TwinSetMan - Ralph Klostermann - E-Book

TwinSetMan E-Book

Ralph Klostermann

0,0
2,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Zwanzig kurze Geschichten und zwei Kurzgeschichten, alles schön fröhlich dynamisch, in amüsanter Erzählweise und unbedingt geeignet, öfter gelesen zu werden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 262

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



TwinSetMan

Erzählt von

Ralph Klostermann

Optisch in Form gebracht von

Kai Naujoks

Inhalt

- Na dann sei froh Geschichten

- TwinSetMan

- So war’s dann wohl Aufzeichnungen

© 2020 Ralph Klostermann

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN Taschenbuch: 978-3-347-08058-4

ISBN Hardcover: 978-3-347-08059-1

ISBN e-Book: 978-3-347-08060-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Na dann sei froh Geschichten

Abgestürzt

Als ehemalige Chefstewardess, ist Doris die Fliegerei ja eigentlich gewohnt und hat deshalb natürlich zwischen Rio, Miami und Tokio, zum Beispiel mit den Beatles, Beach Boys, Rolling Stones, oder allen möglichen Prominenten, schon so manch heikles Abenteuer erlebt. Aber bei den immer waghalsiger werdenden Manövern, verliert auch sie allmählich die Übersicht und unterstützt, zusammen mit vielen Anderen vorher Ahnungslosen, lautstark kreischend jeden weiteren Sturzflug des angeblich äusserst erfahrenen Piloten. Der rast mit uns mittlerweile nicht mehr nur knapp über die nächtliche Grosstadtskyline hinweg, sondern stürzt seine Höllenmaschine jetzt auch Kamikazemässig mitten in die Häuserschluchten hinein, um im nächsten Moment, zwecks weiterer Anflugvorbereitung, wieder steil Richtung Sternenhimmel aufzusteigen. Im Gegensatz zu Doris und mir, bleiben Nina und Felix ganz entspannt, der Albtraumtrip scheint ihnen sogar richtig gut zu gefallen, locker werfen sie sich in jede Flugkurve und freuen sich laut johlend auf die von mir so gefürchteten Loopings. Ohne Oben und Unten Orientierung, kann ich mein fröhliches Lachen nur mit geschlossenen Augen imitieren, Doris schafft dank fest gepresster Ohren immer lautere Hilfeschreie, Blitze schlagen ein, wir stürzen ab.

Warum sind wir vorhin überhaupt eingestiegen, wieso haben wir für unsere eigene Todesfahrt über zweihundert Dollar ausgegeben, werde ich meine Augen vor dem Aufprall noch einmal öffnen können und woher kommt eigentlich dieses schreiende, mit eiskalten Blitzen schleudernde Monster, das über unserem brennenden Fluggerät schwebt; krachend schlägt die Maschine auf dem Empire State Building auf und rutscht, etwas lauter quietschend als Doris schreiend, genüsslich Richtung Dachkante. Nach nervenaufreibendem Dachkantenschaukeln, kippen wir endlich kopfüber ins Leere, rasend schnell nähern wir uns der verkehrsüberfluteten Strasse, alle Passagiere erreichen jetzt Doris` grandioses Schreiniveau, kurz bevor es wieder Zeit zum Augenschliessen ist, taucht Spiderman auf. Mit mühelosen Spinnenkräften, fängt er unseren Flieger kurz vor dem Aufprall ab und weil er zu Beginn des Trips ja alle eindringlich gewarnt hat, haben wir das jetzt eben davon, in seiner Stadt ist es gerade Nachts manchmal leider etwas gefährlich, nun muss er aber los, das eiskalte Blitzschleudermonster fangen, wir sollen ihn weiterempfehlen und wegen der draussen Wartenden zügig nach rechts aussteigen, ohne jeden Einzelnen von uns hätte er den Megaschurken nicht so schnell erwischt; meine zerknitterte 3-D Brille muss ich trotzdem wieder abgeben.

Abpfiff

Ich weiß nicht was ich sagen soll, Frank und seine Mutter schauen mich gespannt an, während ich noch immer scharf nachdenke. Einfach so was sagen macht man ja sonst nie, das Einzige was mir einfällt ist „Wir gewinnen heute Nachmittag Eins zu Null“ und weil das ja ein bisschen wenig ist, wiederhol ich es vorsichtshalber noch einmal „Wir gewinnen heute Nachmittag Eins zu Null“. Frank`s Mutter schüttelt ihr frisch toupiertes Haupt, ich hätte doch sonst auch immer Sabbelwasser getrunken, was sei denn bloß los mit mir, Frank muss einspringen und erzählen, was er zum Frühstück hatte. Das Ergebnis fällt mit „Brot und Milch“ noch schlimmer aus als bei mir, seine Mutter drückt entnervt auf einen Knopf, dreht an einem Hebel, drückt wieder auf einen Knopf und wie aus dem Nichts ist eine eigenartige Stimme zu hören, die zweimal krächzend verkündet, dass wir heute Nachmittag Eins zu Null gewinnen werden, Frank`s niederschmetternde Frühstücksmeldungen sind besser zu verstehen. So ein Tonbandgerät ist verflucht teuer, sie kennt noch keinen aus der Gegend der so ein Ding hat und nur wenn sie oder Frank`s Vater dabei sind, dürfen wir auch mal was damit aufnehmen, ansonsten setzt es was, das unser Arsch denkt er habe Geburtstag. Das kann Frank`s Vater „vonne Tour“ reinkommend nur bestätigen, wir sollen uns ja nicht erwischen lassen und jetzt mal eben schnell seine Tageseinnahmen zusammenzählen, er hatt`s zwar vorhin schon gemacht, aber er möchte doch zu gerne mal wissen, wer von uns Beiden besser rechnen kann und wenn ich in ein paar Wochen auch zur Schule komm` weiss ich schon alles, die Lehrer tun dann bestimmt staunen und seine Muskeln hat er vom Bierfässer tragen, Autos verkaufen wie mein Vater ist nichts für ihn. Für`s Spiel heute Nachmittag sieht er ziemlich schwarz, Horst und Karl-Heinz sind immer noch angeschlagen und nur mit Willy hinten drin können wir`s gleich vergessen, jetzt muss er aber erst mal was essen und sich kurz hinlegen bevor es losgeht, wir haben beide was Falsches raus, nun darf er alles nochmal zählen, am besten wir spielen draußen noch ein bisschen, oder gehen nach Hause und schiessen vor allem nicht immer mit dem Ball gegen die Hauswand, nochmal sagt er das nicht.

Über den Schulhof und zwischen den Häusern bis zur Hauptstraße, bin ich relativ sicher, danach beginnt Feindesgebiet und man muss auf alles gefasst sein, aber von Mario und Sabine ist weit und breit nichts zu sehen, Günter`s Tabakladen ist auch schon geschlossen, es ist verdächtig ruhig. Schnell ins Haus, durch die „Automatenstraße“ nach hinten auf den Hof, von dort vorsichtig an den Garagen entlang die lange Auffahrt hinunter, noch immer nichts. Für Samstag mittags sehr ungewöhnlich, hier toben sonst die wildesten Kämpfe und das Kriegsgeschrei von Rothäuten und Bleichgesichtern, ist zur Freude der älteren Mieter immer weithin hörbar, … ich habe das Spiel vergessen! Mit Vollgas zurück ins Haus, dreieinhalb Stockwerke nach oben, ein kurzer Blick auf den Dachgarten, auch hier ist kein Hinterhalt zu befürchten, alles wie ausgestorben, Niemand da.

Auf Mama`s Uhr ist es halb Drei, weil um Drei das Spiel losgeht. Das hab` ich seit heute Morgen doch ganz genau gewusst, da ich ja schon sechs und deswegen nicht mehr klein bin, Papa sitzt längst alleine vorm` Fernseher, das Essen ist jetzt kalt und Haare schneiden muss sie mir wegen nachher auch noch, also ab unter die Dusche.

Wenn ich beim Abtrocknen nicht einschlafe, können wir`s vielleicht gerade so schaffen, Essen darf ich gleich ausnahmsweise beim Fernsehen und an die neue Haarschneidemaschine muss sie sich erst noch gewöhnen, das kommt eben davon, wenn man zu spät kommt und nicht stillhält, aber die zwei kleinen Stellen sieht man bei so kurzen Haaren eh` kaum, von vorn kann sie jedenfalls fast gar nichts entdecken, … die Nationalhymnen.

Hinter meinem Sessel wird fünfundvierzig Minuten lang auf- und abgesprungen, tief geflucht und hoch gekreischt, zur Halbzeit steht es Eins zu Eins, endlich gibt es was zu essen, keine Lux mehr und natürlich hat sie wieder die Schuld, alles muss er selber machen, der Schiedsrichter ist ein Arschloch. Kurz vor Schluss liegen wir Eins zu Zwei zurück und ich plötzlich auf dem Boden, Papa`s düsenjetähnliches Ausgleichsgebrüll hat mich vom Sessel gefegt, endlich mal Weber „derHunddasSchweindieSau“, jetzt haben wir sie, einfach nach vorne, Emma bestimmt noch mit links und dazu Uwe mit Hechtköppern, wegwischen können wir auch nachher, jetzt sollen wir mal sehen, er hat es ja gleich gesagt, die scheiß Lux sind alle nass.

Dreißig Minuten später pfeift das bestochene Arschloch ab, das hat man sich ja gleich denken können, Schweizer Schiri und russischer Linienrichter, alles abgesprochen, in vier Jahren in Mexiko oder so, werden sie schon sehen wie wir`s ihnen dann zeigen, mit meinen kahlen Stellen auf dem Kopf sehe ich ja fast aus wie Uwe Seeler, was die in der Schule wohl dazu sagen.

Absprachen

Wenn Sabine nachher endlich auftaucht, tun wir am besten so wie immer. Ich bleib` wie jetzt auf dem Sessel, das Sofa packt er einfach mit seinen Angelsachen schön voll, also muss sie sich zu ihm auf die frisch bezogene Bettcouch setzen und ich kann dann nach ungefähr zehn Minuten, wegen meiner Oma oder so was, diskret verschwinden.

Thomas hat alles genau ausgetüftelt und unauffällig praktisch aufgebaut, Cola, Fanta, Sekt, Wein, Bier, Chips und Gläser stehen in Griffweite, die Sechziger ist gegen eine fünfzehn Watt Birne ausgetauscht und der Plattenspieler samt LP`s wartet am Bettcouchkopfende einsatzbereit. Nach dem dritten Bier fühlt er sich schon etwas lockerer, vorhin war er zugegebenermassen doch ein bisschen nervös. Letzte Woche hat er ja nur ganz kurz mit ihr gesprochen und sie einfach mal so eingeladen und damit sie nicht denkt, er habe was vor, glaubt sie eben, dass noch Andere kommen und deshalb müssen wir ihr gleich irgendwas erzählen, von wegen die haben abgesagt oder keine Zeit wegen Fussball oder so und er zieht wohl doch lieber das blaue Hemd an, das Rote schiebt hinten immer so hoch.

Wenn Sabine nachher auftaucht, wird er natürlich andere Musik auflegen, Beatles oder Abba oder Cat Stevens, was Mädels eben so mögen, aber jetzt zum Bier gibt`s für uns erst mal Deep Purple und die ruhig auch ein bisschen lauter, weil sein Kellerzimmer, mit den Eierpappen untrer` Decke und dem eigenen Eingang, doch schon so einige Vorzüge hat. Die Alten müssen ja auch nicht unbedingt immer alles mitkriegen, wann er Abends manchmal noch losgeht zum Beispiel, oder was er hier alles so reinschleppt und worüber er mit Sabine nachher reden soll, weiss er auch noch nicht. Vielleicht über die Angelmaden von seinem Vater, die aus ihrer Plastikbox geflüchtet sind und dass seine Mutter deshalb einen neuen Kühlschrank kaufen wollte, oder dass sie, mit dickem Fan-Album unterm` Arm, zum Costa Cordalis Auftritt extra nach Bremerhaven gedüst ist; aber das muss eigentlich niemand unbedingt erfahren, ein Bier schaffen wir bestimmt noch bevor Sabine auftaucht, ihm wird dann schon irgend etwas einfallen.

Wenn Sabine jetzt nicht bald auftaucht, hat sie ja eigentlich auch selber Schuld, er ist schliesslich vor fast über einer Stunde noch topfit gewesen und auch nach dem sechsten Bier kann er die Buchtitel, bis auf die Taschenbücher da ganz hinten im Regal, komplett vorlesen, wenn er sich ein Auge zuhält. Er sieht das jedenfalls gar nicht mehr ein, hier so lange blöde rumzuwarten, weil sie ja genau um Fünf verabredet waren und auch wenn Frauen sowieso immer zu spät kommen, müsste sie jetzt doch schon längst da sein. Darum wird er sich mal eben, für höchstens fünf bis zwanzig Minuten, gemütlich zurücklehnen und ohne zu schlafen ein bisschen meditieren. Das mit den Kühlschrankmaden und Costa ist sowieso alles Scheisse gewesen, wenn Sabine gleich doch noch auftaucht, kann ich ihn ja unauffällig schnell warnen und ihr sagen, wie fit er stundenlang gewesen ist, vom Wein oder Sekt ist zum Glück ja noch genug da.

Amtsgeschäfte

Vor der Flaggenparade, wird wie immer erst mal Opa`s Büro kontrolliert, jedes Teil liegt am exakt dafür vorgesehenen Platz, alles ist noch so, wie er es gestern zurückgelassen hat, als Arbeitsamtdienststellenleiter hat man eben seine Pflichten und muss immer mit gutem Beispiel vorangehen. Die Schrank- und Schreibtischtüren öffnen sich nach leichtem Schlüsseldrehen rasend schnell, seine Ablage ist griffbereit nach Monaten, oder Jahren, oder Namen, oder Dienststellen, oder Wichtigkeit geordnet und weil jeder andauernd was von ihm will, stehen zwei Telefone auf dem grossen und eine Schreibmaschine auf dem kleinen Schreibtisch, ich soll ja nicht so viel rumschmaddern, das Kohlepapier ist nicht zum Fingerabdrücke machen da. Hier ist seine Schaltzentrale, hier trifft er die richtigen Entscheidungen, Kaffee kochen, Blumen giessen, Kalender einstellen und mal ein paar Briefe schreiben macht dann Waltraut, die Sekretärin, er hat zu viele wichtige Dinge zu erledigen, er muss zum Schluß dann auch noch jedesmal alles genau kontrollieren und abzeichnen, denn wenn was schiefläuft, ist er der Gelackmeierte. Jeder einzelne Brief wird von ihm überprüft, oft sogar das Kaffee kochen, Kalender einstellen und Blumen giessen, oder wann die Anderen kommen oder nach Hause gehen, eigentlich muss er immer alles überprüfen und weil der Klopapiervorrat auch schon wieder fast am Ende ist und die Flagge irgend so ein Tunichtgut natürlich wieder absichtlich genau ins falsche Fach gelegt hat, hätten wir ja fast ewig suchen können. Bestimmt wieder Meier III, der Ober-Lorbas, den Dämlack wird er sich am Montag gleich mal vorknöpfen.

Draussen, bei der Flaggenparade zum morgigen Feiertag, gibt`s aus zu wichtigem Anlass auch heute keine Experimente. Weil ja die gesamte Nachbarschaft hinter den Gardinen steht und nur auf einen Fehler von uns lauert, muss natürlich alles beim Alten bleiben. Opa zieht, mit dem Mund die Nationalhymne trompetend, seine Arbeitsamtsflagge hoch, während ich, in "Hab Acht Stellung" und salutierend, das Ganze gegen eventuelle Übergriffe absichere. Nach Hymnenende folgt das "Hand ab" Kommando, hinter den Nachbarschaftsgardinen ist alles ruhig geblieben, denen haben wir es wieder mal gezeigt, jetzt schnell mit dem Rad zum Bäcker, das bestellte Graubrot abholen, Oma`s Eisbeinsauerkraut wartet bestimmt schon ungeduldig.

Wenn sich Erwachsene unterhalten, hat man nicht dazwischen zu reden. Disziplin und ordentliches Benehmen, sind die zwei wichtigsten Dinge im Leben. Und natürlich Ehrlichkeit und Sauberkeit. Und Pünktlichkeit und Höflichkeit. Dienststellenleiter auf dem Amt, oder Chorleiter bei gleich zwei Chören, wird man nicht einfach so. Da muss man immer korrekt auftreten und dann Abends noch den ganzen Obst- und Gemüsegarten, oder Rasen mähen und auch am Haus ist dauernd was zu reparieren. Den Idioten in der Bäckerei vorhin, soll ich nicht ernst nehmen, auf einer Weihnachtsfeier darf schon mal einer getrunken werden, aber auf jeden Fall ist es besser, Oma nichts davon zu erzählen, die glaubt das sonst womöglich noch, die hat so schon immer genug zu meckern, wir haben sogar noch Zeit für ein schnelles Eis vor dem Essen, das muss Oma ja auch nicht unbedingt wissen.

Aufholjagd

Was das denn soll, will Axel wissen und überhaupt habe ich hier gar nichts zu suchen, weil, das hat ihm gerade noch gefehlt, so ne` Scheiße. Dass die Ecke eigentlich keine war und der Ball unglücklich von meinem Knie in den Winkel geprallt ist, interessiert ihn nicht, er holt die Kugel aus dem Netz, schlägt sie weit Richtung Anstoß Kreis ab und klatscht in seine Torwarthandschuhe, weiter geht`s, alle mal jetzt gefälligst wie abgesprochen sofort zusammenreißen, wir packen das, ich soll vorne bleiben. Kurz vor der Pause endlich der Ausgleich, die Westertimker haben sich zu früh gefreut, das Aufstiegsrennen ist wieder offen, noch ein Tor und wir spielen nächste Saison in der Zweiten-Kreisklasse-Nord, daran gibt es während des Halbzeitdonnerwetters keinen Zweifel mehr. Ab sofort volle Konzentration und immer drauf, die Anderen sind vollkommen fertig und kaputt, einfach schön ruhig weiterspielen und egal was der Schiri pfeift, einfach immer ruhig bleiben und weitermachen und ich soll bloß vorne bleiben, wie das denn überhaupt passieren konnte, nach fünf Minuten schon so`n Ding, aber jetzt is` egal, jetzt muss ich natürlich vorne auch einen machen, dann is` wieder gut, dann reden wir nicht mehr drüber, der Schiri macht das mit Absicht, also bloß nicht meckern, das wird schon, wir packen das, weiter geht`s.

Zehn Minuten später, muss Axel der schwarzen Sau aber doch mal eben seine Meinung sagen, von wegen Hand und Elfmeter, zu blöd um aus`m Bus zu kucken und nie Abseits pfeifen, so sieht`s nämlich aus und die rote Karte kann er sich gleich in` Arsch schieben; der Elfer zischt trotz Axel`s Toni-Schumacher-Handschuhen und Wolter-Hechtsprung, unter mir als Ersatzkeeper durch, jetzt brauchen wir schon zwei Tore. Nur zu Zehnt und gegen einen entfesselt aufpfeifenden Schiedsrichter wird es dann schwer, trotz eindringlicher Warnungen der aufgebrachten Fans, verteilt er fröhlich flötend gelbe Karten und ignoriert konsequent die Abseitsregel, auch unser Coach muss wegen Hinterteil-und Gesichtsvergleich die Spielstätte verlassen, die Zeit verrinnt. Ein paar Minuten bleiben noch, der Aufstiegstraum ist fast schon ausgeträumt, jetzt heißt es Hopp oder Top, ein letzter Versuch, die Fans greifen ein. Nun zeigt sich, dass es vom Schiri richtig war, die zweite Halbzeit nicht sehr laufintensiv zu gestalten. Hakenschlagend schafft er es bis an den Spielfeldrand, wo er vom spontan gegründeten Sicherheitsdienst des Vereinsvorstandes in Manndeckung genommen und ziemlich sicher zur Umkleidekabine geleitet wird. Nur der lange Dirk kann sich mit einer Eckfahne noch ein paar Mal überzeugend aus der zweiten Reihe durchsetzen, Eddie weiß wo der Schiri wohnt, damit wird der nicht durchkommen, das wird ein Nachspiel haben, an unserer Tankstelle gibt`s garantiert keine Luft für seine Reifen, nächstes Jahr steigen wir auf.

Bauernopfer

So gut wie ich hätten sie`s auch gern, Autohalle, Wohnung, alle zwei Wochen mal Rasen mähen, n`kleinen Bruder, fertig. Jörg und Jochen, die zwei „unähnlichsten Zwillinge Nordeuropas“, stützen sich auf ihre Schaufeln und schauen missmutig zu mir rüber, mindestens eine Stunde brauchen sie noch zum Umgraben, ich kann ja drinnen so lange warten und ein bisschen lesen, Kartoffeln werden sie ab sofort nicht mehr essen, das hat der Tyrann dann davon. Der Tyrann ist Ringleiter und ihr Vater und weil der sich aus beruflichen Gründen nicht um Boxkämpfe, sondern um die Bauern in der Gegend kümmert, müssen sie hier landwirtschaftliche Fronarbeit verrichten, das wird demnächst noch weitere Konsequenzen haben, mit den Kartoffeln, das ist erst der Anfang.

Metalldoppelstockbett mit Stahlfedern, ein Schrank, ein Schreibtisch, ein Stuhl, für mehr ist in ihrem kleinen Zimmer kein Platz. Oben auf Jörg`s Bett das „Scheiß-Drecksding“, seine Rückenformende Gipsschale, unter`m Bett, zum hervorziehen, Jochen`s Stadion, anfassen streng verboten. Weiß gekreideter grüner Stoff, auf Holzplatte gespannt, durchnummerierte Halmasteine in verschiedensten Farben, eine kleine schwarzweiß gefleckte Murmel und selbst gebaute Tore mit echtem Apfelsinen-Netz. Hier lässt Jochen spannende Bundesliga- oder Europapokalpartien detailgetreu und mit eigenem Reporterkommentar wiederauferstehen, die passende Atmosphäre der meist Sechzigtausend, wird von ihm mit flüsternd-hauchender Stimme natürlich auch selbst erzeugt.

Nach einer Dreiviertelstunde mit Asterix und Obelix, stürmen die zwei „Totengräber“ herein, extra Gas gegeben und ein bisschen geschummelt haben sie, das hat der alte Schinder jetzt davon, eben Ball aufpumpen, Hände waschen und dann los, an der Haustür erwischt mich ihre Mutter doch noch. Dieses Mal kann ich sie aber beruhigen, vorgestern war es soweit, selbstverständlich geht es meiner Mutter gut, sie kommt ja heute Abend schon wieder nach Hause, ich habe noch einen kleinen Bruder bekommen, den Namen kennen wir noch nicht und meine Oma hilft bestimmt, die Glückwünsche vergesse ich garantiert nicht, endlich kommen wir los.

Fast eine Stunde haben wir verloren, schnell zwei Jacken als Torpfosten, Eins gegen Eins und Einer im Tor, Keeper ist gleichzeitig auch Schiedsrichter und Treckermelder und tatsächlich, nach nur zehn Minuten Spielzeit, müssen wir wegen Treckeralarm blitzschnell im matschigen Graben „volle Deckung“ suchen, Bauer Rothermund mag keinen Fußball auf seinen Wiesen, Nervenaufreibend langsam patrouilliert er an uns vorbei. Knapp fünfzehn Minuten später folgt schon der nächste Alarm, das hat mit Fußball nicht mehr viel zu tun, Matsch in Schuhen und Unterhose, so wird das nie was, der Bau des Stubbe-Stadions wird noch im Grabeninneren beschlossen. Als es dann, wie fast immer beim brisanten Zwillingsderby, zwischen „du stellst dich an wie`n Mädchen“ Jörg und „du bist genau so`n Arsch wie der Alte“ Jochen, hart an die Grenzen des Erlaubten geht und dazu dem altersschwachen Wembley-Ball wiederholt die Luft wegbleibt, kommt es zum endgültigen Spielabbruch.

Mama ist wegen ihrer Umstände doppelt so wütend wie sonst, sie ist von mir zwar einiges gewohnt, doch damit hätte sie grad` heute, nach unserem schönen Frühstück, im Leben nicht gerechnet. Was sollen bloß die Nachbarn denken und was heißt eigentlich sie schläft den ganzen Tag und den Blumentopf darf ich deswegen aber ganz schnell sofort zu Jochen und Jörg`s Mutter zurückbringen, die im Übrigen nur sehr nett nervt. Zwei Wochen Fernsehverbot, kein Käpt`n Nuss, keine Manta-Probefahrt und den Ball zum Geburtstag bringt sie garantiert wieder zurück, wenn Papa nachher vom schweren Autoverkaufen nach Hause kommt.

Und weil ich ja wohl von allen guten Geistern verlassen bin, kann ich mich darauf schon mal freuen, denn bei so was weiss sie auch nicht mehr, wie das noch werden soll.

Jochen und Jörg hätten sich an meiner Stelle nicht bei ihrer Mutter entschuldigt, das geschieht der neugierigen Meckerziege ganz recht, wie ich denn darauf gekommen bin, sowas haben sie mir gar nicht zugetraut. Aber den Garten müssen sie Morgen noch mal umgraben, der Ball ist vorhin sofort vom Despoten persönlich beschlagnahmt worden und beim Stadionbau wird`s, wegen der derzeitigen Kuhplatznutzung, mit Jürgen Stubbe`s Vater wohl Probleme geben, in sechs Jahren werden sie ausziehen.

Durstrecke

Mit dem Zweimeter Arschloch, hat Olaf doch mehr Probleme als gedacht, wieder wird er zurückgestoßen und kann sich dieses Mal nur dank Aschi`s zupackender Mithilfe auf den Beinen halten, beinahe hätte er sogar was von seinem Bier verschüttet. Olaf hat jetzt irgendwann mal endgültig die Schnauze voll, wenn Susanne unbedingt mit Frankensteins Bruder zusammen sein will, soll sie doch und in dem Scheißladen hier ist heute sowieso nichts los, wir Vier sollten nach Neuenwalde fahren, da ist Party bei Schoolmann, da gibt`s Freibier und nette Mädels, wenn wir einen Fahrer finden. Thomas hat seinen Wagen sogar irgendwo dabei, aber draußen stehen überall nur rote Autos und das mit der Damentoilette vorhin wollte er eigentlich gar nicht, Aschi kann wegen --- „gerade eine gedampft, ey“- weit weg, hier vorn oder da ganz drüben, schlecht unterscheiden und auch Olaf ist sich nicht sicher, ob er mit dem zuschwellenden Auge und ohne Führerschein an`s Lenkrad sollte. Zum Glück hab` ich ihrer Meinung nach ja immer noch den Überblick und bin ein Mann mit Erfahrung ; damals vor`m halben Jahr, mit „Ingo-Janz-Katzenschwanz“ und „Dietmarie“ zu dritt auf dem Moped gestoppt und trotzdem die Bullen noch fast ganz schön reingelegt. Wenn einer von uns irgendwas weiß wie wir das jetzt am besten machen, dann ich. Ausserdem sind Irene, Britta, Sabine und die anderen Süßen garantiert vielleicht auch gleich da, Einer für alle, Thoma`s Golf ist rot, steht irgendwo ganz hinten auf dem Parkplatz und hat fünfundsiebzig PS.

Draußen bewegen wir uns, dank abgesprochener Kommandos, schnell und sicher. Der Wagen ist bald gefunden, Thomas hat unten in der Hecke wirklich Geld oder sowas blitzen sehen und seinen Autoschlüssel muss ich ihm im Notfall aber wenigstens irgendwie heimlich entwendet haben, im Polizeifunk werden Samstag Nachts nämlich eher die Nebenstrecken, als die Hauptstraßen kontrolliert. Kurz vor Neuenwalde riecht Olaf`s Auge immer stärker nach aufgetauter Frikadelle, Aschi will auf jeden Fall erst Bier trinken oder erst eine dampfen, Thomas erklärt den Unterschied zwischen meditieren und schlafen und ich kann, dank vorausschauender Fahrweise, einem blinkenden Verkehrshindernis elegant ausweichen. Zwei Minuten später hat uns das blinkende Hindernis wieder eingeholt, Olaf und Aschi als ahnungslose Hinterbänkler dürfen weiter zur Party, der meditierende Fahrzeughalter und ich als Erfahrenster, sollen bei einem fast freiwilligen Test auf der Wache mitmachen, diskutieren können wir da auch viel besser.

Thomas kann an diesem Abend das Publikum einfach nicht auf seine Seite ziehen. Sein etwas undeutlich vorgetragener „Wir scheißen auf die Bundeswehr“ Hit, wird von den uniformierten Polizeiwachezuschauern nicht als Berufsnachweis für Zeitsoldaten anerkannt, dass beim Koordinationstest seine Fingerspitzen jedes Mal in und nicht an der Nase landen, finden sie auch nur mäßig komisch und als er, trotz ärztlicher Aufforderung, aus ethischen Gründen keinesfalls auf den Strich gehen möchte, wird der lustige Teil endgültig für beendet erklärt. Thomas sagt jetzt, wegen der unnötig hässlichen Armreifen und dem anschließenden Bluttest , ab sofort ohne Anwalt gar nichts mehr, erst als die Polizisten uns aus Sicherheitsgründen Zuhause abliefern wollen, gibt er unter offiziellem Protest etwas zu Protokoll; sein Autoschlüssel muss ihm in einem unbedachten Tresenmoment heimlich abhanden gekommen sein, die Polizisten könnten mich ja auch mal was fragen und sein Vater ist leider Beamter, den kennt er ziemlich gut, den würde er nicht so einfach mitten in der Nacht wecken, er möchte gleich nicht an ihrer Stelle sein.

Einbruch

Anfangs hat Dietmar noch große Zweifel, ob Christine wirklich auf ihn steht, immerhin ist sie einen Kopf grösser als er und hat schon „so` ne´ Dinger“. Aber nach drei Persico sieht die Sache gleich viel besser aus, er ist schließlich der Einzige, den sie immer auf den Oberarm schlägt und kurz nach dem fünften Gläschen ist er sich endgültig sicher: Thomas kann ihre Telefonnummer schon mal eben raussuchen, er persönlich wird die Sache dann sofort heute Abend irgendwann noch klären. Dass Christines Eltern sich über den abendlichen Anruf eines vierzehnjährigen Persico Trinkers eventuell nicht freuen , kann Dietmar nur teilweise gelten lassen. Er als Gymnasialschüler, hat gerade eben nämlich noch was ganz Tolles gewusst, dass er Christine, bzw. ihren Eltern, unbedingt hat sagen wollen, jetzt darf er wegen unseres dazwischenquatschens wieder von vorn nachdenken, ich kann ihm lieber schnell noch mal einen einschenken und was zu schreiben geben, obwohl, vielleicht sollte er doch besser Montagmorgen in der Schule mit ihr reden, da kann sie dann wenigstens nicht einfach wieder auflegen. Das halten Thomas und ich auch für die bessere Idee, darauf wird noch einer getrunken, unser erster Ausflug in die Welt des Alkohols scheint ein voller Erfolg zu werden, andere hätten nach so viel Persico schon längst falsche Entscheidungen getroffen, ich mache die nächste Flasche auf. Eine Stunde später freut Dietmar sich, nicht telefoniert zu haben, die kleine Sabine ist nämlich viel süßer und zurückhaltender als die Eine, Andere, die er wegen uns vorhin anrufen sollte, hinter der sind auch nicht so viele Jungs her, nur ihre Hundert-Meter-Zeiten machen ihm etwas Sorgen, laufen findet er nicht so.

Statt links Richtung Strasse, geht`s für Dietmar auf dem Weg nach Hause mit Schwung geradeaus in die Büsche. Seiner selbstaufgenommenen Kassettensammlung in der Plastiktüte ist, dank Doppelhandsicherung und Kopfbremslandung, aber nichts passiert, die paar Schürfwunden im Gesicht sind`n Klacks gegen das, was er vor zehn Wochen oder Monaten am Knie hatte, über die kaum verheilten Narben würden wir uns ganz schön wundern, wenn`s nicht so dunkel wär` und seine Hose war eh` schon kaputt. Eine Gesichtsblutinspektion, wird von ihm aber wegen „nich` auf`m Kindergeburtstag“ abgelehnt und auch den Klingelstreich am „drei heiße Schwestern-Nachbarhaus“, lässt er sich trotz erheblicher Gleichgewichtsstörungen nicht ausreden. Bei der anschließenden Flucht überquert er lässig und mit erstaunlich elegantem Sprung eine nicht vorhandene Gartenpforte ; an den drei Meter tief abfallenden Obstgarten auf der anderen Seite, hat er allerdings nicht gedacht. Thomas und ich können nur noch seine flinken, in`s leere strampelnden Beine bewundern, bevor er laut „oijoijoiend“ im Dunkeln verschwindet, den Rest des Weges nehmen wir ihn, aus „sicherheitstechnischen Knöchelgründen“ , in die Mitte.

Dietmar`s Eltern sitzen, zusammen mit einem noch beknackteren Arztehepaar, Karten spielend im Wohnzimmer. Dietmar erkennt seine Eltern, selbst hier von der Straße aus, durch die geschlossenen Vorhänge sofort an ihrer Haltung und der dämlichen Art wie sie sich bewegen, die würde er überall wiedererkennen und weil er so clever ist, hat er schon am Nachmittag sein Zimmerfenster von innen geöffnet, jetzt kann er ganz unauffällig reinkommen, das haben wir wohl nicht gedacht, so schnell macht ihm keiner was vor. Nach dreimaliger Clevernessbestätigung, erreichen wir endlich sein Zimmerfenster, noch ein paar verschwörerische Gesten und Augenrollen, dann stößt er das Fenster mit den dahinter vergessenen Blumentöpfen auf. Von deren Aufprall an, muss er natürlich allein klarkommen, aus sicherer Entfernung beobachten wir staunend, wie er sich, Mamas „heiliges Blumenbeet“ schonend, in seine Kassettensammlung-Plastiktüte übergibt, kurz darauf hört man auch schon die entsetztheilige Stimme seiner Mutter. Bevor Thomas und ich verschwinden, reicht Clever-Man seiner Mutter pflichtbewusst die Plastiktüte durch`s Fenster, Thomas und mir ist nun endgültig klar, dass er nicht ganz dichthalten wird und wir noch heute Abend, spätestens aber morgen früh, mit unangenehmen Elternbefragungen rechnen müssen.

Erfolge

Olaf schaut seinem Stoß entsetzt hinterher, bis jetzt sieht er wie der sichere Sieger aus, nur noch die Rote und dann die schwarze Kugel versenken, Olaf macht`s genau umgekehrt und verliert damit das Billard Play-off mit zwei zu drei Spielen. Meinen Hustenanfall nimmt er mir nicht ab, der kleine Tisch steht ausserdem total schief und bei dem Licht würde er sogar Helga Feddersen heiraten, oder die Eine aus der Elften küssen, wenn er vorher n`Kleinen getrunken hätte. Dass er nachher in der Disco drei und ich nur zwei Runden ausgeben muss, ärgert ihn dann aber kaum noch, die sechs von mir im Schrank versteckten Flaschen Herforder besänftigen ihn sofort, er hat nämlich schon befürchtet, während der Sportschau elendig verdursten zu müssen, bis Acht gibt`s ja sonst nix mehr. Vier Bier später hat er sogar richtig gute Laune, Bayern hat gewonnen, meine Gladbacher werden sowieso nie wieder Meister, der fünfte Titel voriges Jahr ist garantiert der Letzte gewesen, darauf wettet er sofort jede Summe oder hundert Mark, schade, dass es noch keine Zeitreisen gibt. Ein kurzer Blick auf die Uhr, lässt ihn dann sein letztes Pils elegant blubbernd in einem Zug leeren, viertel vor Acht macht die Disco auf, nachher beim Wodka-O trinken hab` ich jedenfalls keine Chance gegen ihn, er befindet sich heute in absoluter Topform, wenn die Anderen um Neun nachkommen, haben wir beide bestimmt schon ordentlich ein` im Tee, aber von Nichts kommt Nichts, also los.

Günter schätzt die Zwei auf Siebzehn, höchstens achtzehn Jahre. Vor fünf Minuten erst hat die Disco ihre Tür geöffnet, eine Minute später stehen dieser Olaf und sein Kumpel das erste Mal bei ihm am Tresen, zehn Wodka-O auf`m Tablett sollten`s da gleich sein und jetzt wird von den Beiden, natürlich lässig aufgestützt, schon Tablett Nummer Zwei geordert. Einen besonderen Grund haben sie eigentlich nicht, einfach so richtig krachen lassen wollen sie`s heute Abend; dass der Abend heute noch bis Mitternacht geht, wissen sie selber, auf Schorsch`s Geburtstag neulich, da ist es rundgegangen, da hätte er sie mal sehen sollen. Bis zurück zu ihrem Tisch und auch als sie schon längst wieder sitzen und sich zuprosten, rufen sie noch Schorschgeschichten zu ihm rüber, weil er das ja sonst nicht glauben würde, aber Günter steht fast jeden Samstag hinter`m Tresen, deshalb glaubt er ihnen und deshalb winkt er lächelnd ab und deshalb ist er froh, bei Schorsch neulich nicht dabei gewesen zu sein. Dreimal noch, stehen die Beiden innerhalb der nächsten zwanzig Minuten mit leerem Tablett vor ihm. Von ihren spannenden Erzählungen, bekommt er aber trotz seines fröhlichen Lachens kaum noch etwas mit, DJ-Arno lässt die Bee-Gees in allen erdenklichen Höhen und Lautstärken letzte Anlagentests durchführen und auch andere frühe Gäste, geben jetzt erste Bestellungen bei ihm auf; Schorsch kommt so um Neun, den kann er dann ja selber fragen.

Wieder sieht Günter die Beiden aufstehen. Während Olaf`s Kumpel noch, in umständlich gebückter Haltung, Tisch und Stuhl gleichzeitig vor dem Umfallen sichert, schrammt Olaf schon leichtfüßig an drei, vier Tischen entlang, erwischt dank zunehmendem Linksdrall und davonfliegendem Gläsertablett den Fünften endlich voll und kann durch gedankenschnelles Nachfassen, sogar noch das Shirt einer im Weg sitzenden „dämlichen Kuh“ zerreissen, während er zu Boden geht. Als Günter am Tatort eintrifft, ist auch Olaf`s Kumpel längst Stühle krachend mitabgetaucht und bevor aufmerksame Sicherheitskräfte helfend eingreifen können, muss Günter Olaf fest versprechen, dass er später alles bezeugen wird mit dem ganzen Wodka, weil das ja sonst eh` wieder keiner glaubt, so wie vorhin der Eine bei der Geschichte mit Schorsch.

Festspiele

"Wer kein Kreuz hat, muss den Arsch in der Hand tragen!" Opa will gern noch ein bisschen Skat kloppen, bevor es losgeht und ich darf für Heinz und ihn wieder den dritten Mann geben, mit Neulich war nicht meine Schuld, dieses Mal wird auch bestimmt keiner mit mir meckern, sie sagen mir dann einfach immer, was ich ausspielen soll. Nach drei Minuten muss unser Spiel aber trotzdem, wegen "so dämlich kann man doch gar nicht sein", für ein paar Jahre unterbrochen werden, ich habe angeblich zweimal falsch bedient und die Karten kann ich auch nicht richtig halten, Mau-Mau kommt für Opa nicht in Frage, da können wir ja gleich Gummi-Twist oder so was machen, er kuckt lieber mal nach, ob im Keller alles in Ordnung ist.