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Die Provence ist eine der schönsten Gegenden Europas. Genauso spannend wie die Landschaft aber sind ihre zwei- drei- und vierbeinigen Bewohner. Es gibt Monster, Kittelschürzen, Krokodile, eine Prinzessin und eine ruchlose alte Dame. Einen frommen Ochsen, der eigentlich eine Ziege ist. Und Kurt, dem so einiges schiefläuft. Und den lieben Trüffel, um nur einige zu nennen. Mit liebevollen Illustrationen von Klaus Stuttmann
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Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2019
bienvenue
© 2019 Hannelore Salinger
Autor: Hannelore Salinger
Umschlaggestaltung, Illustration:
Salinger und Stuttmann
Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg
Paperback ISBN: 978-3-7469-7577-1
Hardcover ISBN: 978-3-7469-7578-8
e-Book ISBN: 978-3-7469-7579-5
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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Die Geschichten
Vorwort
Eine Reise ins Ungewisse
Das Krokodil im Pool
Und morgen will ich einen Esel
Es ist Sommer
Auf die Schnauze gefallen
Mädels unter sich
Da waren‘s plötzlich zehn
Leben wie Gott in Frankreich
Monster unter sich
und heute kaufen wir uns ein Schwein
Ziege zu verschenken
Bisou bisou
Das schönste Fest
Gäste sind was Wunderbares
Das Leben kann so spannend sein
Sommer 69
Rosé in der Abendsonne
Ich bin rund, na und?
Wunder von Saint Tropez
Das Schönste im Leben eines Mannes
Auswandern ins Paradies?
Die Macht der Presse
Begegnung mit der wilden Art
Sonntags nie
Prinzessin auf vier Pfoten
Der Schimmelreiter
Im Supermarkt
Zwei Gläschen täglich…
Antons Tod
Ein schöner Abend
Scheidung and Provenzalisch
Jagdszenen aus der Provence
Der grüne Wüstling
Die Sache mit der Sprache
Der Teufel trägt Schürze
Das schönste Feuerwerk Die Venusfalle
Winter in der Provence
Von der Ziege, dem netten Günther und der Million
Die Sache mit den Vorurteilen
Vorwort
Ich bedanke mich bei
Petra Hall
Gründerin und 26 Jahre lang Herausgeberin und Chefredakteurin der
Riviera Côte d‘Azur Zeitung
seit 2016 Riviera Zeit
der einzigen deutschsprachigen Zeitung
Südfrankreichs und Liguriens, für die lange,
gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Ebenso bedanke ich mich bei
Aila Stöckmann
Chefredakteurin
Sie beide haben mich unterstützt bei der Veröffentlichung von Artikeln und Kolumnen, vor allem aber den kleinen Geschichten aus der Provence, letztendlich der Auslöser für dieses Buch.
Ein großes Dankeschön an
Klaus Stuttmann
der trotz Zeitmangels glücklicherweise bereit war, dieses Buch mit seinen wunderschönen Illustrationen zu bereichern.
Hannelore Salinger
verbrachte die ersten Lebensjahre auf einem kleinen Bauernhof in Nordhessen, wuchs in Frankfurt am Main auf und arbeitete für eine deutsche Fluggesellschaft.
Die erste Reise ihres Lebens führte sie mit 17 Jahren, völlig ungeplant und per Autostop, nach Südfrankreich. Damals begann eine Liebe zur Provence, die bis heute gehalten hat.
2002 erfüllte sich ihr Traum und sie zog mit ihrem Mann an den Rand eines kleinen Dorfs in der Provence und lebt dort, zusammen mit vielen Tieren, glücklich und zufrieden.
Sie ist seit 2004 freie Mitarbeiterin bei der deutschsprachigen Zeitung Riviera Zeit und engagiert sich im Tierschutz.
Der Autorin ist es gelungen, das ganz normale, alltägliche Leben in der Provence mit der für diese Gegend berühmten „Leichtigkeit des Seins“ zu vermischen. Alle ihre Geschichten basieren auf eigenen Erlebnissen, Berichte von anderen Ausgewanderten oder Erzählungen von - meist älteren - Einheimischen.
Eine Reise ins Ungewisse
Gabi war achtzehn und ich siebzehn Jahre alt und alles begann an einer Bushaltestelle. Wir hatten den Bus zum Flughafen knapp verpasst, als ein Auto hielt.
Es sollte meine erste Reise ans Mittelmeer werden, nach Lido di Jesolo. Am Samstag sollte es losgehen, zusammen mit meiner Freundin Gabi, ihrer Mutter und deren Verlobten.
Aber dann! Der Verlobte sagte kurzfristig ab, um mit seiner Ehefrau und den Kindern in die Toscana zu fahren. Gabis Mutter war am Boden zerstört und wir stinksauer. Und jetzt? Zu Hause bleiben? Zur Oma auf´s Land? Niemals. „Wir fahren jetzt zum Flughafen,“ sagte Gabi, „und schauen, ob wir einen billigen Flug kriegen und den nehmen wir dann. Sofort und egal wohin.“ Und dann fuhr uns der Bus vor der Nase weg und der Wagen hielt.
„Na, Mädels, habt ihr den Bus verpasst?“, fragte die Fahrerin. „Wo wollt ihr denn hin?“ Genau das war die Frage. Wir wussten es nicht.
Sie nahm uns mit bis nach Heidelberg und organisierte an der Tankstelle die Weiterfahrt. Diesmal war es ein junger Mann, der bis nach Bern fuhr. Danach hielt ein Pärchen und wir landeten in Grenoble, weiter ging es mit einem italienischen Transporter in Richtung Küste. Und wir stritten uns während der ganzen Fahrt. Gabi wollte an die Adria, ich an die Côte d’Azur. Wenn schon, dann richtig! Dass ich gewonnen habe, war reiner Zufall.
Irgendwie sind wir in unserer ersten französischen Nacht in einem kleinen Hotel in Saint Maxime gelandet und wussten immer noch nicht, wie das alles hatte passieren können. Und trafen dort Georg, einen Jungen, der auf der gleichen Schule war wie wir, nur zwei Klassen höher. So ein Glück aber auch! Er sah das genauso und lud uns prompt zum Essen in ein schönes kleines Restaurant direkt am Meer ein. Mit dabei war sein französischer Freund Michel, und es war ein schöner Abend. Allerdings hätten wir stutzig werden müssen, als die Jungs jeder im eigenen Auto vorfuhren. Auf dem Rückweg, ich sollte bei Michel mitfahren, bog er plötzlich in einen Waldweg ab und klack, starrte ich entsetzt die Wagendecke an. Michel hatte meinen Sitz in die waagerechte Position gebracht. So nicht, Freundchen! Und dann bin ich halt zurück zum Hotel gelaufen, fünfzehn Kilometer weit und allein auf weiter Flur. Immer, wenn ein Scheinwerfer aufleuchtete, versteckte ich mich irgendwo im Dunkel.
Jahre später bin ich diese Strecke mit dem Auto abgefahren und habe sie nicht wiedererkannt. Wo damals Kakteen und Büsche standen, waren jetzt Häuser, eins neben dem anderen, zum Teil geschmacklose Appartementbauten. Das kleine Restaurant am Strand aber gibt es immer noch.
Im Hotel angekommen, war von Gabi keine Spur. Sie kam erst morgens gegen sechs, paniert mit Sand wie ein Wiener Schnitzel … Das Hotel konnten wir uns auf Dauer nicht leisten. Die nächste Nacht verbrachten wir unter der Brücke von Saint Maxime und teilten Nachtlager, Käse, Baguette und Wein mit etwa 30 Globetrottern aus aller Herren Länder.
Nicht nur Europäer, mehrere Amerikaner, drei Australierinnen, sogar ein Peruaner und zwei Chinesen. Ein paar hatten ihre Gitarren dabei, wir sangen Blowing in the Wind, den Text konnte jeder, und ich zog an der ersten und einzigen Haschtüte meines Lebens.
Die Nacht darauf schliefen wir in zwei kleinen roten, halb aufgeblasenen Gummibooten. Die befanden sich hinter einer Hecke auf einem riesigen Anwesen. Das Haus, eine Prachtvilla, lag völlig im Dunkeln. Wir hatten es eine Zeitlang beobachtet, es schien unbewohnt und niemand würde uns bemerken. Dachten wir! Am Morgen gegen sieben Uhr wurden wir wach, geweckt durch den köstlichen Duft zweier großen Tassen Milchkaffee. Diese gute Seele, wer immer das war, hatte auch noch ein paar Kekse dazu gelegt. Als kleines Dankeschön haben wir die beiden Gummiboote randvoll aufgeblasen. Einen Tag später zogen wir in einen Palast, gelegen in Saint Tropez direkt am Meer! Genau genommen war es das Einmann-Zelt von Jürgen aus Hannover und stand auf einem Campingplatz.
Für uns wurde es zum Luxusdomizil. Jürgen hatte sich in Nadine verliebt, durfte bei ihr einziehen und überließ uns sein Zelt zum sensationellen Preis von einem Zitroneneis pro Tag.
Jetzt begannen die Ferien erst richtig! Tagsüber waren wir am Strand, abends ging es auf die Piste. Wir haben Curd Jürgens gesehen und Brigitte Bardot, die unter tosendem Beifall, lachend und bildschön, auf den Armen von zwei attraktiven Herren in ein Restaurant getragen wurde. Und Udo Jürgens, der live viel besser aussah als im Fernsehen. Eine einsame Soraya, die allein auf dem Oberdeck einer riesigen Yacht im Hafen an ihrem Champagner nippte und einen griesgrämigen Louis de Funés. Er konnte einem richtig Leid tun, er wurde regelrecht belagert und angestarrt in der Hoffnung auf einen seiner berühmten Späße. Hat er aber nicht gemacht, stattdessen schnauzte er mit dem Kellner. Dann wurde unser Taschengeld knapp, und Nadine beschaffte uns einen Job: Wir zogen abends durch die Lokale am Hafen und verkauften Erdnüsse, einmal sogar an Gilbert Bécaud! Er hat zehn Päckchen gekauft und sie uns dann geschenkt. Dann hat er eine Micky Maus auf einen Zettel gemalt und mit „Gilbert“ unterschrieben. Der war nett! Und zwischendurch verliebten wir uns in zwei junge Engländer. Es waren die schönsten, die aufregendsten Ferien aller Zeiten.
Auch ihr Ende war durchaus spektakulär. Wir landeten in einer Arrestzelle, festgenommen und inhaftiert wegen Landstreicherei.
Der Tag unser Rückreise war gleichzeitig mein achtzehnter Geburtstag. Wir trampten über Italien, überquerten im Aostatal zu Fuß die Grenze zur Schweiz und wurden von Schweizer Zollbeamten kontrolliert. Damals musste man laut Gesetz 200 Franken vorweisen können, sonst galt man als Landstreicher. Wir kamen zusammen auf nur zehn französische Franc und fünf D-Mark, also ab in die Zelle.
Das Schlimmste aber war, dass die Beamten unsere Erziehungsberechtigten informieren wollten, damit sie uns abholen oder jeweils 200 Franken überweisen.
Die wären aus allen Wolken gefallen, und das hätte richtig Ärger bedeutet. Gabis Mutter wähnte sie bei einer Freundin im Allgäu - Gabi hat sie angelogen - und meine Eltern mich am Strand von Jesolo, in der Obhut von Gabis Mutter. Dann klopfte es am Zellenfenster. „Buon compleanno“ rief der italienische Zöllner, der vorher einen Blick in unsere Pässe geworfen hatte. Käse, Brot, Milch und zwei Äpfel wurden durch die Gitterstäbe gereicht. Und er schimpfte wie ein Rohrspatz auf die Schweizer Krämerseelen von nebenan.
In bella Italia wäre die Inhaftierung zweier bella ragazza, von denen eine auch noch Geburtstag hat, ein Ding der Unmöglichkeit. Dann aber, es war bereits nach Mitternacht, wurden wir plötzlich in die Freiheit entlassen. Einzige Auflage: wir mussten einen Wagen finden, dessen Fahrer sich schriftlich verpflichtet, uns erst hinter der deutschen Grenze aussteigen zu lassen. Wir warteten, über eine Stunde lang, und sehnten das Auftauchen von Scheinwerfern herbei. Endlich kam ein Auto und es hatte ein deutsches Kennzeichen.
Am Steuer saß Klaus aus Aachen, der hundemüde war und eigentlich nur noch pennen wollte. Er war nett, er unterschrieb den Zettel mit der Verpflichtung und nahm uns mit bis Baden-Baden. In diesem Sommer begann meine Liebe zur Côte d‘Azur und zur Provence. Eine Liebe, die mit der Zeit ein paar kleine Risse bekam, die aber bis heute gehalten hat. Gabi ist nur 40 Jahre alt geworden. Zusammen sind wir um die halbe Welt gereist, aber sie war nie wieder im Süden Frankreichs.
Mein Traum, eines Tages hier leben zu können, ist wahr geworden. Nicht am Meer, schon gar nicht neben dem Leuchtturm auf Cap Ferrat, aber in herrlicher Landschaft, in einem kleinen Landhaus am Rande eines Gebirges.
Nach Saint-Tropez komme ich nur noch selten. Und wenn, dann im Winter. Da wird der kleine Ort, der im Sommer aus allen Nähten platzt, wieder zu dem, war er einmal war: ein bezauberndes kleines Fischerdorf.
Das Krokodil im Pool
Es geschah ganz am Anfang, als unser kleines Provence-Häuschen noch ein Feriendomizil war. Wir benutzten es so oft wie möglich, stellten es aber auch Freunden zur Verfügung. Es war zwar noch längst nicht alles fertig, aber schon wohnlich, durchaus gemütlich und das gute Wetter tat sein Übriges.
Der Urlaub von Klaus und Corinna allerdings gestaltete sich zum Desaster. Klaus meldete täglich neue Katastrophen. Schon bei ihrer Ankunft habe ein Skorpion unter dem Bett gelauert. In der ersten Nacht rief er gegen Mitternacht bei uns an und beklagte sich über den Höllenlärm auf dem Dachboden. Da würden Monster Fußball spielen und ein Schiedsrichter mit Trillerpfeife sei auch dabei. Siebenschläfer! Die können tatsächlich sehr laut werden und eine Menge Unheil anrichten. Daraufhin musste der Dackel, laut Corinna ein gnadenloser Rächer auf vier Pfoten, auf dem Dachboden für Ruhe sorgen.
Zehn Minuten später bereits wurde er winselnd und mit zu Berge stehenden Haaren befreit. Das hätten sie nicht tun dürfen, denn der Siebenschläfer steht unter strengem Artenschutz und daran haben sich auch vierbeinige Rächer zu halten.
Wir haben später Mottenkugeln verteilt, vier niedliche Siebenschläfer in Lebendfallen gefangen und sie 30 Kilometer weit entfernt wieder ausgesetzt.
Nach der Dackel-Invasion auf dem Dachboden verlief die erste Nacht relativ ruhig.
Am nächsten Morgen schaute Corinna in den Spiegel und bekam einen Schreikrampf, den ersten von insgesamt dreien innerhalb einer Woche. Ihre Unterlippe hatte die Form einer mittleren Vogeltränke. Eine Wespe oder Bremse hatte sie gestochen. Sie musste zum Arzt. Und dann, am dritten Tag, klang Klaus` Stimme merkwürdig schrill. „Wisst ihr eigentlich, dass in eurem Pool ein Krokodil wohnt?“ Nein, das wussten wir nicht.
Aber immerhin, wo es Krokodile gibt, gibt es wenigstens keine Haie, ha ha.
Klaus war keineswegs zum Scherzen aufgelegt. Corinna wollte am Morgen eine Runde schwimmen, war elegant und mit dem Kopf voran in den Pool gesprungen und starrte beim Auftauchen direkt in die tückischen Augen eines Krokodils. Der zweite Schreikrampf folgte. Danach sei sie zu Fuß über das Wasser gelaufen.
Respekt! Das hat vor ihr nur einer geschafft! Das Ungeheuer sei grünlich-grau gewesen, knapp einen Meter lang und machte einen zwar erschöpften, aber durchaus aggressiven Eindruck. Klaus hatte todesmutig versucht, es mit dem Kescher rauszufischen, was schwierig war, weil es immer wieder über den Rand flutschte. Als er es endlich geschafft hatte, machte das Tier einen Riesensatz nach vorne und landete direkt vor seinem großen Fußzeh. Daraufhin sprang er panisch nach hinten, flog über den Dackel und landete, nur mit einer Badehose bekleidet, in einem Rosenbusch. Anschließend war das Krokodil blitzartig verschwunden.
Wir befragten Bekannte, die schon lange hier lebten, und diese erkundigten sich ebenfalls. Sie alle kamen zu dem gleichen Schluss: Es kann nur eine Smaragdeidechse gewesen sein. Aber die sind leuchtend grün und nur etwa 40 Zentimeter lang. Klaus hat wohl maßlos übertrieben. Oder es war tatsächlich ein kleines Krokodil, entlaufen oder ausgesetzt. Beides war falsch! Es war eine Perleidechse. Und die ist in der Provence heimisch, aber sehr menschenscheu, sie lässt sich so gut wie nie blicken. Mit etwa 80 Zentimetern ist sie die größte Eidechse Europas und sie ist durchaus wehrhaft. In die Enge getrieben, beißt sie kräftig zu, springt notfalls sogar Katzen und Hunden an die Kehle und ist dank ihrer langen, scharfen Krallen in der Lage, auch auf Bäume zu klettern.
Sie lebt meist in einer Felsenhöhle, bevorzugt in sonnigen, steinigen Gebieten oder Olivenhainen, und ernährt sich von Käfern, kleinen Mäusen und Schlangen. Zum Nachtisch darf es gern etwas überreifes Obst sein.
