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Die beliebte Schriftstellerin Friederike von Buchner hat mit dieser Idee ein Meisterwerk geschaffen: Die Sehnsucht des modernen Großstadtbewohners nach der anderen, der ursprünglichen Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und bodenständiger Natur bildet Kern und Botschaft dieser unvergleichlichen Romanserie. Liebe und Gefühle, nach Heimat und bodenständiger Natur bildet Kern und Botschaft dieser unvergleichlichen Romanserie. »Xaver, sag mal, geht unsere Küchenuhr vor? Es ist schon so spät und die Kinder sind noch net da!« Xaver Baumberger zog seine Taschenuhr aus der Weste und verglich die Uhrzeit. Er schüttelte den Kopf. Meta Baumberger, Tonis Mutter, schaute besorgt zur Uhr. Sie stellte die Gemüsesuppe vom Herd und wischte sich die Hände ab. In der Küche neben der Wirtsstube war der Tisch gedeckt. Wie jeden Mittag während der Woche, warteten Meta und Xaver auf Sebastian und Franziska, bis sie nach der Schule zu ihnen kamen. Bei den Baumberger Großeltern, wie sie Tonis Eltern liebevoll nannten, aßen sie, bevor Xaver sie mit dem Auto zur Oberländer Alm brachte. Von dort aus ging es zu Fuß hinauf auf die Berghütte. Xaver Baumberger und Bürgermeister Fellbacher wechselten sich wochenweise ab. Toni kam, sooft es ihm möglich war, von der Berghütte herunter und holte die Kinder selbst ab. Der Fahrdienst am Morgen von der Oberländer Alm herunter und am Mittag von Waldkogel wieder hinauf war damals eine Bedingung dafür gewesen, daß die beiden Waisen auf der Berghütte bei Toni, Anna und dem alten Alois leben durften. Alle sorgten sich liebevoll um die beiden Bichlerkinder, die ihren Familiennamen Fremden gegenüber schon mal mit ›Baumberger‹ angaben. »Oder meinst sie müssen nachsitzen, Xaver?« »Schmarrn! Nachsitzen? Die beiden doch net! Die sind brav und lieb.« »Ja, aber irgend etwas stimmt net.
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Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2021
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»Xaver, sag mal, geht unsere Küchenuhr vor? Es ist schon so spät und die Kinder sind noch net da!«
Xaver Baumberger zog seine Taschenuhr aus der Weste und verglich die Uhrzeit. Er schüttelte den Kopf.
Meta Baumberger, Tonis Mutter, schaute besorgt zur Uhr. Sie stellte die Gemüsesuppe vom Herd und wischte sich die Hände ab. In der Küche neben der Wirtsstube war der Tisch gedeckt. Wie jeden Mittag während der Woche, warteten Meta und Xaver auf Sebastian und Franziska, bis sie nach der Schule zu ihnen kamen. Bei den Baumberger Großeltern, wie sie Tonis Eltern liebevoll nannten, aßen sie, bevor Xaver sie mit dem Auto zur Oberländer Alm brachte. Von dort aus ging es zu Fuß hinauf auf die Berghütte. Xaver Baumberger und Bürgermeister Fellbacher wechselten sich wochenweise ab. Toni kam, sooft es ihm möglich war, von der Berghütte herunter und holte die Kinder selbst ab. Der Fahrdienst am Morgen von der Oberländer Alm herunter und am Mittag von Waldkogel wieder hinauf war damals eine Bedingung dafür gewesen, daß die beiden Waisen auf der Berghütte bei Toni, Anna und dem alten Alois leben durften. Alle sorgten sich liebevoll um die beiden Bichlerkinder, die ihren Familiennamen Fremden gegenüber schon mal mit ›Baumberger‹ angaben.
»Oder meinst sie müssen nachsitzen, Xaver?«
»Schmarrn! Nachsitzen? Die beiden doch net! Die sind brav und lieb.«
»Ja, aber irgend etwas stimmt net. Mei, ich kann ja verstehen, daß die Kinder etwas trödeln nach der Schule. Ich erinnere mich an Toni, der ließ sich für den Heimweg auch oft sehr viel Zeit.«
Schritte näherten sich. Sebastian betrat durch die Hintertür vom Garten her die Küche.
»Grüß Gott!« sagte er leise.
Er streifte seinen Schulranzen ab, wusch sich die Hände und setzte sich still an den Tisch.
Xaver und Meta warfen sich Blicke zu.
»Grüß dich, Basti! Wo ist denn die Franzi?«
Basti zuckte mit den Schultern.
Sie werden Streit gehabt haben, dachte Meta. Zwischen Toni und seiner jüngeren Schwester Maria war es auch zu Unstimmigkeiten gekommen, obwohl die beiden eigentlich ein Herz und eine Seele gewesen waren.
»Die wird schon noch kommen!« brummte Basti.
Meta gab ihm von der Gemüsesuppe mit Rindfleischstücken. Es war seine Lieblingssuppe. Er aß, schaute dabei nicht auf.
Meta ließ ihn gewähren.
Basti aß einen zweiten Teller Suppe. Meta und Xaver blickten jetzt beide immer wieder zur Uhr.
»Nun sag mal, Basti. Was ist los? Hattet ihr Streit?«
Der Bub schüttelte den Kopf.
»Was ist dann? Wo ist die Franzi?«
»Sie wird schon kommen, Großmutter Meta.«
Meta Baumberger schüttelte den Kopf.
»Basti, du weißt doch etwas! Wir schimpfen auch net. Wir machen uns nur Sorgen. Des ist noch nie vorgekommen, daß die Franzi so spät dran war. Also, Basti! Du bist auch ein bisserl verantwortlich für deine kleine Schwester. Nun sag schon, Bub!«
Sebastian schaute unter sich. Er kämpfte mit den Tränen. Meta Baumberger nahm einen Stuhl und setzte sich neben ihn. Sie legte den Arm um seine Schultern.
»Basti, was bedrückt denn dein Herzl?«
Jetzt quollen Tränen aus Sebastians Augen. Meta war erschüttert.
»Basti! Mei, Basti! Was hast denn?«
Sebastian wischte sich die Tränen fort. Er schnauzte sich die Nase.
»Die Franzi ist auf dem Friedhof. Unsere Mutter hätte heute Geburtstag!« sagte er ganz leise, kaum hörbar.
Meta nahm Sebastian ganz fest in den Arm.
»Mei Bub, warum habt ihr nix gesagt? Dann hätten wir alle, ihr beide, der Xaver, ich, der Toni und die Anna einen großen Blumenstrauß genommen und wären zum Friedhof gegangen.«
Sebastian zuckte mit den Schultern. Er kuschelte sich in die Arme seiner Ersatzgroßmutter. Sie strich ihm über das Haar.
»Naa, das ist net notwendig. Die Franzi wird bald kommen. Wir waren nach der Schule auf dem Friedhof. Die Franzi wollt’ noch bleiben.«
Sebastian schniefte.
»Blumen haben wir schon hingebracht. Wir waren auf dem Bichler Hof und haben aus dem Garten Blumen geholt. Weißt, von dem Rosenspalier haben wir welche abgemacht. Die Mutter mochte die so gern.«
»Mei, des war aber lieb. Da freut sie sich bestimmt. Die schaut vom Himmel herab, freut sich und denkt, was hab’ ich für liebe Kinder.«
Meta Baumberger hielt Sebastian ganz fest. Sie wußte, daß dieser Gang der beiden Kinder zum Bichler Hof schwer gewesen sein muß. Seit dem tragischen Unfalltod ihrer Eltern vermieden Sebastian und Franziska zum Hof zu gehen. Der Hof ihrer Eltern war vermietet. Dort wurde jetzt keine Landwirtschaft mehr betrieben. Die Äcker und Wiesen waren verpachtet. Toni und Anna regelten alles im Namen der Kinder. Alle hatten den Eindruck, daß die beiden Waisen bei Toni und Anna sehr glücklich waren. Dabei war jedem klar, daß die leiblichen Eltern niemals ersetzt werden konnten. Bisher waren die Kinder sehr tapfer gewesen. Meta konnte nur mutmaßen, warum die beiden nichts vom Geburtstag ihrer verstorbenen Mutter gesagt hatten. Wahrscheinlich wollten sie Toni und Anna schonen. Die Kinder waren so lieb und brav. Sie wollten bestimmt nicht den Eindruck erwecken, daß sie Toni und Anna nicht schätzten. Sie hatten wohl Angst, daß sie bei der Erwähnung ihrer Mutter Anna verletzen könnten.
»Dann denke ich, daß die Franziska bald kommt, Basti. Setze dich draußen an einen Tisch in der Wirtsstube und fang an, Hausaufgaben zu machen. Ich rufe den Toni an und sage, daß ihr heute ein bisserl später auf die Berghütte kommt.«
Sebastian griff nach Meta Baumbergers Hand.
»Sag dem Toni aber net, warum wir später dran sind. Bitte!«
In Bastis Augen lag ein flehentlicher Blick.
»Naa, Basti, naa! Ich sage nix! Aber der Toni und die Anna machen sich Sorgen, wenn ihr später heimkommt. Sie haben euch sehr lieb, und da sorgen sie sich. Da muß ich Bescheid sagen.«
»Wir haben sie auch lieb! Und dich und den Xaver Großvater auch!«
»Das wissen wir!«
Meta Baumberger drückte Sebastian einen Kuß auf das blonde Haar. »Ist alles in Ordnung, Basti! Jetzt fange an und mache deine Hausaufgaben.«
Basti nickte. Er stand auf, nahm seinen Schulranzen und setzte sich an den Tisch in der Wirtsstube. Dort war es noch still und leer. Die Baumbergers machten ihre Wirtschaft erst am späten Nachmittag auf. Für die wenigen Pensionsgäste gab es morgens nur Frühstück.
Nachdem Sebastian mit den
Hausaufgaben begonnen hatte, flüsterte Meta ihrem Mann leise zu:
»Ich geh’ rauf in die Wohnung und rufe den Pfarrer Zandler an. Er soll mal nach der Franzi auf dem Friedhof sehen.«
»Mach des!« stimmte Xaver leise zu.
Meta ging nach oben und telefonierte kurz mit dem Geistlichen. Er sicherte ihr zu, sich sofort um die kleine Franziska zu kümmern.
Franzi kniete vor dem Grab ihrer Mutter. Sie hielt immer noch den Rosenstrauß in der Hand.
»Grüß Gott, Franzi! Des ist aber ein schöner Blumenstrauß. Die mußt du ins Wasser stellen, sonst welken sie. Es ist ja heute ein sehr heißer Tag. Soll ich dir helfen?«
Pfarrer Zandler wartete Franzis Antwort nicht ab. Er nahm die Vase heraus, die vor dem Holzkreuz in der Erde steckte, und entfernte die welken Blumen. Er leerte das Wasser aus.
»So, hier, Franzi! Jetzt gibst du mir deine Rosen und gehst zum Hahn und holst Wasser.«
Franziska nickte. Sie stand auf, rieb sich mit den Händen den Staub von den Knien und eilte davon.
Pfarrer Zandler half Franziska, die Vase in die Erde zu stecken und die Rosen zu ordnen.
»Das sind wirklich schöne Blumen. Da werden sich deine Eltern freuen.«
Franzi schaute den Pfarrer an.
»Die Rosen sind für die Mutter! Die hat heute Geburtstag.«
»Richtig! Jetzt sehe ich es auch. Was bin ich für ein Trottel! Das Geburtsdatum steht ja auf dem Kreuz. Deine Mutter hätte heute sogar einen runden Geburtstag, vierzig Jahre wäre sie geworden. Ich bin sicher, sie freut sich da oben im Himmel sehr über deinen Besuch.«
Franzi mußte kichern. Sie hielt sich die Hand vor den Mund.
»Sie können kein Trottel sein!«
»So? Warum?«
»Na, weil Pfarrer keine Trottel sein können!«
»So, meinst des? Na, wenn du des so sagst, dann muß es wohl stimmen. Wo ist denn der Basti?«
»Der war auch hier. Aber der ist schon zu den Baumberger Großeltern gegangen.«
Pfarrer Zandler schaute auf die Uhr. »Mußt auch gehen, Franzi. Die Baumberger Großmutter wartet bestimmt mit dem Essen. Soll ich mit dir gehen?«
Franziska schüttelte den Kopf.
»Naa! Ich kenne doch den Weg!«
Pfarrer Zandler sprach laut ein Gebet. Dann brachte er Franzi bis zur Hauptstraße. Er blieb eine Weile stehen und schaute dem kleinen Mädchen nach. Franzi drehte sich einige Male um und winkte ihm zu.
Während Pfarrer Zandler Franzi nachsah, gingen seine Gedanken zurück zu dem tragischen Unglück, als der Berghang abrutschte und die Eltern der beiden unter sich begrub. Er durchlebte die folgenden Tage in Gedanken noch einmal, als ganz Waldkogel verzweifelt nach den Kindern gesucht hatte, weil diese, um dem Kinderheim zu entgehen, davongelaufen waren. Sie waren so verstört gewesen! Toni und Anna war es schließlich gelungen, das Vertrauen der beiden zu gewinnen. Mit vereinten Kräften hatten Anna und Toni, Bürgermeister Fritz Fellbacher und er selbst die Vormundschaftbehörden überzeugen können. So konnten Franziska und Sebastian auf der Berghütte bei Anna und Toni leben. Für alle war es ein großes Glück, da die Ehe von Toni und Anna bisher kinderlos geblieben war. Die beiden Bichler Kinder waren auf der Berghütte sehr glücklich. Pfarrer Zandler wußte, daß die beiden Toni und Anna oft als ihre Eltern ausgaben. Aber an einem Tag wie diesem, da war es für die beiden schwer. Da kamen auch ihnen traurige und schlimme Erinnerungen, und der Schmerz legte sich auf die kleinen Kinderherzen. Pfarrer Zandler schickte einen tiefen Seufzer hinauf zum Himmel.
*
Durch die offenen Fenster der Wirtsstube drangen Motorengeräusche. Basti lief zum Fenster.
»Mei, des ist ein Sportwagen, wie ich noch nie einen gesehen hab«, rief er und lief hinaus.
Das Motorengeräusch verstummte. Meta und Xaver Baumberger folgten Basti vor das Haus. Aus dem roten Sportwagen einer italienischen Nobelfirma stieg ein junger Mann. Er trug eine helle Seidenhose und ein kurzärmeliges T-Shirt einer Edelmodemarke. Blonde Locken fielen ihm in die Stirn. Lässig schob er die Sonnenbrille von der Nase auf den Kopf.
»Guten Tag! Bin ich hier richtig?« Er schaute auf einen Zettel. »Ich suche Dorothea Annabelle!«
Sebastian lief zu ihm.
»Du suchst die Anna?«
»Anna? Nein! Die Dame, die ich suche, heißt Dorothea Annabelle. Ihr Familienname war Zwirner, bevor sie heiratete. Jetzt heißt sie Baumberger.«
»Des ist doch die Anna! Wir sagen ›Anna‹ zu ihr!« Xaver Baumberger trat zu dem jungen Mann.
»Grüß Gott! Ich bin der Xaver Baumberger und des hier ist meine Frau, die Meta. Der Toni, der Mann von der Anna, ist unser Bub.«
Freudig reichte ihnen der Fremde die Hand.
»Guten Tag! Freut mich, Sie kennenzulernen. Mein Name ist Steven Overman! Ich kenne Anna, wie sie wohl jetzt genannt wird, von früher, von ihrer Arbeit in der Bank in Hamburg. Ist sie hier?«
»Na, die Anna ist nicht hier.«
»Was willst du von der Anna?« warf Sebastian ein.
»Und wer bist du?«
»Wir gehören auch dazu! Ich bin der Basti und das ist die Franzi.«
»Guten Tag, Basti! Guten Tag, Franzi!«
»Die beiden leben bei unserem Sohn und Anna.«
»Wir sind die Kinder«, verkündete Sebastian stolz. »Seit unsere Eltern gestorben sind, sind der Toni und die Anna unsere Eltern.«
»Oh, das wußte ich nicht. Das tut mir jetzt aber leid. Das hat mir in Hamburg niemand erzählt. Wenn ich das gewußt hätte, dann hätte ich euch schöne Geschenke mitgebracht. Aber das haben wir gleich!«
Steven griff in die Gesäßtasche seiner Hose und holte einen Bündel Euroscheine hervor, die mit einer großen Geldklammer zusammengehalten wurden. Er nahm zwei Scheine heraus und hielt sie Franzi und Basti hin.
»Bitte! Statt des Geschenks, das ich nicht mitgebracht habe. Kauft euch etwas Schönes!«
Die Kinder griffen sofort zu. Es waren Zweihunderteuroscheine.
»Sind die echt?« fragte Basti. Er hielt den Schein gegen das Sonnenlicht. »Mm! Scheint echt zu sein!«
»Bist du reich?« fragte die kleine Franziska unverblümt.
Steven Overman lachte laut.
»Ich will es mal so sagen, arm bin ich nicht!«
Meta Baumberger nahm den Kindern die Scheine ab.
»Die werde ich für euch aufheben! Des ist viel Geld. Net, daß ihr es verlieren tut!«
Xaver Baumberger steckte seine Hände in die Taschen seiner Seidenhose und musterte den jungen Mann.
»Also, wie gesagt, die Anna ist nicht da! Die lebt mit dem Toni auf der Berghütte.«
»Oh, ja! Von der Berghütte hat man mir erzählt. Wo ist sie? Wie komme ich da hin?«
Sebastian antwortete blitzschnell: »Die Berghütte ist oben in den Bergen, deshalb heißt sie auch Berghütte. Aber mit dem Auto kannst da net rauf. Da geht keine Straße hinauf. Nur bis zur Oberländer Alm kann man fahren. Dann mußt du laufen. Die Franzi und ich zeigen dir gern den Weg, wenn du uns bis zur Oberländer Alm mitnimmst. Wir wollen nämlich jetzt zur Berghütte.«
»O. k.! Dann steigt mal ein!«
Sebastian ließ sich das nicht zweimal sagen. Er kletterte in das Cabrio. Franzi setzte sich dazu.
»Dann wollen wir mal!«
Steven stieg ein, und sie fuhren los.
»Du bist aber net von hier? Des hört man!« bemerkte Basti unterwegs.
Steven steuerte langsam und sehr vorsichtig das Auto den Milchpfad hinauf. Das war nicht einfach, weil das Fahrzeug tiefer gelegt war.
»Da hast du richtig gehört! Ich komme aus Amerika, genauer gesagt, aus New York.«
»Mei! Aus New York! Da, wo die vielen Wolkenkratzer stehen. Bist du schon einmal in so einem Haus drin gewesen?«
Steven Overman schmunzelte.
»Ja, sicher! Uns gehören einige davon!«
»Mei, dir gehören Hochhäuser! Da mußt du aber viel Platz haben.«
»In Hochhäusern wohnt man nur selten, dort sind unsere Büros.«
Sie erreichten die Oberländer Alm.
Neugierig betrachteten Wenzel und Hilda Oberländer das Luxusauto, dessen Verdeck sich automatisch schloß. Sebastian und Franziska verhinderten, daß Wenzel den Gast aus Amerika ansprechen konnte. Sie gingen sofort los und eilten den Bergpfad hinauf. Steven folgte ihnen. Bald war er außer Atem. Sebastian grinste.
»Sportlich bist aber net!« bemerkte er.
Mit Rücksicht auf den Amerikaner gingen die beiden Kinder etwas langsamer.
Als sie zur Berghütte kamen, warteten Toni und Anna bereits auf der Terrasse. Den Kindern fiel sofort auf, daß ein Tisch mit einem hellen Tischtuch aus Stoff gedeckt war. Das gab es sonst nicht.
»Guten Tag, Dorothea!«
Anna reichte Steven die Hand.
»Willkommen auf unserer Berghütte, Steven«, sie lachte ihn an. »Oder wie wir hier sagen, ein herzliches ›Grüß Gott‹.«
Sie stellte Steven Toni vor.
»Steven, sag bitte nicht mehr Dorothea zu mir! Ich bin hier die Anna! Setz dich! Siehst erschöpft aus!«
Anna zeigte auf den schöngedeckten Tisch.
»Meine Schwiegereltern haben angerufen und sagten, daß du auf dem Weg bist!«
Dankbar für eine Sitzgelegenheit, setzte er sich. Er war erschöpft vom Aufstieg. Er wischte sich mit einem weißen Taschentuch die Schweißperlen von der Stirn.
»Diese Berghütte ist fast am Ende der Welt! Wow! So hoch!«
Anna lachte.
»War es sehr anstrengend?« fragte Anna.
Das wollte der eitle Steven nicht zugeben.
»Ungewohnt! Nur ungewohnt!« stöhnte er.
Dankbar trank er das Bier, das ihm Toni reichte.
Anna trug Kaffee und Kuchen auf. Sie setzten sich alle.
»Das ist ja wirklich eine große Überraschung, Steven! Was führt dich nach Deutschland?«
Steven Overman schaute Anna in die Augen.
»Was soll mich nach Europa führen? Geschäfte, Geschäfte, – und noch einmal Geschäfte!«
»Wenn man dich kennt, dann wundert man sich nicht. Geschäfte sind dein einziger Lebensinhalt. Oder hat sich daran etwas geändert? Hast du inzwischen Familie? Immerhin habe wir uns eine Zeitlang nicht gesehen und auch nichts voneinander gehört. Deine Glückwünsche zu unserer Hochzeit waren das letzte Lebenszeichen von dir. Übrigens, vielen Dank für das Geschenk. Hast du meinen Brief erhalten, in dem ich mich dafür auch in Tonis Namen bedankte?«
