Theben-Park - Sergio Blanco - E-Book

Theben-Park E-Book

Sergio Blanco

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Beschreibung

"Am Anfang unterhalten wir uns, nach und nach fange ich an zu schreiben, dann proben wir und wenn wir fertig sind, zeigen wir unsere Arbeit dem Publikum." Ein Autor geht ins Gefängnis und trifft dort auf Martín, einen jungen Vatermörder. Die Idee des Autors ist: Der Häftling soll seine Rolle selbst spielen. Als dies verboten wird, soll er den Aufführungen beiwohnen, als dies ebenfalls verboten wird, sie wenigstens per Video verfolgen können. Ein junger Schauspieler übernimmt die Rolle Martíns. Ausgehend von den Treffen und Gesprächen, die der Autor mit dem Häftling geführt hat, versucht er, mit dem Schauspieler in einem vergitterten Basketballfeld die Geschichte zu rekonstruieren. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto weniger geht es um deren Rekonstruktion und desto mehr um die szenische Darstellung der Treffen. Häftling und Schauspieler sind dabei Personen, die von ein und demselben jungen Darsteller gespielt werden - die Geschichten vermischen sich, die eine inspiriert die andere. Dabei geht es nicht allein um den Mordfall und seine Hintergründe, sondern auch um das Wesen des Theaters und des Erzählens. Wo setzt die Wirklichkeit dem Theater Grenzen und wo beginnt die Wirklichkeit des Theaters...

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Ausführliche Informationen über unsere Autoren und Theatertexte finden Sie auf unserer Websitewww.kiepenheuer-medien.de

© 2016 Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH

Schweinfurthstraße 60, 14195 Berlin

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Sämtliche Rechte der öffentlichen Wiedergabe (u. a. Aufführungsrecht, Vortragsrecht, Recht der öffentlichen Zugänglichmachung und Senderecht) können ausschließlich von der Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH erworben werden und bedürfen der ausdrücklichen vorherigen schriftlichen Zustimmung. Nicht genehmigte Verwertungen verletzen das Urheberrecht und können zivilrechtliche und ggf. auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

ISBN 978-3-7375-5603-3

Für Bruno Pereyra und Gustavo Saffores,weil diese Worte durch sie ins Leben gefunden haben …

Die Übersetzerin bedankt sich bei der spanischen Verlagsredakteurin und Übersetzerin Pilar Sánchez Molina für das sorgfältige Lektorat und bei der Berliner Übersetzerwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin und ihrer Mentorin Susanne Lange für Förderung und Unterstützung.

La vraie poésie est en dehors des lois.

Georges Bataille

L’impossible

Amor que no esperaba es aquel que yo soñé

Amada amante

Roberto Carlos

 

Klavierkonzert Nr. 21 in C-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart

You give it all but I want more
With or without you
Bono, U2

Laut Artikel 21 der offiziellen FIBA-Regeln darf kein Spieler Gegenstände tragen, die zu Verletzungen anderer Spieler führen können. Dazu gehören Uhren, Ketten, Piercings oder Armbänder. Bei einem Regelverstoß wird ein disqualifizierendes Foul verhängt und der Spieler muss den Halleninnenraum für die Restdauer des Spiels verlassen.

Die Geschichte des Basketballs

Wikipedia

http://es.wikipedia.org/wiki/Basquetbol

Die Gabel wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts von der byzantinischen Prinzessin Theodora in Europa eingeführt, der Tochter des Kaisers Konstantin Dukas. Sie brachte die Gabel aus Konstantinopel mit, als sie den venezianischen Dogen Domenico Selvo heiratete. Weil sie dieses Utensil und andere gehobene Umgangsformen aus dem Orient eingeführt hatte, wurde die byzantinische Prinzessin von ihren Zeitgenossen abgelehnt. Auch der heilige Petrus Damiani verurteilte von seiner Kanzel aus die Extravaganzen Theodoras und bezeichnete die Gabel sogar als “instrumentum diaboli”.

Die Geschichte der Gabel

Wikipedia

Personen

S, Dramatiker, 39 Jahre.

MARTÍN SANTOS, Vatermörder, 21 Jahre.

FEDERICO, Schauspieler, 21 Jahre.

Strägt ein T-Shirt mit dem klassischen Superman-Logo, Jeans und Adidas-Turnschuhe.MARTÍNundFEDERICOsind zwar zwei verschiedene Figuren, sollten aber während des ganzen Stücks vom selben Schauspieler verkörpert werden. Er trägt eine Sportjacke, eine Jogginghose und halbhohe Nike-Turnschuhe, die den Knöchel vor dem Umknicken schützen sollen.

Bühne und Musik

Das gesamte Stück spielt in der heutigen Zeit auf einer Probebühne, die gleichzeitig der Basketballcourt eines Gefängnisses ist. Der sieben Meter lange und vier Meter breite Court ist von einem drei Meter hohen Gitter umgeben. An einer der oberen Ecken des Gitters ist eine Überwachungskamera angebracht, die mit einem Bildschirm an einer Rückwand des Bühnenraums verbunden ist. Über diesen Bildschirm werden auch die im Stück erwähnten Bilder übertragen, ebenso wie die Titel der fünf Teile des Stücks. Im Inneren des vergitterten Bereichs befinden sich ein Basketballkorb, ein Schreibtisch, ein Stuhl und eine Bank. Auf dem Schreibtisch liegen mehrere Bücher und ein Computer, der ebenfalls drahtlos mit dem Bildschirm verbunden ist. Beim Einlass hört man im Hintergrund das LiedAmada amantevon Roberto Carlos (von ihm selbst gesungen). Beim Auslass hingegen läuftWith or withoutyouvon U2 (gesungen von Bono). Während das Licht in der Schlussszene herunterdimmt, muss dementsprechend dasAndanteaus demKlavierkonzert Nr. 21 in C-Durvon Mozart langsam durchWith or without youersetzt werden,sodass im völligen Black einzig und allein Bonos Stimme zu hören ist.

Erstes Viertel

*

S Können wir? Also dann. Guten Abend, allerseits. Ich hoffe, Sie fühlen sich wohl bei uns. Herzlich Willkommen. Ich möchte Ihnen kurz, in ein paar Worten, erklären, warum wir hier sind. Vor einer Weile bekam ich einen Projektauftrag vom Theater San Martín in Buenos Aires. Zuerst schlug ich ein Stück vor, das hieß, also, heißt immer noch, Darwins Sprung und handelt vom Falklandkrieg. Ich fand es interessant, das Thema einige Jahre nach dem Krieg anzugehen. Das Projekt wurde erstmal genehmigt und wir machten uns mit dem Produktionsteam an die Arbeit. Dann aber bekam ich eine Mail mit der Bitte, lieber ein anderes Stück zu machen. Ich fragte, ob es wegen des Themas sei, und man sagte mir, ja, das Thema Falklandinseln solle man zur Zeit besser ruhen lassen. Also legten wir Darwins Sprung beiseite und ich entwickelte dieses Projekt hier, Theben-Park. Als ich der Theaterleitung meinen ersten Entwurf vorlegte, bekam ich sofort eine Zusage und machte mich daran, diese Arbeit zum Thema Vatermord in die Tat umzusetzen. Ich erklärte dem Theater, dass ich mit einem echten Häftling auf der Bühne arbeiten wollte, mit einem echten Vatermörder. Das San Martín und ich leiteten also zuerst alle administrativen und juristischen Formalitäten in die Wege, die dafür notwendig waren. Für mich ist die tatsächliche Anwesenheit des Häftlings keine Nebensache, sie ist die Grundlage des Projekts. Von Anfang an wollte ich die Geschichte eines Vatermörders als eine Art Performance erzählen und gar nicht zwingend auf das Schauspiel zurückgreifen. Sie haben es sich sicher bereits gedacht, genau deshalb ist das Bühnenbild eine Art Käfig, ein Gitter. Das war eine der Auflagen des Ministeriums. Wir hatten bestimmte Sicherheitsvorgaben zu beachten, unter anderem das Vergittern des Bühnenraums. Ich zitiere aus dem entsprechenden Amtsschreiben: „ein mindestens drei Meter hohes Gitter“. Wie Sie sehen, wurde diese Anweisung haargenau befolgt. Die Vorstellung, ein Gitter aufzubauen, also der Gedanke eines Käfigs, gefiel am Anfang weder mir noch dem San Martín. Aber dann sind wir zum ersten Mal ins Gefängnis gegangen, um den Vatermörder zu treffen, Martín, so heißt er, Martín Santos, und unser erstes Treffen fand unglaublicherweise in einem Basketballcourt statt. Einem Court, der von einem Gitter wie diesem hier umgeben ist, wie in Gefängnissen so üblich. Ich habe das Gitter gesehen und gewusst, das ist es, wir haben die Lösung für unser Sicherheitsproblem: Die Bühne wird von einem Gitteraufbau umgeben sein. Das würde zum einen den Bestimmungen des Ministeriums genügen, zum anderen könnte ich dramaturgisch gesehen den Ort meiner Treffen mit Martín nachbilden. Jedenfalls wurde die Auflage erfüllt. Nebenbei gesagt muss ich gestehen: Ich fand es künstlerisch interessant, dass die Bühnenanweisungen für dieses Projekt teilweise vom Innenministerium diktiert wurden. Ich weiß noch genau, gleich nach unserem ersten Termin fragte ich den Gefängnisdirektor, ob alle meine Treffen mit Martín in dem Basketballcourt stattfinden könnten. Die Antwort war ja. Gut … Vielleicht könnten wir unser erstes Treffen spielen. Unser Kennenlernen. Ja? Okay.

* *

S Es war ein Herbstnachmittag. Etwas kühl. Und windig. Sehr windig. Der Direktor der Strafanstalt brachte mich zum Basketballcourt. Dort war Martín, er trainierte. Vor dem Eingang fragte ich den Direktor, ob ich mit Martín allein bleiben könnte. Ich wollte in Ruhe mit ihm reden. Er sagte ja. Kein Problem. Dass ich allein rein könnte, nur müssten der Vorschrift gemäß ein paar Wachleute den Basketballcourt aus einiger Entfernung im Auge behalten. Ich sagte, das könnte ich gut verstehen. Martín war allein. Er wusste, dass er Besuch bekommen sollte. Er wusste, dass jemand mit ihm reden wollte, um einen Text zu schreiben und ein Stück zu inszenieren. Die Gefängnisleitung hatte ihn natürlich nach seinem Einverständnis gefragt, und er hatte ja gesagt. Am Anfang wollte ich lieber von draußen mit ihm sprechen und warten, bis er mich aufs Spielfeld einladen würde. Hallo.

MARTÍN Du bist das?

S Ja. Sicher.

MARTÍN Ich dachte, du wärst älter. Oder so.

S Ist dir nicht kalt?

MARTÍN Nein. Wie spät ist es?

S Fünf.

MARTÍN Okay. Ich hab nicht viel Zeit. Du wolltest früher hier sein.

S Ja. Wir sind ein bisschen spät dran. Es gab Probleme. Entschuldige bitte.

MARTÍN Was ist das für ne Marke?

S Wie bitte?

MARTÍN Was das für eine Marke ist.

S Ah. Eine Casio.

MARTÍN Wasserdicht?

S Keine Ahnung. Ich glaube schon. Ja. Bis auf dreihundert Meter.

MARTÍN Mit Stoppuhr?

S Ja. Hat sie.

MARTÍN Und Wecker?

S Ja. Hat sie auch. Magst du Uhren?

MARTÍN Wie spät war es nochmal?

S Fünf.

MARTÍN Ach ja, genau.

S Du hast mir nicht geantwortet.

MARTÍN Worauf?

S Ob du Uhren magst.

MARTÍN Ja. Aber … Ich mag keine Geschenke.

S Ich auch nicht.

MARTÍN Ich dachte, du wärst jemand Älteres.

S Wieso?

MARTÍN Was weiß ich. Na, die meinten, da kommt ein Schriftsteller, der will ein Buch schreiben. Und mit mir sprechen. Mich kennenlernen. Wie alt bist du?

S Neununddreißig.

MARTÍN Neununddreißig?

S Ja.

MARTÍN Schau an. Und wie alt schätzt du mich?

S Ich weiß, wie alt du bist.

MARTÍN Ach … Du hast sie schon gelesen…

S Ja. Deine Akte.

MARTÍN Und die haben mit dir gesprochen.

S Nein, nein. Ich kenne nur deine Akte. Sonst nichts.

MARTÍN Und wozu willst du mich kennenlernen?

S Kann ich reinkommen?

MARTÍN Hast du keine Angst?

S Ein bisschen.

MARTÍN Wenn du meine Akte gelesen hast, dann weißt du …

S Was?

MARTÍN Nichts.

S Stört dich, dass ich sie gelesen habe?

MARTÍN Nein.

S Könnte man meinen.

MARTÍN Komm rein, wenn du willst.

S Bist du oft hier?

MARTÍN Jeden Nachmittag.

S Jeden Nachmittag?

MARTÍN Die Zellen sind klein. Sehr klein. Da ist nicht viel Platz. Wenn man sich nicht bewegt, schrumpft der Körper irgendwie zusammen. Die Muskeln verkrampfen. Und das tut weh. Sehr weh. Warst du mal in einer Zelle?

S Nein, nie.

MARTÍN Das ist wie in einer Kiste. Entweder du bewegst dich ein bisschen, oder du bist im Arsch. Am schlimmsten ist der Schmerz hier. Im Nacken. Der wird steif und bringt dich um. Hilft also nichts, man muss sich bewegen.

S Magst du Basketball?

MARTÍN Es ist das einzige, was draußen geht, ohne dass dich einer stört. Du bist alleine. Hast deine Ruhe. Du, der Ball, der Korb und sonst keiner. Keiner stört dich, verstehst du? Du bist ganz alleine.

S Es sind doch immer Wachleute da, oder?

MARTÍN Ja, aber die stören nicht. Die ärgern uns nicht. Im Gegenteil. Die schauen nur. Die schauen mir beim Trainieren zu.

S Und gefällt dir das?

MARTÍN Was?

S Dass sie dir zuschauen.

MARTÍN Ja. Es stört mich nicht. Außerdem gewöhnst du dich hier daran. Die schauen dir die ganze Zeit zu. Das hört nie auf. Die schauen dir beim Schlafen zu. Beim Aufwachen. Beim Pinkeln. Beim Waschen. Beim Essen. Beim Training. Siehst du die Kamera da?

S Die war mir nicht aufgefallen.

MARTÍN Die schauen uns die ganze Zeit zu. Jetzt schauen sie uns auch zu.

S Ah ja. Ich kann’s mir denken.

MARTÍN Irgendwann gewöhnst du dich dran.

S Mit der Zeit vergisst du es fast, oder?

MARTÍN Nein. Wie denn? Im Gegenteil. Das vergisst du nie. Es ist immer da. Wie jemand, der immer bei dir ist. Die sind dort, auf der Seite, und wir sind hier, auf der anderen. Außerdem mögen wir’s doch alle, wenn uns jemand zusieht, oder?

S Ich weiß nicht. Nein. Eher nicht. Ich zum Beispiel mag das nicht.

MARTÍN Willst du mal werfen?

S Nein danke.

MARTÍN Nein danke.

S Warum lachst du?

MARTÍN Nichts. Schon gut. Zu mir hat nur schon lange keiner mehr nein danke gesagt. Ist eben komisch.

S Ja. Kann ich mir vorstellen.

MARTÍN Spielst du nie?

S Basketball? Nein. Nie. Nur ein bisschen als Kind. Mein Vater hat mich ein Jahr lang zum Basketball geschickt.

MARTÍN Ach …

S Was ist?

MARTÍN Nichts. Gar nichts.

S Doch. Irgendwas ist.

MARTÍN Du weißt, warum ich hier bin?

S Ja. Das weiß ich. Ich hab doch deine Akte gelesen.

MARTÍN Ach ja. Stimmt. Manchmal … Vergesse ich. Sachen. Und was ist dein Lieblingssport?

S Ich habe keinen. Nein.

MARTÍN Was? Du machst gar keinen Sport?

S Doch. Ich gehe zweimal pro Woche schwimmen.

MARTÍN Im Schwimmbad?

S Klar.

MARTÍN Und du wusstest nicht, dass deine Uhr wasserdicht ist?

S Nein, das wusste ich nicht. Dann werde ich sie jetzt nicht mehr abmachen.

MARTÍN Wie spät?

S Keine Sorge. Wir können bleiben, solange wir wollen. Der Direktor hat mir die Erlaubnis gegeben …

MARTÍN Ja, aber nach halb sechs gibt es kein warmes Wasser mehr.

S Ah, okay. In dem Fall …

MARTÍN Und du hättest um vier da sein sollen.

S Ja. Nein … Kein Problem. Ich möchte nicht …

MARTÍN Die Zeit ist rum.

S Gut, also ... Heute … Ging es sowieso erst mal darum … Uns kennenzulernen. Ein erster Kontakt.

MARTÍN Ja.

S Ich fände es schön, wenn wir uns ab jetzt ein oder zweimal die Woche sehen könnten.

MARTÍN Okee.

S Wenn du einverstanden bist, natürlich.

MARTÍN Ja. Hab ich doch gesagt.

S Wir können uns hier treffen.

MARTÍN Ja, können wir machen. Und dann?

S Der Plan ist, dass wir uns die ersten Male hier treffen, miteinander arbeiten und dass du später dann ins Theater kommst.

MARTÍN Ja. Das haben die mir schon erklärt.

S Am Anfang unterhalten wir uns, nach und nach fange ich an zu schreiben, dann proben wir und wenn wir fertig sind, zeigen wir unsere Arbeit dem Publikum.

MARTÍN Im Theater?

S Ja, natürlich, im Theater. In der Projektbeschreibung steht alles drin. Vier Vorstellungen pro Woche. Du wirst hingebracht und wieder abgeholt. Und im Theater gibt es ein Sicherheitssystem.

MARTÍN Aber ich bin kein … Wie soll ich sagen? Ich bin kein Schauspieler.

S Ja, ich weiß. Macht aber nichts. Überhaupt nichts.

MARTÍN Und noch was. Ich bin … Eigentlich … Noch nie im Theater gewesen.

S Das macht auch nichts. Mach dir keine Sorgen.

MARTÍN Und das Fernsehen?

S Das Fernsehen?

MARTÍN Wir werden doch auch im Fernsehen sein.

S Nein, nein. Nur im Theater.

MARTÍN Aber ich hab was von Bildschirmen gelesen.

S Ja. Stimmt. Es wird Bildschirme geben, aber die haben nichts mit dem Fernsehen zu tun. Das erkläre ich dir noch.

MARTÍN Okay.

S Sicher hat man dir auch gesagt, dass du bezahlt wirst.

MARTÍN Ja.

S Gut. Also. Und das Projekt … Die Idee … Gefällt sie dir?

MARTÍN Ja.

S Dann schlag ein.

MARTÍN Wie heißt du?

S Warum fragst du, das weißt du doch.

MARTÍN Ich hatte Lust, dich zu fragen.

S Du kannst mich S nennen.

MARTÍN Okee.

S Bleibst du hier?

MARTÍN Ja. Ich muss warten, bis die mich abholen.

S Alles klar. Mach’s gut.

MARTÍN Wann kommst du wieder?

S Nächste Woche.

* * *

S