Tod an der Uni - Karla Bergmann - E-Book

Tod an der Uni E-Book

Karla Bergmann

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Beschreibung

Professor Menzel erscheint nicht zu seinen Vorlesungen. Während seine Kollegen noch davon ausgehen, dass er unbeschadet wieder auftauchen wird, findet man seine Leiche im Wald. Der junge Kommissar Liebetraut soll den Fall aufklären. Seine Tante, eine alleinstehende Professorin im Ruhestand, war an derselben Uni wie der Ermordete tätig, und die Ermittler hoffen auf ein paar Insider-Informationen. Allerdings beginnt die eigensinnige alte Dame, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, denn sie fühlt sich vom Kommissar nicht ausreichend ernst genommen. Leider verlaufen Tantchens halblegale Aktionen nicht immer in der gewünschten Weise. Und außerdem sind da noch Leon, ein aufgeweckter Dreijähriger, und seine hübsche Mutter, die den Kommissar beschäftigen …

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Seitenzahl: 351

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

Impressum 2

Sonntag 3

Montag 24

Dienstag 39

Mittwoch 56

Donnerstag 103

Freitag 192

Sonnabend 213

Sonntag 256

Eine Woche später 268

Epilog 281

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2020 novum publishing

ISBN Printausgabe:978-3-99064-961-9

ISBN e-book: 978-3-99064-962-6

Lektorat:Mag. Eva Reisinger

Umschlagfotos:Luis Molina, Benoit Daoust | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Sonntag

Trotz der Kühle an diesem frühen Morgen schwitzte er stark. Lag es daran, dass das Gewicht auf dem Fahrrad größer war als gedacht? Oder dass er langsamer vorankam als notwendig? Er wusste es nicht. Beides hing ja irgendwie zusammen. Aber ob das Schwitzen vom Körper oder von der Seele ausgelöst wurde, war schon eine Frage, deren Beantwortung Konsequenzen hatte. Den Körper konnte man trainieren. Bei der Seele war es wohl schwieriger. Vielleicht gab es deshalb dazu so viele Ratgeber. Er hatte schon früher in Stresssituationen stark geschwitzt. Vor wichtigen Terminen beispielsweise. Vermutlich war sein Nervenkostüm schwächer als sein Körper. Das übermäßige Schwitzen musste er im Auge behalten. Es gab ja Hunde und vielleicht sogar Menschen, die Angst riechen konnten.

Er spürte, wie die Angst stärker wurde. Er musste sie zurückdrängen, ihr Einhalt gebieten. Sonst würde er es nicht schaffen. Er durfte sich nicht unterkriegen lassen, nicht jetzt.

Um sich zu beruhigen, ging er in Gedanken die Vorsichtsmaßnahmen zum wiederholten Male durch. Es war doch an alles gedacht worden. Hier und um diese Zeit würde ihm niemand begegnen. Und wenn doch, würde niemand diesen lächerlichen Sportdress mit ihm in Verbindung bringen. Seine ehemalige Freundin hatte ihm das Teil geschenkt, kurz bevor die Beziehung zerbrochen war. Er hatte es noch nie getragen. Außerdem hatte er sein Gesicht mit ein paar markanten Ergänzungen versehen. Ergänzungen, die sich einprägten, weil sie das Gesicht aus der Menge der Alltagsgesichter heraushoben.

Er hatte eine Verpackung mit dem Logo eines Zeltherstellers gewählt. Dass man hier im weiten Umkreis nicht zelten durfte, hatte er im Ernstfall nicht gewusst. Und die Stelle, die er anstrebte, war gut gewählt. Vor einigen Wochen war er beim Wandern darauf aufmerksam geworden, als er sich kurz hinter die Gruppe zurückfallen lassen musste. Was ihn damals veranlasst hatte, sich die Stelle näher anzusehen, konnte er nicht sagen. Er war einfach hingegangen. Irgendwie hatte ihn die Stelle angezogen. Gab es Vorsehung?

Sie rannte. Ihre Verfolgerin kam immer näher. Noch bis zur nächsten Wegbiegung! Sie musste es schaffen. Noch bis zur Biegung! Plötzlich hielt etwas ihre Füße fest. Brombeerranken! Auch das noch! Die Verfolgerin kam näher, immer näher. Sie musste sich losreißen, koste es, was es wolle. Ein Ruck, und sie stürzte.

Erschöpft wachte Renate Kraft auf. Gott sei Dank war es wieder nur ein Alptraum gewesen. Sie hatte sich im Bettlaken verheddert, das war also die Brombeerranke gewesen. Vielleicht sollte man es als positive Fügung ansehen, dass auf dieses Bett kein übliches Spannbettlaken passte. Im Spannbettlaken konnte man sich nur schlecht verheddern. Wer weiß, wie lange ihre verzweifelte Flucht bei einem Spannbettlaken gedauert hätte! Und ein Vergnügen war die Flucht ja nun wirklich nicht gewesen. Wie lange hätte ihr Herz diesen Stress noch mitgemacht, in ihrem Alter!

Sie dachte wieder darüber nach, ob sie nicht hin und wieder im Ehebett schlafen sollte. Vor einigen Jahren hatte sie ein Bett in ihr Arbeitszimmer gestellt. Das Bett hatte unübliche Maße, ein normales Bett hatte leider nicht in die verfügbare Ecke gepasst.

Sie hatte den Schnarchgeräuschen ihres Mannes entkommen wollen, um am nächsten Morgen fit zu sein. Damals musste sie noch fit sein … Zumindest hatte sie das geglaubt. Doch das war nun vorbei. Sie wusste nicht, ob in ihrer jetzigen Situation die guten oder die schlechten Aspekte überwogen. Aber darüber wollte sie nicht schon wieder nachdenken. Das Bett war als Provisorium gedacht gewesen, aber wie das so war mit den Provisorien … Wenn nun aber nachts bei einem Alptraum ihr Herz aussetzte? Wenn ihr Mann sie am nächsten Morgen nicht im Wohnzimmer vorfand, würde er glauben, sie sei wandern gegangen. Und sich keine Gedanken machen. Wahrscheinlich würde er sie erst kurz vor dem Mittagessen vermissen! Das waren nun wirklich keine schönen Aussichten.

Andererseits, es war die Frage, ob ihr Mann etwas merken würde, wenn sie im Ehebett schlief. Schließlich hörte er in letzter Zeit ziemlich schlecht. Oder gab er nur vor, schlecht zu hören? Vielleicht wollte er auch gar nichts hören, nichts merken? „Als ich heute Morgen aufwachte, dachte ich, sie schläft noch. Manchmal kann sie ja nachts stundenlang nicht schlafen, dann schläft sie morgens etwas länger … Ich wollte sie nicht wecken.“ So oder so ähnlich könnte er sich herausreden.

Vielleicht wären diese Messgeräte, die man am Handgelenk trug, eine Lösung. In den Hypochonder-Zeitschriften wurden diese Geräte eigentlich nur als Fitness-Accessoires beworben. Darüber, dass man damit drohendes akutes Organversagen bei Senioren feststellen konnte, hatte sie noch nie etwas gelesen. Kein Wunder, wer wollte schon, dass die gebrechlichen Rentner noch länger gepflegt werden mussten? Vielleicht fand sich aber ein Start-Up, das nur Geld verdienen und nicht gleichzeitig die Welt retten wollte? Wenn mal schlechtes Wetter war, würde sie im Internet danach suchen. Der Vorsatz verbesserte ihre Laune. Wenigstens hatte sie heute Morgen schon einen nützlichen Entschluss gefasst.

Aber diese Alpträume! Renate seufzte und versuchte sich in Erinnerung zu rufen, warum sie eigentlich im Traum von der jungen Frau verfolgt worden war. Vergeblich. Sie erinnerte sich nur an Szenen der Flucht. Warum nur hatte sie neuerdings diese Alpträume?

Neuerlicher Elektrosmog? Nach ihrer Kenntnis hatte niemand in der Nachbarschaft einen Sendemast neu aufgestellt oder eine Richtfunkstrecke eingerichtet. Wachsende Luftverschmutzung? Ob das Heizwerk wirklich in der Nacht seine Filter durchpustete, wie es ein Heizungstechniker einmal unter dem Siegel der Verschwiegenheit berichtet hatte? Und was machte das Klärwerk mit dem Methan, das nicht zur Erreichung der Betriebstemperatur benötigt wurde? Seit sie gelesen hatte, dass bei vielen Menschen nachts der Geruchssinn ausgeschaltet ist, erschien es ihr sehr naheliegend, Luftschadstoffe in den Nachtstunden zu „entsorgen“.

Irgendwie war der Mensch doch sehr unvollkommen. Nicht nur einen Geruchssinn, der auch nachts aktiv war, hätte sie sich gewünscht. Nein, sie hatte da gleich eine ganze Reihe von Verbesserungsvorschlägen. Gerade die drohende Klimakatastrophe erforderte doch dringend eine Reihe von neuen Fähigkeiten. Verbesserung der Hitzetoleranz zum Beispiel. Aber vermutlich würden die Menschen aussterben, bevor sie die Anpassung geschafft hatten. Von dem, was da kreuchte und fleuchte, ganz zu schweigen. Vielleicht überlebte wenigstens irgendein Biofilm.

Von den Behörden war hinsichtlich Luftverschmutzung keine Unterstützung zu erwarten. Dort saßen Beamte! Die würden alle Hinhalte-Möglichkeiten ausschöpfen, um nur ja nichts messen zu müssen. Womöglich würden sie etwas feststellen und müssten dann handeln! Diese Befürchtung konnte dann möglicherweise bei den Beamten Alpträume auslösen.

Vielleicht lagen die Ursachen für ihre Alpträume ja doch in ihr. Ganz auszuschließen war das nicht. Sie hatte in ihrer Kindheit schon einmal ähnliche Alpträume gehabt, und damals waren Elektrosmog und Luftverschmutzung zumindest in dem kleinen Biotop, in dem sie aufgewachsen war, noch kein Problem gewesen. Sie wurde damals auch verfolgt, aber nicht von einer jungen Frau, sondern von einem Ungeheuer, das furchtbare Töne ausstieß. Sie konnte sich noch genau an das Wesen erinnern. Heute würde sie es beschreiben als eine Mischung aus Einstein und Marge, der Frau von Homer Simpson.

Doch es war weniger das Aussehen des Ungeheuers gewesen, das sie in Angst und Schrecken versetzt hatte, sondern die Töne, sie es von sich gab. Das Scheusal hatte sie häufig mit einem Motorrad verfolgt. Konnten nächtliche Fahrten von Biker-Gruppen der Auslöser sein? Eine Auswanderungswelle Richtung Westen wäre durchaus denkbar gewesen. Aber fast jede Nacht? Eher unwahrscheinlich. Da hätte die Stasi doch etwas merken müssen.

Nächtliche Flugzeugtransporte schieden wohl auch aus, die Globalisierung war damals noch nicht genügend vorangeschritten. Man aß noch die heimischen Äpfel und nicht die aus Chile oder Neuseeland. Blieben noch heimliche Truppenbewegungen der ruhmreichen Sowjetarmee. Es war schon seltsam. „Sowjetarmee“ war in ihrem Gehirn fest mit „ruhmreich“ verknüpft. Was jahrelanges Training bewirken konnte!

Ja, und die letzte Möglichkeit: Schnarchgeräusche ihres Vaters. Bei dem Gedanken an ihren Vater huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Ihr Vater war ein wunderbarer Mensch gewesen, sie erinnerte sich gern an ihn. Sicher, die Schnarchgeräusche, insbesondere die Lautstärke, hätte man noch optimieren können. Und vielleicht dieses und jenes. Aber im Großen und Ganzen war sie sehr zufrieden, dass sie diesen Vater gehabt hatte.

Sie seufzte wieder. Was wohl ein Psychologe aus ihren Träumen gemacht haben würde? Vermutlich hätte man ihr eingeredet, dass da etwas Verdrängtes an die Oberfläche wollte, etwas, was tief in ihrem Unterbewusstsein eingeschlossen war und heraus musste, wenn sie mit dem Leben klarkommen sollte. Wer weiß, wie ihr Leben nach einer solchen Analyse verlaufen wäre?

Sie schaute zum Wecker, 5.36 Uhr. Eigentlich wachte sie immer gegen 6.30 Uhr auf. Ach ja, Zeitumstellung. Ihre innere Uhr hatte sich also noch nicht umgestellt. Es dauerte immer ungefähr eine Woche, bis ihr Körper begriffen hatte, dass er jetzt später das Signal zum Aufwachen geben musste. Zweifellos gab es hier noch Möglichkeiten zur Selbstoptimierung. Bestimmt hatte sich schon irgendein Coach oder Lifestyle-Magazin der Frage angenommen. Nach ihrer Erfahrung konnte man zwar nicht alle Probleme lösen, aber alle Probleme taugten irgendwo zum Geldverdienen. Ob schon entsprechende Wochenendseminare angeboten wurden?

Was sollte sie nun mit der Stunde anfangen, die sie früher als gewohnt aufgewacht war? Versuchen, wieder einzuschlafen, um den Übergang in den neuen Rhythmus zu beschleunigen? In Voraussicht auf die Zeitumstellung hatte sie bereits gestern und vorgestern erfolglos versucht, länger zu schlafen. Statt zu schlafen hatte sie nur über nutzlose Fragen nachgegrübelt. Damit musste Schluss sein! Das Grübeln brachte ja nichts außer schlechter Laune. Das konnte schlussendlich den ganzen Tag verderben, wie zahllose Selbstversuche bestätigt hatten. Also aufstehen und irgendwie versuchen, die Laune anzuheben!

Leider befand sich noch ein ernst zu nehmendes Hindernis zwischen ihr und den guten Vorsätzen. Die Umwälzpumpe der Heizungsanlage begann erst um 6.15 Uhr, warmes Wasser durch die Leitungen zu schicken. Ihr Mann, der gewöhnlich erst gegen 9.00 Uhr seinen Sorgen guten Morgen sagte, hatte bestimmt nicht daran gedacht, die Pumpe ein bisschen umzuprogrammieren.

Da blieb nun wirklich nur noch positives Denken. Kaltes Wasser hatte ja auch gute Seiten für die Gesundheit. Körperertüchtigung hatte sie dringend nötig!

Angesichts der erschreckenden Kälte des Wassers beließ sie es dann aber doch beim Waschen des Gesichts mit kaltem Wasser und verschob die Dusche auf später. Während sie ihr übliches Müsli-Frühstück, das leider eher gesund als schmackhaft war, in sich hineinlöffelte, beschloss sie, einen längeren Spaziergang zu machen. Hinter dem Wohngebiet führte ein schöner baumbestandener Weg an einem Bach entlang. Sie hatte sich noch nicht entschieden, wie weit sie gehen wollte. Morgenstund im frischen Grund! Einer ihrer Nachbarn würde schon bald wieder seinen Kamin befeuern, da war es vielleicht gut, wenn man vorher die Lungen mit ein bisschen frischer Luft gefüllt hatte.

Dummerweise war sie nun schon wieder bei einem ihrer Reizthemen angekommen. Was hatte man davon, einen Kamin anzuheizen, wenn man doch auf eine relativ saubere Gasheizung zurückgreifen konnte? Gut, das Gas reichte auch nicht ewig, hier mussten die Wissenschaftler endlich mal liefern. Bessere Speicher für die erneuerbaren Energien zum Beispiel. Das Verheizen von Holz konnte jedenfalls nicht die Lösung des Heizproblems sein. Das Gerede vom „klimaneutralen Heizen“ ging ihr auf die Nerven. Was war klimaneutral daran, wenn das CO2, das ein Baum in vielen Jahren eingelagert hatte, in kürzester Zeit in die Luft geblasen wurde?Und machte es wirklich manche Menschen glücklich, vor den prasselnden Flammen zu sitzen und darüber zu sinnieren, welcher Segen die Erfindung des Feuers für die Menschheit gewesen war? So wie es die Werbung versprach? Sie hatte einmal einen Film gesehen, in dem eine Frau vor dem Kamin saß und selig sagte: „Und erst der Geruch!“ Welche Gerüche musste die Frau denn sonst ertragen? Axe? Oder eine Mischung aus Schweiß und Eau de Cologne, wie sie früher immer aus der Wohnung einer Nachbarsfamilie in ihrer „Platte“ gewabert war? Wusste die Dame überhaupt, wie gut Wiesen und Gärten riechen konnten ohne die Zutat von Qualm?

Draußen war es noch feucht, aber herrlich ruhig und windstill. Die aufgehende Sonne malte helle Flecken auf den Weg. Sie liebte diesen Pfad. Er war nicht geschottert wie die meisten Wege. Auf den Schotterpisten hatte man nach fünfhundert Metern schmerzende Füße, wenn man nicht alpentaugliche Wanderschuhe trug. Vermutlich waren die Kriterien für die Zertifizierung der Wanderwege durch Lobbyisten der Wanderschuhe-Hersteller diktiert worden.

Dieser Weg hingegen war offenbar der Zertifizierung entgangen. Er war zum Teil mit Holzbohlen befestigt und mit Rindenmulch bedeckt. Der einzige Nachteil bestand darin, dass er ein bisschen schmal war, was bei hundebewehrtem Gegenverkehr schon mal zum Problem werden konnte. Vor Jahren war sie einmal beim Wandern von einem Hund angesprungen worden. Das Ereignis hatte eindrucksvolle Spuren auf ihrer hellen Jacke und offenbar auch in ihrem Gehirn hinterlassen. Sie konnte die Vierbeiner seitdem nicht mehr so richtig lieb haben.

Um diese Zeit würde ihr niemand begegnen. Hundebesitzer gingen früh am Morgen noch nicht auf längere Touren. Sie konnte in Ruhe vor sich hin trotten, ohne befürchten zu müssen, dass sie von einem neugierigen Hund angesprungen oder von einem lautlosen Jogger zu Tode erschreckt werden würde.

Es hatte noch keinen Frost gegeben in diesem Herbst, und die bisherigen Herbststürme waren auch nicht stark gewesen. Die Bäume trugen größtenteils noch ihr Laub. Sie liebte das Farbenspiel der Blätter im Herbst. Mit der Betrachtung der vielen Farben konnte man sich gut ablenken. Achtsamkeitstraining hieß das wohl, und es war nach ihrer Meinung eine der besseren Möglichkeiten, unliebsame Gedanken abzuwehren. Auch einige ihrer Freundinnen waren schon zu überzeugten Anhängerinnen dieser Form der Stressbewältigung geworden.

Als Kind war ihr nur der Frühling wichtig gewesen. Die ganze Natur war dann Ankündigung von etwas Schönem, es konnte alles nur besser werden. Inzwischen hatte sie wie der vielgepriesene Altmeister feststellen müssen, dass nicht alle Blütenträume reiften. Eigentlich war die Zukunft zu Ende. Man musste sich in ihrem Alter notgedrungen mit dem Herbst arrangieren und versuchen, da auch hin und wieder etwas Schönes und Gutes zu entdecken. Und die Natur lieferte, wo man ihr noch die Gelegenheit dazu gab.

Sie nahm den langen Weg und erreichte nach einiger Zeit den Wald. Schließlich hatte sie viel Zeit, und sie konnte langsam laufen. Niemand hetzte sie. Sie musste nicht ihrem Mann hinterherrennen, der behauptete, langsames Laufen habe keinerlei gesundheitlichen Wert. Oder ihrer Freundin, die sich zwar ihrem Tempo anpasste, der es aber anzumerken war, dass sie viel lieber im gewohnten Rhythmus ihrer Nordic-Walking-Gruppe durch die Gegend gerannt wäre. Schade, dass sie den Fotoapparat nicht mitgenommen hatte. Zwar hatte sie schon Hunderte von Bildern dieses Weges, aber immer wieder glaubte sie, dass dieser oder jener Ausblick dieses Mal so toll war wie noch nie zuvor. Oder wie er nie wieder werden würde, wenn die hochfliegenden Pläne für die touristische Auferweckung des Gebietes erst konkrete Gestalt angenommen hatten.

Plötzlich erschrak sie. Aus den Augenwinkeln hatte sie etwas Unerwartetes wahrgenommen. Und war da nicht auch ein Geräusch gewesen? Ihr Herz klopfte stark. Sie hielt den Atem an und lauschte. Sie war schon ungefähr eine Stunde gelaufen, und es war ihr, wie erwartet, niemand und nichts begegnet. Sie konnte sich auch nicht erinnern, hier, so weit von menschlichen Ansiedlungen entfernt, jemals einem Menschen begegnet zu sein. War hier ein Tier unterwegs? Wildschweine nahmen ja jetzt überhand. Oder hatten gar die Wölfe ihr Jagdgebiet schon bis hierher ausgedehnt, obwohl es hier gar keine Schafe gab?

Sie horchte angestrengt. Nichts. Aber was hatte sie eigentlich gesehen? Im Wasserlauf, der nur wenige Meter unterhalb des Weges verlief, hatte etwas aufgeblitzt, als sei ein Sonnenstrahl reflektiert worden. Sie war automatisch weitergelaufen, bis ihr Gehirn entschieden hatte, dass da etwas war, was Aufmerksamkeit verdiente. So richtig schnell arbeitete ihr Denkorgan ja leider nicht mehr. Sie versuchte, durch das Gebüsch zu spähen. Aber von der gegenwärtigen Position aus sah sie nichts. Langsam ging sie rückwärts. Tatsächlich, jetzt sah sie genauer, was ihre Aufmerksamkeit erregt hatte. Ein Fahrrad, halb im Wasser, halb im Gebüsch. Irrte sie sich oder hatte sich das Vorderrad gerade noch gedreht? Man war ja heutzutage nirgends mehr vor Radfahrern sicher, auch an einem steilen unwegsamen Hang lief man Gefahr, dass ein Radfahrer hinter dem nächsten Baum hervorschoss. Downhill hieß das wohl.

Es gab sogar Wettkämpfe in dieser Sportart. Musste man unbedingt auf diese Weise seine Gesundheit aufs Spiel setzen? Schließlich gingen die Gelenke auch ohne diese spezielle Form der Belastung kaputt, wie Erfahrungen aus ihrem Bekanntenkreis belegten.

Aber für Downhill standen ihrer laienhaften Meinung nach die Bäume zu dicht, und ein für Radfahrer angelegter Schotterweg war auch nicht in der Nähe.

Trotzdem lag hier ein Fahrrad. Langsam kam ihr Gehirn in Schwung. Wie war das Fahrrad da hingekommen? War dem Besitzer etwas zugestoßen? Musste sie jetzt hinuntergehen und nachsehen, ob sie Erste Hilfe leisten konnte? Wie lange lag ihr Erste-Hilfe-Kurs überhaupt zurück? War sie noch auf dem Laufenden? Aber vielleicht war das auch ein vorgetäuschter Unfall, und der Radfahrer hatte es auf ihr Handy und andere Wertsachen abgesehen? Diese Tricks nahmen ja jetzt zu!

Hier stimmte etwas nicht. Sie spürte, wie die Angst in ihr hochkroch. „Sei nicht albern“, ermahnte sie sich selbst. Was sollte da schon sein? Aber es kostete sie Kraft, den starken Fluchtreflex zu unterdrücken.

Da sah sie ihn! Er schien sie gerade erst bemerkt zu haben und starrte sie entsetzt an. Nicht erschöpft, nicht wie jemand, der Hilfe benötigt. Nur entsetzt. Entsetzt darüber, dass sie da war. Da stimmte etwas ganz und gar nicht. Ihre Angst gewann nun doch die Oberhand. Sie begann zu laufen. Nur weg hier! Zurück! Nach einiger Zeit fiel ihr ein, dass sie nicht auf dem ursprünglichen Weg bleiben sollte. Ein Fahrradfahrer, der Böses im Schilde führte, hatte sie sicher schnell eingeholt, wenn er wollte. Also rannte sie ein Stück querfeldein durch den Wald und erreichte einen anderen Weg, der in die richtige Richtung führte. Glücklicherweise funktionierte ihr Orientierungssinn im Freien. Sie rannte nicht mehr, ging aber so schnell sie konnte. Irgendwann hörte sie eine Kinderstimme. Erleichtert verlangsamte sie ihre Schritte und bemühte sich, normal zu atmen. Zwei Paare mit einem Kind und zwei Hunden kamen ihr entgegen. Sollte sie den Ausflüglern von ihrem Erlebnis erzählen? Schnell verwarf sie den Gedanken. Man würde sie nur auslachen. Was hatte sie denn überhaupt gesehen? Ein Fahrrad im Wasser und einen Mann, der sie angestarrt hatte. Vielleicht hatte er nur ein Produkt seines Verdauungsapparates loswerden wollen, und sie hatte ihn dabei überrascht. Das Fahrrad hatte er vielleicht an einen Strauch gelehnt, und es war umgekippt. Er war erschrocken gewesen, weil dabei etwas nass geworden war, vielleicht eine Jacke, vielleicht sein Frühstück, auf das er sich gefreut hatte. Ja, so musste es gewesen sein. Erleichtert über diese einfache Erklärung ging sie weiter. Wie hatte sie nur so schreckhaft sein können! Vermutlich lag das an den vielen Krimis im Fernsehen. In Zukunft würde sie ihren Krimikonsum einschränken und lieber mehr Gartensendungen gucken.

Aber schon an der nächsten Weggabelung waren die Zweifel wieder da. Warum hatte der Mann das Fahrrad so dicht am Wasser abgestellt, dort, wo kein Weg war und man sich durch das Gebüsch kämpfen musste? Und da war noch etwas gewesen, das sie irritiert hatte, irgendetwas an der Haltung des Mannes hatte nicht gestimmt. Was war das gewesen? Ihr Bauch sagte ihr, dass dieses Detail wichtig war. Aber das Gehirn lieferte nicht.

Er musste husten. Und dann hörte er es. War das ein Quieken oder ein kleiner Schrei gewesen? Ein Mensch? Hier? Entsetzt wandte er den Kopf. Auf dem Weg stand eine ältere Frau. Sie hatte offenbar dieses Geräusch verursacht. Sie starrte in seine Richtung. Er duckte sich. War er schnell genug gewesen? Hatte sie ihn gesehen? Er hatte das Gefühl, dass seine Knie nachgaben. Krampfhaft griff er nach einem Zweig, um sich festzuhalten. Die Anspannung der letzten Stunden drückte ihn nieder. So, als hätte sein Körper nur auf diesen Moment gewartet, um sich zu rächen, um ihm zu sagen, dass es so nicht ging. Dass es so nicht gehen konnte. Er war schuld, er ganz allein. Er hatte im Grunde immer gewusst, dass es nicht funktionieren würde, nicht funktionieren konnte. Warum hatte er am Ende geglaubt, dass alles gut gehen würde?

Ein weiteres Geräusch riss ihn aus seiner Starre. Kam die Alte näher? Hatte sie ihn gesehen? Der blöde Husten! Er war nicht leise genug gewesen und hatte sie nicht kommen hören. Wer hätte denn damit rechnen können? Um diese Zeit? Alles hatte er durchdacht, aber dass ihn der Husten verraten würde?

Wenn sie ihn gesehen hatte, war alles zu spät. Hatte sie ihn gesehen? War die Alte überhaupt allein gewesen? Wer ging um diese Zeit allein im Wald spazieren? Wenn nun noch mehr kamen? Er zitterte.

Schließlich hörte er schnelle Schritte, die sich entfernten. Offenbar rannte die Frau. Sie schien allein gewesen zu sein. Musste er sie nicht verfolgen? Dafür sorgen, dass sie ihn nicht verriet? Aber er fühlte sich wie gelähmt. Es ging nicht, es ging einfach nicht. Er würde warten, bis sie kamen, um ihn abzuholen. Und er würde alle Schuld auf sich nehmen. Für seinen Fehler bezahlen.

Mehrere Minuten hatte er wohl so verharrt, regungslos, unfähig, etwas zu tun. Da hörte er ein anderes Geräusch. Ein Geräusch, das hierher gehörte. Ein kleiner Vogel hatte sich auf einem Zweig niedergelassen und verspürte offenbar das Bedürfnis, seinen Artgenossen etwas mitzuteilen. So, als wäre überhaupt nichts geschehen.

Er atmete durch. Fühlte sich plötzlich nicht mehr so hilflos, so ausgeliefert. Vielleicht war doch noch nicht alles zu Ende. Er durfte nicht aufgeben.

Ruhiger geworden, dachte er nach. Die Frau würde irgendwann jemandem von ihrem Erlebnis erzählen. Erkannt hatte sie ihn wohl nicht, er hatte gut vorgesorgt. Aber das Fahrrad! Es war auffällig. Er musste hier weg, sofort.

Fieberhaft überlegte er. Wenn sie einen Hund hatte, war er geliefert. Ein Hund würde alles finden. Aber falls sie einen Hund hätte, dann wäre sie mit dem Hund unterwegs gewesen. Nein, er musste das Risiko eingehen. Das Paket etwas entfernt verstecken und verschwinden. Hauptsache, die Alte fand nichts an dieser Stelle, wenn sie zurückkam. Er nahm zwei Pillen und machte sich daran, seine Spuren zu verwischen. Das trockene Laub war ein Segen.

Kurz bevor er das Auto auf dem Parkplatz sehen konnte, setzte er sich erschöpft auf einen Baumstumpf. Er musste sich ausruhen für das, was jetzt kam. Das Fahrrad konnte er hinter einem Holzstapel verstecken. Er würde es später holen, wenn es dunkel war, und es in den Garten seiner Tante bringen. Sie kam in dieser Jahreszeit nicht mehr in den Garten, und bis zum Frühling würde ihm schon etwas einfallen.

Etwa fünfzehn Minuten saß er regungslos auf dem Stumpf. Die Schweißausbrüche hatten nachgelassen und langsam kroch die Kälte in ihm hoch. Da fiel ihm etwas ein. Die Frau konnte ihn nicht erkannt haben, aber vielleicht erkannte er sie wieder. Wer trug denn heute noch so etwas! Ja, vielleicht würde er sie wiedererkennen. Und dann? Er schob die Frage von sich. Nicht jetzt. Er gab sich einen Ruck und ging zum Auto.

Zu Hause angekommen, machte sich Renate Tee. Zweites Frühstück. Das zweite Frühstück war ein langjähriges Ritual, das sie sich nicht abgewöhnen konnte. Früher, als sie noch regelmäßig am Schreibtisch saß, hatte sie zu dieser Zeit eine Pause benötigt. Tee und ein Brötchen als Alibi für kurzzeitiges Abschalten. Sie war mit der Tasse in der Hand durch den kleinen Park neben dem Dienstgebäude gegangen und hatte ihren Gedanken freie Bahn gelassen. In der Regel begegnete sie dabei niemandem.

Jetzt hatte sie morgens nichts mehr zu tun, aber das zweite Frühstück hatte sie beibehalten. Zwar hätte sie die Kalorien nicht gebraucht. Aber hieß es nicht, dass ein im Alter leicht erhöhter Body-Mass-Index ein längeres Leben versprach? Auf die Frage, wofür sie länger leben wollte, hatte sie zwar noch keine befriedigende Antwort gefunden. Aber es war doch tröstlich zu wissen, dass sie vom nächsten Schicksalsschlag wenigstens nicht aufgrund von Unterernährung umgehauen werden würde.

Sie dachte nach. Gleich würde ihr Mann aufstehen. Im Gegensatz zu ihr war er nun wirklich keine Lerche. Er lief abends zu seiner Hochform auf. Sie hatte versucht, sich ihm anzupassen, seinen Rhythmus zu übernehmen. Einer musste ja nachgeben, wenn man in einer Ein-Raum-Wohnung lebte. Das Experiment hatte drei Jahre gedauert. Wohnungen wurden zugewiesen, und wer keine Beziehungen und auch kein Westgeld hatte, musste sich gedulden. Leider war ihr Körper in den drei Jahren nicht zur Eule mutiert. Seither glaubte sie an die Theorie von starken und schwachen Morgen- und Abendtypen und richtete sich danach. Wenn sie heute an diese Zeit dachte, konnte sie sich nicht mehr vorstellen, wie sie die drei Jahre ausgehalten hatte. Dass sie damals überhaupt etwas geschafft hatte und nicht beim Psychologen oder Psychiater gelandet war!

Heute war ihr allerdings auch nicht mehr klar, warum sie sich seinerzeit umstellen wollte. Warum hatte sie nicht darauf bestanden, dass er sich ihrem Rhythmus anpasste? Bei den jungen Leuten heute musste in der Regel der Mann in einem anderen Zimmer schlafen, wenn es Probleme im gemeinsamen Schlafgemach gab. Ein zweites Zimmer war ja heutzutage in der Regel verfügbar – wenn man überhaupt eine Wohnung hatte.

Es war schon erstaunlich, wie sich innerhalb einer Generation die Antwort auf die Frage geändert hatte, wer die Oberhoheit im Schlafzimmer beanspruchte. Das war sicher ein tiefer gehender Wandel als die Wirkungen von #MeToo, machte aber medienmäßig leider nicht so viel her. Und verlief deshalb wohl weitgehend unkommentiert. Pikante Details über die Aktivitäten zu zweit im Schlafzimmer verkauften sich nun einmal besser als die Diskussion darüber, wer allein im Schlafzimmer bleiben durfte.

War die Tatsache, dass nun in der Regel die Frauen bleiben durften, ein Indiz für den Rückweg zum Matriarchat? Wäre sie eine Sozialwissenschaftlerin, würde sie jetzt einen Projektantrag zur Untersuchung dieses Phänomens stellen. Irgendeinen Fördertopf für Gender-Studien gab es immer.

Sollte sie ihrem Mann von ihrem morgendlichen Erlebnis erzählen? Und wenn ja, wann war die Wahrscheinlichkeit am größten, eine aufbauende oder wenigstens eine mitfühlende Meinungsäußerung zu hören? Nach ihrer Erfahrung reagierte er zu verschiedenen Tageszeiten ganz unterschiedlich. Bevor er gefrühstückt und die Zeitung gelesen hatte, konnte man nicht mit positiven Reaktionen von seiner Seite rechnen. Also musste sie noch ein bisschen Geduld haben. Aber das Geschehene nagte an ihr.

Als er auftauchte, war er nicht sonderlich gut gelaunt. Hatte ihn das Fernsehprogramm am späten Vorabend wieder dermaßen enttäuscht? Oder hatten Begleiterscheinungen des Schnarchens, möglicherweise Schlaf-Apnoe, zu mangelnder Sauerstoffzufuhr im Gehirn geführt? Sodass die für gute Laune zuständigen Areale nicht hinreichend versorgt worden waren?

Auf jeden Fall war jetzt kein guter Zeitpunkt für eine Berichterstattung. Er würde sie nur auslachen. Kein Mitgefühl für die Angst, die sie ausgestanden hatte, keine Anerkennung für die Geschwindigkeit, mit der sie den Rückweg absolviert hatte! Das Thema musste aufgeschoben werden.

Üblicherweise bereitete ihr Mann das Mittagessen an den Wochenenden zu. Sie war ganz zufrieden mit dieser Lösung, hatte sie so doch Gelegenheit, bei Bedarf ungestört in ihrem Garten zu werkeln. Sie wusste, dass er eine grundlegend andere Ansicht dazu hatte, wie ein schöner Garten auszusehen hatte: Akkurat geschnittene Hecken und ein makelloser Rasen waren nach seiner Meinung die Grundvoraussetzungen. Da sie aber nicht bereit gewesen war, diese Voraussetzungen zu schaffen, ignorierte er den Garten weitgehend. Zwar mähte er den Rasen und schnitt unter ihrer Anleitung die Hecken, aber das tat er vermutlich nur, weil er befürchtete, dass die Nachbarn den „unordentlichen“ Garten auch ihm anlasten würden. Immerhin. Man konnte ja nicht alles haben.

Die Tatsache, dass sie im Garten weitgehend tun und lassen konnte, was sie wollte, hatte unbestreitbar Vorteile. Allerdings gab es auch Nachteile. Schließlich war sie nun bei etlichen Arbeiten auf Handwerker angewiesen. Und von denen glaubte offenbar noch ein beträchtlicher Teil, dass man Frauen besser übers Ohr hauen konnte.

Beim Mittagessen wirkte er einigermaßen aufgeschlossen. Und so hörte sie sich sagen: „Ich habe heute Morgen ein komisches Erlebnis gehabt.“ Er schaute auf. „Hast du wieder todesmutig eine Katze daran gehindert, unseren Garten zu düngen?“ Sie biss sich auf die Zunge. Was hatte sie denn erwartet? Vermutlich sollte es ein Witz sein, aber sicher war sie sich nicht. Doch da musste sie jetzt durch. „Nein, ich war im Wald, als du gerade besonders schön geschnarcht hast. Ich habe die Töne sogar im Flur gehört.“ Das war nun leider keine gute Erwiderung, wenn man auf ein nettes Gespräch hoffte, aber sie konnte sich einfach nicht beherrschen.

Und sie schilderte ihr Erlebnis. Er hörte mit wachsendem Interesse zu. Offenbar war er doch neugieriger, als er üblicherweise zugab. Schließlich meinte er: „Naja, heute ist schönes Wetter, wir müssten eh ein bisschen laufen. Wir können ja noch mal nachsehen.“ Sie stimmte zu. Dass sie schon weiter gelaufen war, als für ihre Gesundheit gut sein konnte, kam ihm natürlich nicht in den Sinn. Aber man musste Opfer bringen. Vielleicht konnte sie ihn unterwegs für eine Pause gewinnen. Getrennte Wanderung mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und gleichem Ziel, wie sie es sonst gelegentlich praktiziert hatten, kam aus gegebenem Anlass wohl nicht in Frage. Sie machte sich einen Kaffee. Schließlich würde sie aus mehreren Gründen Mumm brauchen.

Sie liefen eine Weile schweigend nebeneinander her, oder genauer, sie lief einen Meter hinter ihm her und versuchte, ihren Ärger über seine Geschwindigkeit im Zaum zu halten. Heute brauchte sie ihn, sie musste durchhalten. Aber in Zukunft würde sie nur noch allein durch den Wald marschieren. Wie oft hatte sie diesen Gedanken schon gewälzt! Erschrocken hielt sie inne. Von wegen! Dieser Trost hatte sich ja heute Morgen erledigt. Wer wusste schon, was heutzutage in den Wäldern ablief, das nicht für die Augen neugieriger alter Frauen gedacht war! Da waren Wildschweinhorden wohl noch das geringste Übel.

Sie konzentrierte sich darauf, die Herbstfärbung der Bäume zu betrachten. Ja, es war herrlich hier, nicht ganz so schön wie am Morgen, aber trotzdem noch sehenswert. Sie begegneten drei Radfahrern und zwei einzelnen Joggerinnen. Ein Radfahrer und eine Joggerin bedankten sich dafür, dass sie sich brav an den Wegesrand gestellt hatte, um die Fitnessbewussten nicht zu behindern. Die anderen nahmen es als selbstverständlich hin. Sie waren wohl der Meinung, dass Wanderer hier nichts mehr zu suchen hätten.

Endlich näherten sie sich der Wegbiegung, hinter der Renate das Rad gesehen hatte. Dort, dort unten hatte es gelegen. Aber sie sah nichts. Hatte sie sich geirrt? Vielleicht kam die Stelle noch? Sie gingen noch ein Stück weiter bis zur nächsten Wegbiegung. Nein, so weit war sie ja am Morgen gar nicht gekommen. Er schüttelte nur wortlos mit vorwurfsvollem Blick den Kopf. Sie kehrten um. An der Stelle, an der sie glaubte das Fahrrad gesehen zu haben, gingen sie ans Ufer des kleinen Baches. Der Boden war gleichmäßig mit trockenem Laub bedeckt, keine Anzeichen von aufgewühlter Erde. Auch im Bach war nichts zu entdecken. Das Wasser hatte mögliche Spuren verwischt. Enttäuscht wandte sie sich ab. Da sah sie an der Seite des Baches, an einer ruhigen, etwas tieferen Stelle, etwas im Kreis schwimmen. Es war ein Stückchen Folie.

Aber was bewies das? Nichts. Der kleine Fetzen konnte von irgendwoher angeschwemmt worden sein und sich hier verfangen haben. Sie versuchte sich zu erinnern, was sie am Morgen getan hatte. Langsam ging sie zurück zum Weg. Sie war ein Stückchen zur Seite getreten. Daran erinnerte sie sich. Und richtig, hier war ein Abdruck, der von ihrem Schuh stammen konnte. Und die Blickrichtung? Der Busch? Alles stimmte. Es musste hier gewesen! Aber warum war außer dem Stückchen Folie nichts zu sehen? Hatten sie mögliche Spuren zertrampelt? Sie ging wieder zum Wasser, schob das Laub am Ufer mit den Händen beiseite. War hier etwas anders als bei unberührtem Waldboden? Sie konnte es nicht sagen. Er zuckte nur mit den Schultern. Sollte wohl heißen: „Du mit deinen Verschwörungstheorien.“

Es war nicht von der Hand zu weisen, dass ihre Fantasie ab und zu mit ihr durchging. Aber damals, während des Aufenthaltes auf dem einsamen Anwesen auf Sizilien, als sie die einzigen Gäste gewesen waren, hatte sie nicht gesponnen. Sie war auch heute noch überzeugt, dass sie seinerzeit der Mafia sehr nahe gekommen waren.

Das war allerdings ein anderes Thema. Doch halt, war nicht die Hauptstadt ihres Nachbarlandes eine Hochburg der ’Ndrangheta? Naja, die Herren von den ehrenwerten Gesellschaften würden wohl professioneller vorgehen. Die Angst, die sie in den Augen des jungen Mannes gesehen zu haben glaubte, sprach nicht für einen Profi. Doch dann lief es ihr eiskalt über den Rücken. Was, wenn sie Halluzinationen hatte? Hörte man bei Schizophrenie nur Stimmen oder hatte man auch Halluzinationen? Wie hatte es denn bei der schizophrenen Frau angefangen, die früher in der Nachbarschaft gelebt hatte? Immerhin gab es den Fußabdruck! Doch der bewies ja nur, dass sie dagewesen war. Es war und blieb seltsam. Sie konnte ihm ansehen, dass er ihr nicht glaubte.

Montag

Als Marie Heimer die Tür zum Sekretariat des Institutes aufschloss, seufzte sie. Heute war Montag, und ihr „Zweit-Chef“ Eschenbach würde da sein. Zwar war sie im Wesentlichen dem Institutsleiter Professor Behrmann zugeordnet, aber sie hatte auch einen Teil ihrer Arbeitszeit dem Herrn Professor Eschenbach zu widmen. Glücklicherweise kam Eschenbach in diesem Semester nur montags und mittwochs. Allerdings bombardierte er sie auch an anderen Tagen mit Aufträgen per E-Mail, aber es war doch etwas anderes, ob sie in Ruhe über eine Aufgabe nachdenken konnte oder ob er neben ihr stand und alles überwachte. Inzwischen zuckte sie schon zusammen, wenn sie seine langen Schritte auf dem Flur hörte. „Bitte, lass ihn vorbeigehen“, flehte sie dann innerlich. Leider wurde ihre Bitte nur selten erhört.

Vermutlich würde er in wenigen Minuten auftauchen und ihr erklären, was sie in der Zwischenzeit ohne seine Aufsicht alles falsch gemacht hatte. Ob sie mittags überhaupt zum Essen kommen würde, war fraglich. Eschenbach ging nicht mit seinen Mitarbeitern oder anderen Professoren zum Mittagessen. Ob er gelegentlich allein irgendwo etwas aß, hatte sie noch nicht in Erfahrung bringen können. Auf jeden Fall schien er sehr wenig zu essen. Vielleicht glaubte er an die Forschungsergebnisse, die bei Reduktion der Nahrungszufuhr ein längeres Leben versprachen? In Tierversuchen hatte das ja offenbar funktioniert. Ob das Verfahren auch dazu geführt hatte, dass die Tiere netter wurden, hatte wohl bisher niemanden interessiert. Sie konnte sich jedenfalls nicht vorstellen, dass jemand durch Nahrungsentzug ein freundlicherer Mensch wurde.

Sie musste immer am Arbeitsplatz erreichbar sein, wenn Eschenbach da war. Gern betonte er, dass sie den Job schließlich nur ihm verdankte und dass sie folglich in erster Linie für ihn zu arbeiten hatte. Ihre Vorgängerin war dem Fachgebiet des Herrn Eschenbach zugeordnet gewesen, und als sie aus Altersgründen ausgeschieden war, hatte Eschenbach ein Mitspracherecht bei der Neubesetzung der Stelle eingefordert.

Marie seufzte erneut. Eschenbach war nach ihrer Kenntnis nie Leiter des Institutes oder Stellvertreter gewesen. Zwar gehörte er zum Institutsrat, aber da waren ja alle Professoren automatisch Mitglied. Auch in der Fakultät, dem Zusammenschluss mehrerer Institute, hatte Eschenbach nie wichtige Funktionen inne gehabt. Er gehörte nicht dem Rat der Fakultät an, in den Professoren, wissenschaftliche und technische Mitarbeiter sowie Studenten gewählt wurden und in dem eigentlich über die Belange der Fakultät entschieden werden sollte. Wenn aber das, was sie gelegentlich aus Diskussionen am Mittagstisch aufgeschnappt hatte, stimmte, entschied im Wesentlichen der Chef der Fakultät, der Dekan. Gelegentlich beteiligte er wohl seinen Stellvertreter, den Prodekan, und den speziell für Studienangelegenheiten zuständigen Studiendekan an den Entscheidungen. Den übrigen Mitgliedern des Fakultätsrates wurden häufig vorgefertigte Meinungen vorgesetzt, die nur noch abzunicken waren.

Sie hatte nie gehört, dass Eschenbach mit dem Dekan oder dem Institutsleiter besonders gut konnte. Und trotzdem dominierte Eschenbach das Institut, alle tanzten nach seiner Pfeife. Welche Hebel hatte er, um seine Ansichten durchzusetzen?

Außerdem gab es ja auch noch den Senat der Hochschule, das höchste Leitungsgremium, wie es so schön hieß. Die Senatorinnen und Senatoren wurden wie der Fakultätsrat gewählt. Für viele, insbesondere alteingesessene Ossis, war eine Wahl in den Senat so etwas wie ein Ritterschlag, und sie erfanden allerhand Winkelzüge, um gewählt zu werden. Zwar war Eschenbach kein Ossi, aber wenn man seinen Geltungsdrang in Betracht zog, war es schon seltsam, dass er nie für den Senat kandidiert hatte. Hatte er bei den Berufungsverhandlungen spezielle Regeln für sich erstritten?

Am Institut hatten einige alte Ossis die Wende überdauert, mehr als an manchen anderen Einrichtungen im ostdeutschen Hochschulwesen. Die Kolleginnen hatten ihr erklärt, dass das vor allem daran lag, dass die Fachrichtung weitgehend ideologiefrei war. Wieso die Ossis dann aber den Herrn Eschenbach berufen hatten, den scheinbar kaum einer mochte, war ihr ein Rätsel.

Marie hatte schon oft darüber nachgedacht zu gehen. Es fiel ihr schwer, Eschenbachs Art zu ertragen. Er war wohl der Meinung, dass er auf nichts und niemanden Rücksicht zu nehmen brauchte. Für die Art der Unterwürfigkeit, die Eschenbach offenbar erwartete, war sie einfach nicht gemacht. Die älteren Kolleginnen, die in der Wendezeit auf Gedeih und Verderb lernen mussten, sich „stromlinienförmig“ zu verhalten, ließen gelegentlich Warnungen durchblicken. Eine nahm Eschenbach sogar teilweise in Schutz. Sie war der Meinung, dass er einfach keine Antenne für die Befindlichkeiten seines Gegenübers hatte. Gab es das wirklich? Und wieso durfte jemand mit einem solchen Defizit Untergebene drangsalieren?

Sie war so stolz gewesen, als es ihr gelungen war, diesen Job als Institutssekretärin zu bekommen. Das Institut war größer als die meisten anderen Institute der Hochschule. Die Professoren und Mitarbeiter waren für einen eigenen Studiengang zuständig, sie hatten aber auch Ausbildungsaufgaben für etliche andere Studiengänge. Einige unter Maries Mit-Azubis waren vor Neid fast geplatzt, als sie den Job bekommen hatte. Was dann wirklich geplatzt war, waren allerdings nur Maries Illusionen gewesen. Ob sie Eschenbach bis zum Ende seiner Dienstzeit ertragen würde, erschien ihr immer fraglicher. Manchmal hatte sie Angst, dass sie ihm eine patzige Antwort geben könnte und er sie hinauswerfen würde. Die Macht dazu hatte er. Niemand würde sich ihm in den Weg stellen.

Da hörte sie ihn kommen und riss sich zusammen.

Eschenbach verschonte das Sekretariat an diesem Vormittag, was aber nur zur Folge hatte, dass Marie immer aufgeregter wurde. Was hatte Eschenbach bisher davon abgehalten, im Sekretariat nach dem Rechten zu sehen? Etwas Gutes konnte es nicht sein, da war sie sich sicher.

Gegen 11.00 Uhr erschien der Doktorand Zettlitz im Sekretariat. Zettlitz hatte bereits in der vergangenen Woche einen Dienstreiseantrag gestellt. Er gehörte zur Arbeitsgruppe von Professor Menzel, und der musste noch unterschreiben, damit der Antrag an die Verwaltung weitergeleitet werden konnte. Wie immer eilte es ein bisschen. Zettlitz hatte Marie gebeten, die Unterschrift von Professor Menzel zu erbitten, wenn sie ihn hörte. Schließlich residierte der Herr Menzel im Nebenzimmer. Marie hatte ihn am vergangenen Donnerstag und am Freitag angesprochen, aber jedes Mal hatte er hektisch erklärt, gerade total im Stress zu sein und sich in der nächsten Woche mit dem Problem befassen zu wollen. Was an dem Antrag problematisch sein sollte, war ihr unklar. Aber der Herr Menzel sah offenbar an vielen Stellen Probleme und war meistens im Stress. Ob er damit Eindruck schinden wollte? Zumindest schienen die anderen Professoren und Menzels Mitarbeiter das Gerede vom Stress nicht sehr ernst zu nehmen.

Leider musste sie Zettlitz auch jetzt wieder enttäuschen. Professor Menzel war entgegen seiner Gewohnheit noch nicht gekommen. Urlaub hatte er auch nicht beantragt. Vermutlich würde er nach dem Mittagessen auftauchen. Der Zettlitz sollte sich nicht so haben. Sie versprach, ihn anzurufen, sobald Menzel erschien.

Um die Mittagszeit kam Eschenbach ins Sekretariat. Er wollte aus irgendeinem Grund Menzel sprechen. Das war merkwürdig, denn die beiden redeten nach Maries Erfahrung kaum miteinander. Kurz danach erschien die Sekretärin des Dekans, um die Post für das Dekanat abzuholen. Sie vermutete, dass es bei Eschenbachs Anliegen um die Ausschreibung für die neue Juniorprofessur gehen könnte. Juniorprofessor konnte man werden, ohne eine zweite Doktorarbeit, die sogenannte Habilitation, geschrieben zu haben. Eine Habilitation war früher die Voraussetzung dafür gewesen, eine Professur zu erhalten. Die Dienstzeit als Juniorprofessor galt nun als Äquivalent zu einer Habilitation. Allerdings hatte ihr einmal ein Mitarbeiter erklärt, dass es deutlich mehr Personen mit einer Habilitation gegeben hatte und wohl noch gab als Professorenstellen. Warum nun auch noch der Weg zur Professur über die Juniorprofessur eingeführt worden war, hatte sie nie ganz verstanden.

Die Vorbereitung von Ausschreibungen für Professuren war eigentlich Sache der Fakultät. Marie hatte aber schon gemerkt, dass die vier Institute, die zusammen die Fakultät bildeten, weitgehend unabhängig voneinander, manchmal wohl auch gegeneinander, agierten. Man musste sich also vor allem innerhalb des Institutes einig sein. Eschenbach, offenbar ein großer Anhänger von Juniorprofessuren, wollte wieder einmal die Ausschreibung einer Juniorprofessur durchsetzen. Zwar hatte das Institut allein schon mehr Juniorprofessuren als jede andere Fakultät der Universität, aber das schien niemanden zu stören. Die Ausschreibung der neuen Juniorprofessur mit der Begründung für den Senat und dem Text, der in den Medien erscheinen würde, sollte in der nächsten Sitzung des Rates der Fakultät behandelt werden. Die Einladungen mit den Unterlagen mussten spätestens morgen abgesandt werden. Vermutlich hatte Eschenbach Änderungswünsche zu den Texten, oder er wollte Menzel, der Mitglied des Fakultätsrates war, instruieren, war er zu tun hatte.

Gegen 13.00 Uhr erschien Eschenbach ein weiteres Mal im Sekretariat und verlangte Menzel zu sprechen. Notgedrungen nannte Marie ihm Menzels private Festnetznummer. Eine Handynummer hatte Menzel nie herausgegeben. Es war nicht einmal klar, ob er ein Mobiltelefon besaß. Wenig später kam Eschenbach erneut ins Zimmer und erklärte mit schneidender Stimme, dass Menzel nicht abnehme. Zaghaft verwies sie auf die Möglichkeit, dass Menzel gerade auf dem Weg ins Institut sein und jeden Moment auftauchen könnte. Eschenbach faselte etwas von einem Nachspiel. Für wen, ließ er offen.

Nachdem Eschenbach gegangen war, tauchte Institutsleiter Behrmann im Sekretariat auf. Vielleicht hatte sich Eschenbach bei ihm beklagt. Von den Professoren kannte Behrmann den Menzel am längsten und vermutlich auch am besten. Leider konnte sich auch Behrmann Menzels Fernbleiben nicht erklären. Er versprach aber, zu Menzels Wohnung zu fahren, sobald er noch einige Dinge erledigt habe. Er schien nicht sonderlich besorgt zu sein. Wenn Menzel ernsthaft Hilfe nötig hatte, konnte er sich an seine Nachbarn wenden, war Behrmanns Argument.

Diese Aussage irritierte Marie ein wenig. Welche Art von Hilfe sollte Menzel denn benötigen? War er krank? Es wurde ja allerhand gemunkelt über Personen, die die Wende nicht ganz unbeschadet überstanden hatten. Wusste Behrmann, wussten die anderen etwas, was ihr noch niemand erzählt hatte? Sie war zwar schon fast drei Jahre am Institut, aber es gab immer noch eine unsichtbare Barriere zu den anderen Sekretärinnen. Und zu den Mitarbeitern und Professoren sowieso.