Trinitron 7 - Jonathan James Rogers - E-Book

Trinitron 7 E-Book

Jonathan James Rogers

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Beschreibung

Im Jahre 2145 sterben alle Kolonialbewohner des Planeten Trinitron 7, bei einem Massaker von niemals zuvor erlebter Grausamkeit. Die ungeklärten Vorfälle veranlassen das imperiale Regiment dazu, den Planeten zu verbannen. Er solle von keinem Menschen jemals wieder betreten werden. Zwei Jahre später empfängt das Militär ein Signal, auf geheimer Frequenz, von Trinitron 7. Zum Handeln gezwungen, entsendet die Schaltzentrale der Macht eine Truppe von hochqualifizierten Elite-Soldaten, um die Herkunft zu ermitteln. Das Team, um den Waffenexperten Hartlock, die Nahkampf-Spezialistin Jessi und den Meisterstrategen Gil, stellt sich dem unerwarteten Grauen. Dabei gerät die Truppe in einen erbarmungslosen Kampf gegen Wesen von unglaublicher Brutalität, Verrat aus den eigenen Reihen, todbringende Fallen und den eigenen Verstand.

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Seitenzahl: 251

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Dieses Werk ist allen Menschen gewidmet, die mich auf meinem Weg, zu diesem Buch, begleitet haben.

Ein Weg der inspirativ, sehr lehrreich und fantastisch war. Ich danke allen für die Zeit, das offene Ohr und die motivierende Energie, die mir geholfen haben, dieses Buch entstehen zu lassen.

Mit den Worten des Philosophen Konfuzius:

"Der Weg ist das Ziel"

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Glyphen

Der Komplex

Erstkontakt

Flucht

Rettet unsere Seelen

Unvorhergesehene Konsequenzen

Alles auf Anfang

Tiefer ins Verderben

Schlagabtausch

Erkenntnisse

Psycho

Entscheidungen

Hoffnung

Tod von oben

Todesuhr

Horror

Maru

Veränderungen

Interessenskonflikte

Verrat!

Vorbereitungen

Vergangenheit

Maru-kins Schwester

Action/Reactio

Fragen und Antworten

Überleben des Stärkeren

Mastermind

Wissen

Rivalen

Freiheit

Epilog

Tara schwankte von Schmerzen geschüttelt durch den unterkühlten Gang einer neumodernen Forschungsanlage. Den rechten Arm blutig zerkratzt, die linke Hand an die Stirn gelegt. Fetzen ihrer Kleidung hingen lose an ihr herab. Die leicht militärische Ausrüstung zerschrammt und Blut verschmiert. Ihre Wahrnehmung glich einer Volltrunkenheit, als sie mit zittrigen Beinen durch die Dunkelheit des Komplexes irrte. Wann waren sie hier gelandet? Was war der Grund dafür? Sie konnte ihre Gedanken nicht ordnen, nichts ergab mehr Sinn. Blut lief an einer ihrer Schläfen entlang und tropfte am Ende ihres Gesichts auf den glänzend metallischen Boden. Gutturale Schreie und bizarre Geräusche hallten durch den Komplex und überschlugen sich zu einem Intermezzo des Schreckens. Sie vermischten sich mit Schlurfgeräuschen von vermeintlich toten Körpern, die über den Boden gezerrt wurden und brechenden Knochen. Hin und wieder vernahm man einen menschlichen Aufschrei, der in einem Gurgeln ertränkt wurde und erstarb. In Taras Gesicht stand das pure Entsetzen. Ihre Pupillen geweitet, pumpte der unwillige Körper weiteres Adrenalin in den Organismus, um ihn über seine natürlichen Grenzen hinaus zu pushen. Fight or Flight-Syndrom war der biologische Fach-Ausdruck dafür. Kämpfen war ziellos gewesen, als das Grauen diesen Kolonialplaneten heimsuchte, der im Jahre 2145, von der Menschheit, besiedelt wurde. Er wurde auf den Namen Trinitron 7 getauft, als einer von insgesamt acht Planeten die als Grundlage einer Forschungs- und Kolonialisierungsmission dienen sollten. Neuer Siedlungsgrund für die Menschheit sollte erschlossen werden. Als der langerwartete Durchbruch in der Energieerzeugung gelang, war es für die findige Menschheit ein Leichtes gewesen, die neugewonnenen Erkenntnisse auf anderen Gebieten einzusetzen. Rapide entwickelte sich das bekannte Leben in eine andere Richtung. Umweltsorgen waren nahezu vergessen, Energie zahlreich vorhanden und von einer Effizienz die es endlich ermöglichte die Raumfahrt zu revolutionieren. Unnötig zu erwähnen, dass auch das Militär seine Finger mit im Spiel hatte und an vorderster Front neue Methoden und Waffensysteme erprobte. Dem Erfindungsreichtum schienen keine Grenzen gesetzt. Die Zielsetzung den Mars zu besiedeln erschien im Nachhinein als kleinste Herausforderung, betrachtete man die Entwicklungen, die danach kamen. Raumschiffe wurden gebaut, deren Dimensionen und Geschwindigkeit im 21. Jahrhundert noch unvorstellbar gewesen war. Ganze Städte konnten in den Raumschiffen untergebracht werden und zig Tonnen an Transportgütern wurden mit überdimensional großen Giga-Transportern zwischen Planeten hin und her geschickt. Lediglich 100 Jahre hatte es gedauert, die Menschheit ihre bisherige Entwicklung vergessen zu lassen. Das neueste Projekt von Militär und Regierungen waren die Trinitron-Planeten. Klimatisch optimal, mit zahlreichen, seltenen Ressourcen versehen und in annehmbarer Entfernung zu den bestehenden Kolonien waren sie auserkoren, das nächste Prestigeprojekt der imperialen Führung zu werden. Alles lief nach Plan und die Entwicklung vollzog sich schneller als ursprünglich geplant. Bis aus unbekanntem Grund eines Tages auf Trinitron 7 das Grauen ausbrach und zahlreiche militärische Truppen zur Eindämmung und Beseitigung der vorherrschenden Probleme abgesetzt wurden.

»Ich muss hier raus… raus... sofort…«, keuchte Tara psychotisch, als sie den blechernen Gang entlang tastete. Ein blutiges Röcheln erklang aus einem der Seitengänge. Tara drehte benommen den Kopf. Ihre blonden langen Haare waren durchzogen von Blut und klebriger Biomasse. Sie zitterte. Plötzlich huschte ein Schatten an der Decke vorbei. Sie zog schwerfällig ihren Talanth-Blaster aus dem Halfter und feuerte ziellos Energiestrahlen durch den Gang, der in ein schummrig bläuliches Licht getaucht wurde, als die Energiepartikel ihre Bahnen zogen. Es folgte Stille. Lediglich ihren schweren keuchenden Atem konnte man vernehmen. Tara kauerte sich zitternd in eine der Ecken und umklammerte den Blaster mit beiden Händen und tippte mit ihm apathisch gegen ihre Stirn. Ihre Pupillen tanzten wild umher. Blankes Entsetzen schien eine verniedlichte Beschreibung für ihren Geisteszustand zu sein. Sie war Bestandteil einer Elite-Truppe, die ausgesendet wurde, um die sogenannten »Probleme« auf Trinitron 7 in den Griff zu bekommen. Doch mit dem, womit sie hier konfrontiert wurden, hatte niemand im Entferntesten gerechnet. »So eine gottverdammte Scheiße … wieso hab ich mich nur jemals für diese Mission gemeldet?«, wimmerte sie mit quietschender Stimme vor sich hin, beide Hände gegen den Kopf pressend und vor sich hin wippend. Ihre Stimme hallte leise in den Gängen nach und wurde dann irgendwann im Dunkel des Komplexes verschluckt.

Wieder ein Geräusch, weitere Schüsse hallten durch die Gänge und erzeugten zischende Entladungen. Nach Minuten der Regungslosigkeit bewegte Tara ihren Kopf vorsichtig hinter der Ecke hervor und erstarrte vor Schreck. Der Schrei verließ ihre Kehle nicht mehr, als sie von den Krallen einer surreal anmutenden Bestie zerrissen wurde. Der Blaster glitt auf den Boden und schrammte die metallisch glatte Fläche entlang. Teile von ihrem Hals und Gesicht fehlten. Als wäre das Gehirn noch damit beschäftigt die Energieimpulse auszuwerten zuckten Taras Pupillen umher. Dann sackte der leblose Torso zur Seite und fiel schmatzend zu Boden, in eine Lache aus Blut und Gedärmen. Bestialische Schreie echoten in hohen Tonlagen durch den Gang, als sich undefinierbare Wesen über die Leiche hermachten und sie zu maulgerechten Stücken zerfetzten.

Die Militär-Mission der Klasse S mit dem Codenamen »Antike Tiefen« war gescheitert. Alle 27 Elite-Soldaten, ihr Commander und fünf hochrangige Wissenschaftler waren an diesem Tag gestorben. Trinitron 7 hatte sich nicht nur ihre Seelen, sondern auch ihre Körper geholt. Die Überreste des Trupps würden niemals gefunden werden.

Jahr 2147, 0730 militärischer Raumzeit im Umkreis eines Ruinenkomplexes von Trinitron 7.

»Wir haben hier etwas gefunden. Der Scanner dreht durch, als wäre er auf Steroiden«, rauschte es mechanisch durch den Intercom. »Wir haben hier einen Energieausschlag, der abseits jeglicher Skala ist.« Der Soldat betrachtete den knapp 10 Meter hohen Eingangsbereich des Komplexes durch die Augen seines verstärkten Exoskeletts. »Infrarotscan. Toxicscan. Phasenscan.«, forderte Hartlock die künstliche Intelligenz seines vollautomatischen Kampfanzugs an und erwartete das Ergebnis in Form von DIANE. DIANE war unter Soldaten der Spitzname der autonomen künstlichen Diagnose- und Analyse-Einheit, die sich mit weiblich anmutender Computerstimme, nach wenigen Sekunden, zu Wort meldete:

>> Infrarotscan… negativ. Keine bekannten Lebensformen entdeckt.

>> Toxisscan… negativ. Keine bekannten, gefährlichen Toxine wurden auf dem Boden und in der Luft gefunden.

>> Phasenscan… negativ. Keine elektrostatischen Störeinflüsse konnten ermittelt werden.

»Klingt verdammt langweilig, Sir. Hier unten ist absolut gar nichts«, brummte Hartlock durch das Intercom. »Den Trip hätten wir uns, meiner Meinung nach, sparen können.« ließ er folgen und streckte die Hand in Richtung einiger Glyphen an der Fronttür aus.

»Die Meinung interessiert das Militär aber herzlich wenig! Und behalte das nächste Mal deine neunmalkluge Meinung für dich, sonst setzt dich das Oberkommando direkt auf Trinitron 5 ab und lässt dich die lokalen Wüsten mit einem Kamm intensiv reinigen«, krachte es durch die integrierten Lautsprecher des Exoskeletts. Sofort fummelte Hartlock an ein paar Knöpfen an der Kopfseite des Anzugs herum und regelte die Lautstärke runter.

»Nur die Ruhe, Gil. Ich bin mir sicher, dass das Militär Besseres zu tun hat, als eine Handvoll ihrer wertvollen Spielzeugsoldaten auszusetzen. Es ist nur so, dass DIANE absolut nichts zurückliefert und ich mich langsam frage, was wir hier überhaupt antreffen sollten?«, sprach Hartlock laut und deutlich aus. Er machte eine genervte Geste mit seinen Händen in Richtung seiner Kollegen, die das Gelände mit weiteren Scans absuchten und mindestens genauso ratlos waren wie er, was sie hier eigentlich sollten. Sie bildeten eine Einsatztruppe von knapp 30 Personen, bestehend aus Männern und Frauen, die allesamt hochrangige Elite-Soldaten waren und durch vergangene Missionen genügend Erfahrung und Prestige gesammelt hatten, um sich für diesen Einsatz zu qualifizieren. Alle Elite-Soldaten entstammten einer hochspezialisierten Gruppe von Personen die eine Ausbildung in diversen Nahkampfarten, vollständig unterschiedlichen Schusswaffentypen, einem naturwissenschaftlichen Bereich und einem weiteren Spezialisierungsbereich ausgebildet waren. Lediglich 0.1 Prozent aller Militäranwärter, die jährlich den Dienst der diversen Raum- und Landungsmissionen beitraten, konnten sich für diesen Rang qualifizieren. Der Job war eine Ehre, ein Privileg und hoch bezahlt. Das lag natürlich nicht nur an der exzellenten Ausbildung der Kandidaten, sondern auch an der extrem hohen Mortalitätsrate solcher Missionen. Wer sich für diesen Job ausbilden und verpflichten ließ, war nicht nur hochgradig besessen von dem was er tat, er war auch schlichtweg ein Freak, mit dem einzigen Ziel sich zu verewigen. Um den Wettbewerb zwischen den zahllosen Rekruten anzuheizen, führte das Militär eine imperial übergreifende Rangliste ein. »Die Liste«, wie sie umgangssprachlich unter den Soldaten genannt wurde, registrierte alle erfolgreich abgeschlossenen Elite-Einsätze eines jeden Rekruten mit dem jeweils hinterlegten Einsatznamen, einem Pseudonym. Für jeden Einsatz gab es eine festgelegte Anzahl an Punkten, die man bei erfolgreichem Abschluss für sich verbuchen konnte. Der Rang in der Liste war außerdem ein Maß für den Sold, die Privilegien und die möglichen Einsatzziele kommender Missionen. Mit diesem strategischen Schachzug konnte das Militär nicht nur gezielt nach geeigneten Einsatzteams suchen, sondern förderte auch die Entwicklung von Militärfanatikern, denen der Wettstreit in der Liste wichtiger war als ein geordnetes Leben. Das Militär war ihr Leben und sie erwarteten kein Respekt für das was sie taten, denn sie taten es für den inneren Drang die Besten in dem zu sein, was sie taten. Niemand kannte sich hier wirklich auf persönlicher Ebene oder mit richtigem Namen. Keiner wusste, von welchem Planeten der andere kam und wie er für diese Mission ausgewählt wurde und nur in den seltensten Fällen traf man Soldaten auf anderen Einsätzen wieder. Dies bildete die klar vorgeschriebenen Leitlinien des militärischen Hauptquartiers. Das Ziel dieser Vorgehensweise war es, den Wettbewerb hochzuhalten, das autarke Handeln der einzelnen Persönlichkeiten zu fördern und ein möglichst geringes Gesamtwissen über die militärischen und kolonialen Pläne über den Führungsstab hinaus zu verbreiten. Darüber hinaus konnte man so auch deutlich einfacher mit Verlusten umgehen und die Auslöschung ganzer Teams rechtfertigen. Es interessierte schlichtweg niemanden. Eine zu wider Handlung gegenüber den festgelegten Regularien führte zu sofortiger Exekution nach Einsatzabschluss, falls derjenige dann überhaupt noch am Leben war, sowie die Löschung aller aufgezeichneten Einträge in der Liste und die Enteignung aller erwirtschafteten Wertdepots an das Militär selbst. Wer sich jedoch an diese Regeln hielt und gut genug war, die Missionen zu überleben, genoss ein Leben im Überfluss. Experimentelle Waffensysteme, finanzielle Privilegien, Besitztum und sogar Rechte über die imperiale Gesetzgebung hinaus waren keine Seltenheit.

Doch selbst unter diesen Elite-Truppen gab es noch Abstufungen. Hartlock war eine von drei Personen, die die mögliche Leitung solcher Missionen innehatten. »Dieser Planet is doch der letzte Scheiß. Hier läuft absolut gar nichts. Ich will mein Bierchen und ein paar Leichen wären auch mal wieder klasse!«, hallte es durch den Intercom, als Jessica zu einem Fünf-Meter-Sprung von einer der Klippen ansetzte und neben Hartlock auf dem Boden aufschlug. Die hochkomplexe Ausrüstung dämpfte den Aufprall perfekt ab. Der Boden verformte sich an dem Platz, an dem sie aufgeschlagen war und einige Steine wurden durch den Druck schlicht pulverisiert. Die militärische Ausrüstung war nicht nur äußerst komfortabel, sie war auch optimiert auf das Überleben und Kampfhandlungen. Schließlich wollte das Militär seine teuren Investitionen schützen. Nun, zumindest in überschaubarem Ausmaß. Über die Jahre hinweg wurden die Systeme über künstliche Intelligenzen vernetzt und mit einer Vielzahl an elektronischem Schnickschnack versehen. Mittlerweile waren die Anzüge auf dem Niveau militärischer Supercomputer.

Ein nicht sichtbares Grinsen machte sich auf Hartlocks Lippen breit, als sie neben ihm aufschlug. »Hi Schätzchen, ich dachte, du wärst schon wieder verloren gegangen«, stichelte er und zog seine Hand kurz vor den Glyphen an der Eingangstür weg. Es war eine Anspielung auf einen früheren Einsatz, bei dem Jessica ein wenig abhandengekommen war und sich durch eine Meute widerlicher Aliens kämpfen musste. Tatsächlich war dies einer dieser seltenen Zufälle gewesen, in denen man bereits einen seiner Kameraden von vorigen Einsätzen kannte. Bereits vor einigen Monaten waren sich Hartlock und Jessica auf einer Evakuierungsmission begegnet und konnten erfolgreich heimkehren. Zwar war die Menschheit bisher nicht auf intelligentes Leben im Sinne von menschlichen Zivilisationen getroffen, dennoch trafen die Soldaten immer wieder auf merkwürdige Lebewesen, die ihnen auf Einsätzen das Leben zur Hölle machten. Auf eben dieser Mission war die Soldatin irgendwann verschollen gewesen, bis ein anderer Trupp sie Tage später in einem Gebäude fand, mit einem Bier in der Hand inmitten von einem Stapel Leichen. Angeblich konnte man nicht mehr genau feststellen, wie viele sie genau umbrachte, aber Gerüchten zufolge soll sie mehr als hundert dieser Biester abgeschlachtet haben, erinnerte er sich. »Ach, halt´s Maul Hartlock und sag mir lieber, was jetzt abgeht. Ich bin diesen trostlosen Klumpen absolut leid und mein Bier ist auch fast alle.« Wider alle Regularien über Drogen und Rauschmittel, auf Missionen hatte Jessica es immer wieder geschafft Alkohol an Bord zu schmuggeln, so auch dieses Mal. Die Soldatin war jung, aufmüpfig, wurde von den meisten nur „Jessi“ genannt und war eine der besten Soldaten, die der Waffenexperte seit langem zu Gesicht bekommen hatte. Bei einem Waffentraining an Bord ihres Raumkreuzers hatte er sie in Aktion gesehen und direkt wieder erkannt. Jessi hatte sich nicht nur mit konventionellen Schusswaffen, sondern auch Martial Arts und experimentellen Waffensystemen beschäftigt. Darüber hinaus bot der Rotschopf auch einen recht attraktiven Anblick, sofern er nicht hinter dem Anzug versteckt war.

»Reißt euch zusammen verdammt!«, ertönte die tiefbrummende Stimme von Gil im Intercom. »Wir müssen in diesen Komplex reinkommen, egal wie. Und wir werden hier nicht dafür bezahlt, große Reden zu schwingen.« Der 2.10 Meter große Hüne kam zu den beiden herangestapft und setzte dann erneut an: »Wir werden einen Weg suchen, um in diesen Komplex zu kommen und synchronisieren uns dann wieder. Ich will von diesem Steinklumpen so schnell wie möglich wieder runter.«

»Okay, Leute. Lasst hier noch einmal alles an Scans drüber laufen was wir aufzubieten haben.«, er deutete jeweils auf Zweier- und Dreier-Gruppen und delegierte sie zu den entsprechenden Vermessungspunkten. »Und gebt mir einen dreidimensionalen Tiefenscan, ich will wissen, wie das Ding von innen aussieht.«

»Kannste knicken. Da kommt rein gar nichts durch«, erwiderte Jessi und baute sich vor Gil auf. Die 1.60 Meter kleine Elitesoldatin mit dem üppigen Vorbau, der von der enganliegenden Suite äußerst vorteilhaft unterstrichen wurde, bildete einen krassen Gegensatz zu dem Riesen. Für Gil hatte sie jedoch teilweise ein wenig zu sehr die Manieren eines tollwütigen Tieres, das auf Koks zum Spielen geschickt worden war. Dennoch schien sie zuverlässig zu sein. Zumindest war das eine der wenigen Informationen, die er aus den offiziellen Dossiers entnehmen konnte.

»Kein 3D-Scan?«, Gil machte eine nachdenkliche Handbewegung. »Ich dachte, wir hatten hier keine elektrostatischen Auffälligkeiten? Mach den Scan nochmal. In fünf Minuten erwarte ich deinen Bericht. Und ja du musst wirklich … mit viel Puderzucker oben drauf«, fügte er hinzu, als Jessi schon den Mund zu einer Erwiderung geöffnet hatte. Auch Gil war im oberen Teil der Liste angesiedelt und erhielt dadurch privilegierte Befugnisse auf Mission. Jedoch versuchte sich keiner, als Anführer, aufzuspielen. Das Team entschied durch natürliche Selektion und Eignung innerhalb der Liste, wer die Führung übernahm. Eine Vorgehensweise, die sich über die letzten Jahre, innerhalb der militärischen Riege, mehr und mehr durchgesetzt hatte.

Trinitron 7 war ein relativ kleiner Planet mit überdurchschnittlich hohen Mineralvorkommen. Er war deshalb im Rahmen der Trinitron-Besiedlung ausgesucht und vor einigen Jahren besiedelt worden. Nachdem alle Anstrengungen zum Terraforming, erfolglos abgebrochen wurden, einigte man sich darauf die generelle Besiedlung zu beenden und sich auf die mineralische Erschließung zu konzentrieren. Das Ganze funktionierte eine ganze Weile gut, bis vor zwei Jahren der komplette Planet ausgelöscht wurde. Man wurde auf die Vorfälle erst aufmerksam als die halbjährlichen Rechnungen nicht bezahlt und die Rohstofflieferungen der interstellaren Gigatransporter ausblieben. Danach wurden Truppen entsandt und kamen mit Bildern des Schreckens wieder zurück. Die gesamte arbeitende Bevölkerung war niedergemetzelt und ein Großteil der Raffinerieeinrichtungen zerstört worden. Von den ehemals zirka 1.2 Millionen Einwohnern konnten lediglich 152.324 bestattet werden, der Rest wurde nie gefunden oder man konnte schlichtweg die Einzelteile nicht mehr zusammensetzen.

Man entschied sich dafür, Trinitron 7 nicht wieder zu besiedeln oder anderweitig nutzbar zu machen und verhängte ein Sperrvermerk innerhalb der gesamten Sternenflotte. Der Sperrvermerk stellte sicher, dass sich keine Person dem Orbit des Planeten, oder dem Planeten selbst, näherte. Bis sich vor fünf Tagen alles änderte. Eine der zahlreichen alten Förderanlagen für Talanth entsendete wie aus dem Nichts ein Signal auf allen interstellaren Notsequenzen, so nahm man zumindest an. Abseits von den morseartigen Signalen konnte keinerlei Datenverbindung aufgebaut werden und so entschloss man sich dazu die Elite-Soldaten, auf den Planeten, zu entsenden. Was sie vorfanden, war jedoch keine der Talanth-Förderanlagen und auch keine der bisher bekannten technologischen Einrichtungen auf militärischem Sektor.

»Sir. Wir haben hier etwas. Diese seltsamen Glyphen strahlen irgendeine Art von Wellen aus. Sie sind scheinbar an strategischen Positionen, um den Komplex herum, eingebettet. Vermutlich ist das auch der Grund dafür, dass der 3D Scan keine Daten liefert«, murmelte einer der Spezialisten durch den Intercom.

»Lasst mich nur machen. Ich bring uns da schon rein«, setzte sich Jessi in Szene und kramte in ihrem Rückentank herum, einer Art von Halterung, die an den Suites befestigt war und Stauraum für eine Vielzahl an Gegenständen bot. Durch die Konzeption der Suites war es so möglich mehrere Kilo an Ausrüstung herumzutragen, ohne sich körperlichen Strapazen auszusetzen. Die Tanks waren dabei so optimiert, dass bestimmte Elemente optimal untergebracht werden konnten. Je nach Bedarf konnten jedoch auch einzelne Kammern verändert werden. »Wir machen dem Ding ein bisschen Feuer unterm Arsch, dann klappt das!«, tönte sie und platzierte einige EMP-Minibomben am Eingangsbereich. Diese Bomben würden nach einer Initialzündung eine Energiewelle durch das Gebiet schicken und dabei elektrische Gerätschaften vollkommen ausschalten.

»Alle Mann zurückziehen. Ich will hier einen 250 Meter großen Sperr-Radius, um den Komplex, in dem sich keiner mehr aufhält«, machte Hartlock eine kreiselnde Bewegung mit der Hand. Der Trupp entfernte sich auf einige Hügelkuppen rund um den Komplex und aktivierte die Fernsichtmechanismen der Suites. Wenige Minuten später war auch Jessi zu den Anderen gestoßen und tippte mit einem breiten Grinsen einige Codezeilen auf ihrem Multifunktionscomputer ein, der auf der Innenseite ihres Handschuhs eingelassen war.

>> Bitte Sicherheitscodes eingeben:

blinkte es auf dem Mini-Bildschirm. Die Waffenexpertin blickte Hartlock und Gil an. Nach einigen unschönen »Zwischenfällen« hielt es das Militär für sinnvoll, für gewisse Explosionstypen, geteilte Sicherheitscodes einzuführen, um Waffenkaliber größeren Ausmaßes zu entsichern. Aus diesem Grund war es notwendig, dass der zuständige Verantwortliche und die höheren Einsatzkräfte gemeinsam die Codes bereitstellten. In diesem Fall hatte man sich darauf geeinigt, dass die beiden strategischen Experten die fehlenden Codes lieferten.

»589«, sprach Hartlock, nachdem er seinen eigenen Computer mit einigen Tastendrucken beschäftigt hatte.

»398«, fügte Gil hinzu.

Jessi ergänzte den Code, um die von ihr selbst festgelegten Parameter.

>> Sicherheitscode 589-398-1337 bestätigt, wiederholte die Stimme der künstlichen Intelligenz den Zahlencode.

>> EMP, Kaliber 1-35 entsichert.

»Und los geht´s. Haben alle ihre Eier in der Hand? Gleich wird richtig schön was weggeblasen!«, prahlte die Soldatin zügellos in die Runde und bekam über Handzeichen die Bestätigung zur Zündung der Salven. Der Trupp hatte sich bereits damit abgefunden, dass bei Jessi nicht viel Zurückhaltung zu erwarten war. Einige amüsierte Wortlaute waren ebenfalls über den Intercom zu vernehmen. Dann kehrte Ruhe ein und alle konzentrierten sich auf den Vorgang.

>> Detonationen werden ausgeführt.

>> Signal akzeptiert. 5 …4 … 3 … 2 … 1 …

tickte die Uhr auf ihrer Anzeige runter, als sie mit einem Grinsen auf dem Gesicht eine salutierende Haltung einnahm. Kurze Zeit später fiel das Intercom aus, als die Druckwellen durch das Terrain waberten. Kein Problem für die Hochleistungsanzüge, die in gewissem Umfang sogar nuklearen Beschuss aushalten konnten. Als sich die Staubwelle der Initialzündung gelegt hatte, aktivierte Gil den Entfernungsscan seines Anzugs. »3D-Scan durchführen. Tiefenscan durchführen. Statusber …«, er brachte den Befehl den er an DIANE absetzen wollte nicht mehr zu Ende, als ein Erdbeben die Szenerie erschütterte und ein Lichtblitz aus dem Komplex geschossen kam.

»Was zur Hölle!«, fluchte Jessi. Hastig justierte das Team an seiner Ausrüstung, um Schilde, mögliche Waffensysteme und Thermofilter zu aktivieren«, zu spät! Gil konnte noch erkennen, wie die Glyphen im Eingangsbereich zu leuchten begannen. Auch Hartlock war das Leuchten aufgefallen und er schrie im klaren Befehlston: »Schilde aktivieren! Sofort!« Auf mittlerer Höhe schien sich eine Art Energie zu formieren, die von den zahlreichen Glyphen an der Außenseite heraufgestiegen war. Im nächsten Augenblick zuckte ein Lichtblitz über das Areal und traf die Truppe vollkommen unvorbereitet. Die Mannschaft wurde geradezu in alle Himmelsrichtungen davon geblasen und landete über mehrere Meter verteilt auf dem Boden. Einige der Teammitglieder rollten unkontrolliert über den felsigen Untergrund und versuchten Halt zu fassen. Etliche knallten mit voller Wucht rücklings auf den Boden. Das waren diejenigen, die es geschafft hatten ihre Schilde und Thermofilter rechtzeitig zu aktivieren.

Mit einem Pfeifen auf den Ohren wand sich Hartlock krümmend auf dem Boden und versuchte die Situation zu begreifen. Er hatte die Druckwelle frontal abbekommen und spürte einen unangenehmen Druck auf der Brust. Jessi hatte es auf Grund ihres geringen Eigengewichts mehrfach über den Boden gefegt. Sie war mit kaum sichtbaren Blessuren an ihrem Anzug davongekommen und fluchte lauthals durch das Intercom. Gil hatte sich rechtzeitig in Verteidigungshaltung gebracht und kam vergleichsweise glimpflich davon. Die Druckwelle hatte ihn einen halben Meter in den Untergrund gedrückt. Als er sich umschaute, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Einige seiner Kollegen würden die Liste definitiv nicht mehr hinaufklettern. Zwei von ihnen wurden einfach in der Hälfte auseinandergerissen. Die Gliedmaßen entweder nicht mehr vorhanden oder verstümmelt und über mehrere Meter auf dem Boden verteilt. Die Blutspritzer wären für jeden medizinischen Blutspritzanalytiker sicherlich eine Augenweide gewesen … und verdammt viel Arbeit. Aus den zerquetschten Anzügen tropfte nur noch eine fleischige Biomasse. Fünf weitere schrien vor Schmerzen, als sich Teile der überlasteten Elektronik mit ihrem Körper verschmolzen. Man stelle sich vor in einem Ganzkörperanzug aus billigstem Polyacryl rumzulaufen, den man mit etwas zu viel Benzin übergießt und dann anzündet. Der Effekt konnte dem sich ihm darbietenden Anblick verdammt nahekommen. Er hörte Würgelaute über den Intercom und dann wirre Stimmen der Überlebenden.

»Ruhig bleiben Leute! Keine unnötige Kommunikation über den Intercom!«, forderte Gil mit einer noch etwas benommenen Stimme. »Jessi, Hartlock… ich will einen Status sofort!«, fügte er vehement hinzu und richtete sich auf. »Sofort«, antworteten die Beiden professionell, hackten auf ihren Computern herum und liefen die einzelnen Körper ihrer Kollegen ab.

»Bio-Scan negativ. Thermo-Scan negativ. Zwei Tote”, kam von Jessica Notiz. »Phasen-Scan negativ. Insgesamt fünf Tote«, ergänzte Hartlock. »Ich bin mir nicht sicher, was uns da getroffen hat, aber DIANE scheint nicht in der Lage zu sein irgendwelche Überbleibsel davon festzustellen«.

»Wir sind seit 10 Stunden auf diesem gottlosen Planeten und haben bereits einen Teil unserer Einheit verloren. Großartig!«, erlaubte sich Gil einen kleinen Schnitzer in seiner sonst komplett unbeeindruckten und hochprofessionellen Art. »Hauptquartier, bitte melden. Wir haben hier einen Code Red. Ich wiederhole, wir haben hier einen Code Red. Massive Verluste. Bitte um Evakuierung.«

Stille.

»Ich wiederhole: Wir haben einen Code Red. Mission Trinitron Seven. Bitte kommen!«, wiederholte er klar und deutlich. »Wir benötigen dringend einen Evac für die Verletzten.«

Stille.

»Das is verdammt ungünstig, dass keiner antwortet. Ich hatte hier eigentlich nicht Lust auf Camping«, strapazierte Jessi die Situation einmal mehr mit ihrer vorlauten Art.

Gil versuchte es erneut, wieder ohne Erfolg. »Okay Leute, das wird ein wenig haarig, aber dafür sind wir schließlich hier. Packt alles zusammen, was brauchbar ist, lasst alles andere zurück«, sagte er emotionslos. »Ich will wissen, was in diesem verdammten Felshaufen ist, und zwar jetzt!«, deutete er mit dem gepanzerten Handschuh auf den Ruinenkomplex.

Die Überlebenden verarzteten sich, soweit möglich, selbst und nahmen ihren glücklosen Kollegen die nötigsten Ausrüstungsgegenstände ab und verstauten sie in ihrem Gepäck. Unnötige Emotionen waren ihnen bereits vor langer Zeit abtrainiert worden. Alle der hier Anwesenden hatten vermutlich gut eine Hand voll Spezialaufträge absolviert, so genau wusste das niemand, da das Hauptquartier eine rigorose Kommunikationssperre zwischen den einzelnen Mitgliedern der verschiedenen Teams auferlegt hatte. Darüber hinaus waren die meisten von ihnen sowieso nicht sonderlich daran interessiert Freundschaften zu schließen. Es ging um Arbeit, es ging um Kampf und darum, zu überleben. Sie mussten funktionieren, persönliche Belange waren dabei zu vernachlässigen. Außerdem wollten sie in der Liste aufsteigen und den damit verbundenen Luxus auskosten.

Jetzt waren sie also wieder da, wo alles angefangen hatte, am Eingangsbereich des Komplexes, abgesehen davon, dass ihr Team um einige Mitglieder geschrumpft war, sie den Kontakt zu ihrem Hauptquartier verloren hatten und vermutlich ein Teil der Anzüge Schäden genommen hatte. Etwas schien sich jedoch verändert zu haben, denn die zuvor versiegelte Tür war nun geöffnet. Was auch immer sie ausgelöst hatten, sie waren ihrem Ziel zumindest ein Stück näher gekommen.

»Für diesen prozentualen Verlustanteil eigentlich gar nich übel!«, sagte Jessi in trockenem Unterton und betrachtete die meterhohen Wände. »Bewaffnen, sofort! Wenn wir da reingehen, will ich alle 50 Schritte einen Signalgeber sehen. Keinen Intercomverkehr. Fünf Minuten Zeit und dann Treffen wir uns wieder hier«, delegierte Gil. »Lasst uns gleich große Trupps bilden. Das geht sich ja jetzt gut auf«, kommentierte er die vorangegangene Bemerkung sarkastisch. Dann setzten sie sich in Bewegung und marschierten mit gezogener Bewaffnung durch die Pforte des Komplexes.

Das Team stürmte den Komplex in voller Konzentration. Die Anzüge verfügten über Infrarot- und Schallsupport, die die Soldaten mit allem versorgten, was sie über ihre Umgebung wissen mussten. Die passiven Scanner der Anzüge selbst hatten zusätzlich Luft- und Umgebungssättigungen im Auge, um lebensbedrohliche Einflüsse frühzeitig erkennen zu können. Dazu zählten toxische und biologische Verunreinigungen genauso wie die frühzeitige Erkennung fremdartiger DNA-Spuren in der Luft. Alle 50 Schritte aktivierten die Teams einen Befehlsmechanismus über ihre Anzüge, die sogenannten Signalgeber. Wenige Minuten später waren alle wieder im Eingangsbereich angekommen. Nur Jessica war irgendwo abhandengekommen. »Wo ist Jessi verdammt nochmal?«, wummerte Gils Stimme durch den Intercom. Mit kollektivem Schulterzucken entgegneten die Teams der Anfrage ihres Kommandanten. »Schon da, schon da, bleib locker«, rauschte es durch den Intercom, als die Waffenexpertin hinter ihm in den Eingangsbereich trat und Gil etwas zuwarf. Galant fing er das scheinbar mechanische Gerät mit einer Hand auf und betrachtete es. Es musste sich um eine Art von Videoeinheit handeln, allerdings einer ihr nicht bekannten Konstruktion. »Woher...?«, setze er fragend an. »Lag in einer Ecke rum. Dachte, es könnte vielleicht brauchbar sein«, erwiderte Jessi. Gil gab das Gerät an einen der übrigen Spezialisten weiter. »Wir müssen wissen, was da drauf ist. Am besten gestern.« Nickend machte sich der Elektronik-Experte ans Werk und zerlegte das Gerät fachmännisch.

Tatsächlich handelte es sich um eine Art Aufnahmegerät. Doch auch der Spezialist war sich nicht sicher, auf welche Fabrikation das Gerät zurückzuführen war. Kurze Zeit später bekamen alle eine digitalen Liveübertragung in ihre Helmanzeigen geschickt. Zu sehen war eine Art Gang, aus der Sicht einer vermutlich weiblichen Person mit einer veralteten Version eines Talanth-Blasters. »Nicht gerade modernste Gerätschaft«, kommentierte Hartlock das Video. »Das ist doch eine 57er, die gibt’s schon ewig nich mehr«, warf Jessica ein. »Ihr wisst ja vermutlich alle, dass auf diesem Planeten vor einigen Jahren ungeklärte Todesfälle aufgetreten sind … vermutlich ist das hier ein Überbleibsel aus dieser Zeit«, hatte Gil analysiert. »Einige ungeklärte Todesfälle. Klingt ja fast niedlich für ne Million abgeschlachteter Leute«, patzte Jessi verbal. »Ich dachte, man weiß nicht genau, was hier passiert ist?«, hinterfragte einer der Übrigen die Geschehnisse. Zu diesem Zeitpunkt sah man das verzerrte Bild einer Kreatur auf dem Stream, gefolgt von einer Pranke, die größer war als ein menschlicher Schädel. Danach endete die Übertragung abrupt. »Heilige Scheiße, was war das?«, fragte einer aus der Truppe. »Keine Ahnung, um ehrlich zu sein, aber die sind offenbar nicht zum Kuscheln hier. Aktiviert die Signalgeber und startet den 3D-Scan, leitet das Ganze dann in eine holografische Darstellung um!«, spornte Gil das Team an und die Mitglieder agierten umgehend. Die Signalgeber waren kleine Energieladungen, die mit einer speziellen Nanolegierung angereichert waren. Wurden die Signalgeber aktiviert, so entzogen sie über chemische Vorgänge einen Minimalstrom aus der Umgebung und die Teilchen lagerten sich an ihrer Umgebung ab. Das Ergebnis war eine nahezu perfekte dreidimensionale Abbildung ihrer näheren Umgebung. Die Daten wurden dann über die Co-Prozessoren der Hochleistungsanzüge aufgearbeitet und über Mini-Projektoren zusammengefügt. Das Ergebnis war eine detailreiche Projektion des abgelaufenen Bereiches.

»Okay. Wir haben es hier scheinbar mit mehreren Stockwerken zu tun. Meterhohe Wände, allerdings nicht immer gleich. Seltsam. Abgesehen davon scheint es Unterbrechungen zu geben«, interpretierte der Stratege die holografische Darstellung. »Vielleicht Türen, oder wieder so n Glyphen-Explosions-Scheiß wie vorher«, fügte Jessica hinzu. Die Soldaten schauten sich skeptisch an und fixierten dann wieder die Projektion. »Ich denke, wir haben hier mindestens zwei Hauptebenen. Hartlock, ich schlage vor, dass du einen Trupp übernimmst«, Gil deutete reih um auf die Kandidaten: »Begebt euch in den Westflügel des Konstrukts. Ich selbst, werde zusammen mit Jessi und den Übrigen in den Ostflügel gehen. Einer bleibt hier und versucht weiterhin das Hauptquartier zu erreichen«, beendete Gil seine Befehlskette. »Ich denke, ein Waffen Check-up wäre sinnvoll, bevor wir weitergehen. Wer weiß, auf welche Überraschungen wir hier noch treffen«.

Jeder der Soldaten war mit einem 95er Talanth-Blaster ausgestattet. Die Zahl stand für den Wirkungsgrad des Talanthkerns, der als primäre Energiequelle diente. Die Gewalt dieser Multifunktionskerne reichte dosiert für etliche tausend Schüsse. Man konnte sie je nach Sonderfabrikat jedoch auch zu einem Strahl bündeln. Einige findige Elite-Soldaten benutzten diese Kerne im Notfall auch als Ersatz für einen improvisierten Sprengsatz, indem sie die Kerne mehrerer Waffen synchronisierten und mutwillig überluden. Das Ergebnis war eine nicht zu unterschätzende Explosion mit massiver Druckwelle und geringfügigem EMP Potenzial. Die Waffen selbst waren danach jedoch nur noch teurer Elektroschrott. Neben dem Blaster standen Teams, bestehend aus Elite-Soldaten, eine individuelle Auswahl an Waffen zu Verfügung, darunter Thermolanzen, vergleichbar mit einer Art von Hochleistungsflammenwerfer, EMP Granaten,