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Carina ist eine Frau im mittleren Alter, die versucht in ihrem Job weiter zu kommen, es jedoch immer wieder vermasselt. Ein Kollege bringt ihre Gefühlswelt durcheinander und sie versucht ihren Alltag wieder herzustellen.
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Veröffentlichungsjahr: 2014
Unflexibel
Bin ich wirklich unflexibel, das frage ich mich schon länger aber wenn man so etwas von seinem Chef gesagt bekommt, dann muss es wohl so sein. Na ja, ich bekam es eigentlich nicht direkt von meinem Chef mitgeteilt. So etwas sagen Chefs ja auch nicht persönlich zu einem, das äußern sie dann doch lieber zu anderen Kollegen, die sagen es dann dem Betroffenen und so erfährt doch jeder, was alle voneinander denken. Ist ja auch viel einfacher für die Chefs, so kann man sie nie darauf ansprechen, denn zugeben würden sie das doch nie. „Nein, Frau Schmitt, würde ich doch nie behaupten. Wie kommen sie denn darauf?” Tja, wie kam man darauf? Wie sollte man dann erklären, dass der Kollege, der es von ihm gesagt bekam, es weitergegeben hatte und man dem mehr glaubte als dem Chef. Also lebt man mit dieser Aussage und versucht nicht ständig daran zu denken, wenn einem der Chef über den Weg läuft.
Ich möchte mich kurz vorstellen, ich bin eine berufstätige Frau. Wie sonst sollte auch ein Chef behaupten können, ich sei unflexibel? Ich hätte ja sonst keinen Chef, wenn ich nicht berufstätig wäre. Ich stehe also im Arbeitsleben, so ganz normal, ganztags aber nichts Außergewöhnliches, nein ich bin eine kleine Angestellte in einem großen Unternehmen, keine Frau, die studiert hat, nicht mal mit Abitur und keine mit besonderen Fähigkeiten. Ich bin auch keine, die mit ihren Locken oder ihren Augen Männer verzaubern könnte. Ich habe keine Besonderheiten, oder doch ein paar Kilo zu viel und ein paar Zentimeter an Größe zu wenig, aber ich glaube das haben viele Frauen, jedenfalls ein paar Kilo zu viel. Von Größe kann man bei mir eigentlich auch nicht unbedingt reden, denn ich bin gerade mal 1,55 m soll ich jetzt groß oder klein sagen? und wie schon erwähnt, ein wenig pummelig, vielleicht auch mal ein wenig mehr. Meine Locken sind so, dass sie morgens nach allen Richtungen abstehen und nicht so wie in vielen Romanen beschrieben, eine richtige Lockenmähne. Nein sie sind auch zu kurz um sie als Mähne bezeichnen zu können und die Farbe ist wie sie sich sicherlich denken können nicht strahlend blond oder leuchtend rot oder ein schönes seidiges braun und auch nicht tiefschwarz sondern einfach langweilig braun. Ich bin totaler Durchschnitt, nichts Besonderes. Meine Freundin Susanne meint jedoch, ich hätte etwas Besonderes. Ich habe einen Hausmann, aber das ist ja keine Fähigkeit von mir. Es war einfach Zufall, dass es so kam. Ich hatte nun mal einen Arbeitsplatz der sicherer schien als der meines Mannes und als die Kinder kamen, war es einfach ganz normal, dass mein Mann zu Hause bei den Kindern blieb und ich weiterhin ins Büro trottete.
Ich bin nicht mehr die Jüngste, oder ist man mit 47 Jahren noch jung? „Nö Mama, mit 47 ist man nicht mehr jung” kommt dann von meiner 10 jährigen Tochter Christin „So alt ist sie nun auch wieder nicht” meint im Gegenzug mein 17 jährigen Sohn Tobias und mein Mann Leon äußert immer „Du hast Probleme mit deinem Alter, ist doch egal, jeder wird älter”. Ja da haben wohl alle ein wenig recht, manchmal fühle ich mich total alt und dann wieder würde ich gerne ganz verrückte Sachen machen, wie jemand mit 18 Jahren. Welche? Na ja, vielleicht mal die Haare grün färben oder einen Nasenpearcing stechen lassen. Eben Dinge, die man mit 47 Jahren nicht unbedingt machen sollte. „Carina, das ist nun nicht dein Ernst, oder?“ fragt mich dann immer meine Freundin Sandra. „Du wirst bald 50 Jahre, und in dem Alter macht man das nicht mehr.“ „Und warum nicht?“ „Naja, darum eben.“ „Ja klar, ich habe es bisher ja auch noch nicht getan aber ich würde einfach manchmal gerne aus dem Alltag ausbrechen.“ „Kann ich ja verstehen aber nicht so, ich denke das hilft auch nicht unbedingt. Man kann das Alter damit leider nicht aufhalten sonst würden sicherlich alle mit grünen Haaren und Nasenpearcings herumlaufen“ Da musste ich ihr zustimmen. „Die Welt würde dadurch aber ein wenig bunter werden.“ So unsere Dialoge, wenn es um unser Alter ging. Mehr gibt es zu mir eigentlich nicht zu erwähnen, wie auch, wenn man einfach nur Durchschnitt ist.
Naja, vielleicht ist das unflexibel ja etwas besonderes, vielleicht hebt mich das doch vom Durchschnitt ab, ob das allerdings positiv ist, kann ich nicht beurteilen, ich denke mal eher nicht. Vielleicht hilft es über einige Situationen hinweg…..es ist ja schon einige Zeit her, dass ich so betitelt wurde und seit der Zeit kommt das immer wieder bei uns im Büro auf. Klappt irgendetwas nicht so wie es soll, kommt der Spruch „wie soll das auch funktionieren, wenn man so unflexibel ist”. Es ist dann schon von Vorteil, wenn man über seine Schwächen lachen kann, leider funktioniert das nicht immer, denn ich wurde mit dieser Eigenschaft betitelt, als ich gerne eine Gehaltserhöhung bekommen hätte. Es ging mir um mehr Geld und was erfahre ich? Ich soll erst mal flexibler werden und das in meinem Alter. Das ist dann schon recht schwer zu verdauen aber ich arbeite daran, dass es mir nichts mehr ausmacht. Die Chefs unter euch sagen sicherlich, dass ich besser daran täte nicht mehr so unflexibel zu sein, als mich abzuhärten, sodass mir der Spruch nichts mehr ausmacht. Ich sehe nur leider nicht, dass ich unflexibel bin und wenn man selbst nicht weiß woran man arbeiten soll und der Chef abstreitet, dies jemals behauptet zu haben, ist das schon schwierig. Den Kollegen fragen, der es einem gesteckt hat, dass der sich beim Chef erkundigt was meine Unflexilibität ausmacht, geht ja auch nicht. „Hallo Herr Braun, könnten sie Herrn Schwarz mal fragen, wieso ich unflexibel bin und was ich ändern muss.“ Nein ich glaube das geht auch nicht. Ich werde also weiterhin damit leben müssen keine Gehaltserhöhung zu bekommen. Aber nun will ich ihnen auch noch erzählen wie ich zu der Betitelung „unflexibel“ kam:
Morgens klingelte bei mir im Büro das Telefon und ich wurde schon leicht nervös als ich auf dem Display den Namen „Gruber“ las. „Ach, die Rechtsabteilung ruft mal wieder an“ plapperte ich vor mich hin und mein Zimmerkollege Herr Kies runzelte schon die Stirn. „Müssen sie die Vertretung von Herrn Meier übernehmen? Er ist krank habe ich gehört.“ „Ja, er hat mich gestern angerufen und sich krank gemeldet. Ich hatte gehofft, dass die Vertretung nicht notwendig wird, sieht aber nicht danach aus. Ich werde wohl rangehen müssen“ ich ließ es aber erst noch ein bisschen klingeln, man ist ja beschäftigt und (unflexibel, was ich da ja noch nicht wusste)
„Schmitt, hallo Herr Gruber, ich war gerade nach der Post schauen, wissen Sie, da muss ich immer zwei Stockwerke nach unten und ich bin gerade erst wieder im Büro angekommen und das ärgerliche ist, die Post war noch gar nicht da, ich muss also nachher noch mal runter… “. ich plapperte und plapperte und der arme Herr Gruber kam gar nicht dazu sein Anliegen vorzubringen. Herr Kies mir gegenüber, schmunzelte vor sich hin. Ich hoffte Herr Gruber würde vergessen weswegen er anrief bis ich mit meinen ganzen Aufzählungen fertig wäre aber so vergesslich war er leider nicht. „Frau Schmitt, ist in Ordnung“ unterbrach Herr Gruber meinen Redefluss, er hatte wohl angst, er würde sein Anliegen wirklich vergessen oder interessierte es ihn gar nicht was ich erledigen musste? „Sie wissen sicherlich weshalb ich anrufe. Herr Meier hat sich krank gemeldet und wir bräuchten mal wieder ihre Hilfe. Wäre es möglich, dass sie heute noch zu uns rüber kämen um mal durchzuschauen was auf Herrn Meiers Schreibtisch liegt. Das wäre uns eine große Hilfe.“ Was sollte ich darauf antworten? Am liebsten hätte ich gesagt „Nein kann ich nicht “ oder noch besser „nein, will ich nicht“ aber dafür war ich zu feige, also antwortete ich „Klar Herr Gruber, aber wie schon erwähnt…..“ „Frau Schmitt, sie müssen nicht gleich kommen, es reicht, wenn sie erst nachdem sie die Post geholt und verteilt haben, hier bei uns erscheinen.“ Er unterbrach mich erneut und versuchte mich aufs Wesentliche zu beschränken, aber die Post holen und verteilen war für mich wesentlich, das war meine Aufgabe, dafür wurde ich bezahlt… „Ich versuche es heute noch einzurichten.“ „Danke Frau Schmitt.“ Schleim, schleim, schleim.
„Ich glaube es interessierte Herrn Gruber gar nicht, dass ich hier auch einiges zu tun habe, er würgte mich einfach ab, es ging ihm nur um die Vertretung.“ „Frau Schmitt, Frau Schmitt, den Herren geht es nie um andere, ihre Abteilung muss 1a laufen, wie es bei anderen aussieht interessiert die da oben nicht.“ Herr Kies hatte es mal wieder auf den Punkt getroffen. Ich lebte einfach zu oft in meiner Traumwelt, wollte immer alles perfekt haben, wollte immer freundlich sein und das fiel mir nicht mal schwer ich musste mich dafür nicht mal verstellen, denn ich wurde so erzogen. Immer freundlich und nett, immer allen alles recht machen, egal wie es einem selbst dabei ging. Tolle Erziehung, gebracht hatte es mir leider noch nichts. Alle um mich herum waren besser bezahlt als ich. Vielleicht lag das auch daran, dass ich zu unflexibel war? Aber mir hatte das vorher noch nie jemand gesagt!
„Nein Frau Schmitt, sie werden nicht befördert, sie sind zu unflexibel.“ Warum sagte mir das keiner ganz deutlich ins Gesicht. Ich hätte daran arbeiten können, wenn ich gewusst hätte, was ich ändern müsste „Das wollen die doch gar nicht, dann wirst du ja teurer.“ erklärte mir mein Ehemann. Warum hatten alle den Durchblick nur ich nicht?
Aber was nutzten diese Gedanken, ich musste in die Rechtsabteilung fahren, es reichte hierfür nicht einen Stock höher zu gehen, nein ich musste in den Nachbarbezirk „Und wann fahren sie nach Marnst um dort alles in Ordnung zu bringen?“ kam auch schon die Frage von Herrn Kies „Ich denke ich fahre am besten gleich los, dann habe ich es hinter mir und bin hoffentlich schnell wieder zurück.“ „Viel Spaß“ gab Herr Kies als Antwort und grinste dabei. Er wusste genau, dass mir die Vertretung keinen Spaß machte, denn keiner ging gerne nach Marnst ins Haupthaus, keiner aus meiner Abteilung musste dahin, und da fragte ich mich immer wieder: wieso war ich dann die Unflexible?
Wenn wenigstens mein Kollege Felix anwesend gewesen wäre, dann wäre ich vielleicht ganz gerne rüber gefahren aber ich musste ja nur hin, wenn er nicht da war. Warum ich lieber hingefahren wäre, wenn Felix, also Herr Meier anwesend gewesen wäre, na ganz einfach... wie soll ich das jetzt erklären? Wir verstanden uns gut, jedenfalls aus meiner Sicht und ich hätte ein wenig Unterhaltung gehabt und.....naja, das erkläre ich lieber etwas später.
Er war nicht anwesend und ich musste trotzdem rüber in seine Abteilung. Ich sollte seine Arbeiten übernehmen um seinem Chef das Leben zu erleichtern, dass es mir schwer fiel interessierte keinen. Vor zwei Jahren saßen wir, also Herr Meier (Felix) und ich zusammen in einem Büro und da klappte es mit der Vertretung einwandfrei, dann wurde ich in die Buchhaltung versetzt und erfuhr über seine Arbeit kaum noch etwas und das es somit für mich nicht leicht war, die Vertretung zu übernehmen, kann ja wohl jeder verstehen, oder?
Nein, nicht jeder… es blieb mir keine Wahl, äußerte mein Chef in der Buchhaltung immer wieder „Legen sie sich besser nicht mit der Rechtsabteilung an, falls sie noch auf eine Beförderung hoffen wollen, denn dort wird Mitentschieden wenn es um mehr Geld geht. Wir in der Buchhaltung dürfen nur zahlen, entscheiden tun es die anderen“ Da ich mir diese Chance nicht verbauen wollte, gab ich immer wieder klein bei und versuchte mein Bestes zu geben. Was für die Chefs anscheinend dann doch zu wenig war. Manchmal kam mir schon der Gedanke: Sollen sie sich ihre Beförderung doch sonst wohin schieben aber dann sah ich meinen Kontostand und wusste, dass ich mir solche Gedanken nicht leisten konnte.
„Ich werde mal fahren und hoffe, ich bin vor der Mittagspause wieder hier.“ „Ja, ja Frau Schmitt machen sie mal. Ich halte hier die Stellung.“ Bekam ich von Herrn Kies zu hören. Er hielt die Stellung…. Welche denn, er kannte sich auf meinem Arbeitsplatz nicht aus, auch wenn wir zusammen in einem Büro saßen, hatten wir von der Arbeit her nichts miteinander zu tun, er erledigte Dinge, von denen ich keine Ahnung hatte und umgekehrt war es genauso. Was war das eigentlich für eine Personalplanung? Wäre doch eigentlich besser gewesen, wenn wir uns gegenseitig vertreten hätten aber das war nie im Gespräch. War das eine flexible Planung? Dafür musste man sicherlich studiert haben um es zu verstehen, ich verstand es jedenfalls nicht. Aber das war auch nicht meine Aufgabe, damit mussten sich die Chefs beschäftigen, vielleicht lag es ja auch daran, dass ich zu unflexibel war, wie sollte ich da die Gedankengänge der Chefs verstehen.
Jedenfalls konnte Herr Kies gut die Stellung halten, indem er meine Arbeit liegen lies und sich nur auf seine konzentrierte!! Ich packte meine Handtasche und begab mich noch mal zum Nachschminken auf die Damentoilette. Viel ausrichten ließ sich leider nicht mit der Schminke aber….. ich fühlte mich damit ein bisschen sicherer. Ich wollte wenigstens einigermaßen gut aussehen und schaute noch mal an mir herunter. Ach herrje, was nutzte die Schminke, wenn ich in meiner ältesten Jeans und einem total ausgeleierten Shirt dort erschien? Warum konnte ich mir denn nicht angewöhnen etwas mehr Schick in meine Kleidung zu bringen? Ich hatte mein altes graues Lieblingsshirt an, in dem ich mich zwar super wohl fühlte aber es zeigte so rein gar nicht, dass es sich bei mir um eine Frau handelte. Es hing weit über meinen Bauch, was ja ganz gut war aber es hing auch weit über meinen Busen, von dem ich eh kaum profitieren konnte aber mit einem schönen Ausschnitt wäre da doch etwas positives zu sehen gewesen. „Klein aber fein“ hätte man dazu sagen können aber in dem grauen Shirt war nicht mal davon etwas zu erahnen und die Farbe unterstrich wohl auch meinen Stellenwert. Es passte total zu mir. Ich wollte aber doch gut aussehen wenn ich in meine ehemalige Abteilung musste, obwohl Felix ja im Moment nicht anwesend war, aber vielleicht erzählte ihm ja einer seiner Kollegen dass ich ihn vertreten und total gut ausgesehen hätte. Ja, ja im Träumen konnte ich punkten, darin war ich unschlagbar! Ich fantasierte mir die schönsten Details zusammen, schaffte aber nie etwas davon zu verwirklichen.
Ich machte mich also noch ein bisschen hübsch, oder versuchte es jedenfalls, „Haben sie gesehen, wie toll Frau Schmitt wieder aussah, sie würde eigentlich besser in unsere Abteilung passen, als in die verstaubte Buchhaltung.“ Hörte ich Herrn Gruber zu Herrn Schwarz sagen, bis die Tür aufging und Pia vor mir stand „Ach, da bist du, ich habe dich schon in deinem Büro gesucht und Herr Kies sagte mir, dass du nach Marnst unterwegs seist. Ich wunderte mich schon, dass du nicht mal bei mir reingeschaut hast bevor du gehst.“ „Bin ja noch hier, ich muss aber gleich los. Ich will vor der Mittagspause wieder zurück sein.“ Und ich wollte nicht ungeschminkt weggehen, das äußerte ich aber nicht vor Pia. Schminken war etwas was nach ihrer Meinung nicht unbedingt notwendig war und dann für die Rechtsabteilung? Nein, dafür hätte sie sich eher in einen Kartoffelsack gesteckt und diese Vertretung hätte sie rundweg abgelehnt, sie hätte sich dagegen gewehrt. „Viel Spaß.“ Kam noch von ihr als ich mich auf den Weg machte.
Wir diskutierten oft über diese Vertretung und keiner konnte es in unserer Abteilung nachvollziehen, weshalb ich immer noch nach Marnst musste, es gab dort so viele Mitarbeiter, die diese Tätigkeiten mit Leichtigkeit übernehmen gekonnt hätten aber.. es tat keiner und ich war wohl für diese Abteilung die billigste Lösung. Ich traute mich ja auch nicht „nein“ zu sagen.“ Vielleicht wollte ich dies auch nicht, so ganz im Innern, wollte ich eigentlich wieder zurück in die Rechtsabteilung aber das konnte ich keinem in meiner jetzigen Abteilung erzählen, jeder dachte, ich sei froh, dass ich von dort weg sei. Es wollte ja auch keiner von meiner jetzigen Abteilung dorthin, da der Ruf der Rechtsabteilung im ganzen Betrieb nicht sonderlich gut war aber ich muss gestehen, ich hatte mich dort unheimlich wohl gefühlt. Lag aber vielleicht auch nur an meinem Verhältnis zu Felix. Nein, nicht wie sie jetzt denken, das fand ja nur in meiner Fantasie statt, ich meinte das Arbeitsverhältnis. Es konnte also keiner nachvollziehen, dass ich gerne wieder dort hin gewechselt wäre und von daher erzählte ich es auch keinem. Schauspielern konnte ich anscheinend auch ganz gut, da jeder glaubte ich wäre froh, aus der Rechtsabteilung weggekommen zu sein. Ich hatte also doch Talente, nur waren sie an meinem jetzigen Arbeitsplatz nicht gefragt.
Aber jetzt erst mal wieder zu meinem Arbeitstag zurück, ich machte mich also sofort auf den Weg und hoffte, dass es sich irgendwann einmal auszahlen würde. „Hallo Frau Schmitt, schön, dass sie es gleich einrichten konnten uns auszuhelfen. Die Post kam wohl schneller als erwartet?“ Wurde ich von Herrn Gruber in Marnst begrüßt. Klang das etwa ironisch? „Ich wollte es schnell hinter mich bringen.“ Ich zog diese Äußerung zwar ein bisschen ins Lächerliche, aber er merkte, dass ein Funken Wahrheit darin mitsprach. „Sie können gleich ins Büro von Herrn Maier, eine Aushilfe ist dort am Schreibtisch von Herrn Huber und sortiert die Akten. Die Tür ist also offen und die Arbeit liegt bei Herrn Maier auf dem Tisch. Ich hoffe sie kommen klar und wenn Fragen sind…. sie wissen ja wo sie mich finden.“ „Ist in Ordnung ich schaue mal, was ich erledigen kann.“
Eine Aushilfe, das auch noch, dachte ich bei mir. Als ich das Zimmer betrat, blieb mir fast die Luft weg. Was für eine Aushilfe…. Die junge Dame, so konnte ich sie nur bezeichnen, denn sie war sowas von jung und hübsch. Bestimmt kam das ganze Stockwerk ständig in dieses Zimmer um etwas zu fragen. Ich kannte die Kollegen doch und wusste, welch eine Wirkung solch eine Frau auf alle haben würde. Sie war blond und was für ein blond und hatte lange lockige Haare, richtig glänzend fielen ihr die blonden Locken auf die Schulter und diese rehbraunen Augen, einfach umwerfend dazu dieser rote Mund…also da musste ich zugeben, sie war schon etwas Besonderes. „Hallo, ich bin Frau Schröder, die Aushilfe für die Akten.“ Begrüßte mich die Schönheit. Sie hatte sicherlich bemerkt, dass ich sie anstarrte „Hallo, ich bin Frau Schmitt.“ Der Name passte zu mir, das merkte ich jetzt auch wieder, ein nichtssagender Name zu einer Frau, die man kaum wahrnahm.
„Freut mich Frau Schmitt, sie sollen wohl bei Herrn Maier die Post erledigen, es liegt schon einiges, da sammelt sich schnell ein Stapel an.“ „Ja, ja, ich werde mal schauen was ich abarbeiten kann.“ Doch dann kam es eher zu meinem Untergang, als dass ich viel abarbeiten konnte, ich fand im Büro meines Kollegen nicht mal mehr einen Kugelschreiber. Jeden den ich aus der Schublade herausholte war entweder eingetrocknet oder hatte erst gar keine Mine mehr. Wie flexibel war das denn, man legt in die Schublade die kaputten Kugelschreiber um die Suche nach funktionierenden etwas zu erschweren. Förderte man so sein Gedächtnis?
Ich saß also in seinem Büro und hatte gerade meine beste Phase, als der Chef hereinschaute und freudig ausrief „Hallo Frau Schmitt, freut mich dass sie bei uns in der Abteilung aushelfen, ist doch alles Bestens, gelle”. Er strahlte mich richtig an und er schien sich wirklich zu freuen mich zu sehen und ich…. Ich spürte wie mein Gesicht ganz heiß wurde, ich konnte mir vorstellen, wie die gepuderten und gerougten Wangen sich noch roter färbten, ich spürte wie mir die Worte auf die Lippen kamen, die ich besser zurückgehalten hätte, ich dachte noch „ja, alles bestens“, wie kam er nur darauf, sah er mir nicht an, dass ich gleich platzen würde. Wie sollte ich ruhig und freundlich bleiben???? Ich schaffte es leider nicht, meine Erziehung legte eine Pause ein, es kamen Worte aus meinem Mund, die man nicht zu einem Chef sagen sollte zumal Frau Schröder noch mit im Zimmer saß. Darauf nahm ich leider in diesem Moment keine Rücksicht. Ich war plötzlich total spontan, das wurde ich leider immer dann, wenn ich mich total ärgerte, also immer zur falschen Zeit und dieses Mal auch noch am falschen Ort. Ja, das ist wohl etwas was man mit 47 Jahren hätte in den Griff bekommen können aber…. Sonst traute ich mich nicht meine ehrliche Meinung zu sagen, da war ich zu feige und jetzt… gerade jetzt, wo ich besser wieder die Schüchterne gewesen wäre…. Jetzt sagte ich was ich dachte und zwar „nein, es ist nicht alles bestens, ich finde ja nicht mal mehr einen Kugelschreiber und eine Telefonliste ist auch nicht vorhanden. Diese Vertretung funktioniert einfach nicht von der Buchhaltung aus, mir steht es bis hier (und da zeigte ich bis über meinen Kopf), ich kenne mich hier im Büro gar nicht mehr aus“ Das ist jetzt mal vorsichtig ausgedrückt, ich bin mir nicht sicher, ob nicht auch noch schlimmere Worte fielen, die ich jetzt nicht mehr wiederholen möchte oder an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Ganz ehrlich, ich war so aufgebracht, dass ich mich an meine genaue Wortwahl nicht mehr erinnerte und von daher redete ich mir lieber ein, dass der Wortwechsel so wie erwähnt abgelaufen war.
„Das wird sofort geändert Frau Schmitt, wir wollen doch zufriedene Mitarbeiter“ kam als Antwort vom Chef dessen Miene total versteinert war. Keine Regung war zu erkennen, er drehte sich nach seinen Worten um und verließ das Zimmer ohne noch etwas hinzuzufügen. Würde er mir jetzt einen Kugelschreiben und eine Telefonliste bringen? Oder was wurde geändert, die Ordnung im Büro meines Kollegen? Nein bestimmt nicht.
Oh je was hatte ich da nur angerichtet? Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Der Blick der jungen Kollegin zeigte mir, dass ich mich wohl ein wenig daneben benommen hatte. Ihre großen Rehaugen waren noch größer und noch brauner und ihr schöner roter Mund stand kurz offen so als ob sie nach Luft schnappen wollte. Sie hätte sich solche Aussagen leisten können, da würde der Chef sicherlich drüber hinwegsehen oder es toll finden „Endlich eine Kollegin, die sich einbringt, die sich Gedanken macht und ihre Meinung äußert:“ Bei ihr wären dies produktive Gedanken, bei mir war es unflexibel. Wie nett!! Wie sollte ich mich jetzt nur verhalten? Mir war klar, dass ich ins Fettnäpfchen getreten war und dass ich mich nicht ganz korrekt gegenüber einem Chef verhalten hatte. Mir war schleierhaft wie Herr Schwarz, die Situation mit der Vertretung ändern wollte, aber was der Chef sagte, wird erst mal geglaubt (genau wie dieses unflexibel). Sollte ich mich freuen, dass es eine Änderung geben würde oder sollte ich mir Gedanken machen? Wurde jetzt etwas geändert und zwar das, dass ich nie mehr die Vertretung übernehmen musste oder wurde ich vielleicht sogar entlassen oder holten sie mich wieder zurück in die Rechtsabteilung? Hatte ich das mit meinem Ausbruch bezweckt, im Unterbewusstsein? Wollte ich wieder zurück? Ich wusste es nicht so richtig, ich war in diesem Moment auch viel zu aufgewühlt um mir über meine Wünsche klar zu werden. Ich versuchte ruhig zu werden und verdrängte einfach diesen Ausbruch. Im Verdrängen war ich auch schon immer gut. Wieder etwas, was ich gut konnte aber nichts nutzte.
Nachdem mir ansatzweise gelungen war einige Aufträge zu erledigen, fuhr ich den PC herunter, verabschiedete mich von der jungen Kollegin, die sicherlich im Innern dachte: „Gut dass diese hysterische Ziege wieder geht, wie kann sich eine Firma solch eine Mitarbeiterin leisten, die so mit den Chefs umgeht. Und wie die aussieht, so kann man doch nicht zur Arbeit gehen. Das sind nicht mal Kleidungsstücke für den Altkleidercontainer, die gehören auf den Müll.“
Ihre Gedanken waren mir im Moment aber egal, sollte sie doch denken was sie wollte, ich hatte einen Arbeitsplatz sie war nur bei einer Leihfirma. „Tja Mädchen an was liegt das wohl? Rehaugen, ein schöner roter Mund und ein schickes Kostüm reichen wohl doch nicht aus.“ Ich war diejenige, die immer wieder gerufen wurde um die Vertretung zu machen, ich war diejenige, die in zwei Abteilungen arbeiten konnte. Hallo, was redete ich mir denn da wieder ein, ich war die kleine Angestellte, die sicherlich jeder gerne gegen diese hübsche Kollegin austauschen würde. Vielleicht kam das jetzt auch, vielleicht wurde ich jetzt entlassen und das Rehäuglein wurde eingestellt und sie schaffte das mit links, sie wechselte von einem Arbeitsplatz auf den nächsten und alle Kollegen freuten sich über den Anblick, den sie genießen konnten.
„Ach sind sie der Ersatz für Frau Schmitt, das ist aber mal eine positive Veränderung.“ An mich würde sich nach wenigen Tagen keiner mehr erinnern „Schmitt, nein das sagt mir gar nichts, wann soll die bei uns gearbeitet haben?“ Ich musste mich zusammenreißen und in die Realität zurück in der ich mich ins Nachbarzimmer begab um mich von Herrn Gruber zu verabschieden und ihm zu berichten was ich erledigen konnte und was nicht, ganz nüchtern und ganz sachlich bleiben.
„Herr Gruber, ich habe alles durchgeschaut und versucht so viel wie möglich zu bearbeiten. Leider war das nicht so viel wie sie vielleicht erwartet haben, aber ich kenne mich doch nicht mehr so gut aus, wie gewünscht oder gehofft.“ „Ja, ja ist schon klar, wir wissen ja auch, dass das kein Zustand ist mit der Vertretung und der Chef war gerade bei mir und sagte mir, dass sie total unzufrieden seien mit dieser Situation und wir werden uns etwas überlegen. Aber erst mal vielen Dank für ihre Mithilfe.“ „Gern geschehen, bis zum nächsten Mal.“ Wieso sagte ich „bis zum nächsten Mal“ würde es das wieder geben? Wollte ich das überhaupt?
„Da siehst du Carina“, meldete sich meine innere Stimme, „insgeheim willst du doch die Vertretung übernehmen. Es tut deinem Ego gut, wenn du gebraucht wirst. Aber du siehst ja auch, der Chef war schon bei Herrn Gruber und hat ihm alles brühwarm erzählt. Jetzt hast du dir deine Aufstiegschancen total vermasselt. Da nützt das Beste schleimen nichts, wenn man beim Big Boss ins Fettnäpfchen tritt, kannst du deine Beförderung knicken. Da hättest du schleimen sollen, du lernst es wirklich nie. Na toll sogar meine innere Stimme kannte sich mit schleimen besser aus. Ich schleimte immer an der falschen Stelle. Bei der Putzfrau war ich beliebt aber dbei den Chefs….. Ich wollte jetzt nur noch weg aus diesem Gebäude raus und meine Freundin Susanne anrufen, sie konnte mir sicherlich helfen.
Auf dem Weg nach unten, holte ich im Fahrstuhl schon mein Handy heraus „Hier haben sie keinen Empfang“ kam auch prompt die Aussage eines Mitfahrers. Was für ein schlauer Junge, was wollte der von mir? „Danke das weiß ich auch“ gab ich pampig zurück. „Carina was kann der Junge für deine schlechte Laune?“ hörte ich mein schlechtes Gewissen. „Aber welcher Idiot weiß das nicht, dass man in einem Fahrstuhl keinen Empfang hat?“ dachte ich weiter „Es gibt Fahrstühle, da funktioniert das Handy, eigentlich in fast allen aber hier ist es nicht so.“ Konnte er meine Gedanken lesen oder hatte ich laut geredet, wäre dann das zweite Fettnäpfchen für diesen Tag, ich triefte ja schon bald von dem vielen Fett. Der Tag konnte nur noch besser werden. „Ach ja wirklich, es gibt Fahrstühle, da kann man telefonieren? Da kenne ich mich nicht aus, ich wollte aber sowieso warten bis ich draußen bin, ist nicht ganz so wichtig aber danke für die Information.“ Ha, nicht so wichtig… es gab nichts wichtigeres im Moment für mich als dieser Anruf aber wie hätte ich das dem jungen Mann erklären sollen. „Wissen sie, ich habe gerade meinen Chef total bloßgestellt und das will ich nun meiner besten Freundin erzählen. „Kam sicherlich nicht so gut und was ging das den jungen Mann überhaupt an?? Gab es das wirklich, Fahrstühle, in denen man Handyempfang hatte? War mir eigentlich egal, denn ich hatte nicht vor, vor diesem Jüngling meine Probleme auszubreiten. Es reichte schon, dass die ganze Rechtsabteilung davon wusste, wie ich mich verhalten hatte. Ich wollte nicht, dass die ganze Belegschaft dieses Hochhauses davon erfuhr. Also wartete ich bis sich die Türen des Fahrstuhls mit einem „Bling“ öffneten und ich nach draußen stürmen konnte.
„Schönen Tag noch“ hörte ich den jungen Mann hinter mir herrufen aber ich war schon draußen vor der Tür und wählte Susannes Nummer, es klingelte, warum ging die nicht gleich ran, sie sah doch, dass ich es war..es verging eine Ewigkeit. „Hallo Carina, ich habe im Moment leider keine Zeit zum Telefonieren, kannst du später noch mal anrufen.“ „Später??? Nein Susanne das kann ich nicht, ich bin am Verzweifeln.“ Aber das hörte sie schon gar nicht mehr, sie hatte mich einfach weggedrückt. Ach herrje, was sollte ich jetzt tun? Ich war total durcheinander und Susanne hatte keine Zeit für mich. Sie hatte sofort wieder aufgelegt und ich überlegte, wann war später? Ich wollte nicht warten bis später, ich wollte gleich mit ihr reden, ach was sagte ich da, ich wollte nicht, ich musste gleich mit ihr reden. Sie war die Einzige, die mir helfen konnte, wie wusste ich zwar auch nicht, aber ich redete mir das einfach ein. Sie musste mir helfen, wofür hatte man Freundinnen? Sie könnte doch behaupten, dass sie mich unter Drogen gesetzt hätte, die mein Bewusstsein verändert haben, dass ich sowas nur unter Alkoholeinfluss gesagt haben kann, dass ich gar nicht zurechnungsfähig war in diesem Moment… ach was redete ich mir wieder ein, das wäre dann ja auch ein Entlassungsgrund. Nein, ich musste da jetzt durch und … ich musste zurück an meinen Arbeitsplatz. Gab es den jetzt noch????
Ich begab mich total in Gedanken versunken auf den Rückweg in mein Büro nach Lurm. Auf der Fahrt konnte ich noch weiter grübeln und mir ausrechnen was nun kommen würde. Wusste mein Chef auch schon Bescheid, würde er mich gleich an der Tür abfangen und mir meine Kündigung in die Hand drücken? Was für einen Kündigungsschutz hatte ich eigentlich nach 20 Jahren in der Firma? Das hätten mir die Kollegen in der Rechtsabteilung sagen können, sollte ich umkehren und gleich mal nachfragen? Nein, diese Blöße würde ich mir nicht geben, darum könnte ich mich kümmern, wenn es soweit war. Ich hatte ein total schlechtes Gewissen und wäre am liebsten nach Hause gefahren, hätte mich dort bei Leon ausgeheult und wäre nie mehr vor die Tür gegangen, aber, wieder dieses aber… man kann leider nicht immer das tun, wonach man sich sehnt.
Ich musste da jetzt durch und juhu, ich schaffte es ohne Kündigung auf meinem Arbeitsplatz anzukommen. Herr Kies war unterwegs und so suchte ich Pia auf, der ich jetzt mein Herz ausschütten wollte. Ich musste ihr von meinen Ausbruch erzählen, da Susanne keine Zeit hatte, musste einfach jemand anderer herhalten und mich aufbauen und bei Pia war ich mir sicher, dass sie mich unterstützen würde. Sie mochte die Kollegen aus der Rechtsabteilung nicht und so hatte ich in ihr eine Verbündete. „Hallo Pia“ „Oh hallo Carina, schon wieder zurück und wie war es, konntest du die Rechtsabteilung zufrieden stellen?“ „Na ja, wie man es nimmt.“ „Wie meinst du das denn? Konntest du nichts erledigen?“ „Doch schon, aber“ und schon platzte alles aus mir heraus. „Ich habe wohl ein bisschen über die Stränge geschlagen. Herr Schwarz kam zu mir ins Büro und fragte mich, ob alles gut laufen würde, woraufhin ich ihm sagte, dass mir die Vertretung auf den Geist ginge und das vor einer Kollegin der Leihfirma. War wohl nicht so super toll von mir.“ „Also ich finde das gut, ich muss sagen du hattest recht, man muss denen da oben auch mal sagen wie es einem selbst geht und dass es nicht immer so funktioniert wie sie sich das vorstellen. Mensch, die sollen sich doch endlich eine Vertretung aus den eigenen Reihen suchen, wir sind doch keine Marionetten, die immer parat stehen” kam auch prompt als Antwort von ihr. Ich wusste es doch, sie war auf meiner Seite und sie hatte Recht aber…“Meinst du nicht, dass ich mich hätte beherrschen müssen?“ „Nein, finde ich nicht. Man muss nicht immer schlucken nur weil die Chefs das gerne so hätten. Man darf auch mal seine Meinung äußern. Warte einfach ab vielleicht wird sich jetzt endlich etwas ändern.“
Ja, ich rechnete fest damit, dass sich etwas änderte, hatte der Chef, Herr Schwarz, ja auch angedroht oder versprochen? Pia wollte, dass die Vertretung von jemand anderem ausgeführt werden würde und ich hoffte, ja was hoffte ich eigentlich? Irgendwie wäre ich gerne wieder zurück in die Rechtsabteilung aber das konnte und wollte ich nicht so richtig preisgeben, nicht mal mir selbst. Ich zweifelte irgendwie daran, dass sich alles zum Besseren wenden würde, ich wusste eigentlich gar nichts mehr und wollte mir auch keine weiteren Gedanken machen, nutzte ja nichts.
Abwarten und Tee trinken, aber leider mochte ich keinen Tee, also blieb nur abwarten. Wie konnte ich nur so aufbrausen und Herrn Schwarz nicht in seinem Büro aufsuchen um ihm meinen Unmut mitzuteilen, nein ich musste gleich loslegen und ihn ein ganz klein wenig kompromittieren. Das ganz klein wenig, redete ich mir schön. War ja einfacher als zugeben zu müssen, dass man ihn total bloß gestellt hatte, dass man seine Autorität als Chef missachtete. Ich als durchschnittliche Sachbearbeiterin, als die mit der geringsten Bezahlung, als die Unsichtbare, die die keine Talente hatte, die mit ihrem Aussehen nichts ausrichten konnte, die konnte sich das doch nicht erlauben. Die hatte es sich aber erlaubt und musste nun mit den Konsequenzen rechnen. Wenn ich mir vorstellte, dass ich Chefin wäre und ein Sachbearbeiter würde solche Äußerungen vor einer fremden Mitarbeiterin kundtun, wie würde ich mich verhalten? Sofortige Kündigung, keine Frage.
War bis jetzt zum Glück noch nicht passiert, aber die Kündigung musste ja auch erst vorbereitet werden und mussten sie nicht auch noch den Betriebsrat beteiligen? Also zwei, drei Tage würde das wohl noch dauern. Wie sollte ich die überstehen?
Mensch Carina, warum konntest du nicht wieder einfach schlucken und nett und freundlich antworten. „Ja Herr Schwarz, ist läuft alles bestens. Vielleicht würde es noch besser laufen, wenn ich einen funktionierenden Kugelschreiben und eine Telefonliste finden würde, aber das sind ja nur Kleinigkeiten, das ist ja nicht schlimm. Ich fühle mich hier bei ihnen so wohl, da kann ich über solche Dinge hinwegsehen. Ich werde diese Kleinigkeiten das nächste Mal einfach mitbringen.“ „Das freut mich zu hören Frau Schmitt. Für so viel Engagement, bekommen sie natürlich sofort eine Beförderung“ So hätte es laufen sollen, ich wäre nie als unflexibel betitelt worden.
Die Beförderung konnte ich mir wohl abschminken man sollte bei Chefs vermeiden, seine ehrliche Meinung zu äußern, ich musste noch viel lernen. Danach wusste ich das leider auch immer, vorher sollte man es wissen und seine Worte besser wählen oder besser gesagt, den Zeitpunkt und den Ort beachten. Unter vier Augen, wäre das alles nicht so schlimm gewesen. Warum ließen sich diese Gedanken nicht abstellen? Ich begab mich total durcheinander an meinen Schreibtisch und versuchte dort meine Arbeiten, die liegen geblieben waren abzuarbeiten.
„Frau Schmitt was ist denn mit ihnen los? Hallo, sind sie noch anwesend?“ Ach herrje, Herr Kies war zurück und hatte mich angesprochen…... „Was haben sie gefragt, ich habe gar nicht zugehört, entschuldigen sie bitte.“ „So kenne ich sie gar nicht, sie stehen ja total neben sich. Wollen sie lieber nach Hause gehen, ist ihnen nicht gut?“ „Nein, nein, ist schon in Ordnung. Ich bin in der Rechtsabteilung ins Fettnäpfchen getreten und das geht mir ein bisschen nach.“ „Wie das denn?“ „Naja, ich habe mich bei Herrn Schwarz beschwert und das mit Worten, die ich hätte bei ihm alleine im Zimmer äußern sollen aber ich tat es im Büro unseres Kollegen und das auch noch vor einer Mitarbeiterin der Leihfirma.“ „Oh je, das sollte man wirklich vermeiden, war es denn so schlimm, dass sie Herrn Schwarz die Meinung sagen mussten?“ „Ja, ich war auf der Suche nach einem Kugelschreiber und fand keinen.“ „Ach, ja das ist furchtbar, da hätte ich mich auch beschwert“ Wie bescheuert war ich eigentlich, was hatte ich da wieder gesagt. Herr Kies saß mir gegenüber und schüttelte sich vor lachen. „Das ist wirklich der beste Grund, den ich jemals gehört habe, um sich zu beschweren. Also Frau Schmitt, das muss man ihnen lassen, sie bringen mich immer wieder zum Lachen“ „Herr Kies, also, ja es war wohl ausschlaggebend, dass ich keinen Kugelschreiber fand aber man muss sich mal vorstellen, ich soll dort die Vertretung übernehmen und finde nicht mal mehr einen Kugelschreiber, wie soll ich dann die wichtigen Dinge erledigen, wenn ich so etwas banales wie einen Kugelschreiber schon nicht mehr finden kann? Und dann ist mir einfach der Kragen geplatzt als Herr Schwarz äußerte „Na ist doch alles Bestens“. Ich rechne jedenfalls mit dem Schlimmsten.“ „Wenn sie das so sehen, das stimmt schon, aber ein Kugelschreiber..“ er fing wieder an zu lachen und ich hätte im Erdboden versinken können. „Frau Schmitt machen sie sich jetzt nicht verrückt, es kommt doch nie so schlimm wie man erst mal denkt. Und dann, jetzt ist es nicht mehr zu ändern und von daher, machen sie sich mal nicht zu viele Gedanken.“ Er konnte sich das Lachen aber immer noch nicht ganz verkneifen und schon hörte ich die Kollegen vom Nebenzimmer, sie waren wohl durch den Lachanfall von Herr Kies aufmerksam geworden, kam ja auch nicht so oft vor, dass jemand so laut lachte.
„Was hast du gemacht, habe ich das richtig gehört? Du hast dich beschwert“ kam auch schon von meinem Kollegen Harald und Frau Gerber gab auch noch ihren Senf dazu „Ach das kenne ich, ich bin schon so oft ins Fettnäpfchen getreten.“ Das stimmte aber es tröstete mich nur wenig. Ich wusste ja wie sie über Frau Gerber redeten und jetzt war wohl ich an der Reihe über die hergezogen wurde. Jetzt hatten sie ein neues Opfer um sich die Münder zu zerreißen und ich konnte gar nichts dagegen unternehmen. Ich kannte das ja und ich muss gestehen ich war auch eine, die gerne über andere lästerte, nie schlimm, nein nie schlimm, ich war ja kein Unmensch... aber ich lästerte und nun war ich an der Reihe.
Egal, ich musste da jetzt durch und wie Herr Kies schon äußerte, es war nicht mehr zu ändern. Also arbeitete ich weiter und versuchte meine Gedanken auf das Wesentliche zu konzentrieren. Irgendwie funktionierte das aber nicht so richtig, ich sah mich schon auf dem Arbeitsamt mit Stapeln von Formularen, bei denen ich keine Ahnung hatte wie ich diese alle ausfüllen sollte. Ich hörte schon die Fragen der Sachbearbeiterin „Wie kam es denn zu der Kündigung?“ „Ich beschwerte mich bei meinem Chef wegen einem Kugelschreiben und das vor den Augen einer Kollegin und zwar so, dass es für meinen Chef nicht besonders gut aussah.“ „Was, sie können ihren Chef doch nicht vor anderen Mitarbeitern bloß stellen. So bekommen sie keine neue Arbeitsstelle, das wird schwer sie zu vermitteln“
Nein das durfte nicht passieren, ich würde mich doch bei ihm entschuldigen, aber heute nicht mehr, denn es war gleich Feierabend und ich wollte dann doch erst mal die Meinung meines Mannes und meiner Freundin Susanne einholen. Susanne, die hatte ich ja ganz vergessen anzurufen. Naja, jetzt konnte das auch noch warten bis ich zu Hause war. Musste ja nicht jeder mitbekommen, dass meine Freundin alles über die Firma erzählt bekam, dass ich alle meine Probleme mit ihr besprach, also erst mal nach Hause und dann erst mal meinem Mann mein Herz ausschütten.
Zu Hause angekommen musste Leon sofort herhalten, er bekam jedes Wort von mir wiederholt (jedenfalls die, an die ich mich erinnern konnte).
„Was meinst du? Habe ich mir nun alle Chancen verbaut oder wird sich wirklich etwas ändern?” „Ändern, wie kommst du denn darauf, es änderte sich doch noch nie etwas in deiner Firma. Da kannst du sagen was du willst. Musst dir keine Gedanken machen und übrigens was gibt es denn zum Abendessen?” so mein Mann zu meinen überdimensionalen Sorgen. Ihm war sein Abendessen wichtiger als meine Arbeit. Wer sollte denn das Geld verdienen, wenn ich entlassen wurde? Interessierte das hier keinen? „Wieso sollen sie dich entlassen, so schlimm war das nun auch wieder nicht. Hast du schon eine Idee was du kochen könntest, damit alle zufrieden sind?“ Alle zufrieden????
Hallo, ich habe gerade meinen Chef blamiert und ihr interessiert euch nur für das Abendessen.
