Und übrigens noch was ... - Eoin Colfer - E-Book

Und übrigens noch was ... E-Book

Eoin Colfer

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Beschreibung

Daumen raus – die Reise per Anhalter durch die Galaxis geht weiter

Arthur Dents zufällige Beziehung zum außergewöhnlichen Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" blieb nicht gänzlich ohne Zwischenfälle. Arthur hat den bekannten (und unbekannten) Weltraum bis in die letzten Winkel und darüber hinaus bereist, nachdem sein Haus (und der gesamte Planet Erde) an einem furchtbar dummen Donnerstag einer Hyperraum-Schnellstraße weichen musste. Nach diversen Eskapaden im Raum-Zeit-Kontinuum landet er schließlich zu Hause auf der geliebten Erde – die gleich darauf wieder in die Luft fliegt. Arthurs Aussichten auf eine gemütliche Tasse Tee sind nicht gerade rosig ... In "Und übrigens noch was ..." bekommt er es unter anderem mit arbeitslosen Göttern zu tun, abtrünnigen galaktischen Präsidenten, verliebten grünen Aliens, lästigen Computern und einer ziemlich großen Scheibe Käse.

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Seitenzahl: 488

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Inhaltsverzeichnis
 
Widmung
Inschrift
Vorwort
EINLEITUNG
 
Kapitel 1
 
Kapitel 2
 
Kapitel 3
 
Kapitel 4
Vogonisches Hyperraumschiff der Bürokreuzerklasse Dickes Ende
Wowbaggers Langschiff Tanngrísnir
 
Kapitel 5
Die Tanngrísnir
 
Kapitel 6
Der Planet Nano
Die Stadt Cong, Innisfree, Nano
Die offizielle Version
Und die inoffizielle Version
Asgard
Vogonisches Hyperraumschiff der Bürokreuzerklasse Dickes Ende
 
Kapitel 7
Die Tanngrísnir
Asgard
 
Kapitel 8
Die Tanngrísnir
Asgard
Nano
Asgard
Hillman Hunter
Nano
 
Kapitel 9
Die Tanngrísnir
Trillian
Random
Bowerick Wowbagger
Arthur
Ford
Cong
Tyropolis
 
Kapitel 10
 
Kapitel 11
Vogonisches Hyperraumschiff der Bürokreuzerklasse Dickes Ende
Das Städtchen Cong, Innisfree, Nano
Die Dickes Ende
Nano
Die Dickes Ende
Nano
Die Dickes Ende
Nano
Die Dickes Ende
Nano
Nano, äußere Atmosphäre
Die Dickes Ende
Nano
Die Dickes Ende
Nano
 
Kapitel 12
Weltraum
Die Dickes Ende
Nano
 
Danksagung
Copyright
Für Jackie, Finn & Seán, die mich vermissen, wenn ich weggehe, aber nicht so sehr, wie ich sie vermisse. Wenn ihr nochmal nachgucken wollt, wie ich aussehe, auf den Umschlagklappen müsste eigentlich irgendwo ein Bild von mir sein.
Das Gewitter hatte nun endgültig nachgelassen, und was da noch an Donner war, grummelte über fernen Bergen nach wie ein Mensch, der, zwanzig Minuten nachdem er im Streitgespräch hat klein beigeben müssen, sagt: »Und übrigens noch was …«
Douglas Adams, Macht’s gut, und danke für den Fisch
 
 
 
We have travelled through space and time, my friends, to rock this house again.
Tenacious D
VORWORT
Wenn Sie ein Exemplar von Per Anhalter durch die Galaxis besitzen, ist, so wird man unterstellen dürfen, das Letzte, was Sie in das Suchfeld dieses Sub-Etha-Buchs eingeben würden, sein Titel, denn da Sie ein Exemplar haben, wissen Sie vermutlich schon alles über das bemerkenswerteste Buch, das je in den großen Verlagskonzernen von Ursa Minor erschienen ist. Aber schließlich sind »Unterstellungen« in jeder größeren Umfrage nach den Ursachen für einen intergalaktischen Konflikt in den letzten Jahrtausenden regelmäßig auf dem zweiten Platz gelandet – an erster Stelle standen unverrückbar »Machtgierige Schweinehunde mit großen Waffen«, und auf dem dritten gab es meist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem »Verlangen nach der besseren Hälfte einer anderen empfindsamen Bioform« und der »Fehlinterpretation einfacher manueller Gesten«. Des einen Mannes »Wow, diese Pasta ist fantastico!« ist eben zuweilen des anderen Mannes »Deine Mudda treibt’s heiß und wild mit Matrosen!«.
Nehmen wir doch einfach mal an, Sie hätten einen achtstündigen Aufenthalt in Port Brasta und nicht genug Kredit für einen Donnergurgler auf Ihrem Implantat, und in diesem Moment fällt Ihnen auf, dass Sie so gut wie nichts über dieses angeblich so wunderbare Buch wissen, das Sie in der Hand halten, worauf Sie aus schierer hirnvernebelnder Langeweile die Worte »Per Anhalter durch die Galaxis« ins Suchfeld des Reiseführers Per Anhalter durch die Galaxis eintippen, welches Ergebnis wird diese impulsive Handlung dann zeitigen?
Zuerst erscheint ein animiertes Icon in einem Blitz aus Pixeln und teilt Ihnen mit, dass es exakt drei Suchergebnisse gibt, was etwas verwirrend ist, weil darunter eindeutig fünf Einträge zu finden sind, aufgelistet in der üblichen numerischen Reihenfolge.
ANMERKUNG Das gilt nur, sofern Ihre Vorstellung der üblichen numerischen Reihenfolge von klein zu größer werdend ist und nicht von epigonal zu inspiriert, wie bei den folfanganischen Schnecken, die eine Zahl anhand der künstlerischen Vollkommenheit ihrer Form beurteilen. Folfanganische Supermarktkassenzettel sind wunderhübsch gestaltete Seidenbänder. Bedauerlicherweise bricht die Wirtschaft des Planeten mindestens ein Mal pro Woche zusammen.
 
Bei diesen fünf Einträgen handelt es sich um längere Artikel mit mehrstündigem Video- und Audiomaterial und ein paar gelungenen Dramatisierungen, in denen mehr oder weniger bekannte Schauspieler auftreten.
Dies ist nicht die Geschichte dieser fünf Einträge.
Aber wenn Sie weiter als bis zum fünften Artikel herunterscrollen und die Angebote zur Umfinanzierung der Hypothek auf Ihre Nieren ignorieren, finden Sie eine Zeile in einer winzigen Schrift, in der Wenn Ihnen dies gefallen hat, könnten Ihnen auch folgende Artikel gefallen … steht. Sobald Sie mit dem Cursor über diesen Link fahren, kommen Sie zu einem Anhang mit reinem Text, der sowohl auf Audiomaterial als auch auf die Videos verzichtet, die ein frischgebackener Absolvent der Filmhochschule komplett in seinem Schlafzimmer mit seinen Kumpeln aus der Theater-AG gedreht hat, die er dafür mit einem Apfel und einem Ei entlohnt hat.
Dies ist die Geschichte dieses Anhangs.
EINLEITUNG
Was wir bisher wissen:
Eines Tages beschloss die Regierung des Galaktischen Imperiums nach dem Verzehr eines Eimers voller Schmuckschalenkrebse, dass man dringend eine Hyperraum-Schnellstraße in einem total aus der Mode gekommenen westlichen Spiralarm der Galaxis bauen müsse. Diese Entscheidung wurde hastig durch alle Instanzen gepaukt, angeblich um ansonsten unvermeidlichen Verkehrsstaus in einer fernen Zukunft vorzubeugen, tatsächlich jedoch, um einigen Vettern verschiedener Minister, die schon seit Ewigkeiten auf den Fluren des Regierungsgebäudes herumlungerten, Jobs zu verschaffen. Unglücklicherweise lag die Erde mitten auf dem Weg der geplanten Umgehungsstraße, also wurden die unbarmherzigen Vogonen mit einer Bauflotte vorbeigeschickt, um den widerspenstigen Planeten durch den verantwortungsbewussten Einsatz thermonuklearer Waffen zu entfernen.
Zwei Überlebenden gelang es, per Anhalter auf einem Vogonenschiff mitgenommen zu werden: Arthur Dent, ein junger englischer Angestellter einer regionalen Rundfunkstation, dessen Tagesplan am Morgen keinesfalls beinhaltet hatte, dass sein Heimatplanet unter seinen Pantoffeln in Staub verwandelt werden würde. Hätte man die Menschheit ein Referendum durchführen lassen, so wäre Arthur Dent wahrscheinlich zu der Person gewählt worden, die am wenigsten dazu geeignet war, die Hoffnungen der Menschheit in die Weiten des Weltraums zu tragen. So wurde er zum Beispiel im Jahrbuch seiner Universität als jemand charakterisiert, der »höchstwahrscheinlich in irgendeinem Loch auf dem Land endet, wo ihn keiner beim Trübsalblasen stört«. Glücklicherweise hatte sein beteigeuzischer Freund Ford Prefect, der als reisender Reporter für diesen illustren interstellaren Reise-Almanach Per Anhalter durch die Galaxis eben dort unterwegs war, eine etwas optimistischere Weltsicht. Ford sah Silberstreifen, wo Arthur nur Wolken sah, und gemeinsam bildeten sie immerhin einen besonnenen Weltraumreisenden, sofern ihre Reise sie nicht auf den Planeten Junipella führte, auf dem die Wolken tatsächlich Silberstreifen hatten. Arthur hätte das Raumschiff zweifelsohne direkt in die nächste dunkle Wolke gesteuert, während Ford mit nahezu absoluter Sicherheit versucht hätte, das Silber zu klauen, was eine Selbstentzündung des Erdgases im Silberstreif verursacht hätte. Die Explosion wäre zwar hübsch anzusehen gewesen, aber mehr auch nicht, denn auf ein Heldenbegräbnis hätte man mangels auffindbarer Helden verzichten müssen.
Der einzige weitere Erdling, der die Erde überlebt hatte, war Tricia McMillan, oder Trillian, um sie bei ihrem coolen Weltraumnamen zu nennen, eine ambitionierte Astrophysikerin, die sich als Reporterin versuchte und schon immer davon überzeugt gewesen war, dass das Leben mehr als nur das Erdenleben zu bieten habe. Trotz dieser Überzeugung war Trillian doch sehr verblüfft, als sie von Zaphod Beeblebrox, dem unorthodoxen zweiköpfigen Präsidenten der Galaxis, entführt wurde.
Kann man über Präsident Beeblebrox überhaupt noch etwas sagen, was er nicht schon auf Unmengen von T-Shirts hatte drucken lassen, die er dann via uBid über die ganze Galaxis verbreitet hatte?
ZAPHOD SAGT JA ZU ZAPHOD war der wohl bekannteste T-Shirt-Slogan, wobei nicht einmal sein Psychiaterteam verstand, was es eigentlich bedeutete. Der zweitbekannteste war vermutlich: BEEBLEBROX. FREUT EUCH EINFACH, DASS ER DA DRAUSSEN IST.
Es ist ja allgemein bekannt, dass das, was jemand auf ein T-Shirt drucken lässt, schon allein deswegen, weil er diesen Aufwand betreibt, fast definitiv nicht hundertprozentig unwahr sein kann, was bedeutet, dass es höchstwahrscheinlich nicht absolut falsch ist. So bejahten die Bewohner im Allgemeinen auch sämtliche Fragen, die Präsident Zaphod Beeblebrox ihnen bei einem Besuch ihres Planeten stellte. Und wenn er sich wieder verabschiedet hatte, freuten sie sich, dass er wieder da draußen war.
Diese vier eher untypischen Helden zog es nun auf erstaunliche Weise zueinander hin, und sie erlebten in der Folge eine Reihe von Abenteuern, bei denen sie vorwiegend durch Raum und Zeit schwirrten, auf jeder Menge Sofas hockten, mit hohlen Computern plauderten und insgesamt daran scheiterten, in irgendeiner Ecke des Universums Sinn oder Erfüllung zu finden.
Arthur Dent kehrte schließlich zu jenem Loch im Weltraum zurück, wo sich die Erde einmal befunden hatte, und stellte fest, dass es von einem erdengroßen Planeten besetzt worden war, der der Erde bemerkenswert ähnlich sah und sich auch wie sie anfühlte. Tatsächlich handelte es sich bei diesem Planeten um die Erde, wenn auch nicht um die Arthurs. Jedenfalls nicht um die dieses Arthurs. Da sein Heimatplanet im Zentrum einer Pluralzone lag, schrammte der Arthur, über den wir berichten, an der Dimensionsachse entlang zu einer anderen Erde, die nie von Vogonen zerstört worden war. Damit war unser Arthur glücklich. Und trotz seiner üblichen Trübsinnigkeit heiterte sich seine Stimmung noch mehr auf, als er Fenchurch, der Liebe seines Lebens begegnete. Zum Glück wurde diese idyllische Phase nicht unvermittelt dadurch beendet, dass er einem der Arthurs aus den Alternativuniversen begegnete, die irgendwo herumliefen, zum Beispiel in Los Angeles, um dort für die BBC zu arbeiteten.
Arthur und seine große Liebe reisten zusammen zu den Sternen, bis Fenchurch mitten im Gespräch bei einem Hyperraumsprung verschwand. Arthur suchte sie im ganzen Universum und finanzierte seine Reisen, indem er diverse Körperflüssigkeiten gegen Erste-Klasse-Tickets einlöste. Schließlich strandete er auf einem Planeten namens Lamuella und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Sandwichmacher für einen primitiven Stamm, der Sandwiches für eine ziemlich coole Sache hielt.
Dort wurde seine Ruhe urplötzlich von einem Kurier Ford Prefects gestört, der ihm ein unscheinbares Päckchen überbrachte, in dem sich ein Exemplar des Reiseführers Per Anhalter durch die Galaxis befand, allerdings nicht in der Form, in der Sie ihn in der Hand halten, sondern als eine Mark-II-Version in Gestalt eines etwas geschwätzigen, pandimensionalen schwarzen Vogels. Auch Trillian, die inzwischen eine erfolgreiche Nachrichtensprecherin war, hatte ein ganz persönliches Geschenk für Arthur, nämlich Random Dent, die gemeinsame Tochter, die sie mit Hilfe der Spende empfangen hatte, mit der Arthur den Sitzplatz 2D in der Alpha-Centauri-Nachtmaschine bezahlt hatte.
Etwas widerstrebend akzeptierte Arthur seine Vaterrolle, verlor aber mit dem trotzigen Teenager zunehmend den Boden unter den Füßen. Random stahl den Mark-II-Reiseführer und machte sich auf den Weg zur Erde, wo sie endlich ein Zuhause zu finden hoffte. Arthur und Ford folgten ihr und stellten bei ihrer Ankunft fest, dass Trillian bereits dort war.
Erst jetzt offenbarte sich der wahre Zweck des Mark II. Aus Verärgerung über die Weigerung der Erde, ka-wummst zu bleiben, hatten die Vogonen den Vogel entwickelt, um die Entflohenen wieder auf die Erde zurückzulocken, bevor sie diese dann endgültig und in allen Dimensionen zerstören wollten, um ihren ursprünglichen Auftrag endlich zu Ende zu bringen.
Arthur und Ford rasten in annähernd halsbrecherischer Geschwindigkeit zum Londoner Club Beta und machten nur einmal kurz Pause, um Gänsestopfleberpastete und blaue Wildlederschuhe zu kaufen. Dank der guten alten Achsen-/ Pluralzonen-Geschichte fanden sie Trillian und Tricia McMillan nebeneinander in der gleichen Raum-Zeit, wo beide gleichzeitig von einer aufgebrachten Random angeschrien wurden.
Verwirrt? Arthur war es, aber nicht lange. Angesichts der grünen Todesstrahlen, die durch die unteren Schichten der Atmosphäre pulsierten, lösten sich die vielen Probleme des Tages, die ihm gerade noch zu schaffen gemacht hatten, in Luft auf. Schließlich würde seine Verwirrung ihn kaum in Millionen verbrannter Einzelteile zerreißen.
Der vogonische Prostetnik hatte gute Arbeit geleistet. Er hatte nicht nur Arthur, Ford und Trillian wieder auf die Erde zurückgelockt, sondern außerdem einen Grebulonier-Kommandanten durch eine List dazu gebracht, die Erde für ihn zu zerstören, womit er seiner Crew mehrere Hundert Vog-Stunden Papierkram mit dem Munitionsamt ersparte.
Arthur und seine Freunde saßen im Londoner Club Beta, als der ultimative Feldzug gegen die Erde geführt wurde. Sie konnten der Zerstörung nur tatenlos zusehen, das heißt, wenn man spasmodische Zucken und die Verflüssigung von kompakter Knochensubstanz nicht als Tätigkeit werten will. Bei den Vernichtungswaffen handelte es sich diesmal um Todesstrahlen, nicht um Vogonentorpedos. Aber was soll’s, eine Planetenvernichtungswaffe ist wie die andere, jedenfalls aus Sicht der Bewohner des Planeten.
1
Nach Angaben eines Hilfshausmeisters der Universität von Maximegalon, der sich häufig vor den Seminarräumen herumtreibt, ist das Universum sechzehn Milliarden Jahre alt. Über diese vermeintliche Wahrheit spottet ein Haufen beteigeuzischer Beat-Poeten, die behaupten, Einlegesohlen zu besitzen, die wesentlich älter sind (tock-tock-tock). Siebzehn Milliarden, sagen sie, mindestens, und sie berufen sich dabei auf ihre Urausgabe der Urknall-Rollen. Ein menschliches Wunderkind im Teenager-Alter kam einmal auf vierzehn Milliarden, das Resultat einer komplizierten Rechnung unter Einbeziehung der Dichte von Mondgestein und der Entfernung zwischen zwei pubertierenden Mädchen im selben Ereignishorizont. Einer der unbedeutenderen Götter Asgards murmelte einmal, er habe irgendwo etwas über ein größeres kosmisches Ereignis vor achtzehn Milliarden Jahren gelesen, aber kaum jemand gibt noch etwas auf die Verkündigungen von oben seit dem Debakel um die »Geburt der Götter« oder »Thorgate«, wie es auch genannt wurde.
Wie viele Milliarden Jahre es auch sein mögen, Milliarden sind es allemal, und der alte Mann am Strand sah aus, als hätte er mindestens eine dieser Milliarden an den Fingern abgezählt. Seine Haut schimmerte wie elfenbeinfarbenes Pergament, und von der Seite gemahnte die Silhouette seines Körpers an ein großes zittriges S.
Der Mann erinnerte sich daran, dass er einmal eine Katze besessen hatte, wenn man denn Erinnerungen mehr vertrauen wollte als Neuronenkonfigurationen über Trillionen von Synapsen. Erinnerungen konnte man nicht mit der Hand anfassen. Er konnte sie nicht so spüren, wie er die Brandung spürte, die seine knotigen Zehen umspülte. Andererseits: Waren solche physikalischen Empfindungen nicht auch nur elektrische Impulse im Gehirn? Warum sollte man dann daran glauben? Gab es überhaupt irgendetwas im Universum, dem man vertrauen, an das man sich klammern konnte, abgesehen von einer hawaliusianischen Windwehre im Zentrum eines Schmetterlingssturms?
Verdammte Schmetterlinge, dachte der Mann. Nachdem sie auf den Trichter gekommen waren, wie sie mit Flügelflattern einen ganzen Kontinent wegpusten konnten, hatten sich Millionen aufmüpfiger Lepidoptera zu Banden zusammengerottet und waren gemeingefährlich geworden.
Aber das kann doch nun wirklich nicht real sein, dachte er. Schmetterlingsstürme?
Aber dann bildeten weitere Neuronen weitere Synapsen und flüsterten etwas von Unwahrscheinlichkeitstheorien. Wenn etwas niemals passieren sollte, wehrte sich genau dieses Ereignis vehement dagegen, nicht einzutreten, und zwar so schnell wie möglich. Schmetterlingsstürme. Auch das war nur eine Frage der Zeit.
Der alte Mann schob den Gedanken beiseite. Er wollte nicht, dass ihm noch eine weitere Katastrophe in den Sinn kam und sich auf den beschwerlichen Weg machte, zum ersten Mal einzutreten.
Gab es irgendetwas, dem man vertrauen konnte? Aus dem man Trost schöpfen konnte?
Die untergehende Sonne entzündete die Gischt auf den kleinen Wellen, polierte die Wolken, überzog die Palmwedel mit silbernen Streifen und brachte die Teekanne aus Porzellan auf seinem Verandatisch zum Strahlen.
Ach ja, dachte der alte Mann. Tee. Im Zentrum eines unsicheren und womöglich illusorischen Universums gibt es doch immer noch Tee.
Mit einem Gehstock, den er sich aus einem abgelegten Roboterbein gebastelt hatte, malte der alte Mann zwei natürliche Zahlen in den Sand und beobachtete, wie die Wellen sie wegspülten.
42. Einen Moment stand die Zahl noch da, im nächsten war sie verschwunden. Vielleicht hatte die Zahl nie dagestanden, und vielleicht war sie auch völlig belanglos.
Aus irgendeinem Grund musste der Mann gackernd darüber lachen, dann beugte er sich vor und schlurfte den Hang hinauf zu seiner Veranda. Nach intensivem Knochenknacken und Dielenknarzen saß er schließlich in seinem Korbstuhl, der vollkommen im Einklang mit seiner Umgebung stand, und rief seinem Androiden zu, dass er ihm etwas Gebäck bringen solle.
Der Androide brachte Butterkekse.
Eine gute Wahl.
Sekunden später lenkte ihn ein Metallvogel, der flatternd vor ihm auftauchte, beim konzentrierten Einstippen ab, so dass ihm ein großes Stück Keks in den Tee fiel.
»Himmeldonnerwetter«, grummelte der alte Mann. »Weißt du, wie lange ich an dieser Technik gearbeitet habe? Einstippen und Sandwiches. Was bleibt einem Menschen denn sonst noch?«
Der Vogel ließ sich nicht beirren.
»Ein unbeirrter Vogel«, sagte der Mann leise und lauschte dem Klang seiner Worte nach. Er schloss das schlechte Auge, mit dem er nicht mehr richtig sehen konnte, seit er als Junge beim Spielen vom Baum gefallen war, und betrachtete das Wesen genauer.
Der Vogel hing in der Luft, seine metallischen Federn glänzten purpurrot in den Sonnenstrahlen. Seine Flügelschläge erzeugten winzige Luftwirbel.
»Batterie«, sprach der Vogel mit einer Stimme, die den alten Mann an einen Schauspieler erinnerte, den er einmal im Londoner Globe Theatre in der Rolle des Othello gesehen hatte. Faszinierend, woran einen so ein Vogel erinnern konnte.
»Hast du ›Batterie‹ gesagt?«, fragte der alte Mann, nur um sicherzugehen. Es hätte auch »Symmetrie« heißen können oder, wer weiß, sogar »Artillerie«. Sein Gehör war nicht mehr das beste.
»Batterie«, krächzte der Vogel, und dann bekam die Realität plötzlich Risse und zersprang wie ein berstender Spiegel. Der Strand verschwand, die Wellen erstarrten, knisterten leise und verschwanden dann ebenfalls. Als Letztes verschwanden der Tee und das Gebäck.
»Scheiße«, murmelte der alte Mann, als sich die letzten Krümel auf seinen Fingerspitzen in Luft auflösten. Dann lehnte er sich auf dem Kissen zurück, in den Himmelsraum, der ihn plötzlich umgab. Irgendjemand würde gleich kommen. Da war er sich hundertprozentig sicher. In diesen Situationen kam immer jemand. Aus den finsteren Höhlen seiner alten Erinnerungen tauchten wie graue Fledermäuse die Namen Ford und Prefect auf, um sogleich eine Verbindung mit dem drohenden Desaster einzugehen.
Immer wenn das Universum in seine Einzelteile zerfiel, war Ford Prefect ganz in der Nähe. Er und sein verfluchtes Buch. Wie hieß es noch? Ach ja: Am Anfang gab es nur Taxis.
Oder so ähnlich.
Der alte Mann wusste genau, was Ford Prefect sagen würde.
Du musst das Gute daran sehen, alter Kumpel. Wenigstens liegst du nicht vor einem Bulldozer, oder? Und wir werden auch nicht aus der Druckschleuse eines Vogonenraumschiffs gespült. Ein Raum aus Himmel ist eigentlich gar nicht so übel. Es könnte schlimmer sein, viel schlimmer.
»Es wird viel schlimmer werden«, sagte der alte Mann in dumpfer Gewissheit. Seiner Erfahrung nach wurde immer alles schlimmer, und wenn sich, selten genug, einmal etwas zu bessern schien, war das nur der dramatische Auftakt zur finalen Katastrophe.
Jaha, dieser Himmelsraum schien ziemlich harmlos zu sein, aber welche Schrecken lauerten da hinter den sich kräuselnden Wänden? Der alte Mann war davon überzeugt, dass sie extrem schrecklich sein würden.
Er pikste mit dem Zeigefinger in die biegsame Oberfläche einer Wand, die wie gestockter Grießbrei nachgab, worauf der alte Mann beinahe gelächelt hätte, wäre ihm nicht wieder eingefallen, dass ein tyrannischer Klassensprecher auf der Eaton-House-Schule ihm damals Grießbrei in die Schuhe gefüllt hatte.
»Blisters Smyth, du feiger Schisser«, flüsterte er.
Als er die Fingerspitze von der Wand löste, hinterließ der Abdruck einen kurzen Moment lang ein Loch in den Wolken, und durch dieses Loch sah der alte Mann das hohe Schiebefenster, und draußen, vor dem Fenster … Waren das vielleicht Todesstrahlen?
Der alte Mann fürchtete, dass das der Fall war.
So viel Zeit, dachte er. Es ist so viel Zeit vergangen, und nichts ist passiert.
 
Ford Prefects Leben war der reinste Traum. Falls dieser Traum ein Domizil in einem der ultraluxuriösen, mit fünf Superriesen bewerteten, natürlich erodierten Ferienanlagen auf Han Wavel beinhaltete, in denen man von früh bis spät mit exotischen Frauen der unterschiedlichsten Spezies und mit ebenso exotischen alkoholischen Mixgetränken in solchen Mengen versorgt wurde, dass es bleibende Schäden nach sich ziehen musste.
Und das Beste: Die Kosten dieses zügellosen und möglicherweise lebensverkürzenden Programms wurden einfach von seiner Dine-O-Charge-Karte abgebucht, die dank einigen kreativen Basteleien am Computer beim letzten Besuch in den Redaktionsräumen des Anhalters durch die Galaxis kein Limit mehr hatte.
Wenn man einem jüngeren Ford Prefect ein leeres Blatt Papier vorgelegt und ihn aufgefordert hätte, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen und in einem Absatz kurz zu umreißen, wie seine sehnlichsten Wünsche für die Zukunft aussähen, hätte er allenfalls das Adverb möglicherweise gestrichen. Wahrscheinlich.
Die Ferienanlangen auf dem Planeten Han Wavel waren so obszön luxuriös, dass es hieß, für eine einzige Nacht in der berüchtigten Vibro-Suite des Sandcastle-Hotels würde ein brequindanischer Mann seine Mutter verkaufen. Das klingt schockierender, als es ist, da Eltern auf Brequinda eine anerkannte Währung sind und man für eine ordentlich mit Feuchtigkeitscreme gepflegte Siebzigjährige mit guten Zähnen eine motorbetriebene Mittelklasse-Familienkutsche bekommen kann.
Ein Elternteil hätte Ford vielleicht nicht verkauft, um seinen Aufenthalt im Sandcastle zu finanzieren, aber diesen zweiköpfigen Cousin, der sowieso nur Ärger machte …
Ford fuhr jeden Abend mit dem Flugstuhl zu seinem Penthouse hinauf, krächzte vor der Tür, dass sie ihn einlassen solle, und nahm sich dann einen Moment Zeit, um sich in seine blutunterlaufenen Augen zu schauen, bevor er mit dem Gesicht voran ins Waschbecken knallte und das Bewusstsein verlor.
Das ist das letzte Mal, schwor er sich jeden Abend. Mein Körper wird revoltieren und über kurz oder lang implodieren.
Wie würde wohl sein Nachruf im Anhalter durch die Galaxis lauten?, fragte sich Ford. Er würde kurz sein, so viel war sicher. Ein paar Wörter. Vielleicht dieselben Wörter, mit denen er die Erde vor so vielen Jahren beschrieben hatte?
Größtenteils harmlos.
Erde. War nicht auf der Erde etwas ziemlich Trauriges passiert, worüber er nachdenken sollte? Warum konnte er sich an ein paar Sachen deutlich erinnern, während andere so klar waren wie ein wolkenverhangener Morgen in den ewigen Nebelfeldern der Dunstigen Auen von Nephologia?
In dieser melancholischen Phase presste normalerweise der dritte Donnergurgler den letzten Rest Bewusstsein aus Fords mariniertem Gehirn, worauf er unvermittelt kicherte, dann zweimal wie ein kleines Rodeo-Hühnchen kreischte und sich zweimal um sich selbst drehte, um schließlich ins nächste Badezimmerbehältnis zu stürzen.
Und trotzdem, sobald er am Morgen den Kopf aus der Wanne hob (wenn er Glück hatte), fühlte Ford sich wundersamerweise wie neu geboren. Kein Kater, kein Grabgeschmack im Hals, nicht einmal ein geplatztes Äderchen im Auge, das für die Exzesse der vergangenen Nacht Zeugnis ablegte.
»Du bist ein cooler Frood, Ford Prefect«, sagte er sich stets. »Ja, das bist du.«
Hier ist irgendetwas faul, es stinkt nach altem Fisch, insistierte sein Unterbewusstsein, das sich schon lange nicht mehr gemeldet hatte.
Fisch?
Macht’s gut, und danke für den …
War da nicht irgendetwas mit Delfinen gewesen? Das waren zwar keine Fische, aber sie bewohnten den gleichen … Lebensraum.
Denk nach, du Idiot! Überleg doch mal! Du müsstest schon mindestens hundertmal tot sein. Du hast mehr als genug Cocktails getrunken, um nicht nur dich, sondern auch noch mehrere Alternativversionen von dir zu marinieren. Wieso lebst du noch?
»Gesund und froody«, sagte Ford dann, blinzelte sich dabei selbst im Spiegel zu und wunderte sich, wie schön sein rotes Haar glänzte. Wie ausgeprägt seine Wangenknochen hervortraten. Außerdem schien ihm ein Kinn zu wachsen. Ein richtiges markantes Kinn. »Das Leben in dem Laden hier tut mir gut«, sagte er zu seinem Spiegelbild. »Die Foto-Egel-Packungen und die Behandlungen mit bestrahlten Colono-Lemmingen geben meinem Körper einen richtigen Schub. Ich denke, ich bin es Ford Prefect einfach schuldig, dass ich noch ein bisschen hierbleibe.«
Und das tat er dann auch.
 
Am Vortag hatte Ford eine Unterwassermassage mit der Kreditkarte seines Chefs bezahlt. Der Masseur war ein damogranischer Pom-Pom-Krake mit elf Tentakeln und tausend Saugnäpfen, die Fords Rücken bearbeiteten und seine Poren mit einer Reihe peitschenartiger Klopfmassagebewegungen reinigten. Die meisten Pom-Pom-Kraken waren völlig überqualifiziert für die Arbeit in der Wellness-Industrie, fielen aber oft den Verlockungen des hohen Gehalts, planktonreicher Pools und der Hoffnung zum Opfer, einmal einen Talentscout der Musikindustrie zu massieren und auf diese Weise einen Plattenvertrag zu ergattern.
»Haben Sie in letzter Zeit irgendetwas für die Musikindustrie gemacht, mein Freund?«, fragte der Krake wenig zuversichtlich.
»Nein«, antwortete Ford, während Blasen aus seinem Plexiglashelm aufstiegen, unter dem sein Gesicht das angenehm phosphoreszierende Licht des Felsgesteins widerspiegelte. »Ich hab aber mal blaue Wildlederschuhe besessen, und das ist ja auch schon was. Einen hab ich noch, der andere ist eher malvenfarben, weil es nur eine Kopie ist.«
Der Krake nahm beim Sprechen immer wieder einen Happen vom vorbeischwimmenden Plankton, wodurch das Gespräch regelmäßig ins Stocken geriet.
»Ich weiß nicht, ob Sie …«
»Ob ich was?«
»Ich war noch nicht fertig.«
»Sie hatten zu sprechen aufgehört.«
»Da war so ein Funkeln. Ich dachte, was zu essen.«
»Sie essen Funkeln?«
»Nein. Richtige Funkeln eigentlich nicht.«
»Gut. Weil Funkeln nämlich junge Fonokeln sind, und die sind giftig.«
»Ich weiß, ich wollte nur sagen, dass …«
»Wieder Funkeln?«