The School of Mystery and Magic 2 - Katharina Sehn - E-Book

The School of Mystery and Magic 2 E-Book

Katharina Sehn

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Beschreibung

Elena entdeckt ihre Arkane Magie und beginnt ein neues Leben an der School of Mystery and Magic. Während sie sich mit neuen Freunden anfreundet und sich in den Schulalltag einlebt, wird sie von dunklen Mächten bedroht. Ein mysteriöser Unbekannter hat es auf ihre Kräfte abgesehen. Elena muss nicht nur ihre Magie meistern, sondern auch das Geheimnis ihrer Eltern und ihrer eigenen Bestimmung lüften. Mit Unterstützung ihrer Freunde und Lehrer stellt sie sich den Herausforderungen und Gefahren, die auf sie warten. Wird sie es schaffen, ihre Ängste zu überwinden und ihre Bestimmung anzunehmen? Ein spannendes Abenteuer voller Magie, Freundschaft und Mut erwartet sie.

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Seitenzahl: 515

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Eins

Zwei

Drei

Vier

Fünf

Sechs

Sieben

Acht

Neun

Zehn

Elf

Zwölf

Dreizehn

Vierzehn

Fünfzehn

Sechszehn

Siebzehn

Achtzehn

Neunzehn

Zwanzig

Einundzwanzig

Zweiundzwanzig

Dreiundzwanzig

Vierundzwanzig

Fünfundzwanzig

Sechsundzwanzig

Siebenundzwanzig

Achtundzwanzig

Neunundzwanzig

Dreißig

Einunddreißig

Zweiunddreißig

Dreiunddreißig

Vierunddreißig

Fünfunddreißig

Sechsunddreißig

Siebenunddreißig

Achtunddreißig

Neununddreißig

Vierzig

Einundvierzig

Zweiundvierzig

Dreiundvierzig

Vierundvierzig

Fünfundvierzig

Sechsundvierzig

Siebenundvierzig

Achtundvierzig

Neunundvierzig

Fünfzig

Einundfünfzig

Zweiundfünfzig

Dreiundfünfzig

Vierundfünfzig

Fünfundfünfzig

Sechsundfünfzig

Siebenundfünfzig

Achtundfünfzig

Neunundfünfzig

Sechzig

Einundsechzig

Zweiundsechzig

Dreiundsechzig

Vierundsechzig

Fünfundsechzig

Sechsundsechzig

Siebenundsechzig

Glossar

EINS

Ich spürte, wie sie ihre Finger an meine Schläfe legte. Vor meinen Augen tauchten wieder diese bunten Farben auf, es waren dieselben, die ich auch immer beim Klavier spielen sah. Doch langsam verblassten einige dieser Farben bis schließlich nur noch ein sattes, intensives blau übrigblieb. Es dauerte einige Minuten, bis sie ihre Finger von meinen Schläfen nahm und ich vorsichtig die Augen öffnete. Sie lächelte. „Arkane-Magierin!“, rief sie zur Überraschung einiger. Ein paar klatschten, andere beachteten mich gar nicht. Ich verließ die Bühne. Da ich die letzte gewesen war, verließ nun auch die Schamanin die Bühne. Ich sah, wie sie mir einen flüchtigen Blick zu warf. In ihrem Gesicht stand Ehrfurcht geschrieben. Miss Farnsworth hatte sie gesehen und folgte ihr für einen Moment auf die andere Seite der Eingangshalle. Ich beobachtete die beiden. Es schien niemanden zu kümmern, dass Miss Farnsworth für einen Moment von der Bühne verschwand. Schüler redeten mit ihren Eltern und Verwandten und fielen sich gegenseitig fröhlich um den Hals. Die Schamanin sagte etwas zu Miss Farnsworth und die beiden warfen mir einen Blick zu. Dann schienen sie sich zu verabschieden und Miss Farnsworth lief zurück zur Bühne. Dabei ließ ich sie nicht aus den Augen. Ich hatte das Gefühl, dass sie über mich gesprochen hatten. Aber vielleicht irrte ich mich auch einfach. Sie erklärte uns, dass wir nun die Schule gezeigt bekommen würden. Die Eltern und Verwandten verschwanden und wir folgten den anderen durch die Schule. Tatsächlich war es hier wunderschön. Wir bekamen die einzelnen Klassenzimmer und unsere Schlafplätze gezeigt. Es waren WG-Zimmer und ich stellte fest, dass ich mir ein Zimmer mit Joanne, Jayla und Kelly teilte. Sie waren kurz vor meinem Bruder dran gewesen, ihre Magie zu erfahren. Die drei musterten mich kurz und folgten dann still den anderen. James war im Zimmer, ein paar Gänge weiter untergebracht, blieb aber vorerst an meiner Seite. Er hielt sich wieder an meiner Hand fest. So ganz aufgetaut gegenüber seiner neuen Umgebung war er noch nicht. Nachdem die Führung endete, gingen wir zurück zur Bühne, wo bereits einige Reihen Stühle aufgestellt worden waren. In der ganzen Halle standen verteilt auch einige Stehtische und ein großes Buffet war errichtet worden. Wir setzten uns nebeneinander in die erste Reihe. Die älteren Schüler fingen an uns willkommen zu heißen und zeigten ihre magischen Fähigkeiten. Feuerspucker und Gestaltenwandler waren ein großes Highlight. Wir bekamen einige musikalische Vorstellungen gezeigt, die das Schulorchester einstudiert hatte. Schließlich winkte mich Miss Farnsworth zu sich. Mein Bruder drückte mir die Daumen, als ich aufstand. Ich lächelte ihm zu, auch wenn ich sichtlich nervös war. Miss Farnsworth betrat nach einem tosenden Applaus die Bühne. „Und nun unsere letzte Darstellerin für heute. Elena spielt für uns einige Stücke auf dem Flügel!“ Alle klatschten und ich begab mich auf die Bühne. Ich hatte mir überlegt vier Stücke zu spielen, darunter auch das Lieblingslied meiner Mum. Ich setzte mich an den Flügel, zögerte aber für einen Moment, da ich merkte, wie alle Blicke zu mir wanderten. Dann begann ich eine Taste nach der anderen anzuschlagen und ich sah wieder diese Farben. Und auf einmal fiel all mein Lampenfieber von mir ab. Es fühlte sich an, als spielte ich wieder in dem kleinen Café. Meine Finger kannten den Ablauf der Stücke bereits so auswendig, dass ich mir keine Gedanken mehr um Noten machte. Die Musik erfüllte die ganze Halle mit einer harmonischen Stimmung. Ich konzentrierte mich auf die Musik und die Farben. Es war, als ob sie den ganzen Raum mit einer sanften Atmosphäre erfüllten und ich sah ihnen dabei zu. Es war eine Art Tanz, den sie vollführten. In dem Moment vergaß ich alles um mich herum. Es gab nur noch mich, die Musik und die Farben. Keine Bühne und keine tausenden von Augen die auf mir hafteten. Es wurde absolut still in der Halle und alle lauschten gespannt. Ich hatte das Gefühl Mum irgendwie ein Stück näher zu kommen, jedenfalls für einen kurzen Augenblick. Es war fast als säße sie neben mir und sie zeigte mir, wie ich zu spielen hatte. Nachdem meine Darbietung endete, stand ich auf und verbeugte mich. Es gab tosenden Applaus. Ich verließ die Bühne und setzte mich wieder neben James. Er strahlte von einem Ohr zum anderen. „Wow. Das war noch besser als im Café!“, sagte er freudig. Ich lächelte, da ich nicht wusste, was ich ihm darauf antworten sollte, strubbelte ich ihm wieder durch sein Haar. Dann wurde das Buffet eröffnet. Man räumte die Stühle beiseite und schuf eine Tanzfläche. Wo sich eine Band bereits fertig zum Spielen machte. „Jo, neue Schüler das ist für euch!“, rief der Sänger mit feierlicher Stimme. Alle klatschten und die Band legte los. Einige der Schüler fingen an zu tanzen. Andere standen an Stehtischen und unterhielten sich. Die Band bestand aus einem Schlagzeuger, einem Bassisten, einem E-Gitarristen, einem Keyboarder und zwei Sängern. James war mit der Ausrede, er wolle sich ein klein wenig umsehen, von meiner Seite verschwunden. Mutterseelen allein stand ich nun mitten in einem Haufen feiernder Schüler. Ich besorgte mir ein Glas Wasser. Nachdem ich es leer getrunken hatte, verschwand es einfach. Wie cool war das denn bitte? Lust zu tanzen hatte ich nicht. Ich war kein Partymensch. Ich bevorzugte ruhige Konzerte und keine Rock-Bands. Ich entschied mich dazu, meinen Bruder zu suchen und fand ihn schließlich bei einer Gruppe von Jungen. Darunter auch Nikolas. „Hi James!“, sagte ich und er drehte sich um. „Jungs darf ich vorstellen meine große Schwester Elena!“, sagte er stolz. „Hi. Ich bin Nikolas!“, sagte der Junge. Er war ein wenig älter als ich und einen halben Kopf größer. Nun reichte er mir seine Hand und ich schüttelte sie. Dann stellten sich die anderen drei Jungs vor. Wie ich erfuhr, hießen sie Alex, Ashton und Mike. Ich erfuhr ebenfalls, dass sie alle neu hier waren und alle im selben Zimmer wie James wohnten. Das Zimmer musste wohl ein wenig größer sein als meines. Immerhin waren sie zu sechst und wir nur zu viert. Ich verabschiedete mich von James. In der Halle war es ziemlich warm geworden und ich beschloss etwas frische Luft schnappen zu gehen. Plötzlich rempelte mich ein Junge an. „Geh mir aus dem Weg!“, giftete er mich wütend an. „Entschuldige mal …!“, sagte ich empört und wollte ihm schon hinterherlaufen als mich jemand am Arm packte und zur Seite zog. Es war Joanne. „An deiner Stelle würde ich mich nicht mit Flint Hunters anlegen! Der ist ein paar Jahre über dir und außerdem ein Schatten-Magier.“ Ich warf dem Jungen noch einen Blick nach. „Hör nicht auf das, was dieser Idiot sagt“, sagte nun auch Kelly. „Du bist Elena richtig?“, fragte mich jetzt Jayla. Ich nickte. „Und ihr seid Kelly, Joanne und Jayla, nehme ich mal an?“, fragte ich die drei. Sie nickten. „Du kannst voll gut Klavier spielen!“, bemerkte Joanne und ließ meinen Arm los. „Oh. Danke“, murmelte ich. „Kennt ihr euch?“, fragte ich in die Runde. „Na ja also ich und Joanne kommen beide aus Tennessee und waren dort auf der gleichen Highschool“, erzählte Kelly. „Ich komme aus Texas!“, sagte Jayla. „Cool. Ich komme aus New York“, erwiderte ich. „OMG! Kommt! Die Hexen des Kosmos spielen gleich!“, rief Kelly begeistert. „Die wer?“, fragte ich verwirrt und alle blieben gleichzeitig stehen. „Du kennst die Band nicht?“, fragte Jayla mich ungläubig. „Nein. Bis Miss Farnsworth mich und meinen Bruder besucht hat, vor ein paar Tagen wusste ich nicht mal, dass Magie überhaupt existiert.“ Die anderen schauten mich ungläubig an. „Warte. Du strahlst so eine große Macht aus, wusstest aber nicht mal das, dass hier alles existiert?“, fragte nun Joanne und ich nickte. „Okay. Na ja, also wir kommen alle aus Magier Familien“, meinte Kelly. „Aber deine Eltern müssen doch bestimmt auch magisch sein?“, fragte nun Jayla weiter. Ich zuckte mit den Achseln. Kurz hielt ich inne. Konnte ich ihnen wirklich vertrauen? Aber dann entschied ich mich dazu ihnen die Wahrheit zu sagen. „Meine Eltern sind bei einem Unfall, als ich dreizehn war ums Leben gekommen.“ Eine bedrückende Stille legte sich zwischen uns. „Oh“, stieß Jayla verlegen aus. „Und jetzt wohnst du mit deinem Bruder bei deinen Verwandten?“, fragte sie vorsichtig. Ich schüttelte den Kopf. „Ich und mein Bruder leben allein.“ Jetzt schauten mich auch die anderen verwundert an. „Neben der Schule habe ich noch zwei Nebenjobs gehabt.“ Jetzt nickten sie verständlich und Kelly wechselte schnell das Thema. Sie deutete auf den Haufen an Jungen. „Und wer von denen ist dein Bruder?“, fragte sie neugierig. „Kommt mit, ich stelle ihn euch vor“, sagte ich und wir gingen zu dem Grüppchen von Jungen. „Hi Elena!“, sagte mein Bruder, als wir uns näherten. „Mädels das ist James mein kleiner Bruder!“ „Freut mich euch kennenzulernen!“, sagte er und reichte jedem die Hand. Die drei Mädchen stellten sich ebenfalls vor. „Elena schau mal!“, sagte mein Bruder und zupft an meinem Kleid. Ich drehte mich zu ihm. Er trat einen Schritt zurück, dann schloss er die Augen und konzentrierte sich. Dann sah ich wieder diese Farben wie schon zuvor bei Miss Farnsworth nur etwas schwächer und in dunkelgrün. Dann färbten sich plötzlich seine Haare hellgrün. Sekunden später kehrte seine eigentliche Haarfarbe zurück. „Cool!“, sagte ich grinsend. „Das haben mir die Jungs eben beigebracht!“, erwiderte er freudig. Ich lächelte. „Kommt ihr Mädels? Sonst verpassen wir die Hexen des Kosmos!“, drängte Kelly uns ungeduldig. Ich verabschiedete mich von James und wir gingen zur Bühne.

ZWEI

Die Hexen des Kosmos stellten sich als eine sehr beliebte Band heraus. Ihre Musik hörte sich zwar ein wenig Altertümlich an, aber jeder schien Gefallen daran gefunden zu haben im Takt der Musik zu klatschen. Alle tanzten ausgelassen. Selbst ich fand ein wenig Gefallen an der außergewöhnlichen Musikrichtung. Kelly und Joanne erwiesen sich als ehrwürdige Tänzerinnen. Sie wirbelte zur Musik herum und einige Umstehende klatschten sogar. Ich und Jayla zogen uns ein wenig zurück und überließen den beiden den Applaus. „Puh, ist das warm hier drinnen!“, murmelte Jayla. „Wollen wir ein bisschen Luft schnappen gehen?“, fragte ich sie. „Ja gerne!“ Wir sagten Kelly und Joanne kurz Bescheid, dann zogen wir uns nach draußen zurück. Hier standen ebenfalls einige Schüler in Grüppchen zusammen. „Du bist kein so großer Party Fan, oder?“, fragte sie mich. „Für mich waren Partys immer Nebensache. Da mache ich lieber ein paar Überstunden im Café oder im Restaurant.“ Sie nickte. „Stimmt, wenn man sich allein um sich und seinen Bruder kümmern muss, ist das wahrscheinlich wirklich nicht so einfach.“ Ich nickte. „Meine Mum hat mir damals das Klavierspielen beigebracht. Von ihr ist auch das Kleid“, murmelte ich. „Oh. Mein Dad ist als ich fünf war, gestorben. Seitdem lebe ich mit meiner Mutter und meiner Großmutter zusammen. Wie hat dich eigentlich Miss Farnsworth gefunden?“, wechselte sie das Thema. Ich erzählte ihr was in den letzten Tagen passiert war und wir liefen ein wenig über das Schulgelände. Dann kehrten wir zum Eingang zurück. Es war mittlerweile dunkel geworden. „Da vorne sind Miss Lanchester und Miss Farnsworth!“, sagte ich an Jayla gewandt und erzählte ihr, wie ich Miss Lanchester kennen gelernt hatte. „Stimmt. Ich habe mich ein wenig über die Schule schlau gemacht!“, erzählte sie. Wir plauderten noch eine Weile. „Krass, dass du eine Arkane-Magierin bist, von denen gibt es nicht so viele hier in der Gegend.“ Ich nickte langsam. Wir erhoben uns von den Treppenstufen, auf denen wir gerade gesessen hatten. Als ich dabei mitten in eine Scherbe griff, die ein Stück aus der Erde ragte. Zum Glück war es nur ein kleiner Kratzer, der leicht blutete. Doch plötzlich wurde mir schwindelig. Ich hatte das Gefühl jeden Moment umkippen zu müssen und stützte mich deshalb an der Wand ab. „Was ist los? Geht’s dir nicht gut?“, fragte Jayla mich besorgt. „Mir ist grad nur ein wenig schwindelig“, murmelte ich. „Setz dich wieder hin, ich hole dir was zu trinken“, wies sie mich an und verschwand nach drinnen. Was war bloß auf einmal mit mir los? Kam das vielleicht noch von dem Sturz am Freitag? Vielleicht hatte ich auch einfach nicht genug getrunken. Auf einmal fühlte ich mich unheimlich schwach. Erschöpft ließ ich mich gegen die Wand fallen als auch schon Jayla mit einem Glas Wasser und Joanne und Kelly im Schlepptau auftauchte. Alle drei schauten mich besorgt an. Dann reichte mir Jayla das Wasser. Ich trank einen Schluck. Wirklich besser ging es mir danach aber immer noch nicht. „Wie fühlst du dich?“, fragte mich Kelly. „Nicht wirklich gut“, murmelte ich, als Miss Kirkwood die alte Schamanin auftauchte. „Vielleicht war die Party ein wenig zu viel für dich?“, warf sie ein. „Am besten ihr bringt sie auf euer Zimmer!“, wies sie uns an. Jayla und Joanne griffen mir unter die Arme und stützten mich. Ansonsten hätten meine Beine wahrscheinlich nachgegeben wie Wackelpudding. Miss Farnsworth hatte sich mit einem Glas Wasser zu Miss Kirkwood begeben. Diese klärte sie gerade über alles auf. Ich sah noch, wie sie mir einen besorgten Blick hinterherwarf. „Kann einer von euch James Bescheid sagen?“, fragte ich die Mädchen. „Klar doch!“, murmelt Kelly und verschwand kurz. Dann tauchte sie dicht gefolgt von James wieder auf. „Was ist los Schwesterherz?“, fragte er besorgt. „Mir ist nur ein bisschen schwindelig“, murmelte ich. „Wir bringen sie auf unser Zimmer. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen!“, beruhigte Kelly ihn. „Okay. Gute Besserung noch Schwesterherz“, sagte er, dann verschwand er wieder zu seinen Jungs. „Danke!“, murmelte ich, dann sackten mir kurz die Beine weg. „Alles gut?“, fragte mich Jayla besorgt. „Jaja geht schon“, murmelte ich und kam nach ein paar Sekunden wieder zurück auf die Füße. Wir hatten die WG schon fast erreicht. „Das sieht mir stark nach Kreislauf Problemen aus“, mutmaßte Joanne. Die anderen nickten ein wenig. Die WG war riesig. Hier gab es einen großer Aufenthaltsraum mit einer Fernsehecke, zwei großen Couchen, einem Konzertflügel und einer Kochnische. Von hier aus gingen jeweils zwei Türen zur Seite weg. Auf jeder Tür stand ein Name. Die Mädchen bugsierten mich durch die Tür auf der mein Name stand, in mein Zimmer. Hier standen ein riesiges Himmelbett und daneben ein Schreibtisch. Eine kleine Tür führte zum Badezimmer. Die Mädchen setzten mich auf dem Bett ab. Wenn es euch nichts ausmacht, gehe ich mich kurz fertig machen!“, murmelte ich. Joanne reichte mir einen Schlafanzug. Die anderen nickten. „Schrei einfach, wenn etwas passiert!“, sagte Jayla und grinste ein wenig. Jetzt musste auch ich lächeln. „Jawohl Miss!“, sagte ich. Dann strauchelte ich ins Badezimmer. Ich zog mir das Kleid aus und schlüpfte in den Schlafanzug. Dann putze ich mir die Zähne und taumelte wieder aus dem Badezimmer. Ich legte mich in das riesige Himmelbett und die Mädchen kümmerten sich fürsorglich um mich. Kelly bot an Miss Farnsworth Bescheid zu geben, aber ich lehnte dankend ab. Sie war eh schon im Bilde was geschehen war und ich wollte sie lieber nicht bei der Party stören. Ich war schon fast im Halbschlaf, als es an der Tür des WG-Zimmers klopfte. Die Mädchen hatten sich dazu entschieden bei mir zu bleiben, bis ich eingeschlafen war. „Ich gehe schon!“, murmelte Jayla und verschwand aus dem Raum. Ich hörte noch, wie sie mit Miss Farnsworth redete, dann sank ich schon in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Die Mädchen hatten keine Lust mehr auf die Party und machten sich alle fertig. Sie hatten beschlossen einzeln Nachtwache zu schieben, falls ich aufwachen sollte. Es war halb drei, als ich aufschreckte. Jayla schreckte ebenfalls aus dem Halbschlaf auf. „Elena bist du wach?“, nuschelte sie und ich hörte sie gähnen. „Jayla?“, fragte ich verwirrt ins Dunkle. Ich hörte Schritte, dann knipst Jayla das Licht an. Erst blendete es uns beide, dann wurde es aber besser. Ich saß aufrecht in meinem Bett. „Was machst du hier?“, fragte ich sie irritiert. „Jemand muss doch aufpassen, falls du aufwachst und es dir schlecht geht!“, sagte sie und lächelte. Dann setzte sie sich neben mich auf mein Bett. „Wie geht’s dir gerade?“, „Schon deutlich besser“, murmelte ich. Mir war immer noch ein wenig schwindelig, dafür kamen jetzt auch noch pochende Kopfschmerzen dazu. „Versuch wieder weiterzuschlafen!“, sagte sie, stand auf und knipste das Licht aus. Ich nickte und ließ mich zurück in meine Kissen sinken. Dann schlief ich erneut ein. Es war bereits früher Nachmittag als ich erneut aufwachte. Diesmal war niemand in meinem Zimmer. Zum Glück hatten wir heute frei, um uns unsere Fächer auszusuchen. Ich stand auf. Ich hatte nur noch leichte Kopfschmerzen, dafür nun aber einen Bären Hunger. Ich kämmte meine langen Haare im Badezimmer und zog mir eine Jeans und ein T-Shirt an. Dazu einen grauen Hoodie mit dem Logo der Schule. Zu meiner Überraschung war das Logo dasselbe Pentagramm, wie das, welches Miss Farnsworth an die Wand gemalt hatte, worauf hin sich das Portal geöffnet hatte. Bevor ich mich umgezogen hatte, hatte ich noch geduscht. Nun betrat ich den Aufenthaltsbereich der WG. „Mädels?“, rief ich in den Raum. Keine Reaktion. Ich klopfte an die Türen der Mädchen. Aber es schien niemand da zu sein. In der kleinen Küche fand ich etwas Essbares. Nachdem ich gegessen hatte, setzte ich mich an den großen Flügel, der inmitten des Raumes stand. Meine Kopfschmerzen waren längst verschwunden. Hier lag nicht nur ein Notenheft mit Stücken von berühmten Musikern wie Mozart oder Beethoven, sondern auch eines mit modernen Liedern. Ich durchstöberte die Hefte und spielte dann einfach drauflos. Da waren all diese Farben wieder. Am besten ich würde Miss Kirkwood einmal genauer danach fragen. Dieses Mal sang ich sogar mit, wenn auch singen nicht gerade meine größte Stärke war. Da war es wieder, dieses heimische Gefühl Mum etwas näherzukommen. Meine Finger flogen wie selbstverständlich über die Tasten. Ich musste nicht einmal mehr richtig in die Noten schauen. Es war fast so, als hätte ich ein fotografisches Gedächtnis bekommen. Ich war so versunken in die Musik, dass ich nicht bemerkte, wie die anderen Mädchen das Zimmer betraten. Leicht flogen meine Finger über die Tasten. Ich wippe im Takt mit. Ich war wieder zu meiner klassischen Art zurückgekommen. Mein Musiklehrer hatten mich einmal ermutigt privat Stunden zu nehmen, aber dazu hatte es mir leider an Geld und Zeit gefehlt. Die Farben wirbelte durch den Raum und vollführen einen wunderschönen Tanz. Und ich wünschte mir das ich einfach so für immer spielen konnte. Ich endete mit einem Lied und es herrschte Totenstille im Raum. Trotzdem spürte ich die Anwesenheit mehrerer Menschen. Ich ließ mir nichts anmerken und spielte einfach weiter. Die Musik ging hoch und tief, langsam und schnell, laut und leise. Und genau das liebte ich einfach. Dieses rhythmische Gefühl zog mich immer wieder in eine ganz neue Welt. Ich hörte, wie sich plötzlich die Tür öffnete und jemand etwas sagen wollte, doch es blieb still. Wahrscheinlich war derjenige zu überrascht. Leise schloss sich die Tür wieder. Ich hörte leise Schritte.

DREI

Dann war wieder alles still. Dieses Mal sang ich wieder leise mit. Ich hatte die Musik nicht gestoppt, sondern wechselte einfach in ein neues Lied. Die Farben kamen mir auf einmal vor wie ein Sonnenuntergang am Meer und ich glaubte den Geschmack von Salzwasser auf meiner Zunge schmecken zu können. Und ich stellte mir vor wie James, ich, Mum und Dad dort saßen, im Sand unter einer Palme. Und ich spielte mehr Lieder. Ich wusste nicht wie, aber auf einmal konnte ich mich an Lieder erinnern, die meine Mum abends für uns gespielt hatte und meine Hände schienen zu Wissen was zu tun war. Die Farben wurden sanft und weich. Dann beendete ich mein Spielen mit ein paar sanften Tönen. Hinter mir brannte tosender Applaus auf. Und ich drehte mich auf dem Hocker um. Neben der Tür standen Joanne, Jayla, Kelly und zu meiner Verwunderung auch Miss Kirkwood. Sie lächelte mir zu. Als sie mit klatschen geendet hatten, herrschte für einen Moment Stille und alle rangen nach Worten, bis Miss Kirkwood die Initiative ergriff. „Wie geht es dir Elena?“, „Mir geht’s deutlich besser, danke der Nachfrage. Keine Ahnung was gestern mit mir los war. Vielleicht habe ich auch nur zu wenig getrunken oder so“, murmelte ich. „Vielleicht …“, sagte Miss Kirkwood in Gedanken versunken. „Du bist so gut!“, lobte mich Kelly. Dann ergriff Miss Kirkwood wieder das Wort. „Das stimmt, du hast ein großes Talent, Magie zu nutzen, um in eine andere Welt der Musik zu kommen!“, säuselte sie. Ich schaute sie verwundert an. Sollte das heißen ich hatte die ganze Zeit schon Kontakt mit Magie gehabt und hatte es nur nicht gewusst? „Sie können diese ganzen Farben auch sehen?“, „Natürlich! Was denkst du was ich tue, wenn ich Magie erlese? Ich schaue mir die Farbe der Magie an. Das ist eine seltene Fähigkeit, Magie in dieser Art und Weise zu sehen! Du kannst sehr stolz darauf sein, so eine Fähigkeit zu besitzen.“ Ich nickte anerkennend. Miss Kirkwood kam näher und legte ihre Hand auf meine Schulter. „Diese Fähigkeit macht dich stärker! Aber auch verwundbarer, deshalb sei dir im Klaren über deine Macht. Du bist etwas Besonderes Elena! Etwas ganz besonderes!“, flüsterte sie nun fast schon. Ich fand keine Antwort, die ich ihr darauf geben konnte, deshalb schloss ich meinen Mund wieder und warf meinen Mitbewohnerinnen einen kurzen, unsicheren Blick zu. „Nun gut, genug geredet. Am besten ihr füllt eure Kurslisten aus. Sobald es Nachmittag ist, ist bei Miss Farnsworth im Büro immer die Hölle los. Man sieht sich!“, sagte sie und torkelte aus dem Raum. Jayla sah ihr verblüfft hinterher. „Okay, wow! Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Du kannst diese Magie genauso sehen wie sie?“, fragte sie entgeistert. Ich nickte. „Deshalb ist man ja auch hinter mir her.“ Schnell erzählte ich den dreien von dem Zettel und dem Stromausfall. „Dann hat es dieser geheimnisvolle M.S. also auf dich abgesehen?“, schlussfolgerte Joanne. „Oder diese“, ergänzte Kelly. „Das vermute ich jedenfalls.“ Ich hatte mich von dem Flügel erhoben und wir hatten uns alle auf die Couch verpflanzt. „Lasst uns erstmal das Thema abhaken und stattdessen unsere Listen ausfüllen. Wenn Miss Kirkwood recht hat, sollten wir uns besser beeilen!“, schlug Jayla vor. Wir alle stimmten ihr zu und holten unsere Zettel. Dann setzten wir uns mit Stiften an die Küchentheke. Ich wählte meinen Tagesablauf wie folgend: 1.-2. Stunde Arkane-Magie bei Miss Kirkwood, 3.-4. Stunde Sport. 5.-6. Stunde Geschichte. Dann war Mittagspause. 7.-8. Stunde wählte ich mich in Musik ein. Wie ich in Erfahrung gebracht hatte, bekamen die älteren Schüler mehr Stunden als die Jüngeren. Deshalb wählte ich 9. Stunde Alchemie. Wir hatten uns alle vier geeinigt, die letzte Stunde zusammen zu verbringen. Dann machten wir uns auf den Weg zu Miss Farnsworth. Auf dem Weg zu ihrem Büro trafen wir auf die Jungen. James hatte sich bei mir erkundigt, wie es mir ginge und ich hatte ihm versichert, dass alles wieder in Ordnung sei. Wir überließen den Jungen den Vortritt. Strahlend kamen sie aus dem Büro zurück und wir gingen hinein. Jayla schloss die Tür hinter uns. Miss Farnsworth hatte ein großes und bequem eingerichtetes Büro. Vor ihrem Schreibtisch standen einige Sessel und zwei Couchen. Ansonsten war da noch ihr Schreibtisch und ein paar Bücher Regale. Miss Farnsworth sah von ihrer Arbeit auf und lächelte. Sie hatte schon einen ordentlichen Stoß Listen vor sich liegen. „Na Mädchen wie geht es euch?“, fragte sie uns. „Bei uns ist alles in bester Ordnung. Elena geht’s auch wieder gut!“, versicherte Kelly ihr. „Das freut mich. Na, dann mal her mit den Listen!“, sagte sie und wir reichten ihr unsere Zettel. Sie legte sie auf einen der größeren Haufen, dann verließen wir gemeinsam das Büro. Kelly und Joanne wollten noch den Jungs Bescheid geben und ließen mich und Jayla allein. „Was ist gestern eigentlich noch passiert, nachdem ich eingeschlafen bin?“, fragte ich sie. „Na ja. Bis um Mitternacht haben die Bands noch gespielt. Danach gab es ein gewaltiges Feuerwerk. Man war das laut! Die Scheiben der gesamten Schule haben gezittert. Ich habe mich echt gefragt, wie du nicht aufgewacht bist bei dem Lärm.“ „Oh. Wie heißt es so schön? Egal wie gut du schläfst. Albert schläft wie Einstein.“ Jayla und ich mussten gleichzeitig lachen. Dann gingen wir zurück in unsere WG. Als ich in meinem Zimmer ankam, lag ein Zettel auf meinem Bett. Wie war dieser Zettel dorthin gekommen? Ich betrachtete ihn kurz und hob ihn dann auf. Vorsichtig öffnete ich ihn und was dort wegschrieben stand, ließ mich stocken. In einer verdächtig bekannten blutroten Handschrift stand dort:

Ich hoffe, dass war dir eine Lehre! Und das war nur der Anfang. Gib mir deine Kräfte und ich lasse dich in Ruhe. Falls du nicht bereit dafür bist, wirst du mich schon sehr bald auf eine unschöne Weise kennenlernen.

M.S.

Ich schluckte, dann lief ich aus meinem Zimmer und klopfte bei Jayla. „Ja?", hörte ich sie von drinnen rufen. Ich öffnete die Tür einen Spalt breit und steckte meinen Kopf hindurch. „Jayla! Ich habe schon wieder so einen Zettel gefunden!", rief ich. Da ich sie nirgends im Zimmer sehen konnte, vermutete ich, dass sie im Badezimmer war. „Warte, ich bin in fünf Minuten bei dir", hörte ich sie sagen. Kurz darauf kam sie aus dem Badezimmer gelaufen. Wir setzten uns in den Aufenthaltsraum. „So jetzt zeig mal her!", murmelte sie und ich reichte ihr den Zettel. Sie las ihn sich kurz durch und erschauderte. „Deshalb ging es dir gestern Abend auch so schlecht! Bestimmt war dieser mysteriöse Typ dafür verantwortlich, auch wenn ich gestern keinen gesehen habe, der mir verdächtig vorkam. Aber es wäre doch schon mal eine halbwegs vernünftige Erklärung dafür, oder?", „Ja das ist durchaus möglich!", antwortete ich ihr. Plötzlich ging unsere Tür der WG auf und Joanne und Kelly kamen herein. Als die beiden uns so ernst sahen, blieben sie wie angewurzelt stehen. „Äh. Alles okay bei euch? Ihr wirkt so angespannt!", fragte Kelly uns. Schnell hatten wir den Beiden den Zettel gezeigt und unsere Theorie erzählt. „Das könnte durchaus stimmen", pflichtete Joanne uns bei. „Aber wenn es stimmt und er oder sie wirklich dafür verantwortlich ist, sollten wir dann nicht Miss Farnsworth Bescheid sagen? Oder vielleicht Miss Kirkwood?", äußerte sich Kelly nun. „Ich weiß nicht. Miss Farnsworth hat doch eh schon so viel zu tun, jetzt mit den ganzen Wahlzetteln und Miss Kirkwood weiß noch gar nichts davon. Außerdem bezweifle ich, dass uns jemand glaubt. Schließlich haben wir keine Beweise das er oder sie dafür verantwortlich war“, warf ich ein. Die anderen nickten verständlich. „Und was machen wir jetzt?", fragte Kelly. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht!", gab ich zu. „Auf jeden Fall müssen wir uns in der Bibliothek mal umsehen. Am besten machen wir das jetzt gleich", schlug ich vor. Die drei nickten und wir verließen die WG und machten uns auf den Weg zur Bibliothek. Dort angekommen staunten wir nicht schlecht. Man hatte uns zwar gezeigt, wo die Bibliothek sich befand, aber nicht wie sie von innen aussah. Wir liefen ein Stück in die riesengroße, halb runde Halle, mit einer runden Dachkuppel. Ich blieb stehen und drehte mich um meine eigene Achse. Überall waren Bücherregale, die bis zur Decke hinauf ragten und teilweise nur von einer der insgesamt 16 Emporen erreicht werden konnten. In der Mitte der Kuppel hing ein gewaltiger Kronleuchter, der sich über fast fünf Emporen erstreckte. „Wie kann ich euch behilflich sein?", fragte hinter uns eine piepsige Stimme. Erschrocken drehten wir uns um. Hinter uns stand eine schlanke, hochgewachsene Frau mit Nickelbrille und schwarzem, langem Kleid. Sie war schneeweiß im Gesicht und als sie lächelte, entblößte sie zwei spitze Fangzähne. Sie war eine Vampirin. Schnell wich ich einen Schritt zurück. „Keine Sorge ich beiße nicht!", sagte sie und zwinkerte mir zu. In mir stieg Unbehagen auf. War es überhaupt schlau gewesen, einfach so hierherzukommen, ohne zu wissen, wonach wir eigentlich suchten? Dann kam mir eine Idee. „Wir wollten etwas über Blut-Magier lernen!", sagte ich schnell. Die Bibliothekarin drehte sich blitzschnell zu mir um, sodass ich zusammenzuckte. „Wie bitte?", „Ich sagte ...!", „Ich habe dich schon verstanden meine Liebe. Ich meinte, was das soll. Warum wollt ihr etwas über Blut-Magier erfahren?" Sie durchbohrte mich mit einem misstrauischen Blick. „Wir ... äh. Ich glaube, ich bin einem begegnet", sagte ich schnell. Sie schaute mich misstrauisch an. „Du weißt schon, dass seit 500 Jahren kein einziger Blut-Magier mehr gesichtet wurde?" In mir stieg Panik auf. Aber Miss Farnsworth hatte doch an dem Abend, an dem wir verfolgt wurden, gesagt, dass ein Blut-Magier hinter uns her war. „Zeig ihr den Zettel!", flüsterte Jayla schnell. Ich reichte der Frau den Zettel, den sie sich durchlas. In ihrem Gesicht machten sich eine große nachdenkliche Falte breit. „Ich glaube, ich weiß, wonach ihr sucht!", sagte sie. Sie reichte mir den Zettel zurück. „Ich heiße übrigens Marishka Fortune und bin die Bibliothekarin", stellte sie sich beiläufig vor.

VIER

„Ich heiße Elena. Und das sind meine Freundinnen Jayla, Joanne und Kelly", stellte ich mich und meine neuen Freundinnen vor. Sie nickte. „Wartet einfach hier, ich hole euch nur schnell noch ein paar Bücher", sagte Miss Fortune und mit nur einem Sprung landete sie auf der vierten Empore und in nur wenigen Sekunden war sie schon die ganzen Reihen an Bücher abgelaufen. Es dauerte höchstens eine Minute, bis sie sich rückwärts von der 15 Empore vielen ließ. Und mit einem gekonnten Salto wieder neben uns landete. Ich schaute sie sprachlos an. „Beeindruckend was?", fragte sie mich grinsend. Ich konnte bloß nicken. „Eine kleine Fähigkeit von mir", sagte sie und zwinkerte wieder verschwörerisch. Die anderen schauten nicht weniger beeindruckt zu Miss Fortune. Man erlebte schließlich nicht alle Tage, dass sich jemand aus vierzig Metern Höhe fallen ließ und dann heile wieder neben einem landete. „Setzt euch einfach dort drüben in die Leseecke und nehmt euch so viel Zeit wie ihr braucht", wies sie uns an. „Wenn ihr noch etwas benötigt, dort drüben ist mein Schreibtisch. Kommt einfach zu mir!" Wir nickten. Mit einem Lächeln verschwand sie. Wir begaben uns zu der besagten Sitzecke und machten es uns bequem. Die Bücher, die sie uns gegeben hatte, berichteten allesamt über den letzten gesichteten Blut-Magier Mr. John Sandman. Er stand damals kurz davor die Weltherrschaft zu übernehmen. Ich schlug eines der Bücher auf. Es blätterte von allein auf eine bestimmte Seite und ich fing an zu lesen.

Mr. John Sandman stand kurz vor der Weltherrschaft. Nur ein letzter Zirkel von Arkanen-Magiern leistete noch Widerstand. Sämtliche Festungen und Schlösser waren von ihm gestürmt worden und er besaß ein großes Heer an treuen Schwarz-Magiern. Doch der Zirkel der Arkanen-Magie oder wie sie sich noch bezeichneten als der Zirkel des Lichtes drang am Abend des 24. Januars in seine Festung ein und besiegte ihn. Jedenfalls vermutete man dies, denn er wurde von diesem Tag an nie wieder gesichtet. Einige sagen, er sei Tod, andere glauben, dass er noch lebt und nur neue Kraft schöpft. Der Zirkel des Lichtes und Mr. Sandman verschwanden an diesem Tag und sie wurden fortan nie wiedergesehen. Nur eine der Magier überlebte knapp und lebt fortan in der School of Mystery and Magic, in der Nähe von New York, doch sie gab nie eine Auskunft über das geschehene. Das Einzige, was von ihnen zurückblieb, war lediglich ein Zettel, geschrieben in einer blutroten Handschrift, indem es hieß, dass der Kampf entschieden war. Unterschrieben war dieser Zettel mit den Initialen M.S., welche die Abkürzung von Mr. John Sandman waren. Kurz nachdem sich New York wieder erholt hatte, tauchte ein Orakel auf. In ihm ging es um ein Mädchen mit Arkanen Fähigkeiten, welches dem Bösen gegenüberstehen würde. Es heißt, dass sie die Auserwählte sei, die noch uralte Magie beherrsche und dass sie die Welt wieder in ihr kosmisches Gleichgewicht bringen würde. Bis heute blieb dieses Orakel ein großes Rätsel.

Der Text endete. Ich starrte auf die Seiten. Unfähig mich auch nur einen Zentimeter zu rühren. Mr. Sandman war also der mysteriöse Mann, der uns verfolgt hatte. Ich schluckte. Eine Arkane-Magierin aus dem Zirkel lebte hier in der Schule? Aber das konnte unmöglich wahr sein! Das war über 500 Jahre her, solange lebte kein Mensch oder doch? „Sag mal Elena, geht es dir wirklich gut? Du siehst so blass aus?", sagte Jayla und musterte mich eindringlich von der Seite. „Ja. Aber seht euch das hier mal an!", sagte ich schnell und in nur ein paar Sekunden standen alle um mich herum und lasen sich den Text durch. „Krass“ brachte Kelly schließlich heraus. „Ist es möglich, dass ein Magier 500 Jahre alt werden kann?", fragte ich in die Runde. „Das ist durchaus möglich!", sagte plötzlich eine Stimme vor uns. Es war Miss Fortune. Wir blickten alle gleichzeitig auf. „Ich würde jetzt aber empfehlen ihr geht mal zum Abendessen. Wenn ihr wollt, kann ich euch das Buch ausleihen", sagte sie. „Das brauchen sie nicht, wir haben die Informationen bekommen, die wir benötigen", sagte Joanne schnell. Die Bibliothekarin nickte. Kurz musterte sie den Text, den wir gerade alle gelesen hatten. Ein Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht, den ich nicht zu deuten vermochte. Dann reichte ich ihr das Buch und sie nahm es mir entgegen. Zu dem Rest der Bücher machte sie einen lässigen Handschlenker und sie erhoben sich wie Vögel in die Luft und flatterten zurück an ihren rechtmäßigen Platz in ihrem Bücherregal. Nur das Buch, welches Miss Fortune noch in den Händen hielt, blieb übrig. Sie nickte uns zu und verschwand zu ihrem Schreibtisch. Wir standen auf und begaben uns in Richtung Ausgang. Ich blickte noch einmal über meine Schulter zurück und sah, wie Miss Fortune mir nachdenklich hinterherschaute. Ich hatte überhaupt nicht gemerkt, wie schnell die Zeit in der Bibliothek verflogen war. Selbst das Mittagessen hatten wir verpasst, ohne etwas zu merken. Na ja, Hauptsache wir kamen jetzt nicht zu spät. Wir rannten durch die Gänge und lachten gemeinsam. Es war ein schönes Gefühl irgendwo dazu gehören zu können und nicht die Außenseiterin zu sein. Vor allem verstand ich mich Jayla sehr gut. Schließlich kamen wir doch noch pünktlich am Speisesaal an. Lachend setzten wir uns zu den Jungs an den Tisch. Während wir aßen, herrschte Totenstille zwischen uns. Wir blieben noch ein wenig länger im Speisesaal und fingen an uns zu unterhalten. Während ich mit James besprach, was wir diese Woche noch machen wollten und sich Jayla gerade ebenfalls zu Wort meldete, viel mir auf, dass Ashton mich mehrmals musterte. Ich lächelte ihn an und er lächelte zurück. Dann sagte er zu meiner Verwunderung: „Du bist Elena richtig?" Ich nickte. „Ich weiß nicht, ob du meinen Namen noch weißt ...", ich viel ihm mitten ins Wort. „Ashton, oder?", „Ja genau. Also ich komme hier aus der Gegend, bin 18 Jahre alt und habe zwei Brüder", er lächelte schüchtern „Ok cool. Ich komme aus New York und na ja, James ist mein Bruder und ich bin 17 Jahre alt." Er nickte und für einen Moment herrschte eine unangenehme Stille zwischen uns. „Ich hoffe ich kränke dich nicht, wenn ich dich das frage, aber James hat mir erzählt, dass ihr allein lebt. Wie ist das so für dich?", „Nein tust du nicht. Und um deine Frage zu beantworten, es ist na ja, normal eben. Nur das man sich um so ziemlich viel Rechnungskram und so kümmern muss und eigentlich ziemlich wenig Zeit hat." Er nickte. Wir standen als eine der letzten auf und begaben uns aus dem leeren Speisesaal in Richtung WG. Vor unserer WG verabschiedeten wir uns. Für einen Moment blickte ich in seine dunkelblauen Augen, in denen der Nachthimmel zu schimmern schien und ein seltsames Gefühl machte sich in mir breit. Es war wie, als ob tausend Schmetterlinge durch meinen Bauch flatterten. Als ich bemerkte, wie tief wir uns gerade in die Augen blickten, wandte ich schnell den Blick ab. Dann gingen wir hinein. Kelly und Joanne verschwanden nach links in ihre Zimmer, sodass ich und Jayla allein zurückblieben. „So und jetzt zu dir! Was läuft da zwischen dir und diesem Ashton? Ich habe doch gesehen, wie ihr euch eben in die Augen geschaut habt. Wie findest du ihn?", „Na ja. Er ist ziemlich süß. Und ich weiß auch nicht, seine Augen leuchten so, wie ein Himmel voller Sterne!", antwortete ich ihr verlegen. Aber es fühlte sich richtig an ihr das zu sagen und ich wusste, dass ich ihr vertrauen konnte. „Da haben wir es doch! Du magst ihn und er mag dich!", „Denkst du?", „Natürlich! Er hat dich beim Essen die ganze Zeit beobachtet." Ich nickte, weil ich nicht wusste, was ich ihr darauf antworten sollte. „Ich gehe mich dann mal fertig machen. Gute Nacht!" sagte ich schnell, um weitere Fragen von ihr zu vermeiden. „Okay. Gute Nacht!", entgegnete sie mir fröhlich und verschwand in ihrem Zimmer. Ich ging in meines und machte mich im Badezimmer fertig. Doch als ich in meinem Bett lag, konnte ich kein Auge zu machen. Die ganze Zeit musste ich an Ashton denken. Der Junge mit den Sternen in den Augen, wie ich ihn innerlich genannt hatte. Bei dem Namen musste ich schmunzeln. Vielleicht hatte Jayla ja doch recht und ich hatte mich Hals über Kopf in ihn verliebt? Mit diesem Gedanken schlief ich endlich ein. Diese Nacht träumte ich von Pferden. Morgen würde ich mir auf jedenfalls mal die Ställe ansehen. Am nächsten Morgen wachte ich schon früh auf. Schnell packte ich meine Schulsachen zusammen. Auf dem Tisch in unserer WG, fand ich einen Zettel, der besagte, dass wir es alle in unsere Wahlfächer geschafft hatten. Als die anderen es geschafft hatten, endlich auch fertig zu werden, liefen wir in Richtung Speisesaal. Während Kelly und Joanne sich leise unterhielten, redete ich mit Jayla. Ich erzählte ihr von meinen Plänen heute Nachmittag in den Stall zu gehen und sie war vollends begeistert. Ich lächelte. Nach dem Frühstück trennten wir uns, denn wir hatten jetzt alle Unterricht in unseren jeweiligen Elementen. Deshalb machte ich mich auf dem Weg zu meinem Klassenzimmer. Immer wieder schaute ich auf die Schilder an den Türen und versuchte den Raum mit der Nummer 24 zu finden, was schwerer war als gedacht. Per Zufall lief ich fast in Miss Kirkwood, die gerade auf dem Weg zu meinem Klassenzimmer war. „Huch! Was machst du denn noch hier Elena? Du solltest doch schon längst beim Klassenzimmer sein?" „Oh. Ich habe gerade nur das Klassenzimmer gesucht. Ist schwerer als ich dachte!“ Miss Kirkwood lachte leise. „Hier im Erdgeschoss kannst du auch lange suchen. Wir sind im West Turm!", „Oh okay." „Folge mir einfach!", wies sie mich lächelnd an und ich folgte ihr. Je näher wir dem Klassenzimmer im West Turm kamen, desto nervöser wurde ich. Schließlich war gleich meine erste Stunde und ich kannte niemanden. Außerdem hasste ich Vorstellungsrunden. „Aufgeregt?", fragte mich Miss Kirkwood musternd. Ich nickte nur. „Keine Sorge, soweit ich weiß, sind alle anderen auch neu hier und kennen sich noch nicht", sagte sie und wir schauten uns kurz an. Sie lächelte und ich lächelte kurz zurück, fokussierte mich dann aber wieder auf den Weg.

FÜNF

Morgen musste ich schließlich meinen Weg hierher auch noch finden und da wollte ich keineswegs noch einmal mich verlaufen. Schließlich kamen wir, nachdem wir eine ewig lange Treppe erklommen hatten, endlich vor einem Klassenzimmer an. Vor der Tür standen gerade mal vielleicht fünf Schüler. Mit mir sechs. Ziemlich wenig fand ich. Miss Kirkwood schloss die Tür auf und uns erbot sich ein atemberaubender Anblick. Der Raum war kreisrund. Es gab sehr viele Fenster und der Raum wurde hell erleuchtet. Dazu gab es auch nur drei Sitzreihen und insgesamt sechs Schulbänke, aufgeteilt in zwei Hälften. Sodass mittendrin ein kleiner Weg zum Lehrerpult führte, hinter dem eine Kreidetafel hing. Der Boden war aus einem wunderschönen dunkelbraunen Parkett und die Decke war eine wunderschöne Kuppel aus Glas. Miss Kirkwood ging an mir vorbei und zu ihrem Pult. Während die anderen noch an mir vorbeigingen, ließ ich den Raum für einen Moment auf mich wirken. Er wirkte sehr gemütlich und fröhlich. Dann schloss ich mich den anderen an und suchte mir einen Platz in der ersten Reihe. Wir alle verteilten uns auf zwei Reihen der beiden Seiten. Miss Kirkwood hatte sich von ihrem Platz erhoben und machte eine Geste in unsere Richtung, damit wir uns alle ebenfalls erhoben. Ich war die Erste von uns die schnallte, was Miss Kirkwood von uns wollte und stand auf. Die anderen taten es mir gleich. Nachdem wir uns alle wieder gesetzt hatten, begann Miss Kirkwood uns in ihren Stundenplan von heute einzuweihen. „Also in der ersten Stunde werden wir uns erstmal alle kennenlernen. Dazu werden wir eine kleine Vorstellrunde machen. In der zweiten Stunde werde ich euch erst einmal zeigen, was man alles mit Arkaner-Magie machen kann, und dann dürft ihr euch an einer einfachen Aufgabe selbst ausprobieren." Während einige zustimmend murrten, graute es mir schon vor der Vorstellrunde. Auf meiner alten Schule hatten mich danach alle bedrängt und mich gefragt, wie ich denn ohne meine Eltern leben könnte. Auf keinen Fall wollte ich dies noch einmal erfahren. Am besten erwähnte ich es nur am Rande. Ich schaute mich unauffällig um. Auf der anderen Seite der Sitzreihen saßen in der ersten Reihe, ein großer Junge mindestens einen Kopf größer als ich, mit weißen Haaren, blauen Augen einem einfachen weißen T-Shirt und einer einfachen Jeans. Ich schätzte ihn auf 18 oder 19 Jahren. Neben ihm saß ein kleines Mädchen ebenfalls mit denselben blauen Augen und weißen Haaren. Ihre Haare waren zu zwei Zöpfen geflochten und sie trug eine weiße Jacke mit Fell auf der Innenseite. Dazu einen weißen Rock und lange weiße Kniestrümpfe. Sie sah sehr niedlich aus und ich schätzte sie auf gerade mal zehn oder elf. In der Reihe hinter den beiden saß ein schlanker großer Junge, mit Sommersprossen und kurzem verwuscheltem braunem Haar. Er trug einen dunkelblauen Pullover und ebenfalls eine Jeans. Neben ihm saß ein Mädchen. Sie sah ein wenig außergewöhnlich aus, mit ihren zwei geflochtenen Zöpfen. Die eine Hälfte ihrer Haare, war orange-rot und die andere schwarz. Dazu trug sie eine schwarze Lederjacke, eine schwarze Leggins, ein schwarzes T-Shirt und einen Haufen Ketten und Ringe. Ihre Augen waren seltsamerweise zweifarbig. Das eine war gelblich und das andere grünlich. Ich konnte sehen das sie und der Junge neben ihr unter dem Tisch Händchen hielte. So viel zu der Aussage von Miss Kirkwood, dass sich hier niemand kannte. Hinter mir saß ein Mädchen etwas älter als ich und hatte weiße, hochgesteckte Haare. Sie hatte Sommersprossen auf den Wangen und hellblaue Augen. Dazu trug sie einen schwarzen Mantel mit einer Art Fell daran. Im Gegensatz zu den anderen strahlte sie nur so vor Selbstbewusstsein und Hochnäsigkeit. Ich schluckte. Na, das konnte ja was werden. „Nun gut ich denke wir fangen bei euch beiden an." Sie schaute zu dem kleinen Mädchen und dem Jungen, der ihr so ähnlichsah. Die beiden stellten sich als Geschwister vor. Wie ich schon geahnt hatte, war der Junge 19 und hieß Roan. Seine kleine Schwester war elf und hieß Lilly. Der Name war passend fand ich. Das Mädchen hinter den beiden hieß Cora und war 18 Jahre alt. Der Junge neben ihr stellte sich als Koen vor und war ebenfalls 18 Jahre alt. Dazu war er mit Cora seit zwei Jahren zusammen. Das Mädchen hinter mir hieß Darla. Sie war 20 Jahre alt und hatte keine Geschwister im Gegensatz zu den anderen. Dann nickte Miss Kirkwood mir zu. Ich schluckte hart und sammelte mich. „Hi. Ich heiße Elena und bin 17 Jahre alt. Ich habe bevor Miss Farnsworth mich gefunden hat mit meinem Bruder allein zusammengelebt. Ähm...ja", stellte ich mich hastig vor. Ich sah wie Cora sich zu Koen beugte und ihm etwas ins Ohr flüsterte und er bloß mit den Achseln zuckte. Lilly drehte sich stirnrunzelnd auf ihrem Sitz zu den beiden um. Einige Sekunden schien sie den beiden zu lauschen, dann verdrehte sie die Augen und meldete sich. „Ja Lilly?", nahm Miss Kirkwood sie dran. „Kann ich Elena etwas fragen?", fragte sie neugierig. „Da musst du sie schon selbst fragen!", wies Miss Kirkwood sie lächelnd an. Jetzt schauten mich die beiden fragend an. Und auch die anderen, außer Darla, wandten sich in meine Richtung um. „Klar alles, was du willst!", sagte ich nervös, denn ich wusste was jetzt kommen würde. „Warum lebst du mit deinem Bruder allein? Wo sind denn deine Eltern?", fragte mich Lilly verwirrt. Für eine Minute herrschte schweigen. Alle schauten mich neugierig an, sogar Darla hatte von ihrem Notizblock aufgeblickt. „Äh ... ja ähm. Also meine Eltern sind bei einem Unfall ums Leben gekommen als ich dreizehn war", murmelte ich. Es herrschte schweigen. Schnell schaute ich auf die Tischplatte vor mir. Es ertönte ein lauter Gong und wir alle zuckten zusammen. „Was war das?", fragte Koen erschrocken. „Das war der Schulgong. Jetzt beginnt offiziell die zweite Stunde!", erklärte Miss Kirkwood uns. Wir nickten. „Nun gut. Lasst uns mit dem offiziellen Unterricht beginnen. Zuerst habe ich eine Frage an euch. Weiß jemand, was die Rein-Magie der Arkanen-Magie ist und welche Farbe sie hat?" Darlas Hand schnellte in die Luft. „Ja Darla!", nahm Miss Kirkwood sie dran. „Rein-Magie ist wie der Name schon sagt reine Magie. Sie ist ausnahmslos Blau. Ein Arkaner-Magier lernt zuerst mithilfe von hoher Konzentration Rein-Magie aufzuspüren und sie wahrzunehmen", erklärte sie. Ich bewunderte Darla für ihr Wissen. „Stimmt genau!", sagte Miss Kirkwood. „Es gibt Arkane-Magier die Rein oder generell Magie sehen können. Also sie spüren sie nicht nur, sondern sehen sie ebenfalls in Form von Farben in der Luft. Zuerst möchte ich wissen, ob einer von euch schon mal Magie in diesem Sinne gesehen hat." Keiner meldete sich. Nur ich hob zaghaft die Hand. Und alle blickten mich verwundert an, alle außer Miss Kirkwood. Sie lächelte bloß. „Also glaube ich jedenfalls", murmelte ich verlegen. Miss Kirkwood nickte nur. „Also in diesem Sinne möchte ich euch zeigen, was man mit Arkaner-Magie alles tun kann." Sie hob die Hand und wie aus dem Nichts tauchte eine Zielscheibe vor der Eingangstür auf. Sie schwebte einfach so in der Luft. Miss Kirkwood erhob ihre Hand und streckte sie vor sich und für einen Moment sammelte sich etwas Blaues in ihrer Hand, welches binnen Sekunden sich zu einer Art Feuerball verformte und mit rasanter Geschwindigkeit die Zielscheibe traf. Diese zerbrach in der Hälfte und löste sich auf. Und urplötzlich waren überall im Raum leuchtend blaue Fäden zu sehen. So wie ich die Magie genannt hatte, als ich immer nur dachte, dass mir meine Fantasie einen Streich spielen würde. „Wow!", murmelte ich und schaute mich im ganzen Raum um. Überall sah ich Magie und sie war wunderschön. Die anderen starrten mich und Miss Kirkwood nur abwechselnd mit offenen Mündern an. „So und jetzt fangen wir mal mit etwas einfachem an. Versucht die Magie in diesem Raum zu spüren", sagte sie. Roans Hand war in die Höhe geschnallt. „Miss?", „Ja Roan?", „Ich habe eine Frage zu eben gerade. Was haben sie da genau gemacht?", fragte er leicht verwirrt. Miss Kirkwood lächelte und stand auf. Sie ging um ihren Schreibtisch herum, während sie zu erklären begann. „Das eben gerade war die Arkane Verteidigungsmagie. Aber das lernt ihr später noch. Hat noch jemand eine Frage zu gerade eben?" Niemand meldete sich. „Gut, dann dürft ihr es jetzt alle versuchen. Wir fangen erstmal damit an, dass ihr probiert die Magie eines anderen zu spüren. Dafür geht ihr bitte in zweier Pärchen zusammen. Ähm...Darla und Elena macht ihr zusammen? Und die anderen bitte mit ihrem Sitznachbarn." Darla rümpfte nur die Nase, begab sich aber trotzdem freiwillig zu dem Platz neben mir. Sie funkelte mich unfreundlich an. „Das wir zusammenarbeiten müssen heißt nicht das wir Freundinnen werden. Kapiert? Ich mache das nur für meine Note!" Ich nickte. „Darla bitte aktiviere deine Magie. Und Elena du versuchst sie zu spüren!", wies Miss Kirkwood uns an. Ich nickte schnell. Es dauerte kaum eine Minute, bis ich Darlas Magie vor mir sah. Sie schimmerte schwach bläulich. Dann schloss ich meine Augen und wies mich an mich zu konzentrieren. Das dauerte aber nicht lang. Wie fühlte sich Magie an? Ich musste, dass wohl laut ausgesprochen haben, denn Miss Kirkwood antwortete mir. Schnell öffnete ich wieder die Augen. „Glaub mir, du wirst wissen, wann du sie spürst." Ich nickte und versuchte es erneut. Auf einmal nahm ich ein merkwürdiges Gefühl wahr. Aber es dauerte nicht lange bis es mir gefiel. Ich musste ihre Magie gespürt haben. Gleichzeitig wie sie aufhörte, öffnete ich meine Augen. „Gut und jetzt tauscht ihr die Rollen." Ich war ein wenig unschlüssig. „Ähm …! Wie genau mache ich das jetzt?", fragte ich meine Lehrerin. Darla seufzte frustriert auf. Ich war wohl in ihren Augen ein hoffnungsloser Fall. „Konzerntrier dich. Finde in deinem Inneren die Magie und lass sie los", war die Antwort. Na großartig. Damit konnte ich ja viel anfangen. Ich schloss wieder die Augen und horchte in mich hinein. Wo war meine Magie? Zuerst fand ich nichts. Dann aber spürte ich wieder dieses Gefühl. Es brannte wie Feuer in meinen Adern und meine Sinne schärften sich. Ich hörte mein Herz laut schlagen, jeder meiner Atemzüge war dicht an meinem Ohr. Da waren die anderen, jemand kaute auf einem Kaugummi, ein anderer trommelte leise einen Rhythmus auf die Tischplatte.

SECHS

Leise fing ich an denselben Rhythmus zu klopfen. Auf einmal wurde es ganz ruhig im Raum und alle Aufmerksamkeit wanderte zu mir. „Öffne mal die Augen und sieh richtige Magie E-lena!", hörte ich Miss Kirkwood leise zu mir sagen, fast so, als ob sie direkt neben mir stehen und mir ins Ohr flüstern würde. Ich öffnete die Augen. Und tatsächlich. Der ganze Raum war erfüllt mit Magie. Und meine schimmerte in einem wunderschönen kräftigen blau. Kräftiger als Miss Kirkwoods Magie jedenfalls. Der Anblick war atemberaubend. Aber nur für ein paar Minuten. Bis ich plötzlich Panik bekam. Wie konnte ich jetzt wieder meine Magie abstellen? Verängstigt schaute ich zu Miss Kirkwood die hinter mir stand. „Wie kann ich damit aufhören?", fragte ich sie panisch. „Bleib erstmal ruhig. Konzerntrier dich und Befehl deiner Magie wieder in dich zurückzukehren." Das war einfacher gesagt als getan. Eine halbe Stunde später hatte ich es endlich, mit Miss Kirkwoods Hilfe, geschafft meine Magie zu stoppen. Wir sollten es alle weiter üben, aber ich traute mich nicht mehr meine Magie zu benutzen. Vielleicht würde Miss Kirkwood nächstes Mal nicht da sein, um mir helfen zu können und ich wollte niemanden verletzen. Darla hatte gegen Ende der Stunde keine Lust mehr und maulte die ganze Zeit nur herum, ich solle mich mal mehr anstrengen. Es war kurz vor Ende der Stunde und wir packten unsere Sachen zusammen. „Echt schlechte Leistung heute Ward!", rief Darla von hinten gehässig. Ich knallte meinen Rucksack auf den Tisch. „Na schönen dank auch!", maulte ich zurück und stampfte aus dem Klassenzimmer. Miss Kirkwood hatte von ihrem Schreibtisch aufgeschaut und warf nun Darla einen strengen Blick zu. Jetzt verließen auch alle anderen das Klassenzimmer. Ich rannte die Treppe runter und prallte fast gegen jemanden. „Huch! Alles gut Elena?", fragte mich Ashton, als ich ihn erkannte. Für einen Moment war ich völlig verdutzt. Dann drängelte ich mich wortlos an ihm vorbei und verschwand in der Menschenmenge. Ashton schaute mir nur verwundert hinterher. „Äh. Okay?", murmelte er und folgte dann der Masse an Schülern in den nächsten Unterricht. Ich wollte jetzt einfach in Frieden gelassen werden. Warum musste mein erster Tag mit Unterricht schon so schiefgehen? Konnte ich nicht einmal einfach keine Probleme haben? Jetzt wünschte ich mir, ich wäre nie hierhergekommen. Allein vor den nächsten zwei Stunden Arkaner-Magie Morgen graute es mir schon. Ich eilte auf mein Zimmer und zog mich schnell um, denn jetzt hatten wir Sport. Laut dessen, was auf unseren Stundenplänen stand, hatten wir jetzt reiten. Es fühlte sich fast ein wenig an wie früher, als ich mir Handschuhe, Reithose, Helm und Stiefel anzog. Früher wo alles noch gut war, wo meine Eltern von morgens bis abends mit mir im Stall waren, ich Reitunterricht bekam und freiwillig im Stall half. Das alles hatte es nicht mehr gegeben, seitdem meine Eltern gestorben waren. Als Letzte traf ich im Stall ein. Eine Frau mit langen blonden Haaren und in voller Reitmontur bekleidet, stand vor einem Grüppchen von Schülern. „Da bist du ja endlich!", zischte Jayla mir zu. „Sorry, hab die Zeit vergessen!", murmelte ich nur. Jayla warf mir einen musternden Blick von der Seite zu. „Hallo Klasse!", verschaffte sich die Lehrerin gehör. Als alle still waren, fuhr sie fort. „Ich bin Miss Marley eure Sportlehrerin. Heute werden wir mit dem Reiten beginnen." Nach ein paar kurzen Anweisungen durfte jeder sich ein Pferd aussuchen, dafür sollten wir einfach nur durch die Stallgasse laufen. Dann würden wir schon das Pferd finden, was zu uns passte. Als letzte streifte ich durch die Stallgasse. Entweder war das Pferd schon belegt oder es interessierte sich nicht für mich. Mit einem unwohlen Gefühl im Magen lief ich weiter bis zum Ende der Stallgasse. Würde ich überhaupt ein passendes Pferd für mich finden? In der hintersten Box, die ganz im Schatten lag, stand dicht in eine Ecke gedrängt eine Friesenstute. „Hey du Süße!", murmelte ich leise. Die Ohren der Stute sausten zu mir und langsam näherte sie sich mir. Vorsichtig streichelte ich sie. „Das ist Ophelia. Kurz nur Ophal. Eine sehr scheue, aber rücksichtsvolle Stute. Sie ist eher ein Einzelgänger", hörte ich Miss Marley hinter mir sagen. „Hallo Ophal!", sagte ich leise zu ihr und sie schnaubte leise. „Nun gut alle! Ihr putzt jetzt die Pferde und macht sie fertig. In einer viertel Stunde treffen wir uns in der Reithalle!", sagte sie streng zu allen und verschwand. Ich öffnete vorsichtig die Box und führte die Stute zum Putzplatz, wo ich sie anfing zu putzen. Kurze Zeit später führte ich sie in die Halle. Zu meinem Überraschen war Jayla bisher die Einzige, die sich und eine fuchs farbene Stute warm ritt. „Ward! Nachgurten, Steigbügel einstellen und dann rauf mit dir aufs Pferd! Wir sind hier nicht in der Anfänger Stunde!", rief Miss Marly streng. Schnell tat ich wie mir geheißen war und stieg dann auf. Ich wusste sofort, was ich zu tun hatte. Reiten verlernte man schließlich genauso wenig wie Fahrrad fahren. Nach knappen zehn Minuten ließ Miss Marley uns Nachtgurten und antraben. „Wir bilden eine Abteilung auf der linken Hand, den Anfang macht Elena auf Ophelia!", rief sie. Intuitiv hob ich meinen Arm. „Anfang hier!", rief ich laut. Die anderen reihten sich nun hinter mir ein. Dann trabten wir ein paar Runden. „Abteilung an der nächsten kurzen Seite angaloppieren und solange ihr wollt, galoppieren." In der Ecke kurz vor A saß ich aus und galoppierte an. Ich hätte vor Freude aufjauchzen können. Es fühlte sich einfach alles so leicht an. Und sofort vergaß ich alles um mich herum. Mein Kopf wurde leer und all die Dinge, die mir eben noch wie Probleme erschienen, waren einfach weggewischt. Zu schnell gingen die zwei Stunden Sport vorüber. Schnell gingen ich und Jayla auf unser Zimmer und zogen uns wieder unsere Schuluniformen an. Dann suchten wir unseren Geschichtsraum. Es stellte sich heraus, dass wir Miss Farnsworth in Geschichte hatten. Unsere Klasse bestand zu allem Übel aus Darla und den anderen aus dem Arkanen-Magie Unterricht. Allen außer Lilly, weil sie noch nicht so alt war wie wir. Auch Joanne, Kelly und Ashton waren in unserer Klasse. Ansonsten nur ein paar Schüler die ich nicht kannte. Nach einer kurzen Vorstellrunde begann der Unterricht. Und dieser war härter als ich dachte. Ich hatte Mühe mich zwischen all den Namen zurechtzufinden, denn der Geschichtsunterricht handelte von magischen Ereignissen und anderen magischen Berühmtheiten, von denen ich nicht den blassesten Schimmer hatte. Ich würde wohl ein paar mehr Nächte benötigen, um den ganzen Stoff in der Bibliothek nachzuarbeiten. Darla saß schräg hinter mir auf der anderen Seite des Raumes. Ich sah, wie sie immer die Augen verdrehte, wenn ich etwas Falsches sagte. Ich saß ganz außen am Gang. Parallel neben mir saß Ashton. Nach den zwei Stunden standen wir auf und packten unsere Sachen zusammen. Ich wollte gerade aus meiner Bank hinausgehen, als mich Darla anrempelten und spöttisch lachte. Wütend blickte ich ihr hinterher. „Wer ist die denn?", fragte mich Kelly neugierig. „Darla. Bildet sich ein besser als wir alle zu sein. Wir haben zusammen Arkane-Magie." „Die ist ja voll unsympathisch!", murmelte Joanne zustimmend. Ich nickte. „Auf Mädels raus jetzt hier!", scheuchte uns Miss Farnsworth aus dem Klassenzimmer. Schnell gingen wir auf den Flur hinaus und ich erzählte ihnen was mir vorhin passiert war, während wir uns auf den Weg zum Speisesaal machten. Dort angekommen setzten wir uns an einen freien Tisch und gingen dann einzeln unsere Tabletts mit Essen abholen. „Was habt ihr jetzt?", fragte Kelly in die Runde, als wir alle wieder auf unseren Plätzen saßen. „Musik!", sagte ich. „Ich und Joanne haben jetzt Kunst!", sagte Kelly. „Ich habe jetzt Schauspiel!", sagte Jayla. „Also treffen wir uns dann vor den Alchemie Räumen?", fragte Kelly interessiert. „Ja genau!", erwiderte ich. „Gut dann bis später!", verabschiedeten sich Kelly und Joanne. Ich und Jayla winkten ihnen zum Abschied. Dann machten auch wir uns auf den Weg zu unseren Klassenräumen. Das erste Stück konnten wir aber noch gemeinsam gehen. „Wie findest du es hier?", fragte mich Jayla. „Ganz gut glaube ich. Na ja, bis auf Darla und dieser Flint.“ „Stimmt. Aber sehe es so, sonst hätten wir uns nie kennengelernt!", sagte sie und wir grinsten. „Eins zu null für dich! Aber ja du hast recht. Ich bin sehr froh euch alle kennengelernt haben zu dürfen. Ich wüsste nicht wie lange ich und James das durchgehalten hätten, hätte Miss Farnsworth uns nicht gefunden." Jayla legte mir eine Hand auf die Schulter. „Sicherlich nicht lange, aber jetzt bist du ja hier!" Ich lächelte. „Danke das du meine Freundin bist!" „Gerne doch!" Wir umarmten uns kurz und grinsten uns dann an. Dann rannten wir los, um nicht zu spät zu kommen. Atemlos kamen wir vor dem Musikraum an, ab hier musste Jayla allein weiter. Wir lachten immer noch. „Ok wir sehen uns dann später!", japste ich atemlos. Sie stimmte mir zu, dann trennten wir uns. Ich öffnete die Tür zum Musikraum. Und zu meiner Überraschung war alles leer. Hatte ich etwas verpasst? Verwundert blieb ich in der Tür stehen. Eine Uhr verriet mir das ich pünktlich war. Nur wo waren alle anderen bloß? Plötzlich räusperte sich jemand hinter mir. Es war Miss Lanchester. „Keine Sorge die anderen kommen immer etwas später!", sagte sie und ging an mir vorbei zu dem kleinen Pult. Ich blickte wieder in den Raum und musste feststellen das er wunderschön war. Ein ganzes klassisches Orchester fand hier drinnen Platz. Miss Lanchester legte auf jeden Notenständer ein Notenheft. Der Raum war groß und zu einer Seite abgerundet. Gegenüber der Tür waren Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichten, an der ein edler Kronenleuchter hing. Die Wände waren in einem grünen Muster mit weiß, goldenen Verzierungen gestrichen. Es sah aus wie in einem Märchenschloss. Ich drehte mich einmal im Kreis.

SIEBEN