Typisch Frau - Stephanie Lamprecht - E-Book

Typisch Frau E-Book

Stephanie Lamprecht

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Beschreibung

Frauen sind komisch, Männer sind seltsam, und die Liebe kann ein echter Hürdenlauf sein - es sind die Rätsel im Alltag der Geschlechter, mit denen sich MOPO-Redakteurin Stephanie Lamprecht in ihrer wöchentlichen Kolumne „Typisch Frau“ beschäftigt. Mit liebevollem Blick auf die skurrilen Marotten, die Männer und Frauen so pflegen: Frauen schubbern sich sauteure „Anti-Cellulite-Roller“ über die Schenkel, obwohl sie tief im Herzen wissen, dass das gar nix nützt. Sie kennen sich mit Himmelsrichtungen nicht aus, wissen aber noch bei jedem Paar Schuhe, wann, wo und warum sie es gekauft haben. Sie finden ihren Mann super, haben aber stets noch einige Verbesserungsvorschläge. Und wenn eine Frau schweigt, heißt das nix Gutes. Zwei Spezies der Damenwelt widmet die Autorin eigene Kapitel: Die Mütter und die Singles. Fast jede Frau hat ein paar Schlenker ihres Lebensweges auch ohne Mann bewältigt und weiß: Das Leben hält für die Singlefrau Höhen (Dimitri, der Urlaubsflirt) und Tiefen (Weihnachten bei Mama und Papa) bereit. Und Mütter – nun ja , jede Frau kennt Mamas Ratschläge („Mit den Schuhen machst du dir die Füße kaputt, Kind“). Viele Frauen werden sogar selbst Mütter und verblüffen ihre Freundinnen mit erstaunlichen Erkenntnissen („Sex? Ja, ich erinnere mich dunkel“). Und die Männer? Machen ein Riesenbohei um ihre Freizeitbeschäftigungen, sind irritiert, wenn sie beim Paartanz plötzlich die Richtung bestimmen sollen und fürchten sich vorm Zusammenziehen. Tja, Frauen und Männer machen manchmal bekloppte Sachen, und trotzdem (oder gerade deshalb?) passen sie eigentlich ganz gut zusammen. Meistens.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 175

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Typisch Frau

Stephanie Lamprecht

und

Thomas Plaßmann (Illustrationen)

Typisch Frau

Die besten Folgen der Kult-Kolumne aus der Hamburger Morgenpost

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© 2010 Morgenpost Verlag GmbH, Griegstraße 75, 22763 Hamburg

Autorin: Stephanie Lamprecht

Verlag: tredition GmbH

Titelbild, Illustration: Thomas Plaßmann

Umschlaggestaltung: Gaby Krabbe

Satz: Tamara Pirschalawa

Printed in Germany

ISBN: 978-3-86850-876-5

INHALT

Kapitel 1

Frauen – weibliche Logik ist auch eine Logik

Sammelobjekt Ex-Freund

Das Leben als total uncooler Sportmuffel

Der korrekte Umgang mit kranken Frauen

Straftat: Vorsätzlicher Herzensbruch

Betrunkene Frauen – schlimmer als betrunkene Männer?

„Och, das olle Ding“ – Frauen und Komplimente

Liebeskummer: Lieder in der Endlosschleife

Mitleid mit den Frauen der Knalltüten

Horoskop: Der Mann in den Sternen

Stöhnen für die Volkswirtschaft

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!

Die perfekte Ex-Freundin

Er, seine Frau und ihre beste Freundin

Schuhe enttäuschen uns nie

Frauen – irrational, aber nicht unvernünftig

Die Liebe macht schlau

Wenn Sie ihn gerne einen Tick anders hätte

Wimpern klimpern: Wenn Frauen Frauen nerven

Alibi fürs Fremdgehen – Freundinnenpflicht?

Frauen und die Pflege der sozialen Netzwerke

Männerrätsel Ex-Freundin

Partnersuche: Hauptsache „ehrlich“

Schwarze Löcher am Liebesfirmament

Was schick ist, darf auch wehtun

Gibt’s ein Nörgel-Gen?

Horrorsatz: „Deine Ex ist doch ganz nett ...“

Wimperntusche mit Motor und Cellulite-Roller

WM: Wenn Frauen plötzlich Fußball gucken

Dinge, die nur Frauen tun

Die Handtasche, ein Stück Zuhause am Arm

Kapitel 2

Männer – wundersame Wesen, die seltsame Dinge tun

Er fragt nach der Nummer und ruft nicht an

Männliche Ordnung funktioniert anders

Kochen: Horror für sie, Wellness für ihn

Das Leben auf dem Affenfelsen

Die hohe Kunst der Schuldverschiebung

Paartanz: Wenn er ihr sagen soll, wo es langgeht

Eine Axt – und der Mann wird zum Kerl

Der nette Kumpel und sein schweres Schicksal

Die armen Ritter von heute

Der Männerabend

Einsamer Wolf wird alter Kauz

Für immer 14: Männlicher Humor

Das Schweigen der Männer

Männerspezialität „Freizeit pimpen“

Hausputz als Wissenschaft

Ein echter Mann im Restaurant

Das Gen, das Frauen den Nerv raubt

Baumarkt: Der Mann in seiner Lieblingsboutique

Was Männer so alles glauben

Der Mann und seine Küchenmaschine

Die Männerfreundschaft

Der Mann ist krank

Männer-Horror: Die Tränen der Frau

Frauen, Männer und klingelnde Telefone

Der Antrag: Fragen kann mann ja mal

Zusammenziehen: Die Angst der Männer

Der Bürohengst und sein Sommerleid

Im T-Shirt durch den Winter

Das 48-Stunden-Deo

Karrieremann schlägt Liebesgott

Knochen sammeln mit dem Handy

Der Mann und die Liebe zum Lack

Das Allgemeinwissen der Männer

Bazillenschleuder im Büro

Der Tanz der Männer

Kapitel 3

Das Leben als Paar – Die hohe Kunst der Liebe

Zusammenziehen – was alles mitdarf

Ein Paar guckt fern

Langzeitliebe, die Königsdisziplin

Das Navi, der kleine Retter der Liebe

Schuhe oder Schlagbohrer – sinnvolle Anschaffungen

Die Liebe und die Klotür

Ein Teppich kann die Liebe retten

Männer, Frauen, Zimmerpflanzen

Das Paar renoviert Liebe und Wände

Sie will in den Süden, er in den Norden – und nun?

Er sitzt, sie pütschert – zusammen wohnen sie

Die Liebe ist ein Handel mit Devisen

„Tatort“ und andere Rituale

Die Schnubbel-Falle

Wo findest du mich am schönsten?

Härtetest im Paddelboot

Ingrid Bergman und die Autobahnpolizei

Fernbeziehung:

Wenn das Herz woanders wohnt

Wenn Männer und Frauen Koffer packen

Die Liebe und die Langeweile

Ballerinas und Balkonpflanzen, mann wundert sich

PS und Becherhalter – ein Auto fürs Paar

Trennung – was wird aus den Pärchenfreunden?

Wenn das Liebste peinlich ist

Kapitel 4

Super, wir werden älter – Mütter und andere Abenteuer

Telefonieren mit jungen Müttern

Der erste Urlaub mit seinen Kindern

Porsche – Anti-Aging für Männer

Danke, Nicole K

Der einstige Schwarm – entzaubert im Netz

Bye-bye, Katzentisch

Der magische Blick der Mütter

Hilfe! Wir reden schon wie unsere Großmütter

Der Wolf wird grau

Die wundersame Welt der jungen Mütter

Zeitreise in die Festnetzzeit

Die generationenübergreifende Ehe

Frau wird 40 und alle haben eine Meinung

Erotik glatt gebügelt

Mama – niemand darf uns nerven wie sie

Das erste graue Haar oder: Der Lack ist ab

Erwachsen werden, Traummann finden

Zwanzig Jahre später: Das Klassentreffen

Botox macht glücklich? Von wegen!

Wenn schöne Lieder nicht mehr reichen

Lebensaufgabe: Frisör finden

Oh Schreck: „Du bist wie deine Mutter!“

Hilfe! Sind wir alt, weil wir nicht twittern?

Kapitel 5

Komisch sind immer die anderen – Paare und ihre Macken

Zum Wegbeamen: Wenn Paare sich zoffen

Wir-Paare: Wenn es „ich“ nicht mehr gibt

Das Glück der Lästermäuler

Großes Drama: Der Spielabend

Die nervigen „Es ist aus!“-Paare

Sabbeltasche & Muffel: Wenn Paare erzählen

Wenn strahlende Paare

zu Schnuppen verglühen

Kapitel 6

Singles – bedauert und beneidet

Singleleben – glamourös, wenn man selbst keiner ist

Internet-Dating: Von Liebe und Punkten

Ein Mann als Urlaubs-Souvenir

Die „tollen Single-Frauen“

Alleine unterm Tannenbaum

Der Brautstrauß und die Flucht aufs Klo

Kapitel 7

Weihnachten: Fest der Liebe, Test der Liebe

Nix mit Bullerbü: Patchwork-Weihnacht

Wenn „Kinder“ wieder „nach Hause“ kommen

Oh, du fröhliche Männer-Weihnacht

Der erste gemeinsame Advent

Fiese Fallen beim Schenken

Ihre oder seine Eltern?

Das Paar und die perfekte Tanne

Mission Impossible: Das Geschenk für den Mann

Männer packen, Frauen packen ein

Kapitel 8

Die lustige Welt der Promis – Lästern über die Stars

Von Kuss-Muffeln und armen Prinzessinnen

Einmal Liz Hurley die Sprache verschlagen

Robert Redford, der Anti-Berlusconi

Schimpfe von Karl Lagerfeld

Heidi, die blonde Pest

Die Heuchelei mit den Spielzeugjungs

Loddar – begossener Pudel statt toller Hengst

Warum wir Victoria Beckham dankbar sind

Editorial

Ja, ich gucke gerne amerikanische Krankenhaus-Serien, ich finde, ein zweites Paar Stiefel ist keine schwachsinnige Geldverschwendung, ich denke an die Geburtstage selbst meiner angeheirateten Familie und halte das Navi für die wichtigste Erfindung der Neuzeit. „Typisch Frau“ eben, wie die wöchentliche Kolumne, die ich nun seit ein paar Jahren in der MOPO schreibe. Nicht nur über uns Frauen, diese bezaubernden, gelegentlich etwas unlogischen Geschöpfe, sondern auch über Männer und die vielen Rätsel, die sie uns aufgeben. Wieso können sie keine Spülmaschine einräumen, ohne einen Vortrag darüber zu halten? Wie schaffen sie es, ein klingelndes Telefon einfach zu ignorieren? Und warum frieren sie bei 18 Grad Raumtemperatur nicht? Manchmal kommen nach einer Männer-Kolumne Protestmails von Männern, die sich über meine Fiesigkeit beschweren: Wie man sich über einen grippekranken Mann auch noch lustig machen kann, also ehrlich. Frauen schreiben eher: „Wie bei uns!“ Meine Inspiration? Kaffeepausen mit den Kolleginnen, Caipi-Abende mit der besten Freundin – jede Menge Frauen-Gespräche, gerne stundenlang am Telefon, die sich um die Liebe drehen. Und um das, was irgendwann aus dieser Glückswolke auftaucht: ein Paar, das sich unversehens vor allen möglichen Hürden wieder findet und – wenn alles gut läuft – Hand in Hand darüber hüpft. Manchmal erzählen mir auch Männer kopfschüttelnd von den absolut unverständlichen Dingen, die ihre Freundin wieder gemacht hat – und schwups, ist die nächste Kolumne gesichert. Die allerhübschesten Ideen liefert mir aber, ganz unabsichtlich, mein Mann, der in vielen Dingen so „typisch Mann“ ist, besonders wenn’s ums Autofahren (können Frauen nicht) und Fernsehen (auf keinen Fall amerikanische Krankenhaus-Serien) geht. Danke dafür – und für inzwischen zehn Jahre nahezu unfallfreies Paarlaufen.

Stephanie Lamprecht, September 2010

Kapitel 1

Frauen – weibliche Logik ist auch eine Logik

Sammelobjekt Ex-Freund

Ex-Freunde sind wie Designerschuhe. Manche Frau hat eine ganze Kollektion, andere nur eine Handvoll. Die eine kümmert sich regelmäßig um die Pflege, die andere verstaut die Sammlung in beschrifteten Kartons im Keller. Bei einigen sehen die Modelle fast gleich aus, andere schätzen die Abwechslung. So ein, zwei Exen hat jede Frau im Lebensgepäck. Eher mehr.

Das Thema Verflossene ist wie das Wetter, dazu kann jede was sagen. Wenn beim Mädelabend die aktuellen Beziehungsfragen geklärt sind („Der wird sich nicht ändern“), werden die Ausfälle der Vergangenheit erörtert. Und was einst für durchheulte Nächte sorgte, ist Jahre später unter Freundinnen zum Totlachen. Der Geizknochen („Das geht getrennt, bitte“), der Oberstoffel mit den egoistischen Geschenken („Ich dachte, Satteltaschen sind doch praktisch. Und wenn du sie nicht brauchst, passen die auch an mein Rad!“). Der Bindungsphobiker, der sich wochenlang nicht meldete und dann gegen Mitternacht plötzlich wieder vor der Tür stand („Ich bin’s“). Der selbstverliebte Dichter, der immer von seiner Zukunft als Star-Autor erzählte („Ich hab schon 600 Seiten“), aber nie über Fußballberichte für das örtliche Käseblatt hinauskam.

Den Schlauesten von uns gelingt es, aus ihren Exen ein kunstvolles Netz der Nützlichkeiten zu spinnen. Motto: Wer als Freund eine Pleite war, kann trotzdem prima Einbauschränke zimmern. Clever.

Das Leben als total uncooler Sportmuffel

Der Satz erfordert Mut: „Nee du, ich find Sport total öde. Ich hab mich jetzt sogar vom Fitnesscenter abgemeldet.“ Dabei war ihr sauteures Fitnesscenter immer so ein super Alibi. Wenn andere Frauen von ihren Marathon-Vorbereitungen erzählten („Wochenpensum jetzt 70 Kilometer“) und irgendwann die Frage kam „Und? Was machst du so?“, konnte sie immer ganz locker behaupten „Ach, ein bisschen Geräte und ab und zu Step-Aerobic.“ Doch, ehrlich, sie hatte Step-Aerobic gemacht und stets waren es die längsten 45 Minuten der Woche gewesen. Sie hatte zu Madonna („Hang on“) die Kommandos der Trainerin („Ich bin die Bine und los geht’s“) ausgeführt. V-Steps! Over the Top! Repeater! Und von vorn! Sie sah ihre hüpfende Gestalt im Spiegel und keuchte in Gedanken Was? tust? du? hier? Irgendwann gestand sie es sich ein: Es war ihr einfach kein Bedürfnis. Sie würde nie sagen „Hach, ohne Sport, das könnte ich nicht. Ich brauch das als Ausgleich.“ Vor der Arbeit schwimmen zu gehen oder nach Feierabend an der Elbe langzujoggen, sind gesellschaftlich sehr anerkannte Ausgleiche. Keiner gibt zu, dass er nur noch ins Fitnesscenter fährt, um dort im Wellnessbereich die „Bunte“ zu lesen. Zum Ausgleich. Es müsste AS-Gruppen geben: „Anonyme Sportmuffel“. „Hallo, ich bin die Susi. Ich zahle jeden Monat 90 Euro für ein Fitnesscenter und gehe nie hin.“ Alle würden nicken.

Der korrekte Umgang mit kranken Frauen

Die Frau ist krank. Es muss nicht gleich das Noro-Virus sein, Schluckbeschwerden und Schüttelfrost oder Magen-Darm reichen ja. Jedenfalls liegt sie mit glasigen Augen im Bett, was für den Mann heißt: Sein Alltag, der sonst wie auf Schienen läuft, wird zur Schotterpiste. Eine kranke Frau will noch viel mehr als eine gesunde, dass der Mann „merkt“, was sie braucht.

Etwas „merken“ zu sollen ist aber der ultimative Stress für den Mann. Er wartet auf konkrete Handlungsanweisungen, gekrächzt vom Krankenlager („Nee, nimm die blaue Schüssel, der Deckel ist in der Spülmaschine“). Ihre Wünsche sollen seine Routine allerdings nicht durcheinanderbringen: „Zur Apotheke ist schlecht, ich hab gleich Konferenz!“ Möööp! Fehler! Die Frau, ohnehin verschnupft, denkt grollend daran, wie sie im umgekehrten Fall als Hobby-Krankenschwester rezeptfreie Medikamente auf dem Nachtschrank türmt und sich im Internet über Ursachen seines Siechtums und Abhilfe informiert („Wir lassen jetzt mal die Milchprodukte weg“).

Eingeschnappt schnieft sie: „Du liebst deinen Job mehr als mich.“ Das tut er natürlich nicht. Also trabt er nach der Konferenz zum Blumenladen, zum Pralinenhändler und zu ihrem Lieblingsteegeschäft. Von den Pralinen wird ihr gleich wieder schlecht, und Tee hat sie genug für die nächsten Jahre. Aber er hat zumindest was gemerkt, und sie lächelt mit roter Nase.

Straftat: Vorsätzlicher Herzensbruch

Irgendwann stellt sich im Leben einer Frau die Frage: Wieso gibt es eigentlich keine Strafe für vorsätzlichen Herzensbruch? Warum gibt es keine Liebes-Gerichte, die frau anrufen kann, wenn ihr grobes Unrecht in Gefühlsangelegenheiten widerfahren ist? „Der Angeklagte“, so würde die Staatsanwältin mit schneidender Stimme sagen, „hat das Herz der Geschädigten in tadellosem Zustand in Empfang genommen und es völlig ramponiert zurückgegeben. Ihm ist vorsätzlicher, zumindest fahrlässiger Herzensbruch vorzuwerfen.“

„Angeklagter, wollen Sie sich dazu äußern?“, würde die Richterin fragen. Natürlich würde er den Kopf schütteln. Männer neigen ja dazu, sich bei unangenehmen Themen auf ihr Aussageverweigerungsrecht zu berufen. Also eröffnet die Staatsanwältin die Beweisaufnahme: „Der Angeklagte hat die Geschädigte auf Wolke sieben gehoben, um sich dann ohne Erklärung zurückzuziehen, nüchterne E-Mails zu schreiben und dann gar nichts mehr von sich hören zu lassen.“

Der Verteidiger: „Mein Mandant leidet unter Bindungsängsten, er ist vermindert schuldfähig.“ Die Staatsanwältin kühl: „Das hat er bereits beim letzten Mal vorgebracht. Ihr Mandant ist Wiederholungstäter. Der gehört aus dem Verkehr gezogen.“ Die Richterin verurteilt den notorischen Herzensbrecher zu einem Jahr Frauenfilme- Dauergucken („Die Brücken am Fluss“). Schön wär’s. Bloß – dann gäb’s bald keine Männer in Freiheit mehr. Das wäre auch blöd. Irgendwie.

Betrunkene Frauen – schlimmer als betrunkene Männer?

Es gehört zu den zahllosen Ungerechtigkeiten dieser Welt, dass fast alle Menschen betrunkene Frauen als schlimmere Geißel betrachten als betrunkene Männer. Klar, keiner zieht innerlich den Hut, wenn ihm am Hauptbahnhof eine Horde HSV- (oder sonst was) Fans entgegentorkelt, voll bis zur Halskrause und „Leoleoleeee“ krakeelend. Aber der Anblick enthemmter Junggesellinnen, die („Stößchen!“) auf dem Kiez ihre BHs zum Kauf anbieten und Stripper ankreischen („Ausziehn, ausziehn!“), so ein Anblick stößt auf noch mehr Unbehagen.

Frauen verdrehen peinlich berührt die Augen, und Männer haben Angst. Hemmungen bei Frauen sind aus männlicher Sicht durchaus wünschenswert, solange sie Frauen davon abhalten, über ihren Ex zu jammern („Und nu isser mit dieser Trulla zusamm’!“) oder sich zu benehmen wie Männer („Ssso allein hier, Süßer?“). Frauen schämen sich nach einem Vollrausch auch deutlich mehr als Männer. Besonders wenn sie feststellen, dass sie nach diversen Sektchen erst ihrem Ex die Mailbox vollgeheult („I-Ich versteh das alles nich! Diese Trulla!“) haben, um anschließend ihre Toleranzgrenze für Knutschpartner beklagenswert tief zu legen (für Männer eher kein Schäm-Thema).

Frauen dürfen hingegen gern beschwipst sein. Schwips verhält sich zu Vollrausch wie Audrey Hepburn zu Britney Spears.

„Och, das olle Ding“ – Frauen und Komplimente

Es gibt wenig Dinge, mit denen man Frauen so sehr aus dem Konzept bringen kann wie mit einem Kompliment. Kritik, okay, da weiß frau, was sie zu tun hat. Sich echauffieren wie einst Doris Day („Mit mir nicht, meine Herren!“). Oder empört die Freundin anrufen („Und dann hat er gesagt und dann hab ich gesagt und das ist doch nicht fair!“). Oder sich geknickt Asche aufs Haupt streuen („Mein Fehler“).

Aber ein Kompliment? „Steht dir super, das Kleid“ – sag das zu einer Frau und sie wird antworten: „Och, das olle Ding, das hab ich schon ganz lange.“ Die Kollegin hat schicke Schuhe? „Och, du, die sind nicht mal echtes Leder, ganz billig, aus dem Schlussverkauf.“ Sie hat einen tollen Kuchen gebacken? „Ach, das klitschige Ding, der sollte eigentlich viel höher aufgehen.“

Männer denken ja, Frauen nörgeln immer nur an ihnen herum. Nein, wir nörgeln auch gerne an uns selbst herum. Kein Mann würde mit eingezogenen Wangen vorm Spiegel stehen, weil er meint, er hätte dicke Bäckchen. Oder die Haut an den Oberschenkeln zusammendrücken und dann laut klagen, weil aus sanften Dellen tiefe Canyons werden.

Dabei haben wir das gar nicht nötig. Und darum üben wir jetzt: „Ja, du hast Recht, die Jeans macht einen Super-Po, das viele Geld hat sich echt gelohnt. Danke für das Kompliment!“ Wir sind keine bescheidenen kleinen Veilchen mehr. Wir sind stolze Rosen, jawoll.

Liebeskummer: Lieder in der Endlosschleife

Es gibt diesen Satz, mit dem kann man seine liebeskranke Freundin zielsicher in den nächsten Heulkrampf treiben: „Du, die Zeit heilt alle Wunden.“ Wer Liebeskummer hat, für den steht die Zeit still. Ein Eindruck, den Liebeskummer-Patientinnen gern noch verstärken, indem sie tagelang ein und denselben furchtbar traurigen Trennungssong („Don’t speak“ von No Doubt) in einer Endlosschleife laufen lassen und sich in den wenigen Pausen „Bridget Jones“ in den DVD-Spieler legen, aber nur die Anfangsszene, in der Bridget völlig derangiert auf ihrer Couch liegt und „All By Myself“ schluchzt.

Auch die Betreuerinnen von Liebeskranken werden von dem „Die- Zeit-steht-still“-Syndrom ereilt, weil sie immer wieder dieselben Dialoge führen („Warum tut er mir das an?“ „Er ist ein eitler Egomane, das weißt du doch, du hast was Besseres verdient.“ „Du hast ja recht. Er ist ein Idiot. Warum tut er mir das an?“). Die Betreuerinnen schenken Martini d’Oro nach, reichen Taschentücher und versuchen gelegentlich, dem Gespräch auch mal eine andere Wende zu geben („Wenn du ehrlich bist, warst du doch auch nicht mehr glücklich“), was die akut Liebeskranken aber nicht dulden („Doch! Ich war glücklich und ich werde nie wieder glücklich sein ohne ihn.“).

Die Liebeskranke kann sich nicht vorstellen, dass auf der klaffenden Wunde in ihrer Brust jemals Schorf wächst. Geschweige denn, dass wieder ein Herz daraus wird. Dabei ist die Zeit tatsächlich die einzig wirksame Medizin gegen Liebeskummer – eine Erkenntnis, die zu den angenehmen Begleiterscheinungen des Älterwerdens gehört. Liebeskummer wird nicht leichter mit den Jahren, aber wenn die Erde sich ein drittes oder viertes Mal auftut, weiß die Liebeskummer-Patientin immerhin, dass es irgendwo im Dunkeln eine kleine, klapprige Leiter gibt, auf der sie irgendwann auch wieder aus dem Loch herauskrabbeln wird.

Und tatsächlich, Jahre später, steht die Ex-Liebeskranke bei Esprit, stöbert durch die Sonderangebote und bekommt plötzlich so ein komisches Gefühl im oberen Brustkorb. Sie stutzt, dann hört sie es: „Don’t tell me ,cause it hurts“ barmt Gwen Stefani aus den Lautsprechern im Laden.

Für einen Moment fühlt sich die Kundin in die Tage und Nächte in der Endlosschleife zurückversetzt, fragt sich kurz, wo die No Doubt- CD eigentlich geblieben ist – und guckt dann, ob es zu dem rot glänzenden Schnäppchengürtel auch noch ein Paar passende Schuhe gibt.

Mitleid mit den Frauen der Knalltüten

Es gibt ja Männer, die benehmen sich dermaßen beknackt, dass man als Frau einen kleinen, mitleidigen Gedanken an die arme unbekannte Geschlechtsgenossin sendet, die mit diesem Neandertaler geschlagen ist. Etwa, wenn deren Mann sich auf dem Affenfelsen im Büro mit besonders hirnrissigen Kommentaren zum Thema „Frauen“ hervortut. Er zieht die Luft zwischen den Zähnen ein, wenn eine Praktikantin im Rock vorbeigeht, und blökt „die hat doch ihre Tage“, wenn eine Frau ihn zurechtweist. Er schickt feixend YouTube- Videos von einparkenden Frauen an alle Kollegen und krakeelt bei jeder x-beliebigen Meldung von einem Unfall: „Das war bestimmt ’ne Frau!“

„Mein Gott“, denkt da die fassungslose Beobachterin, „der ist doch verheiratet, wie hält seine Frau diese Knalltüte bloß aus?“ Und dankt dem Universum insgeheim für ihr eigenes, so hervorragend gelungenes Ehe-Exemplar.

Irgendwann trifft sie die Knalltüte zufällig in Begleitung seiner Frau. Und staunt. Die Frau ist hübsch, intelligent, richtig nett. Und der Mann an ihrer Seite redet plötzlich ganz normal, lächelt freundlich. Nix Knalltüte, nein, er benimmt sich wie ein Mensch.

Die Frauen kommen ins Gespräch und die vermeintliche Vollhonk- Ehefrau erzählt von einem Idioten im Büro: „Der ist so blöd, da tut einem echt die Frau leid.“ Die andere lächelt und fragt sich still, ob sie womöglich auch manchmal mitleidige Gedanken von unbekannten Geschlechtsgenossinnen geschickt bekommt.

Horoskop: Der Mann in den Sternen

So. Neues Jahr, und mal wieder weiß keiner, was es bringen wird. Keiner? Oh doch. Frauen wissen, was sie erwartet, denn Frauen lesen Jahreshoroskope. Mit Hingabe blättern wir im Supermarkt in den kruden Voraussagen, und die schönsten kaufen wir sogar.

Es sind nette kleine Sonderheftchen mit stilisierten Zeichnungen von dünnen Frauen mit Hörnern (Widder) oder Fischschwanz (Jungfrau). Manchmal stehen Dinge drin, die wir gar nicht wissen wollen: „Liebesflaute bis Oktober, aber dann wirbelt ein charmanter Stier alles durcheinander.“ Entsetzt teilen wir das Ungemach unserer Freundin mit: „Bis Oktober! Stell dir das mal vor!“ Die zeigt wenig Mitgefühl: „Und dann ein Stier, also, ich weiß nicht. Was steht denn bei Schütze?“

Wir nehmen die Sternenguckerei nicht wirklich ernst, heben die bunten Heftchen nicht mal auf. Es ist ein Ritual. Wir gucken für alle Freundinnen und unseren Liebsten. Der will den Schmu gar nicht hören – ganz der nüchterne Steinbock.

Über manches ärgern wir uns („Warum ist das Jungfrau-Horoskop immer so langweilig?“), dann suchen wir uns einen interessanten Aszendenten („Ich glaub, ich bin Skorpion“).

Wir lieben es, uns vorzustellen, dass die Sterne uns von einem ungeliebten Job befreien („Fischefrauen starten durch“). Oder der Kosmos die große Liebe bereithält. Besser im Oktober als nie. Gerne auch einen Stier.

Stöhnen für die Volkswirtschaft

Studien gibt’s, da kann man nur stöhnen. Zum Beispiel die, die jetzt herausgefunden hat, dass schlechter Sex jährlich 65 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet. Jaha! Weil Männer unter Selbstzweifeln leiden und nach einer vergrützten Liebesnacht im Schnitt eine schlappe Stunde ihrer Arbeitszeit am folgenden Tag über ihr Unvermögen nachgrübeln. Statt einen Impfstoff gegen Aids zu erfinden, ein paar Mitarbeiter zu feuern oder wenigstens die Mülltonnen zu leeren.

Seid ehrlich zu den Männern, spielt ihnen keine Höhepunkte vor, sonst lernen sie nie, wie es geht. So haben „Brigitte“ und „Petra“ es uns jahrelang eingetrichtert. Wir waren ehrlich („weiter rechts, ja da“), haben nicht mehr aus Höflichkeit gestöhnt („lass gut sein“) und jetzt droht dem Staat die Pleite.

Und die Frauen? Die denken am Tag nach dem Laken-Desaster laut Studie sogar fast zwei Stunden über die Misere nach. („Liegt’s an meinem dicken Hintern? Hätte ich nicht doch einen klitzekleinen Höhepunkt vortäuschen sollen? Jetzt ist er bestimmt traurig.“)

Der Unterschied: Weibliche Grübelei kurbelt die Wirtschaft an, da sie meist in die Anschaffung schicker Schuhe mündet. Zur Stärkung des männlichen Selbstwertgefühls und damit zur Senkung der Neuverschuldung sollten die Frauen also ab und zu mal Höhepunkte vortäuschen. Ach so, bezahlt wurde die Studie natürlich auch. Von einem Potenzmittelhersteller. Stööööhn.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!

D