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Ein Containerschiff gerät während seiner Jungfernfahrt von Shanghai nach Neuseeland in einen gefährlichen Typhoon. Wellen bis zu 20m schlagen auf das Schiff ein, welches immer mehr Schaden nimmt und langsam voll Wasser läuft. Hoher Seegang, erschöpfte Besatzung, sowie das Porträt eines "Seebären" nehmen den Leser gefangen.
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Seitenzahl: 142
Veröffentlichungsjahr: 2015
www.tredition.de
Mike S. Born
Typhoon Kirogi
True Story
www.tredition.de
© 2015 Mike S. Born
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7323-2507-8
Hardcover:
978-3-7323-2508-5
e-Book:
978-3-7323-2509-2
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Über den Autor
Michael S.Born wurde im Februar 1949 im Ruhrgebiet geboren. Eine wenig schmeichelhafte Kindheit bewegte Ihn in jungen Jahren zur See zu fahren. Schon früh fuhr er als Kapitän auf Kümos in der Nord und Ostsee, danach auf größeren Frachtern weltweit.
Seine Seefahrtzeit wurde oft durch Landjobs unterbrochen, welches seiner Abenteuerlust entgegenkam. Seit fast 20 Jahren selbständig, unterbrochen durch mehrjährige verteilte Fahrzeiten als Kapitän ist er der See immer treu geblieben.
Zur Zeit schippert er mit seinem Segelboot auf den Kanarischen Inseln. Die Idee zu seinem Buch basiert auf einer wahren Geschichte, die sich so abgespielt hat wie im Buch beschrieben.
Ähnlichkeiten von im Roman geschilderten Personen sind rein zufällig, die aufgeführten Orte allerdings und die Daten des Sturmes und die Tagebuchaufzeichnungen sind authentisch.
Der Leser mag sich selbst ein Bild dieses Geschehens machen, der Taifun Kirogi hat tatsächlich geweht.
Bretonisches Sprichwort:
Eine ruhige See hat noch nie einen guten Seemann gemacht
Vorwort
Taifun Kirogi
Von www.rp-online.de
„Kirogi“ wütet über Japan und den PhilippinenMindestens 45 Tote bei Taifun in Südostasien
zuletzt aktualisiert: 08.07.2000 - 21:45 Tokio (AP).
Der Taifun „Kirogi“ hat am Samstag an der Ostküste von Japan eine Spur der Verwüstung hinterlassen und mindestens drei Menschenleben gefordert. Ganze Städte wurden überflutet, Stromleitungen durchtrennt und unzählige Häuser von Schlamm begraben. Auf den Philippinen stieg die Zahl der Todesopfer nach „Kirogi“ und einem zweiten Wirbelsturm auf 42. Rund 800.000 Menschen, die auf Grund des Unwetters evakuiert wurden, harrten weiter in Schulen und öffentlichen Gebäuden aus.
In der Stadt Mito, nordöstlich von Tokio, standen die Bewohner bis zu den Knien in Schlamm und Wasser. Ein 81 Jahre alter Mann ertrank, nachdem er in einen Kanal gefallen war. Vor den Augen seines Vaters kam ein Dreijähriger nach Polizeiangaben in den Fluten eines Flusses außerhalb Tokios ums Leben.
In der Nähe der japanischen Hauptstadt starb ein 30- jähriger Autofahrer, dessen Wagen von einer nassen Straße abgekommen und in einem Wassergraben versunken war.
In einigen Gebieten im Osten Japans fiel vier Stunden lang der Strom aus, wie das japanische Fernsehen berichtete.
Mehr als 100 Inlandsflüge und Bahnverbindungen wurden abgesagt. Heftige Regenfälle setzten nach Angaben der Feuerwehr mindestens 300 Häuser in Tokio unter Wasser.
Im südchinesischen Meer tobte unterdessen der Taifun „Kaitak“, der sich aus südwestlicher Richtung der Südküste von Taiwan näherte. Die Meteorologen gaben eine Sturmwarnung heraus. Die Ausläufer des Taifuns brachten starke Regenfälle mit sich. Im Norden der Philippinen fiel am Samstag weiter heftiger Regen. Überschwemmungen richteten Schäden in Höhe von 82 Millionen Pesos (4,6 Millionen Mark/2,4 Millionen Euro) an. Mehr als 350 Häuser wurden zerstört oder beschädigt.
Die Behörden befürchteten, dass die Taifun-Saison den G- 8-Gipfel gefährden könnte, der vom 21. bis 23. Juli auf der japanischen Insel Okinawa stattfinden soll.
Was keine Zeitung berichtete war der Kampf von Kapitän Joachim Brander und seiner Besatzung die von Kirogi überrollt wurden, und tagelang ohne Schlaf, auf einem wild rollenden und stampfenden Schiff bei überkommenden bis zu 20 Meter hohen Brechern, um Ihr Leben kämpften.
Sie waren hilflos diesem ungeheuren Inferno eines der wohl stärksten Taifune überhaupt für eine endlos scheinende Zeit, tagelang ausgesetzt, einem Sturm, der mit Windgeschwindig-keiten bis zu 230 km/h um das Auge herum, daher kam.
Kapitän Brander
Die Kindheit von Brander war sicherlich etwas ungewöhnlicher und wich sicherlich schon etwas schicksalhaft von der sonst üblichen Norm ab.
Er wuchs bei seinen Großeltern auf, „Vater unbekannt“ seine Mutter starb als er gerade 5 Jahre alt war, ein Umstand der Ihn in seiner Kindheit nicht sehr belastete, erst später merkte er, dass es irgendwie unangenehm war, wenn er bei den Behörden irgendwelche Formulare ausfüllte, und er in der Rubrik Vater einschreiben musste -Vater unbekannt-.
Später schrieb er einfach: Name der Mutter – Maria; und bei Name des Vaters – Josef. Sein hintersinniger Humor kam hervor, den er zeitlebens, manchmal aber auch leicht übertrieben, anwandte.
Schon während des ersten Schuljahres fing er das Rauchen an, eine Schachtel „Lloyd“ Inhalt 4 Zigaretten, mit seinen zumeist älteren Freunden, mit denen er einige harte Jungenstreiche ausheckte.
Nachmittags wurden vorbeifahrende Züge mit Kieselsteinen von einer Brücke beworfen, die auf dem Schulweg lag, und die Eisenbahnschienen überquerte. Die Lok am Anfang des Zuges stieß große, wabernde, warme Schwaden von weißem Wasserdampf aus, wenn der Lokführer kurz vor der Brücke das Ventil öffnete, und der Überdruck aus dem Kessel entwich. Die Brücke war dann eine kleine Weile von den wärmenden unwirklichen weißgrauen Schwaden umhüllt, während die jungen Burschen im Schutz dieser Wolke wie schemenhafte Wesen, kleine Steine, die sie vorher aufgeklaubt hatten, auf die Fahrkabinen prasseln ließen.
Joachim und ein oder zwei andere Waghalsige schwangen sich an einem zusammengebundenen Büschel herunter hängender Zweige, einer wenige Meter an einem Hang nahe den Schienen stehenden Trauerweide, über den darunter fahrenden Zug hin und her, und erschraken die verblüfft hinter den Fenstern heraus schauenden Fahrgäste. Dies galt dann als die absolute Mutprobe.
Was nutzte es wenn der Großvater am nächsten Tag den Zeitungsartikel hervor holte und vorwurfsvoll sagte: „Ich weiß, dass Du es warst der die Steine geworfen hat, dein Kumpel Heinz von unten in der Parterre, hat es schon zugegeben, was bist Du nur für ein schlimmer Junge, wo soll dies nur hinführen, Du stößt uns alle ins Unglück, und bald wird die Polizei an der Tür klingeln, und dann musst Du ins Gefängnis.“
Beim kleinen Brander perlte aber alles ab, was sein Großvater gegen ihn vorbrachte, er bezog seine obligatorische Tracht Prügel, der Großvater zog seinen Koppel mit einer schweren Metallschnalle aus dem „Ersten Weltkrieg“ aus der Führung des Hosenbundes, und schlug damit im Badezimmer auf den Jungen ein, der mit heruntergelassener Hose bäuchlings auf der Toilette lag. Er nahm die Schläge wehrlos, fast teilnahmslos entgegen, aber trotzdem einige Tränen produzierend, was bei den Schmerzen aber auch leicht war, um den Opa etwas milder zu stimmen, und ließ die Erniedrigung einfach über sich ergehen.
Im Grunde war er froh, nicht noch mehr Dresche zu bekommen, so wie es einem Bäckerlehrling im gegenüberliegenden Block geschah, der von seinem Vater mit Holzlatten und Fäusten traktiert wurde, bis er verletzt und wimmernd auf dem Boden in der Waschküche im Keller eines Mehrfamilienhauses lag, voll von blauen Flecken, die Augen geschwollen, die Lippen manchmal aufgeplatzt, rissig voller Blut, Hautabschürfungen, gepaart mit Spuren der erbarmungslosen Prügel, die Ihm sein „Vater“ in hemmungslosen Jähzorn und aufflammendem Hass zufügte. Die eintretende Stille danach war gleichermaßen erschreckend und fürchtend. Erst nach langen Minuten humpelnd manchmal ein Bein nach ziehend kam er zu Brander und den anderen Jungs heraus kam, und schämte sich sogar abgrundtief dafür überhaupt solche Prügel erhalten zu haben.
Brander und seine Freunde hassten diesen Vater, aber sahen auch keine Möglichkeiten zu helfen, auch war der verprügelte nicht sehr mit der Gang von Heinz und Joachim befreundet. Dass die Nachbarn nichts unternahmen um diese Misshandlungen anzuzeigen war bezeichnend für diese Gegend, die schon ein wenig mitleidlos war.
Nach der Schule sprang Joachim dann aus dem dritten Stock die sechsstufigen schon etwas abgewetzten rot lackierten Treppenstufen hinunter, dabei immer drei Stufen überspringend, und mit einem lauten Knall auf der jeweiligen Etage landend. Türen öffneten sich hinter und über Ihm, aber das war Ihm egal, die Schimpfwörter der Nachbarn spornten Ihn nur noch weiter an, mehr Krach von sich zu geben, und in Parterre stieß er dann ein lautes Lachen aus, warf die geöffnete Haustür hinter sich zu und rannte aus dem zementgepflasterten Hof ohne anzuhalten direkt auf die Straße, um sich dort nach seinen Freunden umzusehen.
Gewöhnlich zog man sich dann in eine Lehmbude zurück, die sie selbst in den weichen Untergrund gegraben hatten, 250 Meter entfernt von der Trauerweide auf der anderen Seite der Brücke, Ein-und Ausgang mit Zweigen verdeckt, inmitten einiger Büsche, wo man ungesehen war, und in Ruhe seine Zigaretten rauchen konnte.
Erste Jugendliebe
Mit 12 oder 13 Jahren verliebte sich der kleine Brander in die Mutter eines Freundes, und war fortan täglich in diesem Haus, er war gerne gesehen von beiden Elternteilen, und rasch entwickelte sich ein sehr persönliches Verhältnis, welches dann auch intim wurde, er war einfach über beide Ohren verliebt, und musste dieses Geheimnis für sich behalten, um diese Liebesbeziehung die sich mittlerweile zu der Mutter seines Freundes entwickelt hatte, nicht zu gefährden.
Eine schöne Frau, für Ihn, der seine ersten Erfahrungen machte, eine Göttin. Seit er sie das erste Mal sah, träumte er unablässig davon wie es sein würde mit Ihr. Sie küssen zu dürfen, sie zu berühren, in seiner Fantasie, und in seinen Träumen war er bei Ihr, und morgens warf er heimlich seine Taschentücher fort, in die er sich abends oder während der Nacht entleerte.
Sie duzten sich bald, aber nur wenn Sie alleine waren, wenn er in der Küche mit Ihr war, kam sie mit dem Po in Ihrer engen elastischen Hose gegen seinen Bauch, und rieb aufreizend hin und her, so dass er vor lauter Erregung seine Männlichkeit nicht verbergen konnte. Er durfte auch von hinten Ihre knackigen Brüste umfassen und atmete intensiv ihren Duft ein, da er auch Ihre Erregung ahnte, und dann war es soweit, der Moment auf den er so lange gewartet hatte, den er so herbeigesehnt hatte, er wurde endlich Wirklichkeit.
Eine einzige Katastrophe, vorzeitig kommend gerade hineingesteckt, welche Blamage gepaart mit unendlicher Traurigkeit, alles was er in seiner Fantasie ausgemalt hatte, entlud sich schon nach einigen Sekunden.
Marion sagte einfach: „Macht nix, das passiert, wenn man zu sehr will, lass uns ein paar Minuten warten, streicheln, küssen, dann geht es wieder.“
Nach einigen Augenblicken war es dann wieder soweit, und Joachim war nicht nur bereit, sondern seine jugendliche Stärke, ließ seine so geliebte Göttin erschauern, und der der ganze Nachmittag war ein einziges Fest, wo er hörig wurde, so schön war diese Liebe, es war genau so wie er es sich ausgemalt hatte, unzählige Male vorher, in allen Einzelheiten, da war es noch Fantasie, jetzt war es Wirklichkeit, aber diese erlebte Wirklichkeit war gefühlt noch 1000 Mal heftiger, als die vorher geträumten Vorstellungen.
Marion: „Joscha, jetzt bist Du ein Mann, Wahnsinn wie oft und wie heftig Du kannst, ich brauche Dich jetzt jeden Tag, erzähle niemanden was wir tun. Gehe jetzt, ich muss nachdenken, ich weiß Du bist minderjährig, aber ich kann nicht anders, Ich habe mich einfach in einen Jungen verliebt.“
Er war sich insgeheim schon bewusst, dass dieses Verhältnis verboten war, aber mit aller Konsequenz hielt er daran fest, verstellte sich gegenüber dem Freund, und auch dessen Vater, der ihn wie einen eigenen Sohn behandelte.
Diese Familie gab Ihm auch gleichzeitig ein neues Zuhause, egal wie verquer diese Situation auch war, für Ihn war es eine Auffangstation, er legte seine anfänglichen kriminellen Energien ab zu denen Ihn sein bisheriger Freundeskreis gebracht hatte, er war zum ersten Mal in seinem Leben glücklich, verliebt, fühlte sich geliebt, konnte sich austauschen, im Grunde eine ideale Situation.
Manchmal plagte Ihn aber auch sein Gewissen, wie sollte er sich gegenüber dem Vater seines Freundes verhalten, komisch irgendwie dass niemand etwas bemerkte, na ja, sein Onkel machte ab und an eine Bemerkung, und lächelte vielsagend, also so ganz unbemerkt schien das Verhältnis nicht zu bleiben. Nur die direkt beteiligten bemerkten nichts, das Kind Brander war immer da, wenn die Familie anwesend war, und sobald er mit Marion, der Mutter seines Freundes alleine war, wurde er zum Mann, und auch zum Ersatzvater des kleinen zweijährigen Harry, der Ihn schon bald als Zwischending von Bruder und Vater empfand.
Brander wird flügge
Als 15 jähriger Schiffsjunge bei einer traditionsreichen Bremer Schwergut Reederei bis zum Matrosen in die Lehre gegangen, lernte der jetzt 51 Jahre zählende Fahrensmann von Anbeginn seiner Ausbildung an, schnell auch die harten Seiten seines Berufes kennen.
Ein Mann, genauso wie man sich einen Seemann vorstellt, großgewachsen, etwa 1,80m groß, leicht füllig, um die 100 Kilo, aber muskulös und geschmeidig, geprägt durch die verschiedensten Erlebnisse auf See und vielen angelaufenen Häfen, dazu gehörten auch natürlich einige Hafenbars, in allen Ecken der Welt.
Wenn er einen Raum betrat, so richtete sich die Aufmerksamkeit der Anwesenden, hervorgerufen durch seine natürliche Präsenz, auf ihn, ein Umstand dem er nicht abgeneigt war, der Ihn aber auch nicht arrogant machte, obwohl es auf dem ersten oberflächlichen Blick, für einige Zeitgenossen durchaus so aussah.
Normalerweise kleidete er sich sportlich unauffällig, meist in Blue Jeans, T-Shirt und bequemen Schuhen, aber er konnte durchaus auch elegant daher kommen, falls ein gesellschaftliches Ereignis, oder eine geschäftliche Einladung dies erforderlich machte. Das geschah meist bei dem ersten Anlaufen eines neuen Hafens, oder der Eröffnung eines neuen Liniendienstes, wo er als Vertreter der Reederei von der Agentur gewissermaßen vorgeführt wurde, jedenfalls empfand er dies so.
Offener Blick durch blaugraue Augen, kleine unmerkliche Fältchen um die Augen, hervorgerufen durch den Einfluss der hochstehenden, immer blendenden Tropensonne, der er sein halbes Leben ausgesetzt war, ohne Sonnenbrille, dies war nicht sein Ding, Augen, die sich auch gerne hübschen Frauen zu wandten, aber ohne gleich auf den Busen oder Hintern zu blicken, obwohl er auch diese Formen gerne registrierte. Die Frauen die er anschaute erwiderten oft seinen flirtenden Blick, der nicht aufgesetzt war, sondern seinem unbekümmerten Naturell entsprach, und so wurde er fast ausnahmslos mit einem freundlichen, hin und wieder aber auch mit einem verführerischem, aufforderndem ja sogar verführerischem Blick belohnt.
Seine positive Ausstrahlung machte Ihn bei seiner Besatzung innerhalb kurzer Zeit beliebt, und die Leute vertrauten Ihm, und Sie akzeptierten seine natürliche Befehlsgewalt ohne Murren.
Es stimmt schon, „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, und in den „Sechziger Jahren“ ging es bei der Seefahrt noch ganz schön rau her.
Im Gegensatz zu der heutigen Ausbildung, wo die Lehrlinge oder „Auszubildenden“ mit Samthandschuhen angefasst werden, gab es rückwärtsblickend schon mal ein paar aufs Haupt, oder wie man bei der Seefahrt sagte: „Ein paar an die Backen“ - geschadet hat es wohl nicht, jedenfalls war es eine andere Art der Schulung, es wurde nicht auf jede Befindlichkeit Rücksicht genommen.
Ja, seit frühester Jugend hatte Brander schon Einiges gesehen und mitgemacht. Seine Mutter starb nach einem Verkehrsunfall durch ein gebrochenes Genick, als Sie bei einem Frontalzusammenstoß mit einem LKW gegen die Frontscheibe katapultiert wurde. Erinnerungen an seine Mutter hatte er im Grunde nie, falls ja, dann hervorgerufen durch Erzählungen seiner Großmutter, wobei sich bei Ihm das Erzählte wie eine Erinnerung abspeicherte.
Als Vollwaise wurde er bei seinen Großeltern aufgezogen, ein Vormund wurde bestellt, und 1-2 mal im Jahr besuchte er diesen mit seinem Großvater, und hörte sich die Zukunftsplanung an, die seine weitere schulische Ausbildung betraf.
Irgendwie passte er nicht in dieses Regelwerk, und mit 15 Jahren nach einem Realschulabbruch nach der 4. Klasse, war er dann alleine in der Welt unterwegs.
Westküste und Ostküste USA, Mazatlán in Mexico, Indien, der Arabische Golf, hier und da heiße Mädchen, Schlechtwetter, Stürme, überkommende Seen, später als Steuermann und Offizier den Einen oder Anderen Hurrikane in der Karibik abgeritten, da kam schon einiges zusammen.
Schulschiff Deutschland
Der Anfang der Ausbildung waren drei Monate auf der
„Mosesfabrik“ in Bremen, eine Schiffsjungenschule an der Stephanibrücke, auf dem „Segelschulschiff Deutschland“, einem Dreimaster, der für 3 Monate das Zuhause von Brander werden sollte.
Schiffsjunge Brander wurde zuerst als Backschafter in der Offiziersmesse des Schulschiffes eingeteilt, und lernte neben Knoten und Spleißen, und der theoretischen Ausbildung, auch Auf- und Abbacken. Das hieß am Morgen den Offizieren das Frühstück zu servieren, die Bestellungen aufzunehmen, dann zur Kombüse auf dem Hauptdeck vor dem Waschhaus zu flitzen, wo zwei sich im überschneidenden Schichtdienst abwechselnde Köchinnen mit pommerschen Akzent dafür sorgten, dass die Speisen schnell und warm auf den Teller kamen.
„Wo kommst Du her gewesen, Jungchen“? war die erste Frage die den jungen unbedarften Brander überraschten, er hatte solche Wortfolge vorher noch niemals vernommen, und antwortete: „Ich komme aus dem Pott“.
Dies war nicht gerade eine geistreiche Antwort auf die Frage, und im Nachhinein hätte er sich nicht gewundert, wenn Sie nachgefragt hätten, „Apfelkom-pott, oder Kochpott“.?
Die Kombüse war immer gut geheizt, und an kalten Tagen meist zum „Smoketime“ gegen zehn Uhr morgens, ein beliebter Aufenthaltsort, für die Lehrlinge, um sich angeregt mit den älteren Damen, die den „Jungchens“ herzlich zugetan waren, über alles Mögliche zu unterhalten.
Rostklopfen, Auswechseln von Teilen der Takelage, die schon an einigen Stellen morsch war, und andere Konservierungsarbeiten, fielen in den nächsten Wochen an, damit Einhergehend, das Erlernen von sämtlichen in der Praxis anzuwendenden Seemannsknoten gestalteten seinen Aufenthalt abwechslungsreich, auf dem stolzen Dreimaster, der eine Überholung gut gebrauchen konnte.
Der Tagesablauf teilte sich ein, in morgendlichem theoretischen Unterricht in den Räumen des Schulgebäudes, welches sich an Land nur wenige Meter vom Schiff entfernt befand, mit 2 Ladebäumen auf dem Hof, und einem nachmittäglichen praktischen Teil, der die Schüler stundenplanmäßig auf den zukünftigen Bordbetrieb vorbereitete.
