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Enkeltochter Helen und Opa Peter sind die Stars der unterhaltsamen Geschichten von Liesel Krüger: Unter anderem suchen ihre Protagonisten gemeinsam mit ihr, "Oma Lisa", am Ostseestrand nach Bernstein. In anderen Kurzgeschichten tanzen die Drei mit "Hexentanzstöcken", wenn sie nicht gerade eine "Sturmmusik" zusammen zum Besten geben. Eines Tages "entwischt" Enkeltochter Helen den Beiden und geht allein in den Wald, wo sie den Troll Tjark trifft. Liesel Krügers Kurzgeschichten sind inhaltlich stringent, humorvoll und phantasiereich.
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Seitenzahl: 101
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Liesel Krüger
Und was machen wir jetzt?
Helens phantastische Abenteuer mit Oma Lisa und Opa Peter
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Hexe Nudelhaar
Hexentanzstöcke
Sturmmusik
Wir paddeln!
Die Flaschenpost
Auf dem Reiterhof
Die Geschichte vom Spinnenschnitzel
Srandgut
Tjark – Die ersten Spuren
Tjark – Das erste Treffen
Tjark – Die Kette
Helens Wunschtraum
Bildnachweis
Impressum neobooks
„Und was machen wir jetzt?“ Helen sitzt auf Opa Peters Schoß und schaut ihn mit großen, fragenden Augen an. Auf dem Tisch liegen Spiele und Bücher. Gebastelt haben sie auch schon.
„Können wir nicht mal nach draußen gehen, um zu sehen, ob der Wind immer noch so stark ist, dass er mich umwehen kann?“
„Eine gute Idee“, meint Opa, „vorher ziehen wir uns aber noch eine Weste und feste Schuhe an. Ich schlage vor, wir gehen in den Wald, da packt uns der Wind nicht so!“
Zuerst geht es am Feldrand entlang. „Komm, ich nehm dich auf meine Schultern!“ So marschieren die beiden auf den Wald zu. Dass es dabei in Schauern regnet, stört sie nicht.
Manchmal soll Opa für Helen hopsen. Dabei wackelt sie auf und nieder und mal nach links und mal nach rechts. „Opa, kann ich auf deinen Schultern eigentlich seekrank werden?“ „Nein! Ich bin doch kein Schiff auf der Ostsee!“
Im Wald kann Helen wieder allein laufen. Sie entdeckt Brombeeren, die sie gleich isst.
„Was war das, Opa?“ „Was meinst du?" „Da, da war es schon wieder!“ „Peng – Peng – Knack – Knack“, sie hören, wie Äste aneinander schlagen. Doch dazwischen, meint Helen, sind deutlich andere Geräusche zu hören! „Juhu – Juhuuuu! Hihi – Hihiiii! Huihi – Huihihihi!“, und ein lautes „Hohooo!“, meint Helen.
„Ach, diese Geräusche meinst du“, sagt Opa nachdenklich. „Weißt du denn nicht, dass das Hexenkinder sind, die bei stürmischem Wetter fliegen lernen? Hat dir das keiner erzählt?“ Helen drückt sich fest an Opas Beine.
„Du brauchst doch keine Angst zu haben. Hexen tun dir nichts. Du weißt doch bestimmt, dass Hexen auf Besen durch die Lüfte fliegen. Hast du geglaubt, dass ein Hexenkind das nicht zuerst üben muss? Wir Menschen müssen doch auch das Fahrradfahren lernen. Der Besen ist sozusagen das Hexenfahrrad! Weißt du noch, wie schwer es war, geradeaus zu fahren, als wir von deinem Rädchen die Stützräder abgemacht haben?
Und es ist noch viel schwieriger, mit einem Besen fliegen zu lernen. Was meinst du, wie viele Hexenkinder beim Fliegenüben von ihrem Besen herunter gepurzelt sind und sich dabei die Beine verstaucht haben oder auf ihrem Po gelandet sind und blaue Flecken bekommen haben! Darum haben die Hexenmütter einen sicheren Ort zum Fliegenlernen ausgesucht. Hier im Wald sitzen die Hexenkinder bei starkem Wind auf den Ästen und lernen, ihr Gleichgewicht zu halten, bevor sie fliegen. Hör mal, was für einen Spaß die haben!“
Helen lauscht. Wirklich, sie hört das Hexenkinderlachen! Angst hat sie nun keine mehr. „Möchtest du auch das Hexenbesenfliegen lernen?“, fragt Opa. „Ja! Aber wo?“ „Auf der Buche, die hier liegt.“ Schnell hat Opa Peter einen Übungsast gefunden und setzt Helen darauf.
„Ich zähl bis drei, dann geht’s los. Halt dich gut fest!“ Opa springt auf den Stamm und fängt ganz doll an zu wippen. Helen fliegt durch die Luft! Sie jucheit und quiekt und lacht: „Juchhu, ich bin ein Hexenkind! Ich lerne fliegen!“
Es geht auf und nieder, auf und nieder, immer wieder, auf und nieder! Helen jucheit und quiekt und lacht noch immer: „Jetzt bin ich ein Hexenkind und lerne fliegen! Opa, kannst du noch schneller wippen?“ Aber Opa ist schon richtig außer Puste. „Ich brauch mal eine Pause“, sagt er.
Helen schließt die Augen. … Da sieht sie eine kleine Hexe mit hellen Nudellocken.
„Du hast das Hexenbesenfliegen so gut geübt, dass ich glaube, dass ich dich mit nach oben in die Baumkronen nehmen kann. Da macht das Fliegenüben nämlich noch viel mehr Spaß!“ „Wer bist du denn?“, fragt Helen. „Ich bin die Hexe Nudelhaar.“ Helen lacht: „Ich komme mit!“
Oben geht es richtig los! Viele Hexenkinder sitzen auf Ästen und üben. Rauf und runter, hin und her, kreuz und quer. Alle lachen und quieken. Helen fühlt sich so richtig wohl! Da hört sie Opas Stimme:
„Helen, wo bist du?“ Und noch einmal, nun etwas lauter, ruft er: „Helen, wo bist du?“ „Hier oben in den Baumkronen. Ich komme jetzt wieder runter, fang mich auf!“ Hexe Nudelhaar gibt Helen einen leichten Schubs und sie landet genau in Opas Armen. … als Helen ihre Augen wieder öffnet, sitzt sie noch immer auf dem Baumstamm und Opa Peter wippt wieder.
„Ich bin richtig stolz auf dich“, sagt Opa. „Da hab ich mich so angestrengt und ganz doll gewippt und du bist nicht einmal ansatzweise heruntergefallen! Du hast die erste Hexenfliegeprüfung bestanden! Als Belohnung bekommst du jetzt einen warmen Kakao und ein Stück Kuchen bei Oma Lisa.“
„Ein Stück Kuchen hast du dir aber auch verdient, Opa!“ Als sie nach Hause kommen, öffnet Oma Lisa den beiden die Tür: „Schön, dass ihr unbeschadet wieder nach Hause gefunden habt.“ Helen ist so aufgeregt, dass sie der Oma gar nicht schnell genug alles erzählen kann, was sie im Wald erlebt hat. „Kommt doch erst einmal herein, dann könnt ihr mir in Ruhe alles berichten.“
Und lächelnd zu Opa Peter gewandt meint sie: „Heute Nacht hat unsere kleine Helen aber Aufregendes zu verarbeiten! Das wird bestimmt eine handgreifliche, laute Träumerei werden!“
Wenn Helen Urlaub bei Opa Peter und Oma Lisa macht, schläft sie mit der Oma zusammen im Schlafzimmer. Opa Peter schläft in dieser Zeit im Gästezimmer, denn für drei Personen ist das Wasserbett zu schmal.
In der Nacht hat Helen schön geträumt und ist nun ausgeschlafen, darum fängt sie auch gleich nach dem Aufwachen an zu denken, zu reden und zu fragen.
„Oma, wenn Hexenkinder auf Baumästen fliegen gelernt haben, müssen sie dann als nächstes auf richtigen Besen durch die Luft sausen?“
„Ich glaub schon.“
„Traust du dich so etwas auch oder müsstest du das üben?“
„Wie denn?“, fragt Oma Lisa überrascht.
„Oma, pass mal auf. Ich bin jetzt dein Besen. Ich leg mich ganz gerade hin, so auf den Bauch, und du setzt dich auf meinen Rücken. Du bist dann ein Hexenkind, das fliegen lernt.“
Oma Lisa macht alles so wie Helen es sich wünscht, und los geht die Fliegerei. Hui, ist das stürmisch! Mit richtigen Windböen muss das Hexenkind Oma Lisa kämpfen, denn es ist gar nicht so einfach, im Wasserbett die Balance zu halten. Sie schaukeln von vorne nach hinten, mal hoch und mal runter und auch seitlich muss die Hexenschülerin aufpassen, dass sie nicht von ihrem Besen namens Helen fällt. Helen macht es großen Spaß. Sie lacht und stöhnt und macht richtige Sturmgeräusche dazu: „Huibu, Huibu, Huhiii!“
Von so komischen Geräuschen im Haus wird Opa Peter wach. „Was ist denn hier los, ich will auch mitmachen“, sagt er in der Schlafzimmertür stehend.
„Das geht nicht“, sagt Helen, „mit dir spiel ich doch den ganzen Tag. Jetzt ist Oma Lisa mal dran!“ Und mit viel Juchei geht die Fliegerei im Wasserbett weiter.
Doch irgendwann ist der Morgenhunger stärker als die schönste Turnerei.
Nach dem Frühstück fragt Helen den Opa: „Wir gehen doch heute wieder in den Wald, oder? Wir müssen doch hören, ob die Hexenkinder wieder das Fliegenlernen üben!“
Dieses Mal ist es richtig still im Wald, keine Windgeräusche, kein Blätterrascheln und keine Äste, die aneinander stoßen. Was für Helen aber viel schlimmer ist: Kein Hexenkinderspaßgekicher! Sie zieht die Schultern hoch, schaut traurig ihren Opa an und sagt: „So ist das Leben, da kann man nichts machen. Schade!“
Opa Peter stellt sich hinter einen dicken Baum und tut so, als würde er telephonieren. „Mit wem sprichst du?“
„Mit dem Mann, der die große Luftpumpe hat. Ich habe ihm gesagt, er soll wieder einen dicken Luftballon so doll aufblasen, dass der platzt, denn dann haben wir hier wieder den schönsten Sturm!“
„Opa, jetzt hast du wieder großen Quatsch gemacht, das glaub ich nicht. Im Wald kann man gar nicht telephonieren.“
Laut schallt Helens Lachen durch den Wald. Opa Peter aber macht ein ganz trauriges Gesicht: „Glaubst du mir das nicht?“ Doch auch er kann sich das Lachen dann nicht verkneifen und so marschieren sie weiter durch den Wald.
Sie kommen gar nicht so leicht voran, denn der Wind hat in den letzten Tagen ganz schön an den Ästen und Bäumen gezerrt, darum liegen viele trockene Stöcke auf dem Waldboden. Helen ärgert sich darüber. Immer wenn sie auf einen Stock tritt, geht der am anderen Ende hoch, oder er knackt durch und sie erschreckt sich dann.
„Du musst dich nicht ärgern“, tröstet sie Opa Peter. „Das sind doch die Hexenübungsstöcke.“
„Was sind das?“, fragt Helen ungläubig.
„Weißt du das nicht? Die Hexen machen abends ein Feuer an, und dann hopsen sie auf solchen Stöcken um das Feuer herum. Einen Besen lange festzuhalten, muss man nämlich auch üben, denn manche Hexenkinder bekommen Schmerzen in den Händen, wenn sie den Besen zu lange festhalten. Stell dir vor, was passieren würde, wenn sie dann einfach während ihres Fluges durch die Luft den Besen loslassen! Sie rutschen vom Besen, sausen durch die Luft und . . . fallen! Genau das Gleiche passiert, wenn du dich beim Schaukeln nicht festhältst. Mit ein paar blauen Flecken kommt ein Hexenkind dann aber bestimmt nicht davon.“
Helen nickt – als sie schaukeln lernte, hatte sie sich auch einmal losgelassen und war von der Schaukel geplumpst. Ja, das hatte ganz schön weh getan. Wie viel mehr musste es da den Hexenkindern weh tun, denn die sausten ja viel höher durch die Luft und fielen darum auch viel tiefer.
„Opa, muss ich so etwas auch noch üben?“
„Wir können ja mal testen, wie lange du so einen Hexentanzstock festhalten kannst, und ich teste mich gleich mit dir.“
Nun suchen die beiden sich für ihre Größe je einen Stock aus, nehmen ihn zwischen die Beine und stellen fest: Er passt!
Als sie mit ihren Stöcken am Waldrand ankommen, legen sie einen dicken Stein so hin, dass man darum tanzen kann. Der Stein ist das Hexenfeuer – der Tanz kann beginnen! Sie hopsen und springen und drehen sich im Kreise. Helen ist so gut gelaunt, dass sie zu singen anfängt.
Nach einer Weile staunt Opa Peter: „Wie toll du das machst, und müde wirst du dabei auch nicht – ich kann aber nicht mehr! Ich muss Pause machen!“
Doch Helen tanzt immer weiter.
„Hey, meine Kleine, ich bin so kaputt. Am besten tanzt du jetzt nach Hause, denn ich muss mich mal hinsetzen, und zwar auf einen richtigen Stuhl, bei dem ich mich anlehnen kann. Das ist besser als auf einem umgestürzten Baumstamm.“
Also macht Helen sich auf den Weg zu Oma Lisa. Wie eine richtige Hexe hält sie ihren Hexentanzstock zwischen den Beinen und tanzt singend nach Hause.
„Sag mal, Opa, hab ich die Hexenprüfung nun bestanden?“
„Ich denke schon.“
Zu Hause angekommen zeigen sie Oma Lisa voller Stolz ihre Mitbringsel aus dem Wald.
Oma Lisa schmunzelt nur: „Das sollen Hexentanzstöcke sein, das glaubt euch doch keiner! Echte Hexentanzstöcke sind verziert und tragen ein Namenszeichen. Was meint ihr denn, wie oft sich die Hexenkinder um die Stöcke streiten würden? Keines würde den eigenen Stock wiederfinden!“
Helen schaut ihren Opa an: „Wo die Oma Recht hat, hat sie Recht. Opa, ich glaube, mit deiner Mittagspause wird es heute nichts!“
Opa Peter stöhnt: „Was bin ich doch für ein armer Mann! Morgens kann ich nicht ausschlafen, weil mich Sturmgeräusche in der eigenen Wohnung wecken. Dann muss ich den ganzen Vormittag durch den Wald marschieren, muss mit Hexentanzstöcken üben und jetzt auch noch in meiner Werkstatt Stöcke verzieren, dabei bin ich doch so hungrig und müde!“
Helen und Oma Lisa schauen sich schmunzelnd an und drücken dann gemeinsam den „armen Opa Peter“ ganz fest, wobei er von Oma Lisa ein Küsschen bekommt.
Doch Helen weiß, sie kann sich auf ihren Opa verlassen!
Den ganzen Nachmittag lang haben die beiden an den Stöcken geschnitzt. Zwischendurch hat Helen schon einmal ihren Stock ausprobiert. Die Oma hatte Recht, mit einem verzierten Stock kann man viel besser tanzen!
