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Inspiriert von Warrior Cats, diese Geschichte handelt von dem jungen Kater Felix. Er meidet die Menschen und streift stetig durch den Wald. Als der junge Kater an einem Morgen auf Beutezug geht, geschieht etwas sehr Merkwürdiges. Er beobachtet gerade seine Beute, als plötzlich eine Katze mit unfassbarer Geschwindigkeit an ihm vorbeischießt. Dem Streuner Felix wird sofort bewusst, dass das, was er soeben gesehen hat, etwas verdammt Ungewöhnliches ist. Keine Katze kann so schnell laufen! Unauffällig verfolgt der junge Kater die Spur jener Katze, die er gerade noch so erkennt und Felix entdeckt jenseits seiner Vorstellungskraft ein tief verborgenes, blutiges, gefährliches und tödliches Geheimnis...
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Seitenzahl: 616
Veröffentlichungsjahr: 2021
THE VAMPIRE CATS
Die Schlacht beginnt
© 2021 Mimi Tyger
ISBN Softcover: 978-3-347-41532-4
ISBN Hardcover: 978-3-347-41533-1
ISBN E-Book: 978-3-347-41534-8
Druck und Distribution im Auftrag der Auto-rin: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany
unbearbeitetes Cover von: https://www.1zoom.me/en/wallpaper/525205/z380.6/640x960
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.
Diese Geschichte ist
für mich, für meine
Freunde, für meine
Familie und für
freudige Leser.
Mimi Tyger wurde am 05.08.2004 in Lutherstadt Wittenberg geboren. Im Alter von elf Jahren hat sie ihr erstes Gedicht geschrieben und seit der sechsten Klasse bringt sie weitere zu Papier. Ungefähr anderthalb Jahre später folgten die erste Kurzgeschichte und der Anfang dieser Buchreihe. Zuerst war es nur ein flüchtiger Gedanke, doch schnell entwickelte sich eine richtige Geschichte daraus. 2021 hat sie ihren erweiterten Realschulabschluss auf dem Gymnasium erreicht und macht zur Zeit ein freiwilliges soziales Jahr.
Die Hierarchie der Katzen
Lichtkatzen des VampirClans:
Anführer:
Reißzahn – großer, dunkelbrauner Kater mit weißem Bauch und Hals; sehr muskulös; bernsteinfarbene Augen
Stellvertretender Anführer:
Knochen – weißer, durchtrainierter Kater mit einem langen, grauen Streifen auf dem Rücken und hell blauen Augen; großer, buschiger Schwanz
Heilerin:
Mondblatt – cremefarben getigerte Kätzin mit braunen Augen und kurzen Schnurrhaaren; Mentorin von Taupfote
Auszubildender Heiler:
Taupfote – schlanker, hellgrauer Kater mit meeresblauen Augen
Krieger:
Vene – kleiner, braunschwarzer Kater mit hellblauen AugenAder – großer, blutroter Kater mit smaragdgrünen Augen und schneeweißen Pfoten; Mentor von GinsterpfoteSpinne – schwarzer Kater mit langen Beinen und gelben Augen; lange SchnurrhaareKratzer – helle, zierliche Kätzin mit vielen dünnen Streifen und dunkelblauen AugenKralle – grau getigerte Kätzin mit goldgelben Augen; Mentorin von NachtpfoteKlaue – muskulöser Kater mit Leopardenfell und bernsteinfarbenen Augen
Auszubildende Krieger:
Ginsterpfote – pechschwarzer Kater mit dunkelgrünen AugenNachtpfote – nachtschwarze Kätzin mit hellblauen Augen
Katzenmutter:
Nebel – hellgraue Kätzin mit vielen, dicht aneinander liegenden dunkelgrauen Streifen und sandfarbenen Augen; Mutter von Blutjunges, Aschenjunges und Frostjunges
Krieger im Ruhezustand:
Stern – nachtschwarzer, kleinerKater mit vielen kleinen, weißen Flecken und dunkelgrünen AugenSichel – hellbraune Kätzin mit einer weißen Gesichtshälfte in Form einer Mondsichel und bernsteinfarbene AugenNarbe – helle Kätzin mit vielen Kampfnarben und tiefblauen Augen
Schattenkatzen des VampirClans:
Anführer:
Schattenstern – grauer, fast schwarzer Kater mit durchtrainierten Muskeln und leuchtend gelben Augen
Stellvertretender Anführer:
Geißel – bleichweißer Kater mit kurzen Schnurrhaaren und Narben an der Schnauze; bleichblaue Augen
Heiler:
Regenblatt – unauffälliger, hellgrauer Kater mit hellblauen Augen; Mentor von Rabenpfote
Auszubildende Heilerin:
Rabenpfote – kleine, rabenschwarze Kätzin mit dunkelorangenen Augen
Krieger:
Stachel – großer, weißer Kater mit einigen Haarstietzen und dunkelgrünen Augen; Mentor von DonnerpfoteDorne – weiße Kätzin mit langen Schnurrhaaren und hellgrünen Augen; Mentorin von MottenpfoteBlitz – dunkelgrauer Kater mit einigen schwarzen, senkrechten Streifen und meeresblauen AugenRatte – schildpattfarbene Kätzin mit goldenen Augen und sehr langen SchnurrhaarenEinauge – einäugiger, sandfarbener Katermit vielen Kampfnarben und smaragdgrü nem Auge; Mentor von Tigerpfote
Auszubildende Krieger:
Donnerpfote – brauner Kater mit großen Pfoten und dunkelblauen AugenMottenpfote – hellbraun gescheckte Kätzin mit orangenen AugenTigerpfote – orange getigerter Kater mit langem Schwanz und blauen Augen
Katzenmutter:
Distel – cremefarbene Kätzin mit smaragdgrünen Augen und hellbraunen Flecken; Mutter von Wolkenjunges, Kampfjunges, Löwenjunges und Flussjunges
Streuner:
Felix – flammenfarbener Kater mit langem Fell und langen Schnurrhaaren, smaragdgrünen Augen und schneeweißen Pfoten
Flecky – schildpattfarbene Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen und kurzen Schnurrhaaren
Miyuki – orange-weiße Kätzin mit hellgrünen Augen und großen Ohren [Mutter von Felix und Fle-cky]
PROLOG
DIE NACHT ERSCHEINT tief dunkel und der Vollmond leuchtet nur schwach durch die nebligen Wolken. Es ist kühl und man kann kaum die eigene Pfote vor Augen sehen. Die Lichtkatzen des VampirClans brechen auf, um die Schattenkatzen anzugreifen. Als Vampire verfügen sie über die Fähigkeit, in der Dunkelheit so deutlich wie bei Tageslicht sehen zu können. Schon bald erreichen sie die Grenze beider Territorien und springen nacheinander über den Fluss, der die beiden Gebiete voneinander trennt. Nahezu lautlos schleichen sie durch den dunklen Nadelwald, der den Schattenkatzen gehört.
Nicht mehr weit vom Lager der Schattenkatzen entfernt halten die Lichtkatzen an. Sie sehen bereits die hohen Dornenwände, die das feindliche Lager umschließen und gehen noch ein letztes Mal die Strategie ihres Angriffs durch.
Reißzahn flüstert zu seinen Kriegern: „Knochen, du schleichst dich vorsichtig zu ihrem Lager vor und prüfst, ob alle tief und fest schlafen. Vene und Ader, ihr lauft lautlos um das Lager herum, springt dann über die Dornenwand und greift die Schattenkatzen von hinten an. Kratzer, Spinne, greift unsere Feinde seitlich an, während ich zusammen mit Klaue diese Aasfresser von vorne attackiere, sobald wir uns alle innerhalb ihres Lagers befinden. Fangen wir an!“
Nachdem Reißzahn alles noch einmal erklärt hat, wollen sich die Krieger gerade in ihre Gruppen aufteilen, als ihnen etwas auffällt: Es ist verdächtig ruhig. Die Krieger können das Schnarchen der Schattenkatzen nicht hören.
„Hier stimmt doch etwas nicht. Sonst schnarchen die Schattenkatzen doch lauter als Dachse!“, haucht Vene vorsichtig zu Ader. „Warum hören wir sie nicht…?“
„Du hast Recht. Es scheint beinahe so zu sein, als würden hier alle auf uns warten…“, erwidert der blutrote Kater.
Kaum hat er diesen Satz ausgesprochen, ertönt plötzlich aus den Büschen in ihrer Umgebung ein leises Knurren und Fauchen, welches zunehmend lauter wird. Auf einmal schießen mit einem lauten Kreischen ihre Feinde aus ihren Verstecken hervor und umzingeln die Lichtkatzen von allen Seiten. Ihr Anführer Schattenstern steigt blitzschnell auf einen Findling.
„Ach Reißzahn, du glaubst doch nicht ernsthaft daran, dass ihr uns angreifen könntet und wir nichts davon wüssten?“, fragt er verächtlich den Anführer der Lichtkatzen.
Anstelle von Reißzahn entgegnet ihm Knochen: „Woher solltet ihr elendigen Sadisten auch wissen, dass wir euch angreifen?!“
Als der weiße Kater diesen Satz sagt, sehen die Schattenkatzen, dass Geißel in der Dunkelheit finster in sich hinein lächelt.
Unangekündigt greift eine der Schattenkatzen an. Schattenstern stürzt sich mit einem gewaltigen Flugsprung auf Reißzahn. Dieser knurrt laut und springt ihm mit voller Kraft entgegen. Die beiden Kater kommen auf dem Boden auf und verwickeln sich in ein fauchendes und kämpfendes Knäuel. Fellfetzen und dicke Haarbüschel fliegen durch die Luft und Blut spritzt auf ihre Umgebung und ihre Pelze.
Schließlich gelingt es Schattenstern, seinen Feind auf dem Boden festzukrallen. Mit Schwung reißt er seine rechte Vorderpfote in die Luft. Kaum einen Wimpernschlag später lässt er diese unkontrolliert auf Reißzahns Brustkorb niederdonnern. Ein ekelhaftes Geräusch von knackenden Knochen durchschneidet die Luft. Der Anführer der Lichtkatzen kreischt schrill vor lauter Schmerzen.
Unerwartet beugt sich Schattenstern langsam zu ihm herunter und flüstert ihm bedrohlich ruhig ins linke Ohr: „Ich hoffe, dass du ganz langsam und qualvoll verreckst. So kann ich meine lang ersehnte Rache in vollen Zügen genießen.“
Der skrupellose Kater will seine Pfote gerade erneut in die Luft schwingen, um Reißzahn die Kehle herauszureißen. Sein Feind kommt ihm jedoch zuvor. Reißzahn, der auf dem Rücken liegt, rollt sich augenblicklich auf seine Schultern und stößt Schattenstern mit einem kraftvollen Tritt seiner Hinterläufe gegen seinen Bauch von sich. Der Anführer der Schattenkatzen wird rückwärts durch die Luft geschleudert. Allerdings landet dieser mit einer geschickten Drehung wieder auf seinen Pfoten. Sofort stürmt der skrupellose Kater zu einem weiteren Angriff vor.
Sogleich springt Knochen zu Stachel und holt mit einer seiner Vorderpfoten ordentlich Schwung, um seinen Feind zu Boden zu schlagen. Leider reagiert er zu früh. Der Schattenkater sieht die Pfote auf sich zu schnellen. Er duckt sich problemlos darunter weg und wirft sich auf seinen Rücken, damit er Knochen brutale und gefährliche Bauchwunden zufügen kann. Dieser jault qualvoll auf, als er spürt, wie die scharfen Krallen von Stachel seine Haut mühelos durchbohren. Dunkles Blut spritzt geräuschvoll auf das vom Nebel feuchte Gras und die feuchte Erde. Ohne Zeit zu verlieren, befreit sich der Lichtkater aus den Fängen seines Feindes. Augenblicklich steht er wieder auf seinen Pfoten und schmettert seine Krallen gegen Stachels Schnauze. Dabei reißt er ein paar Hautfetzen mit herunter. Stachel faucht wütend und ist für einen winzigen Moment abgelenkt. Knochen nutzt diese einmalige Gelegenheit und springt dem Schattenkater auf den Rücken.
Vene und Ader bekämpfen gemeinsam Einauge. Obwohl die beiden Kater zu zweit sind, haben sie große Schwierigkeiten, gegen ihren Feind anzukommen, denn Einauge zählt zu einem der erfahrensten und gefährlichsten Krieger der Schattenkatzen. Erst nach einer Weile gelingt es ihnen, den Schattenkater in die Enge mehrerer Baumstämme zu drängen. Wider Erwarten macht sich Einauge seine übernatürlichen Fähigkeiten zu nutzen. Er drückt sich schwungvoll vom Boden ab, dreht sich im Sprung und krallt sich anschließend in dem harten Holz eines Baumes fest.
Vene setzt zu einem Flugsprung an, während Ader auf Hinterhalt zurückgreift, senkrecht den Baumstamm hochzulaufen, um seinen Feind von hinten zu erreichen und zu überraschen.
Genau in dem Moment, als Vene und Ader fast bei Einauge sind, springt dieser von dem Baumstamm ab und gleitet über die Köpfe seiner Feinde hinweg. Demzufolge prallt Vene unsanft gegen die harte Rinde des Baumes und schafft es nur knapp, sich festzukrallen, um nicht herunterzufallen. Die beiden Freunde wollen nun wieder zurück nach unten, doch Einauge hindert sie daran. Er springt erneut in die Luft, allerdings dieses Mal senkrecht nach oben. Auf der Höhe von Ader und Vene hält er an und bleibt in der Luft stehen. Herzlos zerfetzt er den beiden ihre Ohren, bevor sie überhaupt realisieren, was mit ihnen geschieht.
Durch das überraschende Handeln ihres Feindes verlieren die Lichtkater ihren Halt am Baumstamm und stürzen unaufhaltbar nach unten. Ungebremst fallen sie auf ihre Flanken. Ader schlägt mit seinem Kopf auf einen Stein und verliert sofort das Bewusstsein. Vene rappelt sich in Windeseile auf und versucht verzweifelt, seinen Freund aufzuwecken, während sich zu Einauge noch Dorne gesellt. Der braunschwarze Kater hat keine Zeit, groß nachzudenken, als auch schon beide Schattenkatzen auf ihn zu stürmen. Im allerletzten Moment, bevor die beiden Feinde ihn zerfleischen, kommt Kralle mit übernatürlicher Geschwindigkeit auf ihn zugeeilt. Seite an Seite kämpfen die beiden entschlossener denn je gegen Einauge und Dorne, denn sie wollen Ader unbedingt beschützen.
Kralle beißt Einauge so fest von hinten in seinen buschigen Schwanz, dass Blut aus der Bisswunde trieft. Nur mit Mühe kann sie ihrem Verlangen nach Blut widerstehen. Einauge muss sich nun erst einmal umdrehen, um seine Feindin anzugreifen.
Vene krallt sich inzwischen mit aller Kraft in Dornes Rücken fest. Bereits in der kurzen Zeit des Kämpfens ist das Umfeld der vielen Vampire in Blut getränkt.
Einauge schafft es, sich von Kralle loszureißen und kratzt ihr als Antwort die gesamte Schnauze blutig. Die Lichtkätzin faucht und plant, an das Genick ihres Feindes heranzukommen. Sie hat vor, ihn dort zu beißen. Sobald das eigene Vampirgift in den Organismus eines anderen Vampirs gelangt, beginnt es, diesen Körper für eine Weile zu lähmen. Kralle stürzt sich zu ihrem eigenen Unglück zu früh auf ihren Feind. Einauge weicht ihrem Sprung aus, springt aber gleichzeitig mit ausgestreckten Vorderpfoten los und schmettert die Lichtkätzin gegen einen Baumstamm. Kralle bleibt die Luft weg. Der Schattenkater kann sie also ohne Schwierigkeiten weiterhin dagegen halten. Mit seiner rechten Vorderpfote drückt er auf ihre Kehle, um sie langsam und qualvoll zu erwürgen. Es geht doch nichts über einen grausamen und sadistischen Mord…
„Netter Versuch, Kralle, aber du solltest bedenken, dass ich dir bei weitem überlegen bin. Das hier dient als Erinnerung“, sagt Einauge verärgert und drückt jetzt noch fester auf ihren Kehlkopf, ein erstickendes Krächzen entweicht daraufhin seiner Feindin. „So ist es schon viel besser.“
Kralle würde ihm jetzt am liebsten den Kopf abreißen, wenn sie sich bewegen könnte.
Plötzlich kommt ein großer Schatten ziemlich schnell näher. Der Lichtkätzin gefriert das Blut in den Adern, denn sie kann nicht erkennen, um wen es sich handelt, weil Einauge ihr die Sicht versperrt. Unerwartet wird Einauge von dem Schatten ruckartig nach hinten gezogen. Keuchend schnappt Kralle nach Luft und kommt mit ihren Vorderpfoten wieder auf dem Boden auf. Erleichtert erkennt sie ihren Freund Ader. Er hat sein Bewusstsein selbstständig wiedererlangt und konnte somit der Lichtkätzin rechtzeitig zu Hilfe eilen.
„Danke…“, stöhnt Kralle etwas außer Puste.
Doch keine Freude währt ewig. Einauge hat sich von seinem Schock erholt und greift die beiden Katzen sofort wieder an.
Auch alle anderen Vampire sind wild in diese grausame Schlacht verwickelt. Lautes Gekreische ertönt aus allen Richtungen, Haut zerreißt, Blut spritzt in Massen auf die Erde und weicht diese auf.
Reißzahn hat es endlich geschafft, sich von Schattenstern zu lösen. Sein gesamtes Fell ist von Schmutz und Blut verunreinigt. Entsetzt erkennt er, dass es für jeden einzelnen seiner Krieger sehr schlecht aussieht. Laut ruft er durch den Lärm, der durch das wilde Kämpfen verursacht wird: „Lichtkatzen! Wir können diese Schlacht nicht mehr gewinnen! Ziehen wir uns zurück!“
Seinen Kriegern gelingt es nur mit Mühe, sich freizukämpfen. Anschließend laufen sie so schnell wie möglich, mit zahllosen Wunden übersät, nach Hause.
Geißel ruft ihnen noch heimtückisch hinterher: „Haut nur ab, ihr beschissenen Feiglinge und greift uns nie wieder an! Dieser Wald gehört einzig und allein uns!“
Die Schattenkatzen brechen in ein fieses Gelächter aus und Blitz flüstert leise zu Schattenstern: „Sie haben nicht die geringste Ahnung, dass wir ihnen immer einen Schritt voraus sind…“
Nicht viel später befinden sich die Lichtkatzen bereits zuhause. Als sie durch den verborgenen Eingang das Lager betreten, werden sie von Mondblatt empfangen, die sich auf Kräutersuche begeben will. Die Heilerin will Reißzahn gerade fragen, weshalb sie wieder so früh zurück sind, als sie inne hält. Alle Krieger sind blutüberströmt.
„Beim hellen Mondschein!“, miaut sie entsetzt. „Was ist denn mit euch passiert?!“
„Die Schattenkatzen hatten uns… bereits erwartet…“, antwortet Reißzahn völlig atemlos. „Unsere Krieger… Wir, wir sind alle extrem stark verletzt… Die Schattenkatzen wussten irgendwoher… dass wir angreifen würden… Dadurch… waren sie uns gegenüber… im Vorteil…“
Aufgrund seiner vielen schmerzenden Verletzungen bricht Reißzahn vor seinen Kriegern und seiner Heilerin zusammen. Mondblatt ist erschüttert und stürmt sofort in ihren Heilerbau, der verborgen in einem riesigen Felsen liegt. Die Heilerin will schnellstmöglich alle notwendigen Kräuter holen, um den Heilprozess von Reißzahns Brustbein anzureizen, damit er nicht verblutet. Gleichzeitig heben Knochen und Kratzer mit Hilfe der anderen Krieger ihren Anführer auf ihre Rücken und tragen ihn zur Mitte des Lagers. Ohne zu zögern begleiten auch die restlichen Krieger die beiden. Klaue und Spinne eilen voraus und beseitigen alle möglichen Stolperfallen.
Als die Krieger die Mitte des Lagers erreichen, legen Knochen und Kratzer ihren Anführer behutsam auf der weichen Erde ab. Alle Krieger treten beiseite, als sie sehen, dass Mondblatt mit den richtigen Kräutern zu ihnen kommt.
Reißzahn liegt stöhnend auf seiner rechten Flanke und Mondblatt betastet nun äußerst vorsichtig mit ihrer linken Vorderpfote den Bruch. Dann nimmt sie die verschiedenen Kräuter in ihr Maul. Sie zerkaut die Blüten einer Vampirblume, ein wenig Beinwell und einige Mäuseknochen zu einer Paste. Die Heilerin bittet Ader, den Anführer der Lichtkatzen an seiner linken Schulter festzuhalten, damit er sich nicht wegdrehen kann. Ader geht dem nach und Mondblatt schneidet Reißzahn mit einer ihrer Krallen vorsichtig den Bereich seines Brustbeines auf. Anschließend schiebt sie die beiden Hauthälften auseinander. Der Anführer keucht und stöhnt vor Schmerzen und verkrampft sich, seine Augen werden glasig. Doch die cremefarbene Kätzin arbeitet unbeeinflusst und konzentriert weiter. Einen Moment später spuckt sie die Heilpaste auf ihre linke Vorderpfote und schmiert diese auf das gebrochene Brustbein. Dann schiebt die Heilerin den kaputten Knochen wieder richtig zusammen und legt auch die Hauthälften wieder nebeneinander.
Langsam streicht Mondblatt über die übrige Schnittwunde. Ein Kribbeln breitet sich in ihrer Pfote aus. Dank ihrer Heilkräfte, der Kräuter kombiniert mit den Mäuseknochen und der schnellen Regenerationskraft eines Vampirs verheilt der Knochenbruch innerhalb weniger Wimpernschläge. Die Wunde verschließt sich soeben, sodass nur eine hauchdünne Narbe zurückbleibt.
Reißzahn erhebt sich schließlich vorsichtig auf seine Pfoten und richtet sich wieder auf.
Völlig unerwartet empfängt Mondblatt eine Nachricht der Natur. Nur ein vollständig ausgebildeter Heilervampir ist dazu imstande, weil sie vollkommen eins mit der Natur sind. Der Wind haucht ihr leise folgende, geheimnisvolle Worte ins Ohr ein: „Nehmt die lodernde Flamme bei euch auf und stellt so den Frieden eures gespaltenen Clans wieder her…“
Laut wiederholt die cremefarbene Kätzin diese Worte: „Nehmt die lodernde Flamme bei euch auf und stellt so den Frieden eures gespaltenen Clans wieder her…“
Die anderen Lichtkatzen sehen Mondblatt mit weit aufgerissenen Augen an. Weil sich Reißzahn noch ein wenig erholt, spricht Knochen verwirrt das aus, was ihnen alle durch die Köpfe geht: „Wie soll uns eine Flamme denn bitte Frieden geben…?“
1. KAPITEL
DER WALD IST gelichtet und warme Sonnenstrahlen durchdringen das dichte Laub der Baumkronen.
Der junge Streuner Felix streift durch den Wald auf der Suche nach etwas Beute. Er erreicht gerade den Rand des Waldes und sieht, dass er sich schon viel zu nah an dem kleinen Dorf der Menschen befindet. Sofort kehrt er in den riesigen Wald zurück, denn er versucht, den Menschen bestmöglich aus dem Weg zu gehen. Traurigkeit schimmert in seinen smaragdgrünen Augen.
Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte Felix noch bei den Menschen sein Zuhause. Er war ein kleines Junges und lebte in einem schönen und gemütlichen Haus mit seiner Familie. Dem kleinen Kater ging es sehr gut, denn seine Mutter hatte ihn und seine Schwester immer ausreichend mit Muttermilch versorgt. Hin und wieder brachte sie ihnen auch mal eine Maus oder einen jungen Sperling zum Kosten mit. Felix freute sich dann besonders, denn er mochte den puren und frischen Geschmack des Fleisches seit seinem ersten Bissen. Nur von seinem Vater fehlte jede Spur…
Oft spielten die beiden Geschwister Spiele zusammen, wie „Fang Mamas Schwanz!“ oder kämpften spielerisch miteinander im Katzenkörbchen: Wer zuerst hinausfiel, hatte verloren!
Felix liebt seine kleine Familie über alles und er konnte sich ein Leben ohne sie niemals vorstellen.
Der junge Kater war schon immer sehr neugierig. An einem etwas kühleren Tag beschloss er, den Waldrand zu erkunden. Seine Mutter putzte gerade seine Schwester und so hatte niemand mitbekommen, was er vorhatte. Auch der alte Mensch, der in diesem Haus wohnte, hatte nichts bemerkt. So hatte sich Felix unbemerkt aus dem Staub gemacht. Lautlos schlich das Katzenjunges durch die Katzenklappe und erkundete erst den kleinen Garten, der das Haus umgab, bevor er entschied, sich vorsichtig dem Waldrand zu nähern.
Neugierig und fasziniert beobachtete Felix einen wunderschönen Schmetterling, der nicht weit von ihm entfernt auf einem winzigen Kieselsteinchen saß. Weil der kleine Kater ein langes, flammenfarbenes Fell besitzt, versuchte er, sich im etwas höheren Gras zu verstecken. Langsam näherte er sich dem Schmetterling. Dann sprang Felix mit einem großen Satz nach vorn und wollte das etwas unruhige Insekt fangen. Unglücklicherweise trat er beim Absprung auf einen dünnen Zweig. Ein knackendes Geräusch war zu hören und der Schmetterling schreckte auf. Aufgescheucht flatterte dieser in den Wald hinein.
Das Katzenjunges fing mit seinen kleinen Pfötchen nur das Kieselsteinchen. Augenblicklich vergaß Felix, dass seine Mutter ihm gesagt hatte, dass er niemals weiter als bis zum Waldrand gehen durfte. Deshalb verfolgte der kleine Kater den Schmetterling, und rannte in den Wald hinein. Er war zwar schneller als andere Jungen, aber er konnte das Insekt einfach nicht erwischen. Felix folgte ihm immer weiter und bemerkte nicht, wie weit er sich bereits von seinem Zuhause entfernt hatte. Es zog ihn auf eine unerklärliche Weise in den Wald hinein.
Auf einmal stolperte das Katzenjunges über die Wurzel eines großen Baumes und verlor dadurch den Schmetterling aus seinem Blickfeld. Verwirrt rappelte sich der kleine Kater wieder auf und schaute sich um. Erschrocken musste er feststellen, dass er sich vollkommen verlaufen hatte. Felix wusste nicht einmal mehr, welchen Weg er gerannt war. Es fiel ihm sehr schwer, sich zu orientieren. Hungrig geworden und verzweifelt versuchte das Katzenjunges, etwas Beute zu fangen, denn das letzte, was er heute gefressen hatte, war ein winziger Bissen Wühlmaus. Doch wie seine Jagd auf den Schmetterling blieb auch diese völlig erfolgslos.
Seit diesem Tag an kämpft sich Felix durch das harte Leben in der Wildnis. Der kleine Kater tat sich zuerst sehr schwer darin, etwas Fressbares zu fangen oder zu finden, denn seine Mutter hatte es ihm und seiner Schwester noch nicht zeigen können. Erst nach drei Tagen konnte er eine verletzte Amsel fangen und endlich etwas fressen.
Aufgrund von Felix‘ mangelnden Erfahrungen kam es nicht selten vor, dass er an vielen Tagen nur sehr wenig oder gar nichts zu sich nahm. Der kleine Kater suchte trotz Beutemangel, Unterernährung, kalten Nächten und einigen kleinen Verletzungen weiter nach seinem Zuhause.
Erst nachdem schon ein Mond vergangen war, schaffte es das Katzenjunges, den Weg zurück nach Hause zu finden. Müde, erschöpft und völlig entkräftet setzte er sich vor die Tür seines Zuhauses. Mit letzter Kraft kratzte und miaute Felix an der Tür, bis sie sich endlich öffnete. Die Katzenklappe war nämlich aus irgendeinem Grund von innen verriegelt worden. Doch es war nicht sein alter Mensch, der ihm die Tür öffnete, sondern ein junger, den er nicht kannte.
Der junge Mensch trat auf die Türschwelle. Dann schaute er herab und erblickte den kleinen Kater mit hasserfüllten Augen. Verwirrt guckte Felix zwischen seinen Beinen hindurch, um nach seiner Familie zu sehen, doch er konnte weder seine Mutter noch seine Schwester finden. Entsetzt roch das Katzenjunges frisches Blut und bemerkte kurz darauf die roten Flecken an den Beinen des jungen Menschen. Dieser hielt einen silbernen Gegenstand in einer seiner Hände. Auch diese war in Blut getränkt.
Plötzlich begann der fremde Mensch, irgendetwas auszusprechen, doch Felix konnte ihn nicht verstehen. An seiner Stimme erkannte er allerdings, dass der Mensch ihn gehörig anbrüllte. Gleichzeitig holte er mit einem Bein gewaltig Schwung, die Augen des kleinen Katers weiteten sich vor Angst. Vor Schock und Erschöpfung gelähmt war das Katzenjunges bewegungsunfähig. Einen Augenblick später krachte auch schon die Fußspitze des Menschen in seine rechte Flanke hinein und beförderte ihn an den Rand des Gartens. Während der junge Mensch mit einem lauten Knall die Tür hinter sich zuwarf, schlug Felix mit seinem Kopf gegen einen Baumstamm. Durch seinen entkräfteten Körper, die Angst und seine Schmerzen verlor er sein Bewusstsein.
Als es bereits mitten in der Nacht war und heftig regnete, wachte Felix mit brummendem Kopf wieder auf. Dieser dröhnte erbarmungslos und sein Fell war völlig durchnässt. Er fror bis auf die Knochen und brachte sich nur mühselig wieder auf die Pfoten. Der kleine Kater machte sich auf die Suche nach einem Unterschlupf.
Seit dem Zeitpunkt, als Felix den Schmetterling fangen wollte, sah er seine Familie nie wieder. Er geht davon, dass der junge Mensch seine Mutter und seine Schwester getötet hat. Es brach ihm das Herz und eine unendliche Traurigkeit füllt seine Seele. Der kleine Kater hatte auch sein Zuhause verloren, aber das war ihm egal. Er wollte einfach nur bei seiner Familie sein. Fast jeden Tag weinte er wegen seines unberührbaren Verlustes. Das Katzenjunges war damals erst drei Monde alt. Und genau das ist der Grund, weshalb Felix den Menschen nie wieder vertrauen wird.
Vorrübergehend hatte der junge Kater einen kleinen Unterschlupf in einer verlassenen Erdhöhle, allerdings ist diese nach kurzer Zeit eingestürzt. Seither streift er ganz auf sich allein gestellt durch Wald und sucht nach einem neuen Zuhause.
Mittlerweile ist Felix schon fünf Monde alt. Weil er seit rund drei Monden in diesem Wald lebt, haben sich seine Jagdtechniken erheblich verbessert. Leise, nahezu lautlos schleicht der junge Kater durch das feuchte Gras, denn es ist noch sehr früh am Morgen. Er achtet darauf, dass sein flauschiger Schwanz nicht über den Boden wischt.
Es dauert überraschenderweise nicht sehr lang und Felix hört in seiner Nähe einen Sperling zwitschern. Vorsichtig geht der junge Kater auf den Vogel zu. Trotz seiner Fellfarbe bleibt er unauffällig. Er kann sich einwandfrei konzentrieren. Als Felix den Sperling fast erreicht hat, duckt er sich und nimmt eine Sprungposition ein. Im nächsten Moment drückt er sich ab und gleitet, ohne ein Geräusch zu verursachen, durch die Luft. Dieser reicht weiter als erwartet, aber der junge Kater hat dennoch keinerlei Schwierigkeiten. Er landet mit seinen Vorderpfoten auf dem Vogel und bricht ihm mit einem schnellen Biss das Genick, sodass das Tier nicht leiden muss. Der Sperling erschlafft in seinem Maul. Felix kauert sich nieder. Er verspürt einen immensen Hunger. Das ist das erste Beutetier, das er in den vergangen zwei Tagen finden konnte. Schnell verputzt der junge Kater den Vogel, aber dieser kann sein Hungergefühl nicht vollständig befriedigen. Felix entscheidet sich deshalb, noch einmal auf die Jagd zu gehen. Er hat Glück, denn in seiner unmittelbaren Umgebung wittert er eine Maus.
Auf den Spitzen seiner Ballen nähert sich der junge Kater seiner Beute. Fast hat er das Tier erreicht, doch plötzlich schießt aus dem Nichts eine nachtschwarze Kätzin von hinten an ihm vorbei. Die Katze rennt so wahnsinnig schnell an ihm vorbei, dass Felix nur einen dunklen Schatten wahrnimmt.
Vermutlich ist sie ebenfalls auf der Jagd. Oder war es…, denkt er.
Der junge Kater ist von ihrer Schnelligkeit jedoch so überrascht, dass er gar nicht mitbekommt, dass seine eigene Beute längst verschwunden ist. Felix versteht einfach nicht, wie es für eine Katze nur möglich sein kann, so verdammt schnell zu rennen. Es scheint so, als wäre hier etwas Übernatürliches am Werk…
Die Kätzin, die so schnell vorbeigesaust ist, hat eine kaum mit den Augen zu sehende Spur hinterlassen. Zuerst muss Felix noch überlegen, ob er der Spur folgen soll oder nicht, aber durch seine Neugier fällt ihm die Entscheidung nicht sonderlich schwer.
Unauffällig und vorsichtig verfolgt der junge Kater die Spur der blitzschnellen Kätzin. Weil sie so schnell an ihm vorbeigerauscht ist, liegen ihre einzelnen Pfotenabdrücke ziemlich weit auseinander. Dadurch hat es Felix nicht ganz so einfach, ihre Spur aufzunehmen, denn seine Nase kann ihren Geruch nicht einfangen, weil dessen Intensität nicht genügt. Doch er will keinesfalls aufgeben.
Tiefer und tiefer führen ihn die Pfotenabdrücke in den Wald hinein, bis zu einer Stelle, wo der junge Kater noch nie zuvor gewesen ist. Er hätte es niemals für möglich gehalten, dass dieser Wald über so eine gewaltige Fläche verfügt.
Unerwartet endet die Spur abrupt vor einem gigantisch großen Baum, der vermutlich der größte des gesamten Waldes ist. Der Baumstamm hat unten eine breite, auseinander gehende Öffnung, die noch ein gutes Stück bis über Felix‘ Kopf reicht.
Durch das unerwartete Enden der Spur ist der junge Kater verwirrt und stolpert über eine der sichtbaren Wurzeln des Riesenbaumes. Etwas unsanft plumpst er auf seinen Bauch. Sofort steht Felix wieder auf, um herauszufinden, ob die Spur woanders weitergeht. Allerdings kann er nirgendwo etwas entdecken, als er um sich schaut. Er schließt kurz seine Augen, während ein leichter Windstoß die oberflächlichen Abdrücke der Pfoten wegpustet. Als Felix seine Augen wieder aufschlägt, wirkt es so, als wäre niemand hier gewesen.
Wahrscheinlich habe ich mir das alles nur eingebildet…, denkt er enttäuscht.
Schließlich entfernt sich der junge Kater ein kleines Stück von dem gigantischen Baum und dessen Baumhöhle. Doch dann macht er kehrt und läuft zurück, weil er glaubt, dass sich etwas innerhalb der Baumhöhle bewegen würde. Vorsichtig stellt er sich erneut vor die große Baumhöhle. Felix fixiert seinen Blick auf die hintere Höhlenwand. Tatsächlich flimmert dort etwas. Als er noch etwas weiter nach vorne rückt und zur Hälfte mit seinem Körper in der Baumhöhle steht, traut der junge Kater seinen Augen nicht.
Die flimmernde Fläche beginnt sich vor Felix‘ smaragdgrünen Augen zu verändern und zu verformen. Das Flimmern wird größer und nimmt die Gestalt eines ungefähr katzengroßen, runden und leuchtenden Portals an. Dieses öffnet sich daraufhin und der junge Kater erkennt dahinter einen dünnen, von Gras umgebenen Pfad.
Mit höchster Faszination und gewaltiger Neugier drückt sich Felix vom Boden ab und springt auf das geöffnete Portal zu, denn er will wissen, was sich alles dahinter verbirgt und ob er dort die nachtschwarze Kätzin findet. An mögliche Gefahren denkt er allerdings überhaupt nicht…
Während der junge Kater durch das Portal gleitet, kann er deutlich spüren, dass sich etwas verändert. Als er anschließend auf dem Boden der anderen Seite des Portals aufkommt, sind die Veränderungen des Waldes auch zu sehen. Felix nimmt die Aura des Waldes auf einmal ganz anders wahr. Für ihn fühlt es sich ungewohnt, aber auch irgendwie sehr vertraut an. Er bemerkt jedoch nicht, dass sich das Portal hinter ihm wieder schließt und dann verschwindet…
Die zahlreichen Büsche, Bäume, Sträucher und auch die anderen Pflanzen haben äußerst viele, unterschiedliche und ungewöhnliche Farbverläufe: Die Blätter verlaufen von hellen und warmen Blattgrüntönen bis ins tief dunkelste Nachtgrün, welches diese geheimnisvolle Aura des Waldes besonders gut widerspiegelt. Die Vielzahl dieser Pflanzen strahlt etwas Gefährliches und Ungewöhnliches aus. Dieser Bereich des Waldes, den das Portal von dem restlichen Wald trennt, wirkt aufgrund seiner intensiven Verborgenheit auf den jungen Kater so, als dürfte ihn niemals irgendjemand jemals finden sollen.
Die Luft des Waldes riecht wunderbar nach frischem Blattsaft und ein kleines bisschen nach feuchter Erde. Die vielen Eindrücke wirken auf Felix überwältigend: etwas unheimlich, angespannt, faszinierend, mysteriös, neugier- und interesseweckend… Er ist überzeugt, dass er hier die Antworten zu seinen Fragen finden wird und so manches Geheimnis lüftet.
Obwohl der junge Kater hier noch nie gewesen ist, empfindet er keine Angst. Voller Aufregung, Neugier und dem Gefühl, etwas Großartiges entdeckt zu haben, genießt er noch einen Moment die Aura des Waldes. Schließlich gleitet sein Blick zu dem Pfad, den Felix nun hervorragend sehen kann. Etwas erstaunt hat er jetzt keine Schwierigkeiten, die Spur der Kätzin zu sehen und er kann nun sogar ihren Duft wahrnehmen. Neben einer angenehmen Note von etwas Blattsaft und Erde bemerkt der junge Kater in seiner feinen Nase auch einen unverwechselbaren Geruch. Frisches Blut kitzelt ihn in seiner Nase. Allerdings riecht dieses Blut irgendwie anders. Es erscheint ihm süßer und hat auf ihn eine verlockende Wirkung. Unbewusst öffnet Felix seine Schnauze einen Spalt breit und fährt sich mit seiner Zunge über die Lippen.
Wie dieses Blut wohl schmecken mag…?, überlegt er.
Erst danach realisiert der junge Kater seinen Gedanken.
„Bitte an was habe ich gerade gedacht?!“, miaut Felix überrascht und schüttelt seinen Kopf, um wieder klar denken zu können. Er hat keine Ahnung, wie er auf so einen absurden Gedanken gekommen ist.
Der junge Kater folgt nun der Spur der nachtschwarzen Kätzin, von der der seltsame Blutgeruch ausgeht. Er gibt darauf Acht, dass er auf keine Zweige oder Ähnliches tritt, das ihn verraten könnte. Felix nimmt soeben wahr, dass die Abstände zwischen den Pfotenabdrücken kleiner werden.
„Die Katze, wer auch immer sie ist, hat wohl angenommen, dass sie mich losgeworden ist…“, murmelt der junge Kater leise.
Schon bald haben die vielen Abdrücke ihrer Pfoten wieder einen normalen Abstand. Felix bleibt stehen und senkt seine Nase auf den Boden, um erneut an der Fährte zu riechen. Ihre Geruchsspur gewinnt an Intensität. Er nimmt an, dass er die Kätzin bald erreichen wird. Jedoch führt ihn die Spur immer weiter und tiefer in den verborgenen Bereich des Waldes hinein. Der junge Kater überwindet viele verwilderte und ineinander geschlungene Pflanzen, die er nicht kennt, damit er die Fährte weiterhin verfolgen kann.
„Au!! Das brennt ja!“, jault Felix, als er auf einen spitzen Dornen irgendeiner sich über den Boden windenden Pflanze tritt. Die Schmerzen vergehen relativ schnell wieder, aber dafür macht sich ein seltsames Kribbeln in seiner rechten Pfote breit. „Wird schon wieder…“
Allerdings fragt er sich, wie es die Kätzin geschafft hat, durch dieses verwilderte Gestrüpp zu kommen, ohne sich dabei zu verletzen. Mit einem anhaltenden Kribbeln in seiner Pfote kämpft sich der junge Kater durch die verschlungenen Dornenranken. Diese werden immer dichter und kurz darauf befindet er sich inmitten eines enorm langen, breiten und gewaltigen Ginsterbusches. Felix kann in diesem Wirrwarr nur ihre Geruchsspur erkennen. Alle paar Male schielt er zum Boden, aber auf der weichen Erde befinden sich keine Pfotenabdrücke.
Schließlich hat es der junge Kater geschafft, an das Ende des riesigen Gestrüpps zu gelangen. Als er sich wieder außerhalb davon befindet, verläuft die Fährte der Katze ein paar Schritte vor ihm weiter, als wäre sie über diesen riesigen Ginsterbusch hinweg gesprungen. Wie das wohl funktionieren soll…?
Felix kommt erst nach einer ganzen Weile an einer Stelle des Waldes an, die etwas weniger dicht und verwuchert ist. Etwas erleichtert atmet er durch. Als der junge Kater noch ein gutes Stück weiter geht, kommt er auf eine große, runde Lichtung zu, die von vielen großen, stacheligen Sträuchern und Dornenbüschen umgeben ist. Unauffällig läuft er ein klein wenig schneller auf die pieksigen Gewächse zu, bis er nur noch ein paar Schritte davor stehen bleibt, um sich nicht an den vielen Dornen zu verletzen. Diese Dornenbarriere ist jedoch zu dicht, als dass Felix etwas dadurch erkennen könnte. Also beschließt er, vorsichtig dieses Versteck an den Dornenbüschen entlang zu umrunden. Bereits nach kurzer Zeit findet der junge Kater ein etwa katzenkopfgroßes Loch in einem mit weniger Stacheln und Dornen gewachsenen Strauch. Zwei Schritte vor dem Loch macht er halt und setzt sich lautlos auf die weiche und kühle Erde. So kann er perfekt hindurch sehen, weil sich das Loch direkt auf seiner Augenhöhe befindet. Ganz vorsichtig streckt Felix seinen Kopf so weit wie möglich vor.
Sobald der junge Kater durch das Loch in dem Dornenbusch hindurchschaut, erkennen seine smaragdgrünen Augen ein richtiges Lager. Leider kann er aufgrund seiner Sichteinschränkung nicht alles sehen. Außerdem sollte Felix sein flammenfarbenes Fell lieber verbergen.
Der junge Kater sieht von sich gegenüber am Rand des Lagers eine gigantisch hohe Felswand, die sogar noch größer als der Baum des Portals ist. Er kann jedoch nicht sehen, wie breit der Felsen ist, der zu dieser Felswand gehört, aber dafür entdeckt er einen großen Felsspalt, der vermutlich zu einer inneren Felshöhle führt. Ein leicht würziger Duft von frischen Kräutern steigt ihm in die Nase. Die restliche Felswand wirkt so steil, dass es unmöglich erscheint, diese zu besteigen, denn dort wachsen keine Kletterpflanzen. Nur ein paar kleine Felsvorsprünge, an denen man sich nur sehr schwer festhalten könnte, sind zu erkennen.
Auf der Lichtung verteilt befinden sich mehrere Schlafhöhlen. Anscheinend lebt hier mehr als nur eine Katze… Beim genaueren Anblick nimmt Felix wahr, dass sämtliche Löcher der dicken Ranken, aus denen die Schlafhöhlen zusammengesetzt sind, mit Laub, Moosen, Flechten und Rinde zugestopft wurden.
Direkt in seiner Nähe erblickt der junge Kater einen weiteren Felsen, der allerdings um ein Vielfaches kleiner wirkt. Eine Katze könnte nur mit hoher Konzentration dort hochspringen. Oben ist jedoch ausreichend Platz, um sich bequem hinzusetzen. Unten um den kleinen Felsen befindet sich etwas Gras, das ebenfalls anders aussieht. Es ist etwas dicker und dichter gewachsen. Dazwischen wachsen kleine, rosa und weiße Gänseblümchen. Felix konzentriert sich auf den Duft, der vom Gras ausgeht. Es riecht nach… Keine Ahnung, was das ist.
Direkt am Felsen ranken sich fremd aussehender Efeu und anders riechender Knöterich entlang. Aus den Augenwinkeln erkennt der junge Kater noch, dass sich mehrere längliche Vertiefungen auf den Seiten der Felswände befinden.
Felix‘ Blick gleitet zur Mitte des Lagers. Erst jetzt nimmt er die zwölf Katzen wahr, die sich dort versammelt haben. Elf der zwölf Katzen sitzen in einem Halbkreis um einen großen, dunkelbraunen Kater mit weißem Bauch und Hals, der äußerst muskulös und durchtrainiert erscheint. Dem jungen Kater entgeht nicht, dass seine Reißzähne um einiges aus seinem Maul herausragen, sogar bis übers Kinn. So etwas hat er noch nie gesehen und dennoch fasziniert es ihn auf eine atemberaubende Weise.
Erneut steigt Felix dieser süßliche Blutgeruch in die Nase, was ihn verwirrt, aber auch erstaunen lässt. Mehrere klare Fragen erscheinen in seinen Gedanken: Wer oder was sind diese Katzen und weshalb sind sie so anders…? Und was hat dieser intensive, süße Blutgeruch damit zu tun…?
Doch schnell gewinnt seine Neugier wieder die Oberpfote. Der junge Kater verdrängt seine schwirrenden Gedanken und beobachtet nun die fremden Katzen. Vielleicht verschafft ihm das ein paar Antworten. Er vermutet, dass sich alle Katzen über ein bestimmtes Thema unterhalten, aber sie sprechen so leise miteinander, dass er sie trotz seines guten Gehörs nicht verstehen kann. Also entscheidet sich Felix dazu, die Katzen etwas genauer zu betrachten. Er schaut sich bestmöglich um und muss feststellen, dass alle versammelten Katzen über exakt so lange Reißzähne wie der dunkelbraune Kater verfügen. Außerdem sieht er auch, dass ihre Krallengelenke für wesentlich längere Krallen sprechen. Obwohl sie alle eingezogen sind, sieht der junge Kater die Krallenspitzen im frühen Sonnenlicht funkeln.
Felix lässt seinen Blick weiterschweifen. Unter den versammelten Katzen entdeckt er auch die nachtschwarze Kätzin, die vorhin so wahnsinnig schnell an ihm vorbeigesaust ist. Jetzt, da er sie aus Nähe beobachten kann, nimmt er einige dunkle Flecken an ihrer Schnauze wahr. Der junge Kater vermutet, dass es sich dabei um frisches Blut handelt, denn das klebt auch an den Spitzen ihrer langen Reißzähne.
Daher kommt wohl dieser süßliche Blutgeruch…, vermutet Felix.
Die nachtschwarze Kätzin sitzt schräg mit dem Rücken zur Felswand. Der junge Kater schaut sie weiterhin an. Er sieht so genau wie nur irgendwie möglich zu ihr und ist von seiner Sehkraft überrascht. Seine Augen werden ganz groß, als ihm dabei auffällt, dass sich neben ihrer natürlichen hellblauen Augenfarbe auch mehrere kleine, dunkelrote Fasern hindurchziehen. Seine Augen werden noch größer, als Felix sieht, dass die dunkelroten Fasern kurz zu pulsieren beginnen, dann etwas größer werden, bevor sie anschließend vollständig verschwinden.
Auf einmal dreht die nachtschwarze Kätzin ihren Kopf unerwartet direkt in seine Richtung und schaut auf das Buschloch, hinter dem sich der junge Kater versteckt hält. Für einen kurzen Moment kreuzen sich die Blicke der beiden Katzen. Blitzschnell zieht Felix seinen Kopf zurück und duckt sich unterhalb des Loches, sodass ihn die nachtschwarze Kätzin nicht mehr sehen kann. Er hofft, dass sie ihn nicht verraten wird… Zu seiner Überraschung schweigt sie und wendet sich wieder dem dunkelbraunen Kater zu.
Die Neugier des jungen Katers droht fast zu platzen, denn er will unbedingt wissen, worüber sich diese Katzen unterhalten. Deshalb versucht er, sich eine bessere Stelle zum Lauschen zu suchen. Also schleicht Felix achtsam erneut an der Dornenbarriere entlang. Leider kann er nur zwei merkwürdige Worte hören. „…Blut trinken…“ Danach können seine Ohren keine weiteren Wörter mehr wahrnehmen, weil die versammelten Katzen jetzt nur umso leiser miteinander reden. Erfüllt von heftigem Durcheinander, diese beiden Worte gehört zu haben, vergisst der junge Kater auf seine Umgebung zu achten…
Unendlich Fragen schwirren gerade in Felix‘ Gedanken herum: Hat… er das richtig verstanden…? Blut… trinken…? Das könnte doch niemals stimmen! So etwas wäre doch einfach nicht möglich…!
Gedankenverloren tappt der junge Kater weiter an den Dornenbüschen vorbei und bemerkt nicht, dass er direkt auf einen dünnen Zweig zuläuft… *Krach!!* Der Zweig zerbricht und Felix wird augenblicklich aus seinen Gedanken gerissen. Das Geräusch des brechenden Zweiges schallt über die gesamte Lichtung. Starr vor Schock bleibt er stehen und hofft vergeblich, dass ihn niemand gehört hat. Der junge Kater muss nicht nachsehen, um zu wissen, dass alle versammelten Katzen auf genau den Dornenstrauch gucken, hinter dem er sich versteckt. Es ist beinahe so, als könnte er ihre Blicke auf seinem Pelz spüren. Felix bleibt fast das Herz stehen.
2. KAPITEL
„WER AUCH IMMER sich hinter der Dornenbarriere verbirgt, kommt auf der Stelle aus seinem Versteck heraus und zeigt sich!!“, faucht eine der Katzen mit lauter, tiefer und furchteinflößender Stimme.
Alle Katzen, die sich auf der Lichtung versammelt haben, beginnen, laut zu knurren. Trotz des eindeutigen Befehls wagt es der junge Kater nicht, sich zu bewegen und bleibt wie am Boden festgewurzelt stehen. Er riskiert es nicht einmal zu blinzeln. Felix verlangsamt seine Atmung, aus Angst, dass ihn die Katzen sonst hören.
Zufällig befindet sich auch in diesem pieksigen Dornenstrauch ein Loch, jedoch ist dieses etwas kleiner. Der junge Kater kann es einfach nicht lassen und geht das Risiko ein hindurchzuschauen. Noch immer in seinem Versteck kauernd sieht er besorgt, dass drei Katzen auf ihn zukommen. Seine smaragdgrünen Augen weiten sich erneut, als er erkennt, dass sich unter ihnen auch der dunkelbraune, muskulöse Kater befindet. Er wird von der nachtschwarzen Kätzin und einer cremefarben getigerten Kätzin begleitet. Die drei Katzen gehen ungehaltenen Schrittes direkt auf ihn zu. Sie alle haben ihre äußerst langen Krallen weit ausgefahren, die Ohren drohend angelegt und die Lefzen etwas hochgezogen. Ein Knurren, das wie Donnergrollen klingt, steigt aus ihren Kehlen empor.
Erschrocken wendet Felix seinen Blick von ihnen ab. Die Katzen kommen seinem Versteck immer näher. In seinem Körper werden Unmengen an Adrenalin freigesetzt. Inzwischen schießt sein Blut nur so durch seinen Körper und rauscht in den Ohren des jungen Katers. Mittlerweile ist auch seine Atmung erheblich hastiger. Felix‘ Herz wummert in seinem Brustkorb. Trotzdem ist er bis aufs Äußerste neugierig als auch gespannt, was wohl passieren wird, wenn sie ihn finden.
Felix starrt noch immer durch das kleine Loch in der Dornenbarriere. Einen Moment später hält er abrupt seinen Atem für einige Momente an. Ihn trennt von den seltsamen Katzen nur noch die dicke Wand aus Dornenbüschen. Schnell duckt sich der junge Kater nach unten und versucht, irgendwie doch noch etwas durch das dichte Blattwerk zu erkennen.
Die Zeit scheint gerade zu stillzustehen und Felix bleibt nichts anderes übrig, als nervös abzuwarten, was passieren wird. Seine Ungeduld wird immer größer. Gleichzeitig will er gefunden werden, aber es dennoch unbedingt verhindern. Ein Gedanke erscheint in seinem Kopf.
Warum haben die mich denn noch nicht zurecht gewiesen…?, überlegt der junge Kater sich stark wundernd. Die Fragen verursachen ihm Kopfzerbrechen, weshalb er gar nicht mitbekommt, dass die drei Katzen inzwischen nur noch ein kleines Stück hinter ihm stehen…
Ohne auch nur das geringste Geräusch verursacht zu haben, sind sie zu ihm gekommen. Felix‘ Kopf zeigt noch immer in Richtung Dornengestrüpp. Lautlos stehen die fremden Katzen an Ort und Stelle. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Während sich die nachtschwarze Kätzin und die cremefarbene Kätzin nicht bewegen, läuft der dunkelbraune Kater nun seitlich auf den Fremdling zu, der ihn weder hören kann, noch kommen sieht… Unerwartet und mit einem sehr festen Griff packt er Felix am Genick. Der dunkelbraune Kater achtet darauf, dass sich seine langen Reißzähne nicht in sein Fleisch bohren. Demzufolge benutzt er nur seine Schneidezähne, um den jungen Kater hochzuheben, was ihm jedoch keine Schwierigkeiten bereitet.
Erschrocken zuckt Felix zusammen und ein kurzer Schrei entweicht seiner Kehle. Er baumelt nun im Maul des dunkelbraunen, durchtrainierten Katers. Seine Angst vergisst er dagegen ziemlich schnell und ist viel mehr von dieser enormen Kraft beeindruckt. Ohne zu wissen, was mit ihm gerade geschieht, wird der junge Kater abgelenkt, als alle drei Katzen zu einem gewaltigen Sprung ansetzen. Kraftvoll stoßen sie sich von der weichen Erde ab und springen hoch. Obwohl die Dornenbarriere sehr breit ist, hat keine der Katzen auch nur das geringste Problem, darüber hinwegzugleiten.
Fliegen wir etwa…?! Felix ist total verwundert und erstaunt.
Sanft landen alle drei Katzen vor den anderen innerhalb des Lagers, direkt in der Mitte der Lichtung. Auch die anderen Katzen haben ihre extrem langen Krallen ausgefahren. Einige von ihnen beginnen, erneut laut zu fauchen und zu knurren. Sie sind kurz davor, sich auf ihn zu stürzen und ihn in Stücke zu reißen. Nur mit Mühe können sie sich zurückhalten.
Noch immer im Maul des dunkelbraunen Katers baumelnd, der gehörig fest zupackt, versucht Felix, unbemerkt seinen Kopf ein wenig anzuheben, um sich die Lichtung noch einmal genauer anzuschauen. Allerdings ist der Griff des dunkelbraunen Katers stärker als erwartet. Seine Faszination wächst unaufhaltbar weiter.
Wie macht er das nur…?, denkt der junge Kater. Das liegt doch jenseits natürlicher Grenzen!
Jetzt, da er trotz des Griffs an seinem Genick die Lichtung besser sehen kann, lässt es Felix erstaunen. Hier ist es wunderschön, und gut geschützt. Wie vermutet umgibt die Dornenbarriere mit dem gewaltigen Felsen das Lager dieser Katzen vollständig. Eins kann der junge Kater definitiv sagen, das hier ist ein hervorragend geschütztes Versteck.
Unerwartet lässt der dunkelbraune Kater Felix plötzlich fallen. Unsanft plumpst der junge Kater nach unten und landet auf seiner rechten Flanke. Für einen kurzen Augenblick bekommt er keine Luft. Sofort will er sich aufrichten und die Katzen fragen, wer sie sind, als der dunkelbraune Kater mit einer schnellen Bewegung eine seiner Vorderpfoten äußerst kraftvoll auf Felix‘ linke Schulter drückt. Dieser freut sich, dass die Erde nicht so hart ist, denn sonst wären seine Schmerzen intensiver. Auf einmal nimmt der Boden die Härte einer rauen und brüchigen Gesteinswand an.
Wie bitte, was?! Hä?! Felix glaubt, seinen Verstand verloren zu haben. So etwas geht doch gar nicht! Wie hat er das gemacht?!
Mit einem Ruck bohrt der dunkelbraune Kater seine scharfen und langen Krallen in seine weiche Haut. Der junge Kater verkrampft sich und er unterdrückt einen lauten Schmerzensschrei. Seine Augen werden glasig. Der Schmerz ist unerträglich. Sein gesamter Körper brennt wie ein loderndes Feuer.
Das Geräusch von reißendem Fleisch durchschneidet die Luft, als der dunkelbraune Kater Felix drei tiefe Kratzer zufügt. Blutspritzer fliegen durch die Luft und landen auf dem Boden. Aufgrund seiner ihn quälenden Schmerzen fällt es dem jungen Kater nicht auf, aber alle normalen Augenfarben der versammelten Katzen weichen innerhalb eines einzigen Wimperschlags ins Blutrote. Nur ihre Pupillen bleiben schwarz. Ein paar von ihnen fahren sich kurz mit ihren Zungen über die Schnauze. Nur die Augen des dunkelbraunen Katers bleiben unverändert.
„Wie um alles in diesem Wald bist du nur hierher gekommen?!“, faucht er wütend und verachtend. „Wie kannst du es überhaupt wagen, dich hier blicken zu lassen?!“
Der dunkelbraune Kater lockert den Druck auf Felix‘ Schulter, damit er seine Fragen beantworten kann, doch die anderen Katzen können sich nicht länger zurückhalten. Maßlos beginnen sie, sich ungehalten aufzuregen.
Der junge Kater kann nicht viel erkennen, weil er am Boden festgehalten wird, aber er hört eine Kätzin knurren: „Was zum Scheiß hat der hier zu suchen?!“
„Wie hat der es überhaupt geschafft, das Portal zu durchqueren?!“, faucht ein Kater genauso verächtlich.
Ein anderer Kater ruft: „Verschwinde von hier, du Stück Abschaum! Verpiss dich aus unserem Wald und lass dich hier nie wieder blicken!“
„Besser nicht, nicht dass er noch jemandem etwas erzählt. Ich fände es besser, wenn er bei uns bleiben würde“, entgegnet jemand überraschend freundlich. Aus den Augenwinkeln kann Felix grob die nachtschwarze Kätzin erkennen.
Eine andere Kätzin brüllt widersprechend: „Wir sollten ihn auf der Stelle umbringen und dann…!“
„Jetzt beruhigt euch erst einmal wieder!“, unterbricht der dunkelbraune Kater die aufgeregten Katzen mit lauter Stimme. Sofort verstummt das Geschimpfe.
Alle versammelten Katzen richten ihre immer noch angesäuerten Blicke auf den dunkelbraunen Kater. Dieser dreht Felix ruckartig auf seinen Rücken und stemmt seine Vorderpfoten gegen seinen Brustkorb, sodass er sich nicht mehr bewegen kann. Erneut bohrt der dunkelbraune Kater seine Krallen in den Körper seines Gegenübers. Dieses Mal ist er jedoch vorsichtiger und will ihm keine weiteren Schmerzen zufügen. Kein einziger Blutstropfen verlässt die Haut des jungen Katers. Er verschont ihn absichtlich, um seine Katzen nicht noch mehr in den Wahnsinn zu treiben.
Ich weiß, dass sie sich sonst nicht mehr zurückhalten können. Sie würden sofort auf ihn losgehen und das will ich auf jeden Fall vermeiden, denkt der dunkelbraune Kater, denn selbst auf ihn löst sein Blut ein starkes Verlangen aus, es kosten zu wollen. Das ist doch eigentlich gar nicht möglich! Wer ist dieser junge Kater und weshalb hat sein Fell die Farbe von Flammen…? Soll er etwa die „lodernde Flamme“ aus Mondblatts Prophezeiung sein…? Aber das wäre doch unmöglich! Er ist ja nicht einmal ein Vampir…
Er beugt sich nun vorsichtig auf den Brustkorb des jungen Katers stützend nach vorn. Um ihn nicht weiter zu verletzen, zieht er seine Krallen vorsichtig wieder ein. Der dunkelbraune Kater hat seine Blutgefäße nicht einmal auch nur ansatzweise berührt. Langsam bewegt er seinen Kopf auf Felix zu.
Der junge Kater sieht mutig in seine bernsteinfarbenen und leuchtenden Augen. Er glaubt, darin zum größten Teil Verwirrung und Missverständnisse wahrzunehmen.
Täusche ich mich oder sehe ich da tatsächlich etwas versteckte Neugier und Bewunderung…?, fragt sich Felix.
Seine Gedanken wandern zur Realität zurück, als ihm der dunkelbraune Kater ohne ein Spur von Wut oder Verachtung eine Frage stellt: „Wie lautet dein Name, junger Kater?“
Durch seine Freundlichkeit überrascht gerät der junge Kater ein wenig ins Stocken, als er ihm antwortet: „Ich… äh… Ich bin…“
„Ist die Frage so schwer?“, miaut sein Gegenüber lächelnd.
„Ich heiße Felix“, sagt er etwas betreten.
„Wie bist du hierher gekommen?“, fragt der dunkelbraune Kater weiter.
„Ich bin… der Spur der… nachtschwarzen Kätzin gefolgt…“
Jetzt reiß dich zusammen! Sonst hält mich selbst eine Maus für einen Angsthasen!, flucht Felix in seinem Kopf.
„Ich war vorhin auf der Jagd, als sie so schnell wie ein Blitz an mir vorbeigerast ist. Wegen meiner Neugier bin ich ihrer Fährte gefolgt“, fährt er nun selbstbewusster fort.
Der dunkelbraune Kater lässt ihn anschließend los und setzt sich dann hin. Felix nutzt diese Gelegenheit und richtet sich etwas langsamer aufgrund seiner inzwischen weniger blutenden Schulter auf. Er setzt sich ebenfalls hin. Der junge Kater will seinem Gegenüber Respekt zeigen, indem er seinen Blick senkt.
Alle Katzen sind überrascht, selbst der dunkelbraune Kater. Dieser nickt schließlich kurz. Anschließend miaut er entspannt: „Du kannst deinen Blick wieder heben.“
Felix gehorcht.
„Stimmt das, was du eben erzählt hast, auch wirklich?“, hakt der dunkelbraune Kater nach.
„Ja, andererseits wäre ich jetzt nicht hier“, erwidert sein Gegenüber.
Ein erstauntes Murmeln breitet sich unter den Katzen aus.
„Wieso sollte so ein aufdringliches Hauskätzchen sein Zuhause denn überhaupt verlassen wollen?“, nörgelt ein jüngerer, pechschwarzer Kater, der sich zuvor noch zurückgehalten hat.
„Das ist einfach nur fragwürdig“, hört und sieht Felix einen langbeinigen, schwarzen Kater abwerten sprechen.
Er will gerade protestieren, als der dunkelbraune Kater ihn fragt: „Wo ist dein Zuhause?“
„Ich habe mein Zuhause vor ungefähr drei Monden verloren…“, antwortet der junge Kater ein wenig nostalgisch. „Seitdem ziehe ich durch den Wald, auf der Suche nach einer Höhle oder Ähnlichem, wo ich die kalten Nächte verbringen kann und vor Regen geschützt bin.“
Sein Gegenüber denkt über seine Worte nach und sagt dann zu ihm: „Das ist äußerst erstaunlich. Normalerweise können Katzen wie du das Portal, das zu diesem Bereich des Waldes führt, nicht sehen. Auch unsere Spuren sollten für euch eigentlich verborgen bleiben.“
„Aber weshalb denn?“, fragt Felix neugierig, denn jetzt hat er den endgültigen Beweis, dass diese Katzen anders sind. Allerdings lassen alle von ihnen seine Frage einfach offen stehen.
Die cremefarbene Kätzin, die sich mit der nachtschwarzen Kätzin noch immer in der Nähe des dunkelbraunen Katers befindet, fragt ihn mit etwas Neugier: „Wie alt bist du…?“
Sie findet es merkwürdig, dass ein so junger Kater wie er ganz alleine durch den Wald streift und dennoch irgendwie zurechtkommt.
„Fünf Monde…“, miaut Felix ein wenig von der Frage verunsichert und sieht in ihre Richtung.
„Und seit du zwei Monde alt bist, lebst du hier draußen alleine im Wald?!“, ruft die nachtschwarze Kätzin überrascht.
„Ja-a…“ Der junge Kater muss erneut vor Nervosität stottern. Er zögert einen Moment, dann schaut er seinem Gegenüber direkt in die Augen und fragt vorsichtig: „Kann… Kann ich mich euch möglicherweise anschließen…?“
Alle Blicke richten sich voll und ganz auf ihn. Felix wird indes ein bisschen unruhig, weil ihm noch niemand geantwortet hat. Anspannung liegt in der Luft.
Erst nach einer Weile unangenehmen Schweigens spricht der dunkelbraune Kater klar und deutlich: „Wenn du einen ganzen Mond bei uns lebst, uns Loyalität, Hilfebereitschaft, Vertrauen und Treue zeigst und wir wissen, dass wir uns auf dich verlassen können, dann nehmen wir dich bei uns auf.“
3. KAPITEL
„HAT REIßZAHN ETWA seinen Verstand verloren?!“, platzt es auf einmal aus einer grau getigerten Kätzin heraus. Ihr schließen sich sofort mehrere Katzen an.
„Was willst du denn mit einem ehemaligen Hauskätzchen anfangen?! Dieser kleine olle Kater ist doch vollkommen nutzlos!“, ruft der langbeinige, schwarze Kater.
„Ganz genau!“, stimmt ihm der junge pechschwarze Kater, der neben ihm sitzt, nicht weniger laut zu.
Reißzahn hat wohl nicht mehr alle Haare im Pelz!, denkt er total wütend. Wie kommt er nur auf einen so unüberlegten Schwachsinn?!
Aufgewühlt, weil er die Entscheidung seines Anführers nicht ohne weiteres akzeptieren will, fügt der junge, pechschwarze Kater fauchend hinzu: „Was nützt der uns denn überhaupt?! Der ist doch noch nicht mal ein…!“
Er kann seinen Satz nicht beenden, weil ihm der langbeinige Kater, der neben ihm sitzt, gehörig auf den Schwanz tritt. Seine Krallen hat er eingezogen.
„AU!! Bist du bescheuert oder was?! Wofür war das denn?!“, brüllt der junge, pechschwarze Kater und funkelt ihn wütend an.
„Bleib gefälligst ruhig! Beinahe hättest du etwas gesagt, dass du später noch bereut hättest!“, antwortet ihm dieser ermahnend. „Glaub mir, diese Konsequenzen wären bedeutend schlimmer.“
„Mhm…“, brummt der junge, pechschwarze Kater und beruhigt sich halbwegs wieder. Trotzdem knurrt er weiter vor sich lang hin.
Spinne hat ja Recht… Ich darf unser Geheimnis nicht einfach verplappern. Und dieser Idiot verdient es eh nicht, davon zu wissen, denkt er aufgewühlt. Dennoch akzeptiere ich Reißzahns Entscheidung überhaupt nicht! Und alle anderen sehen das sicher auch nicht ein!
Der junge, pechschwarze Kater kann es einfach nicht lassen und schreit: „Verschwinde von hier, bevor ich dich eigenpfotig umbringe! Geh zu deinem netten Zuhause zurück, du blödes Hauskätzchen!!“
Felix kann es nicht fassen.
Wie bitte?! Ich habe gesagt, dass ich schon lange nicht mehr bei den Menschen lebe!, flucht er lautlos und kann sich nur mit Mühe zurückhalten, diesen voreingenommen Kater zurechtzuweisen. Der junge Kater regt sich wieder etwas ab. Er lässt seinen Blick nun auch zu anderen Katzen schweifen. Aus den Augenwinkeln sieht er, dass sich ein blutroter Kater langsam erhebt. Sofort guckt Felix in seine Richtung.
Der blutrote Kater steht nun auf seinen Pfoten und blickt ihn bitterböse und mit hasserfüllten Augen an. Ein heimtückisches Grinsen macht sich auf seinen Lippen breit.
Felix hat auf einmal eine ganz schlechte Vorahnung…
Der blutrote Kater schaut ihm direkt in seine smaragdgrünen Augen. In seinem Blick spiegelt sich nach wie der blanke Hass wider, aber der junge Kater erkennt darin nun auch pure Verachtung.
Du kennst mich doch gar nicht. Wie kannst du mich da direkt gleich hassen?, überlegt Felix schweigend.
Plötzlich beginnt der blutrote Kater, laut und abwertend zu rufen: „Aber warum muss es denn unbedingt dieser kleine, nervtötende Scheißhaufen sein? Ich meine, so ganz allein muss er doch gewaltig Angst haben. Das ist so was von erbärmlich! Wollen wir wetten, dass eine kleine Amsel mehr Mumm hat als dieses Fellknäuel? Obwohl, eigentlich gibt’s da nichts zu wetten. Die Amsel hätte sowieso bei weitem gewonnen!“
Nach seinen Beleidigungen verfällt er in ein hämisches Gelächter, das tief in das Gehör aller Katzen eindringt.
Jetzt reicht’s! Felix wird richtig wütend. Die Worte der Katzen waren sehr verletzend. Seine aufrauschenden Gefühle kann er nun nicht länger zurückhalten. So laut wie er kann, knurrt der junge Kater über die gesamte Lichtung. Anschließend folgt ein verärgertes Fauchen. Augenblicklich verstummt das viele Gemurmel aller Katzen. Es kommt ihm so vor, als wäre der ganze Wald in eine vollständige Stille getaucht. Alle Aufmerksamkeit gilt ihm. Selbst der blutrote Kater hält auf einmal seine Schnauze und sein Gelächter hört schlagartig auf.
Wütend erhebt sich Felix und geht entschlossen auf den blutroten Kater zu. Sein Schwanz sträubt sich und peitscht nun wild hin und her.
„Das wirst du bereuen!“, miaut er, während er seinem Gegenüber immer näher kommt.
„Das werden wir wohl erst noch sehen! Ich nehme dich auseinander, bevor du auch nur mit der Wimper zuckst!“, faucht dieser gehässig zurück.
Doch das hält den jungen Kater nicht auf. Gleichzeitig fährt er seine Krallen aus. Er hält erst an, als er dem blutroten Kater Nase an Nase gegenüber steht.
Ohne sich zurückzuhalten, miaut Felix: „Du bist besser still! Wage es nie wieder, mich nochmal so zu nennen!! Du hast nicht einmal ansatzweise die geringste Vorstellung von dem, was ich bereits alles durchmachen musste!! Glaube mir, wenn ich dir sage, dass du davon überhaupt keine Ahnung hast!! Beurteile niemanden, dessen Vergangenheit du nicht kennst!!!“
Die Augen der anderen Katzen weiten sich, als sie sehen, dass der blutrote Kater tatsächlich ein paar Schritte von Felix zurückweicht. Anschließend brüllt dieser zornig: „Falls du glaubst, dass du damit durchkommen solltest, hast du dich aber gewaltig geirrt!! Wenn du mir drohst, könnte das dein Todesurteil sein! Darauf greife ich nun zurück!“
Völlig außer sich vor Wut will sich der blutrote Kater auf dieses nervige Fellbündel stürzen, um ihm eine blutige und brutale Lektion zu erteilen. Doch dazu kommt es nicht.
„Das wirst du nicht tun, Ader!! Ich befehle dir, dass du dich zurückhältst!!“, meldet sich der dunkelbraune Kater gerade noch rechtzeitig zu Wort, um eine blutige Katastrophe zu verhindern. „Und du wirst mir gehorchen!“
„Wa-wa-was?!“ Der blutrote Kater verliert augenblicklich die Fassung und er sieht seinen Anführer völlig entgeistert an. „Ist das dein Ernst?!“
Felix atmet erleichtert durch, während er sich etwas Abstand von seinem Gegenüber verschafft.
„Ihr habt mich gehört!“, beginnt der dunkelbraune Kater. „Ich, Reißzahn, bin euer Anführer und ihr habt auf mich zu hören, ob es euch nun passt oder nicht! Ich habe gesagt, dass Felix bei uns aufgenommen wird, wenn er seine Qualifikationsphase besteht! Akzeptiert diese Entscheidung, denn ihr könnt nichts daran ändern.“
Der junge Kater traut seinen Ohren nicht. Hat er ihn gerade wirklich in Schutz genommen und verteidigt, damit ihm nichts geschieht? Das verwundert ihn, denn noch vor kurzem hat er sich ihm gegenüber nicht anders verhalten. Weshalb hat der dunkelbraune Kater seine Meinung über ihn so schnell geändert? Oder liegt es an etwas völlig anderem?
Felix ist jedoch immer noch wütend auf den blutroten Kater, weil er ihn so gedemütigt hat. Er hat ihm keinen Grund gegeben, ihn so zu verabscheuen. Immerhin weiß er jetzt schon mal, wie der dunkelbraune Kater und Pelzknäuel mega-mies-drauf heißen.
Etwas angesäuert und genervt fügt Reißzahn zu seiner Ansage hinzu: „Übrigens habe ich meinen Verstand nicht verloren. Nur anscheinend sind einige von euch anderer Meinung. Deshalb kommen Kralle, Spinne und Ginsterpfote kurz zu mir.“
Ein wenig begeistertes Stöhnen ertönt unter den genannten Katzen. Widerwillig stehen die drei auf, während die cremefarbene Kätzin und die nachtschwarze Kätzin sich mit in den Halbkreis um ihren Anführer setzen. Felix bleibt da, wo er ist und setzt sich wieder. Schließlich stehen die drei aufgerufenen Katzen vor Reißzahn. Zwei von ihnen sehen beschämt und schuldbewusst nach unten.
„Schämt euch nicht“, sagt Reißzahn zu ihnen. „Ihr habt damit angefangen. Jetzt solltet ihr wenigstens dazu gerade stehen. Trotzdem werdet ihr eine angemessene Strafe für euer unangebrachtes Verhalten bekommen.“
„Was du nicht sagst. Und? Was hast du dir für uns ausgesucht? Sollen wir die Pflichten erfüllen, für die du dir nicht die Pfoten schmutzig machen willst?“, fragt der junge, pechschwarze Kater vorlaut. „Oder sollen wir dir die Pfoten mit Küssen überschütten?“
„Ihr werdet alle die Dornenbarriere auf Löcher überprüfen und diese dann zustopfen“, antwortet der dunkelbraune Kater mit unveränderter Stimme.
An den Blicken der drei Katzen ist zu erkennen, dass sie sich nicht wirklich darauf freuen. An den jungen, pechschwarzen Kater gewannt fügt Reißzahn noch hinzu: „Und weil du mich so nett gefragt hast, lieber Ginsterpfote, darfst du zuvor noch unseren Vorrat an Moos auffüllen.“
„Aber ich habe darauf überhaupt keine Lust!! Außerdem gibt es momentan eh kaum noch Moos, weil es seit einer Weile nicht mehr geregnet hat!“, beschwert sich Ginsterpfote schlecht gelaunt. „Ich bin doch nicht blöd.“
„Du wirst deine Strafe abarbeiten, egal wie lange du dafür brauchst!“, entgegnet sein Anführer. „Und jetzt fangt endlich an oder wollt ihr hier den ganzen Tag wie drei Bäume herumstehen?“
Genervt verdreht der junge, pechschwarze Kater seine Augen und stöhnt laut.
Felix muss leicht schmunzeln und amüsiert sich ein wenig. Das hat dieser freche Kotzbrocken verdient! Er hat ja nicht mal Respekt vor seinem Anführer. Unglücklicherweise blickt in genau diesem Augenblick Ginsterpfote zu ihm herüber. Schnell verfliegt sein fröhlicher Gedanke, als sich ihre Blicke kreuzen. Der pechschwarze Kater sieht ihn böse an und schimpft dann so laut, dass ihn zweifelsohne jeder hören kann: „Dieses bescheuerte, aufdringliche Fellbüschel wird in diesem Wald keinen Viertelmond, wenn überhaupt einen einzigen Tag lang überleben! Dafür sorge ich höchstpersönlich! Am Ende dieses Tages bist du tot!!“
„Träum weiter!“, verteidigt sich Felix. „Ich werde dir zeigen, wie sehr du dich irrst. Und auch euch anderen! Ich werde es euch allen beweisen!“
Ginsterpfote setzt allerdings noch einen drauf: „Selbst tote Beutetiere sind bei uns nützlicher als! Sie sorgen dafür, dass wir nicht verhungern! Geh doch einfach in eine leere und alte Felshöhle und warte darauf, dass sie einstürzt und dich darunter zerquetscht! Dann hat der Wald ein Problem weniger auf dem Boden herumlaufen!“
Der junge Kater zuckt leicht zusammen, weil ihn diese Worte so sehr verletzt haben. Womit hat er das verdient?
