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Wildes Verlangen nimmt ein wildes Ende. Der wahren Lieben liegt ein Gesetz zugrunde: Gib dich so, wie du wirklich bist! Alle Schwindeleien fliegen irgendwann auf. Am Ende zerstört das Schicksal alles, was von Anfang an eine Lüge war! Nur Pech für Leo, dass er von diesem Gesetz vor seinem ersten Date mit Tasha noch nie etwas gehört hatte.
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Seitenzahl: 260
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Teil 1: Berlin
Hotel Schwartz
Vier Monate zuvor
Wie alles begann
Likes zu Geld machen
Blümchensex
Der Frutarier
Detox your Supermind
Gefährliche Wünsche
Tasha Wladimirovna Smirnowa
Sold Out
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
Lovebombing
Im Rausch der Gefühle
Scheißtag
Unstillbares Verlangen
Die Macht der Motivation
Das erste Mal
Russische Blondinen-Lust
RedThai
Curry-Gefühle
Küsse nicht von dieser Welt
Schachtelsätze
Leidenschaft
Bettgeflüster
Höhepunkt
Dinge, die Leo normalerweise gerne von Tasha gewusst hätte
Narzisstensprüche
Drei Monate, 15.371 WhatsApp-Nachrichten, 471 Fotos und 91 Videos später …
Erster Russischer Blondinen-Schmerz
Finn-Kopfkino
Kurzmeditation an der Ampel
Eintauchen ins Om
Kosmische Endlosschleifen in einem Café am Warschauer Platz
Freitagsamnesie
Hipster-Befürchtungen
Döner-Crash in Neukölln
Besoffen vor Glück
Der Sonntag, an dem Leo beschlossen hatte, ein coolerer Typ zu werden
Große Gefühle und dicke Lippen
Neuer Rekord: 951
»Sie Vollpfosten!! Ich war vor Ihnen da!«
»Ich will sofort Ihren Vorgesetzten sprechen!«
Eintauchen in die spirituelle Liebe
Rechnung
Silverladies-Alarm mitten in der Nacht
Der Montag, als Leo beschlossen hatte, ein coolerer Typ zu werden
Beim Friseur
Motivation aus Amerika
Der Dienstag, als Leo beschlossen hatte, ein coolerer Typ zu werden
Scheitern um 20 Uhr
Achtsam durch den Alltag
They love you
Big Penis Car
Der Mittwoch, als Leo beschlossen hatte, ein coolerer Typ zu werden
Gefangen im Gedankenkarussell
Love melts fear
Leo rechnet mit Max Mustermann ab
Endlose Vergleiche
Max, der Off-Topic-König
Vom Selbstmitleid einer traurigen Gestalt
Seltsame Zeiten
Online-Sucht
Facebook-Nächte
No Go
Der Freitag, als Leo endgültig aufgab, ein coolerer Typ zu werden
Eine Überdosis Selbstmotivation
Reifeprüfung auf Russisch
Die Sache mit der anderen Seite der Wahrheit
Stille Wut
Laute Wut
Trügerische Ruhe
Die Angst vor der Wahrheit
Unrühmliches Super-Om-Ende
Das peinliche Ende eines Talkshowclowns
Leo!
Teil 2: Der Ort, an dem Wunder geschehen
Café del Mar
Die Reise in die Stille
Dreiuhrmorgensträume
»Gute Eifersucht lebt ein langes Leben!«
Stimmen im Kopf
Erster Ausbruchversuch aus dem Gedankengefängnis drei Monate später
Zwei Stimmen im Kopf
Der Ort, an dem Wunder geschehen
Berlin
Eine Stunde später …
Epilog: You Can’t Always Get What You Want
November 2017
Berlin, Juli 2016. Gedanklich noch auf der Suche nach einer Antwort, wie alles nur hatte soweit kommen können, schloss Leo kurz die Augen. Ohne ein Wort zu sagen, saß er regungslos ein paar Minuten neben mir in einer Hotelbar in Berlin Mitte und rührte mit einem Löffel in seinem Cappuccino herum.
Nach außen hin zwar die Ruhe selbst, jedoch war klar zu spüren, dass er innerlich alles andere als gelassen war. Leo wollte mir etwas sagen, aber seine zweifelnden, warum-fragenden Gedanken, immer noch auf der Suche nach der richtigen Antwort, ließen ihn zuerst schweigen.
Er blinzelte mich mit seinen braunen Augen an und beobachtete vorsichtig meine Gesichtszüge, als er zögerlich und zugleich aufgeregt zu reden begann. Als ob er seine Worte noch ein allerletztes Mal überprüfen wollte, sagte er:
»Ich hatte es immer schon geahnt. Wenn ich zufrieden sein möchte, darf ich mich nicht den Frauen hingeben, die ich leicht bekommen kann, sondern muss mich der Einen hingeben, die ich wirklich haben will. Und wenn ich großes Glück habe, treffe ich diese eine Frau, nach der ich mich mein Leben lang gesehnt habe. Mit der habe ich viele Male am Tag hingebungsvollen, tabulosen Sex und anschließend spüre ich diese tiefe Zuneigung und nehme sie zärtlich in den Arm. So eine Frau triffst du nur einmal im Leben und fühlst es sofort: Lieber nur einmal den besten Sex meines Lebens haben und den Rest der Zeit leiden, als mich aus Angst diesem Verlangen nicht hinzugeben.«
»Tasha ist genau diese Frau für mich gewesen. Aber sie hat meine Seele getötet, weil ich nicht stark genug gewesen bin. Deshalb habe ich unbewusst diese Liebe getötet. Auf eine Art und Weise, wie ich mir das nie hätte vorstellen können. Aber manchmal muss etwas sterben, damit etwas leben kann.«
Anschließend überließ Leo mir sein Tagebuch auf meinen Wunsch hin, um über sein verschachteltes Beziehungsdrama einen Roman zu schreiben. Ich versprach ihm, dass er absolut unerkannt bliebe und auch niemand je erfahren würde, wer Tasha wirklich war.
Danach verschwand Leo für lange Zeit aus meinem Leben.
Samstag, 16. März: Leo sah zu seiner Überraschung Tasha zufällig wieder, als er in einem Café am Flughafen Schönefeld auf seinen Abflug nach Mexiko wartete. Schockiert starrte er sie aus ein paar Metern Entfernung an. Alle Geräusche schienen plötzlich zu verstummen. Unendliche Stille. Als er sich mehrmals versichert hatte, dass sie ihn von ihrem Blickwinkel des Cafés aus nicht sehen konnte, beobachtete er sie ängstlich eine Weile. Ihre Augen schienen hektisch in die Ferne zu schweifen. Sie kramte genervt in ihrer riesigen Handtasche. Offenbar suchte sie etwas. Leo wurde blasser. Sichtlich nervös strich er sich immer wieder mit den Händen durch seinen zerzausten Siebentagebart. Er wollte sich gerade von seiner Angst losreißen, diese kalte Verzweiflung abschütteln, die ihm den Nacken emporkroch und aufstehen, um sie zu begrüßen, als eine Stimme aus dem Lautsprecher ertönte: »Letzter Aufruf für die Passagiere LH 196 nach Singapur. Bitte begeben Sie sich sofort zum Abflug-Gate A21.«
Tasha stand auf und verließ eilig das Café. Leo konnte durch die Augenwinkel sehen, dass sie allerdings ihr Handy auf dem Tisch liegengelassen hatte. Er wartete eine Weile ab und setzte sich dann auf denselben Platz, wo Tasha gerade eben noch gesessen hatte und starrte fassungslos auf das Handy. Das Blut gefror ihm in den Adern und er zitterte, als er es in die Hand nahm. Es war noch dasselbe Telefon, das er ihr vor einem Jahr geschenkt hatte. Leo hatte Schweißperlen auf der Stirn, als er feststellte, dass Tasha auch den Sperrcode nicht geändert hatte, den er ihr damals eingerichtet hatte. Gedanken überfluteten seinen Geist: »Soll ich ihr hinterherlaufen und ihr das Handy geben? Oder soll ich zuerst alle ihre WhatsApp-Nachrichten lesen, die sie an diesen Finn geschrieben hat? Dann kenne ich endlich die Wahrheit. Dann hätte ich die Antworten auf all meine Fragen. Das wäre dann die wirkliche Wahrheit. Die Wahrheit, die mir Tasha wohl niemals erzählen würde. Aber will ich die jetzt überhaupt noch wissen?«
Leo fühlte sein Herz rasen. Alle Erkenntnisse, seine Vorsätze und Absichtserklärungen schienen vergessen und er fragte sich erneut: »Bin ich wegen nichts explodiert?« Jeder einzelne Grund, weswegen er Tasha niemals wiedersehen wollte, war von einer Sekunde auf die andere wieder präsent: Mexiko, alle seelischen Schmerzen, die Enttäuschung, der große Zorn des »unbedingt-verstehen-Wollens«. Außerdem fühlte er die gleiche tiefe Zuneigung wie damals, als er Tasha zum ersten Mal getroffen hatte.
Für einen kurzen Augenblick rutschten Leos buschige Augenbrauen zu einem sehr wütenden, scharfen V zusammen, als er ungläubig Tashas Handy anschaute, das er fest mit seiner rechten Hand umklammerte. Sein Blick hatte etwas an sich, dass den Zustand der bloßen Wut auf die Vergangenheit schon längst überschritten hatte. Leo lächelte wissend. Dabei tauchten in seinen Gedanken all die Motivationssprüche auf, die er in den letzten Monaten in Büchern über die Liebe gelesen hatte:
Everything you want is on the other side of fear. – Es gibt nicht allzu viele Tashas hier auf diesem Planeten. – Wenn dir im Leben eine solche Frau begegnet, dann lass sie nicht entwischen, denn sie ist es wirklich wert. – Der richtige Augenblick ist jetzt. – Ob es passt, weißt du erst, wenn du es ausprobierst. – Die meisten Dinge, über die du dir Sorgen machst, entwickeln sich ganz anders. Deshalb verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis, vielleicht ist ja keines da. – Jede große Liebe hat ihre Zeit. – Ob zwei Seelen wirklich füreinander bestimmt sind, wird sich zeigen. – Am Ende eines Lebens bereut man nicht die Dinge, die man gemacht hat, sondern die Dinge, die man nicht gemacht hat.
Zögerlich und wehmütig lächelnd erinnerte er sich an seinen Wunsch, lieber nur einmal den besten Sex seines Lebens mit Tasha haben zu wollen und den Rest der Zeit leiden, als dieses Gefühl nie erlebt zu haben. Mit einer für die anderen Gäste unhörbaren Flüsterstimme sprach er noch einmal sein Versprechen aus, dass er, wenn er jemals im Leben eine zweite Chance erhalten sollte, Tasha dann die ganze Wahrheit sagen würde.
Leo ahnte, dass ihm seine härteste Prüfung noch bevorstand. Er fand sich in genau jenem Gedankenkarussell wieder, weswegen er vor vier Monaten aus Berlin geflüchtet war. Alle Zweifel waren wieder da und Leo fragte sich, ob es nicht auch wahr wäre, dass man in der Liebe immer nur das Positive sehen will, eben das, was wir unbedingt haben wollen, dabei aber verdrängen, dass es das Negative, das, was wir gar nicht sehen wollen, leider trotzdem gibt.
Sollte er noch einmal tief in die Vergangenheit eintauchen und mit Tasha reden? Was, wenn sie jetzt einen neuen Freund hätte? Was, wenn sie gar nicht mit ihm reden wollte? Oder wäre es besser, die Vergangenheit ruhen zu lassen und sich für die Zukunft zu entscheiden? Aber konnte man jemals Ruhe im Geist finden, wenn die Vergangenheit nicht geklärt war?
Man sagte doch, wer unbeschwert in die Zukunft blicken möchte, muss zuerst in die eigene Vergangenheit schauen, da man die Probleme der Vergangenheit niemals im Kopf abschließen kann, wenn man sich ihnen zuvor nicht gestellt hat: Entweder erledigst du die Sache, oder die Sache erledigt dich. Denn der Preis, sich einem Konflikt in der Vergangenheit nicht zu stellen, ist immer das zukünftige Leben.
Leo starrte immer noch verzweifelt auf Tashas Handy und stellte sich abermals die gleiche Frage: »Wenn ich wirklich wissen will, was in Mexiko passiert ist, muss ich jetzt nur ihre WhatsApp-Nachrichten lesen. Aber ist das fair? Habe ich wirklich ein Recht dazu? Sollte ich ihr Handy nicht einfach liegen lassen und gehen? Soll ich ihr hinterherlaufen und es ihr bringen? Und dann?« Die Zeit drängte. So sehr Leo sich auch bemühte, er fand keine schnelle Antwort und dachte: »Habe ich einfach nur Angst vor dem intensiven Wortschwall, der mich mitten ins Gesicht treffen könnte, wenn ich Tasha plötzlich ansprechen würde?« Zu genau kannte Leo ihre funkelnden grünen Augen, wenn sie verärgert war: sie konnten sich innerhalb kürzester Zeit von einem kleinen Feuerblitz zu einem Inferno entwickeln – als explodierten eine Million Handgranaten gleichzeitig.
Er überlegte: »Oder ist es so, dass es irgendwann einmal zu spät ist, über vergangene Gefühle zu sprechen? Sich zu entschuldigen? Kann ich ihre Widersprüchlichkeit jemals verstehen? Würde sie mir wirklich die ungeschminkte Wahrheit sagen? Könnte ich jetzt ganz offen über meine verdrängten Gefühle sprechen? Hätte ich den Mut, meine große Lüge zuzugeben? Wie würde ich damit umgehen, wenn Tasha auf meine Fragen wieder nicht klar mit ja oder nein antworten würde? Würde ich nochmal wegen meiner Eifersucht so durchdrehen und Tasha verletzen?«
Er dachte einen weiteren Augenblick nach, atmete ganz ruhig tief ein und aus, fühlte die Stimme in seinem Herzen und dann wusste er, was er zu tun hatte, um endlich frei im Kopf zu werden.
Berlin im März 2015. Im Nachhinein grenzt es für mich fast an ein Wunder, dass Leo, der Motivationscoach, nicht schon viel früher in seinem Meer aus Übertreibungen, Unwahrheiten und Lügen ertrunken ist.
Dass ich über Leo sogar schreiben würde, war vollkommen unvorstellbar für mich. Wer würde auch schon über so einen Poser schreiben wollen, der aussah wie ein Mann in Frauenklamotten, mit indischen Mala-Ketten zugehängt und außerdem auch noch provokativ ein Muhammad Ali »I’m the greatest«-Tanktop trug?
Den fast ausschließlich weiblichen Teilnehmerinnen des Motivationsvortrags, die diesem schwarzhaarigen, muskelbepackten Hippie-Typen sowieso nur auf den Knackarsch schauten, war es egal, was auf seinem Shirt stand. Da hätte auch der Spruch »Fuck Meditation« stehen können. Sie hätten es cool gefunden. Mir war es ganz und gar nicht egal. Ich fand den Spruch des dreimaligen Boxweltmeisters im Schwergewicht einfach nur peinlich und zu überheblich; wenigstens für einen Mann wie Leo.
Ich versuchte, mich zu beruhigen und fragte mich: »Wo bist du hier bloß gelandet?« Leo hatte ich am Abend zuvor in einer TV-Show gesehen und war mehr als neugierig auf ihn. Sein Vortrag war wie angekündigt eine spirituelle Popshow, mit lauter Rockmusik und wummernden Bässen. Kombiniert mit klassischen Meditationselementen und schweißtreibenden Yogaübungen. Eine Show, eigens komponiert wie mir schien, um Berliner Singles auf der Suche nach dem Sinn des Lebens zu beeindrucken.
Eine Motivationshow für all jene, die Angst hatten, ihre wahren Träume zu verwirklichen. Träume, die sie schon vor langer Zeit aufgegeben hatten, weil ihnen Sicherheit dann doch wichtiger als innere Freiheit war. So waren sie in ein Leben mit IKEA-eingerichteten Reihenhäusern und dem fleißigen Sammeln von Rabattmarken hineingeschlittert, aus dem Leos Motivationsvortrag sie nun befreien sollte.
Mir kam es vor, als sei Leo an diesem verregneten Sommertag ihr lächelnder Held, ihre Identifikationsfigur, der sie ihr langweiliges bürgerliches Leben, ihre ereignislosen Bullshit-Jobs, ihre unbefriedigenden Beziehungen für ein paar Stunden vergessen ließ. Leo gab ihnen die Hoffnung zurück, irgendwann vielleicht doch noch ein Leben in Glück, Freiheit und spiritueller Harmonie leben zu können.
Den Frauen – von achtzehn bis Mitte fünfzig war aus der Berliner Szene alles dabei – ging es nur um das Alles-Wird-Super-Gute-Laune-Happening, das Leo gestern im Fernsehen angekündigt hatte. Sie waren süchtig nach seinem ansteckenden Lächeln, das sie schon von seiner Facebookseite kannten. Sie erhofften sich, dass er es schaffen würde, innerhalb kurzer Zeit mit seinen Sprüchen und diesem Lächeln in ihren Herzen wieder die untergegangene Sonne scheinen zu lassen. Doch für mich war anfangs jedes seiner Worte eine Folter für den gesunden Menschenverstand. Vor allem, weil Leo es nicht so mit richtigem Deutsch hatte.
Er war ein Typ, aus dem ich nicht so schnell schlau wurde. Vielleicht hatte mich auch genau das so neugierig auf ihn gemacht. Auf der einen Seite war er der Esobrabbler mit übertriebenen und hochstaplerischen Heilsversprechen. Auf der anderen Seite machte er aber auch keinen Hehl daraus, in manchen Situationen immer noch mit genau denselben alltäglichen Problemen zu kämpfen wie alle anderen Menschen. Vielleicht war er deshalb auch so beliebt, weil er jedem einzelnen seiner Fans, die mir vorkamen wie die eingeschworene Gemeinschaft einer Gang, das Gefühl gab, nicht der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der in extrem peinliche Situationen geraten konnte. »Seelenmassage pur«, wie eine Pia meinte, die neben mir saß und zu ihrer Freundin sagte: »In seiner Nähe entspannt sich alles in mir.«
»Reichlich kitschig«, traf es meiner Meinung nach deutlich besser. Ich hatte meine Zweifel, ob Leo wirklich so ein gelassener Mann war, wie er dies in der Talkshow vorgegeben hatte. Für mich war er eher einer dieser typischen, fast schon faschistoid gutgelaunten westlichen Alles-Wird-Gut-Motivationsprediger, über die ich meistens nur mitleidig lächeln konnte.
Äußerlich sah Leo, der vermeintliche Frauenversteher, absolut gesund und stark aus. Dennoch machte er auf mich schon nach wenigen Minuten des Zuhörens einen unsicheren und zerrissenen Eindruck. Ich spürte, wie meine Gedanken abschweiften, weil ich genervt war. Meine Menschenkenntnis sagte mir, dass Leo in seinem Privatleben ganz anders war, als er es uns hier weismachen wollte.
Vielleicht war er jemand, der frustriert mit rappelvollen Plastiktüten an einem Buggy neben seiner Frau herlief? Der von einem langen Arbeitstag müde war und nörgelte, weil er nur noch schnell nach Hause wollte. Jemand, der alles andere als »monstergechillt« war, so wie er es am Abend zuvor gepredigt hatte. Für mich war Leo kein so mutiger Typ, wie er es behauptete. Ich war mir sicher, dass er sich niemals trauen würde, zuhause auch mal laut zu streiten, seine Meinung zu sagen, auf den Tisch zu hauen, ein wilder Kerl zu sein.
Meist traf der erste Eindruck auch zu, den ich von einem Menschen hatte. Leo war für mich eher der klassische Konfliktvermeider. Ein Ja-Sager um des lieben Friedens willen. Leo der Blender, der in seinem Vortrag gebetsmühlenartig Tipps zur Befreiung des Geistes wiederholte, von denen er selbst jedoch meilenweit entfernt war. Für mich war er aus diesem Grund niemand, mit dem ich mich hätte identifizieren können. Eine Lusche. Ein mit archaischen Motiven tätowierter Macho mit hippem Sieben-Tage-Bart. Hinter seiner coolen Fassade nichts als Selbstzweifel und Zerrissenheit. Es hatte zwar etwas gedauert, bis ich den Grund für seine Angeberei, die Sprüche und die maßlosen Übertreibungen verstanden hatte, aber mich konnte er nicht täuschen. Als ich nach und nach den schönen Schein durchschaute, konnte ich auch viel besser über ihn schreiben.
Mir wurde später klar, dass er und ich uns in vielen Verhaltensweisen damals sehr ähnlich gewesen sind, obwohl ich das anfangs vehement bestritten hätte. Schon klar, wir alle haben Geschichten mit verrückten Menschen erlebt. Und manchmal glaubt man, diese Geschichten seien so besonders, dass man sie unbedingt anderen erzählen müsste. Ich hatte als Schriftsteller auch viele solcher vermeintlich guten Geschichten gehört. Aber dass mir die beste Geschichte meines Lebens ausgerechnet ein Hochstapler erzählen würde, daran hätte ich nicht mal im Traum gedacht.
Die Typen in der, ich nenne sie mal »Motivationsindustrie«, egal ob Männer oder Frauen, waren für mich alle gleich. Erst rissen sie die Klappe ganz weit auf und fielen dann in eine tiefe, schmerzhafte Sinnkrise, weil sie mit irgendeinem Problem mal wieder selbst nicht fertig wurden. Anschließend zogen sie sich zurück, steckten den Kopf in den Sand, als ob das Leben selbst sie beleidigt hätte. Durch einen magischen Zufall entdeckten sie dann in ihren dunkelsten Stunden eine alte mystische Weisheit, oder wie sie es nennen irgendein mystisches Gesetz des Universums, das ihr ganzes Leben dann von einem Tag auf den anderen veränderte. Und nach ein paar Monaten bekehrten sie mit ihrem neu gefundenen ultimativen Loslass-Rezept die Welt, schrieben ein oder zwei Bücher, in denen bei genauerer Betrachtungsweise doch nur der gleiche Motivationsquatsch drinstand wie in allen anderen Selbsthilfebüchern auch – nur eben nochmal neu verpackt. Die Sprüche waren im Wesentlichen jedesmal die gleichen: »Erst wenn du über deinen Schatten springst, erreichst du wahre Stärke«, »Wer nicht ja sagt zum Leben, hat nicht wirklich gelebt«. Alles nur Blabla.
»Alles wird gut. Öffne dein Herz, dann geschieht alles andere von allein«, war einer von Leos Lieblingssprüchen. Für mich eigentlich schon Grund genug, seinen Vortrag sofort zu verlassen, denn ich glaubte nun mal nicht daran, dass, wenn man nur losließ, die Antworten auf wichtige Lebensfragen von allein kommen. Ich glaubte und glaube eher daran, dass man nur etwas findet und seine Antworten erhält, wenn man losgeht, sucht, Fehler macht und es dann wieder probiert. Das ist natürlich deutlich anstrengender, als nur zu nehmen, was das Leben so bringt. Heute würde mir Leo in diesen Punkt absolut zustimmen. Doch das zu verstehen, war ein langer gefährlicher Prozess für ihn, ein Weg, auf dem er in all seine seelischen Abgründe schauen musste.
Leo wollte damals in Berlin so etwas wie der Shootingstar der gerade wieder aufblühenden neuen Motivations- und Yogawelle werden und die Massen begeistern. Ich hingegen hatte das Gefühl, es würde nicht lange dauern, wenn Leo erstmal erfolgreich wäre und sich einen Namen gemacht hätte, bis vielleicht eines Tages einer dieser hartnäckigen Enthüllungsjournalisten auf ihn aufmerksam und dann tief in Leos Vergangenheit graben würde, dabei die berüchtigte Leiche im Keller finden und daraus eine Skandalgeschichte stricken und diese richtig groß aufbauschen würde. Damit wäre Leo dann als vermeintlich enttarnter Scharlatan und Ex-Motivationsguru in der Szene untendurch.
So dachte ich zuerst. Doch die Vorahnung, dass es ganz weit draußen im Universum vielleicht etwas Schlimmeres für die Karriere als Enthüllungsjournalisten geben könnte, hatte ich bereits fünf Minuten später, als ich hörte, was Leo in der Talkshow auf die die Fragen der TV-Moderatorin antwortete. Wenn Leo, der gescheiterte Ex-Sportlehrer, gewusst hätte, welches Desaster ihm bevorstand, hätte er mit Sicherheit anders geantwortet oder gar nichts gesagt.
Es gehört schon viel Naivität oder Dummheit dazu, auf ernstgemeinte Fragen derart überheblich zu antworten, wie Leo es tat. Als er gefragt wurde, ob wirklich jeder lernen könne, Ruhe im Geist zu finden und ob er sich selbst als erleuchtet bezeichne, sagte er einfach nur: »Ja!«
Während er dann im weiteren Verlauf der Sendung mit seinen 38 Jahren allen Ernstes und mit seliglächelnder Mimik behauptete, dass er selbst dank Meditation und veganer Ernährung nun mit allen Ängsten oder Eifersucht sogar in der Liebe supergelassen umgehen könne, da überkam mich diese seltsame Vorahnung. Man sagt, dass die kleinen Sünden der liebe Gott sofort bestraft und dass bei den großen schon mal das Schicksal hart zuschlagen kann. Wie die Geschichte zeigen wird, bei manchen Sünden wie Leos großen Lügen und Übertreibungen sogar noch härter.
Was würde wohl passieren, wenn das Schicksal einfach mal die Schnauze voll hätte und beschließe, Leo – als größtem aller esoterischen Hochstapler – eine Prüfung aufzuerlegen? Eine Prüfung, bei der er beweisen müsste, dass er wirklich so ›monstergechillt‹ mit den Höhen und Tiefen der Liebe umgehen könnte, wie er es vollmundig behauptete. Zufall, Schicksal oder eben Karma, wie die Inder sagen, das Gesetz von Ursache und Wirkung.
Unsere Ängste sind immer dann am stärksten, wenn es um unsere großen Träume und echte Herzensangelegenheiten geht. Nirgends wird so viel gelogen wie in der Liebe. Je wichtiger sie uns ist, desto mehr. Dann werden aus einer Lüge viele und am Ende führt alles zu dramatischen Missverständnissen, die in einer Katastrophe enden. Meist aus nur einem Grund: aus Scham. Weil wir Angst haben, uns zu blamieren, falls unsere Liebe nicht erwidert wird. Oder weil wir zu feige sind, einen großen Fehler zuzugeben. Meiner Lebenserfahrung nach gibt es ein ganz wichtiges Universalgesetz: Gib dich in der Liebe stets so, wie du bist, denn alle Schwindeleien und übertriebene Selbstdarstellungen fliegen irgendwann auf, weil das Schicksal alles zerstört, was von Beginn an eine Lüge war.
Vielleicht musste deshalb Leo wenige Tage nach der Talkshow genauso einer Frau wie Tasha begegnen, die ihn für immer verändern sollte. Leo und seine Geschichte interessierten mich, weshalb ich an ihm dranblieb und in der folgenden Zeit einige seiner Vorträge und Kurse besuchte. Ich war ohnehin gerade auf der Suche nach Inspiration für mein nächstes Buch und Leo, dieser Angeber im TV, kam mir da gerade recht. Ich wollte ihn kennenlernen und mehr über ihn erfahren.
From: [email protected]
Betr: Auswertung der letzten Posts auf Facebook und Instagram
Hi Leo.
50 neue Follower haben bestätigt, dass ihnen deine letzten Posts nach der TV-Show gefallen haben. Das heißt schon was. Aber wir brauchen mehr Likes, ansonsten werden keine Sponsoren auf dich aufmerksam. Wir müssen auf über eine Million Follower und Abonnenten kommen. Deshalb müssen wir aktiver werden. Wir brauchen mehr Follower! So sieht deine Social-Media-Profilanalyse gerade aus:
Facebook: 49.000 Follower, Instagram: 10.000 Follower – das ist für den Anfang schon gut, muss aber ausgebaut werden!
Dein letztes Selfie aus dem Backstagebereich kurz vor der Talkshow wurde 59mal geliked. Dein letzter Motivationsspruch nach der Show wurde aber nur 18mal geliked. Insgesamt wurden dreißig Beiträge von deinem Auftritt bei der Talkshow kommentiert.
Wie gesagt, mit dem Thema Motivation und Glück erreichst du deine Zielgruppe schon sehr gut. Aber »vegan leben« ist gerade der letzte Schrei. Du solltest hierzu mehr Beiträge posten. Wir sollten nichts dem Zufall überlassen und deine Marketingstrategie nochmals anpassen. Deine Fangemeinde ist noch zu klein. Wie bereits besprochen, müssen wir über die erste Million Follower kommen. Dann erst bist du interessant für neue Sponsoren.
Es gibt einfach zu viele Motivationscoaches. Du musst dich mehr von der Masse abheben. Dass du Motivation mit klassischer Meditation und Yoga verbindest, ist eine echte Marktlücke. Lass uns das ausweiten!
Du solltest aber häufiger das Wort »Achtsamkeit« verwenden. Das kommt in den Medien immer gut an. Vor allem: Vermische die klassische indische Philosophie mit Essenzen aus allen Weltreligionen. Das wird uns ganz neue Märkte eröffnen, weil wir so möglichst viele Menschen ansprechen können. Das ist wichtig, wenn wir Ende des Jahres deine neue Yoga-Motivations-App vorstellen wollen.
Und poste mehr über Erfüllung, Lebenssinn oder dein ultimatives Rezept fürs Loslassen! Unsere Analyse hat ergeben, dass sich in Deutschland ca. 2,6 Millionen Menschen für Meditation und Yoga interessieren. In Amerika sind es sogar über 20 Millionen. Wenn wir die mit deiner Leo-Meditation erreichen wollen, brauchen wir ein Alleinstellungsmerkmal. Und das heißt Leichtigkeit. Wir positionieren dich als den Yoga- und Motivationstrainer, bei dem Spaß und gute Laune im Vordergrund stehen.
Befreie deine Teilnehmer von allen Regeln, Gesetzen und Gelübden. Verbiete ihnen nichts. Predige Hingabe und Leidenschaft als den Schlüssel zur Befreiung von leidvollen Geistesverfassungen.
Du warst doch mal Turner?! Poste mehr Fotos von schwierigen Yoga-Positionen, in denen du entspannt meditierst! Das kommt vor allem auf Instagram sehr gut an. Es gibt zum Beispiel noch keinen, der einen einarmigen Handstand gepostet hat und dabei vollkommen entspannt und gelassen ausgesehen hat. So etwas liebt deine Zielgruppe.
Best wishes Linda
Senior Vice President Online Image Ltd.
Ein paar Tage nach dem Vortrag traf ich Leo in seinem im Internet groß angekündigtem Motivationsworkshop wieder. An mich konnte er sich nicht erinnern. Irgendetwas hatte ihn aufgewühlt. Seine Augen waren gerötet und sein Haar war zerzaust. Er hatte seinen Bart nicht rasiert und offensichtlich seit Tagen nicht geschlafen. Dicke Tränen versteckten sich in seinen Augen, aber er konnte nicht weinen und hielt seine Gefühle zurück. Zumindest war das mein Eindruck, als ich ihn mutterseelenallein in der Hotellobby stehen sah.
Soweit ich mich erinnere, hatte er mich nicht gesehen. Mir schien es fast so, als hätte er sich versteckt und wollte nicht, dass die anderen Teilnehmer sahen, wie es ihm gerade ging, dass seine Fassade aus gespielter Fröhlichkeit bröckelte. Leo telefonierte mit einem Max. Vielleicht ein alter Freund von ihm. Doch für Leo schien es kein Tag zu sein, um ehrliche Antworten hören zu können.
»Spinnst du, Max? Es ist nicht so leicht wie du denkst, eine neue Liebe zu finden!«
[…]
»Nein. Ich habe keine Lust auf irgendwelche Dating Portale. Nein. Auch nicht Tinder oder wie die sonst alle heißen!«
[…]
»Was genau ist dir zu kompliziert daran?«
[…]
»Ist es nicht das, was dich und mich voneinander unterscheidet?«
[…]
»Liegt hierin nicht das Geheimnis unserer eigenen Lebensgeschichte verborgen?«
[…]
»Es gehört doch einfach zum Menschsein dazu, dass man immer einen Teil von sich selbst nicht versteht, ja sogar rätselhaft findet, und deshalb fieberhaft nach einer Erklärung sucht.«
[…]
»Nein!«
[…]
»Ich weiß bis heute nicht den wahren Grund, warum ich bis jetzt noch nicht die Frau gefunden habe, nach der ich mich immer schon gesehnt habe!«
[…]
»Jemand sagte über meine letzte Beziehung mal, dass wir zwar äußerlich ein Traumpaar gewesen wären, aber ich hätte ich mit ihr wohl nur die Leerstelle in mir selbst ausgleichen wollen!«
[…]
»Ja, finde ich auch. Das trifft es ziemlich gut!«
[…]
»Echt? Du hattest das damals gesagt?«
[…]
»Stimmt. Viele Frauen fühlten sich von meiner Unbekümmertheit, Leichtigkeit, Sorgenfreiheit anzogen. Und ich war fasziniert von ihrer Ernsthaftigkeit, ihrer Tiefe, ihrer Poesie, ihrer Schwermut, die sich in allem niederschlug, in ihrem Kleidungsstil, in der Musik, die sie hörten, den Filmen, die sie sahen, den Büchern, die sie lasen, die traurige Kunst, die sie liebten. Wir ergänzten uns, klammerten uns in unserer kleinen Welt aneinander. Und so bin ich oft einfach in Beziehungen hineingeschlittert.«
[…]
»Wie meinst du das, wann meine Probleme begonnen haben? Was soll das hier werden? Eine Therapiesitzung? Ich hab jetzt keine Zeit für sowas!«
[…]
»Was ich nicht an diesen Frauen mochte? Die Kurzfassung: Ich hatte oft Frauen, mit denen es eigentlich kein aufregendes Privatleben gab, nur langweiligen Blümchensex. Frauen, die nie spontan sein konnten. Alles musste tausendmal durchdacht werden. Die Frauen, die ich bisher traf, hassten einfach Überraschungen.«
[…]
»Mann, stell dich doch jetzt nicht so blöd an. Du kanntest sie doch alle. Für die meisten meiner Frauen war alles ein Projekt. Ihr Leben, mein Leben, unser gemeinsames Leben. Richtig relaxt waren die Frauen nie, die ich bisher getroffen hatte. Eher ziemlich große Kontrollfreaks. ›Ego-Fucker‹, die alles mit Willenskraft bis an die Grenzen zur Selbstzerstörung durchziehen wollten. Frauen, die für jeden noch so kleinen Bereich ihres Lebens große und ziemlich konkrete Pläne hatten.«
[…]
»Ja, genau!«
[…]
»Alles musste so laufen, wie sich diese Frauen es in ihren Gedanken ausgemalt hatten: Unsere Beziehung, die Wohnung, die gemeinsame Zukunft, der Job, die Freunde, ihr Körper. Selbst beim Feiern waren Zügellosigkeit und Rausch nur gespielt. Denn in Wahrheit schafften es diese Frauen noch nicht mal, beim Sex loszulassen und die Arbeit zu vergessen. Ich habe bisher wohl die unentspanntesten Frauen auf dem Planeten getroffen. Voll Vanilla!«
[…]
»Was Vanilla ist? Bin ich dein Sexlehrer oder was? Das kannst du mal schön allein googeln.«
[…]
»Themawechsel. Klar weiß ich, warum ich mit diesen Frauen nie lange zusammengeblieben bin!«
[…]
»Wenn ich mit diesen Frauen zusammengeblieben wäre, dann wären wir auf eine Katastrophe zugesteuert.«
[…]
»Schön, dass du ja immer alles richtigmachst, Max.«
[…]
»Nein. Das wird nicht schon wieder.«
[…]
»Danke fürs Gespräch.«
[…]
»Mein Leben war früher überhaupt nicht verlottert!«
[…]
»Du hast von Frauen echt keine Ahnung.«
[…]
»Eric, mein Psychotherapeut, hatte es damals schon ganz gut auf den Punkt gebracht.«
[…]
»Weißt du noch, was er gesagt hat? Ich kann mich noch dran erinnern, als hätten wir erst gestern gesprochen.«
[…]
»In den ersten paar Tagen hast du mit diesen Frauen noch ständig überall Sex, danach wird das Verlangen langsam nachlassen. Du wirst sie auf deine sexuellen Vorlieben ansprechen, sie werden keine Lust haben, du wirst nach und nach immer unzufriedener. Trotzdem bleibst du mit diesen Frauen irgendwie zusammen, weil es so bequemer ist. Ihr lernt euch besser kennen, versucht, die Macken des anderen zu akzeptieren, geht euch auf die Nerven und versucht aber, euch irgendwie zu arrangieren. Aber weil du innerlich immer frustrierter bist, wirst du immer müder, bis du am Ende auf nichts Gemeinsames mehr Lust hast. All diese Probleme sprichst du nicht offen an und irgendwann endet dann alles in einer riesigen Katastrophe, die du nicht so richtig nachvollziehen kannst. Gegenüber deinen Freunden behauptest du, ihr hättet euch nicht mehr verstanden, auseinandergelebt, Affären gehabt. Dabei hast du diese Frauen niemals wirklich verstanden und richtig kennengelernt, denn aus Angst den anderen zu verletzen, zu verlieren, hast du dich nie getraut, über deine wahren Gefühle zu sprechen und was dich zum Beispiel beim Sex erfüllt.«
[…]
»Echt? Findest du wirklich? Nee, so war das ganz bestimmt nicht.«
[…]
»Wenn ich früher in Beziehungen etwas als ungerecht oder unfair empfunden hatte, gingen bei mir gleich die Alarmglocken an. Ich hatte leider die Fähigkeit, genau das zu hören, was diese Frauen nie gesagt hatten, aber vielleicht gemeint haben könnten. Und damit fingen die Probleme in meinem Kopf an. Ich bildete mir ein, zu spüren, wie es ihnen ging und was sie dachten und lag dann doch oft meilenweit daneben. Und schon war ich wieder am Grübeln. Nichts wünschte ich mir damals mehr, als
