Und übrigens noch was ... - Eoin Colfer - E-Book

Und übrigens noch was ... E-Book

Eoin Colfer

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Beschreibung

Daumen raus – die Reise per Anhalter durch die Galaxis geht weiter

Arthur Dents zufällige Beziehung zum außergewöhnlichen Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" blieb nicht gänzlich ohne Zwischenfälle. Arthur hat den bekannten (und unbekannten) Weltraum bis in die letzten Winkel und darüber hinaus bereist, nachdem sein Haus (und der gesamte Planet Erde) an einem furchtbar dummen Donnerstag einer Hyperraum-Schnellstraße weichen musste. Nach diversen Eskapaden im Raum-Zeit-Kontinuum landet er schließlich zu Hause auf der geliebten Erde – die gleich darauf wieder in die Luft fliegt. Arthurs Aussichten auf eine gemütliche Tasse Tee sind nicht gerade rosig ... In "Und übrigens noch was ..." bekommt er es unter anderem mit arbeitslosen Göttern zu tun, abtrünnigen galaktischen Präsidenten, verliebten grünen Aliens, lästigen Computern und einer ziemlich großen Scheibe Käse.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 487




Inhaltsverzeichnis
 
Widmung
Inschrift
Vorwort
EINLEITUNG
 
Kapitel 1
 
Kapitel 2
 
Kapitel 3
 
Kapitel 4
Vogonisches Hyperraumschiff der Bürokreuzerklasse Dickes Ende
Wowbaggers Langschiff Tanngrísnir
 
Kapitel 5
Die Tanngrísnir
 
Kapitel 6
Der Planet Nano
Die Stadt Cong, Innisfree, Nano
Die offizielle Version
Und die inoffizielle Version
Asgard
Vogonisches Hyperraumschiff der Bürokreuzerklasse Dickes Ende
 
Kapitel 7
Die Tanngrísnir
Asgard
 
Kapitel 8
Die Tanngrísnir
Asgard
Nano
Asgard
Hillman Hunter
Nano
 
Kapitel 9
Die Tanngrísnir
Trillian
Random
Bowerick Wowbagger
Arthur
Ford
Cong
Tyropolis
 
Kapitel 10
 
Kapitel 11
Vogonisches Hyperraumschiff der Bürokreuzerklasse Dickes Ende
Das Städtchen Cong, Innisfree, Nano
Die Dickes Ende
Nano
Die Dickes Ende
Nano
Die Dickes Ende
Nano
Die Dickes Ende
Nano
Nano, äußere Atmosphäre
Die Dickes Ende
Nano
Die Dickes Ende
Nano
 
Kapitel 12
Weltraum
Die Dickes Ende
Nano
 
Danksagung
Copyright
Für Jackie, Finn & Seán, die mich vermissen, wenn ich weggehe, aber nicht so sehr, wie ich sie vermisse. Wenn ihr nochmal nachgucken wollt, wie ich aussehe, auf den Umschlagklappen müsste eigentlich irgendwo ein Bild von mir sein.
Das Gewitter hatte nun endgültig nachgelassen, und was da noch an Donner war, grummelte über fernen Bergen nach wie ein Mensch, der, zwanzig Minuten nachdem er im Streitgespräch hat klein beigeben müssen, sagt: »Und übrigens noch was …«
Douglas Adams, Macht’s gut, und danke für den Fisch
 
 
 
We have travelled through space and time, my friends, to rock this house again.
Tenacious D
VORWORT
Wenn Sie ein Exemplar von Per Anhalter durch die Galaxis besitzen, ist, so wird man unterstellen dürfen, das Letzte, was Sie in das Suchfeld dieses Sub-Etha-Buchs eingeben würden, sein Titel, denn da Sie ein Exemplar haben, wissen Sie vermutlich schon alles über das bemerkenswerteste Buch, das je in den großen Verlagskonzernen von Ursa Minor erschienen ist. Aber schließlich sind »Unterstellungen« in jeder größeren Umfrage nach den Ursachen für einen intergalaktischen Konflikt in den letzten Jahrtausenden regelmäßig auf dem zweiten Platz gelandet – an erster Stelle standen unverrückbar »Machtgierige Schweinehunde mit großen Waffen«, und auf dem dritten gab es meist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem »Verlangen nach der besseren Hälfte einer anderen empfindsamen Bioform« und der »Fehlinterpretation einfacher manueller Gesten«. Des einen Mannes »Wow, diese Pasta ist fantastico!« ist eben zuweilen des anderen Mannes »Deine Mudda treibt’s heiß und wild mit Matrosen!«.
Nehmen wir doch einfach mal an, Sie hätten einen achtstündigen Aufenthalt in Port Brasta und nicht genug Kredit für einen Donnergurgler auf Ihrem Implantat, und in diesem Moment fällt Ihnen auf, dass Sie so gut wie nichts über dieses angeblich so wunderbare Buch wissen, das Sie in der Hand halten, worauf Sie aus schierer hirnvernebelnder Langeweile die Worte »Per Anhalter durch die Galaxis« ins Suchfeld des Reiseführers Per Anhalter durch die Galaxis eintippen, welches Ergebnis wird diese impulsive Handlung dann zeitigen?
Zuerst erscheint ein animiertes Icon in einem Blitz aus Pixeln und teilt Ihnen mit, dass es exakt drei Suchergebnisse gibt, was etwas verwirrend ist, weil darunter eindeutig fünf Einträge zu finden sind, aufgelistet in der üblichen numerischen Reihenfolge.
ANMERKUNG Das gilt nur, sofern Ihre Vorstellung der üblichen numerischen Reihenfolge von klein zu größer werdend ist und nicht von epigonal zu inspiriert, wie bei den folfanganischen Schnecken, die eine Zahl anhand der künstlerischen Vollkommenheit ihrer Form beurteilen. Folfanganische Supermarktkassenzettel sind wunderhübsch gestaltete Seidenbänder. Bedauerlicherweise bricht die Wirtschaft des Planeten mindestens ein Mal pro Woche zusammen.
 
Bei diesen fünf Einträgen handelt es sich um längere Artikel mit mehrstündigem Video- und Audiomaterial und ein paar gelungenen Dramatisierungen, in denen mehr oder weniger bekannte Schauspieler auftreten.
Dies ist nicht die Geschichte dieser fünf Einträge.
Aber wenn Sie weiter als bis zum fünften Artikel herunterscrollen und die Angebote zur Umfinanzierung der Hypothek auf Ihre Nieren ignorieren, finden Sie eine Zeile in einer winzigen Schrift, in der Wenn Ihnen dies gefallen hat, könnten Ihnen auch folgende Artikel gefallen … steht. Sobald Sie mit dem Cursor über diesen Link fahren, kommen Sie zu einem Anhang mit reinem Text, der sowohl auf Audiomaterial als auch auf die Videos verzichtet, die ein frischgebackener Absolvent der Filmhochschule komplett in seinem Schlafzimmer mit seinen Kumpeln aus der Theater-AG gedreht hat, die er dafür mit einem Apfel und einem Ei entlohnt hat.
Dies ist die Geschichte dieses Anhangs.
EINLEITUNG
Was wir bisher wissen:
Eines Tages beschloss die Regierung des Galaktischen Imperiums nach dem Verzehr eines Eimers voller Schmuckschalenkrebse, dass man dringend eine Hyperraum-Schnellstraße in einem total aus der Mode gekommenen westlichen Spiralarm der Galaxis bauen müsse. Diese Entscheidung wurde hastig durch alle Instanzen gepaukt, angeblich um ansonsten unvermeidlichen Verkehrsstaus in einer fernen Zukunft vorzubeugen, tatsächlich jedoch, um einigen Vettern verschiedener Minister, die schon seit Ewigkeiten auf den Fluren des Regierungsgebäudes herumlungerten, Jobs zu verschaffen. Unglücklicherweise lag die Erde mitten auf dem Weg der geplanten Umgehungsstraße, also wurden die unbarmherzigen Vogonen mit einer Bauflotte vorbeigeschickt, um den widerspenstigen Planeten durch den verantwortungsbewussten Einsatz thermonuklearer Waffen zu entfernen.
Zwei Überlebenden gelang es, per Anhalter auf einem Vogonenschiff mitgenommen zu werden: Arthur Dent, ein junger englischer Angestellter einer regionalen Rundfunkstation, dessen Tagesplan am Morgen keinesfalls beinhaltet hatte, dass sein Heimatplanet unter seinen Pantoffeln in Staub verwandelt werden würde. Hätte man die Menschheit ein Referendum durchführen lassen, so wäre Arthur Dent wahrscheinlich zu der Person gewählt worden, die am wenigsten dazu geeignet war, die Hoffnungen der Menschheit in die Weiten des Weltraums zu tragen. So wurde er zum Beispiel im Jahrbuch seiner Universität als jemand charakterisiert, der »höchstwahrscheinlich in irgendeinem Loch auf dem Land endet, wo ihn keiner beim Trübsalblasen stört«. Glücklicherweise hatte sein beteigeuzischer Freund Ford Prefect, der als reisender Reporter für diesen illustren interstellaren Reise-Almanach Per Anhalter durch die Galaxis eben dort unterwegs war, eine etwas optimistischere Weltsicht. Ford sah Silberstreifen, wo Arthur nur Wolken sah, und gemeinsam bildeten sie immerhin einen besonnenen Weltraumreisenden, sofern ihre Reise sie nicht auf den Planeten Junipella führte, auf dem die Wolken tatsächlich Silberstreifen hatten. Arthur hätte das Raumschiff zweifelsohne direkt in die nächste dunkle Wolke gesteuert, während Ford mit nahezu absoluter Sicherheit versucht hätte, das Silber zu klauen, was eine Selbstentzündung des Erdgases im Silberstreif verursacht hätte. Die Explosion wäre zwar hübsch anzusehen gewesen, aber mehr auch nicht, denn auf ein Heldenbegräbnis hätte man mangels auffindbarer Helden verzichten müssen.
Der einzige weitere Erdling, der die Erde überlebt hatte, war Tricia McMillan, oder Trillian, um sie bei ihrem coolen Weltraumnamen zu nennen, eine ambitionierte Astrophysikerin, die sich als Reporterin versuchte und schon immer davon überzeugt gewesen war, dass das Leben mehr als nur das Erdenleben zu bieten habe. Trotz dieser Überzeugung war Trillian doch sehr verblüfft, als sie von Zaphod Beeblebrox, dem unorthodoxen zweiköpfigen Präsidenten der Galaxis, entführt wurde.
Kann man über Präsident Beeblebrox überhaupt noch etwas sagen, was er nicht schon auf Unmengen von T-Shirts hatte drucken lassen, die er dann via uBid über die ganze Galaxis verbreitet hatte?
ZAPHOD SAGT JA ZU ZAPHOD war der wohl bekannteste T-Shirt-Slogan, wobei nicht einmal sein Psychiaterteam verstand, was es eigentlich bedeutete. Der zweitbekannteste war vermutlich: BEEBLEBROX. FREUT EUCH EINFACH, DASS ER DA DRAUSSEN IST.
Es ist ja allgemein bekannt, dass das, was jemand auf ein T-Shirt drucken lässt, schon allein deswegen, weil er diesen Aufwand betreibt, fast definitiv nicht hundertprozentig unwahr sein kann, was bedeutet, dass es höchstwahrscheinlich nicht absolut falsch ist. So bejahten die Bewohner im Allgemeinen auch sämtliche Fragen, die Präsident Zaphod Beeblebrox ihnen bei einem Besuch ihres Planeten stellte. Und wenn er sich wieder verabschiedet hatte, freuten sie sich, dass er wieder da draußen war.
Diese vier eher untypischen Helden zog es nun auf erstaunliche Weise zueinander hin, und sie erlebten in der Folge eine Reihe von Abenteuern, bei denen sie vorwiegend durch Raum und Zeit schwirrten, auf jeder Menge Sofas hockten, mit hohlen Computern plauderten und insgesamt daran scheiterten, in irgendeiner Ecke des Universums Sinn oder Erfüllung zu finden.
Arthur Dent kehrte schließlich zu jenem Loch im Weltraum zurück, wo sich die Erde einmal befunden hatte, und stellte fest, dass es von einem erdengroßen Planeten besetzt worden war, der der Erde bemerkenswert ähnlich sah und sich auch wie sie anfühlte. Tatsächlich handelte es sich bei diesem Planeten um die Erde, wenn auch nicht um die Arthurs. Jedenfalls nicht um die dieses Arthurs. Da sein Heimatplanet im Zentrum einer Pluralzone lag, schrammte der Arthur, über den wir berichten, an der Dimensionsachse entlang zu einer anderen Erde, die nie von Vogonen zerstört worden war. Damit war unser Arthur glücklich. Und trotz seiner üblichen Trübsinnigkeit heiterte sich seine Stimmung noch mehr auf, als er Fenchurch, der Liebe seines Lebens begegnete. Zum Glück wurde diese idyllische Phase nicht unvermittelt dadurch beendet, dass er einem der Arthurs aus den Alternativuniversen begegnete, die irgendwo herumliefen, zum Beispiel in Los Angeles, um dort für die BBC zu arbeiteten.
Arthur und seine große Liebe reisten zusammen zu den Sternen, bis Fenchurch mitten im Gespräch bei einem Hyperraumsprung verschwand. Arthur suchte sie im ganzen Universum und finanzierte seine Reisen, indem er diverse Körperflüssigkeiten gegen Erste-Klasse-Tickets einlöste. Schließlich strandete er auf einem Planeten namens Lamuella und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Sandwichmacher für einen primitiven Stamm, der Sandwiches für eine ziemlich coole Sache hielt.
Dort wurde seine Ruhe urplötzlich von einem Kurier Ford Prefects gestört, der ihm ein unscheinbares Päckchen überbrachte, in dem sich ein Exemplar des Reiseführers Per Anhalter durch die Galaxis befand, allerdings nicht in der Form, in der Sie ihn in der Hand halten, sondern als eine Mark-II-Version in Gestalt eines etwas geschwätzigen, pandimensionalen schwarzen Vogels. Auch Trillian, die inzwischen eine erfolgreiche Nachrichtensprecherin war, hatte ein ganz persönliches Geschenk für Arthur, nämlich Random Dent, die gemeinsame Tochter, die sie mit Hilfe der Spende empfangen hatte, mit der Arthur den Sitzplatz 2D in der Alpha-Centauri-Nachtmaschine bezahlt hatte.
Etwas widerstrebend akzeptierte Arthur seine Vaterrolle, verlor aber mit dem trotzigen Teenager zunehmend den Boden unter den Füßen. Random stahl den Mark-II-Reiseführer und machte sich auf den Weg zur Erde, wo sie endlich ein Zuhause zu finden hoffte. Arthur und Ford folgten ihr und stellten bei ihrer Ankunft fest, dass Trillian bereits dort war.
Erst jetzt offenbarte sich der wahre Zweck des Mark II. Aus Verärgerung über die Weigerung der Erde, ka-wummst zu bleiben, hatten die Vogonen den Vogel entwickelt, um die Entflohenen wieder auf die Erde zurückzulocken, bevor sie diese dann endgültig und in allen Dimensionen zerstören wollten, um ihren ursprünglichen Auftrag endlich zu Ende zu bringen.
Arthur und Ford rasten in annähernd halsbrecherischer Geschwindigkeit zum Londoner Club Beta und machten nur einmal kurz Pause, um Gänsestopfleberpastete und blaue Wildlederschuhe zu kaufen. Dank der guten alten Achsen-/ Pluralzonen-Geschichte fanden sie Trillian und Tricia McMillan nebeneinander in der gleichen Raum-Zeit, wo beide gleichzeitig von einer aufgebrachten Random angeschrien wurden.
Verwirrt? Arthur war es, aber nicht lange. Angesichts der grünen Todesstrahlen, die durch die unteren Schichten der Atmosphäre pulsierten, lösten sich die vielen Probleme des Tages, die ihm gerade noch zu schaffen gemacht hatten, in Luft auf. Schließlich würde seine Verwirrung ihn kaum in Millionen verbrannter Einzelteile zerreißen.
Der vogonische Prostetnik hatte gute Arbeit geleistet. Er hatte nicht nur Arthur, Ford und Trillian wieder auf die Erde zurückgelockt, sondern außerdem einen Grebulonier-Kommandanten durch eine List dazu gebracht, die Erde für ihn zu zerstören, womit er seiner Crew mehrere Hundert Vog-Stunden Papierkram mit dem Munitionsamt ersparte.
Arthur und seine Freunde saßen im Londoner Club Beta, als der ultimative Feldzug gegen die Erde geführt wurde. Sie konnten der Zerstörung nur tatenlos zusehen, das heißt, wenn man spasmodische Zucken und die Verflüssigung von kompakter Knochensubstanz nicht als Tätigkeit werten will. Bei den Vernichtungswaffen handelte es sich diesmal um Todesstrahlen, nicht um Vogonentorpedos. Aber was soll’s, eine Planetenvernichtungswaffe ist wie die andere, jedenfalls aus Sicht der Bewohner des Planeten.
1
Nach Angaben eines Hilfshausmeisters der Universität von Maximegalon, der sich häufig vor den Seminarräumen herumtreibt, ist das Universum sechzehn Milliarden Jahre alt. Über diese vermeintliche Wahrheit spottet ein Haufen beteigeuzischer Beat-Poeten, die behaupten, Einlegesohlen zu besitzen, die wesentlich älter sind (tock-tock-tock). Siebzehn Milliarden, sagen sie, mindestens, und sie berufen sich dabei auf ihre Urausgabe der Urknall-Rollen. Ein menschliches Wunderkind im Teenager-Alter kam einmal auf vierzehn Milliarden, das Resultat einer komplizierten Rechnung unter Einbeziehung der Dichte von Mondgestein und der Entfernung zwischen zwei pubertierenden Mädchen im selben Ereignishorizont. Einer der unbedeutenderen Götter Asgards murmelte einmal, er habe irgendwo etwas über ein größeres kosmisches Ereignis vor achtzehn Milliarden Jahren gelesen, aber kaum jemand gibt noch etwas auf die Verkündigungen von oben seit dem Debakel um die »Geburt der Götter« oder »Thorgate«, wie es auch genannt wurde.
Wie viele Milliarden Jahre es auch sein mögen, Milliarden sind es allemal, und der alte Mann am Strand sah aus, als hätte er mindestens eine dieser Milliarden an den Fingern abgezählt. Seine Haut schimmerte wie elfenbeinfarbenes Pergament, und von der Seite gemahnte die Silhouette seines Körpers an ein großes zittriges S.
Der Mann erinnerte sich daran, dass er einmal eine Katze besessen hatte, wenn man denn Erinnerungen mehr vertrauen wollte als Neuronenkonfigurationen über Trillionen von Synapsen. Erinnerungen konnte man nicht mit der Hand anfassen. Er konnte sie nicht so spüren, wie er die Brandung spürte, die seine knotigen Zehen umspülte. Andererseits: Waren solche physikalischen Empfindungen nicht auch nur elektrische Impulse im Gehirn? Warum sollte man dann daran glauben? Gab es überhaupt irgendetwas im Universum, dem man vertrauen, an das man sich klammern konnte, abgesehen von einer hawaliusianischen Windwehre im Zentrum eines Schmetterlingssturms?
Verdammte Schmetterlinge, dachte der Mann. Nachdem sie auf den Trichter gekommen waren, wie sie mit Flügelflattern einen ganzen Kontinent wegpusten konnten, hatten sich Millionen aufmüpfiger Lepidoptera zu Banden zusammengerottet und waren gemeingefährlich geworden.
Aber das kann doch nun wirklich nicht real sein, dachte er. Schmetterlingsstürme?
Aber dann bildeten weitere Neuronen weitere Synapsen und flüsterten etwas von Unwahrscheinlichkeitstheorien. Wenn etwas niemals passieren sollte, wehrte sich genau dieses Ereignis vehement dagegen, nicht einzutreten, und zwar so schnell wie möglich. Schmetterlingsstürme. Auch das war nur eine Frage der Zeit.
Der alte Mann schob den Gedanken beiseite. Er wollte nicht, dass ihm noch eine weitere Katastrophe in den Sinn kam und sich auf den beschwerlichen Weg machte, zum ersten Mal einzutreten.
Gab es irgendetwas, dem man vertrauen konnte? Aus dem man Trost schöpfen konnte?
Die untergehende Sonne entzündete die Gischt auf den kleinen Wellen, polierte die Wolken, überzog die Palmwedel mit silbernen Streifen und brachte die Teekanne aus Porzellan auf seinem Verandatisch zum Strahlen.
Ach ja, dachte der alte Mann. Tee. Im Zentrum eines unsicheren und womöglich illusorischen Universums gibt es doch immer noch Tee.
Mit einem Gehstock, den er sich aus einem abgelegten Roboterbein gebastelt hatte, malte der alte Mann zwei natürliche Zahlen in den Sand und beobachtete, wie die Wellen sie wegspülten.
42. Einen Moment stand die Zahl noch da, im nächsten war sie verschwunden. Vielleicht hatte die Zahl nie dagestanden, und vielleicht war sie auch völlig belanglos.
Aus irgendeinem Grund musste der Mann gackernd darüber lachen, dann beugte er sich vor und schlurfte den Hang hinauf zu seiner Veranda. Nach intensivem Knochenknacken und Dielenknarzen saß er schließlich in seinem Korbstuhl, der vollkommen im Einklang mit seiner Umgebung stand, und rief seinem Androiden zu, dass er ihm etwas Gebäck bringen solle.
Der Androide brachte Butterkekse.
Eine gute Wahl.
Sekunden später lenkte ihn ein Metallvogel, der flatternd vor ihm auftauchte, beim konzentrierten Einstippen ab, so dass ihm ein großes Stück Keks in den Tee fiel.
»Himmeldonnerwetter«, grummelte der alte Mann. »Weißt du, wie lange ich an dieser Technik gearbeitet habe? Einstippen und Sandwiches. Was bleibt einem Menschen denn sonst noch?«
Der Vogel ließ sich nicht beirren.
»Ein unbeirrter Vogel«, sagte der Mann leise und lauschte dem Klang seiner Worte nach. Er schloss das schlechte Auge, mit dem er nicht mehr richtig sehen konnte, seit er als Junge beim Spielen vom Baum gefallen war, und betrachtete das Wesen genauer.
Der Vogel hing in der Luft, seine metallischen Federn glänzten purpurrot in den Sonnenstrahlen. Seine Flügelschläge erzeugten winzige Luftwirbel.
»Batterie«, sprach der Vogel mit einer Stimme, die den alten Mann an einen Schauspieler erinnerte, den er einmal im Londoner Globe Theatre in der Rolle des Othello gesehen hatte. Faszinierend, woran einen so ein Vogel erinnern konnte.
»Hast du ›Batterie‹ gesagt?«, fragte der alte Mann, nur um sicherzugehen. Es hätte auch »Symmetrie« heißen können oder, wer weiß, sogar »Artillerie«. Sein Gehör war nicht mehr das beste.
»Batterie«, krächzte der Vogel, und dann bekam die Realität plötzlich Risse und zersprang wie ein berstender Spiegel. Der Strand verschwand, die Wellen erstarrten, knisterten leise und verschwanden dann ebenfalls. Als Letztes verschwanden der Tee und das Gebäck.
»Scheiße«, murmelte der alte Mann, als sich die letzten Krümel auf seinen Fingerspitzen in Luft auflösten. Dann lehnte er sich auf dem Kissen zurück, in den Himmelsraum, der ihn plötzlich umgab. Irgendjemand würde gleich kommen. Da war er sich hundertprozentig sicher. In diesen Situationen kam immer jemand. Aus den finsteren Höhlen seiner alten Erinnerungen tauchten wie graue Fledermäuse die Namen Ford und Prefect auf, um sogleich eine Verbindung mit dem drohenden Desaster einzugehen.
Immer wenn das Universum in seine Einzelteile zerfiel, war Ford Prefect ganz in der Nähe. Er und sein verfluchtes Buch. Wie hieß es noch? Ach ja: Am Anfang gab es nur Taxis.
Oder so ähnlich.
Der alte Mann wusste genau, was Ford Prefect sagen würde.
Du musst das Gute daran sehen, alter Kumpel. Wenigstens liegst du nicht vor einem Bulldozer, oder? Und wir werden auch nicht aus der Druckschleuse eines Vogonenraumschiffs gespült. Ein Raum aus Himmel ist eigentlich gar nicht so übel. Es könnte schlimmer sein, viel schlimmer.
»Es wird viel schlimmer werden«, sagte der alte Mann in dumpfer Gewissheit. Seiner Erfahrung nach wurde immer alles schlimmer, und wenn sich, selten genug, einmal etwas zu bessern schien, war das nur der dramatische Auftakt zur finalen Katastrophe.
Jaha, dieser Himmelsraum schien ziemlich harmlos zu sein, aber welche Schrecken lauerten da hinter den sich kräuselnden Wänden? Der alte Mann war davon überzeugt, dass sie extrem schrecklich sein würden.
Er pikste mit dem Zeigefinger in die biegsame Oberfläche einer Wand, die wie gestockter Grießbrei nachgab, worauf der alte Mann beinahe gelächelt hätte, wäre ihm nicht wieder eingefallen, dass ein tyrannischer Klassensprecher auf der Eaton-House-Schule ihm damals Grießbrei in die Schuhe gefüllt hatte.
»Blisters Smyth, du feiger Schisser«, flüsterte er.
Als er die Fingerspitze von der Wand löste, hinterließ der Abdruck einen kurzen Moment lang ein Loch in den Wolken, und durch dieses Loch sah der alte Mann das hohe Schiebefenster, und draußen, vor dem Fenster … Waren das vielleicht Todesstrahlen?
Der alte Mann fürchtete, dass das der Fall war.
So viel Zeit, dachte er. Es ist so viel Zeit vergangen, und nichts ist passiert.
 
Ford Prefects Leben war der reinste Traum. Falls dieser Traum ein Domizil in einem der ultraluxuriösen, mit fünf Superriesen bewerteten, natürlich erodierten Ferienanlagen auf Han Wavel beinhaltete, in denen man von früh bis spät mit exotischen Frauen der unterschiedlichsten Spezies und mit ebenso exotischen alkoholischen Mixgetränken in solchen Mengen versorgt wurde, dass es bleibende Schäden nach sich ziehen musste.
Und das Beste: Die Kosten dieses zügellosen und möglicherweise lebensverkürzenden Programms wurden einfach von seiner Dine-O-Charge-Karte abgebucht, die dank einigen kreativen Basteleien am Computer beim letzten Besuch in den Redaktionsräumen des Anhalters durch die Galaxis kein Limit mehr hatte.
Wenn man einem jüngeren Ford Prefect ein leeres Blatt Papier vorgelegt und ihn aufgefordert hätte, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen und in einem Absatz kurz zu umreißen, wie seine sehnlichsten Wünsche für die Zukunft aussähen, hätte er allenfalls das Adverb möglicherweise gestrichen. Wahrscheinlich.
Die Ferienanlangen auf dem Planeten Han Wavel waren so obszön luxuriös, dass es hieß, für eine einzige Nacht in der berüchtigten Vibro-Suite des Sandcastle-Hotels würde ein brequindanischer Mann seine Mutter verkaufen. Das klingt schockierender, als es ist, da Eltern auf Brequinda eine anerkannte Währung sind und man für eine ordentlich mit Feuchtigkeitscreme gepflegte Siebzigjährige mit guten Zähnen eine motorbetriebene Mittelklasse-Familienkutsche bekommen kann.
Ein Elternteil hätte Ford vielleicht nicht verkauft, um seinen Aufenthalt im Sandcastle zu finanzieren, aber diesen zweiköpfigen Cousin, der sowieso nur Ärger machte …
Ford fuhr jeden Abend mit dem Flugstuhl zu seinem Penthouse hinauf, krächzte vor der Tür, dass sie ihn einlassen solle, und nahm sich dann einen Moment Zeit, um sich in seine blutunterlaufenen Augen zu schauen, bevor er mit dem Gesicht voran ins Waschbecken knallte und das Bewusstsein verlor.
Das ist das letzte Mal, schwor er sich jeden Abend. Mein Körper wird revoltieren und über kurz oder lang implodieren.
Wie würde wohl sein Nachruf im Anhalter durch die Galaxis lauten?, fragte sich Ford. Er würde kurz sein, so viel war sicher. Ein paar Wörter. Vielleicht dieselben Wörter, mit denen er die Erde vor so vielen Jahren beschrieben hatte?
Größtenteils harmlos.
Erde. War nicht auf der Erde etwas ziemlich Trauriges passiert, worüber er nachdenken sollte? Warum konnte er sich an ein paar Sachen deutlich erinnern, während andere so klar waren wie ein wolkenverhangener Morgen in den ewigen Nebelfeldern der Dunstigen Auen von Nephologia?
In dieser melancholischen Phase presste normalerweise der dritte Donnergurgler den letzten Rest Bewusstsein aus Fords mariniertem Gehirn, worauf er unvermittelt kicherte, dann zweimal wie ein kleines Rodeo-Hühnchen kreischte und sich zweimal um sich selbst drehte, um schließlich ins nächste Badezimmerbehältnis zu stürzen.
Und trotzdem, sobald er am Morgen den Kopf aus der Wanne hob (wenn er Glück hatte), fühlte Ford sich wundersamerweise wie neu geboren. Kein Kater, kein Grabgeschmack im Hals, nicht einmal ein geplatztes Äderchen im Auge, das für die Exzesse der vergangenen Nacht Zeugnis ablegte.
»Du bist ein cooler Frood, Ford Prefect«, sagte er sich stets. »Ja, das bist du.«
Hier ist irgendetwas faul, es stinkt nach altem Fisch, insistierte sein Unterbewusstsein, das sich schon lange nicht mehr gemeldet hatte.
Fisch?
Macht’s gut, und danke für den …
War da nicht irgendetwas mit Delfinen gewesen? Das waren zwar keine Fische, aber sie bewohnten den gleichen … Lebensraum.
Denk nach, du Idiot! Überleg doch mal! Du müsstest schon mindestens hundertmal tot sein. Du hast mehr als genug Cocktails getrunken, um nicht nur dich, sondern auch noch mehrere Alternativversionen von dir zu marinieren. Wieso lebst du noch?
»Gesund und froody«, sagte Ford dann, blinzelte sich dabei selbst im Spiegel zu und wunderte sich, wie schön sein rotes Haar glänzte. Wie ausgeprägt seine Wangenknochen hervortraten. Außerdem schien ihm ein Kinn zu wachsen. Ein richtiges markantes Kinn. »Das Leben in dem Laden hier tut mir gut«, sagte er zu seinem Spiegelbild. »Die Foto-Egel-Packungen und die Behandlungen mit bestrahlten Colono-Lemmingen geben meinem Körper einen richtigen Schub. Ich denke, ich bin es Ford Prefect einfach schuldig, dass ich noch ein bisschen hierbleibe.«
Und das tat er dann auch.
 
Am Vortag hatte Ford eine Unterwassermassage mit der Kreditkarte seines Chefs bezahlt. Der Masseur war ein damogranischer Pom-Pom-Krake mit elf Tentakeln und tausend Saugnäpfen, die Fords Rücken bearbeiteten und seine Poren mit einer Reihe peitschenartiger Klopfmassagebewegungen reinigten. Die meisten Pom-Pom-Kraken waren völlig überqualifiziert für die Arbeit in der Wellness-Industrie, fielen aber oft den Verlockungen des hohen Gehalts, planktonreicher Pools und der Hoffnung zum Opfer, einmal einen Talentscout der Musikindustrie zu massieren und auf diese Weise einen Plattenvertrag zu ergattern.
»Haben Sie in letzter Zeit irgendetwas für die Musikindustrie gemacht, mein Freund?«, fragte der Krake wenig zuversichtlich.
»Nein«, antwortete Ford, während Blasen aus seinem Plexiglashelm aufstiegen, unter dem sein Gesicht das angenehm phosphoreszierende Licht des Felsgesteins widerspiegelte. »Ich hab aber mal blaue Wildlederschuhe besessen, und das ist ja auch schon was. Einen hab ich noch, der andere ist eher malvenfarben, weil es nur eine Kopie ist.«
Der Krake nahm beim Sprechen immer wieder einen Happen vom vorbeischwimmenden Plankton, wodurch das Gespräch regelmäßig ins Stocken geriet.
»Ich weiß nicht, ob Sie …«
»Ob ich was?«
»Ich war noch nicht fertig.«
»Sie hatten zu sprechen aufgehört.«
»Da war so ein Funkeln. Ich dachte, was zu essen.«
»Sie essen Funkeln?«
»Nein. Richtige Funkeln eigentlich nicht.«
»Gut. Weil Funkeln nämlich junge Fonokeln sind, und die sind giftig.«
»Ich weiß, ich wollte nur sagen, dass …«
»Wieder Funkeln?«
»Genau. Und Sie sind auch bestimmt kein Musikagent oder Talentscout?«
»Nein.«
»Ach, um Zarks willen«, fluchte der Krake ein wenig unprofessionell. »Seit zwei Jahren arbeite ich jetzt hier. Die Talentscouts und Musikagenten werden Ihnen aus den Saugnäpfen rauskommen, hat man mir versprochen. Kein einziger ist hier gewesen. Nicht einer. Ob Sie’s glauben oder nicht, ich habe nämlich Kazoo für Fortgeschrittene studiert.«
So eine Gelegenheit konnte Ford sich nicht entgehen lassen. »Kazoo für Fortgeschrittene? Wie weit kann man mit dem Kazoo denn fortschreiten?«
Der Krake war beleidigt. »Ziemlich weit, wenn man tausend davon gleichzeitig spielen kann. Ich habe in einem Quartett gespielt. Können Sie sich das vorstellen?«
Ford versuchte es. Er schloss die Augen, lauschte dem Schlurb-popp der Saugnäpfe auf seinem Rücken und stellte sich vor, wie viertausend Kazoos in perfekter submariner Harmonie ertönten.
Etwas später wickelte der Krake Ford in ein halbes Dutzend Tentakeln ein und drehte ihn sanft um. Ford öffnete ein Auge und las das Namensschild des Kraken. Ich bin Barzoo, stand darauf. Sie können mit mir machen, was Sie wollen.
Und darunter in kleinerer Schrift.
Ich habe eine Gummi-Allergie.
»Und, Barzoo, was für Sachen haben Sie damals so gespielt?«
Bevor der Masseur antwortete, fing er an, mit den Tentakeln zu pumpen, und erzeugte viele kleine Strudel.
»Vor allem ältere Sachen. Coverversionen. Schon mal von Hotblack Desiato gehört?«
Den Namen habe ich tatsächlich irgendwie schon mal gehört, dachte Ford. Irgendwie kam er nicht darauf, in welchem Zusammenhang. Seine Erinnerungen wurden mit jedem Tag verschwommener.
»Hotblack Desiato? War der nicht eine Weile tot?«
Barzoo legte den Kopf schräg und dachte darüber nach. Der Schnabel des Kraken stand offen, und er achtete nicht auf die vorbeitreibenden kleinen Planktonfäden.
»Hey, wenn Sie sich nicht mehr erinnern können, machen Sie sich darüber keine Sorgen. Ich hab hier auch ein paar Problemchen mit meinen Erinnerungen. Lauter so Kleinigkeiten: Wie lange bin ich schon hier, welchen Sinn hat mein Leben, an welchen Fuß gehört welcher Schuh und so.«
Der Krake antwortete nicht, und seine Tentakeln lagen schwer wie alte Taue auf Fords Körper.
Ford hoffte, dass Barzoo nicht plötzlich gestorben war beziehungsweise, falls der Krake doch auf ein anderes Energieniveau übergetreten sein sollte, dass die Wirkung der Saugnäpfe nachließ und nicht etwa in eine Art Todessaugmodus überging. Ford hatte keine Lust, den Rest seines Urlaubs mit der operativen Entfernung von Tentakeln zu verbringen.
Dann blinzelte Barzoo.
»Hey, Kumpel«, seufzte Ford, und wieder stiegen Blasen von seinem Helm auf. »Schön, dass Sie wieder da sind. Ich dachte schon …«
»Batterie«, sagte der Krake, und der Schnabel klickte bei den beiden T. »Batterie.«
Das ist mir noch gar nicht aufgefallen, dachte Ford, aber irgendwie sieht der Krake fast wie ein Vogel aus.
In diesem Moment verschwand die Unterwassermassagehöhle, und Ford fand sich in einem Zimmer aus blauem Himmel wieder.
In der anderen Ecke saß eine bekannte Gestalt.
»Ah«, sagte Ford, als die Erinnerung langsam zurückkehrte. ANMERKUNG Erinnern ist ein zweistufiges Verfahren, bei dem ein Dialog zwischen bewussten und unterbewussten Teilen des Gehirns stattfindet. Das Unterbewusstsein eröffnet das Verfahren, indem es die bedeutsamen Erinnerungen auswirft, wodurch ein Endorphinstoß freigesetzt wird, durch den das Gehirn sich selbst beglückwünscht.
»Gute Aktion, Kumpel«, sagt das Bewusstsein. »Diese Erinnerung ist jetzt wirklich hilfreich, und ich konnte mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, wo ich sie abgelegt hatte.«
»Du und ich, was, alter Knabe?«, sagt das Unterbewusstsein, erfreut, dass es für seinen Beitrag endlich einmal eine angemessene Anerkennung erhält. »Wir beide haben das gemeinsam hingekriegt.«
Dann prüft das Bewusstsein die Erinnerung, die es in der Ablage für eingehende Post gefunden hat, und schickt eine Nachricht an den Schließmuskel, dass er sich auf das Schlimmste gefasst machen solle.
»Warum musstest du mich daran erinnern?«, fährt es das Unterbewusstsein an. »Das ist ja furchtbar. Schrecklich. Daran wollte ich mich absolut nicht erinnern. Warum um Zarks willen glaubst du wohl, habe ich es in die unterste Schublade meines Gehirns gesteckt?«
»Das war das letzte Mal, dass ich dir geholfen habe«, murrt das Unterbewusstsein und zieht sich in finsterere Sektionen seines Selbst zurück, wo sich vor allem die unschöneren Gedanken befinden. »Ich brauch dich nicht«, sagt es zu sich. »Aus dem, was du hier abgelegt hast, kann ich mir eine ganz neue Persönlichkeit zusammenbasteln.« Und so wird der Same der Schizophrenie im Humus von Kindheitsschikanen, Vernachlässigung, geringer Selbstachtung und Vorurteilen gesät.
Glücklicherweise haben Beteigeuzianer so gut wie kein Unterbewusstsein, daher geht das schon in Ordnung.
 
»Ah«, sagte Ford noch einmal und gleich darauf: »Mist.«
Vorsichtig trat er auf dem Himmelsboden einen Schritt vor, erschrak dann aber, als er sah, dass eines seiner Beine einen Moment lang flackerte.
Ich bin nicht real, dachte er, was seiner ewig heiteren Stimmung zwar einen kurzen Stich versetzte, von dem er sich aber schnell erholte, etwas, was dem anderen Insassen des Raums anscheinend noch nicht gelungen war.
»Du musst das Gute daran sehen, alter Kumpel«, rief er dem Erdenmenschen zu. »Wenigstens liegst du nicht vor einem Bulldozer, oder? Und wir werden auch nicht aus der Druckschleuse eines Vogonenraumschiffs gespült. Weißt du noch? Ein Raum aus Himmel ist eigentlich gar nicht so übel. Es könnte schlimmer sein, viel schlimmer.«
Und das wird es auch gleich, falls mein Verdacht sich bestätigt, dachte Ford, hielt jedoch den Mund. Arthur sah aus, als hätte er an diesem Tag schon genug schlechte Nachrichten verdauen müssen.
 
Die interplanetarische Reporterin Trillian Astra verbrachte ein paar unruhige Momente auf der Toilette des Pressezentrums, bevor sie in die Festhalle trat, um das wohl wichtigste Interview ihres Lebens zu führen. Im Laufe ihrer brillanten Karriere hatte Trillian in Prothesen ein Jahr undercover als Vogonen-Beamtin im Megabrantis-Sternhaufen verbracht. Ihr linker Fuß hatte aufgrund von Erfrierungen amputiert werden müssen, nachdem Minenplünderer auf Orion Beta einen Mandranit-Schacht gestürmt hatten. Und erst kürzlich war sie von einem ganzheitlichen Kieferorthopäden attackiert worden, weil sie die Stirn besessen hatte, die Wirksamkeit von Gebissregulierungsgesängen infrage zu stellen.
Trillians Name war in der ganzen Galaxis bekannt. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war sie von zwielichtigen Politikern, Filmmoguln und alleinstehenden schwangeren Prominenten von Alpha Centauri bis Viltwodl VI gefürchtet gewesen, aber an diesem Tag beschlich sie selbst eine gewisse Angst.
Ein Interview mit der Präsidentin der Galaxis, Random Dent – ihrer Tochter. Live aus der Universität von Maximegalon, für ein Publikum von geschätzten fünfhundert Milliarden Zuschauern.
Sie war nervös. Nein, mehr als das. Sie war entsetzlich nervös. Trillian hatte ihre Tochter nicht mehr gesehen, seit …
Mein Gott, dachte sie, ich kann mich nicht einmal mehr genau daran erinnern, wann ich Random das letzte Mal gesehen habe.
Um sich zu beruhigen, griff Trillian auf einen rituellen alten Trick zurück.
»Für eine alte Schabracke siehst du noch ziemlich gut aus«, sagte sie zum Spiegel.
»Das glaubst du doch wohl selbst nicht, Schätzchen«, erwiderte der Spiegel, der sich offensichtlich von dem, was ihm da vor die Sensoren gekommen war, schwer beleidigt fühlte. »Wenn das gut sein soll, kann der Standard kaum tiefer sinken.«
Trillian sträubten sich die Haare. »Wie kannst du es wagen? Wenn du gesehen hättest, was ich gesehen habe. Wenn du durchgemacht hättest, was ich durchgemacht habe, dann würdest du mir zustimmen, dass ich noch verdammt gut aussehe.«
Der Spiegel seufzte so laut, dass sich die acht im Rahmen eingelassenen Gel-Lautsprecher kräuselten.
»Schluss mit den Geschichtsvorträgen, Schätzchen. Ich spiegele nicht die Vergangenheit, ich bewerte nur die Gegenwart. Und ich muss dir sagen, dass du in diesem Moment wie Eccentrica Gallumbits in ihrem dritten Zyklus aussiehst. Und glaub mir, Schätzchen, im dritten Zyklus bestand die alte Hure fast nur noch aus Flüssigkeiten und Gas. An deiner Stelle würde ich mir ein gutes Badetuch und einen Morgenmantel kaufen und einfach …«
Trillian holte aus und knallte mit der Faust auf die Stumm-Taste des Spiegels.
Wann hatte man eigentlich angefangen, Spiegeln Charaktereigenschaften zu geben? Sie erinnerte sich noch an die Zeit, als nur hochwertigen Androiden und gelegentlich einer ganz besonderen Tür die Echtes-Menschliches-Persönlichkeitsbild-Eigenschaften der Sirius-Kybernetik-Corporation eingebaut worden waren.
Trillian wollte die Worte des Spiegels zwar nicht hören, musste aber zugeben, dass er Recht hatte.
Sie sah alt aus. Uralt, um genau zu sein.
Das liegt daran, dass ich uralt bin, Zark verdammt. Hundertundfünf Jahre alt. Oder das, was von mir noch übrig ist.
Der Job als Sub-Etha-Reporterin hatte Tricia McMillan verbraucht, Stück für Stück, bis nur noch Trillian übrig geblieben war, und das nicht nur im übertragenen Sinn. Trillian Astra war immer bereit gewesen, alles für den Sender zu opfern. Ihre Freunde, ihre Familie und diverse Körperteile.
Den Fuß hatte sie bei den Minenunruhen auf Orion Beta verloren. Siebzig Prozent ihrer Haut waren durch einen plötzlichen Plasmastoß in der ersten Reihe der Carfrax-Gamma-Höhlen versengt worden. Die linke Hand und der Unterarm waren von der Kette eines Wüstenfahrzeugs in den Dordellischen Kriegen zerquetscht worden, und das rechte Auge hatte sie sich an dem spitzen Stock eines kleinen Wimpels bei einer WangoPango-Teeniebopper-Eisrevue auf Gagrakacka ausgestochen.
Von der ursprünglichen Tricia McMillan waren nur noch ein Originalhirn (mit frischem Nu-Fluid), ein neu aufpoliertes Auge, zwei Backen (eine am Gesäß, eine im Gesicht), ein paar unbedeutende Knochen und zweieinhalb Liter Menschenblut vorhanden. Bei den anderen drei Litern handelte es sich genaugenommen nicht um Blut, sondern um die Tränenflüssigkeit mehrerer Silberzungenteufel – kleinen Säugetieren aus dem Sternensystem Hastromil. Aufgrund der unglaublichen Nützlichkeit dieser kleinen Wesen, von den klappbaren Silberzungen angefangen bis zu ihren Gehirnwellen, die mit einer Antenne aufgefangen und dazu genutzt werden konnten, Videosignale zu verstärken, wenn man tief unten in einem Loch lebte, wurden sie erbarmungslos ausgebeutet. Dieselben Philosophen, die den Babelfisch als Beweis für die Nichtexistenz Gottes heranziehen, führen die unglückliche (nach ihrem englischen Namen »Silver-Tongued Devils« STD abgekürzte) Spezies als Beweis für die Existenz Satans an. Dass sie sich mit dieser Argumentation selbst in die Parade fuhren, hätte selbst einer elektrifizierten Kartoffel ins Auge fallen können. Aber das interessierte sie natürlich nicht. Als Philosophen liebten sie die Kontroverse.
Ironischerweise befand Trillian sich auf Hastromil, um über eine Kundgebung zum Schutz der STD zu berichten, als sie von einem Silberzungenteufelfloß überfahren wurde, das, was die Ironie noch einmal steigerte, aus Silberzungenteufelfellen bestand. Diese Ironie wurde schließlich noch dadurch übertrumpft, dass sie eine Silberzungenteufelbluttransfusion erhielt, während sie ein »Schützt die Silberzungenteufel«-T-Shirt trug. Aus ihrem später verfassten Bericht ging hervor, dass eine lokale Ironie-Überlastung den Tod von elf Empathen (Teilnehmern der Kundgebung) zur Folge hatte. Zwölf, wenn man den Empathen, der als depressiv bekannt war, in die Statistik mit einbezog.
Trillian strich über die Plastikhaut auf ihrer Wange. Sie war zart, aber etwas zu straff. Der Typ an der Kasse hatte versprochen, dass das Gesicht sich im Lauf der Zeit lockern würde, was aber nicht geschehen war. An schlechten Tagen fand Trillian, dass ihr Gesicht wie ein Schädel aussah, über den man einen Ballon gezogen hatte.
Ein Geschäftsführer des Senders hatte sie einmal als schlank, dunkelhäutig, humanoid, mit langem, welligem schwarzem Haar, vollen Lippen und einem komischen Stupsnäschen und putzigen braunen Augen beschrieben.
Das war einmal.
Heute war einer von den schlechten Tagen.
Random. Nach all den Jahren.
Jedes Mal, wenn sie ihre Tochter sah, glaubte sie einen ganzen Katalog von Schuldzuweisungen von ihrer Stirn ablesen zu können.
Trillian stieß mit der Handfläche gegen den Spiegel.
»Aua! He!«, sagte der Spiegel und setzte sich über die Stummschaltung hinweg.
Trillian beachtete ihn nicht.
Sie musste sich zusammenreißen. Sie war einmal die angesehenste Reporterin der Galaxis gewesen, und das war wirklich eine Leistung. Sie würde ihre Schuldgefühle irgendwo in der Magengegend verstauen und wegsperren und gute Arbeit abliefern.
Trillian zupfte eine Strähne ihres Helms aus frisiertem Haarimitat zurecht, streckte die Brust raus und marschierte ins Auditorium, um ihre Tochter zu interviewen, die sie einst in der Klinik eines Fruchtbarkeitssatelliten mit abgesenktem Gravitationsniveau in der Nähe des Barnardsterns empfangen hatte. Trillian schauderte bei dem Gedanken. Als wäre die allmorgendliche Übelkeit nicht schon schlimm genug gewesen, musste man auch noch mit niedriger Gravitation kämpfen.
Man konnte Random nicht verübeln, dass sie sich entwurzelt und heimatlos vorkam. Ihr Vater war ein Reagenzglas. Ihr Heimatplanet, so sie denn überhaupt einen hatte, war in diversen Dimensionen gesprengt worden. Und ihre Mutter hatte sie nur kurz angesehen und umgehend beschlossen, sich mit aller Energie ihrer Karriere zu widmen, die ihr nicht gestattete, allzu häufig zu Hause zu sein.
Kein Wunder, dass Random manchmal etwas unwirsch war.
 
Präsidentin Random Dent saß mit verschränkten Beinen in einem schwebenden Eiersessel auf der Bühne und sang leise vor sich hin.
»Backenzahn hinter Eckzahn hinter äußerem Schneidezahn neben innerem Schneidezahn, Z-ä-ä-ä-ä-hne, sucht euch euren Platz.«
Der Vorhang war noch geschlossen, aber sie hörte das Stimmengewirr der Menschenmenge durch den schweren Stoff. Der Vorhang war keine Holografie, sondern aus echtem Samt. Die Kosten dafür hatte die Universität auf Randoms Verlangen etwas widerstrebend übernommen. Obwohl Random keineswegs fortschrittsfeindlich war, fand sie doch, dass gewisse Traditionen in der Galaxis erhalten bleiben sollten.
Sie lächelte schwach, als ihre Mutter auf die Bühne geführt wurde. Einem Zuschauer, der sie aus der Entfernung sah, hätte man wohl nachsehen können, wenn er die Rollen verwechselt und Trillian für die Tochter der Präsidentin gehalten hätte, von nahem war die Wahrheit jedoch nicht zu übersehen. »Plastochirurgie« stand in leuchtenden Lettern in Trillians Gesicht geschrieben.
Die Reporterin zögerte kurz, als sie ihre Tochter sah, ging dann aber zügig weiter.
»Du siehst gut aus, Frau Präsidentin«, sagte sie mit jenem typischen Reporterakzent, der irgendwo aus der Gegend zwischen Sektor ZZ9 und Asgard stammte.
»Du auch, Mutter«, erwiderte Random.
Trillian machte es sich im zweiten Eiersessel bequem und blickte kurz in ihre Notizen. »Frau Präsidentin Random Vielflieger Dent. Du verwendest also immer noch zu viele Namen?«
Random lächelte auf die ruhige und gelassene Art von Personen, die seit Jahrzehnten keinen Wutanfall mehr hatten. »Und du, Trillian Astra, benutzt offenbar immer noch den falschen?«
Trillian lächelte knapp. Das würde kein einfaches Interview werden.
»Warum gerade jetzt, Random? Wir haben uns in den letzten zwanzig Jahren vielleicht zehn Mal gesehen. Warum jetzt, wo es mit meiner Karriere zu Ende geht? Gerade habe ich noch von einem Beauty-Kongress in Neu Bethel berichtet, und jetzt steht mir das bedeutendste Interview meines Lebens bevor.«
Wieder lächelte Random. Ein sanftes Kräuseln ihres Outdoor-Gesichts. Ihr grau gesträhntes Haar war steif von Sonnenschein und Salzwasser.
»Ich weiß, dass viel Zeit vergangen ist, Mutter. Zu viel.« Sie streichelte einen winzigen pelzigen Ball an ihrem Hals, worauf dieser leise maunzte. Als Trillian die winzigen Zähne und den Schwanz sah, sank ihre Stimmung sofort.
»Ich habe von dem Ding gehört. Dein ständiger Begleiter. Eine Art Wüstenmaus, oder? Niedlich.«
»Das ist mehr als eine niedliche Wüstenmaus, Mutter. Fertle ist mein Begleiter. Ein Fusselbalg. Er ist ausgewachsen und volljährig und außerdem ein wahrer Quell des Wissens, der mit mir in telepathischem Kontakt steht.« Und dann ließ sie die Bombe platzen.
»Wir haben gestern geheiratet.«
Der Karriere-Killer.
Trillians Haut fühlte sich straffer an als ein paar Minuten zuvor. »Ihr habt was?«
»Wie du dir denken kannst, ist es eine rein platonische Verbindung. Wobei es Fertle durchaus gefällt, wenn ich ihm den Bauch kraule.«
Nur nicht die Nerven verlieren, sagte sich Trillian. Du bist schließlich Profi.
»Nur damit ich das richtig verstehe: Du kommunizierst telepathisch mit … Fertle?«
»Klar. Kommunikation ist doch der Kitt, der die Familie zusammenhält. Wusstest du das nicht?«
In diesem Moment wurde aus der Reporterin Trillian eine Mutter.
»Schluss mit den schnippischen Retourkutschen, junge Dame. Wir reden hier schließlich über dein Leben. Du bist Random Dent, die Präsidentin der Galaxis. Du hast die Völker der Erde vereinigt. Du warst die Leiterin der ersten offiziellen Kontaktaufnahmezeremonie.« Trillian war aufgesprungen. »Du hast den wirtschaftlichen Aufbruch in den Weltraum vorangetrieben. Du hast die Gleichberechtigung der Aliens ausgehandelt.«
»Und jetzt möchte ich endlich mal etwas für mich selbst tun.«
Trillian erwürgte einen imaginären Fertle knapp fünfzehn Zentimeter vor dem realen. »Aber doch keine Wüstenmaus! Keine verzarkte Wüstenmaus! Wie soll eine Wüstenmaus mir Enkel schenken?«
»Wir wollen keine Kinder«, sagte Random vergnügt. »Wir wollen reisen.«
»Was redest du denn da? Das ist ein Nagetier.«
»Er«, sagte Random spitz. »Er ist ein Fusselbalg, wie du sehr gut weißt. Und gerade von dir hätte ich erwartet, dass du Verständnis für unsere Beziehung aufbringst. Die berühmte Trillian Astra. Streiterin für die Menschheit, nur nicht für ihre Tochter.«
In Trillian glomm ein Hoffnungsschimmer auf. »Moment. Was soll das heißen? Es geht dir um mich? Du willst dein Leben zerstören, um es mir heimzuzahlen? Das ist ein verflixt verschrobener Racheplan, Random.«
Random kitzelte ihren Ehemann, bis er kicherte. »Sei nicht albern, Mutter. Ich wollte dich hierhaben, damit du deinen Schwiegersohn der Galaxis vorstellen kannst. Das wird nicht nur der Höhepunkt deiner Journalistenlaufbahn, es wird uns als Familie wieder zusammenbringen.«
Da erkannte Trillian die Genialität von Randoms Schachzug. Wenn sie diese Vereinigung in voller 3D-Spectro-Vision verkündete, machte sie sich zum Gespött der gesamten Galaxis. Wenn sie es nicht tat, hatte sie ihre Tochter für immer verloren. Random würde die Situation für sich nutzen und in der Öffentlichkeit so viel Mitgefühl erregen, dass ihre nächste Wiederwahl gesichert war. Zumindest die Fusselbälger würden sie wählen, und das waren Zillionen.
Trillian verkrampfte sich am ganzen Leib. Verheiratet!
»Vergiss es, Random, ich lasse mich nicht zum Narren machen, nur damit du dich mit dieser Beziehung outen kannst. Sobald ich hier raus bin, werde ich deinen Vater suchen, dann kann der sich mit dir herumärgern.«
Random schüttelte sich vor Lachen, was ihren Ehemann in Unruhe versetzte. »Arthur? Hast du eine Ahnung! Der würde alles tun, nur um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen.« Sie schwieg einen Moment lang und legte den Kopf auf die Seite. »Fertle sagt, und ich teile seine Ansicht, dass du es verkünden musst, Mutter. Schließlich erwartet die Galaxis große Neuigkeiten von uns.«
»Niemals. Ich werde mich nicht von dir vor den Karren spannen lassen.«
»Du lässt dich lieber von den Sendern vor den Karren spannen und wie ein Roboter herumkommandieren, der du ja auch bist. Ich kann es bis hier summen und klicken hören. Ich kann deine Schaltkreise riechen. Ist noch irgendetwas echt an dir? Kannst du irgendwie eine Verbindung zu meiner menschlichen Mutter herstellen? Oder weißt du vielleicht, wo ihr Rückgrat begraben liegt?«
Trillian war fast erleichtert darüber, dass die höfliche Fassade gefallen war.
»Geh zum Teufel, Random!«
Die Präsidentin nickte. »Ja, Fertle. So ist sie. Wundert es dich immer noch, dass du manchmal schwer zu mir durchdringst? Bei den vielen Schutzwällen, die ich um mich herum errichten musste?«
Trillian schrie beinah. »Du redest mit einem verdammten Jo-Jo!«
Fertle schien darauf zu reagieren.
ANMERKUNG Obwohl Fusselbälger keine Ohren haben, reagieren sie doch extrem empfindlich auf Vibrationen und können in Extremsituationen sogar explodieren. Thor, der asgardische und zeitweilige Rock-Gott, stellte den Rekord für spontane Fusselbalg-Detonationen auf, als er seinen neuesten Song Let’s Get Hammered aus einem fliegenden Streitwagen in der Umlaufbahn über Squornshöllisch Delta präsentierte. Zuvor hielt die intergalaktische Rockband Disaster Area den Rekord. Der Bandleader hatte eine Lautsprecherbombe über dem Vulkankrater abgeworfen, in dem die Fusselbälger ihr alljährliches Festival der Statischen Elektrizität feierten.
Fertle sträubte sich das Fell, und ein winziger Mund öffnete sich, der jetzt einen kleinen Schnabel zu haben schien.
»Batterie«, sagte Fertle mit verzweifelt krächzender Stimme.
»Was?«, sagte Trillian. »Habe ich gerade einen Fusselbalg sprechen hören? Das wäre mal eine Nachricht.«
»Batterie«, wiederholte Fertle, dieses Mal eindringlicher.
Der Samtvorhang hob sich langsam, davor befanden sich jedoch keine Zuschauer, sondern nur ein Auditorium aus Himmel und zwei menschlichen Gestalten.
Random und Trillian sprangen auf und rissen den Mund auf, worauf die Familienähnlichkeit trotz diverser Operationen und Implantate deutlich zu erkennen war.
»Was ist denn hier los?«, fragte die Präsidentin, deren Stimme plötzlich sehr viel höher war. »Mutter? Was ist hier los? Wo sind die ganzen Journalisten hin?«
»Keine Panik«, sagte Trillian und bemühte sich, das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken. »Irgendetwas geht hier vor.«
»Irgendetwas geht hier vor?«, kreischte Random. »Das ist alles? Nach all den Jahren im Fronteinsatz fällt dir nichts Besseres ein als ›irgendwas geht hier vor‹? Die wollen uns entführen, das geht hier vor. Wir sind heimlich irgendwo hingebracht worden.«
Trillian sah die menschlichen Gestalten blinzelnd an. Sie kamen ihr immer bekannter vor, so als ob ihr allmählich Schuppen des Vergessens von den Augen fielen. »Entführt? Eher nicht. Nicht von denen. Die beiden sind harmlos … größtenteils.«
Random nahm ihre liebste präsidentiale Machthaltung ein: Die Füße weit auseinandergespreizt, die Arme verschränkt.
»Ihr zwei Männer da. Was habt ihr gemacht? Sagt uns sofort, wo wir sind.«
Der kleinere Mann schien die beiden Neuankömmlinge zu bemerken, was nicht weiter verwunderlich war, da er von einem der beiden angeschrien wurde.
»Ich glaube, die Frage müsste lauten, wann wir sind, und vielleicht noch, wer uns hierhergebracht hat. Und dann sollte man sich erkundigen, ob es irgendwo eine Minibar gibt.«
Random runzelte die Stirn. »Ob es eine Minibar gibt? Also wirklich. Sie geben sich recht munter, junger Mann, aber ich weiß doch genau, dass Sie in Ihrem Innern genauso ängstlich sind wie wir.«
Der junge Mann lächelte. »Ich bin Beteigeuzianer, Random. Bei uns gibt es nichts im Innern.«
Randoms Bedürfnis, die Bemerkung zu kontern, schwand, als das Erkennen des zweiten Mannes ihr wie ein Surprise-O-Plasma ins Gesicht sprang.
»Vater? Daddy? Dad?«
»Wenn du dich für eins entscheiden könntest«, sagte der Beteigeuzianer, »würde es das Gespräch erheblich vereinfachen.«
Trillian eilte durch den Himmelsraum. Sie ging so schnell, wie sie es seit Jahren nicht mehr getan hatte.
»So, dann wollen wir mal sehen, was dein Vater zu deiner Hochzeit sagt.«
Random wirkte plötzlich viel jünger. »Daddy!«, greinte sie. »Daddy! Mutter ist schrecklich. Sie hasst meinen Ehemann.«
Die Vaterfigur senkte den Kopf und wünschte sich eine Tasse Tee.
2
Ford Prefect untersuchte den Himmelsraum. Er hauchte die Wände an, um zu sehen, ob die Oberfläche beschlug, zog schreckliche Grimassen, um festzustellen, ob es einen Rückstoßfaktor gab, und schließlich stupste er vorsichtig mit einem Finger dagegen, den er allerdings mit dem Hemdsärmel bedeckte. Als die Elektronen des Ärmels nicht auf eine höhere Temperatur beschleunigt wurden, wagte Ford es schließlich, mit dem bloßen Finger in die Wand zu piksen. Die Wand wellte sich, und Bilder von Fusselbalg-Hochzeiten, Strandhütten und wilden Partys durchfluteten den Raum. Als die Wellen abklangen, verschwanden auch die verbliebenen Erinnerungen, und die Wände strahlten wieder himmelblau.
»Wenn Sie bitte damit aufhören würden?«, sagte eine Stimme, die aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen schien. »Die Nadel ist schon im roten Bereich, um eine altertümliche Phrase zu benutzen. Wenn Sie einfach ruhig sitzen blieben, könnte ich dieses Konstrukt noch eine Weile aufrechterhalten.«
Die Originalausgabe erscheint unter dem TitelAnd Another Thing … bei Michael Joseph, einem Imprint von Penguin Books, London.
 
Der Übersetzer dankt Bernadette Greve, Friedo Leschke, Vicki May, Peter Wührmann.
 
 
Copyright © 2009 by Eoin Colfer
und Completely Unexpected Productions Limited Copyright © 2009 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH Lektorat: Heiko Arntz Herstellung: Helga Schörnig
 
eISBN : 978-3-641-03687-4V002

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