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Zunächst herrscht Harmonie bei einem Benefiz-Event, doch dann bricht das Chaos aus: Nachdem eine Person gegangen ist, sind alle anderen plötzlich Verdächtige! Nun schlägt die Stunde des Undercover-Gastes ... Der Kurzkrimi "Undercover in Hardys Garten" wurde speziell für eine Lesung in einem überregional bekannten Gartenparadies geschrieben. Die Handlung und die Figuren sind fiktiv, das Gastgeberpaar Hardy und die Beschreibung des Gartens hingegen authentisch. Diese und die weiteren 10 Erzählungen bieten eine abwechslungsreiche Mischung aus Denkanstößen, spannendem Kopfkino und viel Anlass zum Schmunzeln.
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Seitenzahl: 127
Veröffentlichungsjahr: 2025
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ÜBER DIE AUTORIN
Elke Stoll ist studierte Lehrerin sowie ausgebildete Mediatorin und hat bei Prof. Schulz von Thun ihre langjährige Weiterbildung zur Kommunikationsberaterin/-trainerin absolviert. Vierzig Jahre arbeitete sie in der Erwachsenenweiterbildung. Erst mit Ende sechzig begann sie Belletristik zu schreiben.
Wie in all ihren Romanen und Kurzgeschichten gehen auch in diesem Erzählband die beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen der Autorin als psychologisches Hintergrundrauschen in die Handlungen ein. In einer feinen Mischung aus Unterhaltung und sensibler Tiefgründigkeit gelingt es ihr, diese Beobachtungen pointiert ins Fiktionale zu bringen.
Weit über 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachte Elke Stoll bei ihren Lesungen bereits zum Schmunzeln, Erinnern und Nachdenken. Dabei wird sie immer wieder aufgefordert, unbedingt weiterzuschreiben, um Stoff für weitere Lesungen zu generieren.
Morgen ist auch noch ein Tag
Fundsachen
Spurensuche
Die tugendhaften Zwerge
Ahnungen
Undercover in Hardys Garten
Seelenstriptease
Der Hungerpohl
Der Adventskalender
Die Lösung
Wo ist mein Kaninchen?
Figuren und Handlungen sind frei erfunden, Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen wären rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Für Gigi und Horst Hardy
Seit vielen Jahren ist ein Hund Teil meines Lebens, den ich verabscheue. Mal hält er sich in unmittelbarer Nähe auf, mal versteckt er sich. Werfe ich ihn aus dem Haus, kommt er auf samtigen Pfoten zur Hintertür wieder herein. Ich bin mir sicher, Sie kennen ihn alle – den inneren Schweinehund.
Er taucht bevorzugt auf, wenn etwas erledigt werden muss, wozu man überhaupt keine Lust hat. Typischerweise ist er zunächst noch klein, wächst aber zunehmend, je länger man die Tätigkeit aufschiebt. Wie bei den realen Artgenossen, ist nicht das Tier für seine Handlungen verantwortlich, sondern der Halter.
Für die Aufschieberitis gibt es sogar einen Fachausdruck: Prokrastination. Viele Ratgeber versprechen Abhilfe, um den Blockierer zu vertreiben. Etliche habe ich ausprobiert, zum Beispiel, um den Keller aufzuräumen.
Dieses Vorhaben ist geradezu ideal, den inneren Schweinehund aus dem Winterschlaf zu holen. Denn die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling senden das Signal für die Putz- und Aufräumsaison.
Ich beschließe, mit der Aktion »Für einen gut aufgeräumten Keller – weg mit dem Mief vergangener Jahre« am nächsten Tag zu beginnen. Der innere Schweinehund wackelt mit dem Schwanz und legt sich zufrieden in eine Ecke. Die erste Runde hat er bereits gewonnen.
Am nächsten Morgen stehe ich vor dem Kleiderschrank und überlege gerade, was ich Passendes für die Kelleraktion anziehen soll, als mein Mann mit einem strahlenden Lächeln verkündet: »Bei dem herrlichen Wetter sollten wir unsere erste Frühjahrsradtour machen. Was meinst du?« Gern lasse ich mich überreden, morgen ist auch noch ein Tag.
Eine der Regeln lautet, sich nicht alles auf einmal vorzunehmen, sondern in Teilschritten vorzugehen. So beginne ich mit dem ersten Regal und bin viel schneller fertig als gedacht. Das gibt mir den nötigen Schwung, gleich mit dem nächsten Abschnitt zu beginnen, als das Handy brummt. Eine gute Freundin ist in Plauderlaune. Nur zu gern lasse ich mich ablenken. Danach bin ich zwar gut gelaunt, aber die Putzmotivation ist auf null gesunken und der innere Schweinehund begleitet mich ins Wohnzimmer.
Nach drei Tagen versuche ich ihn abzuschütteln, da kann er noch so lieb auf dem Sofa hocken. Diesmal wende ich die »Belohnungsmethode« an. Vor meinem geistigen Auge erscheint ein Pullover, ausgestellt im Schaufenster eines Geschäftes und zudem noch reduziert. Den werde ich mir nach erfolgter Arbeit gönnen. Gerade will ich die ersten Kartons inspizieren, voller Vorfreude auf den neuen Pullover, als mir siedeheiß einfällt: Hoffentlich ist das Objekt meiner Begierde noch da! Der attraktive Preis wird sicherlich weitere Käuferinnen anziehen. Da ich ohnehin etwas aus der Apotheke holen will, suche ich vorsichtshalber die Boutique auf und halte bald das begehrte Stück in Händen. Als ich merke, dass mich der innere Schweinehund ausgetrickst hat, ist es schon zu spät, aber morgen ist auch noch ein Tag!
Ein Tipp der Experten lautet, das »Framing« zu verändern. Es soll helfen, die verhasste Arbeit in einen anderen, möglichst positiven Zusammenhang zu stellen. Nach einigem Nachdenken beschließe ich, das Aufräumen des Kellers als Abenteuer zu empfinden. Tatsächlich entdecke ich unter vielen unnützen Sachen auch einige unbekannte, die es wert sind, ans Tageslicht geholt zu werden. Neugierig forsche ich weiter, bis mir eine fette Spinne über die Hand läuft. Ich fliehe in Richtung Kellerausgang, als ich neben mir ein begeistertes Quietschen höre. Er ist wieder da. Wütend verpasse ich ihm einen Tritt, kehre um und unterziehe auch die Spinne einem Framing. »Wie schön, dass es dich gibt«, säusele ich im besten Psychologenslang, »denn Spinnen halten sich nur in trockenen Räumen auf.«
Tapfer räume ich das komplette Bord auf. Zufrieden betrachte ich die rechte Kellerseite. Aber ich lechze nach Anerkennung und so locke ich meinen Mann in die Unterwelt.
»Nun, was sagst du? Ich habe übrigens die längst vermisste Fahrradpumpe wiedergefunden.«
Er steht etwas unschlüssig im Raum, dreht sich um die eigene Achse und antwortet: »Wolltest du nicht den Keller aufräumen?«
Vierzehn Tage später besuche ich eine Ausstellung mit moderner Kunst. Unter anderem sind dort auch Installationen zu bewundern. Ich gerate in einen Raum voller Gerümpel, verrosteten und wirr durcheinanderliegenden Alltagsgegenständen der unterschiedlichsten Art. Zunächst denke ich, ich bin vom Weg abgekommen, bis mir anhand der Erläuterungen auf einer Tafel klar wird, dass es sich hierbei um das Werk eines berühmten Künstlers handelt. Irgendwie erinnert mich das an meinen Keller vor der Putzaktion. Sollte ich etwa ein Kunstwerk zerstört haben?
Dafür überkommt mich immer ein wohliges Glücksgefühl, wenn ich jetzt die aufgeräumten Regale sehe. Alles ist sauber, auf Anhieb finde ich etwas und Platz für Neuzugänge ist auch vorhanden. Erfolg ist doch der größte Motivator.
Zufrieden sitze ich auf der Terrasse und löffle ein leckeres Eis. Eigentlich will ich abnehmen, aber morgen … Da hockt er wieder und schmatzt vor sich hin.
»Dies war das letzte Eis!«, brülle ich ihn an.
Zumindest für heute.
»Er ist weg!« Panik klang in ihrer Stimme, als sie sich nach allen Seiten umsah. »Herr Müller!«, rief sie laut.
»Er war doch eben noch da«, versuchte das Herrchen von Bella sie zu beruhigen und schaute dabei auf die vier tobenden Hündinnen. Die kleine Gruppe stand an der Brücke, die über den Büsenbach führte.
»Bestimmt hat er ein Kaninchen aufgescheucht«, meinte das Frauchen von Tapsi.
»Nein«, sagte sie entschieden, »Herr Müller jagt nicht.«
Erneut schrie sie, so dass sich ihre Stimme fast überschlug: »Herr Müller, komm sofort hierher!«
Sosehr sie den Hund ihrer Tante liebte, so sehr hasste sie seinen Namen. Jedes Mal, wenn sie ihn rief, drehte sich mindestens ein Mann um. Seit ihre Tante im Pflegeheim lebte, waren alle Versuche gescheitert, das Tier umzubenennen.
»Kommt! Wir laufen auf den Pferdekopf. Von dort oben ist Herr Müller gut zu entdecken«, empfahl das Frauchen von Beauty. Diese Idee stieß auf große Zustimmung.
»Aber lass irgendetwas von dir an diesem Ort zurück. Wenn der Hund dich sucht, wird er daneben sitzen bleiben.« Bellas Herrchen hielt sich für einen ausgemachten Hundeexperten.
Schnell zog sie ihren Anorak aus und legte ihn neben die Bank an der Brücke. Die Hundegruppe rannte den Berg hoch. Von hier hatte man eine herrliche Aussicht. Obwohl sie in alle vier Himmelsrichtungen schauten, hatte keiner einen Blick für die hügeligen Heideflächen, die malerischen Teiche, die angrenzenden Wälder und das kleine Bächlein, das dem Tal seinen Namen gab. Wie so oft am Morgen waren vereinzelt Jogger zu sehen, weit hinten auf der gegenüberliegenden Anhöhe spazierte eine ältere Frau mit ihren beiden Hunden.
»Irgendjemand wird ihn schon aufgreifen und sich dann sofort melden«, tröstete Tapsis Frauchen und zeigte auf das Halsband ihrer Hündin, an dem eine kleine Adressbombe hing.
»Oh, ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt.« Siedend heiß fiel ihr ein, dass Herr Müller kürzlich seine Steuermarke verloren hatte.
Bellas Herrchen goss weiter Öl ins Feuer: »Am sichersten sind der eingravierte Name und die Handynummer am Halsband. Außerdem können die Hunde ja durch ihren Chip von jedem Tierarzt identifiziert werden.«
Verzweifelt schüttelte sie den Kopf. »Herr Müller stammt von einem heruntergekommenen Bauernhof in Süddeutschland. Meine Tante hat ihn damals vor dem Verhungern gerettet. Wahrscheinlich ist er gar nicht gechipt. Ich weiß es nicht.«
Sie gestand sich ein, sich nicht darum gekümmert zu haben. Zunächst schien es so, dass sie Herrn Müller nur für eine kurze Zeit aufnehmen müsste. Aber dann wurde ihre Tante ein Pflegefall und seit zwei Jahren war der Hund nun endgültig ihr Lebensbegleiter.
»Hauptsache, der Schäfer greift ihn nicht auf!« Das Frauchen von Emma berichtete ausführlich von einer unangenehmen Auseinandersetzung, weil ihr frei laufender Hund nicht sofort gehorcht hatte.
»Die Schafe sind im Stall«, behauptete Bellas Herrchen, »aber das bringt Herrn Müller nicht zurück. Ich schlage vor, wir tauschen unsere Handynummern aus und durchkämmen auf verschiedenen Wegen das Büsenbachtal.«
Die Gruppe teilte sich auf und sie lief allein zur Bank, um ihren Anorak zu holen. Aber da lag nichts mehr! Eine pinkfarbene Jacke war doch nicht zu übersehen. Würde jemand ein altes, schon etwas zerschlissenes Kleidungsstück stehlen? Wer hatte denn Interesse an dem Tascheninhalt – Hundeleckerlis und Kotbeutel?
Eine Idee schoss ihr durch den Kopf: Herr Müller war zum Auto gelaufen, saß brav davor und wartete auf sie. Zügig marschierte sie die Anhöhe hoch. Ihr Auto hatte sie diesmal am Ende der Straße geparkt, dort, wo die letzten Häuser standen. Ihre Hoffnung erfüllte sich nicht, weder Hunde noch Menschen waren zu sehen. Die morgendlichen Spaziergänger und Jogger hatten das Büsenbachtal bereits verlassen und die Tagestouristen würden später kommen.
Enttäuscht beschloss sie, im Auto in Ruhe nachzudenken. Doch zu ihrem Entsetzen fiel ihr jetzt auf, dass der Autoschlüssel in der Innentasche des Anoraks war.
*
Der Duft war einfach unwiderstehlich! Ich konnte die Nase nicht von der frischen Spur nehmen und folgte ihr eilig den gewundenen Weg direkt am Bach entlang. Aus der Ferne hörte ich die Rufe meines Frauchens, aber die Begierde war stärker als der Gehorsam. Am Parkplatz beim Schafstall standen nur wenige Autos. Die Gäste des beliebten Cafés würden erst später eintreffen.
Die Spur am Boden hörte plötzlich auf, aber trotzdem war der Geruch überwältigend. Vor mir stand ein PKW mit geöffneter Heckklappe. Hinter den Gittern einer Hundebox saß sie, so nah und trotzdem unerreichbar für mich. Zwei Männer standen seitlich am Wagen in ein Gespräch vertieft. Ich nahm allen Mut zusammen und sprang mit einem Satz in den Kofferraum. Hinter leeren Einkaufstaschen quetschte ich mich in eine kleine Lücke. Dann knallte die Heckklappe zu und kurz darauf wurde der Motor angelassen. Meine Angebetete jaulte und ich setzte an, sie zu unterstützen, als der Fahrer genervt sagte: »Trixie, sei endlich mal ruhig! Das ist ja nicht zum Aushalten.«
Die laut aufgedrehte Musik übertönte unsere Liebesbeteuerungen und die verzweifelten Versuche, trotz Käfig zueinanderzukommen.
Wir bekamen nicht mit, dass wir die Landschaft und die Dörfer hinter uns gelassen hatten und nun durch Tostedt fuhren. Erst an einer Ampel schaute ich aus dem Fenster. Hier bog Frauchen häufig ab, denn an der Seite des großen Parkplatzes lag das Geschäft, in dem es die leckeren Hundesachen gab. Mir lief das Wasser im Maul zusammen. Der Mann fuhr weiter geradeaus, passierte die Einkaufsstraße und nach kurzer Zeit hielt das Auto an.
Eine helle Kinderstimme rief: »Papa, ich hol Trixie.«
»Pass auf, lass sie nicht entwischen!«
Trixie sprang befreit aus der Hundebox und ehe der Junge zugreifen konnte, folgte ich ihr.
»Da ist noch ein Hund!«, schrie das Kind.
»Wo kommt der denn so schnell her?«, wunderte sich der Mann. »Halt ihn fest!«, brüllte er seinen Sohn an.
Wir tänzelten umeinander, beglückt und im Taumel der Gefühle. Dann wurde Trixie am Halsband gepackt und von mir weggezogen. Sofort war ich wieder bei ihr. Ihr herzzerreißendes Jaulen spornte mich an. Ein heftiger Schmerz in der Flanke nahm mir den Atem, da trat der Mann erneut zu. »Du Scheißköter, verzieh dich!«
Für einen Augenblick ließ ich von ihr ab und das reichte den Menschen, die Pforte zu schließen. Wenig später verschwanden sie mit der Hündin im Haus.
Ich versuchte den Zaun zu überwinden, sprang immer wieder an ihm hoch, lief auf und ab, um nach einem Durchschlupf zu suchen – ohne Erfolg. Ich probierte es mit andauerndem schrillen Bellen und Trixie antwortete. Irgendwann würden wir zueinanderfinden!
Plötzlich traf mich ein eisiger Wasserstrahl. »Das wird dich abkühlen!«
Der Mann grinste hämisch von der anderen Seite des Zauns und zielte mit dem Gartenschlauch auf mich. Pudelnass kapitulierte ich. Man muss wissen, wann eine Schlacht verloren ist. Mit hängendem Schwanz zog ich davon. Aber wohin? Durst und Hunger meldeten sich, denn normalerweise bekomme ich mein Frühstück nach dem Hundespaziergang und der war mittlerweile lange her.
Ziellos irrte ich umher, bis die Geräusche der Einkaufsstraße an mein Ohr drangen. Wo Geschäfte sind, gibt es häufig davorstehende Wassernäpfe. Aber nirgendwo konnte ich meinen Durst löschen. Vor einem Schaufenster mit diesen Fell-Ersatzteilen für Menschen blieb ich stehen. Hier kaufte Frauchen manchmal ein. Vielleicht war sie auch heute da.
Ich betrat die Boutique mit der netten Verkäuferin. Es roch nicht nach Frauchen, aber eventuell hatte sie sich in einer dieser Kabinen versteckt. Tatsächlich, Beine schauten unter einem Vorhang hervor. Während die Verkäuferin in den Kleiderständern etwas suchte, näherte ich mich den nackten Füßen. Es waren nicht die von Frauchen, aber sie rochen interessant und so leckte ich kurz an ihnen. Ein gellender Schrei ertönte und eine halbnackte Frau stürmte aus der Kabine. Das Gezeter der beiden Frauen begleitete meine Flucht.
Mein Magen knurrte und als ein leichter Wind mir Gerüche von gebratenem Fleisch zutrug, folgte ich ihnen automatisch. Auf dem Tostedter Markt würde ich nicht nur etwas zu fressen bekommen, sondern bestimmt das Frauchen treffen. Freudig wedelnd beschleunigte ich meine Schritte. Aber Halt! Ich hatte gelernt, die große, viel befahrende Hauptstraße nur zu überqueren, wenn gleichzeitig die Menschen gingen. So setzte ich mich hin und folgte schließlich dem Strom der vielen Beine.
Zielstrebig marschierte ich zu dem Verkaufswagen des Schlachters am Kopfende des Marktes. Eine lange Menschenschlange versperrte mir den Weg. Wie Frauchen es tat, reihte ich mich ein und rückte nach und nach weiter vor. Bei dem Gedanken an die leckere Wurst lief mir das Wasser im Maul zusammen. Wenn Frauchen einkaufte, reichte mir der nette Schlachter immer einen Leckerbissen.
»Halt!«, rief der Mensch hinter mir. »Sie haben Ihren Hund vergessen.«
»Das ist nicht mein Hund«, sagte die Kundin, die vor mir gewartet hatte. »Ich dachte, er gehört zu Ihnen.«
Mit schief gelegtem Kopf schaute ich alle erwartungsvoll an und wedelte kräftig. Aber keiner kümmerte sich um mich.
Nachdem der Schlachter drei Kunden bedient hatte, gab ich enttäuscht auf. Keine Wurstscheibe hatte den Weg zu mir gefunden.
Ich roch Wasser, leider waren aber zusätzlich dicke Blumensträuße in den Eimern. Vorsichtig schnuppernd schlich ich von Kübel zu Kübel und versuchte vergeblich, mit der Schnauze an das begehrte Nass zu kommen.
Ein tiefes Knurren führte dazu, dass sich automatisch meine Nackenhaare hochstellten, und dann kam der Angriff. Ein großer schwarzer Rüde wurde nur durch die verzweifelt an der Leine ziehende Frau davon abgehalten, sich auf mich zu stürzen. Er war eindeutig der Stärkere und so gab der Klügere nach. Vor Wut pinkelte der Angreifer an einen großen Blumentopf, während sein Frauchen bezahlte. Es war eine aggressive Botschaft, die nicht unkommentiert bleiben durfte. Als ich mein Bein hob, brüllte die Blumenfrau: »Das darf doch nicht wahr sein! Hau ab, du blöder Köter!«
