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**Sie würde ihn am liebsten verfluchen – wenn sie ihn nicht brauchen würde** Ava ist keine Hexe – sie hat keinerlei magische Kräfte, kein ungewöhnliches Talent. Trotzdem wird sie eines Abends plötzlich von einem Hexenjäger angegriffen. Nur mit Hilfe des düsteren Schattenhexers Shay kann sie entkommen. Doch sein Schutz hat einen Preis: Shay ist überheblich, zwielichtig und sieht zu allem Überfluss auch noch besser aus, als es ihm guttut. Und schon bald stellt Ava fest, dass die Reise an seiner Seite alles andere als sicher ist. Denn nicht nur die gemeinsame Flucht ins magische Mystica könnte tödlich enden, auch ihr Herz gerät durch Shay in Gefahr. Blöd nur, dass der gutaussehende arrogante Hexer weit und breit der Einzige ist, der sie vor Bösem bewahren kann. »The Spell of a Witch« ist eine knisternde Romantasy voller dunkler Geheimnisse. Haters to Lovers meets Fated Mates und Who did this to you? //Diese E-Box enthält die mystisch-magische Romantasy »The Spell of a Witch«. Alle Romane der fesselnden Haters to Lovers-Fantasy. -- Band 1: The Spell of a Witch -- Band 2: The Curse of a Dragon//
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Veröffentlichungsjahr: 2025
www.impressbooks.de Die Macht der Gefühle
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Impress Ein Imprint der CARLSEN Verlag GmbH, Völckersstraße 14-20, 22765 Hamburg © der Originalausgabe by CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2025 Text © Werning, 2025 Coverbild: shutterstock.com / © Creative Fabrica / © Kookie House / © FantasyDreamWorld / Adobe Stock / © Demibora Covergestaltung: 100covers4you ISBN 978-3-646-61228-8www.impressbooks.de
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Sandra Werning wurde 1987 in einer wunderschönen Kleinstadt in Niedersachsen geboren, in der sie bis heute mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt. Schon als Jugendliche hat sie sämtliche Fantasy- oder Horrorbücher rauf- und runter gelesen, aber erst im Alter von fünfunddreißig Jahren ihr erstes Manuskript zu Ende gebracht. Bis heute ist neben dem Schreiben auch Lesen und Musik machen ein großes Hobby von ihr.
Autor*innenvita
Band 1: The Spell of a Witch
Band 2: The Curse of a Dragon
Impress
Die Macht der Gefühle
Impress ist ein Imprint des Carlsen Verlags und publiziert romantische und fantastische Romane für junge Erwachsene.
Wer nach Geschichten zum Mitverlieben in den beliebten Genres Romantasy, Coming-of-Age oder New Adult Romance sucht, ist bei uns genau richtig. Mit viel Gefühl, bittersüßer Stimmung und starken Heldinnen entführen wir unsere Leser*innen in die grenzenlosen Weiten fesselnder Buchwelten.
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Sandra Werning
The Spell of a Witch (Band 1)
Sie würde ihn am liebsten verfluchen – wenn sie ihn nicht brauchen würde
Ava ist keine Hexe – sie hat keinerlei magische Kräfte, kein ungewöhnliches Talent. Trotzdem wird sie eines Abends plötzlich von einem Hexenjäger angegriffen. Nur mit Hilfe des düsteren Schattenhexers Shay kann sie entkommen. Doch sein Schutz hat einen Preis: Shay ist überheblich, zwielichtig und sieht zu allem Überfluss auch noch besser aus, als es ihm guttut. Und schon bald stellt Ava fest, dass die Reise an seiner Seite alles andere als sicher ist. Denn nicht nur die gemeinsame Flucht ins magische Mystica könnte tödlich enden, auch ihr Herz gerät durch Shay in Gefahr. Blöd nur, dass der gutaussehende arrogante Hexer weit und breit der Einzige ist, der sie vor Bösem bewahren kann.
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»Mom? Ich bin’s, Ava.«
Hoffnungsvoll sehe ich in die ausdruckslosen blassblauen Augen meiner Mutter, während ich zaghaft ihre knochige Hand berühre. Sie sitzt in einem ausgedienten Schaukelstuhl am Erkerfenster ihres neuen Zimmers und blickt starr auf den vor uns liegenden schneebedeckten Wald.
Ihre langen aschblonden Haare fielen einst seidig und voll in sanften Wellen über ihre schlanken Schultern. Jetzt aber hängen sie nur noch fahl und lose aus ihrem Pferdeschwanz hinaus – eine Pflegerin hat sie ihr heute Morgen notdürftig zusammengebunden.
Moms Haut ist mittlerweile grau und stumpf. Jeglicher Glanz, der ihr sonst innewohnte, ist verschwunden und von meiner einst so hübschen und lebendigen Mutter ist nur noch eine leblose, blasse Hülle übrig geblieben.
Es ist komisch, sie so zu sehen – so abwesend. Nicht, dass ihre Krankheit überraschend über uns hereingefallen wäre, nein. Langsam, aber sicher hat sie uns immer weiter voneinander entfremdet. Sie hat sich Stück für Stück in unser Leben geschlichen und sich allmählich ausgebreitet wie ein bösartiger Tumor. Wir hatten keine Chance, etwas dagegen zu unternehmen.
Manchmal ist man eben machtlos.
Ich dachte immer, ohne Vater aufzuwachsen sei die größte Bürde in meinem Leben. Aber der ständige Versuch, meine Mutter und ihre kostbaren Erinnerungen zu retten, war eine noch größere Herausforderung für mich. Zu erkennen, dass jegliche Mühen zwecklos sind und die Niederlage zu akzeptieren, nichts mehr für sie tun zu können, das ist es allerdings, was mich wirklich fertigmacht.
Gestern war Imbolc. Unser ganzes Leben lang war meine Mutter darauf bedacht, alle acht Hexenfeiertage der Tradition entsprechend zu zelebrieren und die Göttinnen und Götter zu feiern und zu ehren. Tatsächlich ist dies das einzige Ritual, was ihr mein Versagen nicht nehmen konnte.
Auch wenn ich bezweifle, dass sie wirklich weiß, welcher Tag heute ist, führe ich ihr Ritual mit einem Tag Verspätung fort.
So tue ich das Mindeste, was ich kann, lege den glatt geschliffenen Feueropal aus meiner Hosentasche in die kühle Hand meiner Mutter, entzünde eine Kerze für sie vor uns auf der Fensterbank und sende ein stummes Gebet an die Göttin Brigid. Anschließend ziehe ich mir einen Stuhl von der kleinen Sitzgruppe neben der Tür heran und setze mich lautlos neben sie.
Glitzernde Schneeflöckchen fallen vereinzelt vor unseren Augen zu Boden, während sich der helle Schein der Kerze tanzend im Fensterglas spiegelt.
Der aktuelle Ausblick aus dem Zimmer meiner Mutter ist friedvoll. Sanftes Abendrot erhellt in weiter Ferne den letzten Rest des Firmaments, bevor die eintretende Dunkelheit sich wie eine flauschig-warme Decke über die Stadt legt und einen beeindruckenden Blick auf den atemberaubenden Sternenhimmel freigibt.
Dies wird der erste Abend sein, an dem ich nicht mehr an Moms Seite sein werde. Ich werde ihr nicht mehr jeden Tag heißen Kräutertee zum Frühstück kochen oder ihr abends, wenn sie mal wieder vor dem Fernseher eingeschlafen ist, den alten Quilt über die Schultern legen.
Ich bin hier, um mich von ihr zu verabschieden. Unser altes pastellgrün gestrichenes Reihenmittelhaus mit dem urigen Garten dahinter habe ich verkauft und vor der Einrichtung, in der meine Mutter ab heute untergebracht ist, wartet bereits mein rostrotes in die Jahre gekommenes Auto. Bepackt mit nur zwei ausgefledderten schwarzen Lederkoffern, einer bunten Reisetasche und einer kleinen Tiertransportbox. Mehr werde ich in meiner neuen Wohnung in Coventry nicht brauchen.
Es fällt mir schwer, meine geliebte Heimat Rochester zu verlassen. Die Stadt, in der ich mein ganzes Leben verbracht habe und die ich immer als mein Zuhause bezeichnen werde. Aber ich muss gehen. Ich muss mich dem Leben da draußen stellen. Mit all seiner Grausamkeit und Härte.
Mit meinem Abschluss als Grafikdesignerin stehen mir alle Türen offen, aber keine andere in dieser Branche ist so weit und einladend geöffnet wie die, die nach Coventry führt.
Seit ihrem einundfünfzigsten Lebensjahr leidet meine Mutter an starker Demenz. Im Anfangsstadium konnte ich mich noch um sie kümmern, aber zum Ende meines Studiums hat sich ihr Zustand so rapide verschlechtert, dass ich sie nicht mehr alleine lassen konnte.
Zunächst waren es nur kleinere Zwischenfälle wie aus Versehen den Herd anzulassen oder zu vergessen, die Hausschuhe aus- und die Straßenschuhe anzuziehen, wenn sie hinausging. Aber schnell wurde es schlimmer. Sie redete zunehmend wirr und als ich eines Tages von der Uni nach Hause kam, war sie plötzlich verschwunden. Ihre Sachen lagen an Ort und Stelle, aber von meiner Mutter gab es keine Spur – wie vom Erdboden verschluckt.
Ich stand in dieser Zeit Todesängste aus, während meine Mutter hilflos durch die Straßen irrte. Die Polizei dachte, sie könne womöglich am Pier sein und sie schickten sogar eine Hundestaffel und einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera los – vergebens.
Zweiunddreißig Stunden später brachte ein Anwohner sie ins örtliche Krankenhaus, nachdem er sie barfuß bei Minusgraden im Broomhill Park aufgelesen hatte. Sie sagte ihm, sie wolle doch nur die Enten füttern. In diesem Park gibt es aber nicht mal einen Teich …
Ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, so lange in dieser eisigen Kälte zu überleben, aber seitdem redet sie gar nicht mehr. Mit niemandem. Auch nicht mit mir.
Das war der Moment, in dem ich begriff, dass ich Hilfe brauche. Und sie ebenso.
Kein anderer Job in Rochester oder Umgebung konnte mir das bieten, was mir Shooting Stars angeboten hat: eine Bezahlung weit über dem eigentlichen Tarif, fünfunddreißig Urlaubstage im Jahr und hohe Sonderzahlungen. Das Angebot war zu verlockend, um es abzulehnen. Eine andere Wahl hatte ich aufgrund des Gesundheitszustandes meiner Mutter genau genommen aber auch gar nicht.
An schlechten Tagen erkennt mich meine Mutter nicht mal mehr. Dann sitzt sie, wie jetzt, in ihrem Schaukelstuhl und blickt durch mich hindurch, als wäre ich unsichtbar. Das macht es mir etwas leichter zu gehen. Und trotzdem schmerzt es, sie so gefangen in ihrem Körper zurückzulassen und darauf zu vertrauen, dass andere Menschen sie genauso gut versorgen, wie ich es tun würde.
Immer wieder muss ich mir ins Gedächtnis rufen, dass ich nicht aus freien Stücken gehe, sondern gehen muss. Ich muss meine Heimat verlassen, um meine Mutter in Sicherheit zu wissen. Das kann ich aber nur, wenn sich um sie gekümmert wird, und ohne den neuen Job, kann ich mir ihren Aufenthalt im Heim nicht leisten.
»Ich komme dich besuchen, Mom. Versprochen!« Meine Stimme bricht und die letzten Worte kommen nur noch als leises Flüstern aus mir hervor. »Vergiss mich bitte nicht!«
Schweren Herzens blinzele ich die aufsteigenden Tränen fort und verlasse das Zimmer auf lautlosen Sohlen. Mein neues Leben beginnt jetzt und egal, wie belastend die Umstände sind, ich verbiete es mir, den Kummer mit nach Coventry zu nehmen.
***
Einen letzten sehnsüchtigen Blick über die Schulter werfend schaue ich hinab auf meine geliebte Heimat, bevor ich in mein Auto steige und den zweieinhalbstündigen Weg in die Ungewissheit auf mich nehme. Die gesamten einhundertdreißig Meilen Richtung Norden versuche ich beständig, das unglückliche Maunzen vom Beifahrersitz zu ignorieren.
»Jinxie-Baby, ich verspreche dir, dein neues Zuhause wird dir gefallen. Halte nur noch ein bisschen durch, ja? Wir sind bald da!« Liebevoll tätschele ich die graue Transportbox neben mir in der Hoffnung, meiner nachtschwarzen Katze dadurch auf irgendeine Art und Weise Trost spenden zu können.
Natürlich ist es nutzlos. Jinx jammert sich weiter qualvoll die Seele aus dem Leib.
Ein Blick aufs Armaturenbrett sagt mir, dass wir noch gut zwei Stunden Fahrt vor uns haben. Ein wenig ärgere ich mich über mich selbst, dass ich dem Vorschlag der Verkäuferin aus der Zoohandlung keinen Glauben geschenkt und Jinx von unserer Tierärztin ein Sedativum für die Fahrt besorgt habe. Eigentlich weiß ich, dass meine Katze Auto fahren mindestens so sehr hasst wie baden, aber richtige Gedanken über die Fahrt habe ich mir im Vorfeld nicht gemacht. Also heißt es jetzt Augen zu und durch.
Ich schnaube. Das kann eine lange Fahrt werden … Und doch bin ich froh, dass ich wenigstens eine vertraute Seele an meiner Seite habe, wenn ich in mein neues Leben starte.
Die restliche Anreise verläuft holprig und ist durchzogen vom schier endlosen Klagen meiner vom Kummer geplagten Fellnase, aber um mein zuvor gegebenes Versprechen nicht sofort wieder zu brechen, öffne ich direkt nach der Ankunft in unserem neuen Apartment eine Dose von Jinx heiß geliebtem Lieblingsnassfutter.
Alle Versuche, sie aus der engen Box zu locken, scheitern kläglich und während ich mit schief gelegtem Kopf zu ihr hineinblicke und ihr gut zurede, sieht sie mich nur mit vor Verachtung triefendem Katzenblick an.
»Du bist echt nachtragend, kleine Lady.«
Ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, dreht sie mir ihr Hinterteil zu. Das muss ich mir nun wirklich nicht geben. Also entscheide ich mich, Queen Jinx in Ruhe zu lassen und mich erst mal in meinem neuen Apartment umzusehen.
Es ist mir nicht sonderlich fremd, denn ich habe von der Maklerin bereits ein paar Fotos zugeschickt bekommen, damit ich nicht den weiten Weg zur Besichtigung auf mich nehmen musste. Aber ich muss zugeben, dass diese Frau wirklich ein Talent für Perspektiven zu haben scheint. Auf den Bildern wirkte alles deutlich größer und weitläufiger. Nicht so eng wie in einem Schuhkarton.
Das kleine Bad ist mit allem ausgestattet, was man braucht. Um in die Dusche zu gelangen, muss man allerdings über die Toilette hinwegsteigen. Die Küche besteht aus einer kleinen cremefarbenen Zeile mit weiß marmorierter Arbeitsplatte und ist direkt in mein in warmen Farbtönen gehaltenes Schlafwohnzimmer integriert. Es wirkt hell und freundlich und ist wirklich nett eingerichtet, aber na ja, es ist nun mal winzig. Ich fühle mich wie eine Sardine in ihrer Büchse.
Weil Jinx mich immer noch mit Ignoranz straft, schnappe ich mir einen der alten Koffer und beginne auszupacken. Da ich nicht viele Klamotten mitgebracht habe, reicht die weiße Kommode im Landhausstil neben dem Schlafsofa glücklicherweise erst einmal aus, um alles unterzubringen.
Anschließend hole ich mein Tablet hervor und starte Netflix. Erschöpft sinke ich in die gemütlichen Sofakissen.
Aufregung macht sich allmählich in mir breit und lässt kleine Schmetterlinge in meinem Bauch wild tanzen.
Morgen ist mein erster Arbeitstag und ich weiß jetzt schon, dass ich vor lauter Nervosität nicht schlafen können werde. Nur meine Lieblingsserie kann mich jetzt auf andere Gedanken bringen. Und vielleicht lässt Queen Jinx sich ja sogar dazu herab, sich zu mir, Stefan, Elena und Damon aufs Sofa zu gesellen.
Ob sie wohl weiß, dass ich auf ihre Gnade angewiesen bin, da ich niemanden sonst hier habe und gerade eine riesige Welle an Heimweh in mir aufkommen spüre?
Okay, ich weiß, dass zu spät kommen am ersten Arbeitstag ein absolutes No-Go ist, aber ich kann nichts dafür. Wirklich! Zumindest fast nichts … Hätte ich mich gestern Abend mal lieber damit beschäftigt, wie ich mich heute Morgen in diesem winzigen Bad fertig machen soll, statt auf dem Sofa zu lümmeln und eine Folge Vampire Diaries nach der anderen bis tief in die Nacht hinein zu schauen, hätte ich vielleicht auch festgestellt, dass Haare waschen, ohne dabei zu duschen, hier rein praktisch gar nicht möglich ist. Nun aber habe ich den Schlamassel.
Ich gebe zu, ich bin eine notorische Langschläferin, die auf ihrem ohnehin knapp gestellten Wecker liebend gern die Schlummertaste betätigt und damit nun die unnötig verplemperten Minuten in der Dusche wieder aufholen muss. Daher bin ich auch mehr als froh zu wissen, dass es in diesem Raum kein Fenster gibt, durch das meine Nachbarn den irren Tanz, den ich gerade aufführe, um in meine Jeans zu schlüpfen, mit ansehen können.
Meinen dunkelbraunen langen Haaren bleibt keine Zeit, sie mit dem Fön zu trocknen, also muss es reichen, sie nur sanft mit dem Handtuch auszudrücken und mit den Fingerspitzen und etwas Festiger in Form zu bringen. Ebenso bleibt keine Zeit zum Schminken. Etwas Wimperntusche muss genügen – fürs Feeling. Da meine blasse Haut mich sowieso schon wie eine Wasserleiche aussehen lässt, nehme ich die Extraminute zu spät kommen in Kauf und trage noch etwas Blush auf. So fühle ich mich wenigstens nicht ganz so nackt und angreifbar.
Ein letzter prüfender Griff an meinen Hals bestätigt mir, dass mein Kettenanhänger aus dunklem Edelstein an Ort und Stelle hängt und mich auch heute vor allem Bösen beschützen wird.
Nennt mich abergläubisch, doch ohne meinen Anhänger aus schwarzem Turmalin verlasse ich nicht das Haus.
Heute ist einer dieser wenigen Tage in meinem Leben, an denen ich es verfluche, keine eigenen Kräfte zu besitzen. Ich erinnere mich noch genau, wie meine Mutter mir im Kindesalter ihr Wissen über Hexen und andere übernatürliche Wesen in kleinen mundgerechten Happen serviert hat. Daher weiß ich auch, dass Hexen im Allgemeinen nahegelegt wird, ihre Kräfte in der menschlichen Welt mit Bedacht anzuwenden, aber wäre ich im Besitz eigener Kräfte – heute hätte ich sie definitiv für mein Styling eingesetzt. Nun muss ich eben damit leben, was ich da vor dem Spiegel fabriziert habe.
Mit der menschlichen Welt und der magischen ist das so eine Sache. Die Theorie besagt, es seien zwei völlig unterschiedliche Welten, und die magische soll nur über Portale zu erreichen sein. So hat es mir meine Mutter zumindest beigebracht.
Ich selbst habe noch nie eines gesehen – geschweige denn die mystische Welt der Hexen und anderen Wesen, wenn es sie denn wirklich gibt, je bereist –, obwohl es eher eine Seltenheit sein soll, dass diese Wesen Zuflucht bei uns suchen.
Wenn ich mein Leben einmal nüchtern betrachte, gibt es für mich, außer den Erzählungen meiner Mutter, keinen triftigen Grund, an die Existenz anderer Wesen zu glauben. Dennoch habe ich die kindliche Neugier für sie nie ganz ablegen können und im Stillen stets gehofft, es würde sich doch ein Fünkchen Magie in mir regen. Ein winzig kleines wenigstens. Wie wundervoll hätte mein Leben verlaufen können, hätte sich die Prophezeiung, von der Mom immer sprach, erfüllt?
Ich glaube, es verging nicht ein Tag, an dem ich meinen Glauben an eine andere Welt, eine andere Wirklichkeit als meine, verlor.
Als ich noch klein war, hat meine Mutter fast täglich versucht, meine Kräfte zum Vorschein zu bringen, und mir vor dem Zubettgehen darüber erzählt, welche verwunschenen Wesen in der anderen Welt wandelten. Aber je älter ich wurde, desto seltener sprach sie noch von den Elfen und Feen, den Trollen und Geistwesen. Und nach meinem dreizehnten Geburtstag hörte sie schließlich komplett auf, über Magie und mein Dasein als Hexe zu reden. Ich war schlichtweg keine.
Ich war keins der Wesen, von denen sie mir stets freudig berichtet hatte, und von Jahr zu Jahr war ihr immer deutlicher anzusehen, wie enttäuscht sie darüber war.
Sie versuchte es zu überspielen und mich so normal wie möglich zu behandeln, aber ihr trauriger Blick an jedem meiner Geburtstage entging mir nie.
Auch wenn sie bemüht war, ihren Ärger nicht vollends an mir auszulassen. Ihren Unmut darüber, nur eine normale Tochter zu haben, konnte sie dennoch nur schwer überspielen. Dass sie es all die Jahre danach vehement versucht hat, rechne ich ihr allerdings hoch an. Trotzdem verstehe ich einfach nicht, warum es ihr damals so wichtig war, aus mir eine Hexe werden zu sehen.
Es gibt nicht viel, was meine Mutter mir im Laufe meines Lebens von meinem Vater preisgab. Nur dass er angeblich ein sehr mächtiger Hexenmeister war, der seine Kräfte nicht immer der weißen Magie zugeschrieben hat. Aus diesem Grund hat sie nach ihrem One-Night-Stand wohl auch keine weiteren Versuche unternommen, ihn ausfindig zu machen.
Ganz offensichtlich war meine Mutter auch selbst keine Hexe, denn die weiblichen Nachkommen erben ausnahmslos die Fähigkeiten ihrer Mütter.
Ich verstehe bis heute nicht, welchen Vorteil sie sich dadurch erhofft hat, eine Hexe als Tochter großzuziehen, in einer Welt voller nichtsahnender gewöhnlicher Menschen.
Das Einzige, was wir auch heute noch jedes Jahr machen, ist, den Göttern zu Ehren an Imbolc, Beltane, Lughnasadh und Samhain sowie Ostara und Mabon unsere Rituale durchzuführen. Da aber jeder Mensch fähig ist, Kerzen zu entzünden, zu beten und die Altäre mit verschiedenen Opfergaben zu füllen, ist das alles augenscheinlich also auch kein Hexenwerk. Und so blieb ich eben die fleischgewordene Fehlentscheidung meiner Mutter – der ungewollte Samen ihrer Vereinigung mit dem anderen Geschlecht der Göttin Ostara zu Ehren, der Früchte trug.
Nachdem ich lange genug in Gedanken versunken in den Spiegel gestarrt habe, straffe ich die Schulter und greife meine Tasche. Mit fünfzehnminütiger Verspätung eile ich die zwei Etagen hinunter in mein neues Büro. Das ist einer der Vorteile meines winzigen Zwergenapartments, es liegt im gleichen Gebäude wie die Agentur, für die ich ab heute arbeite: Shooting Stars. Eine aufstrebende Werbeagentur, deren Name der Obsession zum Weltraum meiner neuen Chefin Enja zu verdanken ist.
Das junge Team besteht aus vier weiteren Kolleginnen und mir, die alle ungefähr in meinem Alter sind. Zumindest in den Zwanzigern.
Schon der offene, rund angelegte Eingangsbereich lässt erahnen, dass dies eine junge und dynamische Agentur ist. Unsere Arbeitsplätze grenzen direkt an diesen Bereich an. Nur große grüne Pflanzen in riesigen Tonkübeln und eine halbhohe quietschorange gestrichene Trockenbaumauer trennen die einladende Eingangshalle von den einzelnen abgegrenzten Schreibtischen. Man könnte es ein Großraumbüro nennen, aber für diesen Begriff ist es viel zu modern und atmosphärisch eingerichtet.
Enja hat einen außerordentlichen Geschmack und wirkliches Talent. Wenn es stimmt, was sie sagt, und sie dieses Büro ganz allein geplant und eingerichtet hat, sollte ich ehrfürchtig vor ihr auf die Knie gehen und darum betteln, dass sie sich meinem Appartement ebenso annimmt.
Voller Achtung sehe ich mich um. Hier spielt sich ab heute also der Mittelpunkt meines Lebens ab. Wahnsinn! Ich hätte es schlechter treffen können.
»Ava, Liebes, da bist du ja!« Enja kommt mir mit offen vor sich ausgebreiteten Armen und einem liebevollen Lächeln auf den Lippen entgegen.
»Hey Enja, entschuldige die Verspätung. Ich würde ja sagen, dass der Verkehr schuld war, aber das wäre offensichtlich gelogen … also …« Schüchtern beiße ich mir auf die Unterlippe und fahre mir mit der Hand durch die noch klammen Haare.
Noch bevor ich meinen Satz zu Ende bringen kann, schließt sie mich in eine herzliche Umarmung.
»Keine Sorge, du wirst noch oft genug Überstunden machen müssen, also gewöhn dich schon mal dran, dass hier freie Zeiteinteilung herrscht. Ich erwarte nicht von dir, dass du pünktlich um acht Uhr anfängst und ebenso pünktlich um siebzehn Uhr deinen Laptop wieder zuklappst. Ich brauche Mitarbeiter, die ihr Herzblut in diese Agentur stecken, so wie ich. Hast du abends mal bis zehn gearbeitet, weil eine Kampagne dringend fertig werden musste? Schön, dann nimm dir den nächsten Tag frei, du hast es dir verdient. Natürlich nur, solange keine festen Termine geplant sind.«
Ihr Lächeln ist aufrichtig und ehrlich und ihr kurzer schwarzer Bob steht in scharfem Kontrast zu ihren rot geschminkten Lippen. Sie wirkt sympathisch und dennoch respekteinflößend.
Schon wieder beeindruckt mich diese Frau ungemein. In meinem Vorstellungsgespräch vor zwei Monaten hat sie mich anfangs mit ihrem selbstbewussten Auftreten eingeschüchtert, aber das Gespräch hat sich fast nur um meine Charaktereigenschaften und eher weniger um mein technisches Know-how gedreht. Enja hat mir versichert, dass mein Portfolio sie umgehauen hat und sie eigentlich nur noch abchecken müsse, ob ich auch von meiner Persönlichkeit her ins Team passe.
Schnell konnten wir Gemeinsamkeiten entdecken und unsere Liebe zu den Gilmore Girls und den Salvatore-Brüdern konnte direkt eine Verbundenheit zwischen uns schaffen.
»Ich habe nur noch eine abschließende Frage«, hat Enja mit einem Schmunzeln auf den Lippen gesagt. Dennoch sah sie mich ernst an und ich war sofort unsicher auf meinem Stuhl hin und hergerutscht. Ich war auf alles gefasst gewesen … Nur nicht auf das …
»Wenn du dich für einen der beiden Brüder entscheiden müsstest, wen würdest du wählen? Damon oder Stefan?«
Meine Schultern sind erleichtert nach unten gesunken und ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. In jeder anderen Firma hätten wir wohl kaum beim Bewerbungsgespräch über meine Lieblingsserie gesprochen. Das war also die alles entscheidende Frage, die beurteilen sollte, ob Enja mich einstellen wollte oder nicht?
»Ganz klar Damon!« Ich brauchte nicht mal eine Sekunde lang zu überlegen. Damon ist offensichtlich der bessere Bruder, der heißere sowieso und er ist der liebenswürdigere von beiden. Er opfert mehr, als er verlangt, und er brennt für seine große Liebe. Alles Eigenschaften, die ich bisher vergeblich in einem Mann gesucht habe.
Ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, als sie mir daraufhin verkündete, dass ich eingestellt sei.
Als ich sie nach dem Grund fragte, fiel ihre Antwort knapp aus: »Ich würde ganz klar Stefan wählen. Er steht für seine Prinzipien ein und ist loyal. Außerdem sieht er viel besser aus. Wir haben nicht denselben Männergeschmack, Ava, darum. Wenn ich mit dir ausgehe, kommst du mir nicht in die Quere.« Und dann hakte sie sich bei mir unter und lud mich auf eine Pizza ein.
Dass ich so weit von meiner Mutter, der einzigen mir nahestehenden Person in meinem Leben, wegziehen musste, hatte es schon schwer genug für mich gemacht. Die Aussicht auf eine Freundschaft mit Enja und ein gutes Arbeitsklima konnte meinen Schmerz allerdings ein bisschen lindern.
So stehen wir also im einladenden Empfangsbereich von Shooting Stars. Enja stellt mich meinen neuen Kolleginnen vor und gibt mir eine zweite Führung durch mein zukünftiges Reich.
Mir wird ausnahmslos mit Freundlichkeit in diesem Team begegnet. Von Enja habe ich nichts anderes erwartet, aber die vier anderen stehen ihrer, nein, unserer Chefin in nichts nach.
Da wäre die stattliche Runa, mit den schwarzen kurzen Haaren und den ebenso schwarzen Klamotten, die stets ein Lächeln auf den lila geschminkten Lippen trägt.
Eine zierliche hellblonde Gestalt namens Leyna, mit langen Haaren und durchdringend eisblauen Augen, die mich zwar nicht einmal anlächelt, aber dennoch respektvoll mit mir umgeht.
Es gibt die wunderschöne Holly mit langen schwarzen Haaren, stark geschminkten Augen und auffallend roten künstlichen Fingernägeln, die eine solch weibliche Figur hat, dass sie selbst Bella Hadid alt aussehen lassen würde. Und da ist auch noch Audrey, eine schüchterne Brünette, mit auffälliger Hochsteckfrisur und kindlich naivem Gesichtsausdruck.
Jede Einzelne von ihnen ist auf ihre ganz bestimmte Art und Weise schön und sorgt damit unabsichtlich dafür, dass ich mich gerade mehr als fehl am Platz fühle.
***
Meine erste Arbeitswoche vergeht wie im Flug. Die Kolleginnen behandeln mich nett und meine Kampagnen beschäftigen mich schwer. Enja bringt mir großes Vertrauen entgegen und ich habe das Bedürfnis, sie nicht zu enttäuschen.
Am Freitag darf ich sogar eher Feierabend machen, weil ich meine Arbeit wirklich gut gemacht habe und meine Chefin darauf besteht, dass ich mich zu Hause in Ruhe auf das wichtige Meeting am Montagmorgen vorbereiten soll. Ich habe ihr gesagt, dass ich schon mehr als ausreichend vorbereitet sei. Meinen Feierabend nehme ich dennoch dankend entgegen.
»Hey meine Süße, hattest du einen schönen Tag?« Ich kraule Jinx zärtlich hinter ihren kleinen schwarzen Katzenöhrchen, als sie mich an der Tür laut mauzend begrüßt. Bevor ich die Schuhe ausziehen kann, holt sie all die Kuschelzeit nach, die ich auf der Arbeit verbracht habe und nicht nach ihrer Pfeife tanzen konnte.
Fordernd springt sie auf die helle Arbeitsplatte und sieht mir ungeduldig mit ihren leuchtend grünen Augen dabei zu, wie ich die Dose voll zartem Hühnchen in Gelee in ihren Futternapf gebe. Ich stelle den Napf auf den Boden und streichele meiner Katze über ihren grazilen Rücken, während meine kleine Schmusequeen gierig über ihr Mittagessen herfällt.
Ich liebe diese Katze. Sie ist unglaublich verschmust und verfressen – wir haben viele Ähnlichkeiten … Auch was unseren Freundeskreis betrifft.
Jinx hat schlichtweg keinen, weil sie zum einen eine Hauskatze ist, aber auch, weil sie ein echtes Biest sein kann und eigentlich niemand anderen an sich heranlässt als mich. Sie hat ein großes Vertrauensproblem und es ehrt mich, dass sie mich als ihren Lieblingsmenschen auserkoren hat. Aber es bringt auch die ein oder andere Hürde mit sich. Womit wir bei meinem Freundeskreis angekommen wären …
Während ich in Rochester zwar nur eine Handvoll Leute zu meinem näheren Freundeskreis zählen konnte, die allerdings nie unser Haus betreten durften, da Queen Jinx deutlich klargemacht hatte, dass das ihr Revier war, habe ich in Coventry logischerweise noch niemanden, den sie aus meinem neuen Heim direkt wieder vergraulen könnte.
Meine Einzelgängerkatze stört dies überhaupt nicht, aber je mehr ich mich in meiner neuen Wohnung umsehe und überlege, was ich am Wochenende mit meiner freien Zeit anstellen könnte, desto mehr fällt mir schon jetzt die Decke auf den Kopf. Und es ist erst Freitagnachmittag.
Da ich schon immer ein sehr freiheitsliebender, naturverbundener Mensch bin und es mir absolut gegen den Strich geht, dass ich mich die ganze letzte Woche nach der Arbeit nicht von der Couch aufraffen konnte und nur Netflix gesuchtet habe, anstatt die Stadt und ihre angrenzenden Wälder zu erkunden, beschließe ich, dem nun ein Ende zu setzen. Außerdem hat meine Mutter mich die letzten Jahre vollkommen für sich vereinnahmt. Es wird Zeit, dass ich mich wieder um mich selbst kümmere.
Ich muss hier raus, muss was erleben und mal wieder unter Menschen kommen. Ich will nicht enden wie in Rochester und meine Katze als meine einzige Freundin vorweisen können. Aber wo soll ich anfangen? Ich kenne hier niemanden. Und auch wenn meine Kolleginnen und meine Chefin sich sehr bemühen, so richtig hingezogen zu ihnen fühlte ich mich die letzte Woche nicht gerade. Es würde mir komisch vorkommen, sie auf einen Kaffee oder ins Museum einzuladen.
Frustriert schnaube ich. Ich bin nicht der Typ Mensch, der einfach losmarschiert und Freunde findet. Ich brauche eine gewisse Sicherheit in meinem Leben oder im schlimmsten Falle gut geplante Fluchtmöglichkeiten. Also ziehe ich mein Tablet unterm Couchtisch hervor, kuschele mich an meine kleine seidig-schwarze Katzenfreundin und googele nach Sehenswürdigkeiten in Coventry.
Es gibt erstaunlich viele Museen in dieser Stadt, aber meine Aufmerksamkeit richtet sich schnell auf die alte Kathedrale. Die Fotos, die ich von ihr sehe, ziehen mich sofort in ihren Bann.
Das ist es! Dort werde ich morgen hingehen und sie mir ansehen. Zumindest hätte ich am Montagmorgen ein Gesprächsthema, um mit den anderen warm zu werden.
Die Kathedrale von Coventry ist ein sehr eindrucksvolles Gebäude. Im Jahre 1940 wurden große Teile der St. Michael Kathedrale bei einem Luftwaffenangriff der Deutschen zerstört. Nur der Kirchturm und die äußeren Wände blieben erhalten. Bis heute werden Gottesdienste darin abgehalten. Im Jahre 1962 allerdings erbauten die Engländer eine neue Kathedrale und trugen damit eine klare Botschaft in die Welt hinaus: Sie lassen sich nicht unterkriegen, sondern stehen wie der Phoenix aus der Asche wieder auf.
Der einstige Provost der Kathedrale, Richard Howard, sagte einmal in einer Radioansprache zu Weihnachten, dass man seinen Feinden die Hände reichen und mit ihnen gemeinsam eine freundlichere Welt erbauen solle, ganz in Gottes Sinne. Einen Monat später wurden die Worte »FATHER FORGIVE«, also »Vater, vergib« in Stein verewigt. Seitdem zieren sie die Stirnwand der zerbombten St. Michael Kathedrale. Von da an bezeichnete man die Stadt auch als Stadt des Friedens und der Versöhnung.
Das alles konnte ich in nur wenigen Minuten aus einem Onlineartikel in Erfahrung bringen und mich beschleicht bereits eine Gänsehaut der anderen Art, als ich nun auf dem ausladenden Platz vor dem Eingang des Gebäudes stehe und staunend das große Eingangstor mit seinen vielen Treppenstufen betrachte.
Ehrfürchtig sehe ich zu der Engelsstatue zu meiner Rechten hinauf, als ich den hiesigen Eingangsbereich passiere. Dieser Platz jagt mir einen Schauer nach dem nächsten die Wirbelsäule hinab, so beeindruckend ist er.
Heute ist es bitterkalt. Nur ab und zu streckt die Sonne ihre zarten Fühler nach mir aus. Es ist Mitte Februar, die Landschaft ist grau und kahl und trotzdem zieht es viele Menschen hierher. Eisiger Wind bläst mir unangenehm ins Gesicht, als ich andächtig das weitläufige Areal betrete.
Die alte Kathedrale und das umliegende Gelände sind ungeheuer groß und mit jedem Schritt, den ich in der alten Ruine voranschreite, fühle ich mich kleiner und unbedeutender.
Voller Achtung sehe ich mich um. Die gotische Bauweise ist wunderschön und zieht mich magisch an. Bedächtig drehe ich mich im Kreis und kann mich gar nicht sattsehen an all den Eindrücken. Mich beschleicht ein Gefühl der Wehmut, als ich mir vorstelle, wie es wohl vor dem Zweiten Weltkrieg hier ausgesehen haben muss.
War dies ein Ort der Zuflucht für die Menschen? Wie viele von ihnen sind wohl beim Gebet an den Allmächtigen anschließend ums Leben gekommen? Oder war die Kirche vielleicht leer in der verheerenden Vollmondnacht im November, als die Operation Mondscheinsonate über die Stadt hereingefallen war?
Als ich an der Stirnwand der alten Kathedrale ankomme, sinke ich wie ferngesteuert auf die Knie und bekreuzige mich. Ich war nie gottesfürchtig, aber dieser Ort übt eine ganz besondere Faszination auf mich aus.
»Vater, vergib« – es sind nur zwei Worte, in goldenen Lettern in den alten Stein gemeißelt, aber ihre Bedeutung ist für mich ehrfurchtgebietend.
Ich kümmere mich nicht um die umstehenden Passanten, die mich mit irritierten Blicken ansehen, während ich mich wieder aufrichte.
Ich sehe zu dem großen steinernen Kreuz vor mir hinauf und heiße Tränen sammeln sich daraufhin in meinen Augen und verschleiern mir den Blick. Was ist nur mit mir los? Wie ist es möglich, dass ein mir bis dato fremder Ort solch intensive Gefühle in mir auslösen kann?
Die schreckliche Geschichte dieser Mauern ist in jedem ihrer alten Steine spürbar. Es herrscht eine unglaubliche Energie in diesem Areal, es ist mitreißend – schon fast gespenstisch. Und doch wird mir das Herz auf einmal so schwer, dass ich es kaum mehr aushalte, hier zu sein.
Ein Gefühl der Enge und Beklommenheit breitet sich langsam, aber stetig, in meiner Brust aus. Und mit jedem Blick, den ich weiter durch die alte Ruine schweifen lasse, macht sich ein immer unangenehmer werdendes Gefühl in mir breit. Ein Gefühl, als würde sich ein wütend stierendes Augenpaar in meinen Rücken bohren und jeden meiner Schritte lautlos verfolgen, nur um mich in einem Moment der Unachtsamkeit mit seinen gierigen Klauen der Furcht zu packen und mich anschließend mit sich in den Abgrund zu ziehen.
Verstohlen schaue ich mich immer wieder über die Schulter hinweg um, aber ich entdecke lediglich andere Touristen, die ehrfürchtig gen Steinaltar schreiten.
Dann ein Schatten in meinem Augenwinkel – nur eine flüchtige Bewegung, und doch stellen sich mir augenblicklich die Nackenhaare auf, als ich mich umdrehe, aber nichts erkennen kann. In mir regt sich der unbändige Drang zu fliehen.
Vielleicht war es nur eine verirrte Haarsträhne? Vielleicht aber auch ein verirrter Geisteskranker …
Innerlich verfluche ich mich dafür, mich in meiner Jugend nachts ins Wohnzimmer geschlichen zu haben, nur um im fahlen Schein des Fernsehers alte Horrorfilme anzuschauen. Horrorfilme, die meine Mutter mir stets verboten hat.
Und genau das ist der Moment, in dem mein Hirn beginnt, gruselige Szenarien vor meinem geistigen Auge abzuspielen und damit alles nur noch schlimmer zu machen.
Doch ich könnte schwören, auch hinter einer Einbuchtung in der baufälligen Mauer einen gruseligen Schatten wahrgenommen zu haben.
Das reicht. Ich muss schleunigst hier weg, sonst breche ich zusammen. Ich kann es spüren und es ist kein gutes Gefühl. Eine düstere Vorahnung beschleicht mich und flüstert mir zu, dass ich diesen Ort verlassen muss, und zwar schnell. Also mache ich auf dem Absatz kehrt und verlasse das Areal, ohne mich noch einmal umzudrehen.
Es ist völlig surreal. So etwas habe ich in dieser Form und Stärke noch nie zuvor erlebt. Der Platz wirkte anfangs so vertraut und einladend und plötzlich hatte ich das Gefühl, mir würde der Boden unter den Füßen weggerissen. Ob es etwas mit der Existenz anderer Wesen und der daraus resultierenden Energie in unserer Welt zu tun hat? Ich weiß es nicht. Da ich sie weder sehen noch in anderer Art und Weise mit ihnen in Kontakt treten kann, mache ich mir die meiste Zeit meines Lebens keine Gedanken um sie.
In solchen Momenten wie eben denke ich aber schon darüber nach.
Oft habe ich überlegt, ob meine Mutter sich die ganzen Geschichten vielleicht nur ausgedacht hat. Ich meine, ihre geistige Verfassung war vielleicht schon viel länger in einem besorgniserregenden Zustand, als ich vermutet habe.
Dennoch kann ich nicht von der Hand weisen, dass es schon Momente gab, in denen ich Energien wahrnehmen konnte. Und ich war mir nie sicher, ob das etwas völlig Normales war, was auch andere Mädchen in meinem Alter spüren konnten oder nicht. Ich konnte ja nur meine Mutter fragen und die hatte da eine ganz klare Meinung zu.
Eine echte Hexe ist mir bis heute allerdings nie unter die Augen gekommen. Und nach meinem dreizehnten Geburtstag hat meine Mom nie wieder das Wort Hexe auch nur in den Mund genommen.
Darum lebte ich mein Leben als Teenie weitestgehend normal. Zumindest so normal, wie das Leben mit einer Mutter eben war, die jeden möglichen Hexenfeiertag zelebrierte.
Dass ich vielleicht fähig bin, fremde Energien wahrnehmen zu können, beunruhigt mich keineswegs. Die Faszination, die dieser Ort auf mich ausgeübt hat, dieses andere bohrende Gefühl, das mich auf die Knie sinken ließ … ich würde es am ehesten wie eine alte Vertrautheit bezeichnen.
Ja, es ist, als wäre mir der Ort bekannt und vertraut gewesen. Nur weiß ich beim besten Willen nicht wieso.
***
Der eisige Wind peitscht mir auf dem Weg durch die teils futuristisch wirkenden Straßen unablässig ins Gesicht. Die Kälte, die er mit sich trägt, lässt mich erschauern und ich ziehe an meinem dicken grauen Wollschal, um meine untere Gesichtshälfte damit zu bedecken und Mund und Nase so vor dem Wetter zu schützen.
Eine graue Wolkendecke hat sich mittlerweile vor die spätwinterliche Sonne geschoben und kleine Schneeflöckchen rieseln langsam in Richtung Erde hinab.
Normalerweise liebe ich den Winter und den Schnee. Alles ist schöner, wenn es weiß bedeckt ist und im Sonnenschein zart glitzert. Die Luft ist reiner und alles wirkt friedlicher, wenn es schneit. Aber gerade bin ich viel zu aufgewühlt, um mich an der Schönheit der im Wind tanzenden gefrorenen Wasserkristalle zu erfreuen.
Die Eiseskälte geht mir durch und durch, aber nicht nur das. Es ist, als hätte ich etwas von den Ruinen der alten Kathedrale mit mir genommen, als ich das steinerne Gelände so überstürzt verlassen habe – so etwas wie eine unsichtbare Last. Einen nicht greifbaren, aber dennoch vorhandenen Ballast auf meiner Seele.
Vor einem Schaufenster bleibe ich stehen, dessen Inhalt schenke ich allerdings keine Beachtung. Ich sehe nur mich selbst in der Spiegelung der Scheibe. Sehe, wie der Wind mir die braunen leicht gewellten Haare immer wieder in das kreidebleiche Gesicht weht, und sehe auch, wie ausgezehrt mein Spiegelbild plötzlich aussieht.
Von der fröhlich-freundlichen Ava mit dem zarten Gesicht ist gerade nur noch eine Ava zu erkennen, die viel zu dünn aussieht und schrecklich dunkle Augenringe unter ihren eigentlich bernsteinfarbenen Augen trägt.
In panischer Aufregung schließe ich ebendiese und atme tief durch. Als ich sie erneut öffne, steht wieder die alte, die normale Ava im Schaufenster vor mir. Die kleine Braunhaarige, mit den vollen roten Lippen und dem grauen Schal, den sie tief ins Gesicht gezogen hat. Sie trägt eine viel zu dünne schwarze Leggings mit ebenso schwarzen Winterboots und einen burgunderroten fellbesetzten Parka. Alles wie immer also. Kein Grund zur Sorge.
Einen weiteren tiefen Atemzug später entscheide ich mich dazu, das Sightseeing für heute zu beenden und mir ein Café zu suchen, um mich etwas aufzuwärmen. Ich will und kann dieses mulmige Gefühl nicht mit nach Hause nehmen. Ich muss es vorher abschütteln, es irgendwie loswerden. Also betrete ich zwei Straßen weiter ein unscheinbares Café.
Nur das schmiedeeiserne schwarze Schild über der in die Jahre gekommenen mintgrünen Holztür macht es für Fremde von außen ersichtlich, dass es sich hier um ein Kaffeehaus handelt. Der Innenraum ist klein. Er bietet nur Platz für fünf runde Tische, an die maximal zwei Personen passen, und eine längere Tafel, aber die Lautstärke hier drin ist beachtlich. Wie in einer gut besuchten Kneipe.
An der großen Tafel hat eine ausgedehnte Herrenrunde Platz gefunden, die sich lautstark feixend unterhält. An der gegenüberliegenden Seite sitzt ein Pärchen an einem der runden Tische und ist bei Kaffee und Kuchen tief ins Gespräch versunken. Zwei Anblicke, die gegensätzlicher nicht sein könnten.
Ich gehe die drei Stufen hinab in den kuschelig warmen Raum und ziehe die Jacke aus. Während ich mich suchend nach einer Garderobe umsehe, tritt eine Frau mit langen grauen Haaren und einem freundlichen Ausdruck auf dem Gesicht in mein Blickfeld.
»Willkommen im Antiqua. Gib mir gerne deine Jacke, während du dir einen freien Tisch suchst.«
Freundlich lächelnd nimmt mir die Dame meinen Parka ab und macht eine ausladende Handbewegung in Richtung der vier noch freien Tische nahe der Theke. Ich bedanke mich bei ihr und setze mich mit dem Rücken zur Wand an einen von ihnen.
»Ich bin gleich bei dir«, sagt die Frau im Vorbeigehen und lächelt mich erneut aufrichtig an. Um ihre dunkelbraunen Augen ranken sich kleine Lachfältchen, die sie sympathisch wirken lassen.
»Danke«, erwidere ich ihr Lächeln und sehe mich aufmerksam in dem kleinen Raum um.
Die cremefarbenen Wände sind halb hoch mit edlem Holz vertäfelt, welches ebenso mintgrün gestrichen ist wie die Eingangstür. Überall hängen alte Werbeschilder aus Blech und die dunklen runden Holztische sind mit einer rot-weiß gestreiften Tischdecke bedeckt. Auf jedem Tisch stehen dicke weiße Stumpenkerzen und ich muss gestehen, dass die Atmosphäre in diesem Café direkt beruhigend auf mich wirkt. Es ist wirklich klein, aber es hat Charme und ist urgemütlich. Ich fühle mich vollkommen wohl.
Als die Dame von eben erneut vorbeikommt, fragt sie nach meiner Bestellung und gibt mir eine Karte an die Hand, die mit einer beachtlichen Auswahl an selbst gebackenen Kuchen aufwartet. Ich entscheide mich für ein Stück Strawberry-Cheesecake und eine heiße Schokolade.
Während ich warte, ziehe ich mein Handy hervor und googele nach Berichten über die alte Kathedrale. Dieses Thema lässt mich einfach nicht los. Ihre Geschichte ist ergreifend und ich will, nein, ich muss einfach mehr über sie erfahren.
Der Tisch nebenan löst sich allmählich auf und als auch der letzte Herr gegangen ist, kommt ein junger Mann mit langen blonden, zu einem lockeren Pferdeschwanz gebundenen Haaren um die Ecke und macht sich schweigend daran, den Tisch abzuräumen.
Er hat eine geduckte, leicht ängstliche Haltung und ich empfinde augenblicklich so etwas wie Mitleid für ihn. Aber dann sehe ich seinen vollständig tätowierten Unterarm und seine ebenso tätowierte Handinnenfläche. Ich kann nichts dagegen tun, aber ich finde dieses Erscheinungsbild fast schon skurril.
Seine Tattoos sind so was wie keltische Zeichen mit vielen komplett dunklen Streifen. Seine Handinnenfläche zieren Runen oder Ähnliches. Ich kann es nicht genau erkennen.
Als er sich verstohlen zu mir dreht, senke ich schnell den Blick. Ich habe ihn gerade ungeniert angegafft, das weiß ich, aber ich wollte ihn damit bestimmt nicht in Verlegenheit bringen.
Das ist einfach so eine Macke von mir. Ich betrachte Menschen gerne ganz genau, sauge jedes noch so kleine Detail in mir auf und versuche, aus ihnen zu lesen wie aus guten Büchern. Was mögen sie wohl für eine Geschichte erzählen? Haben sie in ihrem Leben vielleicht bereits Großes erlebt?
Ich weiß selbst nicht wieso, aber ich finde es schon immer unglaublich interessant, Menschen und ihre Mimiken und Gestiken zu beobachten – etwas in ihr Denken und Tun hineinzuinterpretieren und in Erfahrung zu bringen, ob meine Menschenkenntnis mich trügt oder nicht.
Manche Menschen handeln total kontrovers zu ihrem eigentlichen Auftreten und Erscheinungsbild. So ähnlich empfinde ich auch gerade bei dem blonden Mann. Er hat so eine geduckte und erniedrigte Haltung, aber seine Tattoos sagen eindeutig aus, dass er mit Schmerz umgehen kann.
Meinen Respekt hat er jedenfalls sicher. Dennoch ist ihm das ja nicht bewusst, als er mich dabei erwischt hat, wie ich so ungeniert auf seinen Arm starre.
Noch während ich überlege, ihn darauf anzusprechen und ihm zu sagen, wie faszinierend ich seine Tätowierung finde, eilt er eingezogenen Hauptes an mir vorbei hinter die Theke. Direkt in die Arme der älteren Frau, die ihm postwendend meinen Kuchen und meine heiße Schokolade in die Hand drückt und den unsicheren Blick in meine Richtung nicht zu registrieren scheint.
Ich bemühe mich, den Mann nicht wieder anzustarren, sondern lächele ihn nur kurz dankbar an, als ich meine Bestellung entgegennehme, und konzentriere mich anschließend wieder auf den Zeitungsartikel auf meinem Handy. Beim Abstellen der Tasse erhasche ich sogar einen kurzen Blick auf seinen Unterarm aus nächster Nähe. Das Tattoo ist nicht sonderlich deckend gestochen, hier und da blitzt noch etwas Haut ohne Farbe durch – die Linien sind allesamt wasserwaagengerade. Erstaunlich. Die Zeichen sind mir unbekannt, dennoch sind sie faszinierend. Schlicht, aber schön.
Mit einem missmutigen Blick verlässt der blonde Kellner meinen Tisch und geht zurück hinter die Theke zu der Dame, die ich als Besitzerin dieses Cafés vermute. Leise tuschelt er mit ihr, während er immer wieder verstohlen in meine Richtung blickt.
Meinen Kopf halte ich mit dem Blick auf mein Handy gesenkt, trotzdem entgeht mir nicht, dass mich beide skeptisch mustern. Ich versuche sie auszublenden und konzentriere mich auf den Artikel über die Kathedrale.
Jedes Jahr im Februar wird an der alten Kathedrale anscheinend ein Gedenkgottesdienst abgehalten, bei dem die Menschen eine Lichterkette bilden und zu zweiminütigem Schweigen aufgerufen werden. Sofort stellen sich mir die Nackenhaare auf. Nicht vor Angst, sondern vor Ehrfurcht.
Dieser Ort hat schreckliche Zeiten durchlebt, aber er hat sich eigenhändig herausgekämpft und hält noch heute an dem Glauben an Frieden fest. Beachtlich!
Und auch wenn ich das weitläufige Areal mit einem unguten Gefühl verlassen habe, zieht mich der Gedanke an etwas Kerzenscheinromantik in den alten gotischen Ruinen schon fast magisch an.
Mein Kuchen schmeckt himmlisch und seitdem die Herrenrunde das Café verlassen hat, bietet dieser Ort für mich eine gelungene Zuflucht in eine ruhige und harmonische Atmosphäre.
»Darf ich dir noch etwas bringen?« Die raue Stimme der Kellnerin reißt mich abrupt aus meinen Gedanken. Erschrocken stammele ich: »Ähm, nein. Danke.«
Die dunklen Augen der Lady vor mir mustern mich mit einem Ausdruck, den ich nicht deuten kann.
»Entschuldige, wenn ich aufdringlich bin, aber bist du neu in der Gegend?« Sie lächelt wieder und ich würde sie als äußerst sympathisch empfinden, wenn sie mich nicht gerade so komisch angesehen hätte.
Trotzdem entspanne ich mich. »Ja, genau. Ich wohne noch nicht lange hier.«
Kurzzeitig blitzen die Augen meines Gegenübers auf. Fast nicht wahrnehmbar und doch ist es mir aufgefallen. Dennoch bleibt das Lächeln auf ihren Lippen, als sie erwidert: »Dann hoffe ich, dass es dir geschmeckt hat und du uns noch öfter mit deiner Anwesenheit beehrst. Coventry sollte man nicht verlassen, ohne sich wenigstens einmal quer durch unsere Kuchentheke probiert zu haben.« Sie zwinkert verstohlen und nimmt meinen Teller mit sich.
Als sie sich bereits zum Gehen umgedreht hat, muss ich sie doch noch einmal ansprechen: »Entschuldigen Sie, aber wissen Sie zufällig, wann an der alten Kathedrale in diesem Monat der Gedenkgottesdienst stattfindet?«
Über die Schulter hinweg sieht sie mich mit hochgezogenem Mundwinkel an. »Du hast Glück, dass heute Vollmond ist.«
Ich runzele die Stirn. »Was hat das damit zu tun?«, frage ich vorsichtig.
»Der Gottesdienst findet jedes Jahr Mitte Februar statt. Immer dann, wenn der Mond in seiner vollen Pracht über Coventry steht.«
»Ahhh«, gebe ich wohlwissend von mir und erinnere mich daran, was ich zu Hause bereits über die alte Kathedrale in Erfahrung gebracht habe. »Operation Mondscheinsonate, oder?«, frage ich stolz über mein neugewonnenes Wissen.
»So ist es«, sagt die alte Dame und geht zurück hinter den Tresen. Der blonde Mann mit der geduckten Haltung sieht dabei immer noch misstrauisch zu mir herüber.
Armer Kerl, er hatte es bestimmt nicht leicht im Leben. Man sieht ihm an, dass er so einige Päckchen zu tragen hat. Eine derart eingeschüchterte Haltung kommt bestimmt nicht von ungefähr.
Automatisch denke ich an meine kleine schwarze Katzendame und daran, wie schüchtern und zurückhaltend sie neuen Menschen gegenüber ist. Selbst meine Mutter durfte sie nicht anfassen. Sie wurde von Jinx nur geduldet. In ihrem eigenen Haus, wohlbemerkt.
Frustriert schnaubend stütze ich meinen Kopf auf meine Hand. Ich vermisse meine Mom.
Ich muss dorthin zurück. Ich kann nicht anders. Auch wenn ich die Kathedrale noch so verängstigt verlassen habe. Das Gefühl, dass mich in jenem Augenblick beschlich, in dem ich mich vor den ehemaligen Altar kniete, war überwältigend. Es fühlte sich unglaublich an. Es fühlte sich an wie … nach Hause kommen.
Als hätte eine übermächtige Kraft ihre Arme für mich ausgebreitet, um mich in Empfang zu nehmen.
Es ist schwer zu beschreiben, aber in dem Moment, wo ich die Worte »Vater, vergib« gelesen habe, erfüllte mich solch eine innere Ruhe und Ehrfurcht, wie ich sie noch nie zuvor in meinem Leben gespürt habe. Es fühlte sich absolut richtig an, dort zu sein, und es war, als wäre es immer meine Bestimmung gewesen, diesen Ort zu betreten. Diese heilige Stätte, die sich so plötzlich in das komplette Gegenteil gewandelt hatte und zum Albtraum für mich wurde.
Äußerlich hat sich dieser Ort nicht verändert, aber seine Energie war vom einen auf den anderen Moment ins Negative geschwankt. Was mich anfangs so mit Wohlbefinden erfüllt hat, hat mir zum Schluss eine Heidenangst eingejagt. Und während für andere Menschen der Weg nach vorn die beste Verteidigung war, entschied ich mich schon mein Leben lang für den sicheren Rückzug.
Es war nicht das erste Mal, dass ich nach einer solch starken Energieschwankung die Füße in die Hände genommen habe und so schnell weggerannt bin, wie ich nur konnte. Aber die plötzliche und deutlich spürbare negative Energie dieses Ortes hat sich so schwer lastend auf mein Gemüt gelegt, dass es mir die Luft zum Atmen abgeschnürt hat. Für mich gab es in diesem Moment keine andere Möglichkeit als die Flucht.
Ich würde nicht behaupten, dass ich generell ängstlich bin, sonst hätte ich mich wohl dazu entschieden, diesen Ort nie wieder zu betreten. Es macht mich aber sehr wohl nervös, nicht zu wissen, was es war, das solche starken Gefühle in mir auslösen konnte. Diese Unwissenheit ist unheimlich und macht mir Angst.
Die vielen Stufen zum opulenten Eingang hinauf sind mit kleinen runden Teelichtern gesäumt, die eine unglaublich romantische Atmosphäre schaffen und der übrig gebliebene, alte Turm der Kathedrale wird indirekt durch warmes Licht beleuchtet. Von außen betrachtet wirkt es im Dunkeln noch eindrucksvoller als bei Tageslicht.
Die große Engelsstatue direkt am Eingang des Platzes wirft schaurige Schatten auf die backsteinerne Wand.
Im Internet habe ich herausgefunden, dass die zwei Figuren neben dem Eingang den Erzengel Michael und den Teufel höchstpersönlich darstellen sollen. Sie sind das Aushängeschild dieser Kathedrale und ich, mit einer Größe von etwas über einem Meter sechzig, passe größentechnisch wahrscheinlich gut zweieinhalb bis dreimal in die Statuen. Sie sind pompös, ehrfurchtgebietend und auf eine seltsame Art und Weise wunderschön.
Eine Zeit lang verweile ich auf einer der vielen Stufen und betrachte die Gebilde. Der Erzengel Michael ist gemeinhin bekannt als Bezwinger des Teufels sowie Anführer aller Engel. Die Statue vor mir zeigt ihn in schwerer Rüstung und bewaffnet, muskulös durch und durch. Seine Pose lässt keinen Zweifel, dass er dafür verantwortlich ist, dass Luzifer in Ketten liegt und sich in liegender Position zu dem Engel aufschauend unter ihm befindet. Gut und Böse befinden sich hier so nah beieinander. Faszinierend!
Dass die Kathedrale ein Abbild von Michael, dem Schutzpatron der Deutschen, als Aushängeschild trägt, sagt sehr viel über den tief verankerten Glauben an Gott und an das Gute im Menschen aus. Schließlich waren es ebenjene Deutschen, die im Zweiten Weltkrieg die verheerenden Bomben auf Coventry fallen ließen und alles zerstörten.
In einer Vollmondnacht wie der heutigen.
Als ich zum Nachthimmel hinaufsehe, stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Bedächtig lasse ich meinen Blick schweifen, bevor ich tief durchatme und unsicher die letzten Stufen Richtung Eingang auf mich nehme.
Es bewegen sich viele Menschen um mich herum und dennoch ist es andächtig still. Wir alle wissen, warum wir heute Abend den Weg hierher angetreten sind, und ich fühle mich gut, ein Teil davon sein zu dürfen. Auch wenn ich niemanden hier kenne, durchflutet mich ein Gefühl der Zugehörigkeit.
Im Innern der Ruine säumen Fackeln den langen Weg zum Kirchenschiff. Ihr sanfter Schein liefert sich einen ständigen Kampf mit den dunklen Schatten der alten Gemäuer. Wie sinnbildlich für die Geschichte dieser Mauern.
Die meisten Menschen um mich herum gehen den romantisch beleuchteten Weg zu dem steinernen Kreuz, auf dem sich Hunderte von brennenden Teelichtern befinden. Manche von ihnen beten ein stilles Gebet, bevor sie sich eines davon nehmen, andere greifen direkt zu.
Ich versuche, so wenig wie möglich als Tourist erkannt zu werden, und tue es dem Paar vor mir gleich. Ich trete an das Kreuz heran, bekreuzige mich selbst, wie ich es schon heute Mittag getan habe, nur weniger auffällig, und nehme mir eines der kleinen Teelichter. Dann stelle ich mich etwas abseits einer größeren, miteinander flüsternden Personengruppe und warte.
Es dauert nicht lange und das leise Gemurmel findet langsam ein Ende. Andächtige Stille macht sich breit, während die Menschen um mich herum beginnen, sich in einer Reihe rechts und links vom Hauptgang aufzustellen.
Eine Lichterkette.
Noch nie habe ich so etwas tragisch Schönes gesehen, geschweige denn bin ich selbst ein Teil davon gewesen.
Der warme Schein der Kerzen beleuchtet sanft die ernsten Gesichter ihrer Träger und als der Bischof von Coventry höchstpersönlich ein Licht aufnimmt und die Ansprache an uns richtet, sehe ich Bewunderung und Erstaunen zugleich im Antlitz der Menschen um mich herum.
Mein Blick schweift ehrfürchtig durch die Menge, bleibt dann aber an zwei mir bekannten Gesichtern hängen – den beiden aus dem Café. Die ältere Dame und ihr jüngerer blonder Kellner stehen mir direkt gegenüber und sehen mich mit steinerner Miene an. Nur dem leichten Zunicken der Frau ist anzumerken, dass sie mich ebenso wahrgenommen und erkannt hat. Ihr Mund verzieht sich zu einem sanften Lächeln, als ich sie mit einem Nicken meinerseits zurückgrüße. Die Miene des Mannes neben ihr bleibt ausdruckslos.
Die Ansprache des Bischofs hat mich ergriffen. Dieser Ort war damals unter starkem Beschuss, aber die Stadt hat immer wieder dazu aufgerufen, es den Feinden nicht gleich zu tun, keine Vergeltung auf diesen Anschlag auszuüben und damit ein Zeichen zu setzen. Hoffnung zu verbreiten und aufzuzeigen, dass Krieg niemals die Lösung sein kann und dass all das endlich ein Ende haben musste.
Damals wie heute kann eine bessere Welt nur dann entstehen, wenn man friedlich miteinander umgeht, die Waffen niederlegt und sich auf das einzig Wahre besinnt – die Liebe.
Die Liebe in all ihren Farben und Facetten.
Aus Feindschaft kann Freundschaft werden, aus körperlicher Liebe kann neues Leben entstehen. Nur wenn wir zusammenhalten und gemeinsam gegen das Böse auf dieser Welt ankämpfen, können wir diesen Ort zu einem besseren machen. Für uns, für unsere Kinder, für unsere Kindeskinder.
Dass ich heute hier, mit so vielen anderen Gleichgesinnten, stehe und für den Frieden schweige, macht mir klar, dass jeder Einzelne auf dieser Welt etwas ändern kann. Jeder kann etwas bewegen, er muss sich nur dafür entscheiden.
Das Lichtermeer aus Glauben und Hoffnung, in dem ich mich gerade befinde, zeigt unübersehbar auf, was passieren kann, wenn aus einem viele werden.
Die alte Ruine ist in wunderschönes golden glimmendes Licht getaucht, welches die Schatten auf den dunkelgrauen Steinen des Gemäuers immer wieder eindrucksvoll verdrängt.
Zum ersten Mal in der kurzen Zeit, in der ich hier lebe, fühle ich mich zugehörig. Und das, obwohl ich immer noch keine Freunde gefunden habe und kaum einen Menschen hier kenne. Aber in diesem kurzen Moment der Andacht bin ich eine von vielen. Ein notwendiger Teil einer Gruppe, die für das Gute kämpft.
Ich fühle den Geist des heiligen Michaels noch tief in mir, als ich die alte Ruine der Kathedrale wieder verlasse und meinen Weg nach Hause antrete.
Es ist mittlerweile nach zwanzig Uhr und dunkel, also entscheide ich mich dazu, mir ein Taxi zu suchen, das mich sicher in meine Wohnung zurückbringen wird.
Als ich etwas abseits des großen Platzes an der Kathedrale mein Handy hervorhole, um den nächsten Taxistand zu googeln, beschleicht mich plötzlich wieder dieses beängstigende Gefühl von heute Mittag – und dann geht auf einmal alles ganz schnell.
Zwei große starke Hände packen mich von hinten und halten mir den Mund zu, während sie mich brutal mit sich ziehen. Mein Herz rast vor Schreck so wild, dass ich denke, es könnte mir jeden Moment vor Panik aus der Brust springen.
Ich versuche zu schreien, aber ich kann nicht. Kein einziger Ton verlässt meine Kehle. Es ist mir nicht möglich, einen Laut von mir zu geben. Als hätten sich unsichtbare Ketten um meine Stimmbänder gelegt, die unsprengbar sind und es mir nun unmöglich machen, sie zu benutzen. Panisch versuche ich mich loszureißen.
Dem kräftigen Griff nach zu urteilen, muss es ein Mann sein, der mich unsanft vor sich herschiebt und in einer dunklen Gasse rabiat mit dem Gesicht gegen eine scharfkantige Hauswand drückt. Der Geruch von nassem Lehm steigt mir in die Nase.
Panisch versuche ich mich aus dem Griff der Person hinter mir zu befreien, aber auch meine Hände bleiben regungslos. Mein gesamter Körper scheint in eine Art Schockstarre verfallen zu sein und egal wie sehr ich mich bemühe, mich zu wehren, es regt sich nichts.
»Da hast du dich also versteckt, kleine Hexe!«
Die Worte des Mannes hinter mir verströmen einen fauligen Geruch. Übelkeit steigt in mir auf, ebenso wie Tränen.
Ich will ihn anflehen, meine Geldbörse und mein Handy zu nehmen und zu gehen und mich in Ruhe zu lassen, aber ich kann nicht. Mein Körper bleibt regungslos. Ich bin nicht mehr Herrin meiner Sinne.
Inständig hoffe ich, dass es nur Geld ist, was der Kerl von mir will, und nicht meinen Körper. Meine Angst lähmt mich schier. Nie in meinem Leben habe ich mich so hilflos gefühlt. Dieser Mann hat so viel Macht über mich, dass ich es nicht fertigbringe, mich gegen seine Berührungen zu wehren. Schlimmer noch, er könnte mich an Ort und Stelle …
Nein! Ich zwinge mich, diesen Gedanken nicht zuzulassen. Ein fremder ekliger Mann wird mich nicht auf den Straßen Englands meiner Unschuld berauben! Niemals!
Heiße Tränen laufen mir unaufhörlich die Wangen hinab, während er immer noch gewaltbereit mein Gesicht gegen die Wand drückt und meine Hände hinter meinem Rücken verschränkt.
»Damit hast du nicht gerechnet, was? Es war ganz schön dumm von dir zurückzukommen!«, säuselt er mir mit einer Arroganz ins Ohr, die mir erneut die Galle hochkommen lässt.
Ein plötzlicher scharfer Schrei durchbricht die Stille.
»Adiamos!«
So schnell, wie das Wort ertönt ist, lässt der Druck auf meinen Körper nach und ich kann spüren, wie ich langsam die Kontrolle über ihn zurückerlange. Panisch drehe ich mich um und sehe zwei dunkle Gestalten, in dicke schwarze Mäntel mit Kapuzen gehüllt, die Gesichter nicht zu erkennen. Und direkt neben mir meinen Angreifer, der nun selbst wie zu Stein erstarrt ist.
Seine Brust hebt und senkt sich schnell und seine Augen sind weit vor Schreck, aber er ist unfähig, sich zu rühren. Während die eine der beiden Personen ihre Hand weiter angestrengt ausgestreckt hält, tritt die andere schnellen Schrittes an den anscheinend völlig bewegungsunfähigen Mann heran.
Bevor ich begreifen kann, was da im Dunkeln verstohlen vor mir aufblitzt, durchtrennt die scharfe Klinge schon die Kehle des Mannes und ein grauenvolles ersticktes Gurgeln lässt eine dicke rote Flüssigkeit aus seinem Körper sickern. Blut!
Um ein Würgen zu unterdrücken, halte ich mir schützend die Hand vor den Mund. Augenblicklich sackt der Mann in sich zusammen und bleibt röchelnd und zuckend am Boden liegen.
Ich brauche einen Moment, um zu verstehen, was da gerade passiert ist, unterdrücke einen Aufschrei des Entsetzens und fange vor lauter Panik an zu laufen.
Weit weg von hier. Ich renne um mein Leben. Ich drehe mich nicht um, ich ignoriere das Brennen in meiner Lunge und meinen Beinen und renne, so schnell ich kann und so weit meine Füße mich tragen. Ohne Rücksicht auf andere Menschen sprinte ich los. Ich weiß nicht einmal, wohin ich laufe. Ich weiß nur, dass ich weit, weit wegmuss von diesem Ort.
Und ich weiß auch, dass ich mitten im Lauf bin, als mir plötzlich die Beine wegsacken und alles um mich herum schwarz wird.
Es dauert eine Weile, bis ich realisiert habe, wo ich mich befinde. Das Erste, was ich sehe, als ich die Augen öffne, ist ein dunkelgrünes Metallschild in Vintageoptik, auf dem der Spruch »Get more Coffee – freshly brewed« steht. Es hängt an einer cremefarbenen Wand, neben mehreren anderen Metallschildern, die alle ebenso wie das vor mir entweder wirklich sehr alt oder auf antik getrimmt sind.
Was zum Teufel mache ich hier?
Als ich mich von der Eckbank auf der ich liege, erheben will, durchzieht ein stechender Schmerz meinen Körper und meine Lunge fühlt sich an, als hätte ich die ganze Nacht in einem übervollen Pub mit Rauchern verbracht. Unwillkürlich muss ich mich räuspern und ein Husten unterdrücken, doch das führt nur dazu, dass mein Körper noch mehr schmerzt. Tränen treten mir in die Augen.
Was ist passiert? Warum verdammt noch mal liege ich allein hier in diesem Café?
Irgendwie bringe ich es zustande, meinen Oberkörper so weit anzuheben, dass ich einen Blick auf den Rest von mir erhaschen kann. Meine dunklen Leggings sind nass und dreckverschmiert, meine schwarzen Lederstiefel ebenso.
Zischend sauge ich die Luft ein, als ein erneuter Schmerz meinen Körper durchzuckt, diesmal allerdings von meinem Kopf ausgehend.
Automatisch fasse ich an die schmerzende Stelle und als ich eine dicke Beule an der rechten Seite oberhalb meines Ohrs ertaste, wird mir schlagartig bewusst, woher die Schmerzen kommen. Kaltes, halb getrocknetes Blut bleibt an meiner Hand zurück, als ich sie mit schmerzverzerrtem Gesicht von meinem Kopf nehme. Panisch sehe ich mich um.
Was zur Hölle mache ich hier? Was ist bloß passiert?
Das Dröhnen in meinem Kopf lässt langsam nach. Leise Geräusche kratzen allmählich zaghaft an meinem Bewusstsein. Jemand unterhält sich aufgeregt, aber mit deutlich gedämpfter Stimme. Ich bemühe mich, meine Augen offen zu halten und nicht wieder in die mit gierigen Klauen nach mir greifende Schwärze hinabzutauchen. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht.
Die Welt um mich herum beginnt erneut sich zu drehen. Diesen Kampf werde ich nicht lange aufrechterhalten können. Mit flackernden Lidern versuche ich der süßen Versuchung der sich ausbreitenden Dunkelheit zu widerstehen.
»Sie hat es gesehen, da bin ich mir sicher. Das war kein Zufall!«
