Tunnellicht - D.J. Rollo - E-Book

Tunnellicht E-Book

D.J. Rollo

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Beschreibung

Paul Köster ist Unternehmer und kommt durch eine Unternehmensgründung zur Jahrtausendwende in finanzielle Schwierigkeiten. Tunnellicht schildert eindrucksvoll und mit autobiographischen Ansätzen, wie sich ein Leben mit der Krise verändert und welche Folgen falsche Entscheidungen mit sich bringen können. Der Weg vom Vorzeigeunternehmer zum seelisch verletzten und gebrochenen Mann kann sehr kurz sein, der Weg heraus dagegen schwer und lang.

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Seitenzahl: 150

Veröffentlichungsjahr: 2020

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D.J. Rollo

Tunnellicht

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Impressum neobooks

Kapitel 1

T U N N E L L I C H T

D.J.Rollo

Roman

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

(Vaclav Havel)

Dieser Roman basiert auf wahren Begebenheiten. Sämtliche Personen und Orte sind jedoch frei erfunden.

2020

Der Telefonhörer wurde immer schwerer in meiner rechten Hand, aber ich musste jetzt anrufen. Es ist die letzte Hoffnung, bitte geh ran. Die Zeit zwischen den Signalen wurde immer länger. Wie in Zeitlupe setzte sich ein Tut an das nächste. Jetzt – nein, nur der Anrufbeantworter. Der Hörer flog in die Gabel. Wieder keine Lösung. Warum bin ich eigentlich in dieser Situation? Warum ich und nicht jemand anderes? Ich schaute auf die Schieferplatte des kleinen Tisches in der Mitte der Sofaecke meines Büros. In Gedanken ging ich nochmal alles durch – welche Fehler habe ich gemacht?

Dabei fing doch alles so vielversprechend an. Vor drei Jahren, ja da waren wir noch voller Enthusiasmus, voller Ideen. Ich weiß noch, wie Josef zu mir sagte: „Chef, wir brauchen unbedingt einen weiteren Techniker, sonst schaffen wir die Aufträge nicht.“ Ich nickte und schaute mich im Technikraum um. In der Mitte standen zwei graue Schreibtische, an der Innenwand eine graue Schrankwand und links und rechts jeweils lange Küchenplatten, die als Werkbänke dienten. Auf der linken Werkbank standen schön aufgereiht etwa 10 PCs, die eine Art Testlauf machten. An der rechten Werkbank saß Josef und programmierte an einem Server. „Dieser hier muss heute noch zum Kunden Elbebau raus und dann muss ich noch zur Stadtverwaltung, da gibt es Probleme mit einem Switch. Achso – und Frau König vom Steuerberater Paulsen hat angerufen, dass die Verbindung zur DATEV nicht funktioniert.“ Josef hörte gar nicht mehr auf, darauf hinzuweisen, dass er und Henry es nicht allein schaffen würden. Henry hatte gerade seine Ausbildung zum Systemelektroniker begonnen, kannte sich aber schon recht gut aus und war wirklich eine große Hilfe. Aber Josef hatte recht, sollte der Regierungsauftrag kommen, müssten sie mindestens noch zwei Techniker einstellen. „Wo ist Henry?“ fragte ich um in eine andere Richtung abzulenken, aber Josef antwortete nur: „unterwegs in Hamburg“, um dann nachzuschieben: „frag doch bitte mal beim Arbeitsamt nach, ob wir nicht wenigstens einen Umschüler bekommen können, der kann dann die Auslieferungen übernehmen.“ Ich nickte wieder und ging dann über den Flur in mein Büro. In dem rechteckigen, mit Teppichboden ausgelegten Raum stand links eine Sofaecke mit zwei Sesseln, rechts ein großer nussbaumfarbener Schreibtisch. Ich ließ mich in den dahinterstehenden Chefsessel fallen und nippte an einem Kaffee, den mir Doris schon bereitgestellt hatte. Ja, Josef ist einer dieser Typen, auf die man sich wirklich verlassen kann. Nicht nur, dass er ein absoluter Technikfreak ist, er scheut auch nicht davor zurück, einmal eine Nacht durchzumachen, wenn es wirklich brennt. So wie neulich, als der Hauptrechner eines Fotografen nicht mehr starten wollte und dort auf der Festplatte die gesamten Bilder für eine Werbekampagne gespeichert waren, die am nächsten Tag präsentiert werden sollte. Da hat Josef nicht nachgelassen und systematisch alle Bauteile des PCs ausgewechselt, Treiber nachinstalliert und Initialisierungsdateien angepasst. Morgens um 5 Uhr lief der Rechner wieder und der Kunde konnte seine Präsentation halten. Selbst den Fünfziger Trinkgeld hat Josef anschließend in unser Sparschwein geschmissen. Ich glaube, solche Mitarbeiter zu haben, ist Gold wert.

„Paul, hast du schon mit Josef wegen der Fashionwear-Lieferung gesprochen?“, Doris hatte so einen bestimmenden und durchdringenden Tonfall. Wenn sie den hat, ist Stress angesagt. Sie stand im Türrahmen, klein, schlank, die langen blonden Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Doris hat gerade ausgelernt, leitet das Büro aber schon seit zwei Jahren perfekt. Sie ist sozusagen die gute Seele, die über alles Bescheid weiß, sämtliche Kunden kennt und selbst mit den Speditionsfahrern so gut kann, dass diese unsere Ware, die wir von den Lieferanten bekommen, bevorzugt ausliefern. Mit ihren gerade einmal 21 Jahren hat sie es teilweise faustdick hinter den Ohren. Immer den Überblick und wenn es mal brennt, hat sie mit bestimmender Hand bislang immer das Richtige getan. Nur dieser durchdringende Ton – man könnte glauben, sie war früher mal Bademeisterin für Schwerhörige. „Nein – ich werde das heute Abend mit ihm besprechen, der Server ist noch nicht fertig.“ Aber wie immer ließ sie sich nicht sofort mit einer Floskel abspeisen. „Denk bitte daran, dass die Ware spätestens morgen ausgeliefert werden muss. Du weißt doch, dass die immer erst nach 6 Wochen bezahlen und wir haben nur 60 Tage Zahlungsziel beim Lieferanten.“ In diesem Moment klingelt das Telefon. „Falkenhagen“ meldet sich eine dunkle Stimme am anderen Ende. Es war Ingo Falkenhagen, mein Berater und Vertrauter in allen Geschäftsdingen. Er wollte sich heute Abend mit mir beim Chinesen treffen um das weitere Vorgehen für den Regierungsauftrag abzustimmen. Ich schaute kurz in meinen Terminkalender und sagte zu. Eigentlich hatte ich ja vor, heute Abend mit Katrin ins Fitnessstudio zu gehen, aber das Geschäft geht vor. Katrin war mit den Kindern zuhause, ich werde sie anrufen und es erklären. Vielleicht kann sie ja kurzfristig einen Babysitter organisieren und allein ins Fitnessstudio gehen. In letzter Zeit ist es häufiger vorgekommen, dass ich sehr spät erst aus dem Geschäft kam. Entweder es waren noch Angebote zu schreiben, die unbedingt am nächsten Tag noch beim Kunden sein mussten, oder es gab Veranstaltungen der Kammer oder der Regierung, an denen ich teilnehmen musste. Auch die Besprechungen mit Falkenhagen dauerten immer sehr lange. Meistens schlief sie schon, wenn ich nach Haus kam. Die Betreuung der Kleinen konnte manchmal genauso stressig sein, wie ein stundenlanges Meeting mit Politikern, die viel erzählten, aber damit nichts sagten.

Ich steuerte den 7er BMW auf den kleinen Parkplatz des chinesischen Restaurants und schaute mich um. Falkenhagens Auto stand noch nicht auf dem Parkplatz – wie immer kam er mindestens 15 Minuten später als vereinbart. Ich hatte auch schon mal eine Stunde gewartet, aber heute war er fast pünktlich. Als ich gerade hineingehen wollte, bog er mit seinem Audi um die Ecke. Ich wartete kurz. Mit schnellen, fließenden Schritten kam er zielstrebig auf mich zu. Sein schlanker Körper wippte dabei etwas und der knielange, beige Businessmantel wehte an den Seiten hoch. Unter dem linken Arm klemmte eine dunkelbraune Ledertasche und die rechte Hand streckte er mir zum Gruß entgegen. „Hallo Herr Köster“ rief er schon aus der Entfernung und schaute mir während wir uns die Hände schüttelten direkt in die Augen. „Alles OK? Wie laufen die Geschäfte?“ Es waren immer dieselben Floskeln am Anfang der Gespräche. Er wollte immer ganz genau wissen, was an großen Aufträgen anliegt und welche Probleme es mit den Banken gibt, ob die Mitarbeiter vernünftig mitziehen und – ob sich jemand aus Hannover wegen des Regierungsauftrages gemeldet hätte. „Ja“, sagte ich, „es hat ein Fax aus dem Wirtschaftsministerium gegeben. Die wollen den Businessplan noch einmal überarbeitet haben. Die Zahlen für den Eigenanteil decken sich nicht mit deren Vorstellungen.“ Wie immer hatte Falkenhagen sofort eine Idee. Ich holte die Unterlagen heraus und während wir auf das Essen warteten glichen wir alle Zahlen nochmal ab. Tatsächlich ergab sich eine Differenz von Soll- und Istzahlen. Nach einer kleinen Weile fanden wir den Fehler auf der dritten Seite der Kalkulation. Dummerweise zog sich der Fehler bis zum Ende durch. Somit war der Abend nunmehr völlig gelaufen, denn ich müsste anschließend noch ins Büro und die Kalkulation neu aufsetzen um sie gleich morgen früh ins Ministerium zu faxen. Aber zunächst genossen wir das Abendessen mit Frühlingsrollen und Pekingente süßsauer. „Ich habe heute Morgen mit dem Wirtschaftsminister telefoniert“, erläuterte Falkenhagen in seiner trockenen, spannungsgeladenen Art, den Salat mit Messer und Gabel zerlegend. „Er wird nach Ortelburg kommen und unser Projekt höchstpersönlich eröffnen.“ Nach einer kurzen Pause schob er nach „wenn wir den Zuschlag erhalten, aber das sieht ganz gut aus.“ Falkenhagen hatte das Pilotprojekt des Wirtschaftsministeriums von Anfang an begleitet, hatte sogar an der Ausschreibung mitgearbeitet. In den vielen Sitzungen der Projektgruppe in Hannover konnte man sehen, dass die Politiker nur darauf bedacht waren ja keinen Fehler zu machen und sich auf keinen Fall festzulegen, egal in welche Richtung das Gespräch ging. Für mich als Techniker war das teilweise nicht mehr auszuhalten. Wenn wir in der Technik etwas besprechen, gibt es einen Weg der realisierbar ist und eventuell noch ein oder zwei Alternativen. In der Politik gibt es auf gestellte Fragen immer nur schwammige Antworten und Aussagen wie „das könnte man sich grundsätzlich vorstellen“ – nein, das ist nicht meine Welt. Aber der Auftrag ist zu lukrativ, um ihn sich entgehen zu lassen. Außerdem, wenn wir das Projekt nicht durchführen, macht es ein Konkurrent.

Falkenhagens Handy klingelte und ich war sehr erstaunt, dass er nachdem er sich mit einem kurzen „Ja“ gemeldet hatte, in fließendem Russisch weitersprach. Ich vermutete, dass es russisch war, denn ich verstand leider kein Wort von dem, was Falkenhagen dort sagte, aber anhand einiger Brocken, die man aus der Allgemeinbildung kannte, war ich mir ziemlich sicher. Ich wusste, dass Falkenhagen die Hälfte des Jahres in den USA lebte, in der Nähe von Chicago. Seine Frau lebte dort und er flog alle drei bis vier Wochen einmal rüber. Allerdings war er sehr verschwiegen zu Allem, was seine privaten Dinge angeht. Seine in Deutschland ansässige Firma hatte er in der Hamburger Innenstadt angesiedelt, an einer sehr teuren Adresse. Soweit ich mitbekommen hatte, hat sich Falkenhagen mit seiner Hamburger Firma an einigen anderen deutschen Unternehmen beteiligt. Sein amerikanisches Unternehmen in Chicago handelte mit Naturprodukten, die er aus Deutschland importierte. Viel mehr wusste ich nicht. Der Kontakt zu Falkenhagen war über Sigmar Bär von der Handelskammer zustande gekommen. Mit Sigmar hatte ich zusammen studiert und ich kannte ihn bereits seit einigen Jahren. Ich war schon überrascht, als er mich eines Tages anrief und fragte, ob ich Interesse hätte, an einem lohnenden Projekt des Landes mitzuarbeiten. Kurz darauf trafen wir uns in meinem Büro und Sigmar und Falkenhagen stellten mir das Projekt vor. Es sollte ein vom Wirtschaftsministerium unterstütztes Netzwerk aufgebaut werden, mit dem das gesamte Land vernetzt werden sollte um Daten auszutauschen. Hierzu sollten drei Duzend Gebiete entstehen, die, jedes für sich, die Infrastruktur und ein Portal entwickeln sollte. Dieses Portal sollte es nach Meinung des Ministeriums allen Bürgern ermöglichen, mit dem Land als Institution zu kommunizieren, aber auch Theaterkarten online zu kaufen und Pizza beim nächsten Italiener zu bestellen. Mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen wäre sogar der Datenaustausch mit Banken und Finanzbehörden denkbar. Ich war damals begeistert von der Idee, aber auch skeptisch, ob ein solch großes Projekt von einem Unternehmen gestemmt werden kann, dass gerade mal drei Jahre existiert und dessen Kapitaldecke noch recht gering war. Aber auf der anderen Seite war es schon reizvoll, dass genau dieses Unternehmen die gesamte Region repräsentieren sollte. Das wäre für das Brot und Buttergeschäft sehr fördernd. Ganz davon abgesehen, dass man durch die neu geknüpften Kontakte die Möglichkeit erhielt eine ganze Reihe von zusätzlichen Aufträgen zu generieren. Sigmar gab mir Recht und sagte mir außerdem die Unterstützung der Kammer zu. In den nächsten Tagen trafen wir uns mehrfach um die weiteren Schritte abzustimmen. Dabei ergaben sich bereits im Vorfeld sehr interessante Kontakte zu Unternehmen, die in den anderen Regionen dasselbe Projekt durchführen sollten.

Falkenhagen beendete sein Telefongespräch. Ich schaute ihn fragend an: „Russisch?“. „Ja“, antwortete er ohne auf irgendwelche Details einzugehen. Neben Englisch, Deutsch und Französisch auch noch Russisch – der Mann ist echt international unterwegs. Nachdem ich bezahlt hatte, verabschiedeten wir uns, denn es war bereits 21 Uhr und ich musste ja noch ins Büro, die Kalkulation durcharbeiten. Katrin wird nicht begeistert sein, wenn ich wider erst um Mitternacht nach Hause komme. Ich versuchte sie vom Auto aus zu erreichen, aber es nahm nur der Anrufbeantworter ab. Sie war wohl doch noch ins Fitnessstudio gefahren. Ich hinterließ eine kurze Nachricht und setzte meinen Weg ins Büro fort.

Tage später rief mich Sigmar Bär aus der Kammer an. Sigmar klang ganz aufgeregt am Telefon: „Ihr bekommt den Zuschlag, ich habe gerade mit dem Ministerium gesprochen. Und ich habe noch eine tolle Nachricht für dich. Du bist als Manager des Jahres im Gespräch, ich habe da etwas läuten gehört. Also, wenn das klappt, kann sich die Konkurrenz warm anziehen.“ Ich hielt kurz inne um diesen Moment zu genießen, schaute vom Schreibtisch auf und ließ den Blick durch mein Büro schweifen. Wie viele Stunden habe ich hier verbracht um das Projekt vorzubereiten. Stunden, in denen ich nicht bei meiner Familie war. Stunden, die sich teilweise hinzogen wie Kaugummi, in denen ich nicht einmal wusste, ob es wirklich Sinn machen würde, so viel Arbeit und Zeit in ein Vorhaben zu stecken, das zwar wegweisend für die Region wäre, doch für mein Unternehmen eine richtige Herausforderung bedeuten würde. Mein Blick verharrte bei einem Bild von Katrin und den Kindern. Wenn wir tatsächlich den Zuschlag bekommen, würde das noch mehr Zeit bedeuten, die ich nicht bei ihnen sein kann. Ist es das tatsächlich wert? „Paul?“ hörte ich am anderen Ende, „hat es dir die Sprache verschlagen?“ „Ja“, antwortete ich, „ich freue mich sehr! Hast du schon mit Falkenhagen gesprochen?“ Er sagte, dass er ihn noch nicht erreicht habe, aber er werde es weiter versuchen. Als er aufgelegt hatte, schwirrten wilde Gedanken durch meinen Kopf. Au Backe, was würde Josef sagen? Er würde wahrscheinlich die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Wir kommen ja jetzt schon nicht mehr mit den Aufträgen hinterher. Für dieses Projekt brauche ich auch unbedingt seine technischen Fähigkeiten und Einschätzungen. Also wird mir nichts weiter übrigbleiben, als einen weiteren Techniker vom Kaliber eines Josef Klose einzustellen. Das bedeutet aber auch eine finanzielle Gradwanderung für das Unternehmen. Es ist ja nicht so, dass ich es den Leuten nicht gönne. Wenn jemand gute Arbeit leistet, soll diese auch entsprechend entlohnt werden. Schade nur, dass man leider bei den Einstellungsgesprächen nicht in die Menschen hineinschauen kann. OK, es gibt Einstellungstests und gezielte Fragen, die bereits im Vorfeld zeigen, ob jemand nur blufft, oder ob jemand in der Materie steckt. Aber es kann nicht herausgefiltert werden, ob nur theoretisches Wissen vorliegt oder ob ein Kandidat auch in der Praxis überlebt, wenn der Kunde mit fragenden Blicken neben einem steht und man trotzdem cool bleiben muss und genau die Problemstellung analysieren muss. Ja, in diesem Bereich ist Josef ein wahrer Meister. Und bei den Einstellungsgesprächen muss er unbedingt dabei sein. Ich denke, dass ich erst mal den Bewilligungsbescheid des Wirtschaftsministeriums abwarten werde und dann auf die Suche nach einem geeigneten Kandidaten gehe. Vielleicht ergibt sich ja bis dahin auch noch das eine oder andere Gespräch mit der Kammer und mit Josef. Nach diesen Ausflügen der Gedanken überkam mich dann doch eine freudige innere Zufriedenheit. Es ist geschafft – dieses wird ein finanzieller und technologischer Meilenstein werden. Und dann noch die Nominierung zum Manager des Jahres. Das hatte ich nicht im Entferntesten gewagt zu hoffen. Mein Blick kehrte zurück auf das Familienbild, ja, ich denke, dass ich für heute Schluss machen werde. Ich werde auf dem Nachhauseweg am Supermarkt anhalten, eine Flasche Sekt und ein paar Blumen kaufen, und dann Katrin mit der freudigen Neuigkeit überraschen. Ja, das werde ich machen! Wenn das kein Grund zum Feiern ist, was denn.