TONI - Angela Grundt - E-Book

TONI E-Book

Angela Grundt

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Beschreibung

Toni ist eine ganz normale Friseurin in einem ganz normalen Alltag mit ganz normalen Tagesabläufen. Das ist ihr Problem. Sie sehnt sich nach Veränderung. Menschen kommen, Menschen gehen. Es gibt niemanden, der sie in den Arm nimmt – nicht einmal ihre Mutter. Freiheit, Anerkennung, Liebe. Worte, nach deren Bedeutung Toni bereits ihr Leben lang sucht. So beschließt sie, ihr Leben umzukrempeln, alte Gewohnheiten abzustreifen, Neues zu wagen. Auf der Suche nach dem eigenen Ich philosophiert Toni über Gott und die Welt, über Gesellschaft, Politik und Religion, über Vergangenheit und Gegenwart und hinterfragt dabei Werte, die die heutige Menschheit ausmachen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Impressum 2

Alle wissen Alles 3

Drehbuch einer Nacht 19

Reichtum für Alle 25

Freiheit und der Rest davon 32

Das Einmaleins 41

Das verfolgte Selbst 48

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2022 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99131-298-7

ISBN e-book: 978-3-99131-299-4

Lektorat: Sylvia Raab

Umschlagfoto: Alena Ivanova, Sofiia Shunkina | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Alle wissen Alles

Kann sein, dass wir (damit) aufgehört haben, uns Geschichten zu erzählen? Jedenfalls. Ihre beginnt am Morgen um halb neun in der Elektrischen, auf dem Weg zur Arbeit.

Noch dreißig Meter in Fahrtrichtung. Sie erreicht den Frisörsalon und nimmt die erste Stufe zur Tür. Wie gewohnt benutzt sie den Hintereingang. Wärme kommt ihr entgegen. Draußen ist es ungewöhnlich kalt für diese Jahreszeit. In zehn Minuten beginnt die Schicht. Grußlos auf dem Weg zum Aufenthaltsraum. Drinnen Tohuwabohu, wildes Durcheinander, Stimmengewirr unter Kolleginnen. Hektisches Umziehen und noch einen Zug an der Zigarette im Stehen, bis zur nächsten Pause, vielleicht in zwei Stunden.

„Frau Breitkopf, kommen Sie und nehmen Sie hier Platz. Wie immer? Mit etwas Birkenhaarwasser nach der Wäsche? Machen wir. Ja sicher, das wird ein schöner Tag heute. Sie sind auch so früh aufgestanden. Aber bitte, nehmen Sie doch Platz unter der Haube. Nein, nur für kurze Zeit. Nein, ich vergesse Sie nicht.“ Sie zieht ein Sandwich aus der Hosentasche und legt es Frau Breitkopf unter die Haube. In fünf Minuten müsste auch das gut sein. „Kommen Sie, bald machen wir einen Neuen Menschenaus Ihnen. Die Tönung hat Ihr graues Haar gut abgedeckt, alle sechs Wochen machen wir das. Ja, Ihnen noch einen schönen Tag und lassen Sie sich einen neuen Termin geben. Wir probieren dann was Neues aus. Die nächste bitte!“

„Ich nehme die Elektrische um sechs. Und du?“ Gerti fummelt etwas unbeholfen an ihrem Rock. „Ich weiß noch nicht, Toni. Holger wollte mich abholen.“ Gerti arbeitet schon länger im Salon und immer holt sie der gleiche Typ ab. Toni hat schon als Kind all diese Filme gesehen: „Ich weiß nicht … Ich kann nicht …“ Sie wurde noch nie von jemandem abgeholt. Sie hat es nicht eilig mit dem Heimweg. Die Elektrische lässt sie an einer Ecke aussteigen, wo sich eine Bar befindet. Ihre Bar. Sie sagt Hallo zu der unbekannten Bekannten hinter dem Tresen und bestellt wie immer den Aperitif. Auf die Tageszeitung hat sie heute keine Lust, obwohl das gegen ihre Gewohnheit ist. Der Tresen hat eine Spiegelwand. Sie beobachtet sich und wenn sie genug davon hat, zahlt sie und geht nach Hause. Da ist keine, die auf sie wartet.

Ich kann mit den unterschiedlichsten Menschen immer wieder dasselbe erleben; deren Wünsche, diese Wünsche der anderen, die sich an mich wenden, sind immer die gleichen. An ihnen richte ich mich aus oder zerbreche. Nur so, als Orientierung. Gehen ihre Wünsche nicht in Erfüllung, besorgen sie sich neue und oft auch neue Menschen, neue Menschen, die dazu passen, zu ihren Wünschen und Projektionen. Manchmal ist es schade darum, oftmals nicht zu ändern, das mit den Wünschen und Projektionen. Da wäre noch die Angelegenheit mit Gott, die ewig ungeregelt bleibt, weil sie keinen Regeln folgt. Weil diese niemandem folgen, weil sie an und für sich sind. Wobei ich wieder am Anfang der Geschichte wäre. Gott sollte ich nicht außerhalb meines Selbst suchen. Wie es im Lied und im Land heißt: „… und jeden Morgen geht die Sonne auf!“

Sie nimmt Papier und Bleistift, setzt sich an den Küchentisch.

Tragische Momente sollte ich aufhalten. die glücklichen bewahren. Ich spreche von einer Zeit, die noch nicht so lange zurückliegt. Alte Gewässer werden verlassen, neue Dämme gebaut. Der Ruf nach Freiheit. Nicht zu überhören. Freiheit. Freiheit. Freiheit. Im Chor. Was habe ich mir darunter vorzustellen, wenn ich Freiheit nicht kenne? Wenn ich mich nicht kenne? Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten war das Versprechen. Wir müssen euch erst einmal alles wegnehmen, dann teilen wir wieder neu auf. Vorher aber müssen wir die Teilung überwinden, damit zusammengehört, was sich erhört. Stumm war das Land all die Jahre, jetzt bricht durch, was im Gedärm geschlummert hat. Das Volk bricht sich seine Bahnen, eine unberechenbare Masse. Da gibt es die leisen Töne, die wollen retten, was nicht mehr zu retten ist. Die wollen nicht aufgeben. Doch die Masse unberechenbar. Es wird sie geben, die Bettler und Hausierer in diesem Land. In diesem neuen Land. In diesem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Was war nochmal das Versprechen? Ich habe es vergessen. Im Land der Möglichkeiten geschieht indes Unerhörtes. Es gibt sie, die Bettler und Hausierer. Auf der einen Seite stehe ich, auf der anderen Seite sie; der Hausierer, bei dem ich alles kaufen kann; der Bettler, der nicht mehr kaufen kann, trotzdem kauft. Er ist nicht mehr im System. Nicht mehr im Land der unerhörten Möglichkeiten. Lieber den Mangel als den Überschuss? Oder geht da noch was? Gerechtigkeit.