Traumkind - Anna Marin - E-Book

Traumkind E-Book

Anna Marin

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Beschreibung

Vor 33 Jahren wurde eine, noch minderjährige, Mutter gezwungen, ihr Kind nach der Geburt zur Adoption zu geben. Familienangehörige hatten dies entschieden. Die Geschichte dahinter wird oft verheimlicht, da man Kinder nicht weggibt. Diese fesselnde Geschichte ist ein bewegendes Plädoyer für Toleranz allen Müttern gegenüber, die ihr Kind weggeben haben oder gar dazu genötigt wurden. Neun Monate voller Schmerz und Leid waren mit der Geburt des Kindes nicht vorbei.Leid und Schmerz bestimmten fortan ihr Leben und erst jetzt hat sie die Kraft darüber zu schreiben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 57

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Für meinen unbekannten Sohn,

1. Auflage 2012

Autor/ Rechteinhaber: Anna Marin

Umschlaggestaltung: Anna Marin

Lektorat: Ulrike Jonack

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-8491-2494-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

Inhalt

Cover
Die Personen und Handlungen dieser Geschichte
Widmung
Impressum
Titelseite
Traumkind
Schlussgedanken
Über tredition

Anna Marin

Traumkind

Es war Anfang der sechziger Jahre des vergangen Jahrhunderts. Die Mauer, die Deutschland teilte, wurde errichtet, Marilyn Monroe starb und meine Eltern heirateten. Ein Jahr später wurde ich geboren.

An meine frühe Kindheit kann ich mich nicht erinnern. Aber Fotos und Erzählungen gaben den passenden Rahmen. Meine Mutter erzählte mir, dass mein Vater ganz vernarrt in mich war und er schob auch gern den Kinderwagen, was damals sehr unüblich, für Väter, war. Knapp drei Jahre später wurde mein Bruder geboren und das Glück meiner Eltern perfekt.

Meine Mutter arbeitete halbtags als Verkäuferin und mein Vater war als Meister in einer mittelgroßen Firma angestellt. Da meine Eltern in Schichten arbeiteten war meist abwechselnd einer von ihnen zu Hause, um uns Kinder zu betreuen.

Die Ehe meiner Eltern bestand darin, dass mein Vater bestimmte, was gemacht wurde, und meine Mutter sich unterordnete. Auch wir Kinder hatten uns dem zu fügen. Die Meinung meines Vaters war grundsätzlich Gesetz. Bei kleinsten Verstößen gab es lautstarken Ärger oder gar Schläge.

Meist war ich also ganz brav, traute mich nicht, etwas zu sagen. Auch meine Mutter sprach Dinge nicht an, die ihr missfielen, da es sonst die Laune meines Vaters getrübt hätte.

Wir Kinder brauchten Probleme bei meinem Vater erst recht nicht anzusprechen.

Meine Mutter sagte immer, dass sie es lieber allein mit ihm bespricht, wenn er die entsprechend gute Laune hatte. Sie sprachen generell nicht in unserem Beisein über wichtige Dinge.

Mit sechs Jahren wurde ich eingeschult. Ich freute ich mich, endlich lesen zu lernen. Bücher hatten für mich etwas Fantastisches.

Vom ersten Schultag an begeisterte mich das Lernen. Beim Vorlesen war ich immer die Beste. Die Lehrerin sagte oft: „Nehmt euch ein Beispiel an Anna!“ Das freute mich sehr. Nur im Rechnen brauchte ich Unterstützung. Meinen Vater ärgerte dies sehr, da er Mathe gut beherrschte.

Die Hausaufgaben machte ich am Nachmittag im Beisein meines Vaters, oder ich hatte sie, wenn er später nach Hause kam, ihm vorzulegen. Sein Hauptaugenmerk lag dabei auf den Matheaufgaben. Waren Aufgaben verkehrt, musste ich sie noch einmal rechnen, solange bis sie richtig waren. Hatte ich etwas nicht verstanden, erklärte er es mir, wobei sein Tonfall mit jeder Erklärung schärfer wurde. Ich wurde dabei immer ängstlicher und konnte nicht mehr richtig denken. Nach der dritten Erklärung bekam ich dann seine Hand oder das Buch an den Kopf geschlagen.

Ich musste mir dazu anhören, dass ich einfach zu blöd zu allem bin und in der Schule sowieso.

Dabei wollte ich es können und verstehen.

Selbst beim Essen wurden Matheaufgaben abgefragt. Dazu musste ich mich am Tisch hinstellen. Meist war ich so blockiert, dass mir das Ergebnis nicht einfiel. Ich konnte oft erst essen, wenn die anderen schon fertig waren.

In den Augen meines Vaters machte ich alles verkehrt. Ich hatte zu funktionieren und durfte keine Widerworte geben.

In unregelmäßigen Abständen kontrollierte mein Vater auch die Schränke im Kinderzimmer. Es musste immer alles aufgeräumt sein. Spielzeug musste in Reih und Glied stehen. Um Ärger zu vermeiden, räumte ich auch die Schränke meines Bruders auf, da er noch klein war. Es machte mich fertig, bei jeder Handlung überlegen zu müssen, ob es den Vorstellungen meines Vaters entspräche.

Dieser psychische Druck war schlimm, nichts zu können, ein Nichts zu sein, und führte dazu, dass ich zum Bettnässer wurde.

Mindestens einmal in der Woche passierte es. Heute sagt man, nächtliches Einnässen sind Tränen der Seele. Anfangs schimpften meine Eltern immer wegen des nassen Bettes. Ich bekam nach 19 Uhr kein Getränk mehr und bevor meine Eltern schlafen gingen, weckten sie mich auf, damit ich auf die Toilette gehe.

Meine Eltern lebten immer in der Hoffnung, dass das Einnässen von selbst aufhört. Oft genug sagte mein Vater: „Du solltest dich schämen, so ein großes Mädchen macht noch ins Bett.“ Als nach zwei Jahren keine Besserung eintrat, ging meine Mutter mit mir zum Arzt – aber es wurde keine organische Störung festgestellt.

Die Ärzte rieten, dass ich einen Sonnen- und Regenkalender führen sollte. Das heißt, nässte ich nicht ein, durfte ich in den Kalender eine Sonne malen, war mein Bett nass, musste ich eine Regenwolke malen. Aber es half alles nicht.

Aufgrund des Einnässens war eine Teilnahme an Klassenfahrten ausgeschlossen. Einmal aber war es doch möglich. Ich war in der vierten Klasse und meine Klassenlehrerin wohnte in der Nachbarschaft. Sie fragte meine Eltern, warum ich nicht mit darf. Nach einigem Zögern nannten sie ihr den Grund. Sie hatte Verständnis dafür und sagte, dass sie schon gelegentlich Kinder mit diesem Problem auf Klassenfahrt hatte und noch nie hätte ein Kind dort eingenässt. Meine Eltern bestanden aber trotzdem darauf, dass ich spätabends nochmals auf die Toilette geschickt werde. So wurde ich dann auf der Klassenfahrt, mit der Begründung für meine Zimmergenossinnen, ich müsste noch eine Tablette nehmen, spätabends auf die Toilette geschickt. Sie schöpften Gott sei dank keinen Verdacht, ich nässte auch nicht ein und konnte so drei wunderschöne Tage erleben.

Zurück daheim, ging alles wieder seinen gewohnten Lauf. Neben dem Einnässen kamen auch noch permanente Kopfschmerzen dazu.

Ich sprach mit meiner Mutter darüber und sie sagte: „Ich habe auch manchmal Schmerzen, das geht vorbei.“ Auf Drängen meiner Mutter, ging mein Vater mit mir zu einem Psychiater.

Er konnte nichts Krankhaftes feststellen. So fragte er mich, wann diese Schmerzen auftraten und ich sagte: „… nach den Schlägen.“ Daraufhin legte der Psychiater meinem Vater nahe, mich nicht mehr an den Kopf zu schlagen. In nächster Zukunft war nur noch das Hinterteil dran.

Nach außen hin waren wir immer die Vorzeigefamilie. Die Kinder gut erzogen, nett gekleidet, der obligatorische Sonntagsspaziergang – aber es fehlte an emotionaler Wärme. Niemand nahm mich in den Arm, ich wurde nie gedrückt oder geküsst, niemand sagte, dass man mich lieb hat. Niemand merkte, wie ich still litt.