Und nu erst recht! - Eva Ilona Dancs - E-Book

Und nu erst recht! E-Book

Eva Ilona Dancs

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Beschreibung

Leere weiße Blätter Papier, beschrieben mit liebevollen Worten, spannenden Sätzen, gefüllt mit Humor und Abenteuern, belebt mit Figuren, die voller Lebenslust durch ihre Geschichten wandern, bedeutet bis zur letzten Silbe Freude, aber auch Herzeleid ,und ist das letzte Wort geschrieben, heißt es Abschied nehmen und dem fertigen Buch seinen eigenen Weg zu Dir, lieber Leser, liebe Leserin, finden zu lassen.

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Seitenzahl: 167

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Diese Geschichte die Sie gerade lesen, ist zu 60% Prozent meiner Fantasie entsprungen und 40% entspricht sie meinen Erlebnissen.

In den letzten Jahren habe ich viele geliebte Menschen verloren und der Abschied riss mir jedes Mal mein Herz heraus. Trotzdem lebt jeder und jede in meiner Seele weiter und meine Liebe zu ihnen wird niemals enden. Denn wie heißt es so treffend:

Vergangenheit sind positive wie negative Erinnerungen, die uns in der Gegenwart umgeben wie einen wärmenden Mantel und den Weg in die Zukunft zeigen, um uns mutig voller Zuversicht und Kraft gehen zu lassen!

Ab ihren vierzigsten Geburtstag beginnen die meisten, Bilanzen über ihr bisheriges Leben zu ziehen.

Bei vielen heißt dies: „So wie bisher kann es ruhig weiter gehen"!!

Bei Manchen aber wachsen neue Ideen, die ihr direktes Umfeld ziemlich aus der Fassung bringen können, so auch bei Ev. Bisher Bürotippse und Mutter, beides mit Tatkraft und aller Liebe, kam sie zum Entsetzen ihres nahen Umfeldes auf die Idee, Bücher zu schreiben!!

Trotz allem Widerstand und Schreibblockaden verfolgte sie hartnäckig ihre Ziele. Mit jeder Zeile kann man ihre Hartnäckigkeit, Rückschläge, witzige Ereignisse und vieles mehr verfolgen, ganz nach ihrer Devise: "Und nu erst recht"!!

Bekommt ein erfolgreicher Schriftsteller, diese verhuschten und verträumten Blicke, "ich hab eine Bestseller-Idee", wird jeder ringsum ehrfürchtig still, schleicht auf leisen Sohlen und akzeptiert diesen schöpferischen Rückzug. Man hält ihm so lange den Rücken frei, bis er das berühmte Wort ENDE auf das letzte Stück Papier geschrieben hat.

Bekommt dagegen ein angehender, noch erfolgloser Schriftsteller diesen verhuschten Blitz - Gedanken-Blick, heißt es prompt: "Was guckst du so entgeistert? Ach, mein blaues Hemd müsste sofort gebügelt werden und außerdem hab ich riesigen Hunger. Schließlich war ich den ganzen Tag arbeiten." Fazit dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit:

Angehende Schriftsteller gehören unter Artenschutz gestellt!!! Je weniger meine Familie an meinen Erfolg glaubte, desto mehr glaubte ich an mich!! Meine Devise lautete schon immer: „Und nu erst recht!!!"

In vielen Romanen liest man auf der ersten Seite überschwängliche Danksagungen des Autors an seine mitfühlende Familie, kämpfende Literaturagenten, hilfreiche Lektoren und nicht zuletzt an Verlage, welche an den Autor und dessen Werk glaubten und ihn mit allen Mitteln förderten und unterstützten.

Selbstverständlich will auch ich an dieser Tradition festhalten und gleichzeitig meinen schreibwütigen Leidensgenossen Mut machen:

Danke an meine Mutter, die stets an Altbewährtes, Sichtbares und vor allem Handfestes glaubte und mich deshalb in einer Schaffenskrise im Brustton der Überzeugung tröstete: „Geliebte Tochter, wenn Du Erfolg hast, steh ich mit Sicherheit hundertprozentig hinter Dir!!“

Danke an meinen Mann, der meine Arbeit stets tolerierte und mir Mut machte.„Schatz, wenn wir gegessen haben. kannst Du dich beruhigt an den Schreibtisch setzen. Irgendetwas muss Dir ja schließlich Freude machen, warum also nicht das Schreiben. Irgendeiner wird es sicherlich auch lesen!!“

Danke an meine Tochter, die gerade dann, wenn ich voller Elan die Tastatur malträtierte, lebenswichtige Fragen an mich hatte und mich danach mit Grundsatzdiskussionen in Grund und Boden palaverte.

Besonderer Dank gebührt meiner Freundin, die meine Jammertäler während des Schreibens mit Geduld ertrug.

Dank auch an all jene, denen ich aus meinen Werken vorlesen durfte, um ihre Meinung zu hören.

Ebenso vielen Dank, an die vielen Verlage. Jede Absage weckte meine Willenskraft aufs Neue!!

Steht man kurz vor einem vollendeten Jahrzehnt, besonders dem vierzigsten, zeigen viele Menschen, egal ob Männlein oder Weiblein, die verschiedensten, teils grotesken Reaktionen. Gar manche üben sich nach außen in grenzenloser Gelassenheit. Ausdrucksweise: „Ach was, vierzig ist auch nur eine nichtssagende Zahl“! gleichzeitig verbunden mit dem Griff zur absolut deckenden Haartönung und den notierten Adressen kompetenter Schönheitschirurgen. Andere wiederum verändern ihren bisherigen Lebensstil, um neue Wege zu gehen. Schmeckte gestern noch hausgemachter Schweinebraten mit Knödel, müssen es heute Multivitamine, Sojamilch und Biokost, möglichst aus dem Reformhaus sein. Umschrieben wird dieser Lebensabschnitt auch gerne mit der Benennung - Midlifecrisis oder Selbstfindung.

Wobei sich manche prompt vollends verlieren und in höhere, völlig vernebelte Sphären abheben. Schlagwörter wie alternative Lebensform, oder Aussteigertum aus unserem zivilisierten Trott. Trends, glorifiziert und hoffnungslos überstrapaziert und deshalb kaum verständlich.

Ob nun Ev, Hauptprotagonistin, in dieses Schubladen denken gehört, soll deshalb jeder für sich selbst entscheiden.

Neugierig und offen für jede Überraschung des Lebens, stand und steht sie meist mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität.

Schon in sehr jungen Jahren wusste Ev, was sie wollte. Beruflich wollte sie Tierärztin und Psychologie studieren. Nach Vollendung ihres Studiums natürlich heiraten, eine Familie gründen, selbstverständlich mit zwei Kindern, (vorzugsweise Zwillinge, weil dies in einem Aufwasch möglich war), und ein schmuckes Häuschen im Grünen. Ultraaltmodisch, bis hin zum blütenweißen Brautkleid unter romantischer Orgelmusik ihr Jawort hauchend, so sah sie sich in bunten Träumen. Natürlich fand sie die Emanzipation der Frau durchaus berechtigt und voller Überzeugung tönte sie: Männer wie Frauen haben das gleiche Recht auf Verwirklichung im beruflichen sowie im privaten Bereich.

Nach dieser trotzigen Bestandsaufnahme der Rechte, pflegte ihre weise Mutter stets zu sagen:

„Hast ja recht liebe Tochter. Aber selbst die klügsten Frauen vergessen manchmal: Zwischen Frauen und Männern wird es immer einen Unterschied geben, wenn auch nur einen ganz kleinen. Aber genau dieser kleine Unterschied ist äußerst konstruktiv und meistens sehr interessant!! Außerdem macht er das Leben besonders reizvoll.“

Ev, mit siebzehn, eifrig am Lernen, natürlich nur für ihr späteres Psychologiestudium, wagte erste zaghafte Blicke auf männliche Schulkameraden und widmete sich eifrig dem freudigem Spiel der Geschlechter und hielt, so ganz nebenbei, Ausschau nach dem richtigen Partner für den Nestbau.

Idealer Ausgangspunkt, um sämtliche Flirttechniken und Psychostudien zu erproben, waren natürlich Partys im zahlreichen Freundeskreis.

Ev knapp achtzehn, hielt gebannt den Atem an, als eines Tages „er“ unverhofft ins Zimmer trat. Ein winziger Augenblick zu ihm aufschauend, um kurz in seinen warmen grün-braunen Augen zu versinken, genügte, und sämtliche Zukunftspläne gerieten durcheinander.

Wonnige Schauer durchrieselten ihren zart gebauten schon sehr fraulichen Körper. Dem Urinstinkt folgend, schossen ihr in Sekundenschnelle tausend Einzelheiten über ihr Gegenüber und dessen Erscheinungsbild durch den wachen Sinn.

„Der oder Keiner!!“ Einundzwanzig Jahre alt, ein Meter fünfundsiebzig groß, breite Schultern, schmale Hüften, Hände die zupacken können und gleichzeitig Zärtlichkeit versprachen. Wie es auf gut bayrisch heißt, ein gestandenes Mannsbild, welches sogar noch, was selten vorkam, über ausgesprochen gesunden Verstand verfügte, ohne arrogant zu sein. Eine gute Portion Humor gepaart mit Einfühlungsvermögen, und dieser treue alles verstehende Dackelblick vollendeten das Erscheinungsbild des ultimativen Traummannes.

Ev, zierliche einmetersechzig, warf ihre schwarz-gelockte Löwenmähne herausfordernd nach hinten, und lächelte dem Auserwählten tiefsinnig entgegen. Von der ersten Sekunde an wusste sie, in Adam hatte sie den passenden Partner gefunden, um ihren Gluckentrieb ausleben zu können.

Dieses Prachtexemplar, im wahrsten Sinne, in die Ehebahn zu manövrieren, hieß ihre gesamte Weiblichkeit und Raffinesse auszuspielen.

Adam dachte eigentlich noch gar nicht daran, eine feste Bindung einzugehen. Riesige Auswahl an holder, schmachtender Weiblichkeit ringsum, versprach doch ein abwechslungsreiches Casanovaleben. Weshalb sich also an diesen, einem Wirbelwind gleichenden, zierlichen Stöpsel womöglich auf ewig zu binden. In jeder Geste, in jedem Blick von ihr, konnte er deutlich spüren, dass Ev keineswegs der Typ für heiße Nächte mit abschließendem kalten Frühstück und schalem Kaffee war. Fetziger Beat sicherte ihm beim Tanzen wenigstens einen gewissen Sicherheitsabstand. Als jedoch das Tempo auf schmusigen Soul umschwang und er Ev in seinen Armen hielt und tief in die braunen, strahlenden Rehaugen blickte, wurde ihm abwechselnd heiß und kalt und seine rauen Machotriebe gerieten in arge Bedrängnis.

Sechs Monate hielt dieser Zwiespalt an, bevor er seinen Gefühlen endgültig nachgab. Gestärkt durch reichlich Whisky, gestützt von seinen besten Freunden Bernd und Horst und bewaffnet mit einem geklauten Strauß Flieder, stand er eines Nachts vor Evs Fenster, um ihr einen Heiratsantrag zu machen, wobei die gesamte Nachbarschaft in den zweifelhaften Genuss kam, unfreiwillig zuhören zu müssen.

Horst, bester Freund und angehender Tierarzt, legte in den Kassettenrecorder, wie er glaubte, die passende Stimmungsmusik und drehte die Lautstärke auf volles Rohr. Leider hatte er in der Eile seines Vaters Marschmusik vom Schützenverein eingelegt.

Infernalisches Marschgetöns und Trommelwirbel katapultierte die nichtsahnenden Tiefschläfer aus den Federn. Gaffend, und je nach Stimmung, romantisch oder bitterböse, bekamen alle ihren Heiratsantrag.

Adam, die Marschmusik übertönend, brüllte Bernd an: „He, du Blödmann, hast mir den Bestellschein für Anatomie- und Pathologiebücher gegeben!!

Und was soll die Bestellung für das Buch, „Anleitung zum perfekten Mord“?Bernd, bester Freund und angehender Verleger, brüllte ebenso laut: „Selber Blödmann. Schreib dir dein Liebesgestöhne doch selber. Und wenn du mit Ev einige Jahre verheiratet bist, kommst du sowieso auf tierische Mordgedanken, also sei froh, wenn du jetzt schon die perfekte Anleitung bestellen kannst."

„Und außerdem wäre ich dir sehr dankbar, wenn du Trampel endlich von meinem Fuß runtergehen würdest.“

Horst, dem die Sache langsam zu lange dauerte, moserte wiederum: „Jawohl, leg endlich los und mach's bitte zackig, dann passt es wenigstens zur Musik, denn was anders haben wir nicht!! Mein Alter wird sich schön gewundert haben, als er gestern Abend beim Veteranentreffen seiner Blaskapelle die Vereinskollegen mit Schmusesongs in alte Erinnerungen versetzt hat.“

Der Heiratsantrag war denn auch ein Gemisch aus Marschbefehl und grässlichen Katzengejammer.

„Ev Lämlein, hiermit fordere ich dich auf, mit mir gemeinsam die Welt zu erobern und mir und meinen dämlichen Freunden eine zweite Heimstatt zu schaffen. Falls du noch überlegst, Ev Lämlein, dies ist ein Befehl und nu sag gefälligst sofort ja!!“

Bernd und Horst sahen sich das Spektakel verblüfft an, worauf Horst grinsend meinte: „Nun pass auf, gerade werden wir Zeugen, was die Zukunft zeigen wird:Adam Wolff frisst Ev Lämlein!!"

Pech dabei, das Zimmer der lauthals Angebeteten, lag zum Garten hinaus und die verschlossenen Rollläden hielten jeglichen Lärm von der Straßenseite ab. Erst schrilles Telefonklingeln schreckte Ev jäh aus süßen Träumen hoch.

Erika ihre beste Freundin, im Nebenhaus wohnend, mit Zimmer zur Straßenseite, schimpfte:

„Verflixt noch mal, geh endlich raus und pack Adam mitsamt seinen Sekundanten bevor hier eine Revolution ausbricht. Und nimm um Gotteswillen seinen Heiratsantrag an. Die Blumenstraße will endlich wieder schlafen. Soeben hat er nämlich angedroht, solange unter dem Fenster zu verharren, bis du ihn erhörst. Und dem verliebten Gockel trau ich ohne weiteres zu, mit Marschmusik und seiner verschworenen Zweierbande, hier seinen Standort aufzuschlagen!!“

Drei Monate später hauchten die beiden ihr Ja-Wort. Nestbau und der Beginn ihrer geschäftlichen Existenz ließ keine Zeit für Flitterwochen. Jeder Tag war fortan bis in die späten Abendstunden ausgefüllt mit hitziger Planung, nervenden Finanzdebatten und kräftezehrender Schufterei. Evs Studiumspläne lösten sich in Luft auf, denn vordergründig stand natürlich die Lebensbasis ihrer Familie.

Genau auf den Tag, zehn Monate später, eröffneten sie ihr Autohaus und pünktlich nach Ladenschluss setzten bei Ev die Wehen ein. Worauf Adam grinsend sagte: „So eine Traumfrau müsst ihr erst finden, sogar in der Familienplanung hält sie sich an die Geschäftszeiten.“

„Iss ja gut, stöhnte Ev zwischen zwei Wehen, aber bitte fahr uns jetzt in die Klinik und wage es ja nicht, unterwegs bei der Konkurrenz anzuhalten um zu schauen, wie günstig dort die Preise sind.“

Obwohl Adam wahren Horror vor Schmerzen, Blut und Weißkittel hatte, wollte er seiner Ev bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes tapfer zur Seite stehen. In liebevoller Absicht, sich zu seiner Liebsten hinab beugend, um ihr einen aufmunternden Kuss zu geben, durchfuhr sie gerade eine besonders heftige Wehe. Infernalischer Schmerz ließ Ev stöhnend hochfahren und ihre vorschnellende Faust knallte auf Adams Lippe. Begleitet von Oberschwester Mathilde, raste der werdende Vater in die Ambulanz, ließ sich die Unterlippe nähen, um danach im Schweinsgalopp zurück in den Kreißsaal zu rennen.

Besonders aufmunternd empfand er dabei die Worte des Notarztes, der ihm grinsend hinterherrief: Ich lass das Nähzeug gleich hier. Falls ihre Frau einen weitern Boxkampf austragen will, stehen wir parat!!“

Horst und Bernd, ebenso tapfer, rannten derweil Im Wartezimmer alle Ecken ab bis sie endlich ins Mutter-Kind Zimmer gerufen wurden. Staunend standen die Drei um das Bettchen und Adam erzählte haarklein, wie gut „er“ die Geburt überstanden hat.

„Und weil‘s nun doch keine Zwillinge geworden sind, packen wir es halt noch mal. Jetzt, wo ich weiß, dass es ein reines Kinderspiel ist, macht es doch überhaupt keine Mühe“, tönte der frischgebackene Vater im Überzeugungston mit stolzgeschwellter Gockel-Brust.

Ev, noch völlig erschöpft von der anstrengenden Entbindung, lächelte verständnisvoll und wisperte: „Ja, ja, Adam ist ein hervorragender Geburtshelfer. Bevor unser Kind geboren wurde, erzählte er schon der gesamten Belegschaft, dass es eine Tochter wird und sie an ihrem achtzehnten Geburtstag den Führerschein mit Bravour besteht. Die Hebamme wird ihm zeitlebens dankbar sein, weil Adam ihr während der Wehenpausen ganz genau erklärte, wie man fachgerecht einen Reifen wechselt. Und der Chefarzt wird ihm, sobald sein verstauchter Fuß geheilt ist, sicherlich verzeihen, dass Adam ihn bei seinem Ohnmachtsanfall über den Haufen fegte und als Polster benutzend, an die Wand klatschte. Aber abgesehen von diesen Kleinigkeiten waren die letzten Stunden wirklich das reinste Kinderspiel!!“

Zwischen Baby stillen, Windeln wechseln und nächtelangen Spaziergängen, mit der kleinen Schrei-Alexandra, lernte Ev eifrig für Ihre Führerscheinprüfung. Schon nach der zweiten Fahrstunde, bei einer engen Seitenstraßenkreuzung, fand Ev sogar ihren Lieblingsrandstein. Tausendmal vorgenommen, dieses Mal wirst du nicht gerammt, kam beim Tausend und Ersten Mal die lapidare Aussage des Fahrlehrers. Rumms, und wieder küsste der Reifen Evs Lieblingsrandstein.

Einen Tag vor der Prüfung vermasselte sie jede Frage im theoretischen Unterricht und als sie bei der Fahrstunde nicht mal mehr die Gangschaltung kannte und beim Einparken gar ein Garagentor ins Visier nahm, sagte der Fahrlehrer besorgt: „Wollen wir nicht doch lieber ein paar Fahrstunden mehr machen“

Abends zeigte Adam wieder sehr einfühlsam und liebevoll seine Einstellung gegenüber Frauen am Steuer und insbesondere seiner eigenen.

"Ev, du fällst morgen mit Pauken und Trompeten durch die Prüfungen und ich kann nur hoffen, dass ich morgen den Maserati verkaufe, damit ich deine weiteren Fahrstunden bezahlen kann."

Resistent gegen diese Vorhaltungen und deshalb höchst trotzmotiviert, schaffte Ev mit Bravour Theorie mitsamt Praxisprüfung, wobei sogar ihr Lieblingsrandstein auf seinen Reifenkuss verzichten musste.

Worauf Fahrlehrer und Adam gleichermaßen fassungslos auf den frisch ausgestellten Führerschein reagierten.

Fahrlehrer stammelte: „Ich glaube nicht, Sie sind die beste Fahrschülerin laut Prüferaussage, die ich je hatte."

Und Adam schimpfte: „Dein Prüfer muss heute im absoluten Schlaftrauma gewesen sein."

Trotz allem wollte Adam sich auf der ersten Fahrt überzeugen und genauestens überprüfen, ob er seiner Angetrauten zukünftig ein Auto, natürlich ein altes, gebrauchtes, anvertrauen konnte.

Armselig, mit zitternden Knien, kletterte er auf den Beifahrersitz, die rechte Schulter an der Tür pappend und sich krampfhaft am Seiten-Haltegriff festklammernd, gab Ev das nötige Selbstbewusstsein.

Sein unheimliches Vertrauen in ihre Fahrkünste ließen sie denn auch bissig bemerken: „Der Verbandskasten liegt griffbereit im Kofferraum und wenn du meinst, hol ich dir auch noch einen Sturzhelm."

Evs fahrtechnische Umstellung vom VW-Golf der Fahrschule auf den alten Opel Caravan bereitete ihr schon einige Schwierigkeiten, die sie jedoch locker in den Griff bekommen hätte, wenn nicht ihr fahr erprobtes Ehegespons ständig am Palavern gewesen wäre.

Insgeheim schwor sie sich, bevor er das nächste Mal mitfährt, verbinde ich seinen Mund mit zehn Kilo Hansaplast!!!

Bernds und Horsts Einstandsgeschenk zur erfolgreichen Fahrprüfung waren vier Gummibäumchen. Grinsend meinten die beiden, die Gummibäume könnte man ja an unserer Auffahrt pflanzen, damit Ev auch sanft die Kurve kriegt, worauf Erika nur grinsend bemerkte: „Ev merkst du es, hier spricht mannighafte Erfahrung männlicher Fahrkünste.“ Die Blechschäden, die die Drei zusammen oder einzeln verursacht haben, ließen so manchen Schrotthändler jubilieren." Erika traf den Nagel auf den Kopf, den urplötzlich hatten es die Drei furchtbar eilig und die Rotfärbung ihrer Wangen sprach wohl Bände.

Mein Führerschein brachte mich in den Genuss fortan Fahrten zu unternehmen, die weit unter der Würde männlicher Raserei lagen. Sprich: Nächtelanges, im Schritttempo dahin tuckerndes Fahren, wenn klein Alexandra wieder unter Einschlafschwierigkeiten litt. Aber was tut man nicht alles, um seine Fahrkünste zu beweisen

Anfang Oktober musste Adam geschäftlich nach Frankfurt zur Automobilmesse. Für Ev hieß es, den Autoladen in Schwung und zu Hause Mutter und Schwiegermutter bei guter Laune zu halten, wenn die Omapflichten mal wieder weit über ihr zartes Nervenkostüm gingen. Besonders Schwiegermutter fühlte sich arg strapaziert, so verlangte sie am zweiten Abend unbedingt nach Hause in ihr eigenes Bett zu müssen.

Schwiegermutter, führerscheinlos und total Sohnemann-fixiert, flüsterte denn auch mit vibrierender Stimme: "Adams Auto scheinst du ja schon gut im Griff zu haben, aber wenn du weniger aufs Gaspedal treten würdest, wäre mir wohler."

Ein Blick auf den Tacho: "Schwiegermutter, tut mir leid, aber Tempo Fünfzig muss ich schon fahren, sonst glaubt der Fußgänger auf dem Seitenstreifen noch, wir wollen Jagd auf ihn machen."

Als Ev sie sicher und wohlbehalten zu Hause ablieferte, starb der Wagen ab. Schwiegermutters Einladung, Ev könnte ja bei ihr schlafen, verstärkten Evs hektische Startversuche. Vergebens. Ein freundlicher Nachbar hatte ein Einsehen, ließ den Wagen auf der abschüssigen Straße hinabrollen, und das vertraute Motorbrummen ließ Ev erleichtert aufatmen. Danke vielmals und auf Wiedersehen!!

Fuß aufs Gaspedal und Ev brauste Richtung Heimat davon. Besser gesagt, sie wollte Tempo zulegen, aber der Wagen zuckelte wie ein altersschwacher, asthmatischer Traktor den Berg hinauf.

Das ständig aufblinkende rote Lämpchen am Armaturenbrett irritierte Ev zwar leicht, aber mit letzter Verzweiflung drückte Sie das Gaspedal fast bis zum Anschlag.

Fix und fertig bog sie in Hauseinfahrt und riss aufatmend die Fahrertüre auf. Fritz, unser Nachbar kam grinsend angeschlendert und spöttelte.

„Na, wie fährt es sich denn so mit angezogener Handbremse??“

Das rote Lämpchen!! „Glaubst du, dass der Wagen die zwanzig Kilometer ohne Schaden überstanden hat??“

Eine Probefahrt mit unzähligen Bremsmanövern, durchgeführt von Fritz, zeigte was deutsche Wertarbeit bedeutet. Fritz versprach hoch und heilig, diesen Fauxpas augenblicklich ins Land der Vergessenheit zu schicken.

Somit blieb Ev erspart, die Blamage Affäre "Handbremse“ ihrem Mann zu beichten.

Zum Geburtstag sollte Ev ein neues, natürlich gebrauchtes Auto bekommen.Nachdem Adam den Opel Caravan höchstpersönlich auf einer abschüssigen Abfahrt geschrottet hatte, Ironie an der Sache, Adam stieg aus und vergaß, die Handbremse anzuziehen, blieb ihm auch nichts anderes übrig, er musste seiner Angetrauten ein neues Auto gewähren.

Die Probefahrt mit dem „Hässlichen Entlein“ zeigte Ev, dass sie durchaus an Seekrankheit auf Landstraßen leiden konnte. Und so fiel die Wahl schließlich auf einen hellblauen VW Käfer - Marke uralt. Völlige Sicherheit, richtig gewählt zu haben, bekam Ev, als sie beim Einsteigen unbemerkt in einen Hundekothaufen stieg. Trotz Generalreinigung und geöffnetem Fenster blieb der penetrante Geruch einige Tage erhalten.

Worauf Ev ihren naserümpfenden Beifahrern grinsend versicherte: „Was willst du, Sche...!!, bringt bekanntlich Glück!!“ Stolz über ihr heißgeliebtes Käferchen kutschierte sie durch die Landschaft. Die erste von ihr fabrizierte Delle erhielt Käferchen, als sie die enge Ausfahrt rasant im Rückwärtsgang verlassen wollte. Um die völlig deplatzierten Betonpfosten links und rechts kam sie ja noch gut vorbei. Nur das Mülltonnennhäuschen, ebenfalls aus massivem Beton, wurde ihr zum Verhängnis.

Knapp, wie die Ausfahrt nun mal war, verfing sich der rechte Kotflügel im Knauf der Eisentür des Häuschens. Wildes Hüpfen und Gestikulieren Adams legte sie als Zustimmung zur freien Fahrt aus. (Übertriebene Gesten waren ja schon immer sein Markenzeichen!)

Lachend gab sie noch mehr Gas, - grausames Knirschen gepaart mit blechernem Scheppern ließen sie erschrocken auf die Bremse trampeln. Der Kotflügel abstrakt verbogen, das Mülltonnennhäuschen radikal aus der Verankerung gerissen, gaben ihrem brüllendem Eheliebsten endgültig die Gewissheit:

„Dein Gefühl für das richtige Tempo ist glatte Allgemeingefährdung!!“

Eben so laut erinnerte Ev ihren Mann, wie er bei seiner ersten Ausfahrt den einzigen, riesigen Schneehaufen neben dem Straßenrand mit vollem Tempo niederbretterte, weil er die Bremse mit dem Gaspedal verwechselte.

„Der Mann vom Abschleppdienst hat sich fast scheckig gelacht, als du ihm glaubhaft versichern wolltest, dass du mitten im Stadtgebiet einem Reh ausweichen musstest!!“

Wutentbrannt ließ Ev ihren nach Luft japsenden Gatten stehen, schnappte sich ihre Tochter und fuhr zu ihrer Mutter.

Evs Mutter lebte zur Miete auf einem idyllischen Bauernhof, was für die gestresste Ev jedes Mal ein wahres Ruheparadies war. Doch als sie rasant in die Einfahrt zum Bauernhof einbog, stand sie plötzlich vor einem echten Problem!! Linkerhand, bei den Stallungen wurde ein neuer Silo gebaut und zu diesem Zweck mussten die Arbeiter einen breiten tiefen Graben quer über die Straße ziehen. Für Notfälle und geübte Autofahrer, waren zwei, den Graben überbrückende Holzbretter ausgelegt. Evs Augenmaß war noch nie besonders gut und der Schrecken mit dem Mülltonnennhäuschen steckte ihr noch arg in den Gliedern. So stand sie nun mit Käferchen vor den Holzbrettern und überlegte, ob sie je heil da rüberkam.