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Dean Winston hat schon eine Menge durchgemacht in seinem Leben. Dem Rauswurf aus seinem Elternhaus folgt eine Beziehung zu einem Mann, der ihn sich gefügig macht, ihn ausnutzt und am Ende sogar körperlicher Gewalt aussetzt. Dean zieht sich vollkommen zurück, lebt nur noch für seine Arbeit. Als er diese verliert, zieht es ihm erneut den Boden unter den Füßen weg. In dieser Situation lernt er Jim Churchill kennen und lieben. Doch Jim verbirgt einige wichtige Details vor ihm - und letztendlich steht Dean wieder vor einem Scherbenhaufen. Schafft Jim es, Deans Vertrauen zurückzugewinnen?
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Seitenzahl: 605
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Barbara Corsten
© dead soft verlag, Mettingen 2015
http://www.deadsoft.de
© the author
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com/
Bildrechte:
© Giulio Meinardi – fotolia.com
© theartofphoto – fotolia.com
Lektorat: Marcel Weyers
1. Auflage
ISBN 978-3-945934-55-5
ISBN 978-3-945934-56-2 (epub)
Freitagabend.
Dean fluchte leise vor sich hin. Verdammt, warum hatte er sich von Nat überreden lassen, hierher zu kommen?
Nach der letzten Woche war seine Laune alles andere als gesellschaftstauglich, und jetzt war Nat auch noch mit diesem Typen abgezogen und hatte ihn hier allein sitzen lassen.
Deans Entschluss stand fest: Er würde sein Bier noch in Ruhe austrinken und dann nach Hause gehen.
Zugegeben, er war nicht ganz unschuldig daran, dass Nat lieber mit dem blonden Schnuckelchen weiter gezogen war, als sich seiner immer noch schlechten Laune auszusetzen.
Aber dass er ihn einfach hier allein ließ, war schon ein starkes Stück.
Für einen kurzen Moment schloss Dean die Augen, ließ die vergangene Woche Revue passieren …
Verdammter Job!
Nein, nicht sein Job, der war okay … sein Chef war ein Arschloch.
Er hatte die aalglatte Stimme immer noch im Ohr, sah das aufgesetzte Lächeln seines Chefs. Dieses eklig schleimige Grinsen, das nur den Mund in die Breite zog, doch die Augen nicht erreichte, als er dessen Büro betreten hatte.
„Ah, Mister Winston! Setzen Sie sich doch bitte. Gleich habe ich Zeit für Sie!“
Dean dachte sich nichts Böses, während sein Chef, Baxter Clare, in den Papieren auf seinem Schreibtisch herumwühlte.
Innerlich hatte er damals noch gegrinst, sich überlegt, dass er bestimmt eine Abmahnung riskieren würde, sollte sein eigener Schreibtisch jemals so aussehen wie der seines Vorgesetzten.
Dean war auf das Kommende in keiner Weise vorbereitet, als Clare plötzlich zu ihm aufsah, mit einem Blatt in seiner Hand herumwedelte und das glatte Grinsen aus seinem Gesicht wischte wie Kreide von einer Tafel. Sein eiskalter, berechnender Blick strafte seine Worte Lüge, als er sagte:
„Es tut mir leid, Ihnen diese traurige Mitteilung überbringen zu müssen, doch wir können Ihren Arbeitsvertrag leider nicht verlängern. Im Gegenteil, wir sind gezwungen, Ihnen zu kündigen!“
Selbst jetzt nach einer Woche fühlte es sich für Dean noch immer so an, als würde ihm jemand einen Kübel kalten Wassers überschütten.
Er seufzte. Es hatte keinen Zweck zu grübeln. Er musste schnellstmöglich einen neuen Job finden. Dean war gut in dem, was er tat. Das wusste er, egal welche fadenscheinigen Gründe dieser Clare angeführt hatte.
Die Branche bezahlte gut, gerade hier am Big Apple, doch leider war sie auch sehr klein. Der dunkelblonde Mann mit den grünen Augen hatte keine Ahnung, wie es ihm gelingen sollte, dort wieder Fuß zu fassen, wenn sein Ex-Chef mit den tatsächlichen oder auch nur den vorgeschobenen Gründen hausieren ging.
Dean sah sich nach dem Kellner um, wollte zahlen, sich wieder in seinen vier Wänden verkriechen und seine imaginären Wunden lecken, da schob plötzlich eine Hand ein neues Bier vor seine Nase.
Eine angenehm tiefe Stimme sagte: „Du siehst aus, als könntest du es brauchen!“
Deans Blick fuhr überrascht noch oben, traf sich mit dem eines warm glänzenden Augenpaares, welches ihn so intensiv musterte, als erforschte es den Grund seiner Seele. Ein bernsteinfarbenes Leuchten, sodass selbst das spärliche Licht des Clubs dieses Strahlen nicht verstecken konnte.
Augen, die ihn freundlich ansahen, in denen dennoch nicht diese manchmal penetrante Art der Anmache zu lesen war, die in einigen New Yorker Schwulenclubs leider des Öfteren anzutreffen war.
Eine Art, die Dean überhaupt nicht schätzte. Deshalb, und aus einigen anderen Gründen, mied er normalerweise die Clubszene und war nur auf Nats Drängen hierhergekommen.
Dean war versucht, höflich abzulehnen, aber irgendwie …
‚Was soll‘s‘, dachte er: ‚Es ändert sich nichts, wenn ich jetzt gehe. Da kann ich genauso gut auf ein, zwei Biere bleiben.‘
Außerdem gefiel ihm, was er sah.
Der Mann, der sich nun ganz selbstverständlich ihm gegenüber setzte, sah gut aus. Nur wenig kleiner als Dean mit seinen 1,88 Metern. Er hatte braune Haare, die sich in seiner Stirn frech kringelten, und Grübchen in den Wangen, wenn er, so wie jetzt, lächelte.
‚Seine Lippen allein sind schon eine Sünde wert‘, dachte Dean.
Alles in allem, ein Bild von einem Mann, der zumindest für den Moment ein wenig Ablenkung versprach. Und so groß, fand Dean, waren seine Möglichkeiten für ein bisschen Zerstreuung an diesen Abend nicht mehr. Also lächelte er den Bilderbuchmann an:
„Hi, danke für das Bier. Mein Name ist Dean.“
„Gern geschehen und ich heiße Jim! Eigentlich James … Danke, liebe Eltern, für diesen herrlich altmodischen Namen.“
Beide lächelten sich an, verhaltene Neugierde in beider Augen, als sie sich musterten; versuchten einen ersten Eindruck von dem jeweiligen Gegenüber zu gewinnen.
Schließlich brach Jim die Stille, ehe sie unangenehm werden konnte.
„Ich will mich nicht aufdrängen, aber willst du drüber reden?“
„Worüber?“, fragte Dean überrascht, der gerade irgendwie ein wenig in den Bernsteinaugen versunken war.
„Na, über das, was dich bedrückt. Du siehst nicht glücklich aus. Hat es was mit dem Kerl zu tun, der dich gerade hat sitzen lassen?“
Dean grinste: „Um Gottes willen … nein! Das war Nat, ein alter Freund. Wir kennen uns seit der Schule und das verhindert von vornherein jede Art von Liebesbeziehung. Wir wissen zu viel voneinander.“
Jetzt lächelte auch der andere.
„Da könntest du recht haben. Also, falls du reden willst, ich bin ein guter Zuhörer. Oder auch ein guter Alleinunterhalter – falls du lieber schweigst.“
Dean drehte das Bierglas zwischen seinen Händen, schwankte zwischen beiden Möglichkeiten, doch ehe er sich versah, erzählte er schon verbittert von seiner Kündigung.
„In welcher Branche arbeitest du?“, erkundigte sich Jim.
„Ich werbe bei Firmen für ein Motivationstraining ihrer Mitarbeiter … du weißt schon … bessere Personalführung, Mitarbeitermotivation, wie führt man am besten Gespräche und so weiter und so weiter. Das Problem ist nur, mein Chef hat keinen seiner eigenen Personalführungskurse je besucht. Der hat von Personalführung so viel Ahnung wie eine Kuh von der Raumfahrt.“
Jim grinste leicht über die Aussage, wurde jedoch schnell wieder ernst, als er sah, wie sehr die Kündigung den jungen Mann ihm gegenüber mitgenommen hatte.
„Du mochtest deinen Job, hm? Was war denn der Kündigungsgrund?“
Dean wurde rot vor Wut.
„Meinst du den wahren oder den vorgeschobenen? Vordergründig, weil ich nicht genug Kunden angeworben habe. Aber ich habe erst im letzten Monat drei neue Firmen dazu gebracht, uns ihre Personalchefs zwecks Anschauung zu schicken. Und ich sage dir, das waren große Firmen. Unter anderem ein Telekommunikationsriese. Wenn die am Ball bleiben, haben wir für die nächste Zeit ausgesorgt.“
„Du sagst immer noch wir“, sinnierte Jim. „Und was war, deiner Meinung nach, der wirkliche Grund?“
„Nun, ich konnte einen Blick auf das Blatt werfen, mit dem Clare, mein Ex-Chef, so freizügig vor meiner Nase herumwedelte. Die Firma hat anscheinend zwecks Mitarbeiterüberprüfung einen Privatdetektiv engagiert …“
„Und? Ist das schlimm? Hast du Dreck am Stecken? Einer alten Oma die Handtasche geklaut oder was?“
Dean holte tief Luft, sah Jim in die Augen und sagte: „Nein, es reichte, dass der Kerl herausgefunden hat, dass ich schwul bin.“
Jim sprang auf: „Das ist heutzutage kein Kündigungsgrund mehr … dagegen kannst du angehen. Das nennt man Diskriminierung!“
„Jim, ich kann es doch nicht beweisen. Auch wenn dieses arrogante Arschloch mir zum Schluss noch lächelnd, unter vier Augen versteht sich, mitgeteilt hat, die Firma wäre gerne bereit eine erneute Bewerbung von mir entgegenzunehmen, wenn ich mein persönliches Problem therapiert hätte und wieder normal wäre!“ Er unterstrich das Zitat jeweils mit angedeuteten Anführungszeichen seiner Hände.
Jims Faust knallte auf den Tisch, er knirschte wütend mit den Zähnen:
„Ich dachte eigentlich, diese ignoranten, homophoben Idioten würden langsam aussterben!“
Dean seufzte: „Das werden sie nie!“
Es tat ihm unglaublich gut, mit jemand anderen darüber zu reden.
Dean hatte leider schon zu oft die Erfahrung gemacht, dass seine sexuelle Orientierung anderen Grund gegeben hatte, auf ihn herabzuschauen.
Die Kündigung war da eher harmlos, wenn auch finanziell existenzieller. Er dachte daran, wie er vor zwei Jahren krankenhausreif geprügelt worden war, nur weil er es gewagt hatte, mit seinem damaligen Freund Hand in Hand über die Straße zu laufen.
„Wenn du magst … ich kann mich ja mal bei meinen Freunden und Bekannten umhören, ob sich was Neues für dich findet.“
Dean lächelte den schönen Mann gegenüber an. Er war wirklich nett und eines stimmte tatsächlich: Er konnte wirklich gut zuhören! Sein Interesse war echt, nicht vorgeschoben.
„Das wäre echt lieb von dir, aber bitte nicht bei Dodgers & Brand. Da werde ich mich bestimmt kein zweites Mal mehr bewerben!“
„Dodgers & Brand?“, vergewisserte sich Jim. „Das ist der Name deiner Ex-Firma?“
„Ja, eine international arbeitende Firma mit mehreren Sitzen im Ausland!“ Er klatschte plötzlich in die Hände und sagte dann: „Und jetzt lass uns von was anderem reden. Was machst du denn beruflich?“
Eigentlich hätte Dean lieber gefragt, ob Jim liiert oder in festen Händen war. Es gab so viel, was er von diesem Mann wissen wollte, aber er traute sich nicht, wollte nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen. Vielmehr hoffte er durch den Themenwechsel etwas mehr über den faszinierenden Mann zu erfahren.
„Oh, zurzeit bin ich wohl so eine Art Privatier. Hatte vor Monaten einen üblen Verkehrsunfall und laboriere noch an den Nachwirkungen.“
„Oh, das tut mir leid, und ich jammere dir hier die Ohren voll. Was ist passiert? Entschuldige … ich wollte nicht neugierig sein … ich meine, was ist dir passiert? Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes?“
„Um ehrlich zu sein: Ich weiß nicht so genau, was passiert ist. Ich lag eine ganze Weile im Koma. Von der Polizei weiß ich nur, dass der Mistkerl abgehauen ist. Fahrerflucht! Er hat mich da einfach liegen lassen. Was ich abgekriegt habe? Alles Mögliche: Momentan kann ich noch immer nicht richtig laufen, obwohl es dank Krankengymnastik besser wird. Noch ein paar andere Kleinigkeiten, aber … wollen wir uns nicht über etwas Erfreulicheres unterhalten?“
Und so seltsam es klang, trotz ihrer vorherigen ernsten Gesprächsthemen fanden die beiden schnell eine andere, unverbindliche Ebene. Sie lachten und scherzten, stellten bald Gemeinsamkeiten fest.
Beide mochten die gleichen Filme, lasen zum Teil die gleichen Bücher und beide liebten es, Menschen zu beobachten und sich dann über sie zu unterhalten … wozu ihnen der Club ausreichend Gelegenheit bot.
Irgendwann später, es könnten zehn Minuten gewesen sein oder aber auch einige Stunden, kam der Kellner auf sie zu und bat sie, ihre Rechnungen zu begleichen, da der Club nun schließen würde. Überrascht sahen beide gleichzeitig auf ihre Uhren. Dean pfiff leise durch die Zähne, als er sah, wie spät es bereits war. Oder sollte er besser sagen, wie früh es war? Wenn er wollte, könnte er ohne Probleme bei dem Bäcker auf seiner Straße seine Frühstücksbagels holen.
Minutenlang sahen Dean und Jim einander in die Augen, beide mit einer leichten Unsicherheit im Blick. Keiner wollte sich trennen, den schönen Abend, die Nacht so abrupt beenden, doch wie sollte es weitergehen? Würde man sich noch einmal unverbindlich hier treffen? Oder besser Telefonnummern austauschen? Wussten sie schon genug voneinander, um ihre Bekanntschaft zu vertiefen? Weder Dean noch Jim waren der Typ Mann, der sich schnell auf ein unverbindliches Abenteuer oder einen One-Night-Stand einließ. Doch eindeutig geschah hier zwischen ihnen etwas, etwas, was die Luft zum Vibrieren brachte. Beide spürten es und beiden war es beinahe unheimlich, wenn dieses seltsame, noch dünne Band, zwischen ihnen sich nicht so unglaublich gut, so unglaublich richtig anfühlen würde. War dies eine der Nächte, die man magisch nannte? Eine Magie, die man Liebe auf den ersten Blick nannte?
Endlich räusperte sich Dean, sah in die braunen Augen, die ihn in den letzten Stunden in ihren Bann gezogen hatten, und fragte leise, beinahe flüsternd: „Lust auf ein Frühstück? Bei mir um die Ecke gibt es einen guten Bäcker mit einem hervorragenden Kaffee!“
Deans Herzschlag beschleunigte sich, woher kam plötzlich dieses Kribbeln in seinem Magen? Meine Güte, schließlich war er 24 Jahre alt und kein Teenager mehr!
Eine plötzliche Unsicherheit ließ ihn die Augen niederschlagen und er starrte auf seine Hände, die sich ineinander verknotet hatten.
Erst als sich eine fremde und doch auf eine seltsame Weise sehnsüchtig erwartete Hand über Deans legte, wagte er es, den Blick zu heben.
Jim lächelte ihn an: „Gerne, wenn du nicht zu müde bist?“
Innerlich jubelte Dean.
Müde?
Wieso müde?
Er doch nicht!
Schlaf wurde sowieso überbewertet. Und zum ersten Mal seit seiner leidigen Kündigung ging es ihm wirklich gut. Er fühlte sich wie befreit. Als ob allein Jims Anwesenheit reichte, um den dunklen Schatten um ihn zu verjagen. Dean fühlte sich, als könnte er Bäume ausreißen. Alles schien möglich!
Seine Angst vor einer Abfuhr verflog, als in Jims Augen die gleiche Freude zu leuchten schien, oder projizierte er einfach nur seine eigenen Empfindungen auf den Mann ihm gegenüber?
Egal, es war egal!
Hauptsache die schönen Stunden würden nicht enden. Tief in seinem Inneren hoffte Dean, dass er mit seinen Gefühlen, seiner Hoffnung nicht allein dastand.
Seiner Hoffnung nach … ja, was eigentlich?
Nach mehr!
Wovon mehr?
Gespräche, Nähe, Zärtlichkeit, Sex?
Ohne sich dieser Frage wirklich zu stellen, beschloss er, dass für den Augenblick einfach ein bisschen mehr Jim reichte.
Dämmrig grau zog der Morgen über die Stadt, die zwar wirklich nie schlief, aber dennoch ein wenig ruhiger wurde. Gelegentlich kamen den beiden Männern noch andere, ebenfalls aus den Clubs und Bars „herausgekehrte“ Besucher entgegen.
‚Wäre es nicht schön, jetzt einfach nach Jims Hand zu greifen?‘, dachte Dean, traute sich jedoch nicht. Er hatte Angst, seine böse Erfahrungen könnten sich wiederholen und auch, weil er keine Ahnung hatte, wie Jim auf diese Annäherung reagieren würde.
Sein Herz machte einen dummen, kleinen Hüpfer, als ihre Hände sich zufällig berührten und Jim wie selbstverständlich nach der seinen griff.
„Was ist, magst du das nicht?“, fragte Jim als er Deans Zusammenzucken und den sichernden Blick bemerkte, der die Umgebung scannte.
„Doch, sicher … eigentlich …“, druckste Dean, bevor er sich ein Herz fasste und von seinem Erlebnis der schmerzhaften Art erzählte. „Ist mir nur irgendwie zur Gewohnheit geworden, mich ein wenig abzusichern“, erklärte er. Bewusst mied er Jims Blick, schämte sich für seine Schwäche.
Er fühlte, wie Jim mitfühlend seine Hand ein wenig fester drückte und mit dem Daumen sanft über seinen Handrücken strich.
„Ist das der Grund, warum bei deiner Arbeit niemand von deiner Homosexualität wusste?“
„Das und noch einige andere unschöne Erlebnisse. Mein Vater hat mich rausgeschmissen, als ich es zu Hause erzählte. Meine Mutter hält heimlich Kontakt zu mir, ist aber nicht bereit, sich meinem Vater oder dem Rest der Familie, sprich meinem Bruder, gegenüber durchzusetzen. Ich habe nie nachgefragt, was sie den anderen erzählt haben. Den Verwandten, meiner Cousine, den Nachbarn und Freunden. Vielleicht halten mich alle für tot, ich weiß es nicht. Es tut zu weh, um da nachzubohren.“
Er verschwieg, dass seine eigene Mutter ihn für krank hielt, und immer wieder versuchte, ihn mit Frauen zu verkuppeln. In dem festen Glauben, dass er nur die richtige finden musste.
Verschwieg, wie sehr ihre abwertenden Blicke ihn belasteten und er dennoch nicht bereit war mit ihr zu brechen, weil sie das Einzige an Familie war, was ihm erhalten geblieben war.
Verschwieg, wie furchtbar allein er sich manchmal fühlte und dass diese Einsamkeit ihm nachts den Schlaf raubte. Wenn die Wände immer näher rückten und ihm das Atmen schwerfiel, weil die Kehle einfach zu eng war, als dass sie genug Sauerstoff passieren ließe.
Das Dorf, in dem er aufgewachsen war, war klein. Eingebettet in einem Landstrich mit vielen ländlichen Gemeinden kannte jeder jeden. Als sich seine Neigung langsam herumgesprochen hatte, wurde er mehr und mehr isoliert, fand keinen Job mehr. Er nutzte die Chance, hier mitten am Big Apple neu anzufangen, sowohl persönlich als auch beruflich.
Dean machte kein Geheimnis aus seiner Sexualität, band es aber auch nicht jedem auf die Nase. Da er nach persönlich schlechter Erfahrung sowieso nicht der typische Aufreißer war, hielten sich seine Bekanntschaften in Grenzen und es entstand kein dummes Gerede.
Jim schwieg, begriff aber, wie viel Glück er mit seiner eigenen Familie hatte.
Sein Coming-out war da wesentlich problemloser verlaufen. Seine Mutter hatte ihn nur angelächelt, und gemeint sie hätte es schon länger geahnt. Dann hatte sie ihn einfach in ihre Arme gezogen und gesagt: „Es wird deinen Weg nicht einfacher machen, aber du bist stark, Jim! Dass du glücklich wirst, ist das Wichtigste für mich.“
Das Gespräch mit seinem Vater am Abend war ein wenig länger und ausführlicher gewesen, aber im Großen und Ganzen stand auch sein Vater hinter ihm.
Für Jim spielte seine Neigung nie eine Rolle, auch war ihm niemals diese Ablehnung entgegen geschlagen, wie es Dean passiert war. Wenn er ganz ehrlich war … eventuell schütze ihn auch ein wenig der soziale Status seiner Familie. Jim kam aus einem hoch angesehen Haus mit einem sicheren finanziellen Stand und einem hervorragenden Ruf. Man könnte sogar sagen, seine Eltern gehörten zur High Society.
Eine Tatsache, die Dean nicht bekannt war, die Jim ihm aber unbedingt mitteilen musste. Denn er wollte nicht, dass Dean sich auf den Arm genommen fühlte, sollte dieser sein Konterfei plötzlich und ungewollt auf dem Titelblatt eines Klatsch- und Tratschmagazins wiederfinden. Denn es gab da etwas, was Dean unbedingt wissen musste … aber nicht jetzt … nicht heute. Der Abend war wunderschön gewesen. Noch nie hatte Jim einen Mann getroffen, der so perfekt zu ihm passte wie der dunkelblonde Mann mit den leuchtend grünen Augen, dessen Hand nun so vertrauensvoll in seiner ruhte.
Dean sollte nie wieder leiden oder Angst haben müssen, nahm Jim sich fest vor. Soweit es in seiner Macht stünde, sollte Dean nie bereuen, seine Hand an dem heutigen Abend in die seine gelegt zu haben.
Auf dem Weg die Straße entlang schwiegen beide, doch es war nicht unangenehm oder peinlich.
Es entsprang eher einer Vertrautheit, die normalerweise von einem längeren Miteinander sprach und nicht von einer so kurzen Bekanntschaft wie der ihren.
Es war erstaunlich, wie sicher Dean und Jim sich fühlten, als sich ihre Augen auf dem Weg zur Bäckerei immer wieder trafen. Sicher, dass ihnen nichts geschehen würde, sicher über das willkommen aufregende Gefühl zwischen ihnen.
Sicher, wie gut die Hand des anderen sich anfühlte und wie sehr dieser Kontakt schon ausreichte und den Wunsch nach mehr weckte.
In der Bäckerei bestellte Dean bei der lächelnden Bäckerin zwei Coffee to go und ein paar Bagels, doch das Kribbeln in seinem Magen kam eindeutig nicht vom Hunger.
Er lächelte zu Jim hinüber. Ein Lächeln, das dieser sehr wohl zu deuten vermochte und ebenso strahlend erwiderte.
„Ach ja, junge Liebe!“, seufzte die Bäckersfrau, lächelte die Männer an und meinte: „So hat mein Mann mich früher auch immer angesehen!“
Die beiden jungen Männer fingen an zu lachen, als eine tiefe Stimme aus der Backstube grummelte: „Und das tue ich auch heute noch, nur ohne Brille sieht sie es nicht mehr!“
Dann ertönte ein empörtes „Hey!“ als er einen Bagel an den Kopf bekam, eine Sekunde später fiel er in das Gelächter ein, als seine Frau mit rotem Kopf kicherte wie ein junges Mädchen.
Dean führte Jim zu seiner Wohnung. „Es muss schön sein, so miteinander zu leben, sich so gut zu kennen wie die zwei“, meinte er ein wenig nachdenklich.
„Würdest du das denn wollen?“, hakte Jim nach. „Tag für Tag und Jahr für Jahr neben der gleichen Person aufwachen? Sie wirklich zu kennen, mit allen Schwächen und Fehlern?“
Jim konnte es sich nicht vorstellen. Seine letzte Beziehung war genau daran gescheitert. Sein damaliger Freund wollte ihre Beziehung vertiefen, sprach dauernd davon sich eine gemeinsame Wohnung zu suchen und jagte Jim - wenn er ehrlich mit sich selber war - damit eine Heidenangst ein.
Dean zuckte nur mit seinen Schultern: „Sicher will ich das … irgendwann einmal. Ein Nachhausekommen, von jemandem begrüßt werden, nie mehr allein sein.“ Er seufzte ein wenig, ahnte nicht, wie viel er von sich und seinen Sehnsüchten preisgegeben hatte. „Doch nicht heute und nicht morgen, keine Angst“, grinste er frech zu Jim hinüber.
Endlich standen sie vor Deans Tür, der sie öffnete und Jim mit einer einladenden Bewegung in seine Wohnung bat.
Lächelnd beobachtete er, wie neugierig Jim sich umsah.
Jim errötete: „Entschuldige, eine schlechte Angewohnheit von mir. Ich sollte nicht so neugierig sein, aber ich finde immer, dass eine Wohnung sehr viel über den Charakter ihres Besitzers aussagt.“
„Tatsächlich? Was sagt denn meine über mich?“, forderte Dean keck den anderen heraus.
Jim ging auf das Spiel ein, aber er hatte es ernst gemeint. Im Großen und Ganzen gelang es ihm immer ziemlich gut, ein Bild der entsprechenden Person zu entwerfen, wenn er sich in deren Wohnung umsah.
Gelassen schlenderte er durch den Flur, in dem ein braun-roter Parkettboden verlegt war.
Nur eine alte aber wunderbar aufgearbeitete Kommode stand in dem schmalen Gang, über die Dean einzelne verschnörkelte Messinghaken als Garderobe angebracht hatte. Nun warf Dean seinen Wohnungsschlüssel in eine massive, aber einfach verarbeitete Glasschale, die auf der kleinen Kommode stand.
An den Wänden hingen sorgsam gerahmte Drucke von alten Kinoplakaten. Einzelne verdeckte Spots setzten sie in Szene.
Trotz aller Schlichtheit strahlte der Flur eine gewisse Eleganz und ein sicheres Stilempfinden aus.
Ohne auf Deans Schritte hinter sich zu achten, spazierte Jim weiter, ging geradeaus, dorthin, wo er das Wohnzimmer vermutete.
Er hatte sich nicht geirrt.
Auch hier lag der gleiche Parkettboden wie im Flur.
Eine große, cremefarbene Designercouch beherrschte das Zimmer. Ein niedriger Holztisch mit einer eingelegten Glasplatte stand davor.
Sämtliche andere Möbel des Zimmers waren aus hellem Buchenholz gefertigt, während bei der Dekoration rote Farbtöne vorherrschten, die den Raum in Verbindung mit der Farbe des Bodens eine warme, freundliche Note verliehen. Eine dicke Decke und viele Kissen in Rottönen waren auf der hellen Couch verteilt und luden zu entspannten Fernsehabenden ein, oder einfach nur zu einer verlockenden Kuschelstunde.
Ein Angebot, welches Jim direkt ausnutzte.
Er lehnte sich gemütlich in die Kissen, ein Bein hatte er angewinkelt auf der Couch abgelegt und warf Dean nun unter seinen langen Wimpern einen prüfenden Blick zu.
Der hatte Jim genau beobachtet und fragte nun neugierig: „Und? Zu welchem Ergebnis bist du gekommen?“
„Das verrate ich dir, wenn du mir endlich meinen Kaffee gibst!“ Er grinst.
Dean wurde tatsächlich ein bisschen verlegen: „Oh, entschuldige! Ich bin ein schlechter Gastgeber.“
Schnell stellte er das Geforderte hin, ließ sich dann ebenfalls als Spiegelbild von Jims Haltung auf das Sofa fallen und genehmigte sich einen großen Schluck Kaffee aus seinem eigenen Becher.
Heiß rann der schwarze Muntermacher seine Kehle hinunter und er seufzte befriedigt auf. Ein Geräusch, das sich unmittelbar wiederholte, als Jim seinen Becher ebenfalls von den Lippen nahm.
Sie sahen sich an, lächelten. „Lass mich raten, ebenfalls kaffeesüchtig?“, fragte Jim.
„Das kannst du laut sagen!“, antwortete Dean und nahm direkt noch einen Schluck, dann griff er nach der Tüte mit den Gebäckstücken, riss sie auf und forderte Jim auf: „Bedien dich, aber vergiss nicht … du schuldest mir noch eine Analyse.“
Noch einmal warf Jim ihm einen Blick zu, seine schwarzen Wimpern warfen Schatten auf seine Wangen.
Er wollte abschätzen, wie ehrlich er mit seinem Gegenüber sein konnte.
„Also gut … Du magst es einfach, ohne großen Schnickschnack, aber es muss geschmackvoll sein. Du liebst Gemütlichkeit, würdest dich aber nicht gehenlassen. Alles muss seine Ordnung haben, alles hat seinen Platz.“
Während seiner Worte waren ihre Gesichter sich immer nähergekommen: „Nun, das ist offensichtlich“, antwortete Dean. „Aber was sagt das über mich aus?“ Sein warmer Atem streifte Jims Gesicht.
Jetzt war es Jim, der frech grinste und sagte: „Du stehst auf hübsche Männer, aber sie müssen etwas im Kopf haben, etwas darstellen. Und das noch nicht einmal beruflich, sie müssen sich einfach ihrer selbst sicher sein.“
Als ihre Münder sich nun beinahe berührten, wisperte Dean lächelnd an Jims Lippen: „Auch das ist offensichtlich, sonst säßest du nicht hier bei mir auf dieser Couch.“
Selbstzufrieden gab Jim das Lächeln zurück: „Ich weiß! Warum glaubst du wohl, habe ich das gerade gesagt?“
Zu einer Antwort kam Dean nicht mehr, denn Jims Lippen verschlossen in einem sanften Kuss seinen Mund.
Beiden entwich ein erleichterter Seufzer, ein Hauch von Mund zu Mund.
Endlich, endlich kam die ersehnte Annäherung, konnten sie sich berühren. Trotz ihrer anfänglichen Unsicherheit hatten beide genau diese Hoffnung gehegt.
Im Gegensatz zu ihren sonstigen Gepflogenheiten hatte jeder sich nach dem anderen gesehnt, sich vorgestellt, wie es wohl sein mochte, die verführerischen Lippen des Gegenübers zu berühren, sich zu küssen und die Wärme zu teilen, die diese Berührung mit sich brachte.
Der Kaffee wurde unbemerkt kalt, was man von ihren Küssen nicht behaupten konnte. Im Gegenteil: Ihr Atem ging schwer, die Lippen waren rot und aufgeworfen von der Intensität ihrer Küsse, die schon längst leidenschaftlich und fordernd geworden waren.
Dean drückte Jim nun nach hinten, drängte ihn auf die Sitzfläche und legte sich über den begehrenswerten Körper des anderen Mannes.
Jim blieb nicht passiv, nutze den Moment und schob seine Hände unter Deans Shirt, kostete die warme Haut aus, während ihre Zungen erneut ihr Spiel aufnahmen, sich leidenschaftlich begegneten. Ein Spiel, in dem es keinen Verlierer gab, sondern nur Gewinner. Sie gaben und nahmen, genossen und forderten abwechselnd.
Von Zeit zu Zeit erfüllte nur ihr sehnsüchtiges Stöhnen den Raum, Worte waren einfach nicht nötig. Jeder wusste, was der andere brauchte, was er mochte, was er ersehnte.
Sie verstanden sich im wahrsten Sinne des Wortes blind, denn längst schon hatten sich ihre Augen geschlossen, sie genossen einfach nur die Berührung des anderen. Sie ertasteten sich, spürten ihren Empfindungen nach, weckten ein gegenseitiges Verlangen, das beide schon lange nicht mehr so bedingungslos empfunden hatten.
Ihre Schuhe landeten auf dem Boden neben der Couch, ebenso ihre Shirts, das erste Zusammentreffen ihrer nackten Oberkörper ließ beide nach Luft schnappen. Diese erotische Empfindsamkeit von Haut an Haut, paarte sich mit dem Gefühl der geteilten Körperwärme.
Dean fragte sich, wann er zum letzten Mal jemanden so begehrt und sich gleichzeitig so begehrt gefühlt hatte.
Seine Hände zitterten ein wenig, erzählten von seiner Nervosität – aber auch von seinem Verlangen, als er sich an den Knöpfen von Jims Jeans zu schaffen machte.
Dieser atmete schneller, als er Deans Hände so dicht an seiner Erektion spürte, stieß die Hüfte nach oben, den tastenden Händen entgegen und fühlte sich wie befreit, als sein Penis endlich dem beengenden Gefängnis seiner Hose entkam und mehr Platz beanspruchen konnte.
„Gott, das fühlt sich unglaublich gut an!“, keuchte er enthusiastisch, als Dean ihn nachdrücklich massierte.
Dieser grinste und wollte eine Bemerkung über seine „Göttlichkeit“ machen, aber jeder Kommentar erstarb auf seinen Lippen, als jetzt Jim im Gegenzug seine Hose öffnete und ihn begehrlich streichelte … sich Deans Erregung ebenso verlangend widmete wie dieser sich der seinen.
Beide ließen sich nicht einmal die Zeit, sich ihrer Hosen endgültig zu entledigen, die Begierde war zu heftig, suchte Erlösung. Immer wieder küssten sie sich, knabberten verlangend am Hals, Ohr und Mund des Partners. Jim bemerkte entzückt, wie stark Dean reagierte, als er dessen harte Brustwarzen mit Zunge und Zähnen reizte. Deans Körper erschauerte regelrecht, er gab sich der Berührung hin, wollte sie genießen, bis es ihm beinahe den Verstand kostete.
Letztendlich war es Jim, der ihrer beide Erektionen in die Hand nahm und in einem immer schnelleren Rhythmus massierte.
Dean stützte sich mit den Händen neben Jims Körper ab und warf den Kopf in den Nacken, drückte sich Jims Unterleib und dessen fordernder Hand entgegen.
Ihr Keuchen vermischte sich, bis beide nicht mehr zu sagen wussten, aus wessen Mund es entwich.
Schließlich hielt Dean es nicht mehr aus, stieß stärker in die stimulierende Hand und sein Blick wanderte wie von einem Magneten angezogen in die bernsteinfarbenen Augen des anderen, der ihn lustverhangen betrachtete.
Dieser scheinbar winzige Moment enthielt so viel Intimität, dass es Dean über die Grenze führte, die man in dieser Intensität nie allein erreichte, sondern nur gemeinsam.
Jim erging es nicht anderes. Das verzückte Gesicht über ihm, die Laute, die sein Ohr erreichten, ließen auch ihn kommen. Fast gleichzeitig mit Dean überrollte auch ihn sein erlösender Orgasmus.
Immer noch heftig atmend ließ Dean sich auf den Körper unter ihm sinken. Sein Herzschlag war noch immer viel zu laut, viel zu heftig. Jim musste es einfach spüren, musste einfach ahnen, wie besonders dieser Moment für Dean gewesen war. Er hatte noch nie in der ersten Nacht …
Dean bettete seinen Kopf auf der breiten Brust des anderen Mannes und bemerkte erfreut, dass dessen Herz in der gleichen heftigen Geschwindigkeit wie sein eigenes schlug.
Schon spürte er Jims Arme, die sich fest um seinen Körper schlangen.
„Mann, das war nur ein Handjob? Ich fasse es nicht! Wie würde es erst sein, wenn …?“
Jim ließ den Satz unvollendete, er wollte Dean zu nichts zwingen. Vielleicht wollte der ihn ja gar nicht wiedersehen? Vielleicht reichte ihm dieses kleine, amouröse Abenteuer schon? Er hoffte, nein, er glaubte es nicht. Aber vielleicht irrte er sich ja auch und interpretierte zu viel in den Blick des anderen Mannes hinein?
„Ich kann es mir kaum vorstellen, aber ich hoffe, wir werden es gemeinsam herausfinden“, kam die Antwort des anderen Mannes ein wenig genuschelt, da die Müdigkeit nun schleichend ihre Arme nach ihnen ausstreckte.
Mit Mühe entledigten sie sich noch ihrer Jeans, da keiner willens war den Körperkontakt länger zu unterbrechen.
Auch Jim unterdrückte ein Gähnen, das Adrenalin, die aufputschenden Hormone verließen auch seinen Körper allmählich und ehe die beiden sich versahen, schliefen sie ein. Dicht beieinander, sich haltend und Wärme gebend. Ein Band schmiedend, von dem beide nichts ahnten, aber welches dennoch hochwillkommen, ja, sogar ersehnt war.
Nur langsam wachte Jim einige Stunden später auf. Noch nicht ganz im Hier und Jetzt genoss er die Zeit zwischen Traum und Wirklichkeit, spürte mit geschlossenen Augen den Empfindungen seines Körpers nach. Dieser Traum gestern Abend war einfach nur … wunderbar? Geil? Einfach nur wunderbar geil gewesen?
Doch je wacher sein Bewusstsein wurde, desto mehr registrierte er den fremden Untergrund, auf dem er lag, bemerkte den unvertrauten Duft. Das war auf keinen Fall sein eigenes Bett. Und der vom Schlaf schwere Körper in seinen Armen war tatsächlich kein Traum, sondern herrliche Realität. Er lag noch immer auf Deans großem Sofa und Jim fühlte sich bei dieser Erkenntnis wie beschenkt.
Ein süßes, verträumtes Lächeln legte sich über seinen Mund, als Jim nun endgültig die Augen aufschlug und Deans entspanntes Gesicht intensiv musterte.
Dieser Mann hatte unglaublich lange Wimpern, die in einem sanften Bogen auf den markant hohen Wangenknochen lagen.
Die gerade Nase mit den vereinzelten Sommersprossen war schon unglaublich niedlich und erst dieser Mund …
Jim entfuhr ein sehnsüchtiger Seufzer.
Diese unglaublichen, anbetungswürdigen, vollen Lippen würde er zu gerne jetzt, in diesem Augenblick, wieder küssen, sich in der Süße dieses Mundes verlieren, Deans Zunge zu einem kleinen Kampf herausfordern!
Seine Erinnerung an den vergangenen Abend lieferte ihm die passenden Bilder und aus seiner zu Beginn zärtlichen Betrachtung wuchs ein Verlangen, das ihn jede Vorsicht vergessen ließ.
Das kleine Zaudern seines schlechten Gewissens, Dean jetzt zu wecken, wurde von der Sehnsucht nach Berührung fortgewischt.
Flüchtig, wie die Berührung von Schmetterlingsflügeln, hauchte er unzählige Küsse auf Deans Gesicht, arbeitet sich von der Stirn zur Nase vor, bis er die verlockend roten Lippen erreichte.
Er küsste sich sanft von einem Mundwinkel zum anderen, stupste dann mit der Zunge so lange auffordernd gegen die vollen Lippen, bis sich Deans Mund öffnete.
Langsam legten sich zwei warme Arme um seinen Hals, zogen Jim fester gegen den schlanken Körper, der nun halb unter dem seinen begraben lag.
Ein verschlafenes Murmeln erklang zwischen zwei Küssen: „Mmh, wie schön, so würde ich gerne jeden Morgen geweckt werden.“
„Was immer du willst, Sweetheart, nur küss mich weiter!“
Wie hätte Dean dieser Bitte nicht nachkommen können?
Aus ein wenig romantischem Kuscheln wuchs bald eine Leidenschaft, die beide Männer schwerer atmen ließ.
Jim lag nun ganz auf Dean. Ihre Körper in immer heftigerem Verlangen aneinander reibend vergaßen beide Zeit und Raum. Nur der Partner, dessen Geruch, die geteilte Wärme und die gemeinsame Begierde waren noch wichtig.
Wie im Rausch, den Namen des anderen murmelnd, war nichts mehr von Bedeutung. Weder das Gestern noch das, was der kommende Tag bringen mochte. Unvorstellbar für beide sich jetzt zu trennen oder den anderen nicht mehr wiederzusehen.
Ohne Worte und ohne jeden Zweifel wussten sie, sie gehörten zusammen.
Ein Wissen, welches ihr Erleben intensivierte, jede Scham mit sich fortriss und alle Frage überflüssig machte.
Beide kamen beinahe zeitgleich, versanken dabei im Mund des anderen und konnten die Vertrautheit dabei kaum fassen.
Während sie eng umschlungen den Nachwehen ihres gemeinsamen Orgasmus nachspürten, beruhigten sich ihr Herzschlag und ihr Puls langsam wieder.
Plötzlich kicherte Dean leise.
„Mann, einen ‚Hosenfick‘ hatte ich zuletzt mit 18 Jahren. Verdammt, jetzt brauche ich dringend eine Dusche.“
„Was soll ich denn sagen?“, murrte Jim.
„Ich muss in dieser Shorts noch nach Hause. Außerdem klebe ich noch von gestern Abend.“
„Dagegen kann ich dir eine gemeinsame Dusche anbieten und saubere Pants werde ich wohl auch noch für dich haben. Und vielleicht musst du ja gar nicht so schnell wieder nach Hause?“
„Nichts dagegen einzuwenden!“, antwortete Jim mit einem Grinsen.
In seinen Bernsteinaugen glomm erneut Lust auf.
Es brauchte keine zweite Einladung. Wenn er diesen begehrenswerten Körper noch einmal in den Armen halten konnte, wollte er dagegen bestimmt kein Veto einlegen.
Dean sah den Blick, wusste ihn zu deuten, zog Jim einfach nach oben und hinter sich her.
Anderthalb Stunden später saßen beide an einem gedeckten Tisch.
Von Frühstück konnte man um drei Uhr nachmittags bestimmt nicht mehr sprechen, doch der frisch aufgebrühte Kaffee schmeckte auch zu dieser Uhrzeit.
Zusammen mit Toast und Rührei konnte man getrost von einem sehr späten Brunch sprechen.
Sie unterhielten sich angeregt über Gott und die Welt. Zu keiner Zeit entstand ein peinliches Schweigen oder eine Fremdheit zwischen ihnen.
Einzig, wenn sich ihre Blicke für einen Moment zu lange ineinander verflochten, fielen keine Worte, verloren sich die Silben zu etwas beinahe Bedeutungslosem. Wundersamerweise sagte diese nonverbale Kommunikation mehr als tausend Worte jemals erklären könnten.
Sie verbrachten den Rest des Samstags und beinahe den kompletten Sonntag in einer Zauberblase, zu der die reale Welt keinen Zutritt besaß.
Zeit spielte keine Rolle, sie aßen, wenn sie Hunger hatten, liebten sich, wann immer der Wunsch nach der unmittelbaren Nähe des Partners überhandnahm und schliefen, wenn der Körper danach verlangte.
Was konnte es Wichtigeres geben als das, was sie sich gegenseitig gaben?
So kurz war ihr Kennenlernen, so wenig wussten sie vom Alltag des anderen. Geschweige denn, dass sie es überhaupt wissen wollten. Es gab wichtigere Sachen zu hören, zu sagen, zu schmecken, zu riechen und zu spüren. Alle Sinne waren fokussiert. Sie genossen, lebten für den Moment, stürzten in schwindelerregende Spiralen in einen Himmel, der blauer war, der tiefer war, als jeder reale Himmel es sein könnte.
Und doch, wie bei jedem Zauber kam der Moment, der die Magie desillusionierte, der ihre Beine und Köpfe auf die Erde zwang und ihre imaginären Schwingen verbannte.
Das unscheinbare Klingeln eines Handys unterwarf sie wieder den Gezeiten der Normalität.
Jim stöhnte. Diesen Klingelton kannte er und er wusste, ihm blieb keine andere Wahl, als das warme Nest zu verlassen, das Deans Arme gerade für ihn gebaut hatten.
Irgendwo musste seine verdammte Jacke sein und darin sein Handy.
Ach ja, richtig! Seine Jacke war ja im Flur an einem der Garderobenhaken.
Vorsichtig schälte er sich aus Deans Armen, der ihn, gefangen in seinem Halbtraumland, nicht gerne ziehen ließ.
Jim schmunzelte über das unwillige Brummen, beeilte sich dann, sein Handy zu erreichen, bevor der Anruf automatisch abbrach. Er ahnte, nein, er wusste, dass es keine 3 Sekunden dauern würde, bis der Apparat erneut die bekannte Melodie ertönen ließ und der Anrufer dann ganz bestimmt sehr, sehr ungehalten sein würde.
„Hi, Mom!“, begrüßte er seufzend den Anrufer.
„Was heißt hier: ‚Hi Mom‘? Wir warten seit heute Mittag auf dich. Wo treibst du dich nur wieder herum? Hast du unsere Verabredung zum Kaffee vergessen?“
„Oh, Shit! Mom, tut mir wirklich leid.“ Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr: „Ich bin in einer Stunde bei euch.“
Mist, den Termin bei seinen Eltern hatte er vollkommen vergessen. Leider konnte er ihn nicht einfach sausen lassen, noch nicht einmal Dean zuliebe. Es ging um das Geschäft seiner Eltern und da es auch seine Lebensgrundlage darstellte, musste er erscheinen, da gab es keine Ausrede. Zum Glück war seine Mutter nicht ernsthaft sauer, er hätte es an ihrer Stimme erkannt. Trotz ihrer missbilligenden Worte hatte er das Schmunzeln darin gehört.
Leise stöhnend wischte er mit der rechten Hand über sein Gesicht, er verspürte überhaupt keinen Drang, Dean jetzt zu verlassen. Lieber wollte er noch ein, zwei Stunden in den Armen seines Geliebten schlafen und sich ein wenig Ruhe gönnen, doch wie sagte man so schön?
Die Pflicht ruft!
Schweren Herzens ging er zurück in das Schlafzimmer. Dean sah ihn an, hatte Teile des Gespräches verstehen können und meinte grinsend: „Ja, wenn Mutter ruft, darf ein guter Sohn nicht zögern, sondern muss schnell springen.“
Ganz konnte sein spöttischer Tonfall jedoch nicht den gewissen Neid verstecken, den er empfand. Es musste schön sein, in einer intakten Familie eingebettet zu sein.
„Das ist es nicht nur“, antwortete Jim. „Ich muss mit meinen Eltern noch was Geschäftliches besprechen. Immerhin finanzieren sie zurzeit mein Nichtstun.“
„Mmh, ich verstehe dich ja. War nicht böse gemeint. Wenn meine Mutter mich jemals nach Hause rufen sollte …!“ Er ließ den Rest des Satzes unvollständig.
Tief im Herzen tat es weh, auch wenn die neuen Emotionen, seine Gefühle für Jim, einen Teil des Stachels genommen hatten.
Außerdem wusste er noch nicht einmal, wann und ob er Jim wieder treffen würde?
Sicher, das Wochenende war einfach zauberhaft gewesen, doch würden sie diesen Zauber in ihren Alltag retten können? Würde Jim ihn überhaupt noch einmal sehen wollen? Vielleicht war dieses eine Wochenende ja alles, was Jim bereit war zu geben? Was konnte er schon bieten, um so einen Mann wie Jim an sich zu binden?
Unbewusst schloss Dean die Augen, wollte Jim nicht durch die Sehnsucht, die in ihnen lag, zu etwas drängen, was dieser eventuell nicht zu geben bereit war.
Plötzlich spürte er, wie das Bett an einer Seite nachgab, als Jim sich zu ihm setzte.
Die Hand des anderen Mannes fuhr zärtlich durch sein kurzes, nun vollständig verstrubbeltes Haar.
„Du denkst zu viel und zu laut.“
„Gar nicht wahr!“, versuchte Dean sich zu retten, doch die Hand, die sein Kinn nach oben zwang, offenbarte die Lüge in seinem Gesicht.
Sanfte Lippen berührten Deans Mund.
„Treffen wir uns morgen um 9:00 Uhr in deiner heißgeliebten Bäckerei zum Frühstück?“, murmelte Jim fragend an Deans Mund.
Deans Gesicht leuchtete auf, es schien, als würde die Sonne hinter Wolken hervorbrechen.
Die grünen Augen sprangen auf und die Gefühle, die sich in ihnen spiegelten, waren so vielfältig, dass sie Jim beinahe überforderten. Er las Einsamkeit, Liebe und Hingabe, aber in erster Linie eine Ungläubigkeit, die schmerzte. Es war eindeutig, Dean konnte es nicht glauben, konnte nicht glauben, dass Jim ihn genug wertschätzte für ein erneutes Wiedersehen.
Innerlich schüttelte Jim den Kopf. Es gab da einiges, über das er nachdenken musste.
Wie konnte ein Mann, wie Dean, in der Haifischbranche, in der er gearbeitet hatte, so erfolgreich sein, wie er sagte, und gleichzeitig von dermaßen großen Selbstzweifeln geplagt sein?
Wer oder was schaffte es, einen Menschen wie Dean so kleinzumachen und zu brechen?
Nun fiel Jim der Abschied noch schwerer. Die Versuchung, Dean einfach wieder in seine Arme zu ziehen und ihm die Einsamkeit und die Selbstzweifel von den Lippen zu küssen, war groß.
Es war Dean, der ihn seufzend von sich schob.
„Denk an deine Verabredung. Du solltest deine Eltern nicht noch länger warten lassen. Wenn du so weitermachst, schaffe ich es nicht mehr, dich wegzuschicken.“
Ergeben nickte Jim.
Einen winzigen Moment wollte er das Geschäft einfach Geschäft sein lassen, seine Mutter anrufen und ihr erklären, dass er momentan einfach Wichtigeres zu tun hätte. Doch er wusste genau, es war nur ein Wunschtraum. Die Realität rief ihn mit immer lauter werdender Stimme zurück ins wirkliche Leben.
Endlich löste er sich von Dean; es gelang ihm einige Meter Abstand zwischen sie zu bringen. Dean hatte recht, nur einige Sekunden mehr und alles wäre ihm tatsächlich egal. Also ging er, einen leisen Fluch zwischen den Lippen zerdrückend, in das angrenzende Badezimmer und duschte … allein.
Bei seiner Rückkehr hatte Dean sich seinen Morgenmantel übergestreift und ihm einige Kleidungstücke aus dem Kleiderschrank herausgesucht.
Schweren Herzens begleitet Dean Jim noch zur Tür, wo sie sich voll tief empfundener Zärtlichkeit küssten.
Noch einmal vergrub Dean seine Nase in Jims Nacken, nahm seinen Duft wahr und konnte nicht glauben, in welcher Weise er innerhalb von so kurzer Zeit für diesen Mann empfand.
Und was noch seltsamer war, dieser Mann schien auf gleiche Weise zu fühlen wie er. Leise, fast gehaucht hörte er Jims Stimme.
„Du …“, ein kurzer Kuss folgte, „denkst …“, wieder ein Kuss, „schon wieder …“, erneuter Kuss, „zu viel!“ Ein langer, leidenschaftlicher Kuss schloss den Satz ab.
„Hör auf damit!“, klang Jims Stimme dicht an seinem Ohr und jagte Dean damit eine Gänsehaut über den Rücken.
Endlich löste Jim sich, stieg die ersten Stufen hinab, kehrte um, zog Dean noch einmal in eine kurze heftige Umarmung und verschwand.
Dean schlang die Arme um seine Körper, als ob er frieren würde. Er war es gewohnt, allein zu sein. Warum hinterließ Jims Verschwinden eine Leere in ihm, die er momentan nicht zu füllen wusste?
Mit energischen Schritten ging Jim zur nächsten U-Bahn-Station. Seinen Wagen hatte er am Freitagabend bewusst zu Hause gelassen, da er von vornherein geplant hatte, etwas zu trinken. Eigentlich hatte er nur auf andere Gedanken kommen wollen. Sich ablenken von der Zeit im Krankenhaus, der anschließenden Reha und den Schmerzen, die er ab und an noch immer spürte.
Was nicht geplant und nicht planbar gewesen war, war das Treffen mit Dean.
Jim konnte sich ein kurzes Lächeln nicht verkneifen. Doch gleichzeitig staunte er auch über sich selbst. Was zur Hölle war nur in ihn gefahren?
Jim wurde heiß, als er daran dachte, wer in ihn … blöder Gedanke, lieber verdrängen … mit einer Erektion durch New Yorks Straßen zu laufen, war wohl keine gute Idee! Falls es jemand bemerken würde, wäre es mehr als peinlich!
Und dennoch blieb das Bewusstsein darüber, wie sehr er gegen seine eigenen Regeln verstoßen hatte.
Keine One-Night-Stands!
Er hatte es ausprobiert und fühlte sich danach einsamer als zuvor.
Er hielt einen Moment inne, runzelte die Stirn.
Konnte man bei Dean und ihm überhaupt noch von einem One-Night-Stand sprechen?
Was kennzeichnete einen One-Night-Stand denn? Ein einzelnes, kurzes, gefühlsmäßig rein gar nichts bedeutendes Abreagieren des Körpers!
Oh ja, abreagiert hatte er sich. Mehrmals! Aber gefühlsmäßig unbedeutend?
Nein!
Das, was zwischen Dean und ihm gewesen ist, war das genaue Gegenteil davon.
Und hier war die zweite Crux.
Nach seinem letzten Freund hatte er sich geschworen, nie wieder jemanden so zu verletzen, wie er Robbie verletzt hatte.
Sein Unvermögen, ihn so zu lieben, wie Robbie ihn geliebt hatte. Und Robbie war nicht der Erste. Jim konnte sich nicht daran erinnern, jemals jemanden genug geliebt zu haben.
Genug, jemanden zeit seines Lebens an seine Seite zu lassen.
Genug, um seine Ängste vor so viel Nähe zu überwinden.
Genug, mit jemandem seine Fehler, seine Schwächen und seine Ängste zu teilen.
Wie seine Eltern.
Wie das Bäckerpaar.
War er emotional nicht in der Lage Beziehungen zu führen?
Nein, Dean sollte nicht so leiden wie Robbie … so traurig sein! Dazu mochte er ihn zu gerne. Aber wie sollte es dann mit ihnen weitergehen?
Er kannte Dean mittlerweile immerhin so gut, dass er wusste, Dean würde sich nicht einfach nur zum Spaß auf ihn einlassen. Wie nannte man das so schön? Eine Freundschaft mit Extras?
Und warum tat ihm der Gedanke, er könnte Dean verletzen, selber weh?
Und, wenn man schon einmal auf diesem Weg war – wer hatte Dean so verletzt, dass er dermaßen in Selbstzweifel befangen war? Sich in keiner Weise für, im wahrsten Sinne des Wortes, liebenswert hielt.
Erklärte die Erfahrung mit seinen Eltern das mangelnde Selbstbewusstsein?
Oder der Vorfall mit den homophoben Schlägertypen und Deans Erfahrung mit seinem Chef?
War es eher ein Konglomerat aus all diesen negativen Erfahrungen oder steckte noch mehr dahinter?
Ein leichtes Anrempeln machte ihn erst darauf aufmerksam, dass er den steten Strom der Fußgänger behinderte.
Zu viele Gedanken, zu viele Fragen, die sich so schnell nicht beantworten ließen.
Seine Gefühle konnte er später sortieren, nun sollte er sich besser auf das Gespräch mit seinen Eltern konzentrieren.
Entschlossen setzte Jim sich wieder in Bewegung, schaffte gerade noch die nächste Bahn und war tatsächlich nur zehn Minuten später als angekündigt bei seinen Eltern.
Seine Mutter umarmte ihn bei seiner Ankunft herzlich.
„Hattest du ein schönes Wochenende, mein Schatz?“, fragte sie und ergänzte dann: „Du siehst ein wenig müde aus, aber irgendwie strahlst du. Da kann doch nur die Liebe dahinterstecken.“ Seit Wochen verfolgte sie besorgt, wie ihr Sohn sich immer mehr zurückzog, kaum jemanden an sich heranließ. Hatte die Trennung von diesem Robbie ihn mehr getroffen, als er zugeben mochte? War die Trennung zu voreilig gewesen und nun tat es ihm leid? Nun war sie erleichtert, ein neues Leuchten in seinen Augen zu sehen.
Sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu. „Erzähl mir alles!“
„Mom!“, protestierte Jim lächelnd. „Ich bezweifele sehr, dass du wirklich ALLES hören willst.“
„Also ist es wahr? Du hast jemanden kennengelernt!“, schlussfolgerte sie richtig.
Unwillkürlich schoss Jim Blut ins Gesicht, als er vor seiner Mutter stand und an das sehr anregende Wochenende zurückdachte.
Erheitert bemerkte diese, wie sich die Wangen ihres Sohnes leicht färbten.
„Oh nein, so, wie du aussiehst, muss ich in der Tat nicht alles wissen, aber ein wenig kannst du deiner alten Mutter doch sicherlich erzählen, oder?“
Sie nahm ihn an die Hand und führt ihn in das Esszimmer, es roch bereits verführerisch nach frischem Kaffee und die Erdbeertorte sah mehr als verlockend aus. Jim bemerkte, wie ihm das Wasser im Mund zusammenlief.
Wieder lächelte seine Mutter. Sie kannte ihr Kind nur zu gut.
„Komm, setz dich, Schatz. Dad muss noch ein wichtiges Telefonat führen. In der Zwischenzeit kannst du mir von deinem Wochenende erzählen.“
Genüsslich naschte Jim von der Torte, was ihm einen leichten Schlag auf die Finger einbrachte, doch ihr Lächeln nahm dem Tadel die Schärfe.
Jim lehnte sich zurück, musterte seine Mutter, nahm gerührt ihre Liebe und Fürsorge wahr und berichtete ihr dann von dem Wochenende.
Er erzählte ihr, wie er Dean kennengelernt hatte, wie sie die ganze Nacht redend in dem Club verbracht hatten, ohne zu bemerken, wie die Zeit davon lief.
Ein unbewusstes Lächeln zeichnete weich seine Züge, während er von Dean erzählte. Von seinen unglaublich grünen Augen, diesen langen Wimpern, um die ihn jede Frau beneiden würde. Die niedlichen Sommersprossen …
Er erzählte ihr auch von Deans schlechten Erfahrungen und konnte seine Mutter kaum beruhigen, als sie von Deans Rausschmiss aus seinem Elternhaus erfuhr, nur weil er sich geoutet hatte.
Als er ihr endlich von der Kündigung erzählte, kam sein Vater dazu und hörte noch den Kündigungsgrund.
„Keine gute Werbung für die Firma, könnte eine dicke Klage beim Arbeitsgericht geben“, brummte er. „Soll ich mich darum kümmern und meinen Einfluss geltend machen?“ Erschrocken schüttelte Jim den Kopf. Um Gottes willen, dafür kannte er Dean gut genug. Der würde sich niemals wohlfühlen mit dem Wissen, seinen Job nur durch Beziehungen zu bekommen. Dean wollte es aus eigenem Antrieb schaffen. Zeigen, wie stark er war und was er erreichen konnte.
Sie besprachen noch einen Moment Möglichkeiten, die Dean hatte, gegen die Kündigung vorzugehen, doch letztendlich musste sein Vater zugeben: Deans Chancen standen schlecht, solange sich der richtige Kündigungsgrund nicht beweisen ließ.
Der Nachmittag und der Abend verliefen ruhig und entspannt. Die geschäftlichen Dinge waren schnell besprochen und einem gemütlichen restlichen Familientag stand nichts mehr im Wege.
Nach einigen angenehmen Stunden mit seinen Eltern wollte Jim sich zurückziehen.
Er bewohnte in der weitläufigen Villa seiner Eltern einen eigenen Flügel.
Er küsste seine Mutter kurz auf die Wange, umarmte seinen Vater, doch eine kleine Unsicherheit ließ ihn einen Augenblick zaudern. Eine Frage brannte bereits auf seinen Lippen, für ein, zwei Sekunden verharrte er, bevor er dann doch das Zimmer endgültig verließ.
Er spürte die Augen seiner Mutter in seinem Rücken, wusste, sie hatte sein Zögern bemerkt und tatsächlich, ehe er den Flur ganz durchquert hatte, hörte er den leisen Ruf seiner Mutter, als sie fragend seinen Namen rief.
„Jim?“
Er hielt an und wandte sich seiner Mutter zu.
Mit wenigen Schritten stand sie an seiner Seite, legte eine ihrer zierlichen Hände auf seinen Unterarm, glitt weiter und hielt dann seine wesentlich größere Hand fest. Trotz ihrer geringeren Körpergröße strahlte sie so viel Stärke aus, in ihrer Liebe zu ihrem einzigen Sohn.
„Liebling, was ist los? Dich bedrückt doch irgendetwas. Eigentlich solltest du weiterhin so strahlen, wie eben, als du mir von Dean berichtet hast.“
Mit der rechten Hand fuhr er sich durch die Haare, haderte, ob er seine Ängste tatsächlich seiner Mutter anvertrauen sollte. Doch wenn nicht ihr, wem dann?
Niemand stand ihm im Augenblick so nahe wie sie.
Sie hatte Stunden an seinem Krankenbett verbracht, gehofft und gebetet, dass ihr einziger Sohn wieder aus dem Koma erwachte. Anschließend hatte sie ihn durch seine schwierige Genesung begleitet. Hatte seine schlechte Laune und seinen Unmut ertragen, wenn die Schmerzen zu schlimm wurden oder der Rehabilitationsfortgang in seinen Augen zu langsam verlief.
Schließlich zog er sie zu einer der tiefen Fensterbänke, die mit weichen Kissen in gemütliche Sitzplätze verwandelt worden waren.
Sie setzten sich nebeneinander, die Körper zueinander gedreht. Ihr Blick hielt den seinen fest, genauso wie ihre Hand, die die seine nicht einen Moment losgelassen hatte.
Jim räusperte sich, suchte nach den passenden Worten.
„Mom, findest du, dass ich normal bin? Also … ich weiß nicht, emotional normal entwickelt?“
Ihr Erstaunen war echt, während sie versuchte, den Sinn seiner Worte zu verstehen.
Sie runzelte die Stirn: „Wie meinst du das? Ich dachte, deine Homosexualität wäre kein Problem für dich?“
„Das meine ich auch nicht! Weißt du, ich mache mir eher Sorgen darüber, wie ich fühle, was ich empfinde.“ Er seufzte. „Ich will niemanden mehr verletzen! Ich glaube, ich kann gar nicht richtig lieben, es ist, als ob ein Stück dazu in mir fehlt, Ma!“
Die kindliche Anrede rührte sie. Es war lange her, dass er sie Ma genannt hatte.
Doch ebenso war sie erschüttert. Wie kam Jim auf diese Idee? In ihren Augen gab es keinen liebenswerteren Menschen als ihn. Als sie ihm genau das sagte, grinste er wenigstens wieder.
„Das musst du auch so sehen, du bist meine Mutter!“
Sie lächelte zurück: „Genau! Ich liebe dich nur, weil es meine Pflicht ist. Erklärst du mir jetzt bitte, wie du auf diese fixe Idee kommst?“
Wieder zögerte er, musste für seine Zweifel erst Worte finden.
„Weißt du, nach der Geschichte mit Robbie hatte ich ja mehr als genug Zeit. Während ich im Krankenhaus lag und anschließend in der Reha … ich weiß auch nicht. Robbie hat mich so sehr geliebt. Er hätte alles für mich aufgegeben. Seine hübsche Wohnung, er wollte sogar seinen Job kündigen und in meiner Nähe was anderes suchen. Aber ich konnte ihm nicht das Gleiche geben. Mom, in mir war nur Ablehnung und Angst, als er davon anfing, wir sollten uns eine eigene Wohnung suchen. Es war ja nicht nur bei Robbie, die paar Beziehungen davor waren ähnlich. Immer wenn es enger wurde, habe ich einen Rückzieher gemacht. Vielleicht bin ich ja gar nicht in der Lage, wirklich zu lieben, so zu lieben, wie es zum Beispiel bei dir und Dad der Fall ist?“
„Vielleicht war auch nur der Richtige für dich noch nicht dabei. Hast du schon einmal daran gedacht?“
Er wirkte gequält: „Bei all den Beziehungen, die ich hatte? Wäre das nicht eine zu einfache Erklärung?“
„Liebling, vielleicht solltest du alles in Ruhe auf dich zukommen lassen. Abwarten, wie sich die Dinge zwischen dir und deinem Dean entwickeln?“
„Aber das ist es doch gerade, Mom! Was ist, wenn ich ihn nicht so lieben kann, wie er es verdient? Er ist bereits genug verletzt worden, hat genug Schmerz erlitten. Ich möchte nicht der Grund für eine neue Narbe sein.“
Sie lächelte sanft. „Ganz ehrlich, Jim? So wie du eben geschwärmt hast, wie deine Augen leuchteten, halte ich das eher für unwahrscheinlich. So von innen heraus hast du bei Robbie nicht einmal gestrahlt. Und Robbie …“, sie seufzte kurz, „war in meinen Augen sowieso ein Thema für sich!“
Verwirrt fing er ihren Blick ein: „Wie meinst du das?“
„Ach Liebling, er war wie ein Oktopus mit unzähligen Tentakeln. Er hat sich an dir festgesaugt, hielt dich umklammert, ließ dir keine Luft zum Atmen. Jetzt sag mir nicht, es ist dir nie aufgefallen?“
„Er meinte, es wäre ein Zeichen seiner Liebe zu mir. Er nannte es sein Liebesmaß und daran hätte er gemerkt, wie wenig ich ihn lieben würde. Ich konnte seiner Maßeinheit wohl nicht entsprechen!“
„Und das hast du ihm geglaubt? Ich erinnere mich an die Szene, die er machte, als du die Geschichte mit ihm beendet hast. Er tauchte hier auf, drohte deinem Vater und mir. Er glaubte, wir hätten bei der Trennung unsere Finger im Spiel gehabt, weil wir ihn nicht für gut genug für dich hielten!“
Ungläubig sah er sie an, sein Mund stand vor Verblüffung ein wenig offen.
Robbie, sein einfühlsamer, sensibler, zu Tränen neigender Ex war so ausfällig geworden?
„Ach jetzt komm schon, mach deinen Mund wieder zu. Dad und ich haben nichts gesagt, weil wir dachten, wir sehen ihn eh nie wieder. Dann kam dein Unfall und unsere Gedanken waren, wie du dir ja sicher denken kannst, bestimmt nicht mehr bei deinem Ex.“
Er sah sie verlegen an. „Es tut mir leid, Ma!“ Er ließ offen, ob er damit Robbies schlechtes Benehmen meinte oder die Sorge, die er seinen Eltern bereitet hatte.
„Aber du musst zugeben, dass er sich nach meinem Unfall als echt guter Freund erwiesen hat. Meine Güte, er saß beinahe so lange an meinem Krankenbett wie du, und das, obwohl ich ihm klipp und klar gesagt habe, dass zwischen uns nie wieder etwas anderes als eine ganz normale Freundschaft sein kann. Ich treffe ihn noch ab und an auf ein Bier und wir verstehen uns Gott sei Dank wieder echt gut. Was man ja nicht nach jeder Trennung von seinem Partner behaupten kann.“
„Ja, genau! Ein echter Heiliger … das wird es sein!“, meinte seine Mutter sarkastisch. Es war ihr anzusehen: Robbie würde nie zu ihren Lieblingen zählen.
Schließlich legte sie Jim eine Hand an die Wange: „Du solltest aufhören zu grübeln und deinem Dean vertrauen. Manchmal denkst du einfach zu viel nach!“
Das waren in etwa die gleichen Worte, die er bei Dean gebraucht hatte; sein Lächeln wurde breiter, bis es schließlich seine Augen erreichte.
Zufrieden nickte seine Mutter ihm zu: „So gefällst du mir schon besser und jetzt, gute Nacht, mein Sohn.“
Sie küsste ihn auf beide Wangen, und ehe sie es unterdrücken konnte, wuschelte sie ihm durch sein Haar, so wie sie es früher immer gemacht hatte.
Prompt ließ sein Kommentar nicht auf sich warten. „Ma!“, stieß Jim ein wenig genervt hervor. Doch der Protest war nur halbherzig. Es tat gut, ihre Liebe zu spüren.
Beide standen auf und als sie sich gegenüberstanden, nahm er sie kurz in die Arme und drückte sie an sich. Sie reichte ihm nur knapp bis unter sein Kinn, doch in seinen Augen war sie die größere von ihnen beiden.
Breit grinsend sagte er: „Und jetzt muss ich noch telefonieren.“
Die Sehnsucht nach der Stimme seines Liebsten stand dabei in seinen Augen und ließ sich ebenso wenig in seiner Stimme verleugnen.
Kurz nachdem Jim gefahren war, zog Dean eine Jacke über und verließ seine Wohnung. Ihm fiel einfach die Decke auf dem Kopf. Ohne Jim fühlte sich nichts richtig an.
Es machte Dean Angst. Nie, wirklich niemals mehr wollte er in dieser Art von jemand abhängig sein. Nie wieder verletzlich und angreifbar. Es war ihm in den letzten Jahren gelungen, alle gefühlsmäßig tieferen Bindungen aus dem Weg zu gehen, aber Dean hatte seine Schutzmauern mit Schallgeschwindigkeit gebrochen. Bereits jetzt konnte er den nächsten Morgen kaum erwarten, freute sich wie ein kleines Kind auf das Wiedersehen mit dem gut aussehenden Mann, der mit seinem Lächeln sein Herz im Sturm erobert hatte.
Ein Dauerlächeln lag auf Deans Gesicht und ohne, dass er es bemerkte, reagierten die Menschen um ihn herum darauf. Er wurde öfter gegrüßt als üblich. Immer wieder kam er an vollkommen Fremden vorbei, die zurücklächelten oder ihm einfach zunickten.
Wie groß seine Sehnsucht nach Jim war, bemerkte er erst, als er wieder nach Hause zurückkam. Er hatte unbewusst die ganze Zeit nach Jims vertrautem Gesicht Ausschau gehalten. Obwohl er genau wusste, wie dumm es war, blieb diese kleine unsinnige Hoffnung, die sein Herz jedes Mal zum Stolpern brachte, wenn in der Menschenmenge ein braunhaariger Mann auftauchte, der auch noch ungefähr Jims Größe besaß. Und jedes Mal fühlte er die Enttäuschung, wenn keine Bernsteinaugen seinen Blick erwiderten. Keine paar Minuten später tanzte dann wieder ein ganzer Ameisenstaat in seinem Magen Riverdance, wenn der nächste Dunkelhaarige in seinem Blickfeld auftauchte.
Ein Blick auf seinen Anrufbeantworter zeigte ihm, dass keine neuen Nachrichten auf ihn warteten. Schade, er hätte gerne wieder Jim Stimme gehört. Beinahe gewaltsam rief er sich zur Ordnung.
„Verdammt, Dean! Jetzt reiß dich mal am Riemen, du tust ja gerade so, als könntest du nicht eine Minute mehr allein sein. Na toll, jetzt führe ich auch schon Selbstgespräche.“
Er schaltete das Radio ein. Hauptsache, er hörte eine Stimme, die ihn ablenkte. Der es gelang seine Gedanken, die in einem beständigen Kreis ihre Runden drehten, zu stoppen.
Es gelang ihm nicht wirklich, nicht einmal annähernd.
Es brauchte nur ein Stichwort in einem Lied, ein bestimmter Geruch in der Luft oder einfach nur die Erinnerung an warme Haut, die das Karussell erneut in Gang setzten.
‚Jim – so warme, braune Augen – sein Lächeln – seine Nähe … aber Gefahr! Viel zu nahe. Wenn er geht, tut es weh.‘
Dean fluchte leise. Könnte er diese Stimme in seinem Kopf doch nur auf ‚stumm‘ schalten! Könnte er die Erinnerung an früher auslöschen und stattdessen die positive Erfahrung mit Jim einfach genießen! Dean fühlte sich entzweigerissen. Auf der einen Seite standen seine Angst und seine Gefühle, die die Vergangenheit geformt hatten, seine Gegenwart prägten, und auf der anderen Seite stand Jim, der ihm seine Hand gereicht hatte, seine Wärme und seine Nähe angeboten hatte.
Dean griff mit beiden Händen in seine Haare. „Verdammt!“ Ein Schrei aus der tiefsten Tiefe seiner Seele.
„Verdammt, Dean! Jetzt lass diese scheiß Grübelei. Denk daran, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Es fühlt sich für dich doch gut an, an Jims Seite zu sein. Schiebe diese verdammte Angst endlich an Seite. Er wird dein Vertrauen bestimmt nicht missbrauchen. Er heißt nicht Cedric. Er wird dich nicht betrügen und dich dann ver…! SCHEISSE! Drecks Gedankenkarussell!“
Energisch schnappte er sich eine Flasche Whiskey aus dem Schrank, fest entschlossen, die Tretmühle seiner Gedanken notfalls durch ein Besäufnis zu beenden, bevor er die Flasche seufzend an ihren Platz zurückstellte.
Nein, das war der falsche Weg und er wusste es zu genau. Schon einmal hatte er sich nur mit Mühe und Not aus dieser Falle befreien können.
Im Endeffekt setzte er sich vor seinen PC, ließ sich durch irgendwelche sinnentleerten Spiele treiben, schaltete sein Hirn ab, indem er sich einfach nur berieseln ließ.
Doch ganz im Hintergrund lauerte der Gedanke, wie schade es sei, dass er die Kennenlernphase mit Jim nicht so genießen konnte, wie es sich für eine neue Liebe gehörte.
Kurz vor elf. ‚Erstaunlich, was für ein relatives Ding die Zeit doch ist!‘, dachte Dean, nachdem er einen Blick auf seine Armbanduhr geworfen hatte.
Die letzten beiden Stunden waren im Endeffekt erstaunlich schnell vergangen, doch erschien Dean der morgige Tag noch Meilen entfernt.
Der Tag, der ihm ein Wiedersehen mit Jim schenken würde.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und energisch schob er alle anderen Gedanken beiseite.
Er nahm das Lied wahr, welches gerade im Radio lief. Was soll‘s, er war allein in seiner Wohnung, also breitete er die Arme aus und tanzte zum Rhythmus des Lieds, sang die paar Songzeilen, die er auswendig kannte einfach mit.
