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"Opi haben sie im September 1950 aufgehängt. Ja sicher, ich fang ein bisschen brutal an, aber nur, damit ich deine Aufmerksamkeit kriege. Du weißt doch, wie das heute so läuft: Ohne Sex, Gewalt oder verfaulendes Fleisch interessiert's keinen." Eine Frau blättert in ihrer ganz persönlichen Geschichte: Momentaufnahmen aus dem von politischer Indoktrination geprägten Leben in der Tschechoslowakei der 1970er und 1980er-Jahre sowie aus den Dramen ihrer Familie. Scheinbar unbewegt, teils mit zynischer Distanz berichtet sie von der Ermordung ihres Großvaters, dem dramatischen Schicksal ihres Bruders, der Geisteskrankheit der Mutter und dem späten Coming-out des Vaters. Eine lakonische, fast schnoddrige Erzählung, die immer wieder von plötzlichen, leidenschaftlichen Gefühlen durchbrochen wird.
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Seitenzahl: 169
Veröffentlichungsjahr: 2014
Bianca Bellová
Toter Mann
Roman
Bianca Bellová
Roman
Aus dem Tschechischenvon Mirko Kraetsch
Dank:
Den Vorablesern: Linda Wiedermannová, Denisa Fraulein Novotná, Míša Hečková, Anna Bohuslavová und Jenda Holeček.
Für die fachliche Konsultation:Dr. Martina Mock vom University Hospital Birmingham.
Für die Hilfe: Honza Trnka.
Und natürlich Adrian.
Der Verlag dankt dem Ministerium für Kultur der Tschechischen Republik für die Förderung dieser Übersetzung.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel „Mrtvý muž“ bei Host, Brünn 2011. Übersetzung aus dem Tschechischen von Mirko Kraetsch.
Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen oder Ereignissen ist entweder rein zufällig oder sie ist die Folge von unvorsichtiger Mitteilsamkeit dieser Personen.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
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1. Auflage 2014© 2014 by Braumüller GmbHServitengasse 5, A-1090 Wienwww.braumueller.at
Lektorat: Julia HinskeUmschlag: Kateřina WewiorováISBN der Printausgabe: 978-3-99200-110-1
ISBN E-Book: 978-3-99200-109-5
Gewidmet meiner Großmutter R.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Opi haben sie im September 1950 aufgehängt. Mami ist im Januar des darauffolgenden Jahres geboren, aber da war ihr noch nicht klar, dass sie Halbwaise ist. Auch Omi hat nicht gewusst, dass sie Witwe ist, als sie sich damals zerstreut über den Bauch fuhr. Dass sie’s wohl geahnt hat – keine Frage. Wahrscheinlich hat sie gedacht, Opi ist von einem Erschießungskommando hingerichtet worden, so wie’s die Deutschen gemacht haben. Garantiert hat sie aber nicht gewusst, wie das mit dem Aufhängen gelaufen ist. Zum Glück. Anstelle der humanen k. u. k. Hinrichtungen, bei denen der Henker dem Delinquenten sofort das Genick gebrochen hat, mussten die Verurteilten hier noch zehn Minuten am Strick zappeln, bis sie sich endgültig erdrosselt hatten.
Ja sicher, ich fang ein bisschen brutal an, aber nur, damit ich deine Aufmerksamkeit kriege. Du weißt doch, wie das heute so läuft: Ohne Sex, Gewalt oder verfaulendes Fleisch interessiert’s keinen. Klar würde ich lieber über Kinder mit dir reden und über die seltsamen Sachen, die mir in letzter Zeit passieren. Alles zu seiner Zeit, wir müssen nur erst mal den richtigen Rhythmus finden.
Du hast es gerne auf die harte Tour, hast du gesagt, und ich war einverstanden. Eigentlich hab ich ja bloß nicht Nein gesagt. Ich hab gar nichts gesagt. Ich hab’s auf die harte Tour gemacht, wie du’s wolltest, obwohl ich das nicht unbedingt gebraucht habe. Du hast gesagt, je mehr ich die eigene Scham überwinde, desto besser wird’s mir gefallen. Das hat nicht funktioniert, hm? Daran siehst du, wie viel Mühe ich mir gegeben habe. Scham, das schon, klar, davon hab ich mehr als genug. Dass es mir gefallen hätte, kann ich nicht behaupten. Ich musste neben mir stehen, so tun, als ob das jemand anderem passiert, denn so ein Spaß ist das nun auch wieder nicht gewesen. Jetzt kann ich’s dir ja sagen, inzwischen ist mir das pupsegal. Ich kann mittlerweile ohne rot zu werden darüber reden, wie du mich gefesselt und von hinten genommen hast. Dass ich nach den Spielchen mit dir kaum noch sitzen und gehen konnte. Dass meine Mundwinkel derart eingerissen waren, dass ich nicht mal lächeln konnte. Nicht, dass mir das jetzt auch nur ein µ besser gefallen würde, es haben sich bloß ein paar Rahmenbedingungen geändert.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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