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Sammelband bestehend aus: Sergeant at Arms Ein einzelner Tag kann alles verändern. Einmal einen anderen Weg genommen oder sich widerwillig zu einem Urlaub überreden lassen und schon kann dein Leben später ganz neue Wege gehen. Ellie hat an jenem ersten Urlaubstag nicht damit gerechnet, dass sie es mit einem Volleyball aufnehmen muss, oder gar mit jemanden, der ihr ungefragt eine matschige Peelingversion aus Sonnenmilch, Schweiß und Sand verpasst. Dass Darken sie vom Hocker oder eher der Liege haut, ist ihr schnell klar, doch wie passen ihre beider Leben zusammen und kann die Romanze über den Urlaub hinaus überhaupt bestehen? Vor allem da die Realität zuhause so ganz anders ist, als unter der italienischen Sonne und Darken ein Geheimnis hütet, das dunkler ist, als Ellie es je ahnen könnte. President at Heart Shay, Präsident des MC Snake Venom, ist gefordert und viel Zeit zum Luftholen bleibt ihm nicht. Eine falsche Schlange hat das Nest bereits verlassen müssen, aber damit sind die Probleme nicht vom Tisch. Darken ist angeschossen und Vice, sein Vize, der für einige Zeit Nomade gehen wollte, um neue Kunden zu erschließen, meldet sich nicht mehr wie vereinbart. Da stimmt etwas ganz und gar nicht! Und Mellie, die Frau hinter der Bar, die immer da ist, solange er schon Präsident ist, will nun mit Ellie ein Frauenhaus eröffnen. Sie nicht mehr jeden Tag zu sehen passt ihm überhaupt nicht, vor allem, da sich die Lage mit dem feindlichen MC zuspitzt und diese erneut ihren knochigen Arm ausstrecken! Es fühlt sich an, als würde der Boden vibrieren. Kann er den Club zusammenhalten und all jene schützen, durch deren Adern das Blut der Schlange fließt? Vice - a taste of Vengeance Aus den Händen des feindlichen MCs befreit sieht Vice, der Vize des MC Snake Venom nur noch Rache und diese soll blutig, brutal und bestialisch sein! Aber vor allem will er selbst in vorderster Reihe stehen, selbst den Abzug drücken, nach all dem was sie ihm und Issy angetan haben. Es gibt keine andere Wahl. Doch Shay, mahnt den Club zur Vorsicht, denn nun geht es nicht nur um MC Snake Venom gegen MC Bones, die rechte Hand der italienischen Mafia hat ihre Fühler ausgestreckt und will die Schirmherrschaft über die beiden MCs erlangen. Wie können sie nun die Bones ein für alle Mal loswerden, ohne von der Mafia beherrscht zu werden, und wie bekommt Vice die Rache, nach der sich sein Herz dürstet. Manche Schuld kann man nur mit Blutvergießen abwaschen und manche Rache muss eiskalt serviert werden!
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Sergeant at Arms
President at Heart
Vice – a taste of Vengeance
Preview – sin eater
Über die Autorin
Impressum
Endlich kann der Urlaub starten. Ich habe die gebuchte Liege gefunden und tonnenweise Sonnencreme auf meiner viel zu hellen Haut verteilt. Die Sonne strahlt gleißend vom Himmel und das Meer glitzert einladend nur wenige Meter von mir entfernt. Später werde ich mir einen dieser schicken Cocktails mit den bunten Schirmchen holen. Dann wird hoffentlich auch das Gefühl nachlassen, dass ich mir in den Hintern treten könnte, weil ich als Single mit zwei Pärchen in den Sommerurlaub gefahren bin. Oder es ist zumindest soweit gedämpft, dass es mir, bis die Wirkung des Alkohols nachlässt, egal ist!
»Den kriegst du noch!«, ruft jemand von der Seite und ich füge in Gedanken dazu, dass es sich wohl um den Volleyball handeln muss. Der einzige Minuspunkt an der Lage meiner Liege ist der, dass ich mich direkt neben dem Spielfeld niedergelassen habe. Während ich meine Nähe zu jenem Feld hinter geschlossenen Liedern versuche, ins Gedächtnis zu rufen, beginnt meine Sonnenliege zu wackeln und ich verliere die Orientierung, als ich seitlich herunterkullere und mit dem Gesicht im Sand zum Liegen komme.
Ich würde ja fluchen und schimpfen, aber als ich meinen Kopf hebe, spüre ich, wie der Sand halb herunter rieselt, halb in der Sonnenmilchschicht kleben bleibt und eine sämige, matschige Peeling Version mit dem Namen Sandsturm entwickelt.
»Hey, entschuldige, ich dachte, ich erwische ihn noch«, erklärt mir eine dunkle Stimme, deren Timbre mich sicherlich milde gestimmt hätte, würde ich nicht gerade den Sand aus meinem Mund spucken müssen, um überhaupt antworten zu können.
»Verfluchte Scheiße! Ich habe Urlaub!! Einen verdammten, blöden Urlaub, aber ich haben Herrgott noch einmal Urlaub! Kann denn hier gar nichts gerade laufen!«, donnere ich los und sehe in ein verdutztes Gesicht. Dann nehme ich den Rest wahr: Sonnengebräunte Haut, auf der sich zahlreiche Bilder gezeichnet haben, die mittelblonden Haare sind verwuschelt und der Dreitagebart gibt ihm ein zusätzliches attraktives Flair, wenn das nicht bereits die definierten Muskeln machen würden. Er trägt nur eine großzügig geschnittene Badeshorts und die Sonnenstrahlen glitzern auf seiner Haut als wäre er gerade aus dem Meer gestiegen.
Verdammt!
Dass er attraktiv ist, macht mich gleich noch wütender auf mein Karma und so rapple ich mich auf und stampfe durch den heißen Sand und direkt in die Brandung.
Wenn dieser elende Urlaub so weiter geht, dann sage ich jetzt schon: Ganz großes Kino!
Natürlich, ich habe wie jeder andere Mensch einen Sommerurlaub und ihn schon länger eingereicht und gehofft, dass ich bis dahin wissen würde, was ich denn mit diesen drei Wochen anstellen werde und vor allem mit wem. Mein Glück was Männer betrifft, ist mehr als fraglich und ich habe bereits einen fairen Anteil am Online-Dating hinter mir. Dass nun Rechenzeichen in Freundschaften integriert werden, wie Freundschaft+, kann ja für jemanden in Ordnung und passend sein, für mich ist eine Freundschaft aber eben nur das und ein Partner ist dann Ellie plus Partner. Es gibt sicherlich Situationen, dass man irgendjemand so attraktiv findet, dass man ihn jetzt und gleich haben muss, doch das hat nichts mit Freundschaft zu tun. Ich habe mir den Mund fusselig geredet und einfach keinen Bock mehr auf halbgare Geschichten oder andere Hinhaltetaktiken. Entweder man versucht es miteinander oder man lässt es bleiben.
Meine Werte und Vorstellungen in allen Ehren, doch haben sie mich in die Situation gebracht, dass ich vor meinem Urlaub dastand und nichts, aber auch gar nichts an Ideen hatte, was ich denn machen könnte. Ich habe mich damit abgefunden, Zuhause zu bleiben und mich im Garten auf der Liege regelmäßig zu wenden. Auf das der Postbote die Einblicke bekommen würde, die er will.
Meine Freundin Jasmin hat das jedoch nicht akzeptieren können. Und so habe ich mich dazu überreden lassen, gemeinsam mit ihr und ihrem Freund Justin und dem befreundeten Pärchen Heiko und Ulla mit dem Auto nach Italien zu fahren. Jetzt sitze ich am Strand von Jesolo und muss im Wohnzimmer des Bungalows auf dem Klappsofa schlafen.
Wer würde sich da nicht wie das sprichwörtliche fünfte Rad am Wagen fühlen?
Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie mich an einer Tankstelle vergessen hätten. Aber Jasmin achtet darauf, dass ich noch da bin. Ob das ein Segen ist, bleibt mal dahingestellt. Drei Stunden nach Ankunft gab es bereits einen Schichtplan für die Zeiten, ab denen die Pärchen den Bungalow für sich haben. Natürlich musste ich da nicht berücksichtigt werden. Zumal ich auf einen irgendwelchen Sex-Spundtrack so gar keine Lust habe. Klingt das etwas nach Gift und Galle spucken? Ja? Mir egal! Ich habe den Mund voll Sand, das Gesicht voll Sandsturmpeeling und meine Haut ist weiß wie die Wand! Ich hätte zuhause bleiben sollen!
So gut es geht, spüle ich den Sand von mir und tauche in das salzige Meerwasser ab. Das tut gut und ich spüre, wie ich mich etwas entspanne. Die lange Autofahrt, eingequetscht auf dem Rücksitz war nervig genug. Dann ankommen und beiseitegeschoben werden wie das Haustier, das man gerne am Rastplatz ausgesetzt hätte, fühlte sich demütigend an.
Was hindert mich eigentlich daran, mir hier keine schöne Woche zu machen?
Und wenn die mich länger nerven, dann fahre ich mit dem Zug zurück oder buche mir ein Flugticket!
Während ich auf dem Rücken liegend im Wasser treibe, fühle ich mich zunehmend besser und beschließe den Urlaub noch einmal von null zu starten. Langsam wate ich aus dem Meer und genieße es, wie die Wellen meine Waden umspülen. Später kann ich ein paar Muscheln sammeln, die hier angespült werden und sicher ein hübsches Erinnerungsmitbringsel abgeben.
Als ich zu meiner Liege komme, ist diese wieder aufgestellt und der Sand abgeklopft. Ich ziehe das Handtuch aus der Strandtasche und breite es drauf aus, ehe ich mich setze und den Blick auf das Meer richte.
So viel Wasser und der freie Ausblick bis zum Horizont.
»Ich dachte schon du ertränkst dich in den Fluten«, meldet sich eine Stimme hinter mir und jemand reicht mir einen der Cocktails mit bunten Schirmchen. »Sorry nochmal für den Rempler vorhin.«
»Oh, danke«, stottere ich, dann fällt mir wieder ein, wie ich vorhin geschimpft habe und werde rot. »Ich … das was ich gesagt habe war nicht für dich bestimmt.«
»Dachte ich mir fast«, neckt er mich und setzt sich wie selbstverständlich neben mich und stößt mit seinem Cocktail an meinen. »Trotzdem tut es mir leid, dich in den Sand getunkt zu haben.«
Ich muss kichern. Rückwirkend betrachtet, muss das witzig gewesen sein. Wir sitzen für einen Moment schweigend da und jeder nippt an seinem Glas.
»Der Urlaub ist also scheiße?«, greift er das Thema unseres ersten Wortwechsels auf und mich wundert es, dass er immer noch hier sitzt.
»Ich bin heute erst angekommen. Vielleicht sollte ich nicht so eine Laune haben, dann wird er sicher besser.«
»Die Laune kann helfen, das stimmt. Aber wo ist dein Freund?«
Ich schüttle den Kopf und betrachte angestrengt die bunten Schirmchen.
»Freundin? Freunde? Familie? Irgendjemand?«, zählt er gespielt hektischer werdend auf.
»Ich bin mit einer Freundin, ihrem Freund und noch einem Pärchen hier. Sie hat mich überredet, weil ich sonst allein zuhause geblieben wäre und das schien nicht zu gehen. Jetzt lassen sie mich hier aber trotzdem allein und das hat mich etwas verletzt. Aber ich kann schon verstehen, dass sie mit ihrem Freund den Urlaub genießen will«, erkläre ich ihm meine Urlaubsmisere.
»Verstehe«, brummt er und lässt seinen Blick über das Meer schweifen.
Ich schlürfe die letzten Reste des Cocktails zwischen den Schirmchen hindurch und fühle mich leicht und zufrieden. Das kann am Alkohol liegen, denn es ist ja erst früher Nachmittag.
Er nimmt mir das leere Glas aus der Hand, steht ohne ein weiteres Wort auf und geht durch die Reihen davon.
Irgendwie wurmt es mich doch, dass er nichts mehr gesagt hat und einfach gegangen ist. Ich versuche, mich an mein Mantra zu erinnern, dass ich den Urlaub genießen möchte.
Ich richte das Handtuch und will gerade ein Buch aus der Tasche fischen, als mein anonymer Cocktail-Spender zurückkommt.
»Also, los!«, fordert er mich mit einem Grinsen auf und fügt die zugehörige Handbewegung hinzu.
»Wie los?«
»Wir machen dir jetzt einen schönen Urlaub!«
Zu perplex, um überhaupt irgendetwas Sinnvolles zu sagen, stammele ich ein paar Worte, doch er zieht mich bereits in die Höhe und schnappt sich meine Tasche. Ich kann gerade noch mein Handtuch von der Liege zupfen, als er mich an der Hand hinter sich herzieht.
»Wir machen was?«, frage ich etwas atemlos hinter ihm.
»Ich bin auch Single und es gibt nichts was mehr frustriert, als mit Pärchen in den Urlaub zu fahren. Sommer, Sonne und die sind im Amore-Modus und du sollst nebendran am besten nicht mal zu laut Atmen. Vergiss es!«
»Und was machen wir jetzt?«
»Siehst du gleich«, antwortet er und wirft mir ein verschmitztes Lausbub-Lächeln über die Schulter. Mein Herz setzt für einen Moment aus.
Was passiert hier gerade?
Er schleift mich zu einem Holzverschlag, in dem ein Typ sitz, der auf einem Klappstuhl vor sich hindöst. Meine Tasche und mein Handtuch legt er auf die Bank daneben und nimmt einen der Schlüssel von dem Board an der Wand. Er tippt dem Schlafenden auf die Schulter, der kurz die Augen öffnet, nickt und dann weiterschläft.
»Alles klar. Ich hoffe, du bist ein bisschen für Fun zu begeistern?«
Ich nicke und seine ausgelassene Stimmung färbt langsam auf mich ab. Er lässt meine Hand nicht los, als er mich zum Wasser hinunterzieht und erst stoppt als wir vor einem Jetski stehen.
»Bist du so ein Ding schon mal gefahren?«, fragt er, während er mir die Rettungsweste reicht.
»Nein, aber wollte ich schon immer mal.«
»Dann ist jetzt der Moment gekommen. Ich fahre raus, dann bist du dran, okay?«
Ich schlüpfe in die Weste und die Vorfreude lässt meine Hände zittern. Wir schieben den Jetski zusammen in die Wellen und als wir knietief im Wasser stehen klopft er auf den Sitz.
»Also, aufsitzen!«, fordert er mich grinsend auf. »Wie heißt du eigentlich?«
»Ellie«, antworte ich ihm und versuche, so wenig phlegmatisch wie möglich Platz zu nehmen. »Und du?«
»Man nennt mich Darken.«
Während ich mich über den Namen wundere schiebt er den Ski zwei Schritte tiefer ins Wasser, dann sitzt er selbst auf, als wäre es das Einfachste der Welt.
»Festhalten, Ellie!«, ruft er mir über die Schulter zu, startet den Motor und zieht den Gashebel einmal auf Anschlag.
Wir zischen über die Wellen und hätte ich nicht so schnell reagiert, er hätte mich auf den ersten Metern bereits verloren. Der Fahrtwind schmiegt sich an mein Gesicht und meine Haare peitschen hinter mir auf die Rettungsweste. Zu der sengenden Hitze der Sonne ist es eine willkommene Abwechslung.
Darken dreht ein paar Kreise und fegt mit mir in einigem Abstand vom Strand entlang die Küste hinauf. Überall sind Urlauber im Wasser, Kinder spielen oder kämpfen mit den Luftmatratzen gegen die Wellen an. Nur gedämpft kommen die Rufe und Freundeschreie bei uns an. Das Meer ist klarer hier draußen, kein aufgewirbelter Sand durch die Brandung und die Wellen sind nur sanfte Wogen.
»Lust zu fahren?«, fragt Darken und blickt mich auffordernd an.
»Ja! Aber wie komm ich nach vorne?«
»Absteigen.«
»Dann komm ich hier nicht wieder hoch«, gebe ich erschrocken zu.
Darken lacht und meine Hände, die seine Rettungsweste umfassen, vibrieren im selben Takt.
»Gut, dann steig ich ab.«
Ehe ich protestieren kann, steht er auf und wirft sich theatralisch seitwärts vom Jetski. Er geht nur kurz unter, doch seine Rettungsweste hebt ihn gleich wieder über Wasser. Er fährt sich mit der Hand durch die Haare, um es aus dem Gesicht zu wischen.
»Und wenn nun ein Hai kommt?«, gebe ich scherzhaft zu bedenken.
»Hai?«, fragt er gespielt erschrocken und reißt die Augen in übertriebener Panik auf. »Wo? Hier?«
Wild um sich blickend und mit den Händen ins Wasser schlagend, dass es nur so spritzt, gibt er eine Show vom Feinsten und ich kann nicht anders als mich vor Lachen auf dem Sitz zu kringeln.
»Du wärst ein gefundenes Fressen«, gebe ich ihm zu bedenken.
»Ach, der Hai beißt sich an mir die Zähne aus, da will er sicher lieber dich vernaschen!«
Darken schwimmt zurück zum Jetski und zieht sich mühelos hoch. Das kühle Wasser an seiner Haut gibt mir kurz eine Gänsehaut, als er hinter mir Platz nimmt und meine Taille umfasst.
»Also, hier drehen, dann gibst du Gas und nicht so schnell in die Kurven, sonst fliegen wir beide runter. Glaub mir, da nehm ich dich dann mit«, erklärt er mir und als ich beim letzten Teil über meine Schulter schaue, stockt erneut mein Gedankengang, denn sein Gesicht ist nur noch wenige Zentimeter von seinem entfernt.
»Verstanden«, bestätige ich und richte den Blick nach vorne und drehe langsam am Gashebel.
Der Motor heult auf und schon bewegen wir uns vorwärts. Erst behutsam, dann immer schneller. Bald habe ich raus, wie ich die sanften Wellen anschneiden muss, dass wir darüber schanzen. Ich genieße es, wie Darken seine Arme um mich legt.
»Hätte ich gewusst, dass in dir ein kleiner Adrenalinjunkie schlummert, hätte ich dir was anderes gezeigt«, raunt er in mein Ohr und jagt damit eine Gänsehaut über meinen Rücken. Nicht nur die Euphorie des Jetskifahrens, auch seine Nähe und dass er attraktiv ist, lassen mich wundern ob ich wach bin oder ob das alles ein Traum ist.
Immer wieder wechseln wir uns ab und fahren Manöver, bis die Sonne sehr tief steht.
»Was hältst du davon, wenn wir langsam zum Strand zurückfahren?«
Ich nicke und fühle den Muskelkater vom Lachen in meinen Wangen. Das entschädigt definitiv für das Sand-Mampfen von vorhin.
Wir schieben den Jetski an den Strand und als ich die Rettungsweste ausziehe, sehe ich eine feine Linie an der Stelle, an der die Weste geendet hat. Ich habe tatsächlich etwas Bräune bekommen.
Darken folgt meinem Blick und lacht los.
»Keine Sorge, morgen machen wir was, da bekommt der Rest dann auch Farbe ab.«
»Morgen?«, frage ich verdutzt, denn bis eben war ich der Auffassung, dass er das nur gemacht hat, um mich nach dem Sand-Fiasko auf andere Gedanken zu bringen.
»Jep, Morgen. Lass dich überraschen.«
Er fasst wie selbstverständlich meine Hand und führt mich zurück zu dem Holzverschlag. Der Typ darin ist nun wach und nimmt grinsend den Schlüssel vom Jetski entgegen.
»Buona notte, Darken! Buona notte, signora!«
»Stammgast?«, frage ich, als wir einige Schritte entfernt sind.
»Er kennt mich schon ein paar Tage. Aber immer nur allein«, gibt er lachend zu.
»Warum allein?« Ich kann nicht anders und bohre nach.
»Normal bleibe ich für mich. Ich bin hierhergekommen, weil ich Abstand gebraucht habe. Manchmal spiele ich beim Volleyball mit, aber sonst, bin ich für mich. Bis jetzt.«
Bis jetzt …
Irgendwie hat es sich auf dem Rückweg zu den Bungalows ergeben, dass Darken mich zum Essen eingeladen hat, ohne dass ich richtig gemerkt habe, wie er es gemacht hat. Erst als ich am verlassenen Bungalow angekommen bin und die Tür hinter mir geschlossen habe, ist es mir bewusst geworden. Ich habe am ersten Tag nicht nur jemanden kennengelernt, sondern gleichzeitig einen großartigen Nachmittag verbracht und bin in einer Stunde zum Essen verabredet.
Mir schießt das Blut in den Kopf und ich höre es in meinen Ohren rauschen. Habe ich überhaupt etwas anzuziehen?
Als ich den Koffer gepackt habe, war meine Stimmung eher auf niedrigem Niveau und wenn ich mich ganz dumpf erinnere, ist so auch die Kleiderwahl ausgefallen. Bevor mich die Panik überfallen kann, husche ich ins Bad und stelle mich samt Bikini unter den Wasserstrahl.
Ich wasche den Sand und das Salz vom Körper und aus den Haaren. Das Spannungsgefühl auf der Haut lässt nach und ich creme mich nach dem Duschen ein. Auf Parfüm verzichte ich, um nicht unnötig Mücken anzuziehen, und mache mich auf einen ernüchternden Blick in meine Reisetasche bereit, während ich das Handtuch fest um meinen Körper ziehe.
Wie schlimm kann es denn schon sein?
Gut, nun weiß ich, dass man sich diese Frage nicht mal tonlos selbst stellen darf. Anscheinend hört irgendjemand auch die Gedankenform der Frage und packt mir Standard 0815-Baumwollunterwäsche ein. Sicher, wenn man von schwülen Nächten ausgeht, mag das ja praktisch sein. Wenig Synthetik und so weiter, aber hey! Darken ist ein muskulöser, tätowierter Mann! Gutaussehend, charmant, kreativ und mit mir zum Essen verabredet.
Kurz spiele ich mit dem Gedanken bei Jasmin im Koffer zu wühlen, doch ich verwerfe meinen Verzweiflungsgedanken gleich wieder. Wer sagt denn, dass ich andere Unterwäsche benötigen werde! Bis jetzt hat Darken keine Anstalten gemacht mich zu küssen und ich überlege bereits passende Dessous aufzutreiben! Kann man mir noch helfen?
Ich habe mich nun für ein schlichtes Sommerkleid entschieden und watschle mit perlenbesetzten Flip-Flops den gepflasterten Pfad durch die ruhigen Bungalowreihen. Mein Herz wummert wie ein Hochspannungstrafo und ich führe bereits drei Selbstgespräche parallel, jeweils mit dem Thema, dass es nichts zu bedeuten hat, dass Darken mich zum Essen treffen wird und ich mir keine Gedanken machen soll und dazu noch, dass die rosafarbene Baumwollunterwäsche im dunklen sowie nicht zu sehen ist.
Mir ist nicht mehr zu helfen.
Erst recht nicht, als ich um die Biegung tapse und dort unter der Laterne Darken entdecke. Verschlissene, usedlook Jeans, ein weißes Hemd, das er an den Ärmeln locker hochgekrempelt hat. Um den Hals trägt er eine Kette mit dunklen Holzperlen und seine Haare hat er noch leicht nass nach hinten gekämmt. Als er mich sieht, grinst er über das ganze Gesicht.
»Signora«, begrüßt er mich und zieht mich in seine Arme. »Das Kleid steht dir.«
»Du siehst aber auch nicht schlecht aus«, bringe ich gerade so heraus, ohne mich zu verhaspeln.
Darken lacht und da sich meine Hände wie selbstverständlich auf seine Brust gelegt haben, fühle ich die Schwingungen über die Arme auf meinen Körper übertragen. Ein schönes Gefühl.
Er fischt mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ordnet sie nach hinten. Dann meldet sich mit lautem Knurren mein Magen zu Wort, der heute außer ein paar notdürftigen Happen von der Tankstelle nichts Vernünftiges bekommen hat.
»Ich glaube, wir organisieren dir jetzt erst einmal etwas zu essen«, lacht er und nimmt meine Hand.
Mit Darken händchenhaltend in einem Urlaubsort abends über die Promenade zu laufen ist ein Erlebnis für sich. Dass er gut aussieht, ist mir klar. Er sieht mehr als gut aus, wenn ich ehrlich bin. Obwohl er wie ich Flip-Flops trägt, ist er eins neunzig und sein Rücken so breit, dass ich mich zweimal dahinter verstecken könnte. Mit dem weißen Hemd und der löchrigen Jeans sendet er genau den Bad Boy Vibe aus, auf den nicht nur ich voll abfahre, wie ich einigen weiblichen Urlaubsgästen an der Nasenspitze ablesen kann.
Ich ernte neidische Blicke von allen möglichen Damen, teils stehen ihre Männer daneben und trotzdem starren sie unverhohlen mit grünem Gift in den Augen in meine Richtung. Aber die Männer nehmen ihn ebenfalls zur Kenntnis, sowohl aus Neid, was sein Aussehen betrifft, als auch, wenn ich das richtig deute, Bedauern, dass er eine Frau an der Hand hat und keinen Kerl.
Kurz gesagt, bin ich froh, als er endlich bei einer Pizzeria stoppt, die zwar ein wenig abseits vom abendlichen Trubel liegt, aber einladend und gemütlich aussieht.
Wir sind kaum in den Garten eingetreten, da eilt schon ein Kellner auf uns zu.
»Signore Darken, buona notte! Eine Tisch für zwei heute?«, fragt er überschwänglich.
»Ja, danke Andrea«, entgegnet er und ich merke an der Art, wie er den Kellner anspricht und begrüßt wird, dass er hier öfter war.
Andrea führt uns zu einem Tisch, der zwischen Oleanderbäumchen und Lavendelsträuchern steht und mit der altmodischen Laterne ein unglaublich romantisches Bild ergibt. Ich schwebe wie auf einer rosa Wolke und muss mir ein Kichern verkneifen, als ich unweigerlich an meine ebenfalls rosafarbene Unterwäsche denken muss.
Darken rückt mir den Stuhl zurecht und ich möchte mich kneifen, weil es sich so traumhaft anfühlt. Darken scheint meine Gedanken in meinem Gesicht lesen zu können.
»Keine Sorge, das ist hier nett und das Essen ist gut. Das hat keine Methode! Ich finde es hier nur schick und wollte mir dir hierherkommen.«
»Es ist wirklich sehr schön«, stimme ich ihm zu und nehme die Speisekarte entgegen, die mir Andrea reicht.
»Schon etwas zu trinken?«, fragt er uns.
»Trinkst du Wein? Rot? Weiß?«
»Ich mag Weißwein lieber«, antworte ich und zu meiner Überraschung bestellt Darken, ohne zu zögern, eine Flasche Weißwein und eine Flasche Wasser für uns.
»Ich mag Weißen auch lieber«, murmelt er, während er die Speisekarte studiert.
Als Andrea mit den Getränken zurückkommt, haben wir die Karten beiseitegelegt und geben ihm unsere Bestellung mit.
Darken gießt den Wein in die Gläser und deutet an mit mir anstoßen zu wollen.
»Darauf, dass ich den Volleyball nicht mehr erwischt habe«, verkündet er seinen Toast und ich kichere wie ein junges Mädchen, wenn ich auch versuche, einen tadelnden Blick aufzusetzen.
»Das war schon wirklich der passende Auftakt für den Urlaub«, murmle ich mehr vor mich hin als zu ihm.
»Mir hat das voll imponiert, dass du von null auf hundertachtzig innerhalb von einer Sekunde warst, und das Ganze noch mit dem Mund voller Sand.«
»Das lag an der Fahrt und ich habe ja auch einen Bungalow Plan bekommen.«
»Einen Bungalow Plan?«, fragt er interessiert nach.
»Eigentlich stehe ich nicht auf dem Plan, von dem her habe ich so gesehen gar nichts damit zu tun. Es ist vielmehr ein Plan, wann Pärchen A allein Zeit dort verbringen möchte und wann Pärchen B«, erkläre ich ihm und spüre den Ärger darüber wieder in mir hochkommen. »Es fühlt sich einfach nicht schön an, wenn man erst auf Biegen und Brechen mitsollte und dann so ausgegrenzt wird.«
»Das verstehe ich«, stimmt er nachdenklich zu. »Na, dann ist es nochmal besser, dass ich dich von der Liege geschupst habe, denn jetzt hast du eh keine Zeit mehr dich über den Bungalow Plan zu ärgern.«
»Du musst nicht die ganze Zeit mit mir rumhängen, nur weil du mich in den Sand getunkt hast«, versuche ich ihm zu erklären, dass er keine Schuldgefühle haben soll. Doch ich scheine damit einen Nerv getroffen zu haben, denn sein Blick wird mit einem Mal ernst und ich kann einen Funken Wut, wie eine zarte Flamme in seinen Augen lodern sehen. Seine gesamte Ausstrahlung bekommt etwas Respekteinflößendes, was den Bad Boy Vibe nur noch verstärkt.
Er beugt sich auf die Tischplatte und schiebt seine Hand über die Hälfte des Tisches. Er bedeutet mir, meine Hand in seine zu legen und sein Blick lässt keine Ausflüchte zu.
»Ellie, nur dass zwei Dinge vollkommen klar sind: Dass wir zusammen Jetski gefahren sind und jetzt hier sitzen hat rein gar nichts mit Schuldgefühlen zu tun. Sonst hätte ich dir den Cocktail ausgegeben und du hättest mich nur noch von weitem gesehen. Und zweitens, hat mir die wenige Zeit mit dir so gutgetan, wie schon sehr lange nichts mehr und ich werde den Teufel tun und damit aufhören! Ist das klar?«
Seine Finger umschlingen, die meinen, während er spricht und am Ende seines Vortrags prickelt meine Haut, wo er sie berührt.
»Okay …«, bestätige ich mit dünner Stimme. Darken umgreift meine Hand und hebt sie mit dem Rücken an seinen Mund. Ich bin zu perplex, um die Situation in meinen Gedanken richtig einordnen zu können, denn er haucht zarte Küsse darauf und schickt mir eines dieser herzzerreißenden, Höschen verlierenden Lächeln über den Tisch.
Dieser Mistkerl weiß genau, welche Wirkung er auf Frauen hat!
Mein Blut pocht mittlerweile an ganz anderen Stellen und mir schießt es mehr als deutlich ins Bewusstsein, dass ich schon einige Zeit keinen Sex oder Vorstufen dazu erlebt habe. Und einen vermaledeiten rosa Schlüpfer anhabe!
Das Essen bekomme ich ohne weitere Zwischenfälle hin und bin nun schlauer, was seinen bisherigen Urlaub betrifft. Darken ist seit einer Woche hier und wird vermutlich noch eine weitere Woche bleiben und somit am gleichen Tag zurückfahren wie ich. Uns bleiben tatsächlich sieben Tage, in denen wir allerhand Quatsch machen können. Und Ideen scheint er einige zu haben, wie er immer wieder andeutet.
Er fragt mich aus, wie Jasmin und ich uns während der Ausbildung bei dem Transportdienstleister kennen gelernt haben und warum ich mit zwei Pärchen in den Urlaub gefahren bin. Besonders mürrisch reagiert er, als ich ihm von dem Bungalow Typus erzähle und dem Klappsofa, das ich mein Bett die Woche über nennen darf.
Nach dem Essen gehen wir ein Stück an der Promenade entlang, auf der sich die Urlauber tummeln.
»Komm, wir gehen am Strand zurück«, schlägt er vor und muss mich nicht lange überreden. Mit ihm an meiner Seite fühle ich mich sicher und beschützt, da traue ich mich auch, im Dunkeln am Stand entlang zu laufen. Wieder nimmt er meine Hand und als wäre es nie anders gewesen verflechten sich unsere Finger und wir flanieren über den kühlen Sand.
»Dort vorne ist der Eingang zu den Bungalows, oder?«, frage ich und deute zu der Laterne, die an einer halbhohen Ziermauer angebracht ist.
»Jep, dort geht es zurück«, murmelt Darken und zieht mich näher zu sich.
Wir erreichen den befestigten Weg und ich schlüpfe wieder in meine Flip-Flops, die ich den Strand über getragen habe. Darken lächelt mich gedankenverloren an, dann sehe ich wieder dieses Hadern in seinem Blick.
»Was ist los?«, frage ich instinktiv.
»Nichts, es ist …«, beginnt er lächelnd und zieht mich in seine Arme. »Der Abend war sehr schön.«
Ehe ich noch irgendetwas denken, sagen oder erwidern könnte, bleibe ich an seinen Augen hängen und erkenne, wie das Lächeln in Zeitlupe aus seinem Gesicht weicht, während seine Umarmung enger wird. Die Luft um uns herum knistert, und am Rande meines Gesichtsfelds scheinen tausend Glühwürmchen zu flattern. Darken legt seine Hand an meinen Hinterkopf und taucht mit seinen Fingern in meine Haare.
Fast schon schmerzlich fühle ich das Flehen in meiner Brust. Bitte, bitte küss mich!
Und als hätte er es gehört, senkt er seine warmen Lippen auf meine herab. Zärtlich und mit sanftem Druck teilt er meine Lippen ein Stück, ehe er sich langsam zurückzieht. Wie in Trance öffne ich die Augen und bin gleichzeitig überwältigt von den Gefühlen, die er in mir auslöst und verwirrt, warum er den Kuss so schnell beendet hat. In seinen Augen tobt ein Kampf, den ich nicht verstehe und über sein Gesicht huscht immer wieder ein Ausdruck von Pein.
Meine Lippen drängen sich ihm entgegen, mein Mund will noch einmal auf seinen treffen. Das kann es nicht schon gewesen sein, das hat sich zu gut angefühlt.
Der Wein lässt meine Schüchternheit zustimmend nickend in einer Ecke in meinem Kopf sitzen und so sende ich ihm einen fehlenden Blick, während ich meine Hand mit sanftem Druck in seinen Nacken lege. Mehr braucht es nicht, die Schlacht in seinen Augen ist entschieden. Keine Ahnung wer gewonnen hat, es interessiert mich auch nicht, denn er zieht mich wieder näher an sich heran und ich spüre seinen heißen Atem auf meinem Gesicht. Seine Zunge schiebt sich zwischen meine Lippen und ich gebe ihm seufzend Zugang.
Vorbei die Zurückhaltung, weggeblasen die Vorsicht. Bestimmend nimmt Darken meinen Mund in Besitz. Plündert ihn wie ein Pirat auf der verzweifelten Suche nach Schätzen. Taumelnd wandern wir in eine Richtung bis ich mit dem Hintern an etwas stoße, doch er lässt mir keine Zeit zu reagieren. In einer fließenden Bewegung hebt er mich hoch und setzt mich auf die Ziermauer. Sein Becken schiebt sich zwischen meine Beine und ich spüre seine Hand an der nackten Haut oberhalb meines Knies.
Ein wohliges Seufzen bahnt sich seinen Weg zwischen unseren Lippen hindurch, als ich kurz nach Luft schnappe. Das scheint ihn zusätzlich zu reizen, denn sein Kuss wird fordernder und seine Finger schleichen wie auf einem feurigen Pfad an der Außenseite meines Oberschenkels entlang hinauf zu meinem Hintern.
In meinem Kopf formt sich der Gedanke, dass ich zwar siedend heiß möchte, dass er meinen Körper berührt, ich aber sicherlich nicht dabei von fremden Menschen beobachtet werden möchte.
Darken löst seine Lippen von meinen und drückt die Stirn gegen meine. Unser beider stoßartiger Atem vermischt sich in den wenigen Zentimetern zwischen uns.
»Baby, ich nehm dich jetzt mit zu mir. Wir müssen keinen Sex haben, auch wenn ich gerade genau das will. Aber du schläfst heute Nacht in einem Bett und nicht auf dem Klappsofa«, bestimmt er und mir gefällt es; sein Vorschlag, kein Kuss, seine Berührung und die bestimmende Art.
»Okay«, hauche ich, unfähig mehr Kraft in meine Stimme zu legen.
Darken geht einen Schritt zurück und lässt mich von der Mauer herunter. Seit einer Minute sind unsere Lippen nicht mehr aufeinander und ich spüre bereits ein sengendes Brennen. Ich will ihn wieder schmecken!
»Kleines, wenn du mich so ansiehst, schaffen wir es sicherlich nicht bis zum Bungalow«, raunt er mir zu und drückt mich mit seinem Körper gegen die Steinwand.
Ich fühle die Hitze seiner Haut durch den Stoff seines Hemdes und die harte Erektion an meinem Bauch. Wenn er glaubt, dass es nur ihm schwerfällt, irrt er sich gewaltig!
»Vielleicht sollten wir schneller laufen?«, flüstere ich ihm zu und spüre an der kompletten Länge meines Körpers das Vibrieren seines Lachens.
Ich bin süchtig danach!
Darken führt mich durch die Bungalowreihen, vorbei an gedämpften Gesprächen, glimmenden Grills und anderen Urlaubern bis wir an einem dunklen Bungalow ankommen, auf dessen Veranda ein Outdoor-Whirlpool unter einem Pavillon vor sich hin brummt.
Ich will gerade die naheliegende Frage stellen, warum er einen Whirlpool gebucht hat, da zieht er mich über die Schwelle, kickt die Tür hinter mir zu, und zieht mich an seinen Körper. Jegliche Frage ertrinkt in einem verschlingenden Kuss.
Seine Hände streichen an meinem Rücken hinauf und hinunter. Mein träger Verstand spürt, wie er versucht, sich zurückzuhalten, wie er dagegen arbeitet nicht noch tiefer zu gleiten, über meinen Hintern hinweg bis zum Saum meines Kleides.
Körper an Körper gepresst, schiebt er mich, die Flip-Flops wegschießend, durch den dunklen Bungalow. Als meine Waden an etwas Weiches stoßen weiß ich, dass wir das Bett erreicht haben und auch Darken verharrt einen Augenblick. Einzig sein Kuss bleibt leidenschaftlich, fordernd und unglaublich lockend.
Meine Finger öffnen die Knöpfe seines Hemdes – einen nach dem anderen. Als ich beim letzten angekommen bin, unterbricht er den Kontakt unserer Lippen und wir sehen uns für einen Augenblick tief in die Augen. Die Laternen, die an den Wegen zu den Bungalows angebracht sind, senden ein zartes honigfarbenes Licht durch die hohen Fenster.
Mit zitternden Fingern vor Aufregung, schiebe ich Darken das Hemd über die Schultern und streife es ihm vom Körper. Er greift nach dem Saum meines Kleides und hebt es in einer fließenden Bewegung über meinen Kopf.
Ich weiß, dass nun ich wieder an der Reihe bin ihm zu signalisieren, dass ich weiter machen möchte, doch mein Mut versagt. Darken legt seine Hand in meinen Nacken und zieht mich bestimmend an seine Lippen. Willig öffne ich sie für ihn und kann ein entzücktes Seufzen nicht unterdrücken, als seine Zungenspitze auf meine trifft.
Er hakt meinen BH auf und streift meinen Slip hinunter, der sich um meine Knöchel schmiegt. Atemlos lässt er von mir ab und ich krabble rückwärts auf die Matratze, ihn keine Sekunde aus den Augen lassend. Darken genießt diese Art von Aufmerksamkeit sichtlich und zieht sich selbst langsam aus, ehe er jede Bewegung kontrollierend zu mir auf das Bett kommt.
Wie ein Tiger, der seine Beute im Blick hat, pirscht er sich heran und begräbt mich unter seinem Körper. Seine Wärme, Haut an Haut zu spüren lässt mein Blut wie eine Feuerwalze durch meine Adern jagen und ich drücke mich ihm schnurrend entgegen.
Mit seinen Lippen erkundet er meinen Hals, hinab zu meinem Schlüsselbein, an der Außenseite meiner Brüste entlang über den Brustkorbbogen zur Mitte und als er einen Kuss unterhalb meines Bauchnabels haucht, legt er sich zwischen meine Beine und umfasst meine Oberschenkel, um sie weiter zu teilen.
Noch bevor er auf den Nervenpunkt stoßen kann, graben sich meine Finger in seine Haare. Wollen ihn abhalten und gleichzeitig heranziehen. Dann spüre ich seine Zungenspitze an der empfindsamen Haut und bäume mich durch die Empfindung auf. Die Vibrationen seines unterdrückten Lachens schießen die Nervenenden entlang zurück über mein Rückgrat direkt in mein Gehirn und lassen dort ein Feuerwerk entstehen.
»Fuck, ich kann nicht länger warten«, brummt er und taucht über mir hervor. Fordernd presst er seinen Mund auf meinen und ich schmecke mich selbst an seiner Zunge.
»Hier ist der Deal«, keucht er. »Ich habe keine Kondome hier, aber einen frischen negativen HIV Test. Verhütest du?«
»Ich habe so ein Implantat Ding«, antworte ich, bemüht darum, diese ernsthafte Unterhaltung im Vollbesitz zumindest meiner halben Zurechnungsfähigkeit zu führen.
»Ist es okay für dich? Wir können auch hier abbrechen, Baby. Es passiert wie du es willst«, raunt er mir zu, die Anspannung in seinen Muskeln lässt ihn leicht Zittern.
Bei allem was mir heilig ist, ich will ihn. Ich will ihn jetzt!
Ich küsse ihn mit all meiner nervösen Leidenschaft, die ich in den Kuss transportieren kann und Darken versteht. Seine Knie schieben sich zwischen meine Beine und behutsam lässt er sein Gewicht auf mich sinken.
Das fühlt sich so unglaublich richtig an!
Das Adrenalin, das sich zu meiner Lust in die Adern gemischt hat, lässt meinen Körper zittern. Darken raunt mir stockendem Atem ins Ohr, das er vorsichtig sein wird mit mir, als ich meine Beine anziehe und an seiner Seite entlang nach oben schiebe. Dann drängt er sich nach oben, stupft an meinen Eingang einen Moment an, schließlich streckt er sich weiter und zwängt sich bestimmend in mich hinein.
Ich weiß nicht wohin mit alle den Empfindungen, so grabe ich meine Finger in Darken’s Rücken und dämpfe meinen Schrei an seiner Schulter.
Darken keucht auf, als er sich immer wieder kurz zurückzieht, um tiefer vorzudringen. Er lässt sich Zeit, lässt mir Zeit, doch ich scheine mich nicht an seine Größe zu gewöhnen, denn ich spüre ihn nach wie vor, wie er mich Millimeter für Millimeter dehnt.
»Oh Baby, du fühlst dich göttlich an!«
Dann schwindet seine Beherrschung und seine Bewegungen werden bestimmter. Fordernd nimmt er einen Takt auf, der meine Nervenbahnen unter Hochspannung setzt und mich unaufhaltsam meinem Orgasmus entgegentreibt. Unter ihm eingekeilt, nahezu bewegungsunfähig nimmt er meinen Körper in Besitz und ich spüre Berührung um Berührung, dass die Wellen zunehmen und das Maximum zum Greifen nahekommt.
»Schau mich an«, raunt er den Befehl in mein Gesicht und in dem Moment, als ich die Augen öffne und die Lust in seinen sehe, spült mein Orgasmus über mich hinweg. Lässt meine inneren Wände erzittern und mein innerstes Erbeben.
Noch während ich in der Gischt versinke und dem Beben lausche, spüre ich wie Darken über mir versteift und in einem jammernden Keuchen von seinem Höhepunkt überwältigt wird.
Atemlos sinkt er auf mich nieder und küsst sanft meine wunden Lippen.
»Das hättest du mir vorhersagen müssen, Ellie«, tadelt er mich schwer atmend.
»Was?«, stottere ich unsicher.
»Dass Sex mit dir der Wahnsinn ist und ich jetzt schon süchtig nach dir bin!«
Wie jede gottverdammte Nacht wache ich auf und glaube jemanden neben meinem Bett stehen zu sehen. Für den Bruchteil einer Sekunde will ich mich entweder auf ihn werfen oder der Kugel, die gleich den Lauf seines Revolvers verlassen wird, ausweichen. Obwohl das der reinste Witz wäre. Nur in Cartoons sind potenzielle Opfer schneller als das Projektil, können die Zeit anhalten, um dem sicheren Tod auszuweichen, oder malen mit schwarzen Stiften Löcher aus dem Nichts in denen sie sich dann verstecken können.
Ich dagegen, hätte keine Chance. Und nun habe ich auch noch den Fehler gemacht jemanden bei mir liegen zu haben.
Ellie.
Sie ist nicht die erste Frau, neben der ich aufwache und ganz sicher nicht die erste Frau, mit der ich nach kurzer Zeit im Bett gelandet bin. Aber sie hat etwas an sich. Etwas, das ich noch nicht greifen kann.
Das Feuer in ihren Augen, als sie mir wutschnaubend erklärt hat, dass das nicht so zu laufen hat in ihrem Urlaub, während der Sand von ihrem Gesicht gerieselt ist. Dann wieder auf dem Jetski. In ihren Augen haben die Funken gesprüht und ihr Lächeln hat sich in meine schwarze Seele gebrannt. Was ich zu ihr beim Essen gesagt habe, war die Wahrheit, genauso wie der Rest. Nur eben nicht die ganze Wahrheit.
Ich verdecke für einen Moment die Augen mit meiner Hand, drücke meine Nasenwurzel und atme tief ein. Es war wieder nur ein Traum. Niemand jagt mich heute und erst recht nicht bis hier her. So wichtig kann es nicht sein, dass jemand tatsächlich bis nach fucking Jesolo fährt, um mir eine Kugel in den Kopf zu jagen, während ich schlafe!
Ellie seufzt neben mir und ich kann nicht anders als sie auf meine Brust zu ziehen. Sie fühlt sich so warm und weich, so sanft und gut an. Sobald die Sonne auf geht, werde ich sie mit einem Frühstück überraschen. Anschließend soll sie ihren Krempel holen und den restlichen Urlaub mit mir verbringen.
Wenn ich das richtig deute, und davon gehe ich gerne aus, hat ihre Freundin sie überredet mitzukommen, aus einem Gefühl der alten Freundschaft heraus und weil sie sie nicht allein zurücklassen wollte. Hier dagegen ist sie das störende fünfte Rad. Aber nicht bei mir. Bei mir hier, ist sie der fehlende Teil!
Die letzte Woche habe ich mich von allen ferngehalten. Keine Weiber, die sich mir mit ihrem Nichts von Bikini in den Weg gestellt haben. Oder die Tussis, die, trotz ihrer betrunkenen Männer, versucht haben mich aufzureißen und da stolpere ich über diese Maus hier und zack ist es um mich geschehen. Und das so, dass ich sämtliche Vorsätze über Board geworfen habe.
Ich unterdrücke das Lachen, dass sich einen Weg aus meiner Brust bahnen will und Ellie motzt etwas, weil ich mich dadurch bewege.
»Schlaf weiter, alles ist gut«, raune ich ihr zu und ziehe das Laken über ihre nackte Haut.
Die ersten Sonnenstrahlen fallen durch die Pinienbäume und ich schleiche mit meinen Laufklamotten aus dem Schlafzimmer. Eine Runde sollte machbar sein, dann hat auch der kleine Laden geöffnet, indem es neben Strandausstattung auch Lebensmittel und Campingbedarf gibt, und ich kann Ellie ein Croissant oder eines der italienischen Brötchen mitbringen.
Meine Route führt mich an der Promenade entlang, auf der Angestellte gerade die Spuren der letzten Nacht beseitigen, vorbei an dem kleinen Fischmarkt und hinüber zum Anlegehafen für die Fischerboote, dann einen weiten Bogen über die sumpfigen Meerausläufer, die sich in das Land hinein erstrecken. Nach einer knappen halben Stunde bin ich wieder auf dem Rückweg und biege in die Seitenstraße ab, um eine kleine Auswahl an Frühstück zu holen. Jeder mag nicht unbedingt Croissant am Morgen, aber mit dem Brötchen bin ich auch nicht schlüssig. Vielleicht doch eher ein Ciabatta. Es wird etwas dabei sein, wenn ich von allem etwas mitbringe.
Der Lauf hat meinen Kopf ein wenig frei pusten können, weg sind die Schreckensbilder meiner Träume und das Gefühl die Kugel schon durch die Luft sausen zu hören. Wie so oft in einem solchen Moment, glaube ich daran, dass ich es nicht verdient habe so zu sterben, doch folgt einen Herzschlag später die Gewissheit: Ich habe viel mehr verdient!
Mit einer Tüte voll Frühstücksoptionen öffne ich so leise wie möglich die Tür meines Bungalows und werfe einen Blick in das Schlafzimmer. Ellie liegt noch selig schlummernd im Bett und so schleiche ich weiter ins Bad und drehe die Dusche auf.
Die Sonnenstrahlen haben schon richtig Kraft, wie ich während des Laufs gespürt habe. Das warme Wasser kühlt meine erhitzte Haut ab und ich stelle mich unter den Wasserstrahl, um den Schweiß wegzuspülen. Wie eine zweite Schicht schmiegt sich das Wasser an meinen Kopf und dämpft die Geräusche der Welt für einen Moment. Ich denke nichts. Mein Kopf ist vollkommen frei und die Gedanken der Nacht vollständig fort.
Plötzlich tasten sich Finger um meinen Bauch herum und wandern zu meiner Brust. Ich kann nicht vermeiden, dass sich ein breites Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitet und als ich mich umdrehe und die Wassertropfen von meinen Lidern wische, steht Ellie mit mir in der Dusche.
»Guten Morgen«, flüstert sie und blickt mich so unschuldig von unten herauf an, dass ich gar nicht anders kann.
Wenn sich diese Frau nackt zu dir in die Dusche stellt, bist du als Mann verpflichtet sie so heiß zu machen, dass sie Feuer fängt. Dann und erst dann darfst du sie mit dem Duschstrahl löschen!
Ein paar Minuten später sitzt Ellie leise vor sich hin kauend mit mir auf der Veranda und ihr leicht entrückter Blick lässt mich immer wieder schmunzeln.
»Magst du noch Kaffee?«, frage ich sie, als ich ihre leere Tasse bemerke.
»Ich hatte eben zum ersten Mal unter der Dusche Sex«, bricht es als Antwort aus ihr heraus und mit einem Mal sieht sie mir direkt in die Augen.
Ich bin mir nicht sicher, ob sie nicht gleich wieder schimpfen will. Vielleicht kommt etwas von dem, sie hätte sich den Urlaub so nicht vorgestellt, mit, doch sie überrascht mich, denn auf ihrem Gesicht breitet sich ein seliges Lächeln aus.
»Das heißt dann, ja?«
Sie kichert und ich spüre das Grinsen in meinem Gesicht, als ich ihr Kaffee nachgieße. Dieser Hauch Unschuld, der sie umgibt, macht mich süchtig! Der Teufel in mir will ihn bis ins Letzte auskosten und schmecken!
Sie gießt sich Milch hinzu und rührt mit ihrem Löffel in der Tasse herum, dann wiederholt sich die Szene vom Beginn des Frühstücks. Sie tippt den Löffel einmal auf den Rand der Tasse, führt ihn zum Mund und leckt ihn ab. Aber das ist es noch nicht, was mich hart werden lässt. Sie stützt den Löffel an ihre Unterlippe und lässt in Gedanken versunken ihre Zunge über die obere Kante gleiten.
Allein dieser Anblick lässt meine Hose enger werden und ich weiß noch nicht mal, wie sich ihr Mund anfühlt! Ich kann mich an keine Situation in meinem bisherigen Leben erinnern, in der ich ein mittelschweres Rohr bekommen habe, wenn eine Frau so eine Geste macht. Zumal es ihr nicht einmal bewusst zu sein scheint, was sie da gerade anrichtet.
»Du heißt nicht wirklich Darken, oder?«, reißt sie mich aus meiner Beobachtung und ich muss mich konzentrieren, um den Themenwechsel in meinem Hirn ankommen zu lassen.
»Nein, das …«, beginne ich und überlege für einen Moment ihr mehr zu sagen, als ich sollte. »Das ist eine Abkürzung. Ich heiße eigentlich Daniel Richard Kent, über die Initialen ist daraus im Laufe der Zeit Darken geworden.«
Es mutet ein wenig wie Feigheit an, doch schnell schiebe ich in meinem Kopf die Rechtfertigung nach, dass es besser für sie ist, wenn sie noch nicht alles weiß. Ich kenne sie erst seit gestern, aber es fühlt sich falsch an, wenn ich davon ausgehe, dass ich sie nächste Woche nicht mehr sehen werde.
»Und du?«, frage ich, als nur ihr Nicken zu meiner Erklärung kommt.
»Wie ich?«
»Ellie?«, helfe ich ihr auf die Sprünge.
»Ach so. Ellie ist nur die Abkürzung, aber keine coole Abkürzung und ein noch viel uncooler richtiger Name. Ich heiße eigentlich Elvira. Meine Mama war der Meinung, dass ich wie ihre Mutter heißen soll, die sie sehr früh verloren hat und die ich nicht einmal mehr kannte und deswegen musste ich durch einige Hänseleien in der Schule durch.«
»Aber Ellie passt zu dir. Du bist irgendwie quirlig, frech und …« Ich beuge mich zu ihr und küsse sie, bis sie nach Luft schnappt. »… schon ein wenig verrucht, wenn ich das hinzufügen darf.«
Ihre Wangen färben sich rot und ein stolzer, wenn auch etwas tadelnder Blick soll mich maßregeln. Doch alles was es auslöst, ist, dass meine Hose erneut enger wird und ich in ihren Nacken greife und sie wieder auf meine Lippen presse.
Verdammt! Sie wickelt mich um ihren kleinen Finger und merkt es noch nicht einmal!
»Wenn du fertig bist, dann holen wir deinen Koffer«, eröffne ich ihr meinen Plan.
»Meinen …?«, stammelt sie und verschluckt sich am Rest ihres Kaffees.
»Du bleibst hier! Keine Diskussion und auf einem Klappsofa lass ich dich sowieso nicht schlafen, also kannst du gleich ganz hier sein!«
Sie klappt den Mund auf und ich warte schon auf die ersten Argumente, warum sie das nicht will, doch sie klappt ihn ebenso schnell wieder zu, leert den Orangensaft und fegt die Krümel vom Frühstück von ihrem Kleid.
»Okay, dann mal los. Sonst ist ja der ganze Vormittag vorbei!«, bestimmt sie und pfeift zum Abmarsch.
Oh, sie gefällt mir!
Die nächsten Tage bestehen aus Sonne, Meer, Sand und immer wieder unglaublich heißen Sex! Keine Ahnung wie ich die Woche vor ihrer Ankunft verbracht habe, alles vor Ellie ist nur noch ein grauer Nebel.
Wenn ich morgens meine Runde laufen gehe, ehe ich Frühstück hole, höre ich ihr Lachen und Kichern in den Ohren und muss selbst lächeln. Habe ich zuvor jede Minute damit verbracht mich mit irgendetwas zu beschäftigen, so genieße ich es, jetzt auch mal mit ihr in der Sonne zu liegen und ganz besonders, ihren Körper mit Sonnenmilch einzucremen.
Es ist vier Uhr morgens und ich schleiche aus dem Bett. Dass Darken neben mir liegt und ich sein ruhiges Atmen höre, ist so schnell zu einer vertrauten Gewohnheit geworden, dass es mich tief in meiner Seele schmerzt, dass das nun alles vorbei sein soll. Den Koffer habe ich so drapiert, dass ich nur noch ein paar Dinge hineinwerfen muss, und schon kann ich mich aus dem Bungalow schleichen. Den Zettel mit den wenigen Worten, die mir eingefallen sind, lasse ich auf dem Tisch liegen und trage mein Gepäck mit einem Kloß im Hals zum Empfangsbereich. Dort wartet bereits das Taxi, das mich zum Flughafen bringen wird.
Weil es einfach keine Option ist, mit den anderen ins Auto gequetscht wieder heimzufahren, habe ich mir einen Flug gebucht und den Transfer gleich mit bestellt. Von Darken konnte ich mich nicht verabschieden. Die Woche war mehr als nur perfekt! Er war himmlisch und ich bin aus dem Lachen und mich wohlfühlen nicht mehr herausgekommen. Ich wollte diese Erinnerungen nicht zerstören, indem ich ein Herzschmerz Abschiedsding fabriziere und er mir am Ende vielleicht noch erklärt, dass das alles nicht mehr als nur eine Urlaubsromanze war.
Keine Ahnung wo er wohnt und was er sonst macht, aber die Chance, dass wir uns in Deutschland über den Weg laufen halte ich mal für ausgesprochen gering. Da müsste es wirklich mit dem Teufel zu gehen. Und selbst dann würde sich die Frage aufdrängen: Will er überhaupt noch mit mir Zeit verbringen?
Zehn Stunden später sperre ich die Wohnungstür auf und trotte zum Sofa. Bin ich erledigt! Von Darken weg zu sein, macht mir mehr aus, als ich zugeben will und dafür, dass der Urlaub zu Beginn so furchtbar aussah, ist er zur schönsten Ferienzeit überhaupt geworden.
Ich vermisse ihn!
Den restlichen Tag lasse ich mich noch in Seelenschmerz marinieren und als ich abends ins Bett gehe, gelobe ich mir, dass morgen ein neuer Tag ist und ich mich zusammenreißen werde! So kann es ja nicht weiter gehen!
Gesagt, getan! Die nächsten Tage räume ich meine Wohnung auf und miste alles aus, was nicht mehr zu mir passt. Der Urlaub hat mich verändert, aufgeweckt und ich will dieses Gefühl behalten, so lange ich nur kann. Ich muss schmunzeln, als ich beim Schrubben des Badezimmers daran denke, wie Darken für uns Stand-Up-Paddle-Boards organisiert hat und jeder einen Eimer mit Wasserbällen vorn draufhatte. Ziel war, den anderen damit abzuwerfen und als besonderes Highlight waren die Bälle mit eiskaltem Wasser gefüllt! Ich war gar nicht so schlecht und ein paarmal habe ich ihn ziemlich gut getroffen, obwohl ich große Mühe hatte auf dem Ding das Gleichgewicht zu halten.
In meiner Erinnerung hallt sein Lachen wider und tief in mir bohrt sich ein stechender Schmerz durch meine Brust.
Die letzten Urlaubstage brechen an und ich kann in der Ferne schon das Fähnchen wehen sehen, auf dem dick und fett das Wort Arbeit steht. Aber ich sehne den Tag langsam herbei, denn ich kann mich nicht mehr so gut ablenken und muss ständig in Darken denken.
Mein Blick in den Kühlschrank bestätigt mir, dass ich dank der selbst auferlegten Beschäftigung das Einkaufen habe schleifen lassen und nun in die gähnende Leere schaue, die sich Kühlfach nennt. Nun gut, warum auch nicht? Wenn ich mich schon auf das Sofa lümmeln will, dann kann ich das ganz entspannt mit Bier, was einsam und allein im Kühlschrank liegt, und Pizza vom Lieferdienst machen!
Ich bestelle über meine App und merke, während ich den Bestell-Button drücke, dass ich viel zu oft Pizza-Abende veranstalte. Vielleicht sollte ich daran etwas ändern. Aber nicht heute.
Um das Warten zu verkürzen, schnappe ich mir ein Bier aus dem Kühlschrank, doch kaum setze ich mich auf das Sofa, klingelt es an der Tür.
»Das ging aber schnell«, murmle ich vor mich hin und erstarre augenblicklich, als ich die Tür öffne.
Keine Pizza!
Darken!
»Hast du gedacht, dass das so einfach ist, mich loszuwerden?«, brummt er und ich sehe die Wut in seinen Augen aufflackern.
»Ich …« Mehr bekomme ich nicht heraus, denn er macht einen Schritt über die Schwelle und ich automatisch einen zurück.
Er schließt die Tür hinter sich und nimmt mir das Bier aus der Hand. Einen großen Schluck nehmend, fixiert er mich, als müsste er noch überlegen, wie er weiter vor geht.
Ich bin nicht fähig irgendetwas zu sagen. In meiner Brust jubelt ein Gesangsverein, in meinem Kopf schießt das schlechte Gewissen wie wild um sich und meine Knie sind wie Pudding!
»Okay«, sagt er schließlich und atmet tief durch. »Erklär’s mir.«
»Ich … ich dachte nicht, dass du mich nach dem Urlaub noch sehen willst«, gebe ich kleinlaut zu und spüre, wie ich zu zittern beginne.
Er senkt den Blick zu der Bierflasche in seiner Hand und dreht sie gedankenverloren.
»Danke für die wundervolle Zeit, ich werde sie nie vergessen! Ellie«, gibt er meine Nachricht, die ich ihm dagelassen habe, mit kühlem Unterton wieder.
Ich nicke betreten. Gut, das war nicht gerade eine Glanzleistung von mir.
»Dachtest du, dass ich jede so behandle wie dich? Dass ich mir im Urlaub einfach so eine aufreiße?«, schimpft er, ohne die Stimme zu erheben.
»Nein. Ich meine, ich dachte nicht, dass du …« Mehr bringe ich nicht heraus, denn meine Gefühle schwappen über. Seine Anwesenheit überfordert mich.
»Hey, hey, Süße! Ich bin nur sauer, weil du einfach so verschwunden bist«, beruhigt er mich und zieht mich in seine Arme.
In mir bricht der letzte Damm und mir rollen Tränen über die Wangen.
»Ich habe dich so vermisst«, gestehe ich ihm schniefend.
Darken umarmt mich fester, aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, wie er die Bierflasche auf meinem Schuhregal abstellt und seine Hand unter mein Kinn legt. Mit sanftem Druck zwingt er mich, hochzusehen, unsere Blicke treffen sich kurz, dann senkt er seinen Mund auf meinen und küsst mich voller Leidenschaft.
Erneut klingelt es an der Tür. Darken bricht den Kuss ab und drückt seine Stirn an meine.
»Bitte lass das jetzt nicht dein verheimlichter Freund sein«, murmelt er.
»Nein, ähm. Ich habe Pizza bestellt«, stammele ich atemlos.
»Gut! Ich hätte heute wirklich nur ungern jemand verschwinden lassen!«
Er sagt, dass mit einer Leichtigkeit, doch seine Worte rieseln wie eine Schneewehe über meinen Rücken. Ich weiß eigentlich nichts über Darken, er wohl einiges mehr über mich.
Er öffnet die Tür und nimmt die Pizza entgegen. Nun, die Pizza und die Tortellini, die ich aus Versehen mit bestellt hatte. Das kann ja jedem Mal passieren!
Eine Viertelstunde später sitzen wir am Esstisch und ich schaue immer wieder verwundert zu Darken. Seine ausgewaschene Jeans und das schwarze T-Shirt, das ihm über den Brustkorb spannt, lassen ihn locker wirken, doch seine kristallblauen Augen sind wachsam und er sieht sich stets und ständig in meiner Wohnung um.
»Wie hast du mich gefunden?«, nuschle ich, Sekunden bevor ich die Bierflasche an den Mund ansetze.
Darken schmunzelt und scheint kurz zu überlegen, was er mir sagen soll. Ganz in die Karten schauen hat er mich eh nie lassen, darum habe ich sicherlich auch keinen Schimmer, wer da vor mir sitzt. Dass er mir unglaublich gutgetan hat, in der einen Woche in Italien ist das eine. Dass der Sex atemberaubend war und er eine einfühlsame Art mir gegenüber hat, die mich schweben lässt, ist das andere. Aber das sind alles keine wirklichen Informationen!
»Du wohnst nicht weit weg von mir«, gibt er wie beiläufig die Informationsbombe auf den Tisch und der Timer läuft gerade runter.
Bäm!
»Was?«, schießt es aus mir heraus, zusammen mit einem Stückchen Pizza, das ich in meinem Mund hatte mit.
Darken lacht und ich kann an seiner Körperhaltung sehen, dass er sich zunehmend entspannt. Wie habe ich dieses Lachen vermisst.
»Wir wohnen etwa vierzig Kilometer auseinander. Aber dich zu finden war nicht ganz so einfach. Ich habe Kontakte und mit deinem Namen konnte ich dann doch einiges rausfinden.«
»Zum Beispiel?«
»Wo du wohnst, wo du arbeitest, dass du ein Auto hast. Keine Vorstrafen. Sowas, einfach nur grobe Infos«, gesteht er mir und ich glaube ihm, dass das alles ist.
»Und jetzt?«, frage ich vorsichtig, denn ein Teil von mir hat Angst, dass er aufsteht und geht. Ein anderer Teil hat Angst, dass er bleibt, denn mir wird schlagartig bewusst, dass ich in Schlabbershirt und Joggingcapri vor ihm sitze. Dazu hat mein Rasierer seit dem Urlaub eher dekorative Zwecke erfüllt und ich habe wieder diesen verdammten rosa Schlüpfer an!
Karma – such a bitch!
»Jetzt, meine Süße, musst du dich wohl oder übel daran gewöhnen, dass du mich erst mal nicht mehr loswirst«, verkündet er mir, nimmt meine Hand und drückt einen Kuss auf meine Finger.
»Versprochen?«, stammele ich, hypnotisiert wie ein hormongesteuerter Teenager.
»Versprochen!«
Mein Plan war ein gänzlich anderer gewesen. Nachdem ich die Nachricht von Ellie gefunden hatte, wollte ich ihr den Hintern versohlen und sie anschließend an mein Bett fesseln, bis sie sich im Klaren darüber ist, zu wem sie gehört. Aber als ich dann vor ihr stand und sie am ganzen Leib gezittert hat, musste ich umschwenken.
Sie weiß gar nicht, was für eine Wirkung sie auf mich hat. Jedes Mal, wenn ich in ihre Augen sehe, fühle ich mich Zuhause. Alles was mir wichtig ist, ist hinter diesen großen Pupillen, die mich mustern und früher oder später durchschauen werden.
Ellie zu finden war mit meinen Kontakten kein Problem. Meine Wut unter Kontrolle zu bekommen bevor ich zu ihr fahre schon eher. In mir gab es diesen Zweifel, ob das nicht ein kurzer Ausflug aus dem Alltag für sie war, dass ein Freund oder gar Verlobter auf sie wartet. Ihn verschwinden zu lassen, wäre dann doch mehr Aufwand gewesen. Nicht dass sie diesen Aufwand nicht wert wäre.
Jetzt liegt sie neben mir und ich lausche ihrem ruhigen Atem. Die Sonne geht auf und gibt mir wieder eine neue Gelegenheit aufzustehen und aus ihrem Leben fortzugehen. Das einzig Richtige was ich tun kann, aber nicht im Stande bin zu machen.
Fuck! Wie egoistisch bin ich eigentlich?
Gestern kam die Frage, die ich hoffte, aufschieben zu können. Dabei ist sie simpel, obwohl ich noch nicht sagen kann, wie gut sie mit der Wahrheit klarkommen wird.
Sie hat etwas Unschuldiges an sich, etwas, das definitiv wert ist beschützt zu werden. Auch und besonders vor mir!
Ich konnte sie gestern geschickt ablenken. Hier ein Kuss, dort meine Hand, wie sie über ihre zarte Haut gleitet. Immer wieder, bis sie schließlich in meinen Armen dahingeschmolzen ist und ich sie ins Bett tragen konnte. Dann war keine Zeit mehr für Worte und ich für einen weiteren Abend sicher.
Später an diesem Morgen mustert sie mich über den Frühstückstisch und kaut auf ihrem Croissant herum. Ihre Augen sind wachsam und in meinem Nacken baut sich das ungute Gefühl auf, dass sie ihre gestrige Frage nicht vergessen hat oder vielmehr meine fehlende Antwort darauf.
»Nun sag schon, was arbeitest du?«, schießt sie unvermittelt über den Tisch und ich lobe mich selbst argwöhnisch dafür, dass ich es kommen sehen habe.
»Ist das denn so wichtig? Ich habe mein Auskommen und ich führe dich heute Abend zum Essen aus. Sieht doch alles recht solide aus, oder?«
Halbherzig versuche ich, sie abzulenken und ihr bohrender Blick lässt erahnen, dass sie mich zwar für den Augenblick vom Haken lässt, aber es noch lange kein Freifahrtschein bei diesem Thema ist.
Nachdem Ellie am Nachmittag zu Jasmins Geburtstag muss, und es dort Kaffee und Kuchen gibt, zu dem ich keine Lust habe mitzugehen, winde ich mich mit einer offensichtlichen Flunkerei und einem flehenden Blick aus der Sache heraus. Ellie lässt mir meinen Alternativplan und küsst mich, als ich in den Wagen steige, so leidenschaftlich, dass ich doch ein schlechtes Gewissen bekomme.
»Bis später«, haucht sie mir ins Ohr und ich fahre mit einem halben Ständer in der Hose von ihr weg. Innerlich froh kein Kaffeekränzchen mitmachen zu müssen und jetzt schon geladen und bereit für heute Abend.
Das schmutzige Grinsen in meinem Gesicht kann ich aber nicht so einfach wegwischen.
Ich biege in die Hofeinfahrt und drücke auf die Fernbedienung für das Garagentor. Während es sich öffnet, nehme ich die Sonnenbrille ab und lasse das Handydisplay aufleuchten. Erst kurz nach Mittag, was stelle ich mit dem Tag noch an?
Da höre ich das unverkennbare Brummen und ich weiß, dass mein Nachmittag gelaufen ist. Ich atme tief ein, parke den Pick-up in die Garage und steige aus. Shay stellt gerade seine Harley in meiner Einfahrt ab und nimmt den Helm ab. Er hat sich nicht verändert und doch kommt er mir anders vor. Angestrengter, fast schon müde.
»Hey Mann! Der Urlaub hat dir gutgetan«, begrüßt er mich und umarmt mich wie all die Jahre zuvor.
»War okay«, murmle ich und klopfe ihm auf die Schulter. »Willst du ein Bier?«
Shay nickt und wir gehen ins Haus. Wenn ich auch wenig zu Essen hier habe, Bier ist immer im Kühlschrank. Ich hole zwei heraus und wir setzen uns auf die Terrasse.
»Lange her, dass ich hier war«, sinniert Shay vor sich hin, während er den ersten Schluck nimmt. »Hast richtig was daraus gemacht!«
»Immer mal wieder, das meiste in den letzten drei Monaten«, brumme ich vor mich hin, wohl wissend, dass ich ihm gerade passiv-aggressiv mitteile, dass er mich drei Monate hat hängen lassen und ich etwas tun musste, um nicht die Wände hoch zu gehen. Mein altes Elternhaus komplett umzubauen schien mir eine gute Idee zu sein und seit die beiden tot sind, war es auch endlich an der Zeit.
»Ging nicht anders, Bro!«, gesteht er mir und ich sehe wieder diese Müdigkeit in seinen Augen aufblitzen. »Wir sind nicht viel weiter als vorher. Komme einfach auf keinen grünen Zweig!«
»Nicht weiter mit mir oder mit der Gesamtsituation?«
»Mit allem! Jede größere Lieferung ist geplatzt und wir haben viel verloren. Ich brauch dich! Aktiv!«
Ich leere die Flasche zur Hälfte ehe ich nur dran denke zu antworten. Wie lange habe ich mir genau diese Worte von ihm gewünscht! Wie lange habe ich darauf gewartet, dass er genauso hinter mir steht. Und jetzt?
Seit Ellie ist alles anders …
»Was genau willst du von mir? Soll ich einfach wieder zurückkommen oder hast du einen Auftrag?«
»Auf jeden Fall zurück, ganz! Und ich habe auch gleich einen Auftrag für dich. Du musst zum Basar, die nächste Versorgungslieferung darf nicht schief gehen!«
Basar, ausgerechnet dort hin. Dort kann alles passieren, von ohne Probleme rein und raus bis zu Mord und Totschlag.
»Du bist noch für mich?«, fragt Shay, weil ich nach wie vor auf mein Bier starre und ihm nichts geantwortet habe.
»Sicher! Ich steh immer hinter dir Shay! Und immer zu dir Präs!«
Am Abend führe ich Ellie in ein lauschiges Restaurant am See aus. Der Steg ist mit kleinen Tischen eingedeckt und man sitzt unter Lampions. Ein wenig kommt dadurch die Urlaubsstimmung hoch, als wir uns kennengelernt haben. Ich sprinte um meinen Pick-up herum, um ihr die Tür aufzuhalten, und Ellie strahlt mich mit einem Blick an, der meinen Magen flattern lässt. Heute Abend trägt sie ein leichtes Sommerkleid und ihre Haare schmiegen sich wie flüssiges Gold an ihre Schultern. Sie sieht einfach umwerfend aus!
