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Die Wahrnehmung der Realität, darum kreisen die Gedanken des Professors. Lieber, als Zeit auf der Party seiner Frau zu verbringen, sitzt er grübelnd im Garten. Er hat ein Treffen organisiert, morgen, in der Nacktbadezone des Münchener Dantebads. Die neun Patienten haben sich freiwillig gemeldet, alle haben Erfahrungen gemacht, die ihr bisheriges Leben nachhaltig veränderten. Man hatte Visionen, aufrüttelnde sexuelle Erlebnisse, man wurde vor unbarmherzige Entscheidungen gestellt. Der Professor soll ihnen Klarheit bringen. Doch der sitzt auf der Wache und wird des zweifachen Mordes verdächtigt. "Wäre es denn von Bedeutung, ob es passiert ist oder nicht? Wir sprechen hier von Eingebungen, von einem Strauß an Impressionen, wie sie in bestimmten Momenten empfangen werden."
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Seitenzahl: 576
Veröffentlichungsjahr: 2023
Impressum
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© 2023 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99146-203-3
ISBN e-book: 978-3-99146-204-0
Lektorat: Theresia Riegler
Umschlagfoto: Inara Prusakova | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Zitat
Was jene Gleichgültigen betrifft, die nicht die Versuchungen der Fantasie und nicht die der Sinne/Gefühle kennen, denen gestehe ich wohl zu, dass sie das Recht haben, mich zu zensieren; aber ich bin unentschlossen,
Einleitung
Nun muss ich wirklich anfangen; meine Zeit ist knapp.
Doch vor allem, weil die auf dem Tisch verstreuten Kekskrümel (ich habe den Kopf darauf gelegt) mich unangenehm an meiner Stirn kratzen. Ich muss euch jedoch alles beschreiben, bevor ich den Kopf wieder hebe.
Ihr werdet euch fragen, wer ich bin und weshalb ich meinen Kopf auf den nicht ganz sauberen Tisch gelegt habe. Alles zu seiner Zeit. Jedoch muss ich euch ein Detail mitteilen, und zwar ist der verdammte Tisch absolut kein Luxustisch, sondern einer mit einer Oberfläche aus preiswertem Material, wohl aus Laminat.
Ich bin Professor. Nicht für Medizin oder andere wissenschaftliche Fächer; ich bin Universitätsdozent. Neun Personen haben mich kontaktiert. Eine nach der anderen natürlich, doch einen ganzen Tag lang nach meinen Vorträgen im Fernsehen zu einem speziellen Thema der antiken Griechen:Kennst du dich selbst, hm … aber mit meinen außergewöhnlichen Abschweifungen. Also zehn vertraulich zu untersuchende Personen. Ich sage zehn, denn der Zehnte wäre ich selbst.
Mit den restlichen neun vereinbarte ich keinen Termin, ich lud sie alle zusammen ein. In mein Studio? Sofa wie bei Freud? Nein, ins Münchener Dantebad.
Schwimmen? Bitte unterschätzt nicht meine Intelligenz. Die Versammlung findet im Dantebad in der Nacktbadezone statt. Ohne Kleidung argumentiert man vernünftiger. Die Farben, die Muster der Stoffe, Dinge, die das Auge mit falschem Instinkt aufnimmt, verführen zu unnötigen Ausflüchten … all dies wird durch die Nacktheit eliminiert, sodass sich der unbekleidete Körper auf ganz natürliche Weise anderen nackten Körpern zuwendet.
Wer sind diese neun? Haben sie äußerlich etwas gemeinsam? Nein. Es wird ein intellektuelles Oktoberfest sein. Denn so wie auf dem Oktoberfest die unterschiedlichsten Typen zusammensitzen, trinken und grölen, so werden sich meine neun am Ende an einem einzigen Punkt vereint fühlen durch etwas Unbekanntes, das in ihrem intimen Inneren ruht und sich ihnen bis zu einem bestimmten Moment allmählich offenbaren wird. Gefährlich verführerisch, gewaltsam, wunderschön.
Doch wie sollen sie sich unter so vielen nackten Badegästen finden, um zusammen auf mich zu warten? Jeder von ihnen wird als Erkennungszeichen ein Buch in der Hand halten. Folglich schließen sie daraus, dass sich sämtliche Unbekleideten mit Buch in der Hand mit derselben Absicht dort befinden. Was für eine gemeinsame Absicht, wenn sie doch untereinander so verschieden sind? Sie werden sich beobachten, wobei sie versuchen, sich zu verstehen, bevor sie anfangen, miteinander zu sprechen.
Indessen Diskretion; nur die Vornamen. Ich bin Georg, dann sind da noch Orpheus, Dorothea, Klaus, Verena, Markus, Jutta, Irmgard, Lucius und eine Unbekannte. Vier Männer und fünf Frauen; zehn insgesamt, sollte ich im Dantebad dazustoßen können. Doch heute ist es mir unmöglich, mich dorthin zu begeben. Wieso denn? Ihr werdet es verstehen beim Weiterlesen.
Natürlich verstehe ich sehr gut, dass das alles für die neun ein wenig peinlich sein kann, im Anbetracht der anfänglichen Abwesenheit des Professors und Erfinders dieses eigenartigen Treffens. Und jeder von ihnen wird durchdrungen sein von zwei intimen Empfindungen: Die eine bedeutet, dass man sich lieber allein mit dem Professor getroffen hätte; die andere ist die Neugier zu erfahren und zu verstehen, was für ein Merkmal der Zusammengehörigkeit und Verwandtschaft zwischen ihren Persönlichkeiten von unterschiedlichem Sex und Aussehen existieren könnte. In der Tat muss jeder, der ein Buch in der Hand hält, unbedingt etwas an sich haben, irgendein gemeinsames Element. Es ist also notwendig, auf die Ankunft des berühmten Professors zu warten, um zu verstehen.
Und weil dieser sich verspätet, betrachten sich die neun Leute verstohlen, schauen von einem zum anderen, anfangs ohne etwas zu sagen. Lucius könnte versuchen herauszufinden, was für ein Buch Markus, eine streng blickende Person, in der Hand hält, jemand der nicht unbedingt sympathisch wirkt. Es könnte ein Buch über Psychologie oder ähnliche Themen sein. Dann würde sein Blick zu Verena wandern, die erotisch faszinierendste Frau der Gruppe. Verena scheint nicht an einer Annäherung an ihn interessiert zu sein, lieber wäre ihr wohl ein Willkommenslächeln und ein Wort von Klaus, einem athletisch wirkenden Mann von Welt. Und die Unbekannte? Statt eines Buches hält sie in der Hand eine zusammengerollte Zeitschrift, Brigitte oder vielleicht Freundin. Wer weiß, wahrscheinlich handelt es sich um einen naiven Versuch, zu viel Öffentlichkeit zu vermeiden. Das heißt, wenn sie in eine Zeitschrift statt eines Buches in der Hand hält, könnte sie auch nicht zur Gruppe gehören. Diese Vorsicht nur für den Fall, dass die Presse mit von der Partie ist. Jutta und Dorothea, zwei typische Vertreterinnen einer respektablen höheren Gesellschaftsschicht, zwei nicht hässliche, doch absolut normal aussehende Damen, würden als Erste eine Konversation beginnen, ganz formal, zum Beispiel über die Verspätung des erwarteten Professors, wobei sie vorläufig vermeiden würden, sich gegenseitig nach dem Grund ihrer Anwesenheit zu befragen. Oder Jutta könnte sympathische Neugier bezüglich des italienischen Kochbuchs zeigen, das Dorothea mitgebracht hatte; und diese würde vielleicht Interesse an Juttas Abhandlung über die Emanzipation der Frau im 19. Jahrhundert simulieren. Der uninteressanteste von allen scheint Orpheus, genannt Orfi, zu sein. Er wird abseits von den anderen irgendwo auf unbequemem, stacheligem Gras der Wiese sitzen. Er ist schon älter, dicklich; die fünf anwesenden Herren haben ihn nur flüchtig angeschaut, vielleicht ohne freundlich zu lächeln. Ohne den Smoking und der schwarzen Fliege am Kragen ist er nicht zu erkennen. Außerdem gibt es ein Element, das nicht zu Orfi passt, das ist die Unscheinbarkeit seines Penis, durch seine Sitzposition im Gras verdeckt durch den vorstehenden Bauch.
Um diese Vorrede zu beenden und euch mein Wesen zu erklären, muss ich leider sagen, dass die peinliche Situation der neun Nackten mich in diesem Augenblick überhaupt nicht interessiert. Zuerst muss ich über den wichtigsten Menschen sprechen: über mich selbst.
Eine Wahrnehmung ist nichts Konkretes, niemand kann sie greifen und vor allem nicht mit Sicherheit erklären.
In diesem Moment ist mir auch nicht daran gelegen. Ebenso kann ich nicht wissen, dass wer auch immer dies liest, mich versteht. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist der Umstand, dass ich erzählen möchte, denn für gewöhnlich spreche ich mit niemandem über gewisse Eindrücke.
Wenn ich dies nun tue, dann weil ich schlussendlich denjenigen werde Auskunft geben müssen, die mich zu einem gewissen Vorfall befragen werden.
Damit wir uns recht verstehen, vielleicht kommt es nicht dazu, denn ich hätte beste Gründe dafür, mir jede Schuldzuweisung zu verbitten, von jedem, der mich dazu befragt, und mich lautstark und so effektvoll zu entrüsten, dass sie sich entschuldigen müssten, was ich natürlich gleichgültig hinnehmen würde, hochmütig mit Gönnermiene, die jedes Bedürfnis eine weitere Befragung durchzuführen im Keim erstickte. Aber es könnte dazu kommen. Also kehren wir zurück zur bereits erwähnten Wahrnehmung.
An dieser Stelle bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Eingebungen von gestern Abend zu erörtern, besser gesagt: von gestern Nacht. Oder zumindest von einem der vergangenen Abende, ich erinnere mich nicht genau. Überprüft euch nun bitte nicht so pedantisch, wann sich das alles zugetragen hat. Oder, wohlgemerkt,ob es sich zugetragen hat.
Wäre es denn von Bedeutung, ob es passiert ist oder nicht? Wir sprechen hier von Eingebungen, von einem Strauß an Impressionen, wie in bestimmten Momenten empfangen werden, aus und Schluss.
Und das Tragische, oder Lächerliche, das ich gleich darlegen werde, beschränkt sich allein auf Eindrücke. Denn von den seltsamen Eindrücken, und einzig aufgrund von Eindrücken, wird man zu einer Frage nach einer möglichen Beteiligung oder gar direkten Tat meinerseits gelangen, in einem Fall, der sich hier, in meinem Haus, zugetragen zu haben scheint, an jenem Abend, wie ich sagte, vielleicht nicht gestern, aber einige Abende zuvor.
Aber ich bitte euch, binden wir keinen Strauß aus Eindrücken, als seien Ihnen alle gleich und lebendig. Eindrücke, meine Eindrücke, sind das Ergebnis eingehender Betrachtungen und betreffen etwas, von dem nicht leicht zu verstehen ist, ob es sich zugetragen hat.
Ist das schwer zu verstehen? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Versucht Ihr zumindest, mir zu folgen. Im Lesesaal an der Universität bin ich gezwungen, meinen Studenten Thesen zu unterbreiten und mit erhobener Stimme – was dem Dargelegten den Glorienschein einer historischen Authentizität verleiht – präzise Erläuterungen der Religionen antiker Völker darzustellen. Also der vorchristlichen Völker, damit wir uns recht verstehen.
Es sind eintönige Daten, immer die gleichen, begleitet von Bildern, die Ruinen zeigen oder Fragmente von Tempeln oder Ähnlichem. Und ich muss gestehen, dieser Beruf ödet mich mehr und mehr an. Mich, den Dozenten? Aber sicher, denn ich erläutere Einzelheiten und Details eines großen Ganzen, ohne mich je dessen Grund so weit zu nähern, dass es ein wirkliches Interesse auslösen würde. Welches wiederum die christliche Orthodoxie erschüttern würde.
Ihr denkt, ich beziehe mich auf Gott? Nicht im Traum! Gott interessiert mich im Moment nicht. Ich schrieb eben „Geschichte der Religionen“ und nicht „Geschichte Gottes“.
Worum geht es also?
Um etwas, das fast wie eine Verirrung der Lehre als konkrete Materie erscheint. Ich muss wiederholen, es handelt sich hierbei allein und ausschließlich um einen Eindruck. Oder um mehrere Eingebungen, aber immer zum selben Thema. Was wiederum nicht konkret ein Thema ist, sondern mehr ein unheimliches und ungreifbares Schimmern. Und darüber muss ich – entgegen meiner eigenen Gewohnheiten – sprechen, auch wenn es mir zuwider ist.
„Sein oder nicht sein“, fragte sich ein Engländer vor langer Zeit. Die Antwort darauf ist nicht schwer, sogar ein Fahrradtechniker oder eine Gemüsehändlerin könnten darauf antworten. Viel schwieriger ist folgendes Thema:Erinnern oder sich nicht erinnern können …
An was? Jenes, was man in geduldigen und zahllosen eingehenden Experimenten in den Vollmondnächten der babylonischen und ägyptischen Ebene herausgefunden hat …
Nun denkt Ihr vermutlich, es mit einem langweiligen Professor zu tun zu haben, der pseudo-historische Ideen aufzählt, die jeder einzelne überdies bequem übers Internet herausfinden könnte. Das trifft nicht zu. Denn es geht um etwas anderes. Es geht, nur um eines der vielen Details zu nennen, um Urin.
Ekelt euch das? Ich hoffe nicht! Viele Inder trinken morgens ihren eigenen Urin. Warum? Aus Gewohnheit. Seit wann? Und das ist der Punkt. Seit dem Tag, an dem der Hominid, halb Mensch, halb Tier, sich auf seine zwei Beine erhob und der erste Mensch wurde. Und er behielt diese einzigartige Angewohnheit bei, die keine war. Die, wie ihm der tierische Instinkt einst gesagt hatte, ihn von einer Krankheit heilte oder vor den Gefahren durch eine Verletzung bewahrte. Er trank also seinen eigenen Urin und kaute jene Kräuter, die ihm sein Instinkt verschrieb, wie heute der Hausarzt, wenn er ein Rezept ausstellt.
Und was bedeutet das? Vor allem, dass einige Geheimnisse der Natur ganz selbstverständlich von den Hominiden angenommen wurden. Und jene Geheimnisse, die sich bei den meisten immer tiefer ins Gedächtnis gruben, bis sie schließlich ganz verblassten, konservierten sich in der akkuraten Erinnerung einiger weniger, der Auserwählten, der Erfinder der Religionen und schließlich Wächter jener Tempel, in denen sie eifersüchtig bewahrt und gehütet wurden.
Ein okkultes und mächtiges, nicht sichtbares Wissen, das zwischen den Tempelmauern herumgeisterte und von den Priestern, Wächtern und Herren in festgelegten Momenten heraufbeschworen wurde.
Aber, o weh, ich vergesse ja ganz meine Frau und meine Gäste!
Tja, um mich meinen Überlegungen beziehungsweise einzelnen Gedanken zum eben ausgeführten Thema widmen zu können, bin ich in den Garten gegangen und habe dafür kurzzeitig das Fest verlassen, oder die Party, wie auch immer man die Ansammlung aus Freunden, Kollegen und Bekannten auf unseren Sofas und Sesseln unserer beiden Empfangsräume nennen mag.
Inzwischen mögt Ihr verstanden haben, dass sich meine nächtlichen Meditationen im Dunkel des Gartens nicht um babylonische Tempelruinen drehen, sondern um das, was sich in ihrem Inneren bewegt, wenn die Priester ihre geheimen Riten vollzogen. Und um das Unbewusste, Unverstandene, Ungreifbare und dennoch Existente, das sie bis heute umgibt … noch immer, nach mehr als 5 000 Jahren … Ihr versteht? Noch nicht, aber das macht nichts.
Nun, hier war ich stehen geblieben, bei meinen Gästen beziehungsweise: Da waren Gäste. Ich habe noch ihre Geräusche in den Ohren, die Lacher und all jene nervösen Töne und Satzfetzen, die heraus in den Garten dringen. Meine Frau führt das Wort, um es so zu sagen. Ich habe sie meinem intelligentesten und begabtesten Studenten vorgestellt, um sie abzulenken. Ich meine, er hat eine Schwäche für sie. Das meine ich? Wie scheinheilig! Ganz direkt gesprochen könnte dieser Student die Möglichkeit eines Abenteuers mit der noch jugendlichen Gattin seines Professors erwogen haben. Nun, wer weiß.
Tatsächlich muss ich sagen, dass meine Frau noch immer attraktiv ist. Aber verlieren wir uns nicht in Nebensächlichkeiten. Meiner Meinung nach hat sich die Party über die nötige Länge hinausgezogen. In diesen Fällen, wenn die Atmosphäre entspannter und angenehm ist und die Unterhaltungen sich in den beiden großen Räumen, die nur durch eine filigrane Keramikwand getrennt sind, die zugleich getrennte und dennoch verbundene Unterhaltungen erlaubt, ist es ein Leichtes, von hier nach da und von Gruppe zu Gruppe zu schlendern. Ein Kompliment an eine Dame, ein Scherz, eine freundliche Stichelei zu ein paar Männern, die im Stehen rauchen und trinken und so weiter. Bis man sich mit maximaler Nonchalance durch die Terrassentür in den Garten hinausstiehlt und die Leuchtreflektoren auf den Pflanzen ausschaltet. So bleibt die Bank im Wintergarten mit seinen geöffneten Fenstern im Dunkeln und ich kann mich in Ruhe dort niederlassen.
Kein Nachdenken im Haus oder im Büro der Universität ist vergleichbar mit den frostigen, von irdischem Gelaber ungestörten Gedankenflüssen, die sich nachts zwischen den Pflanzen erleben und erleiden lassen. Denn es war genau zwischen den Pflanzen und durch jene, dass einige Auserwählte unter den frühen Tiermenschen, die Vorreiter des homo sapiens, die Geheimnisse der Natur sicherten, um sich durch sie über die anderen zu erheben, zu Schamanen und dann Priestern und Herren über Wohl und Übel in den Tempeln zu werden.
Den ätherischen Lebenssaft, nicht wahrnehmbar und dennoch vorhanden, den die Natur ins Dunkel verströmt, konnte der Mensch nicht mehr wahrnehmen. Und jenen der Steine? Es ist mehr ewige Spiritualität in den Steinen von Stonehenge als im kosmetisch bemalten Marmor des Petersdoms.
Doch ich will nicht mit Fachwissen übertreiben, das euch vermutlich langweilt. Zudem muss ich mich um meine Gäste kümmern. Leider muss ich mich aus einem perfekten, spekulativen Gedankengang herausreißen, um einer Menge unbedeutender Leute Getränke zu servieren.
Apropos, wozu überhaupt diese Party, werdet Ihr fragen. Irgendein besonderer Anlass? Vielleicht. Um ehrlich zu sein, ist es eine Erinnerung daran gar nicht wert. Eine Party spielt eine Rolle und fertig. Ich glaube, dass meine Frau mir dazu geraten und zudem einige ihrer Freundinnen eingeladen hat, die mich nicht ausstehen können. Ich glaube auch, dass ich an einem gewissen Punkt des sogenannten Hergangs ein leeres Glas nehmen und mit einem Löffel zwei, drei Mal dagegen schlagen muss mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Menschen auf mich zu richten und also zu sprechen und etwas Banales zu sagen mit einer Art inspirierter Pointe am Ende, die – natürlich – alle sich bemühen, nicht banal zu finden. Wobei ich denke, dass niemand es mir übel nehmen würde, sollte ich mich jetzt um diese Rede drücken, denn mittlerweile sind alle miteinander vertraut, trinken, überschlagen die Beine und essen frittierte Teigtaschen, eine Spezialität unseres aktuellen italienischen Hausmädchens. Doch nein, ich muss unbedingt sprechen, nun erinnere ich mich, warum. Ich muss eine kleine Einlage meiner Frau auf dem Klavier ankündigen. Nun ja, ich denke, es ist noch etwas Zeit. Es muss nicht sofort sein. Als ich wieder in den Empfangsraum hineingegangen bin, habe ich zudem weder meine Frau noch den Studenten entdecken können. Das aber ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass meine Rückkehr aus dem Garten nach einer gewissen … nun ja … langen Zeit niemanden irritiert hat. Vielleicht hat auch jemand mein Verschwinden durch die Terrassentür bemerkt und ist, da er mich eine Zeitlang nicht gesehen hat, von einer galanten Begegnung mit Dame in der Trautheit im Säulengarten im pompejanischen Stil ausgegangen. Wahrscheinlicher ist aber, dass mich niemand bemerkt hat. So kann ich mich nach ein paar Minuten und einem Toast auf die gleiche Weise noch einmal davon machen, von Gruppe zu Gruppe, hier und da anstoßend.
Es wäre auch besser, wenn meine Frau sich wieder blicken ließe, denn sie versteht es auf glänzende Weise, die Gäste zu unterhalten. Meine Frau kann sich liebenswürdig und vor allem mit Grazie auch über die unbedeutendsten Themen austauschen und lachen, lachen, dass sie die schönen weißen Zähne ihres wohlgeformten, sinnlichen Mundes zeigt. Ich dagegen beginne ungern eine beliebige Konversation nur um des Redens willen.
Auch der Student ist nicht zu sehen. Tja, wo mag er sich wohl verstecken? Ich bin sicher, dass Sie bereits eine Antwort auf diese Frage gefunden haben. Man könnte wohl sagen, dass unsere Gäste völlig sich selbst überlassen sind. Ob sie das wohl bemerkt haben? Nein, darin liegt ja der Trick. Diesen viel zu großen Raum habe ich in zwei unterteilt, indem ich eine niedrige Trennwand aus Keramik eingezogen habe, sodass wer sich in der einen Hälfte des Raumes in einem Sessel niederlässt, nicht genau sehen kann, wer sich in der anderen Hälfte aufhält. Das heißt, die Gäste im ersten Teil des Raumes müssen davon ausgehen, dass der Hausherr sich im anderen aufhält und umgekehrt.
Das bedeutet, ich kann in Ruhe ins Dunkel des Gartens zurückkehren. Regungslos im Schatten verharren, in Kontakt mit dem Wesen der Pflanzen, die als amorphe Kreaturen versuchen, in der Finsternis zu offenbaren … ja, was nur? Ihre Natur, ihr Leben und die Dramen, die sich in ihnen abspielen. Ah! Könnte ich nur zu diesem ursprünglichen Wissen zurückkehren, das sich mit der Evolution verflüchtigt hat, aber das ja doch unterbewusst gespeichert ist. Jene stummen, unformulierbaren und seit Jahrtausenden von niemandem geahnten Botschaften … Wo sind heute jene Priester, die sie verstanden, die sie in den babylonischen Tempeln beherrschten? Man sagt, diese Priester vermochten es, den Ast eines Baumes auf den Boden zu werfen und ihm zu befehlen, sich in eine geschmeidige, flinke Schlange zu verwandeln. Welche Macht, welche Kraft verbarg sich nur in den priesterlichen Gedanken? In ihrem unbewegten Schweigen, wenn das Wort eine ersehnte und schreckliche Seltenheit war? Und das Wort, der Spruch kamen von ihren Lippen wie Beschwörungen … Unsere viel gestikulierenden Politiker dagegen, die ihre Hände verwenden wie Hunde mit dem Schwanz wedeln, verwirbeln so nur die Reinheit des dargestellten Gedankens.
Das Unterbewusste. Das Unterbewusste, das in der Natur verschlossen ist, erkennen und ausdrücken können! Sigmund Freud setzte sich mit dem peinlich miefigen Unterbewussten der weiblichen Vagina auseinander, wie ein Hund am Urin von Artgenossen wittert. Aber das Unterbewusstsein der Natur, in deren Vagina kein einfältiges Individuum des Computerzeitalters einzudringen vermag … Das ist das Problem: Ob es heutzutage noch möglich wäre, die Undurchdringlichkeit seines Denkens zu erreichen? Seine Schärfe? Ich höre ungewöhnliche Geräusche. Ich muss gezwungenermaßen zurück in den Wohnraum.
Jedenfalls muss ich noch etwas Seltsames mitteilen. Während meiner Gedankenspiele, und damit meine ich jene innerhalb eines idealen, leeren, mit Halblicht gefüllten Tempels, merke ich, dass ich nicht alleine bin. Jemand hinter einer Säule beobachtet mich. Wer kann es sein? Ein Priester? Er ist nicht zu erkennen, ich sehe nur ein halbverborgenes Profil und entdecke sogleich eine Hakennase und zwei fürchterlich spähende Augen.
Meine Gäste platzen vor Lachen. Einer von ihnen muss einen besonderen Witz erzählt haben, gemessen an der vorangeschrittenen Stunde vielleicht auch einen etwas anzüglichen. Aus einer anderen Richtung rufen sie mich und wollen augenblicklich meine Meinung zu einem blödsinnigen Thema haben und sie erwarten sich von meinem Kommentar, dass er untermauert, was jemand zuvor gesagt hat, der nun vorgibt, ganz ernsthaft und deswegen reumütig zu sein.
Meine angeekelte Miene wird als situativer Sarkasmus empfunden, der einem meiner gewohnten Sinnsprüche vorausgeht. Zwei Herren können sich schon ein Kichern auf ihren Lippen nicht verkneifen, auf das eine lautstarke und tönende Manifestation der Erheiterung folgen wird. Wer ist jener mysteriöse Priester, der mich zuvor ausspioniert hat? Er fasziniert mich und er erschreckt mich. Wer weiß, ich werde das Gefühl nicht los, er könne mir ein Mysterium, vielleicht ein Geheimnis enthüllen. Aber ich kann mich nicht mehr effektiv konzentrieren. Hervorragend, ich habe eine weitere Entschuldigung gefunden, um mich abermals zurückzuziehen. Der Wein ist ausgegangen, der, den alle trinken, weil er gerade unheimlich in Mode ist: Prosecco aus dem Veneto. Ich entschuldige mich also mit erhobener Stimme, dass ich in den Weinkeller muss, um weitere Flaschen zu holen, in der Hoffnung – auch das sage ich laut – dass sie kalt oder wie im Keller üblich auf Raumtemperatur sind. Das Angebot eines Kollegen, mir zu helfen lehne ich rundheraus ab. (Es ist sicher nur ein Vorwand, um mich in einer Sache zu sprechen, die nicht für alle Ohren gedacht ist.) Und wie bei solchen mondänen Zusammenkünften üblich, wirft mir die Ehefrau von irgendjemandem, der mir gerade nicht in den Sinn kommen will, einen bedeutungsvollen Blick zu. Was mag er heißen? Es ist nicht einfach, den Blick einer Frau auf die Schnelle zu deuten, ohne sich zu täuschen. Und auch Freunde in einer Ecke des Wohnraums geben mir Zeichen, dass ich zu ihnen kommen soll. Ich verliere also einen Haufen Zeit mit uninteressanten und nach meiner Meinung beziehungsweise meinem Empfinden, regelrecht unnützen und schrecklich, schrecklich langweiligen Unterhaltungen.
Das Gift. Nun ist mir ein Gedanke gekommen. Die Pflanzen verströmen ja nicht nur Stoffe, die den Körper auffressende Krankheiten heilen, sondern können sich auch als machtvolle Zerstörer desselben herausstellen. Sie können sich in Substanzen verwandeln, die später als Gifte bezeichnet werden, für jene, die wissen, sie im Geheimen zu mischen und ohne eine Spur zu hinterlassen anwenden können. So erscheint es naheliegend, dass Lucrezia Borgia ein leichter Fisch im Gegensatz zu den Priestern der vorchristlichen Tempel war. Sie ließ sich nur giftige Substanzen bringen, die jeder kannte, während jene Priester die verborgene Macht besaßen, jene Gifte zu beschwören, ohne sie den Pflanzen physisch entlocken zu müssen. Weil sie sich unbemerkt und lautlos mit ihnen vereinten. Und schon wandte sich die Sonnenblume dem Halbmond anstelle der Sonne zu …
Aus diesem Grund besteht eine gewisse Dringlichkeit, aus der ich mich in den Garten zurückbegeben müsste – und stattdessen muss ich in den Keller gehen und ein paar Flaschen Sekt zusammenklauben. Prosecco, meine ich. Andererseits kann ich auch einen gewissen Vorbehalt nicht leugnen, mich wieder auf diese Bank ins Dunkle zu setzen, wegen der verfluchten Säule. Genauer wegen desjenigen, der dahinter lauert. Was für eine teuflische, seltsame Empfindung. Diese Hakennase. Diese Augen, mein Gott, diese Augen! Versteht mich nicht falsch, es ist nicht so, dass in diesen Augen eine dunkle Bedrohung lag, aber ihr Blick war derart forschend, dass mich schauderte.
Forschend? Wer forscht, der sucht etwas Bestimmtes. Aber diese Augen haben mich nur einen Moment lang fixiert, um dann wieder hinter der Säule zu verschwinden. Und sie streiften mich nicht, um eine Bestätigung für einen Verdacht zu erhalten oder zu finden, sondern um mir eine hasserfüllte Botschaft ins Gesicht zu schleudern. Hasserfüllt und schauerlich.
Welche Botschaft nur? Wie es aussieht, dürfte ich sie kennen, ohne Zweifel. Etwas derart Offensichtliches, etwas, das man weiß, aber penibel versucht, nicht ans Licht zu bringen, und das mit schmerzhafter Gleichgültigkeit … zumindest nach außen hin.
Der Prosecco ist natürlich nicht kalt, nur etwas kühl, wie der Keller. Was soll’s, sie müssen ihn trotzdem schlucken. Wir haben leider vergessen, mehr Flaschen in den zweiten Kühlschrank zu legen, und außerdem hat meine Frau mehr Gäste eingeladen als geplant, denn sie ist nicht kleinlich in solchen Dingen. Vielleicht ist auch einfach der Kühlschrank zu klein für all die Flaschen und das ist alles. Aber was soll ich mir den Kopf über solchen Unsinn zerbrechen, nicht nachdem dieser Schatten hinter der Säule verschwunden ist … und nach diesen auf mich gerichteten blitzenden Augen.
Es ist schrecklich und zudem niederschmetternd, einsehen zu müssen, dass ein Gedankengang, so geheimnisvoll und erhaben er auch sein mag, unterbrochen wird von der Einsicht, dass auch Süßzeug, Knabbereien fehlen, oder wie man den Kram nennt, den ich besser nach oben tragen sollte. Und meine Frau, deren Aufgabe es eigentlich wäre, lässt sich nirgends blicken. Unsere Putzfrau kommt nur einmal pro Woche und daraus folgt, dass ich mich jetzt um diesen Unsinn kümmern muss. Was wollte mir der Mann sagen, der mich in den Keller begleiten wollte? Er hatte angedeutet, dass es sich um eine Sache, um so eine gewisse Angelegenheit handelte, die womöglich dringend war oder zwar nicht dringend, aber persönlich. Aus irgendeinem Grund hatte ich zumindest den Eindruck, dass es etwas war, das nicht für die größere Runde bestimmt war.
Und dann die Ehefrau von … ach, von wem auch immer, die mir eben auch so einen besonderen Blick zugeworfen hat, als ich an ihr vorbeiging. Einen, wie kann man sagen, sinnlichen Blick? Sie ist eine Hure, das sagen alle, aber ihr Blick war in diesem Moment eigentlich ganz anders als sinnlich, zumindest erscheint es mir so. Und Sex interessiert mich gerade überhaupt nicht. Ich muss auch hinzufügen, dass sie keine schönen Beine hat. Im Gegensatz zu meiner Frau, die diesbezüglich immer von allen bewundert wird. Vor allem, wenn sie sie in unschuldiger, graziler Schamlosigkeit übereinanderschlägt. Der Student hat sich in Luft aufgelöst. Bin ich eifersüchtig? Keine Spur! Und es muss gesagt werden, dass keinesfalls alle mit Prosecco zufrieden sind. Der eine will Cognac, ein anderer einen ähnlichen Likör. Ich habe mich wohl in einen Schankwirt verwandelt. Das also wollte der Freund mir im Keller vielleicht sagen! Vielleicht wollte er anbieten, Cocktails zu mixen. Ach nein, ich glaube, dass es verfluchterweise um etwas anderes ging, über das er so dringend reden wollte, aber es interessiert mich wirklich nicht. Und es scheint, als müsste ich wenigstens noch dreimal gehen, denn sie haben wirklich alles ausgetrunken und alle Süßigkeiten und Knabbereien und Pizzahäppchen gegessen – und es sind wirklich viele! Doch wisst Ihr, was ich beschlossen habe? Ich stehle mich durch den Durchschlupf im Keller zum Garten davon und bleibe dort noch ein bisschen. Als Entschuldigung kann ich vorbringen, dass ich selbst noch mehr Häppchen zubereitet habe.
Heute Abend – mittlerweile ist es Nacht – fühle ich mich emotional zum Dunkel hingezogen (und es ist, wie ich eben vorher sagte, eine besondere Empfindung) und zum Wesen der Pflanzen, um dort mit schrecklicher, präziser Genauigkeit über die Gedanken der Priester in den Tempeln nachzusinnen. Woran dachten sie bis zum Morgengrauen? Hier im offenen Wintergarten meditiere ich wie ein Gott, wie sie, wage ich zu sagen. Aber über was genau?
Über das giftige Wesen, das Pflanzen ausprägen können, sogar jene, die man für unbedenklich und schmächtig auf ihren Stängeln und blass in der Farbe hält? Das ist der Punkt! Aber nein … nicht darüber denke ich nach. Das war nur ein Schritt vorwärts für die Priester, wie auch andere Zeugnisse evolutionärer Macht, die aus ihren Geistern nach den gedanklichen Versenkungen im kalten Lichtstreif des Sonnenaufgangs herausbrach.
Tatsächlich hätten sie das Gift nicht gebraucht, es war überflüssig, es war nur einer Hure wie Lucrezia Borgia nützlich, wie ich vorher erwähnte. Sie aber waren in der Lage, den Tod mit den Augen herbeizurufen, ohne auch nur einen Finger zu krümmen. Und ohne Komplizen.
Der Gedanke. Der Gedanke und die Materie … Eine Nuss allein mit der Kraft der Gedanken knacken! Das war die Macht jener Priester. Ein körperloses, ätherisches Gift, das sich von ihrem Geist auf den Feind übertrug und ihn tötete. Ihnen entging nichts. Ihr Auge war – so raunte man damals – wie das eines Falken, dessen regloser Blick Orient und Okzident umfasst.
Wenn man nur denken könnte wie Ihr begreift! Versteht Ihr, warum ich eingangs von „Wahrnehmung“ sprach? Nein, Sie begreifen es noch nicht und dennoch oder gerade deswegen werde ich fortfahren, denn ich muss mich endlich mitteilen.
Da ist ein kreischender Ton. Es läuft nicht alles so glatt, wie es scheinen könnte und das wegen der Säule, verdammt, diese Säule. Dahinter war jemand, der mich beobachtet hat und mit welchem Blick! Ich verliere mich wie ein Hausmädchen in Nebensächlichkeiten wie diese Knabbereien, Teilchen und den Prosecco und andere Aufträge und verhindere damit unwiederbringlich, dass ich entdecke, was hinter dieser Säule ist.
Vielleicht ist es auch gut so. Der Prosecco und der ganze Rest dienen mir dazu, NICHT herauszufinden, was ich hinter der Säule sehen könnte. Es wäre beeindruckend, das ahne ich. Beeindruckend und schrecklich. Schrecklich.
Dennoch bin ich versucht, mich zu bewegen und es herauszufinden, koste es, was es wolle. Mehr Teilchen und Knabbereien. Sie wollen noch mehr davon!
O nein, ich täusche mich. Es geht nicht mehr um Teilchen und auch nicht um Prosecco. Ich habe den unangenehmen Eindruck, dass es sich überhaupt nicht mehr um diese Party dreht. Es ist nicht mehr Nacht. Es ist heller Tag und ich sitze auf einem Bürostuhl. Das Büro erbärmlich schlicht, der Schreibtisch aus Melamin. Wo bin ich da hingeraten, um mich zu setzen? Unglaublich, diese Translozierung. Unglaublich und unwillkommen. Ich fühle mich im Übrigen etwas betrunken, was in Wahrheit aber der Schlafmangel ist, der dieselbe Vernebelung auslöst. Auch der Gedanken. Ich bin nicht mehr klar wie gestern Abend, wenn es denn gestern Abend war.
Tatsächlich drängt sich mir in den Sinn, dass es sich hier um einen anderen Tag handelt, nicht um jenen, der auf die Party folgte, und auf jeden Fall ist nicht mehr Nacht. Die Sonne irritiert meine Augen.Verzeiht Ihr meine Genauigkeit, aber hier hat jemand schlecht geputzt, das sehe ich an der Schreibtischecke, die mir am nächsten ist. Sie ist voller Krümel, denn wer geputzt hat, ist nicht überall hingelangt. Weiter drüben mehr Spuren, Kaffeeflecken.
Aber warum beobachte ich solche Kleinigkeiten? Nur um die Frage aufzuschieben, die ich mir unweigerlich stellen muss, nämlich die, wo ich bin und warum? Vielleicht auch aus der berechtigten Annahme heraus, dass nicht ich diese Frage stellen werde, sondern jemand anderes. Wer? Ein Fremder? Am Ende der Party habe ich jemanden gesehen! Mir war sofort aufgefallen, dass er nicht wie die anderen gekleidet war, gekleidet, wie es an einem Abend, an dem man wichtige Leute trifft, üblich ist – und damals war sogar ein Stadtrat zu Gast. Doch es war nicht die fehlende Krawatte, die mich irritierte. War es vielleicht eine Zufallsbekanntschaft meiner Frau aus dem Supermarkt? Manchmal passieren ihr solche Verbindungen. Aber ich glaube es nicht, in diesem Fall.
Und wieder verliere ich mich in meinen Beobachtungen beziehungsweise im Versuch, mich möglichst präzise zu erinnern, anstatt mich um meine Angelegenheiten zu kümmern. Jedenfalls erinnere ich mich an seine Augen. Denn sie waren sehr ähnlich (ich fürchte mich zu sagen: dieselben) denen des Unbekannten hinter der Säule. Nicht so schrecklich im Ausdruck, noch nicht, aber äußerst unsympathisch. Wie war er hereingekommen?
Ah, nun weiß ich, warum mir die Krümel und Kaffeeflecken auffallen: Ich habe das Gesicht nach unten geneigt, sodass meine Augen auf die Besonderheiten gerichtet sind, die sich vertikal etwa zwanzig Zentimeter vor ihnen befinden. Ich sollte endlich den Kopf heben und diese Lappalien sein lassen, aber es ist nicht so einfach, wie es auf dem ersten Blick erscheinen mag. Verstehen Ihr? Nein, natürlich nicht, aber ich tue das hier ja, um es Ihnen zu erklären, und wenn Ihr es dann immer noch nicht versteht, fahre ich auf meine Weise fort.Ihr erinnert euch, was ich zu Beginn sagte? Es handelt sich um eine Wahrnehmung, nicht mehr und nicht weniger. Oder um mehrere Wahrnehmungen, die unglücklicherweise miteinander verbunden sind. Eine von ihnen ist auf jeden Fall: Ich bin sicher, dass wenn ich den Blick hebe, ich mich vor jemandem wiederfinde, der mir eine Frage stellen will. Eine unangenehme Frage natürlich, das könnt ihr euch ja selbst denken. Und dann die zweite Wahrnehmung: Ich bin fast sicher, dass mir diese Frage bereits gestellt wurde. Das würde die Begutachtung der Krümel und Kaffeeflecken erklären.
Man sagt, dass Petronius vor dem Suizid, also bevor er entschied, ihn zu begehen, lange das blauschimmernde Wasser unter dem Peristyl seiner Villa betrachtete. Und ich betrachte Brotkrümel? Was für eine miserable Parabel. Zumindest handelt es sich hier nicht um die Entscheidung zu einem Selbstmord, sondern nur um jene, den Kopf zu heben. Wozu? Um wieder ins Gesicht dieses Kommissars zu blicken.
Herrgott, warum ist mir diese spontane Vision eines Polizisten gekommen? Wegen des Melamintischs? Oder wegen der fast täuschenden Ähnlichkeit seines Hemdes mit jenem, das der Unbekannte getragen hatte, als er zwischen den geladenen Gästen meiner Party verschwand. Ich darf mich nicht irreleiten lassen. Militärhemden mit Aufschriften wie Polizei, CIA oder Bundeswehr oder mit anderen sadistischen Emblemen sind in Mode. Heutzutage erfindet die Modeindustrie die tollsten Dinge. Dieser Mann aber (ich hebe noch immer nicht den Kopf), muss mir eine Frage gestellt haben. Da bin ich mir nun sicher. Ihr glaubt nun sicher, ich sei besorgt. Aber ich muss euch enttäuschen: Nein!
Kehren wir zum ersten Satz zurück. Ihr wisst noch? Alles löst sich in einer Wahrnehmung auf. Ich bin überzeugt, dass Ihr noch nicht aus dem Sammelsurium an Begrifflichkeiten schlau geworden sind, in dem ich mich verstrickt habe, und das interessiert mich auch nicht besonders. Ihr werdet es im Folgenden schon noch verstehen.
Eindrücke, Eindrücke. Ich spiele und werde zum Spielball durch den Effekt von Wahrnehmungen. Einmal komme ich mir vor wie ein Beutetier, wie ein Opfer, das andere Mal, wie jetzt, als sei ich der Spielführer – auch wenn es gerade nicht so scheint.
Der Reihe nach. Chronologisch. Ich war im Garten versunken in Betrachtungen zu einem sehr, sehr interessanten Thema. Ihr erinnert euch? Die babylonischen Tempel. Ihre Mysterien, ihre Geheimnisse, die Fähigkeit der – nicht nur intellektuellen – Erhöhung der Priester. Leben und Tod hingen von ihnen ab, sie waren Elemente im Fließen ihrer Gedanken. Und das gewaltsam verlöschende Leben, genauer: der Tod, der für die Feinde heraufbeschworen wurde, erfolgte lautlos und hinterließ keine Spuren.
Ich wurde unterbrochen, Ihr wisst es noch, von den Forderungen der Gäste im Empfangssaal, von ihren eintönigen, belanglosen Witzen. Und meine Frau mit dem Studenten. Beide in Luft aufgelöst. Eifersucht: Das verneinte ich Ihnen. Und schließlich jene Augen hinter der Säule. Doch übertreiben wir es nicht mit den Unterbrechungen, sonst vergesse ich die Person, die in diesem Moment vor mir sitzt.
Es ist Vormittag und ich, der ich kein Auge zugetan habe, bin müde. Müde, aber plötzlich wieder klar, nicht länger benebelt. Nur eine Sache ist nicht klar: Ist das der Tag nach der Party oder ein späterer? Und meine Patienten am Dantebad? Vielleicht sogar drei oder vier Tage später? Wiederum, welche Bedeutung sollte das haben? Allein der Gedanke daran, dass ich in eine derartige Phase geraten war … es bedauert mich sehr, mich davon lösen zu müssen.
Nun kann ich den Kopf wirklich heben, denn ich war absichtlich unpräzise.
Der Mann vor mir hatte mir keine Frage gestellt, nur eine Prämisse, eine Art einleitende Beobachtung. Die zentrale Frage, die wird er mir gleich stellen. Das ist der Grund, weshalb ich Ihnen all diese unwichtigen Details erspare, die den Umstand betreffen, warum ich hier sitze.
Kehren wir zurück zu der Einleitung, mit der mich dieser Mann höflich (ich betone höflich) hieß, mich an diesen Melamin-Tisch zu setzen.
Es ist etwas passiert. Natürlich ist die Party vorbei, seit zwei oder drei Tagen. Auch wenn ich, nachdem die Gäste gegangen waren, bis zum Morgengrauen weiter im Garten nachgedacht habe. Sogar bis nach der sogenannten Morgenröte, bis ich gezwungenermaßen abbrechen musste wegen der Schreie der Putzfrau, die wegen der notwendigen Aufräumarbeiten nach der Party gekommen war. Sie verfügt über die Haustürschlüssel. Was konnte schon passiert sein, dass sie derart in ihrer gutturalen, unverständlichen Sprache kreischte?
Und genau darauf bezog sich die Feststellung des Mannes, der mich an seinen Tisch gebeten hat. Soeben hat er mir bekannt gegeben, … nun ja, vielleicht auch nicht zum ersten Mal, ich denke, er muss es wiederholt haben, dass etwas Schreckliches passiert ist.
Um es kurz zu machen: Zwei Tote wurden aufgefunden. Die Putzfrau hat sie entdeckt. Meine Frau und den Studenten. Nackt und auf dem Bett im ersten Stock hingestreckt. In meinem, also in unserem Schlafzimmer.
Das ist die klare und einfache Feststellung. Ich würde sagen, dienackteTatsache, weil mich das Bedürfnis nach Ironie überkommt, auch wenn der Mann vor mir das für eine ziemlich ernste Sache hält.
Was wohl passiert ist? Selbstredend beziehe ich mich nicht auf erotische Details. Es ist zu offensichtlich, was meine Frau und der Student taten. Ich meine aber das, wasdanachoderwährenddessengeschah, weshalb die beiden schließlich nackt gefunden wurden.
Und beachtet Ihr dies: Der Mann, der vor mir sitzt, wird mir nicht jene Frage stellen, die jeder gewöhnliche Kommissar (Ihr habt längst begriffen, dass es sich wirklich um einen handelt) einem Verdächtigen in einem der vielen Filme stellen würde, nämlich die, ob ich nicht zufällig diese Tat begangen hätte.
Nein! Seine Frage wird eine andere sein, jenseits des üblichen Manuskripts, absolut untypisch. Und vielleicht wird er mir sie stellen und dabei den Kopf schütteln. Sie wird lauten:Wie? Und dann eine Reihe, ein Blubbern aufeinanderfolgender, drängender Fragen: „Auf welche Weise? Mit was? Mit Nachdruck: Wie? Wie haben Sie es getan? Wir verstehen nicht, wie Sie es getan haben! Wie ist es Ihnen gelungen? Auf welche Weise? Sagen Sie es uns endlich!“
Und ich? Ich kann nur mit den Schultern zucken. Er wird, professionell und analytisch wie er als Polizist ist, die Karten auf den Tisch legen wollen: Zwei Personen, ein Mann und eine Frau wurden tot aufgefunden, ohne dass man in dem Fall automatisch von einem Verbrechen sprechen kann. Wie ist das möglich?
Kehren wir zur vorherigen Frage zurück: Warum sitze ich hier? Aus einem sehr einfachen, aber nicht zielführenden Grund: Einer der Leichname ist meine Frau. Zweifellos besonders unbedeutend, meiner Meinung nach, aber die Neugierigen, die Anhänger des Unglücks wollen daraus folgern, dass ich in diesem Todesfall eine Rolle spiele. Zumal die zweite Person der Student ist, sodass basierend auf der Nacktheit der beiden und auf dem Fakt, dass sie nicht an einem Nacktbadestrand, sondern in meinem Ehebett gefunden wurden, man zu dem Schluss kommt, dass dieser Student gezwungenermaßen der Liebhaber meiner Frau gewesen sein muss. Sicherlich eine fade Nebensächlichkeit – dennoch störend. Natürlich müssen alle denken, ich sei eifersüchtig gewesen und infolgedessen gewalttätig. Nur, weil ich zwei Personen – und eine davon aus meiner Familie – nackt gesehen habe? Ach, woher! Ich könnte argumentieren, dass die Tatsache der Nacktheit nicht notwendigerweise mit einem sexuellen Bedürfnis zusammenhängt. Ich selbst, um ein Beispiel zu geben, habe im Münchner Dantebad an einer Konversation zwischen nackten Männern und Frauen teilgenommen, die sich um Thesen zum Steuersystem, jährlichen Abgaben und Sozialbeiträgen drehte.
Dennoch werden die Fragen des Mannes mir gegenüber, gemessen an dem Fall, gemäßigt ausfallen, im mondänen Tonfall der Konversation einer Abendgesellschaft. Nach einer Tat wie dieser?, werdet Ihr einwenden. Tatsächlich, denn ich habe ein unerwartetes Alibi. Und das muss mir die Person auf der anderen Tischseite eben gesagt haben, noch vor der berühmten Frage.
Annemarie. Nun erinnere ich mich an den Namen. Das ist die Ehefrau von Z., von der alle sagen, sie sei leicht ins Bett zu kriegen. Diejenige, die mir auf der Party etwas sagen wollte. Und jetzt kann ich mir vorstellen, was. Da sie von mir kein Zeichen der Antwort erhalten hatte, war sie mir in den Garten gefolgt, ohne es jedoch zu wagen, meine Meditationen zu unterbrechen oder in gespannter Erwartung, wen ich dort im Dunkeln sitzend wohl treffen würde. Was sie mir unterbreiten wollte, war ein offenes Geheimnis. Annemarie ist die ehemalige Geliebte des Studenten. Und die Eifersucht hatte sie dazu getrieben, mir die Affäre zwischen ihm und meiner Frau zuzutragen.
Nun, in der Zwischenzeit muss sie ausgesagt haben, dass sie mich über die ganze Party hinweg im Blick gehabt hatte. Entweder im Wohnraum oder im Garten. Unmöglich konnte ich also ungesehen in den ersten Stock gelangt sein, wo sich die Schlafzimmer befinden. Bombenfestes Alibi.
Um ehrlich zu sein, es ist mir zuwider, dass ausgerechnet Annemarie mich entlastet. Das gefällt mir gar nicht. Im Gegenteil, es ärgert mich ausnehmend, dass ausgerechnet eine Hure wie sie sich in meine Angelegenheiten mischt. Warum hält sie nicht den Mund und sucht sich einen anderen Studenten? Wer hat ihr gesagt, dass sie mich unbedingt verteidigen muss? Als ob ich das nötig hätte!
Doch kehren wir zu unserem Thema zurück. Wie ich sagte, ist diese Sache ein Spiel aus Wahrnehmungen, nicht der Alibis oder Beweise. Es gibt keine Sicherheiten. Nur eine Sache ist gewiss zwischen all den bisher zusammengetragenen Andeutungen, und die ist, dass ich den Kopf heben und tolerieren, sozusagen mich dem forschenden Blick desjenigen aussetzen muss, der da vor mir sitzt und, wie Ihr euch erinnert, bereits zu dieser einen, sehr präzisen Frage hingeleitet hat. Und hier liegt meine Stärke, meine Damen und Herren!
Zunächst muss ich Ihnen eine überraschende Frage stellen: „Habt Ihr DostojewskisSchuld und Sühnegelesen?“ Wenn nicht, sehe ich mich gezwungen, Ihnen den Roman kurz zusammenzufassen. Es handelt sich um ausführliche Dialoge zwischen einem intelligenten und unbedarften Mörder und Porfirij Petrowitsch, dem Polizisten, der ihn befragt und mit bewundernswertem Scharfsinn versucht, zur puren Wahrheit vorzudringen: dem Geständnis des Verbrechens.Ihr werdet euch fragen, wozu dieser Vergleich dient. Und ob dies hier, wohl dasselbe Finale habend, eine moderne Neuauflage des russischen Meisterwerks sein könnte?
Überhaupt nicht, meine Damen und Herren. Lassen wir diesen Roman beiseite. Zu meinem Fall passt er wahrlich nicht. Denn in jener Erzählung geht es großenteils um einen Fuchs wie Porfirij, der den Dialog solange fortsetzt, bis der anderenachgibt und zugibt. Denn Porfirij hat nicht den Eindruck, sondern er ist sich vom ersten Moment an völlig sicher, dass er den Mörder vor sich hat.
Die Persönlichkeit, der ich gleich in die Augen schauen muss, wenn ich den Kopf hebe, besitzt mit Sicherheit eine durchschnittliche Intelligenz, aber ist vor allem weit von der Gewissheit entfernt, dass vor ihm ein Mörder sitzt. Er hat, um es so zu sagen, nur denEindruck, nur den. Warum? Sollte nicht ich, der Ehemann, nicht der einzige Verdächtige sein? Sicherlich, doch da ist auch die Zeugenaussage von Annemarie, die mich entlastet. Und sollte ich deswegen entlassen werden? Mitnichten. Nicht nur deswegen. Versteht Ihr, warum Annemarie mich stört? Ich brauche sie nicht, deswegen. Diese Hure durchkreuzt den ganzen Effekt mit ihren Plaudereien zu meiner Verteidigung. Deswegen. Verflucht!
Und warum also, werdet Ihr fragen, warum sollte dieser Inspektor den Eindruck haben, den Verdacht und nur diesen? Könnte nicht theoretisch auch ein anderer der Täter sein?
Nein, auch das nicht. Also doch die Eifersucht? Die Rache? Die Logik könnte zu diesem Schluss führen. Aber es gibt keine Spuren. Und das ist, was der Kommissar versuchen wird, zu verstehen. Zum Donnerwetter! Er sucht die Waffe! Er versucht, zu verstehen, welche Waffe ich benutzt haben könnte.
Tja, und warum habe ich es so formuliert:Er versucht zu verstehen, und nicht die gewöhnliche Formulierung aus den Krimiserien:Er versucht, die Waffe zu finden?
In Porfirijs Fall war alles klar. Die Waffe war bekannt und in Griffweite. Zu ihr bestanden keine Zweifel. Porfirij, der subtile, geniale Polizist von Dostojewski, hatte die Waffe und musste nur noch den Täter finden, denjenigen, der sie angewendet hatte.
Porfirij war ein recht intelligenter Polizist, der ohne im damaligen Russland die moderne Kunst der Psychologie zu kennen, genau begriffen hatte, wer der Mensch vor ihm war und wie er wie eine Zitrone ausgepresst werden konnte, bis er gestand.
Derjenige dagegen, der mir die zweite Frage stellen wird und dann alle weiteren, hat mir mit seiner verunglückten Einleitung zu verstehen gegeben, dass er ausschließlich ein guter und gewissenhafter Polizist ist. (Eine würdige Formulierung für einen ungebildeten Schwachkopf.) Und der Unterschied zwischen meinem Fall und dem von Dostojewski?
Es ist eine wundervolle Sache: Ich bin es, der mit ihm spielen wird und nicht andersherum. Wunderbar, nicht wahr?Ihr haltet das für illusorisch? Für unmöglich? Sollte das Ihre Meinung sein, habt Ihr meine Sätze nicht aufmerksam verfolgt. Passt nun also auf: Man kann jemanden eines Verbrechens anklagen – oder verdächtigen – der daraus einen Vorteil zieht, die aus Eifersucht und Zorn oder auch nur aus sadistischem Vergnügen gehandelt hat. Folglich könnte man in meinem besonderen Fall mich verdächtigen, weil zwei Personen, meine Frau und ihr Liebhaber ermordet und nackt auf meinem Bett liegen. So wäre es doch?
Auf keinen Fall! Ich habe niemals das Wortermordetverwendet, sondern immer nurtot. Versteht Ihr? Immer noch nicht? Das Interessante ist, dass der Kommissar es nie verstehen wird. Es gibt keine Spuren eines Mordes. Wie das? Beide waren tot und es gab keine Spuren von Prellungen oder Wunden. Also Gift? Das Labor muss ein definitives „Nein“ geäußert haben. (Nun ist mir auch klar, warum es mindestens der dritte Tag nach der Party sein muss und nicht der folgende. Die Analysen dauern einige Tage.)
Und ich soll also der Verdächtige sein? Bei aller Liebe! Wie soll ich zwei Personen mit nichts umgebracht haben? Aufgrund dessen wird diese Person vorsichtig mit direkten Anschuldigungen sein. Alle Möglichkeiten werden akribisch untersucht werden, alle Motive, die medizinischen Untersuchungen werden wiederholt werden, das Geheule wegen der DNA, aber man wird immer wieder zu dem unglaublichen Fakt zurückkommen, dass zwei Menschen gestorben sind, weil ihre Herzen gleichzeitig aufgehört haben zu schlagen. Hervorragend. Hervorragend! Verzeihung, annehmbar wollte ich sagen. Beziehungsweise, ich gebe zu: Es ist unmöglich, es zu akzeptieren, aber gezwungenerweise in diesem Fall nötig. Zweifellos werden trotz allem Verdachtsmomente gegen mich bestehen bleiben. Es reicht, den Gesichtsausdruck des Kommissars zu sehen, dem ich gleich in die Augen schaue.
Und so wird mein Porfirij (es gefällt mir, ihn so zu nennen, auch wenn er es wegen seiner geringeren Intelligenz nicht verdient) verstehen, dass es absolut unnötig ist, mich zu fragen, wo ich vor zwei oder drei Abenden zum Beispiel zwischen 23 und 24 Uhr war. Und in der Zwischenzeit hat er sicherlich mit Hochdruck und schließlich mit hartnäckiger Gewissenhaftigkeit die Tatwaffe gesucht.
Doch welche? Die Mediziner werden die beiden Leichname untersucht und geröntgt haben, ohne etwas Verdächtiges oder Tödliches zu finden. Äußerlich nichts Schreckliches, wie eine Wunde, innerlich keine Substanz. Nur unschuldige Flüssigkeiten. Meine Frau hatte Mineralwasser getrunken (um abzunehmen) und der Student Cola. Nichts, keine Spur. Möglich? Unmöglich!
Was also bleibt als Ansatz für die Ermittlung, welche Frage gedenkt er mir zu stellen, wenn ich den Kopf hebe und unsere vier Augen sich auf derselben Höhe kreuzen werden?
Sehr wahrscheinlich wird er das im kriminologischen Psychologieunterricht Gelernte anwenden. Mich also mit seinen Blicken fixieren, vielleicht mit dem Finger auf meine Brust zeigen, zunächst ohne ein Wort. Das ist die Praxis, die viele Kommissare üblicherweise bei Kleinkriminellen anwenden, um in ihnen Unsicherheit zu wecken. Der wenn auch nicht direkt in drohender, aber in unerträglicher Weise wortlos ausgestreckte Finger würde bedeuten: „O ja, mein Lieber, ich weiß genau, dass du der Mörder bist. Und jetzt erzählst du schön der Reihe nach, wie alles abgelaufen ist. Ich weiß es genau, aber ich will es von dir hören.“
Oft funktioniert das. Und bei mir?
Du liebe Güte, wir sind doch nicht albern! Außer dem Alibi durch Annemarie (ach, was ödet es mich an, durch ein gewöhnliches Alibi geschützt zu sein), ist da die unverrückbare Tatsache, dass es keinen Mörder geben kann, wenn nicht nur die Tatwaffe, sondern sogar eine Todesursache fehlt.
Die beiden lagen auf dem Bett, im Rigor Mortis, nackt und weiß wie zwei gekochte Hühnchen, ohne Anzeichen von Gewalteinwirkung oder Gift. Genauso, als wären sie Opfer auf dem Altar in Babylon.
Porfirij wird sich nicht geschlagen geben wollen. Er wird versuchen, mir mit einer straffen Befragung eine Falle zu stellen, wenn auch höflich, und doch wird er am Ende gezwungen sein, etwas zu murmeln wie:Halten Sie sich bitte zur Verfügung und verlassen Sie nicht die Stadt.
Doch nein! Porfirij ist professionell, neugierig, aber nicht nur das. Er ist besessen von der Wahrnehmung, die er hatte, als er mich ansah. Porfirij hat den Eindruck, dass ich, wie es normale Verbrecher tun, nicht versuchen werde, meine angenommene Schuld mit einem neutralen oder – sofern der Angeklagte ein guter Schauspieler ist – mit fassungslosem Blick zu verheimlichen, der die Überraschung und den Unmut darüber ausdrücken soll, als Täter verdächtigt zu werden. Ein guter Polizist ist auf dieses Theater vorbereitet und kann es daher nur zu leicht demaskieren. Aber Porfirij ist anders. Weil mein Blick anders war.
Porfirij hat also einen Eindruck. Er hat ihn bekommen, nachdem er mich vor und nach seiner Frage eingehend beobachtet hat. Vor allem danach.
Und das ist leider eine unerquickliche Wahrnehmung. Welche? Er fürchtet, er hat die Ansicht, aber natürlich nur die, in dieser mysteriösen Angelegenheit unfreiwillig Teil eines Spiels zu seinem Schaden und zum Schaden der Wahrheit zu sein.
Kurz gesagt, er hat den Eindruck, dass nicht er mir mit seinen Fragen Angst macht, sondern durch meine Antworten desillusioniert wird. Nicht nur das. Etwas entgeht ihm. Etwas fasziniert ihn an meinem Verhalten. Etwas enttäuscht ihn, etwas flößt ihm das unverfrorene Gefühl ein, Spielball zu sein, noch bevor er das Spiel begonnen hat. Ein unbekanntes Spiel, das ihn quält und zugleich fasziniert.
Es ist, exakt, seine Wahrnehmung.
Er fühlt sich provoziert von dem Gefühl, ja, von welchem? Von dem Gefühl, dass in meinem gesenkten Gesicht die Muskeln der Wangen sich in noch nicht sensibler, aber vielversprechender Weise zusammenziehen, um einem unheilvollen Lächeln Weg zu bahnen. Unheilvoll und doch verhalten. Warum verhalten? Denn sonst könnte es schaden, der teuflischen, süßen Versuchung nachgeben, in ein Lachen auszubrechen.
Lachen! Ich würde es gern, ich fühle, dass ich mich trotz übermenschlicher Anstrengung kaum zurückhalten kann. Und es gelingt mir, endlich, in dem kurzen Moment, den es dauert, um den Kopf zu heben und Porfirij anzusehen. Das muss ich, aus Dankbarkeit und Respekt für Babylon. Die Priester der Tempel lachten nie.
O ja, lieber Porfirij Petrowitsch, starr mich nur an, und dann klappere mit den Wimpern, ohne etwas zu sagen, im Bewusstsein, dass eine Metamorphose vonstattengegangen ist und trommle mit den Fingern auf den Melamintisch, meinen Triumph stoisch anerkennend. Dieses Gefühl wird dir bis morgen den Appetit vergehen lassen, so wie es dir die Fähigkeit rauben wird, für dich selbst einen Kommentar zu formulieren. Nur einen Bericht, für den dir die bürokratischen Floskeln helfen werden, nicht ehrlich zu sein. Und nun ist es genug, meine Damen und Herren.Jetzt seid Ihr bestimmt neugierig, etwa Einzelheiten über meine Patienten zu erfahren.
Hier der erste, Orfi. Um Orfi interessant erscheinen zu lassen, muss ich mich auf die Vergangenheit beziehen, als er 19 war und mager, fast kränklich.
Orpheus
Unheilvoll und jahrtausendealt war sein Name. Er hieß Orpheus. Seit langem lag er darnieder, im Bett, seit die Krankheit ihm nach und nach die Kraft raubte, ihm Tag für Tag die Energie entzog, als würde sie ihn aufweichen.
Die Sonne im Freien sah er nie, es war ihm nicht gelungen, sie noch einmal zu sehen. Nur durch das winzige Fenster des verlassenen Kellers, in dem er hauste. Zuerst hatte ihn das entmutigt, doch dann wurde ihm die riesige Gefahr bewusst, der er sich ausgesetzt hätte. Ab da entzog er seinen Körper jedem Lichtstrahl, der wie ein Schwert durch die Sichtschächte stach. Denn wenn das Licht seinen Körper träfe, würde es sein Fleisch auflösen. So ringelte er sich manchmal ein wie eine Schlange oder wälzte sich fluchtartig ängstlich unter der Bettdecke zur Seite, um nicht von den Sonnenstrahlen berührt zu werden.
Nur abends mit der ersten Dämmerung atmete er auf.
Anders nachts, denn die Nacht bedeutete fürchterliche Dunkelheit.
Seit langem lag er in diesem Bett, zu lange, es verursachte ihm sogar Ekel. Die Schlaffheit, in der er dahinsiechte, war tief in sein Wesen eingedrungen. Wenn er sich manchmal regungslos betrachtete, begraben unter der lumpigen Decke, war es ihm schon vorgekommen als sei er in der Einrichtung versunken und nun für immer Teil jenes leblosen Ganzen.
Eines Tages, besser gesagt eines Nachts, würde er unwiderruflich mit den Dingen verschmelzen, die ihn berührten, mit den Decken, Wänden, mit der Luft. Er würde unbeseelte Materie werden, wie die Muscheln und Blätter vor Millionen Jahren. Die Seele wäre in der Luft verhaucht und der Körper hätte die Eigenschaften und die Farbe des Bettbezugs angenommen, weißlich und von Krusten und schmählichen Flecken verdreckt.
Nach und nach, ganz allmählich. Davor grauste ihm!
Denn ihm war zu sehr bewusst, was passieren würde, wenn seine Existenz sich so verflüchtigte. Er wusste, dass auf dem Friedhof von Thalkirchen ein Steingrab auf ihn wartete. Ein Grab ohne Inschrift und mit dachförmiger Platte, wie die römischen Urnen. Aber sieh da, in den Zwischenraum zwischen Boden und Platte konnte nur das Sein – oder eine schmale Erinnerung seiner Existenz – flüchtig und körperlos geworden eindringen. Alle anderen Gräber auf dem Thalkirchener Friedhof warteten auf tote Menschen; nur jenes, seines, stand für seinen lebendigen Körper bereit. Daher hatte er sich immer bemüht, einen großen Bogen um den Ort zu schlagen, der seine ewige Ruine bedeutete.
Nicht einmal das stimmte. Manchmal, noch bevor er krank wurde, trieb er sich in der Nähe herum in einem Gebäude, in dem damals das Arbeitsamt untergebracht war. Tat so, als suchte er nach Arbeit. Wurde er aufgerufen und konnte ins Büro treten, um auf alle bürokratischen und belanglosen Fragen zu antworten, sah er zum Fenster hinaus, um von oben das Bild des Friedhofs zu erspähen. Die Angestellte glaubte, er würde den ihm angebotenen lächerlichen Minijob annehmen. Sie konnte nicht ahnen, dass er nur in den zweiten Stock kam, um auf die andere Seite der Friedhofsmauern zu sehen, ohne hineingehen zu müssen.
Von jenem Fenster hatte man eine sehr gute Sicht auf den ersten, den richtigen Teil des Friedhofs, den der wirklichen Toten, aber dahinter, weit hinten, befand sich der Teil, der für ihn reserviert war, den lebendigen Toten. An diesem Punkt überfiel ihn großer Schrecken und zur Verblüffung der jungen Dame stürzte er Hals über Kopf hinaus, floh, weit, weit fort. Mit der Tram Nummer 57 wollte er nie fahren, deren Route der Thalkirchener Straße folgte und die zum Beispiel wegen einer Störung genau vor dem Haupteingang zum Friedhof hätte halten können. Auch die Nummer 58 mied er, die zwar über die nicht weit entfernte Humboldtstraße verlief, doch – Vorsicht! – die Thalkirchener auf halber Strecke kreuzte. Dennoch bedauerte er es sehr, als das Arbeitsamt in ein anderes Gebäude verlegt wurde …
Und um die Folgen des Ganzen zu vermeiden beziehungsweise künftige Folgen aufzuschieben, hatte er versucht, diese Kraft umzukehren, die ihn behexte und versteifte, indem sie die Energie aus seinen Gliedern saugte.
In der Nacht wachte er plötzlich auf, starrte entsetzt auf die Zehen im Dämmerlicht des Mondes.
Sie waren völlig unbeweglich. Er spürte, dass nun die Zeit gekommen war, er nun die totale Verschmelzung seines Körpers mit der Materie würde verfolgen müssen. Mit wütenden Zuckungen zwang er sich, die von der Metamorphose ergriffenen Gliedmaßen aufzurütteln. Doch wie sehr er sich auch anstrengte, wie verzweifelt er es auch wünschte, es gelang ihm nicht.
Die Finger klammerten sich zum Gegenhalt um die Ränder des Klappbetts, so versuchte er sich mit ungeheurer Anstrengung zu krümmen, jede Faser anspannend, wobei er das Stück Bettdecke, das er zwischen seinen Zähnen hielt, mit Speichel wässerte. Die Füße bewegten sich keinen Millimeter.
Stattdessen fühlte er, wie der Stoff sich an die Beine saugte, den Formen der Knochen folgend und es schien ihm, dass seine Haut bereits Stoff geworden war, dass das Blut ausfloss, bald das ganze Bett füllte, um schließlich in den Mauern und durch den Boden zu zirkulieren, während sein Körper austrocknete.
Kalter Schweiß strömte an ihm herab und die Schwingen des Schreckens senkten sich über seine Augen mit der klaren Botschaft, dass nun jene Zeit angebrochen war, die auch der Beginn seines ewigen toten Lebens zu sein schien. Es kam ihm sogar vor, dass die durchscheinende Gestalt der Nymphe des Wahnsinns, den Finger auf den Lippen und wehmütig grinsend, ihm den Schweiß von der Stirn tupfte.
Zu Sonnenaufgang legte sich ein Schleier der Schläfrigkeit schwer auf seine Lider und die letzten Kräfte schwanden. Seine Glieder waren wie abgestorbene Schuppen. Ihm war, als blickte er durch den Halbschatten des Lagers, als wären seine Augen auf verschiedenen Seiten angeordnet, wie bei den präparierten Reptilien im Museum.
Das Licht des Morgens drang in den Raum und ließ die Gegenstände erblassen, indem es die Umrisse verwischte, aufsaugte. Unbeweglichkeit lag in den Formen und Lumpen, die sie umso plastischer und steifer in den Blick rückte. Vom Fenster her kam immer mehr vom matten Licht. Und mit dem Licht kehrten unvermittelt einige Reflexe in seinen Körper zurück.
Mühsam gelang es ihm, sich vom nächtlichen Albtraum zu befreien. Er stützte die Ellbogen auf das Kopfkissen und mit einiger Anstrengung gelang es ihm, sich heftig zitternd aufzusetzen. Ungläubig legte er eine Hand an sein Gesicht, lächelte beim Kontakt mit der extremen Magerkeit, in der die Wangen eingesunken waren. Sein Blick glitt die Wände entlang, welche die Feuchtigkeit grüne Flecken bildend durchtränkte, und über die Gegenstände, die von schlieriger Schmiere überzogen waren, als schwitzten sie ein gräuliches Öl aus; sie stopften das kleine Lager unterhalb des Straßenniveaus voll mit Verwahrlosung.
Das schwache Licht des Morgens fiel stumpf auf die Vorhänge, die nichts waren als verblichene, zerrissene Jutesäcke, die kaum die losen, schlecht verbauten Ziegel verdeckten, und ersoff im Gewirr ihrer Schatten und der Schatten der wenigen Möbel, die Helldunkel erzeugten, und es strich über den unfassbar dreckigen Boden voller Mäusedreck und den eisernen Rand der Militärpritsche, auf der er lag, wo es sich in glänzenden Tropfen verfing.
Eine Maus huschte schnell durch das Lager, den Linien der Mauern folgend, um sich schließlich behutsam in die Mitte des Raumes vorzuwagen. Dann verschwand sie unter seiner Pritsche und begann an etwas zu nagen. Unterschwellig breitete sich das Reiben ihrer Zähne aus.
Aus dem Loch unter dem Balken zur Rechten brachen drei Käfer hervor, und dann noch einer. Sie verstreuten sich über die Wand.
Er kannte genau, in jedem Detail, alles, was man von der Pritsche aus sehen konnte. Tagelang hatte er im Geiste mit der Kraft seines Blickes jedes Ding gewogen, jede Spur Verputz, jede Ritze hatte ihre Eigenschaften, hatte die Härte, die exakten geometrischen Formen eingehend studiert und miteinander verglichen. Seine Sensibilität hatte eine grässlich mephistophelische Wandlung durchgemacht. Er wusste mit geschlossenen Augen, welche Maus sich an den Essensresten in seiner Suppenschüssel auf dem Boden gütlich tat. Sein Gehör war so weit fortgeschritten, dass er nachts das Rascheln der Käfer an den Wänden ganz genau verfolgen konnte. Manchmal belauschte er im Dunkeln fasziniert den Kampf, der sich abspielte, wenn einer von ihnen sich in einem der Spinnennetze in der Ecke verfing. Dennoch betrachtete er die Dinge nun, als sähe er sie zum ersten Mal, als wäre alles ein Traum.
Dieser dreckige Ort flößte ihm Verzweiflung ein. Wenn er nur hinaus könnte und leben! Leben, um zu spielen!
O Gott.
Unvermittelt drehte er den Kopf auf seine Linke und suchte angestrengt mit seinen Augen. Ja, die Violine war da. Noch da, im schäbigen Geigenkasten, auf dem geflickten Stuhl. Er erinnerte sich an fast nichts mehr aus seinem Leben, nur dass er Geige gespielt hatte.
Er streckte eine Hand aus, um nach ihr zu greifen, aber es gelang ihm nicht. Er versuchte, sich zu bewegen, doch schaffte es nicht, aufzustehen und fiel schweißüberströmt in sich zusammen. Dann, röchelnd und in die Bettdecke beißend, versuchte er es erneut. Umsonst.
Er fühlte, wie die langen Haare vor Schweiß an seinem Hals klebten und dachte bitter daran, welche umso größere Schwäche diese Anstrengungen nach sich ziehen würden. Er musste die Augen schließen. Da nahm er, wie in all seinen Momenten musikalischer Inspiration, die Geige und behalf sich mit seinen Gedanken! Er hob die Geige an und nahm sie aus dem Geigenkasten heraus. Er hielt sie mit größter Vorsicht und inspizierte sie von allen Seiten. Er säuberte sie mit einem Zipfel der Bettdecke und testete eine Saite. Dann legte er sie ans Schlüsselbein und setzte den Bogen auf.
