0,00 €
Mark ist ein professioneller Träumer. Einer der besten. Ein lukratives, illelages Geschäft, doch auch ein mörderisches. Ein professioneller Träumer wird nicht alt. Das Verfahren ist selbstzerstörerisch. Als Mark erkennt, wie sehr er selbst am Ende ist, entschließt er sich, aus dem Geschäft auszusteigen. Bisher - so heißt es - sei dies noch niemandem gelungen. Mark weiß, dass er sich mächtige Feinde macht, doch er wagt es und setzt alles auf eine Karte ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2016
Sein Kopf schien schon wieder explodieren zu wollen. Diese höllischen Schmerzen, dachte Mark, und rieb sich die Schläfen. Nur vorsichtig blinzelnd öffnete er seine Augen, aber das wenige dadurch hereinfallende Licht reichte bereits, um eine stechende Reizüberflutung seiner Sehnerven zu erzeugen. Völlig desorientiert versuchte Mark wieder zu sich kommen, aber nur sehr schwer war es ihm möglich, überhaupt einen einigermaßen klaren Gedanken zu fassen.
„Mach kein Drama daraus“, dröhnte Eddis gehässige Stimme in seinen Ohren. „Los, steh endlich auf!“
Es gibt wirklich angenehmere Arten geweckt zu werden, dachte sich Mark. Aber je eher er hier wegkommt, desto besser. Also riss er sich zusammen und stand von der Pritsche auf, auf der er zuvor noch gelegen hatte.
Noch immer etwas verschwommen nahm er seine Umgebung wahr, der kleine fensterlose Raum, der ihm mittlerweile so vertraut geworden war. Hinter ihm die Geräte, an denen er während seiner regelmäßigen Sessions angeschlossen war. Das große Display zeigte an, dass alles sozusagen „im Kasten“ war - es hatte offensichtlich mal wieder alles reibungslos funktioniert.
Mark warf noch einen kurzen prüfenden Blick auf die Anschlüsse, um zu sehen, ob auch alle ordnungsgemäß gelöst wurden. Ja, alles klar, keine Verletzungsgefahr, stellte er zufrieden fest. Dann versuchte er vollends aufzustehen. Da sein Gleichgewichtssinn noch nicht wieder vollständig hergestellt war, schwankte er heftig und musste sich schnell an einem der Geräte festhalten, um nicht zu fallen.
„Abflug! Ich habe auch noch Anderes zu tun!“, drängelte Eddi ungeduldig.
„Idiot“, murmelte Mark vor sich hin.
Daraufhin machte Bronson einen drohenden Schritt auf Mark zu und sah diesen herausfordernd an. Wo Eddi war, konnte Bronson natürlich nicht weit sein. Bronson, der Leibwächter mit der Statur eines Kleiderschrankes, und Eddi, der schmierige kleine Ganove – im Grunde ein ziemlich lächerliches Paar, wenn die Sache selbst nicht so ernst gewesen wäre. Eddi war zwar nur ein ziemlich kleines Licht innerhalb der Organisation, hatte selbst von sich aber ein völlig anderes Eigenbild. Um diesem anderen gegenüber jedoch hinreichend Ausdruck zu verleihen, benötigte er stets Bronson an seiner Seite. Ohne diesen hätte ihn vermutlich kaum jemand mehr ernst genommen - selbst mit der mächtigen Organisation hinter ihm.
Wie gewöhnlich ließ sich Mark jedoch nicht durch Bronsons grimmigen Blick aus der Ruhe bringen – er wusste schließlich um seine Stellung. Und wie so oft konnte er es auch diesmal nicht lassen, den Riesen noch zusätzlich zu reizen.
„Ach Bronson“, grinste Mark, „wenn du nur halb so viel Hirn wie Muskeln ...“
„Sag nicht, ich bin dumm!“, schrie ihn dieser wütend an.
Und wie üblich in solchen Situation, ging Eddi auch diesmal schnell dazwischen und versuchte seinen persönlichen Brüllgorilla zu bändigen. „Bronson! Lass dich doch nicht immer provozieren von ihm. Komm, lass es, das will er doch nur.“ Und zu Mark gewandt drohte er: „Und du solltest wirklich die Klappe halten. Irgendwann könnte ich mal die Kontrolle über ihn verlieren.“
„Klar Eddi“, erwiderte Mark gelangweilt, „aber solange du noch Geschäfte mit mir machen willst, solltest du schon auf deine Bulldogge achten.“ Dann ging er wankend zur Tür und verließ wortlos den Raum.
„Eine Schande!“, murmelte Eddi kopfschüttelnd vor sich hin. „Talent haben immer die Falschen.“
Am Ende des vermüllten Ganges, der zwischen zwei großen, eng zusammenstehenden und nicht besonders gepflegten Gebäuden lag, befand sich eine schwere Stahltür, die in eines der Gebäude führte. Und vor dieser Tür ging Jade nervös rauchend auf und ab. Den auf dem Boden liegenden Zigarettenkippen nach zu urteilen, musste sie schon eine ganze Weile dieser Beschäftigung nachgegangen sein. Als dann aber die Entriegelung der Stahltür zu hören war, hielt sie sofort inne und starrte gebannt dorthin. Die Tür öffnete sich langsam und Mark kam schwankend heraus. Sobald die Stahltür laut knallend hinter ihm wieder ins Schloss gefallen war, lehnte er sich leise stöhnend mit dem Rücken gegen sie.
Jade warf ihre Zigarette achtlos in die Ecke und lief zu Mark hinüber. „Heute siehst du schlimm aus.“
Mark nickt nur und ging nicht weiter darauf ein, was überhaupt nicht seiner Art entsprach. Normalerweise hätte er an dieser Stelle irgendeinen ironischen Spruch gemacht. Ein klares Zeichen dafür, dass es ihm richtig schlecht gehen musste. Jade holte schnell einen kleinen medizinischen Flexochip hervor und biss mit ihren Zähnen darauf. Mit einer Hand massierte sie ihm die Schläfe, mit der anderen riss sie die Schutzfolie des Flexochips ab, warf diese weg und nahm dann den Chip aus dem Mund und klebte ihn sogleich auf Marks Schläfe. „Okay, der Booster sollte gleich wirken.“
„Danke“, erwiderte Mark knapp.
Jade sah ihn nachdenklich an und beobachtete, wie er langsam und allmählich immer klarer wurde.
„Ich werde zu alt dafür“, sagte er leise.
„Blödsinn! Heftige Sessions gibt es immer wieder“, erwiderte Jade.
„Nein, es wird immer häufiger, und schlimmer. Geht an die Substanz.“
