Unruhen im All – Drei Science-Fiction-Romane - Jürgen ten Hoevel - E-Book

Unruhen im All – Drei Science-Fiction-Romane E-Book

Jürgen ten Hoevel

0,0
6,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

In den Weiten des Alls bekämpfen sich die verschiedensten Gruppen. Sie streiten sich um Territorien, Ressourcen, die Vormachtstellung sowie die Herrschaft über die Galaxis und das bereits seit vielen Jahrhunderten …
Zu »Der achthundertjährige Krieg«: Seit 800 Jahren führt Terra gegen einen unbekannten Gegner Krieg; und als sich die Gelegenheit zum finalen Schlag bietet, gibt es plötzlich vollkommen neue Aspekte.
Seit jenem Tag vor 800 Jahren, als Kommandant Lunga mit seinem Expeditionskreuzer im Spiralarm NC 98 auf ein Schiff der Bobits gestoßen war, herrschte Krieg. Die Bobits waren nicht die erste intelligente außerirdische Lebensform, mit denen die Nachkommen des Mutterplaneten Terra in Berührung gekommen waren. Aber sie waren die erste Rasse, die ebenfalls über den interstellaren Raumantrieb verfügte.
Sie griffen damals sofort an. Lunga vernichtete das Schiff der Bobits. Sein Kreuzer hatte die stärkeren Abwehrschirme. Es war noch heute so: immer blieb der Sieger, der über die größeren Energiereserven verfügte.


In diesem Band sind folgende Romane enthalten:
› Der achthundertjährige Krieg
› Zwischenfall auf Wannop V
› Durchbruch nach K-Ceti 6

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



 

 

 

Jürgen ten Hoevel

 

 

Unruhen im All

 

Drei Science-Fiction-Romane

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

 

Copyright © by Authors/Xebusch-Verlag 

Cover: © by Steve Mayer, 2022

 

Verlag: Xebusch. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

 

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

 

Alle Rechte vorbehalten

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

Unruhen im All 

Der achthundertjährige Krieg 

1. Kapitel 

2. Kapitel 

3. Kapitel 

4. Kapitel 

5. Kapitel 

6. Kapitel 

7. Kapitel 

8. Kapitel 

9. Kapitel 

10. Kapitel 

11. Kapitel 

12. Kapitel 

13. Kapitel 

14. Kapitel 

15. Kapitel 

16. Kapitel 

17. Kapitel 

Zwischenfall auf Wannop V 

1. Kapitel 

2. Kapitel 

3. Kapitel 

4. Kapitel 

5. Kapitel 

6. Kapitel 

7. Kapitel 

8. Kapitel 

9. Kapitel 

10. Kapitel 

Durchbruch nach K-Ceti 6 

1. Kapitel 

2. Kapitel 

3. Kapitel 

4. Kapitel 

5. Kapitel 

6. Kapitel 

7. Kapitel 

8. Kapitel 

9. Kapitel 

10. Kapitel 

11. Kapitel 

Weitere Science-Fiction-Anthologien sind erhältlich: 

 

Das Buch

 

 

 

In den Weiten des Alls bekämpfen sich die verschiedensten Gruppen. Sie streiten sich um Territorien, Ressourcen, die Vormachtstellung sowie die Herrschaft über die Galaxis und das bereits seit vielen Jahrhunderten …

Zu »Der achthundertjährige Krieg«: Seit 800 Jahren führt Terra gegen einen unbekannten Gegner Krieg; und als sich die Gelegenheit zum finalen Schlag bietet, gibt es plötzlich vollkommen neue Aspekte.

Seit jenem Tag vor 800 Jahren, als Kommandant Lunga mit seinem Expeditionskreuzer im Spiralarm NC 98 auf ein Schiff der Bobits gestoßen war, herrschte Krieg. Die Bobits waren nicht die erste intelligente außerirdische Lebensform, mit denen die Nachkommen des Mutterplaneten Terra in Berührung gekommen waren. Aber sie waren die erste Rasse, die ebenfalls über den interstellaren Raumantrieb verfügte.

Sie griffen damals sofort an. Lunga vernichtete das Schiff der Bobits. Sein Kreuzer hatte die stärkeren Abwehrschirme. Es war noch heute so: immer blieb der Sieger, der über die größeren Energiereserven verfügte.

 

In diesem Band sind folgende Romane enthalten:

› Der achthundertjährige Krieg

› Zwischenfall auf Wannop V

› Durchbruch nach K-Ceti 6

 

 

***

Unruhen im All

 

Drei Science-Fiction-Romane 

von Jürgen ten Hoevel 

 

 

Der achthundertjährige Krieg

 

 

1. Kapitel

 

»An das Licht dieser Sonne kann ich mich einfach nicht gewöhnen«, meinte Art Bark verdrießlich und hob bedauernd die Schultern. Er lehnte sich gegen die schillernde Außenhülle des Kugelgleiters und scharrte mit dem Fuß Figuren in den rötlichen, kupferhaltigen Staub, der die Ebene bis zum Horizont hin bedeckte.

»Mir geht es genauso«, pflichtete ihm Phil Markett bei. Vorsichtig änderte er die Entfernungseinstellung der transportablen Fernsichtscheibe, die er vor sich aufgebaut hatte.

»Nichts, absolut nichts zu sehen! Es ist wie verhext, aber irgendwo müssen sie doch stecken!« Mit gespielter Verzweiflung raufte sich Markett, Offiziersanwärter der Raumflotte des Imperiums, die Haare.

»Ja, irgendwo …« Art Bark, Selektor der Flotte, konnte den vergeblichen Bemühungen des jungen Raumkadetten, den Feind auf die Sichtscheibe zu bekommen, nicht einmal mehr ein mitleidiges Lächeln abgewinnen.

Bedächtig verwischte er mit dem Fuß seine künstlerisch nicht gerade sehr anspruchsvollen Gebilde im Staub und begab sich in das Innere der Kugel. Nachdem er die Schleuse passiert hatte, stellte er mit einem Griff zum Gürtel seinen Individual-Schutzschirm ab, der auf allen noch nicht freigegebenen Planeten getragen werden musste. Ein Blick auf die Instrumente in der Zentrale überzeugte ihn davon, dass die Ortungsgeräte normal arbeiteten. Der Koordinationsrobot hatte alle einhundertzwanzig Beobachtungssatelliten auf die vorgesehenen Umlaufbahnen gebracht.

In dreihundert Kilometern Höhe umkreisten sie den fünften Planeten der Sonne »Mandos« im Spiralarm NX 44 der Milchstraße. Nichts konnte ihren elektronischen Augen und Detektoren entgehen, die selbst winzigste Energiequellen lokalisierten und Temperaturunterschiede von Bruchteilen eines Grades anzeigten. Jedes noch so kleine, warmblütige Lebewesen wäre von ihnen sofort entdeckt worden.

Und dennoch – Bark runzelte die Stirn: Markett hatte schon recht, irgendwo mussten sie stecken, die Bobits. Die Raumschlacht hatte in einundzwanzig Lichtjahren Entfernung stattgefunden. Die Flotte der Bobits war restlos vernichtet worden, lediglich einige Rettungskapseln hatten entkommen können.

»Und die suchen wir jetzt auf diesem trostlosen Planeten, der als einzige Lebensform eine Art Sandfloh hervorgebracht hat«, murmelte Art Bark verstimmt vor sich hin.

Einen Moment dachte er darüber nach, wie lange der Krieg schon dauerte: 800 Erdenjahre! Und wir wissen immer noch nicht, wo die Heimatplaneten der Bobits liegen. Der einzige Trost war, dass auch sie nicht wussten, in welchem Sektor der Milchstraße die menschliche Rasse beheimatet war.

Seit jenem Tag vor achthundert Jahren, als Kommandant Lunga mit seinem Expeditionskreuzer im Spiralarm NC 98 auf ein Schiff der Bobits gestoßen war, herrschte Krieg. Die Bobits waren nicht die erste intelligente außerirdische Lebensform, mit denen die Nachkommen des Mutterplaneten Terra in Berührung gekommen waren. Aber sie waren die erste Rasse, die ebenfalls über den interstellaren Raumantrieb verfügte.

Sie griffen damals sofort an. Lunga vernichtete das Schiff der Bobits. Sein Kreuzer hatte die stärkeren Abwehrschirme. Es war noch heute so: immer blieb de r Sieger, der über die größeren Energiereserven verfügte.

Art Bark verzog sein Gesicht zu einem bitteren Lächeln. Vom Verlierer blieb nie etwas anderes übrig als eine Energiewolke. Deshalb wusste auch niemand, wie die Bobits eigentlich aussahen, was für Wesen sie waren. Ihren Namen hatten sie von Kommandant Lunga. Nur der Allgeist mochte wissen, wie er darauf verfallen war. Die einen behaupteten, er habe ihn sich einfach ausgedacht. Andere meinten, so hätten sich Funksignale angehört, die von Lungas Schiff aufgenommen worden waren.

Doch wie dem auch war, er musste schon ein tüchtiger Mann gewesen sein, dieser Lunga Immerhin hatte er dem Imperium einen Krieg beschert, der die ganze Milchstraße zum Schlachtfeld hatte. Art Bark löste sich von seinen fruchtlosen Überlegungen und widmete sich wieder seiner Umgebung.

»Wo bleiben Sie nur, Markett!«, erinnerte er sich an seinen Gefährten. Das war schon eine unsinnige Idee, mit dem Telesucher auf Feindortung zu gehen.

Bark nahm einen Schluck Wasser zu sich, das die Aufbereitungsanlage aus Mineralien von »Mandos V« gewonnen hatte. Nach einem prüfenden Blick über die Kontrollgeräte verließ er den Gleiter wieder.

Vor der Kugel blieb er überrascht stehen: Jetzt schien der Junge total verrückt geworden zu sein. Und so etwas wollte Offizier der Flotte werden!

Art Bark wurde sachlich. Er zog sein Gesicht in grimmige Falten, versuchte vergeblich den Gedanken zu verbannen, dass die jungen Leute früher aus ganz anderem Holz geschnitzt waren, und trat hinter Phil Markett.

Der Kadett hatte eine Hand an die Stirn gelegt und suchte jetzt offensichtlich mit bloßem Auge die Ebene ab. Er schreckte zusammen und wandte sich verlegen lächelnd um.

»Ich weiß schon, Sie wundern sich«, kam er Art Bark zuvor. »Aber ich habe bestimmt etwas gesehen!« Er machte eine komisch verzweifelte Bewegung mit den Händen zum Kopf hin. »Glauben Sie mir, Selektor, dort drüben im Gelände habe ich eine Bewegung gesehen!«

»Mit der Sichtscheibe?«, erkundigte sich Bark spöttisch.

»Nein, eben nicht! Mit dem bloßen Auge«, platzte Markett heraus. »Das ist es ja gerade. Auf der Sichtscheibe ist nichts zu sehen, absolut nichts. Dennoch, ich könnte schwören, dass sich da vorn etwas bewegt hat.« Markett machte jetzt einen völlig verstörten Eindruck.

»Wenn auf der Scheibe nichts zu sehen ist, dann gibt es dort auch nichts«, redete Bark begütigend auf ihn ein. »Außerdem hätten die Satelliten-Orter ansprechen müssen, wenn da tatsächlich etwas gewesen wäre.«

Markett sah ausgesprochen zerknirscht, ja, fast krank aus, als er jetzt zugab: »Ich habe mir das auch schon gesagt, aber kann man sich so irren?«

Das fehlte gerade noch, dass der Bursche den Raumkoller bekommt, dachte Art Bark verärgert.

»Schluss mit dem Theater«, befahl er.

»Jawohl!« Markett beeilte sich, die Sichtscheibe zusammenzuklappen. Er befestigte einen Gravitations-Neutralisator an einem der dafür vorgesehenen Griffe und dirigierte das jetzt federleichte Gerät hinter dem davoneilenden Selektor in die Außenschleuse des Gleiters.

Als er die Zentrale betrat, saß Selektor Bark bereits hinter der großen Raumsichtscheibe und stellte die Verbindung zum Schlachtschiff Admiral Basarbs her.

Schon nach wenigen Sekunden erschien ein hoher Nachrichtenoffizier auf dem Schirm. Bevor Selektor Bark noch etwas sagen konnte, wurde er angesprochen: »Was wünschen Sie?«

»Selektor Bark, ich möchte mit dem Admiral verbunden werden!«

Hat der Kerl keine Augen im Kopf?, dachte Markett empört. Der Selektor ist doch der ranghöhere Offizier. 

»Leider unmöglich, wir haben Feindberührung!« Der Offizier machte ein ernstes Gesicht. »Zu Ihrer Unterrichtung kurz die Lage. Nachdem wir gestern den Verband der neuen Dreiecksschiffe der Bobits vernichtet haben, ist jetzt wieder eine feindliche Flotte aufgetaucht. Sie setzen abermals einen neuen, bisher unbekannten Schiffstyp ein – Dreiecksschiffe von riesiger Größe mit dicken Randwulsten. Es sieht verdammt mulmig für uns aus. Zurzeit beharken sie uns mit Traktorstrahlen von enormer Kraft.«

Das Bild des Offiziers auf dem Schirm verzerrte sich. Nur noch ganz schwach war seine Stimme zu vernehmen: »Wir bauen Abwehrfelder auf. Melden Sie sich später …«

Die Verbindung brach ab.

Eine zweite Raumschlacht im Sektor NX 44 – Markett konnte es kaum fassen.

Selektor Bark drehte sich herum und sagte: »Wir müssen abwarten. Unsere Suche setzen wir auf jeden Fall weiter fort!«

 

 

 

2. Kapitel

 

 

Terra war noch immer einer der mächtigsten Planeten des Imperiums. Mit Beginn des Krieges gegen die Bobits war die gute, alte Erde sogar wieder an die erste Stelle gerückt. Die Universitäten, an denen die hervorragendsten Geistes- und Naturwissenschaftler lehrten, waren überfüllt. Auch die Kadettenschulen konnten den Bedarf der Flotte an Offizieren kaum noch decken.

In den vergangenen Jahrhunderten hatte das Imperium mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln das Muttersystem der Menschheit zu einer uneinnehmbaren militärischen Festung ausgebaut. Die wichtigsten Abteilungen des Flottenkommandos waren wieder auf Terra stationiert.

Dennoch war Wega VII offizieller Sitz des Hohen Rates geblieben, denn Terra konnte natürlich nur langsam die verloren gegangene Führungsrolle zurückerobern.

Vor achthundert Jahren hatte es schlecht um die Geburtsstätte der menschlichen Rasse ausgesehen. Die ungünstige Randlage im Milchstraßensystem machte sich auf die Dauer katastrophal bemerkbar. Während die Planeten des Zentrums immer reicher und mächtiger wurden, verbrauchten die Terraner ihre letzten Rohstoffreserven.

Schwärzestes Kapitel in der Geschichte Terras war die Verlegung des Regierungssitzes nach Wega VII. Damit war die Gründerin des Imperiums zum abhängigen Ratsplaneten geworden. Natürlich hatte Terra Sitz und Stimme im Hohen Rat behalten. Doch sie war nur noch ein Planet unter vierhundert anderen, die ebenfalls Vollmitglieder der Ratsversammlung waren.

Beim Auftauchen der Bobits stand die menschliche Rasse nun vor einer gänzlich neuen Situation: Einmal war ihre absolute Vorherrschaft gefährdet, zum anderen vielleicht sogar ihre Existenz bedroht. In dieser Lage war es für die miteinander wetteifernden Ratsplaneten immer noch die annehmbarste Lösung gewesen, für den schlimmsten Fall den Mutterplaneten als letztes Bollwerk der Menschheit zu befestigen.

Ihre wiedererlangte Spitzenstellung verdankte Terra aber nicht zuletzt dem Umstand, dass sie Sitz und Zentrum des gigantischen Informations- und Zeitungskonzerns »press-galaxis« war.

Nachdem es vor achthundertfünfzig Jahren gelungen war, ein Verfahren zu entwickeln, ohne Zeitverlust Signale über beliebig große Entfernungen zu senden, kam das fast vergessene Morsealphabet wieder zu Ehren. Selbst das kleinste Raumschiff besaß jetzt einen Plocker. Dieses Gerät diente zugleich als Empfänger und Sender. Es suchte den Hyperraum nach Signalrhythmen ab und leitete die empfangenen Zeichen zu einem denkbar einfachen Zusatzapparat: Einem Schreiber. Umgekehrt nahm der Plocker einen mit dem Schreiber getippten Spruch auf und sendete ihn in einzelne Signale zerhackt in den Hyperraum.

Inzwischen war die Entwicklung so weit fortgeschritten, dass mit vorgeschalteten Positronengehirnen sogar wieder Sprech- und Sichtverbindungen über Lichtjahrentfernungen möglich waren. Die Plocker konnten zwar nach wie vor nur einfachste Signale durch den Hyperraum senden, aber bei der Vielzahl der Möglichkeiten waren die Superrechner in der Lage, diese Zeichen in Bilder und Laute zu modulieren.

Zunächst hatte aber nach jener sensationellen Erfindung nichts näher gelegen, als noch eine weitere Anleihe in der Vergangenheit zu machen: Die Zeitung wurde wieder bevorzugte Informationsquelle. Für den Zusammenhalt des Imperiums war das von nicht abzuschätzendem Wert.

Kurz nach Beginn des Krieges erschien die »press-galaxis« schon auf 700 Planeten. Heute betrug ihre Auflage 70 Milliarden Exemplare. Damit war das Nachrichtenmonopol für alle 64.000 Planeten des Imperiums in der Hand der »press-galaxis«.

Zur gleichen Zeit liefen auf diesen 64.000 Planeten die Vervielfältiger an, wenn auf Terra der Superblock mit der Sendung des Galaktischen Nachrichtenteils begann.

Die »press-galaxis« war im Grunde genommen genauso wie die Flotte ein Kind des Krieges. Sie trug dem verständlichen Bedürfnis der Menschen auf allen Planeten Rechnung, über den neuesten Stand der Kampfhandlungen informiert zu werden. Außerdem gab sie die wissenschaftlichen Erkenntnisse der terrestrischen Zentren für Grundlagenforschung an alle Planeten weiter.

Neid und Missgunst, die möglichen Triebfedern kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den Planeten des Imperiums, waren damit aus der Galaxis geschaffen. Vor dem Krieg gegen die Bobits war es häufig schlecht um die Einheit der menschlichen Rasse bestellt gewesen. Der Kampf zwang das Imperium zu gewaltigen Anstrengungen und schweißte die Planeten eng zusammen. Jetzt, nach 800 Jahren Krieg, hätte es keines gemeinsamen Feindes mehr bedurft, um den Bestand des Imperiums zu garantieren.

 

 

 

3. Kapitel

 

 

»Raumschlacht im Sektor NX 44 – Flotte der Bobits vernichtet!«

Mit geradezu liebevoller Betonung verkündete Lemi Mirk diese beiden Schlagzeilen für die nächste Ausgabe der »press-galaxis«. Er stand vor der riesigen, dreidimensionalen Projektion eines Weltraumausschnittes, der alle Spiralarme und Sektoren der Milchstraße bis zu einer Entfernung von 50.000 Lichtjahren um das Imperium herum als winzige Lichtflecke anzeigte.

»Da!«

Er drückte auf eine Tastatur mehrere Buchstaben und Zahlen ein, bis er die Kombination NX 44 zusammen hatte und wiederholte dann: »Da hat die Schlacht stattgefunden!«

Als wäre es sein persönliches Verdienst, wies er stolz auf einen jetzt in kurzen Intervallen grell aufleuchtenden Punkt im rechten, oberen Teil des Sternenglobusses.

Dozierend brachte er vor: »Übrigens ein ausgezeichneter Bericht unserer Leute bei Admiral Basarb. Ich habe zusätzlich noch Anweisung gegeben, alle Offiziere der Schiffe, die im Nebel NX 44 stehen, in unseren Ausgaben ihrer Heimatplaneten mit vollem Namen zu erwähnen.«

Sichtlich befriedigt sah sich Lemi Mirk in der Gruppe der zwanzig Personen um, die ihn umstanden. Ein unerhörter Glücksfall für mich, dachte er, dass ich heute Berichterstatter bei der »Großen Redaktionskonferenz« bin.

Er suchte den allmächtigen »Ersten Koordinator« aus dem Kreis der aufmerksam zuhörenden Männer und Frauen heraus und erstarrte: Zusammen mit einem jungen Mann und einer ungewöhnlich attraktiven Frau hatte sich der K I von der jetzt laut diskutierenden Gruppe der Fachkoordinatoren abgesondert. Den Mann hatte Lemi Mirk schon einige Male bei Redaktionskonferenzen gesehen, war ihm aber noch nie vorgestellt worden. Die Frau sah er zum ersten Mal.

Alle drei schienen sehr erregt zu sein, und, was Mirk am meisten erschütterte, die beiden jungen Leute führten das Wort. Man sah ihnen an, dass sie Geschwister waren.

Der K I nickte heftig mit dem Kopf und wandte sich ihm zu: »Gute Arbeit, meine Anerkennung! Bevor der Bericht über Superplock verbreitet wird, benötige ich auch die geringsten Einzelheiten über den Verlauf der Schlacht. Außerdem möchte ich die genaue Position von Basarbs Flotte.«

Mit bleichem und sichtlich verwirrtem Gesicht schritt er durch die Gruppe der Fachkoordinatoren in sein Büro. Die beiden jungen Leute folgten ihm auf dem Fuß. Schon Sekunden später zeigten Warntafeln an, dass der K I die Energiebarrieren eingeschaltet hatte. Der Schutzschirm bewahrte sein »Allerheiligstes« vor neugierigen Fernaugen und -ohren.

Fünf Minuten später las Delon Malwarrek, der junge Mann, den Plockerbericht über die Raumschlacht im Sektor NX 44. Er wurde dabei von seiner Schwester Pal und dem »Ersten Koordinator« scharf beobachtet.

Schon über zwanzig Jahre arbeitete der K I für die »press-galaxis«. Der ehemalige Marschall der Flotte wusste genau, dass die scheinbare Jugend Delon Malwarreks mehr eine Maske war, die seine wahren Fähigkeiten verdecken sollte. Aber auch ihm, den für die Redaktion der »press-galaxis« verantwortlichen Mann, war es noch nicht gelungen, hinter das Geheimnis der Malwarreks zu kommen.

Vor noch nicht fünf Jahren war Delon Malwarrek erstmals hier in seinem Büro materialisiert. Er hatte sich höflich vorgestellt und mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen im Laufe der folgenden Jahre Einfluss auf die Gestalt und den Inhalt der »press-galaxis« genommen. Seine Ausweise waren einwandfrei. Er hatte ihn als Bevollmächtigten, der selbst für den K I anonymen Konzernleitung akzeptieren müssen.

Später hatte Malwarrek wiederholt seine kleine Schwester mitgebracht, wie er sie nannte. Pal war ein Mädchen von eigenartigem Reiz und entsprach nahezu vollkommen dem derzeitigen Schönheitsideal. Sie war außerordentlich klug, auf den ersten Blick schien sie sogar intelligenter als ihr Bruder zu sein. Doch der K I ließ sich nicht täuschen. Er hatte bald erkannt, dass Delon Malwarrek seine Gefühle und Empfindungen einfach besser kontrollieren konnte.

Jetzt ging eine erschreckende Veränderung mit Malwarrek vor. Sie stand im krassen Gegensatz zu seiner sonst stets freundlichen und verbindlichen Art. Sein Gesicht bekam einen harten, kantigen Ausdruck.

»Die Bobits haben einen neuen Schiffstyp entwickelt, sie werden hier als Dreieckschiffe beschrieben.« Er gab seinen Worten eine eigenartige Betonung, faltete den Plockerspruch sorgfältig zusammen und ließ ihn in einer Falte seines Umhangs verschwinden. Seiner Schwester warf er dabei einen wissenden und dennoch betroffenen Blick zu.

»Dreieckschiffe?« Diese Frage kam gedehnt und ungläubig von der Frau.

»Ja! Es gibt nur eine Möglichkeit, der Sache auf den Grund zu gehen.« Delon Malwarrek sah den mit verständnislosen Blicken vor ihm stehenden K I prüfend an und sagte dann leichthin: »Ich muss zum NX 44!«

Mit einem Senken des Kopfes deutete er dem jetzt noch verblüffter dreinblickenden Mann seinen Dank an. Seine Schwester hatte sich erhoben. Zusammen traten sie in den Materie-Transmitter. Ihre Körper leuchteten Bruchteile von Sekunden strahlend auf, dann verschwanden sie.

Lange sah der Chefkoordinator auf die Stelle in seinem Büro, wo eben noch die zwei Menschen gestanden hatten. Bisher war er noch nicht dahintergekommen, wie die Malwarreks den Transmitter aktivierten. Auch woher sie kamen und wohin sie gingen, hatte er noch nicht feststellen können.

Kopfschüttelnd ließ er sich eine Kopie des Plockerspruches schicken, der eben solche Bestürzung bei den Malwarreks hervorgerufen hatte. Tatsächlich, da wurde etwas von Dreiecksschiffen berichtet und von einer Suchaktion nach möglicherweise mit Rettungskapseln entkommenen Bobits.

Sollte Malwarrek vielleicht wegen dieser Suchaktion so aus der Fassung geraten sein? Das wäre möglich, überlegte der K I, denn immerhin hatte die Flotte jetzt ja eine, wenn auch nur kleine Chance, den Bobits auf die Spur zu kommen.

In seiner eigenen Zeit als aktiver Marschall hatte sich nie eine solche Gelegenheit geboten. Er selbst war zweimal während seiner Laufbahn direkt an Kämpfen gegen die Bobits beteiligt gewesen. Einmal als junger Offizier und später dann als Kommandant eines Schlachtschiffes. Er konnte es schon verstehen, wenn jemand dem Moment entgegenfieberte, womöglich Einzelheiten über das Aussehen der Bobits zu erfahren.

 

 

 

4. Kapitel

 

 

»Wirst du alleine fliegen?«, fragte Pal ihren Bruder in einem sachlichen, fast unpersönlichen Ton.

»Ja, das werde ich! Was bleibt mir auch anderes übrig.« Delon Malwarrek war sehr nachdenklich. Er trat an ein Fenster des obersten Stockwerkes des Superplock-Senders der »press-galaxis«. Unter sich sah er die lange Reihe der zierlichen, schlanken Kurierschiffe, die auf dem privaten Raumhafen des Zeitungskonzerns standen. Riesige Wartungshallen schlossen das Landefeld hufeisenförmig ein. Etwas abseits stand ein 10.000-Tonnen-Frachter. In dem gedrungenen, schwerfällig aussehenden Schiffskörper verbarg sich eines der schnellsten Blitzschiffe des Imperiums.

»Ich werde die p-g 0001 nehmen«, wandte sich Delon Malwarrek wieder seiner Schwester zu. »In zehn Sprüngen müsste ich die 50.000 Lichtjahre zum NX 44 schaffen können. Da mir Basarbs Position bekannt ist, werde ich nicht mehr als dreißig Stunden benötigen, um seine Flotte zu erreichen.«

»Falls keine unerwarteten Schwierigkeiten auftauchen«, warf Pal bedrückt ein.

»Es darf eben einfach nichts passieren. Informiere bitte das Flottenkommando und unsere Freunde über das Ziel meines Fluges, wenn ich gestartet bin.« Grüßend hob Delon eine Hand und trat in den Transmitter.

Er materialisierte in der Steuerzentrale der »p-g 0001«. Auf den ersten Blick konnte man feststellen, dass es sich hier keineswegs um den Kommandostand eines Frachters handelte. Allein die vier Poillet-Manometer deuteten darauf hin, dass der gesamte Schiffskörper gerade einen einzigen der gewaltigen Extra-Hyperraumantriebe umschließen konnte. Normalerweise besaßen nur 150-Megatonnen-Schlachtkreuzer diesen Antrieb.

Delon Malwarrek setzte sich auf den Kommandositz. Kurz hintereinander schaltete er drei Sichtschirme ein. Der erste zeigte den Startplatz: Er war völlig menschenleer.

Der zweite gestattete die Beobachtung des Luftraumes bis zu einer Höhe von 1000 Kilometern: Es herrschte ein reger Betrieb, aber alle Raumtaxis und -gleiter mieden peinlich genau die Start- und Landeschneise über dem Raumhafen der »press-galaxis«

Auf dem dritten Bildschirm erschien der Kopf eines Technikers der zivilen Raumsicherung. Überrascht schaute der Mann Malwarrek an und stammelte: »Wie kommen Sie auf meinen Schirm? Ich stand doch eben noch mit einem Venus-Frachter in Verbindung.«

»Diese Verbindung werden Sie auch gleich wiederbekommen«, versuchte Malwarrek den wie versteinert dasitzenden Techniker zu beruhigen. »Ich habe aber vorher eine Frage, die Sie mir beantworten müssen. Ist Ihr Sektor zur Plutobahn hin frei?«

Der Mann schluckte und antwortete dann routinemäßig: »Ja, die Flotte hat aber ein generelles Startverbot für Direktflüge Richtung Pluto erlassen!«

Der Mann gewann seine Fassung wieder. Scharf verlangte er: »Identifizieren Sie sich, oder ich benachrichtige die Raumpolizei.«

»Das haben Sie ohnehin schon getan«, meinte Malwarrek und lächelte amüsiert. »Aber dennoch vielen Dank für Ihre Auskunft.«

Er unterbrach die Blitzverbindung und betätigte die Startautomatik.

 

 

 

5. Kapitel

 

 

Etwa achtundzwanzig Stunden später setzte Malwarrek zum letzten Sprung an. Der junge, athletisch gebaute Mann machte ein bedeutend fröhlicheres Gesicht, als er es zu Beginn seines Fluges zur Schau getragen hatte. Vergnügt pfiff er einige Takte des Sternenmarsches vor sich hin. Bis jetzt war alles glatt gegangen. Seine Zeitkalkulation hatte gestimmt. Bald würde er wissen, was es mit den Dreiecksschiffen auf sich hatte.

Ein leichter Summton machte ihn darauf aufmerksam, dass der Robotpilot zum Sprung ansetzte. Er lehnte sich in seinen Sessel zurück, schloss die Augen und löste die Sperre. Ohne Übergang tauchte die »p-g 0001« in den Hyperraum ein. Delon Malwarrek achtete kaum auf die Veränderungen, die mit dem ganzen Schiff und seinem Körper vor sich gingen.

Ein unangenehmes grünliches Licht traf seine Augen. Die festen Linien der Zentrale schienen sich aufzulösen. Die physikalischen Gesetze des Normalraumes galten hier nicht mehr, Untersuchungen hatten das ergeben.

Jedem Menschen drängte sich im Hyperraum das Gefühl auf, hinter den bösartigen, grünen Lichtschleiern verberge sich etwas ungeheuer Grauenvolles.

Die Zeit stand still.

Als Delon Malwarrek die Augen öffnete, wusste er, dass er sich wieder im Normalraum befand. An die Sekunden oder Tausende von Jahren, die er sich im Hyperraum befunden hatte, konnte er sich nur verschwommen erinnern. Auch dieses Phänomen war eines der noch ungeklärten Geheimnisse des Überlichtfluges.

Sofort machte er sich an die Arbeit. Er befand sich in der Sektion B/23 des Spiralarms NX 44. Hier hatte die Raumschlacht stattgefunden Zunächst musste er jetzt die genaue Position von Basarbs Flotte ermitteln.

Erwartungsvoll schaltete Malwarrek den Sucher ein. Doch schon nach wenigen Sekunden verzog sich sein Gesicht in grenzenloser Verblüffung zu einer nicht sehr geistvoll aussehenden Grimasse. Bis auf einen einzigen leuchtenden Punkt im Zentrum des Sichtschirmes war die Suchscheibe leer. Die einzige sichtbare Ortung stammte von seinem eigenen Schiff.

Das durfte einfach nicht wahr sein. In fliegender Eile überprüfte Malwarrek die Daten seines letzten Sprunges. Es gab keinen Zweifel, er befand sich in dem Teil des NX 44, in dem die Raumschlacht stattgefunden hatte. Basarbs Flotte war jedoch verschwunden.

Noch einmal suchte Malwarrek den Raum mit dem Sichtschirm ab. Erst jetzt entdeckte er am äußersten Rand der Scheibe einen kleinen Lichtpunkt. Ärgerlich schlug er sich mit der Hand vor die Stirn. Wie hatte er das nur übersehen können. Gleich darauf fiel ihm aber als Entschuldigung ein, dass es jedem anderen wohl auch so gegangen wäre. Er hatte fest damit gerechnet, sich in der Nähe einer ganzen Flotte zu befinden; als sich das als Trugschluss herausstellte, hatte er das einzelne Schiff übersehen. Eine erklärbare Fehlleistung.

Mit einigen schnellen Griffen programmierte er das neue Zielgebiet in die Steuerautomatik. Für einen Raumsprung mit Poillet-Antrieb war die Entfernung nicht groß genug. Er entschloss sich deshalb, mit Sternenantrieb auf 1000fach Licht zu gehen und dann mit Drummod-Effekt zwei »Raumhüpfer« von jeweils fünfundzwanzig Lichtjahren zu springen.

Selbst bei 1000facher Lichtgeschwindigkeit befand sich ein Raumschiff noch nicht völlig im Hyperraum. Vielmehr bewegte es sich in einer Zwischenzone, die nicht mehr Normalraum war, aber auch noch nicht Hyperraum. Hier waren sogar noch sinnvolle Geschwindigkeitsmessungen möglich. Selbst Kampfhandlungen zwischen Raumschiffen konnten stattfinden.

Im eigentlichen Hyperraum war das nicht möglich. Jedes Raumschiff war darin Spielball unbekannter Kräfte. Es hatte Jahrhunderte gedauert, ehe man durch unzählige Versuche auf gewisse Gesetzmäßigkeiten im Hyperraum gestoßen war. Heute war man in der Lage, den Austrittspunkt eines Raumschiffes aus dem Hyperraum zu bestimmen, wenn seine genaue Eintauchgeschwindigkeit bekannt war.

 

 

 

6. Kapitel

 

 

»Wie sieht es aus, immer noch keine Verbindung mit der Flotte?« Nervös ging Selektor Bark in der Zentrale seines Kugelgleiters auf und ab. Er versuchte sich einzureden, dass das Schweigen der Flotte nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein musste. Admiral Basarb war ein ausgezeichneter Taktiker. Er würde auch die zweite Schlacht gewinnen, wünschte sich Art Bark.

Inzwischen hatte Kadett Markett die Frage mit einem langgezogenen »Nein« beantwortet. Er bediente die Raumsichtscheibe. Der junge Offiziersanwärter lehnte sich zurück und meinte schon halb verzweifelt: »Ich bekomme einfach keine Verbindung, es sieht so aus, als wäre die Flotte aus diesem Sektor verschwunden.«

Mit einer unwilligen Handbewegung tat der Selektor diese Bemerkung ab. »Versuchen Sie es weiter!«, befahl er und verließ die Zentrale.

Die Suche nach überlebenden Bobits war bisher ergebnislos verlaufen. Zwar wollte das nicht unbedingt besagen, dass überhaupt keine Bobits entkommen waren, denn schließlich war Mandos nur eines von siebenunddreißig Systemen, die als Zufluchtsstätte in Frage kamen. Auf Mandos V waren aber nach Barks Überzeugung bestimmt keine Bobits zu finden. Das wäre ja auch zu schön gewesen …

Mit verkniffenem Gesicht überlegte er die nächsten Schritte. Vorläufig würden sie die Suche fortsetzen, selbst wenn das nichts als reine Energieverschwendung war. Befehl war eben Befehl. Einfach zu dumm, dass sie keine Verbindung mit der Flotte herstellen konnten. Mochte der Allgeist wissen, was da geschehen war.

In diesem Augenblick hörte Art Bark erregte Rufe seines Kadetten. Im Sturmschritt eilte er in die Zentrale. Er war schon versucht »na endlich« zu sagen, als er gerade noch bemerkte, dass Markett gar nicht mehr vor der Raumsichtscheibe saß. Unwillig stoppte Bark seinen Lauf ab und fragte drohend: »Was ist los?«

Aufgeregt sprudelte der Kadett hervor: »Unser Signalplocker ist geortet worden!«

»Aus welcher Entfernung?«

»Kann ich noch nicht feststellen. Die Kapazität unseres Orters reicht dazu nicht aus. Auf jeden Fall aber von außerhalb des Systems Mandos.«

Etwas von der Erregung des Kadetten griff auf den Selektor über. »Machen Sie Platz«, sagte er. Gespannt beugte er sich über den Sucher. Da war tatsächlich nichts zu sehen, doch Art Bark fühlte beinahe körperlich, dass bald etwas von entscheidender Bedeutung passieren würde.

Selektor und Kadett ließen das Ortungsgerät nicht mehr aus den Augen. Geduldig harrten sie Minute um Minute aus. Dann sahen sie es beide zur gleichen Zeit. Plötzlich befand sich ein leuchtender Punkt auf der Sichtscheibe des Orters. Ein Raumschiff war aus der Hyperraum-Zwischenzone ganz nah an den Normalraum gekommen.

Bis jetzt hatten sich die beiden Männer kaum bewegt, doch nun wurden sie von einer geradezu beängstigenden Geschäftigkeit befallen.

»Behalten Sie das Schiff im Auge und bereiten Sie alles zum Start vor«, brachte Bark den Kadetten auf Trab. Er selbst versuchte zunächst vergeblich, Plockersignale aufzunehmen. Dann aktivierte sich die Sichtscheibe automatisch. Es erschien der Kopf eines jungen Mannes, den Bark noch nie gesehen hatte. »Ein Zivilist«, stellte er fest.

Bevor der Selektor noch eine Bemerkung machen konnte, ergriff der Fremde das Wort: »Delon Malwarrek, Sonderkorrespondent der press-galaxis, bleiben Sie bitte auf Ihrer Position, ich werde gleich landen!«

»Gleich!«, meinte der Selektor gedehnt, doch die Sichtverbindung war schon wieder unterbrochen. Ärgerlich drehte er sich um. Was er da sah, verbesserte seine Laune keineswegs.

Mit offenem Mund, ein halb ungläubiges, ein halb entsetztes Gesicht zeigend, saß der Kadett vor dem Sucher. »Das ist ein Verrückter, das ist ein Wahnsinniger«, brachte er stammelnd hervor.

Mit ein paar großen Schritten trat der Selektor hinter Markett. Als er die Ursache für das merkwürdige Verhalten das Kadetten erkannte, trieb es auch ihm das Blut in den Kopf. Der leuchtende Punkt auf der Orterscheibe bewegte sich deutlich wahrnehmbar quer durch das System Mandos auf den Planeten V zu.

»Der fliegt mit Überlicht, mindestens 10fach«, vermochte er noch einigermaßen verständlich zu sagen.

»Das ist ein Superschlachtschiff, das kann nur ein Superschlachtschiff sein«, stöhnte der Kadett. Dunkel erinnerte er sich an die wahren Wunderdinge, die man sich von diesem Schiffstyp erzählte.

Art Bark verglich die Flugstrecke, die das fremde Raumschiff bisher zurückgelegt hatte, mit der, die es noch bis Mandos V fliegen musste. »In zwanzig Minuten wissen wir genau, mit was für einem Schiff wir es zu tun haben«, meinte er sachlich.

Die »press-galaxis« war ihm natürlich ein Begriff, aber wie sollte selbst der wichtigste Sonderkorrespondent zu einem solchen Raumschiff kommen? So etwas durfte es einfach gar nicht geben. Den Gerüchten über die Superschlachtschiffe schenkte Art Bark nicht viel Glauben.

Träge verstrich jetzt die Zeit. Wieder wurde der Selektor durch ein Stöhnen des Kadetten aus seinen Gedanken gerissen.

»In eine Kreisbahn geht er auch nicht, der fällt direkt auf uns herunter, das ist ein Selbstmörder«, ächzte Phil Markett abgehackt.

»Meinetwegen!«, sagte Bark. Er hatte sich fest vorgenommen, die Dinge auf sich zukommen zu lassen und keinerlei Überraschung mehr zu zeigen.

Offensichtlich saß aber doch kein Selbstmörder in dem landenden Schiff. Seine Geschwindigkeit wurde fast abrupt gebremst Die letzten 20 Kilometer sank es in durchaus normaler Landefahrt nieder.

Mit einer fahrigen Bewegung setzte der Kadett die Außensichtschirme in Betrieb. Von der Zentrale aus konnten sie jetzt die weite, scheinbar endlose Kupferstaubebene sehen. Nach allen Richtungen hin umgab sie den Gleiter.

Am Horizont tauchte das fremde Raumschiff auf. Es hatte eine Kurskorrektur vorgenommen. Etwa einen Kilometer vor dem Kugelgleiter landete es. Teleskopbeine fuhren aus und verankerten es an der Oberfläche von Mandos V.

Staunend, nicht fähig auch nur ein Wort hervorzubringen, starrten Bark und Markett das Schiff an. Das war kein Superschlachtschiff, das war noch nicht einmal ein Zerstörer, das war ein Frachter, ein ganz gewöhnlicher 10.000-Tonnen-Frachter.

»Das ist ein Ding«, presste Markett schließlich zwischen den Zähnen hervor. »Ich glaub, ich träume!«

Selektor Bark schwieg. Keine Verblüffung zeigen, dachte er krampfhaft. Du lässt dich einfach durch nichts mehr aus der Ruhe bringen.

An der Außenwand des Frachters wurde eine Öffnung sichtbar. Heraus schwebte eine Antigravplatte, auf der ein Mensch saß. Schnell näherte sich der Flugkörper dem Kugelgleiter.

Sarkastisch meinte Bark: »Na, dann wollen wir mal unserem Gast einen herzlichen Empfang bereiten!« Grimmig blickend stapfte er zur Innenschleuse des Gleiters und baute sich davor auf. In erstaunlich kurzer Zeit hatte der Fremde den versteckt angebrachten Öffnungsmechanismus der Außenschleuse gefunden.

Nachdem Bark die Sicherheitssperre gelöst hatte, trat der Mann aus der Innenschleuse mit federnden Schritten in den Gleiter. Seinen Schutzhelm hatte er abgeschaltet. Ein Zeichen dafür, dass er keinerlei Schwierigkeiten erwartete. Er trug eine leichte Kombination ohne jedes Rangabzeichen. Impertinent lächelnd, so kam es Markett vor, weidete er sich an ihren erwartungsvollen Blicken.

Er neigte grüßend den Kopf und stellte sich noch einmal vor: »Delon Malwarrek.«

Weil Bark und Markett immer noch schwiegen, wandte er sich an den Selektor: »Wir haben uns ja schon über Sichtschirm kennengelernt. Danke übrigens, dass Sie meine Bitte befolgten und nicht in den Raum gestartet sind.«

Der Selektor riss sich zusammen und antwortete bissig: »Ja, wir haben uns allerdings schon ein paar Sekunden am Sichtschirm gesehen. Von Kennenlernen kann aber doch wohl nicht die Rede sein.« Auch er grüßte dann den breitschultrigen Eindringling mit einem Neigen des Kopfes. Anschließend stellte er den Kadetten und sich selbst vor.

»Entschuldigen Sie, dass ich vorhin etwas kurz angebunden war«, erklärte der Fremde mit einem entwaffnenden Lächeln. »Ich hatte es eilig, zu Ihnen zu gelangen.«

»Das haben wir gemerkt«, platzte Markett heraus. »Ein Wunder, dass Sie überhaupt noch leben.«

»So ein großes Wunder ist das nun auch wieder nicht. Aber trösten Sie sich, das unscheinbare Äußere meines Schiffes hat schon manchen getäuscht. In Wirklichkeit handelt es sich keineswegs um einen plumpen Frachter, sondern um ein Blitzschiff. Offiziell registriert ist es allerdings nicht.«

Freundlich sah der Mann den Kadetten nach dieser Erklärung an. Er folgte dann der einladenden Handbewegung des Selektors und ging in die Zentrale des Kugelgleiters.

Hier nahm sein Gesicht einen gespannten, wachen Ausdruck an. Betont leise sagte er: »Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich bin nicht nur in meiner Eigenschaft als Sonderberichterstatter der press-galaxis hier.«

Delon Malwarrek reichte dem Selektor eine rote Marke, die er bisher in der Hand verborgen gehalten hatte.

Art Bark nahm sie mit spitzen Fingern entgegen. Er prüfte beide Seiten sehr genau und reichte sie dann in militärisch strammer Haltung zurück. Phil Markett bekam abermals Stielaugen. Er hatte sich etwas im Hintergrund gehalten. Ein Bevollmächtigter des Hohen Rates, schoss es ihm durch den Kopf. Er wusste, dass von diesen Ausweisen nur ein paar Hundert existierten.

Der Selektor kochte innerlich. Auch das noch, dachte er verbittert. Wenn dieser Malwarrek auch keine Befehlsgewalt über ihn besaß, so war er doch gehalten, ihm jede in seiner Macht liegende Unterstützung zu gewähren. So hieß es in den Dienstvorschriften. Nun, Bark gab sich einen Ruck, er musste eben gute Miene zum bösen Spiel machen. Abwartend sah er Malwarrek an.

Der Mann hatte sich völlig ungezwungen auf eine Bank gesetzt. Er ließ seine Blicke interessiert in der Zentrale des Kugelgleiters schweifen. Bark gab seinem Kadetten Markett einen Wink. Beide setzten sich Malwarrek gegenüber.

Das wird wohl ein schrecklich förmliches Gespräch werden, ging es Phil Markett bedauernd durch den Kopf. Die Reserviertheit des Selektors war ihm nicht entgangen.

»Wirklich ein ausgezeichnetes Schiff, ich wusste gar nicht, dass die Flotte diesen Typ verwendet«, ergriff Malwarrek das Wort. Sein Blick ruhte fest auf dem Selektor.

»Ja«, antwortete Art Bark knapp. Was soll das, dachte er. Man überwindet nicht Zehntausende von Lichtjahren, nur um ein Kompliment über den Kugelgleiter eines Selektors zu machen. Aufmerksam beobachtete er Malwarrek, der scheinbar völlig entspannt und gelockert vor ihm saß.

»Sie gehören zur 164. Flotte, die unter dem Kommando von Admiral Basarb steht.« Ohne eine Antwort abzuwarten, stellte Malwarrek die Frage: »Wo befindet sich diese Flotte zurzeit?«

Automatisch antwortete Art Bark: »21 Lichtjahre vom System Mandos entfernt. Sie liegt im Kampf mit den Bobits. Unsere Verbindung ist allerdings abgerissen.«

»Wann hatten Sie den letzten Kontakt?«

»Vor dreißig Stunden und vierundzwanzig Minuten«, antwortete Phil Markett nach einem Blick auf die Kontrolluhr an der Sichtscheibe.

Malwarreks Gesicht verzog sich kaum merklich, als er leise feststellte: »Die Schlacht war zu diesem Zeitpunkt doch schon beendet!«

»Ja, die erste«, sprudelte der Kadett aufgeregt hervor. »Gerade als wir mit dem Schlachtschiff des Admirals in Verbindung standen, kamen die Bobits wieder. Es hat eine zweite Schlacht gegeben!«

Art Bark, der Markett zunächst wegen seiner vorlauten Erklärung hatte zurechtweisen wollen, musterte Malwarrek scharf. Wie würde der Fremde reagieren?

Doch beide, Selektor und Kadett, wussten mit der Reaktion Malwarreks nichts Rechtes anzufangen. Zwar ging eine nicht unbeträchtliche Veränderung im Gesicht des Mannes vor, sie zu deuten war ihnen aber unmöglich. Eines allerdings war klar zu erkennen: Das Mienenspiel Malwarreks schien eher so zu sein, als würde er die Erklärung des Kadetten für einen Scherz und nicht für eine Sensation allerersten Ranges halten.

Auch dieser Eindruck hielt aber nicht lange an. Zu schnell setzte Malwarrek ein undurchschaubares Spielergesicht auf. Noch leiser als zuvor erklärte er dann: »Im Umkreis von fünfzig Lichtjahren befindet sich außer Ihrem Kugelgleiter kein einziges Schiff der Flotte.«

Als Art Bark Malwarrek in die Augen sah, wusste er, dass der Mann die Wahrheit sprach. Phil Markett, der zuerst ungläubig den Kopf geschüttelt hatte, deutete das Schweigen der beiden Männer richtig. Entsetzt sprang er auf und stammelte: »Unsere Flotte ist vernichtet worden … vernichtet … da lebt keiner mehr … nur wir leben noch. Wir sind die einzigen Überlebenden …«

Seine Stimme wurde schriller: »Oh, diese verdammten Bobits, diese verdammten …«

»Beherrschen Sie sich!« Messerscharf war die Stimme Malwarreks. Sofort fand Phil Markett in die Wirklichkeit zurück. Beschämt schwieg er. Sein kreidebleiches Gesicht überzog sich mit einer brennenden Röte.

Selektor Bark hatte sich besser in der Gewalt. Natürlich merkte man auch ihm an, wie betroffen er war. Stockend fragte er: »Sie haben in Ihrem … äh … Superschiff wohl alle erforderlichen Instrumente, um mit absoluter Sicherheit sagen zu können, dass es im Umkreis von fünfzig Lichtjahren kein Schiff der Flotte gibt?«

»Ja! Wir müssen davon ausgehen, dass die 164. Flotte vernichtet wurde, von den – ja von den Bobits, so wie wir vorher deren Schiffe vernichtet haben.«

Leidenschaftslos, erschreckend kalt klangen die Worte Malwarreks.

Jetzt zeigte sich, aus welchem Holz Raumsoldaten geschnitzt waren. Nicht die kleinste Spur von Verwirrung oder gar Furcht lag in der Stimme des Selektors, als er fragte: »Warum schreckten Sie eben davor zurück, auszusprechen, dass die Bobits die Flotte Admiral Basarbs besiegt haben? Alle Männer der Flotte wissen, dass in diesem Kampf Opfer gebracht werden müssen.«

»Es ist mir gar nicht aufgefallen, dass ich gestockt habe. Das hat aber nichts zu bedeuten.« Leichthin ging Malwarrek über die Frage weg.

»Aber etwas anderes! Unsere Berichterstatter bei der 164. haben in ihrer Nachricht über den Verlauf der Schlacht – wohlgemerkt der ersten Schlacht – mitgeteilt, dass die Bobits einen völlig neuen Schiffstyp einsetzten. Entspricht das den Tatsachen, Selektor?«

»Das stimmt«, antwortete Art Bark. Bedächtig fuhr er fort: »Unsere Flotte befand sich mehr oder weniger auf einem Routineeinsatz. Admiral Basarb hatte den Auftrag, im Spiralarm NX 44 einen militärischen Stützpunkt zu errichten. Ich selbst war ihm vorübergehend unterstellt worden. Später sollte es meine Aufgabe sein, die Besiedlung dieses Sternenhaufens vorzubereiten. Wie üblich wurden bei diesem Einsatz auch schon alle Sauerstoffplaneten in Augenschein genommen. Natürlich nur, wenn sich das ohne großen Zeitverlust machen ließ. Unter anderem haben wir das System Mandos kartografiert. Einen wirklich allen Anforderungen gewachsenen Stützpunkt fanden wir aber nicht.

Wir gerieten schließlich etwas in Zeitdruck. Um die einzelnen Erkundungsergebnisse zu koordinieren, befahl Admiral Basarb deshalb den vorläufigen Abbruch der Aktion. Alle Schiffe sammelten sich.«

»Aha«, unterbrach ihn Malwarrek, »und danach kam es dann zur Schlacht.«

»Ja, aber Schlacht ist vielleicht schon etwas zu viel gesagt, wenn man es richtig bedenkt«, berichtete Art Bark weiter.

»Warum?« Gedehnt kam diese Frage Malwarreks.

Der Selektor strich sich mit einer Hand widerspenstige Haare aus dem Gesicht. »Es war sehr merkwürdig. Unsere Schiffe lagen dicht beisammen. Die Bobits hätten sich keine bessere Gelegenheit wünschen können, auf uns zu stoßen und uns in die Zange zu nehmen. Plötzlich tauchte ihre Flotte einige Lichtminuten von uns entfernt aus dem Hyperraum auf. Sie war weit auseinandergezogen und halbmondförmig gestaffelt. Es muss reiner Zufall gewesen sein, denn die Entfernung zur nächsten Sonne betrug Lichtjahre.

Die Bobits waren offenbar im ersten Augenblick völlig verwirrt. Anstatt ihre taktische Überlegenheit auszunutzen und uns zu umklammern, zogen sie ihre Schiffe zusammen. Admiral Basarb befahl sofort den Angriff aller leichten Einheiten auf die Flügel der feindlichen Flotte, damit wir wenigstens etwas Zeit gewannen, um unsere Kreuzer in Schlachtordnung zu bringen.

Durch die überraschende Taktik der Bobits sah die Situation dann kurze Zeit später genau umgekehrt aus. Nicht sie hatten uns, sondern wir hatten sie in die Zange genommen. Von den Seiten und von vorne stießen wir auf sie zu. Innerhalb von Minuten verglühten die Schiffe der Bobits unter den Strahlenschüssen unserer Superblaster. Erst als es zu spät war, versuchten sie ihr Heil in der Flucht. Bei dem Durcheinander von explodierenden und zerberstenden Schiffen verloren auch wir etwas die Übersicht.

Wer hätte auch je gedacht, dass sich eine ganze feindliche Flotte sozusagen auf dem Präsentierteller anbot und abschlachten ließ?

Wir stellten allerdings noch fest, dass zumindest eine Rettungskapsel in den Hyperraum entkommen konnte. Aus dem Energierückstoß ließ sich errechnen, dass die Kapsel für nur einen einzigen Sprung von höchstens fünfundzwanzig Lichtjahren gebaut war.«

Gespannt hörte Delon Malwarrek der Schilderung des Selektors zu. Auch Phil Markett, der doch dabei gewesen war, ließ sich kein Wort entgehen.

Art Bark erzählte weiter: »Um jetzt Ihre Frage zu beantworten: Dieser Kugelgleiter ist tatsächlich bei der Flotte noch nicht allgemein eingeführt. Es handelt sich um eine Spezialanfertigung. Hauptsächlich dient er zur Beobachtung und Erforschung neu entdeckter Planeten. Als zukünftiger Selektor des NX 44 hätte er mir gute Dienste geleistet. Aber auch zum Aufspüren eventuell entkommener Bobits – diese Möglichkeit zeichnete sich hier ja erstmals ab – ist er besser geeignet als alle anderen Einheiten der Flotte. Aus diesem Grund stellte ich mich dem Admiral auch freiwillig für die Suchaktion zur Verfügung »

»So verhält sich das also, ich hatte mich schon gewundert, hier einen Selektor anzutreffen«, ließ sich Malwarrek vernehmen. »Aber wie ging es weiter?«

»Der Rest ist schnell berichtet.« Art Bark räusperte sich vernehmlich. »Das System Mandos wurde uns zum Durchsuchen zugeteilt. Auf dem fünften Planeten landeten wir, weil er noch am ehesten als Schlupfwinkel in Frage zu kommen schien. Doch wie gesagt, wir haben bisher weit und breit keinen schiffbrüchigen Bobit entdecken können. Hätten wir Verbindung mit Admiral Basarb gehabt, wären wir wohl nicht mehr hier.«

Dieser letzte Satz rief dem Selektor das Schicksal der Flotte in Erinnerung. Sein Gesicht verfinsterte sich.

Delon Malwarrek hatte sich erhoben. In Gedanken versunken ging er einige Male durch die Zentrale des Kugelgleiters. Abrupt blieb er dann vor dem Selektor stehen. Er überragte ihn um Haupteslänge. »Entschuldigen Sie, wenn ich Sie immer wieder an ihre Kameraden erinnere, aber wie war das nun mit den Dreiecksschiffen?«

»Schon gut.« Art Bark betrachtete Malwarrek langsam mit anderen Augen. »Ja richtig, das habe ich ganz vergessen. Als wir nach dem Auftauchen der Bobits feststellten, dass es sich bei ihren Schiffen um einen völlig neuen Typ handelte, gab ihnen Admiral Basarb diesen Namen. Wohl weil die vier Seiten der neuen bobitischen Raumer aus gleichschenkeligen Dreiecken bestehen. Besser wäre vielleicht noch die Bezeichnung Pyramidenschiffe.

Übrigens, bei unserem letzten Kontakt mit der Flotte erklärte uns ein Nachrichtenoffizier von Admiral Basarbs Schlachtschiff, dass die Bobits abermals mit Dreiecksschiffen kämpfen würden. Danach riss die Verbindung leider ab.«

»Mit größeren Dreiecksschiffen, die zudem noch dicke Randwulste hätten«, mischte sich Phil Markett in das Gespräch ein.

»Was?« Wie elektrisiert drehte sich Delon Malwarrek um und forderte den Kadetten zum Weitersprechen auf.

Verlegen sagte Markett: »Ja, das erklärte der Offizier. Kurz danach musste der Kreuzer die Schutzschirme verstärken, weil die Bobits schon aus großer Entfernung starke Traktorstrahlen einsetzten. Mehr haben wir nicht erfahren.«

Art Bark bestätigte die Worte des Kadetten mit einem Kopfnicken.

»Dreiecksschiffe, Dreiecksschiffe mit dicken Randwulsten und superstarke Traktorstrahlen«, murmelte Delon Malwarrek mit zusammengekniffenen Lippen vor sich hin. Erstaunt sahen ihn Selektor und Kadett an.

Sieh da, dachte Phil Markett, jetzt hat es ihm doch die Sprache verschlagen.

Bevor er noch eine Bemerkung machen konnte, sagte Malwarrek etwas theatralisch: »Meine Herren, Sie täten gut daran, sich auf noch mehr Überraschungen vorzubereiten!«

Danach kümmerte er sich zunächst nicht mehr um die fragenden Blicke der beiden Männer, sondern setzte das Informationszentrum des Kugelgleiters in Betrieb. Aufmerksam hörte er sich an, was der Roboter mit seiner etwas quäkenden Stimme über die bisher ergebnislose Suche nach den Bobits zu berichten wusste.

 

 

 

7. Kapitel

 

 

Federleicht hob sich Malwarreks Antigravplatte in die für Menschen kaum atembare Atmosphäre von Mandos V. Delon Malwarrek und Phil Markett hatten ihre Schutzfelder eingeschaltet. Dem jungen Kadetten fiel es sichtlich schwer, nicht in lautes Triumphgeheul auszubrechen. Jetzt würde sich herausstellen, ob ihm seine Augen einen Streich gespielt hatten oder ob er tatsächlich eine bedeutsame Entdeckung gemacht hatte.

Im weiteren Verlauf des Gespräches mit dem Korrespondenten der »press-galaxis« hatte Markett auch berichtet, dass er zwar mit der Fernsichtscheibe kein Lebewesen oder auch nur eine Unterbrechung der Eintönigkeit, in der sich nach allen Seiten erstreckenden Wüste hatte ausmachen können, dafür aber mit bloßem Auge Bewegungen wahrgenommen habe. Trotz der heftigen Proteste des Selektors hatte er, durch aufmunternde Gesten Malwarreks bestärkt, darauf beharrt, dass ein Irrtum ausgeschlossen sei.

All seine Sympathien waren jetzt bei diesem Mann, der im Hin und Her der Diskussion plötzlich vorschlug, der Sache doch einfach auf den Grund zu gehen. Auf der Antigravplatte hatten zwei Mann bequem Platz; schwindelfrei musste man allerdings sein. Doch das war die geringste Sorge Phil Marketts gewesen. Schließlich hatte der Selektor sich geschlagen gegeben. Er willigte, wenn auch nur zögernd, in das Spähtruppunternehmen ein.

Mit skeptischen Blicken verfolgte er jetzt den Start der Antigravplatte. Er lehnte dabei an der Außenschleuse des Kugelgleiters.

Delon Malwarrek brachte das luftige Gefährt zunächst auf eine Höhe von einhundertfünfzig Meter. Dann steuerte er es in die Richtung, die ihm Phil Markett angab. Mit mäßiger Geschwindigkeit schwebten sie über die rötliche Wüste dahin. Scheinbar endlos, ohne jede sichtbare Erhebung, breitete sich unter ihnen die Oberfläche von Mandos V aus.

Markett hatte eine Fernsichtscheibe vor sich aufgebaut und beobachtete angestrengt die eintönige Ebene. Schon nach kurzer Zeit zeichnete sich auf seinem Gesicht ein zweifelnder Ausdruck ab. Sollte er sich denn so geirrt haben? Da war wirklich nichts, absolut nichts zu sehen, was sich in irgendeiner Form vom Wüstenboden abhob. Kleinlaut warf er Delon Malwarrek einen um Verzeihung heischenden Blick zu. Jetzt würde auch dieser Mann ihn für einen Narren mit Halluzinationen halten, dachte er bekümmert.

Da fiel ihm der gespannte, ungläubige Gesichtsausdruck Malwarreks auf. Verwundert sah Markett an der Fernsichtscheibe vorbei in die Richtung, in die Malwarrek so angespannt Ausschau hielt.

Fast hätte er das Gleichgewicht verloren. Was er sah, verschlug ihm die Sprache. Kurz vor ihnen, wenige Kilometer entfernt, lag ein dreieckiges Gebilde im Wüstensand.

»Die Rettungskapsel der – der Bobits«, vernahm er die gepresst klingende Stimme seines Begleiters.

»So etwas Ähnliches habe ich mir schon gedacht«, fuhr Malwarrek nach einem Blick auf die Fernsichtscheibe fort, »die Bobits können zwar unsere Instrumente täuschen, nicht aber das menschliche Auge. Markett, glauben Sie mir, das ist einer der größten Augenblicke in der Geschichte des Imperiums. Wir werden die ersten Menschen sein, die direkt mit Lebewesen zusammentreffen, die es an Verstand und technischer Fertigkeit zumindest mit uns aufnehmen können. Vielleicht hängt es von unserem Verhalten ab, ob die Menschheit noch eine Zukunft hat.«

Halb ehrfurchtsvoll, halb von einer unbändigen Energie geladen klang die Stimme Malwarreks. Unsagbar verwirrt sah Phil Markett ihn an. Dann blickte er abwechselnd auf das jetzt immer deutlicher erkennbar werdende Dreiecksschiff und auf die Fernsichtscheibe. Das Gerät, geschaffen, um den Sichtbereich des Menschen zu erweitern, zeigte nichts als eine tote Wüste an.

»Geben Sie sich keine Mühe, Markett, ich bin davon überzeugt, dass sich die Bobits mit einem technischen Kniff gegen unsere elektronischen Augen und Detektoren abgeschirmt haben.«

Wenn sie ihren Kurs beibehielten, würden sie einige hundert Meter an der Rettungskapsel der Bobits vorbeischweben. Bei dem Raumer handelte es sich offensichtlich um eine verkleinerte Ausgabe des Typs, gegen den Admiral Basarb die erste Schlacht geführt hatte.

»Wir müssen näher heran«, stieß Markett hervor.

»Das werden wir nicht tun«, erklärte Malwarrek bestimmt. »Die fremden Lebewesen werden der Meinung sein, wir würden zufällig hier vorbeifliegen. Sie wissen ganz genau, dass wir sie mit unseren Instrumenten nicht ausmachen können. Wie unsere Augen funktionieren, scheint ihnen aber nicht bekannt zu sein, sonst würden sie nicht so unbesorgt in unmittelbarer Nachbarschaft meines Blitzschiffes und des Kugelgleiters ihren Arbeiten nachgehen.«

Malwarrek sollte recht behalten. Inzwischen waren sie mit der Antigravplatte auf die bei ihrem Kurs nächste Entfernung an die Rettungskapsel herangekommen. Die Bobits schienen im Begriff zu sein, das kleine Dreiecksschiff auseinanderzunehmen. Zumindest hatten sie den größten Teil der Inneneinrichtung ausgebaut. Das war aus der Anzahl der Geräte und Einzelteile zu schließen, die um das Schiff verstreut im Wüstensand lagen. Welche Funktionen die fremdartig aussehenden Aggregate und Apparate hatten, war unmöglich zu enträtseln oder auch nur zu vermuten.

Die größte Überraschung für die beiden Männer war aber zweifellos das Aussehen der Fremden. Eine Überraschung deshalb, weil es sich nicht um Ungeheuer von schrecklichen Ausmaßen und Formen handelte. Soweit man auf diese Entfernung feststellen konnte, sahen sie keineswegs furchterregend aus. Am ehesten waren sie noch mit aufrecht gehenden Vögeln ohne Federkleid zu vergleichen.

Phil Markett zählte insgesamt 18 dieser harmlos aussehenden Gestalten. Einige von ihnen schienen interessiert in Richtung der Antigravplatte zu sehen. Aber das konnte auch eine Täuschung sein, denn die meisten gingen unentwegt irgendwelchen Arbeiten nach.

Erregt flüsterte Markett: »Wir sind die ersten Menschen, die Bobits sehen. Ich habe sie mir ganz anders vorgestellt.«

Malwarrek gab nur einen undefinierbaren Laut von sich. Er beschäftigte sich intensiv mit der Steueranlage der Antigravplatte. Inzwischen entfernten sie sich wieder von dem Landeplatz der Bobits. In einem weiten Bogen, so als hätten sie einen willkürlichen Erkundungsflug unternommen, kehrten sie zum Kugelgleiter zurück.

Mit missmutiger Miene empfing sie Selektor Bark »Ich habe doch gleich gesagt, dieser Flug wäre reine Zeitverschwendung!«

Malwarrek schwieg. Dankbar lächelte der Kadett. Leise, was sonst gar nicht seine Art war, berichtete er von ihren Beobachtungen.

Der Selektor, der ihm zuerst unwirsch ins Wort fallen wollte, hörte betroffen zu. Als Markett mit seinem Bericht fertig war, ging er spontan auf ihn zu und erklärte: »Kadett, ich habe Ihnen Unrecht getan!«

Freudig ergriff Markett die Hand des älteren Raumoffiziers. Schweigend hatte Malwarrek dieser Szene zugeschaut.

»Selektor, ich glaube, Sie haben richtig erkannt, welch großen Dienst uns Markett erwiesen hat. Jetzt kommt es darauf an, dass wir unser Wissen weitergeben. Sie selbst werden sicher schon eingesehen haben, dass Sie mit Ihrem Kugelgleiter keine Chance haben, das Imperium zu erreichen. Mit dem Verschwinden der Flotte Admiral Basarbs ist Ihnen jede Möglichkeit zur Rückkehr genommen. Ich mache Ihnen folgenden Vorschlag: Wir geben den Kugelgleiter auf, und ich bringe Sie mit meinem Schiff zurück.«

Gespannt wartete Markett Antwort des Selektors.

»Ich bin einverstanden«, sagte der knapp.

Der schnelle Entschluss überraschte nicht nur den Kadetten. Anerkennend meinte Malwarrek: »Ich weiß, dass es Ihnen nicht leicht fällt, Ihr Schiff aufzugeben. Aber wir wollen keine Zeit mehr verlieren. Beeilen wir uns mit dem Umzug.«

»Wir müssen den Kugelgleiter vernichten«, warf Art Bark ein.

»Keine Sorge, ich habe einen Energiewerfer an Bord.«

»Warum nicht gleich einen Superblaster«, meinte Bark schon wieder bissig. »Aber lassen wir das. Bei Ihnen wundere ich mich über gar nichts mehr.«

Nachdem sie die Beobachtungssatelliten eingeholt und ihre persönlichen Habseligkeiten mit Malwarreks Antigravplatte in das Blitzschiff geschafft hatten, hielten sie eine Art Kriegsrat ab. Der Selektor trat dafür ein, den Bobits einen Besuch abzustatten und sie mit dem Energiewerfer anzugreifen.

»Ich will jetzt nicht nachprüfen, wie ein Privatmann, selbst wenn er Bevollmächtigter des Hohen Rates ist, an eine solche Waffe kommt. Da wir sie aber nun einmal besitzen, sehe ich keinen Grund, warum wir nicht unsere Feinde vernichten sollten.« Art Bark war gegen den Widerstand Malwarreks gegen seinen Plan erbost.

»Wir werden uns noch mit den Bobits befassen«, lenkte Malwarrek ein, aber zuerst sollten wir versuchen, eine Plockverbindung mit dem Flottenkommando zu bekommen. Mit einer Notschaltung ließe sich für einige Sekunden die Sendeenergie Ihres Kugelgleiters verhundertfachen. Die gesamten Energievorräte des Raumers würden dazu sicherlich ausreichen. Da wir ihn ohnehin vernichten wollen, spielt das ja keine Rolle.«

Selektor Bark war mit diesem Vorschlag einverstanden. Markett erhielt den Befehl, noch einmal in den Kugelgleiter zurückzukehren und die erforderlichen Schaltungen vorzunehmen.

Schon nach kurzer Zeit hatte der Kadett den Auftrag ausgeführt.

---ENDE DER LESEPROBE---