Inhalt
Impressum 2
DER BLICK IN DEN HIMMEL 3
Eine Legende aus Marokko 3
ALFONS IM GLÜCK 6
DIE SCHWANENMÄDCHEN 10
Ein Märchen 10
HALLO, ICH BIN FRIEDRICH 14
BILLY, DER TAUSCHKATER 19
ZILLI VERSCHENKT IHR HAUS 23
KEIN NEUES LEBEN FÜR ANNA 27
LOTTE FINDET EIN ZUHAUSE 29
MARIE, DIE WILDKATZE 33
MÄXCHEN, DAS VOGELKIND 36
MOGLI UND DER ZAUBERBERG 39
MOHRLE UND FIPS 43
PAULCHEN, DER KLEINE
ALBINODACHS 47
PENELOPES WEITE REISE 51
RONJA, DER ZIRKUSBÄR 55
SCHNIEFNASE 58
SPOOKY, DER „WAHRE HELD“ 62
DER TREUE KATER VINCENT 66
DAISY, DIE TAPFERE
ENTENMUTTER 70
SPINNI UND „IHR“ AUTO 73
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
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© 2020 novum Verlag
ISBN Printausgabe: 978-3-99064-909-1
ISBN e-book: 978-3-99064-910-7
Lektorat: Bianca Brenner
Umschlagabbildungen: Anton Brand,
Igor Zakowski, Pijika Thiamvong, Carodi | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen: Erwin Staudinger
www.novumverlag.com
DER BLICK IN DEN HIMMEL
Eine Legende aus Marokko
Vor langer, langer Zeit, als es noch keine Autos gab, lebte in einem fernen Land ein sehr gutmütiger Mann. Er hatte einige Esel, die er sehr liebte und gut behandelte. Der Mann brauchte die Tiere für die Arbeit am Feld. Sie zogen kleine Geräte, mit denen er die Erde umgraben konnte, um Gemüse anzubauen. Dieses verkaufte er in der Stadt am Markt. Mit dem Geld, das er dafür bekam, kaufte der Mann Futter für die Esel, Essen für sich, Kleidung und einige andere Dinge, die er brauchte. All diese Sachen kaufte der Mann auf dem Markt. Er nahm immer drei bis vier Esel mit, damit keines seiner Tiere zu schwer tragen musste. Als Sonia geboren wurde, war ihre Mutter schon alt. Nicht lange danach starb die alte Eselin. Sonia wurde von dem Mann mit der Flasche aufgezogen. Wenn er in die Stadt ging und sie zurückbleiben musste, schaute der kleine Esel ihm traurig hinterher und schrie. Groß war die Freude, wenn er wieder nach Hause kam. Als Sonia älter war, durfte sie mitgehen. Sie musste noch nichts tragen, sie war noch zu jung. Übermütig lief und sprang der kleine Esel neben dem Mann und den anderen Eseln her. Eines Tages wurde aber auch ihr einiges auf den Rücken gepackt. Sonia wollte das nicht. Sie bockte und warf sich auf den Boden, aber es half nichts. Liebevoll klopfte der Mann ihren Hals.
„Sonia, es geht nicht anders, du musst auch wie die anderen arbeiten.“
„IAH, IAH!!!“ Sonia schrie ihren Unmut hinaus.
Die Jahre vergingen. Der Mann war alt geworden. Er musste seine Esel verkaufen. Alle bis auf Sonia. Sie und er, sie gehörten einfach zusammen. Nur einmal im Monat gingen der alte Mann und sein alter Esel noch in die Stadt. Aber eines Tages konnte der Mann auch das nicht mehr tun. Er wurde krank, und als er merkte, dass er bald sterben würde, bat er seinen Nachbarn, Sonia zu übernehmen. Er wollte kein Geld, sondern nur wissen, dass es seinem Esel gut geht. Sonia war auch schon alt und konnte keine schweren Säcke mehr tragen. Der Nachbar versprach ihm, Rücksicht auf den alten Esel zu nehmen, tat es aber nicht. Sonia wurde so viel aufgepackt, dass sie es kaum tragen konnte. Eines Tages stürzte der Esel und blieb liegen. Mit einem Stock schlug der hartherzige Mann auf das Tier ein. Sonia rührte sich nicht, sie spürte die Schläge nicht einmal. Die alte Eselin hatte einen Traum. Sie war im Himmel. Die Nase steckte sie schon hinein. Da hörte sie die Stimme ihres verstorbenen Herrn:
„Sonia! Nicht mehr lange, dann kannst du auch kommen.“
Der Esel öffnete die Augen und stand schwerfällig auf. Das Gepäck war abgeladen und auf jüngere Tiere aufgeteilt worden. Sogar der brutale Mann hatte erkennen müssen, dass das alte Tier nicht mehr so schwer tragen konnte. Er sah den Esel erstaunt an:
„He, was ist mit deiner Nase passiert? Die ist ja schneeweiß.“
Sonia dachte:Ich habe nicht geträumt, meine Nase war schon im Himmel, darum ist sie jetzt weiß. Bald werde ich ganz im Himmel sein.Mit neuer Kraft und voller Freude trabte Sonia weiter in die Stadt.
ALFONS IM GLÜCK
Vor sieben oder acht Jahren wurde Alfons auf einem Bauernhof geboren. Wie alle jungen Kitze hatte er einen großen Bewegungsdrang. Doch der Stall war sehr klein. Außerdem gab es noch andere Kitze und Ziegen sowie deren Mütter in dem Stall. Aus diesem Grund wurden die älteren Kitze und Ziegen angebunden. Bei Alfons hatte sich die Natur nicht entscheiden können, ob er ein Ziegenbock oder eine Ziege werden sollte, deshalb wollte die Bäuerin ihn verkaufen. Doch niemand wollte ihn. Tag und Nacht stand er im Stall. Er war so kurz angebunden, dass er sich nicht mal zum Schlafen hinlegen konnte. So verbrachte er Monat für Monat, Jahr für Jahr. In diesem Stall waren auch Enten und Hasen. Sogar ein Pferd stand in einer Box. Erst nach dem Tod des Pferdes, als schon Verwesungsgestank bis zu den Nachbarn durchdrang und sie störte, wurde das Tierdrama entdeckt.
Es war doch noch so viel Mitgefühl für die armen Wesen vorhanden, dass sie nicht an den Fleischhauer verkauft, sondern in der Zeitung inseriert wurden. Eine Frau, die einen Gnadenhof hatte, sah die Anzeige. Nach einem kurzen Anruf war man sich einig. Die zwei Ziegen und ihre Kitze sollten freigekauft werden. Als die Frau aber das Ausmaß der Tiertragödie sah, entschloss sie sich dazu, alle Tiere zu kaufen. Sie sollten ein artgerechtes Zuhause bekommen, einen großen Stall mit Auslauf. Es wurde überlegt, wie die Tiere zu transportieren waren. Die Frau hatte nur ein Auto mit Heckklappe. Die Rücksitze wurden umgeklappt und wegen der Verschmutzung mit einer Folie ausgelegt, dann wurden die kleinen Ziegen reingehoben. Die Ziegenmütter meckerten und schrien nach ihren Kindern. Erst als sie auch im Auto waren, wurden sie ruhig. Alfons, ein weißer, und Romeo, ein gescheckter Bock, mussten noch zurückbleiben.
Verzweifelt rief Alfons: „Mäh! Mäh! Schon wieder bleibe ich zurück!“ Tränen rannen ihm über das weiße Fell. Er riss an seinem Strick, doch der spannte über dem Hals, so dass Alfons keine Luft mehr bekam.
„Wer weiß, wo die hinkommen“, tröstete Romeo den verzweifelten Alfons. Er wollte den Kopf zu ihm drehen, aber der Strick war zu kurz.
„Mäh! Mäh!“, schrie nun auch Romeo. In seiner Stimme waren Trauer und Schmerz zu hören.
Doch welche Freude! Ein paar Tage später war die Frau wieder hier. Das erste Mal nach Jahren wurden die Böcke losgebunden. Romeo stürmte aus dem Stall, sah das Auto und sprang hinein.
Nur weg, dachte er,bevor sie es sich überlegt. Mäh! Mäh!
Alfons konnte kaum gehen. Er hatte ja nur gestanden, und das jahrelang. Im Auto legte er sich sofort hin. Das erste Mal nach Jahren!!
Nachdem auch die Enten im Kofferraum untergebracht worden waren, ging die Fahrt los.