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Über annähernd dreißig Jahre bewältigt Ursula Michaelis ihr Leben in Gedichten - und damit auch einer Generation.
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Seitenzahl: 77
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Buch 1: 1977-79
1 4/77
2 4/77
(2b) 4/77
3 4/77
4 4/77
5 4/77
(5b) 12/77
6 12/77
7 1/78
8 1/78
9 1/78
10 1/78
11 1/78
12 1/78 G (Gengenbach)
(12b) 1/78
13 1/78
14 1/78 G
(14b) 1/78
15 1/78
16 1/78
17 1/78
18 2/78 G
19 2/78
20 2/78
21 2/78
22 2/78
23 2/78
24 3/78
25 3/78
26 3/78
27 3/78
28 3/78
29 3/78
30 4/78
31 4/78
32 4/78
33 4/78
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37 4/78
38 4/78
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46 5/78
47 6/78
48 6/78
49 6/78 G
50 6/78
51 6/78
52 6/78
53 6/78
54 7/78
55 7/78 G
56 7/78
57 7/78
58 7/78 G
59 7/78
60 7/78
61 7/78 G
62 8/78
63 8/78 G
64 8/78 G
65 8/78
67 9/78 (66 fehlt!)
68 10/78
69 10/78
70 11/78
71 11/78
72 11/78
73 1/79
74 1/79
Buch 2: 1981/84
81?
12/81
Irgendwann 81
12/84
Buch 3: 1990-99
Sonntag, 22. 3. 92
6/90
10/90
4/92
5/92
31. 5. 92
10/92
11/92
11/92
12. 1. 93, 7:00
18. 1. 93
18. 1. 93
18. 1. 93
4/93
5/93
Frie 5/93
11/93
1/94
Neuanfang! (ohne Datierung)
10/94
4/95
6/95
4/97
Nach 98
Nach 98
Buch 4: 1990 - 2005
4/90 (Durchgestrichen)
? (Durchgestrichen)
? (Durchgestrichen)
10/98
1. 1. 99
6/05
7/05
Epilog: Brief an einen Arzt
Wie geht es euch?
Will ich das wirklich wissen?
Das Leid all der Leute,
die vielleicht antworten: schlecht!
Oh, ich kann es so missen.
Und wenn sie sagen: danke gut!
Ist das wirklich so oder fehlt ihnen nur der Mut,
drüber zu reden, was sie voller Freude
eben erst begraben haben.
Denn drüber reden heißt sich erinnern,
in seinen Gefühlen wühlen,
seinen innersten Ecken
Sachen aufzudecken,
die gerade, so schien es, vergessen waren.
Und jetzt wieder da, so nah, neu geboren,
und mit der Erinnerung,
kommt die Angst vor neuem Schrecken!
Jetzt wisst Ihr, warum ich sie nicht wage,
die Frage: Wie geht es euch?!
Die Unzulänglichkeit!
Gibt man sie wirklich zu?
Die eigene, oder ist man nur bereit
sie beim Anderen zu sehen,
naja, ihm fehlt ja nicht viel,
aber eben doch ein bisschen,
also unzulänglich?
Verloren, aber heißt das nicht manchmal gewonnen?
Wenn er's weg legt das eben noch erhobene Messer,
also kein Mord, also unzulänglich?
Was glaubst du und was ich?
Wo ist der Anfang und wo das Ende?
Wenn doch jeder von uns den Glauben fände,
er schaffts schon, der Andere,
und wenn nicht, hätte ich es geschafft?
Wie einfach wär das, sich öfter zu fragen:
Ist mein Urteil die Wahrheit?
Was ist denn wirklich?
War jetzt er oder ich unzulänglich?
Eva!
Lange hatte ich dich nicht gesehen,
viel geschlafen, schlecht geträumt, was versäumt?
Kaum Mut die Augen aufzumachen,
da hörte ich ganz dicht bei mir, dein Lachen.
"Na du!" Fast ausgelöscht dazwischen die Zeit,
und dann noch: "Wenn du jetzt ganz klein wärst,
könntest du Maria sein, und ich Mathias!
Und ich sag dann: Ich hab dich so lieb!"
Gut sagte ich: "Ich bin jetzt Maria, und ich
lieb dich auch so,"
Doch ich war nicht recht froh,
lags nur an der Größe,
warum ging ich nicht in die Knie
in Kinderaugenhöhe,
wäre das das Gewusst-wie?!
Ich wollt dich schon fragen,
doch ich nahm dich nur auf den Schoß,
und fragte mich selbst:
Sind Mütter zum Lieben wirklich nur zu groß?!
Früher einmal, in meinem Leben,
da war ich ein Schloss.
Nicht besonders stolz und mächtig,
aber strahlend, prächtig!
Nie mit rauschenden Festen,
aber jeder der kam, bekam vom Besten.
Hell war der Saal,
früher einmal!
Es gab auch Schlossherren,
hätt mich der Himmel bewahrt,
oder hat er sie gesandt?
Wer in wessen Hand?
Keinem fiel auf, dass ich blasser wurde.
Außen die Zinnen und auch innen.
Waren sie noch da die Lüster,
oder schiens nur so düster?
Ich mocht sie nicht mehr all die Gäste.
Zuviel hatten sie mitgenommen,
und so selten hatte ich wiederbekommen.
Ich kämpfte nicht mehr um meinen Glanz,
ließ zu dass alles zerfiel,
alle Zimmer, Trümmer,
bis auf einen Saal, er strahlt wie früher,
und ich lieb ihn nicht minder,
denn alles in ihm blieb echt.
Das Lachen, die Gäste, und ich,
im Saal der Kinder!
Irgendwann, vor einiger Zeit,
habe ich aufgegeben.
Von da an bin ich alt.
Ich wollt das nie werden,
nicht mehr können und wissen,
alles egal, ein Pflegefall?
Nein, das wollt ich nie,
aufgegeben das Eigene,
angewiesen auf das andere Ich,
lächerlich!
Und doch ist alles so gekommen.
Habe ich es geworfen,
oder hat es einer genommen?
Mein Ich?
Ich weiß es nicht mehr
und wills auch nicht wissen.
Alles egal, ein Pflegefall!
Neben Mir!
Wie weit ist neben mir?
So weit wie neben dir?
Manchmal im Leben ist das Maß richtig,
Man fühlt sich ganz nah egal wie weit weg.
Ab wann war es da das Gefühl,
ganz weit weg, nie mehr nah,
das Neben Mir? Wichtig?
Du hörst seine Stimme, hörst sie fragen,
doch sie erreicht dich nicht.
Du selbst hast nichts mehr zu sagen, nie mehr?
Wieviele Schritte bist du gegangen
um das auszugleichen?
Wolltest du es nicht erreichen
dein Neben Dir?
Hast du alles versucht oder spieltest du
taub und blind in all den Jahren
die vergangen sind?
Ging es für immer von dir
dein Neben Mir?
Muschi, Uschi, Mausilein, armes Schwein.
Wer machte dich so niedlich, so klein?
Erinnere Dich, Dein wirklicher Name
ist Ursula Sieg!
Geh zurück in den Krieg!
Kämpfe, hol sie dir wieder die Federn
die sie zogen aus deinem Gewand,
setz sie dir neu ein, Stück für Stück
mit eigener Hand, für ein neues Glück.
Du wirst sie flüstern hören,
seht sie nur an: "So stolz und das ohne Mann."
Sie werden lauernd dich fragen
In neidvollem Ton:
"Bist du etwa glücklich?"
Du lächelst und wirst strahlend sagen:
"Ja, wir beide. Ich und mein Sohn!"
77 musst dich endlich neigen,
kein grünes Blatt mehr an deinen Zweigen,
ausgelaugt, bald schon vergessen,
ein schweres Los an meinem gemessen?
Oder doch nicht viel anders, ach wüsst ich es bloß.
Komm leg deinen Kopf in meinen Schoß!
Wie oft hab ich dich verflucht
und wollte dein Ende nicht mehr erleben.
Warum hast du mir auch so viel Mieses,
und so wenig Schönes gegeben?
Du hast mich wachsen lassen,
mich mehr Verständnis gelehrt
für all unsere Schwächen.
Doch dann zum Schluss
wolltest du mich bestechen,
mit einem Glück von ganz kurzer Dauer,
oder weißt Du's genauer?
Ist's gar nicht vorbei und hält noch an?
Ich weiß es nicht!
Wer weiß es dann?
Wer von uns beiden soll gehn,
und wer fängt neu an?
SICHERHEIT!
Was ist das? Ein neues Kleid?
Die Brille auf der Nase,
und für ein Kind
im Kaugummi die größte Blase?
Das macht sicher, doch wirklich?
Wie steht es um dich?
Ein Hund macht sicher,
doch wenn er pennt?
Ein Zuhause macht sicher,
und wenn es brennt?
Viel Geld macht sicher,
du kannst alles dir kaufen,
doch wenn ein Dieb hinter dir her ist,
musst du laufen.
Deine Gesundheit, weißt du wie sicher sie dir ist?
Bis einer niest.
Was also ist Sicherheit?
Immer wieder ein neues Kleid?
Und wenn du deine Brille verlegst,
die zweite in der Tasche?
Und wenn du nicht mehr denken willst, die
Flasche?
Und wenn es kalt ist, im Mantel das Futter?
Und wenn du traurig bist, der Arm deiner
Mutter?
Macht das sicher, glaubst du das oder ich?
Wirklich? Sicherlich?
Oder in Frage gestellt,
aber ist sie das nicht immer
und auf der ganzen Welt, die Sicherheit,
die SICHERHEIT?!
Zweiunddreißig, eine Zahl,
und wie heiß ich?
Ist das wichtig, eine Zahl, ein Name?
Antworte mir! Stille!
Ich sag es dir, nicht wichtig, nur die Hülle!
Auf den Inhalt kommts an, ist der jung?
Jung ist nur die Überraschung.
Etwas anderes zu tun als alle erwarten.
Auf dem Müll ein neues Leben starten,
aufhören zu wühlen, wenn es nichts bringt
und lauschend ob auch ein Spatz manchmal singt.
Etwas scheinbar Sinnloses, mit viel Hingabe zu tun,
ist das Entwicklung?
Heißt es nicht, nur ein Kind
darf sagen was es denkt,
und sind sie größer die Füße,
verschließt nur ein Wort dir ständig den Mund:
Konzession? Geschenkt!
Zweiunddreißig Jahre, nur eine Zahl, größere Füße.
Ich grüße in dir die Überraschung, die ist jung.
