliebe für schlicht geschnittene Breitcordhosen hatte. Und obwohl ihn niemand beschuldigen würde, so gut wie ein Filmstar auszusehen, hatte er eine irgendwie unordentliche, keine Regeln befolgende, einzelgängerhafte Anziehungskraft an sich, die ich nicht anders als attraktiv bezeichnen konnte.
Außerdem? Hatte er die Angewohnheit, sich vorne in die Haare zu greifen, während er sprach, und sie in seiner Faust so stark zu quetschen, dass sie in alle Richtungen abstanden, wenn er sie wieder losließ.
Also wirklich. Unwiderstehlich.
Das war etwas, worüber ich manchmal nachdachte, einfach so, während ich Abendessen machte. Was genau hatte sein Gesicht an sich, das mir gefiel? Irgendeine verborgene Geometrie, die Muster in meinem Gehirn ansprach? Die Fülle seines Mundes vielleicht? Oder der Winkel seines Kiefers? Oder – und das verriet möglicherweise, wie oft ich mir manche dieser Videos angesehen hatte – etwas an der Form seiner Nasenlöcher? War es seltsam, das zu sagen? Dass ein Mann attraktive Nasenlöcher hatte? Aber die hatte er. Freundliche, ehrliche, symmetrische Nasenlöcher, die sich irgendwie leicht verengten, wenn er ein Lächeln unterdrückte.
Autoren sind im Allgemeinen nicht gerade die attraktivste Unterabteilung der Menschheit. Also, wenn Außerirdische runterkommen und sagen würden: »Zeigt uns die körperlich vollkommensten Exemplare eurer Art«, dann würden wir nicht nach den mit Kaffeeflecken übersäten Autoren dieser Welt Ausschau halten, die in ihren winzigen Kellerwohnungen vor ihren Laptops hocken. Was Aussehen betrifft, hängt die Latte für Autoren nicht gerade hoch. Charlie mochte als normaler Mensch eine Acht sein – aber für einen Autor war er eine Zehn, ganz sicher. Das plus sein früher Erfolg – der schräge Indie-Film, den er auf dem College gemacht hatte, war ein Sleeper Hit und der Startschuss für seine Karriere gewesen – machten ihn zu einem Medienliebling. Von den meisten Drehbuchautoren? Hatte noch nie jemand gehört. Aber wir alle kannten und liebten Charlie Yates.
Er war die perfekte Kombination aus Talent, Charme und unwiderstehlichen Nasenlöchern.
Und ich hoffte wirklich sehr, dass ich das nicht aus Versehen laut sagen würde, wenn ich ihn traf.
Eine albtraumhafte Vision zuckte mir durch den Kopf, wie ich Charlie Yates überschwänglich die Hand schüttelte und »Ich liebe Ihre Nasenlöcher!« hervorsprudelte – und dann, auf das erstarrte Entsetzen in seinem Gesicht hin, versuchte, es weniger peinlich zu machen, indem ich erklärte: »Das ist wegen dieser Tropfenform, die sie haben, und wie sie sich irgendwie über dem obersten Teil Ihrer Oberlippe zurücklehnen, als wären Sie James Dean, der eine Zigarette raucht. Sie wissen, was ich meine, oder?«
Oh Gott. Ich war mir wirklich selbst mein größter Feind.
Während ich immer noch innerlich deswegen zusammenzuckte, erreichte Logan Charlie Yates’ Haustür, und so blieb mir nichts anderes mehr zu tun, als meinen Koffer und meinen Handgepäcktrolley mit Höchstgeschwindigkeit durch den Kies der Auffahrt zu schleifen, um ihn einzuholen.
Während Logan klopfte, versuchte ich, meinen Atem zu beruhigen.
Gott, war ich nervös. Sollte ich das Meer visualisieren? Es mit einer Power-Pose versuchen? Einer schnellen Meditation? Ich versuchte abzuschätzen, wie viel Zeit ich hatte, bevor Charlie Yates diese Tür öffnete.
Aber er öffnete die Tür nicht direkt. Zumindest nicht auf übliche Weise.
Als Reaktion auf Logans Klopfen drehte sich der Türknauf ein wenig, und dann sprang die Tür einen etwa zehn Zentimeter breiten Spalt weit auf. Durch die Stimme im Innern war offensichtlich, dass Charlie gerade ein Telefonat beendete und die Tür nicht öffnete, sondern vielmehr einfach nur entsperrte. Also hob Logan die Finger, um mir zu bedeuten, ich solle mal kurz warten, dann drückte er mir sein Handy und seine Schlüssel in die Hand und schlüpfte hinein.
Und ließ mich allein auf der Vordertreppe stehen, mit Logans Handy und Schlüsseln, meinen Koffern und meinem Rucksack voller Lieblingsstifte und Notizbücher.
Hm.
Rückblickend muss Logan wohl gedacht haben, dass er die Tür hinter sich zugezogen hatte. Aber sie fiel nicht ins Schloss. Was bedeutete, dass ich Minuten später zufällig ihre Unterhaltung durch den Spalt in der Tür mit anhörte.
Eine Unterhaltung, die sehr schnell sehr düster wurde.
»Hab ein Geschenk für dich, Kumpel«, sagte Logan als Einleitung, wobei er seine Stimme mit so viel kumpelhafter Kameradschaft würzte, wie sein britischer Akzent es erlaubte.
»Was meinst du mit ›ein Geschenk‹?«, fragte Charlie. Seine Stimme war im echten Leben rauer als durch meine Computerlautsprecher.
»Eine Autorin«, antwortete Logan. »Ich habe dir eine Autorin gebracht.«
Charlie konnte ihm nicht folgen. »Warum hast du mir eine Autorin gebracht?«
Ich versuchte, ihre Beziehung einzuschätzen. Da war etwas in Charlies Tonfall – nett, aber nicht herzlich –, das es so wirken ließ, als gäbe sich Logan zu viel Mühe.
»Draußen«, sagte Logan. »Eine Rom-Com-Autorin. Um mit dir an Es geschah in einer Nacht zu arbeiten.«
»Du hast eine Autorin hierhergebracht? Zu mir nach Hause? Jetzt?«
Und da wusste ich es.
Charlie Yates hatte keine Ahnung, dass ich kam.
Oh, Scheiße.
Was auch immer gerade passierte, es war nicht von Charlie Yates abgesegnet.
Ich hielt den Atem an. Sobald ich das wusste, konnte ich es nicht mehr rückgängig machen.
»Ja«, fuhr Logan fort, wobei er sich räusperte, als wäre ihm gerade der Schweiß in der Kehle ausgebrochen. »Sie ist jetzt in diesem Moment hier. Sie ist hier – und sie ist bereit zu helfen.«
Es hörte sich so an, als ob Logan dächte, wenn er das alles nur einleuchtend genug klingen ließe, würde es tatsächlich auch einleuchtend sein.
Aber das hier war Charlie Yates. Er würde sich nicht mit Jedi-Psychotricks von seinem Manager beeinflussen lassen. Und er hatte genau eine einzige Silbe als Antwort auf diese Situation: »Nein.«
»Nein?«
»Nein. Ich brauche keine Hilfe.«
»Natürlich brauchst du sie nicht«, ruderte Logan zurück. »Nur um es leichter zu machen.«
Aber Charlie Yates kaufte ihm das nicht ab. »Mit anderen Autoren zu arbeiten, macht es nie leichter.«
»Eine Beraterin. Gewissermaßen. Sie ist eine Freundin von mir. Die, von der ich dir letztes Mal erzählt habe.«
»Ich brauche keine Beraterin.«
»Natürlich brauchst du keine. Eher wie eine Sekretärin. Eine Tippse.«
Eine Tippse!
Logan versuchte, den ersten Widerstand zu überwinden. »Ich werde sie einfach reinholen, und dann können wir …«
»Nein.«
»Nein?«, fragte Logan.
»Nein.«
»Bedeutet Nein …«
»Nein bedeutet Nein. Nein, ich will nicht, dass du sie reinholst. Nein. Ich brauche keine Hilfe bei dem Drehbuch. Oder eine Beraterin. Oder auch nur eine Tippse. Ich weiß, wie man tippt. Und auch, wie man ein Drehbuch schreibt, übrigens.«
Jep. Er hatte ihn beleidigt.
»Ich brauche gar nichts«, fuhr Charlie fort. »Weder von dir noch von irgendwem. Ganz besonders nicht von irgendeiner Amateur-Autorenfreundin von dir.«
Autsch. Aber fair.
»Sie mag zwar eine Amateurin sein, aber da gab es Umstände …«
»Nein.«
»Nein?«
»Nein. Daraus wird nichts.«
»Ich dachte einfach nur, wenn du …«
»Alter. Komm schon. Ich wäre schon genervt, wenn du hier mit irgendwem aufgetaucht wärst, ehrlich gesagt. Aber mit irgendeiner beliebigen Kleinen, mit der du in der Highschool was laufen hattest? Das ist einfach nur beleidigend.«
»Ich sage dir, sie ist gut.«
»Ich sage dir, das ist mir egal.«
»Ich biete dir die Hilfe, die du brauchst, um das hier fertigzukriegen und abzuhaken, und du kommst mir mit Referenzen.«
»Referenzen gibt es aus gutem Grund.«
»Schau, Rom-Coms sind ihre Spezialität. Die sind ihr ganzes Ding. Sie kann jede Zeile aus Harry und Sally Wort für Wort auswendig zitieren.«
