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Überzeugend reden – wer möchte das nicht können? Doch den wenigsten von uns ist es in die Wiege gelegt. Aber was tun, wenn man plötzlich vor der Aufgabe steht, in einem Meeting über ein Thema referieren oder gar vor einem größeren Publikum einen Vortrag halten zu müssen? Dann hilft dieser Ratgeber weiter. Gut und übersichtlich strukturiert, bietet er eine praktische Handlungsanleitung für beinah jede Form der freien Rede. Der Leser lernt, sein Lampenfieber in positive Redeenergie umzuwandeln, spontan frei zu sprechen, die Zuhörer für sein Thema zu gewinnen, auch "trockene" Themen lebendig zu vermitteln und sich auch in schwierigen Situationen (Widerstände beim Publikum, Störungen) zu behaupten. Ein nützliches Handbuch für jeden Einsteiger in die Kunst der Rede.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 430
Veröffentlichungsjahr: 2025
Impressum
Einführung
Inhaltsverzeichnis
Wie sollten Sie Ihre eigenen Wirkungsmöglichkeiten einsetzen?
IHRE STIMME: EIN WICHTIGES KAPITAL
Wie können Sie Ihre Zuhörer einbeziehen?
Welche methodischen Überlegungen bieten sich an?
Hinweise zur thematischen Vorbereitung Ihres Fachreferats
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Hauptinhalt
Überzeugend
reden
Eigenanalyse
Zuhörerbedarf
Methodenwahl
Inhaltsanalyse
Peter Paul Pilz
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2025 Vindobona Verlag
in der novum publishing gmbh
Rathausgasse 73, A-7311 Neckenmarkt
ISBN Printausgabe: 978-3-903574-84-7
ISBN e-book: 978-3-903574-85-4
Lektorat: Isabella Busch
Umschlagabbildungen: Yulia Ryabokon, Darko Sreckovic | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: Vindobona Verlag
Innenabbildungen: Peter Paul Pilz
www.vindobonaverlag.com
Für Marionund Ariane
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Einführung
Einführung
Gehören Sie auch zu den Zeitgenossen, die lieber eine Woche Überstunden ableisten, als eine »Rede« halten zu müssen? Vielleicht sind Sie einmal in der Schule beim Gedichtaufsagen stecken geblieben, und Ihre Mitschüler haben über Sie gelacht: Sie wären nicht der Einzige, den ein solches Erlebnis zu der Lebenseinstellung bringt: »Reden liegt mir nicht, das überlasse ich lieber anderen.«Und nun sind Sie doch in einer Situation, in der IhnenI nichts anderes übrig bleibt: Eine neue Aufgabe im Betrieb, im Verband, ein gesellschaftliches Ereignis – und die »Stunde der Wahrheit« rückt näher …
Welchen Nutzen können Sie aus diesem Buch ziehen? Der pra-xisbezogene inhaltliche Aufbau ist so angelegt, dass Sie ihn ohne große Veränderungen übernehmen können.
Beigefügt sind aber auch Strukturhinweise: Hier wird Ihr Blick geschärft für das, worauf es bei Ihrer jeweiligen Rede ankommt: Welcher gedankliche »Bauplan« ist für diese Redesituation
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geeignet? Und wie können Sie dabei Ihre Zuhörer so anspre-chen, dass Ihre Worte eine lebendige Wirkung erzielen?
Wie finden Sie sich in diesem Buch zurecht?
Sein AUFBAU richtet sich nach Ihren eigenen Zielen. Denn was wollen Sie mit Ihren Worten erreichen? Sie wollen
entweder INFORMIEREN
oder ÜBERZEUGEN
oder GEFÜHLE ANSPRECHEN.
Selbstverständlich enthält jede gute Rede alle dreiAspekte:
Ohne ein Minimum an INFORMATION wäre jeder Beitrag nur Leerlauf.
Eine gute Rede wird dann ÜBERZEUGUNGS-Charakter ha-ben, wenn ich als Zuhörer angeregt werde, weiter an dieser Thematik zu arbeiten.
Und manchem Fachreferenten wäre die Einsicht zu wün-schen: Warum muss ein Fachreferat strohtrocken sein? Warum kann es nicht farbig, ANSCHAULICH, »leicht ver-daulich« gestaltet werden?
So enthält ein guter Redebeitrag zwar alle drei Ziele, aber in jeweils unterschiedlichem Mischungsverhältnis, denn:
Entscheidend ist Ihr HAUPTZIEL!
Ihr Fachreferatwird an der Intensität seiner INFORMATIO-NEN gemessen werden. Die Wirksamkeit Ihrer Ansprachean Mitarbeiter oder politische Gegner wird mit der ÜBERZEU-GUNGSKRAFT Ihrer Worte stehen oder fallen.
Ihre Worte im geselligen Rahmenwerden nur dann ein positives Echo auslösen, wenn sie nicht langweilig, sondern ansprechend
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Einführung
und unterhaltsamsind, wenn sie die Zuhörer GEFÜHLSMÄS-SIG erreichen.
Wenn Sie nicht wissen, welches rhetorische Hauptziel Sie ver-folgen, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Sie die von Ihnen gewünschte Wirkung verfehlen!
Diese Zweiteilungder Reden hat einen großen Vorteil für Sie: Je klarer Sie Ihr HAUPTZIEL sehen, umso weniger laufen Sie Gefahr, sich zu verzetteln und Ihre Zuhörer zu ermüden.
Denn welche Aufgabe hat das GESPROCHENE Wort im Gegen-satz zum geschriebenen?
»Eine Rede ist keine Schreibe!«
Was erreicht ein Redner bei uns, wenn wir den Eindruck ge-winnen, er hat einen Hochglanzprospekt auswendig gelernt oder er liest einen Buchtext vor? Er wird zwar nicht sein The-ma erschöpfen, aber uns!
Das gesprochene Wort hat eine andereAufgabe als das geschrie-bene Wort. »Ein Redner sei kein Lexikon. Das haben die Leute zu Hause. – Das gesprochene Wort soll LEBEN vermitteln.«Was meint Kurt Tucholsky damit?
Ganz gleich, in welcher Redesituation Sie stehen: Komplette, bis ins Detail gehende Informationen werden Ihre Zuhörer »erschlagen«. Welche Aufgaben haben stattdessen Ihre Worte?
Dem Zuhörer IMPULSE, DENKANSTÖSSE,
GEISTIGE HERAUSFORDERUNGEN,
BEISPIELE, BILDHAFTE EINDRÜCKE,
GEFÜHLSWERTE zu geben,
mit anderen Worten: »Lebenzu vermitteln«.
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Wie wenig sind wir alle das Zuhören gewöhnt! Selbst der beste Fachreferent kann nicht mehr erreichen, als dass seine Zuhö-rer feststellen: »Unser Interesse an diesem Thema ist geweckt worden. Es lohnt sich, mehr darüber zu erfahren.«
Was bedeutet das für Ihr Redeziel?
Nicht: »Ich muss einen Vortrag von 20 Minuten Dauer halten.«
Sondern: »Wie kann ich es erreichen, meine Zuhörer in möglichst kurzer Zeit für mein Redeziel (INFORMIEREN, ÜBER-ZEUGEN, GEFÜHLE ANSPRECHEN) zu gewinnen?«
Nicht die Wort-QUANTITÄT, sondern die Ausrichtung auf eine bestimmte inhaltliche QUALITÄT sollte Richtschnur Ihres Referats sein.
Das meint auch Altmeister Martin Luther mit seiner unnach-ahmlichen Definition der Rhetorik:
»Tritt fest auf.
Mach’s Maul auf.
Hör bald auf.«
Sie wissen jetzt: Die inhaltliche Ausrichtungsoll Ihren Redeum-fang bestimmen, nicht umgekehrt.
Welche unterschiedlichen INHALTLICHEN AUSRICHTUNGEN gelten nun für die
Redeziele GEFÜHLE ANSPRECHEN/UNTERHALTEN
sowie INFORMIEREN/ÜBERZEUGEN?
Hier kann Ihnen ein Bilddabei helfen, Ihre Gedanken zu ordnen:
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Einführung
Über die drei Punktedieses Dreiecks (Z/T/R) nachzudenken, kann Ihnen bei der Vorbereitung jedes Vortrags nützlich sein!
Z Wer sind meine ZUHÖRER?
Habe ich FACHLEUTE oder LAIEN vor mir?
Wie viel oder welche FACHAUSDRÜCKE darf ich ver-wenden?
Welche BEISPIELE können dieses Publikum ansprechen?
Wie kann ich zu diesen Zuhörern menschlich eine BRÜ-CKE SCHLAGEN?
Sollen meine Zuhörer einige GRUNDINFORMATIONEN bekommen, möchte ich bei ihnen bestimmte GEFÜHLE auslösen, oder möchte ich sie zum HANDELN bewegen?
T Welche Bedeutung hat dieses Thema, und wie kann ich sie am besten herausarbeiten?
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Einführung
Welches sind die wichtigstenAspekte, auf die ich mich konzentrieren muss?
Welche konkreten Beispiele bieten sich an, um dieses Thema »plastisch« darzustellen?
Welche Bedeutung hat dieses Thema für mich?
Denn:Nur wenn ich selbst eine Beziehung zu meinem Thema habe oder gewinne, kann ich meine Zuhörer da-für erwärmen!
Wie kann ich mein eigenes Engagement hinsichtlich dieses Themas zeigen und damit meine Glaubwürdig-keit als Referent verstärken?
Welche wichtigsten Hinweise enthält das Rede-Dreieck noch?
Sie sehen eine waagerecht gestrichelte Linie, die es in zwei Ab-schnitte unterteilt:
die Beziehungsebenezwischen R und Z: Hier geht es um den Bereich der Empfindungen, der Gefühle, um das »Menschlich-Atmosphärische«, um Aspekte wie »Kontakt«, »Überzeugungs-kraft«, »Motivation«, »Glaubwürdigkeit«, »Vertrauen«
und
die Sachebeneunterhalb von T: Sie beinhaltet alles Themati-sche: Wissenselemente, Sachstrukturen, Informationswege, Verständnismöglichkeiten, Anwendungsarten, Beurteilungs-kriterien.
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1 Wie sollten Sie Ihre eigenen Wirkungsmöglichkeiten einsetzen?
Wo liegen nun die inhaltlichen Schwerpunktebeim Themenfeld
Gefühle ansprechen?
Denn was ist hier am wichtigsten? Die Menschen, zu denen Sie sprechen, ihreaktuelle Situation, ihreBetroffenheit durch bestimmte Ereignisse.
Das Thema selbst ist nur »Anlass«, »Aufhänger«, Hilfsmittel, um die GefühleIhrer Zuhörer zu erreichen.
Seien es Gefühle des Stolzes und der Zusammengehörigkeit bei einem Vereinsjubiläum, sei es das Gefühl der gemeinsamen Trauer bei einer Beerdigung, sei es das Bedürfnis nach Gesel-ligkeit und guter Laune bei einem Fest.
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Einführung
Wo befinden sich die inhaltlichen Schwerpunktebeim Themenfeld
Informieren/Überzeugen?
Denn was ist hier ausschlaggebend?
Die Sache selbst, der Informationsanteil.
Sei es als Grundlagenwissenin einem Fachvortrag,
sei es als Handlungswissenim politisch-sozialen Bereich, um Verhaltensweisen zu beeinflussen oder die Zuhörer zum Handeln zu veranlassen.
Und daraus erst ergibt sich die Frage:
Wie kann ich die Zuhörer
1. an dieses Thema heranführen
und
2.dafür gewinnen?
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Einführung
Hinzu kommt aber noch ein vierter Aspekt:
Welche methodischenÜberlegungen bieten sich an?
Wie verknüpfeich meine Rede mit
Texten
Visualisierungen
Diskussionselementen?
Wie erkläreich Begriffe?
Diese vier Elemente
Eigenanalyse
Zuhörerbedarf
Methodenwahl
Inhaltsanalyse
ergeben den »roten Faden« Ihrer Lektüre – das Inhaltsverzeich-nis dieses Buches!
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1Wie sollten Sie Ihre eigenen Wirkungsmöglichkeiten einsetzen?
1.1 Eine nicht ganz todernste Einführung in die Rhetorik: Tucholskys »Ratschläge für einen schlechten Redner«
Tucholsky informiert Sie darüber:
Wie man nicht beginnen sollte
Wie man vermeidet, monoton abzulesen
Wie man schriftliche Unterlagen einsetzt
Warum Blickkontakt so wichtig ist, und wann man die Zuhörer anschauen sollte
Was bei Satzbau und Wortwahl zu berücksichtigen ist
Warum Gegenwart und Zukunft die Zuhörer mehr ansprechen als die Vergangenheit
Warum ein guter Monolog gleichzeitig immer eine Art Dialog ist
Weshalb Nebensätze abschrecken
Wann humorvolle Bemerkungen angebracht sind
Wie man Zahlen lebendig darstellen kann
Wie man nicht aufhören sollte
Warum Gliederungshinweise kurz sein müssen
Welchen zeitlichen Umfang eine Rede nicht überschreiten sollte
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Inhaltsverzeichnis
1.2 Wie kann ich mein Lampenfieber überwinden?
Angst vor dem Reden
Ursachen des Lampenfiebers
Kanalisierung/Überwindung des Lampenfiebers
Abbau von Angst vor dem Thema
Abbau von Angst vor den Zuhörern
Abbau von Angst vor sich selbst
Einige Zeit vor Ihrem Vortrag
Kurze Zeit vor Ihrer Rede
Direkt vor Redebeginn
Hilfen beim Steckenbleiben
Hilfen bei »Versprechern«
1.3 Richtiges Atmen und Sprechen – Grundlage erfolgreicher Rhetorik
Atemtechnik: Energiequelle Ihres Vortrags
Wunderwerk Lunge
Atemfehler
Kleine Tests zu Ihrer Atem-Stärke
Körpervorgänge beim Aus- und Einatmen
Ökonomisches Atmen
Trainings-Tipps
Machen Sie eine Stimm-Inventur
Tonerzeuger
Resonanzerzeuger
Verbesserung der Klangfülle
Sorgen Sie für eine dynamische und abwechslungsreiche Stimmführung
Modulation
Bruststimme
Kopfstimme
Verbesserung der Modulation
Sprechen Sie deutlich genug?
Möglichkeiten, Ihre Artikulation (Aussprache) zu verbessern
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Inhaltsverzeichnis
Verbesserung der Deutlichkeit
Lautgruppen
Übungen zum Verbessern der Laut-Aussprache
Eine Kostprobe aus der Welt der Sprecherziehung
1.4 Wie setze ich gezielt akustische Wirkungsmittel ein?
Überblick über akustische Wirkungsmittel
Faktoren der Betonung
Lautstärke variieren
Überzeugender Sprechrhythmus
Sprechtempo
Pausen
Angemessene Sprachmelodie
Stimmhöhe
Klangfarbe
Satzmelodie
Ihre Stimme – ein wertvolles Kapital
1.5 Wie setze ich angemessen körpersprachliche Wirkungsmittel ein?
Bedeutung der Körpersprache
Ausdruckselemente der Körpersprache
Stand und Haltung
Gestik
Mimik
1.6 Wie kann ich mich klar und überzeugend ausdrücken?
Die Sprache ist die Landkarte, die Realität ist die Landschaft
Klarheit und Überzeugungskraft: die Hauptmerkmale guten Stils
Grundbedürfnisse der Zuhörer
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Inhaltsverzeichnis
Welche Forderungen sollte guter Stil erfüllen?
Sprich mit einfachen und übersichtlichen Sätzen
Hauptsachen in Hauptsätzen
Ein Punkt ist eine Atempause
Neue Informationen – neuer Satz
Sprechen Sie mit genauen und verständlichen Worten
Lassen Sie »sprachliche Gummistempel« fallen
Vermeiden Sie Modewörter, Phrasen und übertriebene Superlative
Trennen Sie sich von der »Substantivitis«
Flüchten Sie nicht in Konjunktiv- und Passivformulierungen
Umgehen Sie unnötige Fremdwörter, Fachausdrücke und Abkürzungen
Sprechen Sie mit anschaulichen und konkreten Worten
Sprechen Sie die Sinne Ihrer Zuhörer an
Sprechen Sie nicht über die Dinge, sondern von den Dingen
Führen Sie Beispiele, Bilder, Vergleiche, Anekdoten an
Übertragen Sie Vergangenes oder Zukünftiges in die Sprache der Gegenwart
Lassen Sie Ihre Zuhörer an Erlebnissen, Entwicklungen, Vorgängen teilnehmen
Sprich mit persönlichen und eindringlichen Worten
Sprechen Sie mit persönlichen Worten
Sprechen Sie mit eindringlichen Worten
Verwenden Sie rhetorische Fragen
Führen Sie Ungewöhnliches und Überraschendes an
Führen Sie treffende Zitate an
Stellen Sie einen aktuellen Bezug her
Setzen Sie Wiederholungen ein
Arbeiten Sie Gegensätze heraus
Benutzen Sie Steigerungen
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Inhaltsverzeichnis
2 Wie können Sie Ihre Zuhörer einbeziehen?
2.1 Wie stelle ich mich auf die Wertebenen meiner Zuhörer ein?
Wie schnell wird aneinander »vorbeigeredet«!
Sprechen Sie die Wertebenen Ihrer Zuhörer an!
Die »ETHOS«-Formel
Die Ebene der Wirtschaftlichkeit (Kosten-Nutzen-Ebene)
Die technisch-organisatorische Wertebene
Die menschlich-soziale Wertebene
2.2 Wie kann ich meine Zuhörer für mein Thema erwärmen? – Motivationshilfen –
Die »Goldene Regel« der Motivation:
Sprechen Sie Erfahrungen an
Sprechen Sie Aktualität an
Sprechen Sie Zielvorstellungen an
Drei Wege, um Ihr Publikum zu erreichen
Dialogisieren Sie
Visualisieren Sie
Strukturieren und dynamisieren Sie
Wie können Sie Motivationsbarrieren überwinden?
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Inhaltsverzeichnis
2.3 Wie reagiere ich angemessen auf Zwischenfragen, Zwischenrufe, Störfaktoren?
Reaktionsschnelligkeit – das Ergebnis intensiver gedanklicher Vorbereitung
Welche Reaktionsweisen sollten Sie vermeiden?
Welche angemessenen Reaktionsweisen bieten sich stattdessen an?
Reagieren auf der Inhaltsebene (auf die Sache)
Übergehen (Übersehen/Überhören)
Verschieben Ihrer Antwort auf einen späteren Zeitpunkt
Auf die anschließende Diskussion verweisen
Anbieten eines persönlichen Gesprächs nach Schluss der Diskussion
Gegenfrage/Aufforderung zur Präzisierung
Beantwortung
Persönliche Attacken sachbezogen beantworten
Reagieren auf der Beziehungsebene (auf die Person)
Einzelne oder kleine Zuhörergruppen ansprechen
Fairnessappelle
Gegenpersonalisierung
Abbruch der Kommunikation
2.4 Wie leite ich angemessen und zielbewusst Diskussionen?
Die Themenzentrierte Interaktion (TZI)
Mit der Themenformulierung stellen Sie die Weichen für die Diskussion
Und – entgegengesetzter Fall – welche Reaktionsmöglichkeiten haben Sie bei einem Überangebot an Fragen und Beiträgen?
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Inhaltsverzeichnis
Wann sollten Sie sich als Diskussionsleiter zurückhalten, wann sollten Sie sich einschalten und in welcher Art und Weise?
Eine spezielle Möglichkeit, Ihre Zuhörer zu aktivieren: »Methode 66«
3 Welche methodischen Überlegungen bieten sich an?
3.1 Die vier »K« beim gesprochenen Wort: Ein Hilfsmittel aus der Verkaufsrhetorik
Überblick: Die vier »K«
»Kurz«:
Vortragsdauer
Satzbau
»Klar«:
Deutlichkeit
Dialekt »zügeln«
Atemtechnik
Verständlichkeit
Umgang mit Fachausdrücken und Fremdwörtern
Einstellen auf die Zuhörer
»Konkret«:
Inhaltsebenen der Rhetorik
Wechsel der Inhaltsebene: Wann abstrakt, wann konkret?
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Inhaltsverzeichnis
»Induktion« und »Deduktion«
Im Zweifelsfalle so konkret wie möglich»Kontaktfördernd«
Rhetorische Bedeutung der Beziehungsebene
Regeln für den Blickkontakt
Inhaltlich Kontakt herstellen
Wann ist es besonders wichtig, Kontakt zu den Zuhörern herzustellen?
3.2 Wie verknüpfe ich am sinnvollsten Referat und schriftliches Material?
Referat ohne jede Visualisierung
Referat mit Anschrieb von Kernaussagen
Referat mit vorher ausgeteilter Gliederung
Referat mit vorher ausgeteilter Zusammenfassung
Referat mit vollständiger Textwiedergabe
Verbundsysteme für spezielle Fachgebiete
3.3 35 Ratschläge für einen erfolgreichen Vortrag
3.4 Wie setze ich sinnvoll und angemessen Visualisierungstechniken ein?
Lassen Sie Ihre Zuhörer »mit den Ohren sehen«
Die Vorteile bildhafter Wissensvermittlung
Wie präsentiere ich angemessen Modelle/Schaustücke während meines Vortrages (Demonstrationstechnik)?
Einsatz des Diaprojektors
Einsatz der Tafel
Einsatz des Flipcharts (Konferenzstativs)
Einsatz des Tageslichtschreibers (Overheadprojektors)
Foliengestaltung
Einsatz von Pinnwänden (Moderationstechnik)
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Inhaltsverzeichnis
Anwendungsbereiche
Hilfsmittel
Moderationsarten
3.5 Wie erkläre ich genau und anschaulich Fachausdrücke? – Definitionsmethodik –
Wie sollte man nicht definieren?
Möglichkeiten, einen Begriff zu erklären
Beispiele
Synonyme
Abgrenzen von Gegensätzen
Die DIN-Norm für Begriffserklärungen (2330)
Begriffsinhalt und Begriffsumfang
Vom Vertrauten zum Unvertrauten
3.6 Wie formuliere ich Diskussionsbeiträge schlüssig und überzeugend?
Wie bereite ich mich auf eine Sitzung vor?
Wie finde ich während einer Besprechung heraus, wann der günstigste Zeitpunktfür meine Wortmeldung ist?
Wie formuliere ich meine Diskussionsbeiträge schlüssig und überzeugend?
Woran erkenne ich, wie stark oder wie angreifbar meine eigene/die gegnerische Argumentation ist?
3.7 Wie setze ich am wirkungsvollsten und lebendigsten Zitate ein?
Wie können Sie ein bildhaftes Sprichwort verwerten?
Wie können Sie Thesen und Appelle nutzen?
Aphorismen-Sammlung (Zitate/Sprichwörter)
3.8 Magie des Fragens
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Inhaltsverzeichnis
4 Hinweise zur thematischen Vorbereitung Ihres Fachreferats
4.1 Das Formulieren von Stegreifbeiträgen – »Einstieg« in die Thematik
Wie schaffen Sie es, unvorbereitet den »richtigen Einstieg« zu finden?
Unser Gehirn ist ein Wunderwerk, aber es hat bestimmte Schwachstellen.
Assoziationsmethoden: Das Suchsystem unseres Gedächtnisses
Arten und Nutzen von Assoziationstechniken
Fragewörter mit »W«: Träger von Assoziationen
»W«-Wörter als Mittel der Stoffsammlung und der logischen Strukturierung
Beispiel einer Assoziations-»Checkliste«
Möglichkeiten zum »Einstieg«/»Bauelement« eines Vortrags (Schaubild)
Anwendungsbeispiel Assoziationsmethoden
Wie Sie mithilfe der Fragemethodik besser
Ihren »roten Faden« behalten können: Einsatz »rhetorischer Fragen«
Anwendungsmöglichkeiten
4.2 Hilfen für die Vorbereitung eines Fachreferats
Hinweise zur thematischen Vorbereitung Ihres Fachreferats
Was ist Ihr Ziel, Ihre »Botschaft«?
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsanalyse und Stoffsammlung
»Weniger ist mehr«
Welche Gliederung wählen Sie?
Von einer gelungenen Einleitung hängt sehr viel ab
Tipps für den Hauptteil
Ein guter Schluss wirkt nach
Wie können Sie Ihre Zuhörer einbeziehen?
Analyse des Zuhörerbedarfs
Sprechen Sie zuhörerorientiert und dialogisch:
Aktivieren und motivieren Sie Ihre Zuhörer
Haben Sie den Mut, Gefühlsargumente einzusetzen
Wie erreichen Sie am Vortragsende eine lebhafte
Diskussion?
Wie sollten Sie Ihre eigenen Wirkungsmöglichkeiten einsetzen?
Strahlen Sie Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit aus
Sprechen Sie verständlich – setzen Sie Ihre sprachlichen Wirkungsmöglichkeiten ein
Sprechen Sie lebendig – mit angemessener Körpersprache
Trainieren Sie Ihr Sprechdenken
Welche methodischen Überlegungen bieten sich an?
Organisatorische Hinweise zur Vorbereitung und Durchführung Ihres Vortrags
Einsatz des systematischen Stichwortzettels
4.3 Strukturhinweise zu bestimmten Redesituationen
Themenfeld Gefühle ansprechen
Feste und Feiern
Einweihungen/Eröffnungen/Einführungen/Verabschiedungen
Trauerfälle
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Inhaltsverzeichnis
Themenfeld Informieren/Überzeugen
Schlüsselfragen aus Wirtschaft/Gesellschaft/Politik
Aktuelle Ereignisse/Jahrestage
Fachspezifische Referate und Berichte
Diskussionsbeiträge/Standpunktreden
Besondere Anforderungssituationen/Tagungen/
Treffen/Besuche/Öffentlichkeitsarbeit)
4.4 Die politische Rede: Seele der Demokratie oder »Königsweg« zur Diktatur?
Motivation und Manipulation – was ist Ihr Ziel?
Hitler und Goebbels: Die politische Rede als »Schwert der Propaganda«
Die Verantwortung des politischen Redners
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1 Wie sollten Sie Ihre eigenen Wirkungsmöglichkeiten einsetzen?
Wie sollten Sie Ihre eigenen Wirkungsmöglichkeiten einsetzen?
1.1 Eine nicht ganz todernste Einführung in die Rhetorik
1.2 Wie kann ich mein Lampenfieber überwinden?
1.3 Richtiges Atmen und Sprechen – Grundlage erfolgreicher Rhetorik
1.4 Wie setze ich gezielt akustische Wirkungsmittel ein?
1.5 Wie setze ich angemessen körpersprachliche Wirkungsmittel ein?
1.6 Wie kann ich mich klar und überzeugend ausdrücken?
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1.1 Eine nicht ganz todernste Einführung in die Rhetorik: Tucholskys »Ratschläge für einen schlechten Redner«
Hier haben Sie eine der vergnüglichsten und scharfsinnigsten Einführungen in die freie Rede vor sich. Kurt Tucholsky hat sie schon 1930 geschrieben, aber sie ist so aktuell wie eh und je. Was er Ihnen hier als Edelstein – sarkastisch geschliffen – an-bietet, ist, wenn man seine Ironie in Sachhinweise »übersetzt«, aussagekräftiger als manches trockene Fachbuch!
»Fange nie mit dem Anfang an, sondern immer drei Meilen vor dem Anfang! Etwa so: »Meine Damen und meine Herren! Bevor ich zum Thema des heutigen Abends komme, lassen Sie mich Ihnen kurz …« Hier hast du schon so ziemlich alles, was einen schönen Anfang ausmacht: eine steife Anrede, der Anfang vor dem Anfang, die Ankündigung, daß und was du zu sprechen be-absichtigst, und das Wörtchen »kurz«. So gewinnst du im Nu die Herzen und Ohren der Zuhörer. Denn das hat der Zuhörer gern: daß er deine Rede wie ein schweres Schulpensum aufbekommt, daß du mit dem drohst, was du sagen wirst und sagst und schon gesagt hast. Immer schön umständlich.«
Ein UMSTÄNDLICHER ANFANG, bei dem der Redner sich erst »warmläuft«, ermüdet und schreckt ab. Denken Sie an Ihre Er-fahrungen mit Geschäftsbriefen, bei denen Sie die »vergnüg-liche« Aufgabe haben, zwischen lauter Eingangsfloskeln und Einleitungsritualen die Sachaussage zu finden!
Was gilt stattdessen? »Straight to the point«, sagen die Briten – »geradlinig zur Sache«: Das muss nicht bedeuten, mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern:
Die ersten Sätzeentscheiden, ob Sie das INTERESSE des Zu-hörers gewinnen oder nicht. Wie können Sie das? Indem Sie bei-spielsweise AKTUALITÄT Ihres Themas bewusst machen oder die PERSÖNLICHE BEZIEHUNG, BETROFFENHEIT, sei es die
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Ihrer Zuhörer, sei es Ihre eigene, herausarbeiten. Sie können aber auch durch ein BEISPIEL Aufmerksamkeit erzeugen, das Ihr Thema veranschaulicht. Sie können den SINN, den NUTZ-WERT Ihrer Überlegungen für die Hörer herausstellen. (Weite-re Möglichkeiten, Gedanken zu verknüpfen, finden Sie in 4.1 Abschnitt »Stegreifreden« und in den Strukturhinweisen 4.3.)
Tucholsky fährt fort:
»Sprich nicht frei – das macht einen so unruhigen Eindruck. Am besten ist es, du liest deine Rede ab. Das ist sicher, zuverlässig, auch freut es jedermann, wenn der lesende Redner nach jedem Viertelsatz mißtrauisch hochblickt, ob auch noch alle da sind.
Wenn du gar nicht hören kannst, was man dir so freundlich rät, und du willst durchaus und durchum frei sprechen … du Laie! Du lächerlicher Cicero! Nimm dir doch ein Beispiel an unseren professionellen Rednern, an den Reichstagsabgeordneten – hast du die schon mal frei sprechen hören? Die schreiben sich sicher-lich zu Hause auf, wenn sie »Hört, hört!« rufen …«
Hat sich wirklich so viel geändert seit den Zeiten der Weima-rer Republik? Auch heute, in unseren Parlamenten, müssen Abgeordnete ermahnt werden, wenigstens ab und zu mal frei zu sprechen.
Welche Nachteilefür alle Beteiligten hat eine »Vorlesung«, das ABLESEN eines Vortrags? Erstens: Die meisten Redner werden durch ihre Textvorgabe dazu verführt, monotonzu sprechen. »Eine Rede ist keine Schreibe.« – Das gesprochene Wort soll Le-ben vermitteln. Das ist aber nur möglich, wenn die Betonung lebendigund spontanwirkt. Sonst hat Ihr Publikum nicht den Eindruck, einen Menschen aus Fleisch und Blut, sondern ein Textverarbeitungsgerät vor sich zu haben.
Den zweiten Nachteilnennt Tucholsky selbst. Der inhaltlich beste Vortrag geht an den Zuhörern vorbei, »über die Köpfe
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hinweg«, wenn der Blickkontakt vernachlässigt wird. Vielleicht haben Sie es als Schüler und Student selbst erlebt: Ein lebendi-ger Referent, der uns einbezieht und mitreißen kann, wird uns durch seinen Blick zeigen: Ich nehme euch als Zuhörer wahr, ihr seid wichtig für mich. »Sprich, damit ich dich sehe«, hat es der griechische Philosoph Sokrates ausgedrückt.
LEBENDIGKEIT DER BETONUNG und BLICKKONTAKT:
Was bedeutet das für den Umgang mit Ihren Musterreden?
Schreiben Sie Ihren Text mit möglichst großen ZEILENAB-STÄNDEN, damit Sie auf keinen Fall die richtige Zeile aus den Augen verlieren, wenn Sie hochschauen.
UNTERSTREICHEN Sie die bedeutungstragenden Textwor-te, die Sie besonders betonenwollen.
Ob Sie farbigunterstreichen, Wörter durch andere Schrifthervorheben oder mit Transparentstiftenmarkieren, be-achten Sie bitte:
Nicht zu vielhervorheben!
Sonst fallen nur noch die Textstellen auf, die nichtunterstri-chen sind.
Böse Zungen behaupten: »Das Manuskript ist für den Redner das, was für den Betrunkenen die Straßenlaterne: Es dient in erster Linie zum Festhalten und nicht zur Erleuchtung.«
Wie können Sie diesen Eindruck vermeiden?
Legen Sie Ihren Text entweder auf ein Rednerpultoder, falls keine geeignete etwas schräge Fläche zur Verfügung steht, reicht bei inoffiziellen Anlässen auch ein angeschrägt auf den Tisch gelegter Aktenkoffer als Textunterlage. Wenn keine Textablage vorhanden ist, halten Sie Ihren Text nur in einerHand. Ein Redner, der sich mit beiden Händen
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an seinem Manuskript festhält, wirkt wie ein Sänger, der vom Blatt singt.
e) Halten Sie BLICKKONTAKT mit Ihren Zuhörern: Hier erleben wir täglich bei »Profis« sehr große Qualitätsunterschiede – bei Fernseh-Nachrichtensprechern und -kommentatoren. Die einen wirken nicht überzeugend, fahrig oder unbeteiligt durch mangelnden Blickkontakt. Andere dagegen verstehen es, uns den Eindruck einer direkten Ansprache zu vermitteln.
Wannsollten die Zuhörer angeschaut werden?
Bei BEGRÜSSUNG und EINLEITUNG: So stellen Sie Kon-takther und verleihen Ihren Worten Nachdruck.
Bei allen Formen der ANREDE, das heißt sowohl bei na-mentlicher Anrede als auch bei Wörtern wie »Sie« und »wir«. Eine Anrede wird nur ernst genommen, wenn der Ange-sprochene dabei angesehen wird.
Bei allen Formen der FRAGE: Jede Frage wirft dem Zuhö-rer gedanklich »den Ball zu«. Er kann aber nur dann diesen Eindruck gewinnen, wenn er sieht, dass er tatsächlich auf-gefordertwird, nach einer Antwort zu suchen.
An den SATZENDEN: Damit zeigt der Referent: »Ich bin mit dieser Aussage fertig. Bitte denkt darüber nach.« Hier hat Ihr Blick sowohl eine Signalfunktionfür Ihre Zuhörer als auch eine Kontrollfunktionfür Sie selbst: Sie können an-hand des Zuhörer-Verhaltens feststellen: Bin ich verstanden worden, oder ist es besser, noch einige Worte hinzuzufügen?
Am ENDE Ihres Vortrags: Dadurch werden Ihre letzten Worte in ihrer Bedeutung unterstrichen. Und Ihre Zuhö-rer merken: Diese Worte sind für uns persönlich gedacht.
Lassen wir wieder Herrn Tucholsky zu Wort kommen:
»Ja also, wenn du denn frei sprechen mußt: Sprich, wie du schreibst. Und ich weiß, wie du schreibst. Sprich mit langen, langen Sätzen – solchen, bei denen du, der du dich zu Hause, wo du ja die Ruhe, deren du so sehr benötigst, deiner Kinder
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ungeachtet, hast, vorbereitest, genau weißt, wie das Ende ist, die Nebensätze schön ineinandergeschachtelt, so daß der Hörer, ungeduldig auf seinem Sitz hin und her träumend, sich in einem Kolleg wähnend, in dem er früher so gern geschlummert hat, auf das Ende solcher Periode wartet … nun, ich habe dir eben ein Beispiel gegeben, so mußt du sprechen.«
»Eine Rede ist keine Schreibe«, haben wir festgestellt. Das ge-sprochene Wort hat eine andereAufgabe als das geschriebene: nämlich IMPULSE zu geben, BILDER hervorzurufen, LEBEN-DIG zu wirken und nicht komplette, detaillierte Informatio-nen zu liefern.
Was folgt daraus für Ihren SATZBAU? Verwenden Sie kurzeSätze. Mehr als ein, zwei Nebensätze können sich schon ver-heerend auf das Verständnis Ihres Publikums auswirken.
Was folgt darauf für Ihre WORTWAHL? Die deutsche Spra-che ist hoffnungslos überfrachtet mit Substantiven(Haupt-wörtern), Kennzeichen des berüchtigten »Beamtendeutsch«. Mehr als 40 % des Wortschatzes eines durchschnittlich gebil-deten Zeitgenossen werden von dieser schwerfälligen, starren Wortart beansprucht, den anderen zehn Wortarten bleibt nur reichlich die Hälfte.
Verwenden Sie häufiger Verben(Tätigkeitswörter). Sie machen Ihre Aussagen lebendig und dynamisch.
Also nicht: »Das Erlernen dieser Fertigkeit erstreckte sich über vier Wochen.«, sondern: »Ich habe es innerhalb von vier Wo-chen gelernt, zu …«. Nicht: »Bei Betrachtung dieses Problems stellt sich die Frage …«, sondern: »Wenn wir dieses Problem betrachten, fragen wir uns …«.
»Fang immer bei den alten Römern an und gib stets, wovon du auch sprichst, die geschichtlichen Hintergründe der Sache. Das ist nicht nur deutsch – das tun alle Brillenmenschen; ich habe einmal in der Sorbonne einen chinesischen Studenten sprechen
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hören, der sprach glatt und gut französisch, aber er begann zu allgemeiner Freude so: »Lassen Sie mich Ihnen in aller Kürze die Entwicklungsgeschichte meiner chinesischen Heimat seit dem Jahre 2000 vor Christi Geburt …«. Er blickte ganz erstaunt auf, weil die Leute so lachten. So mußt du das auch machen. Du hast ganz recht. Man versteht es ja sonst nicht, wer kann denn das alles verstehen, ohne die geschichtlichen Hintergründe … sehr richtig! Die Leute sind doch nicht in deinen Vortrag gekommen, um lebendiges Leben zu hören, sondern das, was sie auch in Bü-chern nachschlagen können … sehr richtig.«
Welche Gefahr droht, wenn ein Referent stets oder meist »his-torisch« ansetzt? Erstens vertreibter seine Zuhörer, weil ste-reotyp gleiche Einleitungen langweilen.
Zweitens: Wie in den Strukturhinweisen zum Fachreferat schon angeführt: Aktuelle Gegenwartund Zukunftsind für die Zu-hörer interessanter als die Vergangenheit!
Ziehen Sie das Vergangene nur als Erklärungshilfefür die gegenwärtigen Fragen heran, außer natürlich, wenn es sich um einen geschichtlichen Vortrag handelt.
»Kümmere dich nicht darum, ob die Wellen, die von dir ins Pu-blikum laufen, auch zurückkommen – das sind Kinkerlitzchen. Sprich unbekümmert um die Wirkung, um die Leute, um die Luft im Saale; immer sprich, mein Guter, Gott wird es dir lohnen.«
Ein guter Monolog ist gleichzeitig immer eine Art unhörbarer DIALOG. Inwiefern? Ein aufmerksamer Referent merkt an der Reaktion seiner Zuhörer: Hier sollte ich noch verstärken, erklären oder Beispiele bringen. Oder umgekehrt. Hier ist es besser, sich kürzer zu fassen als geplant.
Auf diese »RÜCKKOPPLUNG« – durch Mimik, Haltung, Ruhe oder Unruhe – zu achten und zu reagieren, ist eines der wich-tigsten Erfolgsrezepte jedes erfahrenen Redners!
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»Du mußt alles in die Nebensätze legen. Sag nie: »Die Steuern sind zu hoch!« Das ist zu einfach. Sag: »Ich möchte zu dem, was ich soeben gesagt habe, noch kurz bemerken, daß mir die Steu-ern bei Weitem …«. So heißt das.«
Hauptsachengehören in Hauptsätze. Versteckt der Reden-de die wichtigsten Informationen hinter mehreren Kommas, so sind seine Zuhörer schon »fußkrank«, wenn er endlich zur Sache kommt!
Verwenden Sie weniger »dass«-Nebensätze. Wie können Sie stattdessen formulieren? Statt »Meine Meinung ist, dass …«
entweder: »Ich bin folgender Auffassung: …«
oder: »Was ist meine Meinung? Wir sollten …«
Ersetzen Sie DASS-SÄTZE also entweder durch DOPPELPUNKTE
oder durch FRAGESÄTZE!
»Trink den Leuten ab und zu ein Glas Wasser vor – man sieht das gern; wenn du einen Witz machst, lach vorher, damit man weiß, wo die Pointe ist.«
Bei vielen offiziellen Veranstaltungen finden Sie auf dem Red-nerpult das rituelle Glas Wasser. Dagegen ist prinzipiell natür-lich nichts einzuwenden, denn Lampenfieber kann schon einen trockenen Mund verursachen.
Aber: Trinken Sie nicht während Ihrer Ausführungen – das wirkt oft affektiert, zumindest unangebracht. Besonders, wenn ein »lampenfiebernder« Referent, verfolgt von hundert neidischen Augenpaaren, zum Glas greift.
Humor verlangt Spontaneität. Jede »Vorprogrammierung« mit Standardwitzen erreicht das Gegenteil. Das heißt: Flechten Sie nur humorvolle Bemerkungen ein, wenn sie zum Thema, zum Anlass und zu Ihrer Wesensart passen!
»Eine Rede ist, wie könnte es anders sein, ein Monolog. Weil doch nur einer spricht. Du brauchst auch nach 14 Jahren öffentlicher
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Rednerei noch nicht zu wissen, daß eine Rede nicht nur ein Dia-log, sondern ein Orchesterstück ist; eine stumme Masse spricht nämlich ununterbrochen mit. Und das mußt du hören. Nein, das brauchst du nicht zu hören. Sprich nur, lies nur, donnere nur, geschichtele nur.«
Hier spricht der Verfasser noch einmal an, was ihm besonders am Herzen liegt: den Gesprächscharakterjeder guten Rede.
»Zu dem, was ich soeben über die Technik der Rede gesagt habe, möchte ich noch kurz bemerken, daß viel Statistik eine Rede im-mer sehr hebt. Das beruhigt ungemein, und da jeder imstande ist, zehn verschiedene Zahlen mühelos zu behalten, so macht das viel Spaß.«
Merken Sie es? Mit dem ersten Satz zeigt Tucholsky noch ein-mal, wie ein Satz nichtaussehen sollte!
Wie können Sie als Referent aber mit ZAHLEN umgehen? Zah-len sind ja sehr trockene, abstrakte Aussagen. Wie kann man ihre Haftwirkungbeim Zuhörer erhöhen? Und wie kann man sie plastischerdarstellen?
SO WENIG Zahlen WIE MÖGLICH, SO VIEL wie NÖTIG: Beschränken Sie Ihre Ausführungen auf wenige Kernzah-len und -daten. Sonst überfordern Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums.
AUF- bzw. ABGERUNDETE Zahlenangaben verwenden. Kein Mensch kann und will sich vier Stellen hinter dem Komma merken. Natürlich wird von Ihnen erwartet, die genauen Zahlenangaben für anschließende Fragen parat zu haben.
Setzen Sie Zahlen in BILDERum: Die meisten Menschen haben ein eidetisches, ein bildhaftesGedächtnis. Sie kön-nen sich Zahlen am besten merken, wenn sie sich »ein Bild davon machen« können.«
a) Schildern Sie durch BILDHAFTE VERGLEICHE. Wenn Sie sagen: »Jedes Jahr wird die Erde um ein Waldgebiet ärmer,
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das der Größe der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs zu-sammen entspricht«, dann ist diese Aussage vorstellbarer, als wenn Sie die Summe der Quadratkilometer nennen würden.
Wenn Sie erklären: »Falls Schwarzafrika sein jetziges wirt-schaftliches Entwicklungstempo behalten sollte, bräuchte es tausend Jahre, um den jetzigen Wirtschaftsstand Europas zu erreichen«, wird die Riesendistanz begreiflicher als mit dürren volkswirtschaftlichen Angaben.
b) SCHREIBEN Sie die wichtigsten Zahlen AN oder setzen Sie sie in GRAFIKEN um. Man braucht nicht Albrecht Dürer zu sein, um durch eine Entwicklungskurve oder durch ein Diagramm Verlaufsrichtung oder Größenverhältnisse bes-ser erklären zu können als mit nackten Zahlenangaben.
»Kündige den Schluß deiner Rede vorher an, damit die Hörer vor Freude nicht einen Schlaganfall bekommen. Kündige den Schluß an, dann beginne deine Rede von vorn und rede noch eine halbe Stunde. Dies kann man mehrere Male wiederholen.«
Vielleicht haben Sie das selbst einmal erlebt. Ein guter Vortrag – bis zum Schluss! Aber dann findet der Referent nicht den rich-tigen Abschluss, wiederholt sich, verzettelt sich, kommt noch auf Neues zu sprechen. Was passiert? Der gesamte Eindruck des Referats wird zerstört.
Hier gilt der Grundsatz der Verkaufsrhetorik: »Wenn du den Verkauf hast, schiebe kein Argument mehr nach«, das heißt: Wenn Ihre Zuhörer erwarten, dass Sie abschließen, tun Sie es auch. Selbst die besten »nachgeschobenen« Gedanken finden keine Resonanz mehr.
»Du mußt dir nicht nur eine Disposition machen, du mußt sie den Leuten auch vortragen – das würzt die Rede.«
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Gegen eine kurze Gliederung zu Beginn beispielsweise eines Fachreferats ist durchaus nichts einzuwenden. Dann weiß der Hörer wenigstens, was ihn erwartet, und kann besser dem »roten Faden« folgen. Was Tucholsky dagegen meint, ist ein Referent, der – meist in der besten Absicht – seine Zuhörer einschüchtert und verwirrt, weil er ihnen bis in die Details hinein »androht«, was sie erwartet.
Langatmige Eingangserklärungen informieren nicht, sondern schrecken ab.
»Sprich nie unter anderthalb Stunden, sonst lohnt es gar nicht erst anzufangen. Wenn einer spricht, müssen die anderen zuhören – das ist eine Gelegenheit! Mißbrauche sie.«
Stattdessen gilt: »Sprich über alles, nur nicht über 40 Minu-ten.« Weshalb reden manche Politiker über mehrere Stunden hinweg? Der Verdacht drängt sich auf: Weil sie wissen, dass mit zunehmender Redezeit die geistige Widerstandskraft ihrer Zuhörer schwindet!
Die meisten von uns haben das Zuhören nicht gelernt.
40 Minuten sind schon eine sehr lange Zeit. Sie sollte, wenn überhaupt, nur bei Fachvorträgen eingeplant werden.
Denken Sie an den Grundsatz jeder guten Werbeanzeige: »Weni-ger ist mehr.« Oder, um Kurt Tucholsky abschließen zu lassen:
»Was jestrichen is, kann nicht durchfalln.«
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1.2 Wie kann ich mein Lampenfieber überwinden?
»Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache.
Es funktioniert vom Augenblick der Geburt –
Bis zu dem Zeitpunkt, an dem du aufstehst,
um eine Rede zu halten.«
(Mark Twain)
Vielleicht sind Sie in der glücklichen Lage, es nur bei anderen erlebt zu haben, vielleicht aber ist gerade dies Ihr eigenes Hauptproblembeim Reden: die ANGST VOR DEM REDEN!
Da stehen Sie – einsam wie ein Sheriff auf der verlassenen Dorfstraße – allein im Angesicht der »Gefahr«: Ihr Mund ist trocken, ein unsichtbarer Gegner drückt Ihnen die Kehle zu. Das vielköpfige Ungeheuer »Publikum« verschwimmt vor Ihren Augen. Sie haben das Gefühl, auch der entfernteste Zuhörer muss das Zittern Ihrer Knie wahrnehmen. Sie könnten Ihre Hände auswringen, so nass erscheinen sie Ihnen. »Lampen-fieber« ist nicht nur sprachlich mit »Fieber« verwandt!
Eindeutig eine Schreckensvision, die Sie vielleicht schon viele Nächte vorher aus dem Schlaf emporfahren lässt:
»Werde ich überhaupt ein Wort herausbekommen? Werde ich nicht stecken bleiben, wenn das erste verflixte Fremdwort auftaucht? Werde ich mich nicht unsterblich blamieren?«
Wird es Ihnen ergehen wie dem Referenten, der vor seinen Zuhörern steht, schweigt, staunt und schließlich tonlos her-vorbringt:
»Meine Damen und Herren, gestern wussten nur der liebe Gott und ich, worüber ich zu Ihnen sprechen werde. Heute weiß es nur noch der liebe Gott …«
WAS IST Lampenfieber? Wodurch entstehtdiese »Epidemie«, die vor Prüfungen aller Art mehr Opfer kostet als die Grip-pe? Der Ausdruck selbst stammt aus der Theatersprache. Wenn Sie einmal bei einer Aufführung mitgewirkt haben,
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kennen Sie dieses unbeschreibliche Gefühl: Noch sind Sie hinter dem Vorhang in Sicherheit, kostümiert, geschminkt, mit klopfendem Herzen. Vor dem Vorhang, spüren Sie, war-tet das Publikum. Und jetzt Ihr Auftritt: Die Scheinwerfer strahlen Sie an, Ihnen wird heiß. Sie »lampenfiebern«, und doch erwartet man von Ihnen, einen kühlen Kopf zu behalten und unbefangen zu wirken.
WARUM aber reagiert Ihr KÖRPER mit all diesen Alarm-zeichen?
Sie erhebensich, um zu sprechen – was passiert? Ihr Blut strömt aus dem Kopf in die unteren Körperregionen – für einige Sekunden können Sie Mühehaben, sich zu konzen-trieren. Viel entscheidenderaber ist meist Folgendes: Ihr Gehirn hat Ihrem Körper signalisiert: »Alarmstufe eins! Alle verfügbaren Reserven an die Front werfen!« Und Ihr Körper gehorcht: Er schickt Ihnen STRESS-HORMONE: Adrena-lin und Noradrenalin. Was bewirken diese Hormone? Ihr Pulsschlag beschleunigtsich, Ihre Blutgefäße veren-gensich. Am schlimmsten aber können die Auswirkungen auf Ihr Gehirnsein: Ihre Synapsen – das sind die »Schalt-stellen« Ihres Gehirns – werden blockiertund leiten die benötigten Informationen nicht mehr weiter. Das ist das berühmte »Brett vor dem Kopf«, wie wir es aus verschie-denartigsten Prüfungssituationen kennen. Damit haben Sie auch die Erklärung gefunden, weshalb ANGST zu völlig unterschiedlichenReaktionen führen kann: Sie kann ent-weder Riesenkräfteverleihen oder aber lähmen!
Ist es anhand dieser vertrackten Automatik Ihres Körpers nicht merkwürdig, dass erfahrene Redner, Personen, die sehr häufig im Rampenlicht stehen, behaupten: »Nur durch Lampenfieberkann man über sich hinauswachsen.«? Oder dass sie so weit gehen wie Sammy Davis Jr.: »Ein Auftritt ohne Lampenfieber ist wie eine Liebe ohne Gefühl«? Ist diese Auf-fassung nicht ein bisschen abwegig? Ganz im Gegenteil: Die Ihnen auf Hormonbasis zur Verfügung stehende Energie ist
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durchaus nützlich, wenn Sie sie konstruktiveinsetzen, das heißt KANALISIEREN können! Ein Redner ohnejede Spur positiver Aufregung mag inhaltlich und formal brillant sein. Er wird uns nicht erwärmen, weil er keine gefühlsmäßige Beteiligungan seinem Thema, an der Redesituation und da-mit auch an uns, den Zuhörern, ausstrahlt. Die entscheiden-de Frage lautet also nicht: Wie können Sie Ihr Lampenfieber beseitigen? Sondern: Wie können Sie es beherrschenler-nen, damit Ihre Aussagen dadurch lebendiger, engagiert, spontanerwirken und dadurch stärker ansprechen.
Dazu bieten sich zwei Wegean:
Lernen Sie es, Ihre Angst mit Ihrem VERSTAND »bei der Hand zu nehmen«.
Üben Sie, Ihre ANGST zu »ÜBERLISTEN«.
Wiekann Ihnen Ihr VERSTAND behilflich sein?
Wovorkönnen Sie Angst haben?
Ihr THEMA nicht zu beherrschen
von Ihren ZUHÖRERN abgelehnt zu werden
vor SICH SELBST, Ihrer Unsicherheit
A) ABBAU VON ANGST VOR DEM THEMA:
Hier ist intensive Vorbereitungdas beste Heilmittel. Dabei hat sich Folgendes bewährt: Ein gutvorbereiteter Referent weiß bedeutend mehrüber sein Thema als das, was er seinen Zu-hörern mitteilt. Haben Sie den Mut, nur ca. ein Dritteldessen zu referieren, was Sie gründlich zu einem Thema erarbeitet ha-ben. Bringen Sie diejenigen Argumente, von denen Sie selbstglauben, dass sie am überzeugendstenwirken können. Die restlichen zwei Drittel bleiben Ihre »Reserven« für Zwischen-fragen, Diskussionen, das heißt für Zusatzbedarf des Publikums.
Sprechen Sie entweder vorherdas, was Sie sagen wollen, auf Bandoder – noch besser – vor einem Zuhörer, der Ihr Vertrauen
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hat, wobei es völlig natürlich ist, wenn Sie während dieser »Generalprobe« noch korrigieren und Formulierungen »aus-probieren«. Dieses Sprechen »vor der Operation« hat mehrere Vorteile: Erstens stellen Sie fest, wie viel ZeitSie für Ihren Vortrag brauchen und beseitigen damit eine häufige Unsicher-heitsquelle: »Halte ich meine Redezeit ein?« Zweitens gewinnen Sie schon einen ersten Eindruck, wie Ihre Worte wirken – am besten natürlich durch die ehrlichen KommentareIhres Zuhörers. Selten wird sein Eindruck so schlecht sein, dass er Ihnen empfiehlt, auszuwandern … Im Gegenteil, Kommentare wie: »Das Beispiel finde ich recht gut.« oder Verbesserungsvor-schläge helfen Ihnen, nicht nur »im eigenen Saft zu schmoren«. Dritter Vorteil: Sollten Sie in der tatsächlichen Redesituation plötzlich die Angst spüren, stecken zu bleiben, können Sie Ihr Gedächtniserfahrungsgemäß erfolgreicher um Hilfe bit-ten, denn es hat ja Ihre Übungsformulierungen gespeichert.
B) Vielleicht haben Sie aber auch ganz einfach ANGST VOR DEN ZUHÖRERN?
Dann lade ich Sie ein, zu lauschen, wie einer sich dazu äußert, der seit Jahrtausenden rhetorisches Vorbild ist: der griechische Philosoph Sokrates. Als ihm einmal der Athener Politiker Al-kibiades seine Redescheu bekannte, fragte Sokrates:
»Nun, Alkibiades, genierst du dich, mit einem Schuster zu reden?« »Nein.« »Dann aber sicher mit einem Gerber?« »Oh nein, gewiß nicht.« »Nun, dann überlege dir doch, daß die ganze Volksver-sammlung aus lauter solchen Leuten besteht, denen du einzeln deine Gedanken ohne Hemmungen vortragen würdest. Warum willst du es nicht vor ihnen allen gemeinsam tun?«
Ja, warum eigentlich nicht? Ihr Publikum ist kein vielköpfiges Ungeheuer, es besteht aus Einzelnen, die uns überwiegend In-teresse und Bereitschaftentgegenbringen und meist bedeu-tend wenigervon unserem Thema wissen als wir selbst. Und auch, wenn es sich um »Höhergestellte« handelt, selbst wenn
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Ihre Zuhörer Akademiker sind und Sie selbst kein modernes »Adelsprädikat« besitzen – na und? Sie werden nur sprechen, wenn Sie etwas zu sagenhaben. Und wennSie etwas zu sa-gen haben, dann sind Sie »an Ihrem Platz genauso wichtig und unersetzlich wie ein Erzengel an seinem«!
Zwei Hinweise zum Abbau von Angstvor dem PUBLIKUM:
Suchen Sie mit Ihren BLICKEN ein paar Zuhörer, die Ihnen interessiert und aufgeschlossen erscheinen. Und halten Sie »Zwiesprache« mit ihnen. Hilfreich kann es natürlich sein, wenn sich darunter auch vertraute Gesichter von Freunden oder Bekannten befinden.
Was bewirkt Ihr Blickkontakt zu einigen Ihrer Zuhörer? Sie »entdämonisieren« Ihr Publikum! Es ist plötzlich keine unmenschliche Masse mehr, sondern es besteht aus GE-SPRÄCHSPARTNERN, die vielleicht sogar positiv und inter-essiert auf Ihre Worte reagieren! Aber vermeiden Sie es, nur einen Zuhörer anzuschauen. Sonst fühlen sich die anderen Anwesenden übergangen. Am besten ist es, Sie wählen sich zweioder drei»Anlaufstellen« an verschiedenen Orten des Saals und schauen jeden dieser Ansprechpartner für die Dauer eines oder mehrerer Sätze an. Dieser »schweifen-de Blickkontakt« wirkt lebendig, aber nicht hektisch und gleichzeitig fühlen sich auch die in der Nähe Ihrer Bezugs-personen Sitzenden mit angesprochen.
Stellen Sie RHETORISCHE FRAGEN: Haben Sie Rhetorik-Hilfe gelesen? Dort habe ich Ihnen als Gedächtnisstützen und Gliederungshilfen
W-FRAGENempfohlen:
Vielleicht kennen Sie die herrliche Lehrerfigur Bömmel in Heinrich Spörls »Feuerzangenbowle«:
»Wo simmer denn dran? Aha, heute krieje mer de Dampfma-schin. Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns janz dumm. Und da sage mer so: En Dampfmaschin, dat is ene jroße
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schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch. Dat eine Loch, dat is de Feuerung. Und dat andere Loch, dat krieje mer später …«
Hier haben Sie eine RHETORISCHE FRAGE: eine Frage, die Sie selbst beantworten!
Inwiefern können rhetorische FragenIhre Redeangst abbauen?
Frage und Antwort sind DIALOGISCHE Mittel. Das heißt, Sie verwandeln Ihren Vortrag in ein »Gespräch«. Sie nehmen nurdie Frage vorweg, die ein Zuhörerzu Ihrem Thema stellen könnte, und beantwortensie. Damit aber sind Sie auf ver-trautemBoden: Denn vor einem Gespräch haben Sie wahr-scheinlich bedeutend weniger Furcht.
Halten Sie keinen»Vortrag«, sondern führen Sie ein Gespräch, bei dem Sie die Gedanken Ihrer Zuhörer in FRAGEN verwan-deln, zum Beispiel:
»Warumspreche ich zu Ihnen über dieses Thema?«
»WelchePunkte sind besonders wichtig?«
»Wiewerde ich gedanklich vorgehen?«
»Wohinführt die dargestellte Entwicklung?«
»Wasspricht dafür, was spricht dagegen?«
»Wenvon uns betreffen diese Konsequenzen direkt?«
Es gibt aber auch Ursachen und Formen der Angst, bei de-nen Ihr VERSTAND »passen« muss, weil sie zu intensivsind und Ihnen ja gerade alle klaren Gedanken zu raubendrohen. Was helfen Ihnen dann die besten gedanklichen Vorsätze, wenn Sie sie, vorn angelangt, wieder vergessen haben? Hier gilt als zweiterHinweis:
Versuchen Sie, Ihre Angst zu ÜBERLISTEN!
Die meistenRedner schaffen es, mithilfe ihres VERSTANDES, die Angst vor dem THEMA, manchmal auch vor dem PUBLI-KUM, zu begrenzen. Häufig aber reicht dieses Hilfsmittel nichtaus, um die schlimmsteAngst einzudämmen:
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C) DIE ANGST VOR SICH SELBST
Sie übertragenIhre früheren Misserfolge und Ängste beim Sprechenmüssen auf die Ihnen drohende Situation und sagen: »Das kannich nicht, das schaff’ ich nie …« Und plötzlich sind Sie wieder der vierzehnjährige Junge, das zwölfjährige Mäd-chen, die beim Gedichtaufsagen in der Aula »versagt« haben! Solche Erinnerungen haften, als ob sie gesterngeschehen sind … Und diese Versagensangst wächstnatürlich, je näherIhr »Auftritt« rückt.
1. Wie können Sie schon EINIGE ZEIT VOR IHREM VORTRAG versuchen, Ihre Angst zu überlisten? Finden Sie einen Weg, Ihre Angsthypnosezu durchbrechen. Sie kennen es von den Prüfungsvorbereitungen: Wenn Sie Wochen vorher an nichts anderesdenken als an die kommende Gefahr, sind Sie von ihr hypnotisiertwie der Frosch von der Schlange. Und diese Hypnose soll noch keinem Frosch gut bekommen sein. –
»Wer äußerlich ruhigsein will, muss innenbeginnen.«
Hier können Ihnen Entspannungsübungen helfen, wie sie das AUTOGENE TRAINING (nach Schulz-Jacobsen) vermittelt. ANGST verkrampft und macht Sie atemlos. AUTOGENES TRAINING entspannt, gibt Ihnen den nötigen Luftvorratund damit die Gelassenheitund Konzentrationsfähig-keit, die Sie brauchen.
2. Was können Sie KURZE ZEIT VOR IHRER REDE tun? LEN-KEN SIE SICH AB von Ihrem Thema und damit auch von Ihrer Angst! Wiekönnen Sie das?
Legen Sie Ihre Unterlagen beiseite – sich jetzt noch mit De-tails zu beschäftigen, würde Sie nur irritieren. Im Höchst-falle werfen Sie noch einmal einen Blick auf Ihre Gliederung, den Überblick.
Beginnen Sie ein Gesprächin den Wandelgängen, dem Saal, wenn schon Platz genommen wurde. Sprechen Sie den
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Veranstalter, den Sitzungsleiter, und fragen Sie ihn nach der Zusammensetzung des Publikums, der Tagesordnung, den Räumlichkeiten, wonach Sie wollen. Oder unterhalten Sie sich mit irgendeinem anderen Lebewesen, das in Ihrer Reichweite ist. Worüber Sie sprechen, ist völlig unwichtig. Die Hauptsache ist etwas ganz anderes: Wenn Sie nicht un-höflich wirken wollen, müssen Sie ein wenig zuhören. Und damit lenken Sie sich abvon Ihrer eigenen Angst.
Finden Sie kein »Opfer« für eine Unterhaltung: Schreiben Sie mit!Ob Sie sich einleitende Worte, Aussagen Ihrer Vor-redner, ob Sie sich Barometerstand und Raumtemperatur notieren, ist völlig egal – unwichtig ist auch, ob Sie später Ihre »Hieroglyphen« entziffern können.
Wesentlich ist etwas ganz anderes: Wenn Sie mitschreiben, konzentrieren Sie drei Aktivitätsfelder – Akustik, Optik und Motorik – auf andere Inhalteund wenden so den Blick ab von der »Schlange«, die Sie hypnotisiert hat.
Eine weitere Möglichkeit: LächelnSie! Wenn Ihr Vorred-ner vor Aufregung fast ins Mikrofon beißt und sein Manu-skript zerknüllt, hat das Lachen, das in Ihnen aufsteigt, ja nichts mit Schadenfreude zu tun. Es zeigt Ihnen stattdessen wohltuend etwas anderes: »Niemand ist perfekt.« Aufregung ist etwas allzu Menschliches und kann sehr sympathisch sein. Lächeln ist Ihre beste Möglichkeit, Ihre Verkramp-fung zu lösen.
3. DIREKT VOR REDEBEGINN: Jetzt wird es ernst – die größ-te Herausforderung an Ihre guten Vorsätze kommt näher. Selbst der geniale römische Redner Cicero bekannte:
»Immer am Anfang einer Rede bin ich sehr ängstlich. Jedesmal, wenn ich spreche, komme ich mir vor, als käme ich vor Gericht.«
Wieschaffen Sie es in diesem entscheidenden Augenblick, Ihr Lampenfieber zu überlisten?
Bleiben Sie so lange wie möglich sitzen. Herumstehen und auf »grünes Licht« für den Redebeginn zu warten, erhöht das Lampenfieber nur.
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AtmenSie unauffällig einige Male tief durch – der ver-mehrte Sauerstoffvorrat lässt Sie ruhigerwerden. »Ich singe erst, wenn ich das Gefühl habe, auf einem Polster von Luft zu stehen«, hat es ein berühmter Sänger einmal ausgedrückt.
Wenn Sie sich erheben müssen: Nicht gleichzu sprechenbeginnen! Atmen Sie mehrmals tief, schauen Sie Ihre Zu-hörer an und geben Sie ihnen die Möglichkeit, sich auf Sie und Ihre Worteeinzustellen.
Versuchen Sie, ein Lächelnzustande zu bringen! Vielleicht geht Ihnen jetzt durch den Kopf: »Nun verlangt er aber etwas Unmögliches! Mir ist nach Flucht, nach im-Erdboden-Versinken zumute, und ich soll lächeln?« … Ich meine damit nicht, krampf-haft Ihr Gebiss zu zeigen, das wirkt unecht und übertrieben. Meine
