Unglück - Iris Wandering - E-Book

Unglück E-Book

Iris Wandering

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Beschreibung

Als an dem sonnigen Morgen des 3. Juni 1998 ein ICE München verlässt, ist die Welt der Mitarbeiter, der Passagiere und ihrer Familien noch in Ordnung. Anna, eine aufstrebende Ingenieurin erwartet Max, doch sie wird zu einer Katastrophe gerufen. Silvia und Mini suchen ihren Bruder, und ein Professor, der gerne Geschichte schreibt, zieht an den Fäden der Justiz. Alle - grundverschieden - verbindet das Unglück.

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Seitenzahl: 359

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Iris Wandering

Unglück

Erinnerungen

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Inhalt

Ostersonntag, 20. April 2014, Zwischen Küchentisch und Badezimmer

Oktober 1992, Professor Doktor Ades Semesterbeginn

Montag, 22. Dezember 1997, Annas Kostensenkungspotenzial

Mittwoch, 7. Januar 1998, Max´ Training

Mittwoch, 7. Januar 1998, Kneipengeflüster

Dienstag, 2. Juni 1998, Vorlauf

Dienstag, 2. Juni 1998, Maßnehmen

Mittwoch, 3. Juni 1998, Aufbruch

Mittwoch, 3. Juni 1998, Erwachen

Mittwoch, 3. Juni 1998, Fehl am Platz

Mittwoch, 3. Juni 1998, Sommerliche Unterhaltung

http://duden.de/rechtschreibung/Unglueck, 30.08.2016

Mittwoch, 3. Juni 1998, Fünf nach zwölf

Mittwoch, 3. Juni 1998, Ein fauler Tag

Mittwoch, 3. Juni 1998, Überstunden statt Urlaub

Mittwoch, 3. Juni 1998, Die Suche geht weiter

Mittwoch, 3. Juni 1998, Annas Datenverkehr ist gestört

1998, Erich Preuß, «Eschede, 10 Uhr 59», Seite 23

Mittwoch, 3. Juni 1998, Terminersuchen

Mittwoch, 3. Juni 1998, Ohne Verbindung

Donnerstag, 4. Juni 1998, Ansichtssache

Donnerstag, 4. Juni 1998, Anna mittendrin

Donnerstag, 4. Juni 1998, Auf dem Weg, aber wohin?

Donnerstag, 4. Juni 1998, Maximalergebnis?

Donnerstag, 4. Juni 1998, Klassifizieren

Donnerstag, 4. Juni 1998, ID

Donnerstag, 4. Juni 1998, Urlaubsunterbrechung

Donnerstag, 4. Juni 1998, Was wird werden?

Donnerstag, 4. Juni 1998, Bruchteile

Donnerstag, 4. Juni 1998, Aus dem Takt

Freitag, 5. Juni 1998, Leitung

Freitag, 5. Juni 1998, Amtlich verordnetes Warten

Freitag, 5. Juni 1998, Klick

Freitag, 5. Juni 1998, Spende nicht absetzbar

Freitag, 5. Juni 1998, Zusammenkunft in Prof. Dr. Ades Kaminzimmer

Freitag, 5. Juni 1998, Unterschiedliche Stationen

Samstag, 6. Juni 1998, Angekündigt

Samstag, 6. Juni 1998, Übergabe

Samstag, 6. Juni 1998, Abgeschaltet

Samstag, 6. Juni 1998, Freizeichen

Samstag, 6. Juni 1998, Auf Reisen

Samstag, 6. Juni 1998, Rückkehr

Sonntag, 7. Juni 1998, Anna macht sauber

Sonntag, 7. Juni 1998, Spuren

Montag, 8. Juni 1998, Anna wird nicht schlauer

Mittwoch, 10. Juni 1998, Abgeordnete Ratlosigkeit

Mittwoch, 10. Juni 1998, Abwarten

Samstag, 13. Juni 1998, Meldung

Sonntag, 14. Juni 1998, Anna lernt die Praxis ihrer Theorie kennen

Montag, 15. Juni 1998, Die üblichen Verdächtigen

Montag, 15. Juni 1998, In den Spiegel schauen

Dienstag, 16. Juni 1998, Tapetenwechsel

Mittwoch, 17. Juni 1998, Notfallhilfe

Juni 1998, Resteverwertung

Juni 1998, Notfallhilfe 2.0

Samstag, 20. Juni 1998, Abgeholt

Samstag, 20. Juni 1998, Ade verpflichtet

Sonntag, 21. Juni 1998, Sacksammlung

Sonntag, 21. Juni 1998, Sacksammlung 2.0

1998, «Erich Preuß, Eschede, 10 Uhr 59», Seite 40

Juni 1998, Die Bahncard

Juni 1998, Hüllenreste

Juni 1998, Die Bahn kommt

Juni 1998, Medizinische Hilfe

Juni 1998, Klang im Ohr

Juli 1998, Innerer Reichtum

Juli 1998, Schwarzer Tag

Juli 1998, Annas Abschied

Juli 1998, Endlich

Juli 1998, Alles ist gut

Juli 1998, Max´ Geheimnisse

1998 bis ?, Fehlschaltungen

August 1998, Mitgefühl

August 1998, Begegnungen

Donnerstag, 27. August 1998, Parallelwelten

Montag, 26. Oktober 1998, Monotonie singulärer Ereignisse

November 1998, Fragen

Dezember 1998, Weitere Kostenabwehr

Dezember 1998, Promovierte Langsamkeit

Dezember 1998, Sterben muss jeder mal

1998, Weihnachten

Montag, 3. April 1999, Mitteilen

24. Mai 1999, Bis die Schwarte kracht

22. Dezember 1999, Selbsthilfe

2000, Koordination

Irgendwann zwischendrin, Universen

Spätestens seit dem 3. Juni 1998, Wiederkehrender Gedanke

2000, Zwischendurchgedanke

Juni 2000, Tote geben keine Interviews

August 2000, Zuviel

Oktober 2000, Licht an!

Oktober 2000, Candlelight-Dinner

11. November 2000, Neue alte Verfahrensweise?

Januar 2001, Entschuldigung des A

2001, Plattform

11. Mai 2001, Einweihung

10. November 2001, Hinterbliebene Geschwister

Februar 2002, Überraschung

Mai 2002, Keine drei Sekunden

Mittwoch, 30. April 2003, Zwischen den Zeilen

Donnerstag, 1. Mai 2003, Anna im Frühling

8. Mai 2003, Wer erfand die Röntgenstrahlung?

8. Mai 2003, Rüge oder Auszeichnung – das ist die Frage

8. Mai 2003, Silvia peilt über den Daumen

Frühling 2004, Kita-Fragen

Herbst 2005, Der Anfang vom Ende

Winter 2006, Ein anderes Ende

2006, Vergleich

2007, Möglichkeiten

2008, Fraglos glücklich

2010, Erkenntnis

2011, Jugend in Arbeit

November 2012, Schlechte Wettervorhersage

Dezember 2012, Jahreswechsel

Dezember 2012, Entscheidungen

Donnerstag, 3. Januar 2013, SMS-Frage an Nina

Januar 2013, Jahresbeginn

Sonntag, 20. Januar 2013, Wo ist Nina?

Montag, 28. Januar 2013, Alles nur geträumt

Mittwoch, 30. Januar 2013, SMS an Nina

Sonntag, 24. Februar 2013, Nina noch verschwunden

Februar 2013, Esc-Taste klemmt

Montag, 25. März 2013, Gefunden

Montag, 3. Juni 2013, Gedanken

Montag, 3. Juni 2013, Vor Ort

Montag, 3. Juni 2013, Ohne Kontakt

Montag, 3. Juni 2013, Gute Fahrt

Montag, 3. Juni 2013, Antrieb

Montag, 3. Juni 2013, Auftrieb

Montag, 3. Juni 2013, Arbeit

Montag, 17. Juni 2013, Das fehlende Wort

Samstag, 22. Juni 2013, Sommerfest

August 2013, Glück

Sonntag, 1. September 2013, Kaminzimmer, Prof. Dr. Ade erinnert sich

Herbst 2013, Umleitung zur Wand

Sonntag, 1. Dezember 2013, Zehnjähriges

Silvesternacht 2013 – 2014, Willkommen

Februar 2014, Fächerbilder

Februar 2014, Auf Treu und Glauben

Februar 2014, Überdimensionierte Postsendung

Februar 2014, Verschlossen

Februar 2014, Gesammelte Werke

Spiegel-Artikel «Ein gewisses Risiko» 8/2001 von Udo Ludwig

Fraunhofer Institut, Gutachten zur Bruchursache des Radreifens vom ICE 884, Unfall vom 03.06.1998 in Eschede, Darmstadt 20. Dezember 1999

Februar 2014, Davids Pandora

Samstag, 15. März 2014, Entbindung

Samstag, 15. März 2014, Sprössling

Sonntag, 16. März 2014, Veränderungen

http://duden.de/rechtschreibung/Opfer, 30.08.2016

Sonntag, 16. März 2014, Dämmerung

Sonntag, 16. März 2014, Terminsache

Donnerstag, 17. April 2014, Hüllenerbe

Donnerstag, 17. April, Vorbereitungen

Karfreitag, 18. April 2014, Plan B

Samstag, 19. April 2014, Übergewicht

Samstag, 19. April 2014, Kopien

Samstag, 19. April 2014, Proviant

Samstag, 19. April 2014, Gedächtnistraining

Samstag, 19. April 2014, Ausgleich

Samstag, 19. April 2014, Übliche Praxis

Samstag, 19. April 2014, Abstellgleis?

Samstag, 19. April 2014, Second Life

Samstag, 19. April 2014, Aufbau

Samstag, 19. April 2014, Wärmende Gedanken

Samstag, 19. April 2014, Rüge

Samstag, 19. April 2014, Erfrischung

Samstag, 19. April 2014, Verjährung?

Samstag, 19. April 2014, Heimweg

Samstag, 19. April 2014, Anklage

Samstag, 19. April 2014, Belege

Samstag, 19. April 2014, Nachweise

Samstag, 19. April 2014, Lesbar

Samstag, 19. April 2014, Gravität

Samstag, 19. April 2014, Note

Samstag, 19. April 2014, Frisch geschnitten

Samstag, 19. April 2014, Rezept

Samstag, 19. April 2014, Werte

Samstag, 19. April 2014, Hochprozentiges

Samstag, 19. April 2014, Abfolgen

Samstag, 19. April 2014, Freie Sicht

Samstag, 19. April 2014, Haltung

Samstag, 19. April 2014, Positionen

Samstag, 19. April 2014, Signale

Samstag, 19. April 2014, Risikobereitschaft

Samstag, 19. April 2014, Anna kommt wieder

Samstag, 19. April 2014, Marionetten

Samstag, 19. April 2014, Vergangenheit?

Samstag, 19. April 2014, Altpapier

Samstag, 19. April 2014, Handlungsreisender

Samstag, 19. April 2014, Befehle

Samstag, 19. April 2014, Schutzvorrichtung

Samstag, 19. April 2014, Zuschnitt

Samstag, 19. April 2014, GmbH

Langenscheidt, Großes Taschenwörterbuch Englisch, 2009 S.1203

Samstag, 19. April 2014, Unmündig

Samstag, 19. April 2014, Es ist angerichtet

Samstag, 19. April 2014, Inszenierung

Samstag, 19. April 2014, Deutsches Mark

Samstag, 19. April 2014, SMS

Samstag Mitternacht, 19. April 2014, Glück ist eine Gabe

Anna in Katerstimmung, Freitag 2. Januar 1998

Ergebnisse, Samstag 3. Januar 1998

Training, Mittwoch 7. Januar 1998

Fachinformation für ein Fachblatt, Februar 1998

Auf der Überlegspur, Sonntag 1. März 1998

Lebenslauf, Donnerstag 19. März 1998

Streckenposten, Freitag 20. März 1998

Laufbahn, Freitag 20. März 1998

Angebot, Freitag 20. März 1998

Personalprobleme, Dienstag, 2. Juni 1998

Impressum neobooks

Inhalt

Anna und Max sind sehr verschieden, dennoch passen sie gut zusammen. Sie wollen gemeinsam ein neues Leben beginnen. Anna will ihm etwas sagen. Max will sie etwas fragen. – Dann passiert ein Unfall. Ein Zugunfall in Eschede.

Silvia und Mini erfahren von einem Bahnunfall und machen sich auf die Suche nach Max, ihrem großen Bruder. – Die Geschwister geben sich nichts in ihren Fragen. Mick ist Silvias verlässlichster Freund, und beste Freunde sind manchmal sehr unbequem. – Mick hat so manche passende Antwort. Und dann ist da noch Jan, den Silvia zwar nicht gesucht aber gefunden hat. Schließlich gibt es noch einen Professor, der mit der Justiz spielt, als handele es sich um Marionetten.

Ausgehend von einer realistischen Situation erzählt Iris Wandering in diesem Roman vom Suchen und Finden. Von Tränen und solchen, die im Halse stecken bleiben. Vom Leben und Tod und einem vielfältigen Dazwischen – von freiwilligen und unfreiwilligen Veränderungen. Silvias Erinnerungen sind wie Puzzlestücke, die sich rund um ein Unglück ergeben können.

Die Geschichte hat sich so nie ereignet. Da sich aber manche so darstellen, dass es sie wirklich geben könnte – Handlungen als auch Personen – kann es zusammen mit den Zitaten zu zufälligen Übereinstimmungen kommen.

Ostersonntag, 20. April 2014, Zwischen Küchentisch und Badezimmer

Psst.

Silvia, wieso «Psst»?

Sei nicht so laut. Es ist mitten in der Nacht! Und mach dich nicht so breit.

Warum denn nicht?

Dann kann ich meine Gedanken nicht sortieren. Ich will schreiben.

Ich bin deine Gedanken.

Na, dich will ich jetzt aber nicht. Ich will die anderen. Also mach dich mal dünne. Warte! Eins noch: Wie schreibt man heute das Wort Katastrophe?

Mensch Silvia, du hast wirklich seit den Achtzigern keine einzige Rechtschreibreform mitgemacht?

Nee, wozu denn? Die haben doch immer mal wieder etwas geändert. Also, wie ist das mit der Katastrophe – doch mit f?

Warum hat´s so lange gedauert, dich hierherzubekommen?

Halt! Lass mich doch erst einmal aufwachen und der Stift muss auch noch funktionieren. Also, sei nicht so ungeduldig und fang noch mal von vorne an. Danke!

Okay, okay!

Jetzt sei nicht eingeschnappt.

Bin ich nicht. Fang endlich an!

Ist ja gut! Ist schon schräg genug, wenn mich alle für stumm halten, weil ich sonst nichts sage und noch schräger, wenn die wüssten, mit wem ich rede.

So schlimm ist es nicht. Ein Außenseiter zu sein ist gar nicht so schlecht, da bekommst du interessante Perspektiven auf das Leben.

Soso. – Das Notizbuch ist schon fast voll.

Du hast im Schrank noch mehr davon.

Stimmt.

«Es war einmal ein großer Bruder, der ...»

Nicht so!

Wie dann?

So wies war.

Wie wars denn?

Echt beschissen. Also los und sei authentisch!

Mit den vielen Stimmen im Kopf? Das ist authentisch?

Herzchen! Das sind keine Stimmen, das sind Gedanken!

Also gut. Lieber Gedanke, sei bitte einfach mal still, damit ich anfangen kann.

Okay.

Einige Dinge sind aber so daneben gewesen, die glaubt keiner.

Das Leben schreibt immer noch die besten Geschichten – naja, nicht immer die besten, aber die markantesten auf jeden Fall.

Ah so. Hm. «Es war einmal ein großer Bruder.»

Anders! Fang am Anfang an.

An welchem Anfang? Die Erinnerungen hüpfen hin und her. Halbe, ganze und sich wiederholende Gedanken. Da gibts keine lineare Struktur.

Nee, nur den «katastrophalen Strukturunwillen», ich weiß, ich hab Adams auch gelesen. Na gut, dann fang eben mit dem großen Briefumschlag an.

«Das Frühstück ist schon fast beendet ...», sei aber nicht zu still, ja?

Halt den Rand.

Selber. Und wie mach ich das mit der Geschichte vom großen Bruder?

Füg sie einfach ein.

Einfach?

Na, dann eben kursiv.

Was, noch mehr Stimmen?

Das hatten wir doch gerade, das sind Gedanken oder in deinem Fall eben Erinnerungen.

Hm.

Mir ist schlecht.

Das ist das Osterfeuer!

Nein, das ist Magen-Darm!

Echt?

Ich denke schon – jetzt muss ich spucken.

Weil das alles zum Kotzen ist? Jan hat dir doch extra für so etwas die papierumwickelten Dinger besorgt!

Puh, die kriegt ja keiner runter.

Die sollen auch nicht schmecken – das ist Medizin!

So wie «Böses muss Böses» vertreiben?

Exakt!

Kanns endlich losgehen?

Klar, bin multitasking. Solls formulieren, trotz Grummeln im Bauch und Gurgeln in der Kehle und ´nem Kerl im Kopf, der alles besser weiß.

Wieso bin ich eigentlich ein Kerl? Hab ich dich nie gefragt.

War immer schon so.

Und wieso heiß ich Mick?

Wegen der Musik.

Aus den Achtzigern bei Sat.1?

Jepp.

Gut!

Also, wie schreibt man heute diese Bewegung von oben herab?

Keine Ahnung. Schreib doch einfach einfacher – die haben doch gesagt, dass sie es vereinfachen wollen.

Dann schreibt man jetzt Philosophie mit f und f? Hast du sie noch alle?

Was ist mit dem Ursprung der Spra –

– das interessiert doch heute keinen mehr und sind auch kürzere SMS.

Seit wann filosofierst ausgerechnet du per SMS!?

Ruhe jetzt! Und huste nicht so laut! Du weckst ja das ganze Haus auf.

Machst du Witze? Wie soll das denn gehen?

Schreib, dann vergisst du schon den Husten.

Oder er mich.

Verrat mir mal was. Wieso Notizbücher?

Hey, du magst meine analogen Bilder doch! Und solange der Walkman funktioniert ...

Ja, klar.

Also, Ruhe! Das macht mich ganz wuschig, ich soll doch authentisch sein.

Dann musst du aber alles übertragen. Ist das nicht umständlich?

Nö. Dann kann ich dir noch die eine oder andere Gemeinheit dazu in den Mund legen.

Ah ja!? Ich dachte, das seien Erinnerungen.

Sag ich doch! Und jetzt sei still, sonst bist du auch bald eine.

Nur eines noch: Wähle dein Schlachtfeld mit Bedacht.

Oktober 1992, Professor Doktor Ades Semesterbeginn

«Ich bin nicht sonderlich an Geschichte interessiert, ich modelliere sie nur gerne» ist eine der Einleitungen bei seinen Vorlesungen, welche Professor Ade gerne auf diese Weise beginnt und mit einem Lächeln in sein mehr oder seltener auch minder aufmerksam lauschendes Publikum ergänzt.

Das Lächeln umspielt nur wenig mehr als die Lippen, seine klaren grauen Augen erreicht es dabei nicht ganz. Hochaufgeschossen und für jegliche Dinge aufgeschlossen hatte Herr Professor Ade sein Amt vor einem Jahr an der Hochschule angetreten.

Er ist ein Mann, der weiß was er will und wer er ist. Er ist jemand, der – im Gegensatz zu vielen anderen Männern – auch weiß was oder vielmehr wer er nicht sein möchte. Der von ihm mit seiner etwas rauen und dennoch melodischen Stimme in Schwingung versetzte Universitätsraum ist etwas älter, klassisch eingerichtet in Holz mit Holz, und eine gute Ausgangslage für vieles. Oft weiß man zu Beginn nicht wie eine Sache ausgehen wird, denkt er, aber man kann einiges dafür tun, um es in die Richtung zu bringen, die man für sinnvoll erachtet – Dinge die sich rechnen lassen. Er mag es, wenn seine Stimme auch ohne Mikrofon nur mit Hilfe der architektonisch gut durchdachten Akustik noch die hinterste Reihe erreicht.

«Sie werden in diesem Studiengang lernen wie man Dinge lenkt. Aber nur, wenn Sie sich dafür eignen. Sie werden die Geschicke der Staatsorgane wie ein Marionettenspieler in der Hand haben. Nicht, indem Sie sich in der Öffentlichkeit prostituieren, sondern unsichtbar hinter dem grauen Vorhang der Bürokratie im Verborgenen handeln. Bevor die Figuren es bemerken, werden Sie sie bereits bewegt haben. Wenn Sie gut sind, werden Sie Ihre Grenzen erkennen.» Meist hat sein Publikum Mühe, ihm zu folgen. Auch seine leisen Scherze werden leider nicht immer als solche erkannt. Was die Leute im Hörsaal als geistreich unterhaltend empfinden, ist für ihn Alltag, den er mit Freude gestaltet. Vielleicht trifft er den ein oder anderen von ihnen in ein paar Jahren nur in anderem Ambiente wieder. Er hatte schon immer gerne mit Menschen gearbeitet.

Da ist sie wieder: Die Kraft der Rhetorik! Sie ist sein Mittel der Kommunikation. Eine Möglichkeit, mit Sprache zum Verständnis beizutragen. Nichts anderes tut er. Er macht seinem Publikum wirksam seinen Standpunkt klar. Das war schon bei seinem Vater so, er kennt es gar nicht anders. Er geht den Weg unbeirrt fort, den sein Vater so vorzüglich beschritten hat, genau wie sein Großvater zuvor. Er wäre ein Narr, wenn er die Firma nicht weiterführte. Er will in seinem Leben Verschiedenes erreichen. Seine guten Kontakte tun ihr Übriges. Und so hat er schon früh eine Anerkennung als bester Jungunternehmer erhalten und sich damit seine Sporen verdient. Aber das ist nicht das Ziel, eher nur eine Basis, für seine selbstgewählten Aufgaben.

Seine Besuche zu Hause gelten weniger der Familie als der Arbeit des Vaters. Beruflich gesehen sein Vorbild, das er zu überragen gedachte. Nicht wie kleine Kinder spielen oder pokern, und dann verzweifelt jammern, wenn sie das Spiel verlieren.

Überhaupt besteht sein Leben aus Überragendem. Körperlich groß gewachsen, daher auch die Anfertigung der höheren Bergère-Sessel, weil die Originale ihm nicht gerecht werden. Da sind die Fußstapfen des Vaters, die Fürsorge der Mutter und der Neid der Geschwister auf seine klare Vorstellung vom Leben.

Eines seiner Ziele, dem Herausragenden aus allen übrigen, ist ihm dank Fleiß und Ausdauer geglückt. Aber was heißt geglückt? Er hat es gewählt und erreicht. Mehr fühlt er es, als dass er es wirklich weiß – er verlässt sich in diesem Punkt auch auf seine Sekretärin, Frau Zett, und ihre Quellen – weit geachtet sei er, manches Mal auch gefürchtet, weit gekommen und von allem weit weg, so wie er es immer wollte. Was ihm guttut, ist auch für andere gut. Auch wenn es manchmal etwas einsam um ihn herum ist, so bindet ihn bisher doch nichts an eine Art Stammtisch oder Ähnliches. Er ist lieber mit sich allein, als dass er einsam unter vielen Menschen sich Situationen anpassen muss, die andere ihm vorgeben.

Etwas mehr Beachtung könnte er seinen eigenen Ideen allerdings schenken, fühlt er. Vielleicht ergibt sich so nach und nach die Möglichkeit, es sich beruflich etwas bequemer machen zu können. Für ihn werden sich die Gelegenheiten bieten. Man ist, was man denkt. Und er ist gut, sehr gut sogar.

Montag, 22. Dezember 1997, Annas Kostensenkungspotenzial

Kalt und trübe ist es heute. Daran ändert auch die übermäßige Weihnachtsdekoration in den Straßen nichts. Anna lässt sich im Strom der zu den Büros hastenden Menschen mittreiben.

Sie mag das Gefühl, Schritt halten zu können. Und auch den Gedanken, trotz aller Gleichförmigkeit fröhlich aus der Menge herauszuschauen. Nicht weit oberhalb ihrer Köpfe hängt das Grau tief über der Stadt. Und da heute ausnahmsweise mal kein Wind weht, scheinen sich die Wolken immer weiter auf die Häuser und Menschen herabzusenken.

Das stört Anna jedoch nicht, denn sie weiß wie der Lauf der Dinge ist: Nach der dunklen Zeit folgen automatisch die immer heller werdenden Tage. Außerdem setzt sie sich sowieso gerne über Dinge hinweg, die andere zu stören scheinen. Was nicht heißt, dass sie ihre Familie absichtlich kränken will, wenn sie die Feiertage nicht mehr zu Hause verbringt und sich von ihnen absetzt. Es ist viel mehr nur so, dass Anna einen anderen Freiraum braucht als ihre Geschwister. Und mit ihrer guten Laune scheint sie ihrer Familie ohnehin manches Mal auf den Geist zu gehen. Dann trifft sie sich lieber mit Freunden, die ihr sonniges Gemüt mehr zu schätzen wissen.

Als Anna vor einem Jahr in dieser Abteilung des Konzerns zu arbeiten begann, hatte sie sich intensiv auf den Job vorbereitet. Sie hatte ihre Antennen in viele Richtungen ausgerichtet und ihre diversen Praktika halfen ihr dabei. Mit drei älteren Geschwistern aufgewachsen, hatte sie schon früh gelernt, sich bemerkbar zu machen. Damals waren es geschwisterliche Rangeleien, heute sind es die skeptischen Blicke und Bemerkungen der vorwiegend männlichen Kollegen, gegen die sie sich meist mit einem Lächeln durchsetzt.

Durch Sport und jede Menge Wassertrinken hat sie es mit Mitte zwanzig endlich geschafft, ihren bis ins Studium hinein deutlich sichtbaren Babyspeck loszuwerden. «Wer dynamisch sein will, sollte auch dynamisch aussehen» hatte einer ihrer Brüder sie oft aufgezogen. Mit ein paar aufhellenden Strähnchen hier und da in ihrem ansonsten eher dunkelblonden Haar verhilft sie ihrem Äußeren zu mehr Glanz. Damit kommt sie gut durch die tristen Tage. Sie mag auch den gelegentlichen Gang ins Sonnenstudio ganz gern. Anna arbeitet hart an sich und genießt die kleinen privaten Erfolge ebenso wie die großen beruflichen, zu denen sie sich Stück für Stück vorarbeitet.

An ihrer geringen Körpergröße kann sie nichts ändern, allenfalls höhere Absätze tragen. Sie ist eben die Kleinste in der Familie, als hätte es bei ihr nicht mehr gereicht. Genauso wie die Geduld ihres Vaters, die er, wie es Anna scheint, bei seinen drei älteren Kindern bereits aufgebraucht hat. Sie kennt ihn gar nicht anders. Hat sie die Ungeduld von ihm? Das scheint irgendwie paradox zu sein.

Aber nun ist sie hier und hat einen guten Job, der sie von allen unabhängig und vor allem selbstsicherer macht. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen was man tut und wie die Dinge laufen. Das tägliche Einerlei eines einfachen Verwaltungsjobs hatte sie auch kennengelernt und beschlossen, dass eine solche Einöde ihrer kreativen Ader und damit ihrem Potential auf Dauer nur abträglich sein würde. Ganz zu schweigen von ihrer guten Laune. Also hat sie sich ein anderes Betätigungsfeld als das schlichte Verwalten gesucht und schließlich im Rahmen ihres jetzigen Arbeitsgebietes ihren persönlichen Ablaufplan aufgestellt.

Annas Augen und Hände beginnen aus Gewohnheit den Monatsbericht wie immer, aber eine Kleinigkeit stört sie. Sie weiß nicht was es ist, dafür ist es auch viel zu leise. Ein undefinierbares Etwas klopft zaghaft in ihr an und erhält eine Abfuhr. Jetzt nicht! Ihre normale Arbeitsweise will sie nicht durch unklare Betrachtungen in Gefahr bringen. Und so beendet sie den Bericht auch fast wie immer, jedoch nicht ganz so leichtgängig wie sonst. Etwas anderes in ihr treibt sie zur Eile an und das ist stärker als dasjenige, das sich nur zaghaft traut, sich verständlich zu machen. Solls halt deutlicher werden oder Ruhe geben. Anna hat Termine einzuhalten, damit alles glatt läuft, denn das Prämiensystem hat so seine Tücken. Aber immerhin kommt sie, wenn sie diesen Bericht klug einsetzt, nicht nur ihrem geliebten Hamburg ein Stück näher, sie kann auch den nächsten Urlaub mit Max erweitern.

Ihr Rhythmus gibt Anna Sicherheit. Etwas anderes kommt derzeit nicht in Frage. Aber wann hatte Anna sich das letzte Mal überhaupt Fragen gestellt? Wann hatte sie das letzte Mal einen neuen Gedanken gedacht? Der nur in schemenhafter Form vorhandene Denkansatz fällt von ihr ab, sie hat keine Rezeptoren zur Verfügung. Alle Kraft verwendet sie auf ihr Ziel, ihr Fortkommen. Fort von was? Auch diese Frage stellt sich Anna nicht. Bisher nicht.

Im Gespräch zum Jahreswechsel hatte Annas Chef ihr angedeutet, dass, wenn sie so weitermache, ihrem Wunsch eines Wechsels nach Hamburg nichts im Wege stehe.

Das neue Jahr wird für Anna sehr vielversprechend werden, denn sie rechnet mit einem Abteilungswechsel. Dieser ist für sie eine erneute Weichenstellung mit Aussicht auf Beförderung aufgrund der erweiterten Einsparung. Der Chef hatte die warnenden Worte eines Kollegen ignoriert und Anna mit der Überarbeitung der notwendigen Laufzeitverlängerung beauftragt. Sie hat die Arbeit ihres Vorgängers nur noch mehr in Richtung der Restdicke im Rahmen des Komforts für die Kunden ausgearbeitet.

«Als Ingenieure sind wir alle vom Fach», hatte der Chef gemeint, «ich würde Ihnen auch nahelegen, das noch einmal zu prüfen. Sind diese Werte wirklich fachmännisch entschieden worden oder ist da nicht noch mehr Potenzial für eine weitere Reduzierung vorhanden? Wars das für heute? Meine Dame, meine Herren, ich erwarte Ihren Bericht gleich nach Neujahr.»

Ein Kollege widersprach ihm mit einem Beispiel und sagte, dass er mit der derzeitigen Materialgrundlage keine weitere Absenkung für ratsam halte, woraufhin der Abteilungsleiter im Hinausgehen erwiderte:

«Verschonen Sie mich mit etwaigen Theorien. Wir klären das, auch bezüglich der Konsequenzen für Sie, sehr zeitnah dann in einem persönlichen Gespräch. Wir haben ja auch Vorgaben zu erfüllen.»

Das waren die Worte ihres Abteilungsleiters, der wusste, dass Anna nach Hamburg wollte. Es wäre also ein guter Deal. Das Ergebnis langen intensiven Sicheinbringens würde ein Etappensieg sein. So wie es ihr Personaltrainer prophezeit hat, wenn sie sich nur an bestimmte Regeln hielte. Irgendwann, so hat Anna sich geschworen, würde sie es schaffen. Sie wird es ihren Geschwistern gleichtun. Und wer weiß, sie vielleicht eines Tages überflügeln.

Bei dem Gedanken muss sie lächeln, denn sie hat es schlau angestellt: Während einer ihrer Brüder mit seiner Selbständigkeit jeden Monat schauen muss, dass für seinen großzügigen Lebensstil die Klienten auch vorhanden sind, und zudem auch tatsächlich zahlen, hat sie sich einen Konzern ausgesucht, bei dem es gute Aufstiegsmöglichkeiten gibt und der aufgrund seiner absoluten Notwendigkeit niemals aufgelöst werden würde. Anna, das Nesthäkchen, macht ihren Weg!

Recht zufrieden mit sich und ihrer Arbeit, schließt Anna ihren Bericht. Aus ihrem Haarknoten zieht sie einen Bleistift heraus, sodass es ein wenig gelockt auf ihre Schultern fällt.

Dann massiert sie leicht ihren Kopf, stärkt sich so für die nächste Aufgabe. Sie durchkämmt mit den Fingern das Haar und dreht es erneut zu einem losen Knäuel, das sie gleich wieder mit dem Stift am Hinterkopf feststeckt. Voller Tatendrang bewegt sie sich schwungvoll auf ihrem Drehstuhl an ihrem Schreibtisch entlang und greift zum Terminkalender. Was steht als Nächstes an?

Mittwoch, 7. Januar 1998, Max´ Training

Der Weg, der vor ihm liegt, ist Max sehr vertraut. Viele Jahre fährt er ihn schon, um zur Sporthalle zum Volleyball zu gelangen. Erst war es während der Schulzeit, später machte er einfach weiter, auch nach bestandenem Diplom, bis heute.

Die Halle – oder besser der Weg dorthin – hält Vorfreude bereit. Die Aussicht auf einen schönen Abend oder bei Turnieren auf ganze Tage. Und die Gesellschaft seiner Mannschaft ist genau richtig für ihn, denn Max redet nicht viel. Bei seinen Leuten ist das auch nicht nötig. Nach Fußball und Hockey ist Volleyball so ziemlich das Einzige, was Max nie spielen wollte. Ausgerechnet ein Mannschaftssport. Und doch ist er nach der Schule auch während des Studiums immer dabeigeblieben. Aber am Netz kommt ihm auch seine Größe zugute.

Max hinterlässt eine kleine schmale, etwas eierige Spur auf dem ansonsten bretthart gefrorenen Feld, als er es mit seinem Mountainbike überquert. Die Lederjacke, die er trägt, ist zwar ein Lieblingsstück, aber eigentlich viel zu dünn für den Winter. Seine Schwester Silvia soll endlich einmal den lang versprochenen Flicken auf den Ärmel nähen, dann würde es vielleicht nicht ganz so stark ziehen. Sie hätte das passende Stück noch nicht gefunden, sagt sie. Was immer das heißen mag.

«Wie wärs mit schwarz auf schwarz?», hatte er vorgeschlagen, aber sie hatte wie immer etwas, das man dabei zusätzlich beachten sollte.

Die Kälte der kommenden Nacht fällt nicht nur von oben herab. Sie steigt auch aus den Feldern herauf und macht sich breit, mischt sich unter die feuchten Schneeflocken. Leicht und vereinzelt rieseln ein paar auf ihn herab. Das ist aber auch das Einzige, was gerade locker und flockig ist, denkt Max.

Bisher kommt ihm sein Leben eher wie ein vielschichtiger Arbeitsplatz vor, wie gestern beim Streichen zum Beispiel: Seine Heimat wird er später finden, hatte er überlegt, während er die stark verrußte Wand oberhalb des Kamins hell gestrichen hatte. Und gestrichen hatte er natürlich erst, nachdem er den Bereich mit Spülmittel versetztem Wasser vom Fett gereinigt hatte und sie wieder trocken war. Sähe besser aus, hatte Silvia gemeint. Ob das wirklich hilft, einen Käufer für das Haus zu finden? Später ist bald. Hell und freundlich ist immer gut, sagt seine Schwester. Aber sie ist ja auch nicht immer da, um zum Beispiel zu streichen oder ihre vielen guten Vorschläge selbst umzusetzen. Es beginnt tatsächlich richtig zu schneien. Er hält sein Rad an.

Max blickt vom Boden auf. In diesem Moment spürt er die kalte Luft noch klarer, die sich in seinen Lungen ausbreitet und dort langsam erwärmt. Max hebt den Kopf weiter, fühlt die zarten Schneeflocken auf seiner Haut schmelzen. Er kann sie in der spärlichen Beleuchtung vom Stadtrand her im Dunkeln auf dem Feld stehend nicht sehen, sondern nur spüren.

Seine Füße, die nun neben dem Rad stehen, nehmen den harten Boden und die Kälte wahr, die in sie hineinkriecht. Der Himmel in Richtung Stadt ist gelb-orange-grau verhangen. Aber in klaren Nächten kann er in der Ferne, über das Feld zurückblickend in Richtung Kasseler Berge, die Sterne sehen.

Das Leben ist holperig, genauso wie der Boden unter seinen Füßen. Nicht mehr, nicht weniger. Das ist sein Leben und wird es bald gewesen sein, denn es wird alles einfacher werden.

Eine gewisse Erwartung löst sich vom kalten Boden und steigt beginnend an der Basis, seinen Füßen, in ihm auf. Weglaufen war nie sein Ding. Die Knie bleiben da wo sie sind, und zittern unsichtbar ein wenig der ungewissen und unverplanten Zukunft entgegen. Seiner eigenen Zukunft, der er sich stellen wird. Mit gutem Bauchgefühl wird er schließlich – seinem klaren Kopf sei es gedankt – loslegen.

Die Sterne hinter sich zurücklassend setzt er seinen Weg fort. Egal welchen Weg er einschlagen wird, jeder Weg hält Überraschungen für ihn bereit. Das, was er sich bisher untersagt hat, ist dann erlaubt und greifbar nahe, wenn er erst einmal den Absprung geschafft haben würde.

«Wer keine Ziele hat, kommt auch nirgends an», sagte der Deutschlehrer.

«Komm sicher an mit Bus & Bahn», steht auf den Stadtbussen.

«Wenn die Götter uns prüfen, erfüllen sie unsere Wünsche», stammt aus einem von Silvias Knutschfilmen. Mal sehen, was das für Wünsche sein werden. Aber erst mal gehts weiter zur Sporthalle.

Wäre Anna nicht vor einem Jahr hinzugekommen, hätte dieser Sport vermutlich keine solche Anziehungskraft mehr auf ihn. Wer weiß, seine Schnelligkeit und das Gefühl, immer auf dem Sprung zu sein, passen doch eigentlich ganz gut hierher. Außerdem mag er das Gebäude, das er seit seiner Kindheit kennt und den Weg dorthin mag er auch. Der Ort seiner wöchentlichen kurzen Auszeit, abgesehen von den Treffen mit Anna.

Sie hat genauso wenig Zeit, auch da passen sie gut zusammen. Denn er muss nicht immer wieder erklären, dass es zurzeit so ist wie es ist.

Die Hallenbeleuchtung wirft helle, verzerrte Rechtecke auf den Vorplatz, auf dem schon ein wenig Schnee liegt. Die dünne weiße Schicht sieht aus wie Puderzucker. Genau wie beim Schneemannbauen braucht man jede Menge davon, wenn man eine Glasur machen möchte. Wann hat er eigentlich das letzte Mal diese scheußlich süßen «Amerikaner» gebacken? Mehr als eine Ewigkeit ist das her. Er schließt sein Fahrrad an einem Laternenpfahl an.

Im Umkleideraum der Herren trifft er auf ein paar Leute seiner Mannschaft. Viele von ihnen stammen noch aus der ehemaligen Jugendmannschaft. Sie begrüßen sich kurz und wünschen sich zurufend oder schulterklopfend ein gutes neues Jahr. Aus dem Umkleideraum nebenan hören sie das, was aus der Damenumkleide immer zuhören ist – obwohl es nur wenige Frauen sind –, bei jedem neuen Eintreten zuerst Neujahrsglückwünsche, mit und ohne Kussgeräusche, dann Kichern, Lachen und jede Menge Tratsch, normalerweise gemischt mit ein paar Fakten aus der vergangenen Woche.

Heute allerdings mehr, denn über Weihnachten und Neujahr haben sie nicht trainiert und es haben sich ein paar Worte mehr angesammelt. Wozu sich selbst unterhalten, wenn doch von dort alles so gut zu hören ist? Und mit etwas Geduld erfährt man vor dem Spielen in etwa das Gleiche, was sie unter Männern erzählt hätten, hier vermutlich nur kürzer und mit etwas anderen Worten.

Er zieht sich um, nicht wissend, dass er manchmal beneidet wird. Max ist groß und schlank, das schon. Dass seine hellen Augen und das dunkle Haar, das sich um seinen Kopf ringelt, in manchen Augen Aufsehen erregt, weiß er nicht so ganz genau. Er ist ja auch nicht der Einzige, der so aussieht. Für seinen Schopf kann er genauso wenig wie für seinen durchtrainierten Körper, den er gar nicht trainiert. Der einzige Sport, den er betreibt, ist das wöchentliche Volleyballspiel. Sonst nichts. Sonst ist er damit beschäftigt, Haus und Hof und Familie am Laufen zu halten. Er sieht eher aus wie ein typischer Läufer, immer in Bewegung. Auffällig ist seine Händedruck. Max ist handfest.

Nachdem er sich umgezogen hat, geht Max in die Halle und hilft eines der Netze aufzubauen. Mit den Gedanken ist er bei Anna. Wo sie nur wieder bleibt? Wieso nur kommen Frauen eigentlich immer zu spät? Na ja, macht nichts. Sie sind ja ohnehin verabredet, nachher im «Filius». Das Lokal liegt nicht weit von der Halle entfernt und ist so etwas wie ihr Stammlokal geworden.

Oder hat Anna es sich anders überlegt? Ist bei ihr «anders überlegt» mit der ihr eigenen energiegeladenen Überstundenbereitschaft zu übersetzen?

Ah, da kommt sie ja. Und sie strahlt über das ganze Gesicht. Sie leuchtet richtig! Kopfschüttelnd lächelt Max in sich hinein. Wenn sie wüsste, wie sehr sie ihn immer wieder amüsiert.

«Hey, du – ich habs geschafft!» Anna sieht ihn glücklich an und wedelt mit der an ihr festgewachsenen Wasserflasche hin und her.

«Na, die Uhr lesen kannst du schon mal nicht gemeint haben», meint Max grinsend und wartet, die dichten dunklen Augenbrauen zu einer fast grinsenden Frage hochgezogen, auf das, was da gleich aus ihr herausprudeln wird.

«Nee, hör auf. Ich musste wieder länger machen. Der Leiter des Betriebswerks in Hamburg stellt sich zwar ein wenig quer, der hat aber ohnehin nicht zu entscheiden. Ich denke, ich habe das Zwischenziel erreicht und dann kanns bald losgehen!»

«Das trifft sich gut, hier kann es mit dir nämlich auch gleich richtig losgehen. Apropos gehen – wo sind denn deine Schuhe? Sag nicht, du hast sie schon wieder … »

«Hier habe ich sie doch! Hörst du mir eigentlich überhaupt zu? Ich hab gesagt, es ist so weit, ich hab den Job so gut wie in der Tasche! Und dann gehts ab nach Hamburg!» Zufrieden erläutert sie Max knapp, dass der Chef ihr signalisiert habe, dass, wenn sie die Absenkung im Gegensatz zu ihrem Kollegen durchführe, Anna nach Hamburg gehen könne. Und Max weiß ohnehin, dass Hamburg immer schon Annas erklärtes Ziel gewesen ist.

«Na klar, klingt das toll!», stimmt er Anna lächelnd zu, nimmt sie in die Arme und gibt ihr einen Kuss. So schnell hatte Max sich das zwar nicht vorgestellt, aber dann würde er sich eben auch in Hamburg eine Arbeit suchen.

Die anderen kennen das Spielchen schon und wissen, dass es sowieso erst richtig losgeht, wenn Anna und dann noch später auch Ben erscheint.

Was Anna und Max verbindet ist ihnen allen nicht ganz klar, besonders dem Griesgram Ben nicht, aber es scheint für die beiden zu passen. Warum auch nicht: Anna redet die ganze Zeit und Max hört zu. Auch äußerlich sind sie das genaue Gegenteil, denn Anna ist blond und recht klein. Ihr langes, leicht gelocktes Haar trägt sie gerne offen. Und da sie es durch tägliches Waschen in Form bringt, weht ihr immer der frische Duft ihres Shampoos nach.

Oft ist es lustig, wenn Annas Luftschlösschen auf Max´ praktisches Wesen treffen. Vielleicht kann man das auch als liebevolles Erden bezeichnen. Einen langen Atem hat er ja schon bewiesen, so, wie sie sich am Anfang geziert hat. Oder ist es bei ihr überhaupt eher Unsicherheit? Ihre Rufe beim Spiel sind manchmal kaum zu hören und dann wieder ist sie unüberhörbar, fast zu laut. Na, jeder wie er will oder kann. Und hat nicht jeder Mensch mehr als nur zwei Seiten?

Im Winter sitzen sie nach dem Training immer noch ein Weilchen im «Filius» zusammen. Als der Wirt für manche die zweite Runde Getränke bringt, sieht Max ihn an und denkt, der ist auch einer, der sich um die Eltern gekümmert hat und aus Pflichtgefühl einfach da geblieben ist. Einfach?

Er, Max, würde den Absprung jedenfalls schaffen. Das Loslösen von zu Hause, von der Familie. Und wenn alles gut geht, mit Anna dann in Hamburg loslegen. Im Sommer, wenn sowieso alles irgendwie neu sein wird. Silvia hat versprochen, sich um einen Heimplatz für ihren Vater zu kümmern und seine kleinste Schwester Mini wird nach ihrem Abitur auch woandershin gehen. Abgesehen von der Studienplatzlotterie weiß sie wohl selbst noch nicht genau, wohin sie möchte. Überhaupt scheint alles am Loslegen zu sein. Bald ist es soweit. Wenn er es bis jetzt geschafft hatte, dann würde er die letzten Monate auch noch durchhalten. Endlich ist das Ende seiner Zeit im Elternhaus und somit sein Neuanfang in Sicht.

Wohlig müde von der sportlichen Betätigung, dem kleinen Bier danach und mit der vorsichtigen Freude auf ein neues Leben, sinkt er auf der alten Holzbank noch etwas tiefer und verschränkt wie so oft die Arme vor der Brust. Dabei rutscht der Ärmel Richtung Ellenbogen und gibt den Blick auf die Armbanduhr frei. Ach herrje, schon so spät!

«Entschuldige bitte.» Er gibt Anna einen Kuss.

«Ich muss los», sagt er laut in die Runde und klopft einmal kurz auf den Tisch, dann steht er auf.

«Aber ich hab dir doch noch gar nicht alles erzählt!», wendet Anna ein.

«Ich ruf dich nachher noch an.» Max deutet nur auf die Uhr und Anna weiß, Max lässt seine kleine Schwester Mini spät abends nicht gerne mit dem Vater alleine. Sobald Mini ihren Führerschein gemacht hat, wird es anders aussehen, aber bis dahin bleibt es bei der Abmachung. Die Sache ist sehr einfach: Solange ihr Vater noch laufen kann, muss Mini dann nicht jedes Mal den Notarzt rufen, sobald er wieder gestürzt ist und seine Platzwunden genäht werden müssen. Der sture alte Herr zu Hause ist ein ewiges Familiendilemma. Aus der von seinem Vater unangetasteten Packung heraus wirken die Medikamente nicht.

Während Ben noch überlegt, ob es Max´ Verantwortungsmacke ist, die bei Anna so gut ankommt, obwohl Max sie doch wieder alleine lässt, ist dieser schon längst auf dem Parkplatz und dann in der Dunkelheit verschwunden. Warum nur kommt seine Macke bei Anna so gut an?

Mittwoch, 7. Januar 1998, Kneipengeflüster

Zwischen Gemüsesäften und weiteren Biersorten – obwohl, ist Hopfen eigentlich ein Gemüse oder ein Kraut? – wird geratscht, geschnackt, geklönt, getalkt, je nachdem woher sie kommen. Sie sind ein bunter Haufen, der sich aus alten Schulkameraden und Zugezogenen zusammensetzt. Ben war eben bei Lukas´ Aufrutschen auf der Bank verstummt.

«Hat Ben wieder Geschichten über mich erzählt?», fragt Lukas – einer der Neuen und erst seit einem Jahr dabei – in die Runde. Er weiß genau, wie gern Ben plaudert. Komischerweise nimmt kaum jemand Lukas das Schnacken lange übel, was vielleicht an seiner Frohnatur liegen könnte, ganz im Gegenteil zu Bens mürrischem Wesen.

«Nee, wir sprechen über Max», gibt Ben zwischen zwei Schlucken zu. Er hat eigentlich keine Lust zu antworten, ist das Erzählen aber gewohnt, und darum schlüpfen ihm die Worte von ganz allein heraus: «Max ist eben so, aber okay.» Und mit einem ratlosen Seitenblick auf Anna merkt er noch an: «Wenn man auf den Typ mundfauler großer Bruder steht.» Dann nimmt er das von Max geleerte Glas und stellt es auf den freien Tisch hinter sich. Fast als Zeichen, dass er jetzt da sei – und Max eben nicht.

«Er kennt einen Trick!», Anna schaut Ben frech an

«Vielleicht kann er nicht raus aus seiner Haut?» Lukas nimmt Max in Schutz.

Was weiß dieser Neue schon! «Und woran willst du das gesehen haben?», mosert Ben.

«Wie er immer zur Uhr blickt. Vorhin war er ganz im Spiel, ganz dabei. Und jetzt …», Lukas lässt mit Blick auf Anna den Satz unvollendet.

«Der Trick ist gut!» Anna grinst Lukas breit an.

«Und jetzt lässt er Anna wieder alleine hier zurück. Fährt zu Papa nach Hause», nimmt Ben dagegen den Faden bereitwillig wieder auf.

«Ist doch toll, wenn die Familie zusammenhält», versucht Lukas Max zu verteidigen.

«Ich habe eher den Eindruck, dass er alles zusammenhält», grummelt Ben Lukas entgegen.

«Was hat der Vater eigentlich?»

Anna mischt sich wieder ein:

«Frag ihn doch selber!»

«Anna, was ist das für ein Trick?»

Das Kennenlernen von Max und ihr ist so unspektakulär, überlegt Anna. Sportverein. Das klingt ziemlich langweilig, fast so schlimm wie Schulzeit. Sie sieht sich im Lokal um. Das alte Mobiliar ist recht schlicht – um nicht zu sagen fast schäbig – und erinnert sie mehr an die Aufenthaltsräume des Wartungspersonals der Werkhallen in ihrer Firma als an eine Kneipe.

Keiner von ihnen beiden hat den anderen vor einem heranrasenden Laster gerettet oder sich in besonderer Weise bei irgendetwas für den anderen eingesetzt. Und dennoch fühlt es sich so gut an! Es ist etwas ganz Besonderes! Und es funktioniert.

Keine dramatische Trennung von Partnern war notwendig, weil sie zu der Zeit schlicht keine hatten. Keine Kämpfe, kein Zögern, kein Unrundlaufen, keine Schwingungsabweichungen – eine harmonische Resonanz der beteiligten Kräfte. Laut Kuchling heißt das: «Durch Überlagerung von zwei harmonischen Schwingungen gleicher Richtung und Frequenz entsteht wieder eine harmonische Schwingung gleicher Frequenz, deren Amplitude von den Einzelamplituden und den Nullphasenwinkeln abhängt.»

Ein schnurgerader Weg. Abgesehen von Max´ merkwürdiger Familie, die Anna eigentlich gar nicht kennenlernen will und ihrer eigenen, die sie selbst genauso wenig präsentieren möchte wie Max seine, was aber andere Gründen haben könnte, denkt sie. Aber ihre eigene Familie ist ja auch hübsch weit weg und das ist gut so! Trotzdem ist es etwas ganz Großes: Anna und Max. Max und Anna. Bens Sticheleien haben allerdings doch eine kleine Wirkung. Sie schmeicheln ihr, ob sie es zugeben will oder nicht.

Dienstag, 2. Juni 1998, Vorlauf

Max ist ein wenig genervt. Wie viele Vorstellungsgespräche eigentlich noch? Ganz zu schweigen von den Bewerbungen. Liegt es an der Durchschnittsnote im Diplom? Liegt es an ihm als Person? Liegt es am Fach? Hätte er nicht VWL studieren sollen? So schwierig hatte er sich den Neubeginn nicht vorgestellt. Oder liegt es an Hamburg?

Anna ist mittlerweile dort gelandet. Die Kontakte seiner Schwester sind jetzt auch einmal Max hilfreich. Eine Freundin von Silvia hatte seiner Schwester erzählt, dass in ihrer Nachbarschaft eine Wohnung für eine kurze Zeit zur Untermiete frei sei. Erbstreitigkeiten, und da wisse man nie so genau, wie lange die dauerten. Die Adresse sei für einen Freund, sagte Max und hofft, dass Anna die Zeit reichen werde, um die Arbeit dort kennenzulernen und für sich – oder vielleicht auch für sie beide? – eine andere Wohnung suchen zu können.

Der Job macht Anna viel Spaß und mit den neuen Kollegen scheint sie sich auch gut zu verstehen, soweit man das nach ein paar Wochen beurteilen kann. Die Pendelei ist für Max nicht so einfach, ehrlich gesagt eher unmöglich geworden, weil weder ein Heimplatz für den Vater gefunden ist noch das Haus verkauft werden konnte. Und Letzteres muss auch noch ausgeräumt werden. Silvia hat versprochen, sich wieder mehr darum zu kümmern. So nahe am Ziel kann man schon mal ungeduldig werden.

Welches Ziel eigentlich? Vom Elternhaus direkt in eine Beziehung mit Wohnungsanschluss? Hört sich schön an und doch wieder nicht. Max möchte gerne einmal nur für sich sein, aber mit Anna. Klingt komisch, weil sie gerne gleich zusammenziehen möchte, aber die derzeitige Wohnung, die sie so schnell bekommen hat, ist nur übergangsweise und auf Dauer sowieso zu klein. Ob sie nochmals abwartet? Ruhe ist nicht wirklich ihre Stärke, sonst hätte Anna vielleicht auch nicht den Job bekommen, da ist Ungeduld als Antriebs- und Überzeugungsmittel stark gefragt.

Gut, dass Silvia nachher noch die Hemden umnäht. Als der Winter dann vorbei war, hatte sie immerhin schon den Flicken auf die Lederjacke genäht. Wieso sie für das Raussuchen des Lederrestes so lange brauchte, hatte sie ihm damit erklärt, dass es farblich und von der Dicke und der Narbung des Leders her zum Rest der Jacke passen müsse, entweder als Kontrast oder als Ergänzung. Kein Wunder, dass bei seiner Schwester vieles so lange dauert, überlegt Max, auch wenn sie manchmal recht hat.

Wenn Silvia heute wieder mit ihrer Neugier kommt, wird er eben auch wie üblich kurz grummeln und dann fährt sie ja auch bald schon wieder los. Eine Fragende weniger. Wieso soll er überhaupt schon wieder alles wissen? Kann er hellsehen? Erst mal hinfahren, dann sehen sie weiter. Mini ist ja da im Haus beim Vater, und er kann dann endlich mal zwei ganze Tage in Hamburg bleiben. Hoffentlich legt Anna nicht so viel Hoffnung in das Vorstellungsgespräch, dann muss er sie auch noch trösten.

Wer tröstet ihn, wenn es nicht klappt? An seiner Vorbereitung liegt es jedenfalls nicht, er ist bestens vorbereitet, hat alles Material gut studiert und zigmal kontrolliert.

Dienstag, 2. Juni 1998, Maßnehmen

Am Dienstagnachmittag kommt Max von einem Kundentermin nach Hause geeilt und bittet Silvia, ihm noch schnell ein paar seiner Hemden zu ändern, bevor diese gleich wieder nach Kiel fährt. Er bräuchte sie dringend, teilt er seiner Schwester knapp mit, und so lange dauerte es ja nicht, oder? Er hat am nächsten Tag wieder ein Vorstellungsgespräch. Und nein, er fährt lieber alleine hin, Silvia muss ihn nicht bringen.

«Eigentlich kannst du ja auch ein wenig zunehmen, dann würden dir diese Hemden vielleicht auch mal so passen!», bemerkt Silvia und schiebt ihre Brille zurecht.