Throne of Glass 2 - Kriegerin im Schatten - Sarah J. Maas - E-Book

Throne of Glass 2 - Kriegerin im Schatten E-Book

Sarah J. Maas

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9,99 €

Beschreibung

Jetzt im Taschenbuch Celaena hat sich in einem unerbittlichen Wettkampf gegen ihre Konkurrenten durchgesetzt und ist nun Champion des Königs. Nach seinen Vorgaben soll sie unliebsame Gegner beseitigen, die dessen grausame Herrschaft beenden wollen. Doch statt sie aus dem Weg zu räumen, warnt Celaena seine Feinde und ermöglicht ihnen so die Flucht. Dieses Geheimnis verbirgt sie zunächst selbst vor Chaol, zu dem sie sich gegen ihren Willen immer mehr hingezogen fühlt. Wie sehr kann sie ihm vertrauen? Schließlich ist Chaol der Captain der königlichen Leibgarde. Soll sie auf ihr Herz oder ihren Verstand hören?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 610




Sarah J. Maas

Throne of Glass

Kriegerin im Schatten

Roman

Aus dem amerikanischen Englisch von Ilse Layer

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Für Susan –

beste Freundinnen, bis wir nur noch Staub sind.

(Mehr als das.)

IDer Champion des Königs

1

Die im Sturmwind klappernden Fensterflügel waren das einzige Anzeichen für ihr Eindringen. Niemand hatte bemerkt, wie sie über die Gartenmauer der dunklen Villa geklettert war, und beim Donnern und dem peitschenden Wind vom nahen Meer hatte niemand gehört, wie sie am Regenrohr nach oben geglitten, im zweiten Stock auf dem Fenstersims gelandet und in den Flur geschlüpft war.

Beim Geräusch näher kommender Schritte drückte sich der Champion des Königs in eine Nische. Unter einer schwarzen Maske und Kapuze verborgen, tat sie alles, um mit der Dunkelheit zu verschmelzen, Teil der Schatten zu werden. Ein Dienstmädchen ging an ihr vorbei zum offenen Fenster und schloss es grummelnd. Sekunden später stieg sie die Treppe am anderen Ende des Flurs wieder nach unten. Die nassen Fußabdrücke auf den Dielen hatte sie nicht bemerkt.

Ein Blitz erhellte den Flur. Die Assassinin holte noch einmal tief Luft und rief sich den Grundriss ins Gedächtnis, den sie sich in den drei Tagen, seit sie die Villa in einem Vorort von Bellhaven überwachte, in allen Details eingeprägt hatte. Fünf Türen auf jeder Seite. Lord Niralls Schlafzimmer befand sich hinter der dritten Tür links.

Sie lauschte auf Schritte anderer Bediensteter, doch im Haus blieb es still, nur der Sturm tobte weiter.

Lautlos und geschmeidig wie ein Geist schlich sie durch den Flur. Lord Niralls Schlafzimmertür gab beim Öffnen ein leises Knarren von sich. Sie wartete das nächste Donnergrollen ab, bevor sie die Tür hinter sich schloss.

Der nächste Blitz ließ die Umrisse von zwei Menschen erkennen, die in dem Himmelbett schliefen. Lord Nirall war höchstens fünfunddreißig und seine schöne, dunkelhaarige Frau schlief tief und fest in seinen Armen. Womit hatten sie den König derart gegen sich aufgebracht, dass er ihren Tod wünschte?

Die Assassinin schlich zum Bett. Sie hatte keine Fragen zu stellen, sondern zu gehorchen. Nur dann würde sie ihre Freiheit wiedererlangen. Bei jedem Schritt auf Lord Nirall zu rief sie sich den Plan noch einmal in Erinnerung.

Ihr Schwert glitt fast lautlos aus der Scheide. Schaudernd holte sie Luft und konzentrierte sich auf das, was gleich kommen würde.

Im selben Moment, als das Schwert des Champions über Lord Niralls Kopf schwebte, schlug dieser die Augen auf.

2

Celaena Sardothien schritt durch die Flure des gläsernen Schlosses von Rifthold. Der schwere Sack in ihrer Hand schwang bei jedem Schritt mit und schlug immer wieder gegen ihre Knie. Obwohl die Kapuze des schwarzen Umhangs ihr Gesicht verbarg, stoppten die Wachen sie nicht, als sie auf den Ratssaal des Königs von Adarlan zusteuerte. Sie wussten ganz genau, wer sie war und was sie für den König tat. Als Champion des Königs stand sie im Rang über ihnen. Jetzt gab es im Schloss nur noch wenige, bei denen das nicht der Fall war. Und noch ein paar weniger, die sie nicht fürchteten.

Mit wehendem Umhang näherte sie sich der offenen Glastür. Die auf beiden Seiten postierten Wachen nahmen Haltung an und sie nickte ihnen zu, bevor sie den Ratssaal betrat. Ihre schwarzen Stiefel machten auf dem roten Marmorboden fast kein Geräusch.

Auf dem Glasthron in der Mitte des Raums saß der König von Adarlan und starrte finster auf den Sack in ihrer Hand. Genau wie bei den letzten drei Malen blieb sie vor dem Thron stehen, beugte ein Knie und senkte den Kopf.

Dorian Havilliard stand neben dem Thron seines Vaters und Celaena konnte spüren, dass er seine saphirblauen Augen auf sie gerichtet hatte. Am Fuß des erhöht platzierten Throns, zwischen ihr und der Königsfamilie, stand wie immer Chaol Westfall, der Captain der Garde. Sie sah unter ihrer Kapuze zu ihm hoch, las in seinem Gesicht. Nach seiner ausdruckslosen Miene zu schließen hätte sie für ihn auch eine Unbekannte sein können. Doch sie erwartete nichts anderes, es gehörte einfach zu dem Spiel, das sie in den letzten paar Monaten immer besser beherrschten. Chaol mochte ihr Freund sein, jemand, dem sie mittlerweile vertraute, aber er war noch immer der Captain der königlichen Leibgarde und damit für die Sicherheit der Angehörigen des Königshauses in diesem Raum verantwortlich.

»Erhebt Euch«, sagte der König.

Celaena richtete sich auf, den Kopf hoch erhoben, und streifte die Kapuze ab.

Der König machte eine Handbewegung in ihre Richtung, bei der der Obsidianring an seinem Finger im Nachmittagslicht funkelte. »Ist die Sache erledigt?«

Celaena, die Handschuhe trug, griff in den Sack und warf einen abgeschlagenen Kopf in seine Richtung. Niemand sagte ein Wort, als er aufprallte, ein dumpfes Geräusch von kaltem, verwesendem Fleisch auf Marmor. Er blieb vor den Stufen zum Thron liegen, die milchigen Augen auf den verschnörkelten gläsernen Kronleuchter über sich gerichtet.

Dorian wich zurück und wandte den Blick von dem Kopf ab. Chaol sah nur sie an.

»Er hat sich gewehrt«, sagte Celaena.

Der König beugte sich vor, um das verwundete Gesicht und den abgehackten Hals genauer zu betrachten. »Ich erkenne ihn kaum wieder.«

Celaena setzte ein spöttisches Lächeln auf, obwohl ihre Kehle wie zugeschnürt war. »Abgeschlagene Köpfe überstehen Reisen leider nicht besonders gut.« Sie griff erneut in ihren Sack und zog eine Hand heraus. »Hier ist sein Siegelring.« Sie bemühte sich, das verwesende Fleisch in ihrer Hand und den Gestank, der mit jedem Tag schlimmer geworden war, zu ignorieren, und hielt die Hand Chaol hin. Dessen bronzefarbene Augen blickten abwesend drein, als er sie entgegennahm und dem König reichte. Dieser zog mit vor Widerwillen gekräuselten Lippen den Ring von dem steifen Finger ab und warf Celaena die Hand vor die Füße, um den Ring unter die Lupe zu nehmen.

Neben seinem Vater trat Dorian unruhig von einem Bein aufs andere. Während des Wettkampfs um den Titel des Champions schien ihm ihre Vergangenheit als Assassinin nichts ausgemacht zu haben. Was hatte er denn gedacht, wie es weitergehen würde, nachdem sie zum Champion des Königs ernannt worden war? Beim Anblick von abgeschlagenen Gliedmaßen und Köpfen drehte sich aber wahrscheinlich den meisten Leuten der Magen um, selbst nach einem Jahrzehnt unter Adarlans Herrschaft. Und Dorian, der nie eine Schlacht oder Massenhinrichtungen erlebt hatte … Vielleicht sollte sie schon davon beeindruckt sein, dass er sich noch nicht übergeben hatte.

»Was ist mit seiner Frau?«, fragte der König, während er den Siegelring unablässig hin- und herdrehte.

»Liegt an die Überreste ihres Mannes gekettet auf dem Meeresboden«, erwiderte Celaena mit einem bösen Grinsen und förderte mit einem weiteren Griff in ihren Sack eine schmale, bleiche Hand samt goldenem Ehering zutage, in den das Datum der Hochzeit eingraviert war. Sie hielt sie dem König hin, doch der schüttelte den Kopf. Sie vermied es, Dorian oder Chaol anzusehen, als sie die Frauenhand wieder in den groben Leinensack zurücksteckte.

»Sehr schön«, murmelte der König. Celaena rührte sich nicht, während er den Blick über sie, den Sack und den abgeschlagenen Kopf wandern ließ. Nach unerträglich langem Schweigen sprach er weiter: »Es gibt hier in Rifthold eine wachsende Rebellenbewegung, eine Organisation von Leuten, die mich um jeden Preis vom Thron stoßen wollen und meine Pläne zu durchkreuzen versuchen. Euer nächster Auftrag besteht darin, sie alle aufzuspüren und zu erledigen, bevor sie zu einer echten Gefahr für mein Reich werden.«

Celaena packte den Sack so fest, dass ihre Finger schmerzten. Chaol und Dorian starrten nun den König an, als hörten sie davon ebenfalls zum ersten Mal.

Bevor sie nach Endovier gegangen war, hatte sie Gerüchte über eine Widerstandsbewegung gehört – in den Salzminen war sie auch tatsächlich Rebellen begegnet, die in Gefangenschaft geraten waren. Aber dass mitten in der Hauptstadt eine solche Bewegung heranwuchs und ausgerechnet sie diese Widerstandskämpfer einen nach dem anderen umbringen sollte … Und Pläne – was für Pläne? Was wussten die Rebellen über die Vorhaben des Königs? Celaena drängte all diese Fragen zurück, bis sie sicher war, dass man sie ihr nicht mehr am Gesicht ablesen konnte.

Der König trommelte mit den Fingern auf die Armlehne seines Throns und spielte mit der anderen Hand noch immer mit Lord Niralls Siegelring. »Auf meiner Liste von mutmaßlichen Verrätern stehen mehrere Leute, aber ich werde Euch immer nur einen Namen nennen. In diesem Schloss wimmelt es von Spionen.«

Bei diesen Worten spannte sich Chaol sichtlich an, doch auf ein Zeichen des Königs hin kam er mit undurchdringlicher Miene auf sie zu.

Celaena schaute ihm nicht ins Gesicht, als er ihr ein Blatt Papier überreichte, selbst als seine behandschuhten Finger dabei ihre streiften. Ohne sich etwas anmerken zu lassen, las sie, was da stand. Es war nur ein einziger Name: Archer Finn.

Sie musste ihre gesamte Selbstbeherrschung aufbringen, um zu überspielen, wie schockiert sie war. Sie kannte Archer – hatte ihn kennengelernt, als sie dreizehn war und er zum Training in den Unterschlupf der Assassinen gekommen war. Er war mehrere Jahre älter als sie und damals bereits eine überaus gefragte männliche Kurtisane gewesen, gezwungen, sich ein paar Techniken anzueignen, um sich vor seinen überaus eifersüchtigen Kundinnen zu schützen. Und deren Ehemännern.

Es hatte ihm nie etwas ausgemacht, der Schwarm dieses albernen Mädchens zu sein. Er hatte sogar zugelassen, dass sie ihre Flirtkünste an ihm erprobte, und dabei war sie meist aus dem Kichern nicht mehr herausgekommen. Nun hatte sie ihn natürlich jahrelang nicht gesehen – schon vor Endovier nicht mehr –, doch so etwas hätte sie ihm nie zugetraut. Er war ein attraktiver, umgänglicher und humorvoller Typ, kein Hochverräter, der so gefährlich war, dass der König seinen Tod wollte.

Das war absurd. Wer auch immer den König mit Informationen versorgte, war ein verdammter Idiot.

»Nur ihn oder auch all seine Kundinnen?«, entfuhr es Celaena.

Die Lippen des Königs verzogen sich langsam zu einem Lächeln. »Ihr kennt Archer? Das überrascht mich nicht.« Ein Seitenhieb – eine Provokation.

Sie starrte einfach geradeaus, zwang sich, ruhig zu bleiben, bewusst zu atmen. »Von früher. Er ist ein außergewöhnlich gut bewachter Mann. Ich werde Zeit brauchen, um an ihn heranzukommen.« Ganz vorsichtig formuliert, ganz beiläufig gesagt. Wofür sie wirklich Zeit brauchte, war, herauszufinden, wie Archer in so ein Schlamassel geraten war – und ob der König die Wahrheit sagte. Wenn Archer wirklich ein Verräter und Rebell war … Was sie dann mit ihm machte, konnte sie später entscheiden.

»Dann habt Ihr einen Monat«, bestimmte der König. »Wenn er bis dahin nicht begraben ist, überdenke ich Eure Position möglicherweise noch einmal.«

Sie nickte unterwürfig, ergeben, anmutig. »Danke, Eure Majestät.«

»Wenn Ihr Archer erledigt habt, bekommt Ihr den nächsten Namen auf der Liste.«

So viele Jahre hatte sie sich von den politischen Angelegenheiten der Königreiche – insbesondere ihren Rebellenbewegungen – ferngehalten und jetzt steckte sie mittendrin. Großartig.

»Handelt rasch«, fügte der König warnend hinzu. »Und diskret. Euer Lohn für Nirall befindet sich bereits in Euren Gemächern.«

Celaena nickte wieder und steckte das Blatt Papier ein.

Der König ließ sie nicht aus den Augen. Celaena mied seinen Blick, sorgte jedoch dafür, dass sie den Eindruck erweckte, als freute sie sich bereits auf die Jagd. Schließlich sah der König an die Decke. »Schafft diesen Kopf weg und geht.« Als er Lord Niralls Siegelring in die Tasche steckte, verbarg Celaena, wie angewidert sie war. Für ihn war der Ring eine Trophäe.

Sie hob den Kopf an den dunklen Haaren hoch, griff nach der abgehackten Hand und stopfte beides in den Sack. Mit einem Seitenblick auf Dorian, dessen Gesicht kalkweiß geworden war, drehte sie sich auf dem Absatz um und verließ den Ratssaal.

~

Dorian Havilliard stand stumm da, während die Dienstboten umräumten und den riesigen Eichentisch und die verschnörkelten Stühle in die Mitte des Raums rückten. In drei Minuten hatten sie eine Ratsversammlung. Er bekam gerade noch mit, wie Chaol sagte, er wolle eine Nachbesprechung mit Celaena machen, und darum bat, sich zurückziehen zu dürfen. Sein Vater nickte zustimmend.

Celaena hatte einen Mann und seine Frau getötet. Und zwar auf Befehl seines Vaters. Dorian hatte beide kaum ansehen können. Er hatte gehofft, nach dem Massaker an den Eyllwe-Rebellen hätte sein Vater seine brutale Politik neu ausgerichtet, aber es schien im selben Stil weiterzugehen. Und Celaena …

Sobald die Bediensteten fertig waren, setzte Dorian sich auf seinen gewohnten Platz rechts von seinem Vater. Nacheinander fanden sich die Ratsherren ein, auch Herzog Perrington, der direkt zum König ging und leise mit ihm sprach, zu leise, als dass Dorian etwas verstanden hätte.

Dorian machte sich nicht die Mühe, eine Unterhaltung mit jemandem zu beginnen, sondern starrte nur auf den Glaskrug mit Wasser vor sich. Celaena hatte gerade eben nicht wie sie selbst gewirkt.

Eigentlich war sie schon seit zwei Monaten so, seit ihrer Ernennung zum Champion des Königs. Ihre wunderschönen Kleider hatte sie gegen eine strenge, kurz geschnittene schwarze Tunika und Hosen ausgetauscht und trug das Haar zu einem langen Zopf geflochten, der in den Falten dieses dunklen Umhangs verschwand, in den sie sich nun immer hüllte. Sie war ein schöner Geist – und wenn sie ihn ansah, war es, als wüsste sie nicht einmal, wer er war.

Dorian starrte auf die offene Tür, durch die sie vor wenigen Minuten verschwunden war.

Wenn es ihr so leichtfiel, Menschen zu töten, war es vielleicht auch ein Kinderspiel für sie gewesen, ihm vorzugaukeln, dass sie etwas für ihn empfand. Einen Verbündeten aus ihm zu machen – ihn dazu zu bringen, sie so sehr zu lieben, dass er sich ihretwegen gegen seinen Vater stellte und dafür sorgte, dass sie zum Champion ernannt wurde …

Dorian konnte den Gedanken nicht zu Ende denken. Er würde ihr einen Besuch abstatten. Vielleicht morgen. Nur um zu sehen, ob er sich nicht doch täuschte.

Trotzdem ließ ihm die Frage, ob er Celaena jemals etwas bedeutet hatte, keine Ruhe.

~

Celaena stieg auf dem mittlerweile vertrauten Weg rasch und leise zum Abwasserkanal des Schlosses hinab. Es handelte sich um denselben Kanal, der auch durch ihren Geheimtunnel floss, nur stank er hier noch schlimmer, da die Dienstboten fast stündlich alle möglichen Abfälle hineinkippten.

Ihre Schritte, dann ein zweites Paar – die von Chaol –, hallten in dem langen unterirdischen Gang. Doch sie sagte kein Wort, bis sie am Wasser stehen blieb und zu den Torbögen spähte, die sich zu beiden Seiten des Kanals auftaten. Es war niemand hier.

»Also«, fragte sie, ohne sich umzudrehen, »begrüßt du mich jetzt endlich oder willst du mir bloß überallhin nachlaufen?« Sie wandte ihm das Gesicht zu, den Sack noch in der Hand.

»Spielst du noch immer den Champion des Königs oder bist du jetzt endlich wieder Celaena?« Seine bronzefarbenen Augen blitzten im Fackelschein.

Natürlich merkte Chaol den Unterschied; er merkte alles. Sie konnte nicht sagen, ob sie das gut fand oder nicht, besonders, wenn so ein bissiger Unterton in seinen Worten lag.

Als sie stumm blieb, fragte er: »Wie war’s in Bellhaven?«

»So wie immer.« Sie wusste genau, was er meinte; er wollte wissen, wie es mit ihrem Auftrag gelaufen war.

»Er hat sich also gewehrt?« Er deutete mit dem Kinn auf den Sack in ihrer Hand.

Achselzuckend wandte sie sich wieder dem trüben Wasser zu. »Nichts, womit ich nicht klargekommen wäre.« Sie warf den Sack in den Kanal. Schweigend sahen sie zu, wie er hin und her schaukelte und dann langsam unterging.

Chaol räusperte sich. Sie wusste, dass er das hier hasste. Bevor sie zu ihrem ersten Auftrag aufgebrochen war – zu einem Anwesen an der Küste oben in Meah –, war er derart nervös gewesen, dass sie wirklich gedacht hatte, er würde sie bitten dazubleiben. Und als sie zurückgekehrt war, den abgeschlagenen Kopf im Schlepptau und umschwirrt von Gerüchten über Sir Carlins Ermordung, hatte er eine Woche gebraucht, bis er ihr auch nur wieder in die Augen sehen konnte. Was hatte er denn erwartet?

»Wann startest du mit deinem neuen Auftrag?«, fragte er.

»Morgen. Oder übermorgen. Ich muss mich ausruhen«, fügte sie rasch hinzu, als er die Stirn runzelte. »Abgesehen davon benötige ich nur einen oder zwei Tage, um herauszufinden, wie gut Archer bewacht ist und wie ich an ihn rankomme. Hoffentlich brauche ich den Monat, den der König mir gegeben hat, überhaupt nicht.« Und hoffentlich konnte Archer ihr erklären, wie er auf die Liste des Königs geraten war und welche Pläne der König genau gemeint hatte. Dann würde sie entscheiden, was sie mit ihm machte.

Chaol trat neben sie, den Blick noch immer auf das schmutzige Wasser gerichtet, wo der Sack jetzt bestimmt von der Strömung erfasst und hinaus in den Avery River und anschließend ins Meer getrieben wurde. »Ich würde gern deinen Auftrag mit dir nachbesprechen.«

Sie zog eine Augenbraue hoch. »Willst du vorher nicht wenigstens mit mir zusammen zu Abend essen?«

Als Antwort schaute er sie mit schmalen Augen an. Celaena schmollte.

»Das ist kein Witz. Ich muss genau wissen, wie es mit Nirall gelaufen ist.«

Sie schob ihn lächelnd beiseite und wischte sich die Handschuhe an der Hose ab, bevor sie die Treppe wieder hinaufstieg.

Chaol packte sie am Arm. »Wenn Nirall sich gewehrt hat, kann es Zeugen geben, die etwas mitbekommen haben …«

»Er hat keinen Lärm gemacht«, zischte Celaena und schüttelte ihn ab, um die Stufen hinaufzustürmen. Sie war zwei Wochen unterwegs gewesen und wollte einfach nur schlafen. Sogar der Weg bis nach oben in ihre Gemächer war ihr eigentlich schon zu viel. »Diese Nachbesprechung kannst du dir schenken, Chaol.«

Auf einem schummrigen Treppenabsatz stoppte er sie wieder, seine Hand fest auf ihrer Schulter. »Wenn du unterwegs bist«, sagte er, der ferne Fackelschein erhellte seine markanten Gesichtszüge, »habe ich keine Ahnung, wie es dir ergeht. Ich weiß nicht, ob du verletzt bist oder in irgendeinem Straßengraben verrottest. Gestern hörte ich ein Gerücht, Niralls Mörder sei gefasst.« Sein Gesicht kam noch näher, seine Stimme wurde rau. »Bis du vorhin zurückgekommen bist, dachte ich, sie meinten dich. Ich war drauf und dran, mich selbst auf die Suche nach dir zu machen.«

Nun, das erklärte, warum sie bei ihrer Ankunft beobachtet hatte, wie Chaols Pferd gesattelt wurde. Sie seufzte, ihre Wangen plötzlich heiß. »Du kannst mir ruhig ein bisschen mehr zutrauen. Schließlich bin ich der Champion des Königs.«

Ehe sie es sich versah, zog er sie an sich und schloss sie fest in die Arme.

Ohne zu zögern legte sie ihm die Arme über die Schultern und sog seinen Duft ein. Er hatte sie nicht mehr umarmt seit dem Tag, als sie erfahren hatte, dass sie den Wettkampf ganz offiziell gewonnen hatte, doch die Erinnerung an diese Umarmung schlich sich oft in ihre Gedanken. Und als sie ihn jetzt so hielt, verlangte alles in ihr danach, ihn nie wieder loszulassen.

Seine Nase berührte ihr Genick. »Bei allen Göttern, du riechst entsetzlich«, murmelte er.

Empört stieß sie ihn weg, nun brannte ihr Gesicht wirklich. »Wochenlang Körperteile von Toten durch die Gegend zu schleppen trägt nicht wirklich dazu bei, dass man gut riecht! Und wenn man mir Zeit für ein Bad gelassen hätte, anstatt mich sofort vor den König zu zitieren, hätte ich vielleicht …« Als sie sein Grinsen sah, brach sie ab und boxte ihn an die Schulter. »Idiot.« Sie hakte sich bei ihm unter und zog ihn die Stufen hinauf. »Komm jetzt. Lass uns in meine Gemächer gehen, dann kannst du deine Nachbesprechung wie ein richtiger Gentleman führen.«

Chaol prustete und stupste sie mit dem Ellbogen an, ließ sie aber nicht los.

~

Nachdem eine überglückliche Fleetfoot sich endlich so weit beruhigt hatte, dass Celaena reden konnte, ohne abgeleckt zu werden, fragte Chaol sie bis ins letzte Detail aus und ließ sie mit dem Versprechen zurück, in ein paar Stunden zum Abendessen wiederzukommen. Und nachdem Philippa im Bad um sie herumgeschwirrt war und den Zustand ihrer Haare und Fingernägel beklagt hatte, ließ Celaena sich in ihr Bett sinken.

Fleetfoot sprang zu ihr hinauf und rollte sich dicht bei ihr zusammen. Celaena streichelte das seidige goldene Fell der Hündin und starrte an die Decke, während die Erschöpfung aus ihren schmerzenden Muskeln wich.

Der König hatte ihr geglaubt.

Und selbst Chaol hatte kein einziges Mal an ihrer Geschichte gezweifelt, als er sie gerade eben ausgefragt hatte. Sie konnte sich nicht recht entscheiden, ob sie sich darauf etwas einbilden, enttäuscht sein oder ein schlechtes Gewissen haben sollte. Doch die Lügen waren ihr wie von selbst über die Lippen gekommen. Nirall sei in letzter Sekunde aufgewacht, bevor sie ihn tötete, seiner Frau habe sie die Kehle aufschlitzen müssen, damit sie nicht schrie, und der Kampf sei für ihren Geschmack ein bisschen zu chaotisch gewesen. Sie hatte auch echte Details eingeflochten: das Flurfenster im zweiten Stock, das Gewitter, das Dienstmädchen mit der Kerze … Die besten Lügen waren immer mit der Wahrheit vermischt.

Celaena berührte den Anhänger auf ihrer Brust. ›Elenas Auge‹. Seit ihrer letzten Begegnung in der Gruft war ihr Elena nicht mehr erschienen; hoffentlich würde der Geist der früheren Königin sie nun, da sie der Champion des Königs war, endlich in Ruhe lassen. Gern trug sie hingegen das Amulett, das Elena ihr vor Monaten zu ihrem Schutz gegeben hatte. Es beruhigte sie und war immer warm, als hätte es ein Eigenleben.

Sie drückte es fest. Wenn der König erfuhr, was sie in Wahrheit tat – was sie die ganzen letzten zwei Monate getan hatte …

Für ihren ersten Auftrag hatte sie sich mit der Absicht eingeschifft, die Sache schnell hinter sich zu bringen. Sie hatte sich innerlich aufs Töten eingestellt, hatte sich gesagt, dass Sir Carlin ein Unbekannter für sie war, dessen Leben ihr nichts bedeutete. Doch als sie sein Anwesen erreichte und miterlebte, wie ungewöhnlich freundlich er sein Personal behandelte, als sie ihn mit einem fahrenden Musikanten, dem er in seiner Eingangshalle Obdach gewährte, Lyra spielen sah, als ihr klar wurde, wessen Vorhaben sie da unterstützte … brachte sie es nicht fertig. Sie probierte es mit allen Mitteln, versuchte sich zu zwingen, redete sich gut zu, versprach sich eine Belohnung. Aber sie brachte es nicht fertig.

Allerdings musste sie einen Mord inszenieren – und eine Leiche hinterlassen.

Sie hatte Sir Carlin vor dieselbe Wahl gestellt wie später Lord Nirall: entweder sofort zu sterben oder seinen Tod vorzutäuschen und zu fliehen, und zwar weit weg, und seinen Namen für immer abzulegen. Die vier Männer, die sie bisher hatte töten sollen, hatten sich alle für die Flucht entschieden.

Es war nicht schwer, sie zu überreden, sich von ihrem Siegelring oder anderen symbolträchtigen Gegenständen zu trennen. Und noch leichter war es, ihre Nachtkleidung von ihnen zu bekommen, damit sie sie passend zu den Wunden, die sie ihnen angeblich zugefügt hatte, aufschlitzen konnte. Leichen waren ebenfalls einfach zu besorgen.

Hospitäler hatten immer frische Leichen, die sie loswerden wollten. Es war nie schwer, eine zu finden, die ihrem Opfer einigermaßen ähnlich sah – zumal die Tatorte bisher so weit entfernt gewesen waren, dass das Fleisch auch noch Zeit hatte, sich zu zersetzen.

Sie wusste nicht, wem Lord Niralls Kopf wirklich gehört hatte, nur dass der Betreffende die passende Haarfarbe hatte und dass alles mit ein paar Stichwunden im Gesicht bis zu ihrer Rückkehr nach Rifthold überzeugend aussehen würde. Die Hand stammte ebenfalls von der Leiche. Und die Hand seiner Ehefrau … Die kam von einem jungen Mädchen, das kurz nach der ersten Monatsblutung von einer Krankheit dahingerafft worden war, die eine kundige Heilerin vor zehn Jahren leicht hätte kurieren können. Doch nachdem die Magie verschwunden und sämtliche weisen Frauen erhängt oder verbrannt worden waren, starben die Leute wie die Fliegen. An harmlosen, früher heilbaren Krankheiten. Celaena rollte sich auf die Seite und begrub das Gesicht in Fleetfoots weichem Fell.

Archer. Wie sollte sie seinen Tod vortäuschen? Er war so bekannt und sah so unverwechselbar aus. Sie konnte sich immer noch nicht vorstellen, dass er wirklich etwas mit dieser ominösen Widerstandsbewegung zu tun hatte. Aber wenn er auf der Liste des Königs stand, hatte Archer in den Jahren, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten, seine Talente vielleicht dazu genutzt, an Einfluss zu gewinnen.

Doch was konnte die Bewegung über die Pläne des Königs wissen, das sie zu einer echten Bedrohung machte? Der König hatte bereits den gesamten Kontinent versklavt – was blieb da noch übrig?

Es gab natürlich auch noch andere Kontinente. Andere Kontinente mit wohlhabenden Königreichen – wie Wendlyn, dieses ferne Land jenseits des Meeres. Bisher hatte es Adarlans Flottenangriffen standgehalten, doch über diesen Krieg hatte sie seit ihrem Aufenthalt in Endovier so gut wie nichts mehr gehört.

Und warum sollte sich eine Rebellenbewegung um Königreiche auf anderen Kontinenten kümmern, wenn sie genug Sorgen mit ihrem eigenen hatte? Die Pläne mussten also dieses Land, diesen Kontinent betreffen.

Eigentlich wollte sie gar nichts davon hören. Sie wollte nicht wissen, was der König vorhatte, welche Zukunft ihm für sein Reich vorschwebte. Sie würde diesen Monat nutzen, um zu entscheiden, was sie mit Archer machen sollte, und so tun, als hätte sie dieses schreckliche Wort nie gehört: Pläne.

Celaena unterdrückte einen Schauder. Sie spielte ein sehr, sehr riskantes Spiel. Und jetzt, wo ihre Opfer Leute in Rifthold waren – jetzt, wo es Archer war, würde sie es noch viel besser spielen müssen. Denn wenn der König jemals die Wahrheit erfuhr, wenn er herausfand, was sie tat …

Das wäre ihr Ende.

3

Celaena rannte keuchend durch den dunklen Geheimgang. Als sie über die Schulter zurücksah, entdeckte sie Cain, der sie mit feuerrot glühenden Augen angrinste.

Ganz gleich, wie schnell sie rannte, mit seinen Riesenschritten blieb er ihr mühelos auf den Fersen. Er zog einen Schweif aus grün leuchtenden Wyrdzeichen hinter sich her, deren seltsame Formen und Symbole die alten Steinquader erhellten. Und hinter Cain, mit langen Krallen über den Boden kratzend, rannte der Ridderak.

Celaena stolperte, hielt sich aber aufrecht. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde sie durch Schlamm waten. Sie konnte Cain nicht entkommen. Irgendwann würde er sie einholen. Und wenn der Ridderak sie erst einmal zu fassen bekam … Sie vermied es, noch einmal die gewaltigen Reißzähne anzusehen, die aus seinem Maul ragten, oder die unergründlichen Augen, die funkelten vor Gier, sie Stück für Stück zu verschlingen.

Cains leises Lachen schrammte über die Steinwände. Jetzt war er ganz nah. So nah, dass seine Finger ihr Genick berührten. Er flüsterte ihren Namen, ihren wahren Namen, und sie schrie, als er …

~

Celaena wachte auf und schnappte nach Luft, die Hand um ›Elenas Auge‹ gekrallt. Sie suchte den Raum ab: nach ungewöhnlich dunklen Schatten, nach leuchtenden Wyrdzeichen, nach Anzeichen, dass die hinter dem Gobelin verborgene Geheimtür offen stand. Doch da war nur das Knistern des heruntergebrannten Kaminfeuers.

Sie sank in ihre Kissen zurück. Es war nur ein Albtraum gewesen. Cain und der Ridderak waren tot und Elena würde sie nicht wieder behelligen. Es war vorbei.

Fleetfoot, die unter den vielen Lagen Decken schlief, legte den Kopf auf Celaenas Bauch. Celaena kroch tiefer unter die Decken und schlang die Arme um die Hündin, während sie die Augen wieder schloss.

Es war vorbei.

~

Im kühlen Morgennebel warf Celaena einen Stock über das offene Gelände des Wildparks. Fleetfoot schoss wie ein goldener Blitz durch das verdorrte Gras, so schnell, dass Celaena einen leisen, anerkennenden Pfiff ausstieß. Neben ihr beobachtete auch Nehemia staunend die Hündin. Meist konnten sie sich nur am frühen Morgen sehen, denn Nehemia war voll und ganz damit beschäftigt, Königin Georgina für sich einzunehmen und Informationen über die Pläne des Königs für Eyllwe zusammenzutragen. Wusste der König, dass die Prinzessin einer der Spione war, die er erwähnt hatte? Anscheinend nicht, sonst würde er Celaena niemals sein Vertrauen als sein Champion schenken, schließlich war allgemein bekannt, dass sie befreundet waren.

»Warum Archer Finn?«, grübelte Nehemia auf Eyllwe mit gedämpfter Stimme. Celaena hatte ihr von ihrem neuen Auftrag erzählt, ohne groß auf Einzelheiten einzugehen.

Fleetfoot hatte sich den Stock geschnappt und machte sich schwanzwedelnd auf den Rückweg. Sie war bereits außergewöhnlich groß, obwohl sie noch gar nicht ausgewachsen war. Dorian hatte nie gesagt, mit welchem anderen Hund ihre Mutter sich seiner Meinung nach gepaart hatte. Fleetfoots Größe nach konnte es ein Wolfshund gewesen sein. Oder ein richtiger Wolf.

Celaena reagierte auf Nehemias Frage mit einem Achselzucken und steckte die Hände in die pelzgefütterten Taschen ihres Umhangs. »Der König … er glaubt, dass Archer zu einer Widerstandsbewegung gegen ihn gehört. Einer Bewegung hier in Rifthold, die ihn vom Thron jagen will.«

»So verwegen wäre sicher niemand. Die Rebellen verstecken sich in den Bergen und Wäldern und an Orten, wo die Einheimischen sie schützen und unterstützen können – nicht hier. Rifthold wäre eine tödliche Falle.«

Celaena zuckte erneut mit den Achseln. In diesem Moment war Fleetfoot bei ihnen angelangt und wollte, dass der Stock wieder geworfen wurde. »Offenbar nicht. Und offenbar besitzt der König eine Liste der Leute, die er für Schlüsselfiguren dieser Umsturzbewegung hält.«

»Und du sollst sie … alle umbringen?« Aus Nehemias leicht gebräuntem Gesicht wich alle Farbe.

»Einen nach dem anderen«, antwortete Celaena, während sie den Stock über das neblige Gelände warf, so weit sie konnte. Fleetfoot schoss davon, verdorrtes Gras und die Überreste des letzten Schneesturms knirschten unter ihren riesigen Pfoten. »Er will mir immer nur einen Namen nennen – ziemlich theatralisch, wenn du mich fragst. Aber offensichtlich stehen sie seinen Plänen im Weg.«

»Welchen Plänen?«, fragte Nehemia scharf.

Celaena runzelte die Stirn. »Ich hatte gehofft, das könntest du mir sagen.«

»Nein.« Gespanntes Schweigen. »Wenn du irgendetwas erfährst …«, setzte Nehemia an.

»Ich sehe zu, was ich tun kann«, log Celaena. Sie war nicht einmal sicher, ob sie überhaupt wissen wollte, was der König vorhatte – aber teilen würde sie dieses Wissen ganz bestimmt mit niemandem. Das war egoistisch und vielleicht töricht, doch sie konnte die Warnung nicht vergessen, die der König am Tag ihrer Ernennung zum Champion ausgesprochen hatte: Wenn sie sich als unzuverlässig erwies oder ihn hinterging, würde Chaol sterben. Und anschließend Nehemia, gefolgt von ihrer Familie.

Alle diese Menschen brachte sie mit ihrem Vorgehen – mit jedem vorgetäuschten Tod, mit jeder ihrer Lügen – sowieso schon in Gefahr.

Nehemia schüttelte den Kopf, ohne etwas zu erwidern. Wann immer die Prinzessin oder Chaol oder sogar Dorian sie so ansahen, konnte Celaena es fast nicht ertragen. Aber sie mussten die Lügen ebenfalls glauben. Zu ihrer eigenen Sicherheit.

Nehemia begann, nervös die Hände zu kneten und ihr Blick wurde abwesend. Diesen Gesichtsausdruck hatte Celaena im letzten Monat häufig an ihr gesehen. »Wenn du dir meinetwegen Sorgen machst …«

»Nein«, unterbrach Nehemia. »Du kannst selbst auf dich aufpassen.«

»Was ist es dann?« Celaenas Magen krampfte sich zusammen. Sie wusste nicht, ob sie es ertragen konnte, wenn Nehemia noch länger über die Rebellen sprach. Ja, sie wollte frei vom König sein – sowohl als Champion wie auch als Kind eines unterworfenen Volkes –, aber sie wollte nichts zu tun haben mit irgendwelchen Komplotten, die in Rifthold geschmiedet wurden, und mit der verzweifelten Hoffnung, die die Rebellen noch immer hegten. Sich gegen den König zu stellen war einfach nur dumm. Sie würden es alle mit dem Leben bezahlen.

Doch Nehemia sagte: »In Calaculla wird es immer voller. Jeden Tag treffen mehr Eyllwe-Rebellen ein. Die meisten betrachten es als ein Wunder, dass sie überhaupt noch am Leben sind. Nach dem Massaker an diesen fünfhundert Rebellen … haben meine Leute Angst.« Fleetfoot war wieder zurück und diesmal nahm Nehemia ihr den Stock aus dem Maul und warf ihn in den grauen Morgen. »Aber die Bedingungen in Calaculla …«

Sie stockte, dachte wahrscheinlich an die drei Narben, die sich über Celaenas Rücken zogen, diese unauslöschliche Erinnerung an die Grausamkeit in den Salzminen von Endovier – und daran, dass dort noch immer Tausende Menschen schufteten und starben, auch wenn sie selbst freigekommen war. In Calaculla, dem Schwesterlager von Endovier, war es angeblich noch schlimmer.

»Der König will sich nicht mit mir treffen«, sprach Nehemia weiter und spielte nun mit einem ihrer Zöpfe. »Ich habe ihn jetzt schon dreimal gebeten, mit mir über die Bedingungen in Calaculla zu sprechen, und jedes Mal behauptet er, er habe zu tun. Offenbar ist er zu sehr damit beschäftigt, Leute zu finden, die du umbringen sollst.«

Nehemias Ton war so hart, dass Celaenas Wangen heiß wurden. Fleetfoot kam wieder zurück, doch als Nehemia ihr diesmal den Stock aus dem Maul nahm, behielt sie ihn in der Hand.

»Ich muss etwas unternehmen, Elentiya«, sprach Nehemia weiter; diesen Namen hatte sie Celaena in der Nacht gegeben, als diese ihr eröffnet hatte, dass sie eine Assassinin war. »Ich muss einen Weg finden, meinem Volk zu helfen. Wann reicht es nicht mehr, einfach nur Informationen zusammenzutragen? Wann werden wir endlich handeln?«

Celaena schluckte schwer. Nehemias letztes Wort – »handeln« – jagte ihr mehr Angst ein, als sie zugeben mochte. Noch mehr als das Wort Pläne. Fleetfoot saß schwanzwedelnd zu ihren Füßen und wartete darauf, dass der Stock wieder durch die Luft flog.

Doch da Celaena nichts erwiderte, da sie nichts versprach, so wie immer, wenn Nehemia über diese Dinge redete, ließ die Prinzessin den Stock zu Boden fallen und ging wortlos ins Schloss zurück.

Celaena wartete, bis Nehemias Schritte nicht mehr zu hören waren, und stieß einen tiefen Seufzer aus. In wenigen Minuten würde sie sich mit Chaol zum Lauftraining treffen, und danach … Danach würde sie in die Stadt fahren. Archer konnte bis zum Nachmittag warten.

Schließlich hatte der König ihr einen Monat gegeben und auch wenn sie selbst einige Fragen an Archer hatte, brauchte sie noch dringender ein bisschen Abwechslung. Sie musste Blutgeld unter die Leute bringen.

4

Chaol Westfall sprintete durch den Wildpark, neben ihm hielt Celaena das Tempo. Die kalte Morgenluft schnitt sich wie Glasscherben in seine Lunge; sein Atem bildete kleine Wölkchen. Sie hatten sich so dick eingepackt, wie es ging, ohne unter dem Gewicht zusammenzubrechen – hauptsächlich mehrere Hemden übereinander sowie Handschuhe –, aber obwohl Chaol am ganzen Körper schwitzte, war ihm kalt.

Celaena musste es genauso gehen, denn ihre Nasenspitze, Wangen und Ohren waren rot. Als sie seinen Blick bemerkte, lächelte sie ihn an, und ihre wunderschönen Augen leuchteten türkis. »Müde?«, fragte sie spöttisch. »Ich wusste, dass du nicht trainieren würdest, während ich weg bin.«

Er stieß ein kehliges Lachen aus. »Du hast ganz bestimmt nicht trainiert, während du deinen Auftrag ausgeführt hast. Das ist schon das zweite Mal heute Morgen, dass ich wegen dir langsamer laufen muss.«

Eine glatte Lüge. Jetzt hielt sie mühelos mit ihm Schritt, lief anmutig neben ihm her wie ein Hirsch im Wald. Manchmal fiel es ihm ungeheuer schwer, sie nicht anzusehen – zu beobachten, wie sie sich bewegte.

»Träum weiter«, sagte sie und rannte ein bisschen schneller.

Er zog mit, um nicht zurückzubleiben. Dienstboten hatten einen Weg durch den verschneiten Wildpark freigeschaufelt, trotzdem war der Boden unter ihren Füßen glatt und tückisch.

In letzter Zeit hatte er es immer deutlicher gemerkt: wie sehr er es hasste, wenn sie ihn zurückließ. Wenn sie zu diesen verfluchten Aufträgen aufbrach und er tage- oder wochenlang nichts von ihr hörte. Er wusste nicht, wie oder wann es passiert war, nur dass es ihm mittlerweile wichtig war, ob sie zurückkam oder nicht. Und nach allem, was sie bereits zusammen durchgestanden hatten …

Er hatte Cain nach dem Zweikampf getötet. Um sie zu retten. Ein Teil von ihm bereute es nicht; ein Teil von ihm würde es jederzeit wieder tun. Aber der andere Teil riss ihn noch immer mitten in der Nacht aus dem Schlaf und der kalte Schweiß, in den er gebadet war, erinnerte allzu sehr an Cains Blut.

Sie sah zu ihm herüber. »Was ist?«

Er kämpfte gegen die aufsteigenden Schuldgefühle. »Behalt deine Augen auf dem Weg, sonst rutschst du aus.«

Ausnahmsweise tat sie, was er sagte. »Willst du darüber reden?«

Ja. Nein. Wenn jemand das Schuldgefühl und die Wut verstehen konnte, die ihn überfielen, wenn er daran dachte, wie er Cain getötet hatte, dann Celaena. »Wie oft«, fragte er zwischen zwei Atemzügen, »denkst du eigentlich an die Leute, die du umgebracht hast?«

Ein rascher Seitenblick, dann wurde sie langsamer. Ihm war nicht nach einer Unterbrechung zumute und er wäre vielleicht weitergelaufen, hätte sie ihn nicht am Ellbogen gepackt und gezwungen, eine Pause einzulegen. Ihr Mund war eine schmale Linie. »Wenn du glaubst, es wäre in irgendeiner Hinsicht eine gute Idee, mir Vorwürfe zu machen, bevor ich gefrühstückt habe …«

»Nein«, unterbrach er keuchend. »Nein, so habe ich es nicht gemeint …« Er schnappte nach Luft. »Es geht mir nicht um Vorwürfe.« Wenn er endlich wieder zu Atem käme, könnte er seine Frage erklären.

Ihre Augen waren so eisig wie der Wildpark um sie herum, doch dann legte sie den Kopf schräg. »Ist es wegen Cain?«

Als sie den Namen aussprach, bekam er nur ein Nicken hin.

Das Eis in ihren Augen schmolz augenblicklich. Er hasste diesen mitfühlenden, verständnisvollen Gesichtsausdruck.

Er war der Captain der Garde – früher oder später hatte es zwangsläufig dazu kommen müssen, dass er jemanden tötete. Er hatte im Namen des Königs bereits allerhand gesehen und getan; er hatte gegen andere Männer gekämpft und dabei etliche verletzt. Schuldgefühle sollte er also überhaupt nicht haben und vor allem sollte er ihr nichts davon erzählen. Irgendwo gab es eine Grenze zwischen ihnen und er war ziemlich sicher, dass er diese Grenze in letzter Zeit mehr und mehr überschritten hatte.

»Ich werde die Leute, die ich umgebracht habe, nie vergessen«, sagte sie. Ihr Atem kräuselte sich in der Luft zwischen ihnen. »Selbst diejenigen, die ich umgebracht habe, um nicht selbst zu sterben. Ich sehe noch immer ihre Gesichter, weiß noch immer genau, wie ich sie getötet habe.« Sie warf einen Blick auf die kahlen Bäume, die an Skelette erinnerten. »An manchen Tagen kommt es mir vor, als hätte eine andere Person diese Dinge getan. Dabei bin ich bei den meisten dieser Leben froh, dass ich sie beendet habe. Aber egal, welche Gründe es gibt – jedes Mal geht damit ein Stückchen von einem selbst verloren. Ich glaube also nicht, dass ich sie je vergessen werde.«

Als sie ihn wieder ansah, nickte er.

»Aber, Chaol«, sprach sie weiter und packte seinen Arm fester, und erst da bemerkte er, dass sie ihn die ganze Zeit festgehalten hatte, »was mit Cain passiert ist – das war kein kaltblütiger Anschlag, das war nicht einmal Mord.« Er wollte einen Schritt zurückweichen, doch sie ließ ihn nicht los. »Was du getan hast, war nicht unehrenhaft – und das sage ich nicht nur, weil du mir damit das Leben gerettet hast.« Sie schwieg. »Du wirst nie vergessen, dass du Cain getötet hast«, fügte sie schließlich hinzu, und als sich ihre Blicke begegneten, klopfte sein Herz so heftig, dass er es im ganzen Körper spüren konnte. »Und ich werde auch nie vergessen, was du getan hast, um mich zu retten.«

Das Bedürfnis, ihre Wärme zu spüren, war überwältigend. Er zwang sich, einen Schritt zurück zu machen, weg vom Griff ihrer Hand, und wieder zu nicken. Es gab diese Grenze zwischen ihnen. Der König mochte ihrer Freundschaft keine große Beachtung schenken, aber wenn sie diesen letzten Schritt aufeinander zu machten, konnte es für sie beide tödlich ausgehen; dann zweifelte der König vielleicht an seiner Loyalität, an seiner Position, an allem.

Und wenn es je so weit kam, dass er sich zwischen dem König und Celaena entscheiden musste … Er betete zum Wyrd, nie vor diese Wahl gestellt zu werden. Dass er eindeutig auf dieser Seite der Grenze bleiben musste, war eine Frage der Vernunft. Und auch der Ehre, denn Dorian … Er hatte bemerkt, wie Dorian Celaena immer noch ansah. Er würde seinen Freund nicht hintergehen.

»Ich nehme an«, sagte Chaol scheinbar leichthin, »dass Adarlans Assassinin in meiner Schuld steht, könnte sich irgendwann auszahlen.«

Sie verbeugte sich vor ihm. »Zu Euren Diensten.«

Diesmal war sein Lächeln echt.

»Und jetzt komm, Captain«, fügte sie hinzu und trabte langsam wieder los. »Ich habe Hunger und will mir hier nicht den Arsch abfrieren.«

Er lachte leise in sich hinein, während sie ihren Lauf durch den Wildpark fortsetzten.

~

Als sie ihr Training beendeten, hatte Celaena wacklige Knie und ihre Lunge fühlte sich aufgrund der Kälte und der Anstrengung so rau an, als wäre sie wund. Sie verfielen in flottes Gehen, und Celaena freute sich bereits auf die angenehme Wärme im Schloss – und auf das riesige Frühstück, das sie zu vertilgen gedachte, bevor sie bummeln gehen wollte.

Sie betraten die Schlossgärten und schlängelten sich zwischen den Kieswegen und den hohen Hecken hindurch. Celaena hatte die Hände unter die Achseln geklemmt, denn ihre Finger waren trotz der Handschuhe steif gefroren. Und ihre Ohren brannten. Vielleicht sollte sie sich das nächste Mal einen Schal um den Kopf binden, selbst wenn Chaol sie damit gnadenlos aufziehen würde.

Sie warf ihm einen Seitenblick zu. Er hatte die obersten Lagen seiner Kleidung ausgezogen und nun war zu erkennen, dass ihm das verschwitzte Hemd am Leib klebte. Als sie um die nächste Hecke bogen und Celaena entdeckte, wer auf dem Weg vor ihnen wartete, verdrehte sie die Augen.

In letzter Zeit fanden immer mehr Hofdamen einen Vorwand, direkt nach Sonnenaufgang durch die Gärten zu spazieren. Zuerst waren es nur wenige junge Frauen gewesen, die beim Anblick Chaols und seiner durchgeschwitzten, am Leib klebenden Kleider ihren Spaziergang sofort unterbrochen hatten. Celaena hätte schwören können, dass ihnen die Augen aus dem Kopf gefallen und über den Boden gerollt waren.

Am folgenden Morgen waren sie dann wieder auf dem Pfad aufgetaucht – und hatten noch hübschere Kleider getragen. Die nächsten Male waren es dann immer mehr geworden. Und jetzt patrouillierte an jedem direkten Weg vom Wildpark zum Schloss mindestens ein Grüppchen junger Frauen und wartete, dass der Captain vorbeikam.

»Oh bitte«, zischte Celaena, als sie an zwei Frauen vorbeigingen, die mit einem koketten Augenaufschlag von ihren Pelzmuffen aufsahen. Sie mussten im Dunkeln aufgestanden sein, wenn sie jetzt schon so aufwendig gekleidet waren.

»Was denn?«, fragte Chaol stirnrunzelnd.

Bemerkte er es wirklich nicht oder wollte er bloß nichts sagen …? »Für einen Wintermorgen ist in den Gärten ziemlich viel los«, antwortete sie vorsichtig.

Er zuckte mit den Schultern. »Manchen Leuten fällt die Decke auf den Kopf, wenn sie den ganzen Winter im Haus hocken müssen.«

Oder sie mögen einfach den Anblick des Captains der Garde und seiner Muskeln.

»Stimmt«, erwiderte sie knapp und hielt dann den Mund. Wenn er derartig blind war, war jedes weitere Wort sinnlos. Besonders da einige der Damen außergewöhnlich hübsch waren.

»Gehst du heute in die Stadt, um Archer zu beschatten?«, fragte Chaol leise, als der Weg vor ihnen glücklicherweise frei von kichernden, errötenden Damen war.

Sie nickte. »Ich will ein Gefühl für seinen Tagesablauf bekommen, deswegen werde ich ihm wahrscheinlich folgen.«

»Ich könnte dir helfen.«

»Ich brauche deine Hilfe nicht.« Das würde er sicher als Überheblichkeit auslegen – und das war es teilweise auch, aber … wenn sie ihn miteinbezog, würde es noch komplizierter werden, Archer in Sicherheit zu bringen. Was sie definitiv erst dann tun würde, wenn sie ihm die Wahrheit entlockt hatte und mehr über die Pläne des Königs wusste.

»Mir ist klar, dass du meine Hilfe nicht brauchst. Ich dachte nur, du wolltest vielleicht …« Er brach ab, schüttelte dann den Kopf, als tadle er sich selbst. Sie ertappte sich dabei, dass sie gern gefragt hätte, was er hatte sagen wollen, aber es war besser, das Thema fallen zu lassen.

Als sie um eine weitere Hecke bogen, war das Schloss so nah, dass sie beim Gedanken an die wohlige Wärme fast gestöhnt hätte, doch dann …

»Chaol.« Dorians Stimme schnitt wie ein Messer durch den frischen Morgen.

Nun stöhnte sie wirklich, wenn auch kaum hörbar. Chaol warf ihr einen verdutzten Blick zu, bevor sie hinter der nächsten Wegbiegung Dorian auf sich zukommen sahen, einen blonden jungen Mann im Schlepptau, den Celaena noch nie gesehen hatte. Er war vornehm gekleidet und hatte etwa Dorians Alter. Chaol erstarrte.

Der junge Mann sah nicht wie eine Bedrohung aus, obwohl Celaena sich hütete, an so einem Hof irgendjemanden zu unterschätzen. Er trug lediglich einen Dolch um die Hüfte und sein blasses Gesicht wirkte trotz des kalten Wintermorgens eher heiter.

Sie bemerkte, dass Dorian sie mit einem schiefen Lächeln beobachtete, in den Augen ein amüsiertes Funkeln, für das sie ihn am liebsten geschlagen hätte. Dann richtete der Kronprinz den Blick auf Chaol und lachte leise. »Und ich dachte, all die hübschen Damen wären wegen Roland und mir so früh auf den Beinen. Wenn sie sich alle eine böse Erkältung einfangen, lasse ich ihre Väter wissen, wer die Schuld daran trägt.«

Chaols Wangen überzogen sich mit einer leichten Röte. Er war also nicht so blind gegenüber ihrem morgendlichen Publikum, wie er ihr hatte weismachen wollen. »Lord Roland«, sagte er angespannt zu Dorians Begleiter und verbeugte sich.

Der blonde junge Mann erwiderte die Verbeugung. »Captain Westfall.« Seine Stimme war eigentlich angenehm, aber etwas daran ließ Celaena stutzen. Es war kein Spott oder Arroganz oder Ärger … Sie konnte es nicht benennen.

»Darf ich Euch meinen Cousin vorstellen«, sagte Dorian zu ihr und klopfte Roland auf die Schulter. »Lord Roland Havilliard von Meah.« Er deutete auf Celaena. »Roland, das ist Lillian. Sie arbeitet für meinen Vater.«

Wenn sie doch einmal Angehörigen des Hofs über den Weg lief, benutzten sie immer noch ihren Decknamen, obwohl fast jeder mehr oder weniger genau wusste, warum sie sich wirklich im Schloss aufhielt.

»Es ist mir ein Vergnügen«, sagte Roland mit einer Verbeugung. »Seid Ihr neu am Hof? Ich glaube nicht, dass ich Euch in früheren Jahren schon einmal begegnet bin.«

Bereits diese wenigen Worte genügten, um Celaena über sein Verhältnis zu Frauen aufzuklären. »Ich bin seit dem Herbst hier«, antwortete sie eine Idee zu leise.

Roland schenkte ihr das Lächeln eines Höflings. »Und welche Art Arbeit übernehmt Ihr für meinen Onkel?«

Dorian trat von einem Bein aufs andere und Chaol rührte sich nicht, doch Celaena erwiderte Rolands Lächeln und verkündete: »Ich verscharre seine Gegner, wo niemand sie je finden wird.«

Zu ihrer Überraschung lachte Roland tatsächlich. Sie wagte es nicht, Chaol anzusehen, von dem sie später garantiert einen Rüffel bekommen würde. »Ich hatte vom Champion des Königs gehört, aber nicht gedacht, es wäre jemand so … Hübsches.«

»Was führt Euch ins Schloss, Roland?«, fragte der Captain. Wenn Chaol sie so ansah, rannte sie normalerweise ans andere Ende des Schlosses, so schnell sie konnte.

Roland lächelte wieder. Er lächelte zu viel – und zu glatt. »Seine Majestät hat mir einen Posten in seinem Rat angeboten.« Chaols Blick schoss zu Dorian, der zustimmend mit den Schultern zuckte. »Ich bin gestern Abend angekommen und soll heute die Arbeit aufnehmen.«

Chaol lächelte – wenn man es so nennen konnte. Es war eher ein Zähneblecken. Ja, sie würde ganz bestimmt wegrennen, wenn Chaol sie so ansähe.

Dorian verstand den Blick ebenfalls und grinste. Doch ehe er etwas sagen konnte, musterte Roland Celaena genauer – etwas zu genau. »Vielleicht arbeiten wir ja gelegentlich zusammen, Lillian. Eure Position macht mich neugierig.«

Sie hätte nichts dagegen, mit ihm zu arbeiten – aber nicht auf die Weise, die Roland meinte. Ihr schwebten da eher ein Messer, eine Schaufel und ein namenloses Grab vor.

Als könnte er ihre Gedanken lesen, schob Chaol sie mit sanftem Druck weiter. »Das Frühstück wartet auf uns«, sagte er und nickte Dorian und Roland zu. »Glückwunsch zu Eurer Ernennung.« Er klang, als hätte er versehentlich vergorene Milch getrunken.

Während Celaena sich von Chaol ins Schloss führen ließ, merkte sie, dass sie dringend ein Bad brauchte. Das hatte jedoch nichts mit ihrer verschwitzten Kleidung zu tun, sondern mit dem öligen Lächeln und den gierigen Augen von Roland Havilliard.

~

Dorian beobachtete Celaena und Chaol, bis sie hinter den Hecken verschwunden waren. Die Hand des Captains hatte die ganze Zeit mitten auf ihrem Rücken gelegen und sie hatte nichts getan, um sie abzuschütteln.

»Eine unerwartete Wahl, die dein Vater da getroffen hat, trotz dieses Wettkampfs«, sinnierte Roland neben ihm.

Dorian unterdrückte seinen Ärger, bevor er etwas erwiderte. Er hatte seinen Cousin, den er als Heranwachsender mindestens zweimal im Jahr gesehen hatte, nie besonders gemocht.

Chaol hasste Roland richtiggehend, und wann immer die Sprache auf ihn kam, titulierte er ihn meist mit Bezeichungen wie »hinterhältiger Idiot« und »wehleidiger, verwöhnter Arsch«. Das hatte Chaol zumindest vor drei Jahren gebrüllt, nachdem er Roland einen so harten Kinnhaken verpasst hatte, dass der junge Mann ohnmächtig zusammengebrochen war.

Aber den hatte Roland verdient gehabt, so sehr, dass der Zwischenfall Chaols tadellosem Ruf und seiner späteren Ernennung zum Captain der Garde nicht schadete. Im Gegenteil, bei den anderen Wachen und beim Niederadel stieg sein Ansehen.

Wenn Dorian den Mut aufbrachte, würde er seinen Vater fragen, was er sich bei Rolands Ernennung zum Ratsherrn gedacht hatte. Meah war eine kleine, florierende Küstenstadt in Adarlan, die jedoch keinerlei echten Einfluss besaß. Abgesehen von den Stadtwachen verfügte sie nicht einmal über ein stehendes Heer. Roland war der Sohn eines Cousins seines Vaters; vielleicht war der König der Meinung, im Ratssaal sei mehr Havilliard-Blut vonnöten. Trotzdem – Roland war unerfahren und schien sich schon immer mehr für Frauen als für Politik interessiert zu haben.

»Wo kommt der Champion deines Vaters her?« Rolands Frage holte Dorian in die Gegenwart zurück.

Dorian wandte sich dem Schloss zu und steuerte einen anderen Eingang an als den, den Chaol und Celaena benutzt hatten. Er konnte einfach nicht vergessen, wie die beiden ihn angesehen hatten, als er sie vor zwei Monaten nach dem Zweikampf in Celaenas Gemächern bei einer Umarmung überrascht hatte.

»Lillian soll dir ihre Geschichte selbst erzählen«, antwortete Dorian ausweichend. Er hatte keine Lust, seinem Cousin den Wettkampf zu erklären. Es war schon schlimm genug, dass sein Vater ihm befohlen hatte, mit Roland heute Morgen einen Spaziergang zu machen. Der einzige Lichtblick war gewesen, Celaena dabei zu beobachten, wie sie ganz offensichtlich überlegte, auf welche Weise sie den jungen Lord am besten unter die Erde bringen konnte.

»Ist sie deinem Vater persönlich unterstellt oder beschäftigen die anderen Ratsherren sie ebenfalls?«

»Du bist noch keinen Tag hier und hast schon Feinde aus dem Weg zu räumen, mein Lieber?«

»Wir sind Havilliards, mein Lieber. Wir werden immer Feinde haben, die aus dem Weg geräumt werden müssen.«

Dorian blickte finster drein. Das stimmte allerdings. »Sie untersteht ausschließlich meinem Vater. Aber wenn du dich bedroht fühlst, kann ich Captain Westfall veranlassen, einen …«

»Schon gut. Ich war nur neugierig.«

Roland war eine schreckliche Nervensäge und sich der Wirkung seines Aussehens und seines Nachnamens auf Frauen allzu sehr bewusst, aber er war harmlos. Oder vielleicht doch nicht?

Dorian kannte die Antwort nicht – und war nicht sicher, ob er sie überhaupt kennen wollte.

~

Celaenas Lohn als Champion des Königs war beachtlich und sie gab ihn bis auf den letzten Cent aus. Für Schuhe, Hüte, Tuniken, Kleider, Schmuck, Waffen, Haarschmuck und Bücher. Ganze Stapel. So viele Bücher, dass Philippa ein neues Regal bringen lassen musste.

Als Celaena am Nachmittag in ihre Gemächer zurückkehrte, beladen mit Hutschachteln, farbenprächtigen Tüten mit Parfüm und Süßigkeiten sowie Packpapierpäckchen mit den Büchern, die sie unbedingt sofort lesen musste, hätte sie beim Anblick von Dorian Havilliard in ihrem Vorraum beinahe alles fallen lassen.

»Bei allen Göttern«, sagte er und ließ den Blick über ihre gesammelten Erwerbungen schweifen.

Dabei sah er nicht einmal die Hälfte. Das hier war nur das, was sie tragen konnte. Mehr war bestellt worden und würde bald geliefert werden.

»Nun«, bemerkte er, als sie die Tüten auf dem Tisch ablud und beinahe in einen Berg aus Seidenpapier und Schleifen gestürzt wäre, »zumindest tragt Ihr heute nicht dieses schreckliche Schwarz.«

Als sie sich wieder aufrichtete, schoss sie ihm einen Blick über die Schulter zu. Heute trug sie ein flieder- und elfenbeinfarbenes Kleid – ein wenig hell für den Spätwinter, aber sie hatte es in der Hoffnung angezogen, es möge bald Frühling werden. Außerdem, gut angezogen zu sein bewirkte, dass sie in allen Geschäften, die sie betrat, bestens bedient wurde. Zu ihrer Überraschung erinnerten sich viele Ladenbesitzer noch an sie und hatten ihre Lüge über eine lange Reise zum südlichen Kontinent geglaubt.

»Und welchem Umstand verdanke ich dieses Vergnügen?« Sie band ihren Umhang aus weißem Hermelinfell auf – ein weiteres Geschenk an sich selbst – und warf ihn auf einen der Stühle. »Habe ich Euch nicht schon heute Morgen im Garten gesehen?«

Dorian blieb sitzen, dieses vertraute, jungenhafte Grinsen im Gesicht. »Dürfen Freunde sich nicht mehr als einmal am Tag besuchen?«

Sie blickte ihn nachdenklich an, unsicher, ob sie tatsächlich mit ihm befreundet sein konnte. Er hatte immer dieses spöttische Funkeln in seinen saphirblauen Augen – und er war der Sohn des Mannes, in dessen Händen ihr Schicksal lag. Aber in den zwei Monaten, seit sie beendet hatte, was auch immer zwischen ihnen gewesen war, hatte sie sich oft dabei ertappt, dass sie ihn vermisste. Nicht das Küssen und Flirten, sondern einfach ihn als Mensch.

»Was wollt Ihr, Dorian?«

Ein Anflug von Unmut huschte über sein Gesicht und er stand auf. Sie musste den Kopf in den Nacken legen, um ihm ins Gesicht zu sehen. »Ihr habt gesagt, Ihr wollt, dass wir Freunde bleiben.« Seine Stimme war leise.

Sie schloss kurz die Augen. »Das habe ich auch so gemeint.«

»Dann seid meine Freundin«, forderte er sie auf. »Leistet mir Gesellschaft beim Essen, spielt Billard mit mir. Erzählt mir, welche Bücher Ihr lest – oder kauft«, fügte er mit einem Augenzwinkern in Richtung ihrer Päckchen hinzu.

»Ach ja?« Sie zwang sich zu einem Lächeln. »Ihr habt momentan wirklich so viel Zeit, dass Ihr wieder stundenlang bei mir sein könnt?«

»Nun, ich habe mich um meinen üblichen Schwarm Hofdamen zu kümmern, aber für Euch kann ich mir immer Zeit nehmen.«

Sie bedachte ihn mit einem koketten Augenaufschlag. »Ich fühle mich wirklich geehrt.« In Wahrheit hätte sie bei der Vorstellung, dass Dorian sich mit anderen Frauen abgab, am liebsten eine Fensterscheibe eingeschlagen, doch es wäre nicht fair, ihn das wissen zu lassen. Sie sah zur Uhr auf dem kleinen Tischchen neben dem Eingang. »Aber ich muss gleich in die Stadt zurück«, erklärte sie. Das war nicht gelogen. Sie hatte noch mehrere Stunden Tageslicht vor sich – genug Zeit, um sich Archers elegante Stadtvilla anzusehen und ihm zu folgen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo er sich gewöhnlich aufhielt.

Dorian nickte und sein Lächeln erlosch.

Schweigen trat ein, nur unterbrochen vom Ticken der Uhr auf dem Tischchen. Celaena verschränkte die Arme, während sie daran dachte, wie er gerochen hatte, wie seine Lippen geschmeckt hatten. Doch diese Distanz zwischen ihnen, diese schreckliche Kluft, die mit jedem Tag breiter wurde … So war es nun mal am besten.

Dorian kam einen Schritt näher. »Möchtet Ihr, dass ich um Euch kämpfe? Ist es das?«

»Nein«, erwiderte sie ruhig. »Ich möchte nur, dass Ihr mich in Ruhe lasst.«

Sein Blick flackerte bei all den Worten, die ungesagt blieben. Celaena starrte ihn an, ohne sich zu rühren, bis er geräuschlos ging.

Als sie allein war, ballte sie die Hände zu Fäusten und öffnete sie wieder, plötzlich angewidert von all den hübschen Päckchen auf dem Tisch.

5

Auf einem Hausdach in einem sehr vornehmen Viertel von Rifthold duckte Celaena sich in den Schatten eines Schornsteins und starrte finster in den kalten Wind, der über den Avery wehte. Bereits zum dritten Mal sah sie auf ihre Taschenuhr. Archer Finns vorherige Verabredungen hatten beide jeweils nur eine Stunde gedauert, während er sich in dem Haus auf der anderen Straßenseite nun schon seit fast zwei Stunden aufhielt.

An der eleganten Stadtvilla mit dem grünen Dach war nichts Auffälliges und Celaena hatte nichts über ihre Bewohner herausgefunden, lediglich den Namen von Archers Kundin – eine Lady Balanchine. Dazu hatte sie denselben Trick benutzt wie bei den beiden anderen Häusern: Sie gab vor, ein Bote mit einem Paket für Lord Soundso zu sein. Und wenn der Hausdiener oder die Haushälterin dann erwiderte, dies sei nicht das Haus von Lord Soundso, hatte sie Verlegenheit vorgetäuscht, gefragt, wessen Haus es denn sei, ihr Gegenüber ein bisschen um den Finger gewickelt und war dann ihres Weges gegangen.

Sie veränderte die Position ihrer Beine und dehnte den Nacken. Die Sonne war schon fast untergegangen und die Temperatur fiel mit jeder Minute. Viel mehr würde sie von hier draußen nicht in Erfahrung bringen. Und angesichts der Wahrscheinlichkeit, dass Archer gerade das tat, wofür er bezahlt wurde, hatte sie es nicht eilig, das Haus von innen zu erkunden. Es war besser, zunächst einmal herauszufinden, wohin er ging, mit wem er sich traf, und dann erst den nächsten Schritt zu tun.

Es war lange her, seit sie hier in Rifthold auf smaragdgrünen Hausdächern gekauert hatte, um so viel wie möglich über ihre Opfer herauszufinden. Das hier war anders, als wenn der König sie nach Bellhaven oder zum Anwesen eines Lords schickte. Hier und jetzt in Rifthold kam es ihr vor …

Es kam ihr vor, als wäre sie nie weg gewesen. Als bräuchte sie nur über die Schulter zu schauen, um Sam Cortland hinter sich kauern zu sehen. Als würde sie anschließend nicht ins gläserne Schloss, sondern in den Unterschlupf der Assassinen am anderen Ende der Stadt zurückkehren.

Seufzend steckte Celaena die Hände unter die Achseln, damit ihre Finger warm und geschmeidig blieben.

Gut anderthalb Jahre waren vergangen seit jener Nacht, in der sie ihre Freiheit verloren hatte; anderthalb Jahre, seit sie Sam verloren hatte. Und irgendwo in dieser Stadt schlummerte die Antwort auf die Frage, wie es dazu gekommen war. Wenn sie den Mut aufbrachte, konnte sie es herausfinden, das wusste sie. Und sie wusste auch, dass sie dann noch einmal am Boden zerstört sein würde.

Die Vordertür der Stadtvilla öffnete sich und Archer stolzierte die Treppe hinab, direkt in seine wartende Kutsche. Celaena konnte gerade mal einen Blick auf sein goldbraunes Haar und seine vornehmen Kleider erhaschen, bevor sich die Kutsche rasch entfernte.

Mit einem leisen Stöhnen stand sie auf und verließ eilig das Dach. Nach ein paar halsbrecherischen Klettermanövern und Sprüngen stand sie bald wieder auf dem Straßenpflaster.

Von Schatten zu Schatten folgte sie Archers Kutsche auf ihrem Weg durch die Stadt, dank des vielen Verkehrs eine langsame Fahrt. Sie hatte es nicht eilig, die Wahrheit über ihre Gefangennahme und Sams Tod herauszufinden, und war sich ziemlich sicher, dass der König sich im Hinblick auf Archer irrte. Dennoch fragte sie sich manchmal, ob das, was sie über diese Rebellenbewegung und die Pläne des Königs herausfinden würde, ebenfalls die Macht haben würde, sie zu zerstören.

Und nicht nur sie selbst, sondern auch alles, was ihr wichtig war.

~

Celaena genoss die Wärme des prasselnden Feuers, lehnte den Kopf an das kleine Sofa und ließ die Beine über die gepolsterte Armlehne baumeln. Die Zeilen auf dem Blatt Papier, das sie in den Händen hielt, begannen zu verschwimmen – kein Wunder, schließlich war es schon nach elf und sie war vor Sonnenaufgang aufgestanden.

Chaol hatte sich auf dem abgenutzten roten Teppich vor ihr ausgebreitet und seine gläserne Schreibfeder funkelte im Schein des Feuers, während er Unterlagen durcharbeitete, unterschrieb und sich Notizen machte. Mit einem leisen Seufzer ließ Celaena ihr Papier sinken.

Anders als ihre eigene geräumige Suite bestand Chaols Unterkunft lediglich aus einem großen Raum, der mit einem Tisch unter dem einzigen Fenster und dem alten Sofa vor dem gemauerten Kamin möbliert war. An den grauen Steinwänden hingen ein paar Wandbehänge, in einer Ecke stand ein gewaltiger Eichenschrank und sein Himmelbett zierte eine ziemlich alte, ehemals purpurrote Decke. Nebenan gab es ein Bad, nicht so groß wie ihr eigenes, aber doch geräumig genug für eine eigene Badewanne und Toilette. Chaol besaß nur ein schmales Bücherregal, gut gefüllt und säuberlich geordnet. Sicher alphabetisch, so wie sie Chaol kannte. Hier standen wahrscheinlich nur die Bücher, die er wirklich mochte – nicht wie bei ihr selbst; sie stellte jedes Buch, das ihr in die Finger kam, ins Regal, ganz gleich, ob es ihr gefallen hatte oder nicht. Trotz dieses unnatürlich ordentlichen Bücherregals war sie gern hier; sie fand es gemütlich.

Zum ersten Mal war sie vor ein paar Wochen hergekommen, als Gedanken an Elena und Cain und den Geheimgang sie aus ihren Gemächern getrieben hatten. Chaol hatte zwar etwas von seiner Privatsphäre gemurmelt, sie jedoch nicht weggeschickt oder gegen ihre häufigen Besuche nach dem Abendessen protestiert.

Das Kratzen von Chaols Feder verstummte. »Sag mir noch mal, woran du arbeitest.«

Sie drehte sich auf den Rücken, während sie mit dem Papier hin- und herwedelte. »Informationen über Archer. Seine Kundschaft, seine Lieblingsorte, sein Tagesablauf.«

Chaols Augen waren im Schein des Feuers geschmolzenes Goldbraun. »Warum machst du dir so viel Mühe mit ihm, anstatt ihn einfach zu töten und fertig? Du hast gesagt, er wäre gut bewacht, aber heute war es offenbar ganz einfach, ihm zu folgen.«

Missmutig verzog sie das Gesicht. Chaol war klüger, als gut für ihn war. »Wenn es tatsächlich eine ganze Gruppe von Leuten gibt, die sich gegen den König verschwören, sollte ich so viel wie möglich über sie herausfinden, bevor ich Archer beseitige. Indem ich Archer beschatte, stoße ich vielleicht auf weitere Verschwörer – oder zumindest auf Hinweise, wo sie sich aufhalten.« Das war die Wahrheit und genau aus diesem Grund war sie Archers verschnörkelter Kutsche heute durch die Straßen der Hauptstadt gefolgt.

Da war er allerdings nur zu ein paar Verabredungen gefahren und dann in seine Stadtvilla zurückgekehrt.