Über's Leben. Über's Lieben. - Kascha Brigitte Lippert - E-Book

Über's Leben. Über's Lieben. E-Book

Kascha Brigitte Lippert

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Beschreibung

Wenn eine Frau und ein Mann sich ineinander verlieben, entsteht daraus meistens eine Beziehung, die mehr oder weniger nach einem "normalen" Schema abläuft. Was aber, wenn man erst Jahre warten muss, bis man sich in diese Beziehung hinein begeben kann? Sieben Jahre nach ihrer ersten Begegnung und fünf Jahre nach einem kurzen, heftigen Zusammentreffen glauben sich die beiden Protagonisten, die in der Mitte ihres Lebens stehen, bereit, nun ihre Liebe gemeinsam in der Realität zu leben. Es beginnt ein hoffnungsvoller und viele glückliche Stunden schenkender E-Mailverkehr, der beide mehr und mehr davon überzeugt, dass sie füreinander bestimmt sein müssen. Wenngleich sie sich schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen haben, gibt es bald einen gemeinsamen Entschluss: Sie denken über eine Ehe nach. Man wolle sich aus verschiedenen Ländern kommend in Wien treffen und ein neues gemeinsames Leben beginnen. Das ist der eigentliche Plan. Doch ihre ungleiche Geschichte und ihre völlig verschiedenen Hintergründe lassen einen Normalablauf einfach nicht zu. Sie gibt sich völlig offen der kommenden Beziehung hin, er jedoch erlebt in seinem Versuch, sich ihr zu nähern, einen unerwarteten Rückschlag. Alle Hoffnungen, alle Erwartungen der letzten Monate lösen sich unvermutet in einer grotesken Situation auf. Zurück bleibt die Chance, sich neu zu entdecken, zu besinnen und über den eigenen Schatten zu springen. Ein Schatten, der sich sichtlich bereits das ganze Leben lang dafür gesorgt hatte, dass richtige Liebe keinen Platz im Leben finden kann. Wenn sie es schaffen, sich aus ihren alten Gedankenmustern zu lösen, dann steht einem neuen Liebesglück nichts im Weg. Der Weg dahin ist allerdings weit. Der in der erzählenden Ich-Form geschriebene Roman verwebt gleichsam die Gedanken und die Gefühle von Frau und Mann miteinander. Beide spiegeln einander ihre Sehnsucht nach Liebe und gleichzeitig ihre Angst vor Nähe. Mit viel Bewusstheit gelingt es die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und aus der herzzerreißenden Situation einen Prozess der Selbsterkenntnis zu kreieren.

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Seitenzahl: 245

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Dr. Kascha Brigitte Lippert in Wien geboren, verheiratet, zwei erwachsene Töchter. Sie ist Tierärztin, Spezialistin für Herzfrequenzvariabilität beim Menschen, gibt Herz(ens)-Readings und Herz(ens)-Coachings. (www.chronoenergetics.com) 2011 erschien ihr erstes Buch „Mein Leben in Ägypten. Den Wandel im Herzen“ im RRV-Renata Rollfinke Verlag, Wien. Sie lebt in Hurghada, Ägypten und in Wien, Österreich. Folgen Sie ihr auf Facebook: http://on.fb.me/wUhZtG

Für alle, die suchen:

Licht und Liebe findest Du in Deinem Herzen.

Kascha Brigitte Lippert

ÜBER‘S LEBEN.

ÜBER’S LIEBEN.

Roman

www.tredition.de

© 2013 Dr. Kascha Brigitte Lippert

Umschlaggestaltung, Illustration: Nyima, Wien

Foto: Markus Einzmann, Wien

Lektorat und Korrektorat: Inge Hofstätter, Wien

Bine Frauenberger, Stockerau

Dieser Roman beruht auf einer wahren Geschichte. Zum Schutz der Privatsphäre wurden Namen, Orte, Zeiten und Umstände verändert.

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-8495-7361-4

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt.

Inhalt

Prolog

Ein fremdes Land. 2003

Ägypten. Frühling 2010

Wien. 2005 I

Wien. 2007. Ich bereite meine Übersiedlung nach Ägypten vor

Wien. 2005 II

Ägypten. Anfang Mai 2010. Mein Traum 1

Ägypten. Im Mai 2010. Wartezeit

In einem fremden Land. 2005 I

Wien. April 2010. Internationaler Kongress

In einem fremden Land. 2005 II

Ägypten. Anfang Juni 2010. Aus dem Tagebuch

Tom ist ehrlich. 2005

Ägypten. Mitten im Juni 2010. Aus dem Tagebuch

Wien. 11. Juli 2010

Wien. 15. Juli 2010

Wien. 16. Juli 2010 - Mein Traum 2

Wien. 17. Juli 2010

Eine Geschichte für uns

Mein Traum vom 5.9.2013

Nachwort

Danksagung

Prolog.

Ich lebe. Ich lebe in einer wunderbaren Beziehung mit meinem über alles geliebten Ehemann, glücklich und zufrieden.

Er ist beruflich erfolgreich, finanziell unabhängig, ein Mann der Tat. Er hat Charisma und liebt mich so wie ich ihn.

Er trägt mich auf Händen. Er ist voll Humor, er liebt Musik, die Natur und speziell Tiere und lebt in Harmonie mit sich und der Umwelt. Er genießt alles, was er tut, weiß guten Wein zu schätzen und hat es nicht nötig zu rauchen.

Wir unterstützen uns gegenseitig in allen Belangen. Wir verschmelzen auf allen Ebenen, ein Herz und eine Seele.

Aber wir lieben es auch, uns unabhängig zu bewegen, uns weiter zu entwickeln und uns auszutauschen. Wir können beide gut alleine sein und kommen mit uns selbst ausgezeichnet zurecht.

Wir erwarten vom anderen nichts, aber wir geben alles.

Wir sind in romantischer, leidenschaftlicher Liebe für einander da, und wir sind erfahren genug, uns völlig dafür einzusetzen, in dieser Liebe zu leben.

Wir haben nur Offenheit und Klarheit füreinander, es gibt keine Hindernisse oder Hintergedanken. Keine falsch verstandenen Versprechen oder Illusionen. Wir sprechen aus, was wir fühlen, empfinden und denken.

Wir sehen uns als zwei eigenständige Wesen, die sich freiwillig zusammen tun, um sich auszutauschen und in Liebe zu erleben, was noch auf unserem gemeinsamen Plan steht.

Wir leben in zärtlicher, inniger, erotischer und leidenschaftlicher Liebe. Unsere Sexualität ist ein spiritueller Weg, ein Gebet, das zum Himmel steigt.

Wir wachsen gemeinsam.

Wir bringen all unser Wissen und Können, all unsere Erfahrungen in die Beziehung ein, um zusammen einen neuen Weg zu beschreiten. Wir haben ein gemeinsames berufliches Ziel.

Die letzten Jahre, die wir beide sehr unterschiedlich verbrachten, haben uns vorbereitet. Sie haben uns geprüft und hart genommen, damit wir uns wie Diamanten abschleifen und diesen speziellen Glanz und das unwiderstehliche Funkeln bekommen, das für eine langdauernde Partnerschaft wichtig ist.

Ein fremdes Land. 2003.

Ich fühlte mich vernachlässigt und ich war gelangweilt. Und bedürftig. So bedürftig, dass sogar der Kontakt bei einer Massage mich dazu brachte, die Energie aus den knetenden Händen herauszusaugen wie ein Schwamm, der vor dem Vertrocknen gerettet werden will. Ich war süchtig nach Berührung und Aufmerksamkeit. Körperlich und noch viel mehr seelisch. Ich vermisste sie wirklich.

Und so nahm die Geschichte ihren Anfang.

Wir begegneten einander im Januar, als mich mein langjähriger Lebensgefährte nach M., der Hauptstadt des fremden Landes zu einer Geschäftsreise mitnahm. Er war zu geschäftsanbahnenden Gesprächen eingeladen, das fremde Land suchte Partner in Europa.

Ein Ball war als Höhepunkt und Abschluss der Geschäftstreffen angekündigt. Ich freute mich auf etwas Abwechslung, auf die neue Stadt, auf den Ball und die Musik. Diese Geschäftsverbindung erfolgte über die Vermittlung eines beruflichen Bekannten meines Partners. Heinz und seine Frau Beatrix machten die Reise mit uns. Wir freundeten uns während des Fluges schon ein wenig an. Die Stimmung war fröhlich, etwas aufgekratzt; wir benahmen uns wie Schulkinder, die auf Ausflug waren.

Als wir die Ankunftshalle des Flughafens von M. erreichten, wurden wir bereits erwartet. Es war ein großer Airport, trotzdem kam unser Gepäck relativ schnell, und wir erreichten mit wenigen Schritten die Passkontrolle. Ich trat gerade in dem Moment in die Halle, als ein stattlicher, sehr imposant wirkender Mann unsere Freunde in Empfang nahm.

Ich sah plötzlich nur mehr diesen attraktiven Mann. Groß, schlank, mit dunkelgrauen Haaren, mit jungenhaftem Charme und äußerst anziehend. Er trug ein langes, helles Cape und stand da wie ein Leuchtturm in der Brandung. Ich sah ihn leuchten. Wirklich.

Etwas Seltsames passierte in diesem Augenblick. Die Spannung im Raum stieg an, und die Gesichter der Menschen rundherum verschwammen. Ich sah nur einen einzigen Menschen vor mir. Einen Mann, den ich noch nie gesehen hatte, der mir aber so bekannt war. So vertraut und so nahe. Mein Herz flog ihm zu. Ich verliebte mich auf den ersten Blick in ihn. Von diesem Moment an, wollte ich nur in seiner Nähe sein, wollte seine Stimme hören, in seinen Augen lesen und seine Hand nehmen.

Ich registrierte eine seltsame Eifersucht, als er die beiden anderen, die ihn schon lange kannten, mit einer Umarmung begrüßte und für uns nur ein freundliches Händeschütteln bereit hatte. Ich wollte auch von ihm umarmt und gehalten werden. Ich konnte kaum mit meinen plötzlich aufsteigenden Gefühlen umgehen.

Er wurde mir als Tom vorgestellt, der Organisator der gesamten Veranstaltung und auch des „Abschlussballs“. Als er dann in den zweiten Wagen einstieg, der uns in unser Hotel bringen sollte, fühlte ich mich furchtbar traurig. Ich wollte doch unbedingt neben ihm sitzen. Oder zumindest hinter ihm.

Ich nahm nichts vom Flughafen, nichts von M.s Straßen und Gebäuden wahr, ich war völlig in Gedanken an diesen Mann.

Beim wunderschönen 5-Sterne-Hotel angekommen, öffnete sich die Wagentür von außen, und er stand vor mir, hielt mir völlig selbstverständlich seine Hand hin, um mir beim Aussteigen zu helfen. Mein Herz machte einen Sprung, als wir uns kurz berührten.

Den Abend verbrachten wir in Gesellschaft aller anwesenden Geschäftspartner in einem netten, kleinen Restaurant. Ich hatte alle Hoffnungen, dass ich ein wenig mehr von diesem so anziehenden Mann sehen werde. Aber ich wurde enttäuscht: Ich saß weit weg von Tom, der in Gespräche mit seinen Tischnachbarn vertieft war und keinen Blick für mich übrig hatte.

Ich verstand die Situation nicht. Wenn mich ein Mann interessierte, dann war es für mich natürlich und einfach, seine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Ich kannte den Eindruck, den ich machte, wenn ich erschien. Mir flogen die Männerherzen einfach zu, selbst wenn ich das nicht wollte.

Und ich wollte es meistens nicht. Ich wollte einfach glücklich sein in meiner Beziehung zu meinem Lebenspartner und niemand anderer sollte dieses Glück stören. Doch wenn ich es wollte, konnte ich erobern, wen ich ins Auge gefasst hatte.

Nur bei Tom war das offensichtlich nicht so. Dieser gut aussehende Mann, den die anwesenden Frauen sichtlich umschwärmten, wollte keinen Blick in meine Richtung werfen. Noch schlimmer: Ich gewann den Eindruck, dass er mich mied oder zumindest so tat, als wäre ich nicht vorhanden. Es war mir nicht möglich, auch nur einen kurzen Moment in seine Augen zu sehen. Ich war einfach nicht da für ihn. So dachte ich zumindest.

Als ich Dich beim Flughafen in die Ankunftshalle kommen sah, war ich etwas abgelenkt vom Begrüßen meiner Freunde Heinz und Beatrix. Aber ich sah Dich durch das Tor kommen und es schoss mir schlagartig durch den Kopf: „Die Sonne geht auf.“ Dass Du zu unserer Gesellschaft gehörtest, wurde mir erst klar, als man uns vorstellte und ich mich vor Dir mit einer leichten Kopfbewegung verbeugte. Am liebsten hätte ich Dich in meine Arme genommen und nicht mehr losgelassen, so sehr bewegtest Du mein Herz in diesem Moment.

Wenn es Liebe auf den ersten Blick gibt, dann erlebte ich das in diesen Sekunden. Mein nächster Gedanke war die Unmöglichkeit, die in dieser Begegnung lag. Du warst die Frau eines potentiellen Geschäftspartners, den ich eingeladen hatte, mit uns gemeinsam in Projektentwicklung zu gehen. Das alleine gab die erste Barriere zwischen uns. Ich versuchte, mich so schnell wie möglich hinter meine geschäftliche Fassade zurückzuziehen. Und es gelang.

Mein Blick war überall, nur nicht in Deiner Richtung. Ich setzte mich zu meinen Freunden, die das ja auch von mir erwarteten, ins Auto, obwohl ich das gar nicht wollte. Als wir beim Hotel ankamen, nützte ich die Geste der Höflichkeit und half dir aus dem Auto. Du nahmst wie selbstverständlich meine Hand und lächeltest mich an. Ich war hingerissen und musste mich sehr bemühen, meine Gefühle sorgfältig zu verbergen.

Am Abend im Restaurant hatte ich dann Gelegenheit, Dich zu beobachten. Natürlich waren viele Menschen um uns herum, aber hin und wieder konnte ich aus den Augenwinkeln betrachten, wie Du Dich bewegtest und mit den Leuten, die mit Dir saßen, sprachst. Ich fühlte, ich war hoffnungslos verliebt. In dieser Nacht träumte ich zum ersten Mal von Dir.

Der nächste Tag verging wie im Flug, die Geschäftsmänner zogen sich zu Geschäftsbesprechungen zurück. Wir Damen waren den ganzen Tag mit dem „Damenprogramm“ beschäftigt. Tom hatte sogar das perfekt organisiert. Uns stand eine sehr sympathische junge Dolmetscherin zur Seite, die uns ihre Heimatstadt zeigte und uns unterhielt. Wir bestaunten die riesige Kathedrale und besuchten die wunderschöne Krypta mit einer Ausstellung alter Ikonen aus dem ganzen Land. Wir lernten noch mehrere Kirchen kennen, eine davon erkor ich zu meiner Lieblingskirche und betete vor dem Madonnenbild, dem heilende Wirkung nachgesagt wurde, zum ersten Mal seit langer Zeit.

Zum Abschluss besuchten wir ein Geschäft, das Seifen in wunderschönen, unterschiedlichen Gerüchen, Farben, Formen und mit Kräutern und Blumen eingegossen, verkaufte. Wir schnitten von den Seifenblöcken verschieden große Stücke ab und nahmen sie als Geschenke und Andenken mit nach Wien. Ich saß noch Monate später damit in der der Badewanne und genoss fremdländischen Duft.

An diesem Abend wurden wir in ein weiteres typisches Restaurant ausgeführt, das sehr gemütlich für uns einen Nebenraum vorbereitet hatte. An einem großen Tisch, der auf die geladenen zwölf bis vierzehn Gäste wartete, saßen bereits zwei respektable Herren, die sichtlich erfreut waren, als man mich zu ihnen setzte. Sie verwickelten mich sofort in ein Gespräch auf Englisch, wobei wir nach einiger Zeit erkannten, dass wir uns genauso gut auf Deutsch unterhalten konnten, da beide auch Österreicher waren, die schon lange Zeit in diesem mir so fremden Land geschäftlich bzw. als Vortragende und Lektoren unterwegs waren.

Mein Partner saß zwar neben mir, war aber die meiste Zeit mit einem Gespräch mit seinem Nachbarn zur anderen Seite hin beschäftigt. Mein tatsächliches Interesse lag diesmal aber sowieso ganz woanders. Ich sehnte mich nach einem Blick, wenigstens einem AUGEN-Blick, den ich einfach nicht bekam. Tom saß wieder weit genug entfernt, so dass wir uns gegenseitig nicht stören konnten.

Das zwiespältige Gefühl, hier einerseits einen schönen Abend zu verbringen, zu genießen und andererseits ganz etwas anderes tun zu wollen, war unerträglich.

Eine Musikgruppe spielte auf und verwöhnte uns mit schwungvoller, folkloristischer Musik. Nach dem Essen waren wir zum Tanz aufgefordert, was ich mir nicht zweimal sagen ließ. Wir tanzten zu einer Melodie, die mich an Sirtaki erinnerte, den ich schon bei meinen zahlreichen Griechenlandurlauben geliebt hatte.

Tom blieb mit anderen sitzen und sah uns lächelnd zu. Überhaupt schien er großen Gefallen an der Musik zu finden. Er bekam einen ganz romantischen Gesichtsausdruck dabei und sah glücklich und entspannt aus. Ich musste mich zwingen, nicht doch immer wieder zu ihm zu schauen. Mein Herz sprang wild in meiner Brust, und ich begann mich heftig nach diesem Mann zu sehen.

Meine beiden Tischherren wollten mehr über meinen Beruf erfahren. Also erzählte ich ihnen, dass ich mich unter anderem mit Entspannungstechniken beschäftigte. Ich hatte auch einen kleinen Massageroller mit dabei und zeigte dessen angenehm entspannende Wirkung gleich bei meinem direkten Nachbarn vor. Dieser war so begeistert, worauf er mir das Ding aus der Hand nahm und seinem rechts sitzenden Nachbarn damit am Rücken auf- und abrollte.

So ging der Roller von Einem zur Nächsten und weiter, und die gesamte Tischgesellschaft kam in den unerwarteten Genuss einer erfrischenden Massage durch die Hand des Nachbars beziehungsweise der Nachbarin. Auch Tom wurde gerollt – von seiner Nichte, die neben ihm saß. Ihre in meinen Augen zu heftigen Armbewegungen nahm ich spontan zum Anlass aufzustehen, hinüber zu gehen und endlich mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ich fragte ihn, wie ihm die Massage gefiele.

Wenn ich daran denke, muss ich jetzt noch lächeln. Er saß vor mir, sah mir von unten her tief in die Augen und statt mir zu antworten, nahm er einfach meine Hand und küsste sie.

Oh, ich war erst einmal sprachlos. Als Österreicherin bin ich ja an Handküsse gewöhnt, als Zeichen des charmanten Respektes, den ein Mann jeder Frau entgegenbringen kann, aber auch als Zeichen eines besonderen erotischen Interesses, das ein Mann einer ihn anziehenden Frau bekundet.

Hier handelte es sich eindeutig um die zweite Variante. Mein Herz sprang hoch vor Freude. Ich kehrte in ausgesprochen gehobener Laune an meinen Platz zurück. Sollte ich auch nur irgendeinen Zweifel über meine Wirkung auf Tom gehabt haben – und da waren ja viele gewesen – jetzt hatte ich keinen mehr.

Er erwiderte mein Interesse, vielleicht sogar meine Gefühle. Ich konnte ihn ganz deutlich spüren. Ich fühlte, dass uns etwas Starkes verband. Er war nicht nur in meinen Gedanken, ich war auch in seinen!

Der nächste Tag verlief, wie ich ihn geplant hatte. Das Damenprogramm war umfangreich. Ich hatte eine junge Dolmetscherin engagiert, und sie führte die beiden durch die Stadt. Ich hatte ihr den Auftrag gegeben, auf jeden Fall unsere Kathedrale und die alte Kirche zu besuchen.

Während unserer Geschäftstreffen, die so verliefen, wie ich es gerne sehe, schweiften meine Gedanken immer wieder zu Dir zurück. Du standst vor meinen Augen und lächeltest mich an. Den ganzen Tag hatte ich mit meiner Konzentration zu kämpfen, denn Du gingst mir nicht mehr aus dem Sinn. Meine Verbindung zu Dir war so stark, wie ich sie noch nie bei einer Frau erlebt hatte. Es war seltsam und verführerisch. Ich hatte alle Hände voll zu tun, mich nicht lächerlich zu machen, während wir die wirtschaftliche Situation unseres Landes beleuchteten und uns über mögliche geschäftliche Verbindungen den Kopf zerbrachen. Mein Gesicht verzog sich unwillkürlich zu einem Lächeln, wenn ich an Dich dachte. Mir war klar, dass die kühl kalkulierenden Geschäftsmänner um mich herum einen eigenartigen Eindruck von mir bekommen mussten, wenn ich fortfuhr, mich so zu benehmen.

Der Abend im Restaurant war ein voller Erfolg. Das Essen war wie gewohnt ausgezeichnet, der Wein sehr gut. Du saßest am anderen Ende des Tisches, wo ich Dich sicherheitshalber neben zwei meiner guten alten Freunde platziert hatte, die Dich den ganzen Abend so beschäftigten, dass es mir möglich war, ab und zu mal einen Blick auf Dich zu werfen. Ich musste mich bedeckt halten, das war ich mir und natürlich Deinem Mann schuldig.

Trotzdem: eigentlich wollte ich aufstehen, zu Dir gehen und Dich näher kennen lernen. Du zogst mich magisch an, und ich merkte, dass Du Dich auch für mich zu interessieren schienst. Du sahst ab und zu herüber zu mir, ich wich Deinem Blick aus. Was hätte ich sonst tun sollen? Wir durften uns hier nicht in die Augen sehen. Das war einfach unmöglich.

Zum Glück hattest Du einen kleinen Massageroller mit, der die Runde machte, weil jeder dem Nachbarn mit diesem Roller spontan den Rücken massierte. Ich sah die Freude darüber auf Deinem Gesicht leuchten. Als meine Nichte, die als Dolmetscherin für mich arbeitet und an meiner linken Seite saß, an die Reihe kam, mir die unverhoffte Massage zuteilwerden zu lassen, machtest Du plötzlich Anstalten aufzustehen.

Die Sonne geht auf, hatte ich gedacht, als ich Dich das erste Mal erblickt hatte, und Du mich direkt ansahst. Ich musste wegsehen, Dein Licht hatte mich fast geblendet. Und nun standst Du wieder vor mir, lächeltest mich an, und ich fühlte mich erneut geblendet. Du fragtest mich etwas, mit einem Seitenblick auf meinen Rücken. Ich verstand Dich erst gar nicht, so sehr war ich beschäftigt, Deine Nähe mit allen Sinnen aufzunehmen.

„Fühlst du dich wohl?“

Ich konnte nicht anders, ich blickte Dich an, nahm Deine rechte Hand und führte sie langsam an meinen Mund.

Mir war vollkommen klar, dass ich mich damit verraten würde. Aber irgendetwas an Dir sagte mir, dass ich genau das Richtige tat. Ein Handkuss kann mehrere Bedeutungen haben. Meiner hatte nur eine einzige und die war eindeutig. Ich wollte mehr als Deine Hand küssen. Du lächeltest noch mehr und blicktest mir tief in die Augen. Was hast Du gelesen? Alles?

Jedenfalls kehrtest Du schnell wieder zu Deinem Sitzplatz zurück. Mit leicht geröteten Wangen. Mir schien, die Episode war beobachtet worden, aber in diesem Moment war es mir egal. Trotzdem vermied ich es während des weiteren Abends, Dich auch nur einen Augenblick lang anzublicken. Es fiel mir sehr schwer. Aber ich gewann den Eindruck, dass Du meine Nähe und meine Aufmerksamkeit suchtest. Oder täuschte ich mich? Konnte es sein, dass Du genauso empfandst wie ich?

Am nächsten Morgen traf ich meine Freundin Beatrix beim Frühstück und konnte nicht anders, als sie über diesen geheimnisvollen Mann auszufragen. Ich wollte alles wissen, alles. Erst war sie etwas überrascht über mein lebhaftes Interesse, dann gefiel ihr die Rolle der in ein Geheimnis Eingeweihten, und sie gewährte mir jede Auskunft, die mein Herz begehrte.

Ja, Tom war ein Junggeselle, der immer von Frauen umgeben war und alles verstand, was eine Frau wollte. Ein umschwärmter Mann, der sich aber nicht wie ein Frauenheld benahm. Sie war auch ein wenig verliebt in ihn, wie ich feststellen konnte. Ich war es mittlerweile völlig. Es gab keinen Zweifel, ich war in den mir unbekannten Mann verliebt, obwohl ich ihn nur kurz gesehen hatte und gar nichts über ihn wusste.

Das war mir damals noch etwas seltsam, später habe ich die Erfahrung machen dürfen, dass wir gar nichts „wissen“ müssen, um jemanden zu lieben.

Beatrix klärte mich bei köstlichem Tee und leckerem Kuchen auf. Tom war Geschäftsmann, der ein Zentrum leitete, das damit beschäftigt war, die Wirtschaft dieses Landes mit der europäischen zu verbinden. Geschäftsbeziehungen knüpfen, Investoren ins Land bringen, Wissenstransfer in Form von Seminaren, Workshops und Vorträgen für angehende Führungskräfte, Wissensaustausch mit österreichischen, aber auch anderen europäischen Instituten und Firmen waren Teil der Aufgaben dieser Institution. Nachdem er ein ausnehmend intelligenter und charismatischer Mann war, verband er in erfolgreicher Weise sein Knowhow mit der Kunst des Netzwerkens. Mit seiner einnehmenden Art und seiner Offenheit seinen Geschäftspartnern gegenüber gewann er schnell deren Vertrauen und Achtung. Seine respektvolle Haltung, gepaart mit offensichtlicher Selbstsicherheit und Selbstvertrauen, punktete natürlich ebenso. Auch bei mir.

Beatrix und ich saßen stundenlang in einem sehr schönen Caféhaus in der damals schönsten Hauptstraße der Stadt und genossen unser Gespräch. Sie war eine leidenschaftliche Erzählerin und so erfuhr ich alles, was mir wichtig war zu wissen.

Am Abend war der „Ball“ angesagt, und ich wollte unbedingt mit ihm zusammen kommen, ich wollte ihn erobern, ich wollte ihm den Kopf verdrehen, ich wollte begehrt und verehrt werden. Das war es, was ich wirklich wollte. Ich genoss den Nachmittag mit Vorbereitungen auf meinen abendlichen Auftritt. Ein langes, warmes Bad, das kalte Wetter musste schließlich kompensiert werden, verhalf mir zur nötigen Entspannung.

Heute noch sehe ich mich in diesem wunderschönen Badezimmer, das mit hellbraunen großen Steinfliesen ausgelegt war und mit überdimensionalen Spiegeln meinen schlanken Körper von allen Seiten zurückwarf. Ein wenig von meinem Lieblingsparfum und mit viel Sorgfalt ein leichtes Makeup aufgelegt. Ich war aufgeregt, ich wusste nicht, was mich erwartete, aber die Vorfreude fühlte sich unglaublich gut an. Ich wusste nur, dass ich schön sein wollte, begehrenswert, strahlend und umwerfend. Und dem sichtlich interessierten Blick nach, den ich von allen möglichen anderen Männern zugeworfen bekam, war ich das auch.

Als wir im Hotel, in dem der Ball stattfand, eintrafen, schneite es. Die wenigen Schritte vom Taxi zum Eingang genoss ich wie in einem Märchenfilm. Ich trug meinen langen, edlen Seidenmantel über dem dunkelblauen, enganliegenden, schulterfreien Abendkleid. Eine schlichte Goldkette und goldene Ohrstecker vollendeten das Ensemble. Ich fühlte mich unglaublich sexy und verführerisch.

Tom saß in der Lobby mit ein paar anderen Leuten und trank ein Bier. Angeblich hatte er Kopfschmerzen. Er sah in sich gekehrt aus und machte den Eindruck, völlig mit sich selbst beschäftigt zu sein. Er schenkte mir eine freundliche und höfliche Begrüßung, sonst nichts und meine übermütige Stimmung bekam einen kleinen Dämpfer.

Für uns vier war ein Tisch ganz vorne bei der Bühne und dem Orchester reserviert, von wo unsere beiden Männer sehr schnell verschwanden, um ihren weiteren Geschäftsanbahnungsgesprächen nachzukommen. Beatrix und ich langweilten uns.

Noch schlimmer, ich war den Tränen nahe. Der ganze Abend schien ein völliger Reinfall zu werden. Das Orchester spielte Wiener Walzer, und ich tanze für mein Leben gerne. Wie immer war mein Partner geschäftlich unterwegs. Da war also kein Mann, der mit mir tanzte, kein Mann, der mich umschwärmte, kein Mann irgendwo … das erschien mir in diesem Moment die Essenz meiner letzten Jahre zu sein. Ich – allein. Niemand da, der mich in irgendeiner Weise wahrnahm und mit mir zusammen sein wollte. Ja, natürlich Beatrix, aber ich dachte hier nicht an Frauen … Ich versank in Selbstmitleid und war dabei, mich für den Rest des Abends als unsäglich traurig abzuschreiben.

Da kam eine kleine Rettungsaktion von unerwarteter Seite. Beatrix‘ Mann, fragte mich, ob ich mit ihm tanzen wolle. Natürlich, ich wartete doch schon so lange darauf, endlich Bewegung in den Abend zu bringen. Glücklich, mich zur Musik zu bewegen, vergaß ich erst einmal die depressive Stimmung. Ich liebte es zu tanzen, egal, in welchem Musik- oder Tanzstil. Diesmal spielte das Orchester ein modernes Stück, zu dem wir offen tanzten. Heinz sah mich ernst an und meinte: „Ich hoffe nur, dein Mann weiß, welchen Schatz er mit dir hat!“

Mir schossen die Tränen in die Augen, und ich kämpfte kurz mit meiner Fassung. Nach Ende des Tanzes wollte ich mich setzen, denn ich war innerlich am Schluchzen über meine unglückliche Beziehung, die sich nicht verbessern ließ.

Nach einiger Zeit jedoch gewann meine Lebensfreude wieder die Oberhand. Was war an diesem Abend noch Besseres zu finden? Ein Tisch, an dem andere Menschen saßen, die sich mit mir unterhalten wollten! Ich packte Beatrix am Arm und steuerte mit ihr quer durch den Ballsaal nach hinten zu den Tischen, wo Tom saß. Die Tische waren rund und für zehn Personen gedeckt. Ein glücklicher Zufall hatte die anderen Gäste seines Tisches woandershin geführt. Wir fanden also Platz genug. Ganz allein und nach wie vor völlig mit sich selbst beschäftigt, hatte Tom nichts dagegen einzuwenden, dass wir uns zu ihm setzten. Wenngleich er sich erst einmal als schweigender Gesprächspartner darstellte. Ziemlich aufgeregt nahm ich vis-à-vis von ihm Platz.

Beatrix machte Fotos, die einzigen, die uns in dieser misslichen Lage zeigen. Zwei, die miteinander wollen, aber nicht dürfen. Auf einem Bild stand seitlich hinter mir mein Partner im Gespräch mit jemandem. Ich war also auch noch „behütet“.

Trotzdem – irgendwann ließ sich unser Blickkontakt nicht mehr verhindern. Unsere Blicke trafen sich und verfingen sich ineinander. Wir sahen uns an und versanken in unsere Augen, ich in seine braunen und er in meine grünen. Es war ein inniger, intensiver Austausch, der keine Fragen offen ließ. Die Antwort war kurz und deutlich: „JA!“

Mir klopfte das Herz bis zum Hals vor lauter Freude. Ich hatte ihn gewonnen! Ich hatte seine Aufmerksamkeit und seine Gefühle für mich gewonnen! Plötzlich war alles sonnenklar, alle meine Gefühle fanden Widerhall, er fühlte wie ich. Ich war so aufgeregt und glücklich nur über diesen einen Blick. Und machte mir keine Gedanken darüber, was aus diesen plötzlichen und heftigen Gefühlen eigentlich werden sollte.

Den ganzen Tag schon war ich nervös, es sollte ein Großereignis werden, für das ich die Verantwortung trug. Es sollte unsere Gäste aus Europa ebenso beeindrucken wie unsere einheimischen Teilnehmer. Ich hatte diesen Event schon lange vorher geplant, ich hatte ganz bestimmte Vorstellungen von diesem Abend, und die Vorbereitungen waren äußerst aufwändig gewesen. Alles wäre einfach genauso abgelaufen wie geplant, wenn da nicht plötzlich Du so intensiv aufgetaucht wärest. Du fesseltest meine Aufmerksamkeit, Du lenktest meinen Fokus weg vom Ablauf der Veranstaltung. Die Gedanken an Dich nahmen mich völlig in Anspruch. Und dort, wo ich normalerweise praktisch unfehlbar war, im Organisieren und Managen, fehlte plötzlich meine Energie.

Ich konnte mich nicht mehr voll konzentrieren, denn ich war mit meinen Gedanken ständig bei Dir. Mein Verstand versuchte das zu verhindern. Er sagte mir, es wäre schwachsinnig, mich mit der Frau eines europäischen Geschäftspartners auch nur in Gedanken zu verbinden. Und ich bin kein Mann, der schwachsinnige Entscheidungen trifft.

Aber ich konnte nichts tun. Ich konnte nichts gegen die Gefühle, die mich überschwemmten, tun. Mein Herz sprach eine andere Sprache, es träumte einen Traum, den ich mir bis dahin nicht erfüllt hatte. Mein Herz erzählte von einer großen Liebe, die ich erleben konnte. Von einer großen Liebe, die schon Ewigkeiten auf mich wartete, und die ich nun vor mir stehen hatte. Mein Herz bat mich, nicht gewöhnliche Lösungen anzustreben, sondern einen neuen Weg zu finden – einen Weg, der völlig entgegenmeiner bisherigen Erfahrungen mit Frauen war. Einen Weg des Vertrauens.

Ich zwang mich dazu, mich zu konzentrieren. Die letzten Vorbereitungen waren zu kontrollieren, die letzten Anweisungen zu geben. Ich bekam am Vormittag Kopfschmerzen, die sich auch nicht mit Tabletten lösen ließen. Ich gebe zu, ich versuchte alles, Dich aus meinem Kopf zu verbannen. Aber vermutlich tat er deshalb so weh.

Als ich dann endlich in der Lobby des Hotels saß und ein Bier zur Entspannung trank, hatte ich fast Angst, Dich zu sehen. Ich war mir meiner nicht mehr sicher. Wie konnte ich Dich sehen und nicht mit dir sprechen? Wie sollte dieser Abend über die Bühne gehen, ohne dass ich Dich berühren durfte? Am liebsten wäre es mir gewesen, wenn alles ohne mich hätte ablaufen können. Aber gleichzeitig war ich es gewohnt zu gewinnen, zu siegen. Der Held zu sein, der letztlich triumphiert.

Meine Ausdauer und mein Durchhaltevermögen sind legendär, was Verhandlungen betrifft. Ich punkte üblicherweise durch Überzeugungskraft, durch Freude, durch meine Präsenz.

Irgendetwas in mir riet mir, einfach nur DA zu sein. Und abzuwarten, damit das kommen konnte, was kommen sollte. Ich bin zwar nicht leichtgläubig, aber manches in meinem Leben hat sich so ergeben, dass ich nur von einem glücklichen „Zu-Fall“ sprechen konnte. An so einen Zufall wollte ich diesen Abend auch glauben.

Ich hatte euch extra weit vorne hingesetzt, damit ihr das Buffet genießen könnt und die Musik und die Vorführungen. Es war ein Ehrenplatz, weit weg von meinemTisch, den ich im hinteren Bereich gewählt hatte. Von hier aus konnte ich alles überblicken und kontrollieren, ohne aufzufallen.

Aber nach einiger Zeit merkte ich, dass es ein Fehler gewesen war, die Tischordnung nicht zu verändern. Du warst einfach zu weit weg von mir. Ich konnte Dich nicht einmal mehr sehen, wenn ich genau hinsah – geschweige denn aus den Augenwinkeln. Es war mir aber ein Bedürfnis, nach Dir zu schauen. So kämpfte ich diesen Abend mit mir, begrüßte die Gäste, betrieb Small Talk, ohne wirklich dabei zu sein und hoffte auf ein Wunder.

Und dieses Wunder geschah, es kam. Unglaublich. Du setztest Dich einfach zu mir an den Tisch!

Ich bewunderte Deinen Mut und Deine Lebendigkeit. Und Du warst so schön! Nur mit Mühe konnte ich meinen Blick schweifen lassen, immer wieder verfing er sich an Deinen Haaren, Deinem Gesicht, Deinem Dekolleté und Deinen Händen.

Du saßest genau mir gegenüber und sprachst mit Beatrix, die immer wieder einen prüfenden Blick in meine Richtung warf. Ich gab vor, beschäftigt zu sein und über etwas nachzudenken.

In Wirklichkeit konnte ich gar nicht denken. Mein Gehirn war ein einziger Kreisel, der sich drehte. Ich sah nur Dich und das in allen möglichen Varianten. Ich starrte ins Nichts und nahm nichts mehr wahr außer Deiner Präsenz. Nicht weit von mir und doch so unerreichbar. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und blickte auf. Und sah direkt in Deine grünen Augen. Sie waren weit offen und dunkelgrün wie das Meer manchmal und dannwieder Türkis wie der Edelstein. Ich sah Dich an und öffnete mich Dir, und ich fiel in Deine Augen hinein wie ein Ertrinkender.

Du fingst mich auf und erwidertest meinen Blick. Ich hatte den Eindruck, Dein ganzes Sein käme durch meine Augen in mein Herz herein. Ich konnte nicht mehr widerstehen, ich war hoffnungslos verloren und gleichzeitig fand ich mich in Dir.

Beatrix schleppte uns nach draußen in den Eingangsbereich, wo wir köstlichen Rotwein kredenzt bekamen. Endlich konnten wir miteinander sprechen, allerdings unter der Beobachtung meiner beiden Tischnachbarn vom Vorabend, die sich sehr um mich bemühten, was mir gar nicht besonders angenehm war. Ich wollte eigentlich mit Tom alleine sein, die wenige Zeit nützen für ein paar persönliche Worte. Es sollte uns jedoch verwehrt bleiben.