Tyrannis - Sigurd Kraus - E-Book

Tyrannis E-Book

Sigurd Kraus

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Beschreibung

Der Titel TYRANNIS bedeutet in Latein 'Die Tyrannen'. Er fängt in der Gegenwart an und taucht nach ca. 40 Seiten ab in die Zeit der Varusschlacht im Teutoburger Wald und des alten Rom's 9 n. Chr. Die Ereignisse drehen sich um die Hauptperson Pfeiffer (Arminius) und weitere Protagonisten. Diese sind zum Teil bekannte historische Persönlichkeiten: Tiberius, Caligula, Nero (römische Kaiser), Jesus (Sohn Gottes), Herodes (römischer Statthalter und König von Jerusalem); sowie frei erfundene: Habakuk (Pfeiffer's rechte Hand), Luziferus (Satan), Hades (Verwalter der Hölle), Agressina (Pfeiffer's Angetraute), Salome (Pfeiffer's Muse und Geliebte). Die Geschehnisse sind fiktiv, oftmals aberwitzig - und dennoch könnte es so gewesen sein! Der Roman teilt sich zwischendurch in verschiedene Handlungstränge auf, kehrt aber immer wieder zu den Hauptpersonen zurück, und man könnte sie auch Pfeiffer's Abenteuer oder Erlebnisse nennen. Nach der Niederlage in Germanien sinnt Tiberius auf Rache. Es folgen Intrigen und weitere Auseinandersetzungen sowie Gegner, doch Pfeiffer lässt sich nicht unterkriegen. Aus einer Liebesaffäre mit Agressina geht Nero hervor. Die Ereignisse spitzen sich zu. Die Handlung spielt im damaligen Germanien, dem römischen Reich und Jerusalem. Hierbei erwarten Pfeiffer und seinen Weggefährten Habakuk immer neue Herausforderungen bei der Beseitigung der Tyrann(in)en. Kulturelle, religiöse, medizinische, künstlerische und vielerlei andere Details entführen in eine aufregende Welt. Die Geschichte endet als Höhepunkt mit einem Schauspiel in Form der Tragödie, bevor sie in die Gegenwart zurückkehrt, wo sich der Kreis schließt.

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EPUB
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Seitenzahl: 354

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Sigurd Kraus

Tyrannis

© 2021 Sigurd Kraus

Umschlaggestaltung:

Sigurd Kraus (King Solomon)

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-347-37976-3

Hardcover:

978-3-347-37977-0

e-Book:

978-3-347-37978-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung

Tyrannis

I Kapitel

Manche Menschen haben dieses gewisse Etwas, eine Aura wie mit Heil gesegnet. Der Neue schien diese Eigenschaft ebenfalls zu besitzen. Dieses Heil war eine Gabe der Götter.

So versuchten alle ihr Bestes um an diesem Heil teilzuhaben und nett zu sein zu Ihm. Man fragte höflich nach Frau und Familie und schmeichelte ihm in der Hoffnung, daß das Heil abfärbte, übertragbar war, und auf die Gefolgschaft übergehen würde, so wie man sich an eine unerschöpfliche Kraftquelle anschliesst. Wer hier von Unterwerfung sprechen wollte irrt, da das Schicksal ja gewollt war auch wenn die Vorzeichen nicht viel Gutes, dafür aber viel Ruhmreiches versprachen. Der Neue erkannte sehr schnell seine Chancen und begann überzeugende Konzeptionen zu entwickeln sowie Pläne und Ideen durchzusetzen.

Dies gelang Kraft durchschlagender Argumente, zündender Rede und einer überzeugenden Persönlichkeit. Nun waren die grossen Truppenführer selten die raffiniertesten Strategen, aber sie hatten vielfach einen guten Strategen an ihrer Seite. Der Neue schmeichelte dem und den Alten. Er war Spezialist in der Selbstdarstellung, im Imponierverhalten. Aufgrund uralter wahrnehmungspsychologischer Gesetze erzeugt Aufsehen automatisch Ansehen, Beachtung führt zu Achtung. Imponieren suggeriert Bedeutsamkeit. Ein radschlagender Pfau macht mehr her. Dem Neuen gefällt das, Sich in Szene zu setzen, der Narziss steht gern im Mittelpunkt. Von einem Führer wurde schon etwas verlangt. Der kleine Mann hat ja nicht den grossen Durchblick.

Ganz gleich ob er tatsächlich mehr wusste, Sein Wort galt von vornherein mehr als das eines gewöhnlichen Mitarbeiters- und mehr als das von Pfeiffer. Dass dies nicht immer auch vernünftiges Handeln bedeutete stellte sich schnell heraus. Es ging um den Ruhm. Pfeiffer begann ein Gespür für die neue Gesellschaftsordnung zu entwickeln, für diese Herrschaft ohne Macht. Der Neue war innerhalb des Adels der Alten sehr schnell "Primus inter pares ", Erster unter Gleichen, die sich in harmonischer Arbeitsteilung zusammenfanden. Es gab kein Wetteifern um die Macht. Wer von ihrer Meinung abweicht, hat in ihren Augen keine andere Meinung, er hat keine Ahnung. Nur Sie hatten die Deutungshoheit. Sie pflegten ihren Kult und konnten ihn ungestört weiterpflegen. Wie im Altertum so stand der Adel dem Königsgeschlecht am nächsten. Den 'Grafen' oblag ebenfalls eine gewisse Strafgewalt gegenüber denen die den Frieden zu stören drohten.

Hier soll im folgenden kurz auf diese Adeligen eingegangen werden.

An vorderster Stelle stand der alte Graf. Dieser hielt sich nachdem er den Neuen väterlich instruiert hatte weitgehend im Hintergrund und zog sich mehr und mehr aus dem operativen Tagesgeschehen zurück. Dies schloss jedoch nicht aus dass er weiterhin als graue Eminenz im Hintergrund agierte. Dann gab es den ordentlichen Grafen, der auf Korrektheit bedacht war, und dem Macht - und Ränkespiele wenig bedeuteten sofern er in Ruhe gelassen wurde.

Dies war umso weniger der Fall bei dem falschen Grafen, dem nicht zu trauen war, da ihm jedes Mittel recht war seine Privilegien zu verteidigen.

Im Grunde war keinem der Adeligen zu trauen da es ihnen zuallererst um den Erhalt ihrer Position und den damit verbundenen Annehmlichkeiten ging. Die Halbfreien und Sklaven auf der anderen Seite wussten dies richtig einzuschätzen, hatten jedoch weder Status noch Einfluss.

Ihr Wort wog nicht viel auch wenn es oft sehr klug war. Die Adeligen kommentierten dies oft mit einer gepflegten aber auch in gewisser Weise herablassenden Lässigkeit.

Sollte einer der Sklaven jedoch seine Unabhängigkeit und Freiheit zum Ausdruck bringen wollen, wurde dieser schnell mundtot gemacht.

Die höfischen Vollversammlungen taugten lediglich als Schmeichelei der Adeligen, die sich dort regelmässig als Schönredner erwiesen. An die Tagesordnung wurde sich zwar gehalten, der Rest war jedoch ein Konglomerat von bedeutungsschwer vorgetragenen Bedeutungslosigkeiten. Man kam zusammen und Zustimmung wurde vorausgesetzt.

Aus dem Gesagten ergibt sich deutlich dass diese Gemeinschaft nicht klassenlos war. Neben einer Minderheit des Adels, aus dem die Grafen stammten, bildete die Mehrzahl des Volkes die Halbfreien und schließlich die Knechte und Sklaven. Diese waren angewiesen auf die Gemeinschaft und Sippe, die für sie Schutz - und Notverband zugleich war.

Bei den Adeligen haben wir es andererseits immer mit Vettern zu tun. Wer sich gegen innere sowie äussere Feinde zur Wehr setzen, zu Eroberungszügen aufbrechen, oder in Notzeiten überleben will, muß in größeren Einheiten aufgehen. Diese Vetternwirtschaft machte sich der Neue zu Eigen und schmiedete Allianzen mit den Adeligen. Diese waren gewohnt wie Krustentiere zu leben, wie man sie bei Fischhändlern in Bassins sieht. Ihr Repertoire an Verhaltensweisen ist schmal. Sie haben ein hohes Aggressionspotential, aber nicht die Mittel es auszudrücken. Obwohl sie unter ihresgleichen leben, scheinen sie nur eine vage Ahnung vom Dasein der anderen zu haben.

Sie nehmen kaum etwas auf, was sie nicht schon kennen. Sie sind nicht empfänglich für die Gedanken anderer. Alles, was ihnen möglich ist, ist der Ruf: "Seht mich an, ich bin hier!"

Die Adeligen waren zu nichts zu gebrauchen aber zu allem fähig. Ihr oberstes Staatsziel ist die Selbsterhaltung. Der Neue benutzt die Koalition um, wie üblich, persönliche Interessen durchzusetzen. Bald geht nichts mehr ohne ihn.

Einen ersten Vorgeschmack erhielt Pfeiffer in der Art und Weise wie der Neue einem abhängigen Untergebenen Mißverhalten nachzuweisen versuchte. Kleinere Vergehen und persönliche Schwächen wurden zu sträflichen Taten und charakterlicher Nichteignung aufgebläht. Details wurden akzentuiert und manipuliert und die Solidarität der Adeligen eingefordert aufgrund der offensichtlichen Schwere der Vergehen. Dies geschah in Form der Unterschrift-Leistung unter eine eiligst angefertigte Anklageschrift, die einem beruflichen Todesurteil gleichkam, welches die Entfernung des Unglücklichen aus der Abteilung zur Folge hatte. Der Schrecken sicherte die Folgsamkeit der Beherrschten.

Obwohl Pfeiffer Zweifel hatte stimmte er in das Urteil ein. Er tat dies aus Solidarität mit dem Adel, auch wenn er nicht dazugehörte, er war ja immerhin gleichgestellt. Ihm war jedoch nicht wohl dabei mit anzusehen wie eine zukünftige berufliche Karriere unter den Messerstichen fanatischer Handlanger und dem verrannten Hass des Neuen starken Mannes verblutet. Das Schweigen ist die majestätischste, friedlichste, aber auch deutlichste Kriegserklärung oder Bekundung von Verachtung.

Ein Königsmord lag Pfeiffer jedoch in weiter Ferne. Wie Tyrannosaurus Rex hatte der Neue keine natürlichen Feinde. Wie dieser besaß er enorme Aggresivität war aber im Gegensatz zu T. Rex von eher minderer Größe. Der Dinosaurier merzte bekanntermassen Alles aus das sich ihm in der Weg stellte und starb schließlich aus. Hier konnte man davon jedoch nicht ausgehen. Der Neue schien nichts falsch machen zu können. Er war auf der Überholspur, alle Ampeln standen auf Grün.

Pfeiffers Stand neben den Adeligen war insofern besonders da er sich diesen nicht wie diese ererbt hatte.

Das war zunächst kein Problem, obwohl ihn insbesondere der alte Graf deren vermeintlichen Sonderstatus immer wieder spüren liess und ihm somit zeigen wollte wo sein Platz sei.

Die Lage änderte sich jedoch mit der Ankunft des Neuen, den der Alte wie seinen Ziehsohn behandelte und mit mehr und mehr Privilegien bedachte. Bald war Pfeiffer klar, daß er diesen als seinen Nachfolger aufbaute und jener es mehr als nur genoss, und geradezu als sein Recht empfand in Zukunft allen seinen Stempel aufzudrücken.

Die Zeiten änderten sich und die Spielregeln auch.

Die Sklaven, die es nie verstanden hatten sich zu solidarisieren, waren dem besser organisierten und politisch konsolidierten Feudalsystem schließlich erlegen und stellten nur noch ein Reservoir zur Ausplünderung durch seine adeligen Statthalter dar. Die Herrschenden hatten es verstanden diesen Mangel an Solidarisierung nicht vollständig auszuschlachten - bis heute. Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen wird am Ende beides verlieren.

Für Rom war das Kaisertum notwendig, für Pfeiffer war es das in seiner Abteilung gewiss nicht.

Im Gegenteil, es war an der Zeit diese miteinander verfilzte Schicht von Großmaul- und Großgrundbesitzern, die ihre das Land bebauenden Sklaven ausbeuten, zu zerschlagen.

Das ist leichter gesagt als getan. Eine alte chinesische Weisheit lautet: Was du stark machen willst, musst du angreifen, oder anders gesagt: was du angreifst machst du stärker. Das haben z.B. die Araber erfahren als sie den kleinen, neu gebildeten Staat Israel angriffen. Der Aufwand muss im richtigen Verhältnis zum Nutzen, genauer noch zum Risiko, stehen. Pfeiffer war kein Sozialrevolutionär. Eigentlich waren ihm Brot und Spiele 'panem et circenses' lieber. Aber der Fisch stank vom Kopf her. Was war es denn eigentlich was die Nobilitas so nobel machte ?

Ausser dass sie unter sich blieb und durch öffentliche Claqueure unterstützt wurde, war der Rest nur noble Schauspielerei und Arroganz. Genetisch gesehen ist der Adel ja meist weitgehend mit Bastarden durchsetzt. Diese Klone werden weitervererbt und so ist es kein Wunder, daß die Aristokratie nicht nur moralisch sondern auch genetisch verkommen, de-generiert ist.

Geniale Persönlichkeiten werden dadurch immer weniger gen-eriert und der Adel verkommt zum Mittelmaß, zu stinknormalen Leuten. Bestenfalls mittelmässig waren auch sie: der alte Graf, aus einfachen Verhältnissen kommend, hat sich hochgearbeitet. Solche die ihn kannten liessen kein gutes Haar an ihm. Einmal ein Schwein, immer ein Schwein, sagten diese.

Der falsche Graf wiederum hat sich bei seinen ehemaligen Untergebenen ebenfalls einen denkbar schlechten Ruf erhalten, kein Wunder, dachte er doch immer nur an sich.

Der ordentliche Graf hat immerhin versucht sich die Hände nicht schmutzig zu machen, hat aber zu oft geschwiegen und sich somit verdächtig gemacht. Der Neue konnte sich bald sicher sein dass diese Mitläufer keine gemeinsame Sache gegen ihn machen würden. Hierin drückte sich Pfeiffers tiefstes Misstrauen gegen die Inhaber jeglicher Macht aus. Unterstützt wurden diese durch eine Bürokratie, die durch ihre neue Machtfülle und Kollaborateure zu ungeahnter Höchstform auflief. Übertrumpft wurden die Vollmachten der Adeligen nur noch durch den Diktator, einen von ihnen selbst vorgeschlagenen und von den Büro-kraten ernannten Beamten. Eben diese Position strebte der Neue an. Pfeiffer drehte sich der Magen um. Der Neue ging auch bald daran schon mal sein Regierungsprogramm zu veröffentlichen. Die Anzahl der Sklaven wurde neu geregelt. Pfeiffer stand keiner mehr zu, sie wurden auf die Adeligen verteilt. Auf die weitere Beschreibung des Sklavenapparates soll hier verzichtet werden. Es sei nur gesagt, dass die Zuteilung und Hilfe von Sklaven einem das Leben doch erheblich erleichterte. Der Wandel von einer Aristokratie zu einer ausschliesslich die Privilegien ihrer Schicht sichernden Oligarchie schien keinen zu kümmern. Vom Regen in die Traufe. Einen freien Menschen musste so manches in diesem System zum Widerstand reizen. Die Art und Weise wie der Adel über das urteilte was er Recht nannte war haarsträubend. Gleiches Recht für Alle galt nicht viel unter dem Neuen. Dieser achtete darauf, dass seine geschmiedeten Allianzen mit den Adeligen durch die Zuteilung und den Erhalt von Privilegien gefestigt wurden. Er schmeichelte ihnen und kroch in den einen oder anderen Arsch wenn es hilfreich war.

Er war sich für Schmutziges nicht zu schade und der Mann fürs Grobe. Bei einigen stieß er damit sogar auf Bewunderung. Soviel hatte sich ausser dem alten Graf noch keiner getraut. Sie hofften wohl, dass er schon der Richtige wäre um ihre Interessen nach aussen durchzusetzen. Wie blind folgten Sie ihm. Die Huldigung die ihm wiederfuhr spornte den Neuen an, in der Gewissheit er könne nun schalten und walten nach seinem Willen. Sein Leben hat plötzlich einen Sinn bekommen. Er spürt wie er Flügel bekommt, wirft alle Bedenken über Bord und packt es an. Als Überzeugungstäter muss er sich nicht rechtfertigen, meint er.

Der Neue lehnt jede gedankliche Annäherung an seine Kritiker ab, er hat ja auch kaum welche, ausser Pfeiffer. Was wohl seine Familie über ihn denkt? Seine Frau hat es nicht leicht sagt man. Er hat auch Kinder, sie sehen ihn selten. Der Neue strebt danach es seinem Vater, selbst ein hohes Tier, gleichzutun, ihn wenn möglich zu übertrumpfen. Eigentlich ein Fall für den Psychiater.

Bis zu diesem Zeitpunkt versuchte Pfeiffer die Politik auf Distanz zu halten. Man befand sich jedoch in einem Zeitalter der Umbrüche das radikale Höhenflüge ermöglichte. Die Stunde des Neuen hatte geschlagen und alle folgten ihm in blindem Gottvertrauen. Er setzt sich geschickt in Szene, denn auch bei der Basis, bei den Niedrigen will er ankommen. Kaum hat er die Herrschaft übernommen präsentiert er sein neues Programm und malt Seine Welt der Zukunft in glühenden Farben. Seine Eigenart, Gesprächspartner mit den Augen zu fixieren ist charakteristisch für einen sozial Gestörten, der sich bar jeden Mitgefühls auf seine Beute konzentriert. Dieser Reptilienblick macht allein schon viele wehrlos.

Da kommt so ein tyrannisches Miststück daher und stellt alles auf den Kopf dachte Pfeiffer sich. Ein Totengräber des 'ancien regime'. Sind wir noch zu retten wenn solche Leute das Blaue vom Himmel versprechen und lügen bis sie eine Erektion bekommen? Denen geht es nur um den eigenen Orgasmus, egal ob dieser durch Masturbation erreicht wird. Selbstbefriedigung ist immer noch besser als gar keine. Pfeiffer war zum Kotzen zumute. Die Stimmung spannte sich weiter an. ‘Liebe Kollegen, entweder ihr passt euch an oder es gibt Konsequenzen‘, liess des Neue durch die Blume verlauten. Diejenigen mit vollem Magen hatten wie immer nichts zu befürchten, alle anderen sollten den Gürtel noch enger schnallen.

Recht haben und Recht bekommen sind bekanntermassen zweierlei Dinge, bekannt ist ebenfalls, dass man seit eh und je dem Recht bekommen mit Geschenken nachzuhelfen versuchte. So hielt es auch der Neue indem er die Adeligen mit Vergünstigungen auf seine Seite zog. Hier mal etwas durchgehen lassen, dort mal ein Auge zugedrückt, so kamen diese auch mit grösseren Schweinereien davon. Gelegenheit macht Diebe.

Der Schmusekurs galt nicht Allen. Es gab neben Zuckerbrot auch die Peitsche. Diese bekam vornehmlich Pfeiffer zu spüren. Er war der Sand im Getriebe des Neuen und störte den Gleichklang des Orchesters. Die Adeligen stimmten in den Chor ein wie zischende Schlangen. Ihre Anmassung war Pfeiffer mehr und mehr zuwider.

Unter den Statthaltern die man für diese Position zu wählen hatte, war der Neue, als Prototyp des fanatischen Verwaltungsbeamten, sicherlich der Ungeeignetste. Nach dem Ausklinken des alten Grafen aus dem operativen Routinegeschäft war der Neue unter zweifelhaften Umständen 'Princeps' - die Nr.1 geworden. Viel musste er dafür nicht tun. Er hatte sich selbst in Stellung gebracht und wurde von dem Alten sanft gebettet. Pack schlägt und verträgt sich nicht nur, es riecht sich auch und zieht sich gegenseitig an. Dafür dass der Alte ihn zu seinem Erben und Testamentsvollstrecker gemacht hatte, drückte ihm der Neue seinen Dank aus indem er diesem alle seine alten Privilegien liess und Neue zugestand. Trotz günstiger Startchancen war es für den Neuen gar nicht so leicht sich mal in diesen, mal in jenen Wind zu legen. Aber er lernte schnell. Zunächst brachte er aus Furcht und zu seinem Schutz die anderen Adeligen, den falschen und den ordentlichen Graf, auf seine Seite. Diesen beiden war ein zweifelhafter Bundesgenosse lieber als gar keiner. Sie erkannten in ihm nicht den Apparatschik, als der er sich erweisen sollte und folgten ihm blind. Gruppendynamisch war es klug die Adeligen zu Mittätern zu machen. Der faustische Pakt, den er einging, diskreditierte ihn endgültig.

Pfeiffer hielt Distanz zu dem Neuen wie ein Nachtfalter zur Flamme und schwieg zu den schleichenden Vergiftungen der Luft, die immer dünner wurde, und sein Atmen erschwerte. Vielleicht sollte er auswandern oder in den Kibbuzz gehen, in eine gerechtere Gesellschaft.

Oder vielleicht einfach an die Fersen des Neuen heften und mitmarschieren. Aber ging das so einfach, als Klassenfeind? Im Zweifel muss das Gewissen entscheiden. Die zehn Gebote, und das elfte: ‘Du sollst dir nicht die falschen Freunde aussuchen’, kamen Pfeiffer in den Sinn.

Beten hilft immer sagte er sich. ‘Herr, führe mich durch dieses Tal, gib mir Kraft und Hoffnung und beschütze mich vor dem Bösen.’ Oder besser: ‘Schneide dem Neuen die Eier ab und seinen Sänftenträgern gleich mit.’ Und überhaupt, die Religion, was hat er bloss falsch gemacht, dachte Pfeiffer, dass ihm all dies widerfährt. Vielleicht sollte er wieder in die Kirche gehen. Glaubend musste er keine Herausforderung scheuen, im Gegenteil. Er musste nur tüchtig beten für seine Errettung vom Teufel. Unendliche Gebete und zum Schluss pilgern wir nach Rom, das kann die Lösung nicht sein. Gottlosigkeit aber auch nicht. Hilf dir selbst, so hilft dir Gott, hiess es schliesslich nicht umsonst. Es war eine Gewissensentscheidung, der Grundwiderstand gegen alles diktatorische trieb Pfeiffer an. Er erinnerte sich an Luthers Imperativ: "Niemand lasse der Glauben daran fahren, dass Gott an Ihm eine grosse Tat will." Der Tod hat das letzte Wort!

Als Revolutionär würde er unsterblich dachte er. Oder als Terrorist! Vielleicht war das ja noch besser, auf jeden Fall war es radikaler, einfach alles in die Luft sprengen, weg mit dem Gesocks. Leider haben es die meisten Terroristen nicht weit gebracht. Gescheiterte Persönlichkeiten, meist tragisch, oder bedauernswert. Die sprengen sich letztendlich so oder so selbst in die Luft. Nein, Terrorist wollte er nicht werden, dachte Pfeiffer. Seine Phantasie ging mit ihm durch. Ein Attentat! Man muss sich die Hände ja nicht selbst schmutzig machen, und ein Profi könnte den Job für ihn erledigen. Wie kommt man an solch einen Todesengel ran? Gelbe Seiten? Pfeiffer musste schmunzeln. Er hatte auch noch ein paar Freunde, aber ob die soweit für ihn gehen würden? Wohl eher nicht. Es wäre wahrscheinlich etwas zu viel verlangt.

Sollte er selbst Hand anlegen? Man könnte einen Unfall arrangieren, oder Gift. Nichts ist unmöglich für die gerechte Sache. Es gibt genügend Beispiele in der Geschichte, die sich immer wiederholt, nur mit anderen Protagonisten. Pfeiffer war schliesslich kein Galeerensträfling, so einfach sollte es mit ihm keiner haben. Er hatte schliesslich Rechte sowie einen Status den er verteidigen würde und wollte nicht in Fronarbeit enden. Darauf lief es bei den Sklaven und den anderen Adeligen mit ihrer Meisterverehrung für den Neuen jedoch hinaus. Sie hätten auf der Hut sein sollen aber dafür war es zu spät. Es fehlte der Widerpart und Widerspruch. Niemand rüttelte an ihm, und wenn einmal gerüttelt wird ist es nur leere Geste. Nein, rütteln ist zu wenig, es muss gesägt werden, am Stuhl, am Thron, an Allem sagte sich Pfeiffer. Welche Todesart wäre wohl am angebrachtesten? Langsam, er darf nicht genauso werden wie diese Lumpenadeligen. ‘Mea Culpa, Mea Maxima Culpa’ dachte er sich. Er war schon lange nicht mehr bei der Beichte. Aber das tut's hoffentlich auch. Sollte er die Geister anrufen? Vielleicht können diese ihm helfen. Tyrannen folgen oft dem gleichen Prinzip: erst den Gegner isolieren, und ihn dann fertigmachen. Dies darf ihm, Pfeiffer nicht passieren. Würden die Geister überhaupt zu ihm kommen wenn er sie ruft?

Schliesslich ging es um mehr als nur künstlerische Bevormundung. Es lebe der Widerstand!

Er musste ihn leisten bevor er demontiert wurde, dachte Pfeiffer sich. Ohne Widerstand würde er zum Menschenhasser werden, mit ihm lediglich zum Zyniker, das war das bessere Übel. Warum waren nur alle so still und treuherzig? War es Materialismus oder Nihilismus, wahrscheinlich beides, das die Adeligen hemmte.

Die Revolution steckt in jedem Kind. Die Konvention reguliert, und irgendwann lernen die Kinder wie man die Dinge warzunehmen hat, obwohl man sie vielleicht ganz anders sieht. Vergesst die Konvention, seht genau hin. Ihr habt ein Recht die Dinge so zu sehen wie Sie sind. Pfeiffer erinnerte sich daran was sein Vater ihm einmal gesagt hatte: “Trau denen nicht die süss reden und viel beten!” Er fühlte sich der lnquisition ausgesetzt um ihn den Häretiker von seinem Irrglauben abzubringen. Doch ihm ging es im Gegensatz zu den Adeligen um die reine Lehre und Gerechtigkeit. Der kategorische Imperativ war das Mass aller Dinge. Leider waren solch eherne Grundsätze im Angesicht der sich zuspitzenden Lage wohl für die Katz. Seine Träume des intellektuellen Austauschs konnte er begraben. Es wäre eh Perlen vor die Säue geworfen. Die wollen ihn aus Behaglichkeit klein halten, oder war es Furcht? Die Rollenverteilung stimmte auf jeden Fall nicht. Pfeiffer hatte sie schon lange durchschaut. Ihre Schattenseiten waren zu deutlich um sie zu verstecken. Er wollte nicht im Schatten stehen bleiben. Jede Haltung bringt ihre Gegenhaltnug hervor, aber das reizte Sie nur noch mehr. Hinter ihren Grimassen fletschten sie die Zähne, und wenn sie könnten, würden sie ihn zerreisen. Oder viel lieber pulverisien, so als wäre er nie dagewesen. Alles beim alten, wie schön wäre das. Sie waren Spitzbuben, aber Pfeiffer war auch nicht von gestern. Er würde sie schon irgendwann alt aussehen lassen dachte er. Sie werden ihre Zurücksetzungen noch büssen. Es gab viele Rechnungen zu begleichen, Tritte auszuteilen, von ihm, dem nicht an der Wiege gesungen worden war dazuzugehören. Er war bereit zu kämpfen, nicht mit den Ellbogen, aber mit Verstand. Der Neue war ein Raubauz und Raufbold. Pfeiffer musste klüger sein, einen sublimierteren Weg gehen, ihn überraschen. Zum furchtlosen Kontrahenten brauchte er Selbstbewusstsein. Er durfte sich nicht verbeissen, das war falsch. Der Wichtigtuer und Aufgeblasene Neue muss anders bekämpft werden. Der Hasspegel muss kontrolliert werden und darf nicht offensichtlich werden. Gute Miene zum bösen Spiel zu machen war zwar nicht einfach wenn es in ihm kochte, aber es war notwendig.

Die anderen Adeligen kollabierten unter der eigenen Bedeutungsschwere. Sie gingen Pfeiffer ohnehin schon lange genug auf den Senkel. Die Zeit war vorbei in der der alte Graf noch eine furchteinflössende Autorität war. Für Pfeiffer war er nur noch ein Schwätzer für die Galerie seiner Claquere. Wollte er seine Würde nicht verlieren so musste Pfeiffer Widerstand leisten. Das musste doch möglich sein gegen diese Truppe von Freaks. Allein würde er es jedoch schwer haben. Er betete für einen Engel, dem Mittler zwischen dem Göttlichen und dem Profanen. Doch keiner erschien. Hatte denn niemand ein Mitgefühl? Er überlegte sich aller Welt von den Verfehlungen, ja Verbrechen die hier begangen wurden, zu erzählen. Das würde seine Kritiker vermutlich in den Irrsinn treiben, mit nicht zu kalkulierenden Folgen. Es war zu riskant.

Auf welcher Seite war die Zeit? Und in was für ein Irrenhaus war er da nur hineingeraten? Ganz klar der Neue und seine Entourage waren ein Fall für die Psychiatrie. Grössenwahn, Neurosen und Komplexe aller Art, Sie waren ein Sammelsurium der Persönlichkeitsstörungen. Eigentlich gehörten sie weggesperrt, pathologisch und gefährlich wie sie waren. Ist so etwas überhaupt therapierbar? Nein, dachte Pfeiffer, diese Krüppel waren therapieresistent, da halfen auch Ruhigstellung und Elektroschocks nicht mehr. Es war zu spät. Irgendwann übernimmt die Krankheit die Kontrolle und bestimmt das Schicksal. Man kann dann nicht mehr viel tun. Und wenn das alles erblich ist würden nach ihm noch andere unter solchen verkorksten Dynastien leiden. Ungeschickt kaschieren sie ihre Defekte, oder versuchen es zumindestens. Die Adeligen verhalten sich dabei wie Chamäleons und nehmen für jede Situation und für jedes Publikum eine andere Farbe an. Doch der Lack täuscht, darunter ist Rost und Fäulniss.

Der Einfluss kleiner Machteliten verfliegt wenn er nicht auf viele Schultern verteilt und durch viele Interessen kontrolliert wird. Der Neue strebte eine Homogenisiernug zu seinen Gunsten an, eine Gleichschaltung, wobei manche gleicher als andere sind, und die Ungleichen verdrängt werden. Ein Freigeist Wie Pfeiffer hat es in solch einem System schwer, denn auch die Unfreien werden einem freien Menschen nie seine Freiheit gönnen. Gleichgesinnte zu finden war ebenfalls nicht einfach, da viele Oppositionelle die Zensur fürchteten oder gar nicht durch sie durch kamen. So ein System schafft sich nicht selbst ab. Pfeiffer denkt an kleine strategische Interventionen, chirurgisch präzise ausgeführte Angriffe, um das System zu destabilisieren und ins Wanken zu bringen. Er muss ja nicht gleich ein Inferno lostreten. Dies ist sein Kreuzzug, seine Antwort auf die Ketzerverfolgung unter dem Neuen. Ein Paradies wird auch er nicht schaffen können, das wahre Heil liegt im Jenseits. Paradies hin oder her, die Hölle im Diesseits muss ein Ende haben. Pfeiffer ballt die Fäuste, er darf den Boden nicht verlieren, nicht zwischen die Fronten geraten. Für die einen war er ein bunter Vogel, für die anderen ein Stachel im Fleisch. Seine Aussenseiterrolle könnte ihm dabei auch nutzen. Es war jedoch ebenso gut möglich in der Gosse zu landen. Sein Ziel war dabei nicht, gross rauszukommen, sondern vielmehr durchzukommen ohne Schaden zu nehmen. Dass er dabei etwas bewegen, ja verändern wollte, war klar.

Das Gute passiert einem, die Dummheiten begeht man selber. Was er da vorhatte, dachte Pfeiffer, kann man eigentlich keinem zumuten. Er hatte eigentlich überhaupt keine Lust sich mit solchen Kretins herumzuplagen und ausserdem Besseres zu tun. Es gibt im Leben nur eine Richtung: nach vorn. Innerlich war Pfeiffer ein Getriebener und Grenzgänger zugleich. Wachs in den Händen anderer wollte er nicht sein. Vor der tödlichen Umarmung eines Betriebs, der dazu neigt, alles zu schlucken, schützte Pfeiffer sich, indem er eine gewisse Fremdheit und Widerständigkeit kultiviert. Dieses Gefühl nirgendwo restlos dazuzugehören nährte in ihm eine gewisse kreative Energie. Einem Besessenen wie dem Neuen mißfiel dies offensichtlich. Er dachte er könne Pfeiffer mundtot machen indem er ihn einfach niederquatschte. Er täuschte sich dabei jedoch in der vermuteten Antriebslosigkeit Pfeiffers und nahm den Ausdruck des Protests in dessen Gesicht nicht wahr. Der Neue ging davon aus Pfeiffers Widerstand schon irgendwann zu brechen. Für ihn war Pfeiffer ein Defätist der wegzugehen hatte, und wenn nicht, im Hungerstreik sterben oder hingerichtet werden musste. In manchen Kulturen wurde mit solchen wie Pfeiffer kurzen Prozess gemacht oder ihnen wegen "Verunglimpfung religiöser Werte" das Maul gestopft. Pfeiffer könne froh sein, dass er soviel Geduld mit ihm hatte, dachte der Neue sich. Er tue doch alles nur zum Wohle der Allgemeinheit, und zur Aufrechterhaltung der Ordnung, sonst herrschte das Chaos. Einer musste doch den Laden zusammenhalten und den Karren aus dem Dreck ziehen. Er war der Messias, der Heilsbringer der Neuen Zeit. Seiner Meinung nach hatten die rivalisierenden Hoheiten das weich gepolsterte System aus der Balance geraten lassen. Er würde es nun wieder straffen. Die Vergewaltigung stösst auf Konsens bei den Adligen. Der Neue und seine Mission dulden keine Barmherzigkeit. Es werden Verurteilungen gegen die Freiheit gefällt aufgrund Autorität. Und kein Kommentar, das ist obszön! Die Wüste lebt nicht, Sie ist tot! Es herrscht Ausnahmezustand wenn die Sterne vom Himmel fallen. Der Wahn erhält bereits Einzug.

Was um Himmels Willen tut der Neue wohl als Nächstes, fragte sich Pfeiffer jeden Tag. Er brüskiert nicht nur ihn, sondern auch andere, wie Pfeiffer von jenen und solchen hört. Die Betonfraktion der Adligen rührt das nicht. Sie sehen in dem Neuen einen friedlichen Revolutionär, der ihre Pfründe nicht anrührt und hängen an seinen Lippen. Alle anderen haben Stress. Sie fürchten die nächste Predigt genauso wie die davor. Der Neue überbietet sich ständig selbst. Haben eben noch alle gelacht dass er ständig alles alleine machen will, staunen Sie nun wie er sämtliche Ämter an Sich reissen will. Woran erkennt man eine friedliche Revolution? An der guten Laune der Beteiligten. Sie kommt von der Hoffnung dass jetzt das Richtige geschieht. Leider war die Stimmung nicht dergleichen. Es herrschte eine eigentümliche Stille. Es wurde geflüstert. Die Adeligen wiederum klopften sich bei schallendem Gelächter auf die fetten Schenkel dass es krachte. Sie liebten das Gekungel, es war Ersatzbefriedigung für den schon lange nicht mehr genossenen Sex. Sie waren wie berauscht von der eigenen Wichtigkeit. Zum Dienen brauchten sie keinen Mut. Feiglinge waren Sie und sonst nichts. Es müsste mal einer sagen: Mit mir macht er das nicht! Leider tat es keiner. Sie machten sich vor Ehrfurcht in die Hosen. Der alte Graf war bei diesem so durchsichtigen Spiel der Königsmacher. Seine Schadenfreude über diesen Coup konnte er schwer verbergen. Man sah den weissen Rauch schon aus dem Schornstein aufsteigen. Habemus Papam! Aber der Rauch stank nach Schlachthaus. Wessen Leiber wurden in diesem Krematorium verbrannt? Die Verlorenen und Verlierer wurden geopfert. Im Schein des Feuers standen der alte Graf und der Neue. Sie wärmten sich ihre kalten Hände. Dies war kein neuer Frühling, es war der Beginn der Eiszeit. Ein Typ wie Pfeiffer war der Antiheld, der das zerfallende System nicht durch Machthaberei retten will, sondern durch Fairness und Menschenfreundlichkeit. Nein, er war nicht Jesus, aber der hatte damit Erfolg. Er war selbstbewusst, aber nicht selbstherrlich und kein Populist wie der Neue. Er hat es nicht nötig sich zu inszenieren wie dieser. Pfeiffer war echt.

Wir sind alle Sünder, aber Gott vergibt nicht jedem.

Dass der Neue und seine Steigbügelhalter dereinst in der Hölle schmoren würden, im Fegefeuer der Eitelkeiten, war klar. Er war nicht der gute Hirte, die schwarzen Schafe folgten ihm und blökten in Chor. Mä ä ä Määh. Beim Schachspiel kann auch ein Bauer den König schlagen, es hängt alles von der Strategie ab. Vielleicht sollte er sich erst mal belesen, dachte Pfeiffer. L'Art de Guerre, die Kunst der Kriegsführung konnte man schliesslich lernen. Clausewitz, Macchiavelli und Julius Caesar würden ihm sicher weiterhelfen. Wie verhindert man Völkermord? Im Grunde benahmen sich der Neue und seine Kumpane wie Kolonialherren. Ihr unten, Wir oben. Ihr Schwarz, Wir Weiss. Ihr dumm, Wir schlau. Aber hier irrten Sie sich. Sie waren vielleicht schlau, aber nicht intelligent. Pfeiffer war zwar manchmal ein Melancholiker und etwas zart besaitet, aber er war nicht dumm und hatte ein gutes Gespür. Er verabscheute diese düsteren Geister mit ihrer Verherrlichung des Banalen. Pfeiffer sehnte sich nach der Befreiung von den Barbaren. Leider gab es noch keinen Grund zu feiern, der schlechte Film lief weiter, und er musste zusehen. Pfeiffer war wie viele andere auch kein Unschuldsengel, aber der Furor und die Unerbittlichkeit die ihm entgegenschlugen, verrieten Abgründiges. Vielleicht könnte Pfeiffer einen Deal mit dem Neuen schliessen: Verschone mich, und ich kusche vor Dir. Diese Rechnung würde wohl nicht aufgehen und entsprach nicht dem Naturell des Neuen, aber auch nicht dem Pfeiffers. Der Neue würde nachtreten wenn einer am Boden lag. Noch stand Pfeiffer aufrecht, er wollte sich nicht krümmen. Die unheilvolle Dynamik nahm ihren Lauf. Um der totalen Ächtung zu entgehen musste Pfeiffer Teilkonzessionen eingehen. Dies wurmte ihn zwar, war aber Dienst an der Sache und sollte den Neuen in Sicherheit wiegen. Vielleicht machte der ja mal einen Fehler. Es musste schon ein grober sein, denn mit allen anderen kam er bislang davon. Wie wärs mit Sabotage! Man würde ihm wohl schnell auf die Schliche kommen. Pfeiffer hatte so ziemlich alles in Gedanken durchgespielt und wieder verworfen. Um die Welt zu verändern brauchte es einen Schuss Wahnsinn. Sollte er Drogen nehmen, die ihn enthemmten, und dann losschlagen? Wenn er Glück hatte würde er vielleicht heilig gesprochen wie andere Verrückte vor ihm. Für einen kurzen Moment hoffte Pfeiffer, das Kruzifix würde zu ihm sprechen: Er solle die Kirche wiederaufbauen. Dies war besorgniserregend, vielleicht brauchte er ärztliche Hilfe. Lieber nicht, die Mediziner waren alle fest davon überzeugt, dass in einem solchen Fall nicht Gott hilft, sondern Tabletten. Sie würden seine religiöse Euphorie mit Psychopharmaka dämpfen, und ihn mit manisch - depressiver Schizophrenie in die Klinik einweisen. Johanna von Orleans, die Jungfrau, konnte noch was bewegen nach einer Offenbarung: 'Ich bin von Gott, dem König des Himmels hierher gesandt, um Euch Mann für Mann aus Frankreich herauszuschlagen', drohte sie den Engländern. Der Rest ist Geschichte. So was kann man heute vergessen, zu abgedreht. Jene, die verrückt werden über Zynismus, Selbstzufriedenheit und Grausamkeit, werden heutzutage als nicht ganz normal und krankhaft bezeichnet. Man sollte Ihnen zuhören.

Der Neue war kein Zuhörer, am liebsten hörte er sich selbst reden, wobei er sich punktuell bedeutungsvoll äussert. Klug klingende Sätze lässt er nur wenige raus. Es liegt ihm mehr am Beeindrucken. Es ist Pfeiffer unbegreiflich wenn von vornherein alle Ergebnisse des Nachdenkens als alternativlos bezeichnet werden. Diskussion dient als Attrappe für das Spektakel. Der Neue gibt sich als Heilsbringer. Seine Botschaft an die Adeligen lautet: 'Euch ist vergeben'!

Er rekrutiert einen neuen Adeligen, den gemeinen Grafen als Handlanger fürs Geschäftliche.

Pfeiffer erinnert sich daran, dass manche Menschen einen Teil ihrer Energie aus der simplen Tatsache ziehen, dass sie nicht sehr gross sind. Ob daher der Begriff 'Grössenwahn' kommt? Er hofft, dass alles nur ein böser Traum ist. Ein Alptraum darüber wie Individuen zu Kollektiven geformt werden und dabei als Invaliden enden. Sollte Pfeiffer sich zur Schlacht entscheiden konnte er genauso enden. Heil davonzukommen wäre ein Wunder, aber die soll's ja ab und zu geben. Der Neue war nicht unbezwingbar. Er hatte seine schwachen Seiten. Was ein Häkchen werden will, das krümmt sich beizeiten. Damit fuhr der Neue gut bei Seinesgleichen, offenbarte so jedoch auch seine charakterliche Schwäche. Charakter und Schicksal sind enge Verwandte, wie Licht und Schatten.

II Kapitel

Tiberius war ein brutaler Herrscher. Er war der Adoptivsohn von Kaiser Augustus und später dessen Nachfolger. Schon als Kind verheissen ihm die Astrologen eine herrliche Zukunft, "König werde er sein, aber ohne Krone." Tiberius' erstes Opfer nach dem Tod seines Adoptivvaters ist sein Mitbewerber für den Thron. Es vergeht kein Tag ohne Hinrichtungen. Männer, Frauen und Kinder fallen ihm zum Opfer, und den Verwandten ist es verboten ihre Toten zu betrauern. Der Reiz besteht für Tiberius nicht nur im Töten, sondern im Verurteilen. Hier kann er sowohl seine Macht geniessen als auch die Angst der Verurteilten steigern. Denunzianten erhalten hohe Belohnungen, und jedem wird geglaubt. Er war einer dieser durch und durch verderbten Angehörigen der römischen Oberschicht und ein grosser Widersacher der germanischen Unabhängigkeitskämpfer.

Zwischen den Jahren 1 und 4 n. Chr. stieß der junge Arminius mit einem cheruskischen Truppenkontingent zu den Römern. Diese Hilfstruppen waren eine Erfindung Augustus' und rekrutierten sich aus den römischen Provinzen und angrenzenden Ländern. Den Römern Hilfstruppen zu stellen musste keineswegs eine Demütigung bedeuten. Es konnte für die Beteiligten, vor allem aber für ihre Führer, welche meist Angehörige der angesehensten germanischen Geschlechter waren, eine ausgesprochene Ehre sein. Diese germanischen Hilfstruppen galten, wie die germanischen Leibwachen der Caesaren, als besonders zuverlässig. Arminius scheint sogar zum persönlichen Gefolge der römischen Befehlshaber gehört zu haben, erst zu dem des Tiberius, später zu dem des Varus. Er erhielt schon vor seinem 25. Lebensjahr das römische Bürgerrecht und wurde in den Ritterstand aufgenommen, was damals für einen Germanen höchst selten war. Dies ermöglichte ihm und anderen politischen Einfluß ohne Waffengewalt durchzusetzen. Der römische Imperialismus vergrösserte und bewahrte die Privilegien der Oberschicht mit Hilfe eines gigantischen Militär- und Beamtenapparates zur Niederhaltung des Plebs, der mit Brot und Spielen bei guter Laune gehalten und von politischen Bestrebungen abgehalten wurde. Dies blieb auch den lateinisch sprechenden germanischen Führern nicht verborgen. Die Römer begannen mit Hilfe von Sklaven Befestigung nach Befestigung zu bauen. Die Gefährdung germanischer Freiheit durch den Bau von Kastellen und Straßen trat immer offener zutage. Die römischen Legionen waren geordnet und diszipliniert. Demgegenüber hielten es die Germanen für ehrenrührig, mehr als ein Minimum an Ordnung zu halten, weil sie in Ordnung mehr das Unter- als das Einordnen gesehen haben. Das war zwar aus heutiger Sicht sehr edel, aber damals wenig hilfreich. Wenn sie schon Freiheit aufgaben, dann nur freiwillig.

Tiberius bändigte Germanien fast vollständig, denn so etwas wie friedliche Koexistenz kannte römischimperiales Denken nicht. Dies war schon deshalb nicht möglich, weil für die Römer die Welt aus Römern die herrschten und anderen die von Ihnen beherrscht wurden, bestand. Sie hatten einen Auserwähltheitswahn, dass es auch Menschen gab, die nur ihre Ruhe haben wollten, kommt ihnen nicht in den Sinn. Überall wo die römischen Adler jenseits der Alpen ihre Schatten warfen, war es vor allem die Jugend in den betroffenen Ländern, die sich am leidenschaftlichsten widersetzte. Für Arminius waren nicht die Legionen, sondern immer nur deren Führer das Problem. Ein begnadeter Führer konnte durchsetzen, was anderen versagt blieb. Tiberius war, trotz allem, solch einer. Er war nicht nur verschlagen, er war auch noch klug, und er konnte in politischen und militärischen Zusammenhängen denken. Es klafften riesige Abgründe zwischen der hochprofessionellen Militärmaschine Roms und den Star-Amateuren in den germanischen Heerhaufen. Militärisches oder politisches Charisma und guter Charakter brauchten nichts miteinander zu tun haben. Tiberius, der grausame, lasterhafte, hinterhältige Tiberius, der Menschen reihenweise zu Tode quälen liess, erweist sich als erfolgreicher Truppenführer. Ging es um einen Plan, dann folgte er nicht dem, den alle gebilligt hätten, sondern dem, den alle hätten billigen sollen. Er war sich im klaren, dass Kriege militärisch geführt, aber politisch gewonnen werden.

Tiberius' Nachfolger in Germanien, Quintilius Varus stammte aus einer guten, wenngleich nicht adeligen Familie. Er war der Meinung, dass an den Germanen ausser der menschlichen Stimme und menschlichen Gliedmassen sonst nichts menschliches war. Er war ein Fanatiker und versuchte Kapital zu schlagen aus der Suggestion vom Untermenschentum.

Jetzt war Arminius am Zug.

Die Römer sind es gewohnt, ganz bestimmte, zum Teil gut ausgebaute Marschstrassen zu benutzen, wo sie auch die Umgebung gut kannten. Diese Strassen sind darüber hinaus mit Wachtürmen und durch Patrouillen gesichert. Der Zeitpunkt des Angriffs im Jahre 9 n. Chr. war von Arminius günstig gewählt worden, da die Römer zu diesem Zeitpunkt starke Kräfte zur Führung eines Krieges im Süden abziehen mussten. Ziel war es die Römer in möglichst unwegsamem Gelände anzugreifen um die Legionen an der Entfaltung und Einnahme ihrer gewohnten Schlachtordnung zu hindern. Arminius spielt Varus eine fingierte Meldung zu, dass sich ein entfernter Volksstamm im Aufstand befinde. Varus beschliesst die Sache auf dem Weg zu erledigen. Er vertraut dem Überbringer der Meldung, einem Germanen, diesem aufrecht gehenden Säugetier. Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit! Späher, Wegekundige der Germanen, werden das Heer führen. Auch das noch!

Arminius hat nicht alle auf seiner Seite. Am Abend vor dem Aufbruch sind er und andere Germanenführer noch bei Varus im Hauptquartier. Einer der Anwesenden warnt Varus und rät ihm Arminius und die anderen in Ketten zu legen. Varus winkt ab und entscheidet sich für das was er gern hören wollte. Charakter und Schicksal! Die Legionen geraten in Bewegung. Die Marschlänge des Heeres beträgt 25 km. Die Marschgeschwindigkeit ist eingeschränkt, da man nicht die gewohnte Heerstrasse zieht. Die germanischen Führer geben Varus noch eine Weile Geleit. Dann verabschieden Sie sich von Ihm, angeblich um ihre Truppen zur Niederschlagung des Aufstandes zusammenzurufen. In Wirklichkeit befanden sich diese bereits in der Nähe der Römer. Die Kämpfe beginnen.

Drei Umstände sind es, die einen Angriff dieser, gegenüber den Römern geradezu lächerlich bewaffneten, Germanenhaufen überhaupt eine Chance geben: die Guerillataktik, dazu eine Art Urwaldgelände mit dichtem Unterholz, und drittens Regengüsse, die den Boden aufweichen und für die Trosswagen unpassierbar machen. Arminius wusste aus Erfahrung, dass seine Leute den Römern sofort unterlegen waren, wenn diese auch nur die geringste Möglichkeit hatten sich zu formieren. Nur wenn sich die Angreifer die Vorteile des Geländes zunutze machen und dem Feind keine Chance gaben, die gewohnte Schlachtordnnug einzunehmen, konnte das Vorhaben gelingen. Das aber hing vor allem von der Disziplin und Führung ab, um die es bei den Germanen schlecht bestellt war. Es war schon mehr als Tollkühnheit, unter solchen Voraussetzungen überhaupt einen großräumig angelegten Krieg zu beginnen, noch dazu auf der Grundlage einer äusserst brüchigen Freiwilligkeit, bei der man nie genau wusste, wie weit Sie gehen würde, und mit nur bedingt zuverlässigen Stammesgenossen. Hier musste schon etwas gezündet haben, nicht von der üblichen Art, schnell einmal ein paar Haufen Männer zum Einfall in das Nachbarland zu bewegen, sondern ein Funke der über die Sippen und Stämme sprang.

Mit Charisma und dem Erbe seiner Vorväter schlug Arminius die anderen in den Bann. Der Schock bei den Römern muss furchtbar gewesen sein. Der unerwartete Überfall, die erheblichen Verluste, die wilden, unvertrauten Wege, dazu ein Wetter, das ihnen die Schrecken der germanischen Wälder nur noch schlimmer erscheinen lässt. Im Wald sind die Römer der Ungunst des Geländes und somit den Germanen ausgeliefert. Fußtruppen und Reiterei stehen sich gegenseitig im Weg. Von einer Truppenaufstellung wie es die Römer gewohnt waren, kann nicht die Rede sein. Selbst der gezielte Gebrauch ihrer Waffen, Pfeil und Bogen, sowie Wurfspeere, war nahezu unmöglich. Die Germanen im Gegensatz kämpften mit langen Lanzen welche in dem Gelände von Vorteil waren. Die Zahl der Germanen nimmt im Verlauf der Kämpfe ebenso zu. Viele wollten anscheinend erst einmal abwarten wie das ganze sich anließ und wurden durch die zu erwartende Beute angelockt. So wurden die Römer durch Wälder, Sümpfe und den feindlichen Hinterhalt eingeschlossen und von dem Feind, den sie selber früher wie Vieh geschlachtet hatten, niedergemetzelt.

Bienenvölker gehen zugrunde wenn die Königin getötet wird. Varus nahm sich selbst des Leben. Manche seiner Offiziere folgten ihm, andere rieten zur Kapitulation oder versuchten zu flüchten. Drei römische Legionen, insgesamt ca. 15000 Mann gehen unter. Der Kopf des Varus wird nach Rom gesandt.

Tiberius tobt vor Zorn. Wie Rumpelstilzchen stampft er mit den Füssen und schreit hysterisch: Verräter, treuloser Schweinehund, Judas. Dieser Pfeiffer hatte seinen besten Mann erledigt. Das wird er ihm heimzahlen. Es ging nicht nur um das überleben einer Dynastie und der mit ihr verschworenen Machtclique. Dieser Komiker Pfeiffer drohte das ganze System zu stürzen und der Lächerlichkeit preiszugeben. Es war doch alles gut so wie es war. Schließlich kann doch nicht jeder einfach machen was er will. Es musste doch jemand für Ordnung sorgen. Und war mal einer dieser Götzen anbetenden Untermenschen aufgestanden, so zog Tiberius entweder persönlich gegen ihn ins Feld oder schickte seine Grafen mit einer Armee los um Rache für das treulose Verhalten zu nehmen. Er würde sie schon lehren ihren religiösen Bräuchen und dem Götzentum abzuschwören und sich ihm zu unterwerfen. Das schöne an der Monarchie war ja gerade, dass die Person des Kaisers zum Gegenstand göttlicher Verehrung wurde. Hieran soll auch nicht gerüttelt werden. Es ist der grösste Fluch der Tyrannei dass sie die gute und aufrechte Gesinnung zerstört. Für Tiberius war Pfeiffer der Dämon, der sich in nächtlichen Vereinigungen inzestuösen Orgien hingab, begleitet von kannibalischen Kindstötungen und der Anbetung des Teufels. Die düsteren, trauer - und geheimnisvollen Zeremonien, die schwärmerische Ekstase, die Selbstentäusserung und bedingungslose Hingabe an die Gottheit, die Entsagung und Buße als Bedingung der Läuterung und Weihe: alle diese Elemente sind ja dem römischen Glauben ursprünglich fremd. Rom war der Tempel indem die Gottheiten aller Provinzen als dem 'templum mundi totius' zusammenströmten, insofern alle übrigen Völker jedes seinen besonderen Gott verehrten, die Römer aber alle Gottheiten der Welt insgesamt. Tiberius glaubte an die Götter, er hielt nicht viel von Eingeweideschau und anderem Hokuspokus, aber wenn er morgens einen Schuh auf den falschen Fuß zog, war es ein übles Zeichen, und wenn es am Morgen regnete ein gutes. Vielleicht sollte er das Orakel befragen. Schliesslich ging es um das Wohlergehen Roms und nicht minder um sein eigenes Schicksal. Es könnte das Ende für Ihn bedeuten, sein Untergang. Das darf nicht sein, Tiberius sucht das Orakel auf. Dieses bittet ihn heranzutreten und flüstert:

'Wes Fuß berührt die Fluten des Todesstroms, der ist nirgends mehr fortan.

Gleich wie vom Feuer der Rauch, kaum aufgestiegen, trüb ich die Luft verschwimmt,

Wie Wetterleuchten, kaum erst erschaut von uns,

Auch schon zerteilt des stürmischen Nords Gewalt,

So wird der Hauch, der jetzt uns belebt, entfliehn.

Nach dem Tod kommt nichts mehr, selber der Tod ist nichts,

Dem flüchtigen Laufe winkt er als letztes Ziel.

Nicht hofft ihr Gierigen, Furchtsame, bebt nicht mehr!

Du fragst, wo nach dem Tode du weilen wirst?

Dort, wo das Nichtgeborene ist.

Die Zeit verschlingt, die gier'ge, das Chaos uns.

Auf jeglichen Leib hat einmal der Tod ein Recht.