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Mit seinen "Gedanken am Weg" schlägt Dieter Kretschmann, von Hause aus Ökonom, einen weiten Bogen: Leben und Sterben, Gott und die Welt, Mensch und Mitmensch, Mensch und Natur. In aphoristischer Form greift der Autor, verschränkt mit persönlicher Lebenserfahrung, diese und weitere Themen auf. Sein philosophisch wie religiös und in Ansätzen auch metaphysisch geprägtes Denken führt ihn zu Schlußfolgerungen und Aussagen, die klar, konsequent und nicht selten unzeitgemäß unbequem sind. UNBEHAUST ist ein Lesebuch für nachdenkliche, dem Innehalten und Gewahrwerden zugeneigte Menschen.
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Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2021
Fremd den Menschen und den Dingen, frei, ohne Bindung und Besitz, geführt durch eigner Werte strenge Pflicht, einsam irrend auf dem Weg ins Nichts.
ABHÄNGIGKEIT, FREIHEIT
ALTERN, ALTER
APHORISMEN, SENTENZEN
ARBEIT, PFLICHT
BESITZ
BIPOLARITÄT
ERKENNEN, ERKENNTNIS
ERZIEHUNG, WISSEN, BILDUNG, DENKEN
FORTSCHRITT
FRIEDEN, KAMPF
ÜBER GEIST
GESUNDHEIT
GLÜCK, UNGLÜCK
GOTT UND DIE SEINEN
Anrede des Höchsten
Auflehnung
Glaube
Himmlische Gleichheit
Gott, Gottsuche
Gottesebenbildlichkeit
Kirche heute
Kirchenpersonal
Predigt
GRENZEN
HOFFNUNG
KINDER
ÜBER DAS LEBEN
Was/Wie ist das Leben?
Lebensangst
Lebenskampf
Lebensreife
Lebenssinn
Lebenssüße
Lebenszweifel
ÜBER DIE MENSCHEN
Mensch und Mitmensch
Mensch und Natur
Mensch und Tier
POLITIK, WIRTSCHAFT, GESELLSCHAFT
Politik
Wirtschaft
Gesellschaft
RÄTSEL DES LEBENS UND DES TODES
RÜCKBLICK, VERMÄCHTNIS
Rückblick
Vermächtnis
SCHICKSAL
SCHÖNHEIT,
GESCHMACK, STIL
SKEPTIZISMUS
STERBEN, TOD
STOLZ
TUGEND
Demut
Dienen
Gleichmut
Güte
Nachsicht
Tapferkeit
Wahrheitsliebe
VERGÄNGLICHKEIT, WANDEL
WAGEMUT
WAHRHAFTIGKEIT
WEISHEIT
WILLE, WOLLEN
ZEIT
NACHLESE
NACHWORT
QUELLENVERZEICHNIS
Abhängigkeit begleitet den Menschen wie ein Schatten – er entkommt ihr nicht. Doch der Mensch kann wählen: abhängig zu sein von tausend und einer Nichtigkeit der Welt oder abhängig sein von dem, was, ewig mit uns ringend, gestaltlos-flüchtig sich uns zugesellt.
Freiheit. Über alle Verheißungen und Drohungen des Himmels sollst du nur lächeln können, lächeln auch über alle Verlockungen der Erde und, vergiß es nicht, lächeln über dich, deine Wünsche und dein Streben. So gerüstet wirst du leben können, innerlich frei, und so gerüstet wirst du auch sterben können, innerlich frei.
Das Fortschreiten auf der Zeitachse, das Altern also, führt Perspektivwechsel herbei, die man in jüngeren Jahren für unmöglich gehalten hat oder als Verrat bezeichnet hätte.
Wenn die Großeltern und Eltern gegangen sind, ist man selbst von der dritten Reihe in die zweite und von der zweiten Reihe in die erste vorgerückt. Die Sicht auf die Welt und das Leben ›verbessert‹ sich von da an ganz wesentlich – ungewollt und mit meist ernüchternder Perspektive.
»Alt werden heißt sehend werden.«1) Der Zuwachs an Sehkraft ist individuell indes ganz unterschiedlich groß.
Was uns im Alter droht, ist der Verlust fast aller Illusionen und das Absterben fast aller Hoffnung, ist also die Überwältigung unseres Ichs durch die Nacktheit der Realität. Der Angst die Tür zu verschließen, kostet dann viel Kraft.
Herausforderung des Alters: den Eindruck erwecken, noch mitspielen zu wollen – obwohl man des Spiels schon längst überdrüssig ist.
Rezeptur für ein erträgliches Altern und Alter: heitere Resignation und freundliche Abscheu, beides wohldosiert und gut miteinander vermischt.
Ohne ein verständiges Maß an Selbstbetrug und ein ebensolches an Vergessen kann das Leben Qual werden – mit der Gefahr, daß wir dann zerbrechen. Wir sollten, wenn wir es können, deshalb nicht allzu streng mit uns sein und uns zu beidem sanft überreden – zumal, wenn wir alt werden.
Wenn man ältere oder alte Menschen als alberne oder als unbelehrbare zänkische Kinder wahrnimmt, ist man wohl selbst alt.
Erzählungen über ein friedvolles Alter mögen Trost und Hoffnung sein für die, die es noch nicht erreicht haben. Den Alten aber sind sie Hohn.
Alter. Immer öfter geht der Blick nach innen, und die, die gegangen sind, sind wieder nah.
Aphorismen
helfen sehen und verstehen,
sie bestätigen und bestärken,
können trösten und versöhnen
und helfen sogar zu sterben.
Einen treffenden Aphorismus schreiben heißt, gedankliche Macht über ein Thema oder Problem zu erlangen, das seinen Verfasser stark beschäftigt, vielleicht sogar belastet hat. Es ist ein Akt der Befreiung, der glückhaften, geglückten Selbstbefreiung. Das Thema oder Problem ist auch dann noch da, aber der Umgang mit ihm ist in der Folge verständiger, reifer.
Wir sollten nicht allzu streng über Sinnsprüche urteilen. Sie verkörpern Erfahrung und letztlich Wahrheit, auch wenn diese, durch stetes Nennen und so verursachte Gewöhnung geschwächt, ein wenig platt daherzukommen scheinen.
Manche Sentenz ist nicht Gemeinplatz durch Mangel an Gehalt, sondern durch stete Wiederholung, durch Gewöhnung – wir kennen die Worte gut, gehen über ihren Sinn aber gedankenlos hinweg.
Willst oder mußt du dich eng und dauerhaft an eine dir fremde Sache binden, dann laß dich auf sie ein durch Arbeit, durch unablässige, ernste, hingebungsvolle Arbeit. Keine Sache vermag dem auf Dauer widerstehen. Deiner Mühe Lohn ist Vertrautheit, ist vielleicht auch Zuneigung und in seltenen Fällen gar Liebe. Wohlan!
Leicht ist nichts – wenn man es gut machen will.
Wenn du alles dir Mögliche getan hast, ist es gut. Nur weniger sollte es nicht sein.
Arbeitsethos. Mach die Dinge gut, so gut, wie du sie nur eben gut machen kannst. Müh dich, quäl dich. Müh dich wieder und quäl dich erneut. So lange, bis die Sache rund, sauber und schlüssig vor dir steht. Dann, erst dann darfst du ablassen von ihr, und erst dann darfst du zufrieden sein – auch mit dir.
Arbeitsethos. Selbst kleine und kleinste Aufgaben mit größter Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zu erledigen, sie also so gut zu machen, wie man sie nur irgend gut machen kann, zeugt von edler Gesinnung, ist Ausdruck von Elite. Maxime: Für alles andere bin ich mir zu schade!
Arbeitsqualität. Auch wenn es nicht gefällt und etymologisch kein Zusammenhang besteht: Qualität und Qual wohnen sehr nah beieinander.
Arbeitsqualität. Mangelhafte Arbeitsergebnisse sind entschuldbar – mit Ausnahme solcher, die durch mangelnde Mühe verursacht sind, durch die fehlende Bereitschaft also, sich mühen zu wollen.
Broterwerb. Wir verlieren unser Leben, um es zu gewinnen.
Arbeit ist ein Joch, doch wer das Tragen des Jochs bejaht, wird erfahren, daß Zwang zu Freiheit wird, ja, sogar Segen sein kann.
Arbeit ist natürlich auch: Narkotikum. Nicht nebenwirkungsfrei, nicht ohne Suchtpotential, doch alles in allem eines der besten bei der Bewältigung von Krisen jedweder Genese und Schwere.
Pflicht ist bescheiden. Sie verlangt nur eines: daß wir sie erfüllen.
Besitz, Freiheit und Unfreiheit hängen eng zusammen. Die Freiheit ist maßvoll und hat genug, Unfreiheit hat zu wenig oder hat oder will zu viel.
Gleichmütig empfangen? Ja, beinahe mühelos ist das, fast ist es wie Undank. Gleichmütig aufgeben? Nun ja, davor steht die Erfahrung des Habens und die um die Mühe des Erwerbens.
Wer vom mühsam erlangten Aufwendigen freiwillig zurückkehrt zum notwendigen Einfachen, ist einen weiten Weg gegangen.
Die Frage sollte nicht lauten ›Wieviel kann ich bekommen?‹, sondern ›Wieviel brauche ich?‹
Die meisten unserer vielen ›kleinen‹ Gerätschaften zur Erleichterung oder Bereicherung des Alltags ergeben als Summe eine große Last.
Trage ein leichtes Bündel, sei stets zum Aufbruch bereit.
Wer mit wenigem ein gutes Leben führt, ist weit vorangekommen – und der Erde eine leichte Last.
Wer den bipolaren Charakter der Welt verstanden hat und Gott als Schöpfer und Erhalter der Welt anerkennt, wird nicht mehr fragen, warum es das Böse gibt und wo es herkommt. Er wird allenfalls fragen, ob das Gott zugeordnete Adjektiv ›gütig‹ die Sache wohl trifft.
Es ist das Böse, das dem Guten ins Leben hilft. Die Guten vergessen das oft.
Patt. Wer den Sieg des Guten über das Böse erhofft oder den des Bösen über das Gute befürchtet, geht fehl. Weder das eine noch das andere wird geschehen, denn beides ist unvereinbar mit der Bipolarität der Welt.
Die Guten brauchen die Bösen – damit sie gut sein können.
Es gibt verschiedene Grade des Erkennens, und ein jeder hat seine Wahrheit, die nach Wirklichkeit strebt. Im einzelnen Menschen heißt das Charakter oder Persönlichkeit, über alle hinweg ist es Wirrnis und Streit.
Die Erkenntnis ist ein unbequemer, quälender Weggenosse, wenn man ihr nicht folgt.
