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Die Einsamkeit nagt an dem jungen Elfen Tyran und zehrt ihn aus, sodass er sich auf eine Suche begibt. Eine Suche, von der er nicht weiss, wo sie enden wird. Es ist die Suche nach seinen Eltern. Doch als er seine Mutter findet, ist sie innerlich zerstört und fleht ihn an, seinen Vater zu finden. So bricht der junge Elf zum zweiten Mal auf. Aber diesmal nicht alleine, denn er hat Freunde gefunden und mit ihnen eine Möglichkeit, in Frieden zu leben. Versucht ist er, diese Chance zu nutzten. Doch er hat sich geschworen, diese Reise zu bestehen. Eine Reise, die so viel gefährlicher ist als alles, was er sich je vorstellen konnte. Eine Reise, die alle möglichen Gefahren birgt.
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Seitenzahl: 110
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
DER Wind trug den frischen Duft von Regen mit sich. Er fuhr durch die Blätter zahlreicher Bäume, um ihnen die frohe Botschaft zu vermitteln, dass Hitze und trockene Luft bald ein Ende haben würden. Inmitten dieser Bäume schritt ein hochgewachsener Elf langsam dahin, mit wachsamen Augen und die Ohren gespitzt. Ein Pfeil lag auf dem gespannten Bogen, welcher auf ein nichts ahnendes Reh zeigte. Auf einmal erklang ein gellender Schrei. Das Reh riss den Kopf hoch, tat einen mächtigen Satz und verschwand im Dickicht. Bemüht, sich seine Wut nicht anmerken zu lassen, drehte er sich um. »Höchst amüsant« sprach er in die Stille hinein. Die Worte waren kaum verhallt, da steckte ein junger Elf den Kopf hinter einer Kiefer hervor. » Wo hat Tyran denn seine Beute? Ist sie dem Meisterjäger etwa entwischt?“, fragte eine unschuldige Stimme ihn. Tyran erwiderte nichts. Demütigungen dieser Art hatte er seit seiner Kindheit über sich ergehen lassen müssen. Leise vor sich hin fluchend trat er den Weg zu dem riesigen Haus des Ältesten an. Seit er sich erinnern konnte, hatte er dort gelebt, doch er wusste, dass das nicht alles war. Ganz am Anfang seiner Lebenszeit, vor fast genau siebzehn Jahren, hatte der Älteste Athras Valan ihn im Wald allein gefunden und aufgenommen. Die übrigen Elfen im Dorf, allesamt zweifelloser Herkunft und stolz auf ihr edles Blut, verachteten ihn dafür, dass er nicht wusste, wer seine Eltern waren. Tyran wollte sich gerade in sein Zimmer verziehen, da erklang die Stimme seines Ziehvaters hinter ihm. „Sohn, wir müssen reden. „Er presste die Lippen aufeinander, auch wenn Athras Valan der Älteste war, konnte er sich doch nicht erlauben, ihn als seinen Sohn zu bezeichnen. „Morgen, Sohn, morgen wird die Zeremonie deines siebzehnten Geburtstages stattfinden. Wir sollten einige Vorbereitungen treffen. Lade alle ein, die du an deinem besonderen Tag dabei haben möchtest. « »Ich will niemanden dabei haben. Sie hassen mich und ich sie, unterbrach Tyran ihn. Er stapfte in sein Zimmer und zog die hölzerne Tür hinter sich zu. Dann fiel sein Blick auf ein wunderschönes Festgewand, welches auf dem Bett lag. Der Älteste musste es extra für ihn angefertigt haben. Der siebzehnte Geburtstag war etwas sehr besonderes für einen Elfen. An diesem Tag empfing er den Segen von Eltern, Verwandten und dem Ältesten. Von dieser Zeremonie an galt man als volles Mitglied des Stammes. Tyran graute es schon seit langen, vor diesem Tag. Jeder andere bekam eine prunkvolle Feier, doch er, das arme Waisenkind, würde diese Zeremonie nur mit dem Ältesten und somit Anführer des Stammes, der im Dorf lebte, abhalten müssen. Dieser Gedanke beschäftigte den jungen Elf lange, bis er schließlich einschlief. Am nächsten Morgen wurde Tyran wie gewohnt von den fröhlich zwitschernden Vögeln geweckt. Ein Blick hinaus sagte ihm jedoch, dass der Tag nicht so schön aussah, wie er klang. Der Regen, welcher sich am vorherigen Tage angekündigt hatte, prasselte nun in großen Tropfen auf die Blätter der Bäume. Gerade als er sein Mahl beendet hatte, trat der Älteste in den Raum.» Athras Valan «begrüßte Tyran ihn und verbeugte sich. Der Älteste richtete ihn auf mit den Worten: « Heute, mein Sohn, ist dein Tag. Ich sehe, du trägst dein Gewand bereits. Sehr gut, dann sollten wir mit der Zeremonie beginnen. „Sie gingen unter einem Dach bis zu einer großen Hütte, der Versammlungshütte. Hier fand alles wichtige statt, auch die Zeremonien.
Athras Valan stellt ein paar Figuren auf den Boden: die Göttin der Jagd, den Gott der Magie, den Gott des Kampfes und zuletzt die Statuette der Göttin des Wissens. Es muss wahrlich traurig aussehen, dachte sich Tyran, denn niemand war gekommen. Die Zeremonie begann, und der Weise fing an, elfische Gebete zu sprechen. Schließlich richtete er das Wort an Tyran, der die Zeremonie aufmerksam verfolgt hatte. » Tyran. Willst du den Segen der Götter empfangen und dich als ein wahrer Elf des Stammes der Taneth bezeichnen dürfen?
« »Ja, Athras Valan, dies ist mein Wunsch«, erwiderte er aufgeregt und nicht ganz wahrheitsgemäß, aber er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen. »Dann bitte ich euch Götter: Nehmt euch dieses Elfen an, haltet ihn unter eurer Hand und stärkt ihn in Zeiten der Schwäche. « Zurück in seinem Zimmer hing Tyran seinen Gedanken nach. Niemand außer dem Ältesten hatte ihm gratuliert. Und das nur, weil er keine Eltern hatte. Auf einmal packte eine unbändige Wut den Elf. Was konnte er schon dafür, dass er nicht war wie die anderen? Was konnte er für den arroganten Stolz der Elfen auf das Blut in ihren Adern? So schnell, wie der Anfall aus verzweifelter Wut gekommen war, verschwand er auch wieder.
Stattdessen machte sich ein Plan in seinem Kopf breit. Er packte ein wenig Trockenfleisch in seine Taschen und schnappte sich seinen Bogen und ein paar Pfeile. Und dann, ohne zu überlegen, was er tat, schlich er los. Im Wald angekommen begann er, schnell zu laufen. Er würde seine Eltern finden und zur Rede stellen. Tyran wusste nicht, woher das Gefühl kam, doch auf einmal war er sich todsicher, dass seine Eltern noch nicht tot waren. Das konnte nicht sein. Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, als ihn erste Zweifel packten. Wie konnte er sich so sicher sein, sie zu finden? Und wie sollte er seine Eltern finden, wenn es erst so weit war? Erschöpft ließ er sich nieder und verspeiste ein wenig von seinem Proviant. Vielleicht sollte er zurückkehren, zurück in seine Heimat. Da er sich nicht recht entschließen konnte, beschloss er, erst einmal zu schlafen. Der nächste Morgen begann wie immer mit dem Zwitschern der Vögel, und es dauerte eine Weile, bis der Elf Begriff, wo er war. Tyran beschloss, dass es sinnlos war, ohne jegliche Anhaltspunkte nach verschollenen Personen zu suchen. Also packte er seine Sachen und wollte losgehen. Da kam ihm der Gedanke, dass er nicht mehr wusste, aus welcher Richtung er gekommen war. Das dichte Blätterdach ließ nicht erkennen, wo die Sonne stand, und Spuren waren ebenfalls keine zu erkennen. Also lief er einfach los. Er legte nur wenige Pausen ein; um sich an einem Bach zu erfrischen und etwas zu essen. Schon den ganzen Tag war er gelaufen, da machte er Halt. Vor ihm stand eine wunderschöne Elfe, mit langem, blondem Haar und eisblauen Augen. Sie schien ihn mit ihrem Blick zu fesseln; keinen Schritt mehr konnte er sich bewegen. »Wer bist du? « brachte er nach kurzer Zeit heraus. Die Antwort kam nicht sofort, doch dann fragte sie: »Wie ist dein Name? «.
Ihr Gesichtsausdruck zeugte von ihrer Unsicherheit, doch Tyran ließ sich davon nicht ab und antwortete ihr. »Mein Name ist Tyran«, sagte er knapp und lächelte sie an, »und wer seid ihr? « Ihre Antwort schien seltsam hart für eine so zierliche Person zu sein. »Ich bin die Prinzessin von Arlathian und Hüterin des Wissens. Ich heiße Miyura. « Ihm blieb der Mund offen stehen. »Was sucht eine Prinzessin ganz allein, ohne Begleitung, außerhalb der heimatlichen Stadtmauern? «
Bevor sie eine Antwort geben konnte, kam ein Geräusch aus einem Holunderbusch links von ihnen. Ein kurzer Blick zu Miyura genügte Tyran, um zu sehen, dass sie dasselbe dachte wie er.
Leise schlichen sie sich zu dem Gebüsch und drängten die Äste beiseite. Sie trauten ihren Augen kaum, als eine Kiste zum Vorschein kam. Sie musste dort schon sehr lange gelegen haben, denn die Scharniere waren stark verrostet, und als Miyura eines berührte, fiel es einfach von dem dunklen Holz ab wie ein trockenes Blatt von einem Baum.
Vorsichtig schob Tyran den Deckel beiseite, und auf dem Boden der Kiste lag ein Buch mit der Überschrift »Die Magie der Elfen«. Sie schlugen das Buch auf, und dort waren Sätze, die sie nicht verstehen konnten, denn es war in ihnen unbekannten Zeichen geschrieben. »Es könnte altelfisch sein, dann wäre es sehr wertvoll! «, rief Miyura aus, doch Tyran starrte nur fasziniert die vergilbten Seiten an. Er dachte nicht im Geringsten daran, es zu verkaufen. Sie wollten sich gerade abwenden, da blitzte etwas in der Kiste auf.
Dort lagen zwei Anhänger aus Silber, doch Zeit hatte ihm scheinbar nichts anhaben können. Bei genauerem hinschauen, erkannte der junge Elf, dass es sich um einen Pfeil und eine filigrane Flamme handelte. Miyura nahm sich den Pfeil, mit der Erklärung, dass sie das Bogenschießen liebte.
Tyran nahm die Flamme und betrachtete sie bewundernd. »Weißt du Miyura, ich liebe das Feuer. Es ist mächtig und vernichtend, und dafür muss die Flamme noch nicht einmal groß sein. Es erinnert mich an ein Lebewesen, so frei und unberechenbar, und ich könnte es den ganzen Tag betrachten.
« Miyura nickte, ihren Blick fest auf den silbernen Pfeil in ihren Händen gerichtet. „Weshalb aber treibt sich eine Prinzessin so allein hier herum? Ihr müsst wahrlich bedeutend sein, doch kann ich keine Wachen entdecken«, fragte Tyran erneut, denn sie hatte noch immer nicht auf seine Frage geantwortet. Ein Seufzer entfuhr ihr, und sie murmelte etwas von einem Spaziergang, doch damit wollte er sich nicht zufriedengeben und fragte immer weiter. Ein weiterer Seufzer entfuhr ihr, bevor sie antwortete. »Du hast mich erwischt. Ich bin abgehauen, wollte Ruhe haben vor meinen Aufgaben. Ständig muss ich anwesend sein, wenn wichtige Feste gefeiert werden, was in Arlathian ja bekanntlich keine Seltenheit ist.
Dabei sind es größtenteils Beförderungen oder politische Feste, und damit habe ich doch gar nichts zu tun! Aber wo wir gerade dabei sind, was suchst du hier? « Traurig blickte Tyran sie an, dann begann er erst stockend, dann immer schneller seine Geschichte zu erzählen. »Und ich möchte meine Eltern finden, wissen, weshalb sie mich im Wald haben liegen lassen. Ich glaube nicht, dass sie tot sind, ich habe dass Gefühl, dass ich sie finden kann, wenn ich es nur will! « Prinzessin Miyura hatte Mitleid mit ihm und beschloss, ihm zu helfen. Sie sagte:
»Komm, wir gehen in meine Stadt, holen uns Vorräte und dann helfe ich dir, deine Eltern zu finden. « Erstaunt blickte der junge Elf auf. Solch selbstlose Güte hatte er schon lange nicht mehr erfahren. Dann gingen sie eine Weile durch den Birkenwald, bis sie auf einer großen Wiese ankamen. Ein Meer von Blüten aller Farben erstreckte sich vor ihm. Miyura pflückte viele Blumen, um sie mitzunehmen und Tyran schaute sich um und sagte: »Unfassbar schön die Welt außerhalb des Dorfes. Meine Eltern sind hier irgendwo und ich werde nicht aufgeben. Ich werde sie finden, egal was geschieht. « So vergingen 2 Stunden und sie kamen auf einen großen Berg, von dem sie runter in das Tal schauen konnten, auf die Stadt Arlathian. Tyran war sehr fasziniert von der Stadt und dem Aufbau der Häuser, ihm gefiel es hier. Alles kam ihm merkwürdig bekannt vor und plötzlich sah er in seinem Kopf Szenen, wie seine Eltern ihn auf die Wiese setzten und wegrannten. Hinter ihnen waren Wachen, die sie schlussendlich gefangen nahmen. »Miyura, wir müssen uns beeilen, bevor es dunkel wird. Sie machen sich sicher schon Sorgen! «, und so gingen beide in die Stadt. In der Stadt angekommen kamen alle Bürger der Stadt zu ihr und fragten sie, wo sie gewesen sei. »Es ist gerade eine Sitzung im Königshaus. Sie vermissen dich! « Als das Volk den Jungen bemerkte, fragten sie: »Wer ist das? «, und die Prinzessin antworte jedem in einem sehr höflichen Ton: »Er ist ein Gast aus einem fernen Dorf. «Langsam meinte Tyran zu begreifen, was sie störte. Auf die vielen Fragen nach seinem Namen sagte sie: »Das ist Tyran. Er wird nicht lange hier bleiben. « Auf einmal stürzte eine hübsche Frau aus der Massenversammlung und sagte leise: »Ich habe meinen Sohn verloren! Er hieß auch Tyran...«, und plötzlich rannte sie weg. Miyura und Tyran wollten ihr hinterher rennen aber die Masse hinderte sie daran, denn sie hatte ihre Worte nicht vernommen. Miyura sagte zu Tyran »Du kannst heute bei mir übernachten, denn es ist schon sehr spät. Ich verspreche dir, dass wir sie suchen werden, in Ordnung? Wir werden morgen in der Morgendämmerung aufbrechen. « Dann schlief Tyran im Königspalast der Stadt. Er konnte nicht einschlafen, denn seine Gedanken schweiften ununterbrochen zu der hübschen Frau, die gesagt hatte, dass sie einen Sohn namens Tyran vermisse, doch Miyura merkte das und machte ihm einen Tee mit Kräutern und sagte ihm, dass er schlafen sollte, weil sie morgen einen langen Weg haben würden. Dann schliefen beide ein und so verging die Nacht.
In der Morgendämmerung standen beide auf und packten ihre Sachen. Miyura holte aus der Küche viel Trockenfleisch für die Reise und Tyran ging zur Schmiede um Waffen zu kaufen. Er hatte viel Geld von Miyura bekommen. In der Schmiede angekommen sah er viele Waffen und sofort fiel ihm ein schlankes Schwert mit Feuersymbolen auf und er kaufte es. Dann ging er zu Miyura, die sich angezogen hatte. Sie trug eine schöne Lederrüstung und holte ihre Stiefel aus dem Schrank. Er fragte sie, was sie für eine Waffe mitnehmen wollte und sie antwortete: »Ich nehme meinen Bogen mit.
