Träum weiter, Mann - Volkmar Nebe - E-Book
SONDERANGEBOT

Träum weiter, Mann E-Book

Volkmar Nebe

4,3
7,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 7,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

„Wir sind mehr als nur Männer – wir sind Rivalen!“

Gerald, seines Zeichens Immobilienmakler, hält sich für einen Macher: Wenn er etwas haben will, dann kriegt er es auch – meint er. Als er die Kellnerin Steff sieht, ist es um ihn geschehen. Er will sie – am besten sofort. Doch da taucht ein seltsamer Rivale auf: Heiner, ein angeblich erfolgreicher Schriftsteller. Beide Männer beginnen ihren Kampf um Steff – und ihnen ist jedes Mittel recht, damit der andere auf der Strecke bleibt ...

Ein besonderes Lesevergnügen – eine Lovestory der besonderen Art – zwei Männer am Rande des Wahnsinns. Voller Komik und überraschender Wendungen: der Kampf zweier Männer um alles – eine Frau.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 309

Veröffentlichungsjahr: 2013

Bewertungen
4,3 (20 Bewertungen)
11
4
5
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Volkmar Nebe/Ralf Pingel

Träumweiter,Mann

Roman

Impressum

ISBN 978-3-8412-0502-5

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, Februar 2013

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die Originalausgabe erschien 2013 bei Aufbau Taschenbuch, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung Mediabureau Di Stefano

unter Verwendung eines Motivs von

© Roberto A Sanchez/iStockphoto

E-Book Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, www.le-tex.de

www.aufbau-verlag.de

Menü

Buch lesen

Innentitel

Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Informationen zu den Autoren

Impressum

Inhaltsübersicht

  1  Wintergarten mit Meerblick

  2  Chai Latte mit Schuss

  3  Das Mädchen von Seite 1

  4  Pyjama-Party

  5  Hemingway ohne Whiskey

  6  Geisterhaus

  7  Reifeprüfung

  8  Auf der Steilküste

  9  Der fliegende Drache

10  Rote Grütze mit Schlagsahne

11  Über Dänemark scheint die Sonne

12  Robbenfang

13  Der seltsame Franzose

14  Champagner im Schlafsack

15  Clowns im Billy-Regal

16  Das kranke Herz

17  Neben der Spur

18  Zwischenbild mit Weihnachtsbäumen

19  Nachtfahrt im Taxi

20  Kampfhund im Nieselregen

21  Frauenversteher

22  Erdbeeren im Whirlpool

23  Sabine ist der Kopfmensch

24  Im Nebel

25  Limonengeruch im Möwenwind

26  Steakhouse

27  Im Autorenhimmel

28  Segeltörn zu Dritt

29  Down Under

1Wintergarten mit Meerblick

Die dunklen Abendwolken ziehen sich bereits zusammen, und feiner Nieselregen weht über die Straße. Durch die leise quietschenden Scheibenwischer schaut Heiner auf abgeerntete Maisfelder, die von langen, fast laublosen Knicks begrenzt werden. Nachdem er einen kleinen Mischwald durchquert hat, kann er kurz den endlos-grauen Teppich der Ostsee sehen. Dann passiert er endlich das Ortsschild von O. In dem kleinen Badeort hängen überall Schilder mit der Aufschrift »Gästezimmer zu vermieten« in den Fenstern, die meisten der rot verklinkerten Pensionen haben den Betrieb schon ganz eingestellt und die Rollläden heruntergelassen.

Im Vorbeifahren sieht er neben einem kleinen Fußweg Hinweise zu den Hauptattraktionen von O.: »Zur Steilküste«. Und natürlich: »Zum Strand«. Ansonsten kann Heiner in dem kleinen Dorf nur einen EDEKA-Markt, einen Briefkasten, zwei Bushaltestellen und eine kleine Boutique für Strandmode entdecken. Dazu ein paar einsame Senioren, die mit einem Regenschirm spazieren gehen. Ein Restaurant, das mehr nach einem Imbiss aussieht, und ein rotweiß gestreifter Funkmast der Bundesmarine, der sich im Norden befindet und 30  Meter hoch in den bewölkten Himmel ragt.

Heiner hat die Ortsmitte fast erreicht, als auf seinem Navi eine kleine schwarz-weiße Flagge aufblinkt. Am Ende einer versandeten Sackgasse, die hinunter zum Meer führt, ist er endlich am Ziel seiner Reise: der Pension Möwenwind.

Er hat das Haus vorher nur im Internet gesehen. Wie immer kann die Realität mit dem schönen Schein des Werbefotos nicht mithalten. Das kleine Hotel ist ein einstöckiger Quader, gebaut in den Dreißigerjahren. Der weiße Putz ist seit mindestens zehn Jahren nicht mehr gestrichen worden und hat bereits etwas Patina angesetzt.

Doch als Heiner auf den Parkplatz fährt, hat er das Gefühl, dass er im Paradies angekommen ist. Und tatsächlich bricht in diesem Moment die Sonne durch die Wolken, und ein paar Strahlen tauchen die kleine Pension in ein warmes, hoffnungsvolles Licht.

Heiner steigt leise ächzend aus seinem Golf. Der Rücken macht ihm seit ein paar Monaten Probleme, vor allem nach längeren Autofahrten. Aber auch das kann seine gute Laune jetzt nicht trüben. Er streckt sich und atmet tief durch. Der frische, salzige Geruch der nahen Ostsee ist überwältigend. Lächelnd schließt er die Augen. Und sofort sind sie da, die Erinnerungen an Urlaube mit den Eltern, überfüllte Strände in Travemünde, an Sonnencreme, warmen Sand und Capri-Eis mit Orangengeschmack.

Er seufzt glücklich. Dann holt er seine Taschen aus dem Auto, seinen Koffer und seine nagelneue Crumpler-Bag mit seinem Laptop und wirft einen kurzen Blick auf die anderen Wagen, die auf dem kleinen Hotelparkplatz stehen. Ein Fiat Uno mit Lübecker Kennzeichen, ein rostiger Passat-Kombi aus Dortmund und ein grüner Landrover mit Ostholsteiner Nummer.

Wirklich ausgebucht ist das Hotel im Moment wohl nicht. Umso besser, denkt Heiner, so hat er seine Ruhe und kann ungestört arbeiten. Nur deshalb ist er schließlich hergekommen. Er kann es kaum erwarten, sich hinter seinen Laptop zu setzen und anzufangen. Gut gelaunt schnappt er sich sein Gepäck und geht über den sorgfältig geharkten Kiesweg in das Gebäude.

Die Rezeption ist nicht besetzt. Heiner stellt seine Sachen ab und schaut sich um. Auf einem Tisch liegen neben einer Schale mit Sahnebonbons Prospekte über Attraktionen in der näheren und etwas weiteren Umgebung. Wieder die Steilküste. Das U-Boot in Laboe. Das Hansa-Land in Sierksdorf. Auf der Theke eine gläserne Sammelbüchse des Seenotrettungsdienstes, dahinter an der braun getäfelten Wand das gemalte Bild eines Windjammers im Sturm.

»Ah, Sie müssen der Herr aus Hamburg sein«, meldet sich plötzlich eine freundliche Stimme und eine Frau kommt aus dem seitlichen Flur in die kleine Lobby hinein. Blonde, streng nach hinten gebundene Haare, freche Falten um die blau blitzenden Augen und auf der Stupsnase eine abgerundete Lesebrille.

Sie gibt Heiner die Hand. »Guten Abend, mein Name ist Ingrid Schmidt.«

Die Besitzerin des Hotels, bei ihr hat er das Zimmer per E-Mail reserviert.

»Deuters«, erwidert er die Begrüßung. Frau Schmidt geht freundlich lächelnd hinter den Tresen. Heiner schätzt sie auf weit über fünfzig, vielleicht sogar schon sechzig. Trotzdem ist Frau Schmidt immer noch eine sehr attraktive Frau.

»Haben Sie eine gute Fahrt gehabt?«

»Ja, kein Problem.«

»Tut mir leid mit dem Regen. Aber bis gestern hatten wir noch strahlenden Sonnenschein.«

Er nickt nur freundlich. Für das, was er vorhat, ist ihm egal, wie das Wetter ist.

Frau Schmidt sieht in ihren Computer. »Mal schauen, das war ein Einzelzimmer für zwei Wochen.«

Heiner hebt den Zeigefinger. »Nichtraucher.«

»Natürlich. Und mit Blick aufs Meer.«

»Und ruhig muss es sein.«

»Keine Sorge. Unsere Zimmer sind alle ruhig.«

»Das ist wirklich wichtig für mich. Ich kann nicht arbeiten, wenn ich nicht absolute Ruhe habe.«

»Herr Deuters, Sie können sicher sein, die Möwen und das Rauschen der Ostsee werden das Einzige sein, was sie in der Nacht hören.«

»Und das WLAN funktioniert?«, fragt er.

Frau Schmidt nickt stolz. »Überall im Hotel. Hat mein Neffe ganz neu eingerichtet. Wir mögen ein bisschen abgelegen sein, aber technisch sind wir auf dem letzten Stand.« Sie legt ihm ein Blatt auf den Tresen. »Wenn Sie hier bitte noch unterschreiben?«

Er sieht auf das Anmeldeformular, auf dem Frau Schmidt schon seine Daten eingetragen hat, und setzt seinen Namen darunter.

Frau Schmidt reicht ihm seinen Zimmerschlüssel. »Zu ihrem Zimmer geht es da den Flur entlang. Frühstück gibt es ab halb acht im Wintergarten, Abendessen ab 18  Uhr. Wenn Sie irgendwelche Fragen haben, Tipps für Ausflüge  zum Beispiel, können Sie sich jederzeit an mich wenden.«

Heiner schüttelt den Kopf: »Ich glaube nicht, dass ich viele Ausflüge machen werde. Wie gesagt, ich bin nur zum Arbeiten hier.«

Frau Schmidt mustert Heiner mit einem ungläubigen Lächeln. »Arbeiten? Hier?«

Heiner streckt sich. »Ich schreibe an einem Roman.«

Frau Schmidt hebt die Augenbrauen. »Ach, wie nett, Sie sind Schriftsteller?«

Heiner winkt bescheiden ab, nickt aber.

»Sie schreiben Geschichten? So richtig kreativ?«

»Nun ja ...« Heiner nickt wieder.

Frau Schmidt lächelt. »Na dann, Herr Deuters. Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit bei uns im Möwenwind. Und viele gute Ideen für Ihr Buch.«

Heiner nickt, schnappt sich seine Sachen und macht sich auf die Suche nach seinem Zimmer.

Er findet es am Ende des Flures. Besonders groß ist es nicht, aber es ist mit viel Liebe eingerichtet. Helles Holz, ein Strauß mit frischen Blumen auf dem Tisch, ein kleines Sofa, sorgfältig drapierte Daunenbettwäsche und an der Wand wieder ein Ölbild, dieses Mal eine Hafenimpression. Dazu steht auf dem Tisch eine Flasche Wasser mit einem frischen Glas. Auf dem Bettkissen liegt ein großes, herzförmiges Stück Schokolade. Er schiebt die Spitzengardine zur Seite und schaut hinaus. Tatsächlich, er kann das Meer sehen und sogar hören, wie die Wellen leise auf den Strand rauschen. Dazu wieder der frische, salzige Geruch. Er lächelt. Hier lässt es sich aushalten.

Heiner stellt seine Sachen ab und probiert das Bett aus. Sehr weich. Das ist nun leider nicht so schön. Gift für seinen Rücken. Er nimmt sich vor, Frau Schmidt nach einer härteren Matratze zu fragen.

Er greift nach seiner Crumpler-Tasche, holt seinen Laptop heraus, stellt ihn mit aufgeklapptem Bildschirm auf den Tisch und setzt sich davor. Er nickt zufrieden. Genug Platz für seine Maus, die Sitzhöhe ist genau richtig, und am Computer vorbei hat er einen perfekten Blick auf das Meer. Jetzt noch ein gutes Glas Wein, und er kann mit der Arbeit beginnen. Endlich. Er lächelt glücklich. Genauso hat er sich das vorgestellt.

Sein Magen grummelt leise. Nicht weil Heiner Hunger hat, auf der Autobahn hat er eine kurze Rast bei McDonalds gemacht und einen Big Mac hinuntergeschlungen. Mit einer großen Portion Pommes und anschließend noch einem Eisbecher. Offensichtlich zu viel für seinen schwachen Magen.

Er schaut auf die Uhr. Das Abendessen müsste bereits vorbei sein. Die Gelegenheit, um sich mal den Raum anzuschauen, der letztlich der Grund war, warum er sich gerade für diese Pension entschieden hat.

Leise ächzend stemmt Heiner sich vom Bett hoch, greift nach seiner Strickjacke, klemmt sich sein Laptop unter den Arm und verlässt sein Zimmer.

Zu seiner angenehmen Überraschung ist der Wintergarten sogar noch größer, als er ihn sich aufgrund des Fotos im Internet vorgestellt hat. Die große Fensterwand mit Blick auf den Strand und das Meer, die bequemen Polsterstühle, die plüschige Sitzecke mit Sofa und Fernseher – insgesamt sieht der Wintergarten aus wie eine Mischung aus Wohn- und Esszimmer. Tatsächlich steht er den Gästen auch außerhalb der Essenszeiten als Aufenthaltsraum und Treffpunkt zur Verfügung.

Außer Heiner sind nur wenige Gäste da. Ein müde aussehendes Ehepaar mit zwei halbstarken Jungs, die unruhig auf ihren Stühlen herumrutschen und lustlos an den letzten Resten des Abendbrots herumnagen. Ein junges, etwas dickliches Pärchen, das schweigsam vor zwei Weingläsern sitzt. Dazu zwei einzelne Herren mit Schlips und Anzug, die alleine an ihren Tischen sitzen. Der eine liest eine Ausgabe der Kieler Nachrichten, der andere, ein hünenhafter, etwas grobschlächtig aussehender Mann mit Dreitagebart und buschigen Koteletten, hat sein Jackett über den Stuhl gehängt und sitzt mit starrer Miene vor seinem Computer.

Heiner ist etwas enttäuscht. Halbwegs attraktive Frauen scheint es hier nicht zu geben. Nicht, dass er irgendwelche Absichten gehabt hätte. Aber ein bisschen was fürs Auge wäre schon schön gewesen.

Er grüßt diskret in die Runde. Die anderen nicken ihm nur kurz zurück. Das dicke Mädchen lächelt ihn an. Der Computer-Mann mustert ihn nur mit abschätziger Miene und blickt dann mit einem leisen Lächeln wieder auf seinen beleuchteten Bildschirm.

Heiner sucht sich einen Tisch direkt am Fenster, von dem er nicht nur gut hinaus aufs Meer schauen kann, sondern auch einen Überblick über das Restaurant hat. Er hasst es, keine Deckung zu haben und nicht zu wissen, was hinter seinem Rücken passiert. Erst jetzt merkt er, dass jeder Tisch mit einem anderen maritimen Gegenstand versehen ist, zum Beispiel ein drapiertes Seil, ein kleiner Anker oder zwei Signalflaggen.

Auf seinem Tisch befindet sich ein Messingkompass, der tatsächlich funktioniert. Er klopft gegen das Glas und beobachtet, wie der kleine Pfeil sich bewegt. Der Strand ist im Süden, die Küche hinter dem Tresen liegt genau im Norden.

Frau Schmidt kommt aus der Schwingtür und balanciert ein Tablett mit einem Pils zu einem der beiden Männer, die alleine an einem Tisch sitzen. Anschließend kommt sie zu Heiner.

»Na, alles in Ordnung mit dem Zimmer?«, erkundigt sie sich freundlich.

»Ja, alles gut.«

»Das freut mich. Wollen Sie was zu Essen? Noch ist die Küche offen.«

Heiner schüttelt den Kopf. »Nein, danke, nur einen Rotwein bitte.«

Frau Schmidt zeigt auf den Rechner, den Heiner feierlich vor sich auf den Tisch gelegt hat. »Sagen Sie bloß, Sie wollen jetzt noch was schreiben?«

Heiner zuckt lächelnd mit den Schultern. »Hilft ja nichts. Von alleine wird der Roman nicht fertig.«

»Na dann, viel Erfolg!«

Frau Schmidt zwinkert ihm noch mal kurz zu und geht wieder. Heiner sieht ihr nach, wie sie wieder in der Küche verschwindet – und stutzt.

Am Tresen ist mittlerweile eine junge Frau erschienen. Mit gelangweilter Miene zapft sie mehrere Biere und gießt für die Jungs Fanta in zwei Gläser. Dabei reibt sie sich gedankenverloren mit dem nackten Unterschenkel des einen Beines über das andere.

Offensichtlich handelt es sich um Frau Schmidts Tochter. Die gleichen blonden Haare und die gleichen hohen Wangenknochen, eine nordische Schönheit wie ihre Mutter, nur jünger. Heiner fragt sich, wie alt sie ist. Bestimmt kaum älter als fünfundzwanzig. Selbst die biedere Kellnerinnen-Uniform kann ihre weiblichen Formen nicht verbergen, und trotz der klobigen Arbeitsschuhe gelingt es ihr, verführerisch durch den Raum zu gleiten. Heiner fragt sich, wie sie wohl in normaler Kleidung aussehen würde. In Jeans vielleicht. Oder in einem leichten Sommerkleid. Für einen Moment sieht er sie wie in Zeitlupe am Strand entlanglaufen.

Er lächelt versonnen. Vielleicht wird es in diesen zwei Wochen ja doch noch etwas Abwechslung neben seiner Arbeit geben.

Die Frau versorgt die Familie mit ihren Getränken und kommt dann zu seiner großen Freude auch zu ihm an den Tisch.

»Ein Rotwein, bitteschön«, sagt sie und schaut ihm dabei für einen kurzen, einen ganz kurzen Augenblick lächelnd in die Augen.

»Danke«, stottert Heiner und klingt dabei wie ein gemütskranker Frosch.

Die Frau nickt ihm nachsichtig zu und geht wieder zurück zur Bar.

Heiner starrt ihr mit großen Augen hinterher, fasziniert von ihrem sanften Hüftschwung. Für einen Moment glaubt er sogar, ihr Parfüm riechen zu können. Ein frischer, süßer Duft wie Frühling, wie ein Versprechen. Er atmet tief durch.

Da bemerkt er, dass er beobachtet wird. Der unrasierte Tarzan mit dem Powerbook hat seinen begehrlichen Blick bemerkt. Jetzt sieht er Heiner mit einem spöttisch abschätzigen Grinsen an und schüttelt dabei vorwurfsvoll den Kopf.

Heiner dreht sich schnell weg und tut so, als ob er nichts bemerkt hat. Was bildet sich der Kerl ein? Er hat nichts Anrüchiges getan. Ja, das Mädchen gefällt ihm, na und? Was ist denn schon dabei, wenn man sich gerne eine schöne Frau anschaut?

Und dieses kurze Lächeln – eigentlich hat sie doch mit ihm geflirtet? Warum auch nicht? Im Vergleich zu den anderen Gästen ist er für sie bestimmt einer der wenigen Lichtblicke.

Aus den Augenwinkeln sieht er wieder zu dem Unrasierten, der drei Tische weiter sitzt. Gelangweilt schaut er auf den Bildschirm seines Powerbooks. Bestimmt nur irgendein Vertreter. Der hat es gerade nötig, sich über andere zu erheben, denkt Heiner.

Mit einem zufriedenen Lächeln schaltet er sein Laptop ein, öffnet ein Textdokument und liest die erste Seite:

Der seltsame Franzose

von Heiner Deuters

Stolz schaut er sich im Wintergarten um. Zu seiner leichten Enttäuschung scheint keiner ihn zu beachten, jeder ist nur mit sich selbst beschäftigt.

Aber dann schüttelt er gedankenverloren den Kopf. Umso besser, denkt Heiner, dann kann er endlich in Ruhe arbeiten. Er lächelt selig, wie unendlich lange hat er auf diesen Moment gewartet! Mit leisem Knacken lockert er seine Finger, reibt euphorisch die Hände aneinander, trinkt noch einen Schluck Rotwein und fängt dann an.

2 Chai Latte mit Schuss

»Ich will nicht hier sein.«

Gerald Schöning schaut sich erschrocken um: Er war so tief in Gedanken, dass er nicht sicher ist, ob er es gerade laut gesagt hat. Das wäre ihm peinlich. Aber die Gäste im Wintergarten sitzen zum Glück genauso öde da wie zuvor, keiner guckt zu ihm herüber; auch nicht die mittelalten Eltern mit ihren pubertierenden Jungs, die sich hier ohne andere Jugendliche so wohl fühlen wie in einem Straflager. Draußen ist es bereits dunkel geworden, vom nahen Meer sieht man nichts. Neben ihm langweilt sich das schweigsame, dickliche Pärchen, er mit silbernem Ohrring, sie behängt mit billigem Goldschmuck, den sie vermutlich spontan im Verkaufsfernsehen geordert hat, hinten lungern noch zwei Geschäftsleute mit teuren Schlipsen und preiswerten grauen Anzügen herum. Am schlimmsten ist der Typ um die 40, der sich erst prüfend umschaut, als er hereinkommt, und dann ans Fenster des Wintergartens hastet. Er wirft nicht einen Blick auf die Ostsee, die sich wie ein grandioser riesiger Teich vor dem Fenster ausbreitet, sondern setzt sich mit dem Rücken zum Meer. Vermutlich ein Kontrollfreak, der zwanghaft das gesamte Restaurant im Blick haben muss.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!