Übertretungen - Yakiv Samoylovych - E-Book

Übertretungen E-Book

Yakiv Samoylovych

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Beschreibung

„Übertreten“ heißt in der Regel eine Grenze verletzen, eine Seite oder gar Religion zu wechseln, eine starre Linie oder Meinung herauszufordern, zu hinterfragen. Von Rechtschaffenen und jenen, die ihre festen Prinzipien und unabänderlichen Positionen haben, sind Übertreter, Seitenwechsler, selten gerne gesehen. Erleben ist immer die ureigene Geschichte, gleich ob man nun lieblichen Melodien folgt, nach echtem Kaffee sucht, seine Lanze an der Tür des Sozialamts abbricht, routinemäßig im Niemandsland unterwegs ist, nie repräsentativ befragt wird, das Gras flüstern hört, zornige Träume hat, sich wie ein entschwundener Fisch aus der Tiefe erhebt oder sich als finaler Zweck und Bester begreift. Menschliches Streben widersetzt sich gedachten Grenzen. Darin liegt unser aller Wesen. Der Blick ans andere Ufer lohnt sich. Immer.

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EPUB

Seitenzahl: 34

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Was heißt hier Übertretung..?

Das Wort übertreten kann, abhängig vom Zusammenhang sehr unterschiedliche Vorgänge darstellen. Als Straftäter kann man ein Gesetz übertreten, aber man kann auch zu einem anderen Glauben übertreten, etwa wenn ein Muslim Jude werden möchte. Ein Sportler kann eine Linie übertreten, tritt ein Fluss über das Ufer, so haben wir es mit einer Überschwemmung zu tun. Übertretungen haben also immer etwas damit zu tun, eine vorher definierte Grenze zu überschreiten.

Die Autoren des vorliegenden Gedichtbands sind Augsburger Juden und nicht hier geboren, also Übertreter, oder wie man es bayerisch sagen könnte: „Zugreiste“. Vor vielen Jahren haben sie sich zu einem literarischen Club vereint, den sie „ILIFA“ nannten, was als Abkürzung steht für „Internationales Literaturforum Augsburg“, ohne darüber nachzudenken, dass es überall in der Stadt wohl noch hunderte andere Dichter gab und gibt. Da man die aber nicht repräsentieren wollte, war das aber auch kein wichtiger Punkt.

Wesentlicher ist die gemeinsame Vorstellung, was es bedeutet, Jahrzehnte nach der „Scho‘a“, bzw. dem „Holocaust“ als Juden in einer Gesellschaft zu leben, die davon wie sie selbst – wenngleich aus wahrscheinlich entgegengesetzten Gründen – wenig oder nichts wissen will (was nicht ohnehin bekannt ist). So sind die Reflektionen der Autoren auch eher unterschwellige Übertretungen von realen oder gedachten Grenzen. Die sind manchmal vorformuliert oder sind es nicht, sichtbar im Alltag, oder verborgen wie geologische Bruchlinien.

Übertreten heißt in der Regel eine Grenze verletzen, eine Seite oder gar Religion zu wechseln, eine starre Linie oder Meinung herauszufordern, zu hinterfragen. Von Rechtschaffenen und jenen, die ihre feste Prinzipien und unabänderlichen Positionen haben, sind Übertreter, Seitenwechsler nicht gerne gesehen, stellen sie doch starre Positionen in Frage, meist ungewollt.

Erleben ist immer die ureigene Geschichte, gleich ob man nun lieblichen Melodien folgt, nach echten Kaffee sucht, seine Lanze an der Tür des Sozialamts abbricht, routinemäßig im Niemandsland unterwegs ist, nie repräsentativ befragt wird, das Gras flüstern hört, zornige Träume hat, sich wie ein entschwundener Fisch aus der Tiefe erhebt oder sich als finaler Zweck und Bester begreift.

Menschliches Streben widersetzt sich immer gedachten Grenzen. Darin liegt unser Wesen. Der Blick ans andere Ufer lohnt sich. Immer.

Die Gedichte sind nach den Titeln alphabetisch geordert, was ebenso willkürlich ist, wie es jede andere Anordnung wäre. Darunter steht jeweils der Verfasser und die auf ihn zurückgehende Datierung des Werks.

Register

Abendmahl Yehuda

Am Fuße des Berges Yehuda

Ballade vom unguten Gesicht Yakiv

C- 47078 Yakiv

Damals Yehuda

Der Klang der spitzen Ohren Chana

Der Zahn der Zeit Yehuda

Die Fremde Yakiv

Die Reifeprüfung Chana

Die Übernächstenliebe Yehuda

Die Zecke Chana

Don Juan Yakiv

Ein Bild der Depression Yehuda

Ein kalter Wind fegt übers Eis Yehuda

Ein Lächeln reicht Chana

Emmy Gratia Yakiv

Es muss wohl Liebe sein Chana

Flüchtig Chana

Gegendarstellung Yehuda

Gegen Null Yehuda

Grasgeflüster Yakiv

Hör doch auf Chana

Immer noch ohne Titel Samuel

In der Akademie des Guten Yehuda

Möwe flieg Yakiv

Niemandsland Yehuda

Theater Yakiv

Trostlos Chana

Was ist Glück? Chana

Zweck & Bester Yehuda

Abendmahl

Sie trinken den Wein

Sie brechen das Brot

Liebäugeln die Pein

Begehren die Not

Um den Tod eines Andern

Seelisch zu durchwandern

Sie möchten ihn essen

Um ihre Sünden zu vergessen

Sie wollen ihn schlürfen

Um mehr noch zu dürfen

Sein Tod gibt ihnen Glück

Und den verlor‘nen Stolz zurück

Sein Fleisch wird zum Brösel

Sein Blut wird zum Trunk

Und so umgibt jeden Esel

Befremdlicher Prunk

Auf den abgelaufenen Routen

Des Ewigen Juden

Yehuda, 2010

Am Fuße des Berges

Wir sitzen und trinken

An einem kleinen Tisch

Hier draußen