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Auf einem Fest lernt ein Mann seine Traumfrau kennen. Bevor er dieses wunderbare Wesen näher kennenlernen kann, verschwindet sie so schnell wie sie aufgetaucht ist. Sie lässt ihn überhaupt nicht mehr los und er beginnt nach ihr zu suchen, ohne im Ansatz zu ahnen, auf was für eine abenteuerliche Reise er sich damit begibt. Seine Suche führt ihn um den halben Erdball, doch erst geschehen merkwürdige Vorfälle, und es gelingt ihm, sie wiederzufinden. Doch die Zweisamkeit dauert bloß eine Nacht, und sie wird entführt. Erneut beginnt seine Suche, und die geheimnisvolle Frau fällt Piraten in die Hände. Wird es ihm ein zweites Mal gelingen, sie wiederzufinden?
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Seitenzahl: 576
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Dieses Buch widme ich meiner Freundin, ohne sie wäre dieser Roman nicht möglich gewesen.
New York
In Dubai und Santa Elena
In Kenia
In Sierra Leone
Endlich wieder New York
In Brasilien
Der brasilianische Dschungel
Bei einem Einsiedler
Der heilige Wald
Die Lebensgeschichte von Ethan
Robert und Mayra fast alleine
Die Entführung
Die CIA schaltet sich ein
Die Verbrechen des Scheichs
Die Flucht
Der Einsatz
Die Piraten
Das Verhör
Die Forderung
Die Nachforschungen
Die Übergabe
Robert wird selbstständig
Christina und Steven
Mayras allergrößte Herausforderung
Es begann ganz harmlos. Viel zu harmlos. An einer Laterne gelehnt schaute Robert den Frauen hinterher, und dabei strich der endlose Trubel dieser Metropole teilnahmslos an ihm vorüber. Die Damen wiegten ihre Hüften, warfen ihr Haar nach hinten und sahen zu ihm hinüber, wenn sie seinen aufmerksamen Blick bemerkten. Eine zierliche Blondine blieb stehen, und drehte sich langsam zu ihm um. Sein Magen verkrampfte sich plötzlich. Das Lächeln, das sich um ihren Mund bildete, weckte in ihm eine stechende Sehnsucht. Doch ihr Lächeln wandte sich zu einem abschätzenden Ausdruck, und mit schnellen Schritten ging sie weiter.
Bemerkte sie, wie alle anderen auch, seine Angst?
Das Kreischen seines Handys riss ihn aus seinen trüben Gedanken.
„Robert Travennor, hallo?“
„Es ist Freitag!“
„Mann Chris, du nervst mich seit der Schulzeit! Wie werd’ ich dich bloß wieder los?“
Schallendes Gelächter drang in sein Ohr vom anderen Ende der Leitung, und er sah ihn förmlich direkt vor sich.
Das unvermeidliche Zigarillo in der Rechten, ein Glas Scotch in der Linken, und das Handy zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt. Und beim ganzen Gespräch trug er wie immer einen schicken, maßgeschneiderten Anzug, und stand im achtzehnten Stock vor dem großen Panoramafenster seines Büros mit Blick auf den Central Park.
„In dem du mit mir um die Häuser ziehst!“, meinte Chris, und Robert hörte die Eiswürfel im Drink seines Freundes klirren.
„Willst du mich schon wieder verkuppeln?“
„Ich? Niemals!“
„Die passende Frau für mich gibt’s wahrscheinlich gar nicht! Ich verbocke alles!“
„Wenn ich das schon höre, bekomm’ ich echt Fußpilz! Du bist die trübste Tasse die ich kenne – und ich kenn’ viele Singles!“
Darauf schnaufte Robert. Das hörte er bereits zum etlichen Mal.
„Gut, dann bin ich in fünfundvierzig Minuten bei dir!“
Anscheinend nahm Chris dies als sein Einverständnis.
„Ich will aber vorher noch was essen.“
„In sechzig. Mein letztes Wort.“
Jetzt hörte Robert nur noch das Knacken in der Leitung.
In seinem Viertel fühlte sich Robert ausgesprochen wohl.
In den Straßen standen geräumige Vorstadtvillen mit überaus gepflegten Vorgärten, und davor parkten Limousinen der Oberklasse. Auch er selbst fuhr solch einen Wagen.
Aber er leistete sich ihn bloß deshalb, da er für seine häufigen Fahrten auf eine bequeme Ausstattung großen Wert legte. Außerdem gehörte er nicht zu diesen Menschen die ständig mit ihren Besitztümern prahlen mussten, oder sich jedes Wochenende an einem unglaublich wahnsinnig wichtigen Event im Scheinwerferlicht präsentierten. Lieber entspannte er sich zu Hause von der Arbeit, denn Robert verfolgte seine beruflichen Ziele ehrgeizig.
Bevor er unter die Dusche ging schaltete er den Anrufbeantworter ein, um seine Nachrichten abzuhören.
Erste Nachricht: „Rob’, hier Chris, wir unternehmen heute Abend was zusammen, abgemacht? Ruf’ mich zurück!“
Als er das hörte, flog ihm ein müdes Lächeln über die Lippen. Meine Güte, Chris ist hartnäckig wie ein Terrier!
Zweite Nachricht: „Hier ist Josh, denken Sie bitte noch an die Unterlagen für das Palm Center. Es wäre eine Katastrophe, wenn Sie in Dubai mit leeren Händen vor unseren Auftraggebern stehen würden. Falls es Probleme gibt, können Sie mich jederzeit anrufen.“
Dritte Nachricht: „Hallo Robert, hier ist Christina. Wir haben schon so lange nichts mehr voneinander gehört, bitte meld’ dich doch wieder bei mir. Den Kindern geht’s gut, und sie fragen so oft nach dir!“
Mit seiner Schwester unterhielt er ein enges Verhältnis, aber leider sahen sie sich viel zu selten. Die viele Arbeit ließ ihm kaum Spielraum um übers Wochenende zu ihr zu fahren, und dafür schämte er sich ein wenig. Keine weiteren Nachrichten – Aufzeichnungsende.
Als Robert die Tür des Schrankes öffnete betrachtete er ratlos die Oberhemden und seine Anzüge, und nichts davon zog er überhaupt in Erwägung.
Das blaue? Sieht zu bieder aus. Das lila Seidenhemd? Dann seh’ ich ja aus wie ein Aufreißer, der’s nötig hat! Oder das gelbe? Viel zu auffällig, damit find’ ich ja niemals meine Traumfrau!
Auf dem Bett häuften sich die Sachen die er keinesfalls anziehen wollte. Als er den beträchtlichen Stapel ansah, wirkte dieser wie ein Wühltisch im Kaufhaus auf ihn. Unentschlossen ließ er sich aufs Bett fallen, und erschrak beim Blick auf die Uhr wie schnell die Zeit verging. Gleich darauf klingelte es auch schon, und er lief zur Sprechanlage. Auf dem Monitor erkannte er Chris, und die Tür öffnete sich mit einem summenden Geräusch.
„Bist du fertig? Wir haben nicht mehr viel Zeit!“, begrüßte sein Freund ihn.
„Nein, ich hab’ nicht den blassesten Schimmer was ich anziehen soll!“
„So kannst du wirklich nicht gehen!“, erwiderte er, und deutete dabei grinsend auf Roberts Bademantel.
„Natürlich nicht, jetzt hilf’ mir doch bitte!“
„Mensch, beruflich bist du im Immobilienbüro deines Chefs ein Ass! Aber privat weißt du nicht, was du anziehen sollst! Wie soll das erst werden, wenn du eine bildhübsche Frau triffst?“
„Tja, da muss ich mir ein Herz fassen, und meinen ganzen Mut zusammennehmen!“
„Du kannst mich immer um Rat fragen, und ich unterstütze dich!“
Beim Ausdruck dieser Hilflosigkeit kam Chris ins Grübeln über ihn.
Warum richtet sich eigentlich nie die Aufmerksamkeit der Frauen auf ihn? Vielleicht ist er zu schüchtern, oder hat er zuviel Angst? Dabei bin ich überzeugt er sucht diejenige die ihn völlig fasziniert, und ihm überhaupt nicht mehr aus dem Sinn geht! Ich wünsche’s ihm so sehr, dass er sie bald irgendwo auf diesem Planeten trifft! , überlegte Chris, und folgte Robert auf der Treppe die nach oben führte.
Als sie auf dem Flur zum Schlafzimmer liefen bemerkte er, dass sein Freund sich vor Lachen die Hand vor den Mund hielt.
„Ja, lach’ nur!“, beschwerte sich Robert.
„Entschuldige bitte, aber du siehst wirklich lustig aus!“
„Tatsächlich?“
„Dein rosa Bademantel, du siehst aus wie eine männliche Miss Piggy!“
„Ein Geschenk meiner Nichte!“
„Ich wette, sie hat dafür in den Läden von halb Downtown gesucht, um ihn in deiner Größe zu finden!“
„Hör’ jetzt auf mich so unverschämt auszulachen!“, herrschte er ihn an und erreichte damit nur, dass Chris’ Lachen noch lauter wurde. Gleichzeitig spürte Robert, wie ihm die Hitze ins Gesicht stieg. Wahrscheinlich leuchtete er gerade wie die Bremslichter eines Trucks. Jetzt wandte sich Chris dem Kleiderschrank zu, und begutachtete die darin verbliebenen Hemden.
„Hier, - nimm das.“ Er reichte ihm ein weißes Hemd.
„Sportlich, und trotzdem seriös und elegant. Dazu eine klassische Jeans und…“, zielsicher griff Chris nach einem Paar Slipper, „und dunkelbraune Lederschuhe. Voilà, damit hast du alles richtig gemacht.“
„Wohin willst du mich eigentlich schon wieder mitschleppen?“
„Zu einem früheren Geschäftspartner von mir, er macht sich bald in England selbstständig. Bevor er aber umsiedelt hat er mich auf sein Abschiedsfest eingeladen, und ich darf gern jemand mitbringen.“
„Muss das sein?“
„Jetzt komm’ schon, no risk no fun! Du brauchst Abwechslung von deinem Job, und vielleicht triffst du dort endlich deine Traumfrau! Außerdem kommt unser Taxi gleich!“
„Na schön, vielleicht hast du ja Recht!“
Nach einer Stunde fuhren sie durch ein schmiedeeisernes Tor auf ein weiträumiges Grundstück, und Robert schaute neugierig durch die Seitenscheibe. Ein vierstöckiges Gebäude einer beeindruckenden Villa, umgeben von einem penibel gepflegten Park sah er, und die Musik schallte aus den Fenstern heraus. Auf der ebenerdigen Terrasse standen ein paar Leute, die sich mit Gläsern in den Händen miteinander unterhielten. In weißen Poloshirts schwirrten die Mitarbeiter eines Catering-Services überall wie emsige Bienen mit ihren Getränketabletts umher.
Ein uniformierter Page öffnete die Autotür, und erklärte ihnen den Weg zum Festsaal. Die kleinen, weißen Kieselsteine knirschten unter ihren Füßen als sie der Beschreibung folgten, und dabei roch es nach frisch gemähtem Gras und Blumen. Zusätzlich wehte der Duft von Parfüm in ihre Nasen und die Abendkleider der Damen raschelten, die sich an die Arme der Männer einhakten und vor ihnen auf den Eingang zuliefen.
Auf dem Absatz der breiten Steintreppe empfing ein großer Mann die Gäste und als Robert ihn betrachtete schätzte er, dass sein Alter um die vierzig betrug.
„Hallo Chris alter Junge, ich freu’ mich, dass du gekommen bist!“
„Hey Jeff, altes Haus, ich möchte dir meinen Freund Robert Travennor vorstellen“, antwortete er, und deutete dabei neben sich.
„Herzlich willkommen, Robert.“
„Guten Abend Jeff, vielen Dank, dass ich Chris begleiten darf.“
Dieser Jeff überragte Robert noch um eine Handbreite. Seine breiten Schultern waren unübersehbar, und unter dem Jackett zeichneten sich muskulöse Oberarme ab. Wahrscheinlich regelmäßige Besuche im Fitness-Studio dachte Robert, und taxierte mit einem Anflug von Neid Jeffs durchtrainierte Figur. Das waren mindestens hundert Kilo Muskelmasse. Fester als sonst erwiderte er Jeffs Händedruck.
„Ich freu’ mich Sie kennen zu lernen, Robert.“
„Ganz meinerseits.“
„Also Jeff, was für Leute sind eigentlich zu deinem Abschiedsfest hier?“
„Aus den verschiedensten Branchen hab’ ich Geschäftspartner eingeladen, und darum möchte ich dir gleich jemanden vorstellen. Ein Freund von mir sucht jemanden der was von Investment versteht, und da dachte ich natürlich gleich an dich! Sie entschuldigen uns doch bitte, Robert?“
„Kein Problem, ich werd’ mir was zu trinken besorgen.“
Schon verschwanden die beiden in der Menschenmenge, und Robert bewegte sich auf die Bar zu. Im mit reichlichen Blumen geschmückten Saal staunte er über diese stilvollen alt-englischen Möbel, und diesen mächtigen Kronleuchter aus Kristallglas an der Decke. Der Barkeeper sah mit einladendem Blick zu ihm hinüber.
„Guten Abend, was darf ich Ihnen zu trinken anbieten?“, fragte er, und polierte dabei ein Glas auf Hochglanz.
„Was haben Sie denn anzubieten?“
„Ich würde den Champagner empfehlen, ein Dom Pérignon Vintage 2004 – ein exzellenter Jahrgang!“
Während Robert nickte trafen ununterbrochen noch weitere Gäste ein, aber er kannte niemanden von ihnen.
Am Champagner nippend sah er sich weiter um.
Überall im Raum standen Männer und Frauen in Grüppchen beieinander und plauderten, während im Hintergrund das Buffet für wachsende Aufmerksamkeit der geladenen Gäste sorgte.
Und dann sah er sie! Mitten im Saal stand sie, als sei sie von einem Raumschiff im Orbit in diesen Raum gebeamt worden. Bei ihrem Anblick verschluckte sich Robert am Champagner, und verschüttete den Rest über seinem Jackett. Ohne den Blick von ihr abzuwenden, tastete er nach einer Serviette und rieb damit hektisch an der Stelle, wo er den Fleck vermutete.
Sie war ein Traum!
Sein Traum!
Die Haare umflossen ihr Gesicht wie schwarze Maulbeerseide, und reichten bis zur Hüfte hinunter. Große Augen beherrschten das Gesicht. Und diese Figur ... beinahe hätte Robert anerkennend mit der Zunge geschnalzt. Wahrscheinlich wäre sie vom Fleck weg als einer der Victoria Secrets Engel engagiert worden, würde ein Vertreter dieses Unternehmens vor Ort sein!
Ihre Blicke trafen sich. Tief dunkelbraunfarbene Augen, die zu einem Schwarz tendierten, registrierte Robert.
Bei so einer Frau könnte er glatt den Verstand verlieren.
In der nächsten Sekunde lief sie los, während er in seinem leergefegten Hirn fieberhaft nach einem einigermaßen intelligenten Satz suchte, mit dem er sie ansprechen konnte.
Und ... Robert konnte sein Glück nicht fassen, schnurstracks lief sie genau in Richtung der Bar!
Auf ihn zu!
Daraufhin machte er eine einladende Handbewegung zum Hocker neben sich. Der Engel schwebte heran, und Robert stand auf. Hastig strich er das Jackett glatt und schluckte, um den Kloß im Hals los zu werden. Verkack's nicht. Versau’s nicht, hämmerte es ununterbrochen im Rhythmus seines rasenden Pulses in Roberts Kopf.
„Gu... guten Abend“, er atmete durch. Verdammt, im Alter von Mitte dreißig benahm er sich wie ein Pennäler beim ersten Date.
„Ich heiße Robert Travennor, und möchte Sie gerne zu einem Glas Champagner einladen, darf ich?“, ratterte er mit der Geschwindigkeit eines Acela Expresses auf freier Strecke herunter, als sie vor ihm stand.
Ihre Katzenaugen fixierten seinen Blick.
Der Goldton ihrer Haut, erkannte er nun, stammte nicht vom Make up. Überhaupt - so eine makellose Haut sah er noch niemals zuvor.
Oh mein Gott, ich mach’ mich zum kompletten Idioten.
Sein Mund fühlte sich staubtrocken an. Während er auf eine Reaktion ihrerseits wartete, wagte er kaum zu atmen und spürte dabei, wie der Schweiß an seinem Rücken hinunterperlte.
„Sie dürfen, Mr. Travennor.“
Dabei glitt sie auf den Barhocker neben ihm, und bei der Berührung ihrer Hände traf ihn ein elektrischer Schlag.
Ob sie das auch gespürt hat? Zweifellos haben ihre nahezu schwarzen Augen etwas Magisches an sich! Als sie ihn anlächelte, klopfte sein Herz bis zum Hals. Nicht mehr lange, und es würde ihm gleich aus der Brust springen. Hoffentlich hört sie mein wild gewordenes Herzschlagen nicht!
„Kennen Sie den Gastgeber persönlich?“, nahm sie das Gespräch auf.
„Nein, ich hab’ ihn erst heute kennen gelernt, aber mein Freund Chris kennt ihn gut.“
Meine Güte! Was rede ich hier nur für einen absoluten Blödsinn?
Unauffällig betrachtete er ihre gepflegten Hände. Dabei versuchte er einen Ring auszumachen, der auf einen Ehepartner an ihrer Seite schließen könnte. Doch außer einem ausgefallenen Diamantarmband trug sie keinen Schmuck.
„Haben Sie das Armband hier gekauft?“
„Nein, dieses Einzelstück hab’ ich aus Santa Elena in Venezuela“, berichtete sie, und blickte voller Stolz darauf.
„Es ist wirklich schön, sind Sie aus Venezuela, und leben Sie da?“
„Ja, das ist meine Heimat! Aber nur meine Eltern leben noch dort.“
In diesem Augenblick schossen ihr die wildesten Gedanken durch den Kopf, die sie überhaupt nicht kontrollieren konnte. Ein unheimlich attraktiver Mann, höchstens vierzig Jahre alt, und eine fesselnde Ausstrahlung! Außerdem eine schlanke Figur, bestimmt an die eins neunzig groß, und er hat so unfassbar weiche Hände! Und diese niedlichen grauen Schläfen erst in seinen kurzen Haaren…
Sind seine Haare eigentlich Mandelbraun?
Aber diese türkisblauen Augen, also, wenn er mich weiter so ansieht, dann kann ich für nichts mehr garantieren…
Du lieber Himmel, jetzt reiß’ dich aber gefälligst zusammen, nachher merkt er noch, wie sehr er mir gefällt! Ganz ruhig, lieber erstmal abwarten…
Ganz unerwartet wurden ihre Überlegungen durch einen lauten Knall unterbrochen. Gleich darauf hörten die beiden wie Gläser und Geschirr scheppernd auf dem Boden zerbrachen. Im ganzen Saal wurde es finster, bis alle Anwesenden die Stimme von Jeff Gibson hörten.
„Liebe Gäste, es gibt keinen Grund zur Beunruhigung! Vermutlich hat’s einen Kurzschluss in der Küche gegeben, ich versuche das Problem gleich zu lösen. Der Vorfall tut mir leid, ich bitte Sie alle vielmals um Entschuldigung!“
Es brach ein unverständliches Gemurmel aus, bis der Kronleuchter wieder erstrahlte. Sofort blickte Robert neben sich. Erschrocken sah sie aus, und die Schönheit erhob sich abrupt vom Barhocker.
„Es ist alles wieder in Ordnung, machen Sie sich keine Sorgen!“, versuchte er ihre Verängstigung zu nehmen.
„Bitte entschuldigen Sie mich, aber ich muss jetzt auf die Toilette.“
Gebannt schaute er ihr hinterher. So eine aufregende Figur hab’ ich noch nie bei einer Frau gesehen, und ich muss unbedingt fragen wie sie heißt! Ich bin so ein Trottel, warum hab’ ich diese Frage nicht schon längst gestellt?
„Die Frau hat Klasse! So eine trifft man nicht alle Tage!“, sagte der Barkeeper, und riss damit Robert aus den Gedanken.
„Damit haben Sie völlig Recht. Geben Sie mir bitte einen Whisky!“
„Gerne!“, meinte er, und servierte ihm einen Single Malt. Dabei wies er darauf hin, dass es sich um eine zwölf Jahre alte Flasche aus Schottland handelte. Als Robert ihn probierte, geriet er in schwärmerisches Träumen.
Wie gerne würde ich sie zu mir nach Hause einladen, und versuchen ihr bei einem Glas Wein näher zu kommen! Dazu könnte ich romantische Musik auflegen, und sie zum Tanzen auffordern! Danach vielleicht noch in die Sauna…
„Das Pudern der Nase dauert aber ganz schön lange!“, stellte der Barmann fest.
„Ach was, die Frauen brauchen eben für alles ein bisschen länger!“, erwiderte Robert flapsig, aber wurde gleichzeitig unruhig. Besorgte Fragen drängten sich ihm auf.
Hab’ ich sie etwa gelangweilt, und meine Traumfrau hat deswegen die Flucht vor mir ergriffen? Quatsch, sie hat bloß einen Bekannten getroffen, und sich verplappert.
Oder hat sie sich verlaufen – groß genug ist ja das Haus. Aber im Erdgeschoss?
Na ja, Frauen haben ja bekanntlich Probleme mit dem räumlichen Denken – besser ich schau’ nach ihr. Aber vielleicht empfindet sie das zu aufdringlich? Ach was, wenn ich sie treffe, wird sie mir gleich eine passende Erklärung dafür geben. Damit entschloss sich Robert nach ihr zu suchen, und lief aus dem Saal. Unmittelbar darauf traf er im angrenzenden Gang auf Chris und Jeff, und sie wollten ihn in ein Gespräch verwickeln.
„Ich hab’ jetzt keine Zeit zum Plaudern!“, fuhr er die beiden unhöflich an, und ließ sie wie zwei dumme Schuljungen einfach stehen.
„Es tut mir leid, ich hab’ keine Ahnung was er hat! Ich muss ihn fragen!“, sagte Chris verstört, und lief seinem Freund hinterher. Mit zügigen Schritten holte er ihn nach ein paar Metern ein, und stellte Robert zur Rede.
„Hey, was ist denn mit dir los?“
„Du glaubst nicht was mir passiert ist, ich hab’ meine absolute Traumfrau gefunden! Sie wollte nur kurz auf die Toilette, aber sie kommt nicht wieder! Ich will sie doch nicht verpassen, Mann!“
„Bist du bescheuert? Du suchst seit zehn Jahren deine Traumfrau und langweilst sie so dermaßen, dass du sie in die Flucht schlägst! Das bringst auch nur du fertig!“
„Halt die Klappe, und hilf mir lieber sie zu finden!“
„Wie sieht sie denn aus?“
„Also, sie hat eine perfekte Figur, und ihr Mund – wenn du den siehst, willst du ihn nur noch küssen und niemals aufhören! Und ihre Augen – mein Gott einfach traumhaft, und in ihren sanften Augen versinkst du! Ach, sie ist der komplette Wahnsinn!“
„Okay, schon klar, was hat sie an?“
„Ein kirschrotes Kostüm, und es steht ihr hervorragend! Da flippst du völlig aus!“
„Ja, ja, ich hab’ schon verstanden! Los komm’ jetzt, sonst finden wir sie wirklich nicht mehr wieder!“
Im nächsten Raum befragten sie die Gäste, und beschrieben ihnen wie die gesuchte Frau aussah. Jedoch bekamen die beiden bloß ein unwissendes Achselzucken zur Antwort, und deswegen fragten sie im ganzen Erdgeschoss nach ihr.
„Das gibt’s doch gar nicht, niemand kennt sie! Dann schau’ ich eben jetzt auf der Damentoilette nach!“
„Du kannst doch nicht einfach…“, versuchte Chris ihn noch davon abzuhalten, aber Robert schoss bereits durch die Tür. Vor dem Spiegel schminkten sich zwei Frauen, und sie musterten ihn mit überaus abschätzenden Blicken.
„Hier ist aber nicht die Herrentoilette!“, wies ihn die Rothaarige scharf zurecht.
Schnell blickte er sich nach der Schönheit um, und bevor die Damen ihn womöglich gleich als Spanner titulierten, ging er wieder hinaus.
„Und?“
„Nichts, sie ist wie vom Erdboden verschluckt!“
Niedergeschmettert ließ sich Robert in einen Polstersessel fallen. Vor lauter Aufregung weiß ich nicht mal ihren Namen. Warum sie ihn mir nicht verraten hat, ist mir ein Rätsel. Da lern’ ich eine atemberaubende Frau kennen, und frag’ nicht danach! Unfassbar, wie saublöd ich mich angestellt hab’!
In diesem Moment beendete Jeff gerade ein Gespräch, und kam jetzt auf sie zu.
„Na, amüsiert ihr euch?“
„Kennen Sie die Frau mit den langen, schwarzen Haaren im kirschroten Kostüm, und einer sagenhaften Figur?“, sprudelte es aus Robert wie bei einem Wasserfall.
„Nein, so eine Dame hab’ ich nicht gesehen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich sie eingeladen hätte!“
„Vielleicht haben die Kellner sie ja gesehen!“, fiel Chris ein.
Jeden einzelnen Mitarbeiter vom Catering-Service befragten die drei Männer, aber auch diese Unternehmung blieb erfolglos.
„Es tut mir leid Jeff, nehmen Sie’s mir bitte nicht übel, aber die Feierlaune ist mir gründlich vergangen! Können wir gehen, Chris?“
„Ja natürlich. Vielen Dank für das schöne Fest bei dir aber ich glaub’, ich muss ihn jetzt wieder aufbauen!“
„Nichts zu danken, und das kann ich verstehen. Schade, dass wir Ihre unbekannte Schönheit nicht wieder finden konnten!“
Dafür hatte Robert nur ein gequältes Lächeln übrig, und wirkte dabei auf sie völlig deprimiert sowie niedergeschlagen.
Anschließend verabschiedeten sie sich, und der Gastgeber bestellte ihnen ein Taxi vor die Einfahrt auf das Grundstück. Auf der Fahrt herrschte zunächst Stille und Chris überlegte, womit er seinen Freund aufmuntern konnte.
„Ich helf’ dir sie zu finden, das versprech’ ich dir!“, ergriff er das Wort.
„Und wie willst du das anstellen?“
„Worüber hast du denn mit ihr gesprochen?“
„Na ja, leider nicht so viel. Außer, dass sie mir von ihren Eltern und Santa Elena in Venezuela erzählt hat!“
„Na bitte! Flieg’ doch einfach hin, und such’ dort nach ihr!“
„Eine großartige Idee! Aber ich muss geschäftlich nach Dubai, und weiß nicht ob ich das zeitlich hinkrieg’!“
„Stell’ dich nicht so an! Dann wickelst du eben diesmal den Verkauf etwas schneller ab, und setzt dich gleich danach in den Flieger!“ Gleichzeitig holte er sein Smartphone aus dem Jackett. „Schau her, Santa Elena liegt an den Grenzen zu Brasilien und Guyana, und ist im Bundesstaat Bolivar. Oder soll ich etwa mitkommen, und dir das Händchen halten?“
Daraufhin sah Robert seinen Freund strafend an.
„Halt’ die Luft an, ich check’ gleich morgen früh die Flugverbindungen, aber jetzt bin ich zu müde dazu!“
„Ich fasse es nicht, er hat’s begriffen!“
Diese unterschwellige Ironie blieb Robert nicht verborgen, aber er verzichtete darauf etwas zu erwidern. Das gehörte einfach zu den Eigenschaften von Chris dazu, und nahm ihm seine bissigen Bemerkungen nie übel.
Der Wagen hielt vor Roberts Haus, und die Freunde verabschiedeten sich.
Im Schlafzimmer setzte er sich auf das Bett, und sein Traum von einer Frau ging ihm überhaupt nicht mehr aus dem Kopf.
Aber jetzt muss ich probieren abzuschalten, damit ich morgen früh ausgeruht im Internet nachsehen kann. Diesen Plan fasste er ganz fest ins Auge, und nach langem Hin- und Herwälzen schlief er endlich ein.
Schon im Morgengrauen setzte er sich an den Schreibtisch, und stellte die dampfende Kaffeetasse neben den Monitor. Zunächst studierte er die Flugpläne der unterschiedlichen Airlines, und wurde rasch fündig. Nachdem er zwei Flüge buchte, stand es fest. Nur eine Stunde blieb ihm Zeit um sich mit den Interessenten in Dubai zu einigen, damit er danach nicht die Maschine nach Südamerika verpasste.
Anschließend klickte er die Webseite von Santa Elena an. Sämtliche Informationen über diese Stadt, und auch wenn sie noch so unbedeutend waren, sog er auf wie ein trockener Schwamm das Wasser.
Damit beendete Robert seine Planungen, jetzt musste er die traumhafte Schönheit nur noch wieder finden.
Was wird mich in dieser Stadt bei meinem Abenteuer erwarten? Werde ich ihre Eltern treffen können? Reden sie überhaupt mit mir und verraten mir, wo ich ihre Tochter antreffen kann?
Auf diese brennenden Fragen gab es natürlich noch keine Antworten, und er besuchte daraufhin kurz entschlossen die Sonntagsmesse. Kann ja nicht schaden.
Als er zurückkehrte packte er seine Sachen zusammen, die er für die nächsten Tage brauchen würde. Der ersehnte Montag konnte nicht schnell genug für Robert kommen.
Auf der Fahrt zum Flughafen im Taxi dachte er fieberhaft nach und sah, dass am Innenspiegel eine Madonna an einem Kreuz baumelte. Vielleicht ist der Taxifahrer ja ein Spanier, oder Venezolaner? Soll ich ihn darauf ansprechen, vielleicht kann er mir ja einen wertvollen Tipp geben? , überlegte Robert. Aber auf der anderen Seite sah dieser Mann für einen südländischen Typ viel zu blass aus. Da stoppte das Taxi auch schon am Flughafen, und ließ ihm keine Zeit mehr noch länger darüber nachzudenken.
Nun begab sich Robert durch die Halle zu einem Check-in-Schalter, gab das Gepäck bei einer freundlichen Dame auf, und ging mit dem Handgepäck in die Wartehalle. An einem Stand trank er zuerst noch einen Kaffee, und auf dem Rückweg kaufte er sich ein paar aktuelle Tageszeitungen. Schließlich wurde sein Flug aufgerufen, und er reihte sich in die Schlange der Business-Class ein. Auf dem Sitz bot sich ihm genügend Platz, um mit der nötigen Ruhe am Laptop arbeiten zu können. Deswegen buchte er ausschließlich diese Beförderungsklasse. Am liebsten saß er am Fenster dann musste er nicht aufstehen, wenn ein anderer Fluggast zur Toilette wollte. So war es auch heute.
Nach dem Start der Maschine bereitete er sein nächstes Projekt vor. Die Arbeit ging ihm wesentlich leichter als sonst von der Hand, und er fragte sich woran das liegen könnte. Darauf gab es für ihn nur eine ganz eindeutige und logische Erklärung: Sie!
Das Flugzeug landete planmäßig in Dubai, und er checkte im Hotel ein. Mit vielen Gedanken über seine Situation schlief er ein.
Am nächsten Morgen traf er sich wie verabredet mit den Geschäftspartnern, und er wickelte das Geschäft routiniert ab. Soeben verkaufte er ein weiteres Hotel, und Josh Michaels dürfte erneut zufrieden mit ihm sein.
Jetzt trieb ihn nur noch ein Gedanke an, und dies war sein Ziel Santa Elena in Venezuela! Würde er sie dort finden? Kannte sie jemand, und könnte er mit dieser Person Kontakt aufnehmen? Würde jemandem dieses außergewöhnliche Diamantarmband bekannt sein? Könnte er mit ihren Eltern in Kontakt treten? Das waren so viele Fragen auf einmal, aber er hoffte wenigstens ein paar Antworten zu bekommen.
Auf schnellstem Weg ging er zurück ins Hotel, um die Daten des verkauften Objekts nach New York zu übermitteln. Damit erledigte er seine Aufgabe. Seinen nächsten Auftrag würde er etwa in vier bis fünf Tagen erhalten, und somit blieb ihm genügend Zeit. Einige Eckdaten dafür kannte er schon, und mit der Auswertung wollte er sich dann auf dem Flug befassen.
Als er am nächsten Tag im Flugzeug in der Business-Class saß, bearbeitete er das nächste Projekt. Mit einem enormen Tempo arbeitete Robert am Laptop, um sich mehr Zeit für seine Nachforschungen zu verschaffen. Auch für etwas Schlaf reichte es noch für ihn, und er erreichte endlich Santa Elena. Die Temperatur ging hier nie unter siebenundzwanzig Grad Celsius, und das spürte er auch sogleich. Die Luftfeuchtigkeit war dementsprechend hoch, und die Kleidung klebte sich innerhalb Sekunden wie eine zweite Hautschicht an seinen Körper. Für seinen Aufenthalt wählte Robert ein Hotel am Stadtrand, und er ließ sich an der Rezeption alle Adressen der ansässigen Juweliere geben. Da lag also eine Menge Nachforschungsarbeit vor ihm. Damit wollte er gleich am nächsten Tag beginnen, aber jetzt beschloss er erst einmal zu essen und danach eine heiße Dusche zu nehmen. Außerdem wollte er ausgeschlafen und fit sein, denn die Arbeit und der Flug hinterließen durchaus ihre Spuren. Mit vielen Gedanken im Kopf, was die nächsten Tage wohl so bringen würden, schlief er ein.
Die Liste mit den jeweils besten Verbindungen zu den verschiedenen Läden lag am Morgen neben ihm auf dem Tisch. Zuerst las er sie sich noch einmal durch.
Hoffentlich kann sich jemand an sie erinnern! , dachte Robert mit seinem Smartphone in der Hand. Das Diamantarmband ist doch so einmalig, da muss ich doch Glück haben, überlegte er auf dem Weg zur ersten Adresse.
Durch das Schaufenster sah er einen kräftigen, bulligen südamerikanischen Mann mit halboffenem Hemd, und pechschwarzen Haaren. Mit einer etwas protzigen Goldkette um den Hals begrüßte er den möglichen Kunden an einer gläsernen Theke, in deren Auslage einige Schmuckstücke auf einem roten Tuch lagen. Mit dem Händler unterhielt er sich perfekt auf Spanisch, die Sprache beherrschte Robert schon lange. Der Juwelier hörte ihm aufmerksam zu, doch an das Diamantarmband, oder ihre Besitzerin, erinnerte er sich nicht. Danach bedankte sich Robert für die Auskünfte, und fuhr zum nächsten Geschäft.
Eine unerträgliche Hitze lag über dieser Stadt, und deshalb trank er bereits zwei Flaschen Wasser. Nun schaute er auf die Uhr: Erst zehn Uhr Ortszeit! Diese hohe Temperatur machte ihm zu schaffen, aber er wollte sich auf keinen Fall von seinem Vorhaben abbringen lassen.
Im zweiten Geschäft begrüßte ihn eine elegante Dame, die der Gesuchten durchaus ähnlich sah. Hat sie vielleicht Geschwister? Dass ich noch nicht auf diese Idee gekommen bin! , dachte er augenblicklich.
Jetzt stellte Robert der Besitzerin seine Fragen, aber auch hier kam er keinen entscheidenden Schritt weiter. Danach fragte er noch ob sie Geschwister hätte, aber das verneinte sie überrascht.
Warum will er das überhaupt wissen? , dachte die Dame irritiert, und blickte ihn bloß verständnislos an.
Als er das Geschäft verließ, sah er über der Eingangstüre die gleiche Madonna wie auf seiner Taxifahrt zum Flughafen. Wieder ärgerte Robert über sich selbst, hätte er doch bloß den Taxifahrer danach gefragt! Egal, das ging ja nun nicht mehr rückgängig zu machen, beschloss aber sofort nicht mehr solche Fehler zu machen. Augenblicklich drehte er sich um, aber er sah niemand mehr dem er eine Frage darüber stellen konnte. Auch auf sein lautes Rufen in den Laden hinein kam die Inhaberin nicht wieder zurück.
Auf zum dritten Geschäft. Doch auch hier blieb ihm ein Erfolg verwehrt. Erneut schaute er auf die Uhr: Vierzehn Uhr und zwanzig Minuten, die Zeit verging rasend!
Zu guter Letzt nahm sich Robert vor noch ein Geschäft der Liste anzufahren, und anschließend zum Hotel zurückzukehren. Auch bei der vierten Adresse konnte sich niemand an die unbekannte Schönheit, oder das auffällige Diamantarmband erinnern.
Enttäuscht fuhr er ins Hotel zurück. Im Zimmer setzte er sich an den Tisch, und hakte die vier Geschäfte auf seiner Liste ab. Allerdings verblieben ja noch acht Möglichkeiten, und dieser Umstand tröstete ihn ein wenig.
Oder habe ich hier kein Glück? Muss ich vielleicht ganz woanders suchen? Aber zumindest erwähnte sie, das Diamantarmband hier erworben zu haben. Warum kann sich denn dann keiner erinnern? Es ist ein einzigartiges Schmuckstück, da muss sich doch irgendjemand erinnern können! Die Juwelierhändler kennen doch alle untereinander ihre jeweiligen Kollektionen! , überlegte er krampfhaft.
Es klang südamerikanische Musik aus dem Radio, und die Melodie ließ Robert entspannen. Verträumt hörte er der Musik zu, und ließ seinen Gedanken freien Lauf:
Wie schön wäre es doch jetzt diesen Moment mit ihr zusammen zu erleben! Oder sie zu einem Tanz aufzufordern, und den Versuch dabei zu unternehmen ihr vorsichtig näher zu kommen. Dieser eine, kurze Augenblick ihres zufälligen Zusammentreffens auf dem Fest reichte, um sie unwiederbringlich in sein Herz einzubrennen.
Ein Rum aus Venezuela stand auf dem Tisch, und er genehmigte sich ein Glas. Wirklich ausgezeichnet schmeckte er, doch der Alkoholgehalt darin war nicht zu unterschätzen. Mit mächtigen Kopfschmerzen wollte er morgen nicht seine Nachforschungen fortsetzen. Irgendwann ging er, wieder mit vielen Gedanken im Kopf, ins Bett.
Nachdem er sich am nächsten Morgen anzog, überprüfte Robert sein Befinden. Sein Kopf fühlte sich absolut klar an, offenbar trank er nicht zuviel Rum. Zum Glück!
Am gestrigen Abend versetzte es ihn in eine Stimmungslage ein paar Gläser zuviel zu trinken, aber sein Verstand siegte.
Mit neuer Hoffnung packte er seine Sachen für den vor ihm liegenden Tag zusammen, und fuhr zur fünften Adresse. Ein vollbärtiger Südamerikaner stand vor einem leeren Geschäft. Etwas misstrauisch schaute er den Fremden an, aber trotzdem sprach Robert ihn an. Mit einem etwas mulmigen Gefühl stellte er seine üblichen Fragen, aber ohne Ergebnis.
Bei allen anderen Schmuckhändlern erhielt er auch keine Informationen, es verblieb nur noch eine einzige Möglichkeit. Alle seine Hoffnungen setzte er darauf, hier musste er doch endlich Glück haben und etwas erfahren! Aber auch das entpuppte sich als reine Sackgasse! Nichts, einfach überhaupt nichts, er tappte vollkommen im Dunkeln!
Auf ganzer Linie verspürte Robert eine pure Enttäuschung.
Auf der Rückfahrt ins Hotel rasten viele Fahrzeuge der Policia Nacional in hoher Geschwindigkeit an ihm vorbei. Es sah nach einem großen Polizeieinsatz aus.
Jetzt wollte Robert so schnell wie möglich zum Hotel, nicht dass er hier noch irgendwelche Schwierigkeiten bekommen würde. Die politische Lage in Venezuela zeigte sich schon seit längerer Zeit angespannt, da konnte es auch ganz schnell einen Unschuldigen treffen. Wenn hier jemand verhaftet wurde begann ein langer, und schwieriger Kampf gegen die Behörden, um wieder auf freien Fuß zu kommen. Bevor die Lage zu unsicher wurde, wollte er umgehend das Land verlassen. Leider erreichte er hier sowieso nichts, es gab also keinen Grund mehr sich noch länger hier aufzuhalten. Auf schnellstem Weg steuerte er sein Hotel an, und checkte aus.
Danach fuhr er direkt zum Flughafen. Auf der Strecke dahin blieb alles ruhig, aber das hätte sich auch schlagartig ändern können. In der Flughafenwartehalle sah Robert im Fernsehen, was in Santa Elena passierte. Die Polizei verhaftete vierundfünfzig Personen, die illegal in diesem Gebiet nach Gold suchten. Das beabsichtigte er ja nicht zum Zweck seines Aufenthalts. Aber allein die Tatsache dass es sich bei ihm um einen Ausländer handelte, hätte zweifellos für seine Verhaftung gesorgt. Das war knapp, das hätte aber auch schief gehen können, dachte Robert erleichtert, als er seinen Heimflug antrat.
Endlich wieder zu Hause. Doch seine Unternehmungen erzeugten nur ein niederschmetterndes Ergebnis, und er spürte eine grenzenlose Enttäuschung.
In diesem Augenblick konnte er bloß über sich selbst den Kopf schütteln, und empfand gleichzeitig sein ganzes Vorhaben in Venezuela als reinste Schnapsidee.
Schließlich nahm er eine ausgedehnte Dusche, und zog sich bequeme Sachen an.
Keine Nachrichten auf dem Anrufbeantworter.
Am Schreibtisch sortierte er seine Post. Die Tageszeitungen legte er zur Seite, und die Rechnungen und Kreditkartenabrechnungen prüfte er bei dieser Gelegenheit auf seine Richtigkeit. Die Kontoauszüge heftete er in einem Aktenordner ab, und die unzähligen Werbeflyer wanderten schnurstracks in den Papierkorb. Jedoch fiel ihm zwischen den ganzen Werbeprospekten ein weißer Umschlag, nur mit seinem Namen in Blockbuchstaben auf der Vorderseite, in die Hände. Neugierig öffnete er den Umschlag, auf dem kein Absender stand. Dann las er:
Hallo Mr. Travennor, es war ein schöner, wenn auch kurzer Abend mit Ihnen. Leider musste ich das Fest überstürzt verlassen, ich geriet in eine Notlage. Gerne erkläre ich Ihnen das noch genauer bei unserem Wiedersehen. Auch jetzt stehe ich leider unter Zeitdruck, und deswegen kann ich Ihnen nur ein paar Zeilen schreiben. Können wir uns am 24. am Vormittag im Mount Nelson Hotel in Kapstadt, Südafrika treffen? Ich würde mich wirklich freuen, wenn Sie es einrichten könnten. Herzliche Grüße von Mayra
Fast kippte Robert aus lauter Freude und Begeisterung vom Stuhl herunter! Deswegen musste er sich blitzschnell an der Kante des Schreibtisches festhalten, damit er nicht nach hinten fiel. Eine Nachricht bekam er von ihr, und diese geheimnisvolle Frau hieß also Mayra! Spontan stand er auf, drehte die Musik im Radio ganz laut auf, und tanzte ausgelassen im gesamten Wohnzimmer umher.
„Eine Nachricht von ihr, endlich eine Nachricht!“, jubelte er laut.
Sofort las er ihre Nachricht noch einmal. Nachdem er diese großartige Nachricht fünfmal hintereinander durchlas, dachte er nach. Schaffe ich das zeitlich mit meinem nächsten Auftrag, und kann ich Mayra am vierundzwanzigsten in Kapstadt wieder sehen? Das muss klappen!
Zunächst überlegte er sich, wer ihr denn seine Adresse zugesteckt haben könnte. Jedoch auf den ersten Blick konnte er keinen Verdacht auf eine Person erhärten. Außerdem interessierte Robert es brennend, wohin er als nächstes reisen musste.
Aufgeregt rief er Josh Michaels an, und sein nächstes Reiseziel lag in Kenia. Volltreffer! Es würde auf jeden Fall funktionieren Mayra wieder zu sehen! Vieles bereitete er ja schon dafür vor, es fehlten nur noch ein paar kleine Details. Das dauerte höchstens dreißig Minuten, und das Projekt Kenia wäre fertig. Die letzten Details für die Vorbereitungen der Appartement-Anlage erhielt er jetzt in einer E-Mail, die er sich sofort durchlas. Also ein Kinderspiel.
Augenblicklich musste er Chris anrufen, und ihm diese Neuigkeiten berichten. Geduldig hörte sich Chris das kleine Abenteuer seines Freundes in Santa Elena an.
„Na also, sie hat dir geschrieben, und bittet dich um ein Treffen. Besser kann’s doch gar nicht für dich laufen!“, meinte sein Freund.
„Ja, natürlich, und ich freu’ mich wahnsinnig! Wie geht’s denn Mary, ist sie wieder zurück von ihrer Schwester?“
„Danke, es geht ihr gut, sie ist wieder da. Wann fliegst du nach Kenia?“
„In fünf Tagen geht’s los, aber vorher besuche ich Christina und die Kinder.“
„Ah, verstehe, dann wünsch’ ich dir viel Spaß, und es gilt das Gleiche wie beim letzten Mal, wenn…“
„Ja, ja“, unterbrach Robert ihn leicht genervt, „ich weiß schon, wenn ich in Schwierigkeiten komme, ruf’ ich dich gleich an.“
„Dann ist das ja geklärt, ich wollte nur sicher sein.“
Danach sprachen sie noch über ein paar Sportergebnisse, und die jüngsten politischen Ereignisse, bis sie sich voneinander verabschiedeten.
Nun meldete sich Robert mit einem kurzen Anruf bei seiner Schwester an, und versprach ihr am nächsten Tag um die Mittagszeit da zu sein. Anschließend packte er seine Sachen für Kenia und Südafrika zusammen, und verstaute das Gepäck sogleich im Wagen. Somit konnte er morgen Vormittag ausgeschlafen und ohne Hektik zu seinen Verwandten fahren. Auch sein Flugticket buchte er bereits, und voller Vorfreude auf das Wiedersehen mit Mayra schlief er ein.
Vier wunderbare Tage verbrachte Robert bei Christina und ihren Kindern, sie unternahmen viel zusammen. Die Kinder hatten großen Spaß bei ihren Ausflügen in den Zoo, und am nächsten Tag auf dem Rummelplatz. Endlich nahm er sich wieder die Zeit sie zu besuchen, und diese Racker wollten ihn am liebsten überhaupt nicht mehr loslassen. Zusätzlich tankte er dabei so richtig Kraft auf, obwohl die Kleinen manchmal zu wahrhaftigen Nervensägen mutierten. Doch er liebte sie über alles, und verbrachte gerne mit ihnen Zeit.
Das Lieblingsspiel der Kinder war im Augenblick das Gesellschaftsspiel Mensch ärgere dich nicht, und sie forderten ihren Onkel jeden Tag heraus. Natürlich ließen die beiden ihm nicht den Hauch einer Chance und freuten sich diebisch unter lautem Gejohle, wenn sie seine Spielfigur regelmäßig vom Brett hinauswarfen. Selbst wenn seine Figur ganz kurz vor dem rettenden Ziel stand gelang es einer der beiden, sie gnadenlos auf den Anfang zurück zu stellen.
Erst wenn Jessy und Sandy abends todmüde und erschöpft ins Bett fielen, konnte er mit seiner Schwester ein Gespräch in aller Ruhe führen.
Am letzten Tag musste er sich unbedingt ihre Lieblingsfilme auf DVD ansehen. Begeistert überschlugen sich die Kinder dabei schon vorher ihm zu erzählen, was gleich als nächstes passierte. Jeder versuchte den anderen zu übertreffen, und sie schnitten sich gegenseitig das Wort ab.
Ein paar Mal ertappte er sich selbst, als er ans Wiedersehen mit Mayra dachte. Wie es wohl sein würde? Aber er wollte es einfach nur auf sich zukommen lassen. Jedoch sagte sich das für ihn so leicht, es könnte auch ganz anders kommen.
Vielleicht gab es ja für sie einen ganz anderen Grund ihn wieder zu sehen. Doch sie faszinierte ihn unglaublich, und seine Gedanken kreisten wie von ganz allein um Mayra.
Schließlich war es so weit, er verabschiedete sich von seiner Schwester und den Kindern. Dabei vergaßen sie nicht ihm das Versprechen abzunehmen, sie möglichst bald wieder zu besuchen.
Als er im Flugzeug nach Kenia saß, traf er die letzten Vorbereitungen für die Verkaufsunterlagen der Appartement-Anlage. Dafür fügte er Fotos ins Exposé ein, und tippte am Laptop die letzten Beschreibungen für die Details der Anlage ein. Nach seiner Ankunft in Nairobi checkte er im Hotel ein, und verbrachte eine ruhige Nacht.
Hoffnungsvoll gestimmt startete Robert in diesen Tag. Gleich nach dem Frühstück brachte ihn ein Taxi zu der kürzlich fertig gestellten Appartement-Anlage.
Am Musterappartement ließ er sich absetzen, denn er vereinbarte am Telefon mit seinen Interessenten sich dort zu treffen. Ganz schön aufgeregt fühlte sich Robert schon, da seine Verabredung mit Mayra in Südafrika immer näher rückte. Dann schloss er das Appartement auf, und breitete seine Unterlagen für den Verkauf auf einem Tisch aus.
Auf einmal spürte Robert ein dringendes Bedürfnis, und er ging in den ersten Stock auf die Toilette. Im Flur hängte er seine Aktenmappe an einen Stuhl, die er völlig gedankenlos einfach mit nach oben nahm. Als er vom Klosett wieder herauskam, hörte er die Stimmen der eintreffenden Geschäftspartner im Garten. Sofort ging Robert die Stufen hinunter, um seine Kunden an der Tür zu begrüßen.
Das anschließende Verkaufsgespräch entwickelte sich in eine positive Richtung, und er verkaufte die Appartement-Anlage zu den vereinbarten Konditionen. Danach verabschiedete er seine Klienten, und packte seine Unterlagen wieder zusammen.
Als er alles verstaute bemerkte Robert, dass seine Aktenmappe noch fehlte. Da fiel ihm ein, dass er die Mappe ja vorhin unnötigerweise oben an einen Stuhl gehängt hatte. Daraufhin ging er hoch, um sie zu holen. Anschließend wollte Robert die Treppe wieder heruntergehen, aber er rutschte auf der ersten Stufe aus. Sofort ruderte er mit beiden Armen um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, und damit irgendwie den drohenden Sturz zu verhindern. Jedoch stürzte er auf seinem Bauch die Stufen hinunter, und kam mit einem dumpfen Schlag am Fuß der Treppe auf. Innerhalb von Sekunden spürte er einen scharfen, stechenden Schmerz im rechten Bein. Augenblicklich schrie er laut auf.
Gleich darauf stellte Robert fest, dass er sich keinen Millimeter mehr bewegen konnte. Jetzt brauchte er dringend Hilfe, und suchte hektisch in seinem Smartphone die Telefonnummer für einen Notarzt. Mit äußerst zittrigem Finger tippte er die Nummer auf der Tastatur ein, und beschrieb was sich ereignet hatte.
Nach etwa einer halben Stunde, die Robert wie eine gefühlte Ewigkeit vorkam, traf der Doktor endlich ein. Zum Glück reichte seine Hand gerade noch bis an den Knopf der Sprechanlage heran, um ihm die Tür zu öffnen. Doch dieser Kraftakt wurde mit enormen Schmerzen in seinem Bein bestraft, worauf er erneut laut aufschrie. Unverändert lag er am Fuß der Treppe, und hielt sich mit Schmerzverzerrtem Gesicht das Bein. Inzwischen schwoll es kräftig an, und für sein Gefühl wurde es immer dicker. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn, und es fühlte sich für ihn an als ob er glühen würde. Der Notarzt sprach beruhigend auf ihn ein, und gab ihm eine Spritze in den Arm. Völlig durcheinander bat Robert die Rettungssanitäter darum alle seine Sachen mitzunehmen, bevor sie ihn vorsichtig auf einer Bahre in den Krankenwagen hinein schoben. Seine Schmerzen wurden immer stärker. Der Mediziner verabreichte ihm eine zweite Spritze, worauf Robert nach wenigen Sekunden schwarz vor Augen wurde. Kleine Sternchen flogen in seinem ganzen Kopf wie wild umher, und kurz darauf verlor er das Bewusstsein.
Als Robert schließlich wieder aufwachte, sah er sich nach allen Seiten irritiert um. Ein strahlend sauberes Zimmer mit weißen Wänden, und er lag in einem Bett. Auf der Stelle schossen ihm zutiefst beängstigende Gedanken in den Kopf. War er womöglich bereits im Himmel, und er bekam davon überhaupt nichts mit? Würden jetzt gleich irgendwelche blond gelockten Engelswesen auf ihn zuschweben, um ihm mitzuteilen wo er nun gelandet war?
Jedoch ganz untypisch für den Himmel stand neben ihm ein Gestell mit einem Tropf, aus dem irgendeine durchsichtige Flüssigkeit durch einen dünnen Schlauch in seinen Arm lief. Das rechte Bein schmerzte nicht mehr, aber dafür steckte es in einem Gips. Alle seine Sachen lagen fein säuberlich auf einem Stuhl neben dem Bett. Der Kreislauf, sowie seine Herzfunktion, wurden mit elektronischen Geräten überwacht. Auf dem kleinen Rolltisch daneben entdeckte er eine Flasche Wasser, denn jetzt fühlte sich sein ganzer Mund wie ausgetrocknet an. Sogleich schenkte er sich ein Glas ein, und stürzte es hastig hinunter. Ein weißes Hemd ohne Knöpfe trug er, und es roch wie frisch aus der Reinigung.
Auf Höhe der Brust bemerkte er eine Aufschrift, die er sich mit den Fingern vor die Augen drehte um sie lesen zu können. Aga Khan University Hospital, las er zu seiner Verblüffung. Damit wusste er zumindest, dass er offensichtlich in einem Krankenhaus lag. Der Notarzt brachte ihn zweifellos hierher. Aber was passierte davor?
Irgendwie wollte sich kein vollständiges Bild des ganzen Geschehens zusammensetzen lassen, aber er musste es einfach wissen. Nein, er verlangte es zu erfahren. In diesem Moment fingen seine Gedanken an wie verrückt zu rasen:
Jetzt kann ich Mayra doch nicht wieder sehen, aber wie kann ich sie eigentlich erreichen? Ich muss unbedingt Chris verständigen, ich hab’ es ihm versprochen! Wo bin ich eigentlich genau, und wie viel Uhr ist es? Wie lange bin ich schon hier? Ich muss sofort dringend telefonieren, damit ich Mr. Michaels verständigen kann!
Darauf brauchte Robert unverzüglich Antworten, und er drückte den weißen Schwesternknopf am Bett. Endlose Minuten verstrichen, und nichts passierte. Erneut drückte er den Knopf, diesmal etwas energischer. Dadurch bildete Robert sich ein, jetzt würde schneller jemand kommen und nach ihm sehen.
Eine etwas rundliche, und einen mütterlichen Eindruck machende Negerin in Schwesternkleidung betrat das Krankenzimmer. Das Alter dieser Frau schätzte er auf Mitte fünfzig, und in ihren schwarz gelockten Haaren bildeten sich bereits erste graue Stellen. An einer silbernen Kette befestigt hing ihr eine Brille um den Hals, die zu ihren Ohrringen passten. Wenige Falten bemerkte er in ihrem Gesicht, und sie war kaum größer als einen Meter fünfzig.
Ihre komplette Erscheinung wirkte herrisch, und zugleich bestimmend. Die Aura einer Person des Respekts in ihrer unheimlich aufopferungsvollen Arbeit, verbunden mit vollkommener Loyalität, schwebte durch den Raum.
„Hallo, Mr. Travennor, jetzt Sie sind ja endlich aufgewacht, wie geht’s Ihnen?“, fragte sie ohne ihn direkt anzusehen.
„Guten Tag Schwester, danke so einigermaßen. Wo bin ich eigentlich hier, wissen Sie wie viel Uhr es ist, und kann ich bitte telefonieren?“, fragte er ganz aufgeregt.
„Herzlich willkommen im Aga Khan University Hospital in Nairobi. Es ist jetzt einundzwanzig Uhr zwölf.“
Gleichzeitig baute sie sich größer als sie in der Realität war vor seinem Bett auf, und nahm eine autoritäre Haltung ein.
„Jetzt passen Sie genau auf Mr. Travennor, das erzähle ich Ihnen bloß ein einziges Mal! Ihr rechtes Bein ist gebrochen, und dadurch haben Sie einen totalen Kreislaufzusammenbruch erlitten, der durch starke Schmerzen ausgelöst wurde!“ Während sie sprach konnte er ihren Namen lesen, der mit einem angenähten Schild an der Brust hing, und dieser lautete Schwester Mampezi. Einen ziemlich energischen Eindruck machte sie, und deswegen traute er sich nicht sie zu unterbrechen. Allerdings empfand er ihre Information über seinen Beinbruch für äußerst überflüssig, schließlich litt er ja nicht unter Sehstörungen. Jedoch setzte sie ihren Vortrag eindringlich fort, und ließ sich von überhaupt nichts beeindrucken.
„Unser Unfallarzt hat Ihr Bein untersucht und eingegipst, es ist Gott sei Dank kein komplizierter Bruch! Da Sie aber immer noch geschwächt waren, mussten wir Ihnen ein Kreislaufmittel verabreichen, das gerade in Ihren Arm läuft. Das Telefonieren kann ich Ihnen gerade noch erlauben, aber ansonsten gilt für Sie absolute Bettruhe! Haben Sie das verstanden?“
„Äh, das hab’ ich verstanden, Schwester Mampezi“, brachte er nur kleinlaut hervor.
„Dann ist’s ja gut, ich bin für Sie verantwortlich Mr. Travennor, und Sie liegen auf meiner Station! Ich möchte keinen Ärger mit dem Oberarzt wegen Ihnen bekommen, verstehen Sie das?“
Diese Worte klangen wie Donnerhall in seinen Ohren und er wartete bloß noch darauf, dass gleich sämtliche Schwestern von der Station zur Tür hereinkommen würden um vor ihr stramm zu stehen und salutieren mussten.
„Selbstverständlich, das brauchen Sie nicht zu befürchten, ich werde mich genau an Ihre Anweisungen halten“, sprach er vorsichtig.
„Schön, dass wir uns da einig sind Mr. Travennor. Ihr Telefon liegt dort auf dem Stuhl bei Ihren anderen Sachen, brauchen Sie sonst noch was?“
Diese Frage verneinte Robert, und Schwester Mampezi verließ hoch erhobenen Hauptes das Krankenzimmer.
Augenblicklich ärgerte er sich fürchterlich darüber, dass sein Treffen mit Mayra nicht zustande kam! Am liebsten hätte er jetzt aus lauter Verzweiflung wie ein Wilder herumgeschrieen, doch er bekam einen Geistesblitz!
Zuerst rief er Josh Michaels an, um ihm schonend die Neuigkeiten beizubringen. Sein Chef zeigte sofort volles Verständnis für Roberts Situation, und das er sich erst einmal richtig auskurieren soll. Außerdem musste er sich überhaupt keine Sorgen machen, denn schließlich kann so ein Unfall jedem passieren. Was also die Arbeit betraf, war alles in Ordnung.
Nun rief er Chris an, und schilderte seinem Freund den Hergang des Unglücks in Kenia, bis er zum wichtigsten Punkt des Gespräches gelangte.
„Mein Freund, du musst mir einen riesigen Gefallen tun! Kannst du mit Mary nach Kapstadt fliegen, ins Mount Nelson Hotel gehen, und dort mit Mayra sprechen? Du kannst ihr dann ja alles erzählen von meinem Unfall, ich bezahl’ euch auch die Flugtickets!“ Dabei überschlugen sich beinahe seine Worte vor lauter Aufregung. Im Hintergrund hörte Robert, dass Chris mit seiner Frau sprach.
„Das können wir machen, Rob. Ich hab’ noch ein paar Tage frei, und ich weiß doch wie wichtig dir dieses Treffen ist. Du musst mir aber noch einmal beschreiben wie sie aussieht, damit wir nicht aus Versehen eine andere Frau ansprechen.“
„Das werd’ ich dir nie vergessen Chris, bitte ruf’ mich sofort an wenn du Neuigkeiten für mich hast!“, erwiderte er, und beschrieb ihr Äußeres ganz genau. Das versprach er ihm, und nahm seine Schwärmerei für Mayra dabei schweigend zur Kenntnis. Sofort buchte Robert danach telefonisch zwei Tickets nach Kapstadt. Gerade legte er das Handy in die Schublade des fahrbaren Metalltisches, als Schwester Mampezi generalstabsmäßig hereinkam.
„Mr. Travennor!“, polterte sie ungehalten, „ich dachte wir waren uns einig! Seit über einer halben Stunde führen Sie am Telefon endlose Gespräche, das hat nach meiner Auffassung mit absoluter Bettruhe überhaupt nichts zu tun!“
Erneut baute sie sich in etwas drohender Haltung vor seinem Bett auf.
„Aber Schwester Mampezi, Sie haben’s mir doch erlaubt“, verteidigte er sich.
„Ja, das hab’ ich Mr. Travennor. Aber nicht die ganze Nacht, das ist viel zu anstrengend!“, erwiderte sie nachdrücklich.
„Jetzt übertreiben Sie’s aber nicht Schwester Mampezi, ich bin doch gerade fertig geworden.“
Ihre Augen funkelten wie bei einem Luchs auf der Jagd in der Dunkelheit, als sie befehlsartig mit dem Zeigefinger in der Höhe sagte: „Das will ich auch schwer hoffen, dass Sie jetzt all Ihre Gespräche beendet haben! Auf der Stelle brauchen Sie Schlaf und Erholung und verlassen Sie sich drauf, ich hab’ Sie im Auge Mr. Travennor. Besser Sie legen sich nicht mit mir an!“
Darauf konnte Robert nichts mehr erwidern, und Schwester Mampezi stolzierte unter heftigem Kopfschütteln aus dem Raum. Im Inneren gelobte er sich zu bessern, aber diese Telefonate waren doch allesamt so wichtig! Dafür musste die Schwester doch Verständnis aufbringen! Aber sie kannte ja seine persönliche Situation nicht, und er sah auch keinen Grund ihr seine Lage ausführlich zu schildern.
Warum auch?
Jetzt wollte Robert bloß noch so schnell wie möglich gesund werden, und beschloss zu schlafen. Erst einmal abwarten was der nächste Tag so bringen würde, und Schlaf ist ja bekanntlich die beste Medizin, überlegte er.
Die Qualität des Frühstücks lag weit unter dem, was für Robert alltäglich war. Daran musste er sich nun gewöhnen, auch wenn es ihm etwas schwer fiel.
Bei der nachfolgenden Visite untersuchte der Oberarzt sein Bein, und entfernte den Tropf vom Arm.
Der Heilungsprozess verlief zufrieden stellend, aber er musste Geduld haben. Das brauchte einfach seine Zeit, und eine anschließende Krankengymnastik war unbedingt erforderlich. Aufmerksam verfolgte Schwester Mampezi alles mit überaus wachsamem Blick.
Jetzt ließen sie Robert allein im Zimmer, und er hörte auf seinem Telefon eine Kurznachricht eingehen. Darin stand, dass seine Freunde im Flieger nach Kapstadt saßen. Darüber freute er sich, und hoffentlich könnten die beiden Mayra im Hotel treffen. Zu diesem Zeitpunkt konnte er noch nicht ahnen, dass es ganz anders kommen würde.
Am Nachmittag des nächsten Tages erhielt Robert eine weitere SMS. Darin kündigten Chris und Mary ihren Besuch im Aga Khan University Hospital an. Ungeduldig freute er sich darauf sie zu sehen, und dachte:
Warum hat er mich denn nicht gleich angerufen? Haben sie Neuigkeiten von Mayra? Konnten sie tatsächlich mit ihr im Mount Nelson Hotel sprechen? Was passierte dann, und wie reagierte sie? Förmlich brannte er darauf es zu erfahren. Daher konnte er es kaum mehr erwarten, bis seine Freunde endlich eintrafen.
Zur Mittagszeit am folgenden Tag besuchten die beiden ihn. Nachdem Robert ihnen alles über seinen aktuellen Gesundheitszustand berichtete, hielt er es nicht mehr länger aus.
Neugierig erkundigte er sich nach Mayra, und den Geschehnissen in Kapstadt. Daraufhin erzählte Chris ihm, wie sie vergeblich versuchten Mayra zu treffen. Die beiden warteten in der Lobby auf sie, und sahen sich nach ihr um. Aber sie trafen die Frau leider nicht an. Auf Nachfrage an der Rezeption übergab ihnen der Angestellte einen Brief, der an Robert adressiert war. Sein Freund überreichte ihm den Umschlag. Um ihn zu schonen, verzichtete er auf einen Anruf. Dies akzeptierte Robert zähneknirschend, denn er wollte auf keinen Fall unhöflich sein. Obwohl er neugierig bis zum Umfallen auf den Inhalt war, legte er ihn neben sich auf den Stuhl. Doch seine Augen hefteten sich magnetisch an das Schreiben, und forderten seine Geduld bis über alle Grenzen heraus.
Seine Freunde teilten ihm mit, dass sie die Gelegenheit nutzen wollten ein paar Tage Urlaub hier zu machen. Gerade waren sie im Begriff sich voneinander zu verabschieden, als Schwester Mampezi wie ein General durch die Tür schritt.
„So, Mr. Travennor, haben Sie Besuch?“, flötete sie.
„Ah, Schwester Mampezi, darf ich Ihnen meine Freunde Chris und seine Frau Mary vorstellen?“, meinte er, und machte eine Handbewegung zu den beiden.
„Es freut mich, Sie kennen zu lernen. Leider hält sich Mr. Travennor nicht exakt an meine Anweisungen! Pausenlos telefoniert er, und vom Laptop ist er gar nicht weg zu kriegen! Ist denn das zu glauben? Obwohl der Oberarzt Mr. Travennor strikte Bettruhe verordnet hat! Vielleicht können Sie ihm ins Gewissen reden?“, entrüstete sie sich, und stemmte zugleich beide Hände in die Hüften.
„Sehen Sie, Schwester Mampezi“, antwortete Mary ganz gelassen, „das haben wir gerade eben getan, und Sie haben’s verpasst mitzubekommen.“
„Oh, normalerweise bekomme ich hier alles mit, was in diesem Haus vor sich geht! Aber dann kann ich eventuell beruhigter sein. Es tut mir leid, ich muss jetzt nach dem nächsten Patienten sehen, es hat mich gefreut.“
Nach diesen Worten rauschte sie wie mit fliegenden Fahnen aus dem Zimmer. Darauf blickte Chris zu seinem Freund, und dieser rollte bloß mit den Augen. Daraufhin zuckte er wiederum grinsend mit den Achseln. Danach verabschiedeten sie sich voneinander, und machten aus im telefonischen Kontakt zu bleiben. Natürlich freute er sich über den Besuch, aber konnte seine Neugier nicht mehr zügeln, und wollte endlich wissen was sie ihm schreiben würde!
Dann riss er den Umschlag auf, und las:
Hallo Mr. Travennor, leider hat unser Treffen in Kapstadt nicht geklappt. Ist Ihnen etwas dazwischen gekommen? Bei dieser Zeile musste er etwas schmunzeln, das kann man wohl sagen! Ich hoffe, es ist Ihnen nichts passiert, und das es Ihnen gut geht. Ich habe aber so darauf gehofft Sie wieder zu sehen, ich wollte Ihnen doch noch etwas erzählen. Lassen Sie uns doch bitte einen neuen Termin ausmachen, an dem wir uns treffen können. Meine Telefonnummer lautet: 04521/776359002 Herzliche Grüße, Mayra
Beinahe hätte Robert vergessen dass sein Bein in Gips lag, und er jubelte laut vor Freude! Schnell ermahnte er sich selbst wieder zur Ruhe. Nicht das Schwester Mampezi wieder hereinschneite, um ihm einen weiteren Vortrag über die Bettruhe, oder sonst irgendwelche Verhaltensmaßregeln zu halten. Kurz lauschte er nach draußen, aber er hörte keine Schritte, oder sonstige verdächtige Geräusche.
Augenblicklich griff er nach dem Telefon, und wählte Mayras Nummer. Nur ihren Anrufbeantworter erwischte er, und entschied sich dafür nicht auf ihre Mailbox zu sprechen. Lieber wollte er sie persönlich sprechen, um ihr Näheres zu erzählen was sich ereignete. Schade, ich hab’ sie nicht erreichen können, aber dafür hab’ ich jetzt ihre Telefonnummer. Hoffentlich kann ich Mayra morgen sprechen, dachte er. Warum unterschreibt sie eigentlich nie mit ihrem Nachnamen? Hat sie etwas zu verbergen, oder will sie ihn mir einfach nicht nennen? Mit diesen Gedanken versuchte Robert einzuschlafen, was ihm nach kurzer Zeit auch gelang.
Die strengen Augen von Schwester Mampezi sahen ihn forschend an, als er aufwachte. Als er es bemerkte erschrak er darüber, und zuckte heftig zusammen. Danach kratzte er sich mit der Hand am Kopf, und lächelte sie an.
„Guten Morgen Mr. Travennor, heute stehen ein paar wichtige Untersuchungen mit Ihnen an. Anweisung des Oberarztes, vorerst können Sie also nicht telefonieren, oder an Ihrem Laptop arbeiten. Für meinen Geschmack tun Sie das sowieso viel zu viel!“, sagte sie in einem scharfen Tonfall.
Damit erreichte sie, dass seine Müdigkeit vollständig verflog, und er komplett auf der Höhe des Geschehens um sich herum ankam.
„Guten Morgen Schwester Mampezi, ich begebe mich voll und ganz in Ihre fürsorglichen Hände“, erwiderte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Allerdings ließ diese Aussage sie im Unklaren ob es ihr Patient im Ernst meinte, oder ob er sie einfach nur auf den Arm nahm.
„Von diesen Untersuchungen und ihrem Ergebnis hängt ab, wie lange Sie noch bei uns bleiben müssen.“
„Es wird mir äußerst schwer fallen, auf Ihre unbeschreibliche Pflege und Fürsorge verzichten zu müssen, Schwester Mampezi.“
Darauf reagierte sie mit einem eindringlichen Blick in sein Gesicht, bevor sie ihn leise vor sich hin murmelnd aus dem Zimmer schob. Ihr Gemurmel kann ich leider nicht verstehen, das wird wohl Swahili sein. Jetzt kann ich Mayra nicht anrufen, immer kommt was dazwischen! Na ja, aber meine Gesundheit ist auch wichtig, dachte Robert, während er in ein Behandlungszimmer hinein geschoben wurde.
Die Untersuchungen zogen sich bis in den späten Nachmittag hinein, ein konkretes Ergebnis würde er morgen bekommen. Nun brachte die Schwester ihren Patienten wieder aufs Zimmer zurück, und schüttelte ihm das Kopfkissen auf. Dann bat eine Kollegin darum ihr augenblicklich zu helfen, und Schwester Mampezi fragte sie worum es ging.
Es hörte sich nach einem akuten Notfall an, und die beiden folgten sofort einer weiteren zu Hilfe gerufenen Schwester im Flur.
Jetzt wollte er die günstige Gelegenheit nutzen um Mayra anzurufen, hoffentlich funktionierte sein Plan ohne irgendwelche Störungen. Das Telefon klingelte ein paar Mal, bis sich eine sanfte, warme Stimme meldete.
„Hallo, wer ist da?“
Daraufhin jubilierte Robert im Bett, das sofort mit einem schmerzhaften Stich im Bein bestraft wurde. Leise stöhnte er auf.
„Hallo Mayra, hier spricht Robert Travennor. Schön, dass ich Sie endlich erreiche, wie geht’s Ihnen?“
Im Hintergrund hörte Robert leises Stimmenwirrwarr und Kinderschreie.
„Hallo Robert, ich freue mich dass Sie anrufen, es geht mir ganz gut, und Ihnen?“
Alle Erlebnisse beschrieb Robert ihr in Santa Elena sowie in Kenia, und was danach geschah. Darüber musste sie lachen, denn er flog extra nach Venezuela um nach ihr zu suchen! Dann entschuldigte er sich bei ihr dafür, dass er nicht nach Kapstadt kommen konnte.
„Ich würde Sie ja gerne besuchen kommen, aber ich kann hier unter keinen Umständen weg. Es bleibt mir nur ganz wenig Zeit zu telefonieren, ich bin Ärztin bei der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Wegen einem unverzüglichen Einsatz musste ich das Fest überstürzt verlassen. Es tut mir leid, aber mein Beruf hat Vorrang.“
„Das versteh’ ich natürlich, Mayra. Zuerst muss ich ja richtig gesund werden, und dann können wir uns hoffentlich wieder sehen.“
„Ich möchte Sie auch gerne wieder sehen Robert, lassen Sie uns wieder telefonieren. Aber sein Sie mir bitte nicht böse, wenn ich einmal nicht ans Telefon kommen kann. Ich weiß nie was in Sierra Leone als nächstes passiert, und ich muss jetzt dringend wieder weiter arbeiten.“
„Dann sind Sie schon längere Zeit in Afrika?“
„Ja, seit ein paar Tagen sind wir an der Küste in der Nähe der Hauptstadt Freetown stationiert.“
„Eine Frage hab’ ich noch bitte, Mayra.“
„Ja?“
„Aus welchem Land kommen Sie eigentlich, und wo leben Sie wenn Sie nicht unterwegs sind für Ihren Beruf?“
„Ich bin in Venezuela geboren und aufgewachsen, lebe aber seit zwölf Jahren in New York. Das waren aber schon zwei Fragen!“
„Oh, ich wohne auch in New York!“, überging er überrascht ihren kleinen Protest.
Danach verabschiedeten sie sich voneinander, und Robert verspürte ein großes Glücksgefühl. Endlich bekam er die Möglichkeit mit Mayra zu sprechen, was für ein schöner Tag das doch heute war! Was für eine wunderbare Stimme sie hat! Wie interessant, sie kommt aus Venezuela. Als er ihre Stimme am Telefon hörte, fühlte er sich sofort wohl. Aber Robert glaubte auch, eine gewisse Nähe gespürt zu haben. Wie ein unsichtbares Band, das ab jetzt die beiden ganz fest umschloss. Ob es Mayra auch so erging?
Lange dachte er noch über diese tolle Frau und ihren interessanten Beruf nach, und über das erste Telefonat mit ihr. Jetzt wünschte Robert sich nichts mehr, als sie endlich wieder zu sehen! Wann wird das sein? So gerne hätte er ihr noch viel mehr Fragen gestellt, und ärgerte sich darüber ihr wahrscheinlich genau die Falschen gestellt zu haben. Garantiert bemerkte sie seine Aufregung, und machte sich vielleicht jetzt auch Gedanken über ihn. Es könnte aber auch sein, dass Mayra einen falschen Eindruck von ihm gewann. Möglicherweise hat sie meine Neugier gestört. Hoffentlich werde ich schnell wieder gesund, dass ich wenigstens nach Hause kann, dachte er noch, bevor er schnell einschlief.
Ihren Beruf nahm Schwester Mampezi übermäßig genau und erweckte den Eindruck, dass sie die alleinige ärztliche Verantwortung für ihn trug. Das musste Robert täglich aufs Neue erfahren. Es wäre aber auch schlimm gewesen, wenn die Schwester ihren Beruf nicht so gewissenhaft ausübte.
