Übrigens....... - Otto Rüegg - E-Book

Übrigens....... E-Book

Otto Rüegg

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Beschreibung

Übrigens... beinhaltet Erinnerungen an Alt-Rapperswil und kleine Geschichten seiner damaligen Bewohner Mitte des letzten Jahrhunderts. Gedankengänge, wie der Name schon sagt: Gedanken über verschiedene Themen, wie Freiheit, Banken, Seen und Schiffe, Arbeitsessen etc. Militär: Erfahrungen und Episoden eines Militärtrompeters.

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Seitenzahl: 69

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Vorwort

«Was mir auffällt und dazu einfällt», d.h. meine Gedanken zu den verschiedensten Themen.

Die Rapperswiler-Geschichten aus dem letzten Jahrhundert musste ich aufschreiben, aus Nostalgie und auch, um diese wachzuhalten, für Menschen, die sich noch an diese Zeit erinnern können.

«So nutzlos können doch Militärmusiker gar nicht sein»…… sind Erinnerungen an meine Militärdienstzeit. Auch hier gilt: «Was mir auffiel und dazu einfiel»

Übrigens….: Einige Geschichten sind 100% Wahrheit und Realität (ohne Fantasie) einige sind nicht ganz 100%!

Inhalt

RAPPERSWILER-GESCHICHTEN

Der Hintergass-Kari

Sonntagnachmittag im «Steinbock»

Der Clown und die Chläuse

Circus Knie

Stierenmarkt

SCRJ-Lakers

GEDANKENGÄNGE

Wunder

Arbeitsessen

Banken

Früher

Freiheit

Seen, Schiffe

Und…,was ist mit den Halb-Armen?

MILITÄRGESCHICHTEN

So nutzlos sind doch Militärmusiker nicht

Nutzlos! - Wieso?

Episode Nachtübung

Episode 20Km-Marsch

Episode Konzert

Episode Manöver

Episode Kommandant

Episode Sanität

Episode Soldatenlieder

Episode Ernstfall

Armeespiel heute

Das kann doch mal passieren

Nonsens

1.0. RAPPERSWILER-GESCHICHTEN

Der Hintergass-Kari

Er heisst Karl Domeisen

Auf die Welt gekommen am Südhang des Schlosshügels zuunterst an der Hintergasse. Sein Vater war Schmied und Schlosser. Wo es etwas zu schmieden oder zu schweissen gab, rief man den „Schlosser-Domise“. Pferde beschlagen, Wagenräder bereifen, Geländer schweissen, aber auch geschmiedete Kunstwerke wie Leuchter, Tore und Balustraden waren sein Tagewerk. Er war ein geschickter Handwerker.

„Das geht nicht, gab es bei ihm nie. Entweder er reparierte „es“ oder schuf etwas gleichwertig Neues.

Domeisens Frau, Karls Mutter war eine geborene Züger aus Altendorf. Eine ruhige, gescheite, fröhliche Frau. Wie der Domeisen aus Rapperswil diese Frau aus der March entführen konnte, ist ein Rätsel. Die da drüben in der March hatten es nämlich gar nicht gerne, wenn die Herren aus Rapperswil in ihren Gegenden auftauchten und die schönsten Mädchen entführten. Manch einer hatte solche Versuche schwer büssen müssen. Nun dem Domise ist die Entführung gelungen.

Wie er das geschafft hat, bleibt ein Rätsel und geht uns auch nichts an. Es muss aber ein ganz spezieller Trick gewesen sein, denn die beiden schmunzeln geheimnisvoll, wenn man sie darauf anspricht, verraten aber nichts.

Vor und hinter der Werkstatt an der Hintergass war immer etwas los. Wenn Pferde beschlagen wurden, hörte man das Wiehern der Tiere, das Schlagen der Hufe auf dem Steinboden, das Zischen des heissen Eisens im Wasser, das toc-toc-toc beim Nägel einschlagen. Der beissende Geruch von verbranntem Horn verströmte sich weit herum beim Anpassen des heissen Hufeisens. Zu diesem Geruch gesellten sich noch weitere Düfte, Pferdeschweiss, Leder, Mist, Feuer, Rauch, eine wahre Gerücheorgie erfüllte die Hintergass an den Pferdetagen.

Diese Gasse war wohl auch deswegen einer der belebtesten Plätze in Rapperswil. Bauern, Handwerker, Fuhrleute, Knechte und natürlich immer viele Kinder belebten sie von früh bis spät. Auch vornehme Leute verkehrten bei Domeisen: Ärzte, Bankdirektoren, Geschäftsleute, Pfarrherren. Sie kamen nicht ihrer Pferde oder Wagen wegen. Nein, sie wollten ein schmiedeisernes Tor am Eingang zur Villa, ein kunstvolles Gitter vor dem Kamin, einen Kerzenleuchter in der Kirche oder eine exklusive Einfassung der Terrasse. Das waren dann die Küraufträge für Domeisen. Da zauberte er die tollsten Konstruktionen aus Flach- und Rundeisen hervor. Wahre Kunstwerke entstanden unter seinen geschickten Händen.

In dieser Betriebsamkeit bei Domeisen an der Hintergasse fiel gar nicht auf, dass da immer auch ein Junge anwesend war, der Kari Domeisen.

Er fiel nicht auf wenn er anwesend war. Jeder vermisste ihn und fragte nach ihm, wenn er nicht da war. Das lag an seinem eigenen, speziellen «Anwesendsein». Er nahm nicht wirklich aktiv am Geschehen teil. Er sass meist auf der kleinen Mauer, die den Platz zur Gasse hin abgrenzte. Hier war sein Stammplatz mit Übersicht über das ganze Geschehen. Dieses schien ihn nicht sonderlich zu interessieren. Aber es beschäftigte ihn, im wahrsten Sinne des Wortes. Es entging ihm nichts, was eine helfende Hand erforderte. Lief dem Vater der Schweiss übers Gesicht, war Karl mit dem Handtuch da, eine Sekunde bevor der Vater sich den selbst abwischen wollte. Fiel ein Werkzeug zu Boden, hob er es auf, legte es dahin wo es hingehörte. Der, der das Werkzeug brauchte, merkte gar nicht, dass es einen Augenblick zuvor noch gefehlt hätte. Verhedderte Leinen und Seile an den Fuhrwerken entwirrte er bevor Schaden entstehen konnte. Nicht mehr benötigtes Gerät räumte er weg an den Ort wo es hingehörte. Kari war der stille Helfer, jederzeit und überall, ohne dass es jemand wahrnahm. Er hatte noch eine aussergewöhnliche Begabung, die nur seine Mutter bemerkte. Pferde können beim Huf beschlagen Angst bekommen und nervös werden. Steigen, beissen, schlagen, sind ihre Mittel dagegen. Das Gegenmittel der Menschen besteht meist in Anbrüllen, Schlagen, Sack über den Kopf, Beine zusammenbinden und ähnlichem. Spritzen gabs noch keine. War Karl da, war alles kein Problem. Er ging zum Pferd hin, hielt es mit der einen Hand leicht am Halfter. Die andere Hand hielt er zum Beschnuppern an die Lippen und die Nüstern des Tieres und sagte mit ruhiger Stimme etwas, irgend etwas. Das Pferd verstand es und wurde ruhiger. Wenn er dann noch mit der Handfläche sanft über die Augen des Tieres strich, war’s aus mit der Angst. Das Pferd senkte den Kopf zu Karls Brust hin und war gelöst und ruhig.

Wer die Gabe hatte zu beobachten, sah auch, dass die Hunde und Katzen der Hintergasse immer in seiner Nähe waren.

Karl hatte Begabungen, die edel und gut, aber nicht gefragt waren. Seine Schulleistungen wurden als nicht gerade blendend beurteilt. Rechnen, Schönschreiben und Lesen, wurden nicht nur nach Können oder Nichtkönnen bewertet, sondern dienten auch als menschlicher Wertmassstab: brauchbar oder nicht brauchbar, guter oder schlechter Mensch. Mit den Lehrern im Herrenbergschulhaus stand er auf Kriegsfuss, immer und in jeder Beziehung. Kari verstand das System einfach nicht. Er verstand einfach nicht, warum ein Aufsatz, der inhaltlich doof aber schöngeschrieben war, bessere Noten erhielt, als ein Aufsatz der lustig und spannend war aber nicht so leicht zu lesen, der Buchstaben wegen.

Einen psychologischen Kleinkrieg der raffinierteren Art, focht er mit dem Lehrer Grüter aus. Nicht mal in Hauptfächern wie Rechnen, Sprache, Geographie oder Geschichte…. Nein auf einem Nebenschauplatz namens Gesang. Einmal pro Woche, meist in einer Randstunde, Samstag von 11 bis 12 Uhr z.B. war Singen angesagt. Karl sang eigentlich gern, er war sehr musikalisch, ohne dass es ihm bewusst war. Er hatte einfach seine liebe Mühe mit den Liedern, die bei Grüter gesungen werden mussten. „Im schönsten Wiesengrunde“ – „Das Wandern ist des Müllers Lust“

– „La haut sur la montagne“ und ähnliches, lösten bei Karl keine musikalische Begeisterung aus. Im sogenannten – kleinen Kirchenchor – musste er auch noch mitmachen. Das heisst manchmal in aller Frühe in die Kirche, auf die Empore und noch schlaftrunken und ohne Frühstück „oh Herr wir loben Dich…“ oder „Maria breit den Mantel aus“ singen. Ganz schön hart. Verständlich, dass er sich bei dieser verordneten Singerei auch keine besondere Mühe gab. Er könnte es besser, wenn er wollte. Das wusste der Lehrer Grüter und ärgerte sich darüber. Der Herr Lehrer Grüter war eben so was wie der musikalische Leitwolf der Stadt. Er meinte es zumindest. Er dirigierte schon seit Jahren den angesehenen Männerchor. Im Männerchor sangen die noblen Männer, Geschäftsleute, Bänker, Ärzte, Anwälte, Lehrer.

Im Sängerbund, dem zweiten Gesangsverein, sangen die Büetzer, Arbeiter, Bähnler, Pöstler,

Magaziner, Lastwagenfahrer, die gewöhnlichen Bürger.

Der Herr Chorleiter Grüter durfte auch Registerproben des gemischten Kirchenchores mit Orchester leiten, wenn auf Ostern oder Pfingsten hin eine grosse Mozart- oder Schubertmesse eingeübt wurde. Die Aufführungen leitete dann allerdings der Ober-Musik-Chor und – Orchesterleiter Prof. Dr. Niklaus Ochsner.

Der Herr Lehrer Grüter war in dieser Stadt eine musikalische Kapazität.