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Nichts ist, wie es scheint. Sabine Bethke, eine Frau Anfang Fünfzig, hat durch einen kleinen Unfall auf einmal Zeit, sich auf "Facebook" umzusehen. Dort trifft sie auf David Silverstone, der sie sehr umwirbt. Aber ist er wirklich der Mann, der für Sabine der Richtige ist? Oder ist alles nur zu schön, um wahr zu sein? In ihrem neuen Werk beschäftigt sich Karen Grace Holmsgaard mit Liebesbetrug im Internet. Nicht selbst betroffen, aber mehrmals Zeugin geworden. Nahe Freunde der Autorin wurden Opfer und sind trotz ihrer Warnungen blind geworden durch die Träume von Liebe und Zweisamkeit, ausgelöst durch Botschaften von "Scammern", mit gestohlenen Fotos von idealen Heiratskandidaten und mit einer zusammengezimmerten Legende. Die Autorin entschloss sie sich, mit diesem Buch auf unterhaltsame Weise aufzuklären. Mit Humor und Augenzwinkern zeigt Karen Grace Holmsgaard auf, wie mit dem nötigen Selbstbewusstsein, einer positiven Einstellung und etwas Chuzpe gerade in schwierigen Lebensphasen wundervolles Neues entstehen kann…
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Seitenzahl: 383
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Impressum neobooks
Copyright by Primär Verlag Berlin
Alle Rechte vorbehalten
Dieses Buch ist bei der Deutschen Nationalbibliothek, sowie der Landesbibliothek Berlin gelistet
Umschlagsgestaltung: Exakt Werbung, Simone Stolz
Urheber:
Coverfoto 1 © Adobe Stock / Deeworxdesigns
Coverfoto 2 © Adobe Stock / Krissikunterbund
Coverfoto 3 © Adobe Stock / PrintingSociety
Lektorat & Endkorrektur:
Sebastian Stranz
EBOOK VERSION
ISBN 978-3-948414-14-6
Love Scamming (auch Romance Scamming, Liebesbetrug, oder Vorschussbetrug genannt), ist nichts weiter als eine moderne Form des Heiratsschwindels.
In Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken sind die Scammer auf der Suche nach potenziellen Opfern.
Die Täter versuchen, durch vorgetäuschtes Interesse und Liebesversprechen Geld zu erschleichen oder Komplizen für illegale Machenschaften (zum Beispiel Geldwäsche) zu gewinnen.
Dieses Buch musste ich schreiben, da es in meinem Bekanntenkreis und sogar in meiner Familie Opfer gibt. Leider sind alle Warnungen verhallt. Über so viel Naivität konnte ich nur den Kopf schütteln. Daher habe ich mich im Selbstversuch mit einigen Scammern eingelassen. Selbstverständlich hatte ich nie vor, Geld zu überweisen, ich kam ohne finanziellen Schaden davon.
Versichern kann ich Ihnen, dass die Briefe von „Joe“ und „David“ echt sind, ich habe sie sprachlich etwas geglättet und der Handlung meines Romans angepasst.
Bitte beachten Sie das Nachwort, falls Interesse besteht. Dort habe ich dieses Vorwort um einige Informationen ergänzt und Anlaufstellen für Hilfesuchende angegeben.
Karen Grace Holmsgaard Strausberg im Januar 2021
Sabine Bethke stieß die Tür zu ihrer Wohnung auf und fluchte leise. Der Fahrer des Krankentransports half ihr in die Wohnung. Anschließend half er ihr aus der Jacke und den Schuhen. Mittlerweile hatte Sabine sich an die Orthese, welche sie am linken Bein trug, gewöhnt. Außerdem hatte sie schnell gelernt, mit den Gehhilfen umzugehen.
„Kommen Sie auch wirklich klar?“, fragte der nette junge Mann.
„Aber natürlich, das Bienchen ist doch schon groß“, antwortete Sabine und lächelte verschmitzt, „und wenn Not am Mann ist, ich habe doch die Nummer von einem Pflegedienst und überhaupt ein Telefon. Sie können beruhigt gehen, wirklich“.
„In Ordnung, aber holen Sie sich Hilfe, wenn es nötig ist.“
Leise schloss der Fahrer des Krankentransports die Wohnungstür und ließ Sabine allein in der Wohnung zurück. Schön nach einem Aufenthalt im Krankenhaus wieder Zuhause zu sein, dachte sie, auch wenn ich seit über einem Jahr geschieden bin. Sabine stellte die Gehhilfen im Flur ab, seufzte kurz und humpelte vorsichtig ins Wohnzimmer.
Na bitte, geht doch, freute sie sich. Ist nicht alles so schlimm, wie sie geglaubt hatte. Aber mindestens sechs Wochen würde sie außer Gefecht gesetzt sein, das hatte ihr der Arzt im Krankenhaus gesagt. Damit ihre Laune trotz des Frühsommertages nicht in den Keller sank, entschloss sich Sabine, einen Kaffee zu machen. Vorsichtig begab sie sich in die Küche und bereitete sich einen Kaffee zu und ebenso vorsichtig trug sie die Tasse ins Wohnzimmer. Dann versuchte sie, sich zu entspannen, und stellte ihren CD-Player an. Nachdenklich blickte sie auf ihre Orthese. Das hatte sie davon, wenn sie mit Anfang Fünfzig meinte, wieder auf ein Pferd steigen zu müssen. Immerhin ist es lange her gewesen, seit sie regelmäßig geritten ist. Und dann war da die Sache mit der Hundebesitzerin.
Wäre diese uneinsichtige Dame nicht gewesen, wäre die ganze Sache erst gar nicht passiert… Glück hatte sie gehabt. Bei einem schweren Sturz war sie mit einer Verdrehung des Sprunggelenks davongekommen. Ich kann es nicht ändern, dachte Sabine, aber ich kann meinen Chef anrufen. Ein Donnerwetter über einen weiteren Arbeitsausfall würde es ganz gewiss nicht geben, denn Sabine arbeitete schon seit fünfundzwanzig Jahren für diesen kleinen Buchverlag in der Nähe von Berlin.
Sabine griff zum Telefon und wählte die ihr bekannte Nummer. Einige Male läutete es am anderen Ende, dann ertönte die Stimme ihres Chefs, Herrn Lenz, und wie immer nuschelte er leicht. Kurz und knapp schilderte Sabine ihre Situation und bot an, einige Arbeiten für den Verlag von Zuhause aus zu erledigen. Geduldig hörte sich Herr Lenz die Vorschläge seiner Mitarbeiterin an und es schien Sabine, als ob ihr Chef am anderen Ende der Leitung nickte. Schnell waren sie sich einig und Sabine versprach zu tun, was sie konnte.
„Wunderbar“, nuschelte Herr Lenz und fuhr fort: „Werden Sie erst einmal wieder richtig gesund und denken Sie daran, Sie sind kein junges Mädchen mehr. Gute Besserung.“ Dann legte er auf. Sabine nahm den letzten Schluck Kaffee und stellte die leere Tasse beiseite.
Und nun? Sabines Blick fiel auf ihren modernen Laptop und sie dachte an ihr Profil bei Facebook. Nur sporadisch besuchte sie dieses soziale Netzwerk und hatte dort ohnehin nur einen überschaubaren, kleinen Freundeskreis. Ein paar Kollegen, ein paar Schulfreunde, eine Urlaubsbekanntschaft und weiter nichts. Meldeten sich irgendwelche verwitweten Soldaten aus den USA, lehnte sie sofort ab, sie wusste, dass diese Männer nicht die waren, die sie vorgaben zu sein.
Diese Männer betrieben Liebesbetrug, was unter dem Namen Romance Scamming bekannt ist. Begriffe wie Love Scamming, oder Liebesbetrug kannte Sabine ebenfalls. Umgangssprachlich wurden diese Männer als Scammer bezeichnet. Darüber hatte sie vor einigen Jahren in einer Zeitschrift gelesen, den Artikel eher flüchtig überflogen. Sie entschloss sich dennoch, dieses soziale Netzwerk zu besuchen. Sabine fuhr ihren Laptop hoch und öffnete ihr Facebook-Profil. Selbstverständlich hatte sie einige Freundschaftsanfragen. Jede Menge verwitweter Soldaten! Sabine hatte nichts anderes erwartet, verdrehte die Augen und löschte diese Anfragen genervt. Auch ein verwitweter Kapitän aus New York wurde abgelehnt. Blieb eine Freundschaftsanfrage übrig. Zögernd öffnete Sabine das Profil. David Silverstone, ursprünglich aus Hamburg und jetzt wohnhaft in Berlin. So zeigte es sein Profil an. Einen Augenblick lang schloss Sabine die Augen und ging in sich. Diese Angaben sahen ihr nicht nach einem Scammer aus…
Sabine überlegte und rutschte auf ihrer Couch hin und her. Ihr Herz begann ein wenig schneller zu schlagen. Das Profilfoto zeigte einen sympathischen Mann in Sabines Alter. Keine Männerschönheit, doch strahlte dieses Foto eine gewisse Freundlichkeit aus. Ehe Sabine eine Entscheidung treffen konnte, riss sie das Klingeln des Telefons aus ihren Gedanken. Die Freundschaftsanfrage kann ich später beantworten, fand Sabine und nahm lieber den Anruf entgegen.
Der Blick auf das Display zeigte ihr, dass ihre Freundin Monika am anderen Ende der Strippe war. Mit ihren fünfundfünfzig Jahren war Monika nur wenig älter als Sabine und die beiden kannten sich schon ewig. Sabine nahm das Gespräch an und ehe sie etwas sagen konnte, legte Monika los: „Ey, Du alte Pflaume, ich wollte Dich heute im Krankenhaus besuchen. Vorsichtshalber habe ich dort angerufen und was erfahre ich? Biene ist längst wieder draußen!“
„Na, na, na“, beschwichtigte Sabine ihre Freundin, „ich bin erst seit etwa einer Stunde wieder zu Hause, da hatte ich erst einmal andere Dinge zu tun, als mich bei Dir zu melden.“
„Schon gut“, maulte Monika, „ich wollte doch nur fragen, wie es Dir geht. Hast Du den Sturz von MY GIRL gut verkraftet? Du hast dazu gar nichts gesagt, als ich Dich im Krankenhaus besucht habe…“
„Klar habe ich den Sturz von Deiner GIRLYMAUS gut verkraftet, zumindest seelisch. Davon lasse ich mich auch nicht entmutigen. Und wenn die Olle mit ihren Kötern nicht gewesen wäre…“
Weiter kam Sabine nicht, denn Monika unterbrach sie: „Ja das verstehe ich auch nicht, überall auf den Reitwegen Leinenzwang und die Hundeliebhaber sind so uneinsichtig. Sicher meinen sie es dabei nicht böse, aber wenn so eine Trethupe auf ein Pferd zustürmt und kläfft, kann das böse ausgehen!“
„Brauchst Du mir nicht zu erzählen, habe ich ja nun erlebt“, knurrte Sabine, „aber ich möchte so bald wie möglich wieder auf ein Pferd! Seit ich geschieden bin, habe ich wieder für solche schönen Dinge Zeit. Ich denke mal, das Reiten könnte wirklich wieder ein großes Hobby von mir werden. Ich brauche nur mehr Übung.“
Einen Augenblick lang schwieg Monika am anderen Ende, dann hörte Sabine ihre Freundin wieder: „Du solltest wirklich noch einmal darüber nachdenken, ob Du weiterhin Single bleiben willst.“
Erbost unterbrach Sabine ihre Freundin: „Oh nein Monika, nicht schon wieder diese alte Platte, ich möchte mich nicht auf die Suche nach einem Mann machen. Und lass Dir nicht einfallen, mir wieder alleinstehende Herren vorzustellen, die Du wahllos aus Deinem Umfeld auffischst! Dieser Veganer, der nichts weiter zu tun hatte, als in seiner Freizeit jeden zu beschimpfen, der nicht vegan lebt und wütende Mails gegen die Jagd an Zeitungen und Ämter zu schreiben, hat mir wirklich gelangt. Dabei bin ich selber ein Mensch, der kein Fleisch isst und die Jagd nicht mag. Deswegen muss ich aber noch lange nicht fanatisch werden!“
Sabine holte tief Luft und fuhr fort: „Entweder die Liebe findet mich ganz von allein oder gar nicht.“ Friedlicher meinte sie: „Wie wäre es, wenn wir uns in ein paar Tagen treffen würden? Zeitlich richte ich mich natürlich nach Dir.“
„Na klaro, aber leider kann ich Dir noch keinen Termin nennen, ich muss sehen, wie ich von meinem Hof wegkomme. Und Du kommst allein zuhause klar?“
Sabine bejahte und erklärte: „Die Krankenkasse schickt mir eine Haushaltshilfe. Natürlich nicht rund um die Uhr, aber zum Putzen und um ein paar Einkäufe zu erledigen. Ansonsten werde ich wohl kaum Hilfe brauchen und wenn doch, habe ich ein Visitenkärtchen von einem Pflegedienst. Für heute Abend habe ich noch eine Pizza im Tiefkühlschrank und meine Nachbarin, Du weißt schon, die Frau Spaltholz, wird mir morgen etwas vom Bäcker mitbringen. Ansonsten ist der Kühlschrank voll, dafür habe ich schon vom Krankenhaus aus gesorgt. Auch das hat meine Nachbarin für mich erledigt. Außerdem hat sie den Briefkasten geleert und die Blumen gegossen. Da muss ich mir noch ein dickes Dankeschön einfallen lassen.“
Eigentlich wollte Sabine das Gespräch nicht beenden, aber Monika unterbrach sie.
„Du Sabine, sei nicht böse, aber ich muss zu meinen Pferden, wir reden später, oder du schickst mir eine WhatsApp, okay?“
Sabine seufzte: „Klar meine Süße, wir bleiben in Kontakt.“ Die beiden Frauen tauschten kurz ein paar Höflichkeitsfloskeln aus, dann legte Sabine auf.
Moni lässt mich schon nicht im Stich, überlegte sie, nur hat sie eben mit ihrem Reiterhof alle Hände voll zu tun. Sabine liefen erneut die Gedanken davon und auf einmal hatte sie keine Lust mehr, sich mit dem Profil dieses geheimnisvollen David Silverstone zu beschäftigen. Sie schloss sämtliche Anwendungen und fuhr den PC herunter. In Ruhe ließ sie den Tag mit einer Pizza ausklingen.
Am nächsten Morgen hatte Sabine keine Zeit an Facebook zu denken. Sie hatte gut geschlafen und nun standen andere Dinge auf dem Plan.
Ohne Hilfe hatte sie es unter die Dusche geschafft. Das Anziehen und Anlegen der Orthese hatten geklappt, wenn auch mit Mühe. Sabine klopfte sich in Gedanken auf die Schulter. Da werde ich den Pflegedienst kaum brauchen, dachte sie. Aber die Haushaltshilfe nehme ich mit! Und selbst die Nachbarin hatte ihr Versprechen gehalten und Brötchen mitgebracht. In aller Ruhe bereitete sich Sabine ihr Frühstück zu und ließ es sich dann schmecken.
David Silverstone kam Sabine wieder in den Sinn. Hat keine Eile, dachte sie und räumte zunächst einmal das Geschirr vom Frühstück weg, wusch ab und sah ihre Post durch. Wichtiges fand sie nicht. Sabine gab sich einen Ruck und beschloss, sich doch Facebook zu widmen. Warum nicht?
Sie setzte sie sich an ihren Laptop und fuhr ihn hoch. Sabine musste sich eingestehen, dass sie doch ein wenig aufgeregt war. Was würde sie erwarten?
Zögernd öffnete sie ihren Facebook Account und beantwortete die ausstehende Freundschaftsanfrage von David Silverstone. Allerdings schickte sie ihm gleich eine Nachricht, und zwar in deutscher Sprache.
Mein lieber David!
Vielen Dank für Deine Freundschaftsanfrage.
Allerdings kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, warum Du mir diese Anfrage gesandt hast. Zwar bin ich seit einiger Zeit geschieden, aber ich bin definitiv nicht auf der Suche nach einem neuen Partner. Von Männern bin ich nur schwer enttäuscht worden, das möchte ich nicht noch einmal haben.
Ich finde es ein bisschen unhöflich, mich einfach so anzusprechen, ich bin eine anständige Frau und keine Prostituierte. Das zeugt nicht von einer guten Erziehung!
Vielleicht kannst Du es mir erklären, ich verstehe es nicht. Ich möchte in meinem Leben nur für meine Kinder, meine Bücher und Pferde da sein, das sind die Dinge, die mir jetzt wichtig sind, abgesehen von meinem Beruf. Einen Mann suche ich definitiv nicht. Ich bin über dreißig Jahre verheiratet gewesen, jetzt ist Schluss. Ich möchte frei sein. Meine Kinder sind erwachsen, jetzt kommt mein eigenes Leben und ich freue mich darauf!
Auf Deinem Profil sehe ich, Du bist aus Hamburg und wohnst jetzt in Berlin.
Stutzig wurde ich bei Deinem Namen. Der klingt doch eher englisch, wie kommt das? Ich möchte es nur wissen. Hoffentlich bin ich nicht zu neugierig. Gruß Sabine
Mehr war für eine erste Nachricht nicht wichtig, fand Sabine und sendete die erste Nachricht an David Silverstone ab. Den Account von Facebook ließ sie geöffnet, wandte sich dann aber ihrem eigentlichen E-Mail-Postfach zu.
Hatte ihr Chef ihr schon etwas Arbeit geschickt? Nein, offenbar möchte er seine angeschlagene Mitarbeiterin schonen, dachte sich Sabine und griff nach der Tageszeitung. Nichts Besonderes, wie sie nach einer knappen Stunde feststellte. Und nun?
Sabine legte die Zeitung beiseite. Ich kann doch nicht den ganzen Tag die Wände anstarren, dachte sie. Und immer nur vor der Glotze hängen, ist stumpfsinnig.
Plötzlich hatte Sabine eine Idee. Hatte sie nicht im letzten Winter versucht, Topflappen zu stricken? Stöhnend erhob sie sich vom Sofa, ging zu einem ihrer Schränke und kramte ihr Strickzeug hervor. Langeweile wird da eher die Ausnahme sein, sinnierte Sabine und ihre Laune stieg mit einem Schlag. Mit Feuereifer widmete sie sich ihrem Strickzeug. Lass das Schokolade naschen, knüpfe lieber eifrig Maschen, dachte sie und genoss die Stille. Doch diese Stille wurde von einem „Pling“ unterbrochen. Der Messenger auf Facebook. Eine Nachricht von David Silverstone!
Liebe Sabine, auf Facebook bin ich nur selten unterwegs, weil ich beruflich viel zu tun habe. Da ich aber demnächst von Hamburg nach Berlin umziehen will, habe ich nach Leuten in Berlin gesucht, weil ich dort neue Freunde finden möchte.
Du siehst meiner verstorbenen Schwester ähnlich, darum habe ich Dir die Anfrage geschickt. Gerne möchte ich Dich besser kennenlernen, bitte akzeptiere das und gib mir eine Chance. Dein bezauberndes Lächeln ist nicht zu ignorieren!
Mein Vater ist ein britischer Soldat in Berlin gewesen, daher mein Name.
Meine Mutter ist eine Deutsche. Sie lebt zurzeit in einem Pflegeheim in Hamburg. In der Nähe des Heims habe ich eine kleine Wohnung. Viel brauche ich nicht, weil ich beruflich ständig unterwegs bin, ich bin Ingenieur. Dazu kann ich Dir später mal etwas schreiben. Meine Mutter ist durch und durch Berlinerin und möchte daher lieber wieder in Berlin leben. Zurzeit suche ich nach einem guten Heimplatz in Berlin. Und ich möchte sie dort nicht allein lassen, ich ziehe mit nach Berlin. Ich denke mal, in den nächsten Wochen wird es soweit sein. In dieser Richtung steht mein Entschluss fest. Als Ingenieur finde ich überall Arbeit und fremd ist mir Berlin nicht. Nach dem Fall der Mauer bin ich im Osten gewesen. Alexanderplatz, Bahnhof Zoo, Brandenburger Tor, Checkpoint Charly. Bis jetzt habe ich keine Zeit gehabt, mich nach einer Wohnung in Berlin für mich umzusehen. Das wird nicht leicht werden, weil ich zwei große Hunde habe. Vielleicht kannst Du mir bei der Suche behilflich sein, mein Engel. Allerdings müsste ich Dir dazu in meiner nächsten Mail mehr von mir schreiben. Und ich möchte Dich besser kennenlernen, Dein Freund sein, mit Dir lachen, Dich glücklich sehen. Was machst Du beruflich? Erzähle mir etwas von Dir!
David
Sabine las diese Mail mehrmals und so richtig gefiel sie ihr nicht. Natürlich freut sich jede Frau über Komplimente. Aber gleich in der ersten Mail so viel Schmalz? Abgesehen davon kannte er sich im Osten von Berlin nicht so gut aus. Der Bahnhof Zoo und der Checkpoint Charly gehörten zum ehemaligen Westteil Berlins. Oder doch ein Love Scammer? Dazu ist das Deutsch des Schreibers zu perfekt, überlegte Sabine. Abgesehen davon hatte David sie nicht zu einem Chat gedrängt. Eine Mutter in Deutschland erschien Sabine eher untypisch für einen Scammer. Zumindest, wenn sie davon ausging, was sie über Scammer wusste.
Was nun Bienchen? Ihre weibliche Intuition sagte ihr, dass etwas mit diesem David nicht stimmte. Trotzdem entschloss sich Sabine, gleich zu antworten.
Mein lieber David!
Vielen Dank für Deine Mail, über die ich mich gefreut habe. Ich habe mich entschlossen, den Kontakt mit Dir fortzusetzen, weil ich Dich nett finde.
Zu mir: Ich bin die Sabine, zweiundfünfzig Jahre alt, geschieden und habe zwei erwachsene Kinder. Christian ist dreißig Jahre alt und studiert Maschinenbau, Sandra ist achtundzwanzig Jahre alt und studiert Psychologie. Beide Kinder studieren in Berlin und leben dort in Wohngemeinschaften.
Ich selbst lebe etwas außerhalb von Berlin, fast auf dem Lande und dennoch nicht weit weg von der Berliner City. Ich arbeite für einen kleinen Verlag, der überwiegend Reiseliteratur verlegt, manchmal aber auch Bücher anderer Genres. Ein großer Vorteil meiner beruflichen Tätigkeit ist, dass ich viel im Homeoffice erledigen kann. Ich muss nicht jeden Tag im Verlag sein, kann zuhause arbeiten.
In meiner Freizeit mache ich gerne Yoga, ich lese, gehe manchmal joggen und bin häufig auf dem Reiterhof meiner Freundin Monika zu finden. Ein eigenes Pferd besitze ich aber nicht. Eigentlich findet sich für einen neuen Mann in meinem Leben kaum Platz und ich bin nicht auf der Suche. Ich bin sogar froh, keinen Mann mehr bekochen zu müssen, das habe ich lange genug getan.
Aber das habe ich Dir geschrieben, mache Dir deshalb bitte keine allzu großen Hoffnungen auf eine Beziehung mit mir, wenn Du nach Berlin ziehen solltest.
Ich hätte gerne etwas mehr über Deine Tätigkeit als Ingenieur gewusst, denn das Tätigkeitsfeld kann doch groß sein.
Ich glaube Dir gern, dass Du beruflich eingespannt bist. Dann schreibst Du, Du hast zwei große Hunde. Und das in Hamburg? Das ist eher nicht optimal, oder? Aber vielleicht lebst Du im Grünen und Deinen Hunden geht es gut. Wenn ich zu Tieren möchte, kann ich den Reiterhof meiner Freundin besuchen, das genügt mir im Augenblick. In meinem Haushalt leben zurzeit keine Tiere.
So, mein lieber David, nun habe ich mich erst mal vorgestellt.
Gruß Sabine
Sabine überlas die Mail an David noch einmal und fand, nicht zu viel von sich preisgegeben zu haben. Sie schickte die Mail auf die Reise und schloss ihren Facebook Account. Irgendwie hatte sie jetzt genug von diesem sozialen Netzwerk und widmete sich wieder ihren Topflappen. Dabei vergaß sie die Zeit vollkommen. Mittagessen? Ach, das kann ich mal ausfallen lassen, dachte sich Sabine und strickte weiter. Später legte sie das Strickzeug beiseite.
Eine merkwürdige Unruhe breitete sich an diesem frühen Abend in ihr aus und sie entschloss sich zu meditieren. Eine knappe Stunde später beendete sie die Meditation und fühlte sich besser. Abendbrot könnte ich mir schon mal vorbereiten, dachte sie, und schleppte sich in die Küche. Großen Hunger hatte sie nicht, aber eine Kleinigkeit musste schon sein. Ihr vorbereitetes Essen ließ sie zunächst in der Küche stehen,
Ob ich schnell bei Facebook vorbeihusche, grübelte sie.
Und da war es wieder das kleine Teufelchen, das wisperte: Klar doch, kostet doch nichts! Sabine begab sich zurück ins Wohnzimmer und öffnete ihren Account. Eine Nachricht von David!
Liebe Sabine! Ich bin ein unabhängiger Ingenieur für Bohranlagen (Independent Drilling Engineer) und arbeite hauptsächlich an Verträgen. Das heißt Arbeit überwiegend am PC und das kann ich auch in Berlin tun.
Früher bin ich direkt auf Bohrinseln in der Nordsee, oder vor der Küste Norwegens tätig gewesen, aber da ich mittlerweile dreiundfünfzig Jahre alt bin und meine Mutter gebrechlich ist, ist das heute nicht mehr der Fall. In Ausnahmefällen kann es sein, dass ich erneut auf eine Bohrinsel muss. Aber das wird eher selten vorkommen. Das kann ich Dir versichern.
Ich war verheiratet, aber meine Frau hat mich mit meinem besten Freund betrogen und ist mit ihm nach Kanada gegangen. Soweit ich weiß, hat sie heute mit diesem Mann in Kanada zwei Kinder.
Meine Ex-Frau und ich haben eine gemeinsame Tochter. Um diese kümmert sich meine Ex nicht mehr. Einige Versicherungen, wie zum Beispiel die Krankenversicherung und eine Lebensversicherung für meinen jungen Engel werden von meiner Ex bezahlt, damit sie abgesichert ist. So haben sich meine Ex und ich damals geeinigt.
Der Name meiner Tochter ist Alicia. Sie ist siebzehn Jahre alt und lebt in England in einem Internat. In einigen Wochen wird sie volljährig und ich werde sie ebenfalls nach Deutschland holen. Dann hat sie ihr Abitur in der Tasche. Es dauert nicht mehr lange, denn sie steckt schon mitten in den Prüfungen. Gerne möchte sie Medizin studieren und Kinderchirurgin werden. Da sie in England auf eine internationale Schule gegangen ist, spricht sie gut deutsch und französisch. Sprachliche Probleme sehe ich also nicht und das soll nicht Dein Problem sein.
Was Alicia und meine Mutter betrifft, musst Du Dir nicht Deinen hübschen Kopf zerbrechen. Momentan verhandle ich mit einem Pflegeheim in Spandau wegen eines Heimplatzes für meine Mutter. In Spandau hat meine Mom meinen Daddy kennengelernt und sie würde gerne wieder dort leben. Sie freut sich schon riesig auf die Rückkehr nach Berlin.
Meine Hunde sind zwei Jungs, zwei Golden Retriever und sie haben hier Auslauf in Hamburg, und zwar direkt an der Elbe. Ich hoffe, in Berlin das Passende für sie zu finden. Mit Deiner Hilfe, mein Engel?
Ich weiß, Du bist nicht auf der Suche, aber Dein grandioser Körper gehört in die Arme eines Mannes, glaube mir.
David
Sabine schloss ihren Account bei Facebook, fuhr den Laptop herunter und ein hartnäckiges Grübeln setzte ein. Scammer oder nicht, das war hier die große Frage.
Für einen Scammer sprachen die vielen Komplimente und die Tochter in einem Internat. Gegen einen Scammer sprachen das ausgezeichnete Deutsch und die Mutter in Deutschland. Abgesehen davon waren Scammer meistens verwitwet, soweit ihr bekannt war. Was nun? Sabine wusste es nicht. Später ließ sie diesen Samstag in aller Ruhe ausklingen.
Am nächsten Tag erwachte Sabine, als es schon hell war. Sie hatte keine Lust mehr in den Federn zu liegen. Ihre Morgentoilette und das Anziehen schaffte sie allein, auch wenn es nur langsam voranging. Gerade wollte sie sich ihren morgendlichen Pott Kaffee brühen, als es klingelte. Sabine spähte durch den Türspion und öffnete, als sie ihre Nachbarin Frau Spaltholz erblickt hatte.
„Guten Morgen Frau Bethke ich habe Ihnen wieder Brötchen mitgebracht. Wenn Sie möchten, werde ich das auch weiter tun. Ich gehe ohnehin jeden Morgen zum Bäcker, ist ja nicht weit. Die Tageszeitung kann ich Ihnen, bei Bedarf, auch aus dem Briefkasten holen.“
Sabine freute sich, lächelte und erwiderte: „Das ist lieb von Ihnen, Frau Spaltholz, Ihr Angebot nehme ich sehr gern an. Und ich werde mich auch erkenntlich zeigen, ist versprochen.“
„Ja, ja, das machen wir schon, werden Sie erst mal wieder gesund und lassen Sie sich Ihr Frühstück schmecken.“
Dann verabschiedete sich die freundliche Nachbarin. So, jetzt habe ich einen Brötchenexpress, frohlockte Sabine, während sie sich ihr Frühstück machte. Morgen werde ich mit dem Pflegedienst telefonieren, dann leiere ich das mit der Haushaltshilfe an. Vorsichtig auftretend trug sie ihr Frühstück ins Wohnzimmer. Obwohl es ihr in den Fingern juckte, ließ sie ihren Laptop zunächst aus und frühstückte in Ruhe. David hatte ihr sicher nicht geschrieben, denn sie war mit einer Mail an der Reihe.
Nach dem Frühstück, trug sie das Geschirr in die Küche. Abwaschen konnte sie später. Jetzt schnell ins Wohnzimmer und ran an den Laptop! Ungeduldig fuhr Sabine ihn hoch und öffnete ihren Account bei Facebook. Wider Erwarten fand sie eine Nachricht von David.
Guten Morgen, mein Liebling!
Ich hoffe, Du hast gut geschlafen. Du fehlst mir…
David
Sabine wurde warm ums Herz und sie entschloss sich, David sofort zu antworten.
Guten Morgen und vielen Dank für Deine lieben Mails. Ich habe gut geschlafen, danke der Nachfrage.
Mit Deinen dreiundfünfzig Jahren bist Du ein Jahr älter als ich. Und ich habe gestaunt, dass Du eine Tochter hast. Aber das ist schon okay. Überraschender finde ich Deine Komplimente. David, wir kennen uns doch erst seit wenigen Tagen, warum raspelst Du so ein Süßholz?
So etwas kenne ich von Männern aus Deutschland nicht und von einem Briten hätte ich mehr höfliche Zurückhaltung erwartet. Deine Komplimente schmeicheln mir, aber ich halte sie für übertrieben. Allerdings gefällt mir, dass Du so eine gradlinige Lebensplanung hast. Mache immer alles Schritt für Schritt und plane mich bitte nicht zu fest ein. Zumal zwischen meinem Wohnort und Berlin Spandau etwa eine Stunde Fahrzeit mit dem Auto liegen. Du weißt selbst, Berlin ist groß.
Und um Wohnraum solltest Du Dich besser allein kümmern. Ich habe eine Wohnung und muss nicht versorgt werden. Diese Wohnung ist nicht für zwei große Hunde geeignet. Du weißt am besten, was Deine Tochter, zwei Hunde und Du benötigen.
Und bevor Du mit mir weitere Pläne schmiedest, solltest Du mich erst einmal persönlich kennenlernen, findest Du nicht?
Wenn Du nach Berlin gezogen bist und den gröbsten Stress hinter Dir hast, können wir uns gerne einmal treffen. Vielleicht in einem guten Café, oder auf dem Reiterhof meiner Freundin. Und dann können wir weitersehen, was aus uns beiden wird.
Vielleicht passen wir in der realen Welt gar nicht zueinander. Damit solltest Du rechnen.
Gruß Sabine
Sabine überlas die Nachricht, dann schickte sie die Mail auf die Reise.
Anschließend schloss sie ihren Account bei Facebook und sah das E-Mail-Postfach ihres Providers durch. Hatte ihr Chef, der freundliche Herr Lenz, an sie gedacht und ihr ein bisschen Arbeit geschickt? Oh ja, er vergaß seine Mitarbeiterin, die seit Jahren zuverlässig für ihn arbeitete, nicht.
Ohne zu zögern öffnete Sabine den Anhang der Mail und besah sich den Text, den ihr Chef geschickt hatte. Keine Hürde, diesen Text zu überarbeiten war keine große Sache, zumindest nicht für Sabine.
Doch dann meldete sich ihr Smartphone, genauer gesagt WhatsApp.
Monika! Ein paar Zeilen nur mit dem Versprechen, ihr heute Obst und Gemüse zu bringen. Wahrscheinlich hatte sie wieder auf ihrem Reiterhof zu tun. Monika mangelte es oft an Zeit und manchmal konnte sie ruppig werden. Aber wenn Freunde von ihr Hilfe brauchten, war sie stets zur Stelle.
Mit großem Eifer widmete sich Sabine dann der Aufgabe, die ihr Herr Lenz geschickt hatte. Sie wollte ihren guten Willen beweisen, auch wenn sie heute sicher nicht alles schaffen würde. Aber Sabine kannte ihren Chef gut, er würde gewiss Verständnis dafür haben. Das Schellen der Türglocke riss Sabine aus ihrer Arbeit. Umsichtig speicherte sie ihre Aufzeichnungen ab und begab sich zur Tür.
„Futterexpress“, brüllte Monika in die Wechselsprechanlage und Sabine öffnete die Haustür. Dann öffnete sie ihre Wohnungstür und hörte ihre Freundin die Treppe hochkommen. Im Hausflur trompetete Monika los: „Na Du krankes Suppenhuhn? Ich hoffe Du wirst bald wieder!“ Monika konnte schon manchmal etwas peinlich werden.
„Komm erst mal rein und dann erzähle ich Dir alles“, meinte Sabine. Monika stapfte in Sabines Wohnung und betrat sofort die Küche. Sabine verschloss die Wohnungstür und schaute staunend ihrer Freundin zu, die eine große Tasche auspackte. Orangen, eine kleine Honigmelone, eine Ananas, Tomaten, Gurken, Paprikaschoten und Zwiebeln kamen zum Vorschein.
„Ich dachte Obst zum Frühstück und Gemüse mittags, oder abends, wie Du magst“, erklärte Monika und fuhr fort: „Und heute zum Abendbrot hätte ich für Dich das hier.“
Monika beförderte eine große Plastikschüssel zutage. „Balsamico Linsen, hatten wir gestern zum Abendbrot und es ist so viel übriggeblieben.“
„Super“, freute sich Sabine, „möchtest Du einen Kaffee?“
Monika schüttelte den Kopf. „Leider muss ich gleich wieder los, die Pferde. Aber ich kann Dich mal auf meinen Hof holen. Wetter ist doch noch toll und Du magst doch Pferde noch immer, oder?“
„Na klar“, erwiderte Sabine freudig, „das können wir machen und mach Dir keine Sorgen wegen Deiner Hufeisenträger. Ein einziger Sturz macht noch keinen Pferdefeind.“
Monika zog ihre modische Jacke gerade. „Lass Dir die Linsen schmecken und wenn was ist, einfach eine WhatsApp.“
Monika verabschiedete sich von ihrer Freundin mit einer Umarmung und verschwand. Ein bisschen verloren blieb Sabine in der Küche zurück. Noch hatte sie keinen Appetit auf die Linsen. Stattdessen kehrte sie zu ihrem Laptop zurück und schaute bei Facebook vorbei. Keine Nachricht von David…
Ein wenig enttäuscht schloss Sabine alle Anwendungen, fuhr den Laptop herunter und klappte ihn zu. Morgen ist ein neuer Tag, dachte sie.
In den vergangenen Tagen hatte sie nichts mehr von David gehört. Täglich hatte sie bei Facebook vorbeigeschaut, aber das Postfach blieb leer. In den ersten zwei Tagen war sie enttäuscht, dann zuckte sie nur gleichgültig mit den Schultern. Hatte sich diese kleine Episode erledigt? Auch ohne David Silverstone hatte Sabine zu tun. Da gab es genug Termine bei der Hausärztin und der Physiotherapie.
War Sabine zuhause, erledigte sie kleine Arbeiten für den Verlag im Homeoffice, las oder strickte. Manchmal führte sie einen Plausch mit ihrer Haushaltshilfe, auf die sie sich verlassen konnte. Langweilig wurde ihr nur selten.
Monika ließ sie nicht im Stich, fuhr mit ihr zur Sparkasse und versorgte sie mit Lebensmitteln. Sabine war froh, sich bei ihrer Freundin ehrlich machen zu können, denn sie hatte nicht gerne Schulden. Ein Besuch auf dem Reiterhof hatte sich zwar nicht ergeben, aber Sabine hatte im Laufe ihres Lebens gelernt, geduldig zu sein. Und so kam es, dass sie an diesem Sonntagnachmittag allein zuhause war. Kein Problem für die junge Frau. Sabine beschloss, sich einen Kaffee zu machen. Dann ist es doch gleich gemütlicher, dachte sie, während sie sich das Getränk aufbrühte. Vorsichtig trug sie ihren Kaffeepott ins Wohnzimmer und machte es sich wieder auf der Couch bequem.
Lustlos klappte sie ihren Laptop auf, fuhr ihn hoch und öffnete einige Anwendungen.
Zögernd loggte sie sich bei Facebook ein. Eigentlich erwartete sie nichts und so staunte sie nicht schlecht, als sie eine Nachricht von David vorfand. Und was für eine, Sabine traute ihren Augen kaum!
Liebe Sabine!
Lange habe ich überlegt, ob ich es Dir schreiben soll, aber jetzt tue ich es! Erst vor kurzem erst haben sich unsere Wege gekreuzt – mir kommt es aber so vor, als ob wir uns schon ewig kennen. Ich kann meine Gefühle zu Dir kaum in Worte fassen. Wie konnte ich so lange ohne Dich existieren?
Ich weiß es nicht…
Hier muss der liebe Gott geholfen haben, denn nur er kann vollkommene Dinge schaffen. Jede freie Sekunde denke ich an Dich – und selbst in meinen Träumen hast Du Besitz von mir ergriffen. Das habe ich in den letzten Nächten immer wieder erlebt.
Du bist wirklich das Wunder, auf das ich gewartet habe! Du bist der Engel, den Gott mir geschickt hat, ich bin mir sicher! Ich hoffe, ich habe Dir gefehlt und Du empfindest etwas für mich. Dann sind wir beide auf einem guten Weg. Einem gemeinsamen Weg, der uns durch viele kleine und große Abenteuer führen wird. Ich freue mich darauf, ihn mit Dir zu bestreiten. David
Der spinnt, überlegte Sabine und entschloss sich, David wieder nicht lange auf eine Antwort warten zu lassen. Und so flogen ihre Finger über die Tastatur.
Mein lieber David!
Sehr gefreut habe ich mich, wieder von Dir zu hören und ich muss Dir recht geben, wir kennen uns nicht lange. Und wir kennen uns lediglich von einigen wenigen Fotos und Mails.
Da schon von Liebe sprechen? Viel zu früh und schon gar nicht mit mir, denn ich suche keinen Partner, ehrlich nicht. Ich habe nicht vor, mich erneut zu binden. Vielleicht hattest Du etwas getrunken, als Du mir Deine letzten Zeilen geschrieben hast, ich weiß es nicht.
Verrenne Dich bitte nicht in eine Sache, die vielleicht nie sein wird. Seit einem Jahr bin ich geschieden und ich habe mich auf mein Leben als Single eingestellt.
Und weißt Du was? Es geht mir gut dabei! Warum sollte ich jetzt wieder alles über den Haufen werfen? Denke einfach einmal in Ruhe darüber nach. Vor allen Dingen sollten wir nichts erzwingen, lieber David. Du siehst auf Deinen Fotos gut aus. Deine Hunde gefallen mir und Dein Schreibstil. Aber zu einer dauerhaften Beziehung voller Liebe gehört doch mehr, oder?
Gruß Sabine
Hastig schickte Sabine die Mail auf die Reise, ehe sie am Text etwas ändern konnte. Ihren Account bei Facebook ließ sie geöffnet, David würde sich sicher nicht so schnell melden. Und so vertiefte sich Sabine in ihre Zeitschrift.
Doch sie hatte sich verschätzt, denn der Messenger von Facebook verkündete, dass eine Mail von David eingetroffen war.
Meine liebe Sabine!
Warum bist Du so abweisend? Ich habe Dir doch nichts getan.
Und erzähle mir nicht, dass Du keinen Partner möchtest und keinen neuen Mann an Deiner Seite brauchst. Jeder Mensch braucht jemanden, alles andere ist gelogen.
Ich selbst bin ein aktiver Mann und habe nicht so schnell vor, alt zu werden. Noch helfen mir nur meine Hunde dabei. Alicia und Du, Ihr könntet das schnell ändern. Ich bin spontan und ich liebe Überraschungen, Ausflüge und Erkundungen aller Art. Und ich bin ein Romantiker durch und durch.
Nie werde ich die Hoffnung aufgeben, Dir zu zeigen, wie viel Du mir bedeutest und ich würde das Gleiche von Dir im Gegenzug erwarten. Genau wie Du bin ich ein Familienmensch. Ich möchte lieben und stark sein.
David
Und wieder antwortete Sabine sofort, sie konnte nicht anders.
Mein Entschluss steht fest. Da meine Kinder erwachsen sind, muss ich keinen Partner mehr haben. Ich genieße meine neue Freiheit und lebe in erster Linie für meinen Job, meine Kinder und meine Hobbys.
Deine Komplimente ehren mich. Aber ich schrieb schon, ich habe nicht vor, mich erneut zu binden. Ich genieße meine neue Freiheit und brauche keinen Mann mehr in meinem Leben. Ich bin gerne frei.
Und wenn ich mal Lust auf Kino habe, dann kann ich mit meinen Kindern gehen. Oder mit meinen Freundinnen. Ich möchte Dir keinen Kummer bereiten und darum sage ich Dir nichts weiter als die Wahrheit.
Sabine schickte die Mail auf die Reise und lehnte sich zurück. Soviel Schmalz nach nicht einmal zwei Wochen. Etwa zehn Tage waren seit seiner Freundschaftsanfrage vergangen. Entweder sie hatte einen absoluten Romantiker erwischt oder die Sache hatte doch einen Haken.
Um die Mittagszeit bereitete sich Sabine eine große Schüssel Salat zu. So habe ich gleich mein Mittagessen und etwas zum Abendbrot, dachte sie zufrieden. In Ruhe ließ sie sich ihren Salat schmecken und las bis zum frühen Abend. Eigentlich hatte sie sich fest vorgenommen, Facebook an diesem Sonntag nicht mehr zu besuchen. Aber dann war sie doch neugierig und loggte sich ein.
Und was fand sie vor? Eine Nachricht von David!
Nachdem ich Deine letzte Mail erhalten habe, habe ich zu Gott gebetet, dass Du mir nicht mehr verwehrst, Dich zu lieben. Mein Gefühl für Dich ist so stark, das kann nicht einseitig sein.
Wie sehr wünschte ich mir, Du wärst jetzt in Hamburg an meiner Seite.
Seit Du in mein Leben getreten bist, habe ich das Gefühl, endlich zu wissen, was es bedeutet zu leben. Du bist so viel mehr, als meine Partnerin. Du bist meine Inspiration und mein Kompass. Irgendwann jeden Tag an deiner Seite aufzuwachen, ist mein größter Wunsch. Ich möchte jedes Abenteuer mit Dir gemeinsam bestreiten, jede Erfahrung mit Dir teilen. Denn was gibt es Schöneres, als gemeinsam mit seiner Seelenverwandten über sich hinauszuwachsen? Mein Schatz, Du machst das Leben so unglaublich lebenswert und dafür will ich Dir danken! Du sollst eines stets wissen: In Gedanken bin ich immer bei Dir! Und im Herzen sind wir uns immer nah! Egal, wo wir sind, ich liebe Dich.
Du lieber Himmel, das ist kaum auszuhalten, dachte Sabine und entschloss sich, sofort und energisch zu antworten.
Kaum vorstellbar ist für mich, dass Du Dich in mich verliebt hast. Viel gebe ich auf meinem Facebook Profil nicht preis, nicht einmal einen Familienstand. Du kennst mich knapp zwei Wochen und weißt kaum etwas von mir, da ist es nicht möglich, dass Du Dich in mich verliebst!
Und an Deinen Mails kommt mir mittlerweile einiges komisch vor, ich weiß nicht was es ist, aber irgendetwas stimmt da nicht…
Deine Worte sind zu romantisch und soweit ich mitbekommen habe, bist Du eher ein Techniker. Nicht unbedingt ein Autor oder ein Dichter.
Leider ist es mir im Moment nicht möglich, Dich in Hamburg zu besuchen, sonst würde ich es sofort tun. Schon allein um Dich von Deinen Hirngespinsten zu befreien.
Sieh Dich lieber im realen Leben nach einer passenden Partnerin um!
Zügig schickte Sabine die Mail auf die Reise, dann loggte sie sich aus sämtlichen Anwendungen aus und fuhr ihren Laptop herunter. Für diesen Sonntag hatte sie genug von undurchsichtigem Liebesgesäusel. Lieber holte sie sich eine Portion Salat aus der Küche und machte es sich zum Abendbrot gemütlich. Sie hing mal wieder ihren Gedanken nach.
So ein Singledasein hatte seine Vorteile. Sabine lächelte. Das große Doppelbett gehörte ihr schon seit länger Zeit allein und sie konnte dort liegen, wie sie wollte. Auch war sie die Herrin über die Fernbedienung für den Fernseher und das Badezimmer. Nein, nein, sie brauchte keinen David Silverstone, das würde sie ihm sicher in den nächsten Tagen begreiflich machen…
Montagmorgen. Im Bett liegend plante Sabine ihren Tag. Duschen und frühstücken war logisch. Dann hatte sie Zeit an ihren Laptop zu gehen. Nach wie vor war Sabine durch ihre Verletzung gehandicapt und musste sich im Bad Zeit lassen. Danach frühstückte sie in Ruhe. Später räumte sie das Geschirr ab und fuhr ihren Laptop hoch.
In ihrem Mail Postfach fand sie ein paar Kleinigkeiten von ihrem Chef und einige Werbemails, die sie gleich löschte. Und so konnte sie sich in aller Ruhe Facebook widmen. Sie öffnete ihren Account und fand eine kurze Nachricht von David vor.
Hast Du gut geschlafen? Wie geht es Dir? Ich hoffe, es ist alles in Ordnung. Mein Herz ist nicht leer. Es trägt die süße Last Deiner Liebe. Und ich möchte diese wundervolle Last bis zum letzten Moment meines Lebens tragen. Du bist in mein Leben getreten und hast alles zu Gold verwandelt! Dafür danke ich Dir, meine Königin. Du bist die göttliche Quelle meines Glücks.
Genervt fuhr Sabine den Laptop herunter und beschloss, David später zu antworten.
Dann machte sie sich auf den Weg zur Physiotherapie. Mittlerweile war sie schon nicht mehr auf Gehhilfen angewiesen und zum Glück hatte sie es nicht weit bis zum Gesundheitszentrum. Eine knappe Stunde später verließ sie die Praxis wieder und stellte fest, dass es schon auf die Mittagszeit zuging.
Entgegen ihren Gewohnheiten nahm sich Sabine ihr Mittagessen vom Asia Imbiss mit. Eigentlich tat sie das selten, aber heute war ihr danach.
In ihrer Wohnung angekommen, zog sie sich rasch um und trug ihr Mittagessen ins Wohnzimmer.
Donnerwetter, die Nudeln mit Gemüse waren lecker und Geld hatte sie nicht ausgegeben! Während sie sich mit Genuss ihr Essen schmecken ließ, überlegte sie schon, was sie David schreiben sollte. Schreiben wollte sie ihm auf jeden Fall.
Und so klappte sie nach dem Mittagessen ihren Laptop auf, öffnete Facebook und begann eine Mail an David.
Mein lieber David!
Vielen Dank für Deine Zeilen. Ich möchte Dir sagen, dass ich nicht auf der Suche nach einem neuen Partner bin, schlage Dir das mit der Liebe aus dem Kopf. Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn ich mich neu verlieben sollte!
Lieber David, wofür hältst Du mich?
Ich bin doch kein dummer Teenager, der sich in ein paar Fotos von einem unbekannten Mann verliebt. Wenn ich mich überhaupt noch einmal verliebe, dann im realen Leben und nicht anders. Ich muss einen Mann erst sehen und spüren, ehe ich von Liebe reden kann. Da nutzen auch warme Worte nichts. Gruß Sabine
Sabine schickte die Mail an David auf die Reise, ließ Facebook geöffnet und widmete sich mit großem Eifer der Aufgaben, die ihr Chef gestellt hatte. Doch ihre Gedanken liefen immer wieder zu David. Wer ist dieser Mann? Ich werde es erfahren, dachte Sabine und konzentrierte sich wieder auf die Arbeit für den Verlag. Dabei war Sabine in ihrem Element und merkte kaum, wie die Zeit verging. Erst als der Messenger von Facebook sich meldete, wurde ihr Arbeitseifer unterbrochen. Eine Nachricht von David!
Liebe Sabine!
Und die Liebe wird zu Dir kommen, das kann ich Dir hoch und heilig versprechen. Du wirst es selbst erleben. Leider bin ich im Augenblick sehr eingespannt. Selbst wenn Du nach Hamburg kommen könntest, ich hätte kaum Zeit für Dich, Du weißt ja, meine liebe Mutter. Da muss ich erst einige Dinge erledigen, bis ich mich voll und ganz Dir widmen kann. Dann werden wir in Liebe und Sex versinken und ich werde Dich unendlich glücklich machen!
Was ist Liebe? Wer es nicht mag, nennt es Verantwortung. Diejenigen, die damit spielen, nennen es ein Spiel. Diejenigen, die es nicht haben, nennen es einen Traum. Diejenigen, die es verstehen, nennen es Schicksal. Und ich, ich nenne es Sabine!
Suche nicht nach Liebe, lass Dich von der Liebe finden. Ich spreche von Dir, mein Verstand sagt mir, dass du eine gute Frau bist, ich bin der festen Überzeugung, dass es so ist. Wenn ich jemals um etwas bitten möchte, wünsche ich, dass Du zu mir gehörst. Ich möchte meinen Traum mit Dir leben. Heute habe ich an die eine besondere Person in meinem Leben gedacht. Diese Person bist einzig und allein Du.
David
Jetzt wird er philosophisch, überlegte Sabine und grinste. Wer weiß, wo er solche Sätze aufgegabelt hatte. Sabine konnte sich nicht helfen, aber diese Briefe sahen ihr mehr und mehr nach Musterbriefen aus. Sabine beendete die Arbeit für ihren Chef und schickte sie auf die Reise. Erst danach war David an der Reihe.
Mein lieber David!
Ich habe nicht behauptet, dass ich Dich niemals lieben werde. Ich habe nur gesagt, dass ich nicht in Dich verliebt bin. Ich bin keine Frau, die sich in einige wenige Fotos verliebt. Für mich ist es definitiv zu früh schon von Liebe zu sprechen. Dazu bin ich zu vernünftig.
Erst seit wenigen Monaten bin ich wieder eine freie Frau. Und ganz ehrlich? Ich genieße meine neue Freiheit in vollen Zügen! Als Single muss ich auf niemanden Rücksicht nehmen und kann tun und lassen, was ich will! Gruß Sabine
Entschlossen schickte Sabine die Mail auf die Reise und verließ Facebook. Für heute hatte sie wieder einmal genug von ihrem PC und fuhr ihn herunter. Dann meldete sich das Telefon. Das Display zeigte die Nummer von Monika an. Sabine nahm ab, meldete sich freundlich und schon legte Monika los: „Ey, du lahme Ente, soll heute noch einmal eine Futterlieferung bei Dir einfliegen? Ich hätte da Pasta mit Tomatensoße anzubieten, wobei ich betonen möchte, dass die Tomatensoße selbstgemacht ist und natürlich mit Tomaten aus dem eigenen Garten. Na, was sagst du?“
Innerlich jubelte Sabine und stimmte freudig zu: „Zwar habe ich heute erst Asia Nudeln gehabt, aber bei Pasta mit Tomatensoße bin ich immer dabei, du kennst mich ja.“
„Okay, dann bin so um etwa 18.30 Uhr bei Dir, allerdings habe ich wieder keine Zeit, das sage ich Dir gleich. Aber Obst und Gemüse kann ich Dir mitbringen.“
Kaum hatte Monika diese letzten Worte gesprochen, hatte sie aufgelegt.
Bis Monika zu ihr kam, konnte Sabine ein bisschen lesen. Doch immer wieder kam ihr David in den Sinn. Vielleicht war er kein Scammer und in der Hansestadt beschäftigt. Sabine beschloss, abzuwarten und den Kontakt zunächst einmal aufrecht zu erhalten.
Das Klingeln an der Tür riss Sabine aus ihren Gedanken. Das konnte nur Monika sein! Natürlich war es Monika, denn sie trompetete gleich eine Begrüßung in die Wechselsprechanlage, die sie offenbar für Italienisch hielt. Sabine hatte zwar kein Wort verstanden, musste aber herzlich lachen und ließ ihre Freundin ins Haus. Dann öffnete sie die Wohnungstür und ließ ihre Freundin in die Wohnung. Polternd stürmte Monika in die Wohnung und trat gleich in die Küche. Aus einem Beutel beförderte sie einen großen modernen Kochtopf.
„Der Inhalt dieses Topfes dürfte sogar für zwei Tage reichen“, verkündete Monika mit stolzgeschwellter Brust, „und den Topf nehme ich beim nächsten Mal wieder mit.“
Vorsichtig stellte Monika den Topf mit der Pasta auf den Herd und fuhr fort: „Wir können in den nächsten Tagen gerne noch einmal telefonieren, aber jetzt lasse ich Dich doch lieber in Ruhe, hast doch bestimmt Hunger, Bienchen?“
Sabine nickte nur. Sie wusste, ihre Freundin hatte es mal wieder eilig. Dennoch war Sabine nicht traurig. Mit einem Lächeln umarmte sie Monika und meinte: „Vielen Dank, Moni. Ich melde mich bei Dir, ist doch klar. Wir haben ja ohnehin fast jeden Tag Kontakt.“
Sabine begleitete ihre Freundin zur Wohnungstür und kümmerte sich anschließend um das Essen. Die Pasta im Topf duftete verführerisch, Monika hatte nicht übertrieben. Aber nur die Pasta? Sabine überlegte kurz und kramte in ihrem Kühlschrank. Und sie fand eine Tüte Parmesan und eine Flasche Rotwein.
Super, die Party kann steigen, dachte Sabine und nach einiger Zeit trug sie ihr Abendbrot auf einem Tablett vorsichtig ins Wohnzimmer.
Nachdem sie ihr Mahl beendet hatte, erledigte sie ein paar Kleinigkeiten und zog sich dann zurück.
Der nächste Morgen begann genauso wie in den letzten Tagen. Die Haushaltshilfe und Frau Spaltholz versorgten Sabine vorbildlich. Daran könnte ich mich direkt gewöhnen, dachte sie, während sie ihr Frühstück kaute. Aber wenn ich an Physiotherapie und Arztbesuche denke, dann lieber nicht… Denn diese Termine standen an diesem Vormittag an.
Erst um die Mittagszeit konnte Sabine ihren Laptop hochfahren und natürlich fand sie eine Nachricht von David vor.
Hallo meine schöne Frau!
Wie geht es Dir, wie hast Du geschlafen?
Leider schlief ich schlecht, da ich das Bild Deines hübschen Antlitzes immer vor mir hatte. Ich werde immer auf die Liebe meines Lebens hören, weil jede Frau es verdient hat, wie eine Königin behandelt zu werden. Meine neue Frau bekommt meine ganze Liebe und Aufmerksamkeit.
Denke doch bitte einmal darüber nach, ich empfinde viel für Dich, meine Königin. Und ich hoffe sehr, Du erwiderst meine Gefühle eines Tages. Was hättest Du denn zu verlieren, Honey? Vielleicht Dein Herz, aber mehr nicht, nicht wahr Pretty??? Dein David
